Kröske, Wolfgang (Dr. Seltsam), soll mit mir verkuppelt werden.

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  • Kröske, Wolfgang (Dr. Seltsam), soll mit mir verkuppelt werden.
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    30.11.2005, 16:33 Kalte Dusche - „Dusche“, sagte Susanna zu mir aufgeregt, „der Wolfgang würde Dir bestimmt gut gefallen. Ich find den ja so großartig“. Dabei bekam sie einen Blick, den ich mit Fug und Recht als verludert bezeichnen darf.

    Ich hatte Dr. Seltsam alias Wolfgang Kröske bis dahin noch nie gesehen, mir aber vorgenommen, einmal mit zu „Dr. Seltsams Frühschoppen“ zu gehen, bei dem Susanna bereits einige Male gewesen war, da ihr Mann dort immer wieder ein paar Gastauftritte hatte.

    Für die, die es nicht wissen: Dr. Seltsam moderierte damals jeden Sonntag Mittag eine Lesebühnenveranstaltung in der Kalkscheune, bei der 6 immergleiche Autoren (darunter auch Horst Evers) eigene Texte verlasen. Vor sechs Jahren erschien mir das Konzept unglaublich neu und aufregend, fand Gefallen an der ungezierten Lässigkeit und den hässlichen Pullundern und dem Lispeln und dem Spucken der Autoren.

    Susannas Mann war mit Dr. Seltsam befreundet und daher war man sich gelegentlich begegnet, worauf sie sich jäh in seinen schweren Leib und seine leichte Zunge verknallt hat.

    Ihr Mann meckerte eh ständig an ihr rum, drehte sich mit halboffenem Mund nach jeder Prostituierten um, so dass Dr. Seltsam mit seinem vollendeten Benehmen und seiner schnittigen Eleganz eine in ihrem weiblichen Selbstverständnis tief erschütterte Frauenseele recht schnell erwärmen konnte.

    Ach ja, nach dem Frühschoppen ging man oft zusammen ins „Gervinus“ in der Linienstraße. Knödelessen.
    Und dort hatte Susannas Mann wohl einmal über eine hereinstöckelnde Hure gesagt: „Die könnte ich jetzt direkt über den Tresen legen und durchficken“, woraufhin Dr. Seltsam sanft und eindringlich in Susannas erschrockenes und verletztes Gesicht gesagt hatte:
    „Das ist einfach nicht zu fassen. Da hat dieser Mann eine derart charmante und schöne Frau, und dann das!“

    Da war es um Susanna geschehen. Es gab ein Treffen und eine Nacht.

    Diese sei dann aber ernüchternd gewesen.
    Dr. Seltsam habe seine Eleganz und sein vollendetes Benehmen im Bett nicht abgelegt, woraufhin Susanna zu ihm gesagt habe: „Wolfgang, du hast zu wenig Testosteron!“ Woraufhin Wolfgang selbstbewusst gelacht hat und gesagt hat: „Stimmt. Das gefällt mir. Zuwenig Testosteron!“

    Seltsamerweise kam ich nun ins Spiel, denn Susanna dachte angeblich zwar nicht daran, ihre Affäre mit ihm zu vertiefen, (er infolge Testosteronmangels ebenfalls nicht, jedenfalls nicht dringlich genug), aber wohl daran, ihn in gute Hände zu vermitteln.
    „Du bist doch Single, Dusche, und Du würdest ihm sicherlich gefallen.“

    Ich hinterfragte gar nicht.
    So viele Fragen wären denkbar gewesen:
    Woher soll ich bitte das Testosteron nehmen?
    Warum guckst Du noch immer so verknallt, wenn du von ihm redest? Würdest Du aufhören, ihn anzuklimpern?
    Was ist davon zu halten, wenn die eifersüchtigste Frau, die ich kenne, einen solchen Plan hat?
    Was ist davon zu halten, wenn die koketteste Frau, die ich kenne, einen solchen Plan hat?
    Warum ich, wo ich doch lieber den Spannenlangen als den Nudeldicken nähme?

    Ich wollte nix. Ich hatte keine Meinung. Ich fragte nix.
    Ich ging einfach mal zum Frühschoppen.

    Wieviel Susanna Dr. Seltsam von mir erzählt haben musste, und wie sehr er darauf vorbereitet war, mich an diesem Sonntag zu treffen, wurde mir erst klar, als Susanna ihn in der Pause an unseren Tisch winkte.

    Er setzte sich nervös uns streckte die Hand aus. Guter dunkler Anzug, rote Fliege, ein mächtiger Hals und ein fester runder Bauch unter feinem Tuch.
    Dunkles, gut geschnittenes Haar und einen guten Teint.
    Kann es sein, dass Kröske ein wenig wie ein aus Holz geschnitzter
    Wowereit aussieht? Zumindest nachgetönt und gut abgepudert.

    Ich hatte ihn ja nun eben schon in der Vorstellung erlebt. Wie er mit Besessenheit, eine politische Klammer um grössenteils unpolitische, heiter-Larmoyante Texte hatte legen wollen. Was aber nicht gelungen war.
    Wahlen standen damals bevor. Und Kröske hatte die Faust für die PDS gehoben. Meine ich.

    Er hatte mir eben noch etwas leid getan. Aber als er an unserem Tisch sass und Susanna intensiv an ihrem Strohhalm saugte, als wolle sie nicht bei etwas überaus Privatem stören und ich ernsthafte Befürchtungen hatte, sie würde sich mit den Worten: „Dann lass ich Euch beide mal allein!“ verabschieden, traf mich die Ausweglosigkeit meiner Lage mit ganzer Wucht.

    Ich verstockte fast augenblicklich, rührte ebenfalls in meinem Glas, worauf Susanna sich aufschwang, uns beiden auf die Sprünge zu helfen. Sie formulierte einige Sätze, die uns füreinander einnehmen sollten, so dass ich wenigstes etwas wie: „Du bist also Wolfgang. Susanna hat schon einiges von dir erzählt!“ herausbrachte. Daraufhin lachte Wolfgang elegant und sagte: „Genau der. Und ich habe zuwenig Testosteron!“ Ich glaube, das haben sogar beide zugleich gesagt.
    Ich wusste gar nicht, wie laut ich darüber lachen durfte.
    Dann passierte auch nicht mehr viel. Alle möglichen Vorlagen eines aufkommenden Themas zu einem witzigen Smalltalk wurden gegeben und nicht angenommen - meinerseits nicht angenommen, und dann ging die Show weiter.

    Susanna versuchte nun herauszufinden, was los mit mir gewesen sei. Das versuchte ich auch, liess aber schnell aus Lustlosigkeit davon ab.

    Später erzählte sie mir, dass Wolfgang gesagt habe: „Die Dusche, die war ja ganz schön spröde!“ Und da war ich erleichtert.
    Hätte schlimmer sein können. Und Männer, die „spröde“ sagen, sind eben noch Alte Schule. Testosteron hin oder her.

    Neulich musste ich an diese Geschichte denken, denn er kam mir in einem Geschäft in der Bergmannstraße entgegen. Ich ging, er kam, und während er mir eilfertigst die Tür aufhielt und freundlich nickte, war nicht die Spur eines Erkennens auszumachen.
    we must rechnen

    #Berlin #cabaret #Doktor_Seltsam