klaus++

Agent d’ingérence étrangère : Alle die mit uns auf Kaperfahrt fahren, müssen Männer mit Bärten sein. Jan und Hein und Klaas und Pit, die haben Bärte, die haben Bärte. Jan und Hein und Klaas und Pit, die haben Bärte, die fahren mit.

  • »Gesundheit ist ein Menschenrecht« – aber wer zahlt dafür?
    https://www.nd-aktuell.de/artikel/1201429.obdachlosigkeit-gesundheit-ist-ein-menschenrecht-n-aber-wer-zahlt

    28.7.2026 von David Rojas Kienzle -Arztmobil und Stadtambulanz versorgen täglich Wohnungslose in Berlin – doch die Finanzierung der wichtigen Arbeit steht auf wackligen Beinen.

    Olaf Schüßler leitet das Arztmobil der Caritas. Das Kunstwerk im Hintergrund zeigt Omar, der 30 Jahre auf der Straße lebte.

    Foto: Caritas/Ksenia Yanko

    Eigentlich findet in der Levetzowstraße im Berliner Stadtteil Moabit eine Presseveranstaltung der Berliner Caritas und der Berliner Stadtmission statt. Die beiden Organisationen stellen die Arbeit des Arztmobils und der mobilen Straßenambulanz vor und bekommen feierlich eine Spende über 21 000 Euro des Pharmaunternehmens Bayer übergeben. Aber einer der Experten für die Arbeit ist kurzzeitig nicht ansprechbar. Ein Mann benötigt Unterstützung und Olaf Schüßler, Leiter des Caritas-Arztmobils, überprüft seinen Blutzucker, während der Rest der Anwesenden Interviews gibt.

    Die Konsultation ist eine von 1800, die das Arztmobil der Caritas jedes Jahr macht. Der Kleinbus ist an vier Tagen die Woche unterwegs und bietet an verschiedenen Orten der Stadt medizinische Versorgung an, vor allem für Obdachlose. »Wir machen keine Notfallmedizin«, erklärt Schüßler gegenüber »nd« im Gespräch. Das Arztmobil bietet hausärztliche Versorgung für Menschen, die es selber nicht in eine Praxis schaffen oder keine Krankenversicherung haben. Der niedrigschwellige Zugang ist zentral in der Arbeit. Patient*innen dürfen in allen Zuständen kommen. »Und wenn sie uns mal anbrüllen, dann ist das eben so«, sagt Schüßler. »Man braucht manchmal ein dickes Fell, aber wir sind eben alle Überzeugungstäter.«

    Schüßler selbst ist kein Arzt, sondern Sozialarbeiter und Rettungssanitäter. Aber bei den Fahrten sind immer ausgebildete Mediziner*innen dabei – alle ehrenamtlich. Angestellt sind für die Arbeit Sozialarbeiter*innen und »wirklich überzeugte Krankenschwestern«, wie Schüßler sagt. Neben der medizinischen Versorgung – oft geht es dabei um normale Probleme, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Atemwegserkrankungen, sehr häufig aber auch um Wundversorgung – können die Sozialarbeiter*innen über die Arbeit mit dem Mobil eine Beziehung zu den wohnungslosen Menschen aufbauen. »Das ist eine sehr intime Arbeit. Das bedeutet, dass wir einen Zugang haben, den andere Sozialarbeitende nicht haben«, sagt Schüßler. Das sei die Basis, um die Menschen wieder ins Regelsystem zu bringen.

    Dass die mobile ärztliche Versorgung ein wichtiger Teil der Unterstützungsarbeit für Wohnungslose ist, bestätigt auch Elfriede Brüning gegenüber »nd«. Sie leitet die Zentrale Beratungsstelle für Wohnungslose von der Berliner Stadtmission und der Caritas. Soziale Arbeit komme bei Wohnungslosen oft nicht so gut an. Deswegen sei der andere Zugang so wichtig. Mindestens genauso wichtig: Mit den mobilen Angeboten können Menschen erreicht werden, die es sonst nicht zu Beratungsstellen schaffen. »Wir bekommen öfters Anrufe von Bürger*innen, die wahrnehmen, dass Menschen auf der Straße Hilfe benötigen«, sagt Brüning. Dann könne man die mobilen Teams zu den Menschen schicken.

    Während das Arztmobil tagsüber unterwegs ist, fährt die mobile Straßenambulanz der Stadtmission abends und nachts. Gerhard Groß ist ehrenamtlicher Fahrer. »Auch Obdachlose haben ihren Tagesablauf«, sagt er zu »nd«. Wer auf der Straße lebt, muss sich um vieles kümmern: Behördengänge, Essen besorgen und vieles mehr. Deswegen ist es wichtig, auch abends Hilfe anzubieten. Ein weiterer Unterschied zum Arztmobil: Die Ambulanz fährt gezielt Menschen an. »Wir haben schon bestimmte Klienten auf dem Zettel«, sagt Groß. Dabei kommt Menschen wie ihm, der regelmäßig unterwegs ist, eine wichtige Rolle zu. Denn die Ärzte, die ehrenamtlich fahren, machen das meist nur ein- bis zweimal im Monat. »Die verlassen sich darauf, dass wir wissen, wo wir hinmüssen«, sagt Groß.

    »Man braucht manchmal ein dickes Fell, aber wir sind eben alle Überzeugungstäter.«
    Olaf Schüßler Leiter des Arztmobils

    Die Arbeit ist nicht immer einfach. »Manchmal gibt es Situationen, wo man kurz vorm Verzweifeln ist«, sagt Groß. Etwa wenn Menschen Wunden haben, die einfach nicht verheilen und dann eine Amputation droht. Außerdem seien die Wege, bis man jemanden vermitteln könne, »unendlich lang«. Groß berichtet von einem Mann, der in Kreuzberg dauerhaft auf der Straße lebt und der dringend eine Unterbringung braucht. »Das dauert dann aber manchmal Wochen und Monate.« Dazu komme, dass sich viele Menschen auf der Straße nicht um sich selbst kümmern könnten – wegen Drogenproblemen oder psychosozialen Problemen. Das führe dazu, »dass Leute sich nicht aufraffen«, so der Ehrenamtliche. »Deswegen ist Konstanz so wichtig.« Ärzt*innen könnten das nicht. »Da baut sich nicht so ein Kontakt auf.«

    Die wichtige Arbeit, die das Arztmobil, die Ambulanz und die zentrale Beratungsstelle leisten, findet allerdings unter Bedingungen statt, die immer schwerer werden. Die Beratungsstelle musste einen Sprechstundentermin streichen, weil die Finanzierung fehlt, wie Elfriede Brüning berichtet. Und auch das Arztmobil ist mittlerweile an vier statt fünf Tagen unterwegs, berichtet Olaf Schüßler. Zwar gebe es eine Finanzierung durch das Landesamt für Gesundheit, aber allein um den Betrieb des Arztmobils aufrechtzuerhalten, müssen Caritas und Stadtmission jedes Jahr einen mittleren fünfstelligen Betrag an Spenden einwerben.

    Und die Situation wird nicht besser. Aktuell gibt es geschätzt 65 000 Wohnungslose in der Hauptstadt. Dabei würden sehr viele, die sich selber helfen würden, nicht einmal in der Statistik auftauchen, sagt Elfriede Brüning. Alle Prognosen gehen davon aus, dass diese Zahl bis 2030 massiv steigen wird, obwohl sich Berlin eigentlich das utopische Ziel gegeben hat, bis dahin Obdachlosigkeit zu überwinden. »Ich weiß nicht, wie wir das schaffen wollen, wenn wir nicht Geld in die Hand nehmen«, sagt die Leiterin der Beratungsstelle.

    Olaf Schüßler sagt, er wünsche sich auch vor dem Hintergrund der zunehmenden Wohnungslosigkeit finanzielle Sicherheit für die Arbeit mit dem Arztmobil. Dieses sei eigentlich eine Ergänzung zum normalen Gesundheitssystem. »Wenn es uns nicht gäbe, wären die Rettungsstellen noch stärker überlastet«, sagt er. Man wolle aber langfristig, dass der Staat sich nicht aus der Verantwortung ziehe. Denn: »Gesundheit ist ein Menschenrecht.«

    #Berlin #sdf #iatrocratie