Der Hauptfeind steht im eigenen Land ! (1915)

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  • Karl Liebknecht : Der Hauptfeind steht im eigenen Land ! (1915)
    https://www.marxists.org/deutsch/archiv/liebknechtk/1915/05/feind.htm

    Napoléon, Guillaume II, Hitler, Staline, Hirohito, Trump, Poutine, Merkel, Merz et tous les autres personnes connues sont évidemment responsables pour les guerres qu’ils préparent et font mener par leurs généraux.

    Leurs guerres ne pourraient pas détruire la vie de millions d’hommes, de femmes et d’enfants sans les responsables de deuxième et troisième catégorie qui restent généralement inconnues. Parfoit même un simple cheminot doit se poser la question s’il est prêt à conduire au front le train qui transporte les soldats et leurs armes. Chaque soldat doit se poser tous les jours la question, s’il est prêt à servir d’exécutant de la volonté des seigneurs de guerre. Ici on fera suivre une série de portraits de responsables qu’on aimerait faire connaître. On marquera ces billets avec le #hashtag #contributeur-g .

    Le 2 décembre 1914, Karl Liebknecht fut le premier – et, dans un premier temps, le seul – député du SPD au Reichstag à voter contre la prolongation des crédits de guerre. En janvier 1915, Otto Rühle et d’autres formèrent, au sein du groupe parlementaire du SPD, une opposition à la guerre et à la position belliciste de la majorité du parti.

    Version francaise :
    L’ennemi principal est dans notre pays !
    https://www.marxists.org/francais/liebknec/1915/liebknecht_19150500.htm

    Flugblatt Mai 1915, Karl Liebknecht, Ausgewählte Reden und Aufsätze, Berlin 1952, S.296-301.

    Was seit zehn Monaten, seit dem Angriff Österreichs auf Serbien, täglich zu erwarten war, ist eingetreten: Der Krieg mit Italien ist da.

    Die Volksmassen der kriegführenden Länder haben begonnen, sich aus den amtlichen Lügennetzen zu befreien. Die Einsicht in die Ursachen und Zwecke des Weltkrieges, in die unmittelbare Verantwortlichkeit für seinen Ausbruch hat sich auch im deutschen Volk verbreitet. Der Irrwahn heiliger Kriegsziele ist mehr und mehr gewichen, die Kriegsbegeisterung geschwunden, der Wille zum schleunigen Frieden mächtig emporgewachsen, allenthalben – auch in der Armee!

    Eine schwere Sorge für die deutschen und österreichischen Imperialisten, die sich vergeblich nach Rettung umsahen. Sie scheint ihnen jetzt gekommen. Italiens Eingreifen in den Krieg soll ihnen die willkommene Gelegenheit bieten, neuen Taumel des Völkerhasses zu entfachen, den Friedenswillen zu ersticken, die Spur ihrer eigenen Schuld zu verwischen. Sie spekulieren auf die Vergeßlichkeit des deutschen Volkes, auf seine nur allzuoft erprobte Langmut.

    Würde der saubere Plan glücken, das Ergebnis zehnmonatiger blutiger Erfahrung wäre zunichte, das internationale Proletariat stünde wiederum entwaffnet da, völlig ausgeschaltet als selbständiger politischer Faktor.

    Der Plan muß zuschanden werden – sofern der dem internationalen Sozialismus treu gebliebene Teil des deutschen Proletariats seiner geschichtlichen Sendung in dieser ungeheuren Zeit eingedenk und würdig bleibt.

    Die Feinde des Volkes rechnen mit der Vergeßlichkeit der Massen – wir setzen dieser Spekulation entgegen die Losung:
    Alles lernen, nichts vergessen!

    Nichts vergessen!

    Wir haben erlebt, daß beim Kriegsausbruch die Massen von den herrschenden Klassen mit lockenden Melodien für den kapitalistischen Kriegszweck eingefangen wurden. Wir haben erlebt, wie die schillernden Seifenblasen der Demagogie zerplatzten, die Narrenträume des August verflogen, wie statt des Glücks Elend und Jammer über das Volk kamen; wie die Tränen der Kriegswitwen und Kriegswaisen zu Strömen anschwollen; wie die Erhaltung der Dreiklassenschmach, die verstockte Heiligsprechung der Viereinigkeit: Halbabsolutismus – Junkerherrschaft – Militarismus – Polizeiwillkür zur bitteren Wahrheit wurde.

    Durch die Erfahrung sind wir gewarnt – alles lernen, nichts vergessen!

    Widerwärtig sind die Tiraden, mit denen der italienische Imperialismus seine Raubpolitik verbrämt; widerwärtig ist jene römische Tragikomödie, in der auch die landläufig gewordene Grimasse des »Burgfriedens« nicht fehlt. Noch widerwärtiger ist jedoch, daß wir in alledem nur wie in einem Spiegel die deutschen und österreichischen Methoden vom Juli und August 1914 wiedererkennen.

    Jede Brandmarkung verdienen die italienischen Kriegshetzer. Aber sie sind nichts als die Abbilder der deutschen und österreichischen Kriegshetzer, jener Hauptschuldigen am Kriegsausbruch. Gleiche Brüder, gleiche Kappen!
    Wem hat das deutsche Volk die neue Heimsuchung zu danken?

    Von wem hat es Rechenschaft zu fordern für die neuen Opfer-Hekatomben, die sich türmen werden?

    Es bleibt dabei: Das österreichische Ultimatum an Serbien vom 23. Juli 1914 war die Brandfackel, die die Welt entzündete, wenn auch der Brand erst spät auf Italien übergriff.

    Es bleibt dabei: Dieses Ultimatum war das Signal für die Neuverteilung der Welt und rief mit Notwendigkeit alle kapitalistischen Raubstaaten auf den Plan.

    Es bleibt dabei: Dieses Ultimatum rollte die Frage der Vorherrschaft auf dem Balkan, in Kleinasien und im ganzen Mittelmeer und damit auch alle Gegensätze zwischen Österreich-Deutschland und Italien mit einem Schlage auf.

    Wenn sich die deutschen und österreichischen Imperialisten jetzt hinter dem Busch der italienischen Raubpolitik, hinter der Kulisse der italienischen Treulosigkeit zu verstecken suchen; wenn sie die Toga der moralischen Entrüstung, der gekränkten Unschuld umwerfen, während sie doch in Rom nur eben ihresgleichen gefunden haben, so verdienen sie die Lauge des grausamsten Hohns.

    Nicht vergessen gilt’s, wie mit dem deutschen Volke gerade in der italienischen Frage gespielt worden ist, gespielt von den sehr ehrenwerten deutschen Patrioten.

    Seit je war der Dreibundvertrag mit Italien eine Farce – euch hat man darüber getäuscht!

    Stets galt Italien dem Kundigen für den Kriegsfall als sicherer Gegner Österreichs und Deutschlands – euch hat man es als einen sicheren Bundesgenossen vorgegaukelt!

    Im Dreibundvertrag, bei dessen Abschluß und Erneuerung niemand euch befragte, lag ein gut Teil von Deutschlands weltpolitischem Schicksal beschlossen – bis zum heutigen Tage ist euch von diesem Vertrage nicht ein Buchstabe mitgeteilt.

    Das österreichische Ultimatum an Serbien, mit dem eine kleine Clique die Menschheit überrumpelte, war der Bruch des Bündnisvertrags zwischen Österreich und Italien – euch hat man davon nichts gesagt.

    Dieses Ultimatum ist gegen den ausdrücklichen Widerspruch Italiens ergangen – euch hat man das verschwiegen.

    Am 4. Mai dieses Jahres schon war von Italien das Bündnis mit Österreich aufgelöst – bis zum 18. Mai hat man diese entscheidende Tatsache dem deutschen und österreichischen Volk vorenthalten, ja, der Wahrheit zum Trotz geradewegs amtlich abgeleugnet – ein Gegenstück zu jener geflissentlichen Düpierung des deutschen Volkes und des Deutschen Reichstages über das deutsche Ultimatum an Belgien vom 2. August 1914.

    Auf die Verhandlungen Deutschlands und Österreichs mit Italien, von denen das Eingreifen Italiens abhing, gab man euch keinen Einfluß. Als Unmündige wurdet ihr in dieser Lebensfrage behandelt, während die Kriegspartei, während die Geheimdiplomatie, während eine Handvoll Leute in Berlin und Wien um das Geschick Deutschlands würfelte.

    Durch die Torpedierung der Lusitania wurde nicht nur die Macht der englischen, französischen und russischen Kriegsparteien gefestigt, ein schwerer Konflikt mit den Vereinigten Staaten heraufbeschworen, das ganze neutrale Ausland zu leidenschaftlicher Empörung gegen Deutschland aufgebracht, sondern auch der italienischen Kriegspartei gerade in der kritischen Zeit ihr verhängnisvolles Werk erleichtert – auch dazu hat das deutsche Volk schweigen müssen; die eiserne Faust des Belagerungszustandes drückte ihm die Gurgel zu.

    Im März dieses Jahres schon konnte der Friede angebahnt werden – die Hand war von England geboten –, die Profitgier der deutschen Imperialisten wies sie zurück. Hintertrieben wurden aussichtsreiche Friedensbemühungen durch die deutschen Interessenten an kolonialen Eroberungen großen Stils, an der Annexion Belgiens und Französisch-Lothringens, durch die Kapitalisten der großen deutschen Schiffahrtsgesellschaften, durch die Scharfmacher der deutschen Schwerindustrie.

    Auch das hat man dem deutschen Volke verheimlicht, auch da hat man es nicht zu Rate gezogen.

    Wem hat, so fragen wir, das deutsche Volk die Fortsetzung des grauenvollen Kriegs, wem Italiens Eingreifen zu danken? Wem anders als den verantwortlichen Unverantwortlichen im eigenen Lande.
    Alles lernen, nichts vergessen!

    Der italienische Abklatsch der deutschen Ereignisse vom Sommer vorigen Jahres kann Denkenden kein Sporn zu neuem Kriegstaumel sein, nur ein neuer Anstoß zur Verscheuchung jener Hoffnungsirrwische von einer Morgenröte politischer und sozialer Gerechtigkeit, nur ein neues Licht zur Erhellung der politischen Verantwortlichkeiten, zur Enthüllung der ganzen Gemeingefährlichkeit jener österreichischen und deutschen Kriegstreiber, nur ein neuer Anklageakt gegen sie.

    Lernen und nicht vergessen aber gilt es auch und vor allem, welch heldenmütigen Kampf unsere italienischen Genossen gegen den Krieg gekämpft haben und noch kämpfen. Kämpfen in der Presse, in Versammlungen, in Straßenkundgebungen, kämpfen mit revolutionärer Kraft und Kühnheit, trotzend mit Leib und Leben dem wütenden Anprall der obrigkeitlich aufgepeitschten nationalistischen Wogen. Ihrem Kampf gelten unsere begeisterten Glückwünsche. Laßt ihren Geist unser Vorbild sein! Sorgt, daß er das Vorbild der Internationale werde!

    Wäre er es seit jenen Augusttagen gewesen, es stünde besser in der Welt. Es stünde besser um das internationale Proletariat.
    Aber kein Zuspät kennt entschlossener Kampfeswille!

    Abgewirtschaftet hat die unsinnige Parole des »Durchhaltens«, die nur immer tiefer in den Malstrom der Völkerzerfleischung führt. Internationaler proletarischer Klassenkampf gegen internationale imperialistische Völkerzerfleischung heißt das sozialistische Gebot der Stunde.
    Der Hauptfeind jedes Volkes steht in seinem eigenen Land!

    Der Hauptfeind des deutschen Volkes steht in Deutschland: der deutsche Imperialismus, die deutsche Kriegspartei, die deutsche Geheimdiplomatie. Diesen Feind im eigenen Lande gilt’s für das deutsche Volk zu bekämpfen, zu bekämpfen im politischen Kampf, zusammenwirkend mit dem Proletariat der anderen Länder, dessen Kampf gegen seine heimischen Imperialisten geht.

    Wir wissen uns eins mit dem deutschen Volk – nichts gemein haben wir mit den deutschen Tirpitzen und Falkenhayns, mit der deutschen Regierung der politischen Unterdrückung, der sozialen Knechtung. Nichts für diese, alles für das deutsche Volk. Alles für das internationale Proletariat, um des deutschen Proletariats, um der getretenen Menschheit willen!

    Die Feinde der Arbeiterklasse rechnen auf die Vergeßlichkeit der Massen – sorgt, daß sie sich gründlich verrechnen! Sie spekulieren auf die Langmut der Massen – wir aber erheben den stürmischen Ruf:

    Wie lange noch sollen die Glücksspieler des Imperialismus die Geduld des Volkes mißbrauchen? Genug und übergenug der Metzelei! Nieder mit den Kriegshetzern diesseits und jenseits der Grenze!
    Ein Ende dem Völkermord!

    Proletarier aller Länder, folgt dem heroischen Beispiel eurer italienischen Brüder! Vereinigt euch zum internationalen Klassenkampf gegen die Verschwörungen der Geheimdiplomatie, gegen den Imperialismus, gegen den Krieg, für einen Frieden im sozialistischen Geist.

    Der Hauptfeind steht im eigenen Land!

    Transkription und HTML-Markierung: Einde O’Callaghan für das Marxists’ Internet Archive.

    #guerre #soldats

  • Karl Liebknecht : Der Hauptfeind steht im eigenen Land ! (Mai 1915)
    https://www.marxists.org/deutsch/archiv/liebknechtk/1915/05/feind.htm

    Les choses n’ont pas changé depuis 1915, ce sont toujours les mêmes qui veulent la guerre. Le chef du service secret BND nous ment quand il dit que les dépenses russes pour l’armement sont plus élevés qu’à l"Ouest. L’ancien ambassadeur Arndt Freytag von Loringhoven proclame :
    Si aujourd’hui chez nous éclate l’envie de paix , Poutine pourra continuer à construire son armement, alors il aura gagné .

    Voilà comment parlent de véritables ennemis du peuple allemand .Si on les laisse faire ils n’’hésiteront pas à faire comme les bourreaux qui gouvernent les peuples russes et ukrainiens. Ils enverront sans scrupules au casse-pipe les hommes et femmes des classes laborieuses.

    Der Hauptfeind jedes Volkes steht in seinem eigenen Land!

    Der Hauptfeind des deutschen Volkes steht in Deutschland: der deutsche Imperialismus, die deutsche Kriegspartei, die deutsche Geheimdiplomatie. Diesen Feind im eigenen Lande gilt’s für das deutsche Volk zu bekämpfen, zu bekämpfen im politischen Kampf, zusammenwirkend mit dem Proletariat der anderen Länder, dessen Kampf gegen seine heimischen Imperialisten geht.

    Wir wissen uns eins mit dem deutschen Volk – nichts gemein haben wir mit den deutschen Tirpitzen und Falkenhayns, mit der deutschen Regierung der politischen Unterdrückung, der sozialen Knechtung. Nichts für diese, alles für das deutsche Volk. Alles für das internationale Proletariat, um des deutschen Proletariats, um der getretenen Menschheit willen!

    Die Feinde der Arbeiterklasse rechnen auf die Vergeßlichkeit der Massen – sorgt, daß sie sich gründlich verrechnen! Sie spekulieren auf die Langmut der Massen – wir aber erheben den stürmischen Ruf:

    Wie lange noch sollen die Glücksspieler des Imperialismus die Geduld des Volkes mißbrauchen? Genug und übergenug der Metzelei! Nieder mit den Kriegshetzern diesseits und jenseits der Grenze!
    Ein Ende dem Völkermord!

    Proletarier aller Länder, folgt dem heroischen Beispiel eurer italienischen Brüder! Vereinigt euch zum internationalen Klassenkampf gegen die Verschwörungen der Geheimdiplomatie, gegen den Imperialismus, gegen den Krieg, für einen Frieden im sozialistischen Geist.

    Der Hauptfeind steht im eigenen Land!

    Karl Liebknecht, Ausgewählte Reden und Aufsätze, Berlin 1952, S.296-301.

    BND-Chef zum Ukraine-Krieg : „Wir stehen in einer direkten Auseinandersetzung mit Russland“
    https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/bnd-chef-wir-stehen-in-einer-direkten-auseinandersetzung-mit-russla

    27.11.2024 von Michael Maier - BND-Chef Bruno Kahl sagt: „Russland bereitet sich auf einen Krieg mit dem Westen vor.“ Dieser werde jedoch anders beginnen als bisherige Kriege.

    Der Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), Bruno Kahl, hält die Situation im Bezug auf Russland aufgrund der nachrichtendienstlichen Lage für „sehr ernst“: „Der Kreml sieht Deutschland als Gegner. Wir stehen in einer direkten Auseinandersetzung mit Russland“, sagte Kahl am Mittwoch auf einer Buchpräsentation in den Räumen der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin. Der russische Präsident Wladimir Putin sei der Überzeugung, Russland befinde sich nicht im Konflikt mit der Ukraine, sondern „im Konflikt mit dem Westen über die Ukraine“.

    Kahl sagte: „Russland bereitet sich auf einen Krieg mit dem Westen vor.“ Dafür gäbe es zahlreiche Indikatoren: Die „Militärausgaben sind um ein Vielfaches höhe als im Westen“. Es gäbe eine „Neugliederung der M*ilitärbezirke“. Russland rekrutiere „jährlich mehrere hunderttausend Soldaten“. Durch den Krieg in der Ukraine seien die russischen Truppen „kampferprobt“. Russland habe in der Ukraine viel Erfahrung mit dem Einsatz von Technologie und Drohnen gewonnen. Dasselbe gilt für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und alten Gleitbomben. Im Weltraum könne Russland westliche Satelliten beeinflussen. Seit 2022 habe außerdem eine „verstärkte Militarisierung der Gesellschaft“ in Russland stattgefunden. Dies finde seinen Ausdruck in nationalistischen Lehrplänen für Schulen und Universitäten. Am Ende dieses Jahrzehnts werde Russland in der Lage sein, „einen Angriff auf den Westen durchzuführen“. Mit dem Aufwuchs des russischen Militärpotenzials werde „eine direkte militärische Konfrontation mit der Nato zu einer möglichen Handlungsoption für den Kreml“. Kahl: „Irgendwann wird sich die Frage des Nato-Bündnisfalls stellen.“

    Russland werde die Geschlossenheit der Nato nicht mit einer „weiträumige Landnahme“, sondern mit einer begrenzten Aktion auf die Probe stellen. Dies könne eine Schutz-Aktion für eine russische Minderheit sein oder eine „kleine Territorialbereinigung in Spitzbergen“, so der Chef des Chef des deutschen Auslandsnachrichtendienstes. Dann werde sich zeigen, wo die Nato steht und ob „Russland uns seinen Willen aufzwingen kann“. Es gehe Putin um eine neue Weltordnung, in der Europa keinen Einfluss mehr haben solle. Zu diesem Zwecke wolle Putin „die Beistandsbereitschaft“ der Nato testen und das Militärbündnis „noch vor Kriegsbeginn spalten“. Der Kreml gehe „davon aus, dass der Westen in einer von multiplen Konflikten geprägten Welt Schwierigkeiten hat, die richtigen gemeinsamen Antworten zu finden“.

    Nach Einschätzung von BND-Experten hegten hochrangige Offizielle im russischen Verteidigungsministerium offenbar Zweifel daran, ob die Nato-Beistandsverpflichtungen und die erweiterte Abschreckung der USA für Europa im Ernstfall halten würden, erklärte Kahl: „Derzeit liegen zwar noch keine Hinweise zu konkreten Kriegsabsichten Russlands vor. Aber wenn solche Ansichten überhandnehmen in der Regierungszentrale Moskaus, wächst in den kommenden Jahren das Risiko auch einer militärischen Auseinandersetzung.“

    Bevor es zu kriegerischen Auseinandersetzung kommt, werde Russland mit einem „hybriden Krieg“ Einfluss nehmen, etwa mit einer „Beteiligung Russlands am politischen Meinungsbildungsprozess“ im Vorfeld der Bundestagswahlen. Russland werde Themen aufgreifen, die die Deutschen umtreiben, wie etwa „Covid, Klima oder die industriellen Schwierigkeiten“ Deutschlands. Die Verstärkung negativer Stimmen werde „Auswirkungen auf die Wahlergebnisse“ haben. Der Kreml setze seine Akzente, die „naiv nachgeplappert werden an den rechten und linken Rändern“. Kahl sagte, wenn die AfD wie jetzt in Umfragen bei 20 Prozent liege, sei „Russland damit zufrieden“.

    *Um diese Tendenzen zu unterbinden, müsse sich Deutschland gegen russische Narrative und Falschnachrichten wehren, sagte der Spitzendiplomat Arndt Freytag von Loringhoven. Die Vorstellung seines Buchs „Putins Angriff auf Deutschland. Desinformation, Propaganda, Cyberattacken“ bot den Rahmen für die Veranstaltung der DGAP. Er regte die Gründung einer eigenen Agentur an, die nach den Vorbildern Frankreichs und Schwedens die Bundesregierung beraten solle. Man müsse „die Gesetze weiterentwickeln“, um auf neue Bedrohungen zu reagieren, so Freytag von Loringhoven. Die neue Behörde dürfe jedoch kein „Wahrheitsministerium“ werden: „Zensur kommt nicht in Frage.“ Kahl ergänzte: „Wir dürfen nicht hinter jeder Zeitungsmeldung, die uns nicht passt, einen russischen Agenten sehen“. Auf die Frage, ob die genannten Szenarien Russland nicht überschätzten, da Russland die wenigen Gebiete in der Ukraine auch nach bald zwei Jahre noch nicht unter Kontrolle, wirtschaftliche Probleme und eine massive Abwanderung zu verzeichnen habe, sagte Kahl: Es gehe um weitere Abschreckung, damit Russlands Kräfte noch lange in der Ukraine gebunden seien: „Wenn bei uns jetzt die große Friedenssehnsucht ausbricht, dann kann Russland seine Rüstung ausbauen und dann hat Putin gewonnen.

    #Allemagne #Russie #guerre