• Mit Melnyk im Plenarsaal
    https://www.jungewelt.de/artikel/440140.geschichtspolitik-mit-melnyk-im-plenarsaal.html

    Résumé de la discussion scientifique des origines de la grande famine en Union Soviétique et de la qualification de génocide de sa partie ukrainienne. Texte assez complet et différencié.

    2.12.2022 von Reinhard Lauterbach - Die Erzählung vom »Hunger-Genozid« gegen die ukrainische Bevölkerung entstand in den späten 1970er Jahren in Kanada, wo die größte ukrainische Exilcommunitiy lebt und bereits 1983 ein erstes Denkmal zur Erinnerung an den »Holodomor« eingeweiht wurde.

    Ginge es nur um historische Erkenntnis, könnte man den Beschluss des Bundestages, die Hungersnot in der Ukraine während der Kollektivierung Anfang der 1930er Jahre (nachfolgend auch: »Holodomor«) als »Genozid« einzustufen, ignorieren. Denn zur Klärung dessen, was passiert ist, trägt er nichts Neues bei, und was er beiträgt, ist eine moralisierende Einordnung, durch die man auch nicht klüger wird. Solcher gedankliche Mummenschanz ist kein Zufall. Die Demokratie als »Legitimation durch Verfahren« (Niklas Luhmann) hat sich mit dem Mehrheitsprinzip ein Kriterium für Entscheidungen gewählt, das sich von Inhalten irgendeiner Art unabhängig macht. Papier ist geduldig, und beschließen kann man alles, wofür man eine Mehrheit findet. Das Parlament der Republik Polen hat vor ein paar Jahren auch schon einmal die Jungfrau Maria als Königin Polens anerkannt,¹ ohne dass irgend jemand hierin den Staatsstreich gewittert hat, der dieser Beschluss objektiv gewesen wäre, wenn man ihn ernstgenommen hätte.

    Aber etwas mehr als ein beliebiger Unsinn ist dieser Beschluss natürlich schon. Er ist – und soll es sein – eine politische Solidarisierung mit einer Ideologie, die in der Ukraine den Charakter der zentralen Herrschaftslegitimation angenommen hat, obwohl ihre Argumentationsgrundlage zumindest erhebliche Zweifel weckt. Die Ukrainer seien Anfang der 1930er Jahre Opfer eines sowjetisch-russischen Genozidversuchs geworden, so die Erzählung. Bebildert wird diese Behauptung mit der tatsächlich hohen Zahl der Opfer, die die Kollektivierung in den sowjetischen Dörfern forderte, darunter auch in der Ukraine. Die meisten Autoren gehen von sieben bis acht Millionen durch Gewalt oder Hunger getötete Menschen in den Agrarregionen der Sowjetunion aus, darunter etwa die Hälfte in der Ukrainischen Sowjetrepu­blik. Aber eben bei weitem nicht nur dort.
    Beschleunigte Kollektivierung

    Diese hohe Zahl an Opfern lässt sich erklären, auch ohne dass man dafür die Vermutung eines antiukrainischen Komplotts der (als russisch unterstellten, faktisch durchaus multinationalen) Sowjetführung bemühen müsste. Der Mainstream der historischen Forschung unterstellt, dass die sowjetische Führung den Beschluss des Jahres 1928, die Landwirtschaft beschleunigt zu kollektivieren (also die Agrarrevolution der Jahre 1917 bis 1920 zurückzunehmen, der die Bolschewiki in der frühen Phase ihrer Herrschaft immerhin den Sieg ihrer Revolution verdankten, weil die Bauern dem zaristischen und bürgerlichen System die Gefolgschaft verweigerten und sich statt dessen Landanteile sicherten), aus im wesentlichen drei Motiven heraus fasste:

    Erstens, den Aufwand für die Industrialisierung des Landes auf Kosten der Dorfbevölkerung zu finanzieren; Stalin selbst hat diese Überlegung damit verglichen, den Bauern eine »Industrialisierungsrente« abzuverlangen ähnlich derjenigen, mit der die kapitalistischen Industriestaaten ihre ursprüngliche Akkumulation durch die Extraausbeutung der Kolonien und ihrer Bewohner finanziert hatten: eine Phase »ungleichen Tausches« mit dem Ziel, die UdSSR industriell zu entwickeln und dadurch auch zur Abwehr imperialistischer Angriffe zu befähigen. Die Ukrai­ne war zu diesem Zeitpunkt das wichtigste Getreideüberschussgebiet der Sowjetunion – die Urbarmachung des Kaukasusvorlands und der östlichen Ausläufer der Schwarzerderegion in Kasachstan stand erst noch bevor. Damals war in der Ukraine schlicht das meiste für die staatlichen Ziele zu holen, deshalb wurde sie zwangsläufig auch zu einer Schwerpunktregion der Repression gegen den Widerstand der bäuerlichen Bevölkerung gegen ihre faktische Enteignung.

    Denn der zweite Aspekt der Kollektivierung bestand darin, dass sie eine Reihe von Widersprüchen der 1921 von Lenin proklamierten »Neuen Ökonomischen Politik« (NÖP) gewaltsam auflösen sollte. Die NÖP hatte faktisch die Wiederzulassung des Kapitalismus in Landwirtschaft und Leichtindustrie bedeutet. 1921 war das eine aus der wirtschaftlichen Zerrüttung nach dem Bürgerkrieg geborene Notmaßnahme gewesen, ausgelöst auch vom beharrlichen Widerstand der Bauern gegen die Getreidekonfiskationen zugunsten von Städten und Armee. Im Zuge der 1920er Jahre brachte sie neue (bzw. alte) Klasseninteressen hervor: die der Privateigentümer in Landwirtschaft, Kleinhandel und Leichtindustrie, also den konsumnahen Branchen der sowjetischen Wirtschaft. Diese sozialen Interessen liefen denen der zentralen Industrialisierungsplanung zuwider. Bauern verhielten sich zu ihren Produkten wie die Eigentümer, die sie waren, das bedeutete auch, dass sie sie verkauften, wenn es ihnen profitabel erschien, und dies unterließen, wenn ihnen die staatlichen Aufkaufpreise zu niedrig waren. Sie mussten aber niedrig – also aus Sicht der Bauern nicht kostendeckend – sein, wenn mit ihnen das politisch vorgegebene Ziel erreicht werden sollte, Mittel für die Industrialisierung zu beschaffen. Als Folge geriet das andere Ziel in Gefahr, um dessentwillen die Bolschewiki den privaten Handel der Bauern wieder zugelassen hatten: die Versorgung der Industrieregionen und der Arbeiterklasse als ihrer sozialen Hauptstütze zu garantieren. Sie ließ sich eben nicht garantieren, solange man das Interesse der aus der Agrarrevolution ohne Zutun der Bolschewiki hervorgegangenen und durch die NÖP gesetzlich anerkannten privaten Parzellenbauern politisch gelten ließ.

    Damit stellte sich drittens die Frage, wie lange auf dieser Grundlage die Herrschaft der Bolschewiki als Partei noch aufrechtzuerhalten sein würde. Wenn Stalin die »Rechtsabweichler« um Nikolai Bucharin, die dafür eintraten, die NÖP laufen zu lassen und der Sowjetwirtschaft ein gemäßigteres und eher an den Konsumbedürfnissen der Bevölkerung orientiertes Wachstum zu erlauben, als Gefahr für die Herrschaft der Bolschewiki ausmachte, war das nicht völlig aus der Luft gegriffen. Es wäre tatsächlich wahrscheinlich früher oder später auf die Notwendigkeit eines Klassenkompromisses mit den Bauern und den sonstigen sozialen Nutznießern der NÖP hinausgelaufen – genau das, was Lenin in seinen Reden und Schriften zur Einführung der NÖP als drohende Gefahr erkannt hatte, die die Partei aber, so seine Überzeugung, neutralisieren könne, wenn sie die politische Kontrolle fest in der Hand behalte.

    Die »Scherenkrise« der späten 1920er Jahre (der Umstand, dass die Preise für Industrieprodukte beständig stiegen, während landwirtschaftliche Güter immer niedriger vergütet wurden) demonstrierte der sowjetischen Führung, dass das so einfach nicht war. Von daher gewann der Gedanke, den gordischen Knoten widerstreitender Klasseninteressen lieber früher als später zu durchschlagen, an Plausibilität. Dass dies einen neuen Bürgerkrieg lostreten könnte, war für niemanden in der Parteiführung eine Überraschung; die passende Theorie über den im Verlaufe des Aufbaus des Sozialismus angeblich immer schärfer werdenden Klassenkampf war schnell postuliert, und das für den Sieg in diesem neuen Bürgerkrieg absehbar erforderliche Maß an Gewalt gegen einen Teil der eigenen Gesellschaft, den man noch vor kurzem als Verbündeten der Arbeiterklasse hofiert hatte, bereitete den überlieferten Quellen zufolge nur wenigen in der Parteiführung Probleme, schon gar keine moralischen. Alle Beteiligten hatten den ersten Bürgerkrieg mitgemacht und waren überzeugt, dass dies eben die Regeln des politischen Kampfes seien. Man kann dies im nachhinein bedauern oder kritisieren, aber solche Kritik bleibt moralisch, solange nicht erkannt wird, dass der Handlungs- und Vorstellungsraum der damaligen politischen Akteure eben durch die Gewalterfahrung von Revolution und Bürgerkrieg geprägt worden war.

    Keine Beweise

    All dies ist in der russischen und auch internationalen Forschung umfassend diskutiert worden. Die führende Studie dazu stammt von dem an der russischen Universität Penza lehrenden Historiker Wiktor Kondraschin,² und die Überzeugungskraft des ukrainischen Narrativs könnte insbesondere durch die Tatsache geschmälert werden, dass dieses gut 500 Seiten starke Werk 2008 unter Schirmherrschaft der inzwischen in Russland verbotenen, antisowjetischen NGO »Memorial« und im Verlag des »Jelzin-Zentrums« in Jekaterinburg herausgegeben wurde, also von aus westlicher Sicht »guten« Russen. Auch der notorische Kommunistenfresser Jörg Baberowski von der Humboldt-Universität in Berlin hat sich im Kern dieser Argumentation angeschlossen,³ und sogar die US-Historikerin und -Journalistin Anne Applebaum, die sich in ihrem seit 2010 aus offenkundig ideologischen Beweggründen unter Nutzung ganz überwiegend ukrainischer Quellen entstandenen Buch »Roter Hunger«⁴ bemüht hat, für ein breiteres Lesepublikum die spezielle ukrainisch-nationalistische Sichtweise auf den tragischen Verlauf der Kollektivierung im Westen zu popularisieren, kommt nicht umhin, im Nachwort zu diesem umfangreichen Werk zuzugeben, dass die Argumentation der »funktionalistischen« Historiker wie Wiktor Kondraschin »teilweise richtig« sei.⁵

    Auch Applebaum schafft es nicht, den schlüssigen Beweis zu führen, dass die Opfer der Kollektivierungsphase nicht die Folge einer mit höchster Beschleunigung und maximalem Gewalteinsatz durchgesetzten Enteignung der Bauern, konkret der Rücknahme der Agrarrevolution der Jahre 1918 bis 1920, gewesen sei, sondern der Ausdruck einer gezielt gegen die Ukraine und ihre Bevölkerung gerichteten Politik der Bolschewiki. Ihr Trick besteht darin, parallel auf zwei Ebenen zu argumentieren und die Gleichzeitigkeit der Ereignisse auf beiden zum Beleg ihres inneren Zusammenhangs zu erklären, konkret: die Kollektivierung auf der einen Seite und das Zurückdrängen der nationalukrainischen Einflüsse im Kulturleben der ukrainischen Sowjetrepublik ab der zweiten Hälfte der 1920er Jahre auf der anderen Seite.

    Selbst wenn man Applebaums These folgt, dass die siegreichen Bolschewiki nach 1917 in mehreren Teilen des Imperiums, das sie aus der Konkursmasse der provisorischen Regierung übernommen hatten, mit nationalen Abspaltungsbewegungen konfrontiert gewesen seien, von denen die in der Ukraine für sie aus verschiedenen Gründen die gefährlichste gewesen sei und sie deshalb über Jahre bemüht waren, diese politisch zu neutralisieren, ist die Folgerung der Autorin, die vielen Kollektivierungsopfer in der Ukraine seien primär Ausdruck einer antiukrainischen Kampagne gewesen (was waren sie dann in Russland oder Kasachstan?) nicht zwingend.

    Mit der Parallelisierung beider Entwicklungen versucht sich Applebaum um ein zentrales Beweisproblem herumzudrücken, das Politik und Rechtsprechung seit der Entwicklung des Genozidbegriffs durch den polnischen Juristen Raphael Lemkin in den 1940er Jahren im US-Exil prägt: Lemkin hatte in seiner Pionierstudie »Axis Rule in Occupied Europe« (1944) Genozid definiert als einen »koordinierten Plan verschiedener Aktionen, der auf die Zerstörung essentieller Grundlagen des Lebens einer Bevölkerungsgruppe gerichtet ist mit dem Ziel, die Gruppe zu vernichten«.⁶ Lemkin setzt also erstens Absicht voraus, und zweitens das Ziel, die Zielgruppe des Völkermordes insgesamt zu vernichten. Applebaum räumt selbst ein, dass die Kollektivierungskampagne Stalins dieses Ziel gar nicht verfolgt habe⁷; gleichwohl ist sie bemüht, einen Genozid zu suggerieren. Sie erreicht das, indem sie das Element der Intentionalität aus dem Vorgehen gegen die ukrainische Intelligenz entnimmt (die ja aber nur ein Teil der ukrainischen Bevölkerung war und an der sich – sogar im hypothetischen Fall ihrer vollständigen Vernichtung – das Kriterium der universellen Mordabsicht nicht hätte demonstrieren lassen können) und mit dem Element der Massenhaftigkeit der Repression aus dem Vorgehen gegen die Bauern in der Ukrai­ne (das sich aber nicht auf diese Republik beschränkte) verbindet.

    Politische Motive

    Applebaum räumt im Nachwort, das der »Wiederkehr der ukrainischen Frage« im Zuge der Diskussion um den »Holodomor« gewidmet ist, verklausuliert ein, dass die von ihr im übrigen propagierte These vom antiukrainischen Völkermord Resultat einer politischen Absichtserklärung unter dem »prowestlichen« ukrainischen Präsidenten Wiktor Juschtschenko (2005–2010) gewesen sei, demselben Juschtschenko, der politisch stark unter dem Einfluss der ukrainischen Diaspora in den USA und Kanada stand und dessen politischer Nachlass im wesentlichen darin besteht, dass er 2006 die Hungersnot zum Genozid und 2010 den Antisemiten und Nazikollaborateur Stepan Bandera sowie etliche seiner Gesinnungsgenossen zu »Helden der Ukrai­ne« erklärt hat. Applebaum ist sich übrigens völlig klar über den manipulativen Charakter von Juschtschenkos Holodomor-Argumentation: »Juschtschenko verstand die Macht der Hungersnot als einigende nationale Erinnerung der Ukrainer (…). Zweifellos politisierte er sie, (…) einige seiner Zahlenangaben waren übertrieben«.⁸

    Der schwedische Historiker Per Anders Rudling hat rekonstruiert, wie die Legende vom Hungerverbrechen an den Ukrainern entstanden ist.⁹ Nach seinen Erkenntnissen haben die ehemaligen ukrainischen Nazikollaborateure, die sich nach 1945 mit Protektion insbesondere des britischen Geheimdienstes trotz ihrer den Alliierten bekannten Nazivergangenheit über den Atlantik retten konnten,¹⁰ die Erzählung vom »Holodomor« in den späten 1970er Jahren entwickelt, als unter dem Eindruck der US-Fernsehserie »Holocaust« (1978) die Auswirkungen der Debatte über die Akteure und Profiteure der Judenvernichtung in Osteuropa spürbar wurden; mit einer Gegenerzählung hätten sie versucht, von ihrer eigenen Verwicklung bzw. der ihrer Organisationen in jene Verbrechen abzulenken. Es ist eine Chuzpe, wie sie in ukrainischen Nationalistenkreisen kein Einzelfall ist. Andrij Melnyk, der langjährige Botschafter der Ukraine in der Bundesrepublik, hat nie etwas dabei gefunden, sich einerseits als Bandera-Fan zu outen, andererseits aber die deutsche Gesellschaft an die Naziopfer in der Ukraine zu erinnern.

    Es ist also eine ausgesprochen trübe Suppe, aus der der Bundestag seinen Holodomor-Beschluss geschöpft hat. Die Frage ist, warum; nur die Tatsache, dass zuvor bereits die Parlamente Kanadas (2008) und der USA (2010) ähnliche Beschlüsse gefasst haben, kann es nicht gewesen sein, sie bindet den Bundestag ja nicht. Unkenntnis kann auch nicht geltend gemacht werden, schließlich unterhält der Bundestag »Wissenschaftliche Dienste«, die genau die Aufgabe haben, die politisch Verantwortlichen auf Unsicherheiten, Zweifelsfälle und potentielle Peinlichkeiten hinzuweisen, bevor sie politisch aktenkundig werden.

    Allerdings ist es dann die politische Entscheidung der Abgeordneten, ob sie diesen Ratschlägen folgen. Dass sie das nicht tun, wenn ihnen die Schlussfolgerung der Experten nicht in den Kram passt, hat bereits im Frühjahr dieses Jahres die Auseinandersetzung um die Frage gezeigt, ob es eine indirekte Kriegsbeteiligung sei, wenn die Bundeswehr ukrainische Soldaten auf deutschem Boden ausbilde.¹¹ Während die Experten dies bejahten, beschloss die große Mehrheit der Abgeordneten, diese Bedenken zu ignorieren und mit der Ausbildung ukrainischer Soldaten auf deutschem Boden fortzufahren. Nach genau derselben Logik ignorierten die Parlamentarier jetzt die schwache Argumentationsgrundlage und die fragwürdige Entstehungsgeschichte des »Hunger-Genozids«.

    Schlag gegen Russland

    Es liegt nahe anzunehmen, dass es die Absicht der den Beschluss tragenden Fraktionen ist, Russland auf geschichtspolitischer Ebene einen symbolischen Schlag zuzufügen. Mehr ist es in der Sache nicht, auch wenn sich jetzt schlechtinformierte Leitartikler auf den Bundestagsbeschluss berufen können, um dessen Inhalt nachzuplappern. Was der Beschluss aber tatsächlich bezwecken soll, ist nicht recht absehbar. Die Vermutung, hier solle durch die Unterstellung eines »sowjetischen Holocaust« die Bedeutung des von Deutschland ins Werk gesetzten Völkermords an den europäischen Juden relativiert werden, wirkt wenig überzeugend. Zu gut hat die bundesdeutsche Geschichtsmoral genau mit der – billig zu habenden – Anerkennung der »Einzigartigkeit« der deutschen Verbrechen international Punkte gemacht, nicht zuletzt in Israel, das aus der Behauptung dieser Einzigartigkeit ein Element seiner Staatsräson gemacht hat. Wozu sich an dieser Stelle den Ärger einhandeln, den sich die Ukraine bereits 2019 eingefangen hat, als Präsident Wolodimir Selenskij Israel aufgefordert hat, die Anerkennung der Hungersnot der frühen 1930er Jahre als mit dem Holocaust vergleichbar vorzunehmen.¹² An der Stelle hört für Israel der Spaß auf. Das ukrainische Ansinnen wurde brüsk zurückgewiesen.

    Das hindert die ukrainische Seite freilich nicht, für ein Publikum ohne philologische Kenntnisse diese Gleichsetzung über den ähnlichen Anlaut der beiden Wörter »Holodomor« und »Holocaust« zu suggerieren. Dabei hat das eine slawische und das andere griechische Wurzeln, beide haben also nichts miteinander zu tun. Trotzdem hat sich das Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften nicht entblödet, 2009 den Artikel einer rumänischen Autorin zu veröffentlichen, der diese peinliche Dummheit zumindest als Eingangsfrage wiederholt.¹³

    Eher könnte die Resolution der Versuch sein, die innerdeutsche Debatte zu zensieren. Denn schon im Oktober ist das Strafgesetzbuch um einen Paragraphen 130b erweitert worden, der »das öffentliche Billigen, Leugnen oder gröbliche Verharmlosen von Völkermord, Verbrechen gegen die Menschheit und Kriegsverbrechen« unter Strafe stellt.¹⁴ Damit wäre auch das juristische Dilemma umschifft, dass zwar eine Bestrafung nur auf Grund eines Gesetzes möglich ist, dass jedoch der Inhalt der neuen Vorschrift nicht präzisiert, was das Kriterium solcher »Verharmlosung« ist: womöglich auch ein inhaltlich fragwürdiger und von seinem Charakter her rein deklarativer Parlamentsbeschluss ohne Gesetzeskraft. Wenn sich der Bundestag von ukrainischen Geschichtsideologen vorschreiben lässt, was in Deutschland gesagt und geschrieben werden darf, wäre dies nicht verwunderlich, nachdem das politische Berlin die monatelangen Pöbeleien eines Andrij Melnyk widerstandslos hingenommen hat. Insofern ist leider, so belanglos die Resolution inhaltlich ist, Schlimmes für die Diskussionsfreiheit in Deutschland zu befürchten: die Melnykisierung des Diskurses.

    Anmerkungen:

    1 http://orka.sejm.gov.pl/proc8.nsf/uchwaly/1128_u.htm, Beschluss vom 15.12.2016

    2 Wiktor Kondraschin: Golod 1932-33gg. Tragedija sowetskoj derewni (Der Hunger der Jahre 1932/33. Die Tragödie des sowjetischen Dorfes), Moskwa 2008, online unter: http://library.khpg.org/files/docs/1388162603.pdf

    3 Jörg Baberowski: Die Kollektivierung der Landwirtschaft und der Terror gegen die Kulaken (2007), https://www.europa.clio-online.de/essay/id/fdae-1311

    4 Anne Applebaum: Roter Hunger. Stalins Krieg gegen die Ukraine, München 2019

    5 Ebd., S. 440 f.

    6 »a coordinated plan of different actions aiming at the destruction of essential foundations of the life of national groups, with the aim of annihilating the groups themselves«. Rafael Lemkin: Axis Rule in Occupied Europe. Laws of Occupation, Analysis of Government, Proposals for Redress, New Jersey 2005 [1944], S. 79

    7 Applebaum, a. a. O., S. 437: »Der Holodomor entspricht diesem Kriterium nicht. Die ukrainische Hungersnot war nicht der Versuch, jeden Einzelnen Ukrainer zu vernichten, außerdem endete sie im Sommer 1933, bevor sie das gesamte ukrainische Volk auslöschen konnte.«

    8 Ebda., S. 438:

    9 Per Anders Rudling: Memories of »Holodomor« and National Socialism in Ukrainian political culture. In: Yves Bizeul (Hg.): Rekonstruktion des Nationalmythos? Frankreich, Deutschland und die Ukraine im Vergleich. Göttingen 2013. S. 227-258

    10 Richard Breitman; Norman J. W. Goda: Hitler’s Shadow. Nazi Criminals, US Intelligence, and the Cold War, Washington D.C. 2007, online unter: https://www.archives.gov/files/iwg/reports/hitlers-shadow.pdf

    11 Rechtsfragen der militärischen Unterstützung der Ukraine durch NATO-Staaten zwischen Neutralität und Konfliktteilnahme (16.3.2022), https://kurzelinks.de/Wissenschaftlicher_Dienst

    12 https://www.president.gov.ua/en/news/glava-derzhavi-zaklikav-izrayil-viznati-golodomor-aktom-geno-56861

    13 Alexandra Ilie: Holodomor, the Ukrainian Holocaust? In: Studia Politica: Romanian Political Science Review 11 (2011), No. 1, 137-154, https://kurzelinks.de/Ukrainian_Holocaust

    14 https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/9096

    #Ukraine #URSS #Russie #histoire #génocide #stalinisme

  • Vent d’est, vent d’ouest- Publico
    https://www.librairie-publico.com/spip.php?article3562

    « Arrivé au travail, je suspendis ma veste de sport en plastique, enlevai mon masque blanc de chirurgien (noir à l’emplacement de ma bouche et de mon nez) et empli mes poumons de ce bon air-purifié-à-la-machine qui ne gardait qu’une légère odeur d’huile et d’ozone ; un des avantages de travailler à (...) @Mediarezo Actualité / #Mediarezo

  • https://climatetrace.org/map

    La planisphère montre où se trouvent les sites les plus pollueurs du monde.
    Pour faire son calcul, Climate Trace utilise les données de 300 satellites en plus de “11 000 capteurs aériens, terrestres et maritimes”. Plus de 70 000 sources d’émissions de gaz à effet de serre ont été recensées.

    #CO2 #carto

  • Linux Mint 21.1 Beta is Available to Download
    https://www.omgubuntu.co.uk/2022/12/linux-mint-21-1-beta-is-available-to-download

    A brand new beta build of Linux Mint 21.1 “Vera” is available to download. Linux Mint 21.1 beta builds are up on the Linux Mint servers for download, though the milestone is yet to be “officially” announced. This beta is in advance of a planned stable release later this month. As updates go this isn’t the biggest one Mint has put out. It’s more of a collection of iterative improvements rather than a mass of major new ones. At the heart of this update is Cinnamon 5.6. This updated version of the nimble (and rather traditional) desktop environment offers a […] This post, Linux Mint 21.1 Beta is Available to Download is from OMG! Ubuntu!. Do not reproduce elsewhere without (...)

  • Abe Foxman : « Si Israël cesse d’être une démocratie, je ne le soutiendrais plus »
    Par Ron Kampeas - 4 décembre 2022 - The Times of Israël
    https://fr.timesofisrael.com/abe-foxman-si-israel-cesse-detre-une-democratie-je-ne-le-soutiendr

    JTA – Abe Foxman, qui fut longtemps à la tête de l’Anti-Defamation League (ADL), avait pour coutume de dire que rien ne pourrait jamais l’éloigner d’Israël.

    (...) Foxman a indiqué que ses inquiétudes reflétaient celles de la communauté juive dans son ensemble, mais qu’il était faisait confiance à Netanyahu pour qu’il ne laisse pas les dirigeants d’Otzma Yehudit, parti extrémiste qui assumera des responsabilités de premier plan dans le futur gouvernement, mener des réformes radicales.

    « Je pense qu’il est assez sensible et intelligent pour avoir conscience des fortes préoccupations des [Juifs américains] », a déclaré Foxman, qui s’est retiré de l’ADL en 2015, après 50 ans de bons et loyaux services.

    Il a notamment évoqué une interview, donnée il y a peu par Netanyahu au journaliste Bari Weiss, dans laquelle il assurait qu’il ne laisserait pas libre cours aux projets des dirigeants des partis extrémistes, Bezalel Smotrich, Itamar Ben Gvir et Avi Maoz en tête.

    Mais Netanyahu a tout de même conclu un accord avec Ben Gvir pour lui donner autorité sur la police israélienne et fait de Maoz, chef du parti homophobe Noam, le responsable de « l’identité juive ». Il a conclu un accord pour nommer Smotrich ministre des Finances.

    Tous ces hommes ont, à un moment ou un autre, déclaré vouloir expulser les Arabes déloyaux à Israël, interdire la Gay pride et priver les Juifs non orthodoxes de certains droits.

    Il se dit que Netanyahu aurait d’ores et déjà accepté de soutenir une réforme pour cesser de reconnaître les conversions non orthodoxes. Tous ces hommes seraient en outre favorables à une limitation des pouvoirs du système judiciaire israélien. (...)

    #ADL #IsraelUSA

  • Fascism : Israeli Style - CounterPunch.org
    https://www.counterpunch.org/2022/12/02/fascism-israeli-style

    What does this mean? Well, at a minimum the new coalition government will try to legalize at least 70 illegal settlements or “outposts,” which are currently a violation of Israeli law and have at least 25,000 occupants. Palestinians in East Jerusalem will be policed in a more militant and violent fashion. 

    Law enforcement generally will be politicized, and fascists will be in greater control of the day-to-day workings of the government. 

    It can be expected that Area C of the West Bank, which represents more than 60% of the West Bank and is under some Palestinian control, will face de facto annexation. 

    There are more than 200,000 Palestinian residents in Area C; they will presumably face greater pressures to emigrate.

    Israeli policy toward Gaza is worse, but rarely gets discussed in the international press. In addition to using overwhelming military force against the Palestinians in Gaza, Israel has limited their use of electricity; forces sewage to be dropped into the sea; makes sure that water remains undrinkable; and ensures fuel shortages that cause sanitation plants to be shut down. 

    Gaza is essentially an outdoor prison, and Netanyahu will continue the policies of enforced desperation among the innocent civilians who must try to live in these conditions. If there is another Intifada, Israel has only itself to blame.

    #sionisme

  • الخصاونة “حارس مرمى” ورونالدو يرغب باللعب معه.. “إذا لم تضحك فأنت أرنب حزين” : “لأول مرة يحضر الأمريكيون للمنطقة ويغادرون بعد أسبوعين”.. ومباراة “طاقم التحكيم النسائي” انتهت بمُغادرة “الفريقين” والنشامى في دعم “أسود الأطلس” | رأي اليوم
    https://www.raialyoum.com/%d8%a7%d9%84%d8%ae%d8%b5%d8%a7%d9%88%d9%86%d8%a9-%d8%ad%d8%a7%d8%b1%d8%b3

    La blague du moment dans le monde arabe à propos du Mondial : C’est la première fois que les USA débarquent dans le coin et repartent 15 jours après !

  • How to Build a Practical Household Bike Generator - LOW-TECH MAGAZINE
    https://solar.lowtechmagazine.com/2022/03/how-to-build-bike-generator.html

    We built a pedal-powered generator and controller, which is practical to use as an energy source and exercise machine in a household — and which you can integrate into a solar PV system. We provide detailed plans to build your own, using basic skills and common hand tools.

    #énergie #low-tech #vélo #générateur #batterie #DIY

  • Les surprises du 24 février...
    https://www.dedefensa.org/article/les-surprises-du-24-fevrier

    Les surprises du 24 février...

    • Habile et entreprenant, Macron annonce qu’il faudra préparer un accord de sécurité pour l’après-guerre en Europe, qui tienne compte des intérêts de la Russie. • Quelle bonne idée ! Quelle grande diplomatie ! • Passons aux choses sérieuses et voyons ce que le colonel Macgregor distingue comme “les deux erreurs de Poutine” expliquant comment la Russie a mal commencé son ‘Opération Militaire Spéciale’ en Ukraine avant de redresser la barre. • Dans ce cas, il faudra bien plus qu’un ou deux Macron pour espérer arriver à une pacification.

    Nous allons ici envisager les possibilités “objectives” d’arrangement dans le cas de l’aboutissement de la guerre en Ukraine alors qu’un très grand nombre d’analyses de commentateurs, certains sérieux d’autres beaucoup moins, (...)

  • Contrecoups du plafonnement du prix du pétrole russe sur les échanges.
    http://www.argotheme.com/organecyberpresse/spip.php?article4394

    Le plus gagnant d’une pénurie et d’une hausse du prix de toutes les énergies sont les Etats-Unis. Même l’idée de plafonnement spécifiquement du tarif du pétrole russe qui ne s’applique pas aux autres fournisseurs, ramène à une ancienne idée que les maîtres du Monde décident sans regarder les effets sur les capacités des autres nations dépendantes de la monnaie qu’elles n’impriment pas ! Grands événements : Gigantisme de l’inattendu.

    / #diplomatie,_sécurité,_commerce,_économie_mondiale, #crise,_capitalisme,_économie,_justice,_Bourse, économie , #USA,_Maison_Blanche,_CIA, Russie, Poutine, Europe de l’Est, , UE - Union (...)

    #Grands_événements_:Gigantisme_de_l’inattendu. #économie_ #Russie,_Poutine,_Europe_de_l’Est, #UE_-_Union_Européenne

  • « L’homo footballisticus, nouvelle déclinaison de l’homo economicus » #CoupeDuMondeFIFA

    Marchandisation, soft power, exploitation : Maxence Klein livre une critique mordante de l’industrie du #football
    https://qg.media/2022/12/04/lhomo-footballisticus-nouvelle-declinaison-de-lhomo-economicus

    « Le football, il a changé », comme dirait Kylian Mbappé. De quoi l’orgie de pognon que ce sport génère est-elle le symptôme ? Aujourd’hui, le jeu préféré de centaines de millions d’enfants est devenu le moyen de les enrôler dans le grand bain d’une économie autodestructrice, et l’amour du beau geste ou de l’instant heureux du dribble qui mène au but, a été déformé par une idéologie qui illustre de manière hyperbolique un fait central de notre époque : chacun est désormais contraint de se rapporter à lui-même comme valeur. Sur QG, Maxence Klein livre une réflexion sur la Coupe du monde 2022 qui bat son plein au Qatar, et sera peut-être un jour considérée comme l’un des derniers grands rites sacrificiels de l’histoire de la planète.

    • « La vie idyllique de Killian Mbappe repose in fine sur les rêves brisés de toute une génération mondiale de jeunes prolétaires déqualifiés »

      Il y a d’ailleurs tout un continuum entre le football contemporain et le logiciel discursif des RH. Il y a les « compétences-clés », le personal branding, les hard skills et les soft skills, la e-réputation, mais aussi la « guerre des talents », ce terme inventé par McKinsey en 1997 pour décrire les difficultés rencontrées par les entreprises à recruter des profils aux compétences rares, mais néanmoins dociles. Tout amateur de football doit aujourd’hui connaître les statistiques folles des Messi, Neymar, Ronaldo, Benzema ou Mbappe, mais peu nombreux sont capables d’établir le lien qu’elles entretiennent avec le fait que nous sommes en permanence scrutés et évalués sur notre lieu de travail, que nous sommes victimes de toutes sortes d’opérations qui visent à gérer et à optimiser ce cheptel humain au rang duquel nous avons été réduit.

      L’envers de ce décor de la réussite individuelle, c’est évidemment le lien qui unit les blessures des footballeurs professionnels aux épidémies contemporaine de troubles musculosquelettiques, de burn-out, de dépression et d’anxiété. C’est aussi le fait que seulement une infime minorité d’entre nous arrive à naviguer dans les eaux troubles du capitalisme et réussit encore à s’en sortir alors que d’autres se noient. Dans le football, combien sont-ils d’ailleurs, chaque année, à quitter les centres de formation professionnelle des grands clubs pour revenir végéter à la cité ? Quel est donc ce lien pas si secret que ça qui unit les terrains de football de la banlieue parisienne aux entrepôts Amazon ou Geodis, aux plateformes VTC, à Deliveroo, à Uber et à tous ces boulots qui ne payent pas ?

  • Ce que Poutine a en tête pour 2023 : scénarios pour une sortie de conflit – Le Courrier des Stratèges
    https://lecourrierdesstrateges.fr/2022/12/03/ce-que-poutine-a-en-tete-pour-2023-scenarios-pour-une-sortie-

    Titre attrape clics : je ne sais pas si c’est ce que VVP a en tête, mais c’est un point de vue russe argumenté sur la situation et les perspectives, y compris à long terme

    Comment Poutine et les dirigeants russes perçoivent-ils le déroulement et les perspectives de ce qu’ils appellent, depuis le départ « Opération Militaire Spéciale » ? Il nous a semblé intéressant, dans le cadre de notre nouvelle rubrique « Vu de Russie et de Chine », de donner le point de vue d’un universitaire russe, professeur à la Higher School of Economics de Moscou, où il dirige le Center for Comprehensive European and International Studies de la Faculté dédiée aux études sur l’Economie mondiale et les Affaires internationales. Nous sommes tellement habitués à entendre le point de vue occidental sur la guerre d’Ukraine que nous nous demandons rarement comment les Russes voient le conflit. Deux éléments sont frappants dans ce qui suit :
    (1) L’absence de triomphalisme militaire dans l’évaluation du conflit - à l’opposé du discours occidental à propos de l’Ukraine.
    (2) Mais l’élément le plus neuf de ce texte est une analyse en profondeur de l’effet des sanctions sur l’économie russe. Le professeur Kashin explique pourquoi les sanctions occidentales n’ont pas eu l’effet escompté à court et moyen terme. Au contraire, l’économie russe s’en sort plutôt mieux que prévu. En revanche, explique-t-il, les sanctions occidentales - en particulier celles de l’Union Européennes - obligent la Russie à penser des « changements profonds ».

    • Mais l’essentiel est que le sort de l’Ukraine, en tant que telle, n’intéresse au premier chef aucun des acteurs. Très probablement, ce n’est pas d’un intérêt primordial, même pour les dirigeants de l’Ukraine elle-même, qui se préoccupent surtout de leur propre avenir, de leur bien-être et de leur survie politique.

      Ce que je racontais en février-mars. Peu nous importe, en Occident de transformer l’Ukraine en nouvel Afghanistan ou Irak ou Syrie. L’important est que la leçon soit retenue par le monde entier, et les russes en premier lieu. Si leçon il y a à la fin.

    • MR : Y a-t-il des raisons de croire à la possibilité d’un scénario de compromis pour mettre fin au conflit sans perdre la face des deux côtés ?

      VK : Oui, il y en a. Mais il est encore trop tôt pour dire que les parties sont prêtes à conclure un tel accord. Et ce ne sera certainement pas un accord entre la Russie et l’Ukraine, même s’il est officialisé comme tel. En réalité, il s’agira sous une forme ou une autre, d’un accord entre la Russie et les États-Unis, même si Moscou et Washington nient le fait de mener de telles négociations sur l’Ukraine. Sans leur compréhension mutuelle, cela n’a pas de sens. Cela est dû au fait que la partie russe ne croit pas à l’autonomie de l’Europe et, de plus, ne croit pas à l’autonomie de l’Ukraine. Moscou ne sera pas prêt à conclure des accords de fond avec la partie ukrainienne.

      Le sort des accords Minsk et Minsk II sont de bons indicateurs à cet égard.

  • La vengeance de la bouillotte | LOW←TECH MAGAZINE
    https://solar.lowtechmagazine.com/fr/2022/12/the-revenge-of-the-hot-water-bottle.html

    Ces alternatives semblent inutilement complexes quand on les compare avec les bouillottes. Il y a plusieurs manières de réchauffer l’eau de façon high-tech comme low-tech, et les récipients peuvent être fabriqués dans des matériaux locaux.

    Néanmoins, ces études montrent que les sources de chaleur personnelles avec des effets similaires de ceux de la bouillotte pourraient permettre d’économiser beaucoup d’énergie tout en gardant et souvent en améliorant le confort thermique. Par exemple, une étude a révélé que baisser la température dans un bureau de 20,5°C à 18,8°C et donner à des salariés une chaise chauffante pour compenser la perte de confort, augmentait le confort thermique et diminuait l’usage de l’énergie de 35 %.

  • Ça t’a peut-être échappé : c’est l’avocat extrêmement progressiste Gilles-William Goldnadel qui défend France Soir :
    https://twitter.com/GWGoldnadel/status/1598221690932457474

    C’est vous qui mentez. Je suis fier d’être l’avocat de @france_soir et nous allons contester cette décision infâme. L’Huma est subventionné et vous n’y voyez pas d’inconvénients. On a le droit de critiquer les décisions critiquables de votre gouvernement en matière médicale.

  • Artist #Nan_Goldin on addiction and taking on the #Sackler dynasty: ‘I wanted to tell my truth’
    https://www.theguardian.com/artanddesign/2022/dec/04/artist-nan-goldin-addiction-all-beauty-and-bloodshed-sackler-opioid

    Since then, that is in effect what she has done, becoming a high-profile activist who has used her status as an artist to radically change the landscape of the American and European art world. Goldin’s much-publicised war on the billionaire Sackler dynasty, whose company, Purdue Pharma, fuelled the deadly opioid epidemic in America, has resulted in the family’s name being removed from a raft of major galleries and museums, including the Tate, the Louvre and the Guggenheim. For a long time, the Sackler name was a byword for almost unparalleled philanthropy and largesse towards the arts; it is now synonymous with shame and misery on an even grander scale. “If that’s what a group of 12 people can do,” says Goldin, referring to the friends and assistants who form the core of her small, but dramatically effective, organisation, Pain (Prescription Addiction Intervention Now), “then anything is possible.”

    Goldin’s transformation from artist to activist is brilliantly traced in a new documentary feature film, All the Beauty and the Bloodshed, which won the Golden Lion at this year’s Venice film festival. It is directed by Laura Poitras, who is best known for her Academy Award-winning 2014 film Citizenfour, about the American whistleblower Edward Snowden. Poitras deftly weaves Goldin’s activism into the bigger story of her life and art, including the rawly intimate photographic projects such as The Ballad of Sexual Dependency and Sisters, Saints and Sibyls, that reflect how deeply the two are intertwined. From the off, her photography drew directly on her life and her circle of friends: bohemians, transexuals, addicts and fellow self-made artists in her native Boston and later in New York. Her style, often described as diaristic, has been enormously influential and made her one of the world’s most famous photographers, whose work now resides in prestigious museums and collections around the world.

    #purdue_pharma #oxycontin #laura_poitras #addiction

  • Revue de presse du 27.11 au 03.12.22
    https://collectiflieuxcommuns.fr/?672-revue-de-presse-semaine-du

    Décrypter la Russie d’aujourd’hui, avec Erich Fromm

    Les nouveaux « narcos » européens

    « La guerre d’Erdogan contre les Kurdes rappelle étrangement celle de Poutine en Ukraine »

    Les Britanniques de souche minoritaires en 2050 ? Le grand changement démographique du Royaume-Uni

    « Menace sur le foot français : ces joueurs nés en France qui choisissent une autre équipe nationale »

    Revue Hérodote : Une nouvelle géopolitique électorale ?

    Cartographier la guerre écologique : énergie, climat, géopolitique

    Affaires McKinsey : Macron tranquille, « il n’a pas grand-chose à craindre »

    AJ+ : derrière la modernité, le média d’influence du Qatar

    La guerre en Ukraine, crise majeure du « troisième âge nucléaire »

    Les classes populaires et l’enjeu écologique

    Le Qatar et les Frères Musulmans

    Bonus

    *

    Présentation/Archives/Abonnement

  • Potage de beurrine
    https://www.cuisine-libre.org/potage-de-beurrine

    Nettoyez la courge (il n’est pas indispensable de la peler). Coupez en quatre et retirez les pépins. Faites cuire les morceaux de la beurrine avec le céleri, la tomate, I‘ail émincé, les brins de coriandre, I’huile et un peu de sel dans une cocotte avec l’eau. Temps de cuisson : 25 min. Mixez le tout et servez chaud. #Céleri_rave, #Kabocha, #Potages / #Sans viande, #Sans œuf, #Végétarien, #Bouilli

  • Countries split on plastics treaty focus as U.N. talks close
    https://www.reuters.com/business/environment/countries-split-plastics-treaty-focus-un-talks-close-2022-12-03

    More than 2,000 delegates from 160 countries, meeting in Uruguay in the first of a planned five sessions of the Intergovernmental Negotiating Committee (INC), aim to craft the first legally binding agreement on plastic pollution by the end of 2024.

    The negotiations in the coastal city of Punta del Este pitted a “High Ambition Coalition,” including European Union members, against countries including the United States and Saudi Arabia, which have the world’s top plastic and petrochemical companies.

    [...] The High Ambition Coalition of over 40 countries, including EU members, Switzerland, host Uruguay and Ghana, wants the treaty to be based on mandatory global measures, including curbs on production.

    [...] That approach contrasts with the country-driven pledges advocated by countries including the United States and Saudi Arabia.

    [...] Environmental group Greenpeace said that without a strong treaty, plastic production could double within the next 10 to 15 years, and triple by 2050.

    #plastique

    • ENTRETIEN. L’avalanche de plastique continue jusqu’à l’océan, déplore la journaliste Dorothée Moisan
      https://www.ouest-france.fr/environnement/pollution/entretien-l-avalanche-de-plastique-continue-jusqu-a-l-ocean-deplore-la-

      La journaliste Dorothée Moisan fait le point sur une industrie qui n’a pas prévu de « fermer les robinets ». Selon elle, la quantité de matières plastiques déversées dans l’océan devrait doubler avant 2050.

      #paywall

    • Cet article soutient que pour qu’un traité (idéalement global et contraignant) soit effectif, il faut qu’on ait bien plus de connaissances sur tout le cycle de vie du plastique (d’où il vient, qui est responsable, où il va, où sont les pollutions), ce qui suppose que la #science du plastique se développe grandement et d’avoir bien plus de données, notamment sur la production.
      Plastics tsunami : Can a landmark treaty stop waste from choking the oceans ?
      https://www.nature.com/articles/d41586-022-03793-3

      Researchers worry that public discussions focus on recycling and ways to deal with the plastic once it has reached the consumer — ideas promoted by industry — rather than who is creating all the plastic and where it’s going. Hence the emphasis in the NASEM report and global talks on circular-economy design strategies that address that first stage in the plastic life cycle, production.

      “We care so much about this material in the environment — that’s when we’re getting outraged,” Jambeck says. “But we don’t care about it before that point. If you want to prevent it from getting in the environment, we have to care so much more about it upstream, and track that data.”