• About | Medical Review Auschwitz
    https://www.mp.pl/auschwitz/auschwitz/172694,about


    L’actualité d’Auschwitz n’a rien à faire avec les problèmes de l’état hébreux. Au contraire les pentecôtistes et autres chrétiens étatuniens pensent que les juifs occupent une place importante dans l’expansion de l’apocalypse qui d’après eux serait en train de se propager à partir de la Palestine. Pour eux les êtres humains à purger sont tous les infidèles et ceux que dieu aime moins que ses fidèles dont le signe de sa bénédiction est leur succès économique. Voici la véritable raison pourquoi les Bush, Trump et Bolsonaro ne s’intéressent pas à la catastrophe climatique imminente et accélèrent plutôt les pas vers le grand collapsus tout en tirant le maximum de profit de leurs « Ètats SS ».

    Medical Review – Auschwitz (Przegląd Lekarski – Oświęcim) was an academic journal of the Kraków Medical Society (Towarzystwo Lekarskie Krakowskie) published in Polish between 1961 and 1991. It investigated the medical, psychological and social consequences of Nazi persecution in concentration camps. Medical Review – Auschwitz is a unique publication worldwide. Spanning over 10,000 pages, or over 1000 articles, the documentation is based on detailed examinations of a few thousands of former concentration camp prisoners. Medical Review – Auschwitz is a collective work of 477 authors, which to this day remains one of the most significant sources of knowledge on the pathology of war and concentration camps.

    Medical Review – Auschwitz was started thanks to the efforts of two physicians and former concentration camp prisoners: Antoni Kępiński (1918–1972, prisoner of the concentration camp at Miranda de Ebro in Spain) and Stanisław Kłodziński (1918–1990, prisoner of Auschwitz-Birkenau).
    ...
    The project has been developed with the aim of sharing all 31 volumes of Medical Review – Auschwitz with the international community by making the articles available free of charge online. Apart from the original volumes of Medical Review – Auschwitz, the website also hosts a selection of articles translated into English, a German anthology Die Auschwitz-Hefte and the 1962 volume in 3 language versions (German, French and Russian).

    « Anus mundi » | Medical Review Auschwitz
    https://www.mp.pl/auschwitz/translations/english/192366,anus-mundi


    Prinz-Albrecht-Palais, Berlin, Wilhelmstraße,1837

    Les Georgia Guidestones révèlent leur véritable caractère à travers les observations suivantes.

    On y retrouve l’idée de la nécessite de purger le monde des être en surnombre et de profiter de l’occasion pour en sélectionner les meilleurs. A la différence des nazis les instigateurs étatsuniens ont l’intention prévoient de laisser les guerres et catastrophes naturelles faire leur travail et d’organiser la sélection en amont par la concurrence capitaliste. Voici un élément qui renforce mon opinion que les efforts des innovateurs de la #silicon_valley sont pour une bonne part les héritiers des enthousiastes technophiles au #Reichssicherheitshauptamt.

    In a conversation with the SS physician J. P. Kremer, his colleague Dr Heinz Thilo, a member of the SS staff of Auschwitz, called Auschwitz the anus mundi (the world’s anus – quotation after Sehn). We may infer that this trenchant epithet was an expression on the one hand of the revulsion and horror this concentration camp evoked in anyone who saw it, and on the other hand justified its existence by the need to purge the world. Catharsis, the motif of cleansing, so important in the life of every human individual, appears to play a salient role in the life of whole societies.

    On comprend que les élites sont en train de transformer la terre entière an #anus_mundi .

    #Pologne #médecine #Auschwitz #sélection #holocauste #shoa #shoah #nazis


  • Georgia Guidestones : Das beunruhigendste US-Monument | TRAVELBOOK
    https://www.travelbook.de/mystery/georgia-guidestones


    Au premier abord c’est un truc qui a une certaine plausibilité. Pourtant quand on le voit dans son contexte il prend une autre signification.

    Im US-Bundesstaat Georgia steht ein mysteriöses Monument, um das sich diverse Verschwörungstheorien ranken. Denn auf den sogenannten Guidestones sind obskure Inschriften eingraviert, welche die Zehn Gebote für eine neue Weltordnung sein sollen.

    De moin point de vue c’est un projet génocidaire :

    1. Maintain humanity under 500,000,000 in perpetual balance with nature.
    ...
    10. Be not a cancer on the earth — Leave room for nature — Leave room for nature.

    Arno dit :
    https://seenthis.net/messages/662355#message662361

    ces histoires d’île de riches, de la lubie d’Ayn Rand dans son Atlas Shrugged (La Grève), dont le principe final est que les riches se retirent du monde, laissent le système s’effondrer, pour ensuite reconstruire la société selon leurs critères à eux.

    cf. https://de.wikipedia.org/wiki/Georgia_Guidestones

    #Ayn_Rand #darwinisme_social #génocide


  • Zerstörung der Erde : Ein größenwahnsinniger Plan soll das Überleben der Menschheit sichern
    https://www.msn.com/de-at/nachrichten/wissenundtechnik/zerst%C3%B6rung-der-erde-ein-gr%C3%B6%C3%9Fenwahnsinniger-plan-soll-das-%C3%BCberleben-der-menschheit-sichern/ar-BBP3cbl
    https://img-s-msn-com.akamaized.net/tenant/amp/entityid/BBP3cbj.img
    Voilà encore une proposition farfelue pour « sauver la terre » ou plutôt les élites du monde. Bienvenu à l’élysée.

    Asteroiden, die auf der Erde einschlagen, die kontinuierliche Erderwärmung und viele weitere gefährliche Faktoren bedrohen die Zukunft der Erde. Das hat sich nun das niederländische Biotech-Startup Spacelife Origin zum Anlass genommen, um eine Idee zu entwickeln, wie das menschliche Leben gesichert werden kann. Samen-Eizellen-Satelliten und künstliche Befruchtung im Weltraum sollen diesen Plan umsetzen. Laut der „Welt“ soll die erste Geburt im Weltall schon 2024 stattfinden.

    Der Transport von Samen oder Eizellen ins All, die verwendet werden sollen, um die Erde nach einer Katastrophe wiederzubevölkern, soll zwischen 30.000 und 125.000 US-Dollar kosten, heißt es in der „Welt“ weiter. Der Preis für die künstliche Befruchtung im „Space Embryo Incubator“, der jedoch noch konzipiert werden muss, soll allerdings zwischen 250.000 und fünf Millionen Dollar liegen.
    Plan beinhaltet dreistufiges Konzept

    Die Biotechnikfirma, die vom Unternehmer Kees Mulder gegründet wurde, sieht für ihren Plan ein dreistufiges Konzept vor. Die erste Stufe „Missions Ark“ sieht vor, dass in Satellitenkugeln die Samen und Eizellen ab 2020 ins Weltall befördert werden. „Missions Lotus“ ist die nächste Stufe und die beinhaltet die künstliche Befruchtung im All. Die dritte Stufe „Missions Cradle“ sieht im Jahr 2024 schon die erste Geburt im Weltraum vor.

    #science-fiction #humanité #crise #it_has_begun


  • Franziska Mann: Widerstand vor der Tür des Todes :: Internationales Auschwitz Komitee
    https://www.auschwitz.info/de/aktuelles/archiv/artikel/lesen/23-oktober-1943-auschwitz-birkenau-krematorium-iii-199.html

    Ab Juli 1942 hatten im Warschauer Ghetto die großen Deportationen der jüdischen Familien in die Vernichtungslager der Nazis begonnen. Die ständigen Deportationen und den sicheren Tod vor Augen, erhoben sich die Bewohner des Ghettos am 19. April 1943 zum Aufstand, der erst am 16. Mai 1943 von den Deutschen niedergeschlagen werden konnte. Der Ermordung der Aufständischen und dem Aufstand folgte die Auflösung des Ghettos. In den folgenden Wochen versuchte die SS in Warschau der Juden habhaft zu werden, die sich bisher hatten verstecken können oder sich aus den Mauern des Ghettos auf die arische Seite gerettet hatten. Sie ließ verbreiten, dass im Hotel Polski in Warschau ausländische Visa und Zuzugsgenehmigungen ausländischer Staaten für Juden erworben werden könnten.

    
Mehrere tausend jüdische Bürger Warschaus meldeten sich daraufhin im Hotel Polski – für sie ein Ort der Hoffnung und eventueller Rettung.

    Eine von denen, die auch auf diese Rettung hofften, war die polnisch-jüdische Tänzerin Franziska Mann, die als Lola Horowitz in Brod geboren worden war. Franziska Mann war den Warschauern sowohl aus dem Theater als auch durch ihre Auftritte in Warschauer Nachtclubs bekannt. Sie bekam im Hotel Polski das ersehnte Visum – ein „Visum“, das sie erst nach Bergen-Belsen und schließlich nach Auschwitz-Birkenau führen sollte.

    Sicher ist – und das berichteten Überlebende übereinstimmend: Franziska Mann war eine schöne Frau. Eine, die auffiel. Auch den SS-Männern an der Rampe in Birkenau, die an diesem 23. Oktober 1943, einem Sonnabend, auf einen Zug mit Häftlingen warteten, die ins Gas geschickt werden sollten. Unter ihnen Franziska Mann, 37 Jahre alt. Eine Frau, die als Heldin in Erinnerung bleibt. Sie wagte den Aufstand vor den Türen der Gaskammer im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau – und tötete dabei einen SS-Bewacher.

    1800 Männer, Frauen und Kinder hatte die SS zuvor vom Hotel Polski in Warschau nach Bergen-Belsen transportiert. Von dort, logen die Nazi-Verbrecher, sollten die Gefangenen ins Lager „Bergau“ bei Dresden gebracht werden. Ein Lager, das es nicht gab. Stattdessen erreichte der Zug Auschwitz-Birkenau. Auf der Rampe, gleich nach dem Verlassen des Zuges, wurden die Häftlinge unruhig. Sie merkten, dass sie hintergangen und betrogen worden waren. Schreien, Brüllen, wütende Kommandos, Prügel mit Stöcken und Gewehrkolben. SS-Mannschaften trennten die Männer von den Frauen und Kindern. Auf Lastwagen wurden die Männer zum Krematorium II gebracht und dort sofort ins Gas geschickt, Frauen und Kinder zum Krematorium III.

    Einer der SS-Männer an der Rampe war Josef Schillinger. Überlebende beschrieben ihn später als sadistisch und besonders bösartig und brutal. Er war „ein verkommenes Subjekt, ein Schrecken der Häftlinge“. Er prügelte oft und gerne: „Der Hieb seiner Hand war wuchtig wie ein Knüppel, spielend zerschlug er einen Kiefer, und wo er hinschlug, floss Blut.“

    SS-Obersturmführer Franz Hößler, sogenannter „Schutzhaftlagerführer“ im Frauenlager Auschwitz-Birkenau, täuschte die verängstigten Häftlinge ein letztes Mal. Sie müssten desinfiziert werden, um ausreisen zu können. Er befahl ihnen, sich auszuziehen. Die Hälfte der Opfer ließ sich überreden, legte die Kleidung ab und betrat die Gaskammer. Die anderen waren misstrauisch, sie weigerten sich. Erst als sie von den SS-Bewachern mit Knüppeln und Peitschen geprügelt werden, begannen sie, sich auszuziehen. Unter ihnen Franziska Mann.

    Was dann geschah, wurde später unterschiedlich dargestellt. Von der wahrscheinlichsten Version berichtet der Publizist Andreas Meckel von „Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V.“: Franziska Mann zog sich betont langsam aus. Plötzlich schlug sie dem völlig überraschten SS-Oberscharführer Walter Quakernack blitzschnell den Absatz ihres Schuhs ins Gesicht. Der Mann wollte sich mit den Händen schützen. Da entriss ihm Franziska Mann seinen Revolver und schoss auf ihn. Sie verfehlte ihn knapp. Aber sie traf den neben Quakernack stehenden Schillinger in den Bauch und verwundete ihn schwer. Schillinger starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Franziska Mann schoss auch auf SS-Unterscharführer Wilhelm Emmerich, der mit einem steifen Bein danach nie wieder wie früher laufen konnte.

    Nach den Schüssen stürzten sich die Frauen mit bloßen Händen auf die SS-Leute. Die bewaffneten Männer rannten aus dem Raum. Kurz darauf ließ Lagerkommandant Rudolf Höß zwei Maschinengewehre aufstellen und auf die wehrlosen Gefangenen schießen. Der Widerstand, den Franziska Mann entfacht hatte, endete in einem Blutbad. Wer nicht von den Schüssen getroffen wurde, starb im Gas. Am nächsten Tag feuerten SS-Wachleute als Vergeltung wahllos ins Lager. 13 Häftlinge starben, viele wurden verwundet.

    Franziska Mann wurde vor 70 Jahren in Auschwitz-Birkenau ermordet. Ihr Aufstand war getragen vom Mut der Verzweiflung. Ihr Wille, sich aufzulehnen, obwohl sie nicht die geringste Chance hatte, ist auch heute noch bewundernswert.

    Internationales Auschwitz Komitee
    Stauffenbergstraße 13/14, 10785 Berlin, Deutschland

    Franciszka Mann – Wikipedia
    https://de.wikipedia.org/wiki/Franciszka_Mann#cite_note-1

    Nach anderer Darstellung soll sich der Vorfall bereits an der Rampe ereignet haben.

    #Allemagne #Pologne #histoire #shoa #shoah #résistance #femmes


  • Hugo Ruschin - Blumenstraße
    https://www.mappingthelives.org/bio/adf32700-c851-4751-a800-25f0c15cd926


    Wir erfahren durch diesen Eintrag, dass Hugo Ruschin nach 1931 von der Blankenfeldestraße 14 in die Blumenstraße 94 umgezogen ist.

    Geburtsdatum: 28.04.1878
    Geburtsort: Rogozno (Rogasen) / Obornik / Polen
    Geschlecht: männlich
    „Rasse“: JJJJ
    Verfolgungsgrund: rassisch
    Opfer des Holocausts: Ja

    Aufenthalt 1
    Aufenthaltsdatum: 17.05.1939
    Historische Straßenanschrift: Blumenstr. 94
    Historische Stadt: Mitte
    Historischer Kreis: Mitte
    Historisches Land: Berlin
    Historischer Staat: Deutsches Reich
    Heutige Straßenanschrift: Neue Blumenstr.
    Heutiges Stadtviertel: Mitte
    Heutige Stadt: (Mitte)
    Heutiges Land: Berlin
    Heutiger Staat: Bundesrepublik Deutschland

    Deportation 1
    Datum der Deportation: 06.03.1943
    Deportiert ab: Berlin
    Zielort der Deportation: Auschwitz
    Bezeichnung des Ortes: Vernichtungslager
    Todesdatum: vor 08.05.1945

    Alternative Personalien
    ID-Nr. aus der 1939 Volkszählung: VZ121986
    Quelle(n): Angaben aus der Volkszählung: (1.1) Bundesarchiv, R 1509 (Reichssippenamt). Volks-, Berufs- und Betriebszählung am 17. Mai 1939. Formular der Ergänzungskarte für Angaben über Abstammung und Vorbildung, Erläuterungen zu umstehendem Fragebogen.
    Alle Emigrations-, Inhaftierungs-, Deportations-, und Todesdaten; weitere Angaben nur wenn vermerkt: (1.2) Bundesarchiv, Abteilung R (Deutsches Reich), „Liste der jüdischen Einwohner im Deutschen Reich 1933–1945“ (kurz: „Residentenliste“).

    Berliner Adreßbruch, Ausgabe 1938 - Digitale Landesbibliothek Berlin - Zentral- und Landesbibliothek Berlin
    https://digital.zlb.de/viewer/readingmode/34115495_1938/2386


    Die Quelle für weitere Informationen


    Blumenstraße 1929 - Grieben Plan Berlin
    https://landkartenarchiv.de/griebenplan.php?q=grieben_berlin_1929


    Die Lage der Hausnummern der Blumenstraße auf dem Pharus-Plan Ausgabe 1928 entspricht nicht der historischen Entwicklung. Laut WIkipedia sollte das Haus Ecke Alexanderstraße die Nummer 102 tragen.


    Der Plan ist wahrscheinlich nach dem Jahr 1930 erschienen, da er die in diesem Jahr gewidmete #Stresemannstraße zeigt. (vorher #Königgrätzer_Straße , im Nationalsozialismus #Saarlandstraße)

    Neue Blumenstraße 1-24 in Berlin - KAUPERTS
    https://berlin.kauperts.de/Strassen/Neue-Blumenstrasse-10179-Berlin

    Straßenverlauf: von Blumenstraße und Krautstraße bis Singerstraße
    Falk‑Stadtplan: Planquadrat L 18-19
    Geschichte von Neue Blumenstraße
    Ehemaliger Bezirk: Mitte
    Name seit: 9.8.1963

    Nach Veränderung der Straßenführung mit Bezug auf ihren alten Namen benannt.

    Durch den Neuaufbau dieses Gebiets zwischen 1958 und 1963 wurde die Blumenstraße in ihrer einstigen Straßenführung verändert. In Anlehnung an ihren Namen wurde dieser Abschnitt nun Neue Blumenstraße genannt. Die Blumenstraße erhielt ihren Namen nach den dort einst befindlichen Gärten von David Karl Bouché (1747–1819). Bouché übernahm von seinem Vater Pierre Bouché den Gärtnereibetrieb. Nicolai rühmte die „vorzüglich schönen Früchte“ aus dem „Bocherschen Obstgarten“. Bouché war Besitzer des Terrains Blumenstraße 11, auf dem er einen Garten angelegt hatte.

    Die Blumenstraße, an die der Name anknüpft, existiert heute nur noch in Friedrichshain. Der Name ist mit revolutionären Traditionen der Arbeiterbewegung verbunden und sollte deshalb, wenn auch in ihrer Straßenführung etwas verändert, erhalten bleiben.
    © Edition Luisenstadt, kaupert media gmbh


    Blumenstraße 1948 - Falk Plan Berlin
    https://www.landkartenarchiv.de/falkplan.php?q=falk_berlin_1_1948

    Blumenstraße (Berlin-Friedrichshain) – Wikipedia
    https://de.wikipedia.org/wiki/Blumenstra%C3%9Fe_(Berlin-Friedrichshain)#Neue_Blumenstra%C3%9Fe

    Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde für die Stadtmitte im Osten – für Friedrichshain (Stalinallee) – bei völliger Neugestaltung der Straßenzüge neue Berliner Mitte projektiert. Die 1015 Meter lange Blumenstraße verlor 800 m und wurde bis Ende der 1960er Jahre schrittweise[9] aufgehoben. Der neue Straßenzug war eine gerade Fortsetzung in den Bezirk Mitte als Neue Blumenstraße benannt.[10]

    Der alte Verlauf

    Die (historische) Blumenstraße gehörte zum Stralauer Viertel. Die Grundstücke wurden fortlaufend gezählt, ab Alexanderstraße an der südlichen Straßenseite mit Grundstück 1 beginnend. Sie lag im Polizeirevier 22, organisatorisch gehörten die Grundstücke 1, 2, 4–26 und 59–84 zum Stadtbezirk 103 (Alexanderstraßen-Bezirk), das Haus 3 zu 102 (Holzmarkt-Bezirk), im mittleren Abschnitt lagen 27–34 und 51a–58 im Stadtbezirk 104 (Blumenstraßen-Bezirk) und 34a bis 51 gehörten zu 119 (Nicolaus-Hospital-Bezirk).[11] Den Kirchengemeinden waren die südlichen Häuser 1–14a Kirchspiel Ⅰ (St. Andreas-Kirche, Stralauer Platz) zugeordnet, die östlichen Wohnhäuser dem Kirchspiel ⅩⅥ (St. Marcus-Kirche, Weberstraße 54/55) und die nördlichen Häuser 76–84 Kirchspiel Ⅷ (St. Jacobi-Kirche, Oranienstraße 133).[12] 1850 ist die Blumenstraße mit den 109 Grundstücken (große waren geteilt, einige zusammengefasst) weitestgehend bebaut: es sind 23 Mietshäuser mit mehr als 10 Mietern, 23 vom Eigentümer bewohnte Häuser verzeichnet und als Baustelle[13] sind Nummer 1, 7/8, 25, 33, 41, 43–45, 49, 51, 52, 55/56 verzeichnet.[14] 20 Jahre später kommt die Wallnertheaterstraße zwischen 1 und 3 hinzu, Grundstück 2 für den Durchbruch, die Rosengasse hieß Markusstraße. Grundstück 40/41 wurde zu Andreasstraße 48 und Straßenland. Grundstücke sind neu bebaut: 9 und 9a sind 1870 im Umbau, 49 ist noch und 11 und 79 wurden Baustelle. In 42 Häusern wohnen nun mehr als 10 Mieter (Dienstboten, Gehülfen und Hausdiener sind im Adressbuch nicht erfasst).[15] Anmerkung: die östlichsten Grundstücke 40 und 41 (schon an der Lehmgasse) befanden sich am Durchgang zur Großen Frankfurter Straße. Sie wurden um 1860 aufgehoben, um beim Ausbau der Andreasstraße vom Andreasplatz zur Großen Frankfurter Straße eine Nord-Süd-Verbindung durchzuführen.

    Im Jahr 1913 (Beschlussfassung 1912[16]) wurden die Grundstücke der Blumenstraße neu geordnet, das Haus 1 lag weiterhin an der Alexanderstraße, aber die Zählung endete gegenüber mit Grundstück 102 (vorher 84), das zu Alexanderstraße 24 gehört. Geteilte Grundstücke (wie 51, 51a, 51b, 51c) wurden nun durchgezählt. Auffällig ist zu diesem Zeitpunkt eine hohe Zahl Mietshäuser im Eigentum der Erben oder von Rentnern.[17] Das Adressbuch 1912 (mit dem Stand des Jahres 1911) zeigt noch das nördliche Eckgrundstück Alexanderstraße als 84 an, an der Andreasstraße wechselte die Zählung von 39 auf 42 zur Nordseite rücklaufend.

    Anmerkungen
    9 - Auf histomapberlin.de (http://histomapberlin.de/histomap/de/index.html) zeigt die Karte 423D/1966 noch zwei Abschnitte der Blumenstraße, die auf 423D/1970 entfallen sind. 1) Für Friedrichshain 90 Meter westlich der Krautstraße 2) für Mitte 120 Meter westlich der Markusstraße mit den Häusern 77–79 und 22, 25, 26.

    10 - Karte von Berlin 1:5000: Lage aktuell: Hausnummern 38–41, 47, 47a, 49 https://fbinter.stadt-berlin.de/fb/index.jsp?loginkey=zoomStart&mapId=k5_farbe@senstadt&bbox=39310

    11 - Nachweis der Stadtbezirke. In: Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger nebst Adreß- und Geschäftshandbuch für Berlin, 1870, Ⅴ., S. 83 ff. http://digital.zlb.de/viewer/image/10666966_1870/1410

    12 - Blumenstraße. In: Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger nebst Adreß- und Geschäftshandbuch für Berlin, 1870, Ⅵ., S. 96. „Nachweis der Straßen […] mit Angabe der Polizei=Reviere, Stadt=Bezirke, Armen=Commissionen und Kirchspiele“. http://digital.zlb.de/viewer/image/10666966_1870/1423

    13 - Im Adressbuch sind als Baustelle im Kataster eingetragene Parzellen /Grundstücke mit Eigentümer gemeint. Es muss kein Bau oder Bauwille bestehen.

    14 - Blumenstraße 1–84. In: Allgemeiner Wohnungsanzeiger für Berlin, Charlottenburg und Umgebungen, 1850, Ⅱ., S. 13, 14 (Querstraßen: 1 an der Andreasstraße, zw. 11 und 15 am grünen Weg, zw. 27 und 28 Rosengasse, zw. 35b und 35 Krautsgasse // zwischen 39 und 40 Seitenwechsel // zw. 52 und 53 an der Krautsgasse, zw. 57 und 58 Rosengasse, 68/69 Garten Bouché mit Wohnsitz und 70 Besitz, zw. 75 und 76 an der Schillingsgasse, 84 an der Alexanderstraße, Haus 84 s. Alexanderstraße 21). http://digital.zlb.de/viewer/image/11940441_1850/587

    15 - Blumenstraße. In: Berliner Adreßbuch, 1970, Ⅱ., S. 29 ff. http://digital.zlb.de/viewer/image/10089470_1970/919

    16 - Mit der Anerkennung von Lichtenberg als Stadtgemeinde kam es zu Gebiets- und Grundstücksänderungen im Osten von (Alt-)Berlin insbesondere Friedrichshains.

    17 - Blumenstraße 1 bis 102. In: Berliner Adreßbuch, 1914, Ⅲ., S. 85 ff. „1, ←Wallnertheaterstraße→, 2 (auch Wallnertheaterstraße 22), 3–7, 8 (auch Wallnertheaterstraße 16/17, Ida-Claus-Stiftung), 9 (Ida-Claus-Stiftung), 10 (Prachtsäle „Alt-Berlin“, E: Gastwirt P. Baatz, Residenz-Lichtspiele von W. Bromme), 11–13, ←Ifflandstraße→, ←Grüner Weg→, 14/15 (auch Grüner Weg 124 u. 125), 16 (auch Grüner Weg 123), 17–26, ←Markusstraße→, 27–32, ←Markusstraße→, 33/34 („Markushof“, auch Krautstraße 4, 5 und Markusstraße 18, 35–37), ←Krautstraße→, 38 (auch Krautstraße 53), 39–49 // ←Andreasstraße→ // 50, 51 (zu Große Frankfurter Straße 113), 52 (auch Große Frankfurter Straße 111), 53–56, 57 (auch Große Frankfurter Straße 106), 58–60, ←Krautstraße→, 61–70, 71 (auch Markusstraße 22), ←Markusstraße→, 72–79 (77 im Besitz der Stadt Berlin), 80/81 (E: Ingenieur Lachmann, Arbeiterinnenheim der Vereinigung zur Förderung der Arbeiterinnenbewegung, Postamt 99), 82, 83, 84/85 (auch Marsiliusstraße 12), 86 (E: Stadt Berlin), ←Marsiliusstraße→, 87, 88 (E: Stadt Berlin: Vorderhaus und 9 Aufgänge), 89–94, ←Schillingstraße→, 95 (E: Stadt Berlin), 96–101, 102 (zu Alexanderstraße 24), ←Alexanderstraße→“ (Die überwiegende Anzahl der Häuser hat mehr als 10, viele mehr als 30 Mieter.). http://digital.zlb.de/viewer/image/10089470_1914/4170


    Blumenstraße / Neue Blumenstraße - Openstreetmap 2019
    https://www.openstreetmap.org/way/4083446#map=16/52.5172/13.4238

    Blumenstraße (Berlin-Friedrichshain) – Wikipedia
    https://de.wikipedia.org/wiki/Blumenstra%C3%9Fe_(Berlin-Friedrichshain)#Bewohner_und_Grundst%C3%BCck


    Stolperstein Blumenstraße 49
    Keine Erwähnung von Hugo Ruschin am 22.1.2019

    Im Buch der Erinnerungen[49] sind folgende Deportationen 1943–1945 aus der Blumenstraße aufgeführt. Haus 13: Herta Dobrin (geb. Rosenthal, 26. Juli 1903), Fritz Julius Dobrin (26. Juni 1907). Haus 25: Walter Michelsohn (23. Dezember 1910 * LL: 17. Juli 1943 in Riga), Hildegard Michelsohn (geb. Schirn, 27. Juni 1909). Haus 41: Johanna Boetzel (geb. Peritz, 4. Dezember 1884) Martin Boetzel (14. Mai 1880). Haus 80: Regina Bass (geb. Prager, 1. Mai 1878). Haus 74: Selma Bock (geb. Rosenthal, 28. September 1891), James-Hugo Bock (9. Mai 1926). Haus 94: Eva Jaeckel (geb. Lippmann, 28. Juli 1885), Alfred Jaeckel (23. September 1880). Haus 98: Jachet-Chaja Heller (geb. Steiner, 28. Dezember 1888), Erna Heller (16. März 1906), Josef-Gerhard Heymann (25. Dezember 1897, am 16. August 1944 von Stuttenhof nach Buchenwald).

    cf. list of murdered jews https://seenthis.net/messages/363328

    #Allemagne #Berlin #Mitte #Blumenstraße #Neue_Blumenstraße #Alexanderstraße #histoire #juifs #shoa #shoah #cartographie #projekt_stolperstein


  • Le pacte d’Adriana | ARTE
    https://www.arte.tv/fr/videos/080143-000-A/le-pacte-d-adriana


    Ce film est un document poignant sur la déstruction d’une famille par sa collaboration avec une dictature sanglante. La jeune réalisatrice Lissette Orozco fait preuve d’un courage énorme quand elle interroge ses tantes sur les crimes commis sous Pinochet et leur rôle dans le système d’oppression. Elle nous emmène sur un voyage à travers les doutes et mensonges jusqu’au moment quand la vérité devient tangible parce que les masques tombent sous les coups de témoignages et d’observations humains. Son film est extraordinaire parce que la rélisatrice nous fait sentir son empathie envers les membres de sa famille même dans les pires moments de déception.

    D’un point de vue ouest-allemand ce film est d’une nouveauté surprenante parce qu’en Allemagne à distance égale dans le temps la lutte contre le résidu des énormes crimes nationaux n’a su trouver d’expression conséquente qu’à travers la prise d’armes d’une petite minorité de la génération héritant un patrimoine empoisonné.

    Qui était vraiment Adriana Rivas ? Une secrétaire lambda, ainsi qu’elle le clame, ou une redoutable tortionnaire, comme le pense la justice chilienne ? En choisissant de tourner son premier documentaire sur sa tante, Lissette Orozco plonge dans son histoire familiale et dans les années noires de la dictature de Pinochet. Écartelée entre son lien avec l’accusée et la recherche de la vérité, la jeune réalisatrice avance à petits pas, s’interroge, enquête et documente, oscillant tour à tour entre l’amour et l’effroi. Saluée dans de nombreux festivals, sa quête intime, qui embrasse le passé d’un pays encore meurtri, offre un témoignage passionnant sur les mystères de l’âme humaine et le pacte de silence qui unit les criminels d’hier.

    De l’autre côté - Quilapayún & Isabel Parra à Berlin
    https://seenthis.net/messages/746592

    #Chili #histoire #politique #film_documentaire


  • Bayern : « Heimatkapitalismus » | Telepolis
    https://www.heise.de/tp/features/Bayern-Heimatkapitalismus-4242647.html


    Panzerkampfwagen V Panther, der von MAN in Nürnberg entwickelt wurde. Bild : Stahlkocher/CC BY-SA-2.0

    A propos de la transformation de la pauvre #Bavière d’après-guerre en centre de l’industrie allemande y compris d’armement.

    En bref : c’est la guerre de Corée qui est à l’origine de la montée de la bavière dont l’industrie est largement restée intacte pendant la guerre et qui constitue la partie principale de l’Allemagne occupée par les troupes des #USA . C’est ici où des anciens #espions #nazis développent les nouveaux services secretes allemands sous contrôle de spécialistes américains. L’article nous fait découvrir les origines de l’alliance transatlantique dont le soutien demeure le gage et la conditio sine qua non pour avoir accès auc cercles de pouvoir allemands. On y apprend des choses remarquables sur le système de la repartition du pouvoir politique entre le parti chrétien régional CSU et les social-démocrates SPD. Ce décryptage permet de comprendre la persistence des structures de pouvoir et quelques raisons de la décomposition des structures politiques à laquelle on assiste actuellement.

    A lire, malheureusement l’article n’est disponible qu’ #auf_deutsch

    09. Dezember 2018 - Albrecht Goeschel und Markus Steinmetz

    Wie man am eigenen Erfolg scheitert (I)

    Die Große Koalition Bayern, der Sozialpakt zwischen christlichsozialer Landperipherie einerseits und sozialdemokratischen Großstadtzentren andererseits und auch zwischen einer autoritären Dauerregierung und einer vormals liberalen Medien- und Diskurskultur in Bayern ist in der Landtagswahlnacht vom 14. Oktober 2018 mit einem lauten Knall geplatzt.

    Die Christlich-Soziale Union hat in Gestalt der Freien Wähler die Quittung dafür bekommen, dass sie spätestens mit der Edmund-Stoiber-Politik den ländlichen Raum und seine Leute abgehängt hat. Die Sozialdemokratische Partei hat in Gestalt der Grünen gerade in München nicht nur eine Quittung, sondern die Kündigung dafür bekommen, dass sie schon mit ihrer Hans-Jochen-Vogel-Politik von einer Arbeiterpartei zu einer Möchtegern-Akademikerpartei geworden ist.

    Diese Wählermilieu-Analyse konnte man in unterschiedlicher Differenzierung und Qualität in den Tagen nach der Landtagswahl in den Medien verfolgen. Eine interessantere, fundamentalere Diagnose dafür, dass und warum es mit der absoluten Parlamentsmehrheit der bisherigen Regierungspartei aus ist, hat die Süddeutsche Zeitung zwei Tage vor der Wahl unter der Überschrift „Wer san mia?“ versucht.

    Richtig verweist sie darauf, dass sich die „traditionellen Milieus“ auflösen oder wandeln. Ein Hauptfaktor dafür sei die ausgeprägte Zuwanderung nach Bayern und der diese antreibende wirtschaftliche Erfolg Bayerns. Passend zur immer penetranteren neoliberalen Redaktionslinie der Süddeutschen Zeitung bleibt aber das ungeschrieben, was der informierte und kritische Leser gerne näher erläutert gehabt hätte: Warum das Kapitalismus-Erfolgsmodell Bayern über die Jahrzehnte hinweg eine zunehmende Delegitimierung in den Wahlergebnissen erlebt hat - zuletzt angetrieben durch die peinliche Amtskruzifixshow, die Heimatvortäuschung und den künstlichen Theaterdonner in Sachen Migration der letzten Monate.

    Immerhin deutet die „SZ“ aber mit dem Finger in die richtige Richtung: „Die CSU stand jahrzehntelang für den Fortschritt des Landes ebenso wie für die Wahrung der Tradition. Jetzt könnte sie zum Opfer ihres eigenen Erfolges werden.“

    Vor einem Jahrzehnt hat Albrecht Goeschel schon einmal diese Frage gestellt: "Bayern - Ein deutsches Erfolgsmodell am Ende?"1 In seiner damaligen Analyse hat er einige weniger angenehme Antworten gegeben, die sich jetzt freilich als richtig herausgestellt haben. So ist genau die Zweiteilung Bayerns in den Exportgewinner und Wachstumsschwerpunkt München und München-Umland einerseits und den Wachstumsverlierer Bayerische Nordostzone andererseits die Voraussetzung für Prosperität nach dem klassischen kapitalistischen „Zentren-Peripherie Modell“. Diese Zweiteilung ist aber auch die Ursache für die „Revanche der Peripherie“ dieser Landtagswahl. Eine Revanche, wie sie Bayern exemplarisch für andere Territorien in Europa und darüber hinaus erlebt hat.

    Wenn aber aus dem Platzen der alten Milieukoalitionen in Bayern etwas anderes entstehen soll als eine Fortsetzung des Gehabten in neuer Kostümierung, dann muss zunächst einmal gründlich analysiert werden, was es mit dem „Erfolgsmodell Bayern“ und seinem Auslaufen eigentlich auf sich gehabt hat.
    1. Bayern: Kriegsgewinnlerökonomie

    Der in den 1960er Jahren mit vorzüglichen Realanalysen des westdeutschen Wirtschaftslebens bekannt gewordene Fachautor Kurt Pritzkoleit hat einen der wichtigsten Gründe für den kontinuierlichen Wachstums-, sprich: Mehrwert- und Profitproduktionsprozess Bayerns treffend analysiert: Bayern habe als einziges Besatzungsgebiet der Westalliierten bis auf seine pfälzische Exklave die Kapitulation der Deutschen Wehrmacht und die Zerschlagung des Dritten Reiches territorial unbeschädigt überstanden.2 Ergänzend stellt Werner Abelshauser in seiner exzellenten "Deutschen Wirtschaftsgeschichte"3 auch noch dar, dass Bayern das „Glück“ hatte, das Hauptgebiet der US-Besatzungszone zu sein.

    Auch dort habe der angloamerikanische Luftkriegsterror zwar Lebensräume der Zivilbevölkerung brutal zerstört, aber mitnichten das süddeutsche Industriepotenzial nennenswert dezimiert. Selbst Rüstungszentren wie Schweinfurt seien trotz massivster Luftangriffe kaum beeinträchtigt worden. Insgesamt habe die Industrie in den Westzonen bei Kriegsende über ein Anlagekapital verfügt, das um 20 Prozent höher gelegen habe als vor dem Krieg. Dieses Potenzialwachstum galt insbesondere auch für Bayern. Der „NS-Rüstungs-Keynesianismus“ (Werner Abelshauser) trieb die Umwandlung Bayerns aus einem Agrarland in ein Industrieland massiv voran.

    Dies verwundert nicht, da sich die im Vorfeld und im Verlauf des Krieges ernorm gesteigerte Herstellung beispielsweise von Panzerfahrzeugen gerade auch in bayerischen Produktionsstätten vollzog: (Kraus-Maffei, MAN, Nibelungenwerke Passau etc.).4

    Gleiches galt für den Bau von Jagd-, Bomben- und Transportflugzeugen. Hier spielten BMW, Dornier und Messerschmitt mit ihren bayerischen Betrieben eine zentrale Rolle.

    Neben der enormen Steigerung des Produktionspotenzials in Bayern selbst kam es nach dem Ende der Kriegshandlungen und im Zusammenhang der Aufteilung des Reichsgebietes in Besatzungszonen außerdem zu einem massiven Zustrom von Fluchtkapital aus den kurzzeitig angloamerikanisch besetzten Regionen Mittel- und Ostdeutschlands. Mit der Räumung dieser Gebiete durch die Westalliierten verlagerten zahlreiche Industrieunternehmen, u.a. Siemens & Halske (Gera-Erfurt), ihre Produktionsanlagen und Verwaltungen nach Bayern.

    Außer dieser Anlagekapitalflucht nach Bayern bedeuteten die bis 1950 nach Bayern strömenden etwa 1,9 Millionen Flüchtlinge und Vertriebenen eine enorme Steigerung des Wirtschaftspotenzials Bayerns. Auch in offiziösen Darstellungen wird hervorgehoben, dass die im Zuge von Flucht und Vertreibung zuströmende Erwerbsbevölkerung teilweise deutlich besser qualifiziert war als die schon Ansässigen.5

    Für die gerne so genannte „Bayerische Wirtschaft“, d.h. für das Industriekapital mit Standort in Bayern, ergaben sich aus diesem kriegswirtschaftlichen Zusammenfluss von zusätzlichen Arbeitskräfteressourcen und zusätzlichem Anlagenkapital besonders günstige Möglichkeiten für die Produktion von Mehrwert und Profit.

    Insgesamt hatte Bayern im Laufe des Jahres 1946 bereits wieder 50 Prozent seiner Vorkriegsproduktion erreicht. Der bayerische „Heimatkapitalismus“ wurde nicht zuletzt dadurch gefördert, dass sich in Erlangen-Nürnberg eine spezifische Variante Nationalsozialistischer Wirtschaftsphilosophie etabliert hatte: die so genannte „Marktforschungsschule“ des späteren Protagonisten der „Sozialen Marktwirtschaft“ Ludwig Erhard. Er lieferte die passende Wirtschaftsideologie für den bayerischen Heimatkapitalismus und wurde bayerischer Wirtschaftsminister in dem vom US-Besatzungsregime installierten Kabinett Wilhelm Hoegner.

    Soweit es dann um die Ausgestaltung dieser „Sozialen Marktwirtschaft“, insbesondere die entscheidende Frage der Organisationsprinzipien einer Fortsetzung des traditionellen „Sozialversicherungsstaates“ ging, war es die bayerische SPD, die sich einer modernen Gesamtversicherung in den Weg stellte - zusammen mit den Angestelltenverbänden, der Unternehmerseite, dem Mittelstand und der Bauernschaft.6

    Vorteilhaft für das Wachstum der Wirtschaft in Bayern war auch dessen nach Kriegsende immer noch großer Landwirtschaftssektor. Durch den Wegfall der Agrargebiete im vormaligen Ostteil Deutschlands, die bis dahin als Agrarlieferanten des Reiches fungiert hatten und bei der gleichzeitigen flüchtlingsbedingten starken Bevölkerungszunahme in den Westgebieten, kam es dort in den ersten Nachkriegsjahren zu einer schweren Unterernährungskrise. Diese führte in einigen Ländern zu erheblichen Verlusten an Arbeits- und damit Produktionsvolumen.7 Der starke Landwirtschaftssektor dämpfte diese Negativeffekte in Bayern.

    Zuletzt zeigte die amerikanische Militärregierung kein besonderes Interesse an der direkten Demontage von Industrie- und Infrastrukturanlagen. Die viel nachhaltigere und langfristig wirksamere umfassende Enteignung von technologischem Expertenwissen, Betriebsgeheimnissen, Patenten etc. der Industrie durch die USA schlug sich weniger in aktuellen Produktionsausfällen als in einer Schwächung der prospektiven Konkurrenzfähigkeit der Industriewirtschaft Bayerns nieder.8

    Der eigentliche Wachstumsschub setzte in Bayern ein, als das während der Kriegswirtschaft im Rheinland und Ruhrgebiet akkumulierte Industriekapital nach Anlagemöglichkeiten, Arbeitskräften und Industrieflächen im westlich-kapitalistischen Teil Deutschlands suchte. Bayern wurde, auch weil es schon während des Krieges eine Art Schonraum gegenüber dem angloamerikanischen Bombenterror war, zu einem Vorranggebiet für das Überschusskapital aus dem rheinisch-westfälischen Wirtschaftsraum.

    Die Bezeichnung Bayerns als „Luftschutzkeller des Reiches“ (Katja Klee)9 trifft präzise den militärökonomischen und milieumentalen Gehalt des bayerischen „Heimatkapitalismus“ .

    2. München: Die Bayern-Lounge

    In den für das Erfolgsmodell Bayern so entscheidenden 1950er und 1960er Jahren wurden Investitionsentscheidungen noch nicht vom Finanzmarkt vorgegeben, sondern von Unternehmern mit ihrer Hausbank erörtert und entschieden. Aus dieser Phase stammt die mit der bayerischen Landtagswahl vom Oktober 2018 wohl auch endgültig geplatzte funktionale „Große Koalition“ zwischen SPD-München und CSU-Bayern. Diese hatte ihren Wirkmächtigkeitsgipfel in den Zeiten der angeblichen „Heimlichen Hauptstadt“ München des noch nicht vereinigten Deutschland mit seinem Schröder- und Merkel-Berlin.

    Schon im Adenauer-Deutschland gehörte es in den rheinisch-westfälischen Großbürgerfamilien dazu, dem Herrn Sohn oder dem Fräulein Tochter ein paar Semester an der Universität München, der Technischen Hochschule München oder gar der Kunstakademie München zu finanzieren. Papa und Mama hatten ja auch das Ski-Landhaus in Reit i. Winkl oder in Oberstdorf etc. und das Segelboot am Tegernsee - also warum nicht ein Zweigwerk im „Investitionsparadies Bayern“?

    Die Kunst- und Kulturstadt München, ihre Lebensart und ihr Freizeitwert waren ein entscheidender so genannter „weicher Standortfaktor“ für die Prosperität der Stadt München selbst und für das Erfolgsmodell Bayern.

    Das heute in München hegemoniale, hochgradig geschichtsvergessene Milieu der „Kulturlinken“, mittlerweile die Kinder- und Enkelgeneration der antiautoritären Protestbewegung, haben auf ihrem Display nicht mehr oder niemals gehabt, dass es eben nicht Berlin oder Frankfurt am Main oder Hamburg waren, in denen dann zuerst die Werte und Spielregeln des „Wirtschaftswunder-Westdeutschland“ fundamental in Frage gestellt wurden, sondern gerade die Bayern-Lounge München. Die „Gruppe Spur“ an der Akademie der Bildenden Künste München war die Erfinderin des „Antiautoritären“.

    Fussnoten

    1 Albrecht Goeschel: Bayern - Ein „Deutsches Erfolgsmodell“ am Ende? Ausarbeitung für das Diakonische Werk Bayern. Hrsg. Studiengruppe für Sozialforschung e.V., Marquartstein, 24.4.2009

    2 Kurt Pritzkoleit: Das gebändigte Chaos, Wien, München, Basel 1963

    3 Werner Abelshauser: Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945, München 2004

    4 Werner Oswald: Kraftfahrzeuge und Panzer der Reichswehr, Wehrmacht und Bundeswehr, Stuttgart 1973

    5 Walter Ziegler: Flüchtlinge und Vertriebene, in historisches-lexikon-bayerns.de

    6 Hans Günther Hockerts: Sozialpolitische Entscheidungen im Nachkriegsdeutschland, Stuttgart 1980

    7 Bruno Bandulet: Beute-Land, Rottenburg 2016
    8 ebd.

    9 Stefan Grüner: Geplantes Wirtschaftswunder: Industrie- und Strukturpolitik in Bayern, München 2009

    10 Albrecht Goeschel (Hrsg.) Richtlinien und Anschläge: Materialien zur Kritik der repressiven Gesellschaft, Hanser-Verlag München 1968

    Dans la deuxième partie l’article explique davantage de détails des mécanismes du pouvoir qui on menè à l’énorme influence de la Bavière et de sa droite populiste sur la politique de l’Allemagne entière. Cerise sur la gateau on apprend comment les élites se servent de l’état pour amasser leurs fortunes sur le dos des simples gens.

    Bayern : « Arbeiter- und Bäuerinnen-Staat zu Ende » | Telepolis
    https://www.heise.de/tp/features/Bayern-Arbeiter-und-Baeuerinnen-Staat-zu-Ende-4278123.html


    BMW-Werk München, 1968. Bild : Bundesarchiv, B 145 Bild-F027644-0004 / Storz / CC-BY-SA 3.0

    18. Januar 2019 Albrecht Goeschel, Markus Steinmetz

    Bayern-Saga: Wie man am eigenen Erfolg scheitert - Teil 2

    Nach 60 Jahren gefühlter Alleinherrschaft in Bayern muss die Christlich-Soziale Union seit der Landtagswahl 2018 in einer ungewünschten Koalition regieren. Wer hat ihr das eingebrockt oder wer hatte da genug von den älteren Herren, nachdrängenden Babypräsidenten oder bebrillten Parteibuben?

    Wenn man die Wahlanalysen liest, waren es wohl vor allem die Frauen, die diesmal ihre Stimmzettel anders als noch vor vier Jahren ausgefüllt haben. 2013 haben die bayerischen Frauen mit 50 Prozent noch deutlicher als die Männer „C“ gewählt. 2017 waren es dann auf einmal nur noch 38 Prozent. Dabei ist die CSU eigentlich traditionell eine Partei der Frauen und mittlerweile vor allem der Rentnerinnen. Die älteren Frauen stellen aber auch in Bayern, dank längerer Lebenserwartung, einen größeren Bevölkerungsanteil als die Männer. Wenn sie dann der herrschenden Altpartei die Zustimmung entziehen, schlägt das ordentlich ins Wahlkontor.

    Spannend wird das ganze, wenn man sich das Profil der Bayernbevölkerung in den Jahren ansieht, in denen die CSU ihre Dauerherrschaft begründet hat: Die Fünfziger Jahre. Diese waren der Wirtschaftszyklus mit dem höchsten Wirtschaftswachstum in ganz Westdeutschland.

    Wie der Ökonomiepublizist Kurt Pritzkoleit in seinem materialreichen Werk „Das gebändigte Chaos“ schreibt, war das auch die Zeit, in der Bayern im Vergleich zu den anderen Bundesländern eine überdurchschnittlich hohe Erwerbsquote hatte. Grund dafür wiederum war die damals auch überdurchschnittlich anteilsstarke Landwirtschaft in Bayern und deren Bäuerinnen - die so genannten „Mithelfenden Familienangehörigen“. Daneben spielten auch die anteilsstärkeren typischen Frauenindustrien wie die Elektrotechnik und die Textil- und Bekleidungsherstellung eine Rolle.


    CSU-Ergebnis bei Landtagswahlen seit 1950 und die jeweiligen Spitzenkandidaten. Grafik: TP

    In diesen Fünfziger Jahren überholte aber auch die infolge der Aufrüstungs- und Kriegswirtschaft des 3. Reiches stark gewordene Investitionsgüterindustrie Bayerns deren Anteil in den anderen Bundesländern. Maschinenbau und Fahrzeugherstellung spielten eine besondere Rolle bei diesem Industrieschub in Bayern. Zwischen 1950 und 1960 entstanden in Bayern etwa 573.000 neue Arbeitsplätze in der Industrie.

    Man kann dieses Bayern der Fünfziger Jahre mit seinen hunderttausenden neuen Industriearbeitern und seinen hunderttausenden mithelfenden Bauersfrauen als den christlich-kapitalistischen Arbeiter- und Bäuerinnenstaat auf der einen Seite der Demarkationslinie, der so genannten „Zonengrenze“, unmittelbar gegenüber dem atheistisch-sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat des ehemaligen Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt etc. auf der anderen Seite dieser Grenze betrachten.
    Anzeige

    Unvoreingenommene Ökonomen kommen in diesem Zusammenhang zu dem Ergebnis, dass die späteren beiden deutschen Staaten in ihren ersten Jahrzehnten einen durchaus ähnlichen wohlfahrtsstaatlich-keynesianischen „Fordismus“ (Werner Abelshauser, Ulrich Busch, Rainer Land) in der Wirtschaftspolitik verfolgt haben.6 Vor diesem Hintergrund wird erst die epochale Bedeutung des Aufstiegs der Alternative für Deutschland in den mitteldeutschen Bundesländern und der Absturz der Christlich-Sozialen Union in Bayern erkennbar.

    Korea-Krieg: Militärisch-industrieller Komplex auch in Bayern

    Der renommierte Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser hat in seiner „Deutschen Wirtschaftsgeschichte seit 1945“ deutlich gemacht, dass die Vereinigten Staaten wegen des von ihnen angeführten Vernichtungskrieges in Korea 1950 bis 1953 dringend auf die noch vom Rüstungsminister des 3. Reiches, Albert Speer, auf ein hohes Rationalisierungsniveau gebrachten Kapazitäten der (west-)deutschen Investitionsgüterindustrie angewiesen waren.

    Sie forderten von der bundesdeutschen Wirtschaftspolitik eine Abkehr von der konsumistischen Politik des „Wohlstand für alle“, gezielte Rüstungsanstrengungen und eine Wiederbewaffnung. Die Soziale Marktwirtschaft sollte „Rüstungstauglichkeit“ (Werner Abelshauser) entwickeln. In dieser ersten Hälfte der Fünfziger Jahre verortet der Historiker die Wiederauferstehung des rüstungswirtschaftlichen Korporatismus des nationalsozialistischen Staates nun in Gestalt eines auch europäischen „militärisch-industriellen Komplexes“.

    Durch die in den Jahren des Koreagemetzels begonnene Abwertung der D-Mark gegenüber dem US-Dollar konnten sich die USA günstig mit deutschen Investitionsgütern eindecken, aber ebenso konnten die deutschen Exportproduzenten fette Gewinne erwirtschaften. Dies galt auch und gerade für die Investitionsgüterbranche und die gesamte Exportbranche Bayerns.

    Dreh- und Angelpunkt des westdeutschen und vor allem bayerischen militärisch-industriellen Komplexes war der nachmalige CSU-Parteivorsitzende Franz Josef Strauß: Ab 1953 Bundesminister für besondere Aufgaben, ab 1955 Bundesminister für Atomfragen, ab 1956 bis 1962 Bundesminister für Verteidigung, war er in mehrere Mega-Rüstungsskandale des damaligen Adenauer-Deutschland verwickelt.
    CSU-Wahlerfolg: Im Kielwasser von Wiederbewaffnung und Rentenreform

    Die Indienstnahme von Teilen der westdeutschen Industrie für die Korea-Kriegs- und spätere Kalte-Kriegswirtschaft des US-Imperialismus bescherte dem Exportsektor zwar hohe Gewinne, ging aber auch zu Lasten der dortigen Beschäftigten.

    In Bayern kam es daher im August 1954 zum brutalsten Streik in Westdeutschland bislang. 100.000 der etwa 240.000 Beschäftigten der bayerischen Metallindustrie traten unter Führung der Gewerkschaft IG-Metall in einen drei Wochen dauernden Streik. Gefordert wurde eine Erhöhung des Ecklohnes von 1.44 DM um 12 Pfennige (!). Am Ende kamen 3 bis 5 Pfennige heraus. Dabei war es die damalige SPD-Regierung Bayerns, die u. a. die mit Stahlhelmen und Karabinern ausgerüstete, militärisch organisierte und geführte kasernierte „Bereitschaftspolizei“ gegen die Streikenden einsetzte.

    Etwas mehr als ein Jahr zuvor, eine Woche um den 17. Juni 1953, hatte es in der späteren Deutschen Demokratischen Republik ebenfalls einen mehrtägigen Arbeiteraufstand gegen verschlechterte Arbeitsbedingungen gegeben. Paramilitärische Volkspolizei und sowjetrussische Militärkräfte schlugen den Aufstand nieder.

    Betrachtet man die Ergebnisse der bayerischen Landtagswahlen der Fünfziger Jahre, erlebte die Christlich-Soziale Union damals einen eindrucksvollen Aufstieg. Sie steigerte ihr Wahlergebnis von 27,4 Prozent im Jahr 1950 auf 38,0 Prozent bei den Wahlen 1954 und erreichte dann bei den Landtagswahlen 1958 satte 45,6 Prozent.

    Politisch-ökonomisch bedeutete dies, dass das rüstungswirtschaftlich getriebene Wachstum Bayerns von einem Großteil der Wahlbevölkerung akzeptiert wurde, wiewohl Sozialdemokratie und Gewerkschaften gegen die westdeutsche Remilitarisierung massiv opponiert hatten.

    Es war wieder der Wirtschaftspublizist Kurt Pritzkoleit, der einen wichtigen Hinweis auf einen entscheidenden Faktor für die mit dieser Wahl begründete CSU-Hegemonie in Bayern gab: In seiner schon zitierten Bayern-Analyse betont Pritzkoleit, dass der Rentner- und Rentnerinnenanteil an der Bevölkerung in Bayern in den Fünfziger Jahren deutlich höher als in Westdeutschland insgesamt gelegen hat.

    Gerade auf diese Bevölkerungsgruppe zielte aber die Wahlstrategie des fuchsschlauen damaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer bei den Wahlen zum Deutschen Bundestag des Jahres 1957: Adenauer hatte ganz offen die Rentenreform von 1956/57 mit ihrer Erhöhung und Lohnankoppelung in seinem politischen Lager als Strategie propagiert, um den Popularitätsverlust der christlichen Parteien infolge Bundeswehrgründung, Wehrpflichteinführung und NATO-Beitritt in den Jahren 1955 und 1956 zu kompensieren.


    Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß zu Besuch in der Kaserne der Heeresflugabwehrschule Rendsburg (1957). Bild: Friedrich Magnussen / Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte / CC-BY-SA 3.0

    Im Kielwasser des rentenpolitisch erreichten CDU-Wahlsieges von 1957 erreichte die CSU in den Landtagswahlen von 1958 im Rentnerland Bayern dann sogar ein Spitzenergebnis. Der in den Fünfziger Jahren führende deutsche und bayerische Rüstungspolitiker Franz-Josef Strauß wusste sehr genau, dass erfolgreiche störungsfreie Aufrüstungspolitik vor allem mit eingängiger Sozialpolitik legitimiert werden muss. Er war Mitglied im Sozialverband VdK Bayern. Dieser Verband, nach Kriegsende als Kriegsopferorganisation in den süd- und westdeutschen Bundesländern entstanden, hatte sich auch in Bayern zu einer zahlenstarken sozialpolitischen Interessenorganisation entwickelt. Seit Jahrzehnten wird in diesem Verband eine Großkoalition von CSU- und SPD-Sozialfunktionären praktiziert. Präsident des VdK Bayern war zeitweilig auch Horst Seehofer.

    Mit „Wirtschaftslenkung“ in Westdeutschland zur absoluten Mehrheit in Bayern

    Nach den langen Fünfziger Jahren stürmischen Wirtschaftswachstums, sprich: rasanter Kapitalakkumulation, kam mit der Rezession von 1966/1967 der in kapitalistischen Wirtschaftssystemen unvermeidliche Krisenabsturz, verbunden mit hoher Arbeitslosigkeit, Betriebsschließungen etc.. Verschärft wurde diese Rezession durch die sich ausbreitende Strukturkrise im Ruhrbergbau.

    Die vor diesem Hintergrund gebildete Große Koalition unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger verließ eiligst den marktliberalen Wirtschaftskurs des gescheiterten Bundeskanzlers Ludwig Erhard und ging entschieden zu einer keynesianischen Globalsteuerung der Wirtschaft über. Das seinerzeitige „Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft (StabG)“ vom 8. 6.1967 ist als Juwel keynesianischer Wirtschaftslenkung im kapitalistischen West-Deutschland noch heute in Kraft - wenn auch ohne Wirkung.

    Die beiden Leitfiguren dieser Politik, die durch massive öffentliche Investitionsprogramme Krisenbekämpfung verfolgte, waren der neue SPD-Wirtschaftsminister Karl Schiller und der nunmehrige CSU-Finanzminister Franz Josef Strauß. Mit seiner bundespolitischen Investitionspolitik konnte Strauß zugleich die Situation in Bayern fördern, dessen strukturschwache Gebiete durch die Rezession schwer getroffen waren. Es war allerdings weniger die 1966/1967er-Krise, die für das Wachstum in Bayern Gefahren beinhaltete. Viel größer war das Risiko, dass die Bergbaukrise im Ruhrgebiet in hohem Maße Industrieflächen und Arbeitskräfte freisetzte und damit den Standortvorteil Bayerns, verfügbare Industrieflächen und verfügbare Arbeitskräfte im ländlichen Raum, zunichte machen könnte.

    Aus heutiger Sicht frappierend, insbesondere seit dem neoliberalen Fundamentalismus der Regierung Edmund Stoiber, entschied sich die CSU-Regierung in Bayern für eine geschickte Doppelstrategie: Der sich erfolgreich als Landesvater inszenierende Ministerpräsident Alfons Goppel griff die damals in der Öffentlichkeit herrschende Planungsfreundlichkeit auf und startete in Kooperation mit der bayerischen SPD Entwicklungsplanungen für drei Problemregionen in Bayern: Bayerischer Wald, Oberpfälzer Wald und Bayerische Rhön.


    Alfons Goppel beim CSU-Parteitag 1975 in München. Bild: Bundesarchiv, B 145 Bild-F046472-0004 / Storz / CC-BY-SA 3.0

    Durch diesen Vorstoß gelang es der Bayerischen Staatsregierung, die mit dem 1965 erlassenen Bundesraumordnungsgesetz und mit Karl Schillers „Regionalen Aktionsprogrammen“ ausgelöste Förderwelle überwiegend nach Bayern zu lenken. Sie erreichte durch ihre Planungsoffensive, dass allein 6 der insgesamt 16 bundesweit als so genannte „Zentrale Orte“ geförderten Klein- und Mittelstädte in Bayern ausgewählt wurden. Wer in diesen Jahren bayerische Kommunen in Fragen der Regionalentwicklung beraten hat, erinnert sich mühelos an die enorme legitimatorische Wirkung von positiven Förderbescheiden der Staatsregierung auf der Kommunalebene und auch an die regelrechte Mystifizierung von Hilfsgesuchen an den „Hochverehrten Herrn Bundesfinanzminister“.

    Die Bayerische Staatsregierung praktizierte die vom Bundesfinanzminister in Bonn forcierte langfristig antizyklische Strukturförderungspolitik in Westdeutschland im Gegensatz dazu im eigenen Bundesland Bayern betont prozyklisch. Sie förderte, statt zu bremsen, auch im nach der Rezession folgenden erneuten Aufschwung, um die erreichten Erfolge nicht zu gefährden. Der Wirtschaftshistoriker Stefan Grüner hat diesen weitgehend unbekannten Föderal-Keynesianismus Bayerns in seiner vorzüglichen Untersuchung „Geplantes Wirtschaftswunder“ aus dem Jahre 2009 präzise nachgezeichnet.

    Der Erfolg dieser Doppelstrategie stellte sich prompt auch ein: Mit der in der Bayerischen Landtagswahl von 1970 erreichten absoluten Mehrheit der CSU wurde eine Serie von weiteren acht Landtagswahlen mit absoluten Mehrheiten der CSU gestartet. Noch 1970 wurde dann für Bayern ein „Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen“ eingerichtet. An dessen Spitze stand der vormalige CSU-Generalsekretär Max Streibl.
    Exportslalom durch Kalten Krieg und Europäische Einigung in die Welt-Währungskrise

    Bayerns Kapitalismus war auch in den 1960er Jahren vor allem Exportkapitalismus. Er schwamm im Strom der enormen Exportsteigerung West-Deutschlands, die zwischen 1950 und 1968 bei 1000 Prozent lag und vor allem vom Fahrzeugbau, vom Maschinenbau, von der Chemie etc. getragen wurde.

    Schon der EWG-Vertrag von 1957 hatte den Außenhandel mit den Nachbarn massiv gesteigert. Vor allem aber verstärkten der Berliner Mauerbau von 1961, die Kubakrise von 1962 und die Ausweitung des US-Angriffskrieges in Vietnam den Rüstungsaufwand des Konflikts der Systeme und damit die Exportposition des bayerischen Kapitalismus.

    Diese Exporttreiber bargen aber auch erhebliche Risiken: So befürchtete das bayerische Establishment, dass die europäische Agrarpolitik die klein- und mittelbetriebliche, noch immer anteilsstarke und politisch einflussreiche bayerische Agrarwirtschaft beeinträchtigten könnte. Ebenso wurde befürchtet, dass die EWG-Regionalförderung Bayerns Randlage verstärken könnte und West- und Südwestfrankreich sowie Süditalien bevorzugen würde.

    Auch hier reagierte die Bayerische Staatsregierung mit einem strategischen Schachzug: Sie konterte den verhassten EWG-Mansholtplan des Jahres 1962 mit seiner Tendenz zur Konzentration und Dezimierung der Landwirtschaftsbetriebe in Europa mit ihrem „Bayerischen Weg“. Dezentrale Industrieansiedlungen sollten dazu beitragen, dass Bauernwirtschaften unterschiedlicher Hofgrößen nicht nur als Vollerwerbs-, sondern auch als Zu- und Nebenerwerbsbetriebe geführt werden konnten. Die bayerische Landesentwicklungsplanung integrierte Agrarpolitik und Industriepolitik, um eine „soziale Erosion“ des ländlichen Raumes zu verhindern.

    Der Bau der Berliner Mauer und die Abriegelung der Grenze der Deutschen Demokratischen Republik gegen die Abwanderung von tatsächlichen Fachkräften vor allem nach Bayern schwächte in den sechziger Jahren einen wesentlichen Standortvorteil Bayerns: Reserven an qualifizierten und gleichkulturellen Arbeitskräften. Später, in der Phase der Entspannungspolitik, sollte dann „der andere Teil Deutschlands“ als eine Art Niedriglohnkolonie für westdeutsche und gerade auch bayerische Unternehmen produzieren.

    Das eigentliche Risiko am Ende der 1960er Jahre waren aber die Nebenwirkungen der seit den Nachkriegsjahren anhaltenden Export-, Leistungs- und Zahlungsbilanzüberschüsse der westdeutschen Wirtschaft gegenüber den übrigen großen Volkswirtschaften Europas, insbesondere Frankreich und Großbritannien, aber auch gegenüber den Vereinigten Staaten.

    Die enormen Exportüberschüsse der westdeutschen Konzerne einerseits und die enormen Kriegskosten des amerikanischen Imperialismus führten zu einem dramatischen Kursverfall des US-Dollar und einer gewaltigen Dollarflutwelle nach Europa. Ende dieser 1960er Jahre hatte sich das Problem einer mit dem Exportboom „Importierten Inflation“ (Gerard Bökenkamp) und einer dadurch ausgelösten Preis-Lohnspirale in der deutschen und bayerischen Wirtschaftspolitik in den Vordergrund geschoben.

    Der geschickte Exportslalom der bayerischen Wirtschaftspolitik zu Gunsten ihrer Exportkonzerne hatte in die Sackgasse der dadurch mitforcierten Weltwährungskrise geführt. Gerade Exportökonomien sind aber auf ein funktionierendes Weltwährungssystem zwingend angewiesen.

    Bayern: Konzernefestung und Finanzhilfenhütte

    US-Präsident Richard Nixon hat durch die Aufhebung der Einlösbarkeit von Dollarguthaben anderer Staaten in US-Gold im Jahre 1971 das damalige Weltwährungssystem von „Bretton-Woods“ erledigt. Die US-Verschuldung im Ausland war weit über die US-Goldreserven angestiegen.

    Der angesehene Ökonom Elmar Altvater stellte in seiner 1969 erschienen Untersuchung „Die Weltwährungskrise“ fest, dass die enormen Exportüberschüsse Westdeutschlands seit den Fünfziger Jahren schon in den sechziger Jahren eine der Hauptursachen für die damaligen „fundamentalen Ungleichgewichte“ im Weltwährungssystem waren.14 Daran scheint sich bis heute nichts wesentliches geändert zu haben. Der Missbrauch und die Zersetzung des Euro-Systems durch Merkel-Schäuble sind längst offenbar und noch im vollen Gange.

    Angesichts der Weltwährungskrise der späten sechziger Jahre erhöhte sich der Druck der internationalen Handels- und Währungspartnerländer auf eine deutliche Aufwertung der DM, um den anderen Ländern bessere Handelsbilanzen und Zahlungsbilanzerleichterungen zu ermöglichen. In der damaligen Großen Koalition führte dies zu heftigen Konflikten zwischen dem vom CSU-Finanzminister Franz Josef Strauß angeführten Lager der Aufwertungsgegner und dem vom SPD-Wirtschaftsminister angeführten Lager der Aufwertungsbefürworter. Es war dann die Sozialliberale Koalition unter Bundeskanzler Willy Brandt, die eine DM-Aufwertung um 8,5 Prozent beschloss.

    Die vor allem auch bayerischen Aufwertungsgegner vertraten, politisch durch die Industriespitzen unterstützt, die Außenhandelsinteressen der westdeutschen und vor allem auch bayerischen Exportkonzerne. Sie plädierten für eine Devisenkontrolle an Stelle einer Wechselkursliberalisierung. Die Aufwertungsbefürworter, politisch durch die Gewerkschaften unterstützt, vertraten die Preisstabilitätsinteressen der Arbeitnehmer und eine quasi monetaristische Währungssystemstabilisierung durch „Floaten“ der Wechselkurse.

    In der wirtschaftspolitischen Bearbeitung der Welt-Währungskrise zeigte sich die Doppelgesichtigkeit Bayerns als verzögert industrialisiertes und kapitalisiertes Agrarland: Einerseits wurden in scharfer Ablehnung der DM-Aufwertung die unmittelbaren Profitinteressen auch der bayerischen Exportkonzerne vertreten. Die „importierte Inflation“ und Welt-Währungskrise sollten durch Devisenkontrollen, einen Ausgabenstopp des Staates und natürlich Lohnzurückhaltung der Arbeitnehmer bekämpft werden. Gleichzeitig war aber Bayern auch das Bundesland, das unbeeindruckt durch die Jahre der Welt-Währungskrise zwischen 1951 und 1974 die höchsten Regionalhilfsmittel von allen Bundesländern angefordert und Erhalten hatte. Bis in die Achtziger Jahre war Bayern zudem Empfängerland(!) Im Länderfinanzausgleich16 - eben Konzernefestung und Finanzhilfenhütte.

    Fussnoten

    1 Kahrs, Horst: Die Wahl zum 18. Bayerischen Landtag vom 14. Oktober 2018. Hrsg. R. Luxemburg-Stiftung, Berlin 15.10.2018

    2 Busch, Ulrich; Land, Rainer: Teilhabekapitalismus - Fordistische Wirtschaftsentwicklung in Deutschland 1950-2009. In: Forschungsverbund Sozioökonomische Berichterstattung (Hrsg.): Berichterstattung zur sozioökonomischen Entwicklung in Deutschland, 2.Bericht, Wiesbaden 2012.

    3 Pritzkoleit, Kurt: Das gebändigte Chaos, Wien, München, Basel 1965

    4 Götschmann, Dirk: www.historisches-lexikon-bayerns.de. Wirtschaft nach 1945

    5 Abelshauser, Werner: Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945 München 2004; Busch, Ulrich; Land, Rainer: Ostdeutschland. In: Forschungsverbund Sozioökonomische Berichterstattung (Hrsg.): A.a.O. (4) Zwischen 1950 und 1960 entstanden in Bayern etwa 573.000 neue Arbeitsplätze in der Industrie.

    6 Abelshauser, Werner: Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945; München 2004; Busch, Ulrich; Land, Rainer: Ostdeutschland. In: Forschungsverbund Sozioökonomische Berichterstattung (Hrsg.): A.a.O.

    7 Hockerts, Hans Günter: Sozialpolitische Entscheidungen im Nachkriegsdeutschland, Stuttgart 1980

    8 Grüner, Stefan: Geplantes „Wirtschaftswunder“: Industrie- und Strukturpolitik in Bayern 1945 bis 1973 München 2009.
    9 Grüner, Stefan: Geplantes „Wirtschaftswunder“: Industrie- und Strukturpolitik in Bayern 1945 bis 1973 München 2009.

    10 Kroh, Ferdinand: Wendemanöver: Die geheimen Wege zur Wioedervereinigung, München 2005

    11 Bonner, Bill; Wiggin, Addison: Das Schuldenimperium, München 2006

    12 Bökenkamp, Gerard: Das Ende des Wirtschaftswunders, Stuttgart 2010

    13 Altvater, Elmar: Die Weltwährungskrise, Frankfurt 1969.
    14 Altvater, Elmar: Die Weltwährungskrise, Frankfurt 1969.
    15 Altvater, Elmar: Die Weltwährungskrise, Frankfurt 1969.

    16 Grüner, Stefan: Geplantes „Wirtschaftswunder“: Industrie- und Strukturpolitik in Bayern 1945 bis 1973 München 2009.

    #impérialisme #CIA #Allemagne #États-Unis #OTAN #économie


  • How to protect yourself from email tracking / Boing Boing
    https://boingboing.net/2019/01/11/how-to-protect-yourself-from-e.html

    The Electronic Frontier Foundation’s Sydney Li and Bennett Cyphers explain how to stop people tracking you through email. Read-receipt beacons and other trickery abounds.

    ...third-party email tracking technologies will try to share and correlate your email address across different emails that you open, and even across different websites that you visit, further shaping your invisible online profile. And since people often access their email from different devices, email address leaks allow trackers (and often network observers) to correlate your identity across devices.

    It doesn’t have to be that way.

    The nutshell: it’s not enough to block remote images in the client anymore. But you’re probably not even doing that. For many, many of you, here’s the first step

    #courriel #sécurité #surveillance #autodéfense


  • What People Actually Say Before They Die - Insights into the little-studied realm of last words
    https://www.theatlantic.com/family/archive/2019/01/how-do-people-communicate-before-death/580303

    On savait déja qu’à l’exception des héros face au peleton d’exécution personne n’a jamais prononcé des mots dignes de sa vie passée. Cet article décrit ce qui se passe en réalité avec la parole des moribonds. Conclusion : il n’y a pas grand chose et le peu qu’on apercoit de l’extérieur est si individuel que la science n’a pas encore trouvé de méthide pour le décrire.

    #mort #religion #athéisme #psychologie #anthropologie


  • FISCHERKOESEN: Minnesang auf Markenartikel - DER SPIEGEL 35/1956
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43063973.html

    29.08.1956 - Ein Zweiminutenfilm mit dem Titel ‚Durch Nacht zum Licht‘ unterhielt in der letzten Woche die Kinobesucher in einer Reihe westdeutscher Städte. Nach einem genau berechneten Einsatzplan lief der farbige Reißer zuerst vor dem Hauptfilm einiger norddeutscher Kinos, dann wanderte er weiter nach Westen. In einigen Wochen wird er auch in Süddeutschland das Publikum mit den Schrecken eines kolorierten Alptraumes bekannt machen.

    Der Film beginnt mit einer Großaufnahme: Auf der Leinwand erscheint ein Mädchen, das sich in unruhigem Schlaf hin und her wirft; der Angstschweiß steht ihm in dicken Tropfen auf der Stirn. Plötzlich gleitet die Blondine durch den Kopfteil des Bettes hindurch, der sich als Pforte zum Reiche der Finsternis öffnet. Mit wehendem Nachthemd schwebt sie durch den Raum, den Schrecken der Hölle eines modernen Dante entgegen.

    Knochenfinger greifen nach dem weißen Hals der Schlafenden, Dolche richten sich auf ihre Brüste. Das Mädchen strudelt in eine Wolkenkratzerschlucht, hetzt in modernden Gemäuern über endlose Treppen.

    Da - auf dem Höhepunkt des Infernos der Angst - brechen gleißend Blitze in das Graugrün der Finsternis. Eine Stimme, die erlösend wie aus dem Jenseits ertönt, erläutert dem Kinobesucher endlich, warum er zwei Minuten lang in die Schrecken einer Trickfilmhölle geschickt worden ist: ‚Alpträume sind die Folgen einer Magenverstimmung‘, donnert die Stimme. ‚Gegen Magenverstimmung hilft Underberg.‘

    Dieses Werbedrama in Eastman-Color ist das Glanzstück in einem Assortiment von sechs Filmen, mit der ein deutscher Werbefilmproduzent etwas unternehmen will, was zuvor noch nie ein europäischer Zeichentrickfilmhersteller riskierte: den Vorstoß in die Vereinigten Staaten, die Zitadelle Walt Disneys. Da in amerikanischen Kinos die Aufführung von Werbefilmen verpönt ist, soll die Invasion durch die Bildröhren der Fernsehgeräte gewagt werden.

    In den letzten Wochen lud eine Deutschamerikanerin die Leiter amerikanischer Fernsehreklame-Agenturen zu internen Vorführungen ein, um ihnen die Wirksamkeit der Magenverstimmungstragödie effektvoll vor Augen zu führen. Mit einer Beredsamkeit, die sie in langen Jahren konsularischer Tätigkeit erprobt hatte, suchte sie die Werbemanager zu überzeugen, daß es erfolgversprechend wäre, im Heimatland der Mickey Mouse jetzt auch den deutschen Meister des gezeichneten Films zu kreieren: ihren ehemaligen Gatten, Hans Fischer aus Bad Kösen an der Saale.

    Hans Fischerkoesen - so nennt sich der kleine korpulente Herr mit der herrisch in den Mundwinkel gestülpten Zigarre - fühlt sich endlich stark genug, Walt Disney in dessen Heimatland herauszufordern. Seine wirtschaftliche und künstlerische Vormachtstellung als Werbe-Zeichenfilmfabrikant in Deutschland ist gesichert: Mit einem Jahresumsatz von sechs Millionen Mark steht Fischerkoesen weit an der Spitze der westdeutschen Werbetrickfilmproduzenten.

    Im vergangenen Jahr sahen rund 160 Millionen Kinobesucher in Deutschland seine Markenartikelballaden, in denen der gemütvolle, unkomplizierte Sachse Reklame für so unterschiedliche Erzeugnisse, wie Schokolade und Schuhcreme, Bleistifte und Büstenhalter, Zigaretten und Zahnpasta, Markenbutter und Fleckenwasser, machte.

    Mit zwei Kameras kam Fischerkoesen 1948 in den Westen. Weil er während des Krieges Lehrfilme für die Wehrmacht gedreht hatte, waren sein Atelier und seine Villa in Potsdam beschlagnahmt worden, er selbst hatte zweieinhalb Jahre in einem sowjetzonalen KZ gesessen. Damals hatten lediglich die französischen Besatzungsbehörden die Vorführung von Werbefilmen freigegeben. In einem Städtchen der französischen Zone, Bad Neuenahr, mietete Fischerkoesen fünf Hotelzimmer und begann als erster im Nachkriegsdeutschland, gezeichnete Werbefilme zu produzieren.
    Betriebskapital waren achttausend Mark, die ihm ein kleiner Düsseldorfer Seifenfabrikant vorgeschossen hatte. Einen Tricktisch für die Kamera bastelte sich Fischerkoesen selbst zusammen. Die Belichtungsproben entwickelte er im Kleiderschrank, der von außen mit Wolldecken verhängt war.

    Schon knapp vier Jahre später saß Fischerkoesen nicht mehr im Kleiderschrank, sondern in einem schneeweißen Schlößchen zu Mehlem, einem früheren Bankiersdomizil, das er zum ‚Fischerkoesen-Filmstudio‘ ausbaute.

    Seitdem hat er aus dem Zeichenfilm ein so wirksames Werbe-Instrument gemacht, daß er nun nicht mehr nur von einem Fabrikanten mit der Aufgabe betraut wird, die Vorzüge eines bestimmten Toilettenpapiers mittels Musik, Farbe, Bewegung und Ton zu veranschaulichen, sondern auch vom Deutschen Gewerkschaftsbund zur tricktechnischen Propagierung der 40-Stunden-Woche eingesetzt werden soll.

    Bis heute hat der Schöpfer des ersten deutschen Zeichenspielfilms und Verfasser des ersten gezeichneten Werbefilms etwa 1200 Trick-Epen zusammengebastelt. Daß Fischerkoesen als der erfolgreichste Minnesänger der deutschen Markenartikel-Industrie gilt, bestätigte kürzlich ‚Der neue Film‘, das Fachblatt der deutschen Filmindustrie, an Hand eines Umfrage-Ergebnisses. Das Blatt notierte: ‚Fischerkoesen -Werbefilme wurden von allen befragten Theaterbesitzern als mit die besten und werbewirksamsten bezeichnet. Das Publikum wird wirklich angesprochen und geht amüsiert mit.‘

    Dieser knappe Satz scheint die Erfolgsformel zu enthalten, die es dem Hans Fischer aus Bad Kösen ermöglicht hat, seine Konkurrenten, die rund 100 anderen westdeutschen Werbefilmhersteller, klar auszupunkten. Nicht so sehr die Mischung von künstlerischer Intuition und bohrendem technischen Bastlerverstand - in der die ‚Süddeutsche Zeitung‘ das Geheimnis seines Erfolges erblickte - scheint ihm die Vorrangstellung auf dem Werbefilmmarkt gesichert zu haben, sondern eher sein Gespür für die zündende Trickfilm-Situation, für den auf Breitenwirkung berechneten, biederen Humor - der dann allerdings oft auf verblüffende Weise mit dem Werbe -Objekt in Verbindung gebracht wird.

    Auch Fischerkoesens Geschäftsführer Dr. Ulrich Westerkamp, 70, nennt als einen Hauptgrund für den Erfolg der Fischerkoesenfilme den ‚gesunden Humor‘, den er als ‚volkstümlich‘ bezeichnet und der sich bei dem gutbürgerlichen Zementkaufmannssohn Hans Fischer, der sich für sein Studio die Telephon-Nummer 12345 beschafft hat, unter anderem darin äußert, daß er über seine eigenen Einfälle mehr als eigentlich schicklich lacht. Dieser Humor, der oft mit dem Banalen, Platten, Selbstverständlichen operiert, scheint indessen den Nerv des deutschen Publikums zu treffen, das - wie der Millionenerfolg des angestrengt witzigen Filmschwanks ‚Charley s Tante‘ in der vergangenen Saison wieder bewies - noch immer nicht müde geworden ist, über einen Mann zu lachen, der sich versehentlich auf eine Schüssel mit Speiseeis setzt.

    Einen anderen Hauptgrund für Fischerkoesens Erfolg sieht Geschäftsführer Dr. Westerkamp in einer ‚Bildersprache der Gags, die jeden anspricht‘. Zum Beispiel:

    – Das Altern eines Mannes wird verdeutlicht, indem sein Haarschopf nach unten rutscht und ihm nun als Vollbart um das Kinn hängt,
    – Kalenderblätter singen, während sie sich vom Kalender lösen: ‚Heut’ ist ein Feiertag für mich.‘ Dabei wird die schwarze Kalenderzahl rot.
    – Die Flecken auf dem Fell einer scheckigen Kuh verändern sich, bis eine Karte von Europa entstanden ist
    – Frauenbeine verwandeln sich in Magneten, an denen die Männer hängenbleiben.
    – Zu den Worten: ‚Liegt Dir etwas schwer im Magen‘ erscheinen in einem Magen personifizierte Fettgewichte, die sich boxen.
    Oft bescheidet sich Fischerkoesen auch damit, eine Redensart optisch zu übertragen. Zum Beispiel:
    – Zu den Worten: ‚Ein Licht geht Ihnen auf‘ erscheint eine brennende Kerze auf dem Kopf.

    ‚Es kommt darauf an‘, sagt Hans Fischerkoesen, ‚schon nach den ersten Metern einen Kontakt mit dem Beschauer zu erzielen, und ihn mit Humor oder einem originellen Einfall zu gewinnen.‘ Er nutzt die Erkenntnis, die Werbepsychologen seit Jahren auf ihren Kongressen diskutieren: daß nämlich ‚unterhaltende Mitteilungen‘ bereitwilliger aufgenommen werden als ‚rein zweckhafte Mitteilungen‘.

    Diese Auffassung, die sich in den letzten Jahren auch in den Anzeigentexten immer stärker durchgesetzt hat, bietet beim Zeichenfilm noch einen zusätzlichen Vorteil: Der gezeichnete Film kann humorvollparodistisch oder grotesk Unwahrscheinlichkeiten ausdrücken, ohne daß der Zuschauer es übelnehmen würde. Er kann den Betrachter mit Texten und Beispielen bombardieren, die er - wären sie in anderer Form vorgetragen - als grobe Übertreibung oder Geschmacklosigkeiten ablehnen würde. Der Kritiker Peter Altendorf schrieb: ‚Die Aufgabe des Werbefilms ist es, uns zu faszinieren. Faszination erzeugt er einerseits durch ’Bluff’, indem er uns also vorblüfft, sei es durch kühne Komposition oder freche Übertreibung.‘

    Ein Beispiel, wie Fischerkoesen dieses Rezept befolgt, ist der Werbefilm ‚Beschwingt‘, der in diesen Wochen in den Kinos deutscher Großstädte läuft. Seine Handlung ist ein Exempel für Fischerkoesens Faustregel:
    ‚Das erste Drittel hat nur den Zweck, eine sympathische Atmosphäre zu schaffen, um Stimmung für das Angebot zu machen. Es dient dazu, mit Gags Lacherfolge oder besondere Aufmerksamkeit zu erzielen und die mitwirkenden Personen vorzustellen.‘ Der Zuschauer soll unmerklich und durch die natürliche Spannung, die einer Rahmenerzählung und überhaupt jedem Handlungsablauf innewohnt, mit der Ware bekannt gemacht werden.
    Die erste Szene des Films: Ein Zentaur wird von einer Quellnymphe mit einem Trunk aus einem Füllhorn gelabt. Derart gestärkt, zieht er mit kraftvoll geblähtem Brustkorb und geschwellten Muskeln weiter und besteht siegreich den Kampf mit dem Stier, der Europa geraubt hat. Mit einem Lorbeerkranz auf den blonden Locken, selbstbewußt nach rechts und links grüßend, marschiert er zum Rhythmus des Triumphmarsches aus ‚Aida‘ weiter.
    Während die Musik zu dem Motiv ‚Im Krug zum grünen Kranze‘ überleitet, verwandelt sich der noch eben kraftstrotzende, muskelprotzende Zentaur in einen Rittersmann, der müde im Sattel hängt und sich von seinem schlappen Gaul in eine mittelalterliche Stadt tragen läßt. Als des Wirtes Töchterlein ihm einen Trunk kredenzt und das Pferd stärkt, wiederholt sich die blitzschnelle Verwandlung: Kraftvoll, zu den Trompetenstößen von ‚Wohlauf, Kameraden‘, galoppiert nun der Ritter in den Kampf mit dem Drachen, den er sogleich niederstreckt. Im Takte des Triumphmarsches reitet er weiter, und während die Musik zum Walzer überleitet, erlebt der Leinwandheld die dritte Verwandlung: Aus Ritter und Roß wird ein ermüdeter Motorradfahrer, der langsam durch die Gegend rollt.

    Zwei Drittel des Films sind um, und bis dahin ist das Publikum nur unterhalten worden. Keiner der üblichen Werbesprüche, kein Firmenname ist aufgetaucht - eine Konzession, die Fischerkoesen den Werbechefs der großen Firmen oft mühsam abringen muß.
    An diesem Punkt macht es dem Großstadtpublikum schon fast Vergnügen zu raten, für welches Produkt der Film am Ende wohl werben wird: Für ein Stärkungsmittel? Oder eine Weinbrandsorte? Die Apathie der Zuschauer, die Gleichgültigkeit gegenüber einem Reklamefilm hat sich - werbepsychologisch ausgedrückt - in ‚lustbetonte, freiwillige Aufmerksamkeit‘ verwandelt.

    Die Auflösung folgt wenige Sekunden vor Schluß des Films, wenn der Motorradfahrer nicht an einem Wirtshaus, sondern vor einer BV-Aral-Tankstelle hält und den Tank mit neuem Kraft-Stoff füllt. Die Wirkung dieser Stärkung ist so enorm wie in den vorausgegangenen Episoden: Dem Motorrad wachsen Flügel - und beschwingt und mühelos und so kraftvoll wie der Zentaur und der Ritter eilt es über die Landstraße und überwindet alle Konkurrenten.

    Daß diese Auflösung von den Zuschauern in der Regel mit Lachen quittiert wird, spricht für die These, daß der Werbefilm seine Botschaft nicht nur mit Humor, sondern gefahrlos auch mit Übertreibungen suggerieren kann: In einem realen Film würde es platt und geschmacklos wirken, wenn jemand eindringlich versichert, daß ein Motorrad mit einer bestimmten Benzinsorte schneller fährt als mit anderen.

    In diesem Film entspricht Fischerkoesen auch dem Prinzip, das der Schweizer Viktor J. Gassler in seiner ‚Betriebswirtschaftlichen Darstellung des Films als Werbemittel‘ niedergelegt hat: ‚Die inhaltlichen und filmischen Effekte müssen das Wohlwollen unmittelbar auf den Werbegegenstand übertragen.‘ Im Falle Fischerkoesen: Das Wohlwollen, das die filmischen Gags erzeugen, auf den Kraftstoff.

    Daß die indirekte Aussage des Werbefilms mit großer Wahrscheinlichkeit in das Unbewußte des Kinobesuchers einsickert, erklärt sich aus der Situation des dunklen Kinoraums, die von den Psychologen mit der ‚Einschlafsituation‘ verglichen wird, weil sie starke Kräfte des Unbewußten aktiviert: Der Zuschauer fühlt sich bequem und behaglich; er ist freiwillig gekommen und aufnahmebereit. ‚Beim Film hat man die Menschen in einem abgedunkelten Raum versammelt‘, sagt Fischerkoesen, ‚herausgelöst aus ihrer gewohnten Umgebung, also in günstigen Umständen, mit denen kein anderes Werbemittel rechnen kann.‘

    In dieser Atmosphäre läßt sich mit der Suggestivkraft des Films, dem Nebeneinander von Wort, Musik, Geräusch, Bewegung und Farbe leichter das erzeugen, was man als den Enderfolg werbepsychologischer Behandlung bezeichnet: bestimmte Bereitschaften in künftigem Verhalten.
    Ähnliche Überlegungen müssen die Leipziger Schuhfirma ‚Nordheimer‘ im Jahre 1921 bewogen haben, dem unbekannten Zeichner Hans Fischer einen humorvollen Schuhwerbefilm ‚Der Bummel-Petrus‘ abzukaufen. Fischer hatte ihn aus eigenem Antrieb in wochenlanger Arbeit zusammengebastelt und mit diesem ersten gezeichneten deutschen Werbefilm eine neue Form der Reklame geschaffen.
    Schon während des ersten Weltkrieges hatte der nur garnisonsverwendungsfähige asthmatische Sachse in einer Berliner Kaserne darüber nachgegrübelt, wie er wohl die Karikatur auf der Kinoleinwand zum Leben erwecken könne.

    Das Grundprinzip des Zeichenfilms war ihm zwar klar, nämlich, daß er die Handlung in einzelne Phasen zerlegen mußte, so wie die Ägypter die Biographie der Pharaonen, in einzelne Abschnitte aufgeteilt, kontinuierlich auf Steinquadern dargestellt hatten. Ähnlich wie Wilhelm Busch seine Serienzeichnungen, so strichelte Fischer Karikatur um Karikatur auf das Papier. Aber wie man aus diesen Phasenzeichnungen einen Film machen sollte, wußte ihm im Weltkriegsberlin niemand zu sagen.
    Dabei war schon 1908 in Deutschland der erste Zeichenfilm gezeigt worden. ‚Phantasmagorie‘ hieß der 35 Meter lange Streifen, der aus 1870 einzelnen Zeichnungen bestand. Sein Schöpfer war der französische Schauspieler und Illustrationszeichner Emile Cohl.

    Die ‚Wenn ... dann‘-Formel

    Nach Kriegsende zog sich Fischer ins elterliche Heim zurück, karikierte in monatelanger Arbeit auf 1600 Blättern den Typ des Kriegsgewinnlers und beauftragte eine Leipziger Spielfilmfirma, einen Film daraus zu machen. Die Film-Gesellschaft, die kurz vor dem Bankrott stand, nahm dem Zeichner für den Auftrag 700 Mark ab, die er sich mühsam zusammengeborgt hatte. Der Film kam nie zustande.

    Nachdem Fischer endlich erkannt hatte, daß die Firma genausowenig vom Zeichenfilm wußte wie er, nahm er, zusammen mit einem Kameramann, die Sache selbst in die Hand. Eine Margarinekiste wurde sein Tricktisch: Oben in die Kiste bohrte er ein Loch für das Objektiv der Kamera. An der rechten und linken Innenwand befestigte er zwei Lampen. Dann schob Fischerkoesen die Zeichnungen auf einer Justierschiene nacheinander in die beleuchtete Kiste und photographierte sie mit der Handkurbel-Kamera.
    Was dabei im Jahre 1919 herauskam ein dreißig Meter langer Streifen mit starken Belichtungsschwankungen und viel zu dünnen Konturen -, war der erste deutsche Zeichenfilm ‚Das Loch im Westen‘. Überraschter als das sächsische Publikum, dem der Einminutenfilm alsbald vorgeführt wurde, war Fischer selbst: Ein Leipziger Verleiher bot ihm 3000 Mark für die lebenden Karikaturen, und fortan nannte sich Fischer - zur Unterscheidung von anderen Fischers der Filmbranche - ‚Fischer -Kösen‘ (woraus nach dem zweiten Weltkrieg im Hinblick auf das Ausland ‚Fischerkoesen‘ wurde).
    Als er hörte, daß die Leipziger Schuhfirma ‚Nordheimer‘ an origineller Werbung interessiert war, verfertigte er den ‚Bummel-Petrus‘, der dem jungen Filmzeichner zunächst einen Zweijahresvertrag bei Julius Pinschewer in Berlin einbrachte.

    Pinschewer, der heute ein Studio in Bern leitet, war der Vater des realen Werbefilms: 1911 hatte er auf einer Versammlung des Reklameschutzverbandes in Berlin die ersten Einminuten-Werbefilme vorgeführt, die meist mit lebenden Personen gedreht worden waren. Darunter war auch schon der erste Werbetrickfilm: Ein realer Napfkuchen vergrößerte sich mehr und mehr, was, wie der geschriebene Text besagte, auf Dr. Oetkers Backpulver zurückzuführen war.

    Bald eröffnete Fischerkoesen selbst ein Werbefilm-Studio und brachte gezeichnete Standard-Werbefilme für Mode- und Kohlengeschäfte, für Fahrräder, Herrenkonfektion und Porzellan heraus. Die Filme wurden in jeder Stadt für einen anderen Auftraggeber gezeigt: Man hängte an den Schluß jeweils den Namen des Einzelhandelsgeschäfts an.

    In jenen Jahren entwickelte Fischerkoesen die werbepsychologischen Rezepte, nach denen seine Filme heute noch hergestellt werden. Das bewährteste ist die ‚Wenn ... dann ...‘-Formel, die Fischerkoesen heute beispielsweise in einem Werbefilm für eine Strumpffirma anwendet: Ein Paar überdimensionierte, bestrumpfte Damenbeine tanzen nach dem Schlager ‚Das machen nur die Beine von Dolores‘ durch den Film. Weil sie in X-Strümpfen stecken, verwandeln sich die Beine unversehens in Magneten, die alle Männer unwiderstehlich anziehen.

    Die von den Beinen der Dolores verwirrten Männer kehren zu ihren Frauen erst wieder zurück, nachdem sie die gleichen Strümpfe wie Dolores tragen, die das Bein so unerhört verschönen. Die Werbebotschaft drängt sich durch die bildhafte Darstellung auf: Wenn Strümpfe - dann X-Strümpfe.
    Fischerkoesen verfährt dabei nach den werbepsychologischen Theorien, die der schweizerische Professor Dr. Arthur Lisowsky einem Hamburger Reklamekongreß vortrug. ‚Bei der Wertung des für die Bedürfnisbefriedigung in Frage kommenden Gutes spielt der Gesamteindruck zunächst eine Rolle‘, sagte der Professor. Man kaufe Handschuhe nicht nur aus Gründen des
    – ‚Sachnutzens‘ (um warme Finger zu haben), sondern auch des
    – ‚Geltungsnutzens‘ (um modisch gekleidet zu sein) oder des
    – ‚ästhetischen Nutzens‘ (um etwas zu haben, was unabhängig vom Sach- oder Geltungsnutzen gefällt).

    "Der Werber appelliert also nicht nur an die sachlichen Erwägungen, wie - etwa beim Autokauf - Zuverlässigkeit, Schnelligkeit, Billigkeit usw., sondern er verkauft auch Zusatznutzen, wie:
    – "soziale Geltung,
    – "Prestige,
    – "Neid der Nachbarn,
    – ‚erotische Anziehung durch Verwirklichung einer erträumten Idealgestalt.‘

    In seinem Strumpffilm konzentrierte Fischerkoesen den Hauptappell auf den Zusatznutzen: die erotische Anziehung, die durch Tragen einer bestimmten Strumpfmarke ausgeübt wird. Fischerkoesen versinnbildlichte sie, in dem er die bestrumpften Beine in Magneten verwandelte. Von den scheinbar absichtslosen Kapriolen der Bewegung - den rhythmisch tanzenden Damenbeinen - zu Beginn des Films führt ein roter Faden zur Werbe-Empfehlung am Schluß. Das ist die Formel, die Fischerkoesen immer wieder anwendet: ‚Die synchron dem zündenden Rhythmus der Musik ablaufende Bewegung lenkt das Bewußtsein des Zuschauers in die gewünschte Bahn.‘
    Auf diese musikalische Bewußtseinslenkung verwendet Fischerkoesen große Sorgfalt. Gewöhnlich verfolgt er morgens vom Bett aus schokoladekauend noch zweieinhalb Stunden die Aufstehprogramme der Rundfunksender, um sich über das neueste Angebot auf dem Schlagermarkt zu informieren. Die matinale Pirsch liefert ihm in der Regel den Schlager der Saison oder den Evergreen für einen neuen Film.

    Auf dem Schlager des amerikanischen Films ‚Lili‘ (‚Das höchste Glück auf der Erde ...‘) baute er im Stile der Dornröschen-Erzählung die Story eines kleinen Mädchens auf, dem eine Taube die Einladung zum Ball überbringt. Als das Mädchen das Abendkleid anziehen will, entdeckt es bestürzt, daß eine Naht gerissen ist. Die Taube flattert zurück und holt fünf wie Zwerge personifizierte Rollen ‚Gütermanns Nähseide‘ herbei, mit denen der Schaden behoben wird.

    Fischerkoesen nutzt aber nicht nur die sentimentale oder erotische Stimmung des Schlagers, sondern auch den - oft doppeldeutig abgeänderten - Text für seine Werbebotschaft. So verwandte er zum Beispiel den Schlager
    – ‚Die süßesten Früchte‘: in einem Werbefilm für Fruchtsäfte;
    – ‚Montag ist ein Tag‘: in einem Film, in dem alte Hausgeräte singend auftreten (‚Montag ist ein Tag, den ich gar nicht mag, Dienstag ist wie Montag‘), bis ein Staubsauger die Arbeit im Nu erledigt;
    – ‚Heut’ ist ein Feiertag für mich‘: in einem Schokoladenfilm (Ein Tag, an dem man X-Schokolade ißt, ist ein Feiertag);

    – ‚Bei mir zu Haus‘: für einen Teppichfilm, mit den abgewandelten Worten: ‚Bei uns zu Haus liegt eine Insel schöner Farben‘;
    – ‚Wir sind für einander bestimmt‘: in einem Zahnpasta-Film, in dem Zahn und Zahnpasta personifiziert singend auftreten.

    Neben der Musik ist die Farbe ein wichtiges Medium der Fischerkoesen-Filme. Ihr weicher Limonadenton, den Fischerkoesen als einen ‚Stimmungsfaktor von hohem Rang‘ bezeichnet, kommt nach seinen Erfahrungen angeblich bei den Hausfrauen, der wichtigsten Käuferschicht, ebenso gut an wie der männliche Timbre seines Hauptsprechers, des im Werbegeschäft exklusiv für ihn verpflichteten Schlagersängers Peter René Körner.

    Von dem Realfilm mit lebenden Schauspielern, die das Objekt der Werbung - ohne jeden Trick - in den Mittelpunkt ernster oder heiterer Episoden stellen, hält Fischerkoesen wenig. ‚Der Realfilm ist für mich reizlos‘, sagt er. ‚Außerdem halte ich ihn für weniger werbewirksam. Der Vergleich zum darauffolgenden Spielfilm liegt für das Publikum zu nah und wird in der Regel zum Nachteil des realen Werbefilms ausfallen. Es wirkt im allgemeinen auch unglaubwürdig, daß sich eine ganze Familie über die Vorzüge einer Margarinemarke unterhält.‘

    Wenn ein Kunde mit einem Auftrag an ihn herantritt, macht sich Fischerkoesen zunächst mit dem Werbestil und mit den Werbe-Argumenten der Firma vertraut. Dann sucht er nach einer Idee, um die Wünsche des Auftraggebers filmisch zu übersetzen. Kunden, die mit einer fertigen Idee kommen, sind nicht sehr beliebt, weil nach Fischerkoesens Erfahrungen die meisten dieser Ideen nicht mehr als einen guten Anzeigentext abgeben. Selbst mit erfahrenen Komödienschreibern, wie Just Scheu und Ernst Nebhut, die gelegentlich für ihn arbeiteten, hatte Fischerkoesen Schwierigkeiten. Er hat deshalb die Suche nach Autoren aufgegeben.
    Normalerweise macht er selbst die Arbeit, die in der Filmbranche gewöhnlich der Drehbuchautor leistet. Er schlägt dem Kunden mehrere Filmideen vor, die er in rohen Handlungsskizzen festgelegt hat. Die akzeptierte Idee wird dann zusammen mit den Chefzeichnern endgültig ausgearbeitet. Ein Fischerkoesen-Film ist durchschnittlich 50 bis 60 Meter lang und kostet den Kunden rund 25 000 Mark. In zwei Minuten ist der Lockgesang auf einen Markenartikel abgelaufen. Um dieses Zwei-Minuten-Opus herzustellen, braucht das Studio - das immer mehrere Filme zugleich in Arbeit hat - sechs bis acht Wochen.

    Die Zerlegung in Einzelbilder, die den Trickfilm ermöglicht, macht den Zeichenfilm zu einer Sisyphusarbeit: Für einen Hundert-Meter-Film mit sieben gleichzeitig erscheinenden Figuren sind über 36 000 einzelne Zeichnungen erforderlich. Die Arbeit ist jedoch dadurch vereinfacht, daß nur die Bewegungsphasen der einzelnen Figuren gezeichnet werden, die der Kameramann dann nacheinander vor einem einzigen Hintergrund photographiert.

    Nach dem von der Cutterin gestutzten Magnetophonband mit der Musik, die den Rhythmus des Films bestimmt, legen die sechs akademisch geschulten Chefzeichner das Gerippe des Filmes auf einer sogenannten Zeichenpartitur fest. Sie zeichnen die Hauptphasen, das heißt die erste, fünfte, neunte usw. Phase einer Bewegung. Dann werden die Hauptentwürfe in den großen Zeichensaal des Studios hinübergereicht, in dem andere Zeichner die Zwischenphasen anfertigen und junge Mädchen die auf Papier gezeichneten Bleistiftphasen für einen Stundenlohn von einer Mark auf durchsichtige Folien übertragen - (‚konturieren‘) und schließlich Stück für Stück mit Spezialfarben ausmalen.

    Dann werden die einzelnen Zeichnungen in der vorgeschriebenen Reihenfolge von der Spezialkamera photographiert, die Musik wird eingemischt, und der Film ist fertig für die letzte Abnahmevorführung, in der Fischerkoesen peinlich darauf achtet, daß die Figuren sich auf den Sekundenbruchteil exakt nach dem Rhythmus des Titelschlagers bewegen.
    An heutigen graphischen Gesichtspunkten gemessen, sind Fischerkoesens Figuren in überraschend simpler, provinzieller Manier gezeichnet, die einen Vergleich etwa mit Walt Disneys urbaner, kräftig konturierter und einfallsreicherer Zeichentechnik nicht bestehen kann. Die Charakteristiken der Fischerkoesen-Figuren könnten von einem Grundschüler entworfen worden sein; rote Knollennasen, runde Apfelbäckchen, Punkt-Augen, Kartoffelbäuche, Streichholzbeine.

    An dieser hausbackenen Typisierung hält Fischerkoesen mit derselben Beharrlichkeit fest, mit der er Tag für Tag denselben hellgrauen, konservativ geschnittenen Glencheck-Zweireiher und dieselbe Krawatte trägt. Vergeblich versuchen die jüngeren Zeichner seines Studios, eine moderne graphische Gestaltung durchzusetzen.

    Vollendet ist dagegen Fischerkoesens Technik in den sogenannten ‚Sachtrickfilmen‘, die nicht gezeichnet werden: Waschmittelpakete bewegen sich scheinbar selbständig, Kaffeekannen tanzen Boogie -Woogie, Wäschestücke flattern augenscheinlich mit eigener Kraft in den Schrank.
    Die Film-Tricks beruhen im Grunde nur auf dem ‚Trick‘ jedes Films: auf der Summe einzelner Photos, die nur dadurch eine Bewegung vortäuschen, daß sie mit einer Geschwindigkeit von vierundzwanzig Bildern in der Sekunde vorgeführt werden. Das Geheimnis des Trickfilms liegt darin, daß jedes der Bilder, die dann im Film aneinandergereiht sind, einzeln aufgenommen wird. Jedesmal, wenn die Kamera wieder geschlossen ist, kann das Aufnahme-Objekt für das nächste Bild beliebig verändert werden.
    Wenn sich in einem Fischerkoesen-Film ein Waschmittel-Paket scheinbar selbständig um die eigene Achse dreht, dann ist diese Bewegung das Ergebnis einer einfachen Rechnung. An der Rückseite des Paketes ist - für den Kinobesucher unsichtbar - eine Führungsschiene angebracht, mit der ein Kamera-Assistent das Paket vor jeder Aufnahme verschiebt. Da bei der Vorführung vierundzwanzig Einzelaufnahmen in einer Sekunde hintereinander ablaufen, wird das Waschmittelpaket vierundzwanzigmal um ein Vierundzwanzigstel gedreht und in jeder Position einzeln aufgenommen. Wenn die 24 Bilder im Film in einer Sekunde abgespult werden, dreht sich das Paket scheinbar selbständig um die eigene Achse.
    Auch der frei im Raum schwebende Starmix beruht auf einem simplen Vorgang: Die einzelnen Bewegungsphasen des Geräts werden vor einem schwarzen Hintergrund photographiert und dann mit dem vorher aufgenommenen Filmhintergrund kombiniert. Eine im Film Boogie-Woogie tanzende Kaffeekanne wird auf schwarzen Untergrund gelegt; die einzelnen Positionen, aus denen sich nachher bei der Vorführung die Bewegung ergibt, werden mit der Kamera von oben aufgenommen.

    Die enorme Arbeitsleistung seines 60 -Mann-Unternehmens, das jährlich etwa 30 bis 35 Werbefilme herstellt, verdankt Fischerkoesen nicht nur dem eigenen Fleiß, sondern auch der Tatsache, daß die Hierarchie des Betriebes aus Familienmitgliedern - zwei Schwestern, zwei Nichten, einem Vetter, einem Neffen und einem Schwager - besteht und daß das alte Team wieder beisammen ist, mit dem er seit den zwanziger Jahren arbeitet: die beiden Hauptphasenzeichner Leni Fischer, 58, und Rudolf Bär, 55, sowie der Chefkameramann Kurt Schleicher, 46.

    Das Betriebsklima wird - vielleicht deswegen - nicht von allen Mitarbeitern als ideal empfunden: Es gibt keinen Betriebsrat, die Löhne sind nicht verlockend hoch, und Urlaub wird oft nur gewährt, wenn in den Terminplänen eine Lücke klafft.

    So sehr Fischerkoesen darauf achtet, daß sein Betrieb keine Übergehälter zahlt, so wenig scheut er sich, bei der Herstellung eines Films beträchtlich zuzusetzen, wenn er mit der Besessenheit des Bastlers und dem Ehrgeiz des Film-Autodidakten nach immer neuen Wegen sucht.

    In einem Waschmittel - Werbefilm, der im Herbst herauskommt, bringt die Leuchtkraft eines mit einem bestimmten Waschpulver gewaschenen Oberhemdes eine Rose zum Aufblühen. Um die Wirkung des Tricks zu erhöhen, ist die Rose nicht gezeichnet, sondern echt. Das mit Zeitraffer photographierte Aufblühen der Knospe, das auf der Leinwand in vier Sekunden vorüber ist, hielt - weil Fischerkoesen auf die Eindringlichkeit dieser Episode besonders Wert legte - das Studio mit Dutzenden von Experimenten anderthalb Wochen auf.

    Aber selbst wenn die Produktionskosten eines Films die vertraglich festgelegte Verkaufssumme übersteigen, verdient Fischerkoesen gut an jedem Auftrag. Das garantiert ihm eine Bedingung, die Voraussetzung für jeden Herstellungsvertrag ist, nämlich: daß sein Studio auch die einzelnen Kopien eines jeden selbsthergestellten Werbefilms zieht und - über zwei Vertriebsfirmen - die Auslieferung an die Kinos besorgt. Die Herstellung der Kopien - je Film durchschnittlich 50 bis 100 - und der Verleih im Auftrage der werbenden Firmen garantieren dem Studio hohe Dauereinnahmen. ‚Die Produktion eines Werbefilms für 25 000 Mark ist kaum ein Geschäft‘, gesteht Fischerkoesen. ‚Beim Vertrieb dagegen geht der Umsatz in die Hunderttausende.‘

    Atelier für Fernseh-Filme

    Nicht nur durch die strukturelle Verbindung von Zeichenatelier mit Kopieranstalt und Verleih glaubt er sein Unternehmen krisenfest gemacht zu haben. Er ist überzeugt, daß sein Geschäft keine Konjunkturschwankungen zu fürchten braucht: ‚In der Konjunktur geben die Firmen ihr Geld gern für die Werbung aus. Bei einer Flaute müssen sie werben, um gegen die Konkurrenz bestehen zu können.‘

    Nur dreimal hat Fischerkoesen einen Ausflug in das Gebiet des gezeichneten Spielfilms unternommen. 1942 pinselte er nach einer Idee des Zeichners Möllendorff in vier Monaten den Neunminutenfilm ‚Verwitterte Melodie‘: Auf dem Schallplattenteller eines auf einer Wiese vergessenen Grammophons ließ er eine personifizierte Wespe tanzen, die ihren Stachel als Grammophon-Nadel benutzte und so der Schallplatte - zum Entzücken der anderen Wiesenbewohner - Musik entlockte. ‚Der Schneemann‘ bekam seinen sehnlichsten Wunsch erfüllt, einmal den Sommer zu erleben, und ‚Das dumme Gänslein‘, das seiner Bauern-Familie ausrückte, erlebte schreckliche Abenteuer in der Stadt.

    Seit Kriegsende hat Fischerkoesen das risikofreie Geschäft bevorzugt und nur noch Werbefilme hergestellt. Er ist überzeugt, die Möglichkeiten des Trickfilms heute so weit ausgeschöpft zu haben - ‚Es gibt keine noch so kühne dramaturgische Idee, die ich nicht filmisch verwirklichen könnte‘ -, daß der Sprung nach den Vereinigten Staaten kein allzu großes Risiko mehr ist. Mit dem Bau eines Ateliers, in dem die Werbefilme für die amerikanischen Fernseh-Sender hergestellt werden sollen, will er in den nächsten Wochen beginnen.

    Schon im Herbst wird sich ihm auch in Deutschland ein neuer Markt öffnen, für den das neue Atelier gerade rechtzeitig fertig werden wird: Ab 1. November werden auch deutsche Fernseh - Stationen ein Werbeprogramm ausstrahlen.

    Fischerkoesen (am Schneidetisch)
    Tricks für die ‚Einschlafsituation‘
    „Fischerkoesen-Filmstudio“ in Mehlem
    Reklame für die 40-Stunden-Woche
    Kulisse im Trickfilm-Atelier: Redensarten werden optisch übertragen
    Die Entwürfe von sechs Hauptbewegungsphasen legen fest ...
    ... wie die 24 Phasenbilder für eine Filmsekunde gezeichnet weiden müssen: Die Bewegung noch dem Schlager-Rhythmus ...
    ... lenkt das Bewußtsein in die gewünschte Bahn: Geige aus Dujardin-Werbefilm
    Zeichnerin des Fischerkoesen-Studios: Limonadenfarben für Hausfrauen
    Fischerkoesen-Strumpfreklame: Nach Tanzschritten eine Werbebotschaft

    #Allemagne #film #animation #histoire




  • Das Dilemma einer politischen Missgeburt | Telepolis
    https://www.heise.de/tp/features/Das-Dilemma-einer-politischen-Missgeburt-4247953.html
    C’est une trilogie d’articles sur les mécanismes du déclin de la démocratie parlementaire en Allemagne. A travers ces textes on comprend pourquoi en Allemagne aussi un mouvement de gilets jaunes est probable. Voici la raison pour la fondation du mouvement « Aufstehen » par un petit groupe de militants autour de Sarah Wagenknecht. Une chose est sûre - l’absence de structures démocratiques effectives dans les parlements allemands justifie toute forme d’organisation politique alternative.

    Der unaufhaltsame Niedergang der klassischen Volksparteien - Teil 1

    In Deutschland sterben nach und nach die klassischen Volksparteien. So wie im restlichen Europa auch. Ihr nachhaltiges Siechtum hat gleichermaßen die politischen Parteien der Mitte-Links wie der Mitte-Rechts erfasst. Seit etwa den 1960er Jahren herrschten in ganz Westeuropa die Volksparteien. Schon das 21. Jahrhundert wird nicht mehr das Zeitalter der Volksparteien sein. Doch was tritt an ihre Stelle?

    Zurück bleibt auch bei den Politikern eine sprachlose Ratlosigkeit: Wie kommt man aus dem Elend wieder heraus? Am lächerlichsten führt das die zurzeit gerade zur Miniatur ihrer selbst geschrumpfte SPD vor, indem sie laut bekundet, dass sie mit unglaublich viel Spaß ihre fortgesetzte Schrumpfung begleitet

    Unter der Herrschaft einer Form der milden Funktionärsdiktatur | Telepolis
    https://www.heise.de/tp/features/Unter-der-Herrschaft-einer-Form-der-milden-Funktionaersdiktatur-4252976.html?s

    Der Niedergang der klassischen Volksparteien ist unaufhaltsam - Teil 2

    Volksparteien : Selbsttötung per Fraktionszwang | Telepolis
    https://www.heise.de/tp/features/Volksparteien-Selbsttoetung-per-Fraktionszwang-4271103.html?seite=all

    Der Niedergang der klassischen Volksparteien ist unaufhaltsam - Teil 3

    #Allemagne #politique #démocratie #auf_deutsch


  • jungle.world - Zumutbare Erinnerung
    https://jungle.world/artikel/2019/02/zumutbare-erinnerung


    Edgar Hilsenrath est mort le 30 décembre 2018. Avant son déménagement dans une province moins polluée on le rencontrait de temps en temps dans les locaux du parti de gauche de son arrondissement berlinois. Ce survivant des efforts nazis pour exterminer les juifs d’Europe détestait les philosémites parce qu’il considérait leur manière de penser comme structurellement antisémite. Ses romans tragiques et grotesques traitent les génocides juifs et arméniens. Son succès international précédait de vingt ans sa céĺébrité allemande. Pour lui ses contemporains du Gruppe 47 se comportaient comme une mafia culturelle qui n’échappait pas au philosémitisme obligatoire en l’Allemagne de l’Ouest. L’ironie de l’histoire veut que l’organe officiel des philosémites de gauche ( Antideutsche ) lui consacre un nécrologue qui montre encore que son auteur n’a rien compris.

    Edgar Hilsenrath, dieser witzigste Autor unter den Überlebenden der Shoah, ist tot. Humor in der Holocaust-Literatur, geht das überhaupt? In seinem Fall, ja. Niemand verblüffte mit solchen alltagssprachlichen Dialogen, kaum jemand konnte solche Grotesken über die Judenvernichtung schreiben und zugleich so einfühlsame, leise Töne der Erinnerung an den größten Massenmord der Geschichte anschlagen wie Hilsenrath.

    Als 1926 in Leipzig geborener, in Halle aufgewachsener und 1938 in das Schtetl Sereth in der rumänischen Bukowina geflohener Jude überlebte Hilsenrath das Ghetto von Mohyliw-Podilskyj, in dem bis zur sowjetischen Befreiung im April 1944 etwa 40 000 Menschen an Kälte, Hunger, Fleckfieber und Cholera starben. Über Palästina und Frankreich emigrierte er schließlich in die USA. Dass er seine schriftstellerische Karriere dort begann, beeinflusste sein Schreiben stark. Zugleich machte Hilsenrath aus seiner Liebe zu seiner Muttersprache keinen Hehl und zog 1975 zurück in die Bundesrepublik.

    Zum Leben und Werk von Edgar Hilsenrath. Nachruf anlässlich seines Todes am 30. Dezember 2018 – Edgar Hilsenrath
    http://hilsenrath.de/nachruf
    Son ami et éditeur Ken Kubota publie un long nécrologue sur le site officiel de l’auteur.

    Edgar war Zionist, aber kein Dogmatiker. Als ich ihn wegen der Diskriminierung der Palästinenser einmal zur Rede stellte, so räumte er ein, auch er wisse, dass die Araber unfair behandelt würden. Er sehe aber keine wirkliche Lösung des Problems, und so sehe er auch keinen anderen Weg. Zugleich war mir bewusst, dass er als jüdischer Holocaust-Überlebender einen instinktiven Überlebensreflex hatte, der auch in seiner Argumentation zugunsten des jüdischen Staates zum Ausdruck kam.

    Edgar Hilsenrath war ein großer Verehrer der Politikerin Sahra Wagenknecht, die er auch im Wahlkampf unterstützte.
    ...
    Schon als Studentin übertraf Sahra Wagenknecht mühelos die allermeisten Philosophieprofessoren einschließlich derer, die offiziell für Hegel zuständig sind.

    Œuvre
    https://fr.wikipedia.org/wiki/Edgar_Hilsenrath#%C5%92uvre

    Voici une liste de nécrologues des médias philosémites notoires.

    https://www.tagesspiegel.de/kultur/nachruf-auf-edgar-hilsenrath-so-reden-die-menschen-halt/23817440.html
    https://www.sueddeutsche.de/kultur/nachruf-edgar-hilsenrath-ist-gestorben-1.4271386
    https://www.berliner-zeitung.de/kultur/literatur/nachruf-auf-schriftsteller-edgar-hilsenrath-der-meister-des-geschwa
    https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article186366878/Edgar-Hilsenrath-ist-tot-Nachruf-auf-einen-Solitaer.html
    https://www.zeit.de/news/2019-01/01/edgar-hilsenrath-mit-92-jahren-gestorben-190101-99-398971
    https://www.swr.de/swr2/literatur/nachruf-edgar-hilsenrath/-/id=6891032/did=23130850/nid=6891032/2dbvis
    http://www.taz.de/!5562395

    #Allemagne #histoire #gauche #holocaust #littérature #nécrologue


  • E-evidence - cross-border access to electronic evidence | European Commission
    https://ec.europa.eu/info/policies/justice-and-fundamental-rights/criminal-justice/e-evidence-cross-border-access-electronic-evidence_en

    More than half of all criminal investigations today include a cross-border request to access electronic evidence such as texts, e-mails or messaging apps. That is why the Commission is proposing new rules which will make it easier and faster for police and judicial authorities to access the electronic evidence they need in investigations to catch and convict criminals and terrorists.

    To make it easier and faster for law enforcement and judicial authorities to obtain the electronic evidence they need to investigate and eventually prosecute criminals and terrorists, the Commission proposed on 17 April 2018 new rules in the form of a Regulation and a Directive

    The U.S. CLOUD Act and the EU: A Privacy Protection Race to the Bottom | Electronic Frontier Foundation
    https://www.eff.org/deeplinks/2018/04/us-cloud-act-and-eu-privacy-protection-race-bottom

    Between the U.S. CLOUD Act and new European Union (EU) efforts to dismantle international rules for cross-border law enforcement investigations, the United States and EU are racing against one another towards an unfortunate finish-line: weaker privacy protections around the globe.

    E-evidence-VO: Deutschland lehnt EU-Pläne ab
    https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/elektronische-beweismittel-e-evidence-verordnung-eu-bmjv-datenschutz-grundrechte

    Strafverfolgungsbehörden sollen künftig grenzüberschreitend und unmittelbar bei Service-Providern anderer Mitgliedsstaaten die Herausgabe digitaler Daten als mögliche Beweismittel für ein Strafverfahren erzwingen dürfen. Kommen Anbieter der Anordnung nicht nach, droht ihnen eine Strafzahlung bis zu zwei Prozent ihres weltweiten Jahresumsatzes. Insbesondere für kleinere Unternehmen könnte dies zum Problem werden.

    CLOUD Act - Wikipedia
    https://en.wikipedia.org/wiki/CLOUD_Act

    E-Evidence: Kommt jetzt der internationale Daten-Supermarkt der Sicherheitsbehörden? | EAID
    https://www.eaid-berlin.de/?p=2175

    Die Idee ist alt, aber der konkrete Vorschlag ziemlich neu: Während Waren im EU-Binnenmarkt frei fließen und digitale Dienstleistungen grenzüberschreitend angeboten werden, endet die Kompetenz der Strafverfolgungsbehörden an den nationalen Grenzen. EiVerordnung für den grenzüberschreitenden Zugang zu elektronischen Beweismitteln: Rat legt seinen Standpunkt fest - Consilium
    https://www.consilium.europa.eu/de/press/press-releases/2018/12/07/regulation-on-cross-border-access-to-e-evidence-council-agrees-its-

    Die Verordnung sieht die Einführung eines Mechanismus vor, der eine Alternative zu den vorhandenen Instrumenten für die internationale Zusammenarbeit und Rechtshilfe bietet. Insbesondere sollen die Probleme gelöst werden, die durch die Volatilität elektronischer Beweismittel und das Phänomen des „Standortverlusts“ entstehen, indem neue Verfahren für einen raschen, effizienten und wirksamen grenzüberschreitendem Zugang eingeführt werden.

    Hauptbestandteile der Neuregelung:

    Es werden Europäische Herausgabeanordnungen und Sicherungsanordnungen eingeführt, mit denen elektronische Beweismittel eingeholt und gesichert werden können, unabhängig davon, wo sich die Daten befinden.
    Die Anordnungen können alle Datenkategorien – Teilnehmerdaten, Zugangsdaten, Transaktionsdaten und Inhaltsdaten – betreffen, wobei Transaktions- und Inhaltsdaten nur bei Straftaten, die im Anordnungsstaat mit einer Freiheitsstrafe im Höchstmaß von mindestens drei Jahren geahndet werden, oder bei Cyber-Straftaten und Straftaten mit terroristischem Hintergrund angefordert werden dürfen.
    Die angeforderten Daten dürfen nur für die Zwecke verwendet werden, für die sie eingeholt wurden, es sei denn, es gilt, eine unmittelbare und schwere Bedrohung der öffentlichen Sicherheit oder der grundlegenden Interessen des Anordnungsstaats abzuwenden, oder sie werden für Verfahren verwendet, für die eine Herausgabeanordnung hätte erlassen werden können.
    Es gilt eine verbindliche Frist von zehn Tagen für die Ausführung einer Herausgabeanordnung. In hinreichend begründeten Notfällen kann diese Frist auf sechs Stunden verkürzt werden. Überdies können Anordnungen in Bezug auf Teilnehmer- und Zugangsdaten unter bestimmten Voraussetzungen ohne eine vorherige Validierung durch die zuständige Justizbehörde erlassen werden. In diesen Fällen muss so rasch wie möglich, spätestens jedoch binnen 48 Stunden, eine Ex-post-Validierung angefordert werden.
    Gegen Dienstanbieter können Sanktionen verhängt werden, wenn sie einer Anordnung nicht nachkommen. So können ihnen finanzielle Sanktionen in Höhe von bis zu 2 % ihres im vorhergehenden Geschäftsjahr weltweit erzielten Jahresgesamtumsatzes auferlegt werden.
    Zudem wird ein Notifizierungssystem für Inhaltsdaten für die Fälle eingeführt, in denen die Anordnungsbehörde annimmt, dass die Person, deren Daten angefordert werden, ihren Wohnsitz in einem anderen Hoheitsgebiet hat. Mit der Notifizierung wird der Vollstreckungsstaat informiert und kann gegebenenfalls darauf hinweisen, dass die angeforderten Daten durch Immunitäten und Vorrechte oder durch Vorschriften zur Bestimmung und Beschränkung der strafrechtlichen Verantwortlichkeit in Bezug auf die Meinungsfreiheit/Pressefreiheit geschützt sind oder dass die Offenlegung der betreffenden Daten seine grundlegenden Interessen beeinträchtigen würde. Die Anordnungsbehörde berücksichtigt diese Umstände und passt die Anordnung entsprechend an oder erlässt sie nicht. Die Notifizierung hat keine aufschiebende Wirkung.

    ne Polizeibehörde, die im Rahmen ihrer Ermittlungen – etwa in einer Betrugssache – auf Daten zugreifen möchte, muss sich bisher an die Behörden des Staates wenden, wo die Daten verarbeitet werden. Wie mit diesem Ersuchen der ausländischen Behörde umgegangen wird, richtet sich nach dem Recht des Staates, auf dessen Territorium die Server stehen. Die Prozeduren hierfür richten sich nach den jeweils anwendbaren internationalen Rechtshilfeabkommen.❞

    E-Evidence: Das europäische Gegenstück zum CLOUD Act - Recht-Steuern-Wirtschaft - Verlag C.H.BECK
    https://rsw.beck.de/cms/?toc=mmr.30&docid=411736

    Gravierende Grundrechtseinschränkung

    Handlungen, die im Anordnungsstaat strafbar sind, nicht aber im Staat, in dem die Verarbeitung stattfindet, könnten so auch Gegenstand einer Herausgabeverpflichtung sein. Die Vorgabe, Inhalts- und Transaktionsdaten nur bei Straftaten anzufordern, die im Anordnungsstaat mit einer Freiheitsstrafe im Höchstmaß von mind. 3 Jahren geahndet werden, ist wenig geeignet, die Bedenken zu zerstreuen. Ein Blick in das StGB zeigt, dass dieses Kriterium auf eine Vielzahl von Straftaten zutrifft und nicht etwa nur auf Verbrechen oder andere schwere Straftaten.

    So wird etwa Abtreibung in Polen mit einer Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren bestraft. Die Voraussetzung zur Herausgabeverpflichtung wäre damit erfüllt. Ein deutscher Anbieter müsste die Daten an die polnische Strafverfolgungsbehörde herausgeben, die in einem Abtreibungsfall ermittelt. Der Anbieter eines elektronischen Buchhaltungsdiensts, bei dem der Arzt einen Account hat, könnte ggf. auch Adressat einer entsprechenden Anordnung sein.

    Anschaulich wird diese Problematik auch beim Fall des katalanischen Exilpolitikers Puigdemont, gegen den ein spanischer Haftbefehl wegen „Aufruhr“ ergangen war. Nach dem Beschluss des OLG Schleswig erfüllte das Tatgeschehen nach deutschem Recht keinen vergleichbaren Straftatbestand. Der in Spanien erlassene Europäische Haftbefehl durfte gegen ihn in Deutschland nicht vollstreckt werden. Nach der E-Evidence-VO wären die deutschen Provider trotzdem zur Herausgabe entsprechender elektronischer Dokumente verpflichtet gewesen.

    Während beim Europäischen Haftbefehl und bei der Europäischen Ermittlungsanordnung (EEA), die Vollstreckung den Behörden unterliegt, in dessen Gebiet die Verarbeitung stattfindet, sollen elektronische Speicherungs- und Herausgabeanordnungen unmittelbar an den ausländischen Provider ergehen. Eine Überprüfung durch ein inländisches Gericht oder eine Justizbehörde ist nicht vorgesehen. Damit würden auch Daten an ausländische Stellen übermitteln zu sein, bei denen inländischen Behörden eine entsprechende Befugnis nicht zusteht. Auch strafprozessuale Sicherungen - etwa ein vorgesehener Richtervorbehalt - werden umgangen, wenn das Recht des Anordnungsstaats einen solchen nicht vorsieht. Schließlich würden Anforderungen, die etwa das BVerfG aufgestellt hat, z.B. zum Schutz des Kernbereichs privater Lebensgestaltung, nicht gewährleistet.

    #Europe #surveillance #police #internet


  • Schutz vor Terroranschlägen: Linke blockiert neues Polizeigesetz für Berlin - Berlin - Tagesspiegel
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/schutz-vor-terroranschlaegen-linke-blockiert-neues-polizeigesetz-fuer-berlin/23852096.html

    Berlins Polizeigesetz soll novelliert werden – doch die Linke macht dicht. Auch die Videoüberwachung kommt nicht voran. Ulrich Zawatka-Gerlach

    Berliner Linke lehnt mehr Videoüberwachung strikt ab – B.Z. Berlin
    https://www.bz-berlin.de/berlin/berliner-linke-lehnt-mehr-videoueberwachung-strikt-ab

    In einem einstimmig gefassten Beschluss erteilte die Linken-Parteispitze einer von der SPD geplanten Ausweitung der Videoüberwachung eine klare Absage. Gleichzeitig stellte der Landesvorstand klar, dass die Linke darüber hinaus auch jede weitere Verschärfung des Polizeigesetzes mit mehr Befugnissen für die Beamten ablehnt.

    „Berlin darf nicht dem Beispiel anderer Länder folgen und sein Polizeigesetz mit sinnlosen, neuen Grundrechtseingriffe verschärfen“, heißt es in dem jetzt veröffentlichten Beschluss vom Dienstag. Die Koalition müsse dem „angstgetriebenen Sicherheitsdiskurs in der Bundesrepublik“ widerstehen. Innenpolitik müsse durch einen größtmöglichen Schutz von Freiheitsrechten geleitet werden.

    #Allemagne #Berlin #politique #gauche #surveillance #terrorisme



  • Sida, un héritage de l’époque coloniale | ARTE
    https://www.arte.tv/fr/videos/051599-000-A/sida-un-heritage-de-l-epoque-coloniale

    Des scientifiques mènent une enquête au coeur de l’Afrique, à la recherche des origines du VIH. Un documentaire captivant, diffusé à l’occasion de la Journée mondiale de lutte contre le sida, le 1er décembre.

    Il est l’un des plus grands tueurs de la planète. Avec plus de 36 millions de morts et près de 37 millions de personnes infectées, le sida constitue à ce jour la pandémie la plus destructrice de l’histoire contemporaine. Afin de mieux la connaître, une équipe de scientifiques part sur les traces de son origine, au cœur de l’Afrique, dans l’ancien Congo belge. En parvenant à mettre la main sur d’anciens prélèvements humains contenant le virus, ils arrivent à la conclusion que la première transmission du sida – du chimpanzé à l’homme – se situe autour de l’an 1908, des décennies avant les premiers cas connus.

    Catastrophe en germe
    Les chercheurs ne s’arrêtent pas là. Ils se plongent dans l’histoire coloniale du Congo pour comprendre comment le VIH a pu se propager. Au début du XXe siècle, soucieuses de ne pas perdre la main-d’oeuvre indigène qu’elles exploitent, les autorités coloniales lancent des campagnes massives de vaccination contre la maladie du sommeil, où l’on a souvent recours à des seringues mal stérilisées. De même, la syphilis, qui se répand alors, augmente considérablement les risques de transmission du sida entre les hommes. Parallèlement, le chemin de fer se développe dans le pays car Kinshasa est une plaque tournante de l’industrie minière. Le virus devient mouvant. Lors de l’indépendance du Congo, en 1960, la pandémie couve. Dans les années 1970, les ravages successifs de la guerre civile, puis les errements du régime prédateur de Mobutu, qui ruine l’économie, créent les conditions chaotiques d’une propagation fulgurante du virus...
    Carl Gierstorfer signe un documentaire passionnant, où l’enquête scientifique se mêle à des images d’archives, parfois dures, témoignant de la cruauté et des ravages de la colonisation. Il rappelle également qu’à l’heure où les maladies infectieuses se développent dans le monde entier, les conditions d’une nouvelle pandémie sont peut-être à nouveau réunies.

    Réalisation : Carl Gierstorfer
    Pays : Allemagne
    Année : 2014

    #colonialisme #maladie



  • Opt out of global data surveillance programs like PRISM, XKeyscore, and Tempora - PRISM Break - PRISM Break
    https://prism-break.org/en

    Opt out of global data surveillance programs like PRISM, XKeyscore and Tempora.
    Help make mass surveillance of entire populations uneconomical! We all have a right to privacy, which you can exercise today by encrypting your communications and ending your reliance on proprietary services.

    #internet #espionnage #surveillance #sécurité #résistance #platform_capitalism #lespluslibres


  • « Stella » von Takis Würger : Ein Ärgernis - Kultur - Süddeutsche.de
    https://www.sueddeutsche.de/kultur/takis-wuerger-stella-goldschlag-rezension-buchkritik-1.4282968

    Le Süddeutsche Zeitung n’aime pas ce roman qui raconte une histoire d’amour fictive avec la femme qui à traqué des juifs clandestins.

    Mit seinem zweiten Buch ist Würger vom kleinen Schweizer Verlag Kein & Aber zum Publikumsverlag Hanser gegangen, der es heftig bewirbt. Nazisex und Judenfetisch (und umgekehrt) gibt es darin nicht, der Roman bleibt geradezu keusch. Am Willen zur Ausbeutung der Vergangenheit fehlt es nicht, aber Würger geht wie ein Vampir vor, der die Halsschlagader nicht trifft. Bestsellerkompatibel scheint allein der plätschernde Tonfall zu sein, der sich wie das Voice-Over eines Nazidramas mit Veronica Ferres liest: „’Verlass mich nicht’, sagte sie in mein Ohr. Ich schüttelte den Kopf und küsste ihre Tränen.“

    Stella Goldschlag – Wikipedia
    https://de.wikipedia.org/wiki/Stella_Goldschlag

    Stella Ingrid Goldschlag (verh. Stella Kübler-Isaacksohn) (* 10. Juli 1922 in Berlin; † 1994 in Freiburg im Breisgau) war eine jüdische Gestapo-Kollaborateurin, die während des Zweiten Weltkriegs als sogenannte „Greiferin“ untergetauchte Juden (sie wurden „U-Boote“ genannt) in Berlin aufspürte und denunzierte.

    Stella Goldschlag - Das blonde Gift - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
    https://www.aviva-berlin.de/aviva/Druck.php?id=141679

    Ich führe TouristInnen durch das Scheunenviertel. Vor dem Krieg war es eine heruntergekommene Gegend, wo sich viele mittellose orthodoxe Jüdinnen und Juden aus Osteuropa niedergelassen hatten, nachdem sie vor den Pogromen zu Beginn des 20. Jahrhunderts geflüchtet waren. Heute ist es dort von TouristInnen überlaufen, voller schicker Boutiquen und trendigen Cafés, kaum etwas ist von dem jüdischen Leben vor dem Krieg übrig geblieben, außer einigen Gedenksteinen und den Geschichten der Vergangenheit, die ich, als eine Fremdenführerin, versuche lebendig zu erhalten.
    ...
    Stella endete als einsame und depressive alte Frau. Sie übernahm fast keine Verantwortung für ihre Verbrechen und sah sich selbst weiterhin als eher als ein Opfer, denn als eine Täterin. Im Jahr 1994 begang sie Selbstmord, indem sie aus dem Fenster ihrer Wohnung in Freiburg sprang.

    Wenn ich damit fertig bin, Stellas Geschichte zu erzählen, kommen verschiedenste Reaktionen. ‚Sie hätte die Todesstrafe kriegen sollen‘ „Man kann es ihr am Gesicht ansehen, dass sie absolut böse ist“ Andere haben Verständnis für sie ‚Sie war bloß ein zwanzigjähriges Mädchen, ich weiß nicht, was ich an ihrer Stelle getan hätte‘ „Wenn sie der Gestapo nicht so nützlich gewesen wäre und so viele Juden verraten hätte, hätten die sie wohl deportiert, oder?“ Einmal hat ein Psychologe während meiner Tour erklärt, dass Stella aus einem Schutzmechanismus heraus begonnen hatte, sich mit ihren PeinigerInnen zu identifizieren. Stellas Geschichte löst bei meiner Tour oft Debatten aus. Hätte sich jede Person unter den Umständen so verhalten, oder war sie das reine Böse, oder eine Psychopathin?

    Wenn ich mich von der Gruppe verabschiede und ihnen einen angenehmen Aufenthalt in Berlin wünsche, weiß ich, dass Stellas Geschichte die ist, an die sie sich noch lange erinnern werden.

    Autorinnen:

    Shlomit Lasky ist Journalistin und Drehbuchautorin. Shlomit schreibt seit 2005 regelmäßig für israelische Medien und wurde in Israel auch zur Theaterschauspielerin ausgebildet. Während sie in London lebte (2001-2005), erwarb sie einen Master in Screenwriting an der University of the Arts London. Seit 2010 lebt sie in Berlin. Sie hat eine Förderung der FFA erhalten, um ein Drehbuch schreiben zu können und arbeitet außerdem als Fremdenführerin für "Gablinger Tours.

    Maayan Meir ist Trickfilmproduzentin und Projektmanagerin. Maayan hat mehrere große Animationsfilme produziert. Sie ist eines der Gründungsmitglieder der ‚Keset Hebrew Poetry Society‘. Ihre Gedichte wurden in israelischen Poesiezeitschriften veröffentlicht. Eines ihrer Drehbücher erhielt 2003 eine Ehrung des ‚The Micky Albin Funds‘. Außerdem organisierte sie die Film- und Drehbuchwettbewerbe des Tel Aviv Students Film Festivals.

    #Allemagne #Berlin #Scheunenviertel #nazis #juifs #histoire #littérature #tourisme



  • Why Signal and not Threema ? : signal
    https://www.reddit.com/r/signal/comments/852qor/why_signal_and_not_threema

    Signal is open source, Threema is not, so that disqualifies Threema as a secure app in my opinion. You could as well continue using WhatsApp since it’s also end to end encrypted but closed source. Wire is another great alternative, and it’s German.

    Hacker erklären, welche Messenger-App am sichersten ist - Motherboard
    https://motherboard.vice.com/de/article/7xea4z/hacker-erklaren-welche-messenger-app-am-sichersten-ist


    C’est en allemand, mais c’est valable sans égard de la langue que vous utilisez pour votre communication.
    – La communication sécurisée en ligne doit obligatoirement passer par une app et un prootocole open source.
    – Il vous faut un système qui exclue ou rend très difficile la collection de métatdonnées par des tiers.
    – Votre système de communication « voice » et « chat » doit fonctionner avec des clients smartphome et desktop si vous voulez entretenir un fil de commmunication indépendamment du type d’appareil à votre disposition.

    Passons sur les exigences plus poussées, je ne vois que Signal qui satisfait tous ces besoins. Après on peut toujours utiliser plusieurs « messenger apps » afin de rester au courant des « updates » de tout le monde - à l’exception des apps de Facebook (Whatsapp), Wechat et Google parce que leur utilistion constitue une menace de votre vie privée simplement par l’installation sur votre portable.

    Roland Schilling (33) und Frieder Steinmetz (28) haben vor sechs Jahren begonnen, an der TU Hamburg unter anderem zu dieser Frage zu forschen. In einer Zeit, als noch niemand den Namen Edward Snowden auch nur gehört hatte, brüteten Schilling und Steinmetz bereits über die Vor- und Nachteile verschiedener Verschlüsselungsprotokolle und Messenger-Apps. So haben sie beispielsweise im vergangenen Jahr geschafft, die Verschlüsselung von Threema per Reverse Engineering nachzuvollziehen.

    Ihre Forschung ist mittlerweile zu einer Art Aktivismus und Hobby geworden, sagen die beiden: Sie wollen Menschen außerhalb von Fachkreisen vermitteln, wie elementar die Privatsphäre in einer Demokratie ist. Im Interview erklären sie, auf was man bei der Wahl des Messengers achten soll, welche App in punkto Sicherheit nicht unbedingt hält, was sie verspricht und warum Kreditinstitute sich über datenhungrige Messenger freuen.
    ...
    Roland Schilling: Bei mir ist es anders. Ich bringe die Leute einfach dazu, die Apps zu benutzen, die ich auch nutze. Das sind ausschließlich Threema, Signal und Wire. Wenn Leute mit mir reden wollen, dann klappt das eigentlich immer auf einer von den Dreien.
    ...
    Frieder: ... Signal und WhatsApp etwa setzen auf die gleiche technische Grundlage, das Signal-Protokoll, unterscheiden sich aber in Nuancen. Threema hat ein eigenes, nicht ganz schlechtes Protokoll, das aber beispielsweise keine ‘Perfect Forward Secrecy’ garantiert. Die Technik verhindert, dass jemand mir in der Zukunft meinen geheimen Schlüssel vom Handy klaut und damit meine gesamte verschlüsselte Kommunikation entschlüsseln kann, die ich über das Handy geführt habe. Signal und WhatsApp haben das.
    ...
    Roland: Ein gutes Messenger-Protokoll ist Open Source und ermöglicht damit Forschern und der Öffentlichkeit, eventuell bestehende Schwachstellen zu entdecken und das Protokoll zu verbessern. Leider gibt es auf dem Messenger-Markt auch viele Angebote, die ihre vorgebliche „Verschlüsselung“ diesem Prozess entziehen und geheim halten, oder das Protokoll zwar veröffentlichen, aber auf Kritik nicht eingehen.

    Secure WhatsApp Alternatives – Messenger Comparison
    https://www.boxcryptor.com/en/blog/post/encryption-comparison-secure-messaging-apps

    Threema and Telegram under Control of Russia’s Government ?
    https://medium.com/@vadiman/threema-and-telegram-under-control-of-russias-government-f81f8e28714b

    WhatsApp Exploited by NSA and US Secret Services?
    Go to the profile of Vadim An
    Vadim An
    Mar 7, 2018
    This is the end of era centralized communication!

    The 2017/2018 years are hot and saturated with cybersecurity challenges. Almost every week, a major media source reported hacking incidents or backdoor exploits in popular communication and messaging services. Some of which granted government agents unauthorized access to private and confidential information from within the communications industry.

    According to mass-media reports, one of the most popular Swiss secure messaging apps Threema moved under the control of the Russian government and has been listed in the official registry with a view to controlling user communications.

    This can be seen on regulatory public website https://97-fz.rkn.gov.ru/organizer-dissemination/viewregistry/#searchform

    This knockout news was commented by Crypviser — innovative German developer of the most secure instant communication platform based on Blockchain technologies, of the point of view, what does it mean for millions of Threema users?

    To answer this question, let’s understand the requirements for getting listed in this registry as an “information-dissemination organizers” according to a new Russian federal law, beginning from 01 June 2018.

    The law requires that all companies listed in internet regulator’s registry must store all users’ metadata (“information about the arrival, transmission, delivery, and processing of voice data, written text, images, sounds, or other kinds of action”), along with content of correspondence, voice call records and make it accessible to the Russian authorities. Websites can avoid the hassle of setting aside this information by granting Russian officials unfettered, constant access to their entire data stream.

    This is very bad news for Threema users. Threema officials have reported that they are not aware of any requirements to store, collect, or provide information. Maybe not yet though since there is still some time until 01 June 2018 when the new law kicks in and Threema will be obligated to provide direct access to sensitive user’s data.

    It’s possible that Threema is fully aware of this despite claiming otherwise. They may realize that the most popular messenger in Russia, Telegram, has been under pressure since refusing to officially cooperate with Russian secret services. If Russia takes steps to block Telegram as a result, then Threema would become the next best alternative service. That is assuming they’re willing to violating the security and privacy rights of its users by giving in to the new law’s requirements.

    Based on the reports of Financial Time magazine, the Telegram founder agreed to register their app with Russian censors by the end of June 2017. This, however; is not a big loss for Telegram community because of the lack of security in Telegram to date. During the last 2 years, its security protocol has been criticized many times and many security issues were found by researchers. Although there is no direct evidence showing that Telegram has already cooperated with the Russian government or other governments, these exploitable bugs and poor security models make Telegram users vulnerable victims to hackers and secret services of different countries.

    The same security benchmark issues have been explored in the biggest communication app WhatsApp. The security model of WhatsApp has been recognized as vulnerable by the most reputed cryptographic experts and researchers worldwide. According to the Guardian, a serious “backdoor” was found in encryption. More specifically, the key exchange algorithm.

    A common security practice in encrypted messaging services involves the generation and store of a private encryption key offline on the user’s device. And only the public key gets broadcasted to other users through the company’s server. In the case of WhatsApp, we have to trust the company that it will not alter public key exchange mechanism between the sender and receiver to perform man-in-the-middle attack for snooping of users encrypted private communication.

    Tobias Boelter, security researcher from the University of California, has reported that WhatsApp’s end-to-end encryption, based on Signal protocol, has been implemented in a way that if WhatsApp or any hacker intercepts your chats, by exploiting trust-based key exchange mechanism, you will never come to know if any change in encryption key has occurred in the background.

    The Guardian reports, “WhatsApp has implemented a backdoor into the Signal protocol, giving itself the ability to force the generation of new encryption keys for offline users and to make the sender re-encrypt messages with new keys and send them again for any messages that have not been marked as delivered. The recipient is not made aware of this change in encryption.”

    But on the other hand, the developer of Signal messaging app Open Whisper Systems says, ”There is no WhatsApp backdoor”, “it is how cryptography works,” and the MITM attack “is endemic to public key cryptography, not just WhatsApp.”

    It’s worth noting that none of the security experts or the company itself have denied the fact that, if required by the government, WhatsApp can intercept your chats. They do say; however, WhatsApp is designed to be simple, and users should not lose access to messages sent to them when their encryption key is changed. With this statement, agrees on a cybersecurity expert and CTO of Crypviser, Vadim Andryan.

    “The Man-in-the-Middle attack threat is the biggest and historical challenge of asymmetric cryptography, which is the base of end-to-end encryption model. It’s hard to say, is this “backdoor” admitted intentionally or its became on front due lack of reliable public — key authentication model. But it definitely one of the huge disadvantages of current cryptographic models used for secure instant communication networks, and one of the main advantage of Crypviser platform.”

    Crypviser has introduced a new era of cryptography based on Blockchain technologies. It utilizes Blockchain to eliminate all threats of Man-in-the-Middle attack and solves the historical public key encryption issue by using decentralized encryption keys, exchanges, and authorization algorithms. The authentication model of Crypviser provides public key distribution and authorization in peer-to-peer or automated mode through Blockchain.

    After commercial launch of Crypviser unified app, ”messenger” for secure social communication will be available on the market in free and premium plans. The free plan in peer-to-peer authentication mode requires user interaction to check security codes for every new chat and call. The full-featured premium plan offers Blockchain based automated encryption model and powerful professional security features on all levels.

    You can see the comperisation table of Crypviser with centralized alternatives in the below table

    #internet #communication #sécurité #vie_privée



  • WDR, NDR und SWR zeigen „Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss“ - Presselounge - WDR
    https://presse.wdr.de/plounge/wdr/programm/2018/11/20181130_holocaust.html


    40 ans après sa première sur les écrans de télévision allemands la série Holocaust est de nouveau disponible. Cette série a lancé la carrière de Meryl Streep qui joue une mère de famille juive victime de la persécution nazie. La série a beaucoup contribué au débat sur la responsabilité des Allemands pour les crimes contre les Juifs.

    Dans les années 1950 et 1960 règnait le silence de la génération d’Allemands nazis, collaborateurs et témoins passifs. Ces films permirent pour la première fois au grand public allemand né après 1945 de se faire une idée des crimes antisémites commis par la génération de leurs parents et grand parents.

    Holocaust (1/4) : 1935-1940
    https://www.ardmediathek.de/ard/player/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLTVkZDdmODkzLWUwMzItNDBiZS1iZWY2LWRlMDE2OTFlYTU2MQ/holocaust-1-4-1935-1940

    Holocaust (2/4) : 1941 - 1942
    https://www.ardmediathek.de/ard/player/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLWUxM2U1ODQ0LWI1MDgtNDJiNy1hOTA5LTBjOWVmZDNjNTU5YQ/holocaust-2-4-1941-1942

    Auf Initiative des WDR Fernsehens strahlen WDR, NDR und SWR Fernsehen Anfang Januar die vierteilige US-amerikanische TV-Serie „Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss“ aus dem Jahr 1978 nochmals aus. Die Serie von Marvin J. Chomsky erzählt die fiktive Geschichte der jüdischen Arztfamilie Weiss, die in Berlin zur Zeit des Nationalsozialismus lebt. Die Serie wurde vor 40 Jahren, im Januar 1979, auch in Deutschland gezeigt und löste intensive gesellschaftliche Debatten über die NS-Vergangenheit aus. Ergänzt wird die Ausstrahlung durch die aktuell vom WDR produzierte Dokumentation „Wie ‚Holocaust‘ ins Fernsehen kam“, die die Entstehung und Wirkung der Serie nachzeichnet.
    Inga Helms-Weiss (Meryl Streep)

    WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn: „Die Serie ‚Holocaust‘ hat Fernseh- und Zeitgeschichte geschrieben. Vielen der 20 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer brannten sich damals Bilder und Wahrheiten ins Gedächtnis, die man sich bis dahin trotz allen Wissens einfach nicht vorstellen wollte oder verdrängt hatte. Sie brachte den Holocaust ins kollektive Bewusstsein der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft. Ich selbst habe, wie viele meiner Generation, ‚Holocaust‘ mit der ganzen Klasse als 14-Jähriger auf Videorekorder im Unterricht gesehen. Es war erschütternd, das werde ich nie vergessen. Ich finde es wichtig, diese historische Serie auch 40 Jahre nach der Erstausstrahlung wieder zu zeigen. Denn in einer Zeit, in der Antisemitismus in unserer Gesellschaft leider immer noch eine Rolle spielt, haben die Zuschauerinnen und Zuschauer somit die Möglichkeit, die Serie mit aktuellem Blick zu sehen.“

    „Holocaust“ wurde 1979 innerhalb von fünf Tagen in den zusammengeschalteten Dritten Programmen der ARD ausgestrahlt. Im Anschluss an die einzelnen Folgen gab es Diskussionsrunden, in die sich die Zuschauerinnen und Zuschauer per Telefon einbringen konnten. Kritiker warfen der Serie damals vor, historisches Geschehen zu trivialisieren. Auf der anderen Seite gab es Meinungen, wonach das Gezeigte der deutschen Bevölkerung nicht zuzumuten sei. Die Erstausstrahlung von „Holocaust“ erreichte Einschaltquoten von bis zu 39 Prozent und gilt als Meilenstein sowohl der deutschen Fernseh¬geschichte als auch der Aufarbeitung der Ereignisse im Nationalsozialismus.

    In den Hauptrollen der NBC-Serie sind u.a. Fritz Weaver (Dr. Josef Weiss), Rosemary Harris (Berta Palitz-Weiss), James Woods (Karl Weiss) und – ganz am Anfang ihrer Karriere – Meryl Streep (Inga Helms-Weiss) zu sehen. „Holocaust“ wurde mit acht Emmys ausgezeichnet.

    Buch & Regie: Alice Agneskirchner
    Kamera: Ralf Ilgenfritz
    Ton: Ulla Kösterke
    Regieassistenz: Corinna Volkmann
    Viola Rusche: Montage
    Mischung: Raimund von Scheibner
    Grafik: Sebastian Martinez
    Mastering: Werner Bednarz
    Produzent: Gunter Hanfgarn

    Eine Produktion von HANFGAR & UFER in Koproduktion mit WDR / NDR / SWR

    Gefördert von Film- und Medienstiftung NRW

    Die Sendetermine im Überblick:

    WDR Fernsehen:
    7.1.2019, 22.00 Uhr, „Holocaust“ – Teil 1
    8.1.2019, 22.10 Uhr, „Holocaust“ – Teil 2
    14.1.2019, 22.10 Uhr, Dokumentation „Wie ‚Holocaust‘ ins Fernsehen kam“, 22.55 Uhr, „Holocaust“ – Teil 3
    15.1.2019, 22.10 Uhr, „Holocaust“ – Teil 4

    NDR Fernsehen:
    7.1.2019, 22.00 Uhr, „Holocaust“ – Teil 1
    14.1.2019, 23.15 Uhr, „Holocaust“ – Teil 2
    16.1.2019, 23.45 Uhr, „Wie ‚Holocaust‘ ins Fernsehen kam“
    21.1.2019, 23.15 Uhr, „Holocaust“ – Teil 3
    28.1.2019, 23.15 Uhr, „Holocaust“ – Teil 4

    SWR Fernsehen:
    9.1.2019, 22.00 Uhr, „Holocaust“ – Teil 1
    16.1.2019, 22.00 Uhr, „Holocaust“ – Teil 2, 23.35 Uhr, Dokumentation „Wie ‚Holocaust‘ ins Fernsehen kam“
    23.1.2019, 22.00 Uhr, „Holocaust“ – Teil 3
    30.1.2019, 22.00 Uhr, „Holocaust“ – Teil 4

    https://en.wikipedia.org/wiki/Holocaust_(miniseries)

    #Allemagne #film #télévision #shoa #shoah #histoire #nazis #auf_deutsch