Alexander von Stahl – Wikipedia

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  • Moabit | Hype | Trendbezirk | Arminiusmarkthalle
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    Präzise Beobachtungen. Nur so richtig down and out in Moabit sieht dann doch noch anders aus. Und das war Moabit lange, down and out , weiter unten war nicht. Wer hier einen festen Job hatte, gehörte zur Elite.

    Bürgerliche Medien veröffentlichen bürgerliche Perspektiven. Auch die Bürger gab es immer schon in Moabit, die Fabrik- und Brauereibesitzer vom Kaiser- bis ins Nazireich, die vielen, vielen Pauker, die sich schon vor 1980 billige Eigentumswohnungen zulegten, und den Terroristenjäger Alexander von Stahl mit seinen rebellischen Kindern.

    Was ist eigentlich aus der Zeitarbeitsvermittlung im Fleisch- und Fruchthof geworden? Sind die einfachen Eckkneipenbewohner alle tot, die sich ihre Stütze direkt aufs Konto des Wirts überweisen ließen? Wo kriegt man heute in Berlin ein billiges Fahrrad her? Wahrscheinlich muss man auf Ebay suchen. Niemand zieht mehr durch die Kneipen und tauscht das frischgeklaute Fahrrad gegen ein paar Bier.

    Von Gentrifizierung ist immer mal wieder die Rede. Moabit soll ein Trendbezirk, ja gar hip sein. Bei dieser These geht unser Autor nicht mit. Und der hat immerhin sein ganzes Leben dort verbracht …

    Moabit, da war damals, wir sind in den frühen Achtzigern, weil ich viel weiter nun auch nicht auf eigene Erfahrungen zurückschauen kann – Moabit, da war damals nicht vieles schön. Die alten Griechen, überlebte Gastarbeiter oder ihre nachgeholten Papas, spuckten ihre Kaugummis auf den taubenverschissenen Platz am Rathaus, der White Trash brüllte seine Kids auf offener Straße zusammen, die Fixer verstreuten ihre Spritzen in den zahlreichen grauen Ecken im Kleinen #Tiergarten, Gangs von Minderjährigen sahen sich um, was vom Taschengeld anderer zu holen war. Alles unter dem riesigen Hertie-Leuchtschriftzug, der diesem Moloch Licht brachte. 1000 Berlin 21. Jungleland.

    Insel mitten in Berlin

    Es war also nicht vieles schön – außer halt man wohnte da. Dann bekam man von den Griechen Kaugummis, lernte auf den Kieselschotterwegen im Kleinen Tiergarten Fahrradfahren und kannte jemanden in den Gangs oder zumindest einen kleinen Bruder, so dass einem der größte Mist erspart blieb. Und der White Trash, zu dem gehörte man vermutlich selbst irgendwie, sowieso auf dieser Insel mitten in Berlin, auf der eh fast jeder irgendwie ein bisschen nicht von hier war und die Hälfte deiner besten Freunde Türken. Born in Moabit. 

    Dann kam die Wende und veränderte erst mal nichts. Stattdessen änderten sich die Dinge, wir sind im Zeitraffer, zunächst in Kreuzberg, zum ersten Mal hörte man das Wort Gentrifizierung und irgendwie klang es gar nicht so schlecht, später in Neukölln, das heute wohl für niemanden mehr klingt wie Harlem, wobei ja auch Harlem anders klingt. Anderes Thema. Die Politur der rauen Kanten, die Aufwertung des allenfalls schäbig Schönen, der Ausverkauf des Billigen, der Wandel sollte System bekommen, als nächstes war also der Wedding dran. Und kam irgendwie nicht. Stattdessen tat sich was in Moabit, wo mittlerweile der #Hauptbahnhof den #Lehrter_Bahnhof ersetzt hatte, ein Spa große Teile des Poststadions, Sitzkiesel die Fixerbänke im #Ottopark. Die #Arminiusmarkthalle entwickelte sich zu so etwa wie einem Gastro-Schmuckstück, ein paar Eckkneipen machten Platz für gar nicht mal mehr so armer Menschen Kinder Tanzschulen, die #Gotzkowsky-Grundschule bekam den Namen einer südafrikanischen Sängerin und Apartheid-Gegnerin. Und Gentrifizierung klingt immer noch gar nicht so schlecht.

    Moabit und hip?

    Aber hip? Es liegt noch nicht lang zurück, da hörte ich einen entsprechend Verdächtigen poltern, Moabit, das sei doch gar nicht Berlin. Also nicht Kreuzberg und Neukölln, sollte das wohl heißen. Na dann, wo er recht hat, wa? Das neue Stadtviertel um die #Heidestraße am Hauptbahnhof trägt alle Züge des subkulturellen Brachlands, das den #Potsdamer_Platz umschwimmt, das Brauerei-Gelände an der #Stromstraße, wo 1987 der letzte Schluck vertropft ist, wird drei Jahrzehnte später zum Schultheiss-Quartier, Herzstück Kaufland, und die Wohnungen in den gutbürgerlichen Kiezen am Südzipfel von Moabit zwischen Westfälischem Viertel und Bellevue sind großenteils längst zu teuer und überhaupt in Beschlag genommen vom Kryptonit des Hipstertums, von jungen Familien, die nicht neue Barkonzepte brauchen, sondern Kindergärten, wo die Kleinen auf Tanzschule und BWL-Studium vorbereitet werden.
     
    Die Straße schreibt die besten Geschichten: Als ich die Fotos für diesen Kommentar gemacht habe, lief mir tatsächlich ein verloren gegangener Hipster in die Arme, verzweifelt auf der Suche nach dem nächsten WiFi-Hotspot. Alles, was mir einfiel, waren die arabischen Internetcafés um die Beusselstraße herum – und da ist Moabit dann ja auch schon fast wieder vorbei. Friedrich Reip

    Alexander von Stahl
    https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_von_Stahl

    Senator und Bürgermeister Hermann Oxfort berief ihn im Mai 1975 zum Staatssekretär in der Berliner Justizverwaltung.
    ...
    Als er am 9. September 1987 im Abgeordnetenhaus-Ausschuss die Zahl von Vergewaltigungsopfern in einem Strafprozess mit „acht Stück“ bezifferte, musste die Sitzung aufgrund einhelliger Empörung von Abgeordneten und Zuhörern über die Wortwahl vorzeitig beendet werden. Im Februar 1989 versetzte ihn der rot-grüne Senat unter dem Regierenden Bürgermeister Walter Momper in den einstweiligen Ruhestand.

    Generalbundesanwalt

    Auf Betreiben des FDP-Vorsitzenden Otto Graf Lambsdorff wurde er von CDU und FDP zum Generalbundesanwalt vorgeschlagen und am 1. Juni 1990 berufen. Kurt Rebmann, sein Vorgänger seit dem 1. Juli 1977, ging in den Ruhestand. Von Stahls Amtszeit war von der Strafverfolgung früherer Agenten des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit und der Bekämpfung terroristischer Vereinigungen wie der Rote Armee Fraktion (RAF) und insbesondere der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) geprägt.

    #Berlin #Mitte #Moabit #Gentrifizierung