Dan O’Hara - philosophy, literature, art, technology

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  • jungle-world.com - Archiv - 15/2016 - Thema - Dan O’Hara im Gespräch darüber, wie künstliche Intelligenzen die Arbeitswelt verändern werden
    http://jungle-world.com/artikel/2016/15/53822.html
    Der Philosoph Dan O’Hara beschreibt im Interview die politischen und wirtschaftlichen Gefahren der sogenannten Digitalisierung.

    »Hey, du fährst einen LKW, du solltest dir Sorgen um deinen Beruf machen.«

    Arbeitsplätze im Transportsektor scheinen am stärksten von der Automatisierung durch KI bedroht.

    Absolut. Uber zum Beispiel hat als Unternehmen eine spezielle Nische ausgemacht: Leute, die Zeit haben, Autofahren können und ihr eigenes Fahrzeug besitzen. Sie fahren zu einem Preis, der unter dem der Taxifahrer liegt, und treten einen Anteil an Uber ab. Uber benutzt also eine Form von Automatisierung der nächsten Generation, um, so würden sie argumentieren, den Mobilitätsprozess zu optimieren. In London müssen Taxifahrer einen legendär schwierigen Test – »The Knowledge« – bestehen. Man muss London wie seine Westentasche kennen, um Taxi fahren zu dürfen. Uber nutzt ein relativ einfaches System aus Satellitennavigation, Smartphones und GPS, rudimentäre Formen Künstlicher Intelligenz also, und spricht von der Disruption des Taximarktes. Erst jetzt begreifen Taxifahrer, was für eine enorme Bedrohung dieses System für ihren Lohnerwerb und die erlernte Qualifikation darstellt.

    Ist es ein mögliches Szenario, dass die Taxibranche auf lange Sicht komplett einem Uber-System weicht?

    Die Frage ist, ob es es möglich ist, Uber-Fahrer in Vollzeit zu sein. Kann man damit seinen Lebensunterhalt bestreiten, seine Familie ernähren, in derselben Form wie ein Taxifahrer? Das ist nicht möglich, da das Geschäftsmodell darauf basiert, einen bereits am Boden liegenden Geschäftszweig preislich zu unterbieten. Douglas Rushkoff beschreibt in seinem Buch »Throwing Rocks at the Google Bus« den amerikanischen Mythos des ständigen Wachstums. Jede Industrie müsse konstant wachsen, um zu bestehen. Damit verknüpft ist die Bedrohung durch Automatisierung.

    Rushkoff verdeutlicht, wie viele dieser vermeintlich disruptiven Firmen vor allem den lokalen Handel untergraben, indem sie Monopole erschaffen. Das ist ein sehr altmodisches Geschäftsverhalten.

    Uber besitzt nichts, es beschäftigt diese Menschen nicht im Sinne eines Arbeitgebers. Uber-Fahrer haben keine Sicherheiten, die normalerweise mit einer Anstellung einhergehen – keine Rente, keine Zuschüsse, keine gesicherten Arbeitsplätze. Man macht es nebenher, wenn man einen halben Tag oder 16 Stunden Zeit hat. Uber stellt keine Karriere, keinen Beruf in Aussicht. Die deutsche Idee des steuerfreien 400-Euro-Jobs ist nicht viel anders.

    Mehr zu Dan O’Hara

    Eigene Webpräsenz von Dan O’Hara
    http://danohara.co.uk

    Autorenseite des Guardian
    http://www.theguardian.com/profile/dan-o-hara

    How bots are taking over the world
    http://www.theguardian.com/commentisfree/2012/mar/30/how-bots-are-taking-over-the-world

    We’ve started to see numbers of humans pretending to be bots, a strange development that signals a shift in the power and identity politics of the internet. Ronson had a bot pretending to be him, which is annoying. But following the release of Ronson’s videos, we have been confronted by Twitter versions of ourselves – @dan_o_hara, @lookrobertmason – accounts that are humans, pretending to be bots, pretending to be us. In such an online environment, where your true identity is reduced to an algorithmically generated collage, and where humans – already an endangered species – are simulating machines, it’s hard to say if being “you” online has any real meaning.

    #disruption #Uber #Taxi #Digitalisierung