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  • Neben dem Rechner zeigen Infografiken, wie es den Menschen einer Sc...
    https://diasp.eu/p/12465495

    Neben dem Rechner zeigen Infografiken, wie es den Menschen einer Schicht im Vergleich zu anderen geht. Man sieht auch, wie sich die Verhältnisse seit Mitte der 1980er-Jahre verändert haben, und wie Geschlecht, Wohnort, Familienverhältnisse oder Herkunft sich auswirken. Und man sieht, dass nur wenigen der Aufstieg gelingt. (piqd) #HartzIV #NoGroKo https://www.zeit.de/wirtschaft/2021-02/soziale-ungleichheit-armut-reichtum-schichten-rechner-studie-deutschland

  • Nantes Révoltée - la France vue d’Allemagne : un « absurdistan autoritaire »
    https://nantes-revoltee.com/la-france-vue-dallemagne-un-absurdistan-autoritaire
    https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-11/corona-regeln-frankreich-lockdown-polizei-quarantaene-attest-joggen-sport

    Le grand hebdomadaire allemand Die Zeit, qui tire à 500 000 exemplaires par numéro, dresse un portrait de la France aussi réaliste que cauchemardesque. Derrière le titre « Absurdistan autoritaire », le journal allemand décrit de façon détaillée un Régime de privation de liberté incohérent, stupide et inquiétant. Attestations et amendes, mesures contre-productives, décisions « monarchiques », extrême droite, tout y passe. Quelques extraits :

    « Attestations pour quitter la maison ou courir devant chez soi, vigiles pour surveiller les jouets : le verrouillage de la France est tellement répressif que même les règles sensées sont déconsidérées.

    […]

    Le déploiement policier contre une poignée de seniors sur une plage de Biarritz, longue d’un kilomètre, est l’une des conséquences des nombreuses règles autoritaires décidées par le gouvernement. Les citoyens doivent rédiger une attestation auto-signée expliquant pourquoi ils sortent à chaque fois qu’ils quittent leur maison. Par exemple, une attestation pour emmener les enfants à l’école, une deuxième pour obtenir du sirop contre la toux à la pharmacie, une troisième pour acheter des baguettes, une quatrième pour aller travailler.

    […]

    Plus de 60% des Français déclarent ne plus adhérer aux règles – deux fois plus que lors du premier confinement. Une personne sur deux se dit plus déprimée depuis le reconfinement. […] La confiance de la population envers le gouvernement est la plus basse d’Europe. Deux personnes interrogées sur trois pensent que le président Macron gère mal la crise du Coronavirus. Le bilan français est catastrophique : bien que le pays ait donné l’une des réponses les plus autoritaires à la crise sanitaire, le nombre de morts est maintenant plus élevé qu’en Suède, où les mesures ont été beaucoup moins dures.

    […]

    Il y a des panneaux d’avertissement ou des vigiles devant les étagères avec des ours en peluche afin que les clients n’achètent rien d’interdit. […] De plus, à part l’extrême droite du Rassemblement national, la France n’a guère d’opposition audible […] à terme, le Rassemblement National va profiter des décisions solitaires prises au sommet de l’État. La gestion sanitaire de Macron est presque monarchique. Les décisions majeures concernant un confinement ou un couvre-feu sont prises dans un « conseil de défense » composé de quelques ministres, fonctionnaires administratifs et officiers. […] Le président de 42 ans a annoncé sa décision sans qu’aucune question ne soit autorisée. L’urgence sanitaire a été votée pour cinq mois et elle donne au gouvernement des pouvoirs [très étendus] ».

    Et encore, la presse allemande n’a sans doute pas vu que les lycéens était tabassés et gazés par la police et que des lois ultra-liberticides allaient être imposées en plein confinement !

    #autoritäres_absurdistan #macronie

  • Corona-Regeln in Frankreich : #autoritäres_absurdistan | ZEIT ONLINE
    Les règles du covid en France : #absurdistan autoritaire
    https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-11/corona-regeln-frankreich-lockdown-polizei-quarantaene-attest-joggen-sport
    https://img.zeit.de/politik/ausland/2020-11/corona-regeln-frankreich-jogging/wide__1300x731

    Atteste, um das Haus zu verlassen, nur vor der Tür joggen, Wachmänner für Spielzeug: Frankreichs Lockdown ist so repressiv, dass auch sinnvolle Regeln in Verruf geraten.
    Von Annika Joeres

    Als Betty Bellion-Jourdan vor wenigen Tagen im westfranzösischen Biarritz aus dem Meer stieg, warteten vier Polizisten auf sie: Die 93-Jährige habe im Lockdown zwar das Recht, am Strand zu sitzen, nicht aber, im Wasser zu schwimmen. Seit Jahrzehnten krault die alte Dame täglich im Atlantik, auch in der winterlichen Kälte, und lindert so ihre Neuropathie in den Beinen, eine Nervenkrankheit. „Kein Spezialist, keine Massage kann mich so heilen, wie das Meer es tut“, sagte Bellion-Jourdan. Ein Polizist, so ist es auch in einem Video zu sehen, erwiderte nur: „Nach Artikel 46 der Verordnung 20-10 ist jeder Wassersport verboten.“ Bellion-Jourdan sollte eine Strafe von 135 Euro bezahlen, sollte sie sich dem Meer erneut nähern.

    Das Polizeiaufgebot für eine Handvoll Senioren am kilometerlangen Strand von Biarritz ist eine der Folgen vieler autoritärer Corona-Regeln der Regierung in Paris. Bürgerinnen und Bürger müssen sich jedes Mal, wenn sie das Haus verlassen, ein selbst unterschriebenes Attest ausstellen, warum sie vor die Tür treten. Etwa ein Attest, um die Kinder zur Schule zu bringen, ein zweites, um Hustensaft in der Apotheke zu holen, ein drittes, um Baguette einzukaufen, ein viertes, um zur Arbeit zu gehen. Auch bewegen können sich die Franzosen nur eingeschränkt: Sie dürfen nur eine Stunde Sport treiben, und auch nur im Radius von einem Kilometer. Wanderungen, Radtouren, Schwimmengehen sind unmöglich.

    Das führt dann etwa dazu, dass sich Joggerinnen auf den Straßen drängeln, statt sich in der Natur aus dem Weg zu gehen. Und dazu, so vermuten es Mediziner, dass Menschen auch den sinnvollen Regeln misstrauen, wie etwa der, die üblichen Begrüßungsküsschen bleiben zu lassen. Das bestätigt auch eine aktuelle Studie: „Mehr als 60 Prozent der Franzosen geben an, sich nicht mehr an die Regeln zu halten – doppelt so viele wie beim ersten Lockdown. Jeder Zweite gibt an, seit dem Lockdown trauriger zu sein.“

    An diesem Donnerstagabend wird Premierminister Jean Castex die Regeln für die kommenden Wochen verkünden: Voraussichtlich, so kommentierten zuvor Mitglieder der Regierung in Interviews, wird sich nichts an den Bestimmungen ändern. Dabei ist das Vertrauen der Bevölkerung auf einem europäischen Tiefstand. Zwei von drei Befragten glauben nicht, dass Präsident Emmanuel Macron sie gut durch die Corona-Krise führen wird. Denn die französische Bilanz ist verheerend: Obwohl das Nachbarland im Frühjahr und nun erneut eine der autoritärsten Antworten auf die Corona-Krise gab, ist die Zahl der Toten inzwischen höher als im lockeren Schweden.

    „Der Grat, außerhalb des Gesetzes zu stehen, ist sehr schmal geworden“

    Vor zwei Wochen hatte Macron einen zunächst vierwöchigen Lockdown verkündet. Darin haben nur Supermärkte und Apotheken geöffnet, kleinere Geschäfte wie Buchhandlungen oder Schuhläden sind geschlossen. Anders als beim ersten Lockdown im Frühjahr protestierten viele Kundinnen und Händler gegen die Regierung, auch einige Bürgermeister verabschiedeten Erlasse, nach denen alle Einzelhändler öffnen können. Aber die Regierung beschloss nur ein weiteres Verbot: Fortan dürfen auch Supermärkte keine Bücher, Spielzeuge, Kleidung und Schuhe mehr verkaufen. Wahlweise stehen dann Warnschilder oder Wachmänner vor den Winterstiefeln oder Regalen mit Teddybären, damit die Kunden nichts Verbotenes kaufen.

    Die Opposition – links wie rechts – kritisierte die Regeln als „einsame Entscheidungen ohne Sinn und Verstand“. Die Philosophin und Autorin Aïda N’Diaye sagt: „Man möchte lachen, aber wir sind in einer gefährlichen Absurdität angelangt.“ Gerade das Prinzip, sich Atteste ausstellen zu müssen, findet die Professorin gefährlich: Es verankere die permanente Selbstkontrolle, die Rechtfertigung vor dem Staat, in den Köpfen der Menschen. „Der Grat, außerhalb des Gesetzes zu stehen, ist sehr schmal geworden. Dazu reicht schon ein Spaziergang ohne Stoppuhr.“

    Macron hatte die Atteste in seiner Ansprache zum nochmaligen Lockdown als unausweichlich präsentiert, ohne Gründe zu nennen. Für N’Diaye führt diese repressive Politik allerdings zum Gegenteil des Gewünschten. Erwachsene würden wie Kinder behandelt. In der Folge reagierten Erwachsene eben auch wie Kinder: Sie begehrten auf und brächen auch sinnvolle Regeln, wie beispielsweise Abstand zu halten. „Ich beobachte Menschenmengen auf der Straße ohne Abstand, aber dafür mit zahlreichen Attesten.“

    Hinzu kommt: Frankreich hat außer dem rechtsextremen Rassemblement National kaum eine hörbare Opposition. Weder Konservative noch Sozialisten haben charismatische Köpfe, die Macrons Alleingängen etwas entgegensetzen könnten. Die Politikwissenschaftlerin Chloé Morin hat frühere Premierminister Frankreichs beraten und nun ein Buch darüber verfasst, wie technokratische Entscheidungen im Élysée-Palast getroffen werden – eine Publikation, von der ihr viele abrieten, weil sie sich ihre Karriere verbauen könnte.

    Morin sieht in der Corona-Politk eine „demokratische Apathie“. Sie prophezeit, dass langfristig der rechtsextreme Rassemblement National von den einsamen Entscheidungen an der Spitze des Staates profitiert. „Seine Parteichefin Marine Le Pen kann so erfolgreich ihre Anhänger gegen die Elite mobilisieren, weil es ein undurchsichtiges System gibt, an dem normale Menschen nicht teilhaben und das ihren Interessen widerspricht.“ Die hohen Beamten und Macrons Berater stammten alle aus der Eliteschule ENA, die sich vor allem durch ihre Gleichförmigkeit auszeichnen: Es sind meist Männer aus gut situierten Pariser Familien, deren Väter ebenfalls hohe Beamte waren. Morin bezeichnet sie als „Aristokratie“. Ihnen sei nicht bewusst, was so offensichtlich sei: dass es für eine fünfköpfige Familie in einer Dreizimmerwohnung eines grauen Vorortes unerträglich ist, nur eine Stunde am Tag an die frische Luft zu können.

    Tatsächlich ist Macrons Corona-Politik beinahe monarchisch. Weitreichende Beschlüsse über einen Lockdown oder eine Ausgangssperre werden in einem „Verteidigungsrat“ getroffen, in dem einige Minister, Verwaltungsbeamte und Offiziere sitzen, das Parlament kann nicht mitreden, über nichts abstimmen. „Eine Handvoll Menschen entscheidet im Geheimen darüber, ob das Land geschlossen wird – ohne jegliche Kontrolle“, sagt Morin. Am Ende verkündet der 42-jährige Präsident in den Hauptnachrichten seine Entscheidung – ohne, dass Fragen zugelassen werden. Der sanitäre Ausnahmezustand wurde für fünf Monate verabschiedet und er gibt der Regierung so weitreichende Befugnisse, dass die Liga der Menschenrechte (LDH) – eine NGO, die viele Erfolge vor Gericht für bürgerliche Rechte erstritten hat – heute sagt: „Wir können keine juristischen Schritte gegen Regeln des Lockdowns unternehmen, weil der Ausnahmezustand alles erlaubt.“

    Die Menschen finden einen Weg

    Eigentlich hatte der wissenschaftliche Beirat die Regierung Macron aufgefordert, Bürgerinnen und Bürger mehr an den weitreichenden Corona-Entscheidungen zu beteiligen. Das hat sie bislang nicht getan. Aber manche Bürgermeister versuchen der Pariser Allmacht etwas entgegenzusetzen. Der grüne Stadtchef von Grenoble, einer 160.000-Einwohner-Gemeinde in den Alpen, hat einen zufällig ausgelosten Bürgerrat einberufen: 120 Bürgerinnen und Bürger jedes Alters können ihre Sorgen benennen und darüber beraten, wie die Corona-Regeln verbessert werden können – auch wenn lokal wenig Spielraum bleibt. In einer ersten Runde am vergangenen Wochenende hat die Gruppe darüber diskutiert, wie alleinstehenden Menschen im Lockdown geholfen werden kann und wie sie weiterhin Sport treiben können.

    Landesweit arrangieren sich die Menschen mit den Regeln aus Paris: Sie füllen mehrfach ihre Atteste aus. Auf abgelegenen Wegen kreuzen sich Läuferinnen, wohl wissend, dass sie dort laut Gesetz nicht sein dürfen. In den Supermärkten holen Angestellte das Spielzeug hinter den Absperrungen hervor: Bauklötze und Puppen können im Internet gekauft und dann an der Kasse abgeholt werden.

    Und Schwimmerin Betty Bellion-Jourdan hat von ihrem Arzt Guillaume Barucq ein Attest erhalten, dass sie für ihre Gesundheit auf das Schwimmen angewiesen ist. „Im Meer riskiert niemand, sich mit Corona anzustecken, es ist umsonst und fördert die Gesundheit,“ sagt Barucq. Er empfange in seiner Praxis zunehmend Patientinnen und Patienten, die deprimiert seien und körperlich schwächer würden. Alle Menschen benötigten den Sport, um ihre Abwehrkräfte zu stärken, auch gegen Corona. „In was für einem Staat leben wir, in dem schwimmende Senioren mit einem Polizeiaufgebot aus dem Wasser gezogen werden?“, fragt der Arzt. Inzwischen hat die Sportministerin in Paris klargestellt, Menschen mit chronischen Krankheiten könnten weiterhin Sport treiben. Dafür benötigten aber alle, wie Bellion-Jourdan auch: ein neues Attest.

    • Pas mieux !

      « Le bilan français est catastrophique : bien que Paris ait au printemps et actuellement livré une réponse parmi les plus autoritaires contre la pandémie, le nombre de morts y ait plus élevé qu’en Suède où les mesures sont des plus libérales. »

      « La politique de Macron est quasi monarchique. Des décisions aux lourdes conséquences sont adoptées par un conseil de Défense qui comprend quelques ministres, des fonctionnaires et des officiers. Le parlement n’a pas son mot à dire et ne peut entériner les décisions. »

  • „Wir haben es selbst in der Hand“, Christian Drosten | ZEIT ONLINE
    https://www.zeit.de/wissen/2020-10/christian-drosten-corona-massnahmen-neuinfektionen-herbst-winter-covid-19

    „Wir haben es selbst in der Hand“

    Quarantäne vor Familientreffen, Halskratzen ernst nehmen und mögliche Impfungen nicht überschätzen: Was der Virologe Christian Drosten jetzt für den Corona-Winter rät.

    Die Zahl der Neuinfektionen steigt. Doch Deutschland könne noch gut durch den Corona-Winter kommen, sagt der Virologe Christian Drosten. Bei Kälte drinnen im Restaurant sitzen? Die geplante Party wirklich feiern? Jetzt komme es auf die kleinen Alltagsentscheidungen an. Und darauf, dass alle mitmachen.

    ZEIT ONLINE: Obwohl die Situation der Corona-Neuinfektionen angespannter ist als noch im Juni, wirken Sie – nach Ihrer Medienpause im Sommer – entspannter. Täuscht das?

    Christian Drosten: Wenn ich den Pandemieverlauf betrachte, bin ich in einem Zustand der gespannten Aufmerksamkeit. Wir befinden uns in einer Phase, in der es vonseiten der Medizin keine größeren Probleme gibt – im Sinne überfüllter Krankenhäuser und Intensivstationen –, in der wir aber aufpassen müssen, dass es dazu auch nicht kommt. Bei diesem Virus muss man früh reagieren. Das sieht man, wenn man Deutschland und England vergleicht, zwei ähnlich strukturierte Länder. Deutschland war im Frühjahr mit Maßnahmen einfach etwas früher dran. Das Resultat ist, dass wir hierzulande bisher weniger Infektionen und Todesfälle hatten.

    ZEIT ONLINE: Haben wir die Zügel in der aktuellen Phase noch in der Hand?

    Drosten: Absolut. Die Frage ist: Wie viel Puffer haben wir, sollte es wieder mehr schwere Fälle geben, weil sich zunehmend wieder mehr ältere Menschen infizieren? Im Moment gibt es in der klinischen Versorgung noch ganz viel Puffer. Aber anderswo in Europa sehen wir, dass die Stationen schon wieder voll sind, etwa in Südfrankreich oder in Madrid. Das zu vermeiden, haben wir in der Hand.

    ZEIT ONLINE: Bund und Länder haben gerade neue Regeln beschlossen und zur strengeren Einhaltung der schon geltenden gemahnt. Wenn die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen in einem Landkreis 35 pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner übersteigt, sollen strengere Regeln für Feiern gelten. Außerdem sollen die Gesundheitsämter weiter gestärkt werden. Reicht all das, um durch Herbst und Winter ohne eine Explosion der Fallzahlen zu kommen?

    Drosten: Das kann keiner beurteilen, das müssen wir sehen. Sicherlich ist es sinnvoll, die Gruppengröße für geschlossene Räume zu begrenzen, denn das reduziert die Wahrscheinlichkeit von Superspreading-Ereignissen, bei denen ein Einzelner viele andere ansteckt. Aber man kommt bei solchen Regeln relativ schnell in Unsicherheiten hinein. Da stellen sich Fragen: Wie groß darf so eine Gruppe sein? Und was ist mit der Aufenthaltsdauer oder der Höhe des Raums? Ich war vor Kurzem auf einer Veranstaltung in einer Fabrikhalle. Die war so hoch, das war praktisch draußen.

    ZEIT ONLINE: Das heißt, man muss gewisse Werte einfach willkürlich festlegen?

    Drosten: Genau, und das ist der Unterschied zwischen Wissenschaft und Politik. Ein Politiker muss pragmatisch sagen: „Da ist jetzt mal die Grenze.“

    ZEIT ONLINE: Das wichtigste Kriterium, ob strengere Maßnahmen eingeführt werden, ist weiterhin die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen. Aber nicht jede davon führt zu einer schweren Erkrankung. Wissenschaftler wie Hendrik Streeck fordern deshalb, stärker auch andere Kriterien mit heranzuziehen, etwa die Zahl der Krankenhauseinweisungen oder die Testpositivenrate, wie es etwa schon in Österreich passiert. Hielten Sie das für sinnvoller als die aktuelle Hotspotstrategie?

    Drosten: Es stimmt natürlich: Nicht jeder Covid-19-Fall ist für das Ausbruchsgeschehen oder medizinisch gesehen gleich relevant. Die Fallsterblichkeit unterscheidet sich zwischen den Altersgruppen sehr stark. Alte Menschen sterben im Schnitt viel häufiger an einer Covid-Erkrankung als junge, auf die in den letzten Monaten besonders viele Infektionen entfielen. Ich kann deshalb verstehen, dass man gern einen Zusatzindikator hätte, etwa die Bettenbelegung. Mein Einwand ist, dass die Neuinfektionen selbst schon ein nachlaufender Parameter sind.

    ZEIT ONLINE: Was bedeutet das?

    Drosten: Die Diagnose hat eine Verzögerung von einer Woche, teilweise durch die Überlastung einiger Labore sogar etwas mehr. Ein Patient, bei dem heute das Coronavirus festgestellt wird, ist also ein Indikator dafür, wie viel an Virus vor einer Woche in der Gesellschaft unterwegs war. Und die Bettenbelegung läuft noch länger nach, weil die Patienten oft erst eine Woche nach der Diagnose ins Krankenhaus müssen. Eine Möglichkeit für ein weiteres Kriterium wäre: Man könnte nicht nur die Infizierten zählen, sondern gesondert auch die Infizierten über 50 Jahre. Anhand dieser Zahl könnte man gut prognostizieren, mit wie viel schweren Verläufen man demnächst rechnen muss.

    „Ich bin absolut ersetzbar“

    ZEIT ONLINE: Im Sommer haben viele Menschen ihr Sozialleben nach draußen verlagert. Das geht nun langsam nicht mehr so gut. Kanzlerin Angela Merkel hat deshalb noch einmal betont, wie sehr es immer noch auf das Verhalten jedes Einzelnen ankommt. Welche Tipps haben Sie jenseits der AHA-Regeln aus Abstand, Hygiene und Alltagsmasken oder des besseren Lüftens?

    Drosten: Wichtig ist, dass wir alle mitdenken und verstehen: Wir haben es selbst in der Hand. Dann handeln wir auch klug, selbst wenn wir unbeobachtet sind. Es geht um viele kleine Alltagsentscheidungen. Wenn man zum Beispiel essen geht und die Frage aufkommt: Sollen wir uns noch reinsetzen, obwohl es drinnen recht voll ist? Geht man rein oder sagt man: „Ja, es ist kalt, aber lasst uns doch noch eine Viertelstunde draußen sitzen und dann nach Hause gehen.“ Oder die Frage, ob man eine Party, die man geplant hatte, wirklich feiern muss diesen Winter, ob man für sie vielleicht einen luftigen, besonders großen Raum finden kann oder sie auf nächstes Jahr verschiebt. Das sind ja alles Dinge, die sind nicht verboten und die kann und will auch keiner regulieren. Es geht darum, dass wir alle die Lage ernst nehmen, während wir versuchen, einen normalen Alltag zu haben. Wir müssen alle dafür ein Augenmaß entwickeln.

    ZEIT ONLINE: Wie machen Sie das? Gehen Sie noch in Restaurants?

    Drosten: Ich schaffe es im Moment aus Zeitgründen leider nicht allzu häufig, privat essen zu gehen. Aber ich setze mich gern nach draußen, auch wenn es etwas kälter ist.

    ZEIT ONLINE: Wie soll es an Weihnachten werden, wenn ganz Deutschland zur Familie fährt und dann auch mit den Großeltern in Kontakt kommt? Lässt sich das risikoärmer gestalten?

    Drosten: Ich halte das Prinzip der Vorquarantäne für eine gute Idee. Also dass Menschen einige Tage, optimalerweise eine Woche, vor dem Familienbesuch mit Oma und Opa soziale Kontakte so gut es geht vermeiden. Natürlich muss jeder im Einzelfall überlegen, wie das im Alltag umsetzbar ist: Wie macht man das mit den Kindern, die in die Kita oder die Schule gehen? Und kann man vor dem Familienbesuch einige Tage lang Besprechungen vermeiden oder ganz im Homeoffice arbeiten, wenn der Beruf es zulässt?

    Dann fährt man zu den Verwandten und hat im Hinterkopf, dass man sich in dieser Woche mit weniger Kontakten wahrscheinlich nicht infiziert hat. Wenn überhaupt, dann hat man sich vielleicht eher in der Woche zuvor angesteckt, und dass in diesem Fall alle aus der Familie symptomfrei bleiben, ist eher unwahrscheinlich. Das könnte ein Ansatz sein für die kommende Zeit, jetzt für die Herbstferien und vielleicht auch für Weihnachten. Aber natürlich gilt auch hier: Menschen müssen Risiken in einer Pandemie ein Stück weit selbst abwägen. Es gibt keine totale Sicherheit, es bleiben immer Restrisiken.

    ZEIT ONLINE: Umfragen zeigen, dass wieder etwas mehr Menschen in Deutschland glauben, ein hohes Ansteckungsrisiko zu haben. Gleichzeitig geben weniger Leute an, sich an die AHA-Regeln zu halten. Können Sie nachvollziehen, dass manche es schleifen lassen oder ausbrechen wollen?

    Drosten: Ja, das ist komplett menschlich. Und so etwas passiert natürlich auch situativ, zum Beispiel unter Alkoholeinfluss. Ich kann auch nachvollziehen, dass Dinge verschleißen und dass man über den Sommer die Lage nicht ernst genommen hat, weil die Krankheit nicht so stark sichtbar war. Aber nun zeigt den Menschen der Blick ins europäische Ausland, dass es auch wieder schwierigere Situationen geben kann. Vielleicht sollten wir auch mehr auf die Südhalbkugel schauen, die den Winter schon hinter sich hat. Argentinien zum Beispiel, ein Land mit ähnlicher Altersstruktur wie Deutschland, hat die Pandemie trotz eines langen Lockdowns nur schwer unter Kontrolle gebracht.

    ZEIT ONLINE: Neben dem individuellen Verhalten ist auch der sinnvolle Einsatz von Tests wichtig. Aktuell überarbeitet die Politik die nationale Teststrategie. Sind Sie daran beteiligt?

    Drosten: Ich werde vielleicht hier und da mal gefragt, was meine Meinung ist. Und wenn nicht, ist das auch nicht schlimm. Ich bin absolut ersetzbar. Ich erwarte, dass ich die Teststrategie das erste Mal sehe, wenn sie veröffentlicht wird.

    ZEIT ONLINE: Was sollte in der Teststrategie stehen?

    Drosten: Mein Mantra ist, dass wir die Menschen testen sollten, die Corona-Symptome haben. Ich lehne nicht all die Gründe für symptomfreies oder Massentesten ab. Aber wir können nicht alle testen. Wir können nicht damit rechnen, dass wir die Diagnostik mit PCR noch weiter ausbauen können. Es könnte sogar sein, dass die Kapazität schrumpft, weil Materialien fehlen. Das sind nicht nur die Reagenzien, sondern auch Verbrauchsmaterialien, Plastikteile etwa. Deshalb müssen wir die Testung dahin steuern, wo sie mit höherer Wahrscheinlichkeit die Krankheit anzeigt. Das hilft Gesundheitsämtern bei der Kontaktnachverfolgung und den einzelnen Patienten. Und bei einem positiven Test muss ein Hausarzt seine Patienten auf dem Zettel haben, was verhindert, dass Schwerkranke zu spät in die Klinik gebracht werden.

    ZEIT ONLINE: Was sollte in der Teststrategie noch vorkommen?

    Drosten: Ich halte es für wichtig, einen Schwellenwert zu finden, der unterscheidet zwischen Infektion und Infektiosität. Der also nicht nur zeigt, ob ein Mensch infiziert ist, sondern auch, ob er ansteckend ist. Das ist zum Beispiel für die Gesundheitsämter sehr wichtig und wird in der Teststrategie sicherlich umgesetzt werden.

    „Wir testen die Produkte verschiedener Firmen“

    Drosten: Wir wissen inzwischen ziemlich genau, dass Infizierte ungefähr eine Woche nach den ersten Symptomen ansteckend sind: durch epidemiologische Beobachtungen und weil sich im Labor eine Woche nach Symptombeginn das Virus nur noch bei einem Fünftel aller Proben anzüchten lässt. Ein Expertengremium, das die Studienlage dazu sichtet, könnte sich anhand dieser Daten pragmatisch auf einen Schwellenwert einigen. Unterhalb dieser Schwelle an Viruslast würde ein Mensch nicht als infektiös gelten, oberhalb schon. Wahrscheinlich wird es dazwischen noch einen Korridor geben, einen Graubereich, in dem das nicht so klar ist. „Wahrscheinlich infektiös“, „Graubereich“ oder „wahrscheinlich nicht infektiös zum Zeitpunkt der Probenentnahme“: Das könnte künftig in allen Laborberichten stehen.

    ZEIT ONLINE: Und was ist mit Alternativen zum PCR-Test, dem einzigen Laborverfahren, mit dem Abstriche momentan zuverlässig ausgewertet werden können?

    Drosten: Viele Alternativen, über die gerade diskutiert wird, etwa LAMP-Tests – also eine besondere Variante des PCR-Verfahrens – oder Massensequenzierungen, sind interessant. Aber nicht mehr für diese Pandemie, nicht mehr in diesem Winter. Der Hauptgrund ist, dass diese Tests alle trotzdem noch im Labor gemacht werden müssen. Es ist keine Testung, die man zum Patienten bringt, wo man an ein und demselben Ort den Test entnimmt und auswertet. Aber genau die bräuchten wir.

    ZEIT ONLINE: Hier sind schnelle Antigentests eine große Hoffnung für die Zukunft. Für wie gut halten Sie die Tests, die derzeit auf den Markt kommen?

    Drosten: Das ist eine total gute Entwicklung. Diese einfachen Antigentests funktionieren bei Sars-CoV-2 deutlich besser als etwa bei der Influenza, also der Grippe. Wohl auch, weil Infizierte ziemlich viel Virus im Rachen haben. Wir sind hier an meinem Institut gerade wie einige andere Labore in Deutschland damit beschäftigt, die Tests zu validieren. Wir testen die Produkte verschiedener Firmen. Die Qualität schwankt teilweise noch etwas, weil die Produktionsprozesse gerade erst aufgebaut werden. Aber insgesamt funktionieren diese Tests gut. Sie sind zwar nicht so empfindlich wie eine PCR, werden aber in einem Bereich positiv, in dem Menschen wahrscheinlich auch infektiös sind.

    ZEIT ONLINE: Das heißt, Antigentests könnten bald dabei helfen, zu unterscheiden, ob jemand ansteckend ist oder nicht?

    Drosten: Wenn es gut läuft, dann vielleicht schon. Das wäre natürlich super. Damit könnte man in ganz vielen Situationen arbeiten. Endgültig kann ich das aber noch nicht sagen. Ich bin mir nicht sicher, ob die Validierung der Antigentests aus mehreren Laboren zur neuen Teststrategie bis Mitte Oktober vorliegt. Und wahrscheinlich wird man bis dahin auch nicht mit der Einschätzung fertig sein, bis zu welcher Viruslast jemand ansteckend ist.

    ZEIT ONLINE: Wo würden Sie Antigentests sinnvoll einsetzen?

    Drosten: Man will damit vor allem eine Akutdiagnose stellen bei Patientinnen und Patienten mit Symptomen. Das ist das Allerwichtigste. Menschen haben, während sie Symptome haben, viel Virus im Rachen, selbst bei milden Beschwerden. In so einem Fall könnte man sagen: Wenn jemand Symptome hat und der Antigentest negativ ist, dann hat diese Person nicht Covid-19. Diese Aussage würde ich mir wahrscheinlich demnächst zutrauen, wenn die Daten noch mal etwas härter sind, als ich sie jetzt schon sehe. Im positiven Fall müsste man das Ergebnis des Antigentests per PCR bestätigen – auch schon allein wegen der Meldung.

    ZEIT ONLINE: Es wird aber auch darüber diskutiert, Antigentests an der Tür zu Pflegeheimen einzusetzen, um zu entscheiden, ob jemand seine Angehörigen besuchen darf. Diese Menschen haben in der Regel keine Symptome und trotzdem müsste ein Test zuverlässig erkennen, ob sie infektiös sind. 

    Drosten: Einerseits wissen wir mittlerweile, dass asymptomatisch Infizierte nicht weniger Virus ausscheiden, höchstens kürzer. Daher gehe ich davon aus, dass ein Antigentest auch bei Infizierten ohne Symptome positiv ausfallen wird. Wenn die Tests einmal validiert sind und sich die Labore ein Bild davon gemacht haben, können solche Tests gerade für Pflegeeinrichtungen ein Gewinn sein, zumal es dort medizinisches Personal gibt, das den Test durchführen kann. Wichtig ist aber, dass in diesem Fall keine Diagnose gestellt wird, sondern nur eine momentane Abschätzung der Infektiosität gemacht wird. Eine Lösung wäre, festzulegen, dass das negative Testergebnis nur für die Dauer des Besuchs Gültigkeit hat und danach verfällt. Unabhängig davon bleibt es aber weiterhin wichtig, Maske zu tragen, Abstand zu halten und die Hygieneregeln zu beachten.

    „Das ziehen wir jetzt alle gemeinsam durch“

    ZEIT ONLINE: Bei Kulturveranstaltungen oder vor Clubs und Bars ist das anders. Und auch dass der Normalbürger sich zu Hause testet, ist noch nicht absehbar.

    Drosten: Die Corona-Schnelltests müssten zuvor als Heimtests zugelassen werden. Und ich höre von Experten, dass eine solche Validierung noch dauern wird. Probleme gibt es vor allem beim Handling: Wenn die Qualität der Tests stimmt, muss man ja sicherstellen, dass Menschen sie korrekt anwenden, dass sie etwa den Rachenabstrich richtig machen. Das ist so schnell nicht umsetzbar, daher werden wir einen pragmatischen Umgang finden müssen.

    ZEIT ONLINE: Ein Problem dürfte auch die Kapazität sein. Wie viele Antigentests werden in Deutschland pro Monat zur Verfügung stehen?

    CHRISTIAN DROSTEN
    Drosten: Von dem, was ich höre, bewegt sich das im Millionenbereich, nicht nur drei, aber wohl auch keine 20. Die Frage ist nur, was passiert, wenn andere Länder denselben Bedarf haben? Sind dann ausreichend Tests lieferbar? Solche Probleme gab es ja auch bei der PCR. Sicher ist jedenfalls: Wir werden uns nicht aus der Pandemie raustesten können. Das sind Gedankenexperimente, die akademisch reizvoll sind, aber nicht umsetzbar. Viel wichtiger scheint mir, die Bevölkerung mitzunehmen. Dazu gehört auch, noch einmal zu erklären, dass doch die meisten Infizierten Symptome bekommen und wie die sich anfühlen können. Selbst in Deutschland gibt es noch so viel Unkenntnis darüber, obwohl wir schon extrem viel geschafft haben bei der Informationsvermittlung.

    ZEIT ONLINE: Wen sehen Sie da in der Pflicht?

    Drosten: Vor allem die Politik. Dass die Bundeskanzlerin vor der Kamera schrittweise eine Verdoppelung der Fallzahlen vorrechnet, finde ich gut. Ich würde mir von Politikern auch wünschen, dass sie sagen: Wahrscheinlich haben 80 Prozent aller Erwachsenen eben doch Symptome, wenn man die laufende Nase und das leichte Halskratzen mitzählt. Achten Sie darauf. Und wenn Sie so etwas haben, bleiben Sie zu Hause. Ein Wort von sehr hoher Stelle hat da einfach eine große Reichweite, und die Botschaften sind simpel. Es ist aber wichtig, dass sie gesendet werden.

    ZEIT ONLINE: Müssten nicht auch Hausärztinnen und -ärzte die Menschen hier besser aufklären?

    Drosten: Ja, das müssten sie unbedingt. Allerdings wundere ich mich manchmal schon, dass von dieser Seite bei der Aufklärung der Patientenschaft nicht nur Unterstützung kommt, sondern dass einzelne Niedergelassene offenbar Schutzmaßnahmen wie etwa Masken nicht für nötig halten oder in manchen Fällen sogar gezielt untergraben. Gerade Haus- und Kinderärzte haben eine enge Beziehung zu ihren Patienten und sollten daher die Botschaft streuen: Das ziehen wir jetzt alle gemeinsam durch. Zum Wohle vor allem der vulnerablen Patienten informieren wir jetzt die Menschen und erklären ihnen noch einmal die Dinge.

    ZEIT ONLINE: Damit meinen Sie etwa ältere Menschen, die noch dazu ihren Hausärzten besonders vertrauen?

    Drosten: Ja, die Daten bestätigen, dass die Sterblichkeit an Covid-19 mit dem Alter enorm zunimmt (MedRxiv: Levin et al., 2020). Es ist ein Virus, das in den letzten zehn Berufsjahren wirklich gefährlich wird – gar kein Vergleich mit der Influenza. Und das dann in den ersten zehn Rentenjahren absolut zu vermeiden ist. Diese Menschen dürfen sich nicht infizieren. Das muss diese Altersgruppe verinnerlichen und das ist noch nicht in ausreichendem Maße passiert, denke ich.

    ZEIT ONLINE: Welche Diskussion um das Virus selbst scheint Ihnen im Moment besonders wichtig?

    Drosten: Die Idee, dass es sich demnächst abschwächt, unterstütze ich nicht. Es gab eine Mutation, die dem Virus offenbar einen großen Fitnessvorteil gebracht hat. Diese D614G-Mutation aber ist schon in der frühesten Zeit der europäischen Epidemie entstanden und ist jetzt weltweit verbreitet. Die krank machende Wirkung des Virus hat sich nach Datenlage nicht verändert, nur die Verbreitungsfähigkeit, und das minimal. Und so wird es wohl auch in nächster Zukunft bleiben. Wenn sich ein Virus zufällig abschwächt, also irgendein Gen verliert, dann gibt es in der Nachbarschaft immer gleich ein konkurrierendes Virus, das über kurze Zeit in der Gesellschaft Überhand nehmen wird. Eine abgeschwächte Variante des Erregers wird sich also nicht so bald durchsetzen.

    ZEIT ONLINE: Andere pandemische Coronaviren haben sich wohl im Laufe der Zeit abgeschwächt, inzwischen verursachen sie meist nur noch leichte Erkältungen. Wird das auch mit Sars-CoV-2 geschehen?

    Drosten: Gut möglich, aber wenn, dann erst lange nach der Pandemie, wenn in vielen Ländern der Erde Populationsnischen entstanden sind, das Virus sich also nur noch lokal verbreitet. In diesen Nischen kann sich ein abgeschwächtes Virus bilden, das sich gut verbreiten kann, aber nicht mehr so krank machend ist. Das ist bei den anderen Coronaviren auch passiert, aber es dauerte Jahrzehnte. Die Stabilität von Sars-CoV-2 hat aber auch eine gute Seite: Wir müssen nicht befürchten, dass sich das Virus demnächst so stark verändert, dass ein Impfstoff seine Wirkung verliert.

    ZEIT ONLINE: Sie sprechen den Impfstoff an. Gehen Sie nach wie vor davon aus, dass im Laufe des nächsten Jahres einer oder mehrere davon auf den Markt kommen werden?

    Drosten: Ja, aber zwischen „zugelassen“ und „auf den Markt kommen“ muss man unterscheiden. Zugelassen werden die ersten Impfstoffe vielleicht sogar schon Ende des Jahres. Die Frage ist nur: Wie viel kann man verimpfen? Erst einmal wird das nicht so viel sein. Deshalb wird man wahrscheinlich diejenigen mit hohem Risiko für einen schweren Verlauf, aber auch Gesundheitspersonal, zuerst impfen.

    ZEIT ONLINE: Viele Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass die Impfstoffe der ersten Generation wahrscheinlich nicht davor schützen werden, dass man sich ansteckt. Stimmen Sie zu?

    „Ich werde auf der Straße ständig erkannt“

    Drosten: Die Wahrscheinlichkeit besteht, dass sie eher vor einem schweren Verlauf schützen als vor der Infektion an sich. Daten aus Versuchen mit Primaten deuten aber auch darauf hin, dass eine Impfung die Viruslast im Rachen verringert (zum Beispiel: New England Journal of Medicine: Corbett et al., 2020). Daher glaube ich nicht daran, dass sich das Virus unter der Decke des Impfschutzes ungehindert weiterverbreiten wird. Ich erwarte, dass auch die nicht so guten Impfstoffe der ersten Generation ihren Teil zur Kontrolle der Pandemie beitragen werden. Wenn man denn genug davon hat.

    ZEIT ONLINE: Anfangs wird das nicht der Fall sein. Wie muss man sich diese Übergangszeit vorstellen?

    Drosten: Es wird im nächsten Jahr ein Nebeneinander geben: Wir werden verschiedene Impfstoffe haben, die vielleicht sogar unterschiedlich wirksam sind und mit denen sich Teile der Bevölkerung impfen lassen können. Gleichzeitig werden aber Kontaktbeschränkungen und AHA-Regeln weiter wichtig bleiben.

    ZEIT ONLINE: Haben Sie das Gefühl, diese Informationen wurden schon ausreichend vermittelt?

    CHRISTIAN DROSTEN
    Drosten: Nein, diese Vermittlung hat nach meinem Gefühl noch nicht eingesetzt. Dazu gehört auch, zu sagen, dass die Impfstoffe möglicherweise nicht perfekt sind. Es kann sein, dass sich zeigt, dass sie nicht genügend schützen oder dass es Nebenwirkungen gibt, die einer Empfehlung für Jüngere im Wege stehen, die nicht so schwer erkranken. Die Bürger auf eine Impfung vorzubereiten, die möglicherweise nicht perfekt ist: Ich finde, das muss man jetzt angehen. Dafür ist nun der richtige Zeitpunkt gekommen. Vorher wäre das aber auch verfrüht gewesen, denn die Phase-III-Studien gehen ja gerade erst los.

    ZEIT ONLINE: Stützt sich unsere Strategie zu sehr auf einen Impfstoff?

    Drosten: Sie stützt sich darauf, aber mehr auch nicht. Sie hängt nicht davon ab. Auch wenn wir sehen würden, dass aus einem völlig unerfindlichen Grund die Entwicklung eines Impfstoffs nicht gelingt, würde man auf Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen setzen. Das Virus würde andernfalls wieder harte Gegenmaßnahmen erzwingen, einfach weil es nicht tragbar ist, in einer Gesellschaft mit unserem Altersprofil diese Krankheit durchlaufen zu lassen. Die vergangenen und derzeitigen Maßnahmen stehen daher nicht infrage.

    ZEIT ONLINE: Sie haben während der Pandemie viel mit Politikerinnen und Politikern zu tun gehabt. Wie hat sich dadurch Ihr Blick auf die Dinge verändert?

    Drosten: Ich habe einen Einblick gewonnen, wie lange es manchmal dauern kann, bis etwas entschieden ist, und welche regulativen Hürden es dann noch gibt. Es mag einen überraschen, dass die Dinge selbst in einer Pandemiesituation so lange dauern. Schneller geht es allerdings bei notwendiger Beachtung aller demokratischen Spielregeln nicht.

    ZEIT ONLINE: Was hat sich für Sie persönlich am meisten verändert?

    Drosten: Ich werde auf der Straße ständig erkannt und hoffe, dass das dann irgendwann wieder vorbei ist. Ich habe aber weiterhin das Gefühl, dass es eine richtige Entscheidung war, so an die Öffentlichkeit zu gehen, weil man doch viel erreicht, indem man aufklärt. Aber ich bin niemand, der das danach weiterführen will. Ich will das nicht als Sprungbrett nutzen, um demnächst so richtig im Fernsehen durchzustarten. Im Gegenteil: Ich wünsche mir, dass diese Pandemie so schnell wie möglich vorbei ist und ich mich dann wieder auf die normale Arbeit konzentrieren kann. Und ich wünsche mir, dass die Leute mich dann auch wieder vergessen. Dass in ein paar Jahren in der Zeitung steht: „Was macht eigentlich Christian Drosten?“

    ZEIT ONLINE: Sie haben auch von Drohungen gegen Ihre Person berichtet. Wie gehen Sie damit um?

    Drosten: Das ist ganz unterschiedlich. Bei manchen Mails denkt man sich: Der ist verrückt. Es gibt welche, da tut mir der Autor leid, auch wenn er mich mit Aggressionen überschüttet. Und es gibt die wenigen wirklich perfiden, psychisch manipulativen Zuschriften. Das ist zum Glück ganz selten.

    ZEIT ONLINE: Auf der anderen Seite steht ein Großteil der Deutschen hinter den momentanen Maßnahmen, an denen Sie Ihren Anteil haben. Und Sie haben das Bundesverdienstkreuz bekommen. Was bedeutet Ihnen das?

    Drosten: Das Wichtigste für mich ist wirklich, dass die meisten Menschen den Maßnahmen zustimmen – auch wenn es immer noch mehr sein könnten. Aber natürlich: dass der Bundespräsident mir und anderen wie dem Pianisten Igor Levit und der Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim das Bundesverdienstkreuz verleiht, ist noch einmal ein deutliches Zeichen. Dafür, dass es richtig gefunden wird, was wir machen. Das beruhigt mich in den Momenten, in denen ich angegriffen werde. Es macht mir immer wieder klar: Es ist schon richtig, was ich tue.

    ZEIT ONLINE: Trotzdem gibt es auch Menschen, die Sie als Mahner wahrnehmen. Verbreiten Sie genug Hoffnung?

    Drosten: Ja, sicher! Ich bin gar kein mahnender Wissenschaftler, das ist nur eine Zuschreibung. Das ist nur das, was in manchen Verkürzungen übrig gelassen wird, aber es ist nicht die Realität. Wir haben in Deutschland eine realistische Chance, besser durch Herbst und Winter zu kommen als viele andere Länder. Aber was Frau Merkel in der letzten Zeit gemacht hat, ist absolut richtig: immer wieder darauf hinzuweisen, dass jetzt die Chance ist, die Situation zu kontrollieren, das Virus kleinzuhalten. Man darf es nicht laufen lassen, um erst später, vielleicht zu spät einzuschreiten.

    Radio Paris ment, Radio Paris n’est pas allemand...

    #covid-19 #vaccin

  • Bedingungsloses Grundeinkommen: 1.200 Euro im Monat, drei Jahre lan...
    https://diasp.eu/p/11509534

    Bedingungsloses Grundeinkommen: 1.200 Euro im Monat, drei Jahre lang | ZEIT ONLINE

    Der Verein Mein Grundeinkommen will mit der wissenschaftlichen Unterstützung des DIW Berlin und meines Kollegen Jürgen Schupp in einem breit angelegten Experiment erforschen, ob und wie ein bedingungsloses Grundeinkommen funktionieren kann. Bei der bald beginnenden Langzeitstudie erhalten 120 Personen monatlich drei Jahre lang 1.200 Euro.

    https://www.zeit.de/wirtschaft/2020-08/bedingungsloses-grundeinkommen-grundsicherung-corona-krise

    #bge #grundeinkommen #pilotprojekt

  • Une critique lucide de l’économie de marché, datant de 1950 : Karl William Kapp, Social Costs of Private Enterprise.
    L’économiste d’origine allemande dénonce avant l’heure la dérive libérale de l’économie de marché qui privatise les profits et mutualise les coûts et ne peut se maintenir qu’au prix de coûts sociaux et environnementaux (encore) invisibles.

    J’y pense à cause de la crise sanitaire actuelle provoquée par la gestion des risques au niveau national selon les principes de l’idéologie néo-libérale.

    Ici, une recension de 1987 de Wolfgang Krüger, de l’ouvrage paru en 1976 en allemand (Soziale Kosten der Marktwirtschaft) :

    Le marché et ses péchés. Prémonitions d’un économiste politique oublié : la destruction de l’environnement remet en cause les fondements théoriques de notre système économique

    [...]
    Im Mittelpunkt des Buches steht die Marktwirtschaft. Kapp hält ihren theoretischen Ansatz für verfehlt und ihre praktischen Auswirkungen, die von ihr verursachten „Sozialkosten“, für katastrophal.

    Auch wer dieser gnadenlosen Abkanzelung der Marktwirtschaft in ihrer Härte zu folgen nicht bereit ist, wird dieses Buch zumindest nicht ohne erneutes Nachdenken über Segen und Unsegen der Marktwirtschaft aus der Hand legen. Kapps kritische Auseinandersetzung mit den Problemen einer vornehmlich durch den Markt gesteuerten Wirtschaft ist auch noch heute, wo der Modeschrei nach mehr Markt als Ausweg aus allen möglichen ökonomischen Kalamitäten die Bedenken gemäßigter Wirtschaftswissenschaftler so laut übertönt, von höchster Aktualität.

    Nicht minder aktuell ist allerdings auch die bei der Lektüre dieses Bandes wieder sichtbar werdende Schwierigkeit, dem Markt eine praktikable Alternative entgegenzustellen. Bei Kapp jedenfalls ist eine solche Alternative allenfalls in nebulösen Konturen erkennbar. Und auch die heutige Opposition in der Ökonomie hat es ja bisher nicht geschafft, einen überzeugenden Neuansatz zu entwickeln.

    Die Grenzen der Marktwirtschaft sieht Kapp darin, daß nach diesem Konzept die Ökonomie als ein in sich geschlossener Bereich behandelt wird, der nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage zum Gleichgewicht findet. Denn „ökonomische Prozesse“, so Kapp, „finden nicht in geschlossenen, sondern in grundsätzlich offenen Systemen statt“. Sie sind „Teil eines sehr viel umfassenderen politischen und institutionellen Systems, aus dem sie wichtige Impulse beziehen und das sie auf vielfältige Weise beeinflussen“.

    Die klassischen Ökonomen, Adam Smith und seine Nachfolger, schreibt Kapp, „konnten noch mit einiger Berechtigung behaupten, daß ökonomische Prozesse als eine mehr oder weniger autonome Veranstaltung verstanden werden können, waren doch zu ihrer Zeit Luft, Wasser, Boden und andere Ressourcen gewissermaßen freie Güter. Dies erlaubte ihnen, fälschlicherweise davon überzeugt zu sein, daß individuelles rationales Handeln bei freier Konkurrenz nur positive gesellschaftliche Auswirkungen hat. Dieser Glaube hat sich als eine Illusion erwiesen ... Wir benötigen einen neuen Ansatz, der es uns ermöglicht, die dynamischen Wechselbeziehungen zwischen der Wirtschaft und dem globalen Netz der sie umgebenden sozialen und natürlichen Systeme zu erfassen“.

    Diese von Kapp in immer wieder anderen Formulierungen entwickelte These von der unauflöslichen „Interdependenz ökonomischer, sozialer und natürlicher Systeme“ ist das Fundament, auf dem er seine Kritik der Marktwirtschaft aufbaut. Da die Marktwirtschaft – nach dem Gesetz, nach dem sie angetreten ist – diese Interdependenz weitmöglichst ignoriere, hätten sich seit ihrer Praktizierung zwischen diesen Bereichen „gravierende Unvereinbarkeiten entwickelt, die nicht nur den ökonomischen Prozeß selbst, sondern auch seine gesellschaftliche Reproduktion und das menschliche Wohlbefinden und Überleben bedrohen“.

    Kapps Abqualifizierung der Marktwirtschaft läßt sich so zusammenfassen: Die privatwirtschaftlich sanktionierte Maximierung des Einkommens im freien Spiel der Kräfte begünstigt diejenigen, die ohne Rücksicht auf die Folgen nur den eigenen ökonomischen Erfolg erstreben und geht zu Lasten anderer Marktteilnehmer, insbesondere der Masseneinkommen. Sie schädigt die Gesellschaft und ist – das ist Kapps Hauptvorwurf an die Adresse der Marktwirtschaft – die gewichtigste Ursache für die Zerstörung der Umwelt.

    [...]

    https://www.zeit.de/1987/48/der-markt-und-seine-suenden

    #économie_de_marché #libéralisme_économique #coûts_sociaux #externalités #économie_éco-sociale #alternatives_écomiques #écologie #Karl_William_Kapp

  • So funktioniert der Mietendeckel

    https://www.zeit.de/politik/deutschland/2019-10/wohnungspolitik-mietendeckel-mietabsenkung-berlin-immobilienmarkt-faq#ab-wann-g

    A partir d’aujourd’hui Berlin introduit les loyers plafonnés . Voici la liste du loyer maximal en fonction de la date de construction de l’immeuble et du niveau de comfort de l’appartemdnt. Les chiffres ne comprennent pas les charges et les frais de chauffage. Il faut rajouter entre 3 et 6 Euros pour calculer la somme des frais de location.

    In Berlin tritt der Mietendeckel in Kraft, Mieten werden rückwirkend für fünf Jahre eingefroren. Was heißt das für die Mieter?
    ...
    Mietentabelle

    Die Mietentabelle legt fest, wie hoch die Nettokaltmiete in Abhängigkeit von Alter und Ausstattung einer Wohnung sein darf.
    Erstmalige Bezugsfertigkeit der Wohnung und Ausstattung Mietpreis pro Quadratmeter in Euro
    bis 1918 mit Sammelheizung und mit Bad 6,45
    bis 1918 mit Sammelheizung oder mit Bad 5,00
    bis 1918 ohne Sammelheizung und ohne Bad 3,92
    1919 bis 1949 mit Sammelheizung und mit Bad 6,27
    1919 bis 1949 mit Sammelheizung oder mit Bad 5,22
    919 bis 1949 ohne Sammelheizung und ohne Bad 4,59
    1950 bis 1964 mit Sammelheizung und mit Bad 6,08
    1950 bis 1964 mit Sammelheizung oder mit Bad 5,62
    1965 bis 1972 mit Sammelheizung und mit Bad 5,62
    1973 bis 1990 mit Sammelheizung und mit Bad 6,04
    1991 bis 2002 mit Sammelheizung und mit Bad 8,13
    2003 bis 2013 mit Sammelheizung und mit Bad 9,80
    Die Obergrenze kann sich bei einer Modernisierung maximal um 1 Euro/m² erhöhen.
    Quelle: Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen

    #Berlin #logement #loyers #politique

  • Im Flüchtlingslager auf #Lesbos grassiert eine sonderbare Krankheit. Augenscheinlich gesunde Kinder verfallen plötzlich in totale Apathie. Hilfe ist nicht in Sicht.
    https://www.zeit.de/2020/09/lesbos-fluechtlingslager-kinder-krankheit-apathie-griechenland

    Augenscheinlich gesunde Kinder verfallen in Apathie. Mediziner erkennen ein bestimmtes Krankheitsbild, wenn Kinder in mindestens drei der folgenden Bereiche passiv werden: Sprechen, Essen, Mobilität, Sozialleben, Körperpflege und -hygiene, Ansprache auf Fürsorge- und Ermutigungsmaßnahmen. Es beginnt in der Regel schrittweise, im schlimmsten Fall steigert sich der apathisch-depressive Zustand bis in eine Art Katatonie, einen Starrezustand.

    Naheliegend wäre es, vom sogenannten #Resignation_Syndrome zu sprechen. Die Bezeichnung tauchte zuerst in den Neunzigerjahren in Schweden auf und machte mit steigenden Zahlen Schlagzeilen. Auch damals wiesen Flüchtlingskinder die Symptome auf. „Die Resignierten“, „Sweden’s mystery illness“, „Only in Sweden: Hundreds of refugee children gave up on life“, hieß es in den Medien.

    Bis heute gibt es keine eindeutige Bezeichnung für die Erkrankung. Verschiedene Begriffe kursieren: Resignation Syndrome (RS), #Pervasive_Refusal_Syndrome (PRS), #depressive_Devitalisierung (DD), #Traumatic_Withdrawal_Syndrome (TWS), #Giving-up-Syndrome oder einfach apathische Flüchtlingskinder. Und obwohl die Beeinträchtigung der Kinder offensichtlich ist, gibt es nicht mal den Konsens, dass es sich um eine Krankheit handelt. Das könnte auch daran liegen, dass das Resignation Syndrome nicht nur ein medizinisches Phänomen ist, sondern ein Politikum: Bis heute treten die Symptome fast ausschließlich in einer spezifischen Bevölkerungsgruppe auf, nämlich in Familien, die aus ihren Heimatländern vor Gewalt geflohen sind und nun in der Schwebe leben, in Angst vor der Rückkehr.

    #réfugiés #enfants #maladie #dépression #Grèce

  • #Dissent in #German #Higher_Education

    –-> ce fil rassemble les données dispo sur la situation en Allemagne

    –-> pour plus d’Info / en lien avec :

    **Dissent in European higher education**

    Partout en Europe, les étudiant-es et le personnel se soulèvent contre les faibles rémunérations, les lourdes charges de travail entraînant surmenage et burn out, une précarisation des emplois, l’évaluation néomanageriale ou encore le financement de la recherche par projets.

    https://academia.hypotheses.org/lheure-est-greve/dissent-in-european-higher-education

    • Burnout im Studium
      Tipps und Hilfen, Zahlen und Fakten

      Jeder fünfte Student hat psychische Probleme, wenn es dir ähnlich geht, bist du nicht allein. Doch wann kann man von psychischen Problemen sprechen. Musst du gleich zum Psychiater? Welche Konsequenzen hat das? Hier findest du Tipps:

      –-> site du Bayrischer Rundfunk autour de souffrance psychologique des étudiant.es dans le système universitaire allemand

      https://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/campus/burnout-an-der-uni-mittel-gegen-uni-stress-100.html

      #burn_out #dépression #stress #soutien #psychologie #vidéo

      Burnout im Studium (video, 30min)
      https://www.br.de/mediathek/video/campus-magazin-14052015-burnout-im-studium-av:5a3c3bf1dd95b200180bba6d

      Depression und Burnout nehmen zu (article)
      https://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/campus/burnout-depression-100.html

      Psychische Krankheiten bei Studierenden auf dem Vormarsch (audio)
      https://www.br.de/radio/b5-aktuell/sendungen/campusmagazin/psychische-krankheiten-studenten-100.html

    • Leistungsorientiert in den professoralen Burn-out? Vom Brennen und Ausbrennen deutscher Professoren

      von: Benedict Jackenkroll und Christian Julmi
      in: schwerpunkt Change: Chancen und Grenzen des Einzelnen // wissenschaftsmanagement 6 (2016)

      Obwohl Professoren als in hohem Maße intrinsisch motivierte Berufsgruppe gelten, sollen sie über extrinsische Anreize leistungsorientiert gesteuert werden. Von einer Befragung ausgehend erörtern die Autoren in diesem Beitrag, wie sehr deutsche Professoren schon heute von Burn-out betroffen sind und inwiefern extrinsische Anreize die bereits bestehende Burn-out-Problematik dramatisch verschärfen könnten.

      Mit der an den Leitlinien des New Public Managements orientierten Etablierung leistungsorientierter Steuerungsprinzipien an deutschen Universitäten versprach man sich eine Verbesserung der Leistungserstellung in akademischer Forschung und Lehre. Zu den damit verbundenen Steuerungsinstrumenten gehören die leistungsorientierte Mittelvergabe, die W-Besoldung sowie Leistungsvereinbarungen zwischen den Hochschulleitungen und den Professoren beziehungsweise der Fakultät. Leistungsorientierte Steuerungsprinzipien üben qua Definition Leistungsdruck aus, da sie nur greifen, wenn Professoren ihre Leistung danach ausrichten, entsprechend nachweisen und gegebenenfalls rechtfertigen können. Eine solche Steuerungslogik widerspricht jedoch dem Selbstverständnis vieler deutscher Professoren, „in Einsamkeit und Freiheit“ (Schmid/Wilkesmann 2015, 57) ihrer Arbeit in Forschung und Lehre nachzugehen, das nach wie vor auch verfassungsrechtlich gesichert ist.

      [...]

      https://www.researchgate.net/publication/317559643_Leistungsorientiert_in_den_professoralen_Burn-out_Vom_Brenne

    • Psychische Belastung: Prof. Dr. Depressiv

      Lehrende an deutschen Hochschulen sind so produktiv wie nie – gleichzeitig häufen sich psychische Probleme

      Von Martin Spiewak

      Vor Kurzem erhielt Isabella Heuser einen dieser Anrufe: Eine Professorin aus ihrer Fakultät fragte, ob man sich vielleicht einmal treffen könne – aber keinesfalls im Büro, sondern außerhalb. Heuser, Direktorin am Institut für Psychiatrie der Berliner Charité , ahnte, worum es ging: Wieder einmal hatte der Arbeitsalltag in der Universität jemanden in eine scheinbar ausweglose Lage gebracht.

      Seit geraumer Zeit erhält sie öfter solche vertraulichen Anfragen. Meist sind es Frauen, die ihren Rat suchen. Die Nöte jedoch, die sich in den Gesprächen offenbaren, sind bei Professoren wie Professorinnen die gleichen. Heuser kennt sie als Expertin für Depressionen aus ihrer Forschungspraxis. Die Kollegen klagen, selbst in den Semesterferien nicht mehr zur Ruhe zu kommen. Sie berichten von chronischen Kopf- oder Rückenschmerzen, von Freudlosigkeit und latenter Aggressivität. Die meisten Betroffenen funktionieren zwar noch im Seminar oder Labor. „Die haben auf Autopilot gestellt“, sagt die Psychiaterin. Doch hinter der Fassade akademischer Geschäftigkeit wächst die Angst vor dem Absturz.

      Seit Jahren stehen die Hochschulen unter Druck: Die Exzellenzinitiative hat die Idee von der Gleichheit aller Universitäten zerschlagen. Die alte Studienstruktur ist abgewickelt und durch eine neue ersetzt ( Bologna-Reform ). Die traditionellen akademischen Gefüge wurden auf Effizienz getrimmt. Jetzt gibt der Wettbewerb auf allen Ebenen den Takt vor – um Fördermittel, Image oder Personal.

      Die Eingriffe haben in relativ kurzer Zeit eine Produktivitätsexplosion ausgelöst. Niemals zuvor haben deutsche Professoren so viel ausgebildet und geforscht wie heute. Die Kurve aller ihrer Kennzahlen – Publikationen, Patente, Drittmittel – weist nach oben. Nun fordert die Reform Tribut bei ihren Hauptträgern . „Wir alle betreiben extremen Raubbau an unseren Körpern und Seelen“, sagt der Jenaer Soziologe Hartmut Rosa . Es sei Konsens unter Kollegen, dass es in dem Tempo nicht mehr lange weitergehe, „ohne dass die Ersten zusammenklappen“.

      Der Hamburger Uni-Präsident Dieter Lenzen warnt gar vor einem „organisatorischen Burn-out“ der Institution Universität. Und die Deutsche Universitätszeitung (DUZ) erklärt das seelische Ausbrennen von Forschern mittlerweile für so „normal wie eine Erkältung im Winter“. Schon heute finden sich in den einschlägigen Kliniken neben Managern oder Lehrern auch immer häufiger Professoren unter den Patienten, die unter der Erschöpfungsdepression leiden. „Das ist relativ neu“, sagt Gernot Langs, Chefarzt der Schön Klinik im schleswig-holsteinischen Bad Bramstedt. „Früher hatten wir diese Klientel nicht.“

      Eine Reihe weiß getünchter Häuser in einer Sackgasse, rundherum Wald. Vom Balkon aus blickt man auf einen stillen See. Knapp drei Monate verbrachte die Juraprofessorin Charlotte Petri* in der brandenburgischen Natur, um „zurück ins Leben“ zu finden. So lautet das Motto der Oberberg-Klinik , einer Spezialeinrichtung für ausgebranntes Personal der Dienstleistungsgesellschaft. Einzel- und Gruppengespräche gehören ebenso zum Therapieprogramm wie gutes Essen und lange Spaziergänge. Allein während ihres Aufenthaltes traf Petri drei weitere Hochschullehrer, denen Ärzte eine lange Zwangspause von der Wissenschaft verordnet hatten.

      Für die groß gewachsene, zupackende Frau mit dunklen Haaren begann der Absturz, als sie ihr Ziel erreicht hatte: eine unbefristete Stelle an einer Berliner Universität. Jahrelang hatte die Juristin darauf hingearbeitet. Studium in Köln und den USA, Tätigkeit als Fachanwältin, Doktorarbeit mit Stipendium, Lehraufträge. Von einer Sprosse zur nächsten hatte sie sich nach oben gekämpft. „Ich mache mir einen Plan und arbeite die Stationen einzeln ab – so läuft das Leben, dachte ich.“

      Die Führungskräfte der Hochschulen bedürfen der Personalentwicklung

      Mit viel Energie warf sich die Juraprofessorin in die Arbeit an ihrer neuen Hochschule. Penibel bereitete sie ihre Seminare vor, ließ sich in verschiedene Gremien wählen, scheute keine Konflikte. Dass sie die ersten Jahre über Hunderte Kilometer pendeln musste, weil zu Hause ihr kleiner Sohn wartete, war nicht zu vermeiden. Jammern bringt nichts, lautete einer ihrer Leitsprüche. Einmal traf sie im Fahrstuhl einen Kollegen, der auf die beiläufige Frage, wie es ihm gehe, in Tränen ausbrach. „Was hat der denn für Probleme?“, fragte sie sich damals. „Der hat doch einen tollen Job.“ Drei Jahre später war sie selbst so weit.

      Überlastung durch die Lehre ist die wichtigste Ursache für die psychische Erschöpfung

      Zuerst musste sie feststellen, dass sie auf ihren neuen Job kaum vorbereitet war. Sie konnte zwar forschen und wissenschaftliche Texte verfassen oder sich mit Mandanten und Richtern auseinandersetzen. Aber wie bringt man oft nur mäßig motivierten Studenten die Grundlagen des Arbeitsrechtes bei? Hochschulen gerieren sich heute vielerorts als Unternehmen. Dass ihre Führungskräfte Personalentwicklung benötigen, hat sich jedoch noch nicht herumgesprochen.

      So sind Professoren bis heute auf vielen Feldern Autodidakten. Sie haben oft weder gelernt zu unterrichten, noch Leistungen zu bewerten. Sie sollen Fördermittel heranschaffen, Mitarbeiter führen, Kontakte zur Praxis aufbauen. Das Handwerkszeug dazu müssen sie entweder mitbringen oder sich selbst aneignen.

      Doch dafür blieb Petri keine Zeit. Denn ihr Arbeitsbeginn fiel zusammen mit der Umstellung ihrer Hochschule auf die Bachelorstruktur, die ständige Leistungskontrollen vorsah. Zudem wuchs von Semester zu Semester die Zahl der Studenten, statt anfangs dreißig saßen nun sechzig in ihrem Seminar. Die Menge der Klausuren vervierfachte sich. Daneben stapelten sich Dutzende Abschlussarbeiten auf ihrem Schreibtisch. Die Überlastung durch die Lehre ist die wichtigste Ursache für die psychische Erschöpfung von Professoren. Das ergab eine Metaanalyse angloamerikanischer Studien zum Thema Burnout in university teaching staff, die Anfang dieses Jahres im Fachjournal Educational Research erschien.

      Petri hatte das Gefühl, ihr Bestes zu geben, ohne dass Gutes dabei herauskam. Ähnlich erging es ihr in den endlosen Sitzungen der akademischen Selbstverwaltung. Mitunter traf man sich über viele Monate immer wieder, hörte sich Bewerber für unbesetzte Stellen an, las umfangreiche Lebensläufe und Publikationen – um schließlich zu erfahren, dass die Stelle gestrichen worden war.

      Das eigene Seelenheil scheint Wissenschaftler nicht zu interessieren

      Als zum Frust über vergebliche Mühen noch ein schwelender Konflikt mit der Hochschulspitze kam, begann Petri langsam abzurutschen in die Depression. Sie wachte oft mitten in der Nacht auf und wälzte Probleme, die sich am nächsten Morgen als inexistent erwiesen. Ihr Ärger über die Hochschule schlug in Selbstzweifel um. Beim Betreten des Instituts fing sie an zu schwitzen. Auf dem Heimweg fragte sie sich, ob sie genug Alkohol zu Hause habe, um abschalten zu können.

      In der Universität sprach sie mit niemandem über ihre wachsende Verzweiflung. Denn Scheitern gilt im Hochleistungsapparat Hochschule als Tabu. Erschöpfte Sportler und Politiker machen Schlagzeilen, viele Studien belegen die berufsbedingte Überforderung von Lehrern, Ärzten und Pfarrern. Sogar die emotionale Not von Psychotherapeuten ist empirisch ergründet. Nur das eigene Seelenheil scheint Wissenschaftler nicht zu interessieren: Bis heute existiert nicht eine einzige Untersuchung zur Gesundheit der deutschen Professoren.

      Jede Universität bietet Studenten Beratung für psychische Krisen ; ihre Sprechstunden sind voller denn je. Für Hochschullehrer dagegen erweist sich die Alma Mater als Rabenmutter, die sich nicht um das Wohl ihrer Schützlinge kümmert. Zu klagen gehöre eben nicht zur „akademischen Etikette“, sagt Charité-Psychiaterin Heuser.

      Auch Charlotte Petri war es peinlich, zuzugeben, am Ende ihrer Kräfte zu sein. Denn gibt es einen besseren Job als den eines fest angestellten Hochschullehrers? Das Gehalt ist gut, das Ansehen hoch. Man arbeitet weitgehend selbstbestimmt, hat das persönliche Erkenntnisinteresse quasi zum Beruf gemacht. Ein deutscher Beamtenposten ist fast so sicher wie der des Papstes. Den meisten Professoren ist ihre privilegierte Stellung bewusst. Sie münzen sie um in einen hohen Leistungsanspruch – der anfällig macht für Überforderung.

      Ein Jahr noch kämpfte sich Petri mit inneren Durchhalteparolen weiter. Ein Forschungssemester im Ausland brachte etwas Erholung. Als sie zurückkam, ging es dann schnell. Die Angst vor der Arbeit fraß sich in alle Lebensbereiche. Sie brach alle privaten Kontakte ab. Aus Angst zu ersticken, konnte sie keine U-Bahn mehr besteigen. In ihrem letzten Seminar wurde ihr immer wieder schwarz vor Augen; in der Pause musste sie sich in ihrem Büro auf den Boden legen. Ihre Studenten sagten später, es sei eine gute Veranstaltung gewesen. Sie hatten nichts bemerkt.
      Langsam wächst das Bewusstsein für das Thema

      Den Professoren in Petris Fakultät fiel erst recht nicht auf, dass ihre Kollegin kurz vor dem Zusammenbruch stand. Dass sie sich schon ausrechnete, was von der Beamtenpension bliebe, wenn sie sich dauerhaft arbeitsunfähig schreiben ließe. Laut dem Humboldtschen Ideal arbeitet der deutsche Professor in Einsamkeit und Freiheit. Man kann das auch als Drohung verstehen. Professoren sind Einzelkämpfer und Fakultäten kein guter Ort, um Freundschaften zu schließen. Für Privates fehlt oft die Zeit. Erst seit Kurzem bemühen sich deutsche Hochschulen darum, für Professoren wie in den USA eine Art Faculty Club einzurichten.

      „Hühnerställe“ nennt Petri die Dozentenbüros, acht Quadratmeter, vollgestellt mit Ordnern und Büchern. „Da rennt man zwischen den Vorlesungen und Sitzungen kurz rein und sieht zu, bald wieder nach Hause zu kommen“, sagt sie. So fällt es kaum auf, wenn jemand über Monate an seinem Arbeitsplatz nicht auftaucht.

      Mehr als ein Jahr blieb sie der Uni fern, ging in die Klinik, machte eine Therapie. Heute forscht und unterrichtet sie wieder, wenn auch mit reduziertem Stundendeputat. Doch während ihrer Auszeit kam kein Anruf aus der Hochschule, keine Karte erreichte sie zu Hause und fragte nach ihrem Ergehen – obwohl der eine oder andere Kollege am Ende erfahren hatte, dass sie krank war.

      Charlotte Petri weiß inzwischen, dass jedes Burn-out viele Ursachen hat, auch persönliche. Zeitgleich zu ihrer Lebenskrise erkrankte ihre Mutter an Alzheimer und starb. Sie selbst ging auf die fünfzig zu, für viele ein Alter, um eine erste Bilanz zu ziehen. Dennoch ist sie überzeugt, dass es hauptsächlich die Hochschule war, die sie krank gemacht hatte.

      Sie steht mit dieser Meinung nicht allein. „Die Universitäten fördern selbstschädigendes und arbeitssüchtiges Verhalten“, sagt Monika Klinkhammer . Seit einigen Jahren bereitet die Gestalttherapeutin junge Hochschullehrer in Seminaren und Coachings auf ihre neue Rolle vor. Als Führungskräfte sollen sie lernen, Konflikte mit Mitarbeitern auszutragen, Prioritäten zu setzen und sich selbst besser zu organisieren. Klinkhammer versteht ihre Arbeit durchaus als Burn-out-Prävention, in der Regel ohne dass das Wort in den Coachingsitzungen fällt. Sogar im vertraulichen Einzelgespräch täten sich ihre Klienten oft noch schwer, eine drohende Überforderung einzugestehen – selbst wenn sie stark gefährdet seien. So stelle sie immer wieder fest, dass der letzte längere Urlaub der Wissenschaftler Jahre zurückliege.

      Universitäten in Berlin, Bochum oder Braunschweig bieten solche Coachings seit einiger Zeit für ihre neuen Professoren an. Für fast alle von ihnen war der Weg auf die Lebensstelle ein Marathon. Doch nach ihrer Berufung sollen sie jetzt erst recht aufdrehen. Wer dann nicht gelernt hat, mit seinen Kräften zu haushalten und das Leben neben der Uni nicht zu vergessen, ist gefährdet. Deshalb ist die Zeit einige Jahre nach der ersten Professur die gefährlichste biografische Phase. In den USA spricht man schon von der post-tenure depression.

      Immerhin: Langsam wächst das Bewusstsein für das Thema. Als erste Universitätsklinik hat die Berliner Charité erhoben, wie stark sich die Arbeitsverdichtung auf die Gesundheit des wissenschaftlichen Personals auswirkt. Die Studie erscheint voraussichtlich Anfang nächsten Jahres. Doch schon jetzt heißt es, die Ergebnisse seien „höchst alarmierend“. In Paderborn soll ein hochschulweites Bündnis gegen Depression entstehen. Die Präsidentin der Universität Göttingen, Ulrike Beisiegel , versprach den Wissenschaftlern in ihrer Antrittsrede Anfang dieses Jahres, sie wolle für eine „gezielte Entschleunigung“ sorgen.

      Charlotte Petri hat die Forderung für ihr Leben bereits umgesetzt. Demütiger sei sie geworden, sagt sie, und weniger ehrgeizig. Ob sie zwei oder drei Aufsätze im Jahr publiziere, sei ihr mittlerweile egal. Dennoch ist die Angst geblieben vor einem erneuten Zusammenbruch. Das Gefühl wird sie noch lange begleiten.

      *Name von der Redaktion geändert

      #Exzellenzinitiative #réforme_de_Bologne #compétition #efficacité #dépression #désespoir

      –-> der Weg zu einem " ’organisatorisches Burn-out’ der Institution Universität ?

      https://www.zeit.de/2011/45/Professoren-Burnout/komplettansicht

    • Burn-out bei Professoren: „Jeden Tag schuldig ins Bett“

      Von Martin Spiewak

      DIE ZEIT: Sie erforschen, wie die Beschleunigung in Arbeit und Alltag Menschen unter Druck setzt, sie im schlimmsten Fall krank macht. Warum sind auch Professoren davon betroffen? Denen kann doch niemand vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben.

      Hartmut Rosa: Theoretisch sind Professoren weitgehend Herren ihrer Zeit. Dennoch ist auch unsere Arbeitsverdichtung in den vergangenen Jahren enorm gestiegen . Zudem haben sich die Anerkennungsmechanismen für Hochschullehrer grundsätzlich gewandelt: Nicht mehr ihre Position zählt, sondern ihre Leistung.

      ZEIT: Kann sich ein Professor also nicht mehr mit seinem einmal erworbenen Status begnügen?

      Rosa: Als ich meine Habilitation abschloss, dachte ich: So, das war die letzte Prüfung in meinem Leben. Doch bald musste ich feststellen, wie falsch ich damit lag. Eigentlich werde ich bei jeder Evaluation, jedem Antrag auf Forschungsgelder wieder neu geprüft. Als Bewertungsmaßstab wird dabei zunehmend nicht mehr die gesamte Forscherkarriere angelegt, sondern das, was ich in den vergangenen zwei, drei Jahren geleistet habe. Ein Hochschullehrer muss immer beweisen, dass er seine Position zu Recht innehat.

      ZEIT: Dieses Schicksal teilen Sie mit vielen gut verdienenden Beschäftigten.

      Rosa: Ich behaupte auch nicht, dass Professoren besonders leiden. Nur ist dieser Druck, bestimmte Ergebnisse zu produzieren, relativ neu. Bis vor wenigen Jahren zum Beispiel mussten Geistes- und Sozialwissenschaftler keine Drittmittel einwerben. Sie konnten es, aber es bestand keine Pflicht dazu. Heute ist das anders. Wenn ich jetzt irgendetwas von meiner Hochschulleitung möchte, kommt sofort die Gegenfrage: Was haben Sie in der letzten Zeit für die Universität an Forschungsgeldern reingeholt?

      ZEIT: Hochschullehrer werden aus Steuermitteln bezahlt. Leistungskontrollen sind deshalb legitim.

      Rosa: Problematisch wird es, wenn unsere Arbeit so gut wie nur noch an Kennzahlen – Drittmittel, Promotionen, Veröffentlichungen – gemessen wird. Das ist zurzeit der Fall. Zudem soll der Output möglichst von Jahr zu Jahr steigen. Das Hamsterrad dreht sich immer schneller, denn jeder erfolgreiche Antrag in diesem Jahr steigert das Problem im nächsten: Man sollte sich möglichst selbst übertreffen, in jedem Fall aber andere Professoren.

      ZEIT: Das nennt sich Wettbewerb.

      Rosa: Es gibt auch einen ruinösen Wettbewerb, der dem System schadet. In jedem Fall sorgt er für eine Entsolidarisierung und schlechte Stimmung. Denn mein Erfolg ist eine Bedrohung für den Kollegen, der sich die Frage gefallen lassen muss, warum er weniger Geld einwirbt.

      ZEIT: Viel mehr aber auch nicht, Sanktionen muss er keine fürchten.

      Rosa: Aber er verliert an Image und immer häufiger auch Geld, da durch die leistungsabhängige Bezahlung, die mittlerweile überall gilt, auch die Gehaltssteigerungen von Hochschullehrern an Kennzahlen geknüpft werden.

      ZEIT: Der effektivste Weg eines Professors, seinen Verdienst zu steigern, bleibt weiterhin die Bleibeverhandlung mit seiner Heimatuniversität, wenn er ein anderes Angebot erhält. Daran hat sich nichts geändert.

      Rosa: Auch hier steigt der Druck. Früher galt eine Regel: Ein Professor, der einen Lehrstuhl neu besetzte, musste für mehrere Jahre dort bleiben. Für andere Hochschulen war er sozusagen gesperrt. Diese Vorschrift hat man in vielen Bundesländern aufgehoben. Die Folge ist nun, dass die Zahl der gegenseitigen Abwerbeversuche enorm steigt. Ich traf neulich einen recht erfolgreichen Kollegen, den drei Rufe gleichzeitig ereilt hatten. Der Druck, sich entscheiden zu müssen, hat ihn so fertiggemacht, dass er überlegt hat, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

      „Eine individuelle Verweigerungsstrategie ist überlebensnotwendig“

      ZEIT: Er hätte sich auch über die Anerkennung freuen können.

      Rosa: Hat er sicherlich auch. Gleichzeitig hat er sich aber gewünscht, nicht immer neu über seine Zukunft entscheiden zu müssen, sondern einfach in Ruhe arbeiten zu können. Ich beobachte, dass die Beschleunigung zu einer Entwertung unserer Arbeit führt.

      ZEIT: Inwiefern?

      Rosa: Die Aufgabe der Wissenschaft, Fragen zu stellen und über viele Jahre hinweg an deren Beantwortung zu arbeiten, tritt zunehmend in den Hintergrund. Heute entfacht die Konstruktion eines Forschungsprojektes und die Suche nach Geldgebern mehr Leidenschaft als die Forschung selbst. Wir haben mittlerweile ein libidinöses Verhältnis zum Schreiben von Drittmittelanträgen. Das gleiche Problem stellt sich für die Forschungsergebnisse. Alle publizieren immer mehr, mit der Folge, dass immer weniger gelesen wird. Man schreibt und schreibt und schreibt, erhält jedoch kaum eine inhaltliche Reaktion. Da beschleicht einen das paradoxe Gefühl, immer mehr zu veröffentlichen und gleichzeitig immer irrelevanter zu werden.

      ZEIT: Sie dürften das Problem weniger haben. Ihre Forschung wird stark wahrgenommen.

      Rosa: Das Interesse schmeichelt mir natürlich. Es zieht jedoch auch Arbeit nach sich, die mich wiederum vom Forschen abhält. Ich werde in Gremien gewählt, soll die Publikationen anderer Wissenschaftler begutachten, werde um Empfehlungsschreiben für irgendwelche Stipendien gebeten oder von den Medien angefragt. Die Liste ist niemals abzuarbeiten. Jeden Tag geht man schuldig ins Bett.

      ZEIT: Wie schützen Sie sich?

      Rosa: Ich versuche, mich nicht mehr schuldig zu fühlen, selbst wenn ich ein wichtiges Gutachten nicht geschrieben habe oder einem Journalisten erst zwei Wochen nach seiner E-Mail antworte. Eine individuelle Verweigerungsstrategie ist überlebensnotwendig. Besser wäre natürlich, wenn sich am System etwas änderte.

      ZEIT: Was zum Beispiel?

      Rosa: Grundsätzlich sollten die Universitäten den Professoren wieder mehr Vertrauen entgegenbringen. Die meisten Hochschullehrer haben ein hohes Arbeitsethos. Die drei, vier faulen Professoren, die es auch gibt, kann man da durchaus verkraften. Zudem braucht Forschung mehr Ruhe und Zeit, um Früchte zu tragen. Ein gutes Buch erfordert in meinem Fach schon einmal fünf oder mehr Jahre, bis es fertig ist. Und das ist es doch, was die meisten Wissenschaftler langfristig wollen: Nicht 30 Aufsätze und Bücher in einer Publikationsliste aufzählen zu können, sondern die eine Veröffentlichung vorzuweisen, die noch in 30 Jahren gelesen wird.

      ZEIT: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft möchte bei Anträgen von Wissenschaftlern seit einiger Zeit nur die fünf wichtigsten Publikationen genannt bekommen . Ein richtiger Schritt?

      Rosa: In jedem Fall, ich hatte Ähnliches schon vor Jahren vorgeschlagen. Das Ganze hat jedoch einen Haken. Die Gutachter, welche die Anträge bewerten sollen, umgehen die Regelung jetzt, indem sie auf der Website der Antragsteller nachschauen, was diese sonst noch so veröffentlicht haben. Das zeigt, dass es wenig bringt, nur an einer Stellschraube zu drehen.

      https://www.zeit.de/2011/45/Burnout-Interview-Rosa/komplettansicht

    • Sind deutsche Professoren ausgebrannt?
      Burnout und dessen Folgen für die Leistungserstellung in deutschen Universitäten.

      In: Hochschulmanagement, 13 (2018) 2, S. 34-40

      Abstract

      Während einerseits die outputorientierte Mittelvergabe und die Besoldung der Professoren die Effizienz der Universitäten gesteigert hat, geht damit aber auch ein erhöhter Leistungsdruck und ein Gefühl der Fremdbestimmung für Professoren einher. Vor diesem Hintergrund analysiert der Beitrag nicht nur die Burnout-Gefahr von 329 Professoren an deutschen Hochschulen, sondern vielmehr, inwieweit ein Burnout die Qualität in Forschung und Lehre der betroffenen Professoren beeinflusst. Ausweislich ihrer Modellschätzungen finden die Verfasser, dass ausgebrannte Professoren weniger publizieren, weniger Drittmittel akquirieren aber keine schlechtere Lehre organisieren. (HoF/Text übernommen).

      https://www.fachportal-paedagogik.de/literatur/vollanzeige.html?FId=1144386#vollanzeige

    • Arbeitsbedingungen an Universitäten: Weg mit den Lehrstühlen!

      Ein Gastbeitrag von Jule Specht

      In der Hoffnung, irgendwann eine Professur zu bekommen, lassen sich junge Wissenschaftler auf extrem schwierige Arbeitsbedingungen ein. Gegen die jahrelange Unsicherheit protestieren inzwischen nicht nur Doktoranden und Postdocs, sondern auch junge Professoren wie die Psychologin Jule Specht. Gemeinsam mit anderen Mitgliedern der Jungen Akademie schlägt sie deshalb vor, die Hochschulen umzubauen. Ihre Forderung lautet: Departments statt Lehrstühle.

      Stellen Sie sich vor: Sie arbeiten Vollzeit, bekommen aber nur eine halbe Stelle bezahlt. Nicht weil es Ihnen an Qualifikation mangelt – im Gegenteil, Sie gehören zu den am besten ausgebildeten Menschen im Land, haben studiert oder sind sogar promoviert. Sie tun das unter anderem deshalb, weil Ihr Vertrag nur noch wenige Monate läuft und die Anschlussfinanzierung ungesichert ist. Aus diesem Grund zögern Sie auch die Gründung einer Familie hinaus. Schließlich pendeln Sie wöchentlich einmal quer durch die Republik, um Partnerin oder Partner zu sehen. Seit Jahren schon. Mal in die eine, mal in eine andere Stadt. Alles in allem ist das weder eine gute Basis für Familiengründung und Work-Life-Balance noch für Muße zu guten Ideen und ambitionierten Projekten.

      Was in vielen Arbeitsbereichen undenkbar scheint, ist in der Wissenschaft Alltag. Ein Beispiel: Eine Doktorandin arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin durchschnittlich um die 40 Stunden pro Woche, oftmals auf halben Stellen, und erhält dafür laut des Bundesberichts Wissenschaftlicher Nachwuchs ein Nettoeinkommen von durchschnittlich 1.261 Euro. Also etwa 7,50 Euro pro Arbeitsstunde. Auch nach der Promotion wird es oft nicht besser: immer wieder Befristungen, Jobwechsel, Pendeln, Umziehen. Außerdem sind viele Stellen inhaltlich einem Lehrstuhl untergeordnet, also keineswegs frei in Forschung und Lehre.

      Planbarkeit fürs Leben, Freiheit für die Forschung

      Auf diese schwierigen Bedingungen lassen sich viele junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein – in der Hoffnung, irgendwann eine unbefristete Stelle zu bekommen. Das Problem: Diese Jobs gibt es kaum noch. Zum einen, weil die Wissenschaft immer stärker durch Drittmittel gefördert wird: Die so finanzierten Projekte und Stellen sind so gut wie immer befristet. Zum anderen werden auch die Grundmittel, die den Universitäten langfristig zur Verfügung stehen, immer häufiger für befristete Stellen eingesetzt, zurzeit 75 Prozent davon. Die Folge: Einer gleichbleibend geringen Anzahl an Professuren steht eine steigende Anzahl an befristet beschäftigten Wissenschaftlern gegenüber. Etwa vier von fünf hoch qualifizierten Wissenschaftlerinnen gehen letztendlich leer aus – nachdem sie über viele Jahre hinweg hohe Leistung gezeigt haben und ihr Leben einem prekären Job untergeordnet haben.

      So kann es nicht weitergehen. Wir müssen jungen Wissenschaftlerinnen früher Sicherheit und Planbarkeit geben und gleichzeitig mehr Freiheit für ihre Forschung und Lehre. Der Schlüssel dazu ist, wissenschaftliche Arbeit anders zu organisieren. Im bisherigen Lehrstuhlsystem kann lediglich ein Bruchteil, nämlich etwa 13 Prozent der Wissenschaftler, als Professorin oder Professor frei forschen und lehren und auf oftmals unbefristeten Stellen arbeiten. Sie sind die „Sonnenkönige“ des Systems und genießen viele Privilegien. Der Rest gehört zum wissenschaftlichen Mittelbau, arbeitet also meist in Unsicherheit und Abhängigkeit von den Lehrstuhlinhaberinnen und -inhabern. Um das zu ändern, sollten wir uns von den Lehrstühlen verabschieden – zugunsten einer Departmentstruktur.

      Die Rolle der Professoren verändert sich

      In einer Departmentstruktur gibt es mehr Professuren und weniger Mittelbau. Zentrale Entscheidungen über Ressourcen, Einstellungen und Entfristungen liegen nicht mehr bei einzelnen Lehrstuhlinhabern, sondern sie können im Department gemeinsam getroffen werden: entweder bei regelmäßigen Treffen – oder das Department wählt demokratisch Verantwortliche für einzelne Entscheidungsbereiche. Die wissenschaftliche Laufbahn beginnt bei einer Departmentstruktur in Graduiertenzentren. Diese Zentren, an denen die Doktorandinnen und Doktoranden promovieren, sind dem gesamten Department und nicht einzelnen Professuren zugeordnet. Als nächster Karriereschritt kann nach der Promotion eine befristete Professur folgen, die bei hervorragender Leistung in Forschung und Lehre entfristet wird – sogenannte Tenure-Track-Professuren. So entstehen früher als bisher langfristige Perspektiven. Und statt jahrelanger Wechsel zwischen unterschiedlichen Universitäten und Lehrstühlen wird die wissenschaftliche Karriere nach der Promotion auch innerhalb einer Universität möglich.

      In einer Departmentstruktur ändert sich die Professorenrolle erheblich. Professorinnen sind weniger Wissenschaftsmanagerinnen als aktiv Forschende, die im engen Austausch mit den Studierenden lehren. Die zahlreichen Aufgaben bei Prüfung und Begutachtung, Betreuung und Personalführung, Transfer und Selbstverwaltung verteilen sich auf mehr Schultern, was die Professoren entlastet. Gleichzeitig werden die Kernaufgaben in Forschung und Lehre gestärkt. Davon profitieren auch die Studierenden: Sie lernen bei Menschen, die Erfahrungen in der Lehre sammeln und darauf aufbauen können, anstatt bei Dozentinnen und Dozenten, die von Semester zu Semester wechseln.

      #Lehrstuhlsystem

      https://www.zeit.de/arbeit/2018-07/arbeitsbedingungen-universitaeten-lehrstuhl-befristungen-wissenschaftler-jobs

    • Arbeitsbedingungen an Universitäten: Die Lebenslüge

      Von Anna-Lena Scholz

      Junge Wissenschaftler beklagen prekäre Arbeitsbedingungen, die Uni-Chefs halten dagegen: Befristungen müssen sein! Jetzt wird der Streit endlich ausgetragen, sogar im Kino.

      Das akademische Leben in Deutschland hat es ins Kino geschafft. Weitermachen Sanssouci heißt der Film, eine Satire. Überzeichnete Figuren, skurrile Dialoge. Ein Zerrbild der Universität, das allerdings all jenen, die dort arbeiten, höchst realistisch anmuten dürfte. Präzise seziert der Regisseur Max Linz die Frage: Ist der wissenschaftliche Sektor ein guter Arbeitgeber?

      Der Film kommt zu einem Zeitpunkt, da es in vielen Wissenschaftlerseelen kocht. Denn die Kanzlerinnen und Kanzler der Universitäten (das sind jene, die das Geld verwalten) haben gerade die viel diskutierte „Bayreuther Erklärung“ veröffentlicht. Darin fordern sie, dass sich die Universitäten offensiv zu befristeten Arbeitsverträgen bekennen – und damit das glatte Gegenteil dessen, was die jungen Wissenschaftler derzeit unter dem Schlagwort #FrististFrust erstreiten wollen: mehr Entfristungen. Der Konflikt spaltet die Wissenschaft. Ein Zusammenschluss wissenschaftlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sprach von einer „Bayreuther Bankrotterklärung“; die Gewerkschaften halten die Hochschulleitungen für „verantwortungslos“. Letztere aber sind dankbar für die klare Ansage, die das Papier macht.

      Die Schmerzpunkte des Wissenschaftsbetriebs sind vielfältig, auch im Film: Die Professorin Brenda Berger, gespielt von Sophie Rois, leitet in Berlin ein – Achtung, hier setzt die Satire schon ein – Institut für Simulationsforschung. Es soll abgewickelt werden, falls es nicht positiv evaluiert wird. Nervös flattert Berger durch ihr Büro, beruft Teamsitzungen ein, engagiert eine Unternehmensberaterin, um „Workflow und Feedback zu optimieren“. Die Universität ist hier keine Bildungsstätte voll erleuchteter Geistesmenschen. Stumpf stehen die Wissenschaftler vor ihren Studierenden, eifrig dienen sie sich den Geldgebern an: Wie wäre es, schlägt eine junge Wissenschaftlerin vor, den Forschungsbericht in Bast zu binden? „Das sieht dann direkt nach was aus.“

      Bergers Mit- und Gegenspielerin ist ihre Doktorandin Phoebe Phaidon (Sarah Ralfs). Eine 28-Prozent-Stelle bietet Berger ihr an, „das ist nicht besonders anspruchsvoll“; nur ein paar „administrative Dinge“ müsse sie erledigen, ansonsten wäre Zeit, sich „einzulesen, die Richtung zu sondieren“. Denn Zeit, betont Berger, sei „die wichtigste Ressource im Leben einer Wissenschaftlerin“. Die Miete bezahlen kann man davon freilich nicht, wie beide wissen, und derweil Phoebe sich auf ihrem Stuhl windet ("Ich, ähm, hmmm"), schweift Berger gedanklich ab. In süffisantem Ton legt sich die Stimme von Sophie Rois über das Vorstellungsgespräch: „Sie war eine jener hoch qualifizierten jungen Leute, bei denen man sich fragte, warum sie nie etwas gegen ihre Situation unternahmen. Ihre Arbeit jedenfalls machten sie gut.“

      Der Zielkonflikt ist klar, im Film wie in der Realität. Hier die Professorin, eine von 48.000 – dort jene hoch qualifizierten jungen Leute, das sind rund 300.000 Menschen, die das Statistische Bundesamt als Doktoranden und wissenschaftliches Personal unterhalb der Professur erfasst. 93 Prozent dieses Nachwuchses sind befristet angestellt. Etwa die Hälfte dieser Arbeitsverträge läuft weniger als ein Jahr. Auf die Einjahresstelle folgt eine siebenmonatige Projektverlängerung, ein zehnmonatiger Anschlussvertrag, eine zweimonatige Elternzeitvertretung – und so fort, über Jahre, Institutionen, Städte hinweg. Wer von den Hunderttausenden es schließlich auf eine Lebenszeitprofessur schafft, entscheidet sich im Schnitt erst mit 42 Jahren: zu einem Zeitpunkt, da der außerakademische Sektor mit hoch spezialisierten Wissenschaftlerinnen kaum mehr etwas anzufangen weiß (und umgekehrt).

      –-> #film: Weitermachen Sanssouci

      https://www.zeit.de/2019/45/arbeitsbedingungen-universitaeten-mittelbau-promovieren

    • Weitermachen Sanssouci

      Ab 24.10.2019 deutschlandweit im Kino.

      Die Erde hat nicht die ideale Gestalt einer Kugel. Sie sieht vielmehr aus wie eine Kartoffel. Klimaforscherin Phoebe soll helfen, am Institut für Kybernetik den Klimawandel zu simulieren.  Alles hängt von einer erfolgreichen Evaluation am Ende des Semesters ab. Nudging wird zum Zauberwort. Studierende unterbrechen den Betrieb.  Phoebe versucht, hinter das Rätsel der Simulation zu kommen. Die Apokalypse beginnt. 

      Nach „Ich will mich nicht künstlich aufregen“ verschaltet Max Linz in seinem zweiten Spielfilm am Beispiel des fiktiven Instituts für Kybernetik der Berliner Universität die Simulation des Klimawandels mit der Wirklichkeit der Universitätsbetriebs, um auf komödiantische Weise die Frage zu stellen, wann man sich darauf geeinigt hat, dass der Zukunftshorizont sich auf die nächste Deadline verengt und Befristung die einzige Kontinuität ist.

      Mit
      Sarah Ralfs
      Sophie Rois
      Philipp Hauß
      Bernd Moss
      Maryam Zaree
      Bastian Trost
      Leonie Jenning
      Luis Krawen
      Martha von Mechow
      Max Wagner
      Anna Papenburg
      Olga Lystsova
      Kerstin Grassmann
      Jean Chaize
      Friedrich Liechstenstein

      Drehbuch - Max Linz, Nicolas von Passavant
      Bildgestaltung - Carlos Andrés López
      Ton - Andreas Mücke-Niesytka
      Szenografie - Sylvester Koziolek
      Kostümbild - Pola Kardum
      Maskenbild - Julia Böhm, Ferdinand Föcking
      Musik - Gajek
      Mit Liedern von Franz Friedrich & Valeria Gordeev
      Montage - Bernd Euscher, René Frölke
      Produtkion - Maximilian Haslberger
      Regie - Max Linz
      Eine Koproduktion von Amerikafilm mit dem rbb, gefördert durch das Kuratorium Junger Deutscher Film, Medienboard Berlin-Brandenburg und BKM.
      Entstanden im Rahmen der Initiative Leuchtstoff von rbb und Medienboard Berlin-Brandenburg.

      https://vimeo.com/360738724

    • Eine Längsschnittstudie über Promovierende und Promovierte

      Nacaps steht für National Academics Panel Study und ist eine neue Längsschnittstudie über Promovierende und Promovierte. Nacaps erhebt erstmals systematisch Daten zu Karriereverläufen von Hochqualifizierten in Deutschland - für Forschung, Hochschulen und Wissenschaftspolitik.

      https://www.nacaps.de

    • @_kg_ : j’ai mis deux références sur academia que tu as indiquées :
      https://academia.hypotheses.org/lheure-est-greve/dissent-in-european-higher-education

      Les autres concernent surtout les étudiant·es (c’est évidemment important, mais ça mérite un chapitre à part) et certaines références sont très intéressantes, mais elles dates un peu... du coup, c’est vraiment bien d’avoir tout sur ce fil de discussion, que je vais ajouté à la métaliste...

    • unter_bau

      Selbstverständnis

      Wie könnte eine kämpferische Gewerkschaft für den Hochschulbereich aussehen? Darüber machten sich ab Anfang 2015 einige Menschen aus verschiedenen Statusgruppen der Uni Frankfurt Gedanken. Im April 2016 ging diese Initiative dann an die Öffentlichkeit. Im November 2016 erfolgte dann die Gründung einer alternativen Hochschulgewerkschaft für die Goethe-Universität Frankfurt. Ihr Ziel ist es, die Verhältnisse nicht einfach mitzuverwalten, sondern sie umzugestalten.

      Arbeitsbedingungen werden prekarisiert und Stellen abgebaut, Arbeiten outgesourct und Belegschaften gespalten, Zwang im Studium erhöht und kritische Inhalte verdrängt, die soziale Selektion verschärft und Bildung der Verwertung von Humankapital unterworfen… Weder die Vertretungen der Beschäftigten noch die Proteste von Studierenden konnten dem etwas entgegensetzen. Es fehlt ein organisatorisches Herzstück, welches die Kräfte und Kämpfe bündelt. Vor allem mangelt es an einer Gewerkschaftspolitik, welche die Machtstrukturen an den Hochschulen aufbricht, die jene Entscheidungen bedingen.

      Macht von unten aufbauen

      Grundsätzlich bedarf es einer Organisation, die Einfluss auf Alltag und Struktur der Hochschulen nimmt sowie Erfahrungen aus Kämpfen weitergibt – und das kontinuierlich. Wir orientieren uns dabei am Konzept einer inklusiven Basisgewerkschaft, wie es aus anderen Ländern bekannt ist. In ihr soll Platz sein für alle, die sich gegen die Verhältnisse wehren und sie überwinden wollen – unabhängig von ihrer Statusgruppe. Ob WiMis, Reinigungs- und Mensakräfte, Hilfskräfte, Lehrbeauftragte, Studierende oder Verwaltungsangestellte – wir brauchen eine föderale Gewerkschaft, in der die Basis koordiniert agiert.

      Gewerkschaft anderen Typs

      Unsere Vorstellungskraft reicht aus, um gewerkschaftliche Praxis auch jenseits der hierarchisch organisierten Sozialpartnerschaft zu denken. Die Gewerkschaftsbasis soll selbst über Aufgaben, Forderungen und Vorgehensweisen entscheiden. So soll ein Raum geschaffen werden, in dem wir uns ermächtigen und Solidarität miteinander üben. Dabei interessiert uns mehr als die Arbeitsbedingungen. Unser Ziel ist eine soziale Hochschule in basisdemokratischer Selbstverwaltung: Ihre Angehörigen sollen gleichberechtigt mitbestimmen, ihr Profil nicht von wirtschaftlichen Interessen bestimmt sein.

      Blick über den Tellerrand

      Als Beschäftige und Studierende an der Hochschule ist diese der Ausgangspunkt für unsere eigenen Kämpfe. Allerdings funktioniert sie nicht losgelöst vom Rest der Gesellschaft, deren Herrschaftsverhältnisse uns stets in Gestalt materieller Zwänge entgegenschlagen. Die Chancen auf eine soziale Neuausrichtung der Hochschule, ja des Bildungsbereiches generell erhöhen sich daher, wenn sich unsere Kämpfe mit denen in anderen Gesellschafts- und Lebensbereichen verbinden. Wir suchen daher aktiv den Kontakt mit anderen Initiativen, Netzwerken und Organisationen – lokal, überregional und international.

      Alle Interessierten sind herzlich dazu eingeladen, zum Gelingen der Organisation beizutragen. Kommt vorbei zu den Treffen unserer Gewerkschaft und bringt euch ein! Öffentliche Termine könnt ihr unserem Kalender entnehmen. Ihr könnt euch aber auch in unseren Interessiertenverteiler eintragen, über den ihr Einladungen zu Veranstaltungen, Versammlungen und Arbeitstreffen zum Reinschnuppern erhaltet. Und wenn ihr generell auf dem Laufenden sein wollt, was im unter_bau so geschieht, dann abonniert doch unseren monatlichen Newsletter, in dem die neuesten Entwicklungen zusammengefasst werden.

      #réseau #syndikat_combatif #Frankfurt

      https://unterbau.org/unteruns/selbstverstaendnis

    • @cdb_77 oui, tout à fait ;-) Je t’ai laissé un message Facebook mais t’as pas vu je pense...donc pour ce fil : je rassemble tout et ensuite tu peux voir s’il y a des turcs tu penses pertinent à ajouter quelques part...

    • Sinon, tu peux aussi construire ta première métaliste...
      Tu rassembles sur différents fils de discussions des choses qui te semblent aller ensemble, et tu fait une liste où tu compiles les différents fils de discussions en mettant en avant la thématique et en mettant le lien URL dudit fil de discussion...
       :-)

    • Compris ;-) ...juste une question de démarche : pour ’réutiliser’ les commentaires de ce fil dans les différents fils de métaliste, pour ne pas tout refaire, tu fais comment ? Cliquer sur ’modifier’ ensuite copier coller de ce fil au nouveau fil ?

    • University workers of the world, unite! Reflections on the paradox of German academic precarity (Nicolas Pons-Vignon)

      Dr. Nicolas Pons-Vignon [Ela Bhatt Visiting Professor, ICDD, University of Kassel]

      Discussant: Dr. Alexander Gallas [ICDD, University of Kassel] - first part of the comment available only

      ICDD, Kassel, 17 December 2019

      Nicolas Pons-Vignon is an economist, senior researcher at the University of the Witwatersrand (South Africa) and Ela Bhatt Visiting Professor at the ICDD (University of Kassel) from October to December 2019. In his farewell talk “University workers of the world, unite! Reflections on the paradox of German academic precarity” he presents an outsider’s perspective on the situation of German university workers, while reflecting on the strategies used to combat it, starting from the premise: What can we learn from the experience of precarious workers outside of Germany to empower the struggles here? The discussant is Alexander Gallas, faculty member of the ICDD at Kassel University.

      Notes

      ’Studentische Hilfskräfte’ financed through budget for ’Sachmittel’
      Precarity of ’PrivatdozentInnen’
      Hierarchy
      Gender roles (2005 15% —> 2015 23%)
      Unter_bau Frankfurt
      Bayreuther Erklärung
      Short-term contracts justified by the argument: ’folgenden Studierendengenerationen eine Chance ermöglichen [sic]’
      Power relations
      Professors, coming from academia, are not trained to management/organization
      Activism can be punished (working in the system you’re fighting)
      Only 9% of university staff is member of unions
      Germany = one case of many across the globe
      Confrontational strategy necessary —> university administration doesn’t feel frightened by the movement
      People join movements if they feel hope
      ’I’m the object and the subject of the research’

      "It’s important to tell the story and to tell it internationaly" (Pons-Vignon)

      https://univideo.uni-kassel.de/video/University-workers-of-the-world-unite-Reflections-on-the-paradox-of-German-academic-precarity-Nicolas-Pons-Vignon/13c7631e7d27c2d1317ad1d8b7cbdc69

      #iccd #work #precarity #university #academia #Germany #fixed-term_contracts

    • Précarité et diversité dans l’enseignement supérieur en Allemagne… parlons-en !

      Un groupe de chercheur·es s’est réuni à Cologne le 6 mars 2020 pour former une sorte alliance symbolique avec les grèves ayant cours en France et au Royaume-Uni.

      Le groupe “diversity precarious” lutte, depuis l’Allemagne, contre la poussée néolibérale dans le monde universitaire.

      Une chercheuse a envoyé à Academia une carte mentale réalisée à partir des notes du brainstorming issues de cette journée : qu’elle en soit remeciée.

      https://academia.hypotheses.org/22100

  • Mindestlohn: Millionen bekommen schon heute weniger als erlaubt | ZEIT ONLINE
    https://www.zeit.de/wirtschaft/2019-12/mindestlohn-spd-unionsfraktion-niedriglohnsektor-armut

    Die SPD will den Mindestlohn perspektivisch auf zwölf Euro erhöhen. Auch die Linkspartei, die Grünen und Gewerkschaften befürworten das. Sie argumentieren, dass erst ab dieser Höhe ein Mindestlohn tatsächlich vor Armut schütze. Die Gegner einer Erhöhung wenden ein, dass dies Millionen Jobs im Niedriglohnsektor vernichten würde. Allerdings erhalten schon heute Millionen Menschen im Arbeitsmarkt nicht einmal den gesetzlichen Mindestlohn.

    9,19 Euro
    Mindestlohn pro Stunde

  • Polizeigewalt in Frankreich: Neue Gummigeschosse sind schon bestellt | ZEIT ONLINE
    https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-12/polizeigewalt-frankreich-gelbwesten-demonstrationen-proteste-ausschreitungen
    https://www.flickr.com/photos/119524765@N06/49222009192/in/dateposted-public

    Flickr

    Frankreichs Polizei geht mit Härte gegen die Demonstrierenden vor. Dahinter steckt offenbar eine neue Strategie: Man will nicht noch einmal die Kontrolle verlieren.
    Von Annika Joeres
    14. Dezember 2019, 7:09 Uhr 550 Kommentare
    Polizeigewalt in Frankreich: Waffe mit Gummigeschoss: Hier zielt ein französischer Polizist am 1. Mai auf eine Demonstration der Gelbwesten.
    Waffe mit Gummigeschoss: Hier zielt ein französischer Polizist am 1. Mai auf eine Demonstration der Gelbwesten. © GEOFFROY VAN DER HASSELT/​AFP/​Getty Images
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    Der zerschmetterte Schädel, den Laurent Thines an diesem Tag auf seinem Operationstisch sah, erinnerte den Chirurg an Verunglückte bei einem Autounfall. Der Arzt aus dem ostfranzösischen Besançon behandelt seit Wochen Demonstrierende, Gelbwesten und auch einfach nur Passanten, die von Polizeigewalt betroffen sind. Darunter seien auch Menschen, denen ein Gummigeschoss das Auge zerstörte, erzählt Thines. Das Ausmaß der Gewalt lässt sich in einer Statistik des Journalisten David Dufresne ablesen: 25 Menschen verloren Augen, fünf Hände, hunderte wurden schwer verletzt. Die meisten Opfer sind Demonstrierende, aber Dufresne listet auch mehr als hundert Journalisten, 46 Minderjährige und 70 Passantinnen, die von einem Schlagstock, einer Granate oder einem Gummigeschoss getroffen wurden.

    „Diese staatliche Gewalt an Menschen, die für ihre soziale Sicherheit demonstrieren, muss aufhören“, sagt Chirurg Thines. Nach dem Gespräch schickt er Röntgenaufnahmen von Opfern, die seine Kollegen ihm sendeten: Bilder von löchrigen und zertrümmerten Schädeln etwa, von blutüberströmten und narbigen Gesichtern.

    In diesen Tagen gehen wieder Tausende auf die Straße, um gegen die Rentenreform von Präsident Emmanuel Macron zu demonstrieren. Thines fürchtet, dass wieder viele Menschen Hände und Augen verlieren werden. Dass die französische Polizei wieder schwer bewaffnet sein wird, dass sie wieder Gummigeschosse und Blendgranaten einsetzt. Ende November hat das Innenministerium offiziell einen Großauftrag für die „LBD“-Gummibälle ausgeschrieben. Sie werden mit mehr als 300 Stundenkilometer abgeschossen – laut Thines ist der Aufprall auf dem Körper so hart, als ließe man einen 20 Kilogramm schweren Betonklotz aus einem Meter Höhe auf den Kopf fallen. Die Blendgranaten setzt die Polizei ein, um eine Demonstration aufzulösen oder zu zerstreuen.

    Kurzum: Frankreich ist im Ausnahmezustand. Der Zugverkehr ist von den streikenden Zugführern und Schaffnern seit Anfang Dezember weitestgehend lahmgelegt, an manchen Tagen fährt gar kein Fernzug, an anderen einer von dreien. Am kommenden Dienstag werden landesweit Lehrer, Schaffnerinnen, Müllmänner und Feuerwehrleute streiken. Sie wollen die Rentenreform verhindern, die für alle ein einheitliches Punktesystem und ein um zwei Jahre späteres Eintrittsalter von 64 Jahren vorsieht.
    Polizeigewalt wurde lange ignoriert

    Chirurg Thines hat wie viele andere inzwischen Angst, zu demonstrieren. Und auch Journalistinnen und Journalisten sind bei ihrer Arbeit bedroht. Vergangene Woche traf es einen türkischen Fotografen: Sein Schutzhelm wurde von einer Blendgranate zertrümmert, sein Auge verletzt. Diese Woche wurden zwei angehende Reporter einer renommierten Journalistenschule im nordfranzösischen Lille verhaftet, als sie einen Polizeieinsatz filmten. „Es ist das Recht von Journalisten, Aufnahmen zu machen“, twitterte die Hochschule. Es sei nicht hinnehmbar, diese Grundrechte einzuschränken. Die Pressefreiheit hat in Frankreich seit den Gelbwestenprotesten gelitten: Das Land liegt im Ranking von Reportern ohne Grenzen nur noch auf Platz 32.

    Französinnen und Franzosen sind stolz auf die französische Erklärung der Menschenrechte von 1789. Sie betonen oft, wie freiheitlich das Land sei. Vielleicht wurde wegen der großen Kluft zwischen diesem Anspruch und der auf YouTube und Facebook tausendfach dokumentierten staatlichen Gewalt diese lange verdrängt. In Zeitungen, Talkshows und beim täglichen Gespräch beim Bäcker oder auf dem Schulfest wurde die neue Doktrin der Polizei ignoriert oder kleingeredet. Die Menschen sehen zwar die Bilder der gewaltsamen Zusammenstöße in den Medien, aber viele wollen nicht wahrhaben, dass dahinter tatsächlich eine neue Politik der gewaltsamen Konfrontation steckt. Oft wird dann argumentiert, die Demonstrierenden seien ja ebenfalls gewalttätig, die Betroffenen hätten die Polizisten provoziert und seien letztendlich selbst schuld.

    Die Bundesregierung, die zusammen mit Frankreich Gewalt gegen Protestierende in Russland oder Hongkong anprangert, hat noch kein Wort über die französische Polizei verloren. Auch in den deutschen Medien las man bislang wenig dazu. „Sie wollen nicht wahrhaben, dass Frankreich eine autoritäre Wende vollzogen hat“, urteilt Chirurg Thines. Seit drei Jahrzehnten behandelt er Opfer von Gewalt in seinem Operationssaal und immer mal wieder auch verletzte Demonstrierende. „Aber noch nie habe ich so viele für ihr Leben gezeichnete Menschen gesehen wie in den vergangenen Monaten.“

    #violences_policières avec @davduf dedans.

  • Fahrdienstvermittler: Zwischen leicht verdientem Geld und Ausbeutung | ZEIT ONLINE
    https://www.zeit.de/mobilitaet/2019-10/fahrdienstvermittler-arbeitsbedingungen-uber-berlkoenig-clevershuttle-freenow-t

    5. 11.2019 von Fabian Franke - Neben Uber mischen inzwischen auch Free Now, Moia und andere bei der Personenbeförderung mit. Unter den Fahrern entsteht dadurch offenbar eine Zweiklassengesellschaft.

    Vorsichtig wie ein rohes Ei steuert Isra Keskin die wuchtige Mercedes E-Klasse durch die Berliner Nacht. Es ist nicht ihr Wagen. Gerade hat sie ihn beim Chef abgeholt. Nun fährt sie acht Stunden lang Fahrgäste, die über die App Free Now eine Fahrt buchen, durch die Hauptstadt. Sie holt sie ab und bringt sie zu ihrem Wunschziel. Wie ein Taxi. Nur dass Keskin keine Taxifahrerin ist. Bis vor ein paar Tagen war sie noch Hausfrau. „Aber ich fahre gern Auto“, sagt sie. Deshalb hat sie einen Personenbeförderungsschein beantragt. Dafür bezahlte sie 43 Euro Verwaltungsgebühr, brauchte ein Gesundheits- und Führungszeugnis und ein bisschen Zeit, denn das Bürgeramt bearbeitet viele Anträge derzeit. Und nun sitzt Keskin im Mercedes und fährt durch Berlin. Wie viel sie am Ende des Monats verdienen wird, wisse sie noch nicht. Und ihr Chef wisse das auch noch nicht so richtig, sagt sie. Denn auch er sei neu im Geschäft.

    Vor dem Fenster ziehen Taxistände vorbei, weiß-grüne Kleinbusse von CleverShuttle, schwarze Toyotas mit Elektroantrieb und getönten Scheiben, auf einem Plakat steht: „Berlin, wir sind hier – Uber“. Bei Isra Keskin mitzufahren bedeutet, Zeitzeuge davon zu werden, wie sich der Verkehr in Städten gerade radikal verändert.

    Innerhalb kurzer Zeit ist in Deutschland eine neue Branche entstanden, beflügelt von Smartphones und ausgeklügelten Algorithmen. Mobilitätsanbieter drängen in die Großstädte, sie heißen Uber, Free Now, CleverShuttle, BerlKönig, Moia. Auch wenn sie unterschiedlich funktionieren, haben sie doch das gleiche Ziel: Fahrgäste bequem von A nach B zu bringen – angeblich günstiger und einfacher als Taxis. Welcher Algorithmus arbeitet effizient, welches Geschäftsmodell wirft Gewinn ab, kann der Staat die Regeln überwachen? Wie in einer Petrischale findet dieses Experiment derzeit in den Städten statt.
    Flexibler Markt, wenig Planungssicherheit

    Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) möchte die Personenbeförderung modernisieren, einen „Mobilitätsmix“ anbieten und den Markt öffnen. „Die Digitalisierung wird uns dabei helfen“, sagte Scheuer im Frühjahr. Zusammen mit einer „Findungskommission“ berät er derzeit über eine Reform des Personenbeförderungsgesetzes. Was dort erarbeitet wird, könnte die Branche weiter umkrempeln.

    Wie erleben diejenigen diese Umwälzung, die hinterm Steuer sitzen? ZEIT ONLINE hat mit Fahrerinnen und Fahrern gesprochen. Manche, wie Isra Keskin, die eigentlich anders heißt, aber ihren Namen nirgends lesen will, freuen sich über eine unkomplizierte Einkommensquelle. Andere erheben Vorwürfe. Sie befürchten ein neues Prekariat, neben Essenslieferanten und Paketdiensten.

    Grob lassen sich die neuen Angebote in zwei Kategorien einteilen: Poolingdienste und taxiähnliche Mietwagenangebote. Poolingdienste kombinieren Fahrten in Kleinbussen. Auf einer Strecke sammeln sie mehrere Fahrgäste ein oder setzen sie ab, auch wenn dabei ein Umweg entsteht. Damit teilen sich die Kundinnen und Kunden ein Fahrzeug und die Kosten.
    Die Poolingdienste gelten als arbeitnehmerfreundlich

    Nach Aussagen vieler Fahrer gehören die Poolingdienste zu den Vorzeigeunternehmen der neuen Mobilitätsbranche: Arbeit im Schichtdienst, sozialversicherungspflichtig angestellt, ein Gehalt zwischen 10,50 und 14 Euro pro Stunde, je nach Zuschlag und Unternehmen. „Die Arbeitsbedingungen sind im Vergleich zu den Mietwagenunternehmen um Welten besser“, sagt ein Fahrer von BerlKönig, als er sich mit dem schwarzen Kleinbus durch den Verkehr auf der Sonnenallee in Neukölln quetscht.

    Doch auch hier gibt es Kritik: „Ob mein Vertrag im Januar verlängert wird, weiß ich noch nicht“, berichtet ein anderer Fahrer. Mit den Personalern habe er seit der Vertragsunterzeichnung keinen Kontakt mehr gehabt. Ein junger Familienvater, dessen Vertrag gerade um ein Jahr verlängert wurde, berichtet Ähnliches: „Die Kommunikation ist schwierig. Es geht oft im Kreis und dauert lange.“

    Seit September 2018 läuft das Projekt der Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG), zunächst als Test befristet auf zwei Jahre. Die BVG ist lediglich Auftraggeberin, umgesetzt wird der BerlKönig von ViaVan Technologies, einem Joint Venture von Daimler und Via, Firmensitz ist Amsterdam. Daimler stellt die Busse, Via die App und den Algorithmus. Die 450 Fahrerinnen und Fahrer sind wiederum bei verschiedenen Zeitarbeitsfirmen angestellt. Sie holen den Wagen bei der BVG ab, bei Problemen während der Schicht telefonieren sie mit ViaVan, Fragen zum Vertrag klären sie mit der Zeitarbeitsfirma.

    Unprofitable Standorte werden rasch aufgegeben – samt der Mitarbeiter

    ViaVan begründet diese Aufteilung und die Zusammenarbeit mit Zeitarbeitsfirmen mit der notwendigen Flexibilität während der Testphase. „Durch die Kooperationen war der BerlKönig in der Lage, die Anzahl der Fahrerinnen und Fahrer dem stark wachsenden Fahrgastaufkommen schnell anzupassen“, teilt das Unternehmen mit. Die Branche ist jung, möchte agil bleiben, um jederzeit auf Änderungen reagieren zu können. Und Änderungen gibt es häufig: neue Konkurrenten, Gerichtsurteile, fehlende Genehmigungen. Langfristige Arbeitsverträge könnten da zum entscheidenden Nachteil werden.

    Wie unstet die Branche noch ist, bekamen erst kürzlich Mitarbeiter von CleverShuttle zu spüren. Das junge Unternehmen, an dem zu 76 Prozent die Deutsche Bahn beteiligt ist, stellte Mitte Oktober das Angebot in Hamburg, Stuttgart und Frankfurt ein, 330 Mitarbeiter sind betroffen. Die Standorte seien „wirtschaftlich extrem schlecht“, gelaufen, sagt Geschäftsführer und Gründungsmitglied Bruno Ginnuth. In Stuttgart und Frankfurt habe CleverShuttle keine Genehmigung bekommen, die auf den Betrieb zugeschnitten gewesen sei. In Hamburg habe es „starke Konkurrenz von Mitbewerbern“ gegeben.

    Dort wurden die Angestellten morgens um halb fünf per Nachricht über den Messenger Telegram informiert, dass sie ihre Schicht nicht antreten müssten. Sie wurden freigestellt, noch bis Mitte November werden sie bezahlt. „So geht man doch nicht mit seinen Leuten um“, kommentiert ein ehemaliger Fahrer das Vorgehen. Er fühle sich im Stich gelassen und wirft CleverShuttle Intransparenz vor.

    Geschäftsführer Ginnuth weist das zurück. „Wir mussten verhindern, dass ein Fahrer während der Fahrt davon erfährt. Montag zwischen vier und fünf Uhr ist die einzige Stunde in der ganzen Woche, in der wir keinen Betrieb haben“, erklärt Ginnuth. Die Kündigung sei von einer ausführlichen E-Mail begleitet worden. Freigestellt habe man die Angestellten, damit sie nicht noch einen Monat Fahrgäste chauffierten, während sie schon von ihrer Kündigung wüssten. Auf Informationsveranstaltungen können sie nun ihre Eignung für Stellen bei der Deutschen Bahn prüfen lassen.
    Die fehlenden Regeln schaden am Ende den Angestellten

    Doch schon vor der Schließung hat es geknirscht zwischen CleverShuttle und seinen Angestellten. Unabhängig voneinander berichten ehemalige Angestellte von schlechten Arbeitsbedingungen am Standort Hamburg: So hätte es keinen Pausenraum gegeben, in dem sich die Belegschaft hätte austauschen können. Zudem hätten Pausen während des Ladevorgangs an der Ladesäule gemacht werden müssen – manchmal weit draußen im Gewerbegebiet.

    Hier verweist Ginnuth auf die schwierige Standortsuche: „Es ist unheimlich schwer, in deutschen Innenstädten einen Hof mit bis zu hundert Stellplätzen zu finden, mit Pausenraum und Büro und der Möglichkeit, Ladesäulen zu installieren.“ Ein zentraler Standort ist jedoch wichtig für die neuen Poolinganbieter, damit die Wege von und zur Basis möglichst kurz sind. In Hamburg hätte man deshalb Etagen in einem Parkhaus und Räume in einem Coworking-Space in Altona angemietet, sagt Ginnuth. „Dort haben unsere Fahrer aber einen Platzverweis bekommen, weil sie sich danebenbenommen haben.“ Man sei deshalb auf eine spartanische Teeküche ausgewichen.

    Die Beispiele zeigen: Die jungen Unternehmen arbeiten agil und flexibel wie Start-ups, haben aber bereits Verantwortung für viele Mitarbeiter. Bei CleverShuttle beispielsweise sind aktuell rund 1.200 Fahrerinnen und Fahrer angestellt. Zudem betreten die Unternehmen einen Markt, der noch nicht auf sie vorbereitet scheint. Poolingdienste können beispielsweise zu Testzwecken bis maximal vier Jahre genehmigt werden. Ladesäulen fehlten, dazu Konzepte, wie man die privaten Anbieter in den ÖPNV integriert, findet Ginnuth. „Wir erhoffen uns eine rechtliche Daseinsberechtigung.“

    Solange Infrastruktur und gesetzliche Rahmenbedingungen hinter den digitalen Möglichkeiten im Verkehr hinterherhinken, könnten also besonders die Angestellten darunter leiden: Auf ihren Schultern wird die Flexibilität letztlich aufgebaut.
    Unter den Fahrern entsteht eine Zweiklassengesellschaft

    Neben den Poolingdiensten bieten zunehmend taxiähnliche Angebote, sogenannte Mietwagenunternehmen, ihren Service an. Nach der Buchung über eine App chauffieren sie die Fahrgäste zum Festpreis von Tür zu Tür. Das US-amerikanische Unternehmen Uber ist der bekannteste Anbieter, Free Now – dieses Jahr aus mytaxi hervorgegangen – spielt mit seinem Dienst Ride seit August in Hamburg, Berlin, Frankfurt, München und Köln auf dem gleichen Feld. Für die Vermittlung der Fahrten veranschlagen die Apps etwa 25 Prozent des Fahrpreises.

    Hinter Free Now steht eine Kooperation aus Daimler und BMW. Angestellt sind die Fahrerinnen und Fahrer – wie Isra Keskin – aber bei unabhängigen Mietwagenfirmen. Das sind oft lokale Unternehmen mit 20 oder 30 Wagen – oder auch nur ein Fahrer mit seinem Auto. Kritik kommt aus der alteingesessen Taxi- und Chauffeurbranche. „Billigheimer“ nennt ein Unternehmer die Firmen, „moderne Sklavenarbeit“ urteilt ein Fahrer von BerlKönig. Es ist, als würde unter den Angestellten der neuen Mobilitätsangebote eine Zweiklassengesellschaft entstehen.

    Tatsächlich scheint der Markt der Mietwagenunternehmen undurchsichtiger, die Arbeitsbedingungen weniger einheitlich. Manche bezahlen ihre Fahrerinnen und Fahrer auf fester Stundenbasis, andere beteiligen sie prozentual am Umsatz – so wie Isra Keskin. Wie hoch der Anteil ist, möchte sie nicht sagen. Aus Stellenausschreibungen geht jedoch hervor, dass zwischen 40 und 50 Prozent in der Branche normal zu sein scheinen. So kann man sich dem Lohn annähern: Eine Fahrt von Berlin-Neukölln zum Alexanderplatz, 10 Kilometer, kosten den Fahrgast über Freenow Ride üblicherweise 19 Euro. Davon werden 25 Prozent Vermittlungsgebühr an die App und die Mehrwertsteuer abgezogen. Würde Keskin zu 50 Prozent beteiligt, blieben ihr rund fünf Euro für die Fahrt, die etwa eine halbe Stunde dauert. Ihr Gehalt dürfte sich damit beim Mindestlohn einpendeln – wenn sie ständig Folgeaufträge hat.

    Auf eBay Kleinanzeigen geben Firmen Gesuche auf, werben damit, dass alle Apps bedient würden und die Fahrerinnen und Fahrer hohe Boni erwarteten. Unter den Werbern ist auch ein Unternehmen, dass vorher in einem Gespräch angegeben hatte, nicht mit Free Now oder Uber zusammenzuarbeiten. Oft sind nur WhatsApp-Nummern angegeben. Kontaktversuche bei insgesamt sechs Firmen wurden abgeblockt, die Sorge vor negativer Berichterstattung ist groß.

    „Wirrer grauer oder schwarzer Markt“

    Zwei der Fahrer, mit denen ZEIT ONLINE sprechen konnte und die mit dem Free-Now-Dienst Ride arbeiten, befanden sich noch in einer einwöchigen Probezeit. Man habe ihnen weder gesagt, wie viele Stunden sie monatlich arbeiten könnten, noch wussten sie, welche Art von Beschäftigungsverhältnis sie eigentlich eingingen. Von den Jobs erfahren hätten sie durch Bekannte. Bei welchen Firmen sie angestellt sind und wo diese ihren Betriebshof haben, wollten sie nicht beantworten.

    „Das ist ein recht wirrer grauer oder schwarzer Markt. Für die Fahrer ist es oft der Zweit- oder Drittjob. Da guckt niemand, ob die Zeiten eingehalten werden oder wann die letzte Schicht gemacht wurde“, sagt Detlef Müller, Abgeordneter der SPD-Bundestagsfraktion und Mitglied im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur.

    Vorwürfe, gegen die sich Free-Now-Deutschlandchef Alexander Mönch wehrt. „Wir als Plattformen schließen einen Vertrag mit den Mietwagenunternehmen. Darin lassen wir uns bestätigen, dass die maßgeblichen Regeln eingehalten werden, zum Beispiel der Mindestlohn“, sagt Mönch. Zudem würden die Fahrerinnen und Fahrer in einer Schulung für die App persönlich auf die Einhaltung aller Regeln hingewiesen. Für eine laufende Kontrolle der Arbeitsbedingungen verweist Mönch aber auf die Zuständigkeit der Behörden.
    „Daimler und BMW pumpen da gerade viel Geld rein“

    Wie die Fahrerinnen und Fahrer arbeiten, liegt damit in der Verantwortung der Mietwagenfirmen – oder bei ihnen selbst. Denn manche melden ein Kleinstgewerbe an, operieren als Einpersonenbetrieb für mehrere Apps gleichzeitig. „Ich finde das gut. Umso mehr Apps auf dem Markt sind, umso mehr Wettbewerb gibt es und umso mehr Kunden“, sagt ein Fahrer, der auf diese Weise arbeitet. Meistens sei er zwischen acht und zehn Stunden am Tag unterwegs. Ob er sich an gesetzliche Vorschriften zur Arbeitszeit hält, kann aber keiner kontrollieren. Theoretisch könnte er mehrere Tage und Nächte am Stück arbeiten, auch wenn dann seine Erschöpfung seine Fahrgäste gefährden könnte. Denn eine automatische Abschalteinrichtung hat die App Free Now nicht. Verglichen mit einem selbstständigen Taxifahrer verdient er pro Fahrt – nach Abzug der Provision – etwa die Hälfte.

    Ein Berliner Mietwagenunternehmer, der mit dem Dienst Ride von Free Now arbeitet, begrüßt die neuen Möglichkeiten. „Gerade im Moment gibt es viele Aufträge und dazu verschiedene Boni“, berichtet er. Die App belohne seine Angestellten mit Extrazahlungen, wenn sie in einer bestimmten Zeit eine gewisse Anzahl von Fahrten absolvierten. „Daimler und BMW pumpen da gerade viel Geld rein, deswegen geht das“, sagt er. Für ihn lohne sich das Geschäft. Doch wie lange noch? Erfahrungsgemäß werden die Boni eingestellt, sobald sich das Angebot etabliert hat.

    Mira Ball, Bundesfachgruppenleiterin Busse und Bahnen bei ver.di, sagt: „Das komplette Risiko wird auf die Fahrer abgewälzt. Die Preise legen die Apps fest. Wir halten das für Ausbeutung und lehnen dieses System ab.“ Für sie gefährdeten die neuen Angebote gleich zwei Branchen: die der Fahrerinnen und Fahrer, die je nach Bedarf im Niedriglohnsektor arbeiten würden. Und die Taxibranche, der die Aufträge wegbrechen könnten, weil die neuen Anbieter oft günstiger sind.

    Isra Keskin, die an ihrem dritten Arbeitstag durch Berlin fährt, sieht dagegen in ihrem neuen Job nur Vorteile – für sich und die Fahrgäste. „Ich hätte sonst zu Hause rumgesessen. Es ist doch spannend, neue Leute kennenzulernen und sie bequem durch die Stadt zu bringen. Das ist die Zukunft.“

    Infobox

    Mietwagen mit Fahrer

    UberX/UberBlack

    Wie funktioniert es?

    UberX und UberBlack sind die Mietwagenfahrerdienste von Uber. Man gibt an, wohin man möchte und wo man sich befindet. Vor der Buchung wird ein Festpreis angezeigt. Wer einen UberBlack bestellt, wird von einer Luxuskarosse transportiert.

    Wo gibt es das?

    Uber ist in Berlin, München, Düsseldorf, Frankfurt, Köln und Hamburg verfügbar. Das Landgericht Köln verbot Uber die Mietwagenvermittlung jedoch zuletzt. Klassische Taxis darf das Unternehmen aber weiterhin vermitteln.

    Was kostet es?

    Mit UberX ist man in der Regel günstiger unterwegs als mit dem Taxi, der Preis richtet sich aber nach der aktuellen Nachfrage. UberBlack ist etwas teurer.

    Free Now Ride

    Wie funktioniert es?

    Free Now Ride ist sozusagen die Uber-Funktion des Anbieters Free Now: Wer einen Ride bestellt, bekommt einen Mietwagen mit Fahrer, der einen am gewünschten Punkt abholt. Die Fahrt muss per App bezahlt werden, Barzahlung ist nicht möglich.

    Wo gibt es das?

    Die Ride-Funktion ist in Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt verfügbar.

    Was kostet es?

    Free Now Ride ist etwas günstiger als ein gewöhnliches Taxi. Da man über die App auch Taxen bestellen kann, besteht auch die Möglichkeit abzuwägen, womit man an sein Ziel kommen möchte.

    Ridepooling

    CleverShuttle

    Wie funktioniert es?

    Beim Ridepooling werden die Routen verschiedener Nutzer zusammengelegt. Man teilt sich dann ein Fahrzeug. Die App vermittelt ein Shuttle, das sich in der Nähe befindet und in wenigen Minuten am Startpunkt ist. Über die App lässt sich verfolgen, wann das Shuttle ankommt. Während der Fahrt kann es auch zu Routenänderungen kommen, falls dem Fahrer weitere Buchungen gemeldet werden. Ziel ist es, die Fahrzeuge so gut wie möglich auszulasten und so den Verkehr zu verringern. Ein Shuttle kann nicht vorbestellt werden. Der Anbieter CleverShuttle fährt nur mit Elektroautos und Autos mit Wasserstoffantrieb.

    Wo gibt es das?

    Zurzeit gibt es den Service in Berlin, Leipzig, München, Dresden, Kiel und Düsseldorf. Der Dienst ist jedoch nicht durchgehend verfügbar. Die Betriebszeiten sind von Stadt zu Stadt unterschiedlich.

    Was kostet das?

    Der Dienst ist um einiges günstiger als ein gewöhnliches Taxi, weil man sich die Fahrt mit anderen Personen teilt. Für jede weitere Person, für die man bucht, zahlt man circa drei Euro drauf.

    Moia

    Wie funktioniert es?

    Die App von Moia funktioniert ähnlich wie CleverShuttle. Der Unterschied ist jedoch, dass – nachdem man seinen Start- und Zielpunkt angegeben hat – die App einen Startpunkt anzeigt, an dem man zu einer festen Zeit sein muss. Außerdem wird man nur in die Nähe des Zielortes gefahren. Der restliche Weg muss zu Fuß zurückgelegt werden. Dafür kann man bei Moia angeben, ob man in 5, 10 oder 15 Minuten zum Startort gehen möchte. Der Einstiegspunkt soll laut Moia nie weiter als 250 Meter entfernt sein.

    Wo gibt es das?

    Moia gibt es bis jetzt nur in Hamburg und in Hannover. Der Dienst ist auch nicht durchgehend verfügbar, die Betriebszeiten sind in den beiden Städten unterschiedlich.

    Was kostet das?

    Laut dem Anbieter kostet eine Fahrt zwischen 5 und 10 Euro. Fährt man als Gruppe gemeinsam, kostet jede weitere gebuchte Person weniger.

    BerlKönig

    Wie funktioniert es?

    Das Konzept ist ähnlich wie bei Moia. Nachdem man sein Wunschstart und Wunschziel angegeben hat, vermittelt der Dienst einen Start- und Zielpunkt in der Nähe. Anbieter sind die Berliner Verkehrsbetriebe.

    Wo gibt es das?

    Die Vans von BerlKönig fahren nur in Berlin.

    Was kostet es?

    Der Fahrpreis liegt bei mindestens vier Euro. Jede weitere gebuchte Person kostet die Hälfte des regulären Preises.

    Geteiltes Taxi

    Free Now Match

    Wie funktioniert es?

    Free Now ist eine klassische Taxivermittlung – nur eben per App. Die Funktion Match ist über dieselbe App verfügbar. Dabei werden die Anfragen von zwei Fahrgästen zusammengelegt, die zur gleichen Zeit in die gleiche Richtung fahren wollen.

    Wo gibt es das?

    Die Matchfunktion ist derzeit nur in Hamburg verfügbar.

    Was kostet das?

    Der Anbieter gibt an, dass man mit der Funktion bis zu 50 Prozent für seine Fahrt sparen könne.

    (Infobox: Robin Senpinar)

    #Taxi #Mietwagen #Disruption #Uber #Deutschland

  • Richtlinie des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland über kirchliche Anforderungen der beruflichen Mitarbeit in der Evangelischen Kirche in Deutschland und ihrer Diakonie com 9. Dezember 2016
    https://www.kirchenrecht-bremen.de/mobile/index.html#/document/dokument/html/13928

    Les employés des églises allemandes n’ont pas le droit de grève et sont obligés de respecter aussi dans leur vie privée les règles imposées par leurs dirigeants. Voici le texte en vigeur pour l’église protestente.

    (ABl. EKD 2017 S. 11)
    Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland hat am 9. Dezember 2016 aufgrund von Artikel 9 der Grundordnung der Evangelischen Kirche in Deutschland1 mit Zustimmung der Kirchenkonferenz vom 8. Dezember 2016 die Richtlinie des Rates über die Anforderungen der privatrechtlichen beruflichen Mitarbeit in der Evangelischen Kirche in Deutschland und des Diakonischen Werkes der EKD vom 1. Juli 2005 (ABl. EKD 2005 S. 413) geändert und wie folgt neu gefasst:
    § 1
    Geltungsbereich
    ( 1 ) 1 Diese Richtlinie regelt kirchliche Anforderungen an die in privatrechtlichen Dienst- und Arbeitsverhältnissen beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Dienststellen und Einrichtungen der Evangelischen Kirche in Deutschland und ihres Evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung e.V. 2 Den Gliedkirchen und ihren Diakonischen Werken wird empfohlen, ihre entsprechenden Regelungen auf der Grundlage dieser Richtlinie zu treffen.
    ( 2 ) Andere kirchliche und diakonische Einrichtungen, Werke und Dienste im Bereich der evangelischen Kirchen, die Mitglied im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung e.V. sind, können diese Richtlinie aufgrund von Beschlüssen ihrer zuständigen Gremien anwenden.
    ( 3 ) Diese Richtlinie gilt nicht für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnissen.
    § 2
    Grundlagen des kirchlichen Dienstes
    ( 1 ) 1 Der Dienst der Kirche ist durch den Auftrag bestimmt, das Evangelium in Wort und Tat zu bezeugen. 2 Alle Frauen und Männer, die in Anstellungsverhältnissen in Kirche und Diakonie tätig sind, tragen dazu bei, dass dieser Auftrag erfüllt werden kann. 3 Dieser Auftrag ist die Grundlage der Rechte und Pflichten von Anstellungsträgern sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. 4 Die gemeinsame Verantwortung für den Dienst der Kirche und ihrer Diakonie verbindet Anstellungsträger und Mitarbeiterinnen wie Mitarbeiter zu einer Dienstgemeinschaft und verpflichtet sie zu vertrauensvoller Zusammenarbeit.
    ( 2 ) 1 Die kirchlichen und diakonischen Anstellungsträger haben die Aufgabe, ihre Dienststellen und Einrichtungen gemäß ihrer evangelischen Identität zu gestalten. 2 Sie tragen Verantwortung für die evangelische Prägung in den Arbeitsvollzügen, den geistlichen Angeboten und der Organisation ihrer Dienststelle oder Einrichtung.
    ( 2 ) 1 Die Anstellungsträger haben die Aufgabe, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit den christlichen Grundsätzen ihrer Arbeit vertraut zu machen. 2 Sie fördern die Fort- und Weiterbildung zu Themen des Glaubens und des christlichen Menschenbildes.
    § 3
    Kirchliche Anforderungen bei der Begründung des Arbeitsverhältnisses
    ( 1 ) 1 Die Auswahl der beruflich in der Kirche und ihrer Diakonie tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter richtet sich nach der Erfüllung des kirchlichen Auftrags in seiner konkreten Ausgestaltung. 2 Die berufliche Mitarbeit in der evangelischen Kirche und ihrer Diakonie setzt grundsätzlich die Zugehörigkeit zu einer Gliedkirche der Evangelischen Kirche in Deutschland oder einer Kirche voraus, mit der die Evangelische Kirche in Deutschland in Kirchengemeinschaft verbunden ist. 3 Dies gilt uneingeschränkt für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, denen Aufgaben der Verkündigung, der Seelsorge und der evangelischen Bildung übertragen sind.
    ( 2 ) 1 Für Aufgaben der Dienststellenleitung können auch Personen eingestellt werden, die Glieder einer christlichen Kirche sind, die der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland angeschlossen ist oder der Vereinigung Evangelischer Freikirchen angehört. 2 Die Gliedkirchen können Satz 1 auf andere christliche Kirchen, die in ihrem Bereich zur Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen gehören, entsprechend anwenden. 3 Sofern es nach Art der Aufgabe unter Beachtung der Größe der Dienststelle oder Einrichtung und ihrer sonstigen Mitarbeiterschaft sowie des jeweiligen Umfelds vertretbar und mit der Erfüllung des kirchlichen Auftrags vereinbar ist, können für alle übrigen Aufgaben auch Personen eingestellt werden, die keiner christlichen Kirche angehören.
    ( 3 ) Für eine Einstellung in den Dienst der evangelischen Kirche und ihrer Diakonie kommt grundsätzlich nicht in Betracht, wer aus der evangelischen Kirche, aus einer anderen Kirche der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland oder der Vereinigung Evangelischer Freikirchen ausgetreten ist, ohne die Mitgliedschaft in einer anderen Kirche der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland oder der Vereinigung Evangelischer Freikirchen zu erwerben.
    § 4
    Kirchliche Anforderungen während des Arbeitsverhältnisses
    ( 1 ) 1 Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernehmen in ihrem Aufgabenbereich Mitverantwortung für die glaubwürdige Erfüllung kirchlicher und diakonischer Aufgaben. 2 Sie haben sich daher gegenüber der evangelischen Kirche loyal zu verhalten. 3 Christinnen und Christen haben für die evangelische Prägung der Dienststelle oder Einrichtung einzutreten. 4 Nicht-Christinnen und Nicht-Christen haben die evangelische Prägung zu achten.
    ( 2 ) Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind verpflichtet, sich innerhalb und außerhalb des Dienstes so zu verhalten, dass die glaubwürdige Ausübung ihres jeweiligen Dienstes nicht beeinträchtigt wird.
    § 5
    Verstöße gegen kirchliche Anforderungen an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
    ( 1 ) 1 Erfüllt eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter eine in dieser Richtlinie genannte Anforderung an die Mitarbeit im kirchlichen oder diakonischen Dienst nicht mehr, soll der Anstellungsträger durch Beratung und Gespräch auf die Beseitigung des Mangels hinwirken. 2 Als letzte Maßnahme ist nach Abwägung der Umstände des Einzelfalles eine außerordentliche Kündigung aus wichtigem Grund möglich, wenn der Mangel nicht auf andere Weise (z. B. Versetzung, Abmahnung, ordentliche Kündigung) behoben werden kann.
    ( 2 ) 1 Für den weiteren Dienst in der evangelischen Kirche und ihrer Diakonie kommt nicht in Betracht, wer während des Arbeitsverhältnisses aus der evangelischen Kirche ausgetreten ist, ohne die Mitgliedschaft in einer anderen Kirche zu erwerben, die der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland oder der Vereinigung Evangelischer Freikirchen angehört. 2 Gleiches gilt für den Austritt aus einer Kirche der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland oder der Vereinigung Evangelischer Freikirchen. 3 Für den weiteren Dienst kommt daneben nicht in Betracht, wer in seinem Verhalten die evangelische Kirche und ihre Ordnungen grob missachtet oder sonst die Glaubwürdigkeit des kirchlichen Dienstes beeinträchtigt.
    § 6
    Gliedkirchliche Bestimmungen
    Soweit Anforderungen in gliedkirchlichen Regelungen für besondere Berufsgruppen über die Anforderungen dieser Richtlinie hinausgehen, bleiben sie unberührt.
    § 7
    Inkrafttreten
    Diese Richtlinie tritt für die Evangelische Kirche in Deutschland und ihr Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e.V. am 1. Januar 2017 in Kraft.

    Warum dürfen Kirchenmitarbeiter nicht streiken?
    https://www.zeit.de/karriere/beruf/2015-09/arbeitsrecht-streikrecht-kirchen-mitarbeiter

    Arbeitsrecht der Kirchen
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Arbeitsrecht_der_Kirchen

    #travail #religion #Allemagne

  • #Camion_de_la_honte : les 39 victimes sont chinoises

    L’enquête semble se diriger vers un nouveau drame d’esclavage moderne, avec la révélation de la nationalité chinoise des 39 victimes, 8 femmes et 31 hommes.

    Ils n’ont pas encore de noms, d’âge et encore moins de sépultures. Mais on sait déjà que leur voyage cauchemardesque a commencé loin, très loin, à l’autre bout du monde. Les 39 personnes retrouvées sans vie dans la nuit de mardi à mercredi dans le conteneur d’un camion réfrigéré sur une zone industrielle de l’Essex, à l’est de l’Angleterre, venaient de Chine. Il y avait 8 femmes, dont une très jeune adulte, et 31 hommes, a confirmé jeudi la police d’Essex.

    L’ambassade de Chine au Royaume-Uni a immédiatement réagi. « C’est avec un cœur lourd que nous lisons ces informations », a tweeté un porte-parole en indiquant « travailler avec la police pour éclaircir et confirmer la situation ». Ce n’est pas la première fois, sans doute pas la dernière, que des Chinois sont les victimes d’un drame de l’esclavage moderne au Royaume-Uni, les otages de gangs ultra-organisés, aux ramifications mondiales, des triades chinoises aux réseaux criminels d’Europe centrale et à ceux d’Europe occidentale. Ces criminels vendent, très cher et sans scrupule, la promesse d’un eldorado qui n’existe pas.

    L’enquête le confirmera, mais la National Crime Agency (NCA), qui travaille en coordination avec la police de l’Essex et celle d’Irlande du Nord d’où est originaire le chauffeur du camion, a indiqué chercher à identifier « des groupes de crime organisé qui pourraient avoir joué un rôle » dans cette tragédie. La garde à vue du chauffeur, un homme de 25 ans, a été prolongée de vingt-quatre heures et des perquisitions étaient en cours dans trois résidences en Irlande du Nord, dans le comté d’Armagh. Selon le Daily Mail, qui cite un proche, le jeune homme aurait lui-même prévenu les secours après avoir ouvert l’arrière du camion pour y récupérer des papiers. La police n’a pas confirmé ces informations.
    En 2000, 58 Chinois retrouvés morts dans un camion

    Le 18 juin 2000 déjà, 58 Chinois avaient été retrouvés morts asphyxiés à l’arrière d’un camion, dans le port de Douvres. Seules 2 personnes avaient survécu. Grâce à elles, le périple infernal des victimes avait été retracé. Partis de la province chinoise de Fujian, sur le littoral du sud-est de la Chine, en face de l’île de Taiwan, ils avaient pris un avion depuis Pékin, avec leurs passeports légaux, jusqu’à Belgrade en Yougoslavie.

    Des passeports volés, coréens pour la plupart, leur avaient alors été fournis. De Belgrade, ils avaient été acheminés par petits groupes dans des camionnettes vers la Hongrie, puis l’Autriche et la France. De là, ils avaient pris un train vers les Pays-Bas où ils avaient été « cueillis » par la branche européenne du gang de trafiquants, à Rotterdam. Enfermés à 60 dans un camion, dont le sas de ventilation avait été fermé, avec seulement quatre seaux d’eau, ils étaient morts étouffés lors de la traversée de Zeebruges en Belgique à Douvres. Le chauffeur, un Néerlandais, et une interprète chinoise, le contact des immigrés au Royaume-Uni, avaient été condamnés respectivement à seize et six ans de prison.
    « On coule »

    C’est aussi de la province de Fujian que venaient la plupart des 23 immigrés illégaux chinois, retrouvés noyés quatre ans plus tard, le 5 février 2004, dans la baie de Morecambe, dans le Lincolnshire (nord-ouest de l’Angleterre). Ils avaient été embauchés pour pêcher à marée basse des coques. Payés la misérable somme de 5 pounds (6 euros) pour 25 kg de coquillages. Cette baie est immense, sujette à de grands mouvements de marée. Les Chinois ne parlaient pas ou très peu anglais, ne connaissaient pas le coin, le danger de l’eau montante.

    C’était l’hiver, ils étaient à pied d’œuvre dans la soirée, dans l’obscurité. Un pêcheur chinois avait donné l’alerte en appelant les secours sur son téléphone portable et en criant, dans un anglais approximatif : « On coule, on coule dans l’eau, beaucoup, beaucoup, on coule dans l’eau. » 23 personnes s’étaient noyées. Le crâne d’une femme avait été rejeté sur la plage six ans plus tard. Le corps d’une des victimes n’a jamais été retrouvé.

    Un seul homme, Li Hua, a survécu. Dix ans plus tard, en 2014, il se confiait à la BBC. « Il faisait un noir d’encre et j’étais terrifié. Je me suis dit que je n’avais plus qu’à me laisser mourir et puis, je ne sais pas, une vague m’a retourné… J’étais seul et soudain, un hélicoptère m’a repéré. » Son témoignage avait permis la condamnation d’un trafiquant, Lin Liang Ren, à quatorze ans de prison. Pour éviter toutes représailles, Li Hua avait été placé sous la protection spéciale du gouvernement britannique. « Nous sommes tous venus ici pour la même raison. Nous avons laissé derrière nous nos familles pour construire une vie meilleure. Et tous ont disparu d’un coup, juste comme ça. J’ai juste eu de la chance. »
    L’identification de chacun « pourrait prendre du temps »

    Jeudi en milieu de journée, le camion et ses 39 victimes étaient dissimulés dans un hangar du port de Tilbury Docks, à quelques centaines de mètres de là où le conteneur a été débarqué mardi dans la nuit en provenance de Zeebruges. Les autorités belges ont précisé que le conteneur était arrivé dans le port ce même mardi, à 14h29, avant d’être embarqué sur un ferry dans la soirée. Pour le moment, les enquêteurs ne savent pas à quel moment, ni où exactement les victimes ont été enfermées dans le conteneur.

    A l’abri des regards, les médecins légistes ont entrepris la lourde tâche d’examiner les corps un à un pour déterminer les causes du décès. Ensuite, les autorités tenteront « d’établir l’identité de chacun, une opération qui pourrait prendre du temps », a précisé la police. Alors, ces âmes auront peut-être enfin un nom, un visage et quelqu’un pour les pleurer, loin très loin de ce triste hangar.

    https://www.liberation.fr/planete/2019/10/24/camion-de-la-honte-les-39-victimes-sont-chinoises_1759507

    –-> On sait depuis que probablement les victimes ne sont pas chinoises, mais vietnamiennes...

    #UK #Angleterre #Essex #asile #migrations #réfugiés #frontières #Manche #La_Manche #22_octobre_2019 #camion #décès #morts #mourir_dans_la_forteresse_Europe

    • #Pham_Thi_Trà_My

      “Mi dispiace mamma. Il mio viaggio all’estero non è riuscito. Mamma ti voglio tanto bene!
      Sto morendo perché non riesco a respirare …
      Vengo da Nghen, Can Loc, Ha Tinh, Vietnam …
      Mi dispiace, mamma.”

      Questo è l’ultimo, straziante, SMS che una ragazza ventiseienne vietnamita, di nome Pham Thi Trà My ha inviato, presumibilmente dall’interno del TIR dell’orrore, martedì scorso, 22 Ottobre 2019.

      Un messaggio carico di disperazione, un ultimo pensiero per la persona a lei più cara, la mamma.

      La sua mamma.

      E’ drammatico questo messaggio, perché ci fa comprendere che quei 39 migranti asiatici hanno sentito giungere la loro morte; ne hanno sofferto; hanno pensato; hanno avuto tutto il tempo per comprendere che la loro fine si andava, inesorabilmente, avvicinando.

      E tutto questo è terribile. Terribile. Terribile.

      Non sopporto più questa disumanità, non sopporto chi continua a dire aiutiamoli a casa loro, non sopporto chi continua a gioire (ma come cazzo si fa a gioire?) di questi tragici eventi.

      Io, lo dico francamente, sto imparando ad odiare!

      Ad odiare voi indifferenti, voi complici, voi misera gente che vi girate dall’altra parte.

      Ci state riuscendo.

      State riuscendo a trasformarmi, piano piano.

      State riuscendo a trasmettermi il vostro odio ma, sappiate, lo utilizzerò solo contro voi.

      Contro voi che pensate di essere gli unici ad avere diritto alla vita e spero, per questo, un giorno siate puniti!

      Perdonaci, se puoi, Pham Thi Trà My…


      https://eliminiamolapostrofo.wordpress.com/2019/10/25/pham-thi-tra-my
      #migrants_vietnamiens #Vietnam #22_octobre_2019

    • Essex lorry deaths: Vietnamese families fear relatives among dead

      At least six of the 39 people found dead in a lorry trailer in Essex may have been from Vietnam.

      The BBC knows of six Vietnamese families who fear their relatives are among the victims.

      They include Pham Thi Tra My, 26, who has not been heard from since she sent text messages on Tuesday saying she could not breathe.

      A man was earlier arrested at Stansted Airport on suspicion of manslaughter and conspiracy to traffic people.

      The 48-year-old from Northern Ireland is the fourth person to be arrested in connection with the investigation.

      Two people from Warrington are being held on suspicion of manslaughter and conspiracy to traffic people and the lorry driver is in custody on suspicion of murder.

      Ms Tra My’s brother, Pham Ngoc Tuan, said some of the £30,000 charge for getting his sister to the UK had been paid to people smugglers and her last-known location had been Belgium.

      The smugglers are understood to have returned money to some families.

      Meanwhile, relatives of Nguyen Dinh Luong, 20, have also said they fear he is among the 39 victims.

      Ms Tra My’s brother told the BBC: "My sister went missing on 23 October on the way from Vietnam to the UK and we couldn’t contact her. We are concerned she may be in that trailer.

      “We are asking the British police to help investigate so that my sister can be returned to the family.”

      The last message received from Ms Tra My was at 22:30 BST on Tuesday - two hours before the trailer arrived at the Purfleet terminal from Zeebrugge in Belgium.

      Her family have shared texts she sent to her parents which translated read: "I am really, really sorry, Mum and Dad, my trip to a foreign land has failed.

      “I am dying, I can’t breathe. I love you very much Mum and Dad. I am sorry, Mother.”

      Ms Tra My’s brother told the BBC her journey to the UK had begun on 3 October. She had told the family not to contact her because “the organisers” did not allow her to receive calls.

      “She flew to China and stayed there for a couple days, then left for France,” he said.

      “She called us when she reached each destination. The first attempt she made to cross the border to the UK was 19 October, but she got caught and turned back. I don’t know for sure from which port.”

      The BBC has passed details of Ms Tra My, who is from Nghen town in Can Loc district of Ha Tinh province area of Vietnam, to Essex Police, along with details of other people claiming to have information.

      The BBC also knows of two other Vietnamese nationals who are missing - a 26-year-old man and a 19-year-old woman.

      The brother of the 19-year-old said his sister called him at 07:20 Belgian local time (06:20 BST) on Tuesday, saying she was getting into a container and was turning off her phone to avoid detection.

      He has not heard from her since.

      He said a people smuggler returned money to the family overnight, and the family of the 26-year-old who she was travelling with also received money back.

      A spokesman from the Vietnamese Embassy in London confirmed they had been in contact with Essex police since Thursday.

      They said Vietnamese families had appealed to them for help finding out if their relatives were among the victims but added they had not yet received any official confirmation.

      The victims of the trailer were 31 men and eight women and Essex Police initially said they were all believed to be Chinese.

      They were found at an industrial estate in Grays at 01:40 BST on Wednesday.

      At a press conference on Friday evening Deputy Chief Constable Pippa Mills said the force was working with the National Crime Agency, the Home Office, the Foreign and Commonwealth Office, Border Force and Immigration Enforcement.

      She said she would not be drawn on any further detail about the nationalities of the victims until formal identification processes had taken place.

      “We gave an initial steer on Thursday on nationality, however, this is now a developing picture,” she said.

      Police have confirmed the scene at Waterglade Industrial Estate in Eastern Avenue was closed on Friday.

      Essex Police also urged anyone fearing their loved ones may have been in the lorry to get in touch.

      “I can’t begin to comprehend what some of you must be going through right now. You have my assurance that Essex Police will be working tirelessly to understand the whole picture to this absolute tragedy,” said Det Ch Con Mills.

      She also urged anyone living illegally in the UK who may have information to come forward, without fear of criminal action being taken against them.

      GPS data shows the refrigerated container trailer crossed back and forth between the UK and Europe in the days before it was found.

      It was leased from the company Global Trailer Rentals on 15 October. The company said it was “entirely unaware that the trailer was to be used in the manner in which it appears to have been”.

      Essex Police said the tractor unit (the front part of the lorry) had entered the UK via Holyhead - an Irish Sea port in Wales - on Sunday 20 October, having travelled over from Dublin.

      Police believe the tractor unit collected the trailer in Purfleet on the River Thames and left the port shortly after 01:05 on Thursday. Police were called to the industrial park where the bodies were discovered about half an hour later.

      Temperatures in refrigerated units can be as low as -25C (-13F). The lorry now is at a secure site in Essex.

      A spokesman for the UN International Organization for Migration said the discovery of bodies in Essex did not necessarily indicate a major shift in migration patterns.

      “These are the kind of random crimes that occur every day in the world somewhere,” he said. “They get huge attention when they do but they don’t necessarily indicate a big shift in migration or patterns in any place in particular. It’s just the condition of what happens when this many people are engaging this many criminal groups to reach a destination, which of course we deplore.”

      Detectives are still questioning the lorry driver, Mo Robinson, of County Armagh in Northern Ireland, on suspicion of murder. He was arrested on Wednesday.

      Two other people were also earlier arrested on suspicion of manslaughter.

      The man and woman, both 38, from Warrington, Cheshire, are also being held on suspicion of conspiracy to traffic people.

      Police officers were seen at the couple’s home address in Warrington, with a police van and two squad cars parked outside.

      Sources say the GPS data shows it left Monaghan in the Republic of Ireland on 15 October before crossing over to Northern Ireland and then returning south to Dublin
      From Dublin, it crossed over to Holyhead in Wales overnight on 16 October
      That evening, it travelled to continental Europe from Dover to Calais in France
      Between 17 and 22 October, it moved between various cities in Belgium and France, including Dunkirk, Bruges and Lille
      On 22 October, it made its final crossing from #Zeebrugge to #Purfleet

      https://www.bbc.com/news/uk-england-50185788

    • *Essex lorry deaths: The Vietnamese risking it all to get to the

      UK*

      An hour’s drive inland from the French coast, a dozen Vietnamese men nurse tea over a smoking campfire, as they wait for a phone call from the man they call “the boss”. An Afghan man, they say, who opens trailers in the lorry-park nearby and shuts them inside.

      Duc paid €30,000 ($33,200; £25,000) for a prepaid journey from Vietnam to London - via Russia, Poland, Germany and France. It was organised, he says, by a Vietnamese contact back home.

      “I have some Vietnamese friends in UK, who will help me find jobs when I get there,” he told me. “These friends help me get on lorries or container trucks to go across the border.”

      Security is much less tight in the nearby lorry park than around the ports further north. But few people here have managed to get past the border controls.

      We were told there is a two-tier system in operation here; that those who pay more for their passage to Britain don’t have to chance their luck in the lorries outside, but use this base as a transit camp before being escorted on the final leg of their journey.

      A Vietnamese smuggler, interviewed by a French paper several years ago, reportedly described three levels of package. The top level allowed migrants to ride in the lorry cab and sleep in hotels. The lowest level was nicknamed “air”, or more cynically “CO2” - a reference to the lack of air in some trailers.

      A local volunteer in the camp told us that they’d seen Vietnamese and British men visiting migrants here in a Mercedes. And that once migrants arrived in the UK, some went to work in cannabis farms, after which all communication stopped.

      Duc tells me he needs a job in the UK to pay back the loan for his journey.

      “We can do anything,” he says, “construction work, nail bars, restaurants or other jobs.”

      A report by one of France’s biggest charities described smugglers telling Vietnamese migrants that refrigerated lorries gave them more chance of avoiding detection, and giving each of them an aluminium bag to put over their heads while passing through scanners at the border.

      No one here had heard about the 39 people found dead this week.

      This journey is about freedom, one said.

      https://www.bbc.com/news/world-europe-50190199

    • More Vietnamese families fear relatives are among the 39 UK truck victims

      Two Vietnamese families have said they are scared relatives may be among the dead. Both of the suspected victims come from Ha Tinh, an impoverished province where many of the country’s illegal migrants come from.

      More Vietnamese families came forward Saturday saying their relatives may be among the 39 people found dead in a container truck east of London.

      Police initially believed all victims were Chinese but later announced this may not be accurate and that investigations were still a “developing picture.”

      At least two Vietnamese families have now said they are worried their relatives, who may have been carrying falsified Chinese passports, are among the dead.

      The Vietnamese Embassy in London said Friday it contacted police about a missing woman believed to be one of the dead after a family in Vietnam informed them about their daughter who had been missing since the lorry was found.

      The Embassy said it was working with British authorities over the case, Vietnamese media reported.

      Up to 10 of the victims may have originally come from Vietnam, according to unconfirmed reports. The BBC reported it had been in contact with six Vietnamese families, all who believe their relatives are among the 39 victims found in Grays, Essex on Wednesday.

      Read more: Opinion: It’s time to end human trafficking

      ’Something unexpected happened’

      The father of a 20-year-old Vietnamese man said he is scared his son is among the dead. He told the Associated Press that he had not been able to reach his son Nguyen Dinh Luong since last week.

      “He often called home but I haven’t been able to reach him since the last time we talked last week,” Nguyen Dinh Gia said. “I told him that he could go to anywhere he wants as long as it’s safe. He shouldn’t be worry about money, I’ll take care of it.”

      Gia said his son left home in Ha Tinh province, central Vietnam, to work in Russia in 2017 then on to Ukraine. He arrived in Germany in April 2019 before making his way to France. He had been living in France illegally since 2018.

      The 20-year-old told his family he wanted to go to the United Kingdom (UK), and that he would pay £11,000 (€12,700). Last week, he told his father he wanted to join a group in Paris that was trying to enter England.

      Several days ago, his father received a call from a Vietnamese man saying, “Please have some some sympathy, something unexpected happened,” Gia told AFP.

      “I fell to the ground when I heard that,” Gia said. “It seemed that he was in the truck with the accident, all of them dead.”

      The family said they shared the information with Vietnamese authorities.

      Read more: Opinion: EU’s immigration policy is stuck in a rut

      ’I’m dying because I can’t breathe’

      Hoa Nghiem, a human rights activist from Vietnamese civic network, Human Rights Space, said on Friday one of the victims may have been 26-year-old Pham Thi Tra My.

      Tra My had sent a text message to her mother saying she was struggling to breathe at around the same time as the truck was en route from Belgium to the UK.

      “I’m so sorry mom and dad....My journey abroad doesn’t succeed,” she wrote. “Mom, I love you and dad very much. I’m dying because I can’t breathe .... Mom, I’m so sorry,” she said in a message confirmed by her brother Pham Manh Cuong.

      Cuong had received a message from his sister on Wednesday saying, “Please try to work hard to pay the debt for mummy, my dear.”

      No confirmation

      Chinese Foreign Ministry spokeswoman Hua Chunying told a press briefing Friday in Beijing that Britain has not officially confirmed the identities or nationalities of the victims. She added that China is also working with Belgium police since the shipping container in which the bodies were found was sent from England to the Belgian port of Zeebrugge.

      “The police said that they were urgently carrying out the verification work and the identities of the victims cannot be confirmed at present,” said Tong Xuejun, a Chinese consular official in London.

      Both suspected victims come from the impoverished province of Ha Tinh where many of the country’s illegal migrants come from. Many who try to reach the UK end up working in nail salons or cannabis farms.

      https://www.dw.com/en/more-vietnamese-families-fear-relatives-are-among-the-39-uk-truck-victims/a-50997473

    • Vietnamese woman suspected killed in UK truck disaster

      A father has reported to Vietnamese authorities that his 26-year-old daughter may have been one of the 39 found dead in a container truck in England.

      #Pham_Van_Thin, of Can Loc District in the central Ha Tinh Province, sent a letter Friday to the People’s Committee of Nghen Town, saying his daughter was likely one of the 39 people found dead in a container truck in the Waterglade Industrial Park, Grays Town.

      “My daughter, Pham Thi Tra My, left Vietnam on October 3, 2019, then travelled to China, France and England,” Thin wrote in the letter, which had My’s photo attached. She was described as 1.5 meters tall and weighing around 46 kilograms.

      Thin asked the Nghen People’s Committee to verify that he is My’s father, in order to initiate legal procedures to identify and bring his daughter’s body back to Vietnam.

      At his home in Nghen Town, Thin’s family members confirmed that he had indeed submitted an application to the authorities to verify that My was missing, but refused to provide further information on her overseas travel.

      The Nghen Town People’s Committee has passed on Thin’s letter to the Can Loc District’s Department of Labor, Invalids and Social Affairs, which, in turn, will report to authorities with jurisdiction over the matter, said Bui Viet Hung, Vice Chairman of the committee.

      “Thin’s family has three children, of which My is the youngest. My had worked overseas in Japan for three years, and only last month completed procedures to go to China,” Hung said.

      A senior official of the Ha Tinh Provincial Department of Foreign Affairs, who did not wish to be named, said Friday afternoon that he had received a phone call from the Ministry of Foreign Affairs’ Consular Department asking to verify the case of a Vietnamese worker from Ha Tinh Province suspected missing in the UK.

      The Ha Tinh Provincial Department of Foreign Affairs has contacted authorities of Can Loc District, where a person has allegedly been reported missing, to verify the information.

      According to an authorized source, My had used an emigration ring led by a resident of Nghe An Province to go to China. After getting there, she obtained forged Chinese citizenship documents and left for Europe.

      One of My’s relatives has reportedly contacted the Vietnamese Association in the U.K., a non-profit organization, to request their assistance in bringing her body home.

      In the early hours of Wednesday morning, U.K. emergency services discovered the bodies of 38 adults and one teenager, suspected immigrants, after being alerted that there were people in a refrigerated container truck at the Waterglade Industrial Park in Grays, Essex County, east of London.

      Staff of the Chinese Embassy in London have arrived at the scene to help police verify whether the victims were Chinese citizens.

      Three people, including truck driver, were arrested on suspicion of conspiracy to traffic people and manslaughter, the British police said on Friday, the first indication from officials that the deaths were linked to human smuggling.

      In 2000, 58 Chinese migrants were found dead in a refrigerated truck in Dover, Britain’s busiest port. The authorities said they had asphyxiated in the container, in which cooling and ventilation were switched off.

      https://e.vnexpress.net/news/news/vietnamese-woman-suspected-killed-in-uk-truck-disaster-4002594.html


    • https://www.facebook.com/ndt105/posts/10218065950232006

      Traduction et commentaire d’une étudiante de mon master, vietnamienne :

      He said: "It is possible that all 39 “Chinese-like-people” who were suffocated in the car in the UK were Vietnamese. Even the majority of them are probably Nghe An-Ha Tinh by participating in a smuggling transfer service. If they send a message to their family, the family will pay about 1 billion VND (35.000£) for the Vietnamese smugglers. If they NEVER text again, it looks like family members get a refund for the deposit. A terrible contract."
      The photos are captured in a Facebook group for recruiting and supporting Vietnamese in a foreign country (maybe England, I’m not sure). People are posting information of their relatives who left at the same time with the lorry and didn’t contact anymore. All of them were born in 1999, 2000 and from Ha Tinh, Nghe Anh (2 poor cities in the center of Vietnam). The last photo is a message of a woman saying that she has people in contact with the invesgators and there are already 20 people identified as Vietnamese.

    • Majority of 39 UK truck victims likely from Vietnam - priest

      YEN THANH, Vietnam (Reuters) - The majority of the 39 people found dead in the back of a truck near London were likely from Vietnam, a community leader from the rural, rice-growing community where many of the victims are believed to have come from told Reuters on Saturday.

      The discovery of the bodies - 38 adults and one teenager - was made on Wednesday after emergency services were alerted to people in a truck container on an industrial site in Grays, about 32km (20 miles) east of central London.

      Police have said they believe the dead were Chinese but Beijing said the nationalities had not yet been confirmed. Chinese and Vietnamese officials are now both working closely with British police, their respective embassies have said.

      Father Anthony Dang Huu Nam, a catholic priest in the remote town of Yen Thanh in northern-central Vietnam’s Nghe An province, 300km (180 miles) south of Hanoi, said he was liaising with family members of the victims.

      “The whole district is covered in sorrow,” Nam said, as prayers for the dead rang out over loudspeakers throughout the misty, rain-soaked town on Saturday.

      “I’m still collecting contact details for all the victim’s families, and will hold a ceremony to pray for them tonight.”

      “This is a catastrophe for our community.”

      Nam said families told him they knew relatives were travelling to the UK at the time and had been unable to contact their loved ones.

      Vietnam’s foreign ministry said in a statement on Saturday that it had instructed its London embassy to assist British police with the identification of victims.

      The ministry did not respond to a request for further comment regarding the nationalities of the dead.

      Essex Police declined to elaborate as to how they first identified the dead as Chinese.
      ‘BEAUTIFUL DAY’

      In Yen Thanh, Nghe An province, dozens of worried relatives of 19-year-old Bui Thi Nhung gathered in the family’s small courtyard home where her worried mother has been unable to rise from her bed.

      “She said she was in France and on the way to the UK, where she has friends and relatives,” said Nhung’s cousin, Hoang Thi Linh.

      “We are waiting and hoping it’s not her among the victims, but it’s very likely. We pray for her everyday. There were two people from my village travelling in that group”.

      In comments under a photo uploaded to Nhung’s Facebook account on Monday, two days before the doomed truck was discovered, one friend asked how her journey was going.

      “Not good,” Nhung replied. “Almost spring,” she said, using a term in Vietnamese meaning she had almost reached her destination.

      Other photos on her account show her sightseeing in Brussels on Oct. 18.

      “Such a beautiful day,” Nhung posted.

      Nghe An is one of Vietnam’s poorest provinces, and home to many victims of human trafficking who end up in Europe, according to a March report by the Pacific Links Foundation, a U.S.-based anti-trafficking organisation.

      Other victims are believed to come from the neighbouring province of Ha Tinh, Nam said, where in the first eight months of this year, 41,790 people left looking for work elsewhere, including overseas, according to state media.

      The province was ravaged by one of Vietnam’s worst environmental disasters in 2016 when a steel mill owned by Taiwan’s Formosa Plastics contaminated coastal waters, devastating local fishing and tourism industries and sparking widespread protests.

      Another suspected victim from Ha Tinh, 26-year-old Pham Thi Tra My, had sent a text message to her mother saying she could not breathe at about the time the truck container was en route from Belgium to Britain.

      “That girl who said in her message that she couldn’t breathe in the truck? Her parents can’t breathe here at home,” Nam said.

      https://uk.reuters.com/article/uk-britain-bodies/majority-of-39-uk-truck-victims-likely-from-vietnam-priest-idUKKBN1X503M

    • « Désolée maman, je suis en train de mourir, je ne peux plus respirer » : les SMS déchirants d’une jeune victime à l’agonie dans le camion de l’Essex

      La jeune vietnamienne Pham Thi Tra My, 26 ans, avait parcouru la Chine puis la France dans ses tentatives pour atteindre la Grande Bretagne. Son périple se terminera dans le camion de Mo Robinson, comme celui de 38 autres ressortissants asiatiques.


      https://www.sudinfo.be/id148457/article/2019-10-25/desolee-maman-je-suis-en-train-de-mourir-je-ne-peux-plus-respirer-les-sms

    • UK police: man arrested in Ireland is of interest in truck death investigation

      British police said a man arrested in Dublin on Saturday is a person of interest in their investigation into the deaths of 39 people who were found in a truck container.

      “A man arrested by the Garda at Dublin Port on Saturday 26 October is a person of interest in our murder investigation regarding the 39 people found dead in a lorry in Purfleet on Wednesday 23 October,” Essex Police said.

      https://www.reuters.com/article/us-britain-bodies-ireland-idUSKBN1X70FX

    • The 39 people who died in the lorry were victims. Why does the law treat them as criminals?

      As long as the justice system is focused on immigration status, not on ending modern-day slavery, desperate people will suffer.

      What leads someone down the route where they find themselves locked into the back of a lorry, a beating heart in a metal box? What choices – or lack of them – have led someone to be reduced to a piece of human cargo? Can anyone who read the story of the 39 bodies found in the back of a lorry last week not feel the visceral terror of that cold, dark death and wonder at how we live in a world where a business model exists that thrives off this level of human desperation?

      At the moment it is unclear whether this tragedy is the work of smuggling gangs – who are in a transactional arrangement with the people they are moving from place to place – or human traffickers, who are exploiting and profiting from their human cargo. In the end, does it even matter? Both are looking to profit from the very human desire to not only survive but to thrive. Across the world, trafficking and smuggling gangs are flogging promises and dreams and then using fear – of pain, of the authorities, of their debts, of their failure – to make vast amounts of money in the knowledge that they’re unlikely to get caught, and in the certainty that their victims are expendable.

      One Vietnamese teenager I interviewed last year had, like last week’s victims, crossed the Channel in the back of a lorry. He described the experience to me: the pain of the jolting metal that tore into his skin; the stench of other silent bodies he was pressed up against; the poisonous diesel fumes; and the hunger and thirst that gnawed at his insides.

      His journey towards that point had begun with a childhood of crippling and monotonous poverty and the belief that the only way to escape and honour his filial responsibility to provide for his parents was to follow the promise of work in the UK. He embarked on an overland journey across Europe where he was smuggled from safe house to safe house, fell under the control of criminal gangs and was raped, beaten and brutalised. By the time he reached France, he was told he had to pay back £20,000 – an amount he couldn’t even comprehend. His parents would be the ones who would suffer if he didn’t pay them back.

      By his point his life was not in his hands. A chain of events had been set in motion that he had no control over. There was no way back: his only future was one where his sole reason for survival was to pay off his debts. He ended up being trafficked into a cannabis farm in Derbyshire.

      In the eyes of the law there is a distinction between illegal work and modern slavery – with the former you are a criminal, and the latter a victim – but in reality the line is not so clearly defined. Many who are here to work move between the two. Across the UK, thousands end up being exploited and unpaid in our restaurants, car washes, agricultural fields, care homes, hotels and nail bars – visible but unseen.

      Official statistics say up to 15,000 people are trapped in a form of modern slavery in the UK – although those working on the frontline believe this figure to be a huge underestimate. Our government says that with the 2015 Modern Slavery Act it is a global leader in cracking down on this practice, yet prosecutions remain low. In 2017-18 there were only 185 convictions for slavery and trafficking crimes – a fraction of the cases reported to the authorities.

      Crucially, prosecutions require victims to come forward and testify. Yet their immigration status is often considered more of a priority than their exploitation. Traffickers tell their victims if they go to the police they will be arrested and detained, and more often than not they’re right. Recent research found over 500 victims of trafficking were arrested and sent to immigration detention centres last year. Even though police guidance tells officers how to identify cases of modern slavery, Vietnamese children found in nail bars or cannabis farms are still routinely arrested, charged and detained.

      Even those who are recognised as victims of trafficking by the authorities are in for a rough ride. The government’s national referral mechanism, the framework for identifying and protecting victims of slavery, is sometimes considered by victims to be as traumatising as their trafficking. They can find themselves trapped in a legal limbo in a complex and under-resourced system for years at a time. And in the end victims are probably going to be removed back to the country where they were trafficked: according to the government’s own figures only 12% of victims of slavery are granted discretionary leave to remain.

      All of this matters because it creates an environment in which the business of exploiting the desperation of human beings can thrive. Where the gangs know that British people will pay £8 in cash for a pedicure, or to get our car hand washed, without thinking too much about why. It’s a business model where people can be exploited for profit over and over again with the near certainty that in the end it will be the victim who the system comes down upon, for making the journey in the first place.

      In 2004 the death of 23 Chinese cockle pickers in Morecambe Bay was a moment of reckoning – a human tragedy that, for many people, raised the spectre of modern slavery in the UK for the first time. Today, 15 years later, maybe these 39 deaths might do the same and remind us that our only chance of beating the business in flogging human lives is to try to understand how people come to be locked inside the backs of lorries in the first place.

      https://www.theguardian.com/commentisfree/2019/oct/29/39-people-lorry-victims-law-criminals-immigration-slavery?CMP=share_btn

    • En route vers le Royaume-Uni, enquête de terrain auprès des migrants vietnamiens

      #France_terre_d'asile a réalisé une enquête de terrain auprès des migrants vietnamiens en transit dans le département du Pas-de-Calais, dans le cadre du projet d’aide aux victimes de traite des êtres humains mené par l’association.

      L’étude analyse les parcours migratoires de ces migrants, les raisons de leur départ, leurs profils, leurs relations avec les réseaux de passeurs, les moyens d’emprise et de coercition exercés sur eux et leurs besoins afin d’améliorer leur accompagnement en France et en Europe.

      https://www.france-terre-asile.org/toutes-nos-publications/details/1/209-en-route-vers-le-royaume-uni,-enqu%C3%AAte-de-terrain-aupr%C
      #rapport

    • Precarious journeys: Mapping vulnerabilities of victims of trafficking from Vietnam to Europe

      New research by ECPAT UK, Anti-Slavery International and Pacific Links Foundation traces the journeys made by Vietnamese children and adults migrating irregularly from Vietnam to the UK via Europe. The report, Precarious Journeys: Mapping Vulnerabilities of Victims of Trafficking from Vietnam to Europe, finds that the governments of countries on key trafficking routes routinely fail to protect Vietnamese children from trafficking, leaving them vulnerable to continued exploitation and abuse.


      https://www.ecpat.org.uk/precarious-journeys

    • Vietnamese migrants are not ‘lured’ by traffickers. They just want a better future

      The risks are known and won’t deter people. There will be more deaths in lorries unless Britain changes its immigration policy.

      https://i.guim.co.uk/img/media/05ed4f7268ba39f63a3d283434f6a7c153c96150/0_0_3600_2160/master/3600.jpg?width=620&quality=85&auto=format&fit=max&s=479e7dd01a75bb999e8d74

      Thirty-nine bodies found in the back of a refrigerated lorry in an Essex industrial park. Apart from shock and rage, this tragic news feels like deja vu. Almost two decades ago, in 2000, 58 Chinese people were found suffocated to death in Dover, in similar horrific circumstances. Those men and women banged on doors and screamed for their lives, the only two survivors revealed. The tragic deaths left families behind and communities back in Fujian province devastated.

      Today, many of the 39 people, eight women and 31 men, are believed to have come from Vietnam, as families there desperately look for their missing loved ones.
      The 39 people who died in the lorry were victims. Why does the law treat them as criminals?
      Annie Kelly
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      I also felt deja vu listening to the response from British politicians and media. “Stop evil human traffickers”; “Stop international criminal networks”. I heard such phrases two decades ago from the home secretary, Jack Straw, and today his successor, Priti Patel, repeats the sentiment. While formal identification of the victims continues, Vietnamese people have mostly been portrayed as “unaware” trafficking victims sent to fill the nail bars and cannabis factories – as having no agency of their own and no control over their migratory decisions.

      In reality, the Vietnamese young men and women who choose to travel on these dangerous routes only do so when they cannot come to Britain in formal ways. Having no alternatives, they contact “snakeheads” (smugglers), who are often perceived as “migration brokers” rather than criminals, who organise their transportation to Britain.

      It appears that many of the 39 people may have come from the Nghe An and Ha Tinh provinces of Vietnam, which have been hit by economic reforms. Three decades ago, in 1986, the Vietnamese government launched the Doi Moi economic reforms, which aimed to facilitate a transition from a centralised planning to a “socialist-oriented” market economy. From the 1990s onwards, the government boasted of Vietnam’s rise in GDP – what was not said was that the growth was built upon the low-cost labour of millions of Vietnamese, toiling in processing factories and assembling products for overseas companies. The inflow of foreign investment has been a big part of Vietnam’s economic liberalisation. In recent years, it has brought cash to the high-tech processing, manufacturing, agriculture, education and healthcare sectors. Since the start of this year, Vietnam has attracted foreign direct investment of more than $1.1bn (£850m), China alone bringing in $222m.

      https://i.guim.co.uk/img/media/0437ed70716e77799c71a362955e1e1ce116355b/0_175_5568_3341/master/5568.jpg?width=620&quality=85&auto=format&fit=max&s=97d294bd0eb6ec60a2715d

      Many of these changes have not been popular: large waves of anti-China protests happened in May 2014, in Ha Tinh and other places. And in 2018 there was popular opposition to legislation enabling special economic zones to grant land leases to foreign businesses for up to 99 years.

      In 2016 Ha Tinh was also the site of the country’s worst environmental disaster, caused by a chemical spill from a steel factory, owned by a Taiwanese company, Formosa Plastics, that poisoned up to 125 miles of the northern coastline and ruined the fishing industry. Formosa Plastics was fined $500m by the Vietnamese government, but much of the compensation did not reach the affected fishermen.

      The low labour cost in these provinces is the main attraction for Chinese and other foreign investors. For instance, a factory worker here earns around two-thirds of what a similar worker earns in China, and half the local population are under the age of 30.

      Rather than wealth, foreign investment has brought mainly dead-end, low-paid jobs with few long-term prospects for young locals. The average wage in Vietnam is around $150 a month; in these provinces many don’t even earn that. Besides, unemployment is severe. Last year, GDP per capita in both Nhge An ($1,600) and Ha Tinh ($2,200) fell below the national average of $2,500. This is the context compelling tens of thousands of Vietnamese from these impoverished provinces to choose to migrate, to seek livelihoods for themselves and their families.

      Families often depend on sons and daughters to find their way into advanced capitalist countries in the west, to work and be the breadwinners. Remittances from abroad also help sustain communities – Nghe An, for instance, brought in $225m a year, according to official estimates.

      The 39 people were not “unthinking migrants” lured by traffickers, as the media has suggested. They were fighting for a future for their families, and lost their precious lives as Britain firmly kept its doors locked shut.

      If the tragic deaths of these men and women truly sadden you, the best thing to do is oppose Britain’s anti-migrant policies. We need to dismantle the false categories of “economic migrants” and “genuine refugees”. Let our fellow human beings have the opportunity to live and work in the open – that is the only way forward.

      https://www.theguardian.com/commentisfree/2019/oct/30/vietnamese-migrants-traffickers-deaths-lorries-britain-immigration-poli

    • Essex lorry deaths should be wake-up call for ministers, MPs say

      Policies focused on closing borders counterproductive, says foreign affairs committee

      The deaths of 39 people found in the back of a lorry in Essex should be wake-up call for the government to rethink its approach to migration, MPs have said.

      Policies focused on closing borders will drive migrants to take more dangerous routes and push them into the hands of smugglers, the foreign affairs select committee says in a new report.

      The human cost of irregular migration made international partnerships essential, including with the EU, the committee said.

      The report comes just over a week after 39 people, now understood to be Vietnamese nationals, were found dead in the back of a lorry that had arrived in the UK via the port of Zeebrugge.

      The driver, Maurice Robinson, has been charged with manslaughter and trafficking offences, and a police investigation into a suspected wider trafficking network continues.

      Tom Tugendhat, the chair of the influential committee, said that until the UK left the EU it should continue to attend EU meetings on migration.

      “The case of 39 people found dead in a lorry in Essex shocked us all. The full story won’t be clear for some time but this tragedy is not alone,” he said.

      “Today, hundreds of families across the world are losing loved ones who felt driven to take the fatal gamble to entrust their lives to smugglers. This case should serve as a wake-up call to the Foreign Office and to government.

      “The UK has been relatively isolated from the different migrant crises in recent years, but it’s wrong to assume that we are protected from their impact. The UK has a proud history of helping those fleeing conflict and persecution and cooperating with others to protect human rights. We should lead by example.”

      The report also raised concern that deals with countries such as Libya, Niger and Sudan to limit migration risked fuelling human rights abuses.

      It said such deals could be used as leverage by partner governments, as the Turkish president, Recep Tayyip Erdoğan, had done recently when he threatened to “reopen the gates”.

      The committee also said the fact that the Home Office was responsible for the UK’s response to irregular migration could lead to the “error of focusing on preventing migration to the exclusion of other goals such as preventing conflict and promoting stability and respect for fundamental human rights”.

      It called for more effort to negotiate future close cooperation on migration policy with the EU and an immediate return of UK officials to EU-level meetings where irregular migration is discussed.

      Other recommendations included the expansion of legal pathways to apply for asylum outside Europe and robust monitoring and safeguards to ensure UK funding for migration programmes in Libya did not contribute to human rights abuses.

      Tugendhat said the committee’s inquiry had been cut short by the “uncertain nature of parliamentary business”, but that it hoped to return to the issues in the future.

      Irregular migration is defined by the International Organization for Migration as the “movement of persons that takes place outside the laws, regulations, or international agreements governing the entry into or exit from the state of origin, transit or destination”.

      https://www.theguardian.com/uk-news/2019/nov/04/essex-lorry-deaths-should-be-wake-up-call-for-ministers-mps-say?CMP=Sha

    • France: Dozens of migrants found in back of truck near Italian border

      The truck had been carrying 31 people, reportedly from Pakistan, when it was inspected by authorities in southern France. The latest discovery comes after dozens of migrants were found dead in a truck near London.

      Officers carrying out a routine traffic check in southern France uncovered dozens of migrants in the back of a truck on Saturday, the public prosecutor’s office in Nice said.

      Some 31 people, including three unaccompanied minors, were found in the truck during a vehicle spot-check at a toll booth near La Turbie, near the border with Italy.

      Prosecutors said that all 31 people on board were Pakistani nationals. The driver of the truck, who is also from Pakistan, was arrested by French authorities.

      The migrants were handed over to Italian authorities, the Nice-Matin newspaper reported.

      Prosecutors will now try to determine whether a human smuggling ring is behind the operation. Should that prove not to be the case, the driver of the truck will be charged with aiding and abetting illegal immigration, news agency AFP reported.

      Concerns after UK migrant truck deaths

      The discovery comes just days after French authorities in the northern port city of Calais pulled over a refrigerated truck carrying eight migrants. All those inside the truck, including four children, were taken to the hospital after exhibiting signs of hypothermia.

      Border control agencies have been on high alert following the deaths of 39 migrants in the UK on October 23.

      The migrants, who were determined to be Vietnamese nationals, had also been transported in a refrigerated truck when the vehicle was found east of London.

      The alleged driver of the truck, a 25-year-old from Northern Ireland, has already been charged over the deaths. He faces 39 counts of manslaughter as well as human trafficking and immigration offenses.

      https://www.dw.com/en/france-dozens-of-migrants-found-in-back-of-truck-near-italian-border/a-51094985
      #ceux_qui_restent #vidéo #celles_qui_restent

    • #Spare_me_the_tears - Britain would have treated the Vietnamese nationals as criminals if they had not died in the lorry

      Had the police found the desperate migrants in the back of the truck they would have been arrested and deported

      I waited a while before writing this column. The deferral was out of respect for the dead, grieving relatives and the shocked Essex officers who discovered the bodies.

      But now it is time for uncomfortable, troublesome, questions: What if those thirty nine Vietnamese migrants found in the back of truck had been discovered still alive?

      Would the tabloids have published those tender pictures of young victims, smiling, buoyant, sons and daughters, grandsons and granddaughters, nieces and nephews, fathers and mothers?

      Would Boris Johnson and Home Secretary Priti Patel have been as compassionate as they have been?

      Would nationalist Brits have held back from their usual bellyaches about ‘uncontrolled migration’? Let’s not belabour the obvious. We know the answers.

      It is believed that all of those who were found were Vietnamese. On Saturday, around one hundred people attended the service at the Church of the Holy Name and Our Lady of the Sacred Heart in east London.

      The Reverend Simon Nguyen remembered the 39 who were ‘seeking freedom, dignity and happiness’. Such a low attendance is indicative. The victims are only numbers in the current news cycle.

      In 2000 when 58 bodies of Chinese migrants were found in the back of a lorry in Dover, some of us journalists and concerned actors such as Corin Redgrave and Frances de la Tour organised a vigil near Downing St. We wanted to remind people that behind the numbers were names, individual, special lives.

      Nothing has been learnt since then. One Vietnamese contact tells me her people are now petrified: ‘Police will come to ask us questions maybe. We know nothing. We are the children of the boat people. Mrs Thatcher asked them to come during the war. Now we are afraid again’.

      Thatcher did indeed invite these migrants to settle in Britain and made sure that the tabloids ran their arrival as a good news story. It was a strategic move, her way of winning the PR battle against Vietnamese communists.

      The refugees were welcomed and helped to settle. That was the only time I praised the iron lady. No Tory PM would dare to be that bold today.

      In the UK, Australia, the US, many eastern European and EU nations too, most citizens and politicians feel for refugees, asylum seekers and migrants only when they perish at sea or in airless, light-less vehicles.

      Alive they are a pestilence, dead they become pitiful innocents preyed on by traffickers. There are of course kind and generous people too, who do what they can, for the global wanderers desperately seeking a better life. But millions of others can only raise sympathy for bodies and really get exercised about the crimes, not the victims.

      Journalists, politicians and commentators are now well into the whodunnit, madly exhilarating murder mystery, identifying the traffickers, the arrests and extraditions. They are sniffing around for other ploys that could be being used by criminal people smugglers.

      A Times investigation this week revealed that at least 15 pupils from Vietnam had vanished after enrolling at private schools. Apparently, this is something that the Human Trafficking Foundation is worried about too.

      It fell upon Catherine Baker, the senior campaigns officer at Every Child Protected Against Trafficking to challenge the narrative: ‘ Victims are often criminalised instead of being protected and a hostile environment for people in the UK without immigration status makes those still trapped in exploitative situations nervous to seek help’.

      Mercy is in short supply at the Home Office and Ms Patel, utterly benighted and scarily ideological, wants officials to get even tougher because she thinks suffering helps to deter others.

      Charities are raising concerns about some devious new tactics being used by the Home office to catch and repatriate undocumented men and women.

      Rapar, a Manchester based human rights charity has just discovered that minority community groups are being co-opted and paid thousands of pounds to help find and expel illegal migrants.

      Fizza Qureshi, co-chief executive of the Migrants Rights Networks rightly warns that ‘these kinds of practices destroy trust within and between communities. It will leave many marginalised people wondering who they can turn to and trust in their time of need’.

      Had the police found the distressed 39 in the back of the truck before they expired, they would all have been treated as criminals, interrogated, detained in abominable centres and sent back.

      Few legal options are available to them. People will keep on trying and these inconvenient truths will continue to be avoided by Britain and other receiving nations.

      And so the tragedies will go on.

      https://inews.co.uk/opinion/uk-would-have-treated-vietnamese-migrants-as-criminals-if-they-had-lived-82

    • Grieve the Essex 39, but recognise the root causes

      In the wake of the deaths of 39 migrants in a lorry container, daikon*’s Kay Stephens writes on the global structures of capitalism and imperialism and the deadly border regimes that led to their deaths.

      On 24 October, daikon*, a group of anti-racist creatives of east and south east Asian descent, organised a vigil outside the Home Office with SOAS Detainee Support and members of the Chinese community to grieve for the 39 people found dead in a truck container in Essex – 39 people who died horrific deaths in miserable conditions in a desperate attempt to reach the UK.

      These deaths are no accident, but the direct result of global structures of capitalism and imperialism that marginalise, if not violently exclude, working-class undocumented migrants and people of colour. The mainstream’s response – calling for harsher borders, criminal justice for ‘greedy and unscrupulous’ traffickers and safe passage for ‘genuine’ refugees –fails to interrogate the global conditions that lead people to risk dangerous travel, and the deadly effects of border controls on all migrants.

      The global context

      Although initially identified as Chinese nationals, news is emerging that the majority of victims were from the neighbouring Vietnamese provinces of Nghệ An and Hà Tĩnh, both amongst the poorest regions in the country. In 2016, Hà Tĩnh suffered a water pollution disaster affecting over 200km of coastline, resulting in at least 70 tonnes of dead fish washing up on local shores. It was found that the Hà Tĩnh steel plant – a joint venture between the Taiwanese company Formosa, China Steel Corporation and Japan’s JFE Steel – had been discharging toxic waste into the ocean, devastating local marine life and directly affecting some 40,000 workers who relied on fishing and tourism for their livelihood. The affected communities have faced crackdowns on protest and are still seeking justice. Today, the region is a key site of people-smuggling to the UK.

      We can see neo-colonial dynamics playing out here. Big corporations from richer countries come in to exploit resources and low labour costs to produce wealth for themselves. When they cut corners to maximise profit, local working-class communities bear the brunt of the fallout, often in the form of irreparable environmental damage. These same countries then benefit from a hyper-exploitable migrant workforce: Taiwan and Japan, for instance, are on the receiving end of Vietnamese labour export programmes. These are effectively systems of debt servitude, whereby migrants work long hours for low pay in often poor conditions in order to send remittances to support their families back home, on top of repaying debts incurred to obtain work abroad. In Taiwan, low wages and rampant abuse drive many workers to break away from their contracts and seek criminalised forms of work. In Japan, Vietnamese workers commonly report experiences of racism and social exclusion, with many even dying of overwork.


      This year, we also saw the inclusion of an investor-state dispute settlement (ISDS) style mechanism in EU-Vietnam trade deals. This effectively gives foreign investors the power to sue host governments when their court rulings, laws and regulations – many of which serve the public interest – undermine their investments. Globally, ISDS has been used by corporations to sue governments when hard-won social and environmental protections negatively impact their production and profits. Currently, two British oil firms are using ISDS to sue the Vietnamese government to avoid paying taxes in the country. With the EU-Vietnam trade deal, we can expect European corporations to continue to exploit this mechanism at the expense of the local environment and people, who may increasingly seek to build their lives elsewhere.

      The UK response

      It is in this context that smuggling networks develop and operate. Those seeking the prospect of a better life abroad may hire the services of smugglers who facilitate illegalised movement across borders. Many will incur debts to finance their journeys, and expect to undertake difficult work upon arrival at their destination. One response of the UK Home Office is to support IOM (International Organization for Migration) Vietnam, both in delivering propaganda campaigns that attempt to deter people from illegalised migration, and in criminal investigations aimed at prosecuting smugglers and traffickers – policies that do nothing to address the conditions that lead people to migrate. Politicians and commentators are also insisting that to avoid tragedies like the Essex 39, we need increased border security and continued collaboration with EU law enforcement and anti-trafficking units. Yet we have witnessed the prosecution of aid workers helping migrants to safety under EU trafficking laws, and there are countless reports of police brutality against migrants in EU border enforcement operations. In reality, tougher borders only lead migrants and smugglers to risk increasingly deadly and secretive migration routes in order to evade detection by improved security technology. Securitised responses also shift the smuggling industry away from community-based networks towards increasingly violent and highly organised criminal networks that are able to maximally exploit migrants’ vulnerability to increase their profit margins. In short, borders kill. If we want to prevent migrant deaths, we need to work towards the abolition of borders, starting with practical solidarity resisting borders in public life and our communities – refusing complicity in the hostile environment, visiting people in detention, and resisting immigration raids.

      The impact of criminalisation

      We should also be concerned about how an increased emphasis on anti-trafficking legislation may further endanger precarious migrant workers in the UK. In 2016, we saw ‘anti-trafficking’ police raids on massage parlours in Soho and Chinatown lead to the violent arrest of many migrant sex workers on immigration grounds. Whilst ostensibly aimed at addressing exploitation, these kinds of ‘rescue’ raids on brothels, nail bars and cannabis farms are basically indistinguishable from immigration raids, leading as they often do to the detention of migrant workers, who then either face deportation or a protracted legal battle to remain. Often underlying such operations are gendered and racialised assumptions of Asian migrant women as passive and helpless victims in need of rescue, and Asian men as unscrupulous and predatory traffickers, who control and exploit those helpless victims. The reality is that in the context of border regimes that push them into debt and underground economies, many migrants make a constrained choice to work under conditions that are to varying degrees exploitative or abusive in order to pay off debts to smugglers, send money to dependants, and indeed, to survive. The fact that the British state does not guarantee indefinite leave to remain, nor adequate social support to those it identifies as survivors of trafficking shows its fundamental failure to grasp the central role that borders and capitalism, rather than individual traffickers, play in producing conditions for exploitation and abuse.

      Whatever their circumstances, we need to ensure migrants are able to assert labour rights and access safe housing, work, healthcare and other public, legal and social services – all without fear of immigration sanctions or criminal convictions. At a minimum, this means ending the ‘hostile environment’ which embeds immigration checks throughout public life, and decriminalising industries such as sex work whose criminalisation only pushes undocumented workers deeper into secrecy and silence.

      As heart-breaking stories of victims continue to emerge, we must recognise that such deaths are an inevitability of the neo-colonial, securitised regimes being built globally, designed to marginalise working-class migrants and people of colour, who are rendered exploitable or disposable. Systemic analyses that centre anti-capitalism, no borders, building migrant workers’ rights globally, and the decriminalisation of sex work are not distractions but central to bringing an end to senseless deaths such as those of the Essex 39.

      http://www.irr.org.uk/news/grieve-the-essex-39-but-recognise-the-root-causes

    • Lorry driver pleads guilty over role in Essex deaths

      #Maurice_Robinson, 25, admits plotting to assist illegal immigration
      A lorry driver charged with the manslaughter of 39 Vietnamese migrants found dead in a refrigerated trailer has pleaded guilty to plotting to assist illegal immigration.

      Maurice Robinson, 25, who is known as Mo, was allegedly part of a global smuggling ring. He was arrested shortly after the bodies of eight females and 31 males were found in a trailer attached to his Scania cab in an industrial park in Grays, Essex, on 23 October.

      The victims were identified later as Vietnamese nationals, with the youngest being two boys aged 15.

      Robinson appeared at the Old Bailey in London via video link from Belmarsh prison for a plea hearing. He spoke to confirm his identity and British nationality.

      Robinson admitted conspiracy to assist unlawful immigration between 1 May 2018 and 24 October 2019. The charge states that he plotted with others to do “an act or series of acts which facilitated the commission of a breach of immigration law by various persons”.

      During the hearing before Mr Justice Edis, Robinson also admitted acquiring criminal property – namely cash – on the same dates. He was not asked to enter pleas to other charges, including 39 counts of manslaughter.

      Police formally identified all 39 victims this month and informed their families. It has emerged, however, that relatives of the migrants found dead were told that neither the British nor Vietnamese governments would bear the costs of repatriating the bodies.

      Police in Vietnam have arrested eight people suspected of being part of a ring responsible for smuggling Vietnamese people to Britain.

      Essex police have launched extradition proceedings to bring Eamonn Harrison, 22, from Ireland to the UK. He appeared at Dublin’s central criminal court last Thursday after he was arrested on a European arrest warrant in respect of 39 counts of manslaughter, one count of a human trafficking offence and one count of assisting unlawful immigration.

      Harrison is accused of driving the lorry with the refrigerated container to Zeebrugge in Belgium before it was collected in Essex by Robinson.

      Robinson was remanded into custody until a further hearing on 13 December.

      https://www.theguardian.com/uk-news/2019/nov/25/lorry-driver-pleads-guilty-in-essex-deaths-case?CMP=Share_AndroidApp_Tw

    • Don’t call the Essex 39 a ‘tragedy’

      Jun Pang on why the deaths of 39 undocumented migrants were entirely avoidable, and why borders are to blame.

      On 23 October, 39 people were found dead in the back refrigerated lorry in Essex, South East England, with media outlets reporting that the victims may have frozen to death in temperatures as low as -25°C.

      The truck had crossed The Channel from Belgium, a route that has been used increasingly by migrants after the French government tightened restrictions on departures from Calais.

      These 39 deaths were not a ‘tragedy’. They were not unavoidable. They were the direct result of British government policies that have made it impossible to enter the country using safe and legal means.

      The conditions that produced these 39 deaths emerge from the same set of policies that deny asylum, justify indefinite immigration detention, charter deportation flights, and restrict migrants’ access to fundamental rights – that is, the so-called ‘Hostile Environment’.

      The aim is to make the UK so inhospitable for migrants that they will not make the effort to try to enter. They are also the conditions that allow the Global North to continue to thrive off the exploitation of undocumented migrant workers.

      ‘The brutality of capitalism’

      When I first heard of the deaths, I was reminded of the 2004 Morecambe Bay disaster, when 23 undocumented Chinese workers drowned while picking cockles off the Lancashire coast. These workers did not die of ‘natural causes’, they died because their gangmaster did not give them any information about how to work safely in the notoriously dangerous bay. He was willing to sacrifice these undocumented workers’ lives for the sake of a higher yield.

      Chinese workers were described by one gangmaster as ‘a half-price... more punctual and productive workforce’. Did their employers imagine that Chinese people’s racialized ‘productivity’ somehow meant that they were also immune to the elements? One Morecambe Bay cockler later told journalist Hsiao-Hung Pai (who later wrote a book about Chinese migrant workers’ lives in the UK) that ‘he blamed the brutality of capitalism for the tragedy’.

      At the end of 2018, China was one of the countries with the highest numbers of citizens in UK detention centres. Earlier this year, I visited a Chinese man in detention, who had come to the UK with the help of so-called ‘snakehead’ smugglers, who are often blamed for the deaths of undocumented migrants like the Essex 39. The man had fled to the UK for fear that he would be killed; he did not know how else he could enter.

      The Home Office rejected his refugee application, detained him for more than a year (despite bundles of evidence from experts on his situation) and ended up deporting him – but not before first mistakenly deporting another man with the same surname.

      One of the most heartbreaking things he had said to me was that he would rather work for £1 an hour in the detention centre for the rest of his life, than go home and face persecution.
      Hierarchy of ‘desert’

      It is not useful to speculate on the reasons why these 39 Vietnamese nationals decided to try to enter the UK. More important is to recognize that the UK border has long been a site of racialized, classed, and gendered violence for all migrants, regardless of the reasons for entering. In 1998, the New Labour government published ‘Fairer, Faster, and Firmer – A Modern Approach to Immigration and Asylum’, a White Paper which warned that ‘economic migrants will exploit whatever route offers the best chance of entering or remaining within the UK’. Two years later, in 2000, 58 Chinese nationals were found dead, having suffocated in the back of a lorry at Dover docks.

      States often attempt to distinguish ‘economic migrants’ from ‘real refugees’ as a way to restrict legal entry at the border. Such categorization creates an arbitrary hierarchy of entitlement to international protection, absent of any consideration of the unequal distribution of resources across the Global North and Global South that often makes seeking employment overseas the only way that some people – and their families – can survive.

      In theory, this hierarchy of ‘desert’ is illegitimate because human rights violations, including deprivation of socioeconomic rights, are not subject to ranking. In practice, the hierarchy also fails to give ‘priority’ to ‘real refugees’ due to the culture of disbelief around asylum applications. So migrants are forced to rely on smugglers to gain entry.

      Smugglers facilitate the entry of migrants through different pathways. This entails significant risks, as states establish stronger barriers to entry, including visa restrictions, carrier sanctions, and interceptions at sea. The journeys do not stop; the conditions simply become more and more deadly.

      Smuggling is different to trafficking, which is the forced movement of a person for the purpose of exploitation, including labour and sexual exploitation. Anti-trafficking policies, however, are often criticized for failing to protect, and sometimes causing direct harm to, undocumented migrants. In the UK survivors of trafficking are detained and in some cases deported; even after being recognized as survivors, they often do not receive adequate social support.

      Part of the ‘anti-trafficking’ movement is also rooted in an anti-sex work politics that conflates sex work with sexual exploitation. This perspective presents all migrant sex workers as ‘victims’ requiring ‘saving’. In the end, this only pushes migrant sex workers into more insecure working conditions, subjecting them to the threat of arrest, detention, and deportation.

      States often conflate smuggling and trafficking to introduce blanket restrictions on entry and to criminalize particular forms of work in order to eject unwanted migrants. But blaming migrants’ deaths on smugglers and traffickers does nothing but mask the structures of racism and capitalism that both restrict the movement of, and exploit, undocumented workers.

      We do not at the time of writing know if the 39 people in the back of the lorry were hoping to come to the UK as workers; or whether they were being trafficked into labour exploitation. But the objectification of their ‘bodies’ reminded me of the way that migrants are only useful until they are not; and then, they are, quite literally, disposable.

      A man is being questioned in connection with the murder of the Essex 39; but the blood is ultimately on the hands of the British state, and the global system of borders that entrenches exploitative and deadly relations of power.

      https://newint.org/features/2019/10/25/dont-call-essex-39-tragedy
      #terminologie #vocabulaire #mots #tragédie #pouvoir #capitalisme

    • "Pray for Me"

      In October 2019, British police discovered a truck with 39 dead bodies. All from Vietnam. Who were they? How did they get there? The story of twins, one of whom died.

      The father is sitting hunched over at the table, a lanky, 50-year-old farmer with leathery skin and hair that is more gray than it is black. It’s late January, the air is warm and dry. Light filters in through the grated window, as do sounds: the crowing of a rooster, the lowing of a cow. The father wipes his nose on his sleeve and takes another drag from his cigarette. There have been a great number of cigarettes since the large, white altar appeared in the house entry bearing the photo of a smiling, 19-year-old girl in a white blouse and a red-and-gold scarf draped around her neck. Her name was Mai. She was his daughter.

      An acquaintance drops by, reaches for a stick of incense from the tray next to the altar, lights it and mumbles an Our Father. “Ah! You!” says the father in greeting and pours a glass of green tea. The guest sits down and says what everyone has been saying these days.

      “My condolences.”

      “Mai was such a good girl. It must be so deeply painful.”

      “I wish for you and your family that you may one day overcome this pain.”

      “May God help you.”

      The father nods and the visitor puts on his motorcycle helmet and drives off.

      The man and his wife cultivate two rice fields in addition to keeping three cows and a dozen chicken behind the house. The mother also distills liquor and the father used to take side jobs in construction – drilling wells or lugging sacks of cement. But since his daughter’s death, he has stopped taking any jobs, and his wife takes care of the fields and the animals on her own.

      The father can no longer handle much more than receiving guests dropping by to express their sympathies. Even eating is a challenge.

      Mai and her twin sister Lan had a dream: They wanted to get out of Vietnam and head to the West, to America or Europe. Two girls with the same round nose, the same high forehead and the same weakness for flannel shirts and jeans. Two girls who had shared a bed their entire lives, dyed their hair and put on red lipstick like popstars from South Korea. Two girls hoping for a better life.

      The father says he understood the dream of his daughters. Here, in the countryside of central Vietnam, all the young people want to leave. But in the big cities of Vietnam, they are ridiculed as rubes with a funny accent, so they head overseas. His brother’s children are living in America; he has cousins in South Korea. Classmates of his daughters have made their way to Japan, Germany and England.

      After finishing school, Mai and Lan applied to two American universities, but they were rejected. Then, a cousin put them in touch with a man from a neighboring village who was now living overseas. A smuggler.

      The father was worried. He had heard how dangerous it could be to travel to the West illegally, especially for women. On the evening before their departure, he took them aside.

      “I won’t let you go,” he said. “I can’t allow it.”

      The sisters protested. “If we don’t go now, we might never get away.”

      The father relented. When he thinks back to that discussion today, tears run down his face. He reaches for a cigarette.

      Mai’s and Lan’s journey to a better life ended in a news report that circled the globe. On 23rd of October 2019, British police officers discovered 39 dead bodies in a container on the back of a truck in the county of Essex east of London. Mai was one of them.

      Court documents show that a Northern Irish truck driver had hauled the container through France and Belgium before it was loaded onto a ferry in Zeebrugge for the crossing to England, disguised as a delivery of biscuits. Upon arrival in the port of Purfleet in Essex County, a second driver, also from Northern Ireland, picked up the container at 1:08 a.m. on that October night. A short time later, he turned into an industrial park, where he opened the container door.

      According to the London daily Evening Standard, the driver passed out after opening the refrigerator unit and discovering the bodies, although that suggestion remained unverified. The Daily Mail quotes emergency teams who said there were bloodied handprints. At 1:38 a.m., the ambulance was called.

      Post-mortem examinations have come to the conclusion that the victims died of suffocation and overheating, likely during the nine-hour crossing to England. The container’s refrigeration system had been switched off.

      The two truck drivers and three accomplices are now in custody, with their trial set to begin in Britain this autumn. Eight more suspects have been charged in Vietnam. Investigations into the unlawful migration network are continuing in both countries, but already it seems clear that the authorities have not managed to track down the leaders of the network. Only the foot soldiers will be hauled into court.

      Reports of people who die on their way to Europe are usually about migrants from Africa or civil war refugees from the Middle East who drown in the Mediterranean. But the Essex tragedy is different.

      All of the 39 people who died were from Vietnam, a country that has been at peace for decades – a place that is popular as a vacation destination and which is growing more prosperous by the year.

      Still, the twin sisters Mai and Lan took off on this dangerous journey. What were they hoping for once they arrived in England? And was the container disaster in Essex an isolated case, or was it part of a dangerous migration movement that had managed to stay under the radar until then?

      This article was researched over the course of several months. The ZEIT reporters traveled to Vietnam, England and Spain, with much of their reporting taking place long before SARS-CoV-2 arrived in these countries. Like so many other things, the virus has also slowed down irregular migration, and only in the coming weeks will it become clear what is stronger – the pandemic or the desire for millions of people to leave their homeland.
      Spain

      Around 9,900 kilometers from her parents’ home in Vietnam, Lan is sitting in a nail salon in a Spanish city not far from the Mediterranean. To protect their identities, the names of both Lan and her deceased twin sister Mai have been changed for this story, also Lan’s employer will not be identified. Lan, wearing jeans and a black hoodie, is filing a customer’s nails. She has a blue-and-white plaid fabric mask wrapped around her face, as do all of the workers here to protect themselves from the fumes and the fingernail dust. Winter is just coming to an end and the coronavirus has yet to arrive.

      Lan bends silently over the left hand belonging to a young Spanish woman with dark brown hair and a cheek piercing, her fingers spread wide. Lan’s workspace is in the back, next to the massage chair with the footbath. On her table is a fan and a clamp-on desk lamp, from which a small electric nail file is hanging. On the wall is a poster of a woman naked from the waist up, her arms crossed to cover her breasts. Next to it are the words “Beauty Nails.”

      Spain. Lan is stuck here. The Vietnamese smuggler who organized the sisters’ trip last summer – he’ll be called Long – told them all about the wonders of England. He told them he lived there himself, though it would later turn out that he really lives in Germany.

      Mai and Lan didn’t know much about England. They didn’t have a specific idea of the kind of life they wanted to live or the jobs they wanted to have, but they figured they would be granted residency and make lots of money. Then, they would return to Vietnam, get married and have children. That was the plan.

      Long, the smuggler, told the girls that the trip he was organizing for them would be almost as comfortable as vacation. They would only have to make a choice regarding the last leg of the journey, from France to England. Would they rather travel in the cab of a truck, in a horse trailer or in a container?

      The father chose the truck cab, the safest and most expensive method. The price: 1.1 billion Vietnamese Dong per sister, for a total equal to almost 88,000 euros. To get ahold of that much money, the father decided to take out a loan, with his property and that of his siblings as collateral.

      It was a good investment, Long promised. He would take care of everything, including forged passports. And once they arrived in England, he said, one of his contacts would pick up the girls and help them find jobs. Jobs that would lead to a better life.

      In the nail studio, Lan stands up from her stool and asks the customer to follow her and the two then sit down at a table near the entrance. The customer spreads her fingers out again and Lan walks over to a shelf where small, colorful bottles of nail polish are lined up. She pulls out two bottles, one white and one clear. The Spanish woman has requested a French manicure: clear nails with white tips.

      The nail studio where Lan works is no different from thousands of others just like it in Europe. It is located in a shopping mall with glass entry doors and faux-marble floors. On the ground floor, young shoppers push past H&M while families eat pizza up in the food court. At Beauty Nails, a manicure and pedicure with no polish costs 32 euros. The husbands sit on chairs near the door, fiddling with their smartphones.

      What remains invisible from the outside is the world that keeps the business going, the continued arrival of migrants who enter the country illegally. In many Western countries, nail studios are run by the Vietnamese, though the reason is more by chance than by design: In the 1970s, the Hollywood actress Tippi Hedren visited a Vietnamese refugee camp in California. To help the people there build up new lives for themselves, she set up courses in nail care and even flew in her own manicurist to help teach them. That was how the first Vietnamese began filing and polishing nails for a living. They were so successful, that many of their compatriots followed their example, first in the United States and then in Europe. And they are still expanding the business, with the necessary personnel coming from their former homeland.

      Only two of the five Vietnamese who are working in the nail studio on this day have valid residency papers, the boss and his longest-serving employee, both of whom have lived in Spain for a long time. The other three – a young man in his early 20s, a woman of the same age and Lan – are in the country without permission.

      It’s not easy to trace the circuitous path the two sisters took on their way to Europe. Lan has only faint memories of the many people and places they encountered, while some of the details regarding the smugglers and their methods cannot be adequately verified. The ZEIT reporters tried to corroborate the stories told by the young woman by looking at passport stamps, pictures and social media posts. They compared Lan’s account with those from the families of other victims and discussed them with migration experts. They have come to the conclusion that Lan’s story is credible.
      The Path to the West: Malaysia

      The two sisters began their trip in late August of last year at the airport in the Vietnamese capital of Hanoi, 300 kilometers from their home village. Their mother had stayed home, with Long, the smuggler, insisting that there be no intimate hugs or even tears as the parents bid farewell. He was concerned that such scenes could have attracted the attention of the police. Only their father had joined them on the trip to the airport.

      Mai and Lan had two, small trolley cases with them, one brown and the other white, in which they had packed T-shirts, collared shirts and a few articles of warm clothing. They also each had 500 USD and 700 euros in cash. Their plan was to pose as tourists heading off on a trip with their partners. At the terminal, they met two young Vietnamese men who were also on their way to the West. The twins were to fly with the two men to Malaysia. Their father thought they looked decent, and the fact that they were Catholic put his mind at ease.

      The sisters left Vietnam with the feeling that a grand adventure lay ahead of them.

      At the airport in Kuala Lumpur, the group was received by a Chinese woman, who drove them to a hotel outside of the city. Mai and Lan went out to eat and to have a look around, feeling like a couple of tourists. Later, the Chinese woman returned with red passports, telling the girls that they were to say they were from China from then on.

      Mai and Lan learned a few sentences in Chinese from the woman and had to memorize their new names and places of birth. Mai’s new name was “Lili,” but Lan has forgotten hers. “It was so long,” she says.

      The very next day, Lan had to continue the journey without her sister, with the smugglers saying that their identical dates of birth threatened to attract unwanted attention.

      So, she flew with three or four other Vietnamese and the Chinese woman to the Azerbaijan capital of Baku. There, they boarded a plane bound for Istanbul. When they arrived, Lan presented her Chinese passport. Mai arrived two days later with a different group.

      Spain

      At Beauty Nails, the hum of nail filers competes with the rattling of shopping carts outside in the mall. Every now and then, a customer walks in, triggering a flurry of orders from the boss in Vietnamese and the customer is taken to a free table.

      Vietnamese acquaintances of Vietnamese acquaintances helped Lan get the job in the nail studio and she now spends six days a week here, from 10 a.m. to 9:30 p.m., with only Sundays off. It’s of no consequence to her whether it is cold and wintery outside or whether the sun warms the colorful building facades as it does on this spring-like Saturday. All Lan sees are broken nails, split nails, torn nails, nails with chipped polish and unpainted nails that are waiting to be filed and painted.

      Lan guesses that she serves 20 customers a day, not many compared to the others, she says. She has been working here for more than two months, but she still hasn’t been paid. “It’s like an apprenticeship,” she later says after the workday is over and she can speak freely. “Plus, they take care of my lodging and food.”

      Lan lives in a four-room flat on the fifth floor of an apartment building together with eight other Vietnamese, seven men and a woman. She and the other woman share a room in the apartment and sleep in the same bed. The apartment belongs to her boss and everyone who lives here works in one of his two nail studios. Late in the evening, once the workday is over, they cook together.

      Lan speaks in short, hesitant sentences, frequently looking away in embarrassment. She says she doesn’t know how long her purported training program will last and she hasn’t yet managed to muster up the courage to ask.

      She leaves her own nails unpainted. Polished nails aren’t particularly practical in her line of work, nor does she like the look of colored fingernails. In the first week, her fingers turned red and scaly, but now she washes her hands after every customer and uses lotion, which has helped.
      The Path to the West: Turkey

      In Istanbul, the sisters stayed in an old hotel. Along with the rooms for normal guests, there were hidden rooms in the basement and in the attic, Lan says, adding that around 30 Vietnamese and 20 people from China were staying in the hotel, migrants passing through. They all contributed money for the shopping and then cooked together in a kitchen in the attic. After just over a week in Turkey, they made their first attempt to leave the country. The smugglers drove them into a forest, but they were taken into custody by the Turkish police and brought to a police station, where they were held for around four hours. The Turks were friendly, Lan recalls. “We even taught them a bit of Vietnamese.”

      Back in the city, Lan and the others waited a few days. Then they tried again.

      The vehicle was a minivan, designed for seven people, but the seats had been removed and that evening, 27 people crammed inside: Vietnamese, Chinese, Iraqis and Iranians. Mai and Lan had to leave their suitcases back in the hotel and were only allowed to bring along plastic bags with a bit of food and clothing. After about three hours, they again reached the forest, where they proceeded to wait. At around 2 a.m., two Turkish men showed up with two folded up inflatable rafts. The group then walked for around four hours until they reached a river that was just a few meters wide. The Turks pumped up the boats and brought Lan and the others across to the other side. It only took a couple of minutes. And then, they were in Greece.
      Vietnam

      Nghe An, the home province of the two sisters in Vietnam, is neither particularly rich nor is it extremely poor. The life that Mai and Lan led there was largely confined to just a few square kilometers: There was their parents’ two-story home with its red roof; there was the Catholic church where the family – the twins, their parents and their two younger siblings – would worship; and there were the rice fields everywhere.

      Sometimes, their father would drive Mai and Lan to the seaside, a 15-minute trip on the moped. At others, the twins would head out without him, driving around for a couple of hours on their own.

      During their excursions, the sisters could see how their region was changing. In many villages, there were hardly any traditional, dark farmhouses with moss covering the walls. Most families have built multi-story homes in recent years, painted in bright colors like lemon yellow or sky blue. Surrounded by banana trees and high fences, stucco-decorated gables jut upward with Greek columns out front and wooden shutters on the windows. Money left over after the homes are complete tends to be spent on air conditioning.

      The prosperity here comes from relatives living abroad, as everyone here knows. Mai and Lan were well aware of it too. There is even a term for these people who live somewhere in the West: Viet-Kieu, overseas Vietnamese.

      Emigration has long been a feature of life in Vietnam. After communist North Vietnam won the war against the Americans in the mid-1970s and took over South Vietnam, hundreds of thousands of people fled the country in boats and were taken in primarily by France and the U.S. Later, many Vietnamese traveled as contract workers to socialist “brother states,” like the Soviet Union, East Germany, Bulgaria and Czechoslovakia. More recently, migrant workers have followed, most of them young and from rural areas. People like Mai and Lan.

      Today, almost every Vietnamese family has relatives living overseas, who regularly send money back home. According to the World Bank, remittances worth $16.7 billion were sent back to Vietnam from abroad last year, a total that is many times what the country received in official development assistance.

      If the mother has to go to the hospital; if the son is to be sent to university; if the grandfather can no longer work: Many Vietnamese families are dependent on money from abroad. Those who earn that money thousands of kilometers away are smiling down from pictures hung in living rooms across the country – proud emigrants posing in front of famous Western tourist attractions like Big Ben, the Eiffel Tower and the Brandenburg Gate.

      What you don’t see in the pictures are the dangers encountered by many of the migrants who have left Vietnam in recent years.

      On that October night in the English county of Essex, 31 men and eight women from several central Vietnamese provinces died in the white metal container. The ZEIT reporters were able to speak with the families of 38 of the 39 victims.

      Such as the parents of 26-year-old Pham Thi Tra My. In the final minutes of her life, she was able to write her parents a text message. But only when the doors of the container were finally opened – long after all its occupants had died – did Tra My’s mobile phone once again find a signal and send her words to her family: “Mom and dad, I’m so sorry (…). I didn’t make it. Mom. I love you both. I’m dying because I can’t breathe (…). Mom, I’m so sorry.”

      The dead body of Dang Huu Tuyen, 22, was also lying in the container. His parents had sent him to Laos to make money, but the wages paid at the construction sites there were too low, so Tuyen headed off to Europe. Even now, after the death of his son, Tuyen’s father says heading abroad is the best thing a young man can do.

      Tran Hai Loc and his wife Nguyen Thi Van, both 35, also died in the container. In contrast to most parents, they decided to head abroad together to make more money so they could quickly return to their children in Vietnam. In the grandparents’ home, there is now an altar bearing a photo of the couple. The children, two and four years old, sometimes gaze at it uncomprehendingly.
      The Path to the West: Greece

      On the Greek side of the border, Lan says, they saw bushes with white tufts on them. Cotton. They reached a clearing that looked as though someone had just been camping there and the Turkish smugglers spread out a blanket for them to sit on.

      The smugglers told the group they had to wait in the clearing until evening and that they had to stay as quiet as possible because of the possibility of police roaming through the forest. It was a chilly evening, Lan recalls, and Mai was shivering because she had left her warm clothing back at the hotel. They passed Lan’s jacket back and forth and embraced to keep warm. At around 7 p.m., they headed off again and kept going until midnight, when they stopped. The smugglers passed out bags of food and drinks, then they all stretched out on the ground and went to sleep.

      When they woke up, they were picked up by a truck that had been modified for its very specific purpose. From the outside, Lan recalls, it looked just like a normal truck, with a cab up front and a large container in the back. But there was actually a hidden compartment, reachable through a metal hatch underneath. “We had to crawl under the truck so that we could climb in,” Lan says.

      Around four hours later, they had to climb back out of the truck on a country road. From here, the smugglers said, it’s about 10 kilometers to the train station, and the group set out on foot. The Vietnamese, says Lan, stopped at a small bistro they passed for a bite to eat and they asked someone to call a taxi for them. The Chinese, though, she says, walked the entire way and were exhausted when they arrived.

      “We Vietnamese,” Lan says, “are very smart.”

      They took the train to Athens and separated into smaller groups, with the twins staying together with the two young Vietnamese men with whom they had flown to Malaysia. An accomplice of their smuggler picked them up at the train station in Athens and brought them to his apartment. Here, they had to wait two or three weeks until their new forged passports were ready, this time from China and South Korea.

      It was a pleasant time for Mai and Lan. Mai posted a picture to her Facebook page showing the girls in front of the Academy of Athens, the setting sun shining on the building’s white columns and the twins smiling in each other’s arms. They were wearing T-shirts and jeans, both with belt bags slung over their shoulders. “This is the life,” Mai wrote, including a smiley.
      Spain

      It’s Sunday, Lan’s day off, and she wants to head out to the beach for the first time since arriving in Spain. Lan has lived in this city for several months, but still lives the life of a stranger. The language, the food, the streets, the buildings – none of it is familiar to her.

      In the old city center, she climbs into a green-and-white electric bus that is so full on this summery spring day that she is only just able to find a seat. The bus drives through a suburb with broad streets and lush palms. Even though the sun is shining outside and it is 20 degrees Celsius, Lan is wearing a woolen roll neck sweater and a black-and-white plaid winter coat.

      She begins talking about her apartment and about the eight other Vietnamese she lives with, saying she isn’t particularly interested in speaking or doing much with any of them, aside from church on Sunday, which they sometimes attend together. Her apartment mates offered to celebrate her birthday with her, but she declined. Her birthday reminds her too much of her twin sister, she says.

      She gets off the bus at the last stop and follows three young Spaniards carrying a blanket and a ball. They walk past a white casino and a park full of picnicking families. Lan walks up a small embankment until the air begins to smell of salt and the ground gives way to damp sand, the waves splashing onto the shore. The sky is so blue it could have been painted.

      “Just like the beach in Vietnam!” Lan yells.

      A couple of young people in swimming suits bat a volleyball back and forth. Lan, though, pulls her coat up over her head: Like many Vietnamese women, she finds tanned skin to be ugly.

      She stops, sits down in the sand and pulls her knees to her chin. When asked if she would like to return to Vietnam, she says that she regrets not having listened to her father’s warnings. “The price to come here was too high,” she says.

      Still, she doesn’t want to give up and go back. Her sister, she believes, would have wanted her to bring her journey to a successful conclusion, making it all the way to England to make enough money to help support her family.

      It’s quite possible that Lan would also be working in a nail salon had she made it to England, though some Vietnamese migrants also end up at the illegal cannabis farms there. Experts have compiled reports about young men being locked into buildings for months on end so they can monitor the heat lamps and fertilize and water the plants. The only food that the drug dealers give them are frozen meals they can heat up in the microwave. In many instances, says the British Home Office, these migrants live in a form of “modern slavery.”

      It seems likely, in other words, that Lan’s life in England would be no better than the one she has found in Spain. But at least she knows a few people in England who could help her. More than anything, though, Lan seems intent on reaching the goal that she and her sister had set for themselves.

      “If I were to return to Vietnam now, I would just be a burden to my parents,” Lan says. “I would have to find a secure, well-paid job. Otherwise, we wouldn’t have enough money to feed my siblings and send them to school.”

      In the months following the death of her sister, it seems almost as though Lan has packed up her feelings and set them aside. It’s as though she is bearing her pain just as disciplined as she is bearing her work at the nail salon. In her discussions with ZEIT about her journey and the death of her sister, she only began crying on one single occasion – when she was speaking about Mai dying in the container. “I can actually feel it when I think about her gasping for breath,” she says. “I can feel it with my own body.”
      The Path to the West: Separation

      In Athens, the smugglers once again wanted Mai to fly onward on her own. Mai resisted, afraid to be without her sister, but Lan reassured her, saying: “Go on ahead.” So, Mai flew to Palermo in Italy, where she looked around in the old town and went to the beach, before then boarding a plane to Spain and then a train to France.

      In the meantime, Lan tried to leave Athens with a South Korean passport. She managed to make it through the security check at the airport, but she was detained on the plane. A customs official took her forged passport, leaving Lan to call her parents in tears. “If you have to, go to the police and come home,” her father told her. But after 24 hours, the Greek authorities let her go, though they held onto the fake passport.

      A few days later, she spoke with her sister on the phone for the last time. It was the evening of Oct. 21 and Lan was still stuck in Athens. Mai, though, was at a train station in France, waiting for a man who was supposed to bring her to Belgium. From there, her smuggler had told her, she could head onward to England. Mai was thinking about staying in Belgium until Lan caught up with her, but Lan pushed her to keep going. It could be awhile until she got another forged passport, she said.

      “Pray for me,” Mai said.

      “I’m praying for you,” Lan responded.

      That was the last time they spoke. Shortly before the crossing to England, Mai wrote her sister one last time via Facebook.

      Oct. 22, 7:48 a.m.: “Lan, I’m leaving at 8.”

      8:49 a.m.: “I’m leaving at 9.”

      Mai’s father spent that day in Vietnam waiting for his daughter to get in touch after arriving in England. In vain. So, he tried calling her himself. And couldn’t reach her. Her father recalls that Long, the smuggler, tried to reassure him, saying that Mai had arrived safely in England and that he didn’t need to worry and that the father only had to hand over the money and Mai would be picked up and taken to an apartment.

      The father tried to believe him and even told Lan. But then, on Oct. 23, news suddenly began spreading in the village. There had been an accident in England. Thirty-nine dead bodies in a truck. All of them Asian.

      The father again called the smuggler. Is Mai really in England, he demanded? What about that container? Again, the father says, Long tried to convince him that everything was just fine. Mai had booked the most expensive of the travel options, after all, a seat in the cab. There was room for just two in the cab, not 39.

      In the hours that followed, the father says, he paced in the living room like a madman. Only two, not 39 – that thought kept going through his head, he says. He told Lan the same thing. But why wasn’t he able to reach Mai? And why had Long also stopped answering his phone?

      Lan says she could also feel that something wasn’t right. She laid in bed without being able to sleep. She says she prayed and read the bible.

      Days later, still in the dark about her sister’s fate, Lan flew from Greece to Spain with a forged South Korean passport, the next leg of the journey to England. After her arrival in Spain, Lan again wrote her sister over Facebook.

      5:25 p.m.: “Don’t leave me alone.”

      “We have to make it to make mom and dad happy.”

      5:53 p.m.: “Call me.”

      “Try your best to get me to England, too, so that we can see each other again.”

      6:53 p.m.: “Call me and I’ll come to you.”

      “We have to do all we can for our parents and our family.”

      That night, Lan spoke with her mother on the phone. Her mother told her: “Leave your phone camera on so that I can watch over you as you sleep.”

      It would take until Nov. 8 until the police in Essex brought an end to their uncertainty and released the names of the 39 people who had suffocated in the back of the truck.
      Vietnam

      For 40 days, Mai’s body lay in a wooden casket in England, the country where she so badly wanted to live. Then it was flown to Vietnam. On the morning of Dec. 2, 2019, a white ambulance brought the body to Mai’s hometown. Everyone was waiting for its arrival: parents, siblings, relatives, neighbors, former classmates, teachers and other members of the community. On videos of that day, you can see villagers crouched on their mopeds with colorful flags. When the ambulance finally arrived, they crowded around its tinted windows and pressed their hands against them – as if they were trying to grasp something that could no longer be grasped.

      In the videos, you can also see Mai’s father standing silently to the side. All around him are the sounds of drumming, rattling, mourning and singing, but it looks as though he’s not making a sound. His mouth is open, his face frozen in place as he walks to his home in the middle of the funeral march – losing strength as he goes, until a relative has to pull him for the last few steps through the crowd.

      Spain

      The sun has already set on the beach when Lan’s phone rings and a photo of her father pops up on the screen. “Dad?” she says. “Are you still awake? It’s late over there.”

      Lan and her father frequently talk on the phone several times a day. He always asks how she is doing and whether she has eaten. And he tells her she shouldn’t climb into a truck bound for England, and she shouldn’t go anywhere on her own.

      On this day, too, Lan’s father had tried to reach her several times, but because she was speaking with a reporter, Lan didn’t want to stop to pick up the phone. He was worried.

      “Everything is fine,” she says. “I’m at the beach.”

      They talk for a few minutes and then she sets her phone aside. It has grown chilly and Lan has wrapped herself in her coat. Later, she will say that it was her birthday. She is now 20 years old.

      She looks out at the sea as though she is looking for a ship to take her to the other side. “A Vietnamese friend who I met in Greece recently called me,” she says. “He’s in England. He crossed over in the truck, in the cab. He says it was quite comfortable.”
      Vietnam

      At the edge of the village that she had wanted to leave, just a few hundred meters from her childhood home, is Mai’s grave. The air is still, as is the sky. A low cement wall marks the area belonging to Mai’s family. Her grave is set slightly apart from those of her forbears, who lie close together. It’s also bigger, mightier, more admonishing. A small stone covering protects her photo from the sun and rain. The grave is surrounded by white flowers.
      Spain

      Lan receives her first wages at the nail salon after three months: 500 euros in addition to room and board. She is set to earn more money in the months to come: 600, 700, maybe even 1,000 euros. Finally, she will be able to send money home.

      But then the pandemic arrives. And Beauty Nails has to close its doors.

      A lockdown is imposed across Spain and Lan spends her days in the apartment with the other Vietnamese migrants. She sleeps, she cooks, she eats and she talks to her parents on the phone or exchanges messages with them. But really, she is waiting. Waiting for the country to reawaken so she can go back to fixing and polishing nails. And she is waiting for the borders to reopen so she can finish her journey to England.

      https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-05/migration-vietnamese-dead-bodies-lorry-essex-grossbritannien-english

      #parcours_migratoires #itinéraires_migratoires

    • Camion charnier en Angleterre : les 13 suspects interpellés en France mis en examen

      Les 13 personnes arrêtées mardi en France lors d’un coup de filet lié à l’enquête sur la mort de 39 migrants vietnamiens dans un camion frigorifique en octobre en Grande-Bretagne ont été mises en examen, a-t-on appris samedi de source judiciaire.

      Elles ont toutes été mises en examen vendredi pour « traite des êtres humains en bande organisée », « aide à l’entrée ou au séjour en bande organisée » et « association de malfaiteurs ». Six d’entre elles sont également poursuivies pour « homicide involontaire ».

      Sur les treize, douze ont été placées en détention provisoire et une sous contrôle judiciaire.

      Ces suspects, majoritairement des Vietnamiens et des Français, ont été interpellés mardi en divers lieux de la région parisienne. Au même moment, treize autres personnes ont aussi été arrêtées en Belgique dans le cadre d’une opération de police internationale, coordonnée par l’organisme de coopération judiciaire Eurojust.

      En Belgique, 11 personnes ont été écrouées après leur inculpation pour « trafic d’êtres humains avec circonstances aggravantes, appartenance à une organisation criminelle et faux et usages de faux », selon le parquet fédéral belge. Deux autres, inculpées des mêmes chefs, ont été remises en liberté.

      Selon plusieurs sources proches de l’enquête, un homme soupçonné d’être un organisateur du réseau de trafic de migrants a par ailleurs été interpellé mercredi en Allemagne, dans le cadre d’un mandat d’arrêt européen émis par la France.

      Le 23 octobre, les cadavres de 31 hommes et de huit femmes de nationalité vietnamienne, dont deux adolescents de 15 ans, avaient été découverts dans un conteneur dans la zone industrielle de Grays, à l’est de Londres. Le conteneur provenait du port belge de Zeebruges.

      Selon une source judiciaire française, les enquêteurs ont pu déterminer grâce à des investigations techniques et des surveillances physiques que les migrants partaient de Bierne, dans le Nord de la France, vers Zeebruges.

      Les personnes interpellées en Ile-de-France sont soupçonnées d’avoir hébergé et transporté des migrants par taxi entre la région parisienne et le Nord, selon cette source.

      Le réseau a continué à oeuvrer après le drame, ainsi que pendant le confinement. Pendant cette période, les trafiquants se sont adaptés en aménageant les cabines des camions pour y dissimuler les candidats à la traversée de la Manche, à raison de trois ou quatre par voyage.

      Le mois dernier, une arrestation avait déjà eu lieu en Irlande : celle du présumé organisateur de la rotation des chauffeurs participant au trafic.

      Par ailleurs, dans l’enquête britannique, cinq personnes ont déjà été inculpées, dont Maurice Robinson, 25 ans, le chauffeur du camion intercepté à Grays. Début avril, ce dernier avait plaidé coupable d’homicides involontaires devant un tribunal londonien.

      https://www.courrierinternational.com/depeche/camion-charnier-en-angleterre-les-13-suspects-interpelles-en-

    • Après trois ans d’enquête, deux restaurants étaient à l’origine d’un vaste trafic d’êtres humains

      Un trafic international d’immigration irrégulière et de traite d’être humains a été démantelé après une enquête qui a démarré, il y a trois ans, dans deux restaurants de l’Aude. Deux ressortissants vietnamiens clandestins munis de faux papiers, qui remboursaient leur voyage, travaillaient dans ces deux établissements. Au total, dix-neuf personnes ont été interpellées à l’automne 2019 sur l’ensemble du territoire et treize d’entre elles sont en prison.

      Une filière internationale vietnamienne de traite d’êtres humains et d’aide à l’entrée et au séjour d’étrangers en bande organisée a été dévoilée à la suite d’une enquête qui a débuté il y a trois ans dans l’Aude, rapporte La Dépêche du Midi. Menée par la Brigade mobile de Recherche (BMR) de la Direction interdépartementale de la police aux frontières (DIDPAF) de Perpignan, cette enquête de longue haleine a démarré fin 2017 dans deux restaurants.

      Les enquêteurs ont d’abord constaté que deux ressortissants vietnamiens clandestins travaillaient dans les deux établissements de l’Aude et possédaient de faux papiers. Après de nombreux recoupements judiciaires et des contrôles dans plusieurs restaurants, les policiers ont mis en évidence l’existence d’un vaste réseau dans le sud de la France et la région de Grenoble (Isère), relate le quotidien. Depuis, sur l’ensemble du territoire, dix-neuf personnes ont été interpellées et treize d’entre elles ont été emprisonnées.

      Les clandestins devaient rembourser 35 000 €

      Concernant le mode opératoire, les migrants vietnamiens arrivaient sur le territoire français, munis de faux titres de séjour français et rejoignaient ensuite des restaurants. Les responsables se chargeaient de les héberger, mais également de « procéder aux démarches administratives susceptibles de justifier leur emploi », relate La Dépêche du Midi. En travaillant dans ces établissements, les clandestins remboursaient le coût de leur voyage, qui atteignait 35 000 €.

      « 29 restaurants, 66 personnes sans titre de travail et 29 personnes porteurs de faux ou susceptibles de l’être sont visés par l’enquête », rapporte le quotidien régional. Au vu des nombreuses ramifications de ce réseau, l’Office Central pour la Répression de l’Immigration Irrégulière de l’Emploi d’Étrangers Sans Titre (OCRIEST) a poursuivi les investigations. Les enquêteurs sont parvenus à établir un lien entre ce réseau et 39 migrants vietnamiens retrouvés morts dans un camion frigorifique, à Londres, en 2019. Deux des victimes venaient de Grenoble.

      À l’automne 2019, des interpellations ont eu lieu dans plusieurs régions. Il a alors été établi que les migrants auraient payé pour obtenir des passeports vietnamiens. Les policiers ont aussi trouvé « 125 000 € en espèces, l’équivalent de 100 000 € en tickets-restaurant, deux véhicules haut de gamme et des faux documents », précise le quotidien régional. Les personnes à la tête de ce réseau risquent 20 ans de prison et jusqu’à 3 millions d’euros d’amende.

      https://www.ouest-france.fr/societe/faits-divers/aude-apres-trois-ans-d-enquete-deux-restaurants-etaient-a-l-origine-d-u

    • Migrants morts : jusqu’à 27 ans de prison pour les responsables

      Quatre hommes ont été condamnés vendredi à Londres à des peines allant de 13 à 27 ans de prison pour la mort de 39 migrants vietnamiens retrouvés dans la remorque d’un camion en Angleterre en 2019.

      Les deux principaux prévenus, #Ronan_Hughes, un transporteur routier nord-irlandais de 41 ans, et #Gheorghe_Nica, un ressortissant roumain de 43 ans, accusés d’être les organisateurs du trafic, ont été condamnés respectivement à 20 et 27 ans de prison pour homicides involontaires et trafic de migrants.

      Le premier avait plaidé coupable, le second l’avait été déclaré par la cour de l’Old Bailey à Londres le 21 décembre.

      #Maurice_Robinson, le chauffeur qui conduisait le camion au moment de la découverte des corps, qui avait plaidé coupable, a quant à lui été condamné à 13 ans et quatre mois d’emprisonnement.

      #Eamon_Harrisson, le chauffeur de 24 ans qui avait acheminé la remorque jusqu’au port belge de Zeebruges, affirmant qu’il ignorait la présence des migrants à son bord, s’est vu infliger 18 ans de prison.

      Le 23 octobre 2019, les corps de 31 hommes et de huit femmes âgés de 15 à 44 ans avaient été découverts à bord d’une remorque dans la zone industrielle de #Grays, à l’est de Londres.

      #Asphyxie et #hyperthermie

      L’enquête a mis au jour une entreprise « sophistiquée » et « rentable » qui prospérait de longue date, a souligné le juge Nigel Sweeney, évoquant les tentatives désespérées des migrants de « joindre le monde extérieur au téléphone » ou de tenter d’échapper à la mort en essayant de briser le toit de la remorque.

      Les victimes sont mortes d’asphyxie et d’hyperthermie dans l’espace confiné du conteneur.

      Parmi elles, Pham Thi Tra My, 26 ans, avait envoyé un SMS glaçant à ses proches, quelques heures avant la découverte des corps : « Maman, papa, je vous aime très fort. Je meurs, je ne peux plus respirer ».

      Dans un message diffusé à l’audience, un homme de 25 ans répétait à sa famille qu’il était « désolé » : « C’est Tuan. (...) Je ne vais pas pouvoir m’occuper de vous. (...) Je n’arrive pas à respirer. Je veux revenir dans ma famille. Je vous souhaite une bonne vie ».

      Les migrants devaient débourser jusqu’à 13.000 livres sterling (14.000 euros) pour être acheminés en « VIP », c’est-à-dire avec un chauffeur au courant de leur présence.

      Au total, sept voyages ont été identifiés entre mai 2018 et le 23 octobre 2019.

      Un rêve qui s’évanouit

      Nombre des victimes de ce drame étaient originaires d’une région pauvre du centre du Vietnam, où les familles s’endettent pour envoyer l’un des leurs au Royaume-Uni, via des filières clandestines, dans l’espoir qu’ils y trouvent des emplois rémunérateurs.

      Dans leurs témoignages lus à l’audience par le procureur, les familles des victimes avaient raconté la douleur du deuil et le rêve d’une vie meilleure qui s’évanouissait. « Ca va être très dur pour moi de gagner de l’argent et d’élever notre enfant toute seule », a déclaré Nguyen Thi Lam, qui a perdu son mari dans le drame et n’a pour seules ressources que la culture du riz et un peu d’élevage.

      Condamnations au Vietnam

      Avant le procès à Londres, sept personnes ont été condamnées le 15 septembre au Vietnam pour leur rôle dans le trafic.

      Un tribunal de la province de Ha Tinh (centre) a prononcé contre quatre Vietnamiens âgés de 26 à 36 ans des peines allant de deux ans et demi à sept ans et demi de détention. Ils ont été reconnus coupables d’avoir participé à différents degrés à « l’organisation du trafic illicite de migrants ». Trois autres ont été condamnés à des peines de prison avec sursis.

      Des enquêtes ont également été ouvertes en France et en Belgique, 13 suspects ont été inculpés dans chacun de ces deux pays. Ils avaient été interpellés au cours d’une vaste opération de police internationale, coordonnée par l’organisme de coopération judiciaire #Eurojust.

      https://www.tdg.ch/migrants-morts-jusqua-27-ans-de-prison-pour-les-responsables-149171245435

  • The Millions Who Left

    Since German reunification, millions of people have left the East, triggering a demographic crisis. Data now shows exactly what happened – and why there’s cause for hope.

    –-> les cartes et le graphique montrent comment il y a eu à partir de la chute du mur et pendant quelques années une forte #émigration de l’Allemagne de l’Est à l’Ouest, les flux ont diminué petit à petit à partir de la fin des années 90. Et en 2017, changement : il y a eu plus de personnes qui ont immigré en Allemagne de l’Est depuis l’Allemagne de l’Ouest que de personnes qui ont fait l’inverse.

    https://www.zeit.de/politik/deutschland/2019-05/east-west-exodus-migration-east-germany-demography

    #Allemagne #migrations #évolution #histoire #flux_migratoires #visualisation #cartographie #flux_inversés #réunification #chute_du_mur #Allemagne_de_l'Est #Allemagne_de_l'Est #préjugés #invasion #ouverture_des_frontières #frontières_ouvertes

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