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	<title>Nous serons pr&#233;sents au Salon du livre anarchiste &#224; Bremgarten</title>
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	<published>2026-08-05T11:04:32Z</published>
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	<summary>Nous serons présents au Salon du livre anarchiste à #Bremgarten
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❝Au KuZeB de Bremgarten AG (#Suisse) aura lieu pour la première fois du 7 au 9 août 2026 un Salon du livre anarchiste. À une époque où l’autoritarisme, les guerres et un technototalitarisme sans précédent se propagent, nous voulons créer avec ce salon un espace auto-organisé afin de contrer ces tendances, développer nos idées anarchistes et les mettre en pratique ici et maintenant. Utilisons donc ensemble ces journées pour affûter notre analyse des conditions existantes, approfondir notre critique anti-autoritaire, nous mettre en réseau et repartir avec de nombreuses nouvelles idées pour l’attaque contre la domination.❞

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	<content type="html"><![CDATA[<div lang="fr" dir="ltr"><p>Nous serons présents au Salon du livre anarchiste à <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/bremgarten'>Bremgarten</a></span><br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/705282'>►</a></span><a href="http://buechermesse.ch/?lang=fr" class='spip_out' title="Salon du livre anarchiste" hreflang="fr"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>buechermesse.ch</span>/</span><span class='lien_fin'>?lang=fr</span></span></a></span></p><blockquote lang="fr" dir="ltr"><p> Au KuZeB de Bremgarten AG (<span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/suisse'>Suisse</a></span>) aura lieu pour la première fois du 7 au 9 août 2026 un Salon du livre anarchiste. À une époque où l’autoritarisme, les guerres et un technototalitarisme sans précédent se propagent, nous voulons créer avec ce salon un espace auto-organisé afin de contrer ces tendances, développer nos idées anarchistes et les mettre en pratique ici et maintenant. Utilisons donc ensemble ces journées pour affûter notre analyse des conditions existantes, approfondir notre critique anti-autoritaire, nous mettre en réseau et repartir avec de nombreuses nouvelles idées pour l’attaque contre la domination. </p></blockquote><p><span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/livres'>livres</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/%C3%A9dition'>édition</a></span></p></div>]]></content>
	
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	<title>Scharlatanerie Der Scharlatan - Ciba-Zeitschrift Sept.1936 Nr.37</title>
	<author>
		<name>klaus++  (@klaus)</name>
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		<email>klaus@seenthis.net</email>
		
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	<published>2026-07-24T06:42:32Z</published>
	<updated>2026-07-24T07:04:11Z</updated>
	
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	<summary>Scharlatanerie
Der Scharlatan - Ciba-Zeitschrift Sept.1936 Nr.37
https://www.amuseum.de/medizin/cibazeitung/sep36.html

Grete De Francesco
https://de.wikipedia.org/wiki/Grete_De_Francesco

❝Inhalt
Scharlatanerie
Scharlatane aus drei Jahrhunderten
         I. Alchimie und Weltbild der Renaissance
       II. Scharlatan und Theater
      III. FÃ¤lscher der Meinung
      IV. Das Jahrhundert der Scharlatane
                                                                                                                                    Gegenrede von Dr. Michael Brandner (vom 25.1.2025)
Scharlatanerie

Von Grete De Francesco, Mailand

Verwandlung ist das Licht, an dem menschlicher Traum und menschliche Sehnsucht sich entzünden. Verwandlung, Änderung der aus den mannigfaltigsten Gründen lastenden Existenzbedingungen, Befreiung von ihnen: Verbesserung. Die intensivste Hoffnung auf Verwandlung garantiert noch nicht, daß sie auch wirklich eintritt, sie wird immer ungesetzmässig, immer als Überraschung oder aber als Gnade sich ereignen, unberechenbar wie das Schicksal. Diese Unberechenbarkeit ist es, diese Unsicherheit, die der Vorstellung von Verwandlung das mystische dem Alltag entrückte Fluidum verleibt, und das äußert sich auf völlig verschiedenen Ebenen. In der religiösen schönen Vorstellung, die sich auf tiefen Glauben gründet, ist das Heiligste, das göttliche Wunder, ein Akt der Verwandlung: der Heiland verwandelt Wasser in Wein, er macht die Blinden sehend, er verwandelt Tod in Leben. Hier wird Verwandlung demütig als Gnade empfunden, nach der keiner vermessen die Hand auszustrecken, die keiner zu verlangen wagt.
Im Gegensatz hierzu und aus gänzlich andern Impulsen, und dennoch aus derselben Urquelle fließend, kommt die uralte Lust am Verwandlungskünstler der Bühne, dem, der in den Leib verschiedener Personen zu schlüpfen imstande ist (eine in der griechischen Mythologie – man denke an die Verwandlungen des Zeus – rein göttliche Fähigkeit), der sein Ich abstreifen, also sich verwandeln kann. Hier wird noch mit offenen Karten gespielt, der Schauspieler kehrt nach der Vorstellung in sein Ich zurück und das Publikum erwartet es nicht anders. Beim Zauberer und Taschenspieler verschiebt sich der feste Boden gesunder Kritik (das Publikum ist Richter darüber, ob dem Schauspieler die Verwandlung gelungen oder nicht) schon bedenklich. Auch hier handelt es sich häufig um Verwandlungen, die Leere eines Korbes wird in ein Rosenarrangement, ein bescheidenes Taschentuch in eine Flaggengala verwandelt, oder aber Gegenstände, die durch ihre Schwerkraft der Erde verhaftet sind, verwandeln sich in solche, die munter durch den Raum fliegen. Das Undurchsichtige und zugleich die sich aneinander entzündende Einbildung der Zuschauer tritt in Erscheinung, aber noch immer ist die Voraussetzung, daß allein die Geschicklichkeit, also eine meßbare und nicht ins Mystische entrückte Fähigkeit, das Geheimnis des Taschenspielers ausmacht. Existenzgesetze werden zwar aufgehoben, aber die vorgeführten Künste berühren nur Unwichtiges, Spielerei, sie sind vollkommen beziehungslos zur menschlichen Existenz, dem Einzelschicksal und seiner Linderung. Die Kunst des Taschenspielers, eine manuelle Kunst, ist aber in früheren Jahrhunderten ein obligates Requisit – nicht mehr – einer Spezies von Verwandlungskünstlern, oder präziser: Künstlern im Versprechen von Verwandlungen gewesen – deren Erfolge tief in der menschlichen Sehnsucht nach Änderung wurzelten, deren Methoden aber einen ganz spezifischen, begriffschaffenden, komplizierten und schwer zu definierenden Charakter hatten: der Spezies der Scharlatane.
Spricht man heute von Scharlatan, so ist meistens ein medizinischer Scharlatan gemeint, wendet man das Wort auf einen andern Berufskreis an, so hat man das Gefühl, in übertragenem, aus der Medizin übertragenem Sinn zu sprechen. Das ist durchaus nicht immer so gewesen; jedoch war die medizinische Tätigkeit dem Gesamtbegriff des Scharlatans immer zugeordnet. Wir werden im Laufe dieser Arbeit ausführen, wie sich der Typ des gauklerischen Scharlatans aus der Atmosphäre des ernsten alchimistischen Forschers entwickelt hat. Was aber ist das Ziel dieser Forschung gewesen? Verwandlung, Veränderung! Die aristotelische Lehre von der Umwandelbarkeit der Elemente, die das ganze Mittelalter so stark beeinflußt hat, ließ die Hoffnung auf Verwandlung unedler Metalle in Gold aufzucken; aber schon in dem ersten Jahrhundert n. Chr. wurde in den Schriften des Pseudo-Demokrit und des Hermes Trismegistos (der dreimal Große) gesagt, daß das magische Elixier, das zu finden Endziel bedeutete, nicht nur unedle Metalle in Gold zu verwandeln, sondern auch Krankheit in Gesundheit, Alter in Jugend zu verwandeln imstande sein werde. Und ist nicht jede Heilung Verwandlung ? Wie sinnfällig war das dem von Seuchen geplagten Menschen, wenn er den von Geschwüren bedeckten Körper wieder heil und glatt werden sah. War die Arbeit der ernsten mittelalterlichen Alchimisten zweckfreie wissenschaftliche Forschung, so war ihre Ausnützung durch das Zerrbild des universalen Menschen, durch den Scharlatan der Renaissance, zweckbestimmte, dem eigenen Vorteil und Geltungstrieb dienende Praxis, ohne die Basis ernster wissenschaftlicher Forschung und ohne Überzeugung. Und so stellt das Zeitalter, das den Typ des Scharlatans am deutlichsten profiliert hat, ihn bereits mit einer großen Anzahl seiner wesentlichen und ewigen Eigenschaften vor. Anleihen ohne Quellenangabe bei der Wissenschaft zu machen, deren Glaubenskredit man sich zu Nutze macht und ihn zugleich erschüttert, das ist eine charakteristische Methode für diejenigen, deren Wissen Halbwissen, deren Bildung Scheinbildung ist. Ein Halbgebildeter muß selbstverständlich kein Scharlatan sein, jedoch sind die meisten Scharlatane Halbgebildete gewesen.
Man ist geneigt als kennzeichnend für den Scharlatan anzusehen, daß die Pseudoärzte der Marktplätze und jene, die die Großen der Welt, gejagt von der Angst vor der flammenden Belsazarschrift gläubig konsultierten, Smaragd, Topas und Achat, Trinkgold und allerlei Pflanzen, ja sogar menschliche Sekrete medikamentös verabreichten. Aber das ist eine nur durch Rückschauen vom Standpunkt moderner Erkenntnis geprägte Wertung. Zusammenhänge mit der Alchimie traten bei der Wahl der Medikamente in Erscheinung, die übrigens teilweise von der Wissenschaft akzeptiert wurden, wie ja überhaupt ein ständiger Austausch von befruchtenden Anregungen zwischen Wissenschaft und Scharlatanerie nachzuweisen ist. Aber nicht die Wahl der Medikamente, sondern die Art und Weise mit der sie angepriesen wurden, die Berufung auf die Geheimnisse uralter Weisheit, die des Beglückers mystischen Privatbesitz ausmachten, die Legitimierung durch Erfolge und Zustimmung bei hohen und höchsten Personen und die Aufmachung, in der selbst widerliche Ingredienzien den durch das Zaubermittel der Propaganda empfänglich gemachten Patienten dargeboten wurden, darin bestand in Wahrheit Scharlatanerie. Auch manche der Medikamente und Behandlungsmethoden der Ärzte erscheinen mit dem Maßstab heutiger Wissenschaft gemessen als scharlatanesk, ohne daß bei diesen Ärzten irgendeine Neigung zur Scharlatanerie bestanden hätte. Sie handelten auf Grund erworbener Kenntnisse und im besten Glauben; nicht für den kleinen Quacksalber der Märkte, sondern für den wissenden Scharlatan gilt der Vorwurf, kein Gutgläubiger, sondern berechnender Spekulant zu sein.
Die Scharlatane aller Zeiten waren Meisterin der Menschenkenntnis und der Menschenbehandlung, immer mieden sie die denkenden und wendeten sich an die gläubigen Menschen. Die Ausnützung der menschlichen Sehnsucht nach Verwandlung, die tiefstem menschlichem Leid entspringt, das skrupellose Jonglieren mit dem Vertrauen der Hoffenden ist eine der teuflischsten Plagen, von denen die Menschheit heimgesucht wird. Es ist kein Zufall, daß der Maler der Höllenvisionen, daß Hieronymus Bosch, den Meisterjongleur, den Scharlatan, der die Einfältigen nicht im Sinne des Christentums der Seligkeit zuführt, sondern der Hölle überantwortet, in den Kreis seiner Darstellungen einbezieht (s. Abb.). Wie verstrickend ist der Kontakt, den der Scharlatan mit dem einen ihm hingegebenen und verfallenen Individuum herzustellen versteht. Hinter dem den Zauber durstig trinkenden Mann der simulierende, sich bereichernde Mitläufer, neben ihm die abweisend beobachtende, schon halb schwankende Frau. Unter den Zuschauern sind außer dem die Ablenkung der Andern nützenden Liebespaar zwei völlig voneinander verschiedene Typen zu beobachten: die Denkenden, immun Gebliebenen sind diejenigen, die den Scharlatan gar nicht ansehen, sondern nur den Verfallenen, den infizierten, und entsetzt lächeln. Die prädestinierten Gläubigen sehen nach dem Scharlatan hin. Der kleine Mann vorne noch halb ironisch und doch schon fast gefangen; auf den aber, der hinter ihm steht, ist der Funke schon übergesprungen, Verzückung liegt in der Kopfhebung des blassen Gesichtes. Und der Scharlatan selbst ? Die hypnotische Kraft seines Blickes wird verstärkt durch das magische Requisit, durch Kleidung und Hut. Er sieht anders aus als die andern. Und hier wird, allerdings in etwas anderem Sinn als bisher dargelegt, das Mittel der Verwandlung ausgenützt.
Viele der kleinen Scharlatane der Märkte, aber auch die großen Weltbürger, Cagliostro etwa, agierten im Gewande von Indern, Türken, Ägyptern, Magiern. Der Legitimation durch Wissen wird ausgewichen, an ihre Stelle tritt die Legitimierung durch die Behauptung von der eigenen Berufung und durch Geheimwissen, das sich aus Ländern herleitet, in die der kritische Blick der Opfer nicht zu dringen vermag. Das Kleid verwandelt. Aber es ist nicht die einzige Kostümierung. Im Kleide der Wissenschaft tritt ein verwandelter Unwissender auf, im Kleide der Fremde stellt sich der Scharlatan vor, der als ein besseres, ein wissenderes Wesen aus einer andern Welt kommt, die sich wiederum dem kritischen Blick entzieht. Wir sehen, daß der Dunst von Geheimnisvollem, den jeder kleine Wundertäter der Marktplätze ebenso um sich zu verbreiten bemüht war wie etwa Cagliostro, neben der Faszination des Augenblicks noch praktische Hintergründe hatte: Ausschaltung der Kritik: Diskussion konnte gar nicht aufkommen, da die tangierte Basis des Wissens und Handelns eines Scharlatans sich fachlicher Auseinandersetzung von vornherein entzieht, wie die schwebenden Fäden des Altweibersommers der greifenden Hand. Und da die Praxis sich der Umhüllung mit Zauberschleiern, der Begleitung mit betörenden Akkorden eher gefügig zeigte, lenkten diese Vernebler des Bewußtseins von jeder Theorie ab, ja sie verhöhnten unter dem Beifall der Menge die theoretisch fundierte Wissenschaft. Dieser Ablenkung und zugleich der Schwächung der Urteilskraft galten Prunk und Pomp, mit dem die Scharlatane sich umgaben.
Die zeitgenössischen Kritiker der Scharlatane werfen ihnen immer wieder ihren Wortreichtum, die bombastische Unklarheit ihrer Rede und ihre wiederholungsreiche Länge vor. Sie stoßen sich als Schüler klassischer Redekunst an Formalem und Unwesentlichem, sie erheben den Vorwurf mangelnder Bildung und übersehen dabei, daß das schillernde Wort methodisch das wichtigste und erfolgreichste Werbemittel jeder Scharlatanerie ist.
Immer und ganz besonders in seiner sprachlichen Formulierung ist der Scharlatan prinzipieller Feind jeder Präzision, auf ständiger Flucht vor jeder Klarheit.
Es ist fast unmöglich, die vielen Scharlatantypen von Eisenbarth bis Vitali, von den zahllosen Marktschreiern bis zum Grafen St. Germain auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Denn es darf nicht vergessen werden, daß, ganz abgesehen von der Ausübung der Scharlatanerie, das Wort Scharlatan einen menschlichen Typus bedeutet, der, auf der großen Skala der Individualitäten gespielt, jedesmal einen andern Ton hat. Man kann Gemeinsames zusammenfassen, man kann etwa sagen, daß viele Scharlatane im Negativen, in der Kritik an Irrtümern ihrer Zeit recht hatten, gemeinsam ist auch die Werbung durch die eigene Person und ein als Werbeschauspiel in Permanenz aufgefaßtes Erdendasein. Man kann, denkt man etwa an die moderne Scharlatanerie von Gallspach, immer wieder auf die Wirkung der Herkunft von Person und Lehre aus weiter Ferne hinweisen und darauf, daß ein vages Wissen der Menge um die Wissenschaft – in diesem Fall die moderne Strahlentherapie – zum eigenen Vorteil mit Erfolg ausgenützt wird, ja, dass selbst das magische Requisit, der Zauberstab, nichts an Werbekraft einbüßt.
Alles das beweist, daß der Scharlatan auf der Basis halben Wissens halbe Wahrheit verbreitet und bewußt oder unbewußt die Verwandlungshoffnung der Leidbeladenen zum eigenen materiellen Vorteil, zur Befriedigung seines Geltungstriebes ausnutzt.
Durch alle Zeiten schreitet seine Gestalt, schillernd in der unerschöpflichen Vielfalt menschlicher Individualität.
Scharlatane aus drei Jahrhunderten

Grete De Francesco, Mailand
I. Alchimie und Weltbild der Renaissance

Die Kunst der Fälschung reicht ebensoweit in vergangene Zeiten zurück wie die Geschichte der Entdeckungen. Papyrusfunde, die die hochentwickelte Wissenschaft und Technik des alten Ägypten bezeugen, berichten über die Kenntnis von Metallen, Glas und Farbstoffen und die gleichzeitig blühende Kunst, Edelsteine, Edelmetalle und Farbstoffe künstlich zu gewinnen. Während aber keinerlei Geheimnis die Wissenschaft umgibt, sind es Geheimrezepte, die von der Kunst zu fälschen berichten. Zwei gänzlich verschiedene Motive haben in allen Zeiten Fälschung und Geheimnis aneinandergekettet. Einmal ein rein ökonomisches: Erzeuger und Besitzer echter Produkte verfolgten die konkurrierende, billige Imitation, die sich vor ihnen verbergen mußte. Dann aber ein psychologisches: die Hauptkonsumentin der gefälschten Stoffe, die Masse, will sich billig jene Güter zu eigen machen, deren Besitz wegen Teuerkeit die Wenigen, eben die Besitzenden (von Sach- oder Bildungswerten) charakterisiert; sie will vermittels der Fälschung etwas scheinen, was sie nicht ist. Produzenten und Konsumenten sind also gleichermaßen interessiert am Geheimnis der Fälschung. Es ist gut, sich das klar zu machen, bevor man die Sucht nach Zauberei, die Sehnsucht nach Irrealem zur Erklärung für die Erfolge der Fälscher und die Bereitschaft der Menge heranzieht. Die Sehnsucht nach Irrealem ist allen in ihrer Sicherheit erschütterten Zeiten in besonders hohem Maße eigen, sie ist aber durchaus nichts Einheitliches, ihre Äußerungen sind nicht gleichartig. Sie ist so wenig einheitlich wie die Sicherheit selbst. Es besteht ein großer Unterschied zwischen dem Reich des Irrealen, das eine ihrer religiösen Sicherheit beraubte Menschheit und jenem, das eine in ihren Besitzverhältnissen getroffene, wirtschaftlich sich umgestaltende Welt verlangt, und völlig verschieden wird auch der Vermittler sein, die Figur des Magiers, des Zauberers, des Scharlatans.
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Die Macht der Geheimwissenschaften, die man als Basis all der abenteuernden Scharlatanexistenzen späterer Jahrhunderte ansehen muß, erstarkte neu in einer Kulturepoche, deren Kenntnis zum Verständnis des Wesens des Scharlatans unerläßlich ist: in der Renaissance. Als geistige Einheit betrachtet, stellt sie sich dar als eine Zeit, in der sich die Auflösung des religiösen Dogmas des Mittelalters vollzieht, ohne einen Ersatz gefunden zu haben, eine Zeit, die nicht mehr den Glauben und noch nicht das Wissen hat. Es herrscht die Alchimie – aber sie steht im Begriff zur Chemie zu werden, es herrscht die Astrologie, aber sie steht im Begriff zur Astronomie zu werden. Der Stein der Weisen, Gut des alten Ägypten, lebt nicht nur in der Vorstellung der Alchimisten, sondern beschäftigt alle Menschen. Gleichzeitig verwandelt er Metalle, schafft also Gold und schenkt die Universalmedizin, das Lebenselixier. Diese Gleichzeitigkeit sollte die Gold und Leben verkoppelnde Praxis aller Scharlatane beherrschen. Diese Zeit zwischen Glauben und Wissen ist beherrscht von Intelligenz plus Phantasie, ihr Denken vereinfacht nicht, und so erfüllt sich für sie die Welt mit Kraft und Leben, mit Abenteuern. Niemals wieder haftete der Fälschung soviel Unbewußtes, echt Phantastisches, ja Künstlerisches an wie damals. Ja, die Entwicklung der Kunst zeichnet deutlich diese Wendung. Der Übersetzung des Wortes in ein sinnfälliges und verständliches Bild, also mittelalterlicher Kunst, folgte das geheimnisvolle Lächeln der Mona Lisa (1503), dessen Unverständlichkeit und Problematik als höchster Wert empfunden wurde. Die Zuwendung zum Diesseits vollzieht sich eben ohne Hilfe entwickelter Naturwissenschaften, und das bedingt ein Verharren in der Anschauung, Wirkung bleibt ohne Deutung, die ganze Welt wird zum Problem. In der Liebe zur varietas rerum wird gedankliches vom Sinnlich-Gegebenen noch nicht getrennt; so entstehen verschiedene Wirklichkeitsbilder, jenes Durcheinanderspielen von Wirklichem und Unwirklichem, Charakteristikum jedes scharlatanhaften Handelns. In einem so beschaffenen Weltbild gewinnt das Reisen einen neuen Aspekt; ein unruhiger Drang treibt, diese Welt voll Abenteuern zu schauen. „ Quel mio genio di viaggiator!" ruft später der große Verteidiger seines Scharlatanberufs, Buonafede Vitali, aus und wirft den gelehrten Professoren vor, daß sie die Welt nicht mit ihren Augen gesehen. Hinter des 18. Jahrhunderts großen Scharlatanen, aber auch hinter seinem Drang, weg aus der Studierstube in die Anschauung des Lebens, in den Osterspaziergang durch die blühende Welt steht der große und ernste Schatten der Renaissance. Das 17. Jahrhundert, in dem Kriege und Seuchen die Menschen aufwühlten, in dem Glaube und Aberglaube sich nur mehr durch staatliches Privileg unterschieden, verallgemeinerte den Typ des Scharlatans. In Massen ziehen die Quacksalber auf Plätze und Märkte. Aber erst im 18. Jahrhundert profiliert sich noch einmal die große Figur des Scharlatans, die noch größere der ihm verfallenen Menschheit. Immer dann, wenn die himmlische Seligkeit an Wert verliert und wenn das Jenseits mit der Hölle droht, beginnt die Verklammerung der Menschheit in das Diesseits und seine Seligkeit. Gold erschließt sie, das Lebenselixier verlängert sie. Gold und Lebenselixier bietet der Scharlatan an. Die Alchimie, die, als sie aus den Klosterzellen trat, ihre ernste Forschung in den Dienst der Medizin stellte, lieferte den Ausbeutern unwissentlich die Handhabe. Alchimist und Scharlatan ist nicht dasselbe. Was unterscheidet den Scharlatan vom geschwätzigen Quacksalber oder dem armen Medizinstudenten, der sein Studium nicht beenden konnte, und deshalb als Salbenkrämer herumzog? A.Chereau gibt im Dictionnaire des sciences med. folgende Definition der Scharlatane: „ … qui promettent, ce qu’ils n’ont pas, et font croire aux autres ce qu’ils ne croient pas eux-memes; entre tous ceux qui, destillateurs des mensonges, speculent sur la credulite et la betise humaine." Die italienische Definition des dizionario della Crusca: „ con abbondanza di parole artihciose … corcano di spacciare il falso per il vero, traendo proFtto dall’altrui credulita." Beide Definitionen weisen auf das entscheidende Moment hin: Spekulation auf menschliche Leichtgläubigkeit, die italienische setzt hinzu „zum eigenen Vorteil" . Erst die betrügerische Absicht und das Besserwissen kennzeichnet den Scharlatan. Er ist ein Fälscher des Wissens. Er ist aber auch, wie Chereau so schön und durchaus im Bildbereich seines Themas bleibend sagt: „destillateur des mensonges„ , er destilliert die Lüge, er macht sie erst wirksam. Er ist ein Falscher der Meinung. Wir sprachen zu Anfang von der Kunst der Fälschung; wir werden Scharlatane als Künstler der Meinungsfälschung zu betrachten haben.
Der Lebenslauf und die Natur des Baslers Leonhard Thurneisser (1530-1596) ist in hohem Maße charakteristisch für den Typus des alchimistischen Scharlatans. Sohn einer Basler Ratsfamilie, wird er Famulus bei dem Basler Arzt Johann Huber und erhascht bei ihm die Lehren des Paracelsus. 17 jährig heiratet er eine Witwe, gerät in Schulden, flieht und treibt sich 10 Jahre herum als Soldat, Goldschmied und Wappenstecher. Varietas rerum … 28jährig heiratet er zum zweitenmal und geht mit seiner Frau nach Tirol, wo er eine Schwefelschmelze einrichtet. Alles, was aus der Erde Eingeweiden kommt, hat die Scharlatane aller Zeiten angezogen, häufig finden wir sie als Minenverwalter oder Entdecker heilkräftiger Quellen. Erzherzog Ferdinand von Österreich schickte ihn zum Studium des Berg- und Hüttenwesens auf Reisen. Er kommt durch ganz Europa und in den Orient. Scharlatane haben immer an Höfen ihre Mäzene gefunden, Wissenschaftler selten. Im Orient beschäftigte sich Thurneißer mit den Geheimnissen der Adepten, am stärksten zog ihn aber die Heilkunde an, er sammelte Rezepte und medizinische Schriften. Als Arzt kehrte er 1562 nach Tirol zurück, zum Arzt fühlte er sich berufen. Das Gefühl des Berufenseins finden wir immer wieder bei Scharlatanen, es dient als Legitimation, wo die Legitimation durch Wissen fehlt. Die mysteriösen Behauptungen seiner Schriften verschafften ihm einen neuen Mäzen, den entzückten Kurfürsten von Brandenburg, der ihn als Leibarzt nach Berlin berief und ihm im Kloster der grauen Brüder ein Laboratorium einrichtete. Der weitgereiste Heilkünstler hatte hier beispiellosen Erfolg, 12 Sekretäre hielt er zur Erledigung seiner Korrespondenz und führte ein großes Haus. Gelehrte und Künstler, ja den Kurfürsten selbst sah er bei seinen Gelagen zu Gast. Wieder eine Manifestation, die allen Scharlatanen gemeinsam ist: Prunk und großer Train gehören zur Blendung der Menschen, sie sind ein Mittel der Meinungsfälschung. Thurneißer verkaufte Medizinen und Geheimrezepte zu phantastischen Preisen, das heilkräftige „Trinkgold" hatte besonderen Erfolg. In den Flüssen der Mark fischte er Edelsteine. Die Wissenschaft in Gestalt zweier Professoren brachte ihn zu Fall. Es ist aber für die Zeit sehr bezeichnend, daß die medizinischen Streitschriften nicht etwa seine Erfolge anzweifelten, sondern ihn der Zauberei und der Hilfe des Teufels zeihen und auf diese Weise seine Erfolge erklärten. Die Goldmacherei entpuppte sich auch als Schwindel, und so mußte Thurneißer fliehen. In Basel heiratete er ein drittes Mal, ließ sich wieder scheiden, wobei er Prozeß und Vermögen verlor. Er reiste weiter durch die Welt, hatte wenig Erfolg mehr und starb 1596 in einem Kloster zu Köln. Hier haben wir im Lebenslauf eines bewußten Scharlatans das Abbild jenes Auf und Nieder, das die Existenz des echten alchimistischen Forschers ebenso charakterisiert, wie die der Scharlatane des 18. Jahrhunderts. Einem Taumeln vom Entschleiern von Welträtseln in bittere Enttäuschungen entsprach der äußere Ablauf: Schaustellung und Versteck, Erfolg und Verfolgung wechselten ununterbrochen, selbstverständlich wurden diese Menschen zu Abenteurern und großen Reisenden. Das geflügelte Pferd in Thurneißers Wappenzier hält einen Globus.
Den Typus des „magnetisch-biblischen" Arztes verkörpert der Brabanter Edelmann und Alchimist Jean Baptist van Helmont (1577-1644). Häufig werden diese Art Menschen zu Unrecht als Scharlatane bezeichnet. Helmonts Lehre (z.B. ein Gran des Stein der Weisen auf Quecksilber geworfen, gibt Gold) war durchaus scharlatanhaft, sein menschliches Verhalten aber durchaus nicht. Das ist die gefährlichste Konstellation, jene, aus der Generationen betrügerischer Scharlatane ausnützerisch schöpfen und sich dennoch auf die Reinheit des Einen berufen können. Niemals hat dieser noble Mensch auf die Leichtgläubigkeit anderer spekuliert, ja er schreibt direkt von dem „von Gott erwählten Arzt" , daß "Gewinnsucht ihn nicht bemeistern wird" und „sein Wort wird eine Trompete sein, vor der die Krankheiten fliehen, vor seinem Angesicht werden die Krankheiten verschwinden wie der Schnee im Mittag des Sommers". Er verlangt Wahrhaftigkeit „in corde enim possidebit veritatem, et scientiam in intellectu". Das ist der Gegensatz von Wissens- und Meinungsfälschung im Munde eines Alchimisten. Die Verse unter einem Bildnis dieses Träumers mit ihrem Namens-Mystizismus sind charakteristisch für alchimistische und aus ihnen sich ableitende medizinische Praktiken:

Dir ist der HELLE MOND zur Lehre von Arztneyen;

Zu langer Lebens-Frist; vor Kranckheit zu befreyen.

Er öfnet die Natur biß auf den tiefsten Grund

Komm  höre was Er sagt, der Warheit HELLE MUND.
II. Scharlatan und Theater

Nicht alle, ja die wenigsten der Scharlatane wollten und kamen so hoch hinaus wie Thurneißer. Sie wünschten nichts als auf Jahrmärkten ihre Riechsalze, Rosenkränze, Verjüngungswasser, Seifen, heilige und weniger heilige Bildchen und Geheimmedizinen mit Profit zu verkaufen. Wenn ihre kosmetischen Mittel sich den Schimmer hellen Mondes zum kräuterpflücken borgten, so entsprach das dem Geschmack der Zeit, war wirksame Reklame und nicht Betrug. Dieser setzte erst bei den Medizinen ein. Eine Illustration aus Grimmelshausens Simplizissimus zeigt, wie Scharlatan und Betrüger zur Zeit des dreißigjährigen Krieges gleichgesetzt wurde. „ Schau wie Simplex hier betriegt, auch viel Geld von Leuten kriegt". Je zahlreicher die Quacksalber im 17. Jahrhundert wurden, desto stärker war der Zwang, die Konkurrenz durch zugkräftige Mittel auszustechen. Bei der Gleichartigkeit der verabreichten Tinkturen mußte der Konkurrenzkampf sich aber vom Inhalt des Gebotenen auf die Form der Darbietung verlegen. Daß die fahrenden Heilkünstler sich also dem Theater verbanden, war durchaus selbstverständlich. Man muß jede Vorstellung von Trennung zwischen Leben und Theater fallen lassen, um das zu verstehen. Schon in einem Monolog des Pariser Dichters Ruteboeuf (13. Jahrhundert) trat ein Quacksalber auf, der von seinen Reisen erzählt. Das erlebnisreiche Dasein, die Welterfahrung war an und für sich schon Theater für den im kleinsten Kreise eingeschlossenen Menschen des Mittelalters. Im III. Erlauer Passionsspiel schaltete sich in die ermüdende Länge und Traurigkeit als erstes überliefertes Divertimento eine Quacksalberszene. Ein Knecht, Rubin, Stammvater aller Hanswurste, kündigt den drei Marien den Salbenkrämer an, das Publikum jubelte. Vom 15. Jahrhundert an wird die Quacksalberszene zum unentbehrlichen Requisit der Fastnachtsspiele . Warum sollte das Leben nicht mit praktischem Erfolge dasselbe agieren wie die Erfolgsszene, die wieder Kopie des Lebens war ? Der wirkliche Salbenkrämer oder Scharlatan liess sich durch einen Ausrufer in der neuen Stadt ankündigen und Hanswurst, sein Knecht, sprang mit ihm auf die Bank (saltimbanco = der auf die Bank springt, italienische Bezeichnung für Scharlatan) oder auf die Bühne und pries die Tränklein. Der Unterschied war nur: die Medizinen mußten hier auch wirklich verkauft werden. Harlekin und Rosaura, Seiltänzer und Feuerschlucker wetteiferten, es war eben Jahrmarktstheater. Auf den vielen Stichen, die die Verbindung von Theater und Scharlatan bezeugen, tritt der Scharlatan oft völlig zurück und man sieht im Vordergrund eine Hanswurstszene oder der Hanswurst hält die Medizinflasche in seinen Händen. Der Tisch mit Medikamenten bleibt im Hintergrund erkennbar. Immer aber dient die Darbietung der Anlockung und dem Verkauf. Es war jedoch weniger auf den Kaufanreiz durch Anpreisung abgesehen, sondern viel mehr Spekulation auf die Urteilskraft und Willen schwächende Stimmung, in die das Publikum nach der Theaterlust gerät. Denn nachher erst wurde behandelt in einem Zelt oder auch auf der Bühne. Das zog ebensoviele Zuschauer an wie die Hanswurstszene, war doch auch das Theater, weshalb es nicht weiter verwunderlich ist, daß der Wunderdoktor oft selbst kostümiert auftrat.
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Ob der Scharlatan, ob ein besonders begabter Schauspieler Protagonist dieser Darbietungen war, das wechselte nach der Stärke der Persönlichkeit. Jean Salomon Talsarin (1584 – 1633), dessen Name in Frankreich einen theater- und scharlatanerie-verschmelzenden Begriff bedeutet, ein Possenreißer von Geist und Temperament, trat nur als Lockvogel für die Kunden seines Tränklein verkaufenden Socius, des Drogisten Mondor, auf. Nur am Freitag wurde das Theater Selbstzweck, an Stelle Mondors trat eine Frau, Francisquine, und die Medizinen waren vergessen. Protagonist aber blieb für sein Publikum von Dienern, Boten, Schülern und Handlungsgehilfen, das sich vor Lachen über ihn schüttelte „depuis le talon gauche, jusqu’a l’oreille droite", und bleibt für die Nachwelt Tabarin. Er spielte auf einer Estrade der Place Dauphine, jenem dreieckigen, belaubten und verwunschenen Platz der Pariser Ile de la Cite, der einen noch heute empfängt wie eine kleine, verlassene Bühne. Tabarin soll in Paris geboren und gestorben sein. Er selbst erklärte – und darin gleicht er bereits St.Germain und Cagliostro – sehr Unterschiedliches, seine Herkunft von Frankreich nach Italien verlegend. Manchmal – wahrscheinlich in weinbeschwingten Augenblicken – gab er auch an, Saturn sei ein Ahnherr, auf der Flucht vor Jupiter habe er im Lande Latium einen Sohn Tabarum gezeugt, das stehe so bei Pausanias geschrieben. Das ist bereits Hohe Schule der Flunkerei. Hier improvisierte der große Improvisator sein eigenes Leben. Der graue Filz, den er abendlich trug, zu formen nach dem Augenblick, es war der Hut Saturns. Holzschwert und Neptunsbart, langes Silberhaar und tiefe Blässe des Gesichtes vervollständigten die Maske. Das Kostüm war meist Bluse, weite Hose und Mantel aus weißer Leinwand. Niemals, auch bei den derbsten Witzen, so wird berichtet, bewegte ein Lächeln die Würde des blassen Gesichtes. Mondor, der 1619 in Paris auftauchte, wurde von einem doctor medicinae, Mr.de Courval, angegriffen, und Tabarin trat vor Gericht für die Heilmittel dieses Scharlatans ein. Auf der Bühne aber griff er „le maitre" an; diese Dialoge, aus Frage und Antwort bestehend, wie auf allen primitiven Stegreifbühnen, entzückten das Publikum. Mondor agierte sich selbst mit seinen steifen Bewegungen und der gelehrten Sprache. Den Hintergrund der Bühne bildete ein Wandteppich, das Ensemble bestand aus fünf Personen. Ein Geigenspieler, ein Musikant mit der alten sechssaitigen Kniegeige und ein Page, der dem lachenden und kauflustig gemachten Publikum die Fläschchen und Töpfe herumreichen musste, die Mondor in den Pausen und während des Theaters anpries, wirkten neben Mondor und Tabarin (s. Titelbild).
Tabarin verleugnete zwar Saturn durch sein Gehaben, niemals aber verleugnete er Frankreich. Er ist eine spezifisch französische Figur, Erlebtes, Gesehenes, Beobachtetes mit Grazie zur Kunst gestaltend und ebenso gerissen wie man für dieses Leben sein muß, nicht mehr. Was den deutschen wie den italienischen Scharlatanen zu fehlen scheint, Tabarin hat es besessen: Selbstironie.
III. FÃ¤lscher der Meinung

„ Der Meinende „, so sagt Thomas von Aquino, „ ist von innerem Widerspruch keineswegs frei. Noch fürchtet er Unrecht zu haben. Er bangt, daß der andere Recht hat, um so mehr will er Recht behalten". Wenn diese Worte auch zeitlose Gültigkeit haben, so scheinen sie doch besonders zutreffend für jene Jahrhunderte, denen durch zahlreiche Entdeckungen und die schnelle Entwicklung der Wissenschaften zuviel an neuem Wissen zugemutet worden ist. Neben der noch mangelnden Sicherheit des Gemeinten (der Wissenschaft selbst) stand das Mißtrauen der großen Masse der Meinenden, die zwar sich einem objektiven Fürwahrhalten des Neuen nicht verschließen konnte, der aber die Sicherheit der Überzeugung fehlte. Hier setzten die Künstler der Meinungsfälschung ein. Die mangelnde Sicherheit wurde durch ihre geheimnisvollen Reden, die von der nüchternen Wissenschaft weg zur pittoresken Scheinwissenschaft führen sollten, in jene haltlose Unsicherheit verwandelt, in der die menschliche Seele Scharlatanerien jeder Art so zugänglich ist. „Parole artihciose" sagt die Definition der Crusca von den Worten der Scharlatane. Artificioso heißt künstlich und heißt auch schlau und falsch. Künstlich, nämlich, und gefälscht ist dasselbe, so sagt man z.B. falsche oder künstliche Steine. Mit Wortfälschung beginnt die Meinungsfälschung. In allen beschreibenden oder kritischen zeitgenössischen Berichten wird von den viele Stunden dauernden, wiederholungsreichen Reden der Scharlatane gesprochen, die die Menschen in eine Art Trance versetzten, in der sie bereit waren, sich allen Kuren zu unterziehen und die für unser Gefühl aus widerlichsten Ingredienzien bestehenden Medikamente zu schlucken. All diese Budenredner sind glänzende Menschenkenner gewesen.
Ist die Verbindung des Scharlatans mit dem Theater nur als wirksame Werbung zu werten, so fällt der Prunk, mit dem sich die Scharlatane umgaben, ihr Erscheinen auf reich gezäumen Pferden oder in vornehmen, nachtschwarzen Kaleschen schon in ein ganz anderes Gebiet. Dieses Gebiet ist noch deutlicher gekennzeichnet, wenn wir sagen, daß das Geldnehmen für geleistete Dienste nicht nur nicht zugegeben, sondern abgeleugnet wurde. Man verzichtete auf Honorare, man war Wohltäter der leidenden Menschheit, nur ihr wollte man dienen. Das war zu lesen auf den Flugblättern mit den Ankündigungen all der bereits erfolgreich durchgeführten Kuren und Operationen des Wundermannes, die auch namentlich angeführte Große der Welt bescheinigten. All dies war viel mehr Theater als die Hanswurstszene, aber damit ist erst bewiesen, daß die Quacksalber verstanden, der Menge zu imponieren. Das spezifisch Scharlataneske kommt erst durch den Trick hinzu, die Menge sich selbst imponieren zu lassen, ihr Bewußtsein zu wecken und es gleichzeitig zu verfälschen. Denn hat der Scharlatan etwa einen neuen Heiltrank entdeckt, dann wendet er sich nicht an Männer vom Fach, an Ärzte, um sie urteilen zu lassen. Nein, er ruft die geschmeichelte Menge auf und verleibt ihr, indem er sie befragt, den Schein von etwas, was sie nicht besitzt: medizinische Autorität.
Johann Andreas Eisenbarth (1661-1727), den Deutschen zum Begriff geworden wie Tabarin den Franzosen, war nicht nur, wie sein Bild vermuten läßt, ein gescheiter Mann und wie zeitgenössische Urteile bekräftigen, ein guter Operateur, sondern vor allem ein Genie der Propaganda. Handel mit Parfumeriewaren oder Amuletten hat er nie betrieben, er ist ein Mediziner, der nicht fertig studiert hat. Er soll in Viechtach bei Regensburg geboren sein und ist in München gestorben. Ausgebildet wurde er bei dem privilegierten Okulisten Biller in Bamberg, 1686 prüfte ihn in Altenburg der fürstliche Leibarzt Dr. Klander. Es wurde ihm bescheinigt, daß er, was Augenkuren, Stein-, Krebs- und Bruchschneiden betrifft, zur Genüge erfahren sei. Für diese Spezialgebiete erhielt er ein Privileg, Kuren durfte er nicht ausführen, Apothekerwaren nicht feilhalten. Wir wissen, daß Eisenbarth großen Zulauf hatte, ein wohlhabender Mann war, der Wagen, Pferde und ein stattliches Haus besaß, einen Sekretär und reichlich sonstiges Personal beschäftigte und vom Kurfürsten von Hannover 4200 Taler Jahresgehalt zugesichert erhalten hat. Viel mehr als diese Tatsachen sagen aber Eisenbarths Reklamezettel über ihn aus, und sie mögen zu dem bekannten Liede Anlaß gegeben haben, das sonst wenig mit Eisenbarths wirklicher Gestalt zu tun hat. Diese Reklamezettel sandte der Doktor Eisenbarth, der keinen Doktorgrad erworben hatte, in die Städte voraus, in denen er seine Bude aufzuschlagen gedachte, und erwies sich so als eine Art Zeitungsverleger in eigener Regie. Er kannte die Macht der Ziffern. 30 Jahre praktizierte nun der hochberühmte Medikus, 1000 Blasensteine und 2000 Kröpfe habe er in diesen 30 Jahren operiert, so stand zu lesen. Er wußte auch, wie sehr Titel wirken, besonders auf seine Landsleute, und er kaufte sich 1717 den Hofratstitel für 200 Taler. „ Der berühmte Zahnarzt etc. Eysenbarth ist Hoffrath worden" las man in der geschriebenen Berlinischen Zeitung, und der Autor setzte hinzu, daß Eysenbarth „hievon profitieren wolle". Er verstand, und das war völlig neu, sich der Zeitung zu Reklamezwecken zu bedienen, und in der Vossischen Zeitung von 1724 kann man unter andern Anpreisungen seiner Fähigkeiten das Lob seines wunderwirkenden und doch rechtwohlfeilen Haupt-, Augen- und Gedächtnis-Spiritus finden. Am meisten aber erfährt man über Eisenbarth aus einem grotesken Skandal, dessen zufälliger Gegenstand er 1704 in Wetzlar, wo sich das Kammergericht befand, wurde. Zwei wegen hochpolitischer Gründe verfeindete Parteien gerieten einander in die Haare, als Eisenbarth seine Bude auf dem Markt aufgeschlagen hatte. Von der einen Partei wurde gegen die andere, erlaubnisgebende, Anklage erhoben. Bemüht wurde – der Kaiser selbst. „ Allergnädigster Kayser, und Herr Herr „, schreibt der „Allerunterthänigster Treu-gehorsamster Friedrich Ernst Graff zu Solms: … als an welchen Tag ein Jahr-Marckt allhier gewesen, auffgerichtet sich befunden, worauff ein Marck Schreyer nicht nur Artzney verkaufft hätte, sondern auch fast alle Tage Comoedien daselbst gespielet, und auf dem Seil getantzet worden wäre, ja es seye bey der ersten Comoedie oder Schau-Spiel ein Gerichts-Proceß, und andere dergleichen Dinge, vorgestellet worden, dabey der Richter mit einem Scepter gesessen, sich corrumpieren lassen, mit dem Harlequin den Richter-Stubl und Kleydung verwechselt, und endlich den Harlequin zu hencken, das Urthel gefällt …" Aus der Antwort der Gegenpartei: „ … übrigens pflegen ja alle Ärzten und Marckschreyer dergleichen zu thun um die Leute desto füglicher an sich zu bringen …". Eisenbarth versteht als echtes Propagandatalent sogar in seinem Rechtfertigungsschreiben Reklame für sich zu machen: "Ich Johann Andreas Eysenbarth, Kayserlicher- auch verschiedner Chor- und Fürsten hoch privilegierter Medicus und Operator, thue hiemit bekennen und attestieren, daß ohnlängstens meine 2 Diener von Cassel anhero nach Wetzlar auf Johannis Jahr-Marck alda der Gewohnheit nach meine Profession armer Patienten zu Trost zu exercieren, abgeschicket… " Man sieht, auch Eisenbarth will nichts als Trost spenden, auch er ist Wohltäter der Menschheit, die er kuriert, die er … verführt.
I V. Das Jahrhundert der Scharlatane

Das 18. Jahrhundert hat wie kein anderes Existenz und Erfolg des Scharlatans begünstigt. Es ist nicht so sehr die Volksausgabe des Marktschreiers, als die Luxusausgabe des Grandseigneurs, des reisenden Weltbürgers, die das Dixhuitieme geprägt hat. Die ideengeschichtlichen Gründe darzulegen, die den Widerspruch der Gleichzeitigkeit von Aufklärung und Goldmachen, von Voltaire und Cagliostro erklären, würde weit über den Rahmen dieser Ausführungen gehen. Dennoch ist es unerläßlich zum Verständnis all der Gestalten, die wir hier zeigen, den zeitgeschichtlichen Hintergrund kurz zu beleuchten.

Das 17. Jahrhundert war das Zeitalter der Systeme, das 18. entwickelte sich vom System zum Experiment, von Deduktion zu Induktion. Das 17. Jahrhundert kannte nur einen Ausdruck für einen Gedanken, das 18. drückte ein und denselben Gedanken in den verschiedensten Prägungen aus. Experiment und unfaßbarer, weil nicht eindeutiger Ausdruck: hier sind schon zwei wichtige Momente zur Zerstörung der inneren Sicherheit. Die Relativierung der Begriffe, die mit Montesquieu eingesetzt hatte, zog Wissen und Religiosität mit auf diesen schwankenden Boden. Der Glaube war durch den empirischen Pessimismus des 17. Jahrhunderts nicht mehr Tröster, sondern Mahnung an Tod und Vergänglichkeit geworden, Spiegelbild der Ewigkeit die Hölle. Das Ventil der Metaphysik aber, nach dem die menschliche Seele als Ausgleich dieser Jenseitsdrohung verlangte, wurde im 18. Jahrhundert durch die starke Wirkung des Rousseau’schen Pan-Moralismus unmöglich gemacht. Mit Länder- und Rohstofferschliessung und -einfuhr, Aufblühen der Manufakturen etc. wurden Bedürfnisse geschaffen, das Lebensniveau verfeinert, die Nerven durch Luxus und Vergnügen stärker beansprucht. Resultat: das Jahrhundert der Aufklärung, das alles verstehen wollte und alles verstand, verfiel der Macht der Scharlatane mindestens ebenso stark wie die Renaissance, die das Unverständliche, das Lächeln der Mona Lisa, bewundert hat. Es verfiel dieser Macht deshalb noch stärker als sie, weil es auch die Todessicherheit verloren hatte, die Leonardo da Vinci für seine Zeit so formuliert hat: „Wie ein gut verbrachter Tag einen freudigen Schlaf erzeugt, so zieht auch ein gut verbrachtes Leben einen freudigen Tod nach sich." Das Leben gut verbringen, das wollte man auch, aber ohne Verantwortlichkeit vor dem Tode. Das Schafott stand als Fatum am Horizont der Zukunft, der Moralismus als häßlicher Mahner in der so lustreichen Gegenwart. Reaktion gegen Zukunftsdrohung und Gegenwartsmahnung wird durch Flucht in die Vergangenheit vollzogen. Diese übersinnliche Vergangenheit personifizierte der Scharlatan, sein Alter, das nach Jahrhunderten zählte und seine mystische Herkunft. Jetzt gab er mit dem Gold nicht mehr nur Reichtum, er gab auch Aufstieg in eine andere Klasse, was das erwachende Bewußtsein stürmisch ergriff; jetzt gab er mit der Universalmedizin nicht mehr nur Krankheitsheilung, er gab auch gesteigerte, raffiniertere Fähigkeit zum Lebensgenuß und verlängerte das Leben, so der Todesfurcht Aufschub gewährend. So wurde er zur Sensation, zur Mode, und wie die Mode so beherrschte auch der Scharlatan diese Zeit. Gewiß gab es auch Menschen, die die Ursachen der Modekrankheit durchschauten, wir zitieren einen wenig bekannten Artikel Hufelands „Über die neuesten Modearzneyen und Charlatanerien", der Oktober 1789 in Bertuchs „Journal des Luxus und der Moden" erschien, was der Autor folgendermaßen begründet: „Das Journal der Moden ist ohnstreitig der schicklichste Ort, wo man von Zeit zu Zeit dem Publikum die neuesten und gangbarsten Modeartikel für Gesundheit, Schönheit, langes Leben und dergl. wird mittheilen können." Hufeland berührt das verfälschende Moment der Popularität: „ Wir leben in den Zeiten der Popularität, und selbst die ernsthaftesten Wissenschaften haben jetzt so gut ihre pedantische Mine ablegen und sich in ein gefälliges Modegewand kleiden gelernt, daß ihnen in keiner Damengesellschaft mehr der Zutritt verwehrt wird. Sie haben sich wirklich unentbehrlich gemacht und wo ist noch ein Zirkel von gutem Ton, in dem man nicht von Elementar-Feuer, Magnetismus, Elektrizität, den Ursachen der Dinge, ja von den abstraktesten Gegenständen der Metaphysik, mit einer Leichtigkeit und einem Interesse sprechen höret, die in Erstaunen setzen. Die Medizin war eine der ersten, die die Ehre hatte in Cours zu kommen."
Die magnetischen Heilsysteme, die sich um Franz Mesmer und den tierischen Magnetismus entwickelten und durch die Namen Johann Gassners und Schrepfers gekennzeichnet sind, waren längst nicht mehr Mode, als Hufeland diese Zeilen schrieb. Sie gehören nicht ganz zum Thema Scharlatane, da sie, wenn auch gauklerisch, ihr Gut von Mesmer borgten, und Mesmerismus in ein anderes Gebiet fällt. Wohl aber zeitigte die Auswertung durch manchen Anhänger des Magnetismus seltsame, echt scharlataneske Blüten. Ein schottischer Arzt, Dr. James Graham, der Ende des 18. Jahrhunderts in London lebte und magnetische Wasser und Pulver zahlreich verkaufte, hatte ein magnetisches Bett zur Heilung aller Krankheiten aufgestellt, dessen Benutzung nur nach vorheriger Anmeldung und Einsendung von 50 Pfund gestattet wurde. Man pilgerte in Massen zu diesem Wunderbett, von dem eine zeitgenössische Beschreibung des „Gesundheitstempels" folgendes zu sagen weiß: „Das Bett stand in einem prächtigen Zimmer, wohin aus einem benachbarten Cabinet ein Cylinder führte, durch welchen die heilenden Ströme in das Schlafzimmer geleitet wurden, sowie auch sonst allerhand Wohlgerüche stärkender Arzneien und morgenländischer Rauchwerke durch gläserne Röhren dahin geführt wurden. Das himmlische Bette selbst ruhte auf sechs festen durchscheinenden Säulen, die Betttücher von Purpur und himmelblauem Atlas waren über Matratzen, mit arabischen und morgenländischen Riechwassern durchdrungen, gebreitet und zwar im Geschmack des persischen Hofes. Das Zimmer, in welchem es war, nannte er sanctum sanctorum … Zu diesem allen kommen noch die melodischen Töne der Harmonika, sanfte Flöten, angenehme Stimmen und eine große Orgel. Er sagte mit Recht, nichts gäbe den angegriffenen Nerven alle ihre Kräfte erstaunungswürdiger wieder, als dieses himmlische Bette. Der offenbar für die raffinierten Bedürfnisse der Vornehmen arbeitende Scharlatan war auch Erhnder von Erdbädern; die Poren der Haut sollten Nahrungssäfte der Erde einsaugen und so sollte man „ohne Essen ein gesundes und langes Leben" führen können.

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Von dem populären Wunderglauben an magnetische und elektrische Ströme profitierte der Schweizer Michael Schüppach, der Naturbursche unter den Scharlatanen. Er wurde 1707 im Kanton Bern geboren und zeigte in früher Jugend naturwissenschaftlich-medizinische Neigungen. Das teure Universitätsstudium konnten seine Eltern nicht bezahlen und so wurde er zu einem Dorfarzt in die Lehre gegeben. Er probierte die Rezepte der Kräuterbücher aus, zeigte viel Interesse fürs Sezieren und kaufte sich, sowie er selbst verdiente, anatomische Bücher. Sehr früh begann er genauest die Krankengeschichten seiner Patienten aufzuschreiben. Schüppach bewies viel Ernst beim Studium und ist nicht durchaus als Scharlatan zu bezeichnen, erst seine Erfolge, die ihm über den Kopf wuchsen, scheinen ihn zu echten Scharlatanerien, wie Fernbehandlungen, verführt zu haben. Er gehört nicht zu den großen Reisenden, sondern der Doktor in Langnau im Emmental wurde zum Kuriosum, das alle Fremden, die die Schweiz bereisten, gesehen haben wollten. 1799 besuchte ihn Goethe, der für diese Art Menschen immer viel Interesse gezeigt hat, und berichtet an Frau von Stein: „ … doch ist sein Auge das gegenwärtigste, das ich glaube gesehen zu haben. Blau, offen, verstehend, ohne Anstrengung boobachtend." Da Schüppach Mode war, fand man im Langnauer Gästebuch Namen berühmter Gelehrter, neben Prinzessinnen. Natürlich fehlte auch der Kardinal Rohan nicht, der später einem viel größeren Scharlatan, Cagliostro, ins Garn gehen sollte. Auf allen Porträts von Schüppach sieht man ihn mit dem Uringlas. Während er nämlich den Patienten befragte und, wie seine Gegner behaupteten, ihn mit einem Auge beobachtete, blickte er unverwandt auf das Glas und gab vor, Diagnose und Therapie in der Flüssigkeit zu erschauen. In der Glanzzeit dieses „Wunderarztes" drängten sich täglich 80-100 Patienten in seine „Apotheke", in der Medizin mit deutschen Aufschriften wie „Freudenöl", „Blümlisherz", „fürs Untier" zu finden waren, Namen, mit denen zu Michaels Freude, die Lateiner und richtigen Ärzte nichts anzufangen wußten. 80 und mehr Boten mit Uringläsern trafen täglich in Langnau ein, Arm und Reich pilgerte zum „Schärermicheli". Von seinen Behandlungsmethoden wurden manche Anekdoten erzählt. Einen reichen Bauern, der behauptete von sieben Teufeln besessen zu sein, heilte er durch starke elektrische Schläge, bei denen er sich anstellte, als sähe er die Teufel aus dem erkrankten Leib fahren. Einem andern Bauern, der sich eingebildet hatte, einen Heuwagen mit Fuhrmann verschluckt zu haben, horchte er ab und versicherte, das Peitschenknallen im Bauche zu vernehmen. Dann bekam der Patient Brechund Schlafmittel und flugs wurde ein echter Heuwagen bestellt. Als der Kranke erwachte und erbrach, fuhr der Kutscher mit Peitschenknallen davon. Michael aber hatte natürlich durch seine Kunst den Bauern Heuwagen erbrechen lassen. Man sieht, Wissensfälschung hat er schon betrieben. Eine Beschreibung des Züricher Professors Leonhard Meister vom „Taubenschlag" des Michael und seiner schönen Frau und Gehilfin zeigt, daß auch das Theater als Lockmittel nicht ganz fehlte: „ … Man steht oder man sitzt zusammen, man spielt Karten, bald mit einem Mädchen; bald wird ein Konzert, bald ein Frühstück oder Abendessen gegeben, bald ein kleines Balett gehalten. Uberall wird sehr glücklich die Freiheit der Natur mit den Ergötzungen der schönen Welt vereinigt und wenn der Arzt keine Krankheit zu heilen imstande ist, so heilt er doch Hypochonder und Vapeurs." 1781 starb Schüppach, reich und hochgeehrt, betrauert von seinen entzückten Besuchern, in schwärmerischen Versen von Lavater besungen.
Weder Graham, noch Schüppach gehören zu jener Kategorie von Scharlatanen, die unauf hörlich auf der Wanderschaft, bald im Glanze fürstlicher Gunst, bald in Elend untertauchend, in ständigem Wandel von Namen und Gestalt im 18. Jahrhundert durch ganz Europa zogen. Deren Pläne waren groß angelegt und sie haben nichts mehr mit den Quacksalbern der Märkte gemein. Charakteristisch ist, daß sie fast immer in die Politik verwickelt sind, wollten sie doch ganze Völker mit Wohlstand beglücken und nicht mehr nur ein Einzelschicksal vergolden. Tiepolo zeigt den Ciurmator (ciurmare = Zaubertränke bereiten, zaubern), der über dem typischen Arzneikoffer auf einer Art Prozessionsfahne sein eigenes Bild ausstellt. Das geheimnisvolle und geheimnislüsterne Maskengetriebe, die mediumistische weiße Frau im Zentrum, das Seiltänzerplakat und der fähnchenschwingende Harlekin – da ist all das vereinigt, was Scharlatane und ihr Treiben zeichnet. Der Höhepunkt in der Kunst der Massenbezauberung und der Schamlosigkeit war nun erreicht: werbende Schaustellung der eigenen Gesichtszüge, des eigenen Wesens: das war die Methode der klassischen Abenteurer.
Der klügste und feinste der drei klassischen Abenteurer ist der Graf von St. Germain gewesen. Er stand im Ruf fabelhaften Reichtums. „Der berühmte Alchemist" wird er auf dem einzigen Porträt genannt, das wir kennen, und das wirklich ein zeitloses und hintergründiges Gesicht zeigt. Woher der Graf stammte, weiß man nicht, es heißt aus Portugal, aber nichts beweist das. Er selbst erzählte gern, daß er mit den Gästen der Hochzeit von Kana zu Tisch gesessen. Dann wieder wollte er aus dem spanischen Königshause oder von den Fürsten Rakoczy abstammen. Seine Anekdoten sprangen munter durch die Jahrhunderte, stellte ihn ein Zweifler mit Fragen, so bedeutete er ihm, daß er sich von Zeit zu Zeit aus dem Treiben der Welt zurückzöge, sich also nicht an alles erinnern könne. Er beherrschte zahlreiche Sprachen und reiste durch Länder, wie durch Jahrhunderte, Zerrbild des Wanderers zwischen den Welten. Dabei wechselte er ständig den Namen, hieß Marquis de la Croix noire, Graf Surmont, auch Graf Welldone (Wohltäter). Gelegentlich beschäftigte er sich mit Bilderfälschung, was in allen Zeiten Scharlatane magisch angezogen hat. „Ein Narr, der wundervoll singt, spielt und geigt", sagt Horace Walpole von ihm. Ubrigens ist bezeugt, daß er bei streng geregelter Lebensweise noch in hohem Alter wie ein 50 jähriger aussah. 1735 ist sein Aufenthalt im Haag nachweisbar, 1744 in England, I759 war er in Frankreich, gewann durch sein Verjüngungswasser die Gunst der Pompadour und spielte dann eine mysteriöse Rolle bei den Friedensverhandlungen zwischen Frankreich und England. Der Herzog von Choiseul brach seinen Einfluß, worauf der Abenteurer verschwand, man weiß durch Jahre nichts von ihm, dann tauchte er in Rußland, Italien, Deutschland auf, sehr heruntergekommen, und starb 1784 in Eckernförde. Ärztlich hat er sich kaum betätigt, er interessierte sich mehr für Produktion und Absatz von Heilmitteln. Immerhin braute er ein kostspieliges Lebenselixier, den noch heute als St.Germain-Tee verbreiteten Abführtee. Er besteht aus Sennesblättern. St.Germain ist vor allem interessant durch seine Mythologisierung der Industrie. Aus seinen alchimistischen Kenntnissen schöpfte er Rezepte für Geheimverfahren in der erwachenden Seiden-, Porzellan- und Farbindustrie, auch für Weinveredlung fand er ein Verfahren. Minister und Bankleute kauften ihm seine Geheimnisse für viel Geld ab. Natürlich besaß er auch Rezepte zum Goldmachen und für eine Universalmedizin, und was für gute Geschäfte man mit dieser damals machen konnte, wird einem klar, wenn man einen Berliner Zeitungsbericht von 1779 liest: „In London schrieb ein Chymikus ohnlängst ein langes und breites von einer Universalmedicin, welche er erfunden zu haben vorgab, und reichte seine Schrift versiegelt im Oberhaus des Parlaments ein. Die jungen Lords meinten sämtlich, daß man diese Sache ans Unterhaus weisen, und sich nur Bericht davon müsse abstatten lassen, allein die älteren waren der Meynung, eine so wichtige Entdeckung verdiente wohl, daß man sich damit beschäftige, und es sey der Müh wert sichs etwas sauer werden zu lassen, wenn man dadurch I50 Jahre alt werden könne."
Casanova, der zweite der drei großen Abenteurer, gab sich mit dem medizinischen Kleinkram nicht ab, durchschaute und verachtete den dritten, Cagliostro, der sich aber als Wunderdoktor nur vor und nach seiner wirklich großen Zeit betätigt hat. Beppo Balsamo, später Graf Cagliostro, ist 1743 in Palermo geboren, er kam aus proletarischem Milieu. Er betätigte sich u.a. als Schatzgräber in Meereshöhlen, half in einer Klosterapotheke, wo er seine ersten medizinischen Kenntnisse erwarb. Flucht vor Verhaftung war bei ihm, der in ständigen Händeln mit Polizei und Gönnern lebte, der erste Reiseimpuls. In Messina und Malta lernte er prominente Alchimisten kennen, die ihn in ihre Geheimnisse einweibten. Cagliostro hat das später nach Zeitgeschmack umredigiert und er, der dicke plattnasige Held der sizilianischen Gosse, wurde zum unglücklichen Sohn des letzten Herrschers von Trapezunt, der in die Verbannung fliehen mußte, von einem edlen Sheriff erzogen wurde, der ihn „unglückliches Kind der Natur" taufte, später erst traf das unglückliche Kind mit dem Hohen Priester aller arkanischen Weisheit, Althotas, zusammen, der sein Lehrer wurde, den er, was man nur diskret andeutete, ermorden mußte. In Wahrheit mußte Cagliostro nach Fälschung eines Oberstenpatentes wieder einmal fliehen, wurde aber bereits von seiner schönen Frau und begabten Mitverschworenen, Lorenza Feliciani, Tochter eines römischen Handschuhmachers, begleitet. Er schlug sich durch, hatte Erfolge, schwindelte, mußte wieder fliehen, so wechselte die Szene zwischen London, Paris, Deutschland, Italien. Leichtgläubige Gönner waren immer wieder als Retter zur Stelle. Sein zweiter Londoner Aufenthalt brachte den großen Coup. Er drang frech in die Freimaurerlogen, erwarb sich Anhänger und gelangte zu großem Ruhm. Jetzt war er Graf Cagliostro, der Lakaien, Kuriere und Kammerdiener beschäftigte. In diskreter schwarzer Kutsche mit mattgoldenem Monogramm, ein Reklamemittel, das schon Eisenbarth erkannt hatte, fuhr er umjubelt in die Städte, aus denen er dann bei Nacht und Nebel floh. London, Brüssel, Haag, Kurland war die Route. Aus Mitau haben wir die entlarvenden Aufzeichnungen der Freiin von der Recke. Er besuchte Rußland, Deutschland und traf dann in Strassburg mit dem Kardinal Rohan zusammen, den er später in die Halsbandaffäre verwickelte. Diesen Gönner wußte er vollkommen zu bezaubern. In Lyon gründete er, da ihm die erwachende Skepsis der Freimaurer unerwünscht war, 1784 eine neue ägyptische Loge „eigener Observanz „ und zog 1785 triumphal in Paris ein. Im Laufe der Halsbandaffäre, die wenige Jahre später Cagliostros Pariser Triumphen ein Ende bereitet hat, wurde er gefangengesetzt, die Gegner Marie Antoinettes erwirkten aber seine Freilassung, er floh nach London, dann nach Basel, Turin, sein letztes bescheidenes Auftreten als Wunderdoktor ist in Trient und Rovereto nachweisbar, I789 kehrte er nach Rom heim. Not trieb ihn, seine altenPraktiken wieder aufzunehmen, jetzt aber ergriff ihn die Inquisition, machte ihm den Prozeß und verurteilte ihn zu lebenslänglichem Kerker. 1795 starb er. Cagliostro, der gröbste der drei klassischen Abenteurer, ein Urkundenfälscher,Taschenspieler, Quacksalber,Geisterbeschwörer und Kuppler, hat die grösste Macht über seine Zeitgenossen gehabt, er war der populärste. Wir wissen, daß Goethe, Tieck, Dumas ihn zum Helden von Dichtungen gemacht haben. Döschen, Pendulen und Fächer, die sein Bild tragen, beweisen jenen Höchstgrad an Massenwirkung, der sich in allen Zeiten dadurch dokumentiert, daß Bild und Legende des Helden ins Kunstgewerbe eingeht. Vielleicht erklärt sich der Zauber von Cagliostros Wirkung zum Teil daraus, daß der zwar schlaue, aber halbgebildete und kritiklose Mann manchmal seiner eigenen Suggestion unterlag und soweit kam, zu glauben, was er sagte. Er hatte echte und unberechnende Momente, in denen er jenem Durcheinander verschiedener Wirklichkeitsbilder verfiel, von dem wir als charakteristisch für die Renaissancemenschen sprachen. In solchen Augenblicken mag er überzeugt haben. Auf dem Fächer, den wir zeigen, sieht man links die Abreise Cagliostros auf der Gondel aus seiner magischen Heimat. Er ist morgenländisch gekleidet. Die Phantasie einer Zeit, die wie das Dixhuitieme für persische Motive (Montesquieu: Lettres persanes) und für Chinoiserie schwärmte, sah ihre Scharlatane natürlich am liebsten in exotischen Gewändern. In der Mitte des Fächers die Porträts Cagliostros und Lorenzas, rechts eine Kranke auf einer Bahre, eine andere Frau, die die Hände des heilenden Wohltäters küßt. Die Verse unter den Bildern lauten:

Il prolonge la vie, il secourt l’indigence,

Le plaisir d’etre utile, est seul sa recompence.

(Er verlängert das Leben, er steht den Dürftigen bei, die Freude zu helfen, ist seine einzige Belohnung.)
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Hier haben wir die Hauptattraktion seiner Werbung: er behandelte umsonst, er behauptete das wenigstens. Sehr gut verstand er dann, auf andere Weise doch Geld von den Geprellten zu erhalten. Elisa von der Recke erzählt über sein ärztliches Auftreten folgendes:
„Von seinem Aufenthalt in Strassburg weiß ich folgendes: Er logierte einige Zeit in einem Gasthofe; noch zeigte er sich nicht im geringsten als Arzt. Niemand erwartete das auch von einem Grafen. Plötzlich erfuhr man, es sei ein fremder, wohltätiger Herr hier, der Kranke umsonst übernehme und ihnen nicht nur Arzneien, sondern selbst oft Geld und noch andere Unterstützungen zukommen ließe; und dies ist die Wahrheit. Nun kamen nach und nach und noch schüchtern einige Arme zu ihm; er empfing sie liebreich, gab ihnen Essenzen, Elexiere, andere Arzneien, befreite manchen vom Fieber und anderen Zufällen, besuchte selbst auch manche Schwerkranke in ihrer Behausung. Sein Ruf stieg, und bald waren nicht nur seine Zimmcr, sondern auch die Treppen und Haustüre mit Hilfsbegierigen besetzt. Er war etwas leicht und zuversichtlich im Versprechen dcr Heilung, und dies gab allen Preßhaften umso mehr Mut. Freilich sind ihm nun bei der Menge von Kuren viele verunglückt, besonders bei Taub- und Blindheit; allein Glück in manchen Fällen, das Fremde, das Sonderbare, das Unentgeltliche machten ihn dennoch zum Gegenstand der höchsten Bewunderung…. Eine unglaubliche Menge von Fremden kamen von allen Orten her zu ihm; verschiedene baten ihn, mit einigen unserer besten Ärzte in Konsultationen sich einzulassen: dies schlug er immer ab, wie er denn auch für alle Ärzte keine anderen Benennungen kennt, als solche, die aus dem Tierreich entlehnt sind; … doch haben manche Kranke, auch Fremde, sich von Cagliostro weg wieder in die Arme der ordentlichen Ärzte geworfen…. Er pflegt z.B. sehr häuhg den Extrait de Saturne und zwar in sehr großen Dosen (wie überhaupt seine Medizinen) zu verordnen; man hat gezeigt, daß dieser Bleizucker zwar im Augenblick von guter Wirkung sei, bei Wunden und anderen Zufällen, wo schleunig Hilfe nötig ist, daß er aber auch oft eine gewisse Steifheit zurücklasse und innerlich gebraucht, nicht selten die unglückliche Colique de Poitou zurücklasse."
Uber die Qualität von Cagliostros Medikamenten hören wir am besten Hufeland in dem oben zitierten Artikel:
„ … Die Hauptmittel sind: die weißen Tropfen, die gelben Tropfen, der Lebensbalsam, das abfahrende Pulvcr, ein neuer Schnupftabak, egyptische Magenpillen, eine neue Rindfleischbouillon, womit alle diese Mittel zu nehmen sind. Wir besitzen von allen die Rezepte, sie sind aber alle so widersinniger Composition, daß man Verordnungen aus dem sechzehnten Jahrhunderte zu lesen glaubt, und, daß sie gewiß nur in Cagliostros Händen Wunder thun können. Wenigstens die egyptischen Pillen, die eine Zeit lang in Paris angebetet wurden, und die noch vom uralten Hermes Trismegistos abstammen sollten, mögen als der beste Beweis der elenden Scharlatanerien dieses Menschen da stehen:
Nehmt: Aloe, Diargidium, Turbith, Agarikus, Koloquinern, von jedem ein Quent; Mastix, Rhabarber, Mitabelanen, Fenchelsaamen, Zimmt, Muskatblumen, Xylobalsam, Narden, von jedem ein halb Quent. Alles fein gepulvert und mit altem weißen Wein, Stöchassyrup und Zimtwasser zu Pillen gemacht, deren zwey bis scchs Stück auf einmal zu nehmen."
Auch zugunsten seiner medizinischen Autorität wußte Cagliostro den Nimbus seiner Vergangenheit wirken zu lassen. Er erzählte, daß er zu Medina die Medizin studiert habe und „freilich daselbst anders die Natur kennen gelernt, als unsere europäischen Ärzte". Diese hasste er, und in London hat er einmal einem Arzt, der seine Schwindeleien entlarvte, ein Duell vorgeschlagen. Er wollte einen Trank bereiten, von dem sie beide trinken sollten, wer am Leben bleiben würde, sei der Sieger. Seine Arzneien präparierte Cagliostro nach alter alchimistischer Tradition zur Zeit des Äquinoctiums. Als Cagliostro nach dem Halsbandprozeß aus der Haft entlassen wurde, ließ er vor seinem Wagen, der ihn an der Bastille erwartete, einen Krüppel herlaufen, derMedizinflaschen an die Armen verteilte. Eine Geste, die in dem aufgewühlten, gärenden Paris von außerordentlicher Wirkung war. Cagliostros bedeutendste, schreibende Kritiker waren Mirabeau und die Kaiserin Katharina von Rußland, die ihn nicht nur aus ihrem Land weisen ließ, sondern ihn noch in zwei Lustspielen entlarvte, die wieder der unentwegte Kämpfer gegen alle Scharlatanerien, der Berliner Schriftsteller und Buchhändler Christoph Friedrich Nicolai, veröffentlichte. Aber was vermochten diese Einzelnen gegen einen Mann, der imstande war – ein zeitgenössischer Stich zeigt es – seinen Besucherinnen auf Grund kabalistischer Kenntnisse, die Nummern zu nennen, die in der Lotterie zuverlässig gezogen werden würden.
Eine Cagliostrokopie wollte in Pommern zu Ende des 18. Jahrhunderts Magno Cavallo (das große Pferd) sein, Mursa dux Tartarus, Philosopho – Medicus- Botanicus- Chymicus- Pharmaceuticos- Poeta- Propheta-Lama Lamorum Pontifex-pontihcum, wie er sich ganz bescheiden nannte. In türkischem Kostüm mit Säbel und Muff befuhr er in der Gondel die Flüsse Pommerns. Seine wunderärztliche Tätigkeit beschränkte sich auf Entdeckung und Propagierung der heilkräftigen Quellen von Bad Kenz (Pommern). Er hat Spielbanken und Wahrsageboden betrieben, gelegentlich auch politische Exposes verfaBt (anlässlich der Reichenbacher Konvention zwischen Österreich und Preußen, I790). Die Städte seiner Wirksamkeit waren Braunschweig und Celle; zu internationalem Ruf ist er nie gelangt.
Unter den betrügerischen Starstechern war der Engländer John Taylor (1708 – 1772), auch Ritter Taylor genannt, der imposanteste Schwindler. Auf seinen vielen Reisen, die ihn die halbe Welt sehen ließen, kam er auch nach Basel, wo er promovierte und in das medizinische Doktorenkollegium aufgenommen wurde. Taylor, dessen Zügen man Kälte, Skrupellosigkeit und Einbildung anmerkt, verstand sich glänzend auf die erforderliche Regie. Kein anderer hat das Requisit der Kutsche so einzusetzen gewußt wie er. Die seine wurde von 4 Schimmeln gezogen, sie war geschmückt mit Augenbildern und Attesten, weit sichtbar prangte vorne, einem Plakate gleich die Aufschrift: Qui visum dat, dat vitam. Wie Eisenbarth, so wirkte auch er durch seine zahlreichen Titel, die er nach Einzug in der Stadt bekanntgeben ließ. Er war ein gefährlicher Patron, der viele Menschen blind gemacht hat. Die Patienten mußten ihre Verbände drei Tage lang tragen, wenn sie sie abnahmen und ihr Unglück merkten, war er längst über alle Berge. Eine traurige Erfahrung in dieser Richtung hat 1751 der Grossherzog von Mecklenburg gemacht, und die Zeitungsstimmen vor und nach seinem Besuch weisen einen gewaltigen Umschlag von Hoffnung zu empörter Enttäuschung auf.
Zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert steht die merkwürdige Gestalt des Italieners Buonafede Vitali, genannt „d’Anonimo" ( 1686 – 1745 ). Er war „ Saltimbanco„ , er hat auf öffentlichen Plätzen behandelt, er hat sich dem Theater verbunden, aber er war gleichzeitig von den Fakultäten als bedeutender Arzt anerkannt und besaß die Doktordiplome von Padua, Parma und Palermo. Gegen Ende seines Lebens war er Protomedikus von Verona. In einer Schrift „Lettera in difesa della Professione del Saltimbanco" (Milano 1732) verteidigt er einem adeligen Gönner gegenüber (es soll Scipione Maffei gewesen sein), der ihm offenbar von seinem Beruf abreden wollte, den Scharlatan. Vitali war in seiner Jugend Soldat gewesen, begann aber schon bald sein Leben als reisender Arzt. Keinerlei Reisestrapazen hat dieser Mann gescheut, um die Welt zu sehen. Er war nur in England und Mailand drei Jahre ständig, sonst trieb es ihn immer noch rascher weiter. Temperament und wissenschaftliche Uberzeugung unterschieden ihn von seinen Fachkollegen. Er war ein glänzender Redner und schlechter Schriftsteller, sein Herz gebörte Theater, Reise und Abenteuer. In dem Verteidigungsbrief betont er, daß sich viel Gesindel unter den Scharlatanen befinde, aber das sei in jedem Beruf so und entehre diesen noch lange nicht. Als das Verderben für die medizinische Wissenschaft sieht er ihr Abwenden von der Empirie an. Er distanziert die empirische Medizin vom verwerflichen Risiko des Experiments und stellt sie als die einzig wahre Medizin hin, „diese aber ist die Kunst des Saltimbanco, der, was er kann öffentlich zeigt", denn jedes anständige Gewerbe scheut die Öffentlichkeit nicht „und da die Kunst (das Können) der Medizin die wichtigste ist, scheint es mir Pflicht, sie mehr als jede andere vor den Augen des Volkos auszuüben". Er eifert gegen die Professoren, die sich in uferlosen Disputen verlieren, anstatt zuzugreifen und zu helfen und in ihren Hörsälen wie in Festungen verschanzen, um mit der Realität, die sie über ihre Irrtümer belehren könnte, gar nicht zusammenzutreffen. Hier wendet sich ein menschlicher Typus gegen den andern: „dic Professoren, denen ihre Bequemlichkeit zuviel gilt und die die Mühen der Reisen scheuen, die weder Klima- noch Luftwechsel an sich selbst erlebt haben und nicht ahnen, wie verschieden auf der Welt die Sitten sind, wie traurige Begegnungen tun und wie einem zumute ist an jenen erfolglosen Tagen, an denen die Menge mit Fingern nach einem zeigt". Von ihm, der sich selbst den Anonimo genannt hat und der sogar für seine Eltern viele Jahre lang verschollen war, gibt es kein Bild. Eine zeitgenössische Beschreibung schildert ihn, der draußen in der Welt Minen verwaltete und in der Heimat Heilquellen entdeckte, als mittelgroß, dick, stattlich aussehend, gut gefärbt und mit löwenartigen Gesichtszügen. Ein bezauberndes Porträt seiner Persönlichkeit gibt Carlo Goldoni in seinen Memoiren. Er erzählt von Vitalis Eintreffen in Mailand 1730 und erkennt in ihm den „ciarlatano d’una specie rarissima". Goldoni ist interessiert an Vitalis Auftreten zwischen den Figuren der Commedia dell’arte auf der menschenüberfluteten Piazza Scala. War der Platz eines Tages weniger voll, so erklärte Vitali, nicht behandeln zu können, er brauchte das Fluidum zwischen Redner und Menge. Unter seinen Schauspielern befanden sich große Künstler (er unterhielt die Truppe auf seine Kosten), mit denen Goldoni gerne in Verbindung kommen wollte. So besuchte er eines Nachmittags als Patient den Anonimo. Aber schon nach wenigen Worten war er durchschaut. Der Arzt, der selbst Komödien schrieb, ließ ihm als beste Medizin eine Tasse vorzüglicher Schokolade servieren. Dann sprachen die beiden über Komödien und für Vitalis Truppe schrieb Goldoni seine erste Komödie, den „Gondoliere von Venedig".
Vitali war das Genie unter den Scharlatanen; er war es, der die Worte geschrieben hat: „die Welt ist ein Theater, das aus Mimen und Zuschauern zusammengesetzt ist. Gespielt wird auf der Bühne der Welt das Leben und der Autor dieser Vorstellung hat bestimmt, daß jede Figur sich anders kleide …" Und – das war die Meinung des Anonimo – wer Scharlatan ist, der soll auch als Scharlatan auftreten. Dieser Scharlatan bekennt sich zu sich selbst und will nicht scheinen, was er nicht ist. Er bedarf nicht der Fälschung, bei ihm fehlt das Moment der Spekulation. Und weil der künstlerische Impuls hier nicht mehr als Wissens- oder Meinungsfälschung wirkt, sondern in Persönlichkeit und Lebensgestaltung beschlossen ist, fehlt bei Vitali das Odium, das auf allen anderen Scharlatanen lastet, das Odium der Fälschung.

Gegenrede zum Inhalt dieser Ciba-Zeitschrift von 1936 von Dr. Michael Brandner

Zur Ehrenrettung des Grafen von St. Germain möchte ich darauf hinweisen, daß der Artikel "Der Scharlatan" von Grete de Francesco folgenden unsinnigen Satz enthält:

    "Immerhin braute er [gemeint ist St. Germain] ein kostspieliges Lebenselixier, den noch heute als St.Germain-Tee verbreiteten Abführtee. Er besteht aus Sennesblättern."

Dazu möchte ich folgendes feststellen: 

    Teespezialitäten werden nicht gebraut, sondern gemischt.
    Wenn der Tee aus Sennesblättern besteht, warum ist er dann kostspielig?
    Ein Elixier kann kein Tee sein.
    Der St. Germain-Tee besteht nicht aus Sennesblättern, sondern wird aus Fenchelsamen, Anissamen, Kaliumtartratkristallen, Weinsäurekristallen, Sennesblättern und Holunderblüten zubereitet.
    Auch wenn dieser Tee aus dem oben erwähnten Grund kein Lebenselixier sein kann, so stimmt zumindest, daß St. Germain diese Spezialität als lebensverlängerndes Mittel ("Species ad longam vitam") bezeichnet hat. Es ist natürlich leicht, sich darüber lustig zu machen, daß ein Abführmittel lebensverlängernd sein soll, wenn man die medizinischen Zusammenhänge nicht kennt. Der Anspruch auf diese Wirkung ist jedoch nicht unberechtigt, denn der "St. Germain-Tee" ist ein stoffwechselverbesserndes Mittel bei akuten und chronischen "Ablagerungskrankheiten" (Rheuma, Gicht, Gallen- und Nierensteine). Er wirkt nicht nur abführend, sondern auch kühlend (temperatursenkend und entzündungwidrig), verdauungsregulierend, schweiß-, harn- und galletreibend. Wird dieser Tee richtig eingesetzt – beispielsweise bei akuten fieberhaften rheumatischen Beschwerden oder bei Fettsucht und Gallensteinen -, so kann er durchaus lebensverlängernd sein. Man kannte und nutzte eben die Wirkungen, die gewisse Abführmittel auch auf andere Organsysteme entfalten. Die im St. Germain-Tee enthaltenen Sennesblätter beispielsweise sind nicht nur abführend, sondern auch galle- und periodentreibend.

Betrachtet man die Zusammensetzung dieser Spezialität, so sieht man sofort, daß St. Germain ein Kenner und Könner auf diesem Gebiet war. So wurde beispielsweise die erhitzende Wirkung der Sennesblätter durch kühlende Salze ausgeglichen, die auf eine originelle Weise mit den Samen verbunden werden. Durch die Weinsäure erhält der Tee außerdem die Wirkung einer Fieberlimonade. Betrachtet man dann noch die vielen Variationen dieser Spezialität, die später in Europa entstanden sind, sieht man erst recht, wie viel Verstand und Künstlertum in dieser Komposition steckt.

Wenn man sich die Mühe gemacht hat, solche Heilmittel, wie den St. Germain-Tee selbst herzustellen und in der Praxis zu prüfen, hat man wenig Grund, so überheblich darüber zu urteilen, wie Grete de Francesco. Leute wie der Graf von St. Germain sind doch nicht blöd, nur weil sie vor ein paar Jahrhunderten gelebt haben!

Dr. med. univ. Michael Brandner

Arzt für Allgemeinmedizin❞


Über die Gestaltung von »Die Macht des Charlatans« von Grete De Francesco
https://www.aufbau-verlage.de/die-andere-bibliothek/im-gespraech/ueber-die-gestaltung-von-die-macht-des-charlatans-von-grete-de


❝Grete De Francesco veröffentlichte 1937 ihre Studie über »Die Macht des Charlatans«. Die zu diesem Zeitpunkt 44-jährige Gelehrte und Publizistin hatte ein bewegtes Leben hinter und auch noch vor sich. Der sehr gelungene biographische Essay von Volker Breidecker lässt die Leser in das Leben De Francescos eintauchen, das mit der Ermordung durch die Nazis im Jahre 1945 ein grausames Ende fand.

In ihrem Buch stellt Grete De Francesco die »Figur« des Scharlatans in historischen Bezügen, mit all seinen Facetten dar. Sie durchwandert mehrere Jahrhunderte und ermöglicht den Leser:innen dadurch, die Entwicklung der Scharlatanerie zu erfahren und somit auch Parallelen in die Gegenwart zu ziehen. Gerade heute bietet sich dem Typus des Scharlatans eine große Bühne; wirtschaftlich, wissenschaftlich, aber vor allem auch politisch finden fragwürdige Persönlichkeiten ihr durchaus zahlreiches Publikum.

Das Buch ist von einer Anzahl an Abbildungen durchzogen, welche Grete De Francesco in verschiedenen Lebensstationen zusammengetragen hat und den Text trefflich bebildern. Durch diese historische Bildwelt taucht man in die Epochen ein und erhält durch diverse Kupferstiche, Gemälde und Radierungen einen umfassenden Einblick in die Entwicklung der Scharlatanerie.

Der Ausgangspunkt der Gestaltung ist die stetige Veränderung der Scharlatanerie und deren Anpassung an das Jetzt. Mit immer wiederkehrenden Elementen, dem Spiel der Täuschung und der Illusion in Wort und Bild manipuliert der Scharlatan sein Publikum. Er besitzt förmlich ein Repertoire manipulativer Kunst. Das Zusammenspiel mehrerer Sinne und Formen ist die Grundlage für die Gestaltung der Buchschlaufe. Die Collage, als Formspiel von verschiedenen Inhalten, versinnbildlicht passend das Sujet der Scharlatanerie.

Die Buchschlaufe ist sowohl auf der typografischen als auch auf der bildhaften Ebene collagiert gestaltet. Elemente, die dem Thema der Scharlatanerie entnommen sind, stehen im Bezug zueinander und bilden so das Hauptmotiv. Der goldene Kreis als bedeutende weltliche Form, auch als Symbol der Macht, wird zentraler Teil der Collage und unterstreicht dadurch die Aussage des Titels.

Gold ist im gesamten Buch die auszeichnende Farbe. Aus den Bezügen zur Alchemie (die Herstellung von Gold ist ein zentrales Thema der Scharlatanerie) ist die Auszeichnungsfarbe in den Kapitel-Aufmacherseiten, den Überschriften, den Zitatebenen und in der Paginierung wiederzufinden.

Die Collagenform der Buchschlaufe wird auch in das Innere des Buches übertragen. Die Kapitel-Aufmacherseiten stellen bildhaft-thematisch das jeweilige Kapitel vor. Kupferstiche und Signets bilden mit der typografischen Ebene eine collagierte Abbildung.

Der Einband des Buches ist umlaufend mit einem Detail des Gemäldes »Der Gaukler« (um 1502) von Hieronymus Bosch bezogen, welches auch als eine der Abbildungen im Buchinhalt zu sehen ist. Das Gemälde stellt eine Szenerie dar, auf dem der Gaukler (Scharlatan) in der rechten Bildhälfte seinem Publikum eine goldene Kugel anpreist. Im Publikum (linke Bildhälfte des Gemäldes) sind die gängigen Charaktere des Scharlatan-Publikums vertreten. Der Durchschauende, der Taschendieb, die Ungläubigen, die Sympathisanten.

Das Publikum wird in den Bann des Scharlatans gezogen. Dieser Bildaufbau lässt sich trefflich auf das Medium des Buchumschlages übertragen. Die Aufteilung des Scharlatans auf der rechten Bildhälfte fügt sich kompositorisch auf die Umschlag-Vorderseite ein und erzeugt so den direkten Dialog zu den Betrachter:innen. Die Person, die das Buch in den Händen hält, wird folglich Teil des Publikums.

Das Vor- und Nachsatzpapier ist in Gold gehalten und wird durch die Darstellung von Mondphasen ergänzt, welche die zeitliche Wiederholung und Unbegrenztheit symbolisieren. Im Zentrum steht jeweils ein alchemistisches Siegel.

Die Kapitel sowie die Unterkapitel werden durch goldene Initialen eingeleitet. Die Größe der Initialen ist auch in den Schriftgrößen der Buchstaben auf dem Titel der Buchschlaufe wiederzufinden.

Die verwendete Schriftart, die Sabon, eine französische Renaissance-Antiqua, wurde von Jan Tschichold in Anlehnung an die Schriftart Garamond geschnitten. Tschichold emigrierte im Jahr 1933 von Leipzig nach Basel und arbeitete dort im renommierten Schwalbe Verlag, in welchem Grete de Francescos Buch erstmals veröffentlicht wurde. Er war auch für die Gesamtgestaltung verantwortlich und somit auch ein Weggefährte Grete De Francescos. Die Sabon (1967 veröffentlicht) nimmt so den Faden wieder auf und verbindet die historischen Gestaltungsbezüge der Originalausgabe mit der aktuellen Ausgabe der Anderen Bibliothek. 

Es ist wirklich sehr erfreulich, dass Grete De Francesco und ihre Studie durch die Neuauflage eine würdige Kenntnisnahme erfahren. Inhaltlich wird das Buch immer seine Aktualität bewahren, Akteure der bewussten Manipulation wird es wohl leider auch in Zukunft geben.

Martin Steiner ist freier Grafiker und konzipiert und gestaltet diverse Publikationsformen für kulturelle und kommerzielle Projekte.
Auch im Gespräch❞

https://archive.org/details/z24193912/page/181/mode/1up

#iatrocratie #édition</summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="de" dir="ltr"><p>Scharlatanerie<br>Der Scharlatan - Ciba-Zeitschrift Sept.1936 Nr.37<br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008315306'>▻</a></span><a href="https://www.amuseum.de/medizin/cibazeitung/sep36.html" class='spip_out' title="Scharlatanerie" hreflang="de"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'><span class='lien_www'>www.</span>amuseum.de</span>/</span>medizin/cibazeitung/<span class='lien_fin'>sep36.html</span></span></a></span></p><p>Grete De Francesco<br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008315310'>▻</a></span><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Grete_De_Francesco" class='spip_out' title="Grete De Francesco – Wikipedia" hreflang="de"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>de.wikipedia.org</span>/</span>wiki/<span class='lien_fin'>Grete_De_Francesco</span></span></a></span></p><blockquote lang="de" dir="ltr"><p> Inhalt<br>Scharlatanerie<br>Scharlatane aus drei Jahrhunderten<br>         I. Alchimie und Weltbild der Renaissance<br>       II. Scharlatan und Theater<br>      III. FÃ¤lscher der Meinung<br>      IV. Das Jahrhundert der Scharlatane<br>                                                                                                                                    Gegenrede von Dr. Michael Brandner (vom 25.1.2025)<br>Scharlatanerie</p><p>Von Grete De Francesco, Mailand</p><p>Verwandlung ist das Licht, an dem menschlicher Traum und menschliche Sehnsucht sich entzünden. Verwandlung, Änderung der aus den mannigfaltigsten Gründen lastenden Existenzbedingungen, Befreiung von ihnen: Verbesserung. Die intensivste Hoffnung auf Verwandlung garantiert noch nicht, daß sie auch wirklich eintritt, sie wird immer ungesetzmässig, immer als Überraschung oder aber als Gnade sich ereignen, unberechenbar wie das Schicksal. Diese Unberechenbarkeit ist es, diese Unsicherheit, die der Vorstellung von Verwandlung das mystische dem Alltag entrückte Fluidum verleibt, und das äußert sich auf völlig verschiedenen Ebenen. In der religiösen schönen Vorstellung, die sich auf tiefen Glauben gründet, ist das Heiligste, das göttliche Wunder, ein Akt der Verwandlung: der Heiland verwandelt Wasser in Wein, er macht die Blinden sehend, er verwandelt Tod in Leben. Hier wird Verwandlung demütig als Gnade empfunden, nach der keiner vermessen die Hand auszustrecken, die keiner zu verlangen wagt.<br>Im Gegensatz hierzu und aus gänzlich andern Impulsen, und dennoch aus derselben Urquelle fließend, kommt die uralte Lust am Verwandlungskünstler der Bühne, dem, der in den Leib verschiedener Personen zu schlüpfen imstande ist (eine in der griechischen Mythologie – man denke an die Verwandlungen des Zeus – rein göttliche Fähigkeit), der sein Ich abstreifen, also sich verwandeln kann. Hier wird noch mit offenen Karten gespielt, der Schauspieler kehrt nach der Vorstellung in sein Ich zurück und das Publikum erwartet es nicht anders. Beim Zauberer und Taschenspieler verschiebt sich der feste Boden gesunder Kritik (das Publikum ist Richter darüber, ob dem Schauspieler die Verwandlung gelungen oder nicht) schon bedenklich. Auch hier handelt es sich häufig um Verwandlungen, die Leere eines Korbes wird in ein Rosenarrangement, ein bescheidenes Taschentuch in eine Flaggengala verwandelt, oder aber Gegenstände, die durch ihre Schwerkraft der Erde verhaftet sind, verwandeln sich in solche, die munter durch den Raum fliegen. Das Undurchsichtige und zugleich die sich aneinander entzündende Einbildung der Zuschauer tritt in Erscheinung, aber noch immer ist die Voraussetzung, daß allein die Geschicklichkeit, also eine meßbare und nicht ins Mystische entrückte Fähigkeit, das Geheimnis des Taschenspielers ausmacht. Existenzgesetze werden zwar aufgehoben, aber die vorgeführten Künste berühren nur Unwichtiges, Spielerei, sie sind vollkommen beziehungslos zur menschlichen Existenz, dem Einzelschicksal und seiner Linderung. Die Kunst des Taschenspielers, eine manuelle Kunst, ist aber in früheren Jahrhunderten ein obligates Requisit – nicht mehr – einer Spezies von Verwandlungskünstlern, oder präziser: Künstlern im Versprechen von Verwandlungen gewesen – deren Erfolge tief in der menschlichen Sehnsucht nach Änderung wurzelten, deren Methoden aber einen ganz spezifischen, begriffschaffenden, komplizierten und schwer zu definierenden Charakter hatten: der Spezies der Scharlatane.<br>Spricht man heute von Scharlatan, so ist meistens ein medizinischer Scharlatan gemeint, wendet man das Wort auf einen andern Berufskreis an, so hat man das Gefühl, in übertragenem, aus der Medizin übertragenem Sinn zu sprechen. Das ist durchaus nicht immer so gewesen; jedoch war die medizinische Tätigkeit dem Gesamtbegriff des Scharlatans immer zugeordnet. Wir werden im Laufe dieser Arbeit ausführen, wie sich der Typ des gauklerischen Scharlatans aus der Atmosphäre des ernsten alchimistischen Forschers entwickelt hat. Was aber ist das Ziel dieser Forschung gewesen? Verwandlung, Veränderung! Die aristotelische Lehre von der Umwandelbarkeit der Elemente, die das ganze Mittelalter so stark beeinflußt hat, ließ die Hoffnung auf Verwandlung unedler Metalle in Gold aufzucken; aber schon in dem ersten Jahrhundert n. Chr. wurde in den Schriften des Pseudo-Demokrit und des Hermes Trismegistos (der dreimal Große) gesagt, daß das magische Elixier, das zu finden Endziel bedeutete, nicht nur unedle Metalle in Gold zu verwandeln, sondern auch Krankheit in Gesundheit, Alter in Jugend zu verwandeln imstande sein werde. Und ist nicht jede Heilung Verwandlung ? Wie sinnfällig war das dem von Seuchen geplagten Menschen, wenn er den von Geschwüren bedeckten Körper wieder heil und glatt werden sah. War die Arbeit der ernsten mittelalterlichen Alchimisten zweckfreie wissenschaftliche Forschung, so war ihre Ausnützung durch das Zerrbild des universalen Menschen, durch den Scharlatan der Renaissance, zweckbestimmte, dem eigenen Vorteil und Geltungstrieb dienende Praxis, ohne die Basis ernster wissenschaftlicher Forschung und ohne Überzeugung. Und so stellt das Zeitalter, das den Typ des Scharlatans am deutlichsten profiliert hat, ihn bereits mit einer großen Anzahl seiner wesentlichen und ewigen Eigenschaften vor. Anleihen ohne Quellenangabe bei der Wissenschaft zu machen, deren Glaubenskredit man sich zu Nutze macht und ihn zugleich erschüttert, das ist eine charakteristische Methode für diejenigen, deren Wissen Halbwissen, deren Bildung Scheinbildung ist. Ein Halbgebildeter muß selbstverständlich kein Scharlatan sein, jedoch sind die meisten Scharlatane Halbgebildete gewesen.<br>Man ist geneigt als kennzeichnend für den Scharlatan anzusehen, daß die Pseudoärzte der Marktplätze und jene, die die Großen der Welt, gejagt von der Angst vor der flammenden Belsazarschrift gläubig konsultierten, Smaragd, Topas und Achat, Trinkgold und allerlei Pflanzen, ja sogar menschliche Sekrete medikamentös verabreichten. Aber das ist eine nur durch Rückschauen vom Standpunkt moderner Erkenntnis geprägte Wertung. Zusammenhänge mit der Alchimie traten bei der Wahl der Medikamente in Erscheinung, die übrigens teilweise von der Wissenschaft akzeptiert wurden, wie ja überhaupt ein ständiger Austausch von befruchtenden Anregungen zwischen Wissenschaft und Scharlatanerie nachzuweisen ist. Aber nicht die Wahl der Medikamente, sondern die Art und Weise mit der sie angepriesen wurden, die Berufung auf die Geheimnisse uralter Weisheit, die des Beglückers mystischen Privatbesitz ausmachten, die Legitimierung durch Erfolge und Zustimmung bei hohen und höchsten Personen und die Aufmachung, in der selbst widerliche Ingredienzien den durch das Zaubermittel der Propaganda empfänglich gemachten Patienten dargeboten wurden, darin bestand in Wahrheit Scharlatanerie. Auch manche der Medikamente und Behandlungsmethoden der Ärzte erscheinen mit dem Maßstab heutiger Wissenschaft gemessen als scharlatanesk, ohne daß bei diesen Ärzten irgendeine Neigung zur Scharlatanerie bestanden hätte. Sie handelten auf Grund erworbener Kenntnisse und im besten Glauben; nicht für den kleinen Quacksalber der Märkte, sondern für den wissenden Scharlatan gilt der Vorwurf, kein Gutgläubiger, sondern berechnender Spekulant zu sein.<br>Die Scharlatane aller Zeiten waren Meisterin der Menschenkenntnis und der Menschenbehandlung, immer mieden sie die denkenden und wendeten sich an die gläubigen Menschen. Die Ausnützung der menschlichen Sehnsucht nach Verwandlung, die tiefstem menschlichem Leid entspringt, das skrupellose Jonglieren mit dem Vertrauen der Hoffenden ist eine der teuflischsten Plagen, von denen die Menschheit heimgesucht wird. Es ist kein Zufall, daß der Maler der Höllenvisionen, daß Hieronymus Bosch, den Meisterjongleur, den Scharlatan, der die Einfältigen nicht im Sinne des Christentums der Seligkeit zuführt, sondern der Hölle überantwortet, in den Kreis seiner Darstellungen einbezieht (s. Abb.). Wie verstrickend ist der Kontakt, den der Scharlatan mit dem einen ihm hingegebenen und verfallenen Individuum herzustellen versteht. Hinter dem den Zauber durstig trinkenden Mann der simulierende, sich bereichernde Mitläufer, neben ihm die abweisend beobachtende, schon halb schwankende Frau. Unter den Zuschauern sind außer dem die Ablenkung der Andern nützenden Liebespaar zwei völlig voneinander verschiedene Typen zu beobachten: die Denkenden, immun Gebliebenen sind diejenigen, die den Scharlatan gar nicht ansehen, sondern nur den Verfallenen, den infizierten, und entsetzt lächeln. Die prädestinierten Gläubigen sehen nach dem Scharlatan hin. Der kleine Mann vorne noch halb ironisch und doch schon fast gefangen; auf den aber, der hinter ihm steht, ist der Funke schon übergesprungen, Verzückung liegt in der Kopfhebung des blassen Gesichtes. Und der Scharlatan selbst ? Die hypnotische Kraft seines Blickes wird verstärkt durch das magische Requisit, durch Kleidung und Hut. Er sieht anders aus als die andern. Und hier wird, allerdings in etwas anderem Sinn als bisher dargelegt, das Mittel der Verwandlung ausgenützt.<br>Viele der kleinen Scharlatane der Märkte, aber auch die großen Weltbürger, Cagliostro etwa, agierten im Gewande von Indern, Türken, Ägyptern, Magiern. Der Legitimation durch Wissen wird ausgewichen, an ihre Stelle tritt die Legitimierung durch die Behauptung von der eigenen Berufung und durch Geheimwissen, das sich aus Ländern herleitet, in die der kritische Blick der Opfer nicht zu dringen vermag. Das Kleid verwandelt. Aber es ist nicht die einzige Kostümierung. Im Kleide der Wissenschaft tritt ein verwandelter Unwissender auf, im Kleide der Fremde stellt sich der Scharlatan vor, der als ein besseres, ein wissenderes Wesen aus einer andern Welt kommt, die sich wiederum dem kritischen Blick entzieht. Wir sehen, daß der Dunst von Geheimnisvollem, den jeder kleine Wundertäter der Marktplätze ebenso um sich zu verbreiten bemüht war wie etwa Cagliostro, neben der Faszination des Augenblicks noch praktische Hintergründe hatte: Ausschaltung der Kritik: Diskussion konnte gar nicht aufkommen, da die tangierte Basis des Wissens und Handelns eines Scharlatans sich fachlicher Auseinandersetzung von vornherein entzieht, wie die schwebenden Fäden des Altweibersommers der greifenden Hand. Und da die Praxis sich der Umhüllung mit Zauberschleiern, der Begleitung mit betörenden Akkorden eher gefügig zeigte, lenkten diese Vernebler des Bewußtseins von jeder Theorie ab, ja sie verhöhnten unter dem Beifall der Menge die theoretisch fundierte Wissenschaft. Dieser Ablenkung und zugleich der Schwächung der Urteilskraft galten Prunk und Pomp, mit dem die Scharlatane sich umgaben.<br>Die zeitgenössischen Kritiker der Scharlatane werfen ihnen immer wieder ihren Wortreichtum, die bombastische Unklarheit ihrer Rede und ihre wiederholungsreiche Länge vor. Sie stoßen sich als Schüler klassischer Redekunst an Formalem und Unwesentlichem, sie erheben den Vorwurf mangelnder Bildung und übersehen dabei, daß das schillernde Wort methodisch das wichtigste und erfolgreichste Werbemittel jeder Scharlatanerie ist.<br>Immer und ganz besonders in seiner sprachlichen Formulierung ist der Scharlatan prinzipieller Feind jeder Präzision, auf ständiger Flucht vor jeder Klarheit.<br>Es ist fast unmöglich, die vielen Scharlatantypen von Eisenbarth bis Vitali, von den zahllosen Marktschreiern bis zum Grafen St. Germain auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Denn es darf nicht vergessen werden, daß, ganz abgesehen von der Ausübung der Scharlatanerie, das Wort Scharlatan einen menschlichen Typus bedeutet, der, auf der großen Skala der Individualitäten gespielt, jedesmal einen andern Ton hat. Man kann Gemeinsames zusammenfassen, man kann etwa sagen, daß viele Scharlatane im Negativen, in der Kritik an Irrtümern ihrer Zeit recht hatten, gemeinsam ist auch die Werbung durch die eigene Person und ein als Werbeschauspiel in Permanenz aufgefaßtes Erdendasein. Man kann, denkt man etwa an die moderne Scharlatanerie von Gallspach, immer wieder auf die Wirkung der Herkunft von Person und Lehre aus weiter Ferne hinweisen und darauf, daß ein vages Wissen der Menge um die Wissenschaft – in diesem Fall die moderne Strahlentherapie – zum eigenen Vorteil mit Erfolg ausgenützt wird, ja, dass selbst das magische Requisit, der Zauberstab, nichts an Werbekraft einbüßt.<br>Alles das beweist, daß der Scharlatan auf der Basis halben Wissens halbe Wahrheit verbreitet und bewußt oder unbewußt die Verwandlungshoffnung der Leidbeladenen zum eigenen materiellen Vorteil, zur Befriedigung seines Geltungstriebes ausnutzt.<br>Durch alle Zeiten schreitet seine Gestalt, schillernd in der unerschöpflichen Vielfalt menschlicher Individualität.<br>Scharlatane aus drei Jahrhunderten</p><p>Grete De Francesco, Mailand<br>I. Alchimie und Weltbild der Renaissance</p><p>Die Kunst der Fälschung reicht ebensoweit in vergangene Zeiten zurück wie die Geschichte der Entdeckungen. Papyrusfunde, die die hochentwickelte Wissenschaft und Technik des alten Ägypten bezeugen, berichten über die Kenntnis von Metallen, Glas und Farbstoffen und die gleichzeitig blühende Kunst, Edelsteine, Edelmetalle und Farbstoffe künstlich zu gewinnen. Während aber keinerlei Geheimnis die Wissenschaft umgibt, sind es Geheimrezepte, die von der Kunst zu fälschen berichten. Zwei gänzlich verschiedene Motive haben in allen Zeiten Fälschung und Geheimnis aneinandergekettet. Einmal ein rein ökonomisches: Erzeuger und Besitzer echter Produkte verfolgten die konkurrierende, billige Imitation, die sich vor ihnen verbergen mußte. Dann aber ein psychologisches: die Hauptkonsumentin der gefälschten Stoffe, die Masse, will sich billig jene Güter zu eigen machen, deren Besitz wegen Teuerkeit die Wenigen, eben die Besitzenden (von Sach- oder Bildungswerten) charakterisiert; sie will vermittels der Fälschung etwas scheinen, was sie nicht ist. Produzenten und Konsumenten sind also gleichermaßen interessiert am Geheimnis der Fälschung. Es ist gut, sich das klar zu machen, bevor man die Sucht nach Zauberei, die Sehnsucht nach Irrealem zur Erklärung für die Erfolge der Fälscher und die Bereitschaft der Menge heranzieht. Die Sehnsucht nach Irrealem ist allen in ihrer Sicherheit erschütterten Zeiten in besonders hohem Maße eigen, sie ist aber durchaus nichts Einheitliches, ihre Äußerungen sind nicht gleichartig. Sie ist so wenig einheitlich wie die Sicherheit selbst. Es besteht ein großer Unterschied zwischen dem Reich des Irrealen, das eine ihrer religiösen Sicherheit beraubte Menschheit und jenem, das eine in ihren Besitzverhältnissen getroffene, wirtschaftlich sich umgestaltende Welt verlangt, und völlig verschieden wird auch der Vermittler sein, die Figur des Magiers, des Zauberers, des Scharlatans.<br>cz093603.jpg (11226 Byte)</p><p>Die Macht der Geheimwissenschaften, die man als Basis all der abenteuernden Scharlatanexistenzen späterer Jahrhunderte ansehen muß, erstarkte neu in einer Kulturepoche, deren Kenntnis zum Verständnis des Wesens des Scharlatans unerläßlich ist: in der Renaissance. Als geistige Einheit betrachtet, stellt sie sich dar als eine Zeit, in der sich die Auflösung des religiösen Dogmas des Mittelalters vollzieht, ohne einen Ersatz gefunden zu haben, eine Zeit, die nicht mehr den Glauben und noch nicht das Wissen hat. Es herrscht die Alchimie – aber sie steht im Begriff zur Chemie zu werden, es herrscht die Astrologie, aber sie steht im Begriff zur Astronomie zu werden. Der Stein der Weisen, Gut des alten Ägypten, lebt nicht nur in der Vorstellung der Alchimisten, sondern beschäftigt alle Menschen. Gleichzeitig verwandelt er Metalle, schafft also Gold und schenkt die Universalmedizin, das Lebenselixier. Diese Gleichzeitigkeit sollte die Gold und Leben verkoppelnde Praxis aller Scharlatane beherrschen. Diese Zeit zwischen Glauben und Wissen ist beherrscht von Intelligenz plus Phantasie, ihr Denken vereinfacht nicht, und so erfüllt sich für sie die Welt mit Kraft und Leben, mit Abenteuern. Niemals wieder haftete der Fälschung soviel Unbewußtes, echt Phantastisches, ja Künstlerisches an wie damals. Ja, die Entwicklung der Kunst zeichnet deutlich diese Wendung. Der Übersetzung des Wortes in ein sinnfälliges und verständliches Bild, also mittelalterlicher Kunst, folgte das geheimnisvolle Lächeln der Mona Lisa (1503), dessen Unverständlichkeit und Problematik als höchster Wert empfunden wurde. Die Zuwendung zum Diesseits vollzieht sich eben ohne Hilfe entwickelter Naturwissenschaften, und das bedingt ein Verharren in der Anschauung, Wirkung bleibt ohne Deutung, die ganze Welt wird zum Problem. In der Liebe zur varietas rerum wird gedankliches vom Sinnlich-Gegebenen noch nicht getrennt; so entstehen verschiedene Wirklichkeitsbilder, jenes Durcheinanderspielen von Wirklichem und Unwirklichem, Charakteristikum jedes scharlatanhaften Handelns. In einem so beschaffenen Weltbild gewinnt das Reisen einen neuen Aspekt; ein unruhiger Drang treibt, diese Welt voll Abenteuern zu schauen. „ Quel mio genio di viaggiator!" ruft später der große Verteidiger seines Scharlatanberufs, Buonafede Vitali, aus und wirft den gelehrten Professoren vor, daß sie die Welt nicht mit ihren Augen gesehen. Hinter des 18. Jahrhunderts großen Scharlatanen, aber auch hinter seinem Drang, weg aus der Studierstube in die Anschauung des Lebens, in den Osterspaziergang durch die blühende Welt steht der große und ernste Schatten der Renaissance. Das 17. Jahrhundert, in dem Kriege und Seuchen die Menschen aufwühlten, in dem Glaube und Aberglaube sich nur mehr durch staatliches Privileg unterschieden, verallgemeinerte den Typ des Scharlatans. In Massen ziehen die Quacksalber auf Plätze und Märkte. Aber erst im 18. Jahrhundert profiliert sich noch einmal die große Figur des Scharlatans, die noch größere der ihm verfallenen Menschheit. Immer dann, wenn die himmlische Seligkeit an Wert verliert und wenn das Jenseits mit der Hölle droht, beginnt die Verklammerung der Menschheit in das Diesseits und seine Seligkeit. Gold erschließt sie, das Lebenselixier verlängert sie. Gold und Lebenselixier bietet der Scharlatan an. Die Alchimie, die, als sie aus den Klosterzellen trat, ihre ernste Forschung in den Dienst der Medizin stellte, lieferte den Ausbeutern unwissentlich die Handhabe. Alchimist und Scharlatan ist nicht dasselbe. Was unterscheidet den Scharlatan vom geschwätzigen Quacksalber oder dem armen Medizinstudenten, der sein Studium nicht beenden konnte, und deshalb als Salbenkrämer herumzog? A.Chereau gibt im Dictionnaire des sciences med. folgende Definition der Scharlatane: „ … qui promettent, ce qu’ils n’ont pas, et font croire aux autres ce qu’ils ne croient pas eux-memes; entre tous ceux qui, destillateurs des mensonges, speculent sur la credulite et la betise humaine." Die italienische Definition des dizionario della Crusca: „ con abbondanza di parole artihciose … corcano di spacciare il falso per il vero, traendo proFtto dall’altrui credulita." Beide Definitionen weisen auf das entscheidende Moment hin: Spekulation auf menschliche Leichtgläubigkeit, die italienische setzt hinzu „zum eigenen Vorteil" . Erst die betrügerische Absicht und das Besserwissen kennzeichnet den Scharlatan. Er ist ein Fälscher des Wissens. Er ist aber auch, wie Chereau so schön und durchaus im Bildbereich seines Themas bleibend sagt: „destillateur des mensonges„ , er destilliert die Lüge, er macht sie erst wirksam. Er ist ein Falscher der Meinung. Wir sprachen zu Anfang von der Kunst der Fälschung; wir werden Scharlatane als Künstler der Meinungsfälschung zu betrachten haben.<br>Der Lebenslauf und die Natur des Baslers Leonhard Thurneisser (1530-1596) ist in hohem Maße charakteristisch für den Typus des alchimistischen Scharlatans. Sohn einer Basler Ratsfamilie, wird er Famulus bei dem Basler Arzt Johann Huber und erhascht bei ihm die Lehren des Paracelsus. 17 jährig heiratet er eine Witwe, gerät in Schulden, flieht und treibt sich 10 Jahre herum als Soldat, Goldschmied und Wappenstecher. Varietas rerum … 28jährig heiratet er zum zweitenmal und geht mit seiner Frau nach Tirol, wo er eine Schwefelschmelze einrichtet. Alles, was aus der Erde Eingeweiden kommt, hat die Scharlatane aller Zeiten angezogen, häufig finden wir sie als Minenverwalter oder Entdecker heilkräftiger Quellen. Erzherzog Ferdinand von Österreich schickte ihn zum Studium des Berg- und Hüttenwesens auf Reisen. Er kommt durch ganz Europa und in den Orient. Scharlatane haben immer an Höfen ihre Mäzene gefunden, Wissenschaftler selten. Im Orient beschäftigte sich Thurneißer mit den Geheimnissen der Adepten, am stärksten zog ihn aber die Heilkunde an, er sammelte Rezepte und medizinische Schriften. Als Arzt kehrte er 1562 nach Tirol zurück, zum Arzt fühlte er sich berufen. Das Gefühl des Berufenseins finden wir immer wieder bei Scharlatanen, es dient als Legitimation, wo die Legitimation durch Wissen fehlt. Die mysteriösen Behauptungen seiner Schriften verschafften ihm einen neuen Mäzen, den entzückten Kurfürsten von Brandenburg, der ihn als Leibarzt nach Berlin berief und ihm im Kloster der grauen Brüder ein Laboratorium einrichtete. Der weitgereiste Heilkünstler hatte hier beispiellosen Erfolg, 12 Sekretäre hielt er zur Erledigung seiner Korrespondenz und führte ein großes Haus. Gelehrte und Künstler, ja den Kurfürsten selbst sah er bei seinen Gelagen zu Gast. Wieder eine Manifestation, die allen Scharlatanen gemeinsam ist: Prunk und großer Train gehören zur Blendung der Menschen, sie sind ein Mittel der Meinungsfälschung. Thurneißer verkaufte Medizinen und Geheimrezepte zu phantastischen Preisen, das heilkräftige „Trinkgold" hatte besonderen Erfolg. In den Flüssen der Mark fischte er Edelsteine. Die Wissenschaft in Gestalt zweier Professoren brachte ihn zu Fall. Es ist aber für die Zeit sehr bezeichnend, daß die medizinischen Streitschriften nicht etwa seine Erfolge anzweifelten, sondern ihn der Zauberei und der Hilfe des Teufels zeihen und auf diese Weise seine Erfolge erklärten. Die Goldmacherei entpuppte sich auch als Schwindel, und so mußte Thurneißer fliehen. In Basel heiratete er ein drittes Mal, ließ sich wieder scheiden, wobei er Prozeß und Vermögen verlor. Er reiste weiter durch die Welt, hatte wenig Erfolg mehr und starb 1596 in einem Kloster zu Köln. Hier haben wir im Lebenslauf eines bewußten Scharlatans das Abbild jenes Auf und Nieder, das die Existenz des echten alchimistischen Forschers ebenso charakterisiert, wie die der Scharlatane des 18. Jahrhunderts. Einem Taumeln vom Entschleiern von Welträtseln in bittere Enttäuschungen entsprach der äußere Ablauf: Schaustellung und Versteck, Erfolg und Verfolgung wechselten ununterbrochen, selbstverständlich wurden diese Menschen zu Abenteurern und großen Reisenden. Das geflügelte Pferd in Thurneißers Wappenzier hält einen Globus.<br>Den Typus des „magnetisch-biblischen" Arztes verkörpert der Brabanter Edelmann und Alchimist Jean Baptist van Helmont (1577-1644). Häufig werden diese Art Menschen zu Unrecht als Scharlatane bezeichnet. Helmonts Lehre (z.B. ein Gran des Stein der Weisen auf Quecksilber geworfen, gibt Gold) war durchaus scharlatanhaft, sein menschliches Verhalten aber durchaus nicht. Das ist die gefährlichste Konstellation, jene, aus der Generationen betrügerischer Scharlatane ausnützerisch schöpfen und sich dennoch auf die Reinheit des Einen berufen können. Niemals hat dieser noble Mensch auf die Leichtgläubigkeit anderer spekuliert, ja er schreibt direkt von dem „von Gott erwählten Arzt" , daß &bdquo;Gewinnsucht ihn nicht bemeistern wird&ldquo; und „sein Wort wird eine Trompete sein, vor der die Krankheiten fliehen, vor seinem Angesicht werden die Krankheiten verschwinden wie der Schnee im Mittag des Sommers". Er verlangt Wahrhaftigkeit „in corde enim possidebit veritatem, et scientiam in intellectu". Das ist der Gegensatz von Wissens- und Meinungsfälschung im Munde eines Alchimisten. Die Verse unter einem Bildnis dieses Träumers mit ihrem Namens-Mystizismus sind charakteristisch für alchimistische und aus ihnen sich ableitende medizinische Praktiken:</p><p>Dir ist der HELLE MOND zur Lehre von Arztneyen;</p><p>Zu langer Lebens-Frist; vor Kranckheit zu befreyen.</p><p>Er öfnet die Natur biß auf den tiefsten Grund</p><p>Komm  höre was Er sagt, der Warheit HELLE MUND.<br>II. Scharlatan und Theater</p><p>Nicht alle, ja die wenigsten der Scharlatane wollten und kamen so hoch hinaus wie Thurneißer. Sie wünschten nichts als auf Jahrmärkten ihre Riechsalze, Rosenkränze, Verjüngungswasser, Seifen, heilige und weniger heilige Bildchen und Geheimmedizinen mit Profit zu verkaufen. Wenn ihre kosmetischen Mittel sich den Schimmer hellen Mondes zum kräuterpflücken borgten, so entsprach das dem Geschmack der Zeit, war wirksame Reklame und nicht Betrug. Dieser setzte erst bei den Medizinen ein. Eine Illustration aus Grimmelshausens Simplizissimus zeigt, wie Scharlatan und Betrüger zur Zeit des dreißigjährigen Krieges gleichgesetzt wurde. „ Schau wie Simplex hier betriegt, auch viel Geld von Leuten kriegt". Je zahlreicher die Quacksalber im 17. Jahrhundert wurden, desto stärker war der Zwang, die Konkurrenz durch zugkräftige Mittel auszustechen. Bei der Gleichartigkeit der verabreichten Tinkturen mußte der Konkurrenzkampf sich aber vom Inhalt des Gebotenen auf die Form der Darbietung verlegen. Daß die fahrenden Heilkünstler sich also dem Theater verbanden, war durchaus selbstverständlich. Man muß jede Vorstellung von Trennung zwischen Leben und Theater fallen lassen, um das zu verstehen. Schon in einem Monolog des Pariser Dichters Ruteboeuf (13. Jahrhundert) trat ein Quacksalber auf, der von seinen Reisen erzählt. Das erlebnisreiche Dasein, die Welterfahrung war an und für sich schon Theater für den im kleinsten Kreise eingeschlossenen Menschen des Mittelalters. Im III. Erlauer Passionsspiel schaltete sich in die ermüdende Länge und Traurigkeit als erstes überliefertes Divertimento eine Quacksalberszene. Ein Knecht, Rubin, Stammvater aller Hanswurste, kündigt den drei Marien den Salbenkrämer an, das Publikum jubelte. Vom 15. Jahrhundert an wird die Quacksalberszene zum unentbehrlichen Requisit der Fastnachtsspiele . Warum sollte das Leben nicht mit praktischem Erfolge dasselbe agieren wie die Erfolgsszene, die wieder Kopie des Lebens war ? Der wirkliche Salbenkrämer oder Scharlatan liess sich durch einen Ausrufer in der neuen Stadt ankündigen und Hanswurst, sein Knecht, sprang mit ihm auf die Bank (saltimbanco = der auf die Bank springt, italienische Bezeichnung für Scharlatan) oder auf die Bühne und pries die Tränklein. Der Unterschied war nur: die Medizinen mußten hier auch wirklich verkauft werden. Harlekin und Rosaura, Seiltänzer und Feuerschlucker wetteiferten, es war eben Jahrmarktstheater. Auf den vielen Stichen, die die Verbindung von Theater und Scharlatan bezeugen, tritt der Scharlatan oft völlig zurück und man sieht im Vordergrund eine Hanswurstszene oder der Hanswurst hält die Medizinflasche in seinen Händen. Der Tisch mit Medikamenten bleibt im Hintergrund erkennbar. Immer aber dient die Darbietung der Anlockung und dem Verkauf. Es war jedoch weniger auf den Kaufanreiz durch Anpreisung abgesehen, sondern viel mehr Spekulation auf die Urteilskraft und Willen schwächende Stimmung, in die das Publikum nach der Theaterlust gerät. Denn nachher erst wurde behandelt in einem Zelt oder auch auf der Bühne. Das zog ebensoviele Zuschauer an wie die Hanswurstszene, war doch auch das Theater, weshalb es nicht weiter verwunderlich ist, daß der Wunderdoktor oft selbst kostümiert auftrat.<br>cz093607.jpg (19252 Byte)</p><p>Ob der Scharlatan, ob ein besonders begabter Schauspieler Protagonist dieser Darbietungen war, das wechselte nach der Stärke der Persönlichkeit. Jean Salomon Talsarin (1584 – 1633), dessen Name in Frankreich einen theater- und scharlatanerie-verschmelzenden Begriff bedeutet, ein Possenreißer von Geist und Temperament, trat nur als Lockvogel für die Kunden seines Tränklein verkaufenden Socius, des Drogisten Mondor, auf. Nur am Freitag wurde das Theater Selbstzweck, an Stelle Mondors trat eine Frau, Francisquine, und die Medizinen waren vergessen. Protagonist aber blieb für sein Publikum von Dienern, Boten, Schülern und Handlungsgehilfen, das sich vor Lachen über ihn schüttelte „depuis le talon gauche, jusqu’a l’oreille droite", und bleibt für die Nachwelt Tabarin. Er spielte auf einer Estrade der Place Dauphine, jenem dreieckigen, belaubten und verwunschenen Platz der Pariser Ile de la Cite, der einen noch heute empfängt wie eine kleine, verlassene Bühne. Tabarin soll in Paris geboren und gestorben sein. Er selbst erklärte – und darin gleicht er bereits St.Germain und Cagliostro – sehr Unterschiedliches, seine Herkunft von Frankreich nach Italien verlegend. Manchmal – wahrscheinlich in weinbeschwingten Augenblicken – gab er auch an, Saturn sei ein Ahnherr, auf der Flucht vor Jupiter habe er im Lande Latium einen Sohn Tabarum gezeugt, das stehe so bei Pausanias geschrieben. Das ist bereits Hohe Schule der Flunkerei. Hier improvisierte der große Improvisator sein eigenes Leben. Der graue Filz, den er abendlich trug, zu formen nach dem Augenblick, es war der Hut Saturns. Holzschwert und Neptunsbart, langes Silberhaar und tiefe Blässe des Gesichtes vervollständigten die Maske. Das Kostüm war meist Bluse, weite Hose und Mantel aus weißer Leinwand. Niemals, auch bei den derbsten Witzen, so wird berichtet, bewegte ein Lächeln die Würde des blassen Gesichtes. Mondor, der 1619 in Paris auftauchte, wurde von einem doctor medicinae, Mr.de Courval, angegriffen, und Tabarin trat vor Gericht für die Heilmittel dieses Scharlatans ein. Auf der Bühne aber griff er „le maitre" an; diese Dialoge, aus Frage und Antwort bestehend, wie auf allen primitiven Stegreifbühnen, entzückten das Publikum. Mondor agierte sich selbst mit seinen steifen Bewegungen und der gelehrten Sprache. Den Hintergrund der Bühne bildete ein Wandteppich, das Ensemble bestand aus fünf Personen. Ein Geigenspieler, ein Musikant mit der alten sechssaitigen Kniegeige und ein Page, der dem lachenden und kauflustig gemachten Publikum die Fläschchen und Töpfe herumreichen musste, die Mondor in den Pausen und während des Theaters anpries, wirkten neben Mondor und Tabarin (s. Titelbild).<br>Tabarin verleugnete zwar Saturn durch sein Gehaben, niemals aber verleugnete er Frankreich. Er ist eine spezifisch französische Figur, Erlebtes, Gesehenes, Beobachtetes mit Grazie zur Kunst gestaltend und ebenso gerissen wie man für dieses Leben sein muß, nicht mehr. Was den deutschen wie den italienischen Scharlatanen zu fehlen scheint, Tabarin hat es besessen: Selbstironie.<br>III. FÃ¤lscher der Meinung</p><p>„ Der Meinende „, so sagt Thomas von Aquino, „ ist von innerem Widerspruch keineswegs frei. Noch fürchtet er Unrecht zu haben. Er bangt, daß der andere Recht hat, um so mehr will er Recht behalten". Wenn diese Worte auch zeitlose Gültigkeit haben, so scheinen sie doch besonders zutreffend für jene Jahrhunderte, denen durch zahlreiche Entdeckungen und die schnelle Entwicklung der Wissenschaften zuviel an neuem Wissen zugemutet worden ist. Neben der noch mangelnden Sicherheit des Gemeinten (der Wissenschaft selbst) stand das Mißtrauen der großen Masse der Meinenden, die zwar sich einem objektiven Fürwahrhalten des Neuen nicht verschließen konnte, der aber die Sicherheit der Überzeugung fehlte. Hier setzten die Künstler der Meinungsfälschung ein. Die mangelnde Sicherheit wurde durch ihre geheimnisvollen Reden, die von der nüchternen Wissenschaft weg zur pittoresken Scheinwissenschaft führen sollten, in jene haltlose Unsicherheit verwandelt, in der die menschliche Seele Scharlatanerien jeder Art so zugänglich ist. „Parole artihciose" sagt die Definition der Crusca von den Worten der Scharlatane. Artificioso heißt künstlich und heißt auch schlau und falsch. Künstlich, nämlich, und gefälscht ist dasselbe, so sagt man z.B. falsche oder künstliche Steine. Mit Wortfälschung beginnt die Meinungsfälschung. In allen beschreibenden oder kritischen zeitgenössischen Berichten wird von den viele Stunden dauernden, wiederholungsreichen Reden der Scharlatane gesprochen, die die Menschen in eine Art Trance versetzten, in der sie bereit waren, sich allen Kuren zu unterziehen und die für unser Gefühl aus widerlichsten Ingredienzien bestehenden Medikamente zu schlucken. All diese Budenredner sind glänzende Menschenkenner gewesen.<br>Ist die Verbindung des Scharlatans mit dem Theater nur als wirksame Werbung zu werten, so fällt der Prunk, mit dem sich die Scharlatane umgaben, ihr Erscheinen auf reich gezäumen Pferden oder in vornehmen, nachtschwarzen Kaleschen schon in ein ganz anderes Gebiet. Dieses Gebiet ist noch deutlicher gekennzeichnet, wenn wir sagen, daß das Geldnehmen für geleistete Dienste nicht nur nicht zugegeben, sondern abgeleugnet wurde. Man verzichtete auf Honorare, man war Wohltäter der leidenden Menschheit, nur ihr wollte man dienen. Das war zu lesen auf den Flugblättern mit den Ankündigungen all der bereits erfolgreich durchgeführten Kuren und Operationen des Wundermannes, die auch namentlich angeführte Große der Welt bescheinigten. All dies war viel mehr Theater als die Hanswurstszene, aber damit ist erst bewiesen, daß die Quacksalber verstanden, der Menge zu imponieren. Das spezifisch Scharlataneske kommt erst durch den Trick hinzu, die Menge sich selbst imponieren zu lassen, ihr Bewußtsein zu wecken und es gleichzeitig zu verfälschen. Denn hat der Scharlatan etwa einen neuen Heiltrank entdeckt, dann wendet er sich nicht an Männer vom Fach, an Ärzte, um sie urteilen zu lassen. Nein, er ruft die geschmeichelte Menge auf und verleibt ihr, indem er sie befragt, den Schein von etwas, was sie nicht besitzt: medizinische Autorität.<br>Johann Andreas Eisenbarth (1661-1727), den Deutschen zum Begriff geworden wie Tabarin den Franzosen, war nicht nur, wie sein Bild vermuten läßt, ein gescheiter Mann und wie zeitgenössische Urteile bekräftigen, ein guter Operateur, sondern vor allem ein Genie der Propaganda. Handel mit Parfumeriewaren oder Amuletten hat er nie betrieben, er ist ein Mediziner, der nicht fertig studiert hat. Er soll in Viechtach bei Regensburg geboren sein und ist in München gestorben. Ausgebildet wurde er bei dem privilegierten Okulisten Biller in Bamberg, 1686 prüfte ihn in Altenburg der fürstliche Leibarzt Dr. Klander. Es wurde ihm bescheinigt, daß er, was Augenkuren, Stein-, Krebs- und Bruchschneiden betrifft, zur Genüge erfahren sei. Für diese Spezialgebiete erhielt er ein Privileg, Kuren durfte er nicht ausführen, Apothekerwaren nicht feilhalten. Wir wissen, daß Eisenbarth großen Zulauf hatte, ein wohlhabender Mann war, der Wagen, Pferde und ein stattliches Haus besaß, einen Sekretär und reichlich sonstiges Personal beschäftigte und vom Kurfürsten von Hannover 4200 Taler Jahresgehalt zugesichert erhalten hat. Viel mehr als diese Tatsachen sagen aber Eisenbarths Reklamezettel über ihn aus, und sie mögen zu dem bekannten Liede Anlaß gegeben haben, das sonst wenig mit Eisenbarths wirklicher Gestalt zu tun hat. Diese Reklamezettel sandte der Doktor Eisenbarth, der keinen Doktorgrad erworben hatte, in die Städte voraus, in denen er seine Bude aufzuschlagen gedachte, und erwies sich so als eine Art Zeitungsverleger in eigener Regie. Er kannte die Macht der Ziffern. 30 Jahre praktizierte nun der hochberühmte Medikus, 1000 Blasensteine und 2000 Kröpfe habe er in diesen 30 Jahren operiert, so stand zu lesen. Er wußte auch, wie sehr Titel wirken, besonders auf seine Landsleute, und er kaufte sich 1717 den Hofratstitel für 200 Taler. „ Der berühmte Zahnarzt etc. Eysenbarth ist Hoffrath worden" las man in der geschriebenen Berlinischen Zeitung, und der Autor setzte hinzu, daß Eysenbarth „hievon profitieren wolle". Er verstand, und das war völlig neu, sich der Zeitung zu Reklamezwecken zu bedienen, und in der Vossischen Zeitung von 1724 kann man unter andern Anpreisungen seiner Fähigkeiten das Lob seines wunderwirkenden und doch rechtwohlfeilen Haupt-, Augen- und Gedächtnis-Spiritus finden. Am meisten aber erfährt man über Eisenbarth aus einem grotesken Skandal, dessen zufälliger Gegenstand er 1704 in Wetzlar, wo sich das Kammergericht befand, wurde. Zwei wegen hochpolitischer Gründe verfeindete Parteien gerieten einander in die Haare, als Eisenbarth seine Bude auf dem Markt aufgeschlagen hatte. Von der einen Partei wurde gegen die andere, erlaubnisgebende, Anklage erhoben. Bemüht wurde – der Kaiser selbst. „ Allergnädigster Kayser, und Herr Herr „, schreibt der „Allerunterthänigster Treu-gehorsamster Friedrich Ernst Graff zu Solms: … als an welchen Tag ein Jahr-Marckt allhier gewesen, auffgerichtet sich befunden, worauff ein Marck Schreyer nicht nur Artzney verkaufft hätte, sondern auch fast alle Tage Comoedien daselbst gespielet, und auf dem Seil getantzet worden wäre, ja es seye bey der ersten Comoedie oder Schau-Spiel ein Gerichts-Proceß, und andere dergleichen Dinge, vorgestellet worden, dabey der Richter mit einem Scepter gesessen, sich corrumpieren lassen, mit dem Harlequin den Richter-Stubl und Kleydung verwechselt, und endlich den Harlequin zu hencken, das Urthel gefällt …" Aus der Antwort der Gegenpartei: „ … übrigens pflegen ja alle Ärzten und Marckschreyer dergleichen zu thun um die Leute desto füglicher an sich zu bringen …". Eisenbarth versteht als echtes Propagandatalent sogar in seinem Rechtfertigungsschreiben Reklame für sich zu machen: &bdquo;Ich Johann Andreas Eysenbarth, Kayserlicher- auch verschiedner Chor- und Fürsten hoch privilegierter Medicus und Operator, thue hiemit bekennen und attestieren, daß ohnlängstens meine 2 Diener von Cassel anhero nach Wetzlar auf Johannis Jahr-Marck alda der Gewohnheit nach meine Profession armer Patienten zu Trost zu exercieren, abgeschicket…&ldquo; Man sieht, auch Eisenbarth will nichts als Trost spenden, auch er ist Wohltäter der Menschheit, die er kuriert, die er … verführt.<br>I V. Das Jahrhundert der Scharlatane</p><p>Das 18. Jahrhundert hat wie kein anderes Existenz und Erfolg des Scharlatans begünstigt. Es ist nicht so sehr die Volksausgabe des Marktschreiers, als die Luxusausgabe des Grandseigneurs, des reisenden Weltbürgers, die das Dixhuitieme geprägt hat. Die ideengeschichtlichen Gründe darzulegen, die den Widerspruch der Gleichzeitigkeit von Aufklärung und Goldmachen, von Voltaire und Cagliostro erklären, würde weit über den Rahmen dieser Ausführungen gehen. Dennoch ist es unerläßlich zum Verständnis all der Gestalten, die wir hier zeigen, den zeitgeschichtlichen Hintergrund kurz zu beleuchten.</p><p>Das 17. Jahrhundert war das Zeitalter der Systeme, das 18. entwickelte sich vom System zum Experiment, von Deduktion zu Induktion. Das 17. Jahrhundert kannte nur einen Ausdruck für einen Gedanken, das 18. drückte ein und denselben Gedanken in den verschiedensten Prägungen aus. Experiment und unfaßbarer, weil nicht eindeutiger Ausdruck: hier sind schon zwei wichtige Momente zur Zerstörung der inneren Sicherheit. Die Relativierung der Begriffe, die mit Montesquieu eingesetzt hatte, zog Wissen und Religiosität mit auf diesen schwankenden Boden. Der Glaube war durch den empirischen Pessimismus des 17. Jahrhunderts nicht mehr Tröster, sondern Mahnung an Tod und Vergänglichkeit geworden, Spiegelbild der Ewigkeit die Hölle. Das Ventil der Metaphysik aber, nach dem die menschliche Seele als Ausgleich dieser Jenseitsdrohung verlangte, wurde im 18. Jahrhundert durch die starke Wirkung des Rousseau’schen Pan-Moralismus unmöglich gemacht. Mit Länder- und Rohstofferschliessung und -einfuhr, Aufblühen der Manufakturen etc. wurden Bedürfnisse geschaffen, das Lebensniveau verfeinert, die Nerven durch Luxus und Vergnügen stärker beansprucht. Resultat: das Jahrhundert der Aufklärung, das alles verstehen wollte und alles verstand, verfiel der Macht der Scharlatane mindestens ebenso stark wie die Renaissance, die das Unverständliche, das Lächeln der Mona Lisa, bewundert hat. Es verfiel dieser Macht deshalb noch stärker als sie, weil es auch die Todessicherheit verloren hatte, die Leonardo da Vinci für seine Zeit so formuliert hat: „Wie ein gut verbrachter Tag einen freudigen Schlaf erzeugt, so zieht auch ein gut verbrachtes Leben einen freudigen Tod nach sich." Das Leben gut verbringen, das wollte man auch, aber ohne Verantwortlichkeit vor dem Tode. Das Schafott stand als Fatum am Horizont der Zukunft, der Moralismus als häßlicher Mahner in der so lustreichen Gegenwart. Reaktion gegen Zukunftsdrohung und Gegenwartsmahnung wird durch Flucht in die Vergangenheit vollzogen. Diese übersinnliche Vergangenheit personifizierte der Scharlatan, sein Alter, das nach Jahrhunderten zählte und seine mystische Herkunft. Jetzt gab er mit dem Gold nicht mehr nur Reichtum, er gab auch Aufstieg in eine andere Klasse, was das erwachende Bewußtsein stürmisch ergriff; jetzt gab er mit der Universalmedizin nicht mehr nur Krankheitsheilung, er gab auch gesteigerte, raffiniertere Fähigkeit zum Lebensgenuß und verlängerte das Leben, so der Todesfurcht Aufschub gewährend. So wurde er zur Sensation, zur Mode, und wie die Mode so beherrschte auch der Scharlatan diese Zeit. Gewiß gab es auch Menschen, die die Ursachen der Modekrankheit durchschauten, wir zitieren einen wenig bekannten Artikel Hufelands „Über die neuesten Modearzneyen und Charlatanerien", der Oktober 1789 in Bertuchs „Journal des Luxus und der Moden" erschien, was der Autor folgendermaßen begründet: „Das Journal der Moden ist ohnstreitig der schicklichste Ort, wo man von Zeit zu Zeit dem Publikum die neuesten und gangbarsten Modeartikel für Gesundheit, Schönheit, langes Leben und dergl. wird mittheilen können." Hufeland berührt das verfälschende Moment der Popularität: „ Wir leben in den Zeiten der Popularität, und selbst die ernsthaftesten Wissenschaften haben jetzt so gut ihre pedantische Mine ablegen und sich in ein gefälliges Modegewand kleiden gelernt, daß ihnen in keiner Damengesellschaft mehr der Zutritt verwehrt wird. Sie haben sich wirklich unentbehrlich gemacht und wo ist noch ein Zirkel von gutem Ton, in dem man nicht von Elementar-Feuer, Magnetismus, Elektrizität, den Ursachen der Dinge, ja von den abstraktesten Gegenständen der Metaphysik, mit einer Leichtigkeit und einem Interesse sprechen höret, die in Erstaunen setzen. Die Medizin war eine der ersten, die die Ehre hatte in Cours zu kommen."<br>Die magnetischen Heilsysteme, die sich um Franz Mesmer und den tierischen Magnetismus entwickelten und durch die Namen Johann Gassners und Schrepfers gekennzeichnet sind, waren längst nicht mehr Mode, als Hufeland diese Zeilen schrieb. Sie gehören nicht ganz zum Thema Scharlatane, da sie, wenn auch gauklerisch, ihr Gut von Mesmer borgten, und Mesmerismus in ein anderes Gebiet fällt. Wohl aber zeitigte die Auswertung durch manchen Anhänger des Magnetismus seltsame, echt scharlataneske Blüten. Ein schottischer Arzt, Dr. James Graham, der Ende des 18. Jahrhunderts in London lebte und magnetische Wasser und Pulver zahlreich verkaufte, hatte ein magnetisches Bett zur Heilung aller Krankheiten aufgestellt, dessen Benutzung nur nach vorheriger Anmeldung und Einsendung von 50 Pfund gestattet wurde. Man pilgerte in Massen zu diesem Wunderbett, von dem eine zeitgenössische Beschreibung des „Gesundheitstempels" folgendes zu sagen weiß: „Das Bett stand in einem prächtigen Zimmer, wohin aus einem benachbarten Cabinet ein Cylinder führte, durch welchen die heilenden Ströme in das Schlafzimmer geleitet wurden, sowie auch sonst allerhand Wohlgerüche stärkender Arzneien und morgenländischer Rauchwerke durch gläserne Röhren dahin geführt wurden. Das himmlische Bette selbst ruhte auf sechs festen durchscheinenden Säulen, die Betttücher von Purpur und himmelblauem Atlas waren über Matratzen, mit arabischen und morgenländischen Riechwassern durchdrungen, gebreitet und zwar im Geschmack des persischen Hofes. Das Zimmer, in welchem es war, nannte er sanctum sanctorum … Zu diesem allen kommen noch die melodischen Töne der Harmonika, sanfte Flöten, angenehme Stimmen und eine große Orgel. Er sagte mit Recht, nichts gäbe den angegriffenen Nerven alle ihre Kräfte erstaunungswürdiger wieder, als dieses himmlische Bette. Der offenbar für die raffinierten Bedürfnisse der Vornehmen arbeitende Scharlatan war auch Erhnder von Erdbädern; die Poren der Haut sollten Nahrungssäfte der Erde einsaugen und so sollte man „ohne Essen ein gesundes und langes Leben" führen können.</p><p>cz093609.jpg (63865 Byte)</p><p>Von dem populären Wunderglauben an magnetische und elektrische Ströme profitierte der Schweizer Michael Schüppach, der Naturbursche unter den Scharlatanen. Er wurde 1707 im Kanton Bern geboren und zeigte in früher Jugend naturwissenschaftlich-medizinische Neigungen. Das teure Universitätsstudium konnten seine Eltern nicht bezahlen und so wurde er zu einem Dorfarzt in die Lehre gegeben. Er probierte die Rezepte der Kräuterbücher aus, zeigte viel Interesse fürs Sezieren und kaufte sich, sowie er selbst verdiente, anatomische Bücher. Sehr früh begann er genauest die Krankengeschichten seiner Patienten aufzuschreiben. Schüppach bewies viel Ernst beim Studium und ist nicht durchaus als Scharlatan zu bezeichnen, erst seine Erfolge, die ihm über den Kopf wuchsen, scheinen ihn zu echten Scharlatanerien, wie Fernbehandlungen, verführt zu haben. Er gehört nicht zu den großen Reisenden, sondern der Doktor in Langnau im Emmental wurde zum Kuriosum, das alle Fremden, die die Schweiz bereisten, gesehen haben wollten. 1799 besuchte ihn Goethe, der für diese Art Menschen immer viel Interesse gezeigt hat, und berichtet an Frau von Stein: „ … doch ist sein Auge das gegenwärtigste, das ich glaube gesehen zu haben. Blau, offen, verstehend, ohne Anstrengung boobachtend." Da Schüppach Mode war, fand man im Langnauer Gästebuch Namen berühmter Gelehrter, neben Prinzessinnen. Natürlich fehlte auch der Kardinal Rohan nicht, der später einem viel größeren Scharlatan, Cagliostro, ins Garn gehen sollte. Auf allen Porträts von Schüppach sieht man ihn mit dem Uringlas. Während er nämlich den Patienten befragte und, wie seine Gegner behaupteten, ihn mit einem Auge beobachtete, blickte er unverwandt auf das Glas und gab vor, Diagnose und Therapie in der Flüssigkeit zu erschauen. In der Glanzzeit dieses „Wunderarztes" drängten sich täglich 80-100 Patienten in seine „Apotheke", in der Medizin mit deutschen Aufschriften wie „Freudenöl", „Blümlisherz", „fürs Untier" zu finden waren, Namen, mit denen zu Michaels Freude, die Lateiner und richtigen Ärzte nichts anzufangen wußten. 80 und mehr Boten mit Uringläsern trafen täglich in Langnau ein, Arm und Reich pilgerte zum „Schärermicheli". Von seinen Behandlungsmethoden wurden manche Anekdoten erzählt. Einen reichen Bauern, der behauptete von sieben Teufeln besessen zu sein, heilte er durch starke elektrische Schläge, bei denen er sich anstellte, als sähe er die Teufel aus dem erkrankten Leib fahren. Einem andern Bauern, der sich eingebildet hatte, einen Heuwagen mit Fuhrmann verschluckt zu haben, horchte er ab und versicherte, das Peitschenknallen im Bauche zu vernehmen. Dann bekam der Patient Brechund Schlafmittel und flugs wurde ein echter Heuwagen bestellt. Als der Kranke erwachte und erbrach, fuhr der Kutscher mit Peitschenknallen davon. Michael aber hatte natürlich durch seine Kunst den Bauern Heuwagen erbrechen lassen. Man sieht, Wissensfälschung hat er schon betrieben. Eine Beschreibung des Züricher Professors Leonhard Meister vom „Taubenschlag" des Michael und seiner schönen Frau und Gehilfin zeigt, daß auch das Theater als Lockmittel nicht ganz fehlte: „ … Man steht oder man sitzt zusammen, man spielt Karten, bald mit einem Mädchen; bald wird ein Konzert, bald ein Frühstück oder Abendessen gegeben, bald ein kleines Balett gehalten. Uberall wird sehr glücklich die Freiheit der Natur mit den Ergötzungen der schönen Welt vereinigt und wenn der Arzt keine Krankheit zu heilen imstande ist, so heilt er doch Hypochonder und Vapeurs." 1781 starb Schüppach, reich und hochgeehrt, betrauert von seinen entzückten Besuchern, in schwärmerischen Versen von Lavater besungen.<br>Weder Graham, noch Schüppach gehören zu jener Kategorie von Scharlatanen, die unauf hörlich auf der Wanderschaft, bald im Glanze fürstlicher Gunst, bald in Elend untertauchend, in ständigem Wandel von Namen und Gestalt im 18. Jahrhundert durch ganz Europa zogen. Deren Pläne waren groß angelegt und sie haben nichts mehr mit den Quacksalbern der Märkte gemein. Charakteristisch ist, daß sie fast immer in die Politik verwickelt sind, wollten sie doch ganze Völker mit Wohlstand beglücken und nicht mehr nur ein Einzelschicksal vergolden. Tiepolo zeigt den Ciurmator (ciurmare = Zaubertränke bereiten, zaubern), der über dem typischen Arzneikoffer auf einer Art Prozessionsfahne sein eigenes Bild ausstellt. Das geheimnisvolle und geheimnislüsterne Maskengetriebe, die mediumistische weiße Frau im Zentrum, das Seiltänzerplakat und der fähnchenschwingende Harlekin – da ist all das vereinigt, was Scharlatane und ihr Treiben zeichnet. Der Höhepunkt in der Kunst der Massenbezauberung und der Schamlosigkeit war nun erreicht: werbende Schaustellung der eigenen Gesichtszüge, des eigenen Wesens: das war die Methode der klassischen Abenteurer.<br>Der klügste und feinste der drei klassischen Abenteurer ist der Graf von St. Germain gewesen. Er stand im Ruf fabelhaften Reichtums. „Der berühmte Alchemist" wird er auf dem einzigen Porträt genannt, das wir kennen, und das wirklich ein zeitloses und hintergründiges Gesicht zeigt. Woher der Graf stammte, weiß man nicht, es heißt aus Portugal, aber nichts beweist das. Er selbst erzählte gern, daß er mit den Gästen der Hochzeit von Kana zu Tisch gesessen. Dann wieder wollte er aus dem spanischen Königshause oder von den Fürsten Rakoczy abstammen. Seine Anekdoten sprangen munter durch die Jahrhunderte, stellte ihn ein Zweifler mit Fragen, so bedeutete er ihm, daß er sich von Zeit zu Zeit aus dem Treiben der Welt zurückzöge, sich also nicht an alles erinnern könne. Er beherrschte zahlreiche Sprachen und reiste durch Länder, wie durch Jahrhunderte, Zerrbild des Wanderers zwischen den Welten. Dabei wechselte er ständig den Namen, hieß Marquis de la Croix noire, Graf Surmont, auch Graf Welldone (Wohltäter). Gelegentlich beschäftigte er sich mit Bilderfälschung, was in allen Zeiten Scharlatane magisch angezogen hat. „Ein Narr, der wundervoll singt, spielt und geigt", sagt Horace Walpole von ihm. Ubrigens ist bezeugt, daß er bei streng geregelter Lebensweise noch in hohem Alter wie ein 50 jähriger aussah. 1735 ist sein Aufenthalt im Haag nachweisbar, 1744 in England, I759 war er in Frankreich, gewann durch sein Verjüngungswasser die Gunst der Pompadour und spielte dann eine mysteriöse Rolle bei den Friedensverhandlungen zwischen Frankreich und England. Der Herzog von Choiseul brach seinen Einfluß, worauf der Abenteurer verschwand, man weiß durch Jahre nichts von ihm, dann tauchte er in Rußland, Italien, Deutschland auf, sehr heruntergekommen, und starb 1784 in Eckernförde. Ärztlich hat er sich kaum betätigt, er interessierte sich mehr für Produktion und Absatz von Heilmitteln. Immerhin braute er ein kostspieliges Lebenselixier, den noch heute als St.Germain-Tee verbreiteten Abführtee. Er besteht aus Sennesblättern. St.Germain ist vor allem interessant durch seine Mythologisierung der Industrie. Aus seinen alchimistischen Kenntnissen schöpfte er Rezepte für Geheimverfahren in der erwachenden Seiden-, Porzellan- und Farbindustrie, auch für Weinveredlung fand er ein Verfahren. Minister und Bankleute kauften ihm seine Geheimnisse für viel Geld ab. Natürlich besaß er auch Rezepte zum Goldmachen und für eine Universalmedizin, und was für gute Geschäfte man mit dieser damals machen konnte, wird einem klar, wenn man einen Berliner Zeitungsbericht von 1779 liest: „In London schrieb ein Chymikus ohnlängst ein langes und breites von einer Universalmedicin, welche er erfunden zu haben vorgab, und reichte seine Schrift versiegelt im Oberhaus des Parlaments ein. Die jungen Lords meinten sämtlich, daß man diese Sache ans Unterhaus weisen, und sich nur Bericht davon müsse abstatten lassen, allein die älteren waren der Meynung, eine so wichtige Entdeckung verdiente wohl, daß man sich damit beschäftige, und es sey der Müh wert sichs etwas sauer werden zu lassen, wenn man dadurch I50 Jahre alt werden könne."<br>Casanova, der zweite der drei großen Abenteurer, gab sich mit dem medizinischen Kleinkram nicht ab, durchschaute und verachtete den dritten, Cagliostro, der sich aber als Wunderdoktor nur vor und nach seiner wirklich großen Zeit betätigt hat. Beppo Balsamo, später Graf Cagliostro, ist 1743 in Palermo geboren, er kam aus proletarischem Milieu. Er betätigte sich u.a. als Schatzgräber in Meereshöhlen, half in einer Klosterapotheke, wo er seine ersten medizinischen Kenntnisse erwarb. Flucht vor Verhaftung war bei ihm, der in ständigen Händeln mit Polizei und Gönnern lebte, der erste Reiseimpuls. In Messina und Malta lernte er prominente Alchimisten kennen, die ihn in ihre Geheimnisse einweibten. Cagliostro hat das später nach Zeitgeschmack umredigiert und er, der dicke plattnasige Held der sizilianischen Gosse, wurde zum unglücklichen Sohn des letzten Herrschers von Trapezunt, der in die Verbannung fliehen mußte, von einem edlen Sheriff erzogen wurde, der ihn „unglückliches Kind der Natur" taufte, später erst traf das unglückliche Kind mit dem Hohen Priester aller arkanischen Weisheit, Althotas, zusammen, der sein Lehrer wurde, den er, was man nur diskret andeutete, ermorden mußte. In Wahrheit mußte Cagliostro nach Fälschung eines Oberstenpatentes wieder einmal fliehen, wurde aber bereits von seiner schönen Frau und begabten Mitverschworenen, Lorenza Feliciani, Tochter eines römischen Handschuhmachers, begleitet. Er schlug sich durch, hatte Erfolge, schwindelte, mußte wieder fliehen, so wechselte die Szene zwischen London, Paris, Deutschland, Italien. Leichtgläubige Gönner waren immer wieder als Retter zur Stelle. Sein zweiter Londoner Aufenthalt brachte den großen Coup. Er drang frech in die Freimaurerlogen, erwarb sich Anhänger und gelangte zu großem Ruhm. Jetzt war er Graf Cagliostro, der Lakaien, Kuriere und Kammerdiener beschäftigte. In diskreter schwarzer Kutsche mit mattgoldenem Monogramm, ein Reklamemittel, das schon Eisenbarth erkannt hatte, fuhr er umjubelt in die Städte, aus denen er dann bei Nacht und Nebel floh. London, Brüssel, Haag, Kurland war die Route. Aus Mitau haben wir die entlarvenden Aufzeichnungen der Freiin von der Recke. Er besuchte Rußland, Deutschland und traf dann in Strassburg mit dem Kardinal Rohan zusammen, den er später in die Halsbandaffäre verwickelte. Diesen Gönner wußte er vollkommen zu bezaubern. In Lyon gründete er, da ihm die erwachende Skepsis der Freimaurer unerwünscht war, 1784 eine neue ägyptische Loge „eigener Observanz „ und zog 1785 triumphal in Paris ein. Im Laufe der Halsbandaffäre, die wenige Jahre später Cagliostros Pariser Triumphen ein Ende bereitet hat, wurde er gefangengesetzt, die Gegner Marie Antoinettes erwirkten aber seine Freilassung, er floh nach London, dann nach Basel, Turin, sein letztes bescheidenes Auftreten als Wunderdoktor ist in Trient und Rovereto nachweisbar, I789 kehrte er nach Rom heim. Not trieb ihn, seine altenPraktiken wieder aufzunehmen, jetzt aber ergriff ihn die Inquisition, machte ihm den Prozeß und verurteilte ihn zu lebenslänglichem Kerker. 1795 starb er. Cagliostro, der gröbste der drei klassischen Abenteurer, ein Urkundenfälscher,Taschenspieler, Quacksalber,Geisterbeschwörer und Kuppler, hat die grösste Macht über seine Zeitgenossen gehabt, er war der populärste. Wir wissen, daß Goethe, Tieck, Dumas ihn zum Helden von Dichtungen gemacht haben. Döschen, Pendulen und Fächer, die sein Bild tragen, beweisen jenen Höchstgrad an Massenwirkung, der sich in allen Zeiten dadurch dokumentiert, daß Bild und Legende des Helden ins Kunstgewerbe eingeht. Vielleicht erklärt sich der Zauber von Cagliostros Wirkung zum Teil daraus, daß der zwar schlaue, aber halbgebildete und kritiklose Mann manchmal seiner eigenen Suggestion unterlag und soweit kam, zu glauben, was er sagte. Er hatte echte und unberechnende Momente, in denen er jenem Durcheinander verschiedener Wirklichkeitsbilder verfiel, von dem wir als charakteristisch für die Renaissancemenschen sprachen. In solchen Augenblicken mag er überzeugt haben. Auf dem Fächer, den wir zeigen, sieht man links die Abreise Cagliostros auf der Gondel aus seiner magischen Heimat. Er ist morgenländisch gekleidet. Die Phantasie einer Zeit, die wie das Dixhuitieme für persische Motive (Montesquieu: Lettres persanes) und für Chinoiserie schwärmte, sah ihre Scharlatane natürlich am liebsten in exotischen Gewändern. In der Mitte des Fächers die Porträts Cagliostros und Lorenzas, rechts eine Kranke auf einer Bahre, eine andere Frau, die die Hände des heilenden Wohltäters küßt. Die Verse unter den Bildern lauten:</p><p>Il prolonge la vie, il secourt l’indigence,</p><p>Le plaisir d’etre utile, est seul sa recompence.</p><p>(Er verlängert das Leben, er steht den Dürftigen bei, die Freude zu helfen, ist seine einzige Belohnung.)<br>cz093614.jpg (16701 Byte)</p><p>Hier haben wir die Hauptattraktion seiner Werbung: er behandelte umsonst, er behauptete das wenigstens. Sehr gut verstand er dann, auf andere Weise doch Geld von den Geprellten zu erhalten. Elisa von der Recke erzählt über sein ärztliches Auftreten folgendes:<br>„Von seinem Aufenthalt in Strassburg weiß ich folgendes: Er logierte einige Zeit in einem Gasthofe; noch zeigte er sich nicht im geringsten als Arzt. Niemand erwartete das auch von einem Grafen. Plötzlich erfuhr man, es sei ein fremder, wohltätiger Herr hier, der Kranke umsonst übernehme und ihnen nicht nur Arzneien, sondern selbst oft Geld und noch andere Unterstützungen zukommen ließe; und dies ist die Wahrheit. Nun kamen nach und nach und noch schüchtern einige Arme zu ihm; er empfing sie liebreich, gab ihnen Essenzen, Elexiere, andere Arzneien, befreite manchen vom Fieber und anderen Zufällen, besuchte selbst auch manche Schwerkranke in ihrer Behausung. Sein Ruf stieg, und bald waren nicht nur seine Zimmcr, sondern auch die Treppen und Haustüre mit Hilfsbegierigen besetzt. Er war etwas leicht und zuversichtlich im Versprechen dcr Heilung, und dies gab allen Preßhaften umso mehr Mut. Freilich sind ihm nun bei der Menge von Kuren viele verunglückt, besonders bei Taub- und Blindheit; allein Glück in manchen Fällen, das Fremde, das Sonderbare, das Unentgeltliche machten ihn dennoch zum Gegenstand der höchsten Bewunderung…. Eine unglaubliche Menge von Fremden kamen von allen Orten her zu ihm; verschiedene baten ihn, mit einigen unserer besten Ärzte in Konsultationen sich einzulassen: dies schlug er immer ab, wie er denn auch für alle Ärzte keine anderen Benennungen kennt, als solche, die aus dem Tierreich entlehnt sind; … doch haben manche Kranke, auch Fremde, sich von Cagliostro weg wieder in die Arme der ordentlichen Ärzte geworfen…. Er pflegt z.B. sehr häuhg den Extrait de Saturne und zwar in sehr großen Dosen (wie überhaupt seine Medizinen) zu verordnen; man hat gezeigt, daß dieser Bleizucker zwar im Augenblick von guter Wirkung sei, bei Wunden und anderen Zufällen, wo schleunig Hilfe nötig ist, daß er aber auch oft eine gewisse Steifheit zurücklasse und innerlich gebraucht, nicht selten die unglückliche Colique de Poitou zurücklasse."<br>Uber die Qualität von Cagliostros Medikamenten hören wir am besten Hufeland in dem oben zitierten Artikel:<br>„ … Die Hauptmittel sind: die weißen Tropfen, die gelben Tropfen, der Lebensbalsam, das abfahrende Pulvcr, ein neuer Schnupftabak, egyptische Magenpillen, eine neue Rindfleischbouillon, womit alle diese Mittel zu nehmen sind. Wir besitzen von allen die Rezepte, sie sind aber alle so widersinniger Composition, daß man Verordnungen aus dem sechzehnten Jahrhunderte zu lesen glaubt, und, daß sie gewiß nur in Cagliostros Händen Wunder thun können. Wenigstens die egyptischen Pillen, die eine Zeit lang in Paris angebetet wurden, und die noch vom uralten Hermes Trismegistos abstammen sollten, mögen als der beste Beweis der elenden Scharlatanerien dieses Menschen da stehen:<br>Nehmt: Aloe, Diargidium, Turbith, Agarikus, Koloquinern, von jedem ein Quent; Mastix, Rhabarber, Mitabelanen, Fenchelsaamen, Zimmt, Muskatblumen, Xylobalsam, Narden, von jedem ein halb Quent. Alles fein gepulvert und mit altem weißen Wein, Stöchassyrup und Zimtwasser zu Pillen gemacht, deren zwey bis scchs Stück auf einmal zu nehmen."<br>Auch zugunsten seiner medizinischen Autorität wußte Cagliostro den Nimbus seiner Vergangenheit wirken zu lassen. Er erzählte, daß er zu Medina die Medizin studiert habe und „freilich daselbst anders die Natur kennen gelernt, als unsere europäischen Ärzte". Diese hasste er, und in London hat er einmal einem Arzt, der seine Schwindeleien entlarvte, ein Duell vorgeschlagen. Er wollte einen Trank bereiten, von dem sie beide trinken sollten, wer am Leben bleiben würde, sei der Sieger. Seine Arzneien präparierte Cagliostro nach alter alchimistischer Tradition zur Zeit des Äquinoctiums. Als Cagliostro nach dem Halsbandprozeß aus der Haft entlassen wurde, ließ er vor seinem Wagen, der ihn an der Bastille erwartete, einen Krüppel herlaufen, derMedizinflaschen an die Armen verteilte. Eine Geste, die in dem aufgewühlten, gärenden Paris von außerordentlicher Wirkung war. Cagliostros bedeutendste, schreibende Kritiker waren Mirabeau und die Kaiserin Katharina von Rußland, die ihn nicht nur aus ihrem Land weisen ließ, sondern ihn noch in zwei Lustspielen entlarvte, die wieder der unentwegte Kämpfer gegen alle Scharlatanerien, der Berliner Schriftsteller und Buchhändler Christoph Friedrich Nicolai, veröffentlichte. Aber was vermochten diese Einzelnen gegen einen Mann, der imstande war – ein zeitgenössischer Stich zeigt es – seinen Besucherinnen auf Grund kabalistischer Kenntnisse, die Nummern zu nennen, die in der Lotterie zuverlässig gezogen werden würden.<br>Eine Cagliostrokopie wollte in Pommern zu Ende des 18. Jahrhunderts Magno Cavallo (das große Pferd) sein, Mursa dux Tartarus, Philosopho – Medicus- Botanicus- Chymicus- Pharmaceuticos- Poeta- Propheta-Lama Lamorum Pontifex-pontihcum, wie er sich ganz bescheiden nannte. In türkischem Kostüm mit Säbel und Muff befuhr er in der Gondel die Flüsse Pommerns. Seine wunderärztliche Tätigkeit beschränkte sich auf Entdeckung und Propagierung der heilkräftigen Quellen von Bad Kenz (Pommern). Er hat Spielbanken und Wahrsageboden betrieben, gelegentlich auch politische Exposes verfaBt (anlässlich der Reichenbacher Konvention zwischen Österreich und Preußen, I790). Die Städte seiner Wirksamkeit waren Braunschweig und Celle; zu internationalem Ruf ist er nie gelangt.<br>Unter den betrügerischen Starstechern war der Engländer John Taylor (1708 – 1772), auch Ritter Taylor genannt, der imposanteste Schwindler. Auf seinen vielen Reisen, die ihn die halbe Welt sehen ließen, kam er auch nach Basel, wo er promovierte und in das medizinische Doktorenkollegium aufgenommen wurde. Taylor, dessen Zügen man Kälte, Skrupellosigkeit und Einbildung anmerkt, verstand sich glänzend auf die erforderliche Regie. Kein anderer hat das Requisit der Kutsche so einzusetzen gewußt wie er. Die seine wurde von 4 Schimmeln gezogen, sie war geschmückt mit Augenbildern und Attesten, weit sichtbar prangte vorne, einem Plakate gleich die Aufschrift: Qui visum dat, dat vitam. Wie Eisenbarth, so wirkte auch er durch seine zahlreichen Titel, die er nach Einzug in der Stadt bekanntgeben ließ. Er war ein gefährlicher Patron, der viele Menschen blind gemacht hat. Die Patienten mußten ihre Verbände drei Tage lang tragen, wenn sie sie abnahmen und ihr Unglück merkten, war er längst über alle Berge. Eine traurige Erfahrung in dieser Richtung hat 1751 der Grossherzog von Mecklenburg gemacht, und die Zeitungsstimmen vor und nach seinem Besuch weisen einen gewaltigen Umschlag von Hoffnung zu empörter Enttäuschung auf.<br>Zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert steht die merkwürdige Gestalt des Italieners Buonafede Vitali, genannt „d’Anonimo" ( 1686 – 1745 ). Er war „ Saltimbanco„ , er hat auf öffentlichen Plätzen behandelt, er hat sich dem Theater verbunden, aber er war gleichzeitig von den Fakultäten als bedeutender Arzt anerkannt und besaß die Doktordiplome von Padua, Parma und Palermo. Gegen Ende seines Lebens war er Protomedikus von Verona. In einer Schrift „Lettera in difesa della Professione del Saltimbanco" (Milano 1732) verteidigt er einem adeligen Gönner gegenüber (es soll Scipione Maffei gewesen sein), der ihm offenbar von seinem Beruf abreden wollte, den Scharlatan. Vitali war in seiner Jugend Soldat gewesen, begann aber schon bald sein Leben als reisender Arzt. Keinerlei Reisestrapazen hat dieser Mann gescheut, um die Welt zu sehen. Er war nur in England und Mailand drei Jahre ständig, sonst trieb es ihn immer noch rascher weiter. Temperament und wissenschaftliche Uberzeugung unterschieden ihn von seinen Fachkollegen. Er war ein glänzender Redner und schlechter Schriftsteller, sein Herz gebörte Theater, Reise und Abenteuer. In dem Verteidigungsbrief betont er, daß sich viel Gesindel unter den Scharlatanen befinde, aber das sei in jedem Beruf so und entehre diesen noch lange nicht. Als das Verderben für die medizinische Wissenschaft sieht er ihr Abwenden von der Empirie an. Er distanziert die empirische Medizin vom verwerflichen Risiko des Experiments und stellt sie als die einzig wahre Medizin hin, „diese aber ist die Kunst des Saltimbanco, der, was er kann öffentlich zeigt", denn jedes anständige Gewerbe scheut die Öffentlichkeit nicht „und da die Kunst (das Können) der Medizin die wichtigste ist, scheint es mir Pflicht, sie mehr als jede andere vor den Augen des Volkos auszuüben". Er eifert gegen die Professoren, die sich in uferlosen Disputen verlieren, anstatt zuzugreifen und zu helfen und in ihren Hörsälen wie in Festungen verschanzen, um mit der Realität, die sie über ihre Irrtümer belehren könnte, gar nicht zusammenzutreffen. Hier wendet sich ein menschlicher Typus gegen den andern: „dic Professoren, denen ihre Bequemlichkeit zuviel gilt und die die Mühen der Reisen scheuen, die weder Klima- noch Luftwechsel an sich selbst erlebt haben und nicht ahnen, wie verschieden auf der Welt die Sitten sind, wie traurige Begegnungen tun und wie einem zumute ist an jenen erfolglosen Tagen, an denen die Menge mit Fingern nach einem zeigt". Von ihm, der sich selbst den Anonimo genannt hat und der sogar für seine Eltern viele Jahre lang verschollen war, gibt es kein Bild. Eine zeitgenössische Beschreibung schildert ihn, der draußen in der Welt Minen verwaltete und in der Heimat Heilquellen entdeckte, als mittelgroß, dick, stattlich aussehend, gut gefärbt und mit löwenartigen Gesichtszügen. Ein bezauberndes Porträt seiner Persönlichkeit gibt Carlo Goldoni in seinen Memoiren. Er erzählt von Vitalis Eintreffen in Mailand 1730 und erkennt in ihm den „ciarlatano d’una specie rarissima". Goldoni ist interessiert an Vitalis Auftreten zwischen den Figuren der Commedia dell’arte auf der menschenüberfluteten Piazza Scala. War der Platz eines Tages weniger voll, so erklärte Vitali, nicht behandeln zu können, er brauchte das Fluidum zwischen Redner und Menge. Unter seinen Schauspielern befanden sich große Künstler (er unterhielt die Truppe auf seine Kosten), mit denen Goldoni gerne in Verbindung kommen wollte. So besuchte er eines Nachmittags als Patient den Anonimo. Aber schon nach wenigen Worten war er durchschaut. Der Arzt, der selbst Komödien schrieb, ließ ihm als beste Medizin eine Tasse vorzüglicher Schokolade servieren. Dann sprachen die beiden über Komödien und für Vitalis Truppe schrieb Goldoni seine erste Komödie, den „Gondoliere von Venedig".<br>Vitali war das Genie unter den Scharlatanen; er war es, der die Worte geschrieben hat: „die Welt ist ein Theater, das aus Mimen und Zuschauern zusammengesetzt ist. Gespielt wird auf der Bühne der Welt das Leben und der Autor dieser Vorstellung hat bestimmt, daß jede Figur sich anders kleide …" Und – das war die Meinung des Anonimo – wer Scharlatan ist, der soll auch als Scharlatan auftreten. Dieser Scharlatan bekennt sich zu sich selbst und will nicht scheinen, was er nicht ist. Er bedarf nicht der Fälschung, bei ihm fehlt das Moment der Spekulation. Und weil der künstlerische Impuls hier nicht mehr als Wissens- oder Meinungsfälschung wirkt, sondern in Persönlichkeit und Lebensgestaltung beschlossen ist, fehlt bei Vitali das Odium, das auf allen anderen Scharlatanen lastet, das Odium der Fälschung.</p><p>Gegenrede zum Inhalt dieser Ciba-Zeitschrift von 1936 von Dr. Michael Brandner</p><p>Zur Ehrenrettung des Grafen von St. Germain möchte ich darauf hinweisen, daß der Artikel &bdquo;Der Scharlatan&ldquo; von Grete de Francesco folgenden unsinnigen Satz enthält:</p><p>    &bdquo;Immerhin braute er [gemeint ist St. Germain] ein kostspieliges Lebenselixier, den noch heute als St.Germain-Tee verbreiteten Abführtee. Er besteht aus Sennesblättern.&ldquo;</p><p>Dazu möchte ich folgendes feststellen:</p><p>    Teespezialitäten werden nicht gebraut, sondern gemischt.<br>    Wenn der Tee aus Sennesblättern besteht, warum ist er dann kostspielig?<br>    Ein Elixier kann kein Tee sein.<br>    Der St. Germain-Tee besteht nicht aus Sennesblättern, sondern wird aus Fenchelsamen, Anissamen, Kaliumtartratkristallen, Weinsäurekristallen, Sennesblättern und Holunderblüten zubereitet.<br>    Auch wenn dieser Tee aus dem oben erwähnten Grund kein Lebenselixier sein kann, so stimmt zumindest, daß St. Germain diese Spezialität als lebensverlängerndes Mittel ("Species ad longam vitam") bezeichnet hat. Es ist natürlich leicht, sich darüber lustig zu machen, daß ein Abführmittel lebensverlängernd sein soll, wenn man die medizinischen Zusammenhänge nicht kennt. Der Anspruch auf diese Wirkung ist jedoch nicht unberechtigt, denn der &bdquo;St. Germain-Tee&ldquo; ist ein stoffwechselverbesserndes Mittel bei akuten und chronischen &bdquo;Ablagerungskrankheiten&ldquo; (Rheuma, Gicht, Gallen- und Nierensteine). Er wirkt nicht nur abführend, sondern auch kühlend (temperatursenkend und entzündungwidrig), verdauungsregulierend, schweiß-, harn- und galletreibend. Wird dieser Tee richtig eingesetzt – beispielsweise bei akuten fieberhaften rheumatischen Beschwerden oder bei Fettsucht und Gallensteinen&nbsp;-, so kann er durchaus lebensverlängernd sein. Man kannte und nutzte eben die Wirkungen, die gewisse Abführmittel auch auf andere Organsysteme entfalten. Die im St. Germain-Tee enthaltenen Sennesblätter beispielsweise sind nicht nur abführend, sondern auch galle- und periodentreibend.</p><p>Betrachtet man die Zusammensetzung dieser Spezialität, so sieht man sofort, daß St. Germain ein Kenner und Könner auf diesem Gebiet war. So wurde beispielsweise die erhitzende Wirkung der Sennesblätter durch kühlende Salze ausgeglichen, die auf eine originelle Weise mit den Samen verbunden werden. Durch die Weinsäure erhält der Tee außerdem die Wirkung einer Fieberlimonade. Betrachtet man dann noch die vielen Variationen dieser Spezialität, die später in Europa entstanden sind, sieht man erst recht, wie viel Verstand und Künstlertum in dieser Komposition steckt.</p><p>Wenn man sich die Mühe gemacht hat, solche Heilmittel, wie den St. Germain-Tee selbst herzustellen und in der Praxis zu prüfen, hat man wenig Grund, so überheblich darüber zu urteilen, wie Grete de Francesco. Leute wie der Graf von St. Germain sind doch nicht blöd, nur weil sie vor ein paar Jahrhunderten gelebt haben!</p><p>Dr. med. univ. Michael Brandner</p><p>Arzt für Allgemeinmedizin </p></blockquote><p>Über die Gestaltung von »Die Macht des Charlatans« von Grete De Francesco<br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008315315'>▻</a></span><a href="https://www.aufbau-verlage.de/die-andere-bibliothek/im-gespraech/ueber-die-gestaltung-von-die-macht-des-charlatans-von-grete-de" class='spip_out' title="Über die Gestaltung von »Die Macht des Charlatans« von Grete De Francesco" hreflang="de"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'><span class='lien_www'>www.</span>aufbau-verlage.de</span>/</span><span class='lien_off'>die-andere-bibliothek/</span><span class='lien_off'>im-gespraech/</span><span class='lien_fin'><span class='lien_fin_coupee'>ueber-die-gestaltung-von</span><span class='lien_fin_cachee'>-die-macht-des-charlatans-von-grete-de</span></span></span></a></span></p><blockquote lang="de" dir="ltr"><p> Grete De Francesco veröffentlichte 1937 ihre Studie über »Die Macht des Charlatans«. Die zu diesem Zeitpunkt 44-jährige Gelehrte und Publizistin hatte ein bewegtes Leben hinter und auch noch vor sich. Der sehr gelungene biographische Essay von Volker Breidecker lässt die Leser in das Leben De Francescos eintauchen, das mit der Ermordung durch die Nazis im Jahre 1945 ein grausames Ende fand.</p><p>In ihrem Buch stellt Grete De Francesco die »Figur« des Scharlatans in historischen Bezügen, mit all seinen Facetten dar. Sie durchwandert mehrere Jahrhunderte und ermöglicht den Leser:innen dadurch, die Entwicklung der Scharlatanerie zu erfahren und somit auch Parallelen in die Gegenwart zu ziehen. Gerade heute bietet sich dem Typus des Scharlatans eine große Bühne; wirtschaftlich, wissenschaftlich, aber vor allem auch politisch finden fragwürdige Persönlichkeiten ihr durchaus zahlreiches Publikum.</p><p>Das Buch ist von einer Anzahl an Abbildungen durchzogen, welche Grete De Francesco in verschiedenen Lebensstationen zusammengetragen hat und den Text trefflich bebildern. Durch diese historische Bildwelt taucht man in die Epochen ein und erhält durch diverse Kupferstiche, Gemälde und Radierungen einen umfassenden Einblick in die Entwicklung der Scharlatanerie.</p><p>Der Ausgangspunkt der Gestaltung ist die stetige Veränderung der Scharlatanerie und deren Anpassung an das Jetzt. Mit immer wiederkehrenden Elementen, dem Spiel der Täuschung und der Illusion in Wort und Bild manipuliert der Scharlatan sein Publikum. Er besitzt förmlich ein Repertoire manipulativer Kunst. Das Zusammenspiel mehrerer Sinne und Formen ist die Grundlage für die Gestaltung der Buchschlaufe. Die Collage, als Formspiel von verschiedenen Inhalten, versinnbildlicht passend das Sujet der Scharlatanerie.</p><p>Die Buchschlaufe ist sowohl auf der typografischen als auch auf der bildhaften Ebene collagiert gestaltet. Elemente, die dem Thema der Scharlatanerie entnommen sind, stehen im Bezug zueinander und bilden so das Hauptmotiv. Der goldene Kreis als bedeutende weltliche Form, auch als Symbol der Macht, wird zentraler Teil der Collage und unterstreicht dadurch die Aussage des Titels.</p><p>Gold ist im gesamten Buch die auszeichnende Farbe. Aus den Bezügen zur Alchemie (die Herstellung von Gold ist ein zentrales Thema der Scharlatanerie) ist die Auszeichnungsfarbe in den Kapitel-Aufmacherseiten, den Überschriften, den Zitatebenen und in der Paginierung wiederzufinden.</p><p>Die Collagenform der Buchschlaufe wird auch in das Innere des Buches übertragen. Die Kapitel-Aufmacherseiten stellen bildhaft-thematisch das jeweilige Kapitel vor. Kupferstiche und Signets bilden mit der typografischen Ebene eine collagierte Abbildung.</p><p>Der Einband des Buches ist umlaufend mit einem Detail des Gemäldes »Der Gaukler« (um 1502) von Hieronymus Bosch bezogen, welches auch als eine der Abbildungen im Buchinhalt zu sehen ist. Das Gemälde stellt eine Szenerie dar, auf dem der Gaukler (Scharlatan) in der rechten Bildhälfte seinem Publikum eine goldene Kugel anpreist. Im Publikum (linke Bildhälfte des Gemäldes) sind die gängigen Charaktere des Scharlatan-Publikums vertreten. Der Durchschauende, der Taschendieb, die Ungläubigen, die Sympathisanten.</p><p>Das Publikum wird in den Bann des Scharlatans gezogen. Dieser Bildaufbau lässt sich trefflich auf das Medium des Buchumschlages übertragen. Die Aufteilung des Scharlatans auf der rechten Bildhälfte fügt sich kompositorisch auf die Umschlag-Vorderseite ein und erzeugt so den direkten Dialog zu den Betrachter:innen. Die Person, die das Buch in den Händen hält, wird folglich Teil des Publikums.</p><p>Das Vor- und Nachsatzpapier ist in Gold gehalten und wird durch die Darstellung von Mondphasen ergänzt, welche die zeitliche Wiederholung und Unbegrenztheit symbolisieren. Im Zentrum steht jeweils ein alchemistisches Siegel.</p><p>Die Kapitel sowie die Unterkapitel werden durch goldene Initialen eingeleitet. Die Größe der Initialen ist auch in den Schriftgrößen der Buchstaben auf dem Titel der Buchschlaufe wiederzufinden.</p><p>Die verwendete Schriftart, die Sabon, eine französische Renaissance-Antiqua, wurde von Jan Tschichold in Anlehnung an die Schriftart Garamond geschnitten. Tschichold emigrierte im Jahr 1933 von Leipzig nach Basel und arbeitete dort im renommierten Schwalbe Verlag, in welchem Grete de Francescos Buch erstmals veröffentlicht wurde. Er war auch für die Gesamtgestaltung verantwortlich und somit auch ein Weggefährte Grete De Francescos. Die Sabon (1967 veröffentlicht) nimmt so den Faden wieder auf und verbindet die historischen Gestaltungsbezüge der Originalausgabe mit der aktuellen Ausgabe der Anderen Bibliothek.</p><p>Es ist wirklich sehr erfreulich, dass Grete De Francesco und ihre Studie durch die Neuauflage eine würdige Kenntnisnahme erfahren. Inhaltlich wird das Buch immer seine Aktualität bewahren, Akteure der bewussten Manipulation wird es wohl leider auch in Zukunft geben.</p><p>Martin Steiner ist freier Grafiker und konzipiert und gestaltet diverse Publikationsformen für kulturelle und kommerzielle Projekte.<br>Auch im Gespräch </p></blockquote><p><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008315322'>▻</a></span><a href="https://archive.org/details/z24193912/page/181/mode/1up" class='spip_out' title="Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse und Imago. Offizielles Organ der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung. XXIV. Jahrgang. 1939. Heft 1/2 : Freud, Sigmund, 1856-1939, editor : Free Download, Borrow, and Streaming : Internet Archive" hreflang="de"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine lien_raccourci'><span class='lien_host'>archive.org</span>/</span><span class='lien_off'>details/</span>z24193912/page/181/mode/<span class='lien_fin'>1up</span></span></a></span></p><p><span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/iatrocratie'>iatrocratie</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/%C3%A9dition'>édition</a></span></p></div>]]></content>
	
	<link rel="related" href="https://www.amuseum.de/medizin/cibazeitung/sep36.html" title="Scharlatanerie" hreflang="de"/>
	
	<link rel="related" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Grete_De_Francesco" title="Grete De Francesco &#8211; Wikipedia" hreflang="de"/>
	
	<link rel="related" href="https://www.aufbau-verlage.de/die-andere-bibliothek/im-gespraech/ueber-die-gestaltung-von-die-macht-des-charlatans-von-grete-de" title="&#220;ber die Gestaltung von &#187;Die Macht des Charlatans&#171; von Grete De Francesco" hreflang="de"/>
	
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	<title>Numerama va dispara&#238;tre - Numerama &#8230; Mais pas tout de suite &#8230;</title>
	<author>
		<name>Simplicissimus  (@simplicissimus)</name>
		<uri>https://seenthis.net/people/simplicissimus</uri>
		<email>simplicissimus@seenthis.net</email>
		
	</author>
	<published>2026-07-22T12:29:47Z</published>
	<updated>2026-07-22T12:29:47Z</updated>
	
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	<summary><![CDATA[Numerama va disparaître - Numerama
… Mais pas tout de suite …
https://www.numerama.com/tech/2299303-numerama-va-disparaitre.html
https://c0.lestechnophiles.com/www.numerama.com/wp-content/uploads/2026/07/design-sans-titre-2026-07-22t111459530.jpg?resize=1600,900&key=5eb10048

❝*Des résultats de Google, c’est une quasi-certitude. Du web tout entier ? Hors de question. Après 20 ans à anticiper l’avenir, cela serait cocasse de se faire éliminer de la partie à cause d’un défaut d’anticipation.*
Ce matin du 22 juillet 2026, le web que nous connaissons n’est plus tout à fait le même : comme sur la quasi-totalité de la planète, Françaises et Français ont accès aux AI Overviews et AI Mode. Le déploiement n’est peut-être pas terminé et Google aura probablement des concessions à faire aux industries qu’il chamboule avec ces fonctions (toutes celles qui dépendent du web ouvert pour exister, médias inclus).

Mais il est impossible de nier cette nouvelle réalité, car l’usage de l’IA est déjà trop fort et trop diffusé : dans quelques mois, ou quelques années, une requête Google amènera une réponse dont la source vient des sites web, mais n’amène pas vers les sites web. Vous taperez des mots clefs ou une question, Google produira l’article de référence pour vous répondre avec Gemini et vous n’irez pas lire le ou les sites qui ont créé ce contenu.

C’est déjà ce que font, par millions, les utilisateurs de ChatGPT. La différence avec Google, c’est que le moteur de recherche est au cœur de la révolution du web et soutient, depuis plusieurs décennies, une économie complète basée sur l’indexation — et donc le renvoi de Google vers des sites normalement compétents sur les sujets qu’ils traitent, du blog personnel au média en passant par les fiches pratiques d’une banque ou les tuto d’un assureur.

Plusieurs études ont montré à quel point le web était sinistré après l’ouverture d’AIO dans un pays : des pans entiers d’une industrie qui s’effondrent (comme le tourisme, particulièrement touché), incapables d’encaisser une chute de trafic de 60 à 40 %. Car ces visites, ce sont des revenus publicitaires, des achats, des abonnements, des inscriptions à une newsletter, des revenus d’affiliation… bref, une véritable économie, qui emploie des centaines de millions de personnes dans le monde et fait vivre de très nombreux acteurs du web.

Il est donc tout à fait probable que Numerama, comme la plupart des sites web que vous lisez, disparaisse de Google. Le mieux que l’on puisse espérer, d’ici à quelques mois, sera une citation en source d’une AI Overview, sur laquelle vous ne cliquerez pas, vu que votre réponse générée par IA sera déjà présente sur Google. Google affirme que les AIO ont rapporté des milliards de clics aux éditeurs, mais n’affiche pas la donnée dans la Search Console, l’outil dont nous disposons pour mesurer le trafic — pratique pour communiquer comme ils l’entendent.

*Anticiper l’avenir, ça vaut aussi pour nous*
Difficile pourtant, pour un média comme Numerama, de jouer la surprise. Nous faisons l’analyse de la mort de ce cercle vertueux qui nourrit le web depuis bien longtemps — même avant que Google ne lance les AIO. Et comme nous allons être directement touchés par une baisse drastique de nos revenus liés au web ouvert et à son indexation, il faut regarder la réalité en face et se préparer.

Cela tombe bien, c’est précisément ce que nous avons commencé à faire et que nous allons accélérer.❞

suit un rappel de ce qu'est Numerama
et le dernier paragraphe

❝*Bref, Numerama ne va pas disparaître*
Même si Google fait disparaître Numerama de ses résultats de recherche, Numerama ne va pas disparaître. Parce que vous nous suivez, vous nous regardez, vous interagissez avec nous sur les réseaux sociaux et sous nos vidéos, vous lisez nos newsletters, vous vous abonnez à notre formule premium, vous valorisez la recommandation humaine et experte de nos guides : bref, vous reconnaissez la valeur de notre travail et vous la faites vivre.

Notre devoir, envers vous, est d’être toujours à la hauteur de vos exigences et de notre mission d’information. En 20 ans, le web il a changé, et nous avons changé avec lui. Et 20 ans après, vous êtes toujours des millions à lire, regarder et écouter Numerama : c’est à nous de vous donner les bonnes raisons pour que cela ne change pas pour les 20 prochaines années. Et ce, quel que soit l’avenir du web ouvert.❞]]></summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="fr" dir="ltr"><p>Numerama va disparaître - Numerama<br>… Mais pas tout de suite …<br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008314750'>▻</a></span><a href="https://www.numerama.com/tech/2299303-numerama-va-disparaitre.html" class='spip_out' title="Numerama va disparaître - Numerama" hreflang="fr"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'><span class='lien_www'>www.</span>numerama.com</span>/</span><span class='lien_off'>tech/</span><span class='lien_fin'><span class='lien_fin_coupee'>2299303-numerama-va-disparait</span><span class='lien_fin_cachee'>re.html</span></span></span></a></span><br><div class='seenthis_pics seenthis_pics_1'><a onclick='return false;' href='https://c0.lestechnophiles.com/www.numerama.com/wp-content/uploads/2026/07/design-sans-titre-2026-07-22t111459530.jpg?resize=1600,900&key=5eb10048' class='display_box'><span class='image' style='padding-bottom:56.25%'><img src='https://seenthis.net/local/cache-vignettes/L600xH338/design-sans-titr-3c624c73-1e319.jpg' alt='' data-photo='https://c0.lestechnophiles.com/www.numerama.com/wp-content/uploads/2026/07/design-sans-titre-2026-07-22t111459530.jpg?resize=1600,900&#38;key=5eb10048' data-photo-h='900' data-photo-w='1600' /></span><span class="lien_court"><span class="lien_off"> https://c0.lestechnophiles.com/www.numerama.com/wp-content/uploads/2026/07/design-sans-titre-2026-07-22t111459530.jpg?resize=1600,900&key=5eb10048 </span></span></a></div></p><blockquote lang="fr" dir="ltr"><p> <strong>Des résultats de Google, c’est une quasi-certitude. Du web tout entier&nbsp;? Hors de question. Après 20 ans à anticiper l’avenir, cela serait cocasse de se faire éliminer de la partie à cause d’un défaut d’anticipation.</strong><br>Ce matin du 22 juillet 2026, le web que nous connaissons n’est plus tout à fait le même&nbsp;: comme sur la quasi-totalité de la planète, Françaises et Français ont accès aux AI Overviews et AI Mode. Le déploiement n’est peut-être pas terminé et Google aura probablement des concessions à faire aux industries qu’il chamboule avec ces fonctions (toutes celles qui dépendent du web ouvert pour exister, médias inclus).</p><p>Mais il est impossible de nier cette nouvelle réalité, car l’usage de l’IA est déjà trop fort et trop diffusé&nbsp;: dans quelques mois, ou quelques années, une requête Google amènera une réponse dont la source vient des sites web, mais n’amène pas vers les sites web. Vous taperez des mots clefs ou une question, Google produira l’article de référence pour vous répondre avec Gemini et vous n’irez pas lire le ou les sites qui ont créé ce contenu.</p><p>C’est déjà ce que font, par millions, les utilisateurs de ChatGPT. La différence avec Google, c’est que le moteur de recherche est au cœur de la révolution du web et soutient, depuis plusieurs décennies, une économie complète basée sur l’indexation &mdash; et donc le renvoi de Google vers des sites normalement compétents sur les sujets qu’ils traitent, du blog personnel au média en passant par les fiches pratiques d’une banque ou les tuto d’un assureur.</p><p>Plusieurs études ont montré à quel point le web était sinistré après l’ouverture d’AIO dans un pays&nbsp;: des pans entiers d’une industrie qui s’effondrent (comme le tourisme, particulièrement touché), incapables d’encaisser une chute de trafic de 60 à 40&nbsp;%. Car ces visites, ce sont des revenus publicitaires, des achats, des abonnements, des inscriptions à une newsletter, des revenus d’affiliation… bref, une véritable économie, qui emploie des centaines de millions de personnes dans le monde et fait vivre de très nombreux acteurs du web.</p><p>Il est donc tout à fait probable que Numerama, comme la plupart des sites web que vous lisez, disparaisse de Google. Le mieux que l’on puisse espérer, d’ici à quelques mois, sera une citation en source d’une AI Overview, sur laquelle vous ne cliquerez pas, vu que votre réponse générée par IA sera déjà présente sur Google. Google affirme que les AIO ont rapporté des milliards de clics aux éditeurs, mais n’affiche pas la donnée dans la Search Console, l’outil dont nous disposons pour mesurer le trafic &mdash; pratique pour communiquer comme ils l’entendent.</p><p><strong>Anticiper l’avenir, ça vaut aussi pour nous</strong><br>Difficile pourtant, pour un média comme Numerama, de jouer la surprise. Nous faisons l’analyse de la mort de ce cercle vertueux qui nourrit le web depuis bien longtemps &mdash; même avant que Google ne lance les AIO. Et comme nous allons être directement touchés par une baisse drastique de nos revenus liés au web ouvert et à son indexation, il faut regarder la réalité en face et se préparer.</p><p>Cela tombe bien, c’est précisément ce que nous avons commencé à faire et que nous allons accélérer. </p></blockquote><p>suit un rappel de ce qu’est Numerama<br>et le dernier paragraphe</p><blockquote lang="fr" dir="ltr"><p> <strong>Bref, Numerama ne va pas disparaître</strong><br>Même si Google fait disparaître Numerama de ses résultats de recherche, Numerama ne va pas disparaître. Parce que vous nous suivez, vous nous regardez, vous interagissez avec nous sur les réseaux sociaux et sous nos vidéos, vous lisez nos newsletters, vous vous abonnez à notre formule premium, vous valorisez la recommandation humaine et experte de nos guides&nbsp;: bref, vous reconnaissez la valeur de notre travail et vous la faites vivre.</p><p>Notre devoir, envers vous, est d’être toujours à la hauteur de vos exigences et de notre mission d’information. En 20 ans, le web il a changé, et nous avons changé avec lui. Et 20 ans après, vous êtes toujours des millions à lire, regarder et écouter Numerama&nbsp;: c’est à nous de vous donner les bonnes raisons pour que cela ne change pas pour les 20 prochaines années. Et ce, quel que soit l’avenir du web ouvert. </p></blockquote></div>]]></content>
	
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	<title>*L'IA rend l'&#233;dition_scientifique &#171; plus lente, de moins bonne qualit&#233; et plus ch&#232;re &#187;* &#10077;Alors que&#8230;</title>
	<author>
		<name>CDB_77  (@cdb_77)</name>
		<uri>https://seenthis.net/people/cdb_77</uri>
		<email>cdb_77@seenthis.net</email>
		
	</author>
	<published>2026-07-18T05:54:24Z</published>
	<updated>2026-07-18T05:54:24Z</updated>
	
	 <link href="https://seenthis.net/messages/1182506" />
	
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	<summary>*L’IA rend l’#édition_scientifique « plus lente, de moins bonne qualité et plus chère »* 


❝Alors que de plus en plus d’#articles_scientifiques sont créés en utilisant l’IA générative, le rédacteur en chef de Science, Holden Thorp, considère qu’elle fait plus de mal que de bien à l’édition scientifique.

Pour Holden Thorp, le responsable éditorial de toutes les revues de l’éditeur scientifique Science, l’arrivée de l’IA générative pousse l’édition scientifique dans une forme de « #taylorisme ». « Ce défi exige encore plus d’efforts humains, ce qui rend l’ensemble du processus plus lent et plus coûteux », explique-t-il dans un édito de la revue phare (https://www.science.org/doi/10.1126/science.aek5570).

L’année dernière, des chercheurs prévenaient que l’IA pourrait faire, au final, « plus de mal que de bien » à la recherche sans pour autant nier certaines avancées qu’elle pouvait amener. Fin 2025, submergée par les propositions d’articles générées par IA, la plateforme de prépublications #arXiv décidait de modérer plus strictement. Elle a ensuite mis en place une mesure de suspension d’un an des chercheurs qui soumettent des articles erronés générés par IA.

#Hallucinations, #cherry_picking et #manipulation_de_données

Mais les revues et les conférences scientifiques sont aussi touchées par le phénomène. Holden Thorp ne nie pas la capacité des grands modèles de langage (LLM) à permettre des avancées scientifiques comme la prédiction des structures protéiques ou l’accélération de la découverte de nouveaux matériaux. 

Mais il s’appuie sur un article scientifique récent (https://www.science.org/doi/10.1126/science.adz4351) qui explique que les LLM « éprouvent encore des difficultés dans les domaines qui exigent un jugement clinique nuancé, un raisonnement expérimental ou une réflexion et une synthèse approfondies en biologie » et sur l’existence des hallucinations (dont même les chercheurs d’OpenAI avouent avoir du mal à se débarrasser) pour expliquer que leur utilisation dans la rédaction d’articles scientifiques peut être problématique.

« De plus, certains de ces agents sont plus enclins que les humains à se livrer à ce qui s’apparente à des #fautes_professionnelles en matière de recherche, telles que la #sélection_arbitraire_de_données [cherry picking] et la manipulation des analyses statistiques jusqu’à l’obtention du résultat souhaité », ajoute-t-il, citant un autre article mis en ligne sur arXiv (https://arxiv.org/pdf/2509.08713).

Et, alors que l’ajout d’erreurs par l’IA générative dans les articles demande une attention accrue, elle accélère aussi le rythme de soumission d’articles aux revues scientifiques et crée des #goulots_d’étranglement. Certains éditeurs, comme Elsevier, laissent facilement passer des #erreurs parfois impardonnables. « La prolifération d’#AI_slop [informations erronées liées à l’IA] dans la littérature scientifique et, plus généralement, sur Internet, nuit à la #crédibilité de la #science », déplore le responsable éditorial de Science.

Le taylorisme arrive dans l’édition scientifique

Holden Thorp compare ce moment de l’arrivée de l’IA générative dans l’édition scientifique à l’arrivée du taylorisme dans l’économie américaine. Frederick Winslow Taylor « a encouragé les entreprises à recourir à la surveillance pour pousser les salariés à travailler plus dur et plus longtemps, une approche qui a épuisé et découragé les travailleurs et a conduit au transfert des connaissances et de tout pouvoir décisionnel des travailleurs vers la direction », explique-t-il.

Remarquons quand même que, si Holden Thorp déplore l’utilisation massive de l’IA générative dans les articles scientifiques, son article est lui-même parsemé de liens accompagnés de paramètres UTM laissant la trace de l’utilisation de ChatGPT (par exemple : https://arxiv.org/abs/2605.07723.❞


https://next.ink/247785/lia-rend-ledition-scientifique-plus-lente-de-moins-bonne-qualite-et-plus-chere/
#AI #intelligence_artificielle #vitesse #qualité #ESR #recherche #revues_scientifiques</summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="fr" dir="ltr"><p><strong>L’IA rend l’<span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/%C3%A9dition_scientifique'>édition_scientifique</a></span> &#171;&nbsp;plus lente, de moins bonne qualité et plus chère&nbsp;&#187;</strong></p><blockquote lang="fr" dir="ltr"><p> Alors que de plus en plus d’<span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/articles_scientifiques'>articles_scientifiques</a></span> sont créés en utilisant l’IA générative, le rédacteur en chef de Science, Holden Thorp, considère qu’elle fait plus de mal que de bien à l’édition scientifique.</p><p>Pour Holden Thorp, le responsable éditorial de toutes les revues de l’éditeur scientifique Science, l’arrivée de l’IA générative pousse l’édition scientifique dans une forme de &#171;&nbsp;<span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/taylorisme'>taylorisme</a></span>&nbsp;&#187;. &#171;&nbsp;Ce défi exige encore plus d’efforts humains, ce qui rend l’ensemble du processus plus lent et plus coûteux&nbsp;&#187;, explique-t-il dans un édito de la revue phare (<span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008313339'>▻</a></span><a href="https://www.science.org/doi/10.1126/science.aek5570" class='spip_out'><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'><span class='lien_www'>www.</span>science.org</span>/</span>doi/10.1126/<span class='lien_fin'>science.aek5570</span></span></a></span>).</p><p>L’année dernière, des chercheurs prévenaient que l’IA pourrait faire, au final, &#171;&nbsp;plus de mal que de bien&nbsp;&#187; à la recherche sans pour autant nier certaines avancées qu’elle pouvait amener. Fin 2025, submergée par les propositions d’articles générées par IA, la plateforme de prépublications <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/arxiv'>arXiv</a></span> décidait de modérer plus strictement. Elle a ensuite mis en place une mesure de suspension d’un an des chercheurs qui soumettent des articles erronés générés par IA.</p><p><span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/hallucinations'>Hallucinations</a></span>, <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/cherry_picking'>cherry_picking</a></span> et <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/manipulation_de_donn%C3%A9es'>manipulation_de_données</a></span></p><p>Mais les revues et les conférences scientifiques sont aussi touchées par le phénomène. Holden Thorp ne nie pas la capacité des grands modèles de langage (LLM) à permettre des avancées scientifiques comme la prédiction des structures protéiques ou l’accélération de la découverte de nouveaux matériaux.</p><p>Mais il s’appuie sur un article scientifique récent (<span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008313340'>▻</a></span><a href="https://www.science.org/doi/10.1126/science.adz4351" class='spip_out'><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'><span class='lien_www'>www.</span>science.org</span>/</span>doi/10.1126/<span class='lien_fin'>science.adz4351</span></span></a></span>) qui explique que les LLM &#171;&nbsp;éprouvent encore des difficultés dans les domaines qui exigent un jugement clinique nuancé, un raisonnement expérimental ou une réflexion et une synthèse approfondies en biologie&nbsp;&#187; et sur l’existence des hallucinations (dont même les chercheurs d’OpenAI avouent avoir du mal à se débarrasser) pour expliquer que leur utilisation dans la rédaction d’articles scientifiques peut être problématique.</p><p>&#171;&nbsp;De plus, certains de ces agents sont plus enclins que les humains à se livrer à ce qui s’apparente à des <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/fautes_professionnelles'>fautes_professionnelles</a></span> en matière de recherche, telles que la <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/s%C3%A9lection_arbitraire_de_donn%C3%A9es'>sélection_arbitraire_de_données</a></span> [cherry picking] et la manipulation des analyses statistiques jusqu’à l’obtention du résultat souhaité&nbsp;&#187;, ajoute-t-il, citant un autre article mis en ligne sur arXiv (<span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008313341'>▻</a></span><a href="https://arxiv.org/pdf/2509.08713" class='spip_out'><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>arxiv.org</span>/</span>pdf/<span class='lien_fin'>2509.08713</span></span></a></span>).</p><p>Et, alors que l’ajout d’erreurs par l’IA générative dans les articles demande une attention accrue, elle accélère aussi le rythme de soumission d’articles aux revues scientifiques et crée des <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/goulots_d%E2%80%99%C3%A9tranglement'>goulots_d’étranglement</a></span>. Certains éditeurs, comme Elsevier, laissent facilement passer des <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/erreurs'>erreurs</a></span> parfois impardonnables. &#171;&nbsp;La prolifération d’<span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/ai_slop'>AI_slop</a></span> [informations erronées liées à l’IA] dans la littérature scientifique et, plus généralement, sur Internet, nuit à la <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/cr%C3%A9dibilit%C3%A9'>crédibilité</a></span> de la <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/science'>science</a></span>&nbsp;&#187;, déplore le responsable éditorial de Science.</p><p>Le taylorisme arrive dans l’édition scientifique</p><p>Holden Thorp compare ce moment de l’arrivée de l’IA générative dans l’édition scientifique à l’arrivée du taylorisme dans l’économie américaine. Frederick Winslow Taylor &#171;&nbsp;a encouragé les entreprises à recourir à la surveillance pour pousser les salariés à travailler plus dur et plus longtemps, une approche qui a épuisé et découragé les travailleurs et a conduit au transfert des connaissances et de tout pouvoir décisionnel des travailleurs vers la direction&nbsp;&#187;, explique-t-il.</p><p>Remarquons quand même que, si Holden Thorp déplore l’utilisation massive de l’IA générative dans les articles scientifiques, son article est lui-même parsemé de liens accompagnés de paramètres UTM laissant la trace de l’utilisation de ChatGPT (par exemple&nbsp;: <span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008313342'>▻</a></span><a href="https://arxiv.org/abs/2605.07723" class='spip_out' title="Large-scale evidence from non-existent citations" hreflang="en"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>arxiv.org</span>/</span>abs/<span class='lien_fin'>2605.07723</span></span></a></span>. </p></blockquote><p><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008313343'>▻</a></span><a href="https://next.ink/247785/lia-rend-ledition-scientifique-plus-lente-de-moins-bonne-qualite-et-plus-chere" class='spip_out' title="L’IA rend l’édition scientifique « plus lente, de moins bonne qualité et plus chère »" hreflang="fr"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>next.ink</span>/</span><span class='lien_off'>247785/</span><span class='lien_fin'><span class='lien_fin_coupee'>lia-rend-ledition-scientifique-pl</span><span class='lien_fin_cachee'>us-lente-de-moins-bonne-qualite-et-plus-chere</span></span></span></a></span><br><span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/ai'>AI</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/intelligence_artificielle'>intelligence_artificielle</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/vitesse'>vitesse</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/qualit%C3%A9'>qualité</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/esr'>ESR</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/recherche'>recherche</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/revues_scientifiques'>revues_scientifiques</a></span></p></div>]]></content>
	
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	<title>Schweiz gibt Premiere auf der Beijing International Book Fair (BIBF) : Lesen, Design, Illustration,&#8230;</title>
	<author>
		<name>klaus++  (@klaus)</name>
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		<email>klaus@seenthis.net</email>
		
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	<published>2026-07-12T22:32:28Z</published>
	<updated>2026-07-12T23:06:38Z</updated>
	
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	<summary>Schweiz gibt Premiere auf der Beijing International Book Fair (BIBF): Lesen, Design, Illustration, Fantasie
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❝Die Schweiz ist in diesem Jahr erstmals auf der Beijing International Book Fair vertrete6.16-6.20, 2027
CNCC, Beijingn. Unter dem Leitgedanken „Bücher verbinden nicht nur das Lesen, sondern auch Design, Illustration und Fantasie" präsentiert die sie ihre vielfältige und innovative zeitgenössische Buchkultur durch Ausstellungen, Vorträge, Workshops und interaktive Veranstaltungen.❞

Présentation vidéo de la vingt septième foire aux livres de Beijing, 6.16-6.20, 2027, CNCC, Beijing

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#Chine #Beijing #Suisse #édition #livres #art #foire</summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="fr" dir="ltr"><p>Schweiz gibt Premiere auf der Beijing International Book Fair (BIBF)&nbsp;: Lesen, Design, Illustration, Fantasie<br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008311545'>▻</a></span><a href="https://german.cri.cn/2026/07/10/ARTI1783587427251587" class='spip_out'><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine lien_raccourci'><span class='lien_host'>german.cri.cn</span>/</span><span class='lien_off'>2026/</span>07/10/<span class='lien_fin'>ARTI1783587427251587</span></span></a></span><br><div class='seenthis_pics seenthis_pics_1'><a onclick='return false;' href='https://38picres.cgtn.com/photoAlbum/page/performance/img/2026/7/9/1783586524579_528.png' class='display_box'><span class='image' style='padding-bottom:58.371385083714%'><img src='https://seenthis.net/local/cache-vignettes/L600xH350/1783586524579_52-4ca88150-b1b4e.png' alt='' data-photo='https://38picres.cgtn.com/photoAlbum/page/performance/img/2026/7/9/1783586524579_528.png' data-photo-h='1534' data-photo-w='2628' /></span><span class="lien_court"><span class="lien_off"> https://38picres.cgtn.com/photoAlbum/page/performance/img/2026/7/9/1783586524579_528.png </span></span></a></div></p><blockquote lang="de" dir="ltr"><p> Die Schweiz ist in diesem Jahr erstmals auf der Beijing International Book Fair vertrete6.16-6.20, 2027<br>CNCC, Beijingn. Unter dem Leitgedanken „Bücher verbinden nicht nur das Lesen, sondern auch Design, Illustration und Fantasie" präsentiert die sie ihre vielfältige und innovative zeitgenössische Buchkultur durch Ausstellungen, Vorträge, Workshops und interaktive Veranstaltungen. </p></blockquote><p>Présentation vidéo de la vingt septième foire aux livres de Beijing, 6.16-6.20, 2027, CNCC, Beijing</p><p><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008311572'>▻</a></span><a href="https://www.bibf.net/en/communication/detail?eventId=20201001" class='spip_out'><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'><span class='lien_www'>www.</span>bibf.net</span>/</span><span class='lien_off'>en/</span><span class='lien_off'>communication/</span><span class='lien_fin'>detail?eventId=20201001</span></span></a></span><br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008311568'>▻</a></span><a href="https://file-china.bibf.net/event/video/5f6ee3de09425063521d120b.mp4" class='spip_out'><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>file-china.bibf.net</span>/</span><span class='lien_off'>event/</span><span class='lien_off'>video/</span><span class='lien_fin'><span class='lien_fin_coupee'>5f6ee3de09425063521d12</span><span class='lien_fin_cachee'>0b.mp4</span></span></span></a></span></p><p><span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/chine'>Chine</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/beijing'>Beijing</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/suisse'>Suisse</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/%C3%A9dition'>édition</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/livres'>livres</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/art'>art</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/foire'>foire</a></span></p></div>]]></content>
	
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	<title>Crise dans l'&#233;dition ind&#233;pendante : menace sur la diffusion de la pens&#233;e marxiste</title>
	<author>
		<name>alimielle  (@alimielle)</name>
		<uri>https://seenthis.net/people/alimielle</uri>
		<email>alimielle@seenthis.net</email>
		
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	<published>2026-07-12T14:39:06Z</published>
	<updated>2026-07-12T14:39:06Z</updated>
	
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	<summary>Crise dans l'édition indépendante : menace sur la diffusion de la pensée marxiste
https://www.revolutionpermanente.fr/Crise-dans-l-edition-independante-menace-sur-la-diffusion-de-la-pensee-marxiste

❝« Nous appelons à un soutien massif, sans lequel beaucoup de maisons d’éditions indépendantes risquent de mourir d’ici à la fin de l’été ». Depuis début juillet, les communiqués de maisons d’éditions indépendantes qui alertent sur un risque de faillite se multiplient. En cause, la situation financière du distributeur Makassar. Fondé en 1995, ce distributeur indépendant, d’abord spécialisé dans la bande dessinée, est devenu, grâce à son partenariat de diffusion avec Hobo, un acteur important pour l’édition critique et radicale. Il gérait jusqu’à aujourd’hui près de 400 maisons d’édition, de taille et de poids divers. Dans un communiqué commun, les éditeurs alertent : « à l’heure où nous écrivons ces mots, nous n’avons pas touché les recettes des ventes de nos livres en librairies depuis six mois, voire davantage, à cause des retards de paiement de factures qui risque de n’être jamais honorées. Pour les petites structures indépendantes à la trésorerie fragile que nous sommes, ce serait un coup de grâce. »

Lectrices et lecteurs l’ignorent souvent, mais, comme le rappelle Frantz Olivié, éditeur d’Anacharsis et auteur d’un récent ouvrage chez Anamosa, Édition, la distribution est « au centre du paysage éditorial ». « Elle est le point de convergence non seulement de la circulation des flux physiques des ouvrages, mais aussi des flux financiers qui accompagnent ces mouvements, poursuit-t-il, autrement dit, elle maîtrise une part massive, décisive, du système de facturation de l’édition ». L’effondrement d’un distributeur est donc une catastrophe pour les petits éditeurs indépendants, dont les modèles sont souvent fragiles face aux grands groupes du secteur.❞

https://www.revolutionpermanente.fr/local/cache-vignettes/L880xH495/a752a0b9b59f0c4c6b2b417dd79e25-6f521.jpg?1783765315

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	<content type="html"><![CDATA[<div lang="fr" dir="ltr"><p>Crise dans l’édition indépendante&nbsp;: menace sur la diffusion de la pensée marxiste<br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008311467'>▻</a></span><a href="https://www.revolutionpermanente.fr/Crise-dans-l-edition-independante-menace-sur-la-diffusion-de-la-pensee-marxiste" class='spip_out' title="Attention Required! | Cloudflare" hreflang="en"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'><span class='lien_www'>www.</span>revolutionpermanente.fr</span>/</span><span class='lien_fin'><span class='lien_fin_coupee'>Crise-dans-l-editi</span><span class='lien_fin_cachee'>on-independante-menace-sur-la-diffusion-de-la</span></span></span></a></span></p><blockquote lang="fr" dir="ltr"><p> &#171;&nbsp;Nous appelons à un soutien massif, sans lequel beaucoup de maisons d’éditions indépendantes risquent de mourir d’ici à la fin de l’été&nbsp;&#187;. Depuis début juillet, les communiqués de maisons d’éditions indépendantes qui alertent sur un risque de faillite se multiplient. En cause, la situation financière du distributeur Makassar. Fondé en 1995, ce distributeur indépendant, d’abord spécialisé dans la bande dessinée, est devenu, grâce à son partenariat de diffusion avec Hobo, un acteur important pour l’édition critique et radicale. Il gérait jusqu’à aujourd’hui près de 400 maisons d’édition, de taille et de poids divers. Dans un communiqué commun, les éditeurs alertent&nbsp;: &#171;&nbsp;à l’heure où nous écrivons ces mots, nous n’avons pas touché les recettes des ventes de nos livres en librairies depuis six mois, voire davantage, à cause des retards de paiement de factures qui risque de n’être jamais honorées. Pour les petites structures indépendantes à la trésorerie fragile que nous sommes, ce serait un coup de grâce.&nbsp;&#187;</p><p>Lectrices et lecteurs l’ignorent souvent, mais, comme le rappelle Frantz Olivié, éditeur d’Anacharsis et auteur d’un récent ouvrage chez Anamosa, Édition, la distribution est &#171;&nbsp;au centre du paysage éditorial&nbsp;&#187;. &#171;&nbsp;Elle est le point de convergence non seulement de la circulation des flux physiques des ouvrages, mais aussi des flux financiers qui accompagnent ces mouvements, poursuit-t-il, autrement dit, elle maîtrise une part massive, décisive, du système de facturation de l’édition&nbsp;&#187;. L’effondrement d’un distributeur est donc une catastrophe pour les petits éditeurs indépendants, dont les modèles sont souvent fragiles face aux grands groupes du secteur. </p></blockquote><p><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008311468'>▻</a></span><a href="https://www.revolutionpermanente.fr/local/cache-vignettes/L880xH495/a752a0b9b59f0c4c6b2b417dd79e25-6f521.jpg?1783765315" class='spip_out' title="Attention Required! | Cloudflare" hreflang="en"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'><span class='lien_www'>www.</span>revolutionpermanente.fr</span>/</span><span class='lien_off'>local/</span><span class='lien_off'>cache-vignettes/</span><span class='lien_off'>L880xH495/</span><span class='lien_fin'><span class='lien_fin_coupee'>a752a0b9b59f0c4c6b</span><span class='lien_fin_cachee'>2b417dd79e25-6f521.jpg?1783765315</span></span></span></a></span></p><p><span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/livres'>livres</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/%C3%A9dition'>édition</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/librairies'>librairies</a></span></p></div>]]></content>
	
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	<title>Sauvons l'&#233;dition ind&#233;pendante !</title>
	<author>
		<name>Entremonde  (@entremonde)</name>
		<uri>https://seenthis.net/people/entremonde</uri>
		<email>entremonde@seenthis.net</email>
		
	</author>
	<published>2026-07-10T08:50:54Z</published>
	<updated>2026-07-10T08:50:54Z</updated>
	
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	<summary>Sauvons l'édition indépendante !
https://www.sauvonslesindes.fr/

❝Nous sommes des dizaines de maisons d’édition à mener chaque jour la bataille culturelle et sociale sur le front éditorial. Par nos essais, nos romans, nos BD, nos revues, nos albums jeunesse, nous cherchons à bousculer les réflexes de pensée dominants et à maintenir ouverts des horizons libérés de l'emprise des forces réactionnaires. Aujourd'hui, nous faisons face au risque de faillite de notre distributeur, Makassar.

​Au-delà de notre survie, c'est toute la chaîne du livre indépendant qui est en jeu et les milliers de personnes qu'elle fait vivre : éditeurs et éditrices, auteurs et autrices, traducteurs et traductrices, graphistes, correcteurs et correctrices, libraires, imprimeurs et imprimeuses, diffuseurs et diffuseuses et travailleurs et travailleuses de la distribution, dont le travail ne pourra pas être rémunéré. À l'heure où nous écrivons ces mots, nous n'avons pas touché les recettes des ventes de nos livres en librairies depuis six mois, voire davantage, à cause des retards de paiement de factures qui risquent de n’être jamais honorées. Pour les petites structures indépendantes à la trésorerie fragile que nous sommes, ce serait un coup de grâce.❞

#édition #livres</summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="fr" dir="ltr"><p>Sauvons l’édition indépendante&nbsp;!<br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008310927'>►</a></span><a href="https://www.sauvonslesindes.fr" class='spip_out' title="Sauvons l'édition indépendante" hreflang="fr"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'><span class='lien_www'>www.</span>sauvonslesindes.fr</span></span></span></a></span></p><blockquote lang="fr" dir="ltr"><p> Nous sommes des dizaines de maisons d’édition à mener chaque jour la bataille culturelle et sociale sur le front éditorial. Par nos essais, nos romans, nos BD, nos revues, nos albums jeunesse, nous cherchons à bousculer les réflexes de pensée dominants et à maintenir ouverts des horizons libérés de l’emprise des forces réactionnaires. Aujourd’hui, nous faisons face au risque de faillite de notre distributeur, Makassar.</p><p>​Au-delà de notre survie, c’est toute la chaîne du livre indépendant qui est en jeu et les milliers de personnes qu’elle fait vivre&nbsp;: éditeurs et éditrices, auteurs et autrices, traducteurs et traductrices, graphistes, correcteurs et correctrices, libraires, imprimeurs et imprimeuses, diffuseurs et diffuseuses et travailleurs et travailleuses de la distribution, dont le travail ne pourra pas être rémunéré. À l’heure où nous écrivons ces mots, nous n’avons pas touché les recettes des ventes de nos livres en librairies depuis six mois, voire davantage, à cause des retards de paiement de factures qui risquent de n’être jamais honorées. Pour les petites structures indépendantes à la trésorerie fragile que nous sommes, ce serait un coup de grâce. </p></blockquote><p><span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/%C3%A9dition'>édition</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/livres'>livres</a></span></p></div>]]></content>
	
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	<title>Recension : Passages n&#176;0 &#8212; La Civilisation</title>
	<author>
		<name>Atelier E.S.C.  (@atelier_d_ecologie_sociale_et_communalisme)</name>
		<uri>https://seenthis.net/people/atelier_d_ecologie_sociale_et_communalisme</uri>
		<email>atelier_d_ecologie_sociale_et_communalisme@seenthis.net</email>
		
	</author>
	<published>2026-06-25T13:33:00Z</published>
	<updated>2026-06-25T13:33:00Z</updated>
	
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	<summary>Recension : Passages n°0 — La #Civilisation
https://ecologiesocialeetcommunalisme.org/2026/06/25/recension-passages-n0-la-civilisation

❝Pour une écologie radicale et féministe — analyse communaliste Passages se présente comme une revue « pour une écologie radicale et féministe ». Son numéro inaugural, consacré à la question de la civilisation, mobilise une palette impressionnante d’outils théoriques et de récits militants : Lewis Mumford et sa #Mégamachine, James C. Scott et les premiers […] L’article Recension : Passages n°0 — La civilisation est apparu en premier sur Atelier d'Écologie Sociale et #Communalisme.❞
#Recensions_d’ouvrages_divers #Agriculture #Écologie_radicale #Écologie_Sociale #Éditions_libre #Féminisme #Patriarcat #Résistance #Revue_passages #Stratégie #Villes</summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div><p>Recension&nbsp;: Passages n&#176;0 &mdash; La <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/civilisation'>Civilisation</a></span><br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/sites/7282461336008305924'>▻</a></span><a rel='nofollow' href="https://ecologiesocialeetcommunalisme.org/2026/06/25/recension-passages-n0-la-civilisation" class='spip_out' title="Passages n°0 — La civilisation — Atelier d'Écologie Sociale et Communalisme" hreflang="fr"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>ecologiesocialeetcommunalisme.org</span>/</span><span class='lien_off'>2026/</span><span class='lien_off'>06/</span><span class='lien_off'>25/</span><span class='lien_fin'><span class='lien_fin_coupee'>recensio</span><span class='lien_fin_cachee'>n-passages-n0-la-civilisation</span></span></span></a></span></p><blockquote lang="fr" dir="ltr"><p> Pour une écologie radicale et féministe &mdash; analyse communaliste Passages se présente comme une revue &#171;&nbsp;pour une écologie radicale et féministe&nbsp;&#187;. Son numéro inaugural, consacré à la question de la civilisation, mobilise une palette impressionnante d’outils théoriques et de récits militants&nbsp;: Lewis Mumford et sa <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/m%C3%A9gamachine'>Mégamachine</a></span>, James C. Scott et les premiers […] L’article Recension&nbsp;: Passages n&#176;0 &mdash; La civilisation est apparu en premier sur Atelier d’Écologie Sociale et <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/communalisme'>Communalisme</a></span>. </p></blockquote><p><span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/recensions_d%E2%80%99ouvrages_divers'>Recensions_d’ouvrages_divers</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/agriculture'>Agriculture</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/%C3%A9cologie_radicale'>Écologie_radicale</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/%C3%A9cologie_sociale'>Écologie_Sociale</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/%C3%A9ditions_libre'>Éditions_libre</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/f%C3%A9minisme'>Féminisme</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/patriarcat'>Patriarcat</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/r%C3%A9sistance'>Résistance</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/revue_passages'>Revue_passages</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/strat%C3%A9gie'>Stratégie</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/villes'>Villes</a></span></p></div>]]></content>
	
	<link rel="related" href="https://ecologiesocialeetcommunalisme.org/2026/06/25/recension-passages-n0-la-civilisation" title="Passages n&#176;0 &#8212; La civilisation &#8212; Atelier d'&#201;cologie Sociale et Communalisme" hreflang="fr"/>
	
	
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	<title>Le webtoon fran&#231;ais : une fili&#232;re en qu&#234;te de reconnaissance</title>
	<author>
		<name>Articles repérés par Hervé Le Crosnier  (@hlc)</name>
		<uri>https://seenthis.net/people/hlc</uri>
		<email>hlc@seenthis.net</email>
		
	</author>
	<published>2026-06-25T09:08:49Z</published>
	<updated>2026-06-25T09:08:49Z</updated>
	
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	<summary>Le webtoon français : une filière en quête de reconnaissance
https://actualitte.com/article/132060/enquetes/le-webtoon-francais-une-filiere-en-quete-de-reconnaissance
https://actualitte.com/uploads/images/le-webtoon-francais-une-filiere-en-quete-de-reconnaissance-6a3c17aaa2d6e851757750.jpg

❝Protoon, première association professionnelle dédiée au webtoon en France, veut donner une voix collective à une filière encore fragile, mais déjà riche de créateurs, de studios, de plateformes et de lecteurs. Entre succès d’audience, dépendance aux plateformes, précarité des auteurs, manque de données et de reconnaissance institutionnelle, et besoin de formation, récit d'un secteur qui cherche à sortir de l’angle mort pour devenir une véritable industrie culturelle.❞

#Edition #Webtoon</summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="fr" dir="ltr"><p>Le webtoon français&nbsp;: une filière en quête de reconnaissance<br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008305819'>▻</a></span><a href="https://actualitte.com/article/132060/enquetes/le-webtoon-francais-une-filiere-en-quete-de-reconnaissance" class='spip_out' title="une filière en quête de reconnaissance" hreflang="fr"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>actualitte.com</span>/</span><span class='lien_off'>article/</span><span class='lien_off'>132060/</span><span class='lien_off'>enquetes/</span><span class='lien_fin'><span class='lien_fin_coupee'>le-webtoon-francais-une-fil</span><span class='lien_fin_cachee'>iere-en-quete-de-reconnaissance</span></span></span></a></span><br><div class='seenthis_pics seenthis_pics_1'><a onclick='return false;' href='https://actualitte.com/uploads/images/le-webtoon-francais-une-filiere-en-quete-de-reconnaissance-6a3c17aaa2d6e851757750.jpg' class='display_box'><span class='image' style='padding-bottom:75%'><img src='https://seenthis.net/local/cache-vignettes/L600xH450/le-webtoon-franc-b460c787-e7138.jpg' alt='' data-photo='https://actualitte.com/uploads/images/le-webtoon-francais-une-filiere-en-quete-de-reconnaissance-6a3c17aaa2d6e851757750.jpg' data-photo-h='900' data-photo-w='1200' /></span><span class="lien_court"><span class="lien_off"> https://actualitte.com/uploads/images/le-webtoon-francais-une-filiere-en-quete-de-reconnaissance-6a3c17aaa2d6e851757750.jpg </span></span></a></div></p><blockquote lang="fr" dir="ltr"><p> Protoon, première association professionnelle dédiée au webtoon en France, veut donner une voix collective à une filière encore fragile, mais déjà riche de créateurs, de studios, de plateformes et de lecteurs. Entre succès d’audience, dépendance aux plateformes, précarité des auteurs, manque de données et de reconnaissance institutionnelle, et besoin de formation, récit d’un secteur qui cherche à sortir de l’angle mort pour devenir une véritable industrie culturelle. </p></blockquote><p><span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/edition'>Edition</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/webtoon'>Webtoon</a></span></p></div>]]></content>
	
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	<title>&#171; Extr&#234;me Danger &#187; : rendez-vous &#224; Rennes ce 19 juin pour mieux conna&#238;tre l'extr&#234;me droite radicale&#8230;</title>
	<author>
		<name>Sylvain Ernault  (@sylvain_ernault)</name>
		<uri>https://seenthis.net/people/sylvain_ernault</uri>
		<email>sylvain_ernault@seenthis.net</email>
		
	</author>
	<published>2026-06-18T13:18:35Z</published>
	<updated>2026-06-18T13:18:35Z</updated>
	
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	<summary>« Extrême Danger » : rendez-vous à #Rennes ce 19 juin pour mieux connaître l’extrême droite radicale avec #streetpress
https://splann.org/soiree-extreme-danger-rennes

❝Dans le prolongement du partenariat autour de la « bataille des municipales », « Splann ! » s’associe à « StreetPress » et aux Éditions du commun pour accompagner la sortie du livre « Extrême Danger ». Rendez-vous ce vendredi 19 juin, à partir de 19 h au BAM, à Rennes, pour échanger sur les différents visages de l’extrême droite radicale bretonne. L’article « Extrême Danger » : rendez-vous à Rennes ce 19 juin pour mieux connaître l’extrême droite radicale avec Streetpress est apparu en premier sur Splann ! | Premier média d'enquête indépendant en Bretagne.❞
#La_vie_de_«_Splann_!_» #Academia_Christiana #Action_française #callac #Civitas #conférence #démocratie #éditions_du_commun #extrême_droite #Fraternité_sacerdotale_Saint-Pie_X #Parti_national_breton #radio_c-lab #saint-brevin #section_west #table_ronde #Talion_Brest</summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="fr" dir="ltr"><p>&#171;&nbsp;Extrême Danger&nbsp;&#187;&nbsp;: rendez-vous à <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/rennes'>Rennes</a></span> ce 19 juin pour mieux connaître l’extrême droite radicale avec <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/streetpress'>streetpress</a></span><br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/sites/7282461336008303596'>▻</a></span><a rel='nofollow' href="https://splann.org/soiree-extreme-danger-rennes" class='spip_out' title="« Extrême Danger » : rendez-vous à Rennes ce 19 juin pour mieux connaître l'extrême droite radicale avec Streetpress - Splann !" hreflang="fr"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>splann.org</span>/</span><span class='lien_fin'>soiree-extreme-danger-rennes</span></span></a></span></p><blockquote lang="fr" dir="ltr"><p> Dans le prolongement du partenariat autour de la &#171;&nbsp;bataille des municipales&nbsp;&#187;, &#171;&nbsp;Splann&nbsp;!&nbsp;&#187; s’associe à &#171;&nbsp;StreetPress&nbsp;&#187; et aux Éditions du commun pour accompagner la sortie du livre &#171;&nbsp;Extrême Danger&nbsp;&#187;. Rendez-vous ce vendredi 19 juin, à partir de 19 h au BAM, à Rennes, pour échanger sur les différents visages de l’extrême droite radicale bretonne. L’article &#171;&nbsp;Extrême Danger&nbsp;&#187;&nbsp;: rendez-vous à Rennes ce 19 juin pour mieux connaître l’extrême droite radicale avec Streetpress est apparu en premier sur Splann&nbsp;! | Premier média d’enquête indépendant en Bretagne. </p></blockquote><p><span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/la_vie_de_'>La_vie_de_</a></span>&#171;&nbsp;<em>Splann</em>&nbsp;!_&nbsp;&#187; <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/academia_christiana'>Academia_Christiana</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/action_fran%C3%A7aise'>Action_française</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/callac'>callac</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/civitas'>Civitas</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/conf%C3%A9rence'>conférence</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/d%C3%A9mocratie'>démocratie</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/%C3%A9ditions_du_commun'>éditions_du_commun</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/extr%C3%AAme_droite'>extrême_droite</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/fraternit%C3%A9_sacerdotale_saint-pie_x'>Fraternité_sacerdotale_Saint-Pie_X</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/parti_national_breton'>Parti_national_breton</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/radio_c-lab'>radio_c-lab</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/saint-brevin'>saint-brevin</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/section_west'>section_west</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/table_ronde'>table_ronde</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/talion_brest'>Talion_Brest</a></span></p></div>]]></content>
	
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	<title>&#171; Baraka 1980 &#187; Brigitte Fontaine &amp; Areski Belkacem - Editions Saravah</title>
	<author>
		<name>Vanderling  (@vanderling)</name>
		<uri>https://seenthis.net/people/vanderling</uri>
		<email>vanderling@seenthis.net</email>
		
	</author>
	<published>2026-06-03T10:26:15Z</published>
	<updated>2026-06-03T10:26:15Z</updated>
	
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	<link rel="edit" href="https://seenthis.net/api/messages/1175462"/>
	<summary><![CDATA["Baraka 1980" Brigitte Fontaine & Areski Belkacem - Editions Saravah
https://www.saravah.fr/actualite/baraka-1980-brigitte-fontaine-areski-belkacem
https://www.saravah.fr/wp-content/uploads/2025/04/3700398731551-copie-2000x2000.jpg

❝Après le foudroyant Comme à la radio, irradié par le tumulte #free_jazz de l’Art Ensemble of Chicago, Brigitte Fontaine et #Areski_Belkacem ont produit, ensemble ou séparément, pas moins de six albums entre 1972 et 1977. Tandis que les tubes français de l’époque font résonner de riches orchestrations conçues à l’avance sur partition par un arrangeur professionnel, les chansons écrites par Brigitte et composées par Areski semblent enregistrées en prise directe, le plus souvent accompagnées d’une simple guitare et de percussions, quand elles ne sont tout simplement pas interprétées a capella. Cette approche vivante mais minimaliste leur permet de concentrer toute l’attention de l’écoute sur la #poésie subversive des textes et la délicatesse des mélodies. Parce qu’elle ne cherche pas à imiter les standards anglo-saxons, cette démarche unique en son genre leur vaut une reconnaissance critique dans le champ de la contre-culture ainsi qu’une certaine fidélité des initiés de l’underground. ...❞]]></summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="fr" dir="ltr"><p>&laquo;&nbsp;Baraka 1980&nbsp;&raquo; Brigitte Fontaine &amp; Areski Belkacem - Editions Saravah<br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008297716'>▻</a></span><a href="https://www.saravah.fr/actualite/baraka-1980-brigitte-fontaine-areski-belkacem" class='spip_out' title="'Baraka 1980' Brigitte Fontaine &amp; Areski Belkacem" hreflang="fr"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'><span class='lien_www'>www.</span>saravah.fr</span>/</span><span class='lien_off'>actualite/</span><span class='lien_fin'><span class='lien_fin_coupee'>baraka-1980-brigitte-fontaine-a</span><span class='lien_fin_cachee'>reski-belkacem</span></span></span></a></span><br><div class='seenthis_pics seenthis_pics_1'><a onclick='return false;' href='https://www.saravah.fr/wp-content/uploads/2025/04/3700398731551-copie-2000x2000.jpg' class='display_box'><span class='image' style='padding-bottom:100%'><img src='https://seenthis.net/local/cache-vignettes/L600xH600/3700398731551-co-507658ff-567d2.jpg' alt='' data-photo='https://www.saravah.fr/wp-content/uploads/2025/04/3700398731551-copie-2000x2000.jpg' data-photo-h='2000' data-photo-w='2000' /></span><span class="lien_court"><span class="lien_off"> https://www.saravah.fr/wp-content/uploads/2025/04/3700398731551-copie-2000x2000.jpg </span></span></a></div></p><blockquote lang="fr" dir="ltr"><p> Après le foudroyant Comme à la radio, irradié par le tumulte <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/free_jazz'>free_jazz</a></span> de l’Art Ensemble of Chicago, Brigitte Fontaine et <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/areski_belkacem'>Areski_Belkacem</a></span> ont produit, ensemble ou séparément, pas moins de six albums entre 1972 et 1977. Tandis que les tubes français de l’époque font résonner de riches orchestrations conçues à l’avance sur partition par un arrangeur professionnel, les chansons écrites par Brigitte et composées par Areski semblent enregistrées en prise directe, le plus souvent accompagnées d’une simple guitare et de percussions, quand elles ne sont tout simplement pas interprétées a capella. Cette approche vivante mais minimaliste leur permet de concentrer toute l’attention de l’écoute sur la <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/po%C3%A9sie'>poésie</a></span> subversive des textes et la délicatesse des mélodies. Parce qu’elle ne cherche pas à imiter les standards anglo-saxons, cette démarche unique en son genre leur vaut une reconnaissance critique dans le champ de la contre-culture ainsi qu’une certaine fidélité des initiés de l’underground. ... </p></blockquote></div>]]></content>
	
	<link rel="related" href="https://www.saravah.fr/actualite/baraka-1980-brigitte-fontaine-areski-belkacem" title="&#171; Baraka 1980 &#187; Brigitte Fontaine &amp; Areski Belkacem" hreflang="fr"/>
	
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	<title>*L'intelligence artificielle va&#8209;t&#8209;elle mettre fin &#224; la recherche en sciences sociales ?* &#10077;L'impact&#8230;</title>
	<author>
		<name>CDB_77  (@cdb_77)</name>
		<uri>https://seenthis.net/people/cdb_77</uri>
		<email>cdb_77@seenthis.net</email>
		
	</author>
	<published>2026-05-22T06:55:12Z</published>
	<updated>2026-05-22T06:55:12Z</updated>
	
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	<summary>*L’intelligence artificielle va‑t‑elle mettre fin à la recherche en sciences sociales ?* 


❝L’impact de l’intelligence artificielle générative sur les sciences sociales peut être compris à travers la métaphore du roman Things Fall Apart de Chinua Achebe. Ce livre retrace les bouleversements de la société nigériane face à l’intrusion coloniale. Il offre une approche pertinente pour comprendre les tensions actuelles du monde académique.

Il y a quelques mois maintenant, un collègue m’a envoyé son article pour avoir une seconde lecture. Tout y était : problématique ciselée, revue de littérature exhaustive, méthodologie rigoureuse. Trop, justement. En y regardant de plus près, certaines formulations m’ont alerté : « crucial », « dans le monde dynamique de », « il est impératif de noter que ». Le #vocabulaire typique de #ChatGPT. J’ai demandé des explications. Réponse gênée : « Oui, j’ai utilisé l’IA pour rédiger certaines parties, mais j’ai relu, évidemment. »

Ce malaise révèle une vérité qui dérange : nous, chercheurs en sciences sociales, sommes en train de perdre le contrôle de notre métier. Et nous faisons semblant de ne pas le voir. Cette réflexion m’a amené à proposer un article à la Revue française de gestion à l’occasion du numéro de son 50ᵉ anniversaire.

Quelques chiffres illustratifs du changement de paradigme

Environ 13,5 % des #résumés d’articles biomédicaux publiés en 2024 contiennent des traces d’utilisation d’intelligence artificielle (IA) générative selon une étude parue dans Science Advances (https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.adt3813). Plus inquiétant encore : une étude de chercheurs de Stanford révèle que jusqu’à 17 % du texte des évaluations d’articles dans les grandes conférences sur l’IA pourrait avoir été substantiellement modifié par l’IA elle-même (https://arxiv.org/abs/2403.07183). Nous sommes entrés dans une boucle où l’IA évalue l’IA.

Par ailleurs, des équipes de recherche analysent en quelques semaines des corpus qui auraient nécessité des années de travail. En sociologie numérique, par exemple, une étude publiée dans Science a examiné la diffusion de près de 126 000 informations vraies et fausses partagées par environ trois millions d’utilisateurs sur Twitter (https://www.science.org/doi/10.1126/science.aap9559), soit plus de 4,5 millions de partages, un volume inimaginable sans outils d’analyse automatisés.

Ruptures dans les sciences sociales

Mais au-delà de ces gains de #productivité, quelque chose se fissure. L’IA ne bouleverse pas seulement nos méthodes de travail. Elle remet en question ce que signifie « #faire_de_la_recherche ».

Comment valider des résultats produits par un #algorithme dont les rouages internes restent opaques ? Comment garantir la #rigueur_scientifique quand l’IA peut « #halluciner » et inventer des #références_bibliographiques qui n’existent pas ? Comment protéger notre #pensée_critique dans ce contexte ?

Nous sommes actuellement confrontés au même #dilemme que les personnages du roman de l’écrivain nigérian Chinua Achebe, intitulé Tout s’effondre (Things Fall Apart, en anglais). Dans ce récit, une société africaine traditionnelle se retrouve confrontée aux missionnaires européens qui viennent imposer de nouvelles croyances. Certains membres de cette société traditionnelle s’adaptent à cette arrivée, d’autres résistent. Tous comprennent que rien ne sera plus comme avant.

Technophiles contre traditionalistes

La communauté scientifique connaît aujourd’hui des divisions. Certains, les « technophiles », accueillent l’IA avec enthousiasme, convaincus qu’elle va accélérer les découvertes et ouvrir la recherche au monde en développement. D’autres, les « traditionalistes », dénoncent une course à la productivité aux dépens de la profondeur de pensée.

Cette #fracture ne se limite pas aux questions techniques et technologiques, elle touche aussi à notre #identité, collective et individuelle, de chercheurs. Sommes-nous en train de devenir de simples opérateurs validant des productions issues d’algorithmes ? Notre expertise se réduit-elle à savoir poser les bonnes questions à un modèle d’IA ?

Les jeunes chercheurs sont les premiers exposés. Ils jonglent entre la pression de publier rapidement et l’injonction implicite à ne pas trop utiliser l’IA. Résultat : beaucoup l’utilisent en cachette, créant une #culture_du_secret qui a des conséquences pour la #transparence_scientifique.

Quelles solutions ?

Nous avons trop longtemps préféré détourner le regard. L’intelligence artificielle est là, et ignorer sa présence n’est plus tenable. Il nous faut repenser notre manière de faire de la science. Imaginer un nouveau cadre.

Trois grands principes pourraient nous servir de boussole.

Le premier, c’est la #transparence. Chaque recours à l’IA devrait être précisé noir sur blanc dans nos publications : quels outils ont été utilisés, pour quels usages, et dans quelles limites. Certaines revues, comme Nature, commencent déjà à l’imposer.

Ensuite, la #responsabilité. L’IA peut analyser des données, suggérer des pistes, rédiger des brouillons. Mais c’est au chercheur qu’il revient d’interpréter et de valider avec un #esprit_critique. Cette ligne rouge ne doit jamais être franchie. Une étude récente le rappelle cruellement : 52 % des réponses générées par l’IA à des questions de programmation contiennent des erreurs, et la supervision humaine échoue à les corriger dans 39 % des cas (https://dl.acm.org/doi/10.1145/3613904.3642596).

Enfin, le #pluralisme. Il devient nécessaire d’accepter que certains chercheurs intègrent l’IA dans leur travail tandis que d’autres la refusent. Cette diversité peut devenir une richesse, si les débats ont lieu au grand jour, dans les conférences et les séminaires qui constituent la tradition scientifique.

Un nouveau #paradigme_scientifique

L’intelligence artificielle va continuer de gagner en puissance et en omniprésence.

Nous sommes à l’aube d’un #tournant dans le monde de la recherche où l’intelligence humaine devient une « des » formes d’intelligences. Il semble clair que cette #cohabitation ne portera ses fruits que si elle s’appuie sur des #règles mises en place par les chercheurs eux-mêmes.

Le vrai risque ne provient pas de l’intelligence artificielle, mais de notre #inertie. Notre envie de profiter de ce qu’elle offre sans trop s’interroger. D’accepter, sans résister, une facilité qui pourrait, à terme, nous échapper. Chinua Achebe raconte comment une société s’effondre lorsqu’elle perd le contrôle de son destin. Nous, chercheurs, avons encore le #choix. Nous pouvons décider comment intégrer l’intelligence artificielle, à quelles conditions, mais aussi avec quelles limites.

L’enjeu n’est pas de résister au changement. Il est de le guider vers une science plus rigoureuse, plus transparente, plus consciente d’elle-même. Une science qui utilise l’IA sans s’y soumettre. Une science qui reste, avant tout, une aventure humaine.❞


https://theconversation.com/lintelligence-artificielle-va-t-elle-mettre-fin-a-la-recherche-en-sciences-sociales-281380 
#IA #AI #intelligence_artificielle #ESR #recherche #SHS #sciences_sociales #édition_scientifique #publications_scientifiques #évaluation #peer_review #hallucination #à_lire</summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="fr" dir="ltr"><p><strong>L’intelligence artificielle va‑t‑elle mettre fin à la recherche en sciences sociales&nbsp;?</strong></p><blockquote lang="fr" dir="ltr"><p> L’impact de l’intelligence artificielle générative sur les sciences sociales peut être compris à travers la métaphore du roman Things Fall Apart de Chinua Achebe. Ce livre retrace les bouleversements de la société nigériane face à l’intrusion coloniale. Il offre une approche pertinente pour comprendre les tensions actuelles du monde académique.</p><p>Il y a quelques mois maintenant, un collègue m’a envoyé son article pour avoir une seconde lecture. Tout y était&nbsp;: problématique ciselée, revue de littérature exhaustive, méthodologie rigoureuse. Trop, justement. En y regardant de plus près, certaines formulations m’ont alerté&nbsp;: &#171;&nbsp;crucial&nbsp;&#187;, &#171;&nbsp;dans le monde dynamique de&nbsp;&#187;, &#171;&nbsp;il est impératif de noter que&nbsp;&#187;. Le <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/vocabulaire'>vocabulaire</a></span> typique de <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/chatgpt'>ChatGPT</a></span>. J’ai demandé des explications. Réponse gênée&nbsp;: &#171;&nbsp;Oui, j’ai utilisé l’IA pour rédiger certaines parties, mais j’ai relu, évidemment.&nbsp;&#187;</p><p>Ce malaise révèle une vérité qui dérange&nbsp;: nous, chercheurs en sciences sociales, sommes en train de perdre le contrôle de notre métier. Et nous faisons semblant de ne pas le voir. Cette réflexion m’a amené à proposer un article à la Revue française de gestion à l’occasion du numéro de son 50ᵉ anniversaire.</p><p>Quelques chiffres illustratifs du changement de paradigme</p><p>Environ 13,5&nbsp;% des <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/r%C3%A9sum%C3%A9s'>résumés</a></span> d’articles biomédicaux publiés en 2024 contiennent des traces d’utilisation d’intelligence artificielle (IA) générative selon une étude parue dans Science Advances (<span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008177860'>►</a></span><a href="https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.adt3813" class='spip_out'><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'><span class='lien_www'>www.</span>science.org</span>/</span>doi/10.1126/<span class='lien_fin'>sciadv.adt3813</span></span></a></span>). 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En sociologie numérique, par exemple, une étude publiée dans Science a examiné la diffusion de près de 126 000 informations vraies et fausses partagées par environ trois millions d’utilisateurs sur Twitter (<span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008293299'>▻</a></span><a href="https://www.science.org/doi/10.1126/science.aap9559" class='spip_out'><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'><span class='lien_www'>www.</span>science.org</span>/</span>doi/10.1126/<span class='lien_fin'>science.aap9559</span></span></a></span>), soit plus de 4,5 millions de partages, un volume inimaginable sans outils d’analyse automatisés.</p><p>Ruptures dans les sciences sociales</p><p>Mais au-delà de ces gains de <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/productivit%C3%A9'>productivité</a></span>, quelque chose se fissure. L’IA ne bouleverse pas seulement nos méthodes de travail. Elle remet en question ce que signifie &#171;&nbsp;<span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/faire_de_la_recherche'>faire_de_la_recherche</a></span>&nbsp;&#187;.</p><p>Comment valider des résultats produits par un <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/algorithme'>algorithme</a></span> dont les rouages internes restent opaques&nbsp;? Comment garantir la <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/rigueur_scientifique'>rigueur_scientifique</a></span> quand l’IA peut &#171;&nbsp;<span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/halluciner'>halluciner</a></span>&nbsp;&#187; et inventer des <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/r%C3%A9f%C3%A9rences_bibliographiques'>références_bibliographiques</a></span> qui n’existent pas&nbsp;? 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Certains, les &#171;&nbsp;technophiles&nbsp;&#187;, accueillent l’IA avec enthousiasme, convaincus qu’elle va accélérer les découvertes et ouvrir la recherche au monde en développement. D’autres, les &#171;&nbsp;traditionalistes&nbsp;&#187;, dénoncent une course à la productivité aux dépens de la profondeur de pensée.</p><p>Cette <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/fracture'>fracture</a></span> ne se limite pas aux questions techniques et technologiques, elle touche aussi à notre <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/identit%C3%A9'>identité</a></span>, collective et individuelle, de chercheurs. Sommes-nous en train de devenir de simples opérateurs validant des productions issues d’algorithmes&nbsp;? Notre expertise se réduit-elle à savoir poser les bonnes questions à un modèle d’IA&nbsp;?</p><p>Les jeunes chercheurs sont les premiers exposés. 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	<title>*arXiv imposes one-year ban for unchecked LLM output* &#10077;arXiv has clarified enforcement for&#8230;</title>
	<author>
		<name>CDB_77  (@cdb_77)</name>
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		<email>cdb_77@seenthis.net</email>
		
	</author>
	<published>2026-05-20T12:31:52Z</published>
	<updated>2026-05-20T12:35:22Z</updated>
	
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	<summary>*#arXiv imposes one-year ban for unchecked LLM output* 

❝arXiv has clarified enforcement for submissions that include unverified large language model (LLM) output. Per a public thread by Thomas G. Dietterich, chair of arXiv's computer science moderators, a submission that contains "incontrovertible evidence that the authors did not check the results of LLM generation", examples cited include hallucinated references and leftover LLM meta-comments, can trigger a one-year ban and a requirement that future arXiv submissions first be accepted at a reputable peer-reviewed venue, as reported by The Verge and other outlets. The platform's Code of Conduct was cited in Dietterich's thread, noting authors bear responsibility for content irrespective of how it was generated. Community reaction has been mixed, with some researchers supporting the move and others warning about selective enforcement and false-positive risks, according to The Decoder and social reporting aggregated by di.gg.❞

https://letsdatascience.com/news/arxiv-imposes-one-year-ban-for-unchecked-llm-output-be07fdf4
#LLMs #IA #intelligence_artificielle #bannissement #recherche #édition_scientifique #publications #AI #1_an #revues</summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="en" dir="ltr"><p><strong><span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/arxiv'>arXiv</a></span> imposes one-year ban for unchecked LLM output</strong></p><blockquote lang="en" dir="ltr"><p> arXiv has clarified enforcement for submissions that include unverified large language model (LLM) output. Per a public thread by Thomas G. Dietterich, chair of arXiv’s computer science moderators, a submission that contains &ldquo;incontrovertible evidence that the authors did not check the results of LLM generation&rdquo;, examples cited include hallucinated references and leftover LLM meta-comments, can trigger a one-year ban and a requirement that future arXiv submissions first be accepted at a reputable peer-reviewed venue, as reported by The Verge and other outlets. The platform’s Code of Conduct was cited in Dietterich’s thread, noting authors bear responsibility for content irrespective of how it was generated. Community reaction has been mixed, with some researchers supporting the move and others warning about selective enforcement and false-positive risks, according to The Decoder and social reporting aggregated by di.gg. </p></blockquote><p><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008292584'>▻</a></span><a href="https://letsdatascience.com/news/arxiv-imposes-one-year-ban-for-unchecked-llm-output-be07fdf4" class='spip_out' title="arXiv imposes one-year ban for unchecked LLM output" hreflang="en"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>letsdatascience.com</span>/</span><span class='lien_off'>news/</span><span class='lien_fin'><span class='lien_fin_coupee'>arxiv-imposes-one-year</span><span class='lien_fin_cachee'>-ban-for-unchecked-llm-output-be07fdf4</span></span></span></a></span><br><span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/llms'>LLMs</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/ia'>IA</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/intelligence_artificielle'>intelligence_artificielle</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/bannissement'>bannissement</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/recherche'>recherche</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/%C3%A9dition_scientifique'>édition_scientifique</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/publications'>publications</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/ai'>AI</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/1_an'>1_an</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/revues'>revues</a></span></p></div>]]></content>
	
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	<title>C'est LA question que pose Agone. Henri Alleg serait-il publier aujourd'hui ? ind&#233;pendance &#233;dition&#8230;</title>
	<author>
		<name>dave_idem  (@dave_idem)</name>
		<uri>https://seenthis.net/people/dave_idem</uri>
		<email>dave_idem@seenthis.net</email>
		
	</author>
	<published>2026-05-18T05:47:27Z</published>
	<updated>2026-05-18T05:47:27Z</updated>
	
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	<summary>C'est LA question que pose Agone. Henri Alleg serait-il publier aujourd'hui ?

#indépendance #édition #guerre #liberté

https://9v741.r.sp1-brevo.net/mk/mr/sh/1t6AVsd2XFnIGKB1z3MgEqf4apKlOP/UYu7Y8pvoXwG</summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="fr" dir="ltr"><p>C’est LA question que pose Agone. Henri Alleg serait-il publier aujourd’hui&nbsp;?</p><p><span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/ind%C3%A9pendance'>indépendance</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/%C3%A9dition'>édition</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/guerre'>guerre</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/libert%C3%A9'>liberté</a></span></p><p><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/sites/7282461336008291235'>▻</a></span><a rel='nofollow' href="https://9v741.r.sp1-brevo.net/mk/mr/sh/1t6AVsd2XFnIGKB1z3MgEqf4apKlOP/UYu7Y8pvoXwG" class='spip_out' title="L’indépendance soumise à la question [LettrInfo 26-XV]" hreflang="fr"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>9v741.r.sp1-brevo.net</span>/</span><span class='lien_off'>mk/</span><span class='lien_off'>mr/</span><span class='lien_off'>sh/</span><span class='lien_off'>1t6AVsd2XFnIGKB1z3MgEqf4apKlOP/</span><span class='lien_fin'>UYu7Y8pvoXwG</span></span></a></span></p></div>]]></content>
	
	<link rel="related" href="https://9v741.r.sp1-brevo.net/mk/mr/sh/1t6AVsd2XFnIGKB1z3MgEqf4apKlOP/UYu7Y8pvoXwG" title="L'ind&#233;pendance soumise &#224; la question [LettrInfo 26-XV]" hreflang="fr"/>
	
	
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	<title>*Hallucinated citations highest in social sciences preprints site* &#10077;More than 140,000 fake&#8230;</title>
	<author>
		<name>CDB_77  (@cdb_77)</name>
		<uri>https://seenthis.net/people/cdb_77</uri>
		<email>cdb_77@seenthis.net</email>
		
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	<published>2026-05-15T13:37:32Z</published>
	<updated>2026-05-15T13:37:32Z</updated>
	
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	<summary>*Hallucinated citations highest in social sciences preprints site* 


❝More than 140,000 fake citations across four research repositories were identified in papers and preprints published in 2025 alone.❞

https://www.nature.com/articles/d41586-026-01545-1 

#science #édition_scientifique #AI #IA #intelligence_artificielle #hallucination #invention #références #sources #recherche #publications_scientifiques</summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="en" dir="ltr"><p><strong>Hallucinated citations highest in social sciences preprints site</strong></p><blockquote lang="en" dir="ltr"><p> More than 140,000 fake citations across four research repositories were identified in papers and preprints published in 2025 alone. </p></blockquote><p><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008290187'>▻</a></span><a href="https://www.nature.com/articles/d41586-026-01545-1" class='spip_out' title="Hallucinated citations highest in social sciences preprints site" hreflang="en"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'><span class='lien_www'>www.</span>nature.com</span>/</span>articles/<span class='lien_fin'>d41586-026-01545-1</span></span></a></span></p><p><span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/science'>science</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/%C3%A9dition_scientifique'>édition_scientifique</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/ai'>AI</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/ia'>IA</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/intelligence_artificielle'>intelligence_artificielle</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/hallucination'>hallucination</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/invention'>invention</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/r%C3%A9f%C3%A9rences'>références</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/sources'>sources</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/recherche'>recherche</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/publications_scientifiques'>publications_scientifiques</a></span></p></div>]]></content>
	
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	<id>urn:uuid:6a02b9ae-f6e0-473e-9273-4d37f7e03a4a</id>
	<title>*Les LLM d&#233;gradent profond&#233;ment vos documents* &#10077;On avait d&#233;j&#224; attir&#233; l'attention sur les grandes&#8230;</title>
	<author>
		<name>CDB_77  (@cdb_77)</name>
		<uri>https://seenthis.net/people/cdb_77</uri>
		<email>cdb_77@seenthis.net</email>
		
	</author>
	<published>2026-05-12T05:25:02Z</published>
	<updated>2026-05-12T05:28:42Z</updated>
	
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	<summary>*Les #LLM dégradent profondément vos documents* 




❝On avait déjà attiré l’attention sur les grandes #limites de l’IA pour produire des #synthèses (https://danslesalgorithmes.net/stream/manipuler-la-synthese-de-document/), au risque de valoriser certaines informations sur d’autres. Microsoft Research vient de publier un article et un benchmark : ils ont proposé 52 documents à 19 modèles concurrents dont les modèles de pointe. Chaque modèle reçoit un document et une série d’instructions de modification, une vingtaine maximum. A la fin de la série d’instruction, 25% à 50% du contenu se retrouve dégradé (analyse faite en comparant simplement les contenus des documents). Si on étend encore les instructions à une centaine, la courbe de la dégradation continue. Les chercheurs parlent de « #déclin_monotone ». Ils constatent également que les performances à court terme ne prédisent pas la fiabilité à long terme. « Deux modèles qui semblaient presque identiques après deux interactions (91,5 % contre 91,1 %) ont divergé de façon spectaculaire au fil du temps (48,3 % contre 64,1 %). » La dégradation est parfois brutale. Sur les 50 domaines d’activité testés auxquels ils ont confié des documents pour des tâches d’#édition, le seul domaine qui fonctionne reste le code #python : la dégradation est très faible, les contenus restent stables sur 17 des 19 modèles, à 98%. Mais par exemple, sur un tableur, seulement 50% des lignes d’origine sont encore présentes après 20 itérations : l’ordre des lignes, les noms de colonnes et le nombre de lignes sont plus dégradées encore.  

La démonstration permet de montrer que l’usage des LLM risquent de n’être fonctionnels que pour le code, car le code à une définition mécanique, c’est-à-dire qu’il existe une spécification lisible par machine permettant de vérifier la sortie (mais la démo montre que quand il s’agit de structure des bases de données SQL, les résultats sont déjà beaucoup moins parfaits). « Partout où la correction exige de la #compréhension, les modèles s’effondrent », explique le développeur norvégien Christian Ekrem sur son blog. Pire : la #corruption est invisible par conception, « silencieuse ». 

« Le plus inquiétant, c’est la manière dont ces #erreurs se produisent. Elles sont rares, mais graves. Le modèle ne transforme pas votre document en charabia. Il y apporte de petites #modifications, assurées (!), qui paraissent inoffensives au premier coup d’œil. Un détail déplacé. Une précision omise. Un sens subtilement altéré. Une phrase réorganisée pour en modifier l’ordre. Il faudrait lire attentivement l’ensemble du document, en le comparant à l’original, pour s’en apercevoir. Et personne ne le fait. »

Dans vos slides, votre « environ 30% » va devenir « 30% »… puis « 20% ». Dans un contrat, « sous certaines conditions » s’efface. « Après signature » devient « avant signature »… Non seulement les erreurs s’accumulent, mais elles interagissent : « une corruption précoce modifie le contexte, ce qui décale les résultats suivants, et ainsi de suite ». Vous continuez à travailler sur une version corrompue qui ne dit déjà plus ce que vous pensiez. « Si cela ne vous terrifie pas, je doute que ayez déjà travaillé avec des documents importants. (…) Lorsque vous déléguez la maintenance documentaire à un LLM, la théorie meurt doublement. Premièrement : vous n’avez pas acquis la compréhension, car vous avez délégué au lieu de vous impliquer directement dans le sujet. Deuxièmement : le LLM a insidieusement altéré le document lui-même. Vous vous retrouvez donc sans modèle mental ni représentation écrite précise. Vous avez, pour ainsi dire, perdu à la fois la carte et le territoire. »❞

https://danslesalgorithmes.net/stream/les-llm-degradent-profondement-vos-documents/
#qualité #dégradation #LLMs #IA #AI #intelligence_artificielle</summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="la" dir="ltr"><p><strong>Les <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/llm'>LLM</a></span> dégradent profondément vos documents</strong></p><blockquote lang="fr" dir="ltr"><p> On avait déjà attiré l’attention sur les grandes <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/limites'>limites</a></span> de l’IA pour produire des <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/synth%C3%A8ses'>synthèses</a></span> (<span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008288556'>▻</a></span><a href="https://danslesalgorithmes.net/stream/manipuler-la-synthese-de-document" class='spip_out' title="Dans les algorithmes | Manipuler la synthèse de document" hreflang="fr"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>danslesalgorithmes.net</span>/</span><span class='lien_off'>stream/</span><span class='lien_fin'><span class='lien_fin_coupee'>manipuler-la-synthe</span><span class='lien_fin_cachee'>se-de-document</span></span></span></a></span>), au risque de valoriser certaines informations sur d’autres. Microsoft Research vient de publier un article et un benchmark&nbsp;: ils ont proposé 52 documents à 19 modèles concurrents dont les modèles de pointe. Chaque modèle reçoit un document et une série d’instructions de modification, une vingtaine maximum. A la fin de la série d’instruction, 25% à 50% du contenu se retrouve dégradé (analyse faite en comparant simplement les contenus des documents). Si on étend encore les instructions à une centaine, la courbe de la dégradation continue. Les chercheurs parlent de &#171;&nbsp;<span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/d%C3%A9clin_monotone'>déclin_monotone</a></span>&nbsp;&#187;. Ils constatent également que les performances à court terme ne prédisent pas la fiabilité à long terme. &#171;&nbsp;Deux modèles qui semblaient presque identiques après deux interactions (91,5&nbsp;% contre 91,1&nbsp;%) ont divergé de façon spectaculaire au fil du temps (48,3&nbsp;% contre 64,1&nbsp;%).&nbsp;&#187; La dégradation est parfois brutale. Sur les 50 domaines d’activité testés auxquels ils ont confié des documents pour des tâches d’<span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/%C3%A9dition'>édition</a></span>, le seul domaine qui fonctionne reste le code <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/python'>python</a></span>&nbsp;: la dégradation est très faible, les contenus restent stables sur 17 des 19 modèles, à 98%. Mais par exemple, sur un tableur, seulement 50% des lignes d’origine sont encore présentes après 20 itérations&nbsp;: l’ordre des lignes, les noms de colonnes et le nombre de lignes sont plus dégradées encore. </p><p>La démonstration permet de montrer que l’usage des LLM risquent de n’être fonctionnels que pour le code, car le code à une définition mécanique, c’est-à-dire qu’il existe une spécification lisible par machine permettant de vérifier la sortie (mais la démo montre que quand il s’agit de structure des bases de données SQL, les résultats sont déjà beaucoup moins parfaits). &#171;&nbsp;Partout où la correction exige de la <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/compr%C3%A9hension'>compréhension</a></span>, les modèles s’effondrent&nbsp;&#187;, explique le développeur norvégien Christian Ekrem sur son blog. Pire&nbsp;: la <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/corruption'>corruption</a></span> est invisible par conception, &#171;&nbsp;silencieuse&nbsp;&#187;.</p><p>&#171;&nbsp;Le plus inquiétant, c’est la manière dont ces <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/erreurs'>erreurs</a></span> se produisent. Elles sont rares, mais graves. Le modèle ne transforme pas votre document en charabia. Il y apporte de petites <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/modifications'>modifications</a></span>, assurées (!), qui paraissent inoffensives au premier coup d’œil. Un détail déplacé. Une précision omise. Un sens subtilement altéré. Une phrase réorganisée pour en modifier l’ordre. Il faudrait lire attentivement l’ensemble du document, en le comparant à l’original, pour s’en apercevoir. Et personne ne le fait.&nbsp;&#187;</p><p>Dans vos slides, votre &#171;&nbsp;environ 30%&nbsp;&#187; va devenir &#171;&nbsp;30%&nbsp;&#187;… puis &#171;&nbsp;20%&nbsp;&#187;. Dans un contrat, &#171;&nbsp;sous certaines conditions&nbsp;&#187; s’efface. &#171;&nbsp;Après signature&nbsp;&#187; devient &#171;&nbsp;avant signature&nbsp;&#187;… Non seulement les erreurs s’accumulent, mais elles interagissent&nbsp;: &#171;&nbsp;une corruption précoce modifie le contexte, ce qui décale les résultats suivants, et ainsi de suite&nbsp;&#187;. Vous continuez à travailler sur une version corrompue qui ne dit déjà plus ce que vous pensiez. &#171;&nbsp;Si cela ne vous terrifie pas, je doute que ayez déjà travaillé avec des documents importants. (…) Lorsque vous déléguez la maintenance documentaire à un LLM, la théorie meurt doublement. Premièrement&nbsp;: vous n’avez pas acquis la compréhension, car vous avez délégué au lieu de vous impliquer directement dans le sujet. Deuxièmement&nbsp;: le LLM a insidieusement altéré le document lui-même. Vous vous retrouvez donc sans modèle mental ni représentation écrite précise. Vous avez, pour ainsi dire, perdu à la fois la carte et le territoire.&nbsp;&#187; </p></blockquote><p><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008288557'>▻</a></span><a href="https://danslesalgorithmes.net/stream/les-llm-degradent-profondement-vos-documents" class='spip_out' title="Dans les algorithmes | Les LLM dégradent profondément vos documents" hreflang="fr"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>danslesalgorithmes.net</span>/</span><span class='lien_off'>stream/</span><span class='lien_fin'><span class='lien_fin_coupee'>les-llm-degradent-p</span><span class='lien_fin_cachee'>rofondement-vos-documents</span></span></span></a></span><br><span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/qualit%C3%A9'>qualité</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/d%C3%A9gradation'>dégradation</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/llms'>LLMs</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/ia'>IA</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/ai'>AI</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/intelligence_artificielle'>intelligence_artificielle</a></span></p></div>]]></content>
	
	<link rel="related" href="https://danslesalgorithmes.net/stream/manipuler-la-synthese-de-document" title="Dans les algorithmes | Manipuler la synth&#232;se de document" hreflang="fr"/>
	
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	<title>Limogeage d'Olivier Nora par Bollor&#233; : les fruits et les fleurs de la concentration_&#233;ditoriale</title>
	<author>
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	<published>2026-04-19T16:14:03Z</published>
	<updated>2026-04-19T16:14:03Z</updated>
	
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	<summary>Limogeage d’Olivier Nora par Bolloré : les fruits et les fleurs de la #concentration_éditoriale
https://lvsl.fr/limogeage-dolivier-nora-par-vincent-bollore-les-fruits-et-les-fleurs-de-la-concentration-editoriale

❝Le 15 avril, #olivier_nora, PDG des éditions #grasset, propriété de Vincent Bolloré, a été limogé. Cette décision a provoqué la prise de conscience d’une centaine d’auteurs : leurs idées et leurs œuvres sont, depuis trois ans, la propriété de Vincent Bolloré. Et donc au service de son idéologie. Un pas de plus doit être fait : cette situation est une conséquence prévisible de la concentration qui, en France, fait d’une poignée de patrons les maîtres de l’édition française. Par Thierry Discepolo, directeur des éditions Agone.❞
#Culture #Bolloré #édition_française #qui_possède_quoi #vincent_bolloré</summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="fr" dir="ltr"><p>Limogeage d’Olivier Nora par Bolloré&nbsp;: les fruits et les fleurs de la <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/concentration_%C3%A9ditoriale'>concentration_éditoriale</a></span><br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/sites/7282461336008280505'>▻</a></span><a rel='nofollow' href="https://lvsl.fr/limogeage-dolivier-nora-par-vincent-bollore-les-fruits-et-les-fleurs-de-la-concentration-editoriale" class='spip_out' title="les fruits et les fleurs de la concentration éditoriale" hreflang="fr"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>lvsl.fr</span>/</span><span class='lien_fin'><span class='lien_fin_coupee'>limogeage-dolivier-nora-par-vincen</span><span class='lien_fin_cachee'>t-bollore-les-fruits-et-les-fleurs-de-la-conc</span></span></span></a></span></p><blockquote lang="fr" dir="ltr"><p> Le 15 avril, <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/olivier_nora'>olivier_nora</a></span>, PDG des éditions <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/grasset'>grasset</a></span>, propriété de Vincent Bolloré, a été limogé. Cette décision a provoqué la prise de conscience d’une centaine d’auteurs&nbsp;: leurs idées et leurs œuvres sont, depuis trois ans, la propriété de Vincent Bolloré. Et donc au service de son idéologie. Un pas de plus doit être fait&nbsp;: cette situation est une conséquence prévisible de la concentration qui, en France, fait d’une poignée de patrons les maîtres de l’édition française. Par Thierry Discepolo, directeur des éditions Agone. </p></blockquote><p><span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/culture'>Culture</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/bollor%C3%A9'>Bolloré</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/%C3%A9dition_fran%C3%A7aise'>édition_française</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/qui_poss%C3%A8de_quoi'>qui_possède_quoi</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/vincent_bollor%C3%A9'>vincent_bolloré</a></span></p></div>]]></content>
	
	<link rel="related" href="https://lvsl.fr/limogeage-dolivier-nora-par-vincent-bollore-les-fruits-et-les-fleurs-de-la-concentration-editoriale" title="les fruits et les fleurs de la concentration &#233;ditoriale" hreflang="fr"/>
	
	
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	<title>Trivialliteratur : Karl-May-Verlag soll verkauft werden</title>
	<author>
		<name>klaus++  (@klaus)</name>
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		<email>klaus@seenthis.net</email>
		
	</author>
	<published>2026-04-11T19:50:30Z</published>
	<updated>2026-04-11T19:58:23Z</updated>
	
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	<summary>Trivialliteratur: Karl-May-Verlag soll verkauft werden
https://www.jungewelt.de/artikel/521218.trivialliteratur-karl-may-verlag-soll-verkauft-werden.html
https://www.jungewelt.de/img/450/221334.jpg _So kennt man sie aus unzähligen Regalen: Buchrücken der Karl-May-Werkausgabe aus dem Karl-May-Verlag (Bamberg, 25.6.2013)_

Faites-moi rire ou achetez un un éditeur qui n'a jamais vendu autre chose que les oeuvres d'un auteur mort en 1913. 

Voici les oeuvres principales et plein de textes anodins de Karl May.
https://projekt-gutenberg.org/authors/karl-may/

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/a/a4/Karl_May_edit_%28cropped%29.jpg/960px-Karl_May_edit_%28cropped%29.jpg
https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_May


❝Bamberg. Der Karl-May-Verlag sucht einen neuen Verleger. Der Geschäftsführer und alleinige Gesellschafter Bernhard Schmid möchte den über hundert Jahre alten Familienbetrieb verkaufen. »Karl May ist auch meine große Leidenschaft, und die fast 35 Jahre Arbeit dafür habern mir großen Spaß gemacht. Um so mehr will ich rechtzeitig dafür Sorge tragen, dass unser Verlag in guten Händen eine sichere Zukunft hat«, sagt Schmid. Der 64jährige ist seit 2007 alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer des Verlags. Sein Großvater Euchar Albrecht Schmid hatte den Verlag im Jahr 1913 mitgegründet.

Der Karl-May-Verlag mit Sitz in Bamberg blickt auf eine lange Geschichte zurück. Bekannt für seine Bücher mit dem grünen Einband, der goldenen Schrift und dem bunten Titelbild, zieren Karl Mays Werke wie »Winnetou« seit mehr als hundert Jahren die deutschen Bücherregale. Das Programm des Verlags besteht fast ausschließlich aus den Werken seines Namensgebers.

Karl May gilt als einer der meistgelesenen Autoren deutscher Sprache. Besondere Berühmtheit erlangte der Abenteuerschriftsteller durch seine meist fiktiven Reiseerzählungen und die Geschichten um Winnetou und Old Shatterhand.

May wurde 1842 in Hohenstein-Ernstthal (Landkreis Zwickau) geboren, von 1888 bis zu seinem Tod 1912 lebte er im sächsischen Radebeul und verfasste dort wesentliche Teile seines Gesamtwerks. Kurz nach seinem Tod wurde im Jahr 1913 der Karl-May-Verlag in Radebeul gegründet. Im Jahr 1960 zog der Verlag dann nach Bamberg. (dpa/jW)❞

Tout le monde l'aime bien, mais il est tellement démodé !

https://www.youtube.com/playlist?list=PLuT4X8ydlk9_FMpPgkAiDJbTWz5Y7m0V8

Arno Schmidt und Karl May
https://www.karl-may-wiki.de/index.php/Arno_Schmidt

#lettres #auf_deutsch #western #wtf #édition</summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="fr" dir="ltr"><p>Trivialliteratur&nbsp;: Karl-May-Verlag soll verkauft werden<br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008277835'>▻</a></span><a href="https://www.jungewelt.de/artikel/521218.trivialliteratur-karl-may-verlag-soll-verkauft-werden.html" class='spip_out' title="Karl-May-Verlag soll verkauft werden, Tageszeitung junge Welt, 11.04.2026" hreflang="de"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'><span class='lien_www'>www.</span>jungewelt.de</span>/</span><span class='lien_off'>artikel/</span><span class='lien_fin'><span class='lien_fin_coupee'>521218.trivialliteratur-karl-</span><span class='lien_fin_cachee'>may-verlag-soll-verkauft-werden.html</span></span></span></a></span><br><div class='seenthis_pics seenthis_pics_1'><a onclick='return false;' href='https://www.jungewelt.de/img/450/221334.jpg' class='display_box'><span class='image' style='padding-bottom:47.777777777778%'><img src='https://seenthis.net/local/cache-vignettes/L450xH215/221334-1f0d0fda-eb2ee.jpg' alt='' data-photo='https://www.jungewelt.de/img/450/221334.jpg' data-photo-h='215' data-photo-w='450' /></span><span class="lien_court"><span class="lien_off"> https://www.jungewelt.de/img/450/221334.jpg </span></span></a></div> <em>So kennt man sie aus unzähligen Regalen&nbsp;: Buchrücken der Karl-May-Werkausgabe aus dem Karl-May-Verlag (Bamberg, 25.6.2013)</em></p><p>Faites-moi rire ou achetez un un éditeur qui n’a jamais vendu autre chose que les oeuvres d’un auteur mort en 1913.</p><p>Voici les oeuvres principales et plein de textes anodins de Karl May.<br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008277837'>▻</a></span><a href="https://projekt-gutenberg.org/authors/karl-may" class='spip_out' title="Karl May" hreflang="de"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>projekt-gutenberg.org</span>/</span>authors/<span class='lien_fin'>karl-may</span></span></a></span></p><p><div class='seenthis_pics seenthis_pics_1'><a onclick='return false;' href='https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/a/a4/Karl_May_edit_%28cropped%29.jpg/960px-Karl_May_edit_%28cropped%29.jpg' class='display_box'><span class='image' style='padding-bottom:130.72916666667%'><img src='https://seenthis.net/local/cache-vignettes/L535xH700/960px-Karl_May_e-8d125865-8c81b.jpg' alt='' data-photo='https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/a/a4/Karl_May_edit_%28cropped%29.jpg/960px-Karl_May_edit_%28cropped%29.jpg' data-photo-h='1255' data-photo-w='960' /></span><span class="lien_court"><span class="lien_off"> https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/a/a4/Karl_May_edit_%28cropped%29.jpg/960px-Karl_May_edit_%28cropped%29.jpg </span></span></a></div><br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/760731'>►</a></span><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_May" class='spip_out' title="Karl May – Wikipedia" hreflang="de"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>de.wikipedia.org</span>/</span>wiki/<span class='lien_fin'>Karl_May</span></span></a></span></p><blockquote lang="de" dir="ltr"><p> Bamberg. Der Karl-May-Verlag sucht einen neuen Verleger. Der Geschäftsführer und alleinige Gesellschafter Bernhard Schmid möchte den über hundert Jahre alten Familienbetrieb verkaufen. »Karl May ist auch meine große Leidenschaft, und die fast 35 Jahre Arbeit dafür habern mir großen Spaß gemacht. Um so mehr will ich rechtzeitig dafür Sorge tragen, dass unser Verlag in guten Händen eine sichere Zukunft hat«, sagt Schmid. Der 64jährige ist seit 2007 alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer des Verlags. Sein Großvater Euchar Albrecht Schmid hatte den Verlag im Jahr 1913 mitgegründet.</p><p>Der Karl-May-Verlag mit Sitz in Bamberg blickt auf eine lange Geschichte zurück. Bekannt für seine Bücher mit dem grünen Einband, der goldenen Schrift und dem bunten Titelbild, zieren Karl Mays Werke wie »Winnetou« seit mehr als hundert Jahren die deutschen Bücherregale. Das Programm des Verlags besteht fast ausschließlich aus den Werken seines Namensgebers.</p><p>Karl May gilt als einer der meistgelesenen Autoren deutscher Sprache. Besondere Berühmtheit erlangte der Abenteuerschriftsteller durch seine meist fiktiven Reiseerzählungen und die Geschichten um Winnetou und Old Shatterhand.</p><p>May wurde 1842 in Hohenstein-Ernstthal (Landkreis Zwickau) geboren, von 1888 bis zu seinem Tod 1912 lebte er im sächsischen Radebeul und verfasste dort wesentliche Teile seines Gesamtwerks. Kurz nach seinem Tod wurde im Jahr 1913 der Karl-May-Verlag in Radebeul gegründet. Im Jahr 1960 zog der Verlag dann nach Bamberg. (dpa/jW) </p></blockquote><p>Tout le monde l’aime bien, mais il est tellement démodé&nbsp;!</p><p><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008277840'>▻</a></span><a href="https://www.youtube.com/playlist?list=PLuT4X8ydlk9_FMpPgkAiDJbTWz5Y7m0V8" class='spip_out'><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'><span class='lien_www'>www.</span>youtube.com</span>/</span><span class='lien_fin'><span class='lien_fin_coupee'>playlist?list=PLuT4X8ydlk9_FMp</span><span class='lien_fin_cachee'>PgkAiDJbTWz5Y7m0V8</span></span></span></a></span></p><p>Arno Schmidt und Karl May<br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008277841'>▻</a></span><a href="https://www.karl-may-wiki.de/index.php/Arno_Schmidt" class='spip_out' title="Arno Schmidt – Karl-May-Wiki" hreflang="de"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'><span class='lien_www'>www.</span>karl-may-wiki.de</span>/</span>index.php/<span class='lien_fin'>Arno_Schmidt</span></span></a></span></p><p><span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/lettres'>lettres</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/auf_deutsch'>auf_deutsch</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/western'>western</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/wtf'>wtf</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/%C3%A9dition'>édition</a></span></p></div>]]></content>
	
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	<title>Wege aus dem Krieg</title>
	<author>
		<name>klaus++  (@klaus)</name>
		<uri>https://seenthis.net/people/klaus</uri>
		<email>klaus@seenthis.net</email>
		
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	<published>2026-03-22T05:10:19Z</published>
	<updated>2026-03-22T05:20:41Z</updated>
	
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	<summary>Wege aus dem Krieg
https://www.nachdenkseiten.de/?p=148021

Quelques livres en allemand sur la guerre en Palestine, à l'occasion de la foire du livre de Leipzig


❝20.3.2026  - von Rüdiger Göbel	- Der Auftritt von Israels Ex-Militärsprecher Arye Sharuz Shalicar im Rahmen von „Leipzig liest“ führt zu den erwartbaren Protesten. Die Fassade des Veranstaltungsortes ist mit „Free Gaza – Yallah Intifada“ besprüht, Palästina-Gruppen demonstrieren zum Felsenkeller. „Wir dulden keine Propagandaveranstaltung eines Sprechers der genozidalen Besatzungsarmee”, heißt es ultimativ. Arye Sharuz Shalicar ist ohne Frage ein Lautsprecher des Krieges, ihm den Zugang zu einer Lesebühne verweigern zu wollen, erinnert indes an den Zensur-Furor von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wider Kritiker der israelischen Besatzungspolitik. Dabei bräuchte es weniger Wächterrat und Lärm als vielmehr Aufmerksamkeit für die Leisen. Eine Bücherschau von Rüdiger Göbel.



Es sind die nachdenklichen Stimmen, nicht die politischen Lautsprecher, die es braucht für die Vorbereitung auf die Zeit nach dem Hass. Für den Morgen nach der Hölle des Krieges. Für die Arbeit am Frieden. Die deutsch-norwegische Kinderpsychologin Katrin Glatz Brubakk ist eine dieser Stimmen ungeheurer Stärke und Souveränität. Sie hat als Trauma-Therapeutin im Nasser-Krankenhaus in Khan Younis im Süden des Gazastreifens gearbeitet, wo Kinder täglich um ihr Leben wie das ihrer Liebsten bangen und zugleich eine unglaubliche Kraft zeigen. Inmitten von Angst und Zerstörung entstünden auch Momente voller Menschlichkeit, berichtet die Ärztin: das befreiende Lachen eines Kindes, die Hilfsbereitschaft unter Fremden, das Teilen der letzten Ressourcen.

„Ich habe den Klang des Krieges gehört. Nicht in Form von Bombenexplosionen, sondern als schmerzhafte Angstschreie traumatisierter Kinder. Schreie, die so durchdringend sind, dass sie den gesamten Schmerz Gazas verkörpern“, schreibt Katrin Glatz Brubakk in ihrem „Tagebuch aus Gaza“ (Westend Verlag). Ihre Aufzeichnungen handeln von den Kindern, ihren Familien und ihren Kollegen, die sie traf, als sie im Herbst 2024 und Winter 2025 jeweils fünf Wochen als Kinderpsychologin im Kriegsgebiet Gaza gearbeitet hat. „Einige von ihnen sind körperlich verletzt, andere nicht – aber alle sind Opfer dieses Krieges“, betont sie.

Trauma in Gaza

In einem denkwürdigen ZDF-Talk „Markus Lanz“ hat Katrin Glatz Brubakk unmittelbar nach Bekanntwerden des sogenannten Trump-Friedensplans von Leid und Leben in Gaza Zeugnis gegeben. „Meine Freunde in Gaza hoffen nur noch, dass dieser Frieden kommt. Dass die Waffen schweigen. (…) Meine Kollegen wünschen sich nur, dass sie morgens zur Arbeit gehen und sich sicher fühlen können, dass ihre Kinder am Nachmittag noch am Leben sind. Heute geht das nicht. Sie sind total erschöpft und am Ende ihrer Kräfte. Sie wünschen nur, dass sie endlich wieder ein halbwegs normales Leben leben können. (…) Meine Kollegen, meine Patienten, meine Kinder, die ich getroffen habe, sind in einem extremen Überlebensmodus.“ Es gehe um alltägliche Dinge, woher bekomme ich Wasser. Woher Essen. Wo ist es sicher. Für die große Politik fehle da die Kraft. Ihre Ärztekollegen und die Pflegekräfte seien „meine Helden“ geworden. „Sie haben alle flüchten müssen. Sie haben alle ihr Haus verloren. Die allermeisten haben Familienmitglieder verloren. (…) Wenn heute mein Smartphone piept, weiß ich nicht, ob es eine Todesnachricht ist. So schlimm ist die Lage geworden. Es gibt im Gazastreifen keinen sicheren Ort.“ Mehr als 1.700 Ärzte und Pflegekräfte sind getötet worden, darunter 13 Mitarbeiter der Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“, für die Katrin Glatz Brubakk zuletzt im Februar 2025 in Gaza im Einsatz war.

Bevor sie losfuhr, hat sie ihren Kindern Abschiedsbriefe geschrieben. „Wir haben gemeinsam beschlossen, dass ich fahre. Ganz einfach, weil jemand fahren muss. Und ich bin so gesehen ein Glückspilz. Ich habe eine Ausbildung, von der ich weiß, dass ich helfen kann. Ich habe Erfahrung, mache das seit zehn Jahren und weiß, dass ich unter solchen Bedingungen arbeiten kann. Ich habe gottseidank einen Kopf, der das verkraftet. Und es fühlt sich wie eine Verpflichtung an, zu fahren. Aber klar, ich hatte Angst.“

Mit ihren Tagebuchnotizen möchte sie zeigen, „was der Krieg in der Psyche der Menschen in Gaza anrichtet, unter welchem Stress sie leben, worüber sie sich Sorgen machen und wie sehr sie einander helfen wollen – vor allem dabei, die Hoffnung aufrechtzuerhalten“. Das Buch macht gleichzeitig deutlich, wie zerstört die Menschen sind. „Ein Haus zu verlieren oder zu hungern ist nichts im Vergleich zu dem, was das psychisch mit uns macht“, zitiert Katrin Glatz Brubakk eine palästinensische Kollegin.

Der Krieg in Gaza zerstöre eine ganze Generation Kinder in ihrer physischen wie psychischen Entwicklung, mit Folgen, die noch in Jahrzehnten Wirkung zeigen können. „Wie auf einem Fließband werden die Zukunftsträume von Kindern zerstört. Tausende, Hunderttausende von Kindern, die spielen, forschen und sich entwickeln sollten, sitzen in löchrigen Zelten und warten darauf, ihr Leben zurückzubekommen. Ängstlich, frierend, hungrig“, resümiert die Autorin in ihrem Tagebuch. „Werden sie jemals wieder in ein normales Leben zurückfinden können? Niemand weiß es. Ich fürchte, die Wunden könnten zu groß sein.“

Am 10. Oktober 2025 trat auf US-amerikanische Initiative eine Waffenruhe in Kraft, die zu einem dauerhaften Frieden führen soll. Nach Angaben der UN-Kinderhilfsorganisation Unicef sind seitdem mehr als 100 Kinder im Gazastreifen getötet worden – durch militärische Angriffe wie Luftschläge, Drohnen- und Quadrocopter-Angriffe, Panzerbeschuss und Schusswaffen sowie durch explodierende Kriegsrückstände.

Trauma in Israel

Zu den leisen und mithin wichtigen Stimmen in diesem Krieg gehören die israelischen Autoren Ron Leshem und Amir Tibon. Ihre Bücher „Feuer. Israel nach dem 7. Oktober“ (Rowohlt-Verlag) und „Die Tore von Gaza. Eine Geschichte von Terror, Tod, Überleben und Hoffnung“ (Jüdischer Verlag) dokumentieren die Traumata in ihrem Land. „Der 7. Oktober 2023 stellt für die Israelis eine Zäsur ohnegleichen dar. Von nun an wird es in der Zeitrechnung nur noch ein Davor und ein Danach geben“, betont Gisela Dachs, Herausgeberin des Jüdischen Almanachs, der 2024 als Sammelband „7. Oktober: Stimmen aus Israel“ (Jüdischer Verlag) erschienen ist. „Das schiere Ausmaß und die ungeheuerliche Brutalität der Angriffe der Hamas, die Geiselnahmen und ein Krieg, so lange wie noch keiner zuvor, haben die Nation traumatisiert. Die Grundfesten, auf denen man sich im eigenen Staat sicher fühlte, wurden zutiefst erschüttert.“

Die hier versammelten Texte aus Israel erzählen persönliche Geschichten, es geht um Ortsbesichtigungen, Momentaufnahmen, Zustandsbeschreibungen, Zukunftsvisionen, Zusammenhalt. Es schreiben unter anderem David Grossman, Eva Illouz, Etgar Keret, Smadar Sheffi, Andrea Livnat, Assaf Uni und Ayelet Gundar-Goshen. Auch ein Auszug aus „Die Tore von Gaza“ ist enthalten. Palästinenser, die immerhin 20 Prozent der israelischen Bevölkerung ausmachen, sind als Autoren nicht vertreten. Ein weiterer Almanach zum Thema ist nicht erschienen.

Ron Leshem ist Roman- und Drehbuchautor, Journalist und ehemaliger israelischer Geheimdienstoffizier. Am 7. Oktober 2023 wurde sein Cousin, der auch deutscher Staatsbürger war, nach Gaza verschleppt. Hamas-Milizen ermordeten seine Tante und seinen Onkel. In „Feuer“ zeichnet er bewegend den Tag des Überfalls nach. „Um halb sieben morgens heulten die Sirenen, und der Kibbuz Be’eri erwachte in einem irrealen Szenario. Fünf Jahre lange hatten die Angreifer trainiert, und obwohl die Nachrichtendienste davon wussten, hatte niemand meine Familie gewarnt. In Be’eri verschanzten sich die Menschen in ihren Häusern. Meine Tante Orit und ihr Sohn Itai lagen eng beieinander im Dunkeln und hielten uns in den nächsten Stunden, die eine Ewigkeit währten, telefonisch auf dem Laufenden. Sie riefen die Polizei an, vergebens. An jenem Schabbat gab es keinen Staat – der Staat war wie ein Turm aus Sand in einer Staubwolke eingestürzt. Es gab keine Polizei, keine Armee, keine Generäle und keine politische Führung mehr. Nur Menschen, allein auf sich gestellt, einen ganzen Tag lang.“

Nicht eine der öffentlichen Institutionen Israels habe funktioniert, erinnert Ron Leshem. „Israels Ortschaften und Städte wurden von einem orchestrierten Überraschungsangriff getroffen, aus der Luft, vom Meer und an Land. Innerhalb von Sekunden war der Himmel bedeckt von Garben aus Tausenden Raketen und Geschossen, die von Gaza auf alle Landesteile Israels abgefeuert wurden.“ Detailliert schildert Ron Leshem die brutalen Geschehnisse dieses langen Tages, an dem 1.200 Menschen getötet und 255 als Geiseln gewaltsam nach Gaza verbracht werden, gibt ihnen Namen und Geschichte – 7:08 Uhr, Kibbuz Kfar Aza: „Die Helmkamera eines Hamas-Kämpfers folgt dem Lauf eines Gewehrs, der Blick schweift über eine grüne Wiese, über viele Blumen, dann über kleine, einfache Bungalows. Der Lauf sucht ein Opfer, und von Zeit zu Zeit findet er eines und schießt. Das Pfeifen von Kugeln ist zu hören, aus unterschiedlichen Distanzen. In den WhatsApp-Gruppen schreiben Menschen ihren Nachbarn, dass sie bei lebendigem Leib zu verbrennen drohen, flehen um Hilfe. Die fünfköpfige Familie Kutz – der Vater Aviv, die Mutter Livnat und ihre drei Kinder Rotem, neunzehn Jahre alt, Yonathan, zwölf Jahre alt, und Yiftah, elf Jahre alt – liegt eng umschlungen auf einem Bett und wartet auf ihren Tod. Die Terroristen erschießen sie, einen nach dem anderen. In Aufnahmen aus der Jugendsiedlung des Kibbuz hört man das Lachen, den Hohn und den Hass der Terroristen, während sie in Häuser eindringen und laut überlegen, wen sie töten und wen sie entführen, und sie rufen: ‚Itbach al-yahud‘, Tod den Juden.“ So geht es Eintrag um Eintrag, 46 lange Seiten währt die „Chronik eines Tages“ in diesem Buch. Hier gib es nichts zu relativieren – aber eben auch nichts zu rechtfertigen für eine Kriegsführung, die mit mindestens 70.000 Toten, die meisten davon Frauen und Kinder, Hunger und Massenvertreibung zum Genozid in Gaza gereicht.

Ron Leshem schildert in „Feuer“ ein tief gespaltenes Israel, in dem Benjamin Netanjahu und seine rechtsextremen Minister Ben-Gvir und Smotrich Teil des Problems, nicht der Lösung sind. Er erinnert auch an die Feststellung des israelischen Regierungschefs 2019: „Wer die Errichtung eines palästinensischen Staates verhindern will, muss sich für deine Stärkung der Hamas einsetzen und es Katar ermöglichen, Gelder an die Hamas zu transferieren. Das ist Teil unserer Strategie, die Palästinenser in Gaza von den Palästinensern im Westjordanland zu trennen.“ Eine tödliche Strategie, für Israelis wie Palästinenser.

Heute hegten viele in Israel den Verdacht, dass Netanjahus „Bibisten“ den Krieg in Gaza lieber in die Länge ziehen wollten, denn solange er dauere, befasse man sich nicht mit ihrem Versagen und mit den gegen Netanjahu geführten Strafverfahren. „Der Krieg schreitet ohne jegliches Ziel oder jeglichen Plan voran. Was aber soll am Tag danach geschehen?“ – Er geht weiter auf niedrigem Niveau, wie wir seit dem 10. Oktober 2025 wissen, ist aber aus den Medien und dem Bewusstsein gehalten.

Ron Leshem erinnert an die Verantwortung beider Seiten, wenn er schreibt: „So wie die israelische Gesellschaft Schuld trägt an den Verfehlungen ihrer politischen Führung, an deren Entscheidungen und daran, sich mit der Besetzung abgefunden zu haben, so tragen auch die Palästinenser in Gaza Verantwortung für das finstere Regime, das sie gewählt haben, das sie unterstützen; Verantwortung tragen die Zivilisten, die das Massaker bejubeln und in den Straßen Gazas Geiseln erschlagen haben, darunter junge israelische Frauen, die entkleidet wurden, und Achtzigjährige.“

Wenn er auf Israel heute schaue, schreibt Ron Leshem in Sorge um Israels Zukunft weiter, fühle er sich wie jemand, der die Kollision zweier Züge oder einen Selbstmord in Zeitlupe verfolgt, „und ich weiß, meine Heimat steuert in diesen schicksalhaften Tagen auf die Prüfung ihres Lebens zu. Sie droht, zu einer deutlich rassistischeren Gesellschaft zu werden, geprägt von institutionalisierter, behördlicher Diskriminierung von Minderheiten, kontrolliert von bewaffneten Milizen, mit Herrschaftselementen, die aus Putins Russland entlehnt scheinen, und einer gleichgeschalteten Medienlandschaft. Wenn die fundamentalistisch-jüdische Welle weiter erstarkt und das Bündnis zwischen Charedim und Nationalreligiösen seine Macht ausweiten sollte, werden Israelis in den kommenden Jahren das Land in Scharen verlassen, unter ihnen die Wissenschafts-, Technologie- und Wirtschaftselite und natürlich große Teile der liberalen Geisteswelt.“ Allerdings könne die Gewalt der Erschütterung auch ein „Weckruf sein“, eine letzte Chance für Israel, sich neu zu erfinden, mit der meiner Heimat eigenen Kreativität und Vorstellungskraft. „Dazu ist seine vernünftige und lebensbejahende Bevölkerung zu den Fahnen gerufen. Denn die Mehrheit aller Israelis will Demokratie, will eine soziale, emphatische Gesellschaft, in der Solidarität mit all denen herrscht, die weniger oder nichts haben.“ Und Ron Leshem mahnt seine Landsleute: „Sollte diese Mehrheit nicht siegen, wird es Israel schlicht und einfach bald nicht mehr geben.“

Sieben Sekunden

Ebenso eindrücklich und reflektiert schildert Amir Tibon in „Die Tore von Gaza“ sein Erleben und Überleben des 7. Oktober 2023. Der Haaretz-Journalist erzählt den Tag durch das Prisma der Ereignisse in Nahal Oz, einer israelischen Siedlung unweit von Gaza. An jenem Morgen wurden Amir Tibon und seine Frau von Mörsergranaten geweckt, die in der Nähe ihres Hauses im Kibbuz einschlugen. Sie verbarrikadierten sich mit den beiden kleinen Töchtern Galia und Carmel im Schutzraum des Hauses und ermahnten sie, nicht zu weinen, während sie die Schüsse der Hamas-Angreifer vor ihren Fenstern hörten.

Man muss die Reportage wirken lassen, die Beklemmung und Todesangst: „In jedem Haus in Nahal Oz, ebenso wie in allen anderen Gemeinden entlang der Grenze zu Gaza, gibt es ein besonderes Zimmer: einen oberirdischen Bunker aus massivem Beton, der einem direkten Einschlag einer Mörsergranate und auch bestimmten Typen von stärkeren Raketen standhalten soll. Außerdem verfügt dieses Zimmer, der Schutzraum, in den wir an diesem Morgen gerannt sind, über eine Metallplatte, mit der das Fenster von außen abgedeckt werden kann, um zu verhindern, dass Schrapnelle in den Raum eindringen. Auch die Tür ist schrapnellsicher. Dieser standardisierte Schutzraum hat eine klare Sicherheitsfunktion, doch die meisten Familien an der Grenze nutzen diesen Raum zu einem anderen Zweck: Hier gehen unsere Kinder abends schlafen.“ Nahal Oz liege so nah an Gaza, dass man im Fall eines Mörserbeschusses auf die Gemeinde nur sieben Sekunden Zeit habe, um sich in Sicherheit zu bringen. Für Familien mit kleinen Kindern liege die Entscheidung auf der Hand: „Findet ein Angriff nachts oder frühmorgens statt, ist es bedeutend einfacher, wenn die Eltern ins Zimmer ihrer Kinder rennen und nicht umgekehrt.“

Amir Tibon schildert nicht nur die vielen Stunden, die er und seine Frau mit den beiden Töchtern eingesperrt im Schutzraum ausharren, ihre Angst und ihr Ringen um Hilfe, bis sie schließlich von seinem Vater mit unglaublichem Mut gerettet werden. Er zeichnet den Tag, Tod und Zerstörung auf der Grundlage von israelischen und palästinensischen Quellen sowie Interviews mit den Polizisten und Soldaten nach, die am 7. Oktober 2023 kämpften. Wie Ron Leshem wirft er dabei auch einen kritischen Blick auf den jahrzehntewährenden Konflikt, ohne gleichwohl die illegale Siedlungspolitik Israels und den mit der illegalen Besatzung einhergehenden Landraub grundsätzlich zu problematisieren.

Vom Hügel des Friedhofs seines überfallenen Kibbuz schaut Amir Tibon bei einer späteren Rückkehr nach Gaza. „Von hier aus kann man das atemberaubende Ausmaß der Zerstörung besser erkennen – und kommt noch schlechter zurecht damit. Als ich das letzte Mal hier oben war, konnte ich Hunderte Gebäude auf der anderen Seite des Zauns sehen; jetzt ist dort, wo sie einst standen, nur noch Schutt. Schüsse hallen in der Ferne, und Rauch steigt aus dem Inneren der zerstörten Stadt auf, das Resultat eines israelischen Bombenangriffs aus der Luft, der sich nur wenige Minuten vorher ereignete, während ich zum Friedhof fuhr.“

Und Amir Tibon bekennt, damit zu den leisen, nachdenklichen Stimmen seines Landes zählend, die sich Humanität bewahrt und früh schon keine Selbstverteidigung mehr gesehen haben: „Als israelischer Bürger habe ich den Krieg, zumindest in den ersten Monaten, unterstützt. Ich war unendlich wütend darüber, was die Hamas unserer Gemeinde angetan hatte, und machte mir Sorgen, wie unsere anderen Widersacher in der Region auf die israelische Schwäche angesichts dieses Angriffs blicken würden. Doch als Mensch finde ich es extrem schwer, wenn nicht gar völlig unmöglich, das Maß an Zerstörung zu billigen, das in Gaza von meinem Land angerichtet wird. Und als Bewohner von Nahal Oz, der nach wie vor hofft, eines Tages mit seiner Familie hierher zurückkehren zu können, muss ich mich fragen, wozu diese Gewalt führen wird – zu Frieden und Ruhe oder zu noch mehr Gewalt?“

491 Tage

Eli Sharabi war etwa 16 Monate eine der Geiseln der Hamas. In seinem Memoir „491 Tage“ (Suhrkamp Verlag) erzählt der 53-jährige Israeli von dem Moment im Kibbuz Be`eri, als Hamas-Kämpfer in sein Haus eindringen. Er und seine Frau Lianne wehren sich nicht, in der Hoffnung, so zu überleben. Seine Frau und die beiden Töchter Noiya und Yahel bleiben zurück, er wird mitgenommen. In Gaza wird Eli Sharabi fast von einem Mob gelyncht, es sind ausgerechnet seine Entführer, die sein Leben im letzten Moment retten. Die ersten 52 Tage seiner Geiselhaft geht es ihm und den Mitgefangenen noch einigermaßen gut: Sie werden in einem Wohnhaus festgehalten und erhalten regelmäßig Mahlzeiten. Schließlich werden die Gefangenen in Tunnel verbracht. „Das war mein schlimmster Albtraum. Ich habe vorher viel über die Tunnel gehört. Die haben diese Falltür nach unten aufgemacht und das sah für mich aus wie ein perfektes Grab“, erinnert sich Eli Sharabi. Die Bewacher – faktisch mit ihnen unter der Erde eingesperrt – werden immer aggressiver, je länger der Krieg dauert und je größer die Zerstörungen oben in Gaza sind. Die zugeteilten Essensrationen werden knapper und knapper, die hygienischen Verhältnisse katastrophal. Mit Disziplin, täglichen kleinen Sportübungen und Zusammenhalt hält die Geiselgruppe durch.

Eli Sharabi beschreibt ohne Pathos und präzise, wie er diese Zeit in Tunneln tief unter der Erde in Gaza erlebt und durchlitten hat, schildert Hunger und Schmerz, Misshandlung, Sehnsucht, Einsamkeit und eine Hilflosigkeit, die die Seele zu zerstören droht. Anfangs waren sieben Personen in einem etwa zehn Quadratmeter kleinen Raum zusammengekettet, wobei die Ketten an den Beinen jeweils miteinander verbunden waren. Alle sechs Wochen durften sie sich einmal mit einem halben Eimer kaltem Wasser waschen. „Der Dreck, den man in diesen sechs Wochen aufgebaut hat, das ist grauenhaft“, so Eli Sharabi. „Das ist dreckig, das stinkt. Ein bisschen Seife oder ein bisschen Zahnpasta, das war Luxus. Alle zwei, drei Monate mal, vielleicht. Und dann Würmer überall und Kakerlaken und Ratten.“ Einziger Antrieb zum Überleben ist der Wille, seine Familie irgendwann wieder in die Arme schließen zu können.

Während der beiden Waffenstillstände im Gaza-Krieg wurden die Geiseln der Hamas nach und nach dem Roten Kreuz übergeben. Zuvor gab es für die Kameras eine Inszenierung auf einer Bühne irgendwo im Gazastreifen: Es waren Aufnahmen, die um die Welt gingen. Auch Eli Sharabi muss von einer solchen Bühne winken, als er am 8. Februar 2025 freikommt – bis auf die Knochen abgemagert. Dann die Schreckensnachricht, dass seine Frau und die Töchter noch am 7. Oktober 2023 umgebracht wurden. Hamas-Kämpfer hatten sie im Schutzraum ihres Hauses eingeschlossen und das Gebäude angezündet. Eli Sharabis Bruder Yossi stirbt in Hamas-Geiselhaft.

„491 Tage“ ist ein Augenzeugenbericht, der auf eine politische Botschaft verzichtet. Das Buch schildert weder den Hintergrund des Konflikts, noch bietet es eine Lösung an. Und doch entfaltet es ungeheure Wirkung. Es endet mit Eli Sharabis Besuch an den Gräbern von Lianne, Noiya und Yahel: „Das hier ist der Tiefpunkt. Ich habe ihn gesehen. Ich habe ihn berührt. Jetzt, Leben.“

Das Buch über Misshandlung und Tod in israelischer Haft muss erst noch geschrieben und verlegt werden. Mindestens 98 Palästinenser sind einem ausführlichen Bericht von Yuval Abraham im +972 Magazin (17. November 2025) zufolge nach dem 7. Oktober 2023 in israelischen Gefängnissen und Militärhaftanstalten gestorben, in vielen Fällen offenbar als direkte Folge von Folter, medizinischer Vernachlässigung und Nahrungsentzug durch Soldaten und Gefängnisbeamte. Von den aus dem Gazastreifen Inhaftierten, die die Mehrheit bilden, wurde weniger als ein Drittel von der israelischen Armee selbst als Militante eingestuft – was bedeutet, dass Israels Regierung – mit der Bundesinnenminister Alexander Dobrindt in diesem Januar eine „Sicherheitspartnerschaft“ vereinbart hat – für den Tod Dutzender palästinensischer Zivilisten in Haft verantwortlich ist.

Das Schicksal Hunderter weiterer in Gaza festgenommener Palästinenser ist unbekannt. Und trotz fast 100 dokumentierter Todesfälle in Haft und zahlreicher Zeugenaussagen und anderer Beweise für schwere körperliche Misshandlungen einschließlich weitverbreiteter sexueller Gewalt wurde nur ein israelischer Soldat strafrechtlich verfolgt; er wurde im Februar 2025 wegen Misshandlung von Gefangenen aus Gaza zu sieben Monaten Haft verurteilt.

Trauma Besatzung

Es ist bedauerlich, dass „The Killing of Gaza: Reports on a Catastrophe“ (Verso Books) des israelischen Journalisten Gideon Levy einer deutschen Übersetzung harren muss. Wie kaum ein anderer formuliert der renommierte Reporter scharfe Kritik an der Besatzungspolitik. Sein aktuelles Buch versammelt Reportagen, Kolumnen und Berichte seit 2014 mit besonderem Fokus auf dem 7. Oktober 2023 und den Folgen. Levy hilft, die strukturelle Gewalt der israelischen Okkupation zu verstehen und zeigt auf, warum palästinensisches Leid nicht plötzlich „aus dem Nichts“ kommt, ohne eine Rechtfertigung für die Gewalt dieses schwarzen Tages zu liefern. Die Berichte aus Gaza indes zeigen, für die Palästinenser ist jeder Tag ein 7. Oktober, ein Tag von Trauma und Tod.

Ein halber Mensch

Samar Yazbek macht den Terror des Krieges in „Gaza. Überlebensberichte aus einem zerstörten Land“ (Unionsverlag) greifbar. „Was haben Sie am 7. Oktober 2023 gemacht?“ Diese Eingangsfrage stellte die Autorin und Journalistin in Katar Hunderten von Kriegsflüchtlingen aus dem Gazastreifen. Während mehrerer Monate im Jahr 2024 erzählen ihr Männer, Frauen und Kinder zwischen 13 und 65, was sie in diesem Krieg erlebt haben. „Fragen waren auf mich eingestürzt und hatten mich zu ihnen geführt: Was war mit den Menschen aus Gaza, die dem Genozid entkommen waren, geschehen? Können wir sie als Überlebende bezeichnen?“ Die 27 für das Buch ausgewählten Berichte zeugen von den unvorstellbaren Verlusten und Verheerungen im Krieg. Sie stammen von Menschen, „die durch die Hölle gingen und wiederkehrten“.

Firas Al-Scheich Radwan ist einer der Überlebenden. Er ist 21 Jahre alt und kommt aus dem Tadsch-Viertel in Gaza-Stadt. „Bevor ich ein halber Mensch wurde, habe ich Buchhaltung an der Quds-Fern-Uni-studiert“, beginnt der junge Mann seine Schilderungen über den 7. Oktober 2023 und das folgende Inferno, bei dem er mehrfach verletzt wird und am Ende todgeweiht beide Beine bis zum letzten Rest der Oberschenkel verliert. „Es war eine neue Art der Bombardierung. Sie wird ‚Feuergürtel‘ genannt. Das sind nicht ein oder zwei Bomben oder Raketen, sondern Dutzende. Ein Feuergürtel ist extrem heftig und dauert mindestens eine Stunde, nur dass die Stunde nie endet. Eine brutale Bombardierung, die erst aufhört, wenn alles Leben unter ihr ausgelöscht ist und ganze Familien aus dem Personenstandsregister gestrichen sind. (…) Die Häuser zerkrümeln wie Kekse. (…) Wir rannten, ich rannte, die Leute um mich rum rannten, und beim Rennen sahen wir die Trümmer und die Toten und überall verstreute Körperteile. Es waren keine Körperteile mehr, oder Körpermasse. Es waren Einzelteile, Eingeweide und Gliedmaßen. (…) Ich sehe immer noch ihre Gesichter vor mir, Kinder, Frauen, wie weggeworfen, verstreut. Ich sah Köpfe und Hände und Beine, halbe Körper und Viertelkörper und offene Körper, wie in einem Anatomie-Atlas. Wir sprangen über sie drüber, manchmal traten wir auf sie drauf, manchmal stolperten wir über sie. Wir überrannten uns gegenseitig in unserer Panik, drängelten, die Gedanken nur in dieser Hölle, die sich Feuergürtel nennt. Grausam. (…) Ich sah, dass ich meine Beine verloren hatte, aber es tat nicht weh. Ich sag‘s dir, wenn die Wunde ganz frisch ist, spürst du den Schmerz nicht.“

Samar Yazbek gibt der kriegsversehrten Zivilbevölkerung in Gaza eine Stimme, dokumentiert die grausame Gewalt und das Leid des Krieges. Es sind die Geschichten der Überlebenden, gerettet von mutigen Ärzten im Schifa-Krankenhaus und vielen anderen Kliniken, die von der israelischen Armee als Terrorzentralen angemalt und attackiert wurden. Unmöglich lässt sich das Buch voller Schmerzen und zerstörten Hoffnungen an einem Stück lesen.

Zum Verständnis des Israel-Palästina-Konflikts gerade auch jüngeren Lesern sei an dieser Stelle unbedingt „Ein Tag im Leben von Abed Salama“ (Pendragon-Verlag) ans Herz gelegt. Es war 2024 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet worden. In dem gut recherchierten Buch, das wenige Tag vor dem Terror des 7. Oktober 2023 veröffentlicht wurde, geht Nathan Thrall nicht nur auf die komplexe Geschichte der Besetzung ein, vielmehr macht er sichtbar, was oft übersehen wird: Das Leben der Menschen in einem zerrütteten Land.

Der in den USA geborene und mittlerweile in Jerusalem lebende Autor erzählt die Geschichte eines Unfalls, der sich außerhalb Jerusalems ereignet hat: Vor den Toren der Stadt kommt es zu einer Tragödie, als ein mit palästinensischen Kindern besetzter Schulbus von einem Sattelschlepper gerammt wird und in Flammen aufgeht. Sechs Kinder und eine Lehrerin sterben. Ungeklärte Zuständigkeiten und lähmende Bürokratie im Grenzgebiet verhindern ein schnelles Eingreifen der Rettungskräfte. Am Unfallort treffen israelische und palästinensische Menschen aufeinander, die gemeinsam versuchen, den verunglückten Kindern zu helfen, unter ihnen auch Milad, dem fünfjährigen Sohn von Abed Salama. Für den Vater beginnt eine qualvolle Odyssee: Er weiß nicht, ob sein Sohn überlebt hat, in welchem Krankenhaus er ist und wie er dort hinkommen soll.

Nathan Thrall zeichnet ausgehend von dieser Tragödie einfühlsam die unterschiedlichen Lebensgeschichten nach und erzählt die Auswirkungen der völkerrechtswidrigen israelischen Siedlungspolitik auf das tägliche (Über-)Leben im Westjordanland. Der Autor verweist auf die strukturellen Gründe für das tödliche Desaster: Die wachsende Einschränkung der Bewegungsfreiheit von Palästinensern durch die sogenannte Sperranlage und die unzähligen Checkpoints, kurzum, die Folgen der seit 1967 währenden Besatzung.

Seine drei Töchter Juno, Tessa und Zoe seien in Jerusalem aufgewachsen, schreibt Nathan Thrall im Nachgang, „von den Kindern in diesem Buch nur durch die Mauer getrennt. Auch wenn für mich selbst das Niederreißen dieser Barriere für immer ein Traum bleiben mag, so habe ich dieses Buch doch in der Hoffnung geschrieben, dass sie das noch erleben dürfen.“ Es ist dem kleinen Verlag Pendragon in Bielefeld zu danken, die deutsche Übersetzung dieses herausragenden Buches besorgt zu haben.

Keine Vergeltung

„Unsere größte Herausforderung ist es, die andere Seite wieder zu humanisieren“, sagt Maoz Inon, dessen Eltern Bilha und Yakobi Inon am 7. Oktober 2023 in Netiv HaAsara zu den ersten Opfern der Hamas gehörten. Nach Ende der Trauerzeit beschlossen er und seine vier Geschwister, eine Botschaft in die Welt zu schicken: Sie wollen keine Vergeltung. „Wir können nicht auf unsere Politiker warten, wir müssen selbst etwas tun“, so Maoz Inon in der FAZ (6.10.2025). „Jeder ist handlungsfähig.“ Die Geschichte lehre, dass jeder Konflikt irgendwann ende. Die Frage sei nur, wie viele Menschen bis dahin sterben müssten.

Heute spricht der einstige Unternehmer als Friedensaktivist auf Podien und Demonstrationen, er organisiert Veranstaltungen und Märsche in Israel und auf der ganzen Welt. Mit seinem Mitstreiter Aziz Abu Sarah aus dem Westjordanland hat er ein Buch geschrieben: „The Future is Peace“ (Penguin Random House). Die Zukunft ist Frieden. Auch dieses harrt noch einer Übersetzung ins Deutsche.

Die beiden Friedensstifter mahnen: „Wir leben nebeneinander, sind jedoch durch Straßensperren und Kontrollpunkte voneinander getrennt. Wir teilen denselben Traum von einer besseren Zukunft für unsere Kinder, sind jedoch so sehr durch Angst und Wut gespalten, dass wir die Menschlichkeit des anderen nicht erkennen können. Die Wunden unserer Geschichte sitzen tief, aber wenn wir eine gemeinsame Zukunft aufbauen wollen, müssen wir die Mauern der Ignoranz und des Hasses, die uns trennen, einreißen.“

Menschen haben die Kraft, Veränderungen herbeizuführen, so ihre Botschaft. „Frieden ist erreichbar, nicht nur zwischen dem Fluss und dem Meer, sondern auf der ganzen Welt.“

Es ist die Botschaft des anderen Israels, nicht das der Lautsprecher und Kriegsapologeten.

    Katrin Glatz Brubakk. Tagebuch aus Gaza. Westend Verlag 2025, 224 Seiten, 24 Euro
    Gisela Dachs (Hg.): 7. Oktober: Stimmen aus Israel. Jüdischer Verlag 2024, 200 Seiten, 13 Euro
    Ron Leshem: Feuer: Israel und der 7. Oktober. Rowohlt-Verlag 2024, 320 Seiten, 25 Euro
    Amir Tibon: Die Tore von Gaza: Eine Geschichte von Terror, Tod, Überleben und Hoffnung. Jüdischer Verlag 2024, 432 Seiten, 26 Euro
    Eli Sharabi: 491 Tage: In den Tunneln der Hamas. Suhrkamp Verlag 2025, 200 Seiten, 24,00 Euro
    Gideon Levy: The Killing of Gaza: Reports on a Catastrophe. Verso Books 2024, 298 Seiten, 19 Euro
    Samar Yazbek: Gaza. Überlebensberichte aus einem zerstörten Land. Unionsverlag 2026, 272 Seiten, 24 Euro
    Nathan Thrall: Ein Tag im Leben von Abed Salama. Pendragon Verlag 2024, 296 Seiten, 26 Euro
    Aziz Abu Sarah, Maoz Inon: The Future Is Peace: A Shared Journey Across the Holy Land. Penguin Random House 2026, 240 Seiten, 23,50 Euro❞

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	<content type="html"><![CDATA[<div lang="fr" dir="ltr"><p>Wege aus dem Krieg<br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008269678'>▻</a></span><a href="https://www.nachdenkseiten.de/?p=148021" class='spip_out' title="Wege aus dem Krieg" hreflang="de"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'><span class='lien_www'>www.</span>nachdenkseiten.de</span>/</span><span class='lien_fin'>?p=148021</span></span></a></span></p><p>Quelques livres en allemand sur la guerre en Palestine, à l’occasion de la foire du livre de Leipzig</p><blockquote lang="de" dir="ltr"><p> 20.3.2026  - von Rüdiger Göbel	- Der Auftritt von Israels Ex-Militärsprecher Arye Sharuz Shalicar im Rahmen von „Leipzig liest“ führt zu den erwartbaren Protesten. Die Fassade des Veranstaltungsortes ist mit „Free Gaza – Yallah Intifada“ besprüht, Palästina-Gruppen demonstrieren zum Felsenkeller. „Wir dulden keine Propagandaveranstaltung eines Sprechers der genozidalen Besatzungsarmee”, heißt es ultimativ. Arye Sharuz Shalicar ist ohne Frage ein Lautsprecher des Krieges, ihm den Zugang zu einer Lesebühne verweigern zu wollen, erinnert indes an den Zensur-Furor von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wider Kritiker der israelischen Besatzungspolitik. Dabei bräuchte es weniger Wächterrat und Lärm als vielmehr Aufmerksamkeit für die Leisen. Eine Bücherschau von Rüdiger Göbel.</p><p>Es sind die nachdenklichen Stimmen, nicht die politischen Lautsprecher, die es braucht für die Vorbereitung auf die Zeit nach dem Hass. Für den Morgen nach der Hölle des Krieges. Für die Arbeit am Frieden. Die deutsch-norwegische Kinderpsychologin Katrin Glatz Brubakk ist eine dieser Stimmen ungeheurer Stärke und Souveränität. Sie hat als Trauma-Therapeutin im Nasser-Krankenhaus in Khan Younis im Süden des Gazastreifens gearbeitet, wo Kinder täglich um ihr Leben wie das ihrer Liebsten bangen und zugleich eine unglaubliche Kraft zeigen. Inmitten von Angst und Zerstörung entstünden auch Momente voller Menschlichkeit, berichtet die Ärztin: das befreiende Lachen eines Kindes, die Hilfsbereitschaft unter Fremden, das Teilen der letzten Ressourcen.</p><p>„Ich habe den Klang des Krieges gehört. Nicht in Form von Bombenexplosionen, sondern als schmerzhafte Angstschreie traumatisierter Kinder. Schreie, die so durchdringend sind, dass sie den gesamten Schmerz Gazas verkörpern“, schreibt Katrin Glatz Brubakk in ihrem „Tagebuch aus Gaza“ (Westend Verlag). Ihre Aufzeichnungen handeln von den Kindern, ihren Familien und ihren Kollegen, die sie traf, als sie im Herbst 2024 und Winter 2025 jeweils fünf Wochen als Kinderpsychologin im Kriegsgebiet Gaza gearbeitet hat. „Einige von ihnen sind körperlich verletzt, andere nicht – aber alle sind Opfer dieses Krieges“, betont sie.</p><p>Trauma in Gaza</p><p>In einem denkwürdigen ZDF-Talk „Markus Lanz“ hat Katrin Glatz Brubakk unmittelbar nach Bekanntwerden des sogenannten Trump-Friedensplans von Leid und Leben in Gaza Zeugnis gegeben. „Meine Freunde in Gaza hoffen nur noch, dass dieser Frieden kommt. Dass die Waffen schweigen. (…) Meine Kollegen wünschen sich nur, dass sie morgens zur Arbeit gehen und sich sicher fühlen können, dass ihre Kinder am Nachmittag noch am Leben sind. Heute geht das nicht. Sie sind total erschöpft und am Ende ihrer Kräfte. Sie wünschen nur, dass sie endlich wieder ein halbwegs normales Leben leben können. (…) Meine Kollegen, meine Patienten, meine Kinder, die ich getroffen habe, sind in einem extremen Überlebensmodus.“ Es gehe um alltägliche Dinge, woher bekomme ich Wasser. Woher Essen. Wo ist es sicher. Für die große Politik fehle da die Kraft. Ihre Ärztekollegen und die Pflegekräfte seien „meine Helden“ geworden. „Sie haben alle flüchten müssen. Sie haben alle ihr Haus verloren. Die allermeisten haben Familienmitglieder verloren. (…) Wenn heute mein Smartphone piept, weiß ich nicht, ob es eine Todesnachricht ist. So schlimm ist die Lage geworden. Es gibt im Gazastreifen keinen sicheren Ort.“ Mehr als 1.700 Ärzte und Pflegekräfte sind getötet worden, darunter 13 Mitarbeiter der Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“, für die Katrin Glatz Brubakk zuletzt im Februar 2025 in Gaza im Einsatz war.</p><p>Bevor sie losfuhr, hat sie ihren Kindern Abschiedsbriefe geschrieben. „Wir haben gemeinsam beschlossen, dass ich fahre. Ganz einfach, weil jemand fahren muss. Und ich bin so gesehen ein Glückspilz. Ich habe eine Ausbildung, von der ich weiß, dass ich helfen kann. Ich habe Erfahrung, mache das seit zehn Jahren und weiß, dass ich unter solchen Bedingungen arbeiten kann. Ich habe gottseidank einen Kopf, der das verkraftet. Und es fühlt sich wie eine Verpflichtung an, zu fahren. Aber klar, ich hatte Angst.“</p><p>Mit ihren Tagebuchnotizen möchte sie zeigen, „was der Krieg in der Psyche der Menschen in Gaza anrichtet, unter welchem Stress sie leben, worüber sie sich Sorgen machen und wie sehr sie einander helfen wollen – vor allem dabei, die Hoffnung aufrechtzuerhalten“. Das Buch macht gleichzeitig deutlich, wie zerstört die Menschen sind. „Ein Haus zu verlieren oder zu hungern ist nichts im Vergleich zu dem, was das psychisch mit uns macht“, zitiert Katrin Glatz Brubakk eine palästinensische Kollegin.</p><p>Der Krieg in Gaza zerstöre eine ganze Generation Kinder in ihrer physischen wie psychischen Entwicklung, mit Folgen, die noch in Jahrzehnten Wirkung zeigen können. „Wie auf einem Fließband werden die Zukunftsträume von Kindern zerstört. Tausende, Hunderttausende von Kindern, die spielen, forschen und sich entwickeln sollten, sitzen in löchrigen Zelten und warten darauf, ihr Leben zurückzubekommen. Ängstlich, frierend, hungrig“, resümiert die Autorin in ihrem Tagebuch. „Werden sie jemals wieder in ein normales Leben zurückfinden können? Niemand weiß es. Ich fürchte, die Wunden könnten zu groß sein.“</p><p>Am 10. Oktober 2025 trat auf US-amerikanische Initiative eine Waffenruhe in Kraft, die zu einem dauerhaften Frieden führen soll. Nach Angaben der UN-Kinderhilfsorganisation Unicef sind seitdem mehr als 100 Kinder im Gazastreifen getötet worden – durch militärische Angriffe wie Luftschläge, Drohnen- und Quadrocopter-Angriffe, Panzerbeschuss und Schusswaffen sowie durch explodierende Kriegsrückstände.</p><p>Trauma in Israel</p><p>Zu den leisen und mithin wichtigen Stimmen in diesem Krieg gehören die israelischen Autoren Ron Leshem und Amir Tibon. Ihre Bücher „Feuer. Israel nach dem 7. Oktober“ (Rowohlt-Verlag) und „Die Tore von Gaza. Eine Geschichte von Terror, Tod, Überleben und Hoffnung“ (Jüdischer Verlag) dokumentieren die Traumata in ihrem Land. „Der 7. Oktober 2023 stellt für die Israelis eine Zäsur ohnegleichen dar. Von nun an wird es in der Zeitrechnung nur noch ein Davor und ein Danach geben“, betont Gisela Dachs, Herausgeberin des Jüdischen Almanachs, der 2024 als Sammelband „7. Oktober: Stimmen aus Israel“ (Jüdischer Verlag) erschienen ist. „Das schiere Ausmaß und die ungeheuerliche Brutalität der Angriffe der Hamas, die Geiselnahmen und ein Krieg, so lange wie noch keiner zuvor, haben die Nation traumatisiert. Die Grundfesten, auf denen man sich im eigenen Staat sicher fühlte, wurden zutiefst erschüttert.“</p><p>Die hier versammelten Texte aus Israel erzählen persönliche Geschichten, es geht um Ortsbesichtigungen, Momentaufnahmen, Zustandsbeschreibungen, Zukunftsvisionen, Zusammenhalt. Es schreiben unter anderem David Grossman, Eva Illouz, Etgar Keret, Smadar Sheffi, Andrea Livnat, Assaf Uni und Ayelet Gundar-Goshen. Auch ein Auszug aus „Die Tore von Gaza“ ist enthalten. Palästinenser, die immerhin 20 Prozent der israelischen Bevölkerung ausmachen, sind als Autoren nicht vertreten. Ein weiterer Almanach zum Thema ist nicht erschienen.</p><p>Ron Leshem ist Roman- und Drehbuchautor, Journalist und ehemaliger israelischer Geheimdienstoffizier. Am 7. Oktober 2023 wurde sein Cousin, der auch deutscher Staatsbürger war, nach Gaza verschleppt. Hamas-Milizen ermordeten seine Tante und seinen Onkel. In „Feuer“ zeichnet er bewegend den Tag des Überfalls nach. „Um halb sieben morgens heulten die Sirenen, und der Kibbuz Be’eri erwachte in einem irrealen Szenario. Fünf Jahre lange hatten die Angreifer trainiert, und obwohl die Nachrichtendienste davon wussten, hatte niemand meine Familie gewarnt. In Be’eri verschanzten sich die Menschen in ihren Häusern. Meine Tante Orit und ihr Sohn Itai lagen eng beieinander im Dunkeln und hielten uns in den nächsten Stunden, die eine Ewigkeit währten, telefonisch auf dem Laufenden. Sie riefen die Polizei an, vergebens. An jenem Schabbat gab es keinen Staat – der Staat war wie ein Turm aus Sand in einer Staubwolke eingestürzt. Es gab keine Polizei, keine Armee, keine Generäle und keine politische Führung mehr. Nur Menschen, allein auf sich gestellt, einen ganzen Tag lang.“</p><p>Nicht eine der öffentlichen Institutionen Israels habe funktioniert, erinnert Ron Leshem. „Israels Ortschaften und Städte wurden von einem orchestrierten Überraschungsangriff getroffen, aus der Luft, vom Meer und an Land. Innerhalb von Sekunden war der Himmel bedeckt von Garben aus Tausenden Raketen und Geschossen, die von Gaza auf alle Landesteile Israels abgefeuert wurden.“ Detailliert schildert Ron Leshem die brutalen Geschehnisse dieses langen Tages, an dem 1.200 Menschen getötet und 255 als Geiseln gewaltsam nach Gaza verbracht werden, gibt ihnen Namen und Geschichte – 7:08 Uhr, Kibbuz Kfar Aza: „Die Helmkamera eines Hamas-Kämpfers folgt dem Lauf eines Gewehrs, der Blick schweift über eine grüne Wiese, über viele Blumen, dann über kleine, einfache Bungalows. Der Lauf sucht ein Opfer, und von Zeit zu Zeit findet er eines und schießt. Das Pfeifen von Kugeln ist zu hören, aus unterschiedlichen Distanzen. In den WhatsApp-Gruppen schreiben Menschen ihren Nachbarn, dass sie bei lebendigem Leib zu verbrennen drohen, flehen um Hilfe. Die fünfköpfige Familie Kutz – der Vater Aviv, die Mutter Livnat und ihre drei Kinder Rotem, neunzehn Jahre alt, Yonathan, zwölf Jahre alt, und Yiftah, elf Jahre alt – liegt eng umschlungen auf einem Bett und wartet auf ihren Tod. Die Terroristen erschießen sie, einen nach dem anderen. In Aufnahmen aus der Jugendsiedlung des Kibbuz hört man das Lachen, den Hohn und den Hass der Terroristen, während sie in Häuser eindringen und laut überlegen, wen sie töten und wen sie entführen, und sie rufen: ‚Itbach al-yahud‘, Tod den Juden.“ So geht es Eintrag um Eintrag, 46 lange Seiten währt die „Chronik eines Tages“ in diesem Buch. Hier gib es nichts zu relativieren – aber eben auch nichts zu rechtfertigen für eine Kriegsführung, die mit mindestens 70.000 Toten, die meisten davon Frauen und Kinder, Hunger und Massenvertreibung zum Genozid in Gaza gereicht.</p><p>Ron Leshem schildert in „Feuer“ ein tief gespaltenes Israel, in dem Benjamin Netanjahu und seine rechtsextremen Minister Ben-Gvir und Smotrich Teil des Problems, nicht der Lösung sind. Er erinnert auch an die Feststellung des israelischen Regierungschefs 2019: „Wer die Errichtung eines palästinensischen Staates verhindern will, muss sich für deine Stärkung der Hamas einsetzen und es Katar ermöglichen, Gelder an die Hamas zu transferieren. Das ist Teil unserer Strategie, die Palästinenser in Gaza von den Palästinensern im Westjordanland zu trennen.“ Eine tödliche Strategie, für Israelis wie Palästinenser.</p><p>Heute hegten viele in Israel den Verdacht, dass Netanjahus „Bibisten“ den Krieg in Gaza lieber in die Länge ziehen wollten, denn solange er dauere, befasse man sich nicht mit ihrem Versagen und mit den gegen Netanjahu geführten Strafverfahren. „Der Krieg schreitet ohne jegliches Ziel oder jeglichen Plan voran. Was aber soll am Tag danach geschehen?“ – Er geht weiter auf niedrigem Niveau, wie wir seit dem 10. Oktober 2025 wissen, ist aber aus den Medien und dem Bewusstsein gehalten.</p><p>Ron Leshem erinnert an die Verantwortung beider Seiten, wenn er schreibt: „So wie die israelische Gesellschaft Schuld trägt an den Verfehlungen ihrer politischen Führung, an deren Entscheidungen und daran, sich mit der Besetzung abgefunden zu haben, so tragen auch die Palästinenser in Gaza Verantwortung für das finstere Regime, das sie gewählt haben, das sie unterstützen; Verantwortung tragen die Zivilisten, die das Massaker bejubeln und in den Straßen Gazas Geiseln erschlagen haben, darunter junge israelische Frauen, die entkleidet wurden, und Achtzigjährige.“</p><p>Wenn er auf Israel heute schaue, schreibt Ron Leshem in Sorge um Israels Zukunft weiter, fühle er sich wie jemand, der die Kollision zweier Züge oder einen Selbstmord in Zeitlupe verfolgt, „und ich weiß, meine Heimat steuert in diesen schicksalhaften Tagen auf die Prüfung ihres Lebens zu. Sie droht, zu einer deutlich rassistischeren Gesellschaft zu werden, geprägt von institutionalisierter, behördlicher Diskriminierung von Minderheiten, kontrolliert von bewaffneten Milizen, mit Herrschaftselementen, die aus Putins Russland entlehnt scheinen, und einer gleichgeschalteten Medienlandschaft. Wenn die fundamentalistisch-jüdische Welle weiter erstarkt und das Bündnis zwischen Charedim und Nationalreligiösen seine Macht ausweiten sollte, werden Israelis in den kommenden Jahren das Land in Scharen verlassen, unter ihnen die Wissenschafts-, Technologie- und Wirtschaftselite und natürlich große Teile der liberalen Geisteswelt.“ Allerdings könne die Gewalt der Erschütterung auch ein „Weckruf sein“, eine letzte Chance für Israel, sich neu zu erfinden, mit der meiner Heimat eigenen Kreativität und Vorstellungskraft. „Dazu ist seine vernünftige und lebensbejahende Bevölkerung zu den Fahnen gerufen. Denn die Mehrheit aller Israelis will Demokratie, will eine soziale, emphatische Gesellschaft, in der Solidarität mit all denen herrscht, die weniger oder nichts haben.“ Und Ron Leshem mahnt seine Landsleute: „Sollte diese Mehrheit nicht siegen, wird es Israel schlicht und einfach bald nicht mehr geben.“</p><p>Sieben Sekunden</p><p>Ebenso eindrücklich und reflektiert schildert Amir Tibon in „Die Tore von Gaza“ sein Erleben und Überleben des 7. Oktober 2023. Der Haaretz-Journalist erzählt den Tag durch das Prisma der Ereignisse in Nahal Oz, einer israelischen Siedlung unweit von Gaza. An jenem Morgen wurden Amir Tibon und seine Frau von Mörsergranaten geweckt, die in der Nähe ihres Hauses im Kibbuz einschlugen. Sie verbarrikadierten sich mit den beiden kleinen Töchtern Galia und Carmel im Schutzraum des Hauses und ermahnten sie, nicht zu weinen, während sie die Schüsse der Hamas-Angreifer vor ihren Fenstern hörten.</p><p>Man muss die Reportage wirken lassen, die Beklemmung und Todesangst: „In jedem Haus in Nahal Oz, ebenso wie in allen anderen Gemeinden entlang der Grenze zu Gaza, gibt es ein besonderes Zimmer: einen oberirdischen Bunker aus massivem Beton, der einem direkten Einschlag einer Mörsergranate und auch bestimmten Typen von stärkeren Raketen standhalten soll. Außerdem verfügt dieses Zimmer, der Schutzraum, in den wir an diesem Morgen gerannt sind, über eine Metallplatte, mit der das Fenster von außen abgedeckt werden kann, um zu verhindern, dass Schrapnelle in den Raum eindringen. Auch die Tür ist schrapnellsicher. Dieser standardisierte Schutzraum hat eine klare Sicherheitsfunktion, doch die meisten Familien an der Grenze nutzen diesen Raum zu einem anderen Zweck: Hier gehen unsere Kinder abends schlafen.“ Nahal Oz liege so nah an Gaza, dass man im Fall eines Mörserbeschusses auf die Gemeinde nur sieben Sekunden Zeit habe, um sich in Sicherheit zu bringen. Für Familien mit kleinen Kindern liege die Entscheidung auf der Hand: „Findet ein Angriff nachts oder frühmorgens statt, ist es bedeutend einfacher, wenn die Eltern ins Zimmer ihrer Kinder rennen und nicht umgekehrt.“</p><p>Amir Tibon schildert nicht nur die vielen Stunden, die er und seine Frau mit den beiden Töchtern eingesperrt im Schutzraum ausharren, ihre Angst und ihr Ringen um Hilfe, bis sie schließlich von seinem Vater mit unglaublichem Mut gerettet werden. Er zeichnet den Tag, Tod und Zerstörung auf der Grundlage von israelischen und palästinensischen Quellen sowie Interviews mit den Polizisten und Soldaten nach, die am 7. Oktober 2023 kämpften. Wie Ron Leshem wirft er dabei auch einen kritischen Blick auf den jahrzehntewährenden Konflikt, ohne gleichwohl die illegale Siedlungspolitik Israels und den mit der illegalen Besatzung einhergehenden Landraub grundsätzlich zu problematisieren.</p><p>Vom Hügel des Friedhofs seines überfallenen Kibbuz schaut Amir Tibon bei einer späteren Rückkehr nach Gaza. „Von hier aus kann man das atemberaubende Ausmaß der Zerstörung besser erkennen – und kommt noch schlechter zurecht damit. Als ich das letzte Mal hier oben war, konnte ich Hunderte Gebäude auf der anderen Seite des Zauns sehen; jetzt ist dort, wo sie einst standen, nur noch Schutt. Schüsse hallen in der Ferne, und Rauch steigt aus dem Inneren der zerstörten Stadt auf, das Resultat eines israelischen Bombenangriffs aus der Luft, der sich nur wenige Minuten vorher ereignete, während ich zum Friedhof fuhr.“</p><p>Und Amir Tibon bekennt, damit zu den leisen, nachdenklichen Stimmen seines Landes zählend, die sich Humanität bewahrt und früh schon keine Selbstverteidigung mehr gesehen haben: „Als israelischer Bürger habe ich den Krieg, zumindest in den ersten Monaten, unterstützt. Ich war unendlich wütend darüber, was die Hamas unserer Gemeinde angetan hatte, und machte mir Sorgen, wie unsere anderen Widersacher in der Region auf die israelische Schwäche angesichts dieses Angriffs blicken würden. Doch als Mensch finde ich es extrem schwer, wenn nicht gar völlig unmöglich, das Maß an Zerstörung zu billigen, das in Gaza von meinem Land angerichtet wird. Und als Bewohner von Nahal Oz, der nach wie vor hofft, eines Tages mit seiner Familie hierher zurückkehren zu können, muss ich mich fragen, wozu diese Gewalt führen wird – zu Frieden und Ruhe oder zu noch mehr Gewalt?“</p><p>491 Tage</p><p>Eli Sharabi war etwa 16 Monate eine der Geiseln der Hamas. In seinem Memoir „491 Tage“ (Suhrkamp Verlag) erzählt der 53-jährige Israeli von dem Moment im Kibbuz Be`eri, als Hamas-Kämpfer in sein Haus eindringen. Er und seine Frau Lianne wehren sich nicht, in der Hoffnung, so zu überleben. Seine Frau und die beiden Töchter Noiya und Yahel bleiben zurück, er wird mitgenommen. In Gaza wird Eli Sharabi fast von einem Mob gelyncht, es sind ausgerechnet seine Entführer, die sein Leben im letzten Moment retten. Die ersten 52 Tage seiner Geiselhaft geht es ihm und den Mitgefangenen noch einigermaßen gut: Sie werden in einem Wohnhaus festgehalten und erhalten regelmäßig Mahlzeiten. Schließlich werden die Gefangenen in Tunnel verbracht. „Das war mein schlimmster Albtraum. Ich habe vorher viel über die Tunnel gehört. Die haben diese Falltür nach unten aufgemacht und das sah für mich aus wie ein perfektes Grab“, erinnert sich Eli Sharabi. Die Bewacher – faktisch mit ihnen unter der Erde eingesperrt – werden immer aggressiver, je länger der Krieg dauert und je größer die Zerstörungen oben in Gaza sind. Die zugeteilten Essensrationen werden knapper und knapper, die hygienischen Verhältnisse katastrophal. Mit Disziplin, täglichen kleinen Sportübungen und Zusammenhalt hält die Geiselgruppe durch.</p><p>Eli Sharabi beschreibt ohne Pathos und präzise, wie er diese Zeit in Tunneln tief unter der Erde in Gaza erlebt und durchlitten hat, schildert Hunger und Schmerz, Misshandlung, Sehnsucht, Einsamkeit und eine Hilflosigkeit, die die Seele zu zerstören droht. Anfangs waren sieben Personen in einem etwa zehn Quadratmeter kleinen Raum zusammengekettet, wobei die Ketten an den Beinen jeweils miteinander verbunden waren. Alle sechs Wochen durften sie sich einmal mit einem halben Eimer kaltem Wasser waschen. „Der Dreck, den man in diesen sechs Wochen aufgebaut hat, das ist grauenhaft“, so Eli Sharabi. „Das ist dreckig, das stinkt. Ein bisschen Seife oder ein bisschen Zahnpasta, das war Luxus. Alle zwei, drei Monate mal, vielleicht. Und dann Würmer überall und Kakerlaken und Ratten.“ Einziger Antrieb zum Überleben ist der Wille, seine Familie irgendwann wieder in die Arme schließen zu können.</p><p>Während der beiden Waffenstillstände im Gaza-Krieg wurden die Geiseln der Hamas nach und nach dem Roten Kreuz übergeben. Zuvor gab es für die Kameras eine Inszenierung auf einer Bühne irgendwo im Gazastreifen: Es waren Aufnahmen, die um die Welt gingen. Auch Eli Sharabi muss von einer solchen Bühne winken, als er am 8. Februar 2025 freikommt – bis auf die Knochen abgemagert. Dann die Schreckensnachricht, dass seine Frau und die Töchter noch am 7. Oktober 2023 umgebracht wurden. Hamas-Kämpfer hatten sie im Schutzraum ihres Hauses eingeschlossen und das Gebäude angezündet. Eli Sharabis Bruder Yossi stirbt in Hamas-Geiselhaft.</p><p>„491 Tage“ ist ein Augenzeugenbericht, der auf eine politische Botschaft verzichtet. Das Buch schildert weder den Hintergrund des Konflikts, noch bietet es eine Lösung an. Und doch entfaltet es ungeheure Wirkung. Es endet mit Eli Sharabis Besuch an den Gräbern von Lianne, Noiya und Yahel: „Das hier ist der Tiefpunkt. Ich habe ihn gesehen. Ich habe ihn berührt. Jetzt, Leben.“</p><p>Das Buch über Misshandlung und Tod in israelischer Haft muss erst noch geschrieben und verlegt werden. Mindestens 98 Palästinenser sind einem ausführlichen Bericht von Yuval Abraham im +972 Magazin (17. November 2025) zufolge nach dem 7. Oktober 2023 in israelischen Gefängnissen und Militärhaftanstalten gestorben, in vielen Fällen offenbar als direkte Folge von Folter, medizinischer Vernachlässigung und Nahrungsentzug durch Soldaten und Gefängnisbeamte. Von den aus dem Gazastreifen Inhaftierten, die die Mehrheit bilden, wurde weniger als ein Drittel von der israelischen Armee selbst als Militante eingestuft – was bedeutet, dass Israels Regierung – mit der Bundesinnenminister Alexander Dobrindt in diesem Januar eine „Sicherheitspartnerschaft“ vereinbart hat – für den Tod Dutzender palästinensischer Zivilisten in Haft verantwortlich ist.</p><p>Das Schicksal Hunderter weiterer in Gaza festgenommener Palästinenser ist unbekannt. Und trotz fast 100 dokumentierter Todesfälle in Haft und zahlreicher Zeugenaussagen und anderer Beweise für schwere körperliche Misshandlungen einschließlich weitverbreiteter sexueller Gewalt wurde nur ein israelischer Soldat strafrechtlich verfolgt; er wurde im Februar 2025 wegen Misshandlung von Gefangenen aus Gaza zu sieben Monaten Haft verurteilt.</p><p>Trauma Besatzung</p><p>Es ist bedauerlich, dass „The Killing of Gaza: Reports on a Catastrophe“ (Verso Books) des israelischen Journalisten Gideon Levy einer deutschen Übersetzung harren muss. Wie kaum ein anderer formuliert der renommierte Reporter scharfe Kritik an der Besatzungspolitik. Sein aktuelles Buch versammelt Reportagen, Kolumnen und Berichte seit 2014 mit besonderem Fokus auf dem 7. Oktober 2023 und den Folgen. Levy hilft, die strukturelle Gewalt der israelischen Okkupation zu verstehen und zeigt auf, warum palästinensisches Leid nicht plötzlich „aus dem Nichts“ kommt, ohne eine Rechtfertigung für die Gewalt dieses schwarzen Tages zu liefern. Die Berichte aus Gaza indes zeigen, für die Palästinenser ist jeder Tag ein 7. Oktober, ein Tag von Trauma und Tod.</p><p>Ein halber Mensch</p><p>Samar Yazbek macht den Terror des Krieges in „Gaza. Überlebensberichte aus einem zerstörten Land“ (Unionsverlag) greifbar. „Was haben Sie am 7. Oktober 2023 gemacht?“ Diese Eingangsfrage stellte die Autorin und Journalistin in Katar Hunderten von Kriegsflüchtlingen aus dem Gazastreifen. Während mehrerer Monate im Jahr 2024 erzählen ihr Männer, Frauen und Kinder zwischen 13 und 65, was sie in diesem Krieg erlebt haben. „Fragen waren auf mich eingestürzt und hatten mich zu ihnen geführt: Was war mit den Menschen aus Gaza, die dem Genozid entkommen waren, geschehen? Können wir sie als Überlebende bezeichnen?“ Die 27 für das Buch ausgewählten Berichte zeugen von den unvorstellbaren Verlusten und Verheerungen im Krieg. Sie stammen von Menschen, „die durch die Hölle gingen und wiederkehrten“.</p><p>Firas Al-Scheich Radwan ist einer der Überlebenden. Er ist 21 Jahre alt und kommt aus dem Tadsch-Viertel in Gaza-Stadt. „Bevor ich ein halber Mensch wurde, habe ich Buchhaltung an der Quds-Fern-Uni-studiert“, beginnt der junge Mann seine Schilderungen über den 7. Oktober 2023 und das folgende Inferno, bei dem er mehrfach verletzt wird und am Ende todgeweiht beide Beine bis zum letzten Rest der Oberschenkel verliert. „Es war eine neue Art der Bombardierung. Sie wird ‚Feuergürtel‘ genannt. Das sind nicht ein oder zwei Bomben oder Raketen, sondern Dutzende. Ein Feuergürtel ist extrem heftig und dauert mindestens eine Stunde, nur dass die Stunde nie endet. Eine brutale Bombardierung, die erst aufhört, wenn alles Leben unter ihr ausgelöscht ist und ganze Familien aus dem Personenstandsregister gestrichen sind. (…) Die Häuser zerkrümeln wie Kekse. (…) Wir rannten, ich rannte, die Leute um mich rum rannten, und beim Rennen sahen wir die Trümmer und die Toten und überall verstreute Körperteile. Es waren keine Körperteile mehr, oder Körpermasse. Es waren Einzelteile, Eingeweide und Gliedmaßen. (…) Ich sehe immer noch ihre Gesichter vor mir, Kinder, Frauen, wie weggeworfen, verstreut. Ich sah Köpfe und Hände und Beine, halbe Körper und Viertelkörper und offene Körper, wie in einem Anatomie-Atlas. Wir sprangen über sie drüber, manchmal traten wir auf sie drauf, manchmal stolperten wir über sie. Wir überrannten uns gegenseitig in unserer Panik, drängelten, die Gedanken nur in dieser Hölle, die sich Feuergürtel nennt. Grausam. (…) Ich sah, dass ich meine Beine verloren hatte, aber es tat nicht weh. Ich sag‘s dir, wenn die Wunde ganz frisch ist, spürst du den Schmerz nicht.“</p><p>Samar Yazbek gibt der kriegsversehrten Zivilbevölkerung in Gaza eine Stimme, dokumentiert die grausame Gewalt und das Leid des Krieges. Es sind die Geschichten der Überlebenden, gerettet von mutigen Ärzten im Schifa-Krankenhaus und vielen anderen Kliniken, die von der israelischen Armee als Terrorzentralen angemalt und attackiert wurden. Unmöglich lässt sich das Buch voller Schmerzen und zerstörten Hoffnungen an einem Stück lesen.</p><p>Zum Verständnis des Israel-Palästina-Konflikts gerade auch jüngeren Lesern sei an dieser Stelle unbedingt „Ein Tag im Leben von Abed Salama“ (Pendragon-Verlag) ans Herz gelegt. Es war 2024 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet worden. In dem gut recherchierten Buch, das wenige Tag vor dem Terror des 7. Oktober 2023 veröffentlicht wurde, geht Nathan Thrall nicht nur auf die komplexe Geschichte der Besetzung ein, vielmehr macht er sichtbar, was oft übersehen wird: Das Leben der Menschen in einem zerrütteten Land.</p><p>Der in den USA geborene und mittlerweile in Jerusalem lebende Autor erzählt die Geschichte eines Unfalls, der sich außerhalb Jerusalems ereignet hat: Vor den Toren der Stadt kommt es zu einer Tragödie, als ein mit palästinensischen Kindern besetzter Schulbus von einem Sattelschlepper gerammt wird und in Flammen aufgeht. Sechs Kinder und eine Lehrerin sterben. Ungeklärte Zuständigkeiten und lähmende Bürokratie im Grenzgebiet verhindern ein schnelles Eingreifen der Rettungskräfte. Am Unfallort treffen israelische und palästinensische Menschen aufeinander, die gemeinsam versuchen, den verunglückten Kindern zu helfen, unter ihnen auch Milad, dem fünfjährigen Sohn von Abed Salama. Für den Vater beginnt eine qualvolle Odyssee: Er weiß nicht, ob sein Sohn überlebt hat, in welchem Krankenhaus er ist und wie er dort hinkommen soll.</p><p>Nathan Thrall zeichnet ausgehend von dieser Tragödie einfühlsam die unterschiedlichen Lebensgeschichten nach und erzählt die Auswirkungen der völkerrechtswidrigen israelischen Siedlungspolitik auf das tägliche (Über-)Leben im Westjordanland. Der Autor verweist auf die strukturellen Gründe für das tödliche Desaster: Die wachsende Einschränkung der Bewegungsfreiheit von Palästinensern durch die sogenannte Sperranlage und die unzähligen Checkpoints, kurzum, die Folgen der seit 1967 währenden Besatzung.</p><p>Seine drei Töchter Juno, Tessa und Zoe seien in Jerusalem aufgewachsen, schreibt Nathan Thrall im Nachgang, „von den Kindern in diesem Buch nur durch die Mauer getrennt. Auch wenn für mich selbst das Niederreißen dieser Barriere für immer ein Traum bleiben mag, so habe ich dieses Buch doch in der Hoffnung geschrieben, dass sie das noch erleben dürfen.“ Es ist dem kleinen Verlag Pendragon in Bielefeld zu danken, die deutsche Übersetzung dieses herausragenden Buches besorgt zu haben.</p><p>Keine Vergeltung</p><p>„Unsere größte Herausforderung ist es, die andere Seite wieder zu humanisieren“, sagt Maoz Inon, dessen Eltern Bilha und Yakobi Inon am 7. Oktober 2023 in Netiv HaAsara zu den ersten Opfern der Hamas gehörten. Nach Ende der Trauerzeit beschlossen er und seine vier Geschwister, eine Botschaft in die Welt zu schicken: Sie wollen keine Vergeltung. „Wir können nicht auf unsere Politiker warten, wir müssen selbst etwas tun“, so Maoz Inon in der FAZ (6.10.2025). „Jeder ist handlungsfähig.“ Die Geschichte lehre, dass jeder Konflikt irgendwann ende. Die Frage sei nur, wie viele Menschen bis dahin sterben müssten.</p><p>Heute spricht der einstige Unternehmer als Friedensaktivist auf Podien und Demonstrationen, er organisiert Veranstaltungen und Märsche in Israel und auf der ganzen Welt. Mit seinem Mitstreiter Aziz Abu Sarah aus dem Westjordanland hat er ein Buch geschrieben: „The Future is Peace“ (Penguin Random House). Die Zukunft ist Frieden. Auch dieses harrt noch einer Übersetzung ins Deutsche.</p><p>Die beiden Friedensstifter mahnen: „Wir leben nebeneinander, sind jedoch durch Straßensperren und Kontrollpunkte voneinander getrennt. Wir teilen denselben Traum von einer besseren Zukunft für unsere Kinder, sind jedoch so sehr durch Angst und Wut gespalten, dass wir die Menschlichkeit des anderen nicht erkennen können. Die Wunden unserer Geschichte sitzen tief, aber wenn wir eine gemeinsame Zukunft aufbauen wollen, müssen wir die Mauern der Ignoranz und des Hasses, die uns trennen, einreißen.“</p><p>Menschen haben die Kraft, Veränderungen herbeizuführen, so ihre Botschaft. „Frieden ist erreichbar, nicht nur zwischen dem Fluss und dem Meer, sondern auf der ganzen Welt.“</p><p>Es ist die Botschaft des anderen Israels, nicht das der Lautsprecher und Kriegsapologeten.</p><p>    Katrin Glatz Brubakk. Tagebuch aus Gaza. Westend Verlag 2025, 224 Seiten, 24 Euro<br>    Gisela Dachs (Hg.): 7. Oktober: Stimmen aus Israel. Jüdischer Verlag 2024, 200 Seiten, 13 Euro<br>    Ron Leshem: Feuer: Israel und der 7. Oktober. Rowohlt-Verlag 2024, 320 Seiten, 25 Euro<br>    Amir Tibon: Die Tore von Gaza: Eine Geschichte von Terror, Tod, Überleben und Hoffnung. Jüdischer Verlag 2024, 432 Seiten, 26 Euro<br>    Eli Sharabi: 491 Tage: In den Tunneln der Hamas. Suhrkamp Verlag 2025, 200 Seiten, 24,00 Euro<br>    Gideon Levy: The Killing of Gaza: Reports on a Catastrophe. Verso Books 2024, 298 Seiten, 19 Euro<br>    Samar Yazbek: Gaza. Überlebensberichte aus einem zerstörten Land. Unionsverlag 2026, 272 Seiten, 24 Euro<br>    Nathan Thrall: Ein Tag im Leben von Abed Salama. Pendragon Verlag 2024, 296 Seiten, 26 Euro<br>    Aziz Abu Sarah, Maoz Inon: The Future Is Peace: A Shared Journey Across the Holy Land. Penguin Random House 2026, 240 Seiten, 23,50 Euro </p></blockquote><p><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008269679'>▻</a></span><a href="https://www.leipziger-buchmesse.de" class='spip_out' title="Startseite | Leipziger Buchmesse" hreflang="de"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'><span class='lien_www'>www.</span>leipziger-buchmesse.de</span></span></span></a></span></p><p><span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/leipziger-buchmesse'>Leipziger-Buchmesse</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/palestine'>Palestine</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/gaza'>Gaza</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/guerre'>guerre</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/livres'>livres</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/%C3%A9dition'>édition</a></span></p></div>]]></content>
	
	<link rel="related" href="https://www.nachdenkseiten.de/?p=148021" title="Wege aus dem Krieg" hreflang="de"/>
	
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	<title>Le_Moment_orwellien , Tamara_Ben_Ari, | Editions_Seuil</title>
	<author>
		<name>ant1  (@ant1)</name>
		<uri>https://seenthis.net/people/ant1</uri>
		<email>ant1@seenthis.net</email>
		
	</author>
	<published>2026-02-26T14:41:06Z</published>
	<updated>2026-02-26T14:41:06Z</updated>
	
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	<summary>#Le_Moment_orwellien , #Tamara_Ben_Ari, | #Editions_Seuil
https://www.seuil.com/ouvrage/le-moment-orwellien-tamara-ben-ari/9782021617214

❝À partir d’événements récents aux États-Unis et en France, cet ouvrage mobilise les concepts développés par #George_Orwell dans #1984 pour analyser la mécanique contemporaine de brouillage du réel, qui a fait de la science une cible politique.

Il montre comment les savoirs et celles et ceux qui les produisent ont d’abord été fragilisés par leur soumission à la logique de marché, puis discrédités par le pouvoir à travers une succession de procès idéologiques. Cet affaiblissement a ouvert la voie à un glissement vers un autoritarisme assumé, fondé sur la manipulation du langage, la réécriture du passé et l’effacement de la vérité au nom de la liberté. Dans ce moment orwellien, la science, en tant que langage universel de description du réel, n’a plus lieu d’être.

Nommer et comprendre ces mécanismes est une condition essentielle pour pouvoir y résister.


Tamara Ben Ari, chercheuse en sciences de l’environnement, conduit des recherches sur la stabilité de la production agricole ainsi que sur la transition écologique de la recherche.
#Olivier_Berné, astrophysicien, spécialiste de la nébuleuse d’Orion, est responsable de projets scientifiques avec le télescope spatial James Webb.
#Emmanuelle_Perez_Tisserant, maîtresse de conférences en histoire, travaille sur l’histoire nord-américaine et son héritage colonial, notamment en Californie.
Valérie Masson-Delmotte, chercheuse en sciences du climat, est membre de l'Académie des Sciences et de l'Académie des Technologies.

Ensemble ou séparément, elles et il ont contribué à l’émergence de plusieurs collectifs engagés dans la défense de la science, notamment #Stand_up_for_Science France.❞</summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div><p><span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/le_moment_orwellien'>Le_Moment_orwellien</a></span> , <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/tamara_ben_ari'>Tamara_Ben_Ari</a></span>, | <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/editions_seuil'>Editions_Seuil</a></span><br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008260492'>▻</a></span><a href="https://www.seuil.com/ouvrage/le-moment-orwellien-tamara-ben-ari/9782021617214" class='spip_out' title="Le Moment orwellien , Tamara Ben Ari, Do..." hreflang="fr"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'><span class='lien_www'>www.</span>seuil.com</span>/</span><span class='lien_off'>ouvrage/</span><span class='lien_off'>le-moment-orwellien-tamara-ben-ari/</span><span class='lien_fin'>9782021617214</span></span></a></span></p><blockquote lang="fr" dir="ltr"><p> À partir d’événements récents aux États-Unis et en France, cet ouvrage mobilise les concepts développés par <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/george_orwell'>George_Orwell</a></span> dans <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/1984'>1984</a></span> pour analyser la mécanique contemporaine de brouillage du réel, qui a fait de la science une cible politique.</p><p>Il montre comment les savoirs et celles et ceux qui les produisent ont d’abord été fragilisés par leur soumission à la logique de marché, puis discrédités par le pouvoir à travers une succession de procès idéologiques. Cet affaiblissement a ouvert la voie à un glissement vers un autoritarisme assumé, fondé sur la manipulation du langage, la réécriture du passé et l’effacement de la vérité au nom de la liberté. Dans ce moment orwellien, la science, en tant que langage universel de description du réel, n’a plus lieu d’être.</p><p>Nommer et comprendre ces mécanismes est une condition essentielle pour pouvoir y résister.</p><p>Tamara Ben Ari, chercheuse en sciences de l’environnement, conduit des recherches sur la stabilité de la production agricole ainsi que sur la transition écologique de la recherche.<br><span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/olivier_bern%C3%A9'>Olivier_Berné</a></span>, astrophysicien, spécialiste de la nébuleuse d’Orion, est responsable de projets scientifiques avec le télescope spatial James Webb.<br><span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/emmanuelle_perez_tisserant'>Emmanuelle_Perez_Tisserant</a></span>, maîtresse de conférences en histoire, travaille sur l’histoire nord-américaine et son héritage colonial, notamment en Californie.<br>Valérie Masson-Delmotte, chercheuse en sciences du climat, est membre de l’Académie des Sciences et de l’Académie des Technologies.</p><p>Ensemble ou séparément, elles et il ont contribué à l’émergence de plusieurs collectifs engagés dans la défense de la science, notamment <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/stand_up_for_science'>Stand_up_for_Science</a></span> France. </p></blockquote></div>]]></content>
	
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	<title>De Google Books &#224; l'IA : l'histoire num&#233;rique repasse les plats. &#8211; affordance.info</title>
	<author>
		<name>BigGrizzly  (@biggrizzly)</name>
		<uri>https://seenthis.net/people/biggrizzly</uri>
		<email>biggrizzly@seenthis.net</email>
		
	</author>
	<published>2026-02-26T10:45:57Z</published>
	<updated>2026-02-26T10:45:57Z</updated>
	
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	<summary>De #Google #Books à l’#IA : l’histoire numérique repasse les plats. – affordance.info
https://affordance.framasoft.org/2026/02/de-google-books-a-lia-lhistoire-numerique-repasse-les-plats/

❝Contrairement à ce que pouvait écrire Céline, l’histoire, #numérique en tout cas, repasse parfois les plats. A fortiori lorsque ceux-ci ont un goût amer. Au début des années 2005, j’ai suivi, chroniqué et établi l’un de mes terrains de terrain de recherche sur la manière dont le projet #Google_Books allait (et aujourd’hui, avait) définitivement modifié et remodelé à son avantage non seulement l’entièreté des « métiers du livre » (#librairie, #édition, #bibliothèque), mais aussi initié et accompagné toutes les mutations ayant donné lieu à de nouveaux standards dans l’ensemble des #industries #culturelles. Vous trouverez trace de nombre de ces réflexions dans la rubrique éponyme de ce blog, ou bien dans cette version (qu’il faut que j’actualise) d’un cours que je donne sur le sujet à mes étudiantes et étudiants.❞</summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="fr" dir="ltr"><p>De <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/google'>Google</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/books'>Books</a></span> à l’<span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/ia'>IA</a></span>&nbsp;: l’histoire numérique repasse les plats. – affordance.info<br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008260422'>▻</a></span><a href="https://affordance.framasoft.org/2026/02/de-google-books-a-lia-lhistoire-numerique-repasse-les-plats" class='spip_out' title="l’histoire numérique repasse les plats. – affordance.info" hreflang="fr"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>affordance.framasoft.org</span>/</span><span class='lien_off'>2026/</span><span class='lien_off'>02/</span><span class='lien_fin'><span class='lien_fin_coupee'>de-google-books-a</span><span class='lien_fin_cachee'>-lia-lhistoire-numerique-repasse-les-plats</span></span></span></a></span></p><blockquote lang="fr" dir="ltr"><p> Contrairement à ce que pouvait écrire Céline, l’histoire, <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/num%C3%A9rique'>numérique</a></span> en tout cas, repasse parfois les plats. A fortiori lorsque ceux-ci ont un goût amer. Au début des années 2005, j’ai suivi, chroniqué et établi l’un de mes terrains de terrain de recherche sur la manière dont le projet <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/google_books'>Google_Books</a></span> allait (et aujourd’hui, avait) définitivement modifié et remodelé à son avantage non seulement l’entièreté des &#171;&nbsp;métiers du livre&nbsp;&#187; (<span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/librairie'>librairie</a></span>, <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/%C3%A9dition'>édition</a></span>, <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/biblioth%C3%A8que'>bibliothèque</a></span>), mais aussi initié et accompagné toutes les mutations ayant donné lieu à de nouveaux standards dans l’ensemble des <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/industries'>industries</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/culturelles'>culturelles</a></span>. Vous trouverez trace de nombre de ces réflexions dans la rubrique éponyme de ce blog, ou bien dans cette version (qu’il faut que j’actualise) d’un cours que je donne sur le sujet à mes étudiantes et étudiants. </p></blockquote></div>]]></content>
	
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	<title>Partage de PDF &#224; l'universit&#233; : le Danemark attaque d&#233;sormais les &#233;tudiants</title>
	<author>
		<name>Articles repérés par Hervé Le Crosnier  (@hlc)</name>
		<uri>https://seenthis.net/people/hlc</uri>
		<email>hlc@seenthis.net</email>
		
	</author>
	<published>2026-02-09T08:08:21Z</published>
	<updated>2026-02-09T08:08:21Z</updated>
	
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	<summary>Partage de PDF à l’université : le Danemark attaque désormais les étudiants
https://actualitte.com/article/129152/legislation/partage-de-pdf-a-l-universite-le-danemark-attaque-desormais-les-etudiants
https://actualitte.com/uploads/images/partage-de-pdf-a-l-universite-le-danemark-attaque-desormais-les-etudiants-69884ac4a6f4e083148548.jpg

❝Au Danemark, la lutte contre le piratage de manuels universitaires change d’échelle — et de cibles. L’alliance antipiratage RettighedsAlliancen (The Rights Alliance) annonce, à partir du 1er février 2026, des actions civiles visant des étudiants soupçonnés de partager illégalement des manuels numériques. Le cap affiché tient en une formule : prouver qu’un seul manuel partagé suffit à déclencher un dossier, même quand l’échange circule dans des groupes fermés et entre camarades.

Publié le :

08/02/2026 à 09:35

Nicolas Gary

Le choix surprend, car la répression s’est longtemps concentrée sur les grands diffuseurs, les plateformes et les réseaux structurés. Désormais, l’Alliance dit vouloir sélectionner des cas « exemplaires » et les porter devant les tribunaux via la poursuite privée prévue par la loi danoise sur le droit d’auteur. Si le tribunal retient l’infraction, l’étudiant peut être condamné à une amende versée à l’État, en plus des coûts liés à la procédure.

L’organisation revendique un effet dissuasif plutôt qu’une chasse aux individus. Sa directrice, Maria Fredenslund, résume l’intention dans Uniavisen : « Nous ne voulons pas sanctionner des individus, mais provoquer un changement de comportement, pour que les étudiants comprennent que le partage illégal a des conséquences. »
“Un manuel suffit” : la ligne rouge

L’enjeu, pour RettighedsAlliancen, consiste à faire basculer la perception d’un geste jugé « banal ». Envoyer un PDF « pour dépanner », déposer un fichier dans un groupe privé, récupérer un chapitre auprès d’un camarade : autant de pratiques décrites comme courantes dans la vie étudiante, et désormais placées au cœur de la riposte.

Pour documenter ces échanges, l’Alliance évoque une surveillance de communautés en ligne et la constitution de preuves avant toute saisine. Des médias spécialisés, comme TorrentFreak, soulignent un durcissement après des années de campagnes de sensibilisation présentées comme peu efficaces.
Un problème massif, un marché sous tension

Cette montée en puissance s’appuie sur un constat chiffré. Uniavisen citait en 2025 une étude de 2024 : plus de la moitié des étudiants danois (54 %) auraient obtenu des manuels illégalement au cours de leurs études, en hausse par rapport à 2022.

La perception sociale suit : nombre d’étudiants disent savoir que c’est illégal, tout en jugeant la pratique acceptable, notamment face au prix des ouvrages.

RettighedsAlliancen s’est déjà illustrée dans des dossiers de manuels piratés, par exemple contre une revente de copies illégales ayant conduit à une amende au Danemark en 2023. Le message, déjà, visait à rappeler que la chaîne du livre académique n’échappe pas aux logiques de contrefaçon.
Un signal envoyé aux campus

Reste une question politique : jusqu’où pousser la répression sans fracturer la relation entre étudiants, universités et bibliothèques, souvent en première ligne sur l’accès aux ressources. En ciblant des individus et en abaissant le seuil symbolique à « un manuel », l’Alliance assume un avertissement net : la sphère privée étudiante ne constitue plus une zone grise.

Les premières procédures diront si les tribunaux suivent cette ligne, et si la peur du contentieux remplace, sur les campus danois, l’habitude de « se passer » les fichiers. D’ici là, l’annonce agit déjà comme un marqueur : le partage, même minimal, risque de coûter cher.

Crédits photo : geralt CC 0

Par Nicolas Gary
Contact : ng@actualitte.com❞

#Edition #Répression #Connerie #Etudiants #Danemark</summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="fr" dir="ltr"><p>Partage de PDF à l’université&nbsp;: le Danemark attaque désormais les étudiants<br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008254549'>▻</a></span><a href="https://actualitte.com/article/129152/legislation/partage-de-pdf-a-l-universite-le-danemark-attaque-desormais-les-etudiants" class='spip_out' title="le Danemark attaque désormais les étudiants" hreflang="fr"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>actualitte.com</span>/</span><span class='lien_off'>article/</span><span class='lien_off'>129152/</span><span class='lien_off'>legislation/</span><span class='lien_fin'><span class='lien_fin_coupee'>partage-de-pdf-a-l-universi</span><span class='lien_fin_cachee'>te-le-danemark-attaque-desormais-les-etudiant</span></span></span></a></span><br><div class='seenthis_pics seenthis_pics_1'><a onclick='return false;' href='https://actualitte.com/uploads/images/partage-de-pdf-a-l-universite-le-danemark-attaque-desormais-les-etudiants-69884ac4a6f4e083148548.jpg' class='display_box'><span class='image' style='padding-bottom:66.666666666667%'><img src='https://seenthis.net/local/cache-vignettes/L600xH400/partage-de-pdf-a-99f62ddc-8094f.jpg' alt='' data-photo='https://actualitte.com/uploads/images/partage-de-pdf-a-l-universite-le-danemark-attaque-desormais-les-etudiants-69884ac4a6f4e083148548.jpg' data-photo-h='1280' data-photo-w='1920' /></span><span class="lien_court"><span class="lien_off"> https://actualitte.com/uploads/images/partage-de-pdf-a-l-universite-le-danemark-attaque-desormais-les-etudiants-69884ac4a6f4e083148548.jpg </span></span></a></div></p><blockquote lang="fr" dir="ltr"><p> Au Danemark, la lutte contre le piratage de manuels universitaires change d’échelle &mdash; et de cibles. L’alliance antipiratage RettighedsAlliancen (The Rights Alliance) annonce, à partir du 1er février 2026, des actions civiles visant des étudiants soupçonnés de partager illégalement des manuels numériques. Le cap affiché tient en une formule&nbsp;: prouver qu’un seul manuel partagé suffit à déclencher un dossier, même quand l’échange circule dans des groupes fermés et entre camarades.</p><p>Publié le&nbsp;:</p><p>08/02/2026 à 09:35</p><p>Nicolas Gary</p><p>Le choix surprend, car la répression s’est longtemps concentrée sur les grands diffuseurs, les plateformes et les réseaux structurés. Désormais, l’Alliance dit vouloir sélectionner des cas &#171;&nbsp;exemplaires&nbsp;&#187; et les porter devant les tribunaux via la poursuite privée prévue par la loi danoise sur le droit d’auteur. Si le tribunal retient l’infraction, l’étudiant peut être condamné à une amende versée à l’État, en plus des coûts liés à la procédure.</p><p>L’organisation revendique un effet dissuasif plutôt qu’une chasse aux individus. Sa directrice, Maria Fredenslund, résume l’intention dans Uniavisen&nbsp;: &#171;&nbsp;Nous ne voulons pas sanctionner des individus, mais provoquer un changement de comportement, pour que les étudiants comprennent que le partage illégal a des conséquences.&nbsp;&#187;<br>&#8220;Un manuel suffit&#8221;&nbsp;: la ligne rouge</p><p>L’enjeu, pour RettighedsAlliancen, consiste à faire basculer la perception d’un geste jugé &#171;&nbsp;banal&nbsp;&#187;. Envoyer un PDF &#171;&nbsp;pour dépanner&nbsp;&#187;, déposer un fichier dans un groupe privé, récupérer un chapitre auprès d’un camarade&nbsp;: autant de pratiques décrites comme courantes dans la vie étudiante, et désormais placées au cœur de la riposte.</p><p>Pour documenter ces échanges, l’Alliance évoque une surveillance de communautés en ligne et la constitution de preuves avant toute saisine. Des médias spécialisés, comme TorrentFreak, soulignent un durcissement après des années de campagnes de sensibilisation présentées comme peu efficaces.<br>Un problème massif, un marché sous tension</p><p>Cette montée en puissance s’appuie sur un constat chiffré. Uniavisen citait en 2025 une étude de 2024&nbsp;: plus de la moitié des étudiants danois (54&nbsp;%) auraient obtenu des manuels illégalement au cours de leurs études, en hausse par rapport à 2022.</p><p>La perception sociale suit&nbsp;: nombre d’étudiants disent savoir que c’est illégal, tout en jugeant la pratique acceptable, notamment face au prix des ouvrages.</p><p>RettighedsAlliancen s’est déjà illustrée dans des dossiers de manuels piratés, par exemple contre une revente de copies illégales ayant conduit à une amende au Danemark en 2023. Le message, déjà, visait à rappeler que la chaîne du livre académique n’échappe pas aux logiques de contrefaçon.<br>Un signal envoyé aux campus</p><p>Reste une question politique&nbsp;: jusqu’où pousser la répression sans fracturer la relation entre étudiants, universités et bibliothèques, souvent en première ligne sur l’accès aux ressources. En ciblant des individus et en abaissant le seuil symbolique à &#171;&nbsp;un manuel&nbsp;&#187;, l’Alliance assume un avertissement net&nbsp;: la sphère privée étudiante ne constitue plus une zone grise.</p><p>Les premières procédures diront si les tribunaux suivent cette ligne, et si la peur du contentieux remplace, sur les campus danois, l’habitude de &#171;&nbsp;se passer&nbsp;&#187; les fichiers. D’ici là, l’annonce agit déjà comme un marqueur&nbsp;: le partage, même minimal, risque de coûter cher.</p><p>Crédits photo&nbsp;: geralt CC 0</p><p>Par Nicolas Gary<br>Contact&nbsp;: ng@actualitte.com </p></blockquote><p><span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/edition'>Edition</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/r%C3%A9pression'>Répression</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/connerie'>Connerie</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/etudiants'>Etudiants</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/danemark'>Danemark</a></span></p></div>]]></content>
	
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	<title>Amazon.fr : Renee Nicole Good</title>
	<author>
		<name>Articles repérés par Hervé Le Crosnier  (@hlc)</name>
		<uri>https://seenthis.net/people/hlc</uri>
		<email>hlc@seenthis.net</email>
		
	</author>
	<published>2026-01-14T15:43:25Z</published>
	<updated>2026-01-14T15:43:25Z</updated>
	
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	<summary><![CDATA[Amazon.fr : Renee Nicole Good
https://www.amazon.fr/s?k=Renee+Nicole+Good&__mk_fr_FR=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&crid=2F1P49V0EKGNY&sprefix=renee+nicole+good%2Caps%2C214&ref=nb_sb_noss_1

J'ai lu que Renee Nicole Good était poète, alors j'ai voulu voir s'il y avait un ouvrage de ses poésies disponibles.

La page proposée par Amazon quand on demande son nom est absolument effrayante :
Une succession d'homages ou de récupération, en texte, en podcast ou en mp3...
Avec bien évidemment des couvertures faites par IA... ce qui laisse présager que le texte lui-même (ou la musique pour les mp3) est fabriqué du même bois.
Toujours la même photo, aucun respect de sa vie privée.

Ce manque de respect me coupe le souffle.

#Renée_Nicole_Good #Edition #Récupération #A_gerber]]></summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="fr" dir="ltr"><p>Amazon.fr&nbsp;: Renee Nicole Good<br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008246835'>▻</a></span><a href="https://www.amazon.fr/s?k=Renee+Nicole+Good&amp;__mk_fr_FR=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=2F1P49V0EKGNY&amp;sprefix=renee+nicole+good%2Caps%2C214&amp;ref=nb_sb_noss_1" class='spip_out'><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'><span class='lien_www'>www.</span>amazon.fr</span>/</span><span class='lien_fin'><span class='lien_fin_coupee'>s?k=Renee+Nicole+Good&amp;__mk_fr_FR</span><span class='lien_fin_cachee'>=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=2F1P49V</span></span></span></a></span></p><p>J’ai lu que Renee Nicole Good était poète, alors j’ai voulu voir s’il y avait un ouvrage de ses poésies disponibles.</p><p>La page proposée par Amazon quand on demande son nom est absolument effrayante&nbsp;:<br>Une succession d’homages ou de récupération, en texte, en podcast ou en mp3...<br>Avec bien évidemment des couvertures faites par IA... ce qui laisse présager que le texte lui-même (ou la musique pour les mp3) est fabriqué du même bois.<br>Toujours la même photo, aucun respect de sa vie privée.</p><p>Ce manque de respect me coupe le souffle.</p><p><span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/ren%C3%A9e_nicole_good'>Renée_Nicole_Good</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/edition'>Edition</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/r%C3%A9cup%C3%A9ration'>Récupération</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/a_gerber'>A_gerber</a></span></p></div>]]></content>
	
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	<title>Pub pour le livre sur la TNT : capt&#233;e par les grands groupes, et un effet peu significatif</title>
	<author>
		<name>Articles repérés par Hervé Le Crosnier  (@hlc)</name>
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		<email>hlc@seenthis.net</email>
		
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	<published>2026-01-10T09:57:15Z</published>
	<updated>2026-01-10T09:57:15Z</updated>
	
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	<summary>Pub pour le livre sur la TNT : captée par les grands groupes, et un effet peu significatif
https://actualitte.com/article/128595/economie/pub-pour-le-livre-sur-la-tnt-captee-par-les-grands-groupes-et-un-effet-peu-significatif
https://actualitte.com/uploads/images/pub-pour-le-livre-sur-la-tnt-captee-par-les-grands-groupes-et-un-effet-peu-significatif-6960d23d76583536101852.jpg

❝À compter du mois d'avril 2024, le ministère de la Culture a voulu ouvrir plus largement la télévision aux publicités pour les livres, en conduisant une expérimentation autour des chaines de la TNT. L'objectif affiché, une plus grande promotion en faveur de la lecture de livres, n'avait pas été du goût de l'ensemble du secteur, qui craignait une mise en avant des mastodontes. Ce qu'une étude d'impact confirme en partie : les grands groupes sont les seuls à recourir à la pub télévisuelle, mais l'impact de cette dernière sur les ventes reste, a priori, peu significatif.

Publié le :

09/01/2026 à 15:07

Antoine Oury

En avril 2024, Rachida Dati, ministre de la Culture depuis quelques mois, annonçait qu'elle souhaitait « expérimenter la publicité du livre à la télévision ». Dans un message, elle justifiait ainsi sa proposition : « Le succès d’un livre permet à un éditeur d’investir sur d’autres auteurs. L’objectif est aussi d’inciter à franchir le seuil d’une librairie. Vous pouvez entrer pour acheter 1 best-seller et repartir avec 3 livres sous le bras. »

Rappelons que la publicité pour les livres est interdite à la télévision depuis 1992, par le décret de mars 1992, dont l’article 8 prohibe la réclame de l'« édition littéraire sauf sur les services de télévision exclusivement distribués par câble ou diffusés par satellite ».

Le 5 avril 2024, un décret autorisait ainsi, « pour une période de vingt-quatre mois », la diffusion de « messages publicitaires concernant le secteur de l'édition littéraire » par les « fréquences assignées par l'Autorité de régulation de la communication audiovisuelle et numérique », autrement dit les chaines de la TNT.
Levée de boucliers et lobbying

Même sous sa forme d'expérimentation, la démarche du ministère de la Culture avait suscité une levée de boucliers dans le secteur de l'édition. L'organisation patronale elle-même, le Syndicat national de l'édition (SNE) craignait une intensification de la « best-sellerisation » du livre, une inquiétude bientôt partagée par le Conseil permanent des écrivains et la Fédération des Éditions Indépendantes.

Inutile de souligner qu'à l'heure de la concentration éditoriale et de l'intégration des maisons à des groupes médiatiques, la nouvelle soulevait aussi quelques questions quant aux comportements de Louis Hachette Group (dont le propriétaire, Vincent Bolloré, possède aussi Canal+, et donc CNews et CStar) et Editis (dont le propriétaire, Daniel Křetínský, possède également la chaine T18). Ainsi, deux acteurs dominants de l'édition se retrouvaient par ailleurs derrière trois chaines de la TNT...

En face des craintes de l'édition, le lobby de la publicité s'activait, via le Syndicat National de la Publicité Télévisée [SNPTV, devenu depuis l'Alliance des Médias TV Vidéo, NdR]. En 2024, il avait ainsi approché le gouvernement, l'entourage du président de la République, mais aussi des députés et sénateurs afin de « travailler sur la simplification de réglementation pour la publicité à la télévision et la réduction des asymétries réglementaires avec le secteur du digital », notamment dans le domaine de la Culture, comme l'indique une déclaration à la Haute Autorité pour la transparence de la vie publique.

Au cours de l'année 2023, l'agence de communication et d'affaires publiques Image 7, pour sa part, avait échangé avec des parlementaires autour de « l'ouverture de la publicité télévisée aux secteurs interdits », pour le compte de TF1, rapporte encore la HATVP. Si le livre n'est pas explicitement évoqué, il ne fait aucun doute que les publicitaires souhaitent lever un maximum de restrictions, y compris dans le domaine culturel.

À LIRE - “Le loup mal aimé“ d'Intermarché : l’histoire était-elle déjà écrite ?

Lors des débats autour de l'ouverture plus large de la télévision aux publicités pour le livre, le SNPTV rappelait par ailleurs auprès de The Media Leader que les présences de spots sur les plateformes vidéo et sur les chaînes du câble et du satellite « ont prouvé leur efficacité sans déséquilibrer l’écosystème existant, permettant à un large éventail d’éditeurs, quels que soient leur taille et leur budget, de bénéficier de cette exposition médiatique ».

Il annonçait en outre que « l’ouverture permise par le décret permettra aussi d’accentuer nos initiatives en faveur de la lecture, telles que la participation à des campagnes nationales et le soutien à des prix littéraires, qui démontrent notre engagement continu envers la promotion du livre à l’antenne ».
La TNT n'explose pas vraiment

Le décret du 5 avril 2024 prévoyait également la publication d'« un rapport évaluant les impacts de la mise en œuvre de ces dispositions sur le secteur de l'industrie du livre », afin que le ministère de la Culture se prononce sur « l'opportunité de pérenniser » cette ouverture de la TNT à la publicité pour le livre.

Ce rapport, constitué par le cabinet de conseil Bartle, a été publié ce 9 janvier par la rue de Valois. Il étudie les conséquences de l'expérimentation, en observant les commanditaires des publicités diffusées ainsi que les effets de ces dernières sur les ventes d'ouvrages.

Première observation, l'annonce du ministère de la Culture n'a pas provoqué une ruée vers les chaines de la TNT. Le segment Roman/Biographie, qui a rassemblé au total 72,91 millions € d'investissements média en 2024, n'a réservé que 600.000 € aux chaines de la TNT, quand le segment BD/Manga, avec 17,09 millions € d'investissements la même année, a misé 310.000 € sur ce même réseau.

Ce dernier segment est pourtant bien plus friand des diffusions TV alternatives (1,71 million €), en particulier via les chaînes thématiques.

D'une manière générale, l'édition française reste surtout tournée, pour ses investissements média, vers la presse (35,7 millions € en 2024 pour le segment Roman/Biographie, 8,04 millions € pour BD/Manga).

Difficile, dans ces conditions, d'observer un quelconque transfert de budgets vers la TNT. Si l'affichage numérique devient de plus en plus important dans les investissements média des éditeurs, la part allouée à la TNT reste faible. « Les arbitrages pourraient avoir été défavorables au cinéma et à l’affichage : ce sont les seuls médias dont la part recule dans la répartition des investissements », relève le rapport pour le roman et la biographique, tandis que la BD et le manga se sont tournés vers la presse et l'affichage internet en 2024, « deux leviers plus abordables dans un contexte économique tendu » pour ces publications.

En se focalisant plus précisément sur 4 maisons d'édition — non précisées — du segment roman et biographie, le rapport note qu'un transfert apparait de la radio vers les chaines de la TNT, notamment pour deux éditeurs qui avaient massivement recours aux ondes pour leur publicité. 
Du potentiel, malgré tout ?

Malgré ces résultats modestes, le rapport relève « une adoption immédiate [de la TNT] par quelques maisons », qui ont redirigé leurs investissements TV vers le réseau en particulier. Les affichages liés au replay des chaines télévisées (la « TV délinéarisée ») sont aussi en hausse.

Deux régies publicitaires se partagent la majorité des investissements TV en valeur, remarque le cabinet d'étude, sans les citer. Il poursuit : « Une régie publicitaire capte à elle seule 67 % des investissements par l’intermédiaire de ses deux chaînes thématiques. » Ces chaînes thématiques restent importantes pour le segment BD/Manga, comme avant le décret d'avril 2024.
Un manque de diversité

Sans trop de surprise, la diversité des ouvrages promus semble cruellement absente de la période d'expérimentation. Les investissements sont principalement portés par les segments Roman/Biographie et BD/Manga — ce qui explique le périmètre de l'étude —, avec un seul ouvrage de la catégorie Art/Culture/Loisirs promu, entre janvier et août 2025.

Au total, entre avril 2024 et août 2025, 21 titres différents ont bénéficié d'une publicité diffusée sur les chaines de la TNT. En 2024 uniquement, les investissements sur ce réseau sont concentrés sur 5 maisons seulement, pour 12 livres.

Ces publicités ont été commandées par trois grands groupes d'édition, dont un « qui porte plus de la moitié des investissements (64 %) ». Ensemble, ils ont investi quelque 920.000 € dans ces diffusions sur la TNT. 

« Les dépenses sur des supports autorisés avant le décret (chaînes thématiques, replay, parrainage) atteignent un volume plus de deux fois supérieur à celui de la TNT, témoignant d’un recours plus structuré à ces leviers et en augmentation par rapport à 2023. Ce mix hors TNT est largement dominé par un groupement de maisons d’édition qui ne publient que du Manga », observe le rapport de Bartle.

À LIRE - Livre de Bardella affiché en gares : l'“inexécution fautive” de Mediatransports

L'étude évoque les investissements promotionnels réalisés à la télévision dans son ensemble, hors replay, en 2024. 63 livres ont bénéficié de cette exposition, dont 31 titres BD/Manga de 10 maisons d'édition, 11 titres Roman/Biographie de 3 maisons et 11 titres Livres et encyclopédies de 11 maisons, « un segment toutefois hétérogène regroupant des ouvrages non classés dans les catégories éditoriales habituelles », indique le rapport.
L'artillerie lourde pour la promo

La publicité sur les chaines de TNT est l'apanage des groupes de maisons d’édition dotés de budgets médias élevés, entre 500.000 € et 5 millions €. Les groupes éditoriaux disposant de budgets médias inférieurs se tournent plutôt vers la presse (63 %) et l'affichage extérieur (31 %).

Les maisons indépendantes ont suivi la même stratégie, dirigée vers la presse et l'affichage extérieur, avec un recours à la marge à la radio (13 %) et au digital (2 %). La télévision — et le cinéma, par ailleurs — reste exclue de cette répartition. « [L]es maisons au petit budget promotionnel sont celles qui ont le plus activé le levier digital », note l'étude.

Dans le détail, « [l]es investissements en TNT se concentrent exclusivement sur les maisons d’édition dont le budget annuel [média] dépasse 1 million € », pour le segment Roman/Biographie. Seuls les titres dont le budget média surpasse 200.000 € ont une chance de se retrouver à la télévision : autant dire qu'il s'agit de best-sellers, ou du moins espérés comme tels, par les maisons.

Sur le segment BD/Manga, cette répartition nettement en faveur des gros titres est moins évidente. Si la presse reste le levier activé par les maisons d'édition aux budgets restreints, la télévision (via la TNT, mais surtout les chaines thématiques) peut apparaitre dès les investissements promotionnels inférieurs à 20.000 €.
Quels effets sur les ventes ?

Inutile de faire durer le suspens : l'étude peine à établir un lien clair entre promotion sur les chaines de la TNT et hausse des ventes du titre promu. « Les pics de vente sur le segment Roman/Biographie suivent les investissements en média, à l’exception des mois de juillet et décembre », note néanmoins le rapport, en citant des budgets élevés en mai et en octobre, mois où s'observent des pics récurrents de ventes.

Sont-elles attribuables à la publicité ? L'impact sur les ventes « est difficile à quantifier », reconnait ensuite le cabinet Bartle. Pour le segment Roman/Biographie, « il n’y a pas de volume de vente plus significatif sur les ouvrages qui ont été promus en TNT par rapport à un ouvrage de comparaison d’un même auteur pour lequel il n’y a pas eu de publicité en TNT ». 

Concernant BD/Manga, le cabinet observe que la promotion du dernier tome paru d'une série peut « générer également une hausse des ventes du premier tome, bien que cet effet de recrutement n’ait pas été vérifié par les maisons qui ont investi en TNT ». Autrement dit, on n'en sait à peu près rien...

L’expérimentation n’a pas eu d’impact notable sur la répartition du marché du livre entre les canaux de vente, indique encore l'étude, qui estime qu'elle n'a pas modifié la répartition des ventes entre les segments éditoriaux.

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Difficile de prédire, à la lecture des éléments avancés par l'étude, quelle sera la décision du ministère de la Culture. Le manque de diversité des commanditaires des publicités de la TNT pourrait l'inciter à renoncer à son projet, mais le faible impact apparent de ces diffusions sur les ventes permettrait également de justifier sa confirmation...

L'étude complète est accessible ci-dessous.

Photographie : illustration, CRT, CC BY 2.0
Par Antoine Oury
Contact : ao@actualitte.com❞

#Publicité #Edition #Télévision #Concentration #Monopoles</summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="fr" dir="ltr"><p>Pub pour le livre sur la TNT&nbsp;: captée par les grands groupes, et un effet peu significatif<br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008245531'>▻</a></span><a href="https://actualitte.com/article/128595/economie/pub-pour-le-livre-sur-la-tnt-captee-par-les-grands-groupes-et-un-effet-peu-significatif" class='spip_out' title="captée par les grands groupes, et un effet peu significatif" hreflang="fr"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>actualitte.com</span>/</span><span class='lien_off'>article/</span><span class='lien_off'>128595/</span><span class='lien_off'>economie/</span><span class='lien_fin'><span class='lien_fin_coupee'>pub-pour-le-livre-sur-la-tn</span><span class='lien_fin_cachee'>t-captee-par-les-grands-groupes-et-un-effet-p</span></span></span></a></span><br><div class='seenthis_pics seenthis_pics_1'><a onclick='return false;' href='https://actualitte.com/uploads/images/pub-pour-le-livre-sur-la-tnt-captee-par-les-grands-groupes-et-un-effet-peu-significatif-6960d23d76583536101852.jpg' class='display_box'><span class='image' style='padding-bottom:67.166666666667%'><img src='https://seenthis.net/local/cache-vignettes/L600xH403/pub-pour-le-livr-e05bba97-ca564.jpg' alt='' data-photo='https://actualitte.com/uploads/images/pub-pour-le-livre-sur-la-tnt-captee-par-les-grands-groupes-et-un-effet-peu-significatif-6960d23d76583536101852.jpg' data-photo-h='806' data-photo-w='1200' /></span><span class="lien_court"><span class="lien_off"> https://actualitte.com/uploads/images/pub-pour-le-livre-sur-la-tnt-captee-par-les-grands-groupes-et-un-effet-peu-significatif-6960d23d76583536101852.jpg </span></span></a></div></p><blockquote lang="fr" dir="ltr"><p> À compter du mois d’avril 2024, le ministère de la Culture a voulu ouvrir plus largement la télévision aux publicités pour les livres, en conduisant une expérimentation autour des chaines de la TNT. L’objectif affiché, une plus grande promotion en faveur de la lecture de livres, n’avait pas été du goût de l’ensemble du secteur, qui craignait une mise en avant des mastodontes. Ce qu’une étude d’impact confirme en partie&nbsp;: les grands groupes sont les seuls à recourir à la pub télévisuelle, mais l’impact de cette dernière sur les ventes reste, a priori, peu significatif.</p><p>Publié le&nbsp;:</p><p>09/01/2026 à 15:07</p><p>Antoine Oury</p><p>En avril 2024, Rachida Dati, ministre de la Culture depuis quelques mois, annonçait qu’elle souhaitait &#171;&nbsp;expérimenter la publicité du livre à la télévision&nbsp;&#187;. Dans un message, elle justifiait ainsi sa proposition&nbsp;: &#171;&nbsp;Le succès d’un livre permet à un éditeur d’investir sur d’autres auteurs. L’objectif est aussi d’inciter à franchir le seuil d’une librairie. Vous pouvez entrer pour acheter 1 best-seller et repartir avec 3 livres sous le bras.&nbsp;&#187;</p><p>Rappelons que la publicité pour les livres est interdite à la télévision depuis 1992, par le décret de mars 1992, dont l’article 8 prohibe la réclame de l’&#171;&nbsp;édition littéraire sauf sur les services de télévision exclusivement distribués par câble ou diffusés par satellite&nbsp;&#187;.</p><p>Le 5 avril 2024, un décret autorisait ainsi, &#171;&nbsp;pour une période de vingt-quatre mois&nbsp;&#187;, la diffusion de &#171;&nbsp;messages publicitaires concernant le secteur de l’édition littéraire&nbsp;&#187; par les &#171;&nbsp;fréquences assignées par l’Autorité de régulation de la communication audiovisuelle et numérique&nbsp;&#187;, autrement dit les chaines de la TNT.<br>Levée de boucliers et lobbying</p><p>Même sous sa forme d’expérimentation, la démarche du ministère de la Culture avait suscité une levée de boucliers dans le secteur de l’édition. L’organisation patronale elle-même, le Syndicat national de l’édition (SNE) craignait une intensification de la &#171;&nbsp;best-sellerisation&nbsp;&#187; du livre, une inquiétude bientôt partagée par le Conseil permanent des écrivains et la Fédération des Éditions Indépendantes.</p><p>Inutile de souligner qu’à l’heure de la concentration éditoriale et de l’intégration des maisons à des groupes médiatiques, la nouvelle soulevait aussi quelques questions quant aux comportements de Louis Hachette Group (dont le propriétaire, Vincent Bolloré, possède aussi Canal+, et donc CNews et CStar) et Editis (dont le propriétaire, Daniel Křetínský, possède également la chaine T18). Ainsi, deux acteurs dominants de l’édition se retrouvaient par ailleurs derrière trois chaines de la TNT...</p><p>En face des craintes de l’édition, le lobby de la publicité s’activait, via le Syndicat National de la Publicité Télévisée [SNPTV, devenu depuis l’Alliance des Médias TV Vidéo, NdR]. En 2024, il avait ainsi approché le gouvernement, l’entourage du président de la République, mais aussi des députés et sénateurs afin de &#171;&nbsp;travailler sur la simplification de réglementation pour la publicité à la télévision et la réduction des asymétries réglementaires avec le secteur du digital&nbsp;&#187;, notamment dans le domaine de la Culture, comme l’indique une déclaration à la Haute Autorité pour la transparence de la vie publique.</p><p>Au cours de l’année 2023, l’agence de communication et d’affaires publiques Image 7, pour sa part, avait échangé avec des parlementaires autour de &#171;&nbsp;l’ouverture de la publicité télévisée aux secteurs interdits&nbsp;&#187;, pour le compte de TF1, rapporte encore la HATVP. Si le livre n’est pas explicitement évoqué, il ne fait aucun doute que les publicitaires souhaitent lever un maximum de restrictions, y compris dans le domaine culturel.</p><p>À LIRE - &#8220;Le loup mal aimé&#8220; d’Intermarché&nbsp;: l’histoire était-elle déjà écrite&nbsp;?</p><p>Lors des débats autour de l’ouverture plus large de la télévision aux publicités pour le livre, le SNPTV rappelait par ailleurs auprès de The Media Leader que les présences de spots sur les plateformes vidéo et sur les chaînes du câble et du satellite &#171;&nbsp;ont prouvé leur efficacité sans déséquilibrer l’écosystème existant, permettant à un large éventail d’éditeurs, quels que soient leur taille et leur budget, de bénéficier de cette exposition médiatique&nbsp;&#187;.</p><p>Il annonçait en outre que &#171;&nbsp;l’ouverture permise par le décret permettra aussi d’accentuer nos initiatives en faveur de la lecture, telles que la participation à des campagnes nationales et le soutien à des prix littéraires, qui démontrent notre engagement continu envers la promotion du livre à l’antenne&nbsp;&#187;.<br>La TNT n’explose pas vraiment</p><p>Le décret du 5 avril 2024 prévoyait également la publication d’&#171;&nbsp;un rapport évaluant les impacts de la mise en œuvre de ces dispositions sur le secteur de l’industrie du livre&nbsp;&#187;, afin que le ministère de la Culture se prononce sur &#171;&nbsp;l’opportunité de pérenniser&nbsp;&#187; cette ouverture de la TNT à la publicité pour le livre.</p><p>Ce rapport, constitué par le cabinet de conseil Bartle, a été publié ce 9 janvier par la rue de Valois. Il étudie les conséquences de l’expérimentation, en observant les commanditaires des publicités diffusées ainsi que les effets de ces dernières sur les ventes d’ouvrages.</p><p>Première observation, l’annonce du ministère de la Culture n’a pas provoqué une ruée vers les chaines de la TNT. Le segment Roman/Biographie, qui a rassemblé au total 72,91 millions € d’investissements média en 2024, n’a réservé que 600.000 € aux chaines de la TNT, quand le segment BD/Manga, avec 17,09 millions € d’investissements la même année, a misé 310.000 € sur ce même réseau.</p><p>Ce dernier segment est pourtant bien plus friand des diffusions TV alternatives (1,71 million €), en particulier via les chaînes thématiques.</p><p>D’une manière générale, l’édition française reste surtout tournée, pour ses investissements média, vers la presse (35,7 millions € en 2024 pour le segment Roman/Biographie, 8,04 millions € pour BD/Manga).</p><p>Difficile, dans ces conditions, d’observer un quelconque transfert de budgets vers la TNT. Si l’affichage numérique devient de plus en plus important dans les investissements média des éditeurs, la part allouée à la TNT reste faible. &#171;&nbsp;Les arbitrages pourraient avoir été défavorables au cinéma et à l’affichage&nbsp;: ce sont les seuls médias dont la part recule dans la répartition des investissements&nbsp;&#187;, relève le rapport pour le roman et la biographique, tandis que la BD et le manga se sont tournés vers la presse et l’affichage internet en 2024, &#171;&nbsp;deux leviers plus abordables dans un contexte économique tendu&nbsp;&#187; pour ces publications.</p><p>En se focalisant plus précisément sur 4 maisons d’édition &mdash; non précisées &mdash; du segment roman et biographie, le rapport note qu’un transfert apparait de la radio vers les chaines de la TNT, notamment pour deux éditeurs qui avaient massivement recours aux ondes pour leur publicité.<br>Du potentiel, malgré tout&nbsp;?</p><p>Malgré ces résultats modestes, le rapport relève &#171;&nbsp;une adoption immédiate [de la TNT] par quelques maisons&nbsp;&#187;, qui ont redirigé leurs investissements TV vers le réseau en particulier. Les affichages liés au replay des chaines télévisées (la &#171;&nbsp;TV délinéarisée&nbsp;&#187;) sont aussi en hausse.</p><p>Deux régies publicitaires se partagent la majorité des investissements TV en valeur, remarque le cabinet d’étude, sans les citer. Il poursuit&nbsp;: &#171;&nbsp;Une régie publicitaire capte à elle seule 67&nbsp;% des investissements par l’intermédiaire de ses deux chaînes thématiques.&nbsp;&#187; Ces chaînes thématiques restent importantes pour le segment BD/Manga, comme avant le décret d’avril 2024.<br>Un manque de diversité</p><p>Sans trop de surprise, la diversité des ouvrages promus semble cruellement absente de la période d’expérimentation. Les investissements sont principalement portés par les segments Roman/Biographie et BD/Manga &mdash; ce qui explique le périmètre de l’étude&nbsp;&mdash;, avec un seul ouvrage de la catégorie Art/Culture/Loisirs promu, entre janvier et août 2025.</p><p>Au total, entre avril 2024 et août 2025, 21 titres différents ont bénéficié d’une publicité diffusée sur les chaines de la TNT. En 2024 uniquement, les investissements sur ce réseau sont concentrés sur 5 maisons seulement, pour 12 livres.</p><p>Ces publicités ont été commandées par trois grands groupes d’édition, dont un &#171;&nbsp;qui porte plus de la moitié des investissements (64&nbsp;%)&nbsp;&#187;. Ensemble, ils ont investi quelque 920.000 € dans ces diffusions sur la TNT.</p><p>&#171;&nbsp;Les dépenses sur des supports autorisés avant le décret (chaînes thématiques, replay, parrainage) atteignent un volume plus de deux fois supérieur à celui de la TNT, témoignant d’un recours plus structuré à ces leviers et en augmentation par rapport à 2023. Ce mix hors TNT est largement dominé par un groupement de maisons d’édition qui ne publient que du Manga&nbsp;&#187;, observe le rapport de Bartle.</p><p>À LIRE - Livre de Bardella affiché en gares&nbsp;: l’&#8220;inexécution fautive&#8221; de Mediatransports</p><p>L’étude évoque les investissements promotionnels réalisés à la télévision dans son ensemble, hors replay, en 2024. 63 livres ont bénéficié de cette exposition, dont 31 titres BD/Manga de 10 maisons d’édition, 11 titres Roman/Biographie de 3 maisons et 11 titres Livres et encyclopédies de 11 maisons, &#171;&nbsp;un segment toutefois hétérogène regroupant des ouvrages non classés dans les catégories éditoriales habituelles&nbsp;&#187;, indique le rapport.<br>L’artillerie lourde pour la promo</p><p>La publicité sur les chaines de TNT est l’apanage des groupes de maisons d’édition dotés de budgets médias élevés, entre 500.000 € et 5 millions €. Les groupes éditoriaux disposant de budgets médias inférieurs se tournent plutôt vers la presse (63&nbsp;%) et l’affichage extérieur (31&nbsp;%).</p><p>Les maisons indépendantes ont suivi la même stratégie, dirigée vers la presse et l’affichage extérieur, avec un recours à la marge à la radio (13&nbsp;%) et au digital (2&nbsp;%). La télévision &mdash; et le cinéma, par ailleurs &mdash; reste exclue de cette répartition. &#171;&nbsp;[L]es maisons au petit budget promotionnel sont celles qui ont le plus activé le levier digital&nbsp;&#187;, note l’étude.</p><p>Dans le détail, &#171;&nbsp;[l]es investissements en TNT se concentrent exclusivement sur les maisons d’édition dont le budget annuel [média] dépasse 1 million €&nbsp;&#187;, pour le segment Roman/Biographie. Seuls les titres dont le budget média surpasse 200.000 € ont une chance de se retrouver à la télévision&nbsp;: autant dire qu’il s’agit de best-sellers, ou du moins espérés comme tels, par les maisons.</p><p>Sur le segment BD/Manga, cette répartition nettement en faveur des gros titres est moins évidente. Si la presse reste le levier activé par les maisons d’édition aux budgets restreints, la télévision (via la TNT, mais surtout les chaines thématiques) peut apparaitre dès les investissements promotionnels inférieurs à 20.000 €.<br>Quels effets sur les ventes&nbsp;?</p><p>Inutile de faire durer le suspens&nbsp;: l’étude peine à établir un lien clair entre promotion sur les chaines de la TNT et hausse des ventes du titre promu. &#171;&nbsp;Les pics de vente sur le segment Roman/Biographie suivent les investissements en média, à l’exception des mois de juillet et décembre&nbsp;&#187;, note néanmoins le rapport, en citant des budgets élevés en mai et en octobre, mois où s’observent des pics récurrents de ventes.</p><p>Sont-elles attribuables à la publicité&nbsp;? L’impact sur les ventes &#171;&nbsp;est difficile à quantifier&nbsp;&#187;, reconnait ensuite le cabinet Bartle. Pour le segment Roman/Biographie, &#171;&nbsp;il n’y a pas de volume de vente plus significatif sur les ouvrages qui ont été promus en TNT par rapport à un ouvrage de comparaison d’un même auteur pour lequel il n’y a pas eu de publicité en TNT&nbsp;&#187;.</p><p>Concernant BD/Manga, le cabinet observe que la promotion du dernier tome paru d’une série peut &#171;&nbsp;générer également une hausse des ventes du premier tome, bien que cet effet de recrutement n’ait pas été vérifié par les maisons qui ont investi en TNT&nbsp;&#187;. Autrement dit, on n’en sait à peu près rien...</p><p>L’expérimentation n’a pas eu d’impact notable sur la répartition du marché du livre entre les canaux de vente, indique encore l’étude, qui estime qu’elle n’a pas modifié la répartition des ventes entre les segments éditoriaux.</p><p>À LIRE - Pour inciter à lire, France Télé réunit Joël Dicker, Kylian Mbappé et Brigitte Macron</p><p>Difficile de prédire, à la lecture des éléments avancés par l’étude, quelle sera la décision du ministère de la Culture. Le manque de diversité des commanditaires des publicités de la TNT pourrait l’inciter à renoncer à son projet, mais le faible impact apparent de ces diffusions sur les ventes permettrait également de justifier sa confirmation...</p><p>L’étude complète est accessible ci-dessous.</p><p>Photographie&nbsp;: illustration, CRT, CC BY 2.0<br>Par Antoine Oury<br>Contact&nbsp;: ao@actualitte.com </p></blockquote><p><span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/publicit%C3%A9'>Publicité</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/edition'>Edition</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/t%C3%A9l%C3%A9vision'>Télévision</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/concentration'>Concentration</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/monopoles'>Monopoles</a></span></p></div>]]></content>
	
	<link rel="related" href="https://actualitte.com/article/128595/economie/pub-pour-le-livre-sur-la-tnt-captee-par-les-grands-groupes-et-un-effet-peu-significatif" title="capt&#233;e par les grands groupes, et un effet peu significatif" hreflang="fr"/>
	
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	<title>Intelligence artificielle et &#233;dition : la r&#233;volution silencieuse qui secoue les &#233;diteurs chinois</title>
	<author>
		<name>Articles repérés par Hervé Le Crosnier  (@hlc)</name>
		<uri>https://seenthis.net/people/hlc</uri>
		<email>hlc@seenthis.net</email>
		
	</author>
	<published>2025-12-31T11:13:00Z</published>
	<updated>2025-12-31T11:13:00Z</updated>
	
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	<summary>Intelligence artificielle et édition : la révolution silencieuse qui secoue les éditeurs chinois
https://actualitte.com/article/128422/edition/intelligence-artificielle-et-edition-la-revolution-silencieuse-qui-secoue-les-editeurs-chinois
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❝Dans la sphère éditoriale chinoise, l’année 2025 s’inscrit comme une période charnière, un moment où l’intelligence artificielle (IA) ne se contente plus d’être un outil auxiliaire, mais devient un acteur à part entière de la chaîne du livre. Un récent article du Beijing News propose de poser une question simple et pourtant difficile : lirez-vous un livre entièrement traduit par une IA ?

Publié le :

30/12/2025 à 12:16

Clément Solym

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Imaginez ce scénario : un écrivain de langue rare passe dix ans à composer un chef-d’œuvre. Ses pairs traducteurs humains sont rares, le travail prendra des années. Devant cette attente, nombreux seraient les lecteurs tentés d’opter, au moins temporairement, pour une version traduite par une IA, si elle est publiée plus vite et à un dixième du prix. La question posée par Beijing News n’est pas anecdotique : elle met en lumière un dilemme nouveau, à l’intersection de l’économie du livre et des attentes des lecteurs. 

Dans la pratique, ce choix doit être analysé à la lumière de tendances déjà observées dans l’édition numérique chinoise. Sur certaines plateformes de littérature en ligne, plus de 70 % des traductions passeraient aujourd’hui par des outils automatiques, une statisticité qui impose une mutation profonde du secteur, relate People.
L’efficacité contre la créativité ?

Cette adoption rapide de l’IA dans la traduction et la production éditoriale n’est pas propre à la Chine, même si l’ampleur du phénomène y est particulièrement marquée. Lors de la Foire du livre de Francfort 2025, l’intelligence artificielle a été présentée comme l’un des thèmes majeurs, avec des débats sur la manière dont elle redéfinit productivité, création et droit d’auteur à l’échelle mondiale. 

D’un côté, l’IA permet de multiplier les volumes traduits, de réduire les délais, et de proposer des versions accessibles à un public élargi. De l’autre, certains professionnels s’inquiètent du risque de standardisation — ou pire, d’appauvrissement stylistique et culturel — lorsque l’intelligence artificielle remplace des compétences humaines complexes telles que l’interprétation poétique ou la fidélité narrative.
Un débat de légitimité littéraire

La question dépasse la simple commodité. Dans les cercles littéraires, on commence à s’interroger sur la “légitimité” des œuvres générées ou traduites par des algorithmes. Qu’est-ce qu’un « livre réel » lorsqu’un texte a été généré, retravaillé, voire réinterprété par une intelligence non humaine ? Ce débat prend des accents philosophiques presque aussi vite qu’il prend des tournures commerciales.

Ces discussions rappellent des controverses similaires dans d’autres domaines du savoir : scientifiques débattent de l’usage de l’IA dans la rédaction d’articles académiques, certains demandant transparence et attribution claire, d’autres dénonçant un manque de rigueur éthique quand l’origine humaine des textes devient floue. 

Le secteur navigue donc entre deux logiques : l’efficacité technologique et l’exigence culturelle. Beaucoup d’acteurs — maisons d’édition, plateformes numériques, auteurs — tentent aujourd’hui de concilier l’utilisation de l’IA avec le maintien d’une qualité littéraire distinctement humaine.

Cela se traduit, sur le terrain, par des modèles hybrides : des IA qui assistent le travail de traduction ou d’édition mais ne remplacent pas totalement l’intervention humaine, ou bien par des mentions explicites indiquant qu’un ouvrage a été co-produit avec une intelligence artificielle. L’une des réponses les plus pragmatiques à ce débat exigeant consistera sans doute à garantir transparence et traçabilité dans l’usage de ces technologies.
Un miroir des mutations globales

La situation chinoise ne s’inscrit pas dans un vide technique ou culturel. À l’échelle mondiale, les secteurs du livre et de la publication explorent des usages variés de l’IA, qui vont de l’aide à l’écriture à la recommandation personnalisée en passant par la création graphique.

Chaque marché, qu’il s’agisse de la traduction, de l’édition ou de la promotion, est confronté à des arbitrages similaires entre gains de productivité et qualité artistique, selon China Daily.

À l’aube de 2026, l’intelligence artificielle semble moins une menace qu’une invite à repenser l’écosystème du livre. En Chine, comme ailleurs, les éditeurs et les lecteurs sont confrontés à une réalité plurielle : l’IA transforme les processus, amplifie la circulation des textes et révèle des tensions inédites entre vitesse, accessibilité et profondeur culturelle.

En fin de compte, l’enjeu n’est pas seulement technologique : il s’agit de savoir si l’édition saura intégrer ces innovations sans diluer ce qui fait d’un livre — qu’il soit traduit, écrit ou co-créé — une expérience humaine singulière.

Crédits photo : Wolfram K - Pexels
 
 #Traduction #IA #Edition
 
 
 

 

Par Clément Solym
Contact : cs@actualitte.com❞</summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="fr" dir="ltr"><p>Intelligence artificielle et édition&nbsp;: la révolution silencieuse qui secoue les éditeurs chinois<br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008242490'>▻</a></span><a href="https://actualitte.com/article/128422/edition/intelligence-artificielle-et-edition-la-revolution-silencieuse-qui-secoue-les-editeurs-chinois" class='spip_out' title="la révolution silencieuse qui secoue les éditeurs chinois" hreflang="fr"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>actualitte.com</span>/</span><span class='lien_off'>article/</span><span class='lien_off'>128422/</span><span class='lien_off'>edition/</span><span class='lien_fin'><span class='lien_fin_coupee'>intelligence-artificielle-e</span><span class='lien_fin_cachee'>t-edition-la-revolution-silencieuse-qui-secou</span></span></span></a></span><br><div class='seenthis_pics seenthis_pics_1'><a onclick='return false;' href='https://actualitte.com/uploads/images/intelligence-artificielle-et-edition-la-revolution-silencieuse-qui-secoue-les-editeurs-chinois-695390b32a6b2374643832.jpg' class='display_box'><span class='image' style='padding-bottom:66.759776536313%'><img src='https://seenthis.net/local/cache-vignettes/L600xH401/intelligence-art-4773d220-69911.jpg' alt='' data-photo='https://actualitte.com/uploads/images/intelligence-artificielle-et-edition-la-revolution-silencieuse-qui-secoue-les-editeurs-chinois-695390b32a6b2374643832.jpg' data-photo-h='3824' data-photo-w='5728' /></span><span class="lien_court"><span class="lien_off"> https://actualitte.com/uploads/images/intelligence-artificielle-et-edition-la-revolution-silencieuse-qui-secoue-les-editeurs-chinois-695390b32a6b2374643832.jpg </span></span></a></div></p><blockquote lang="fr" dir="ltr"><p> Dans la sphère éditoriale chinoise, l’année 2025 s’inscrit comme une période charnière, un moment où l’intelligence artificielle (IA) ne se contente plus d’être un outil auxiliaire, mais devient un acteur à part entière de la chaîne du livre. Un récent article du Beijing News propose de poser une question simple et pourtant difficile&nbsp;: lirez-vous un livre entièrement traduit par une IA&nbsp;?</p><p>Publié le&nbsp;:</p><p>30/12/2025 à 12:16</p><p>Clément Solym</p><p>6</p><p>Partages<br>Partager cet article sur Facebook<br>Partager cet article sur Bluesky<br>Partager cet article sur Mastodon<br>Partager cet article sur Twitter<br>Partager cet article sur Linkedin<br>Partager cet article par mail<br>Imprimer cet article<br>ActuaLitté</p><p>Imaginez ce scénario&nbsp;: un écrivain de langue rare passe dix ans à composer un chef-d’œuvre. Ses pairs traducteurs humains sont rares, le travail prendra des années. Devant cette attente, nombreux seraient les lecteurs tentés d’opter, au moins temporairement, pour une version traduite par une IA, si elle est publiée plus vite et à un dixième du prix. La question posée par Beijing News n’est pas anecdotique&nbsp;: elle met en lumière un dilemme nouveau, à l’intersection de l’économie du livre et des attentes des lecteurs.</p><p>Dans la pratique, ce choix doit être analysé à la lumière de tendances déjà observées dans l’édition numérique chinoise. Sur certaines plateformes de littérature en ligne, plus de 70&nbsp;% des traductions passeraient aujourd’hui par des outils automatiques, une statisticité qui impose une mutation profonde du secteur, relate People.<br>L’efficacité contre la créativité&nbsp;?</p><p>Cette adoption rapide de l’IA dans la traduction et la production éditoriale n’est pas propre à la Chine, même si l’ampleur du phénomène y est particulièrement marquée. Lors de la Foire du livre de Francfort 2025, l’intelligence artificielle a été présentée comme l’un des thèmes majeurs, avec des débats sur la manière dont elle redéfinit productivité, création et droit d’auteur à l’échelle mondiale.</p><p>D’un côté, l’IA permet de multiplier les volumes traduits, de réduire les délais, et de proposer des versions accessibles à un public élargi. De l’autre, certains professionnels s’inquiètent du risque de standardisation &mdash; ou pire, d’appauvrissement stylistique et culturel &mdash; lorsque l’intelligence artificielle remplace des compétences humaines complexes telles que l’interprétation poétique ou la fidélité narrative.<br>Un débat de légitimité littéraire</p><p>La question dépasse la simple commodité. Dans les cercles littéraires, on commence à s’interroger sur la &#8220;légitimité&#8221; des œuvres générées ou traduites par des algorithmes. Qu’est-ce qu’un &#171;&nbsp;livre réel&nbsp;&#187; lorsqu’un texte a été généré, retravaillé, voire réinterprété par une intelligence non humaine&nbsp;? Ce débat prend des accents philosophiques presque aussi vite qu’il prend des tournures commerciales.</p><p>Ces discussions rappellent des controverses similaires dans d’autres domaines du savoir&nbsp;: scientifiques débattent de l’usage de l’IA dans la rédaction d’articles académiques, certains demandant transparence et attribution claire, d’autres dénonçant un manque de rigueur éthique quand l’origine humaine des textes devient floue.</p><p>Le secteur navigue donc entre deux logiques&nbsp;: l’efficacité technologique et l’exigence culturelle. Beaucoup d’acteurs &mdash; maisons d’édition, plateformes numériques, auteurs &mdash; tentent aujourd’hui de concilier l’utilisation de l’IA avec le maintien d’une qualité littéraire distinctement humaine.</p><p>Cela se traduit, sur le terrain, par des modèles hybrides&nbsp;: des IA qui assistent le travail de traduction ou d’édition mais ne remplacent pas totalement l’intervention humaine, ou bien par des mentions explicites indiquant qu’un ouvrage a été co-produit avec une intelligence artificielle. L’une des réponses les plus pragmatiques à ce débat exigeant consistera sans doute à garantir transparence et traçabilité dans l’usage de ces technologies.<br>Un miroir des mutations globales</p><p>La situation chinoise ne s’inscrit pas dans un vide technique ou culturel. À l’échelle mondiale, les secteurs du livre et de la publication explorent des usages variés de l’IA, qui vont de l’aide à l’écriture à la recommandation personnalisée en passant par la création graphique.</p><p>Chaque marché, qu’il s’agisse de la traduction, de l’édition ou de la promotion, est confronté à des arbitrages similaires entre gains de productivité et qualité artistique, selon China Daily.</p><p>À l’aube de 2026, l’intelligence artificielle semble moins une menace qu’une invite à repenser l’écosystème du livre. En Chine, comme ailleurs, les éditeurs et les lecteurs sont confrontés à une réalité plurielle&nbsp;: l’IA transforme les processus, amplifie la circulation des textes et révèle des tensions inédites entre vitesse, accessibilité et profondeur culturelle.</p><p>En fin de compte, l’enjeu n’est pas seulement technologique&nbsp;: il s’agit de savoir si l’édition saura intégrer ces innovations sans diluer ce qui fait d’un livre &mdash; qu’il soit traduit, écrit ou co-créé &mdash; une expérience humaine singulière.</p><p>Crédits photo&nbsp;: Wolfram K - Pexels<br><br> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/traduction'>Traduction</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/ia'>IA</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/edition'>Edition</a></span><br><br><br></p><p>Par Clément Solym<br>Contact&nbsp;: cs@actualitte.com </p></blockquote></div>]]></content>
	
	<link rel="related" href="https://actualitte.com/article/128422/edition/intelligence-artificielle-et-edition-la-revolution-silencieuse-qui-secoue-les-editeurs-chinois" title="la r&#233;volution silencieuse qui secoue les &#233;diteurs chinois" hreflang="fr"/>
	
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	<title>*AI Is Inventing Academic Papers That Don't Exist &#8212; And They're Being Cited in Real Journals* &#10077;The&#8230;</title>
	<author>
		<name>CDB_77  (@cdb_77)</name>
		<uri>https://seenthis.net/people/cdb_77</uri>
		<email>cdb_77@seenthis.net</email>
		
	</author>
	<published>2025-12-24T07:27:37Z</published>
	<updated>2025-12-24T07:27:37Z</updated>
	
	 <link href="https://seenthis.net/messages/1151515" />
	
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	<summary>*AI Is Inventing Academic Papers That Don’t Exist — And They’re Being Cited in Real Journals* 


❝The proliferation of references to fake articles threatens to undermine the legitimacy of institutional research across the board.

 As the fall semester came to a close, Andrew Heiss, an assistant professor in the Department of Public Management and Policy at the Andrew Young School of Policy Studies at Georgia State University, was grading coursework from his students when he noticed something alarming.

As is typical for educators these days, Heiss was following up on citations in papers to make sure that they led to real sources — and weren’t fake references supplied by an AI chatbot. Naturally, he caught some of his pupils using generative artificial intelligence to cheat: not only can the bots help write the text, they can supply alleged supporting evidence if asked to back up claims, attributing findings to previously published articles. But, as with attorneys who have been caught generating briefs with AI because a model offered false legal precedents, students can end up with plausible-sounding footnotes pointing to academic articles and journals that don’t exist.

That in itself wasn’t unusual, however. What Heiss came to realize in the course of vetting these papers was that AI-generated citations have now infested the world of professional scholarship, too. Each time he attempted to track down a bogus source in Google Scholar, he saw that dozens of other published articles had relied on findings from slight variations of the same made-up studies and journals.  

“There have been lots of AI-generated articles, and those typically get noticed and retracted quickly,” Heiss tells Rolling Stone. He mentions a paper retracted earlier this month, which discussed the potential to improve autism diagnoses with an AI model and included a nonsensical infographic that was itself created with a text-to-image model. “But this hallucinated journal issue is slightly different,” he says.

That’s because articles which include references to nonexistent research material — the papers that don’t get flagged and retracted for this use of AI, that is — are themselves being cited in other papers, which effectively launders their erroneous citations. This leads to students and academics (and any large language models they may ask for help) identifying those “sources” as reliable without ever confirming their veracity. The more these false citations are unquestioningly repeated from one article to the next, the more the illusion of their authenticity is reinforced. Fake citations have turned into a nightmare for research librarians, who by some estimates are wasting up to 15 percent of their work hours responding to requests for nonexistent records that ChatGPT or Google Gemini alluded to. 

 Heiss also noticed that the AI-generated notes could be convincing to a reader because they included the names of living academics and titles that closely resemble existing literature. In some cases, he found, the citation led him to an actual author, yet the heading of the article and the journal were both fabricated — they just sounded similar to work the author has published in the past and a real periodical that covers such topics. “The AI-generated things get propagated into other real things, so students see them cited in real things and assume they’re real, and get confused as to why they lose points for using fake sources when other real sources use them,” he says. “Everything looks real and above-board.”

Since LLMs have become commonplace tools, academics have warned that they threaten to undermine our grasp on data by flooding the zone with fraudulent content. The psychologist and cognitive scientist Iris van Rooij has argued that the emergence of AI “slop” across scholarly resources portends nothing less than “the destruction of knowledge.” In July, she and others in related fields signed an open letter calling on universities to resist the hype and marketing in order to “safeguard higher education, critical thinking, expertise, academic freedom, and scientific integrity.” The authors claimed that schools have “coerced” faculty into using AI or allowing it in their classes, and they asked for a more rigorous, comprehensive analysis of whether it can have any useful role in education at all.

 Anthony Moser, a software engineer and technologist, was among those who foresaw how chatbots could eventually hollow out educational institutions. “I’m imagining an instructor somewhere making a syllabus with ChatGPT, assigning reading from books that don’t exist,” he wrote in a post on Bluesky in 2023, less than a year after the AI model first came out. “But the students don’t notice, because they are asking ChatGPT to summarize the book or write the essay.” This month, Moser reshared that post, commenting: “I wish it had taken longer for this to become literally true.”

Moser tells Rolling Stone that to even claim LLMs “hallucinate” fictional publications misunderstands the threat they pose to our comprehension of the world, because the term “implies that it’s different from the normal, correct perception of reality.” But the chatbots are “always hallucinating,” he says. “It’s not a malfunction. A predictive model predicts some text, and maybe it’s accurate, maybe it isn’t, but the process is the same either way. To put it another way: LLMs are structurally indifferent to truth.” 

“LLMs are pernicious because they’re essentially polluting the information ecosystem upstream,” Moser adds. “Nonexistent citations show up in research that’s sloppy or dishonest, and from there get into other papers and articles that cite them, and papers that cite those, and then it’s in the water,” he says, likening this content to like harmful, long-lasting chemicals: “hard to trace and hard to filter out, even when you’re trying to avoid it.” Moser calls the problem “the entirely foreseeable outcome of deliberate choices,” with those who raised objections “ignored or overruled.”

But AI can’t take all the blame. “Bad research isn’t new,” Moser points out. “LLMs have amplified the problem dramatically, but there was already tremendous pressure to publish and produce, and there were many bad papers using questionable or fake data, because higher education has been organized around the production of knowledge-shaped objects, measured in citations, conferences, and grants.”

Craig Callender, a philosophy professor at the University of California San Diego and president of the Philosophy of Science Association, agrees with that assessment, observing that “the appearance of legitimacy to non-existent journals is like the logical end product of existing trends.” There are already journals, he explains, that accept spurious articles for profit, or biased ghost-written research meant to benefit the industry that produced it. “The ‘swamp’ in scientific publishing is growing,” he says. “Many practices make existing journals [or] articles that aren’t legitimate look legitimate. So the next step to non-existent journals is horrifying but not too surprising.”

Adding AI to the mix means that “swamp” is growing fast, Callender says. “For instance, all of this gets compounded in a nearly irreversible way with AI-assisted Google searches. These searches will only reinforce the appearance that these journals exist, just as they currently reinforce a lot of disinformation.”   

 All of which contributes to a feeling among researchers that they’re being buried in an avalanche of slop, with limited capacity to sift through it. “It’s been incredibly disheartening for faculty, I think fairly universally, especially as fake content gets accidentally enshrined in public research databases,” says Heiss. “It’s hard to work back up the citation chain to see where claims originated.”

Of course, many aren’t even trying to do that — which is why the phony stuff has been so widely disseminated. It’s almost as if the uncritical and naive adoption of AI has made us more credulous and sapped our critical thinking at the precise moment we should be on guard against its evolving harms. In fact, someone may be toiling away on a (real) study of that phenomenon right now.❞




https://www.rollingstone.com/culture/culture-features/ai-chatbot-journal-research-fake-citations-1235485484/
#IA #AI #intelligence_artificielle #édition_scientifique #science #ESR #université  #citations #chatbot #références #faux #erreurs 

--

ajouté à la #métaliste sur la #publication_scientifique*:
https://seenthis.net/messages/1036396</summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="en" dir="ltr"><p><strong>AI Is Inventing Academic Papers That Don’t Exist — And They’re Being Cited in Real Journals</strong></p><blockquote lang="en" dir="ltr"><p> The proliferation of references to fake articles threatens to undermine the legitimacy of institutional research across the board.</p><p> As the fall semester came to a close, Andrew Heiss, an assistant professor in the Department of Public Management and Policy at the Andrew Young School of Policy Studies at Georgia State University, was grading coursework from his students when he noticed something alarming.</p><p>As is typical for educators these days, Heiss was following up on citations in papers to make sure that they led to real sources — and weren’t fake references supplied by an AI chatbot. Naturally, he caught some of his pupils using generative artificial intelligence to cheat: not only can the bots help write the text, they can supply alleged supporting evidence if asked to back up claims, attributing findings to previously published articles. But, as with attorneys who have been caught generating briefs with AI because a model offered false legal precedents, students can end up with plausible-sounding footnotes pointing to academic articles and journals that don’t exist.</p><p>That in itself wasn’t unusual, however. What Heiss came to realize in the course of vetting these papers was that AI-generated citations have now infested the world of professional scholarship, too. Each time he attempted to track down a bogus source in Google Scholar, he saw that dozens of other published articles had relied on findings from slight variations of the same made-up studies and journals. </p><p>“There have been lots of AI-generated articles, and those typically get noticed and retracted quickly,” Heiss tells Rolling Stone. He mentions a paper retracted earlier this month, which discussed the potential to improve autism diagnoses with an AI model and included a nonsensical infographic that was itself created with a text-to-image model. “But this hallucinated journal issue is slightly different,” he says.</p><p>That’s because articles which include references to nonexistent research material — the papers that don’t get flagged and retracted for this use of AI, that is — are themselves being cited in other papers, which effectively launders their erroneous citations. This leads to students and academics (and any large language models they may ask for help) identifying those “sources” as reliable without ever confirming their veracity. The more these false citations are unquestioningly repeated from one article to the next, the more the illusion of their authenticity is reinforced. Fake citations have turned into a nightmare for research librarians, who by some estimates are wasting up to 15 percent of their work hours responding to requests for nonexistent records that ChatGPT or Google Gemini alluded to.</p><p> Heiss also noticed that the AI-generated notes could be convincing to a reader because they included the names of living academics and titles that closely resemble existing literature. In some cases, he found, the citation led him to an actual author, yet the heading of the article and the journal were both fabricated — they just sounded similar to work the author has published in the past and a real periodical that covers such topics. “The AI-generated things get propagated into other real things, so students see them cited in real things and assume they’re real, and get confused as to why they lose points for using fake sources when other real sources use them,” he says. “Everything looks real and above-board.”</p><p>Since LLMs have become commonplace tools, academics have warned that they threaten to undermine our grasp on data by flooding the zone with fraudulent content. The psychologist and cognitive scientist Iris van Rooij has argued that the emergence of AI “slop” across scholarly resources portends nothing less than “the destruction of knowledge.” In July, she and others in related fields signed an open letter calling on universities to resist the hype and marketing in order to “safeguard higher education, critical thinking, expertise, academic freedom, and scientific integrity.” The authors claimed that schools have “coerced” faculty into using AI or allowing it in their classes, and they asked for a more rigorous, comprehensive analysis of whether it can have any useful role in education at all.</p><p> Anthony Moser, a software engineer and technologist, was among those who foresaw how chatbots could eventually hollow out educational institutions. “I’m imagining an instructor somewhere making a syllabus with ChatGPT, assigning reading from books that don’t exist,” he wrote in a post on Bluesky in 2023, less than a year after the AI model first came out. “But the students don’t notice, because they are asking ChatGPT to summarize the book or write the essay.” This month, Moser reshared that post, commenting: “I wish it had taken longer for this to become literally true.”</p><p>Moser tells Rolling Stone that to even claim LLMs “hallucinate” fictional publications misunderstands the threat they pose to our comprehension of the world, because the term “implies that it’s different from the normal, correct perception of reality.” But the chatbots are “always hallucinating,” he says. “It’s not a malfunction. A predictive model predicts some text, and maybe it’s accurate, maybe it isn’t, but the process is the same either way. To put it another way: LLMs are structurally indifferent to truth.”</p><p>“LLMs are pernicious because they’re essentially polluting the information ecosystem upstream,” Moser adds. “Nonexistent citations show up in research that’s sloppy or dishonest, and from there get into other papers and articles that cite them, and papers that cite those, and then it’s in the water,” he says, likening this content to like harmful, long-lasting chemicals: “hard to trace and hard to filter out, even when you’re trying to avoid it.” Moser calls the problem “the entirely foreseeable outcome of deliberate choices,” with those who raised objections “ignored or overruled.”</p><p>But AI can’t take all the blame. “Bad research isn’t new,” Moser points out. “LLMs have amplified the problem dramatically, but there was already tremendous pressure to publish and produce, and there were many bad papers using questionable or fake data, because higher education has been organized around the production of knowledge-shaped objects, measured in citations, conferences, and grants.”</p><p>Craig Callender, a philosophy professor at the University of California San Diego and president of the Philosophy of Science Association, agrees with that assessment, observing that “the appearance of legitimacy to non-existent journals is like the logical end product of existing trends.” There are already journals, he explains, that accept spurious articles for profit, or biased ghost-written research meant to benefit the industry that produced it. “The ‘swamp’ in scientific publishing is growing,” he says. “Many practices make existing journals [or] articles that aren’t legitimate look legitimate. So the next step to non-existent journals is horrifying but not too surprising.”</p><p>Adding AI to the mix means that “swamp” is growing fast, Callender says. “For instance, all of this gets compounded in a nearly irreversible way with AI-assisted Google searches. These searches will only reinforce the appearance that these journals exist, just as they currently reinforce a lot of disinformation.”  </p><p> All of which contributes to a feeling among researchers that they’re being buried in an avalanche of slop, with limited capacity to sift through it. “It’s been incredibly disheartening for faculty, I think fairly universally, especially as fake content gets accidentally enshrined in public research databases,” says Heiss. “It’s hard to work back up the citation chain to see where claims originated.”</p><p>Of course, many aren’t even trying to do that — which is why the phony stuff has been so widely disseminated. It’s almost as if the uncritical and naive adoption of AI has made us more credulous and sapped our critical thinking at the precise moment we should be on guard against its evolving harms. In fact, someone may be toiling away on a (real) study of that phenomenon right now. </p></blockquote><p><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008240910'>▻</a></span><a href="https://www.rollingstone.com/culture/culture-features/ai-chatbot-journal-research-fake-citations-1235485484" class='spip_out' title="AI Chatbots Are Poisoning Research Archives With Fake Citations" hreflang="en"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'><span class='lien_www'>www.</span>rollingstone.com</span>/</span><span class='lien_off'>culture/</span><span class='lien_off'>culture-features/</span><span class='lien_fin'><span class='lien_fin_coupee'>ai-chatbot-journal-resear</span><span class='lien_fin_cachee'>ch-fake-citations-1235485484</span></span></span></a></span><br><span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/ia'>IA</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/ai'>AI</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/intelligence_artificielle'>intelligence_artificielle</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/%C3%A9dition_scientifique'>édition_scientifique</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/science'>science</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/esr'>ESR</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/universit%C3%A9'>université</a></span>  <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/citations'>citations</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/chatbot'>chatbot</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/r%C3%A9f%C3%A9rences'>références</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/faux'>faux</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/erreurs'>erreurs</a></span></p><p>–-</p><p>ajouté à la <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/m%C3%A9taliste'>métaliste</a></span> sur la <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/publication_scientifique'>publication_scientifique</a></span>*:<br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336007963789'>►</a></span><a href="https://seenthis.net/messages/1036396" class='spip_out' title="*C'était l'heure de commencer une métaliste sur la publication_scientifique* business…" hreflang="fr"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>seenthis.net</span>/</span>messages/<span class='lien_fin'>1036396</span></span></a></span></p></div>]]></content>
	
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	<link rel="related" href="https://www.rollingstone.com/culture/culture-features/ai-chatbot-journal-research-fake-citations-1235485484" title="AI Chatbots Are Poisoning Research Archives With Fake Citations" hreflang="en"/>
	
	
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	<title>*L'Acad&#233;mie_des_sciences et le CNRS s'unissent pour d&#233;velopper un mod&#232;le de publication en&#8230;</title>
	<author>
		<name>CDB_77  (@cdb_77)</name>
		<uri>https://seenthis.net/people/cdb_77</uri>
		<email>cdb_77@seenthis.net</email>
		
	</author>
	<published>2025-12-24T06:56:25Z</published>
	<updated>2025-12-24T06:56:25Z</updated>
	
	 <link href="https://seenthis.net/messages/1151510" />
	
	<link rel="edit" href="https://seenthis.net/api/messages/1151510"/>
	<summary>*L’#Académie_des_sciences et le #CNRS s’unissent pour développer un modèle de publication en #libre_accès sans frais, ni pour le lecteur ni pour l'auteur.* 




❝Dans un contexte où la diffusion des savoirs est fragilisée par un modèle économique déséquilibré, l’Académie des sciences et le CNRS signent un accord de coédition pour développer un modèle de publication scientifique en libre accès diamant, gratuit pour les auteurs comme pour les lecteurs. Cette initiative, qui se matérialise à travers les Comptes rendus de l’Académie des sciences, vise à proposer une #alternative éthique et équitable face à la #dépendance croissante du monde de la recherche internationale envers des éditeurs commerciaux.❞



https://www.cnrs.fr/en/node/12218
#open_access #DOAJ #diamond_open_access #recherche #ESR #édition_scientifique #résistance 

--

ajouté à la métaliste sur la #publication_scientifique:
https://seenthis.net/messages/1036396</summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="fr" dir="ltr"><p><strong>L’<span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/acad%C3%A9mie_des_sciences'>Académie_des_sciences</a></span> et le <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/cnrs'>CNRS</a></span> s’unissent pour développer un modèle de publication en <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/libre_acc%C3%A8s'>libre_accès</a></span> sans frais, ni pour le lecteur ni pour l’auteur.</strong></p><blockquote lang="fr" dir="ltr"><p> Dans un contexte où la diffusion des savoirs est fragilisée par un modèle économique déséquilibré, l’Académie des sciences et le CNRS signent un accord de coédition pour développer un modèle de publication scientifique en libre accès diamant, gratuit pour les auteurs comme pour les lecteurs. Cette initiative, qui se matérialise à travers les Comptes rendus de l’Académie des sciences, vise à proposer une <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/alternative'>alternative</a></span> éthique et équitable face à la <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/d%C3%A9pendance'>dépendance</a></span> croissante du monde de la recherche internationale envers des éditeurs commerciaux. </p></blockquote><p><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008240901'>▻</a></span><a href="https://www.cnrs.fr/en/node/12218" class='spip_out'><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'><span class='lien_www'>www.</span>cnrs.fr</span>/</span>en/node/<span class='lien_fin'>12218</span></span></a></span><br><span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/open_access'>open_access</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/doaj'>DOAJ</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/diamond_open_access'>diamond_open_access</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/recherche'>recherche</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/esr'>ESR</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/%C3%A9dition_scientifique'>édition_scientifique</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/r%C3%A9sistance'>résistance</a></span></p><p>–-</p><p>ajouté à la métaliste sur la <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/publication_scientifique'>publication_scientifique</a></span>&nbsp;:<br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336007963789'>►</a></span><a href="https://seenthis.net/messages/1036396" class='spip_out' title="*C'était l'heure de commencer une métaliste sur la publication_scientifique* business…" hreflang="fr"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>seenthis.net</span>/</span>messages/<span class='lien_fin'>1036396</span></span></a></span></p></div>]]></content>
	
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	<title>*Un grand pas de plus vers la science ouverte* &#10077;A partir du 1er janvier 2026, le CNRS coupera&#8230;</title>
	<author>
		<name>CDB_77  (@cdb_77)</name>
		<uri>https://seenthis.net/people/cdb_77</uri>
		<email>cdb_77@seenthis.net</email>
		
	</author>
	<published>2025-12-15T12:43:04Z</published>
	<updated>2025-12-15T12:43:04Z</updated>
	
	 <link href="https://seenthis.net/messages/1150408" />
	
	<link rel="edit" href="https://seenthis.net/api/messages/1150408"/>
	<summary>*Un grand pas de plus vers la science ouverte* 

❝A partir du 1er janvier 2026, le #CNRS coupera l’accès à l’une des plus importantes bases bibliométriques commerciales : le #Web_of_Science de #Clarivate_Analytics ainsi que les #Core_Collection et #Journal_Citation_Reports.❞

https://journals.openedition.org/cybergeo/42519

#science_ouverte #édition_scientifique #revues_prédatrices #résistance #WOS #Elsevier #Scopus #ESR #science #recherche #publications_scientifiques

--

ajouté à la #métaliste sur la #publication_scientifique*:
https://seenthis.net/messages/1036396</summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="fr" dir="ltr"><p><strong>Un grand pas de plus vers la science ouverte</strong></p><blockquote lang="fr" dir="ltr"><p> A partir du 1er janvier 2026, le <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/cnrs'>CNRS</a></span> coupera l’accès à l’une des plus importantes bases bibliométriques commerciales&nbsp;: le <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/web_of_science'>Web_of_Science</a></span> de <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/clarivate_analytics'>Clarivate_Analytics</a></span> ainsi que les <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/core_collection'>Core_Collection</a></span> et <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/journal_citation_reports'>Journal_Citation_Reports</a></span>. </p></blockquote><p><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008238522'>▻</a></span><a href="https://journals.openedition.org/cybergeo/42519" class='spip_out' title="Un grand pas de plus vers la science ouverte" hreflang="fr"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>journals.openedition.org</span>/</span>cybergeo/<span class='lien_fin'>42519</span></span></a></span></p><p><span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/science_ouverte'>science_ouverte</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/%C3%A9dition_scientifique'>édition_scientifique</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/revues_pr%C3%A9datrices'>revues_prédatrices</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/r%C3%A9sistance'>résistance</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/wos'>WOS</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/elsevier'>Elsevier</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/scopus'>Scopus</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/esr'>ESR</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/science'>science</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/recherche'>recherche</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/publications_scientifiques'>publications_scientifiques</a></span></p><p>–-</p><p>ajouté à la <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/m%C3%A9taliste'>métaliste</a></span> sur la <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/publication_scientifique'>publication_scientifique</a></span>*&nbsp;:<br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336007963789'>►</a></span><a href="https://seenthis.net/messages/1036396" class='spip_out' title="*C'était l'heure de commencer une métaliste sur la publication_scientifique* business…" hreflang="fr"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>seenthis.net</span>/</span>messages/<span class='lien_fin'>1036396</span></span></a></span></p></div>]]></content>
	
	<link rel="related" href="https://seenthis.net/messages/1036396" title="*C'&#233;tait l'heure de commencer une m&#233;taliste sur la publication_scientifique* business&#8230;" hreflang="fr"/>
	
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	<title>Pr&#233;sentation du livre &#171; Copier-coller : le tournant photographique de l'&#233;criture num&#233;rique &#187; d'Allan&#8230;</title>
	<author>
		<name>liminaire  (@liminaire)</name>
		<uri>https://seenthis.net/people/liminaire</uri>
		<email>liminaire@seenthis.net</email>
		
	</author>
	<published>2025-12-11T23:41:29Z</published>
	<updated>2025-12-11T23:41:29Z</updated>
	
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	<link rel="edit" href="https://seenthis.net/api/messages/1149976"/>
	<summary>Présentation du livre "Copier-coller : le tournant photographique de l’écriture numérique" d’Allan Deneuville, paru en 2025 chez UGA Éditions : L'écriture à l'ère de sa reproductibilité photographique.
https://liminaire.fr/creation/livre-lecture/article/l-ecriture-a-l-ere-de-sa-reproductibilite-photographique 

❝ Dans son livre, Allan Deneuville montre que le copier-coller n’est ni un appauvrissement de l’écriture ni un plagiat facilité. C’est un geste neuf, un geste de capture, qui transforme notre manière de produire et de faire circuler les textes. En retraçant son histoire, l’auteur révèle non seulement une évolution technique, mais aussi des changements culturels et mentaux qui accompagnent nos vies en ligne.
D’où vient ce geste ? Pourquoi s’est-il imposé si vite ? Et que dit-il de notre époque ? Deneuville esquisse la réponse : derrière sa simplicité apparente, le copier-coller façonne une nouvelle manière d’écrire, faite de fragments, d’emprunts et de recompositions. Une écriture typique de notre monde numérique, discrète mais profondément structurante.❞ (...) 
#Écriture, #Livre, #Lecture, #Édition, #Littérature, #Photographie, #Art, #Création, #Numérique (...)

https://static.mamot.fr/media_attachments/files/115/703/460/107/371/848/small/2f10826e45ae91ad.jpg

https://books.openedition.org/ugaeditions/49972

https://www.uga-editions.com/menu-principal/collections-et-revues/collections/humanites-et-medialites/copier-coller-le-tournant-photographique-de-l-ecriture-numerique-1562658.kjsp</summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="fr" dir="ltr"><p>Présentation du livre &laquo;&nbsp;Copier-coller&nbsp;: le tournant photographique de l’écriture numérique&nbsp;&raquo; d’Allan Deneuville, paru en 2025 chez UGA Éditions&nbsp;: L’écriture à l’ère de sa reproductibilité photographique.<br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/sites/7282461336008237512'>▻</a></span><a rel='nofollow' href="https://liminaire.fr/creation/livre-lecture/article/l-ecriture-a-l-ere-de-sa-reproductibilite-photographique" class='spip_out' title="Erreur 404 - LIMINAIRE"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>liminaire.fr</span>/</span><span class='lien_off'>creation/</span><span class='lien_off'>livre-lecture/</span><span class='lien_off'>article/</span><span class='lien_fin'><span class='lien_fin_coupee'>l-ecriture-a-l-ere-de-sa-repr</span><span class='lien_fin_cachee'>oductibilite-photographique</span></span></span></a></span></p><blockquote lang="fr" dir="ltr"><p>  Dans son livre, Allan Deneuville montre que le copier-coller n’est ni un appauvrissement de l’écriture ni un plagiat facilité. C’est un geste neuf, un geste de capture, qui transforme notre manière de produire et de faire circuler les textes. En retraçant son histoire, l’auteur révèle non seulement une évolution technique, mais aussi des changements culturels et mentaux qui accompagnent nos vies en ligne.<br>D’où vient ce geste&nbsp;? Pourquoi s’est-il imposé si vite&nbsp;? Et que dit-il de notre époque&nbsp;? Deneuville esquisse la réponse&nbsp;: derrière sa simplicité apparente, le copier-coller façonne une nouvelle manière d’écrire, faite de fragments, d’emprunts et de recompositions. 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	<author>
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	<summary><![CDATA[*The fall of a prolific science journal exposes the billion-dollar profits of scientific publishing* 


❝One of the 15 publications that put out the most studies globally has been expelled from the indexing system for irregularities. Its publisher, #Elsevier, has a 38% profit margin that reached $1.5 billion in 2024

With humanity terrified by the deadly second wave of the coronavirus, in the fall of 2020, a scientific journal published a study with a solution: jade amulets from traditional Chinese medicine could prevent COVID-19. The proposal was outlandish, but the editor-in-chief of the weekly, Spanish chemist Damià Barceló, defended its quality controls. That journal, Science of the Total Environment — one of the 15 that publishes the most studies worldwide — has just been expelled from the group of reputable publications by one of the leading evaluation companies, after dozens of irregular articles were discovered. The scandal exposes the windfall profits of scientific publishers, who in recent years have amassed billions of dollars in earnings from public funds earmarked for science.

Damià Barceló, 71, took over as editor of the journal in 2012. In just two years, he doubled the number of studies published. In a decade, he increased the number tenfold, with the journal reaching nearly 10,000 articles annually. As the number of articles increased, the quality declined, because there was a perverse incentive to accept mediocre work: to publish research open access in the journal, a scientist has to pay $4,150 plus taxes.

Emilio Delgado, professor of documentation at the University of Granada in Spain, explains it this way: “It’s clearly an open-door journal that takes almost anything. It’s what I call a mega-journal, that is, a mega-business.” The publication belongs to the Dutch publishing giant Elsevier, which dominates the world of science publishing, with a 17% share of the global market. Its 3,000 journals published 720,000 studies last year. Swedish businessman Erik Engstrom, CEO of RELX (the multinational that owns Elsevier), earned more than €15 million ($17.4 million) in 2024 between his salary and other compensation.

Delgado and his colleague Alberto Martín analyzed the unusual behavior of the mega-journal at the request of EL PAÍS. Of all the studies published in Science of the Total Environment, 40% are by Chinese authors and 8% are by Spanish authors — percentages that are double the usual ratio in the subject area. The third institution that publishes the most articles in this journal, after two Chinese organizations, is the Spanish National Research Council (CSIC), Spain’s largest scientific organization, where Barceló himself worked until his retirement last year. “With these patterns, one might consider the possibility of publication fraud, but this is speculation,” says Delgado.

The scientific system operates in a controversial way. Researchers’ funding and promotions depend largely on the number of studies they publish in journals, which are validated by a handful of private companies. One of these companies, the London-based multinational Clarivate, removed Science of the Total Environment from its database on November 18. “The journal was removed because it no longer meets our publicly available quality criteria,” explained a spokesperson, who declined to offer further details.

In theory, the quality of scientific journals is safeguarded by anonymous experts who voluntarily review manuscripts to determine whether they should be published. In Science of the Total Environment, this system was allegedly compromised. The publisher Elsevier itself has retracted some 50 studies published by the Brazilian biologist Guilherme Malafaia, after discovering that his work had been “reviewed” through fake peer reviews signed with the names of real scientists without their consent — as was the case with an article on coronavirus in fish and another on the toxicity of a herbicide in turtles. Malafaia and Barceló are co-authors on several studies on microplastic pollution, but these shared investigations have not yet been retracted.

The four major scientific publishers — Elsevier, Springer Nature, Wiley, and Taylor & Francis — earned more than $7 billion in 2024, with profit margins unimaginable in almost any other industry, exceeding 30%, according to a new analysis led by British anthropologist Dan Brockington of the Autonomous University of Barcelona. This collective windfall is explained by the “publish or perish” system — which rewards improbably prolific scientists who produce a study every two days — as well as a shift in the industry’s business model. Previously, readers paid subscription fees to access quality journals. Now, amid the push for open access to science, it is the authors themselves who must pay to have their research published so that others can read it for free. This perverse incentive — whereby both scientists and journals earn more the more they publish, regardless of quality — has fueled a flood of millions of low-quality studies.

Elsevier is the publisher that publishes the most studies and earns the most, with a 38% profit margin ($1.5 billion in 2024), according to the analysis by Brockington and his colleagues. The researchers call for efforts to “dismantle the system” that sees billions of dollars of public money being spent on publishing empty studies for the exclusive benefit of private companies. According to their calculations, Elsevier, Springer Nature, Wiley, and Taylor & Francis have received more than $14 billion in profits over the last six years. Among the co-authors of the analysis is the Spanish engineer Pablo Gómez Barreiro, from the Royal Botanic Gardens, Kew, in southern England.

An Elsevier spokesperson defended the company’s actions. “We uphold the highest standards of rigor and ethics in our publishing to protect the quality and integrity of research,” they stated. The publisher conducted an initial investigation that resulted in dozens of retractions in Science of the Total Environment, officially due to the fraudulent peer review of articles. “We are now undertaking a broader investigation focused on conflicts of interest, as well as reviewing papers flagged for other potential indicators of misconduct,” the spokesperson added. The publisher intends to “fully rehabilitate” the journal.

Damià Barceló is a hyper-prolific scientist, one of those who publishes a new study every five days or even less. He has authored some 1,800 papers in his lifetime, more than 200 of them in Science of the Total Environment, his own journal. His name appears numerous times as editor of his own studies, such as one on drugs in wastewater in Mexico and another on chemical pollution in the Ebro and Guadalquivir rivers in Spain.

The Elsevier spokesperson explained that Barceló “stepped down” as editor-in-chief in March 2025. “This change was part of a broader effort to strengthen the journal’s governance and address concerns raised,” the spokesperson stated. Elsevier maintains that the “systemic problems” that led to the expulsion of Science of the Total Environment “cannot be attributed to any single individual.” EL PAÍS requested a comment from Barceló, both via his personal WhatsApp and the email address associated with his current position as honorary professor at the University of Almería, but did not receive a response.

Barceló’s prolific output helped him enter the Highly Cited Researchers list, a ranking compiled by the multinational Clarivate that includes some 7,000 researchers worldwide. The more highly-cited researchers a university has, the higher it ranks in the influential Shanghai Ranking, which designates the supposedly best academic institutions in the world. An investigation by EL PAÍS revealed in 2023 that Saudi Arabia offered bribes of up to €70,000 ($81,000) a year to highly-cited scientists to falsify their affiliations in Clarivate’s database, claiming they worked at an Arab university in order to boost those institutions in the ranking.

Damià Barceló had been listed as a professor at Saudi Arabia’s King Saud University since 2016, despite his primary role being director of the Catalan Institute for Water Research in Girona, Spain. Barceló told this newspaper at the time that he had not been receiving the €70,000 annual salary. In 2013, the Spanish chemist received a $133,000 award from Saudi King Salman bin Abdulaziz for his research on water contaminants.

Spanish universities, like those in other countries, have become places where producing research papers is prioritized above all else, almost like a large-scale factory farm that churns out studies, according to Emilio Delgado and Alberto Martín, bibliometrics experts at the University of Granada. Professors with completely inflated CVs have risen to full professorships or even rectors. Spurred by various international manifestos, the National Agency for Quality Assessment and Accreditation (ANECA) —the Spanish agency that decides whether a university professor can be promoted or deserves salary increases — has changed its criteria to stop evaluating scientists based on sheer volume.

The president of the Spanish Research Ethics Committee, Dr. Jordi Camí, has called for further action. “We must clean up this mess,” he proclaimed at a conference in Barcelona on November 6. In his opinion, “we must continue to introduce measures to discourage, almost penalize, publishing for the sake of publishing.”❞


https://english.elpais.com/science-tech/2025-11-28/the-fall-of-a-prolific-science-journal-exposes-the-billion-dollar-profits-of-scientific-publishing.html
#recherche #édition_scientifique #revues_scientifiques #science 

--

ajouté à la #métaliste sur la #publication_scientifique*:
https://seenthis.net/messages/1036396]]></summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="en" dir="ltr"><p><strong>The fall of a prolific science journal exposes the billion-dollar profits of scientific publishing</strong></p><blockquote lang="en" dir="ltr"><p> One of the 15 publications that put out the most studies globally has been expelled from the indexing system for irregularities. Its publisher, <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/elsevier'>Elsevier</a></span>, has a 38% profit margin that reached $1.5 billion in 2024</p><p>With humanity terrified by the deadly second wave of the coronavirus, in the fall of 2020, a scientific journal published a study with a solution: jade amulets from traditional Chinese medicine could prevent COVID-19. The proposal was outlandish, but the editor-in-chief of the weekly, Spanish chemist Damià Barceló, defended its quality controls. That journal, Science of the Total Environment — one of the 15 that publishes the most studies worldwide — has just been expelled from the group of reputable publications by one of the leading evaluation companies, after dozens of irregular articles were discovered. The scandal exposes the windfall profits of scientific publishers, who in recent years have amassed billions of dollars in earnings from public funds earmarked for science.</p><p>Damià Barceló, 71, took over as editor of the journal in 2012. In just two years, he doubled the number of studies published. In a decade, he increased the number tenfold, with the journal reaching nearly 10,000 articles annually. As the number of articles increased, the quality declined, because there was a perverse incentive to accept mediocre work: to publish research open access in the journal, a scientist has to pay $4,150 plus taxes.</p><p>Emilio Delgado, professor of documentation at the University of Granada in Spain, explains it this way: “It’s clearly an open-door journal that takes almost anything. It’s what I call a mega-journal, that is, a mega-business.” The publication belongs to the Dutch publishing giant Elsevier, which dominates the world of science publishing, with a 17% share of the global market. Its 3,000 journals published 720,000 studies last year. Swedish businessman Erik Engstrom, CEO of RELX (the multinational that owns Elsevier), earned more than €15 million ($17.4 million) in 2024 between his salary and other compensation.</p><p>Delgado and his colleague Alberto Martín analyzed the unusual behavior of the mega-journal at the request of EL PAÍS. Of all the studies published in Science of the Total Environment, 40% are by Chinese authors and 8% are by Spanish authors — percentages that are double the usual ratio in the subject area. The third institution that publishes the most articles in this journal, after two Chinese organizations, is the Spanish National Research Council (CSIC), Spain’s largest scientific organization, where Barceló himself worked until his retirement last year. “With these patterns, one might consider the possibility of publication fraud, but this is speculation,” says Delgado.</p><p>The scientific system operates in a controversial way. Researchers’ funding and promotions depend largely on the number of studies they publish in journals, which are validated by a handful of private companies. One of these companies, the London-based multinational Clarivate, removed Science of the Total Environment from its database on November 18. “The journal was removed because it no longer meets our publicly available quality criteria,” explained a spokesperson, who declined to offer further details.</p><p>In theory, the quality of scientific journals is safeguarded by anonymous experts who voluntarily review manuscripts to determine whether they should be published. In Science of the Total Environment, this system was allegedly compromised. The publisher Elsevier itself has retracted some 50 studies published by the Brazilian biologist Guilherme Malafaia, after discovering that his work had been “reviewed” through fake peer reviews signed with the names of real scientists without their consent — as was the case with an article on coronavirus in fish and another on the toxicity of a herbicide in turtles. Malafaia and Barceló are co-authors on several studies on microplastic pollution, but these shared investigations have not yet been retracted.</p><p>The four major scientific publishers — Elsevier, Springer Nature, Wiley, and Taylor &amp; Francis — earned more than $7 billion in 2024, with profit margins unimaginable in almost any other industry, exceeding 30%, according to a new analysis led by British anthropologist Dan Brockington of the Autonomous University of Barcelona. This collective windfall is explained by the “publish or perish” system — which rewards improbably prolific scientists who produce a study every two days — as well as a shift in the industry’s business model. Previously, readers paid subscription fees to access quality journals. Now, amid the push for open access to science, it is the authors themselves who must pay to have their research published so that others can read it for free. This perverse incentive — whereby both scientists and journals earn more the more they publish, regardless of quality — has fueled a flood of millions of low-quality studies.</p><p>Elsevier is the publisher that publishes the most studies and earns the most, with a 38% profit margin ($1.5 billion in 2024), according to the analysis by Brockington and his colleagues. The researchers call for efforts to “dismantle the system” that sees billions of dollars of public money being spent on publishing empty studies for the exclusive benefit of private companies. According to their calculations, Elsevier, Springer Nature, Wiley, and Taylor &amp; Francis have received more than $14 billion in profits over the last six years. Among the co-authors of the analysis is the Spanish engineer Pablo Gómez Barreiro, from the Royal Botanic Gardens, Kew, in southern England.</p><p>An Elsevier spokesperson defended the company’s actions. “We uphold the highest standards of rigor and ethics in our publishing to protect the quality and integrity of research,” they stated. The publisher conducted an initial investigation that resulted in dozens of retractions in Science of the Total Environment, officially due to the fraudulent peer review of articles. “We are now undertaking a broader investigation focused on conflicts of interest, as well as reviewing papers flagged for other potential indicators of misconduct,” the spokesperson added. The publisher intends to “fully rehabilitate” the journal.</p><p>Damià Barceló is a hyper-prolific scientist, one of those who publishes a new study every five days or even less. He has authored some 1,800 papers in his lifetime, more than 200 of them in Science of the Total Environment, his own journal. His name appears numerous times as editor of his own studies, such as one on drugs in wastewater in Mexico and another on chemical pollution in the Ebro and Guadalquivir rivers in Spain.</p><p>The Elsevier spokesperson explained that Barceló “stepped down” as editor-in-chief in March 2025. “This change was part of a broader effort to strengthen the journal’s governance and address concerns raised,” the spokesperson stated. Elsevier maintains that the “systemic problems” that led to the expulsion of Science of the Total Environment “cannot be attributed to any single individual.” EL PAÍS requested a comment from Barceló, both via his personal WhatsApp and the email address associated with his current position as honorary professor at the University of Almería, but did not receive a response.</p><p>Barceló’s prolific output helped him enter the Highly Cited Researchers list, a ranking compiled by the multinational Clarivate that includes some 7,000 researchers worldwide. The more highly-cited researchers a university has, the higher it ranks in the influential Shanghai Ranking, which designates the supposedly best academic institutions in the world. An investigation by EL PAÍS revealed in 2023 that Saudi Arabia offered bribes of up to €70,000 ($81,000) a year to highly-cited scientists to falsify their affiliations in Clarivate’s database, claiming they worked at an Arab university in order to boost those institutions in the ranking.</p><p>Damià Barceló had been listed as a professor at Saudi Arabia’s King Saud University since 2016, despite his primary role being director of the Catalan Institute for Water Research in Girona, Spain. Barceló told this newspaper at the time that he had not been receiving the €70,000 annual salary. In 2013, the Spanish chemist received a $133,000 award from Saudi King Salman bin Abdulaziz for his research on water contaminants.</p><p>Spanish universities, like those in other countries, have become places where producing research papers is prioritized above all else, almost like a large-scale factory farm that churns out studies, according to Emilio Delgado and Alberto Martín, bibliometrics experts at the University of Granada. Professors with completely inflated CVs have risen to full professorships or even rectors. Spurred by various international manifestos, the National Agency for Quality Assessment and Accreditation (ANECA) —the Spanish agency that decides whether a university professor can be promoted or deserves salary increases — has changed its criteria to stop evaluating scientists based on sheer volume.</p><p>The president of the Spanish Research Ethics Committee, Dr. Jordi Camí, has called for further action. “We must clean up this mess,” he proclaimed at a conference in Barcelona on November 6. In his opinion, “we must continue to introduce measures to discourage, almost penalize, publishing for the sake of publishing.” </p></blockquote><p><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008234329'>►</a></span><a href="https://english.elpais.com/science-tech/2025-11-28/the-fall-of-a-prolific-science-journal-exposes-the-billion-dollar-profits-of-scientific-publishing.html" class='spip_out' title="The fall of a prolific science journal exposes the billion-dollar profits of scientific publishing | Science" hreflang="en"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>english.elpais.com</span>/</span><span class='lien_off'>science-tech/</span><span class='lien_off'>2025-11-28/</span><span class='lien_fin'><span class='lien_fin_coupee'>the-fall-of-a-prolific-</span><span class='lien_fin_cachee'>science-journal-exposes-the-billion-dollar-pr</span></span></span></a></span><br><span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/recherche'>recherche</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/%C3%A9dition_scientifique'>édition_scientifique</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/revues_scientifiques'>revues_scientifiques</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/science'>science</a></span></p><p>–-</p><p>ajouté à la <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/m%C3%A9taliste'>métaliste</a></span> sur la <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/publication_scientifique'>publication_scientifique</a></span>*:<br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336007963789'>►</a></span><a href="https://seenthis.net/messages/1036396" class='spip_out' title="*C'était l'heure de commencer une métaliste sur la publication_scientifique* business…" hreflang="fr"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>seenthis.net</span>/</span>messages/<span class='lien_fin'>1036396</span></span></a></span></p></div>]]></content>
	
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	<title>*&#192; quel milliardaire appartient votre livre ? L'application parle d'argent dans l'&#233;dition*&#8230;</title>
	<author>
		<name>CDB_77  (@cdb_77)</name>
		<uri>https://seenthis.net/people/cdb_77</uri>
		<email>cdb_77@seenthis.net</email>
		
	</author>
	<published>2025-12-08T07:03:04Z</published>
	<updated>2025-12-08T07:13:15Z</updated>
	
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	<summary>*À quel milliardaire appartient votre #livre ? L'application parle d'argent dans l'#édition* 


❝L’édition française aime à se présenter comme un paysage d’acteurs indépendants, mais sa réalité capitalistique demeure largement méconnue. Derrière marques, collections et maisons historiques, se déploient des chaînes de #propriété, dominées par de grands groupes et des investisseurs puissants. En révélant ces coulisses, l’application #WHOISBN ? propose un outil de #transparence,  imparfait, mais révélateur. Et inversement.

Ne nous emballons pas, le monde du livre n’est pas totalement entre les mains de milliardaires. Certes, cinq groupes détiennent les trois quarts des maisons du secteur — #Hachette_Livre, #Editis, #Média‑Participations, #Madrigall, et #Albin_Michel. Or, toutes ces entités ne possèdent pas nécessairement des librairies (que l'on aurait tort d'oublier dans le décompte) et certainement pas des bibliothèques ni de médiathèques.

Toutefois, et dans cette logique capitalistique, on résumerait même la situation à ce que quatre structures de diffusion distribution appartenant aux quatre premiers groupes dirigent l’#industrie_du_livre. Entre les maisons appartenant aux structures et les éditeurs partenaires, certains représentent véritablement des géants. Rappeler que Hachette diffuse et distribue Albin Michel pose un peu mieux le contexte.

A ce titre, non cinq milliardaires ne se partagent pas les trois quarts de l’industrie du livre française, ce qui n'empêche pas de faire preuve de curiosité. Quand vous tenez un livre entre les mains, vous voyez sa couverture, le nom de l’auteur, celui de la maison d’édition — ne cherchez pas le traducteur. Et pourtant : qui détient réellement cette société ? Derrière un simple code-barres se cache parfois un réseau complexe de participations, de #holdings, de groupes, de #milliardaires.

C’est tout l’enjeu de WHOISBN ?, une application qui lève le voile sur ces chaînes de propriété — et, souvent, sur la concentration du capital dans l’édition.

Une idée simple, et diablement pertinente

WHOISBN ? dans sa version anglaise, devenue QUISBN ? en français, se présente comme un outil de transparence. Grâce à l’ISBN — un numéro unique de 13 caractères, mis en forme via un code-barres, l’application identifie « qui possède la maison d’édition du livre que vous tenez entre les mains, puis quelle entreprise possède cette maison d’édition, puis qui possède l’entreprise qui possède l’entreprise… jusqu’au bénéficiaire ultime ».

https://actualitte.com/uploads/images/a-quel-milliardaire-appartient-votre-livre-l-application-parle-d-argent-dans-l-edition-6935c42ea0fca799686725.jpg

En d’autres termes : il suffit de scanner pour découvrir que se cache bien souvent un milliardaire — un détecteur de propriété, appliqué au monde littéraire. Une application modeste — mais potentiellement explosive. Ou presque.

Aux origines : un projet engagé

Lancée via son site internet, WHOISBN ? s’inscrit dans une volonté de réappropriation critique de l’#économie_de_l’édition. Le site se revendique comme un moyen « d’explorer les liens capitalistiques du monde de l’édition ».

C’est un coup de projecteur sur un univers trop souvent invisible — celui des chaînes d’#actionnaires, des prises de participation, des #concentrations_financières. L’objectif : révéler les structures derrière les marques d’édition, interroger la nature de la propriété, inviter à la réflexion sur ce que signifie être édité.

Comment ça fonctionne, concrètement

Le fonctionnement est d’une grande simplicité (trop, probablement). Vous scannez le code-barres ISBN d’un livre — soit via une application mobile disponible uniquement pour #Android. L’interface vous renvoie l’arborescence capitalistique de la #maison_d’édition. Ainsi, un simple roman de poche mène facilement à un milliardaire — une carte d’identité économique du livre, accessible en un clic.


À qui profite ce “miroir de l’édition” ?

La démarche est évidemment engagée. WHOISBN ? offre un miroir parfois cruel de l’industrie du livre : un secteur culturel qui se présente volontiers comme libre, exigeant, créatif, voire artisanal — mais souvent soumis aux logiques financières les plus classiques (et parfois les plus brutales).

Pour les lecteurs, c’est un outil d’information : savoir d’où vient un livre, qui contrôle l’édition permet de nourrir la réflexion sur la pluralité culturelle, l’#indépendance_éditoriale, voire la sécurité d’un certain pluralisme dans l’offre littéraire. Pour les auteurs, c’est l’occasion de connaître la nature réelle de leurs éditeurs — un détail qui peut avoir des conséquences sur la diffusion, les choix éditoriaux, la liberté d’écriture.

Et pour le débat public ? Une excellente manière de questionner le rôle du capital dans la culture : entre investissement, concentration, prise de contrôle, l’édition, plus que jamais, ressemble à une affaire de gros sous.

Quand les milliardaires investissent dans les bibliothèques

Le recours à des capitaux privés n’est pas qu’une abstraction : ces dernières années, plusieurs milliardaires ont mis la main sur des maisons d’édition françaises majeures. Par exemple, le groupe Hachette Livre est désormais détenu par #Vincent_Bolloré, et certaines de ses filiales — comme #Fayard — subissent des critiques quant à leur ligne éditoriale.

De même, le groupe #Editis, second acteur de l’édition en France, appartient aujourd’hui à #Czech_Media_Invest (#CMI), la holding du milliardaire tchèque #Daniel_Křetínský.

Et ce n’est pas anecdotique : la concentration du capital éditorial entre quelques mains — souvent en dehors du monde littéraire — pèse sur l’indépendance éditoriale, le choix des publications, la diversité culturelle. Une tendance dénoncée depuis longtemps, mais rendue ici visible, palpable.

Un milliardaire ici, un fonds d’investissement là…

Si WHOISBN ? fait office de loupe — et se donne pour mission de changer la donne — il introduit des erreurs significatives.

#Bernard_Arnault, présenté comme propriétaire de #Madrigall ne possède en réalité qu’une participation à la hauteur de 10 %. Ainsi, l’outil propose une vision partielle : il rattache une maison de son propriétaire elle est rattachée, sans intégrer toute la finesse des montages réels.

De même, certaines maisons se retrouvent dans des groupes n’ont pas été rachetées à 100 %, d’autres relèvent de participations croisées, d’accords complexes ou de minoritaires actifs. D’autres ont des liens capitalistiques avec ces grosses structures, mais sans avoir cédé une majorité de leur capital. Ou encore, certains ouvrages ne sont pas rattachés à des entités capitalistiques d'envergure, alors qu'elles découlent de fonds et d'investissements de grosses entreprises, loin de l'édition indépendante. 

WHOISBN offre donc une image instructive, mais certainement pas exhaustive. Une loupe utile, non une radiographie intégrale. Dans cette nuance se loge son vrai intérêt, autant que sa limite : dans toute chaîne alimentaire, se trouve un prédateur en fin de course, qui est le dernier. Avec les milliardaires, c'est souvent le cas... Disons que l'app constitue dès lors un instrument de vigilance tronqué, qui replace le livre dans son écosystème économique.

Ce n’est ni une enquête journalistique ni une analyse rigoureuse : en ces conditions, gare aux raccourcis, pour prendrait pou argent comptant les informations communiquées. Les cuisines des industries culturelles sont rarement aussi simples qu'un coup de scan... À tester à cette adresse.❞


https://actualitte.com/article/127989/inclassables/a-quel-milliardaire-appartient-votre-livre-l-application-parle-d-argent-dans-l-edition
#livres #app #ISBN #propriétaires</summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="fr" dir="ltr"><p><strong>À quel milliardaire appartient votre <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/livre'>livre</a></span>&nbsp;? L’application parle d’argent dans l’<span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/%C3%A9dition'>édition</a></span></strong></p><blockquote lang="fr" dir="ltr"><p> L’édition française aime à se présenter comme un paysage d’acteurs indépendants, mais sa réalité capitalistique demeure largement méconnue. Derrière marques, collections et maisons historiques, se déploient des chaînes de <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/propri%C3%A9t%C3%A9'>propriété</a></span>, dominées par de grands groupes et des investisseurs puissants. 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Or, toutes ces entités ne possèdent pas nécessairement des librairies (que l’on aurait tort d’oublier dans le décompte) et certainement pas des bibliothèques ni de médiathèques.</p><p>Toutefois, et dans cette logique capitalistique, on résumerait même la situation à ce que quatre structures de diffusion distribution appartenant aux quatre premiers groupes dirigent l’<span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/industrie_du_livre'>industrie_du_livre</a></span>. Entre les maisons appartenant aux structures et les éditeurs partenaires, certains représentent véritablement des géants. Rappeler que Hachette diffuse et distribue Albin Michel pose un peu mieux le contexte.</p><p>A ce titre, non cinq milliardaires ne se partagent pas les trois quarts de l’industrie du livre française, ce qui n’empêche pas de faire preuve de curiosité. Quand vous tenez un livre entre les mains, vous voyez sa couverture, le nom de l’auteur, celui de la maison d’édition &mdash; ne cherchez pas le traducteur. Et pourtant&nbsp;: qui détient réellement cette société&nbsp;? Derrière un simple code-barres se cache parfois un réseau complexe de participations, de <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/holdings'>holdings</a></span>, de groupes, de <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/milliardaires'>milliardaires</a></span>.</p><p>C’est tout l’enjeu de WHOISBN&nbsp;?, une application qui lève le voile sur ces chaînes de propriété &mdash; et, souvent, sur la concentration du capital dans l’édition.</p><p>Une idée simple, et diablement pertinente</p><p>WHOISBN&nbsp;? dans sa version anglaise, devenue QUISBN&nbsp;? en français, se présente comme un outil de transparence. Grâce à l’ISBN &mdash; un numéro unique de 13 caractères, mis en forme via un code-barres, l’application identifie &#171;&nbsp;qui possède la maison d’édition du livre que vous tenez entre les mains, puis quelle entreprise possède cette maison d’édition, puis qui possède l’entreprise qui possède l’entreprise… jusqu’au bénéficiaire ultime&nbsp;&#187;.</p><p><div class='seenthis_pics seenthis_pics_1'><a onclick='return false;' href='https://actualitte.com/uploads/images/a-quel-milliardaire-appartient-votre-livre-l-application-parle-d-argent-dans-l-edition-6935c42ea0fca799686725.jpg' class='display_box'><span class='image' style='padding-bottom:71.517857142857%'><img src='https://seenthis.net/local/cache-vignettes/L600xH429/a-quel-milliarda-0494516e-71be8.jpg' alt='' data-photo='https://actualitte.com/uploads/images/a-quel-milliardaire-appartient-votre-livre-l-application-parle-d-argent-dans-l-edition-6935c42ea0fca799686725.jpg' data-photo-h='1602' data-photo-w='2240' /></span><span class="lien_court"><span class="lien_off"> https://actualitte.com/uploads/images/a-quel-milliardaire-appartient-votre-livre-l-application-parle-d-argent-dans-l-edition-6935c42ea0fca799686725.jpg </span></span></a></div></p><p>En d’autres termes&nbsp;: il suffit de scanner pour découvrir que se cache bien souvent un milliardaire &mdash; un détecteur de propriété, appliqué au monde littéraire. Une application modeste &mdash; mais potentiellement explosive. Ou presque.</p><p>Aux origines&nbsp;: un projet engagé</p><p>Lancée via son site internet, WHOISBN&nbsp;? s’inscrit dans une volonté de réappropriation critique de l’<span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/%C3%A9conomie_de_l%E2%80%99%C3%A9dition'>économie_de_l’édition</a></span>. Le site se revendique comme un moyen &#171;&nbsp;d’explorer les liens capitalistiques du monde de l’édition&nbsp;&#187;.</p><p>C’est un coup de projecteur sur un univers trop souvent invisible &mdash; celui des chaînes d’<span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/actionnaires'>actionnaires</a></span>, des prises de participation, des <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/concentrations_financi%C3%A8res'>concentrations_financières</a></span>. L’objectif&nbsp;: révéler les structures derrière les marques d’édition, interroger la nature de la propriété, inviter à la réflexion sur ce que signifie être édité.</p><p>Comment ça fonctionne, concrètement</p><p>Le fonctionnement est d’une grande simplicité (trop, probablement). Vous scannez le code-barres ISBN d’un livre &mdash; soit via une application mobile disponible uniquement pour <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/android'>Android</a></span>. L’interface vous renvoie l’arborescence capitalistique de la <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/maison_d%E2%80%99%C3%A9dition'>maison_d’édition</a></span>. Ainsi, un simple roman de poche mène facilement à un milliardaire &mdash; une carte d’identité économique du livre, accessible en un clic.</p><p>À qui profite ce &#8220;miroir de l’édition&#8221;&nbsp;?</p><p>La démarche est évidemment engagée. WHOISBN&nbsp;? offre un miroir parfois cruel de l’industrie du livre&nbsp;: un secteur culturel qui se présente volontiers comme libre, exigeant, créatif, voire artisanal &mdash; mais souvent soumis aux logiques financières les plus classiques (et parfois les plus brutales).</p><p>Pour les lecteurs, c’est un outil d’information&nbsp;: savoir d’où vient un livre, qui contrôle l’édition permet de nourrir la réflexion sur la pluralité culturelle, l’<span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/ind%C3%A9pendance_%C3%A9ditoriale'>indépendance_éditoriale</a></span>, voire la sécurité d’un certain pluralisme dans l’offre littéraire. Pour les auteurs, c’est l’occasion de connaître la nature réelle de leurs éditeurs &mdash; un détail qui peut avoir des conséquences sur la diffusion, les choix éditoriaux, la liberté d’écriture.</p><p>Et pour le débat public&nbsp;? Une excellente manière de questionner le rôle du capital dans la culture&nbsp;: entre investissement, concentration, prise de contrôle, l’édition, plus que jamais, ressemble à une affaire de gros sous.</p><p>Quand les milliardaires investissent dans les bibliothèques</p><p>Le recours à des capitaux privés n’est pas qu’une abstraction&nbsp;: ces dernières années, plusieurs milliardaires ont mis la main sur des maisons d’édition françaises majeures. Par exemple, le groupe Hachette Livre est désormais détenu par <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/vincent_bollor%C3%A9'>Vincent_Bolloré</a></span>, et certaines de ses filiales &mdash; comme <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/fayard'>Fayard</a></span> &mdash; subissent des critiques quant à leur ligne éditoriale.</p><p>De même, le groupe <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/editis'>Editis</a></span>, second acteur de l’édition en France, appartient aujourd’hui à <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/czech_media_invest'>Czech_Media_Invest</a></span> (<span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/cmi'>CMI</a></span>), la holding du milliardaire tchèque <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/daniel_k%C5%99et%C3%ADnsk%C3%BD'>Daniel_Křetínský</a></span>.</p><p>Et ce n’est pas anecdotique&nbsp;: la concentration du capital éditorial entre quelques mains &mdash; souvent en dehors du monde littéraire &mdash; pèse sur l’indépendance éditoriale, le choix des publications, la diversité culturelle. Une tendance dénoncée depuis longtemps, mais rendue ici visible, palpable.</p><p>Un milliardaire ici, un fonds d’investissement là…</p><p>Si WHOISBN&nbsp;? fait office de loupe &mdash; et se donne pour mission de changer la donne &mdash; il introduit des erreurs significatives.</p><p><span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/bernard_arnault'>Bernard_Arnault</a></span>, présenté comme propriétaire de <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/madrigall'>Madrigall</a></span> ne possède en réalité qu’une participation à la hauteur de 10&nbsp;%. Ainsi, l’outil propose une vision partielle&nbsp;: il rattache une maison de son propriétaire elle est rattachée, sans intégrer toute la finesse des montages réels.</p><p>De même, certaines maisons se retrouvent dans des groupes n’ont pas été rachetées à 100&nbsp;%, d’autres relèvent de participations croisées, d’accords complexes ou de minoritaires actifs. D’autres ont des liens capitalistiques avec ces grosses structures, mais sans avoir cédé une majorité de leur capital. Ou encore, certains ouvrages ne sont pas rattachés à des entités capitalistiques d’envergure, alors qu’elles découlent de fonds et d’investissements de grosses entreprises, loin de l’édition indépendante.</p><p>WHOISBN offre donc une image instructive, mais certainement pas exhaustive. Une loupe utile, non une radiographie intégrale. Dans cette nuance se loge son vrai intérêt, autant que sa limite&nbsp;: dans toute chaîne alimentaire, se trouve un prédateur en fin de course, qui est le dernier. Avec les milliardaires, c’est souvent le cas... Disons que l’app constitue dès lors un instrument de vigilance tronqué, qui replace le livre dans son écosystème économique.</p><p>Ce n’est ni une enquête journalistique ni une analyse rigoureuse&nbsp;: en ces conditions, gare aux raccourcis, pour prendrait pou argent comptant les informations communiquées. Les cuisines des industries culturelles sont rarement aussi simples qu’un coup de scan... À tester à cette adresse. </p></blockquote><p><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008236126'>▻</a></span><a href="https://actualitte.com/article/127989/inclassables/a-quel-milliardaire-appartient-votre-livre-l-application-parle-d-argent-dans-l-edition" class='spip_out' title="À quel milliardaire appartient votre livre ? L'application parle d'argent dans l'édition" hreflang="fr"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>actualitte.com</span>/</span><span class='lien_off'>article/</span><span class='lien_off'>127989/</span><span class='lien_off'>inclassables/</span><span class='lien_fin'><span class='lien_fin_coupee'>a-quel-milliardaire-apparti</span><span class='lien_fin_cachee'>ent-votre-livre-l-application-parle-d-argent-</span></span></span></a></span><br><span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/livres'>livres</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/app'>app</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/isbn'>ISBN</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/propri%C3%A9taires'>propriétaires</a></span></p></div>]]></content>
	
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	<title>*The Drain of Scientific Publishing* &#10077;The domination of scientific publishing in the Global North&#8230;</title>
	<author>
		<name>CDB_77  (@cdb_77)</name>
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		<email>cdb_77@seenthis.net</email>
		
	</author>
	<published>2025-12-03T18:51:36Z</published>
	<updated>2025-12-03T18:51:36Z</updated>
	
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	<summary>*The Drain of Scientific Publishing* 


❝The domination of scientific publishing in the Global North by major commercial publishers is harmful to science. We need the most powerful members of the research community, funders, governments and Universities, to lead the drive to re-communalise publishing to serve science not the market.❞

https://arxiv.org/abs/2511.04820
#édition_scientifique #recherche #publication #revues_prédatrices 

--

ajouté à la métaliste sur la #publication_scientifique*:
https://seenthis.net/messages/1036396</summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="fr" dir="ltr"><p><strong>The Drain of Scientific Publishing</strong></p><blockquote lang="en" dir="ltr"><p> The domination of scientific publishing in the Global North by major commercial publishers is harmful to science. We need the most powerful members of the research community, funders, governments and Universities, to lead the drive to re-communalise publishing to serve science not the market. </p></blockquote><p><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008234848'>▻</a></span><a href="https://arxiv.org/abs/2511.04820" class='spip_out' title="[2511.04820] The Drain of Scientific Publishing" hreflang="en"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>arxiv.org</span>/</span>abs/<span class='lien_fin'>2511.04820</span></span></a></span><br><span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/%C3%A9dition_scientifique'>édition_scientifique</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/recherche'>recherche</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/publication'>publication</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/revues_pr%C3%A9datrices'>revues_prédatrices</a></span></p><p>–-</p><p>ajouté à la métaliste sur la <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/publication_scientifique'>publication_scientifique</a></span>*&nbsp;:<br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336007963789'>►</a></span><a href="https://seenthis.net/messages/1036396" class='spip_out' title="*C'était l'heure de commencer une métaliste sur la publication_scientifique* business…" hreflang="fr"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>seenthis.net</span>/</span>messages/<span class='lien_fin'>1036396</span></span></a></span></p></div>]]></content>
	
	<link rel="related" href="https://seenthis.net/messages/1036396" title="*C'&#233;tait l'heure de commencer une m&#233;taliste sur la publication_scientifique* business&#8230;" hreflang="fr"/>
	
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	<title>*Against publishing* &#10077;Preprints are read, shared, and cited &#8212; yet still dismissed as incomplete&#8230;</title>
	<author>
		<name>CDB_77  (@cdb_77)</name>
		<uri>https://seenthis.net/people/cdb_77</uri>
		<email>cdb_77@seenthis.net</email>
		
	</author>
	<published>2025-11-29T17:11:43Z</published>
	<updated>2025-11-29T17:11:43Z</updated>
	
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	<summary>*Against publishing* 


❝#Preprints are read, shared, and cited — yet still dismissed as incomplete until blessed by a publisher. Matti Vuorre argues that the true measure of scholarship lies in open exchange, not in the industry’s gatekeeping labels of what counts as published.

Preprints—scholarly manuscripts not yet captured by the publication industry—are widely read and circulated, yet the ‘intellectual perestroika‘ they could facilitate hasn’t been uniformly realized because scholars continue to think of preprints as less authoritative than their industry-captured (‘published’) counterparts. It is time to free the scholarly literature from hostile captivity and embrace preprints as the primary objects of scholarly communication.

385 days ago, I submitted a manuscript for evaluation at an academic journal. Around the same time, I submitted the same manuscript to PsyArXiv, a document sharing website popular in the psychological sciences. The results: Radio silence for the journal submission; 334 downloads and 4 citations for the PsyArXiv version.

But this is a meaningless comparison: The PsyArXiv version hasn’t been peer-reviewed and listed on a journal’s website: It is not published, and everyone knows that publications are more valid than preprints, and that it is publications, not preprints, that provide the pitons on a scientist’s climb to success and fame.



Never mind that my colleagues are reading and citing the document on PsyArXiv. For this manuscript to count as a legitimate scientific product I must first endure inexplicable delays; arbitrary formatting requirements (the formatting manual costs $47.99); conflicts between my scholarly values and the astronomical profits that private publishing companies make from our taxpayer funded work; introduction of errors into my manuscript by the journal’s proofreaders; websites from hell; and of course peer review. Without that process of publication, my work will remain a ‘preprint’—an incomplete and unreliable artifact unworthy of a place in the scientific literature.

Could things be better? I surmise that, like fish unaware of their wet surrounds, academics don’t feel the pain because it’s all they’ve ever known.

For one, peer review has nothing to do with commercial journals or publishers—it’s the voluntary labor of our colleagues in service of scientific progress. We could, right now, be reviewing each others work on PREreview or Review Commons. Alas, instead of these scholarly debates we are complacent with pretending that a 40% profit margin industry is somehow facilitating the peer-review process better than the transparent platforms already available to us, for free.

Neither does the role of an editor have to be tied to a commercial rent-seeker: The Publish, Review, Curate model of scholarly communication enables a given scholarly work to be included in a plurality of collections, perhaps analogous to journal volumes or blog categories, each curated by different editors on different platforms. Many editorial teams are already recognizing that things could indeed be better, and are resigning en masse to start free scholar-run journals.

These alternatives to ‘Big Academic Publishing‘ are already making it faster and cheaper to get one’s work permanently available and findable online, vetted by editors, and reviewed by peers.

Considering the estimated $8.97 billion dollars of (mostly) taxpayer money hoovered up in four years by only six commercial publishers on Open Access (OA) article processing fees, Elsevier’s $3,480 median hybrid OA processing fee, and an average turnaround time of 111 days, alternatives fare well: Peer Community In, an online platform for reviews and ‘recommendations’ (brief editorial reports), reports total costs of €369 per article. We’ve known these flawed economics for decades, yet the scientific literature remains in captivity. Maybe we just lack the sufficient anger for change.

Perhaps the time to replace academic journals is now. For me, it should have been 385 days ago.❞


https://universonline.nl/nieuws/2025/10/14/against-publishing/
#recherche #édition_scientifique #publication #ESR #université 

--

ajouté à la métaliste sur la #publication_scientifique:
https://seenthis.net/messages/1036396</summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="fr" dir="ltr"><p><strong>Against publishing</strong></p><blockquote lang="en" dir="ltr"><p> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/preprints'>Preprints</a></span> are read, shared, and cited — yet still dismissed as incomplete until blessed by a publisher. Matti Vuorre argues that the true measure of scholarship lies in open exchange, not in the industry’s gatekeeping labels of what counts as published.</p><p>Preprints—scholarly manuscripts not yet captured by the publication industry—are widely read and circulated, yet the ‘intellectual perestroika‘ they could facilitate hasn’t been uniformly realized because scholars continue to think of preprints as less authoritative than their industry-captured (‘published’) counterparts. It is time to free the scholarly literature from hostile captivity and embrace preprints as the primary objects of scholarly communication.</p><p>385 days ago, I submitted a manuscript for evaluation at an academic journal. Around the same time, I submitted the same manuscript to PsyArXiv, a document sharing website popular in the psychological sciences. The results: Radio silence for the journal submission; 334 downloads and 4 citations for the PsyArXiv version.</p><p>But this is a meaningless comparison: The PsyArXiv version hasn’t been peer-reviewed and listed on a journal’s website: It is not published, and everyone knows that publications are more valid than preprints, and that it is publications, not preprints, that provide the pitons on a scientist’s climb to success and fame.</p><p>Never mind that my colleagues are reading and citing the document on PsyArXiv. For this manuscript to count as a legitimate scientific product I must first endure inexplicable delays; arbitrary formatting requirements (the formatting manual costs $47.99); conflicts between my scholarly values and the astronomical profits that private publishing companies make from our taxpayer funded work; introduction of errors into my manuscript by the journal’s proofreaders; websites from hell; and of course peer review. Without that process of publication, my work will remain a ‘preprint’—an incomplete and unreliable artifact unworthy of a place in the scientific literature.</p><p>Could things be better? I surmise that, like fish unaware of their wet surrounds, academics don’t feel the pain because it’s all they’ve ever known.</p><p>For one, peer review has nothing to do with commercial journals or publishers—it’s the voluntary labor of our colleagues in service of scientific progress. We could, right now, be reviewing each others work on PREreview or Review Commons. Alas, instead of these scholarly debates we are complacent with pretending that a 40% profit margin industry is somehow facilitating the peer-review process better than the transparent platforms already available to us, for free.</p><p>Neither does the role of an editor have to be tied to a commercial rent-seeker: The Publish, Review, Curate model of scholarly communication enables a given scholarly work to be included in a plurality of collections, perhaps analogous to journal volumes or blog categories, each curated by different editors on different platforms. Many editorial teams are already recognizing that things could indeed be better, and are resigning en masse to start free scholar-run journals.</p><p>These alternatives to ‘Big Academic Publishing‘ are already making it faster and cheaper to get one’s work permanently available and findable online, vetted by editors, and reviewed by peers.</p><p>Considering the estimated $8.97 billion dollars of (mostly) taxpayer money hoovered up in four years by only six commercial publishers on Open Access (OA) article processing fees, Elsevier’s $3,480 median hybrid OA processing fee, and an average turnaround time of 111 days, alternatives fare well: Peer Community In, an online platform for reviews and ‘recommendations’ (brief editorial reports), reports total costs of €369 per article. We’ve known these flawed economics for decades, yet the scientific literature remains in captivity. Maybe we just lack the sufficient anger for change.</p><p>Perhaps the time to replace academic journals is now. For me, it should have been 385 days ago. </p></blockquote><p><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008233860'>▻</a></span><a href="https://universonline.nl/nieuws/2025/10/14/against-publishing" class='spip_out' title="Against publishing - Univers magazine" hreflang="en"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>universonline.nl</span>/</span><span class='lien_off'>nieuws/</span><span class='lien_off'>2025/</span>10/14/<span class='lien_fin'>against-publishing</span></span></a></span><br><span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/recherche'>recherche</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/%C3%A9dition_scientifique'>édition_scientifique</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/publication'>publication</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/esr'>ESR</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/universit%C3%A9'>université</a></span></p><p>–-</p><p>ajouté à la métaliste sur la <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/publication_scientifique'>publication_scientifique</a></span>&nbsp;:<br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336007963789'>►</a></span><a href="https://seenthis.net/messages/1036396" class='spip_out' title="*C'était l'heure de commencer une métaliste sur la publication_scientifique* business…" hreflang="fr"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>seenthis.net</span>/</span>messages/<span class='lien_fin'>1036396</span></span></a></span></p></div>]]></content>
	
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	<title>*Retrospective and prospective study of the evolution of APC costs and electronic subscriptions&#8230;</title>
	<author>
		<name>CDB_77  (@cdb_77)</name>
		<uri>https://seenthis.net/people/cdb_77</uri>
		<email>cdb_77@seenthis.net</email>
		
	</author>
	<published>2025-11-29T17:09:02Z</published>
	<updated>2025-11-29T17:11:28Z</updated>
	
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	<link rel="edit" href="https://seenthis.net/api/messages/1148369"/>
	<summary>*Retrospective and prospective study of the evolution of #APC costs and electronic subscriptions for French institutions* 



❝A journal article dataset has been developed with metadata of articles by France-based authors in the period 2013-2020. The purpose of this dataset was to form a basis for the retrospective and prospective analyses of the total costs of APCs paid by French institutions. APCs are the article processing charges (APCs) that researchers must pay to have their articles published in some open access journals. The main results of the retrospective analysis of the dataset regarding the numbers of APC-paid articles with a France-based corresponding author: - the total cost of APCs has tripled in the period 2013-2020. The major driver is the growth of articles in Gold OA journals, i.e. fully open access journals with APCs (without this growth, the APC cost would have been multiplied by 1,69 instead of 3) - the journal publishers and dissemination platforms have been categorised in four tiers, each publishing between 20% and 32% of all articles with a French co-author in 2020: tier 1 with the top publisher (Elsevier), tier 2 with three publishers, tier 3 with 16 publishers and tier 4 with the long tail of publishers (n=1995). The highest growth rate of APC-paid articles by France-based corresponding authors is seen in journals published by tier 2 publishers (Springer Nature, Wiley and MDPI) - more than three quarters of the APC-paid articles by France-based corresponding authors are in the fields of biology and medical research. The main observation regarding the price evolution of the APCs is that the APC-level for HybridOA articles started in 2013 at a high level (2 453 € in average) but have been stable over the years with 2 488 € in average in 2020. The APC-level for articles in Gold journals started considerably lower with an average APC in 2013 of 1 395 €. However, a rapid increase in the level of APCs for Gold OA articles has been observed, with an average APC of 1 745 € in 2020. This has led to a calculation of the total cost of APCs paid by French institutions between 2013 and 2020. In addition to the above-mentioned article dataset, 2019 and 2020 data from the ERE survey by Couperin (the national consortium of research performing organizations that negotiates with publishers the prices and conditions of access to research publications for the benefit of its members) were analysed in order to assess the total subscription costs of journal packages for French institutions. This data was compiled in Microsoft Power BI with additional information about the categories of the products, the publisher tiers, and the respondents to both surveys. This resulted in an estimate of ca. 87,5 M€ for the total expenditure on journal packages by all Couperin members in 2020. An analysis by Couperin of the ERE surveys 2014-2021 showed that the price increases per year in this period varied between -1,95% and +7,22% with an average price increase of 1,76% per year. The evolution of the total journal subscription costs based on this average annual growth rate results in an estimated 97,5 M€ in 2030. Using known and trusted data from our dataset (i.e. excluding articles for which the country of the corresponding author could not be determined, or whose APC price could not be precisely estimated), we developed mixed-effects models of APC prices as a function of other articles’ features. These models were used to predict the evolution of the total cost of APCs for the period 2021-2030, in various situations,: - under the assumption of continuing and unchanged trends. The predicted cost of APCs in 2030 is 50,6 M€, whereas the total expenditure on journal subscriptions would be 97,5 M€ - for a scenario with an acceleration towards Gold OA, the predicted cost of APCs in 2030 is 68,7 M€; - and for a scenario with increase of Green OA and a transition from HybridOA towards Gold, the predicted cost of APCs in 2030 is 38,5 M€. Finally, a situation was simulated where 90% of all articles by France-based corresponding authors would be Gold OA (and 10% would be published in Diamond OA journals) in order to assess the cost ceiling of such a 100% open access situation. In this case the predicted cost of APCs in 2030 is 168,7 M€.❞



https://hal-lara.archives-ouvertes.fr/hal-03909068v1
#édition_scientifique #recherche #coûts #France #ESR #recherche #université #article_processing_charges (#APC)

--

ajouté à la métaliste sur la #publication_scientifique:
https://seenthis.net/messages/1036396</summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="en" dir="ltr"><p><strong>Retrospective and prospective study of the evolution of <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/apc'>APC</a></span> costs and electronic subscriptions for French institutions</strong></p><blockquote lang="en" dir="ltr"><p> A journal article dataset has been developed with metadata of articles by France-based authors in the period 2013-2020. The purpose of this dataset was to form a basis for the retrospective and prospective analyses of the total costs of APCs paid by French institutions. APCs are the article processing charges (APCs) that researchers must pay to have their articles published in some open access journals. The main results of the retrospective analysis of the dataset regarding the numbers of APC-paid articles with a France-based corresponding author: - the total cost of APCs has tripled in the period 2013-2020. The major driver is the growth of articles in Gold OA journals, i.e. fully open access journals with APCs (without this growth, the APC cost would have been multiplied by 1,69 instead of 3) - the journal publishers and dissemination platforms have been categorised in four tiers, each publishing between 20% and 32% of all articles with a French co-author in 2020: tier 1 with the top publisher (Elsevier), tier 2 with three publishers, tier 3 with 16 publishers and tier 4 with the long tail of publishers (n=1995). The highest growth rate of APC-paid articles by France-based corresponding authors is seen in journals published by tier 2 publishers (Springer Nature, Wiley and MDPI) - more than three quarters of the APC-paid articles by France-based corresponding authors are in the fields of biology and medical research. The main observation regarding the price evolution of the APCs is that the APC-level for HybridOA articles started in 2013 at a high level (2 453 € in average) but have been stable over the years with 2 488 € in average in 2020. The APC-level for articles in Gold journals started considerably lower with an average APC in 2013 of 1 395 €. However, a rapid increase in the level of APCs for Gold OA articles has been observed, with an average APC of 1 745 € in 2020. This has led to a calculation of the total cost of APCs paid by French institutions between 2013 and 2020. In addition to the above-mentioned article dataset, 2019 and 2020 data from the ERE survey by Couperin (the national consortium of research performing organizations that negotiates with publishers the prices and conditions of access to research publications for the benefit of its members) were analysed in order to assess the total subscription costs of journal packages for French institutions. This data was compiled in Microsoft Power BI with additional information about the categories of the products, the publisher tiers, and the respondents to both surveys. This resulted in an estimate of ca. 87,5 M€ for the total expenditure on journal packages by all Couperin members in 2020. An analysis by Couperin of the ERE surveys 2014-2021 showed that the price increases per year in this period varied between -1,95% and +7,22% with an average price increase of 1,76% per year. The evolution of the total journal subscription costs based on this average annual growth rate results in an estimated 97,5 M€ in 2030. Using known and trusted data from our dataset (i.e. excluding articles for which the country of the corresponding author could not be determined, or whose APC price could not be precisely estimated), we developed mixed-effects models of APC prices as a function of other articles’ features. These models were used to predict the evolution of the total cost of APCs for the period 2021-2030, in various situations,: - under the assumption of continuing and unchanged trends. The predicted cost of APCs in 2030 is 50,6 M€, whereas the total expenditure on journal subscriptions would be 97,5 M€ - for a scenario with an acceleration towards Gold OA, the predicted cost of APCs in 2030 is 68,7 M€; - and for a scenario with increase of Green OA and a transition from HybridOA towards Gold, the predicted cost of APCs in 2030 is 38,5 M€. Finally, a situation was simulated where 90% of all articles by France-based corresponding authors would be Gold OA (and 10% would be published in Diamond OA journals) in order to assess the cost ceiling of such a 100% open access situation. In this case the predicted cost of APCs in 2030 is 168,7 M€. </p></blockquote><p><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008233857'>▻</a></span><a href="https://hal-lara.archives-ouvertes.fr/hal-03909068v1" class='spip_out'><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>hal-lara.archives-ouvertes.fr</span>/</span><span class='lien_fin'><span class='lien_fin_coupee'>hal-03909068</span><span class='lien_fin_cachee'>v1</span></span></span></a></span><br><span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/%C3%A9dition_scientifique'>édition_scientifique</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/recherche'>recherche</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/co%C3%BBts'>coûts</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/france'>France</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/esr'>ESR</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/recherche'>recherche</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/universit%C3%A9'>université</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/article_processing_charges'>article_processing_charges</a></span> (<span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/apc'>APC</a></span>)</p><p>–-</p><p>ajouté à la métaliste sur la <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/publication_scientifique'>publication_scientifique</a></span>:<br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336007963789'>►</a></span><a href="https://seenthis.net/messages/1036396" class='spip_out' title="*C'était l'heure de commencer une métaliste sur la publication_scientifique* business…" hreflang="fr"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>seenthis.net</span>/</span>messages/<span class='lien_fin'>1036396</span></span></a></span></p></div>]]></content>
	
	<link rel="related" href="https://seenthis.net/messages/1036396" title="*C'&#233;tait l'heure de commencer une m&#233;taliste sur la publication_scientifique* business&#8230;" hreflang="fr"/>
	
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	<title>*L'&#233;dition_scientifique en France : de la censure &#224; l'ouverture : r&#233;volutions politiques,&#8230;</title>
	<author>
		<name>CDB_77  (@cdb_77)</name>
		<uri>https://seenthis.net/people/cdb_77</uri>
		<email>cdb_77@seenthis.net</email>
		
	</author>
	<published>2025-11-29T17:07:56Z</published>
	<updated>2025-11-29T17:07:56Z</updated>
	
	 <link href="https://seenthis.net/messages/1148366" />
	
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	<summary>*L’#édition_scientifique en #France : de la #censure à l’#ouverture : révolutions politiques, commerciales, technologiques… et autres problèmes éthiques* 




❝A travers une analyse systémique de l’édition scientifique en France – et plus particulièrement via une étude des contextes historiques, socio-économiques et politique – cet article soulève les problématiques éthiques qui ont jalonné la construction de l’écosystème scientifique et l’exploitation des produits de la #recherche, et livre une réflexion sur les défis éthiques liés à la mise en place depuis 2018 de la politique de la #Science_Ouverte mais aussi des conséquences directes que cela va avoir sur les pratiques des chercheurs.❞



https://www.unilim.fr/interfaces-numeriques/5262
#éthique #ESR #université 

--

ajouté à la métaliste sur la #publication_scientifique*:
https://seenthis.net/messages/1036396</summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="fr" dir="ltr"><p><strong>L’<span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/%C3%A9dition_scientifique'>édition_scientifique</a></span> en <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/france'>France</a></span>&nbsp;: de la <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/censure'>censure</a></span> à l’<span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/ouverture'>ouverture</a></span>&nbsp;: révolutions politiques, commerciales, technologiques… et autres problèmes éthiques</strong></p><blockquote lang="fr" dir="ltr"><p> A travers une analyse systémique de l’édition scientifique en France – et plus particulièrement via une étude des contextes historiques, socio-économiques et politique – cet article soulève les problématiques éthiques qui ont jalonné la construction de l’écosystème scientifique et l’exploitation des produits de la <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/recherche'>recherche</a></span>, et livre une réflexion sur les défis éthiques liés à la mise en place depuis 2018 de la politique de la <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/science_ouverte'>Science_Ouverte</a></span> mais aussi des conséquences directes que cela va avoir sur les pratiques des chercheurs. </p></blockquote><p><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008233854'>▻</a></span><a href="https://www.unilim.fr/interfaces-numeriques/5262" class='spip_out' title="révolutions politiques, commerciales, technologiques… et autres problèmes éthiques"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'><span class='lien_www'>www.</span>unilim.fr</span>/</span>interfaces-numeriques/<span class='lien_fin'>5262</span></span></a></span><br><span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/%C3%A9thique'>éthique</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/esr'>ESR</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/universit%C3%A9'>université</a></span></p><p>–-</p><p>ajouté à la métaliste sur la <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/publication_scientifique'>publication_scientifique</a></span>*&nbsp;:<br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336007963789'>►</a></span><a href="https://seenthis.net/messages/1036396" class='spip_out' title="*C'était l'heure de commencer une métaliste sur la publication_scientifique* business…" hreflang="fr"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>seenthis.net</span>/</span>messages/<span class='lien_fin'>1036396</span></span></a></span></p></div>]]></content>
	
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	<title>Drei Jahre chatgpt : Zwei von drei nutzen KI-Anwendungen - T&#220;V-Verband</title>
	<author>
		<name>aurelieng  (@aurelieng)</name>
		<uri>https://seenthis.net/people/aurelieng</uri>
		<email>aurelieng@seenthis.net</email>
		
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	<published>2025-11-28T16:35:48Z</published>
	<updated>2025-11-28T16:35:48Z</updated>
	
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	<summary>Drei Jahre #chatgpt: Zwei von drei nutzen KI-Anwendungen - TÜV-Verband
https://www.tuev-verband.de/pressemitteilungen/drei-jahre-chatgpt-zwei-von-drei-nutzen-ki-anwendungen

❝— Permalink❞
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	<content type="html"><![CDATA[<div lang="de" dir="ltr"><p>Drei Jahre <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/chatgpt'>chatgpt</a></span>: Zwei von drei nutzen KI-Anwendungen - TÜV-Verband<br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/sites/7282461336008233633'>▻</a></span><a rel='nofollow' href="https://www.tuev-verband.de/pressemitteilungen/drei-jahre-chatgpt-zwei-von-drei-nutzen-ki-anwendungen" class='spip_out'><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'><span class='lien_www'>www.</span>tuev-verband.de</span>/</span><span class='lien_off'>pressemitteilungen/</span><span class='lien_fin'><span class='lien_fin_coupee'>drei-jahre-chatgpt-zwei-vo</span><span class='lien_fin_cachee'>n-drei-nutzen-ki-anwendungen</span></span></span></a></span></p><blockquote lang="lt" dir="ltr"><p> &mdash; Permalink </p></blockquote><p><span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/chatbot'>chatbot</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/usage'>usage</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/survey'>survey</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/artificialintelligence'>artificialintelligence</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/generativeai'>generativeai</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/search'>search</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/information'>information</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/knowledge'>knowledge</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/edition'>edition</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/brainstorming'>brainstorming</a></span></p></div>]]></content>
	
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	<id>urn:uuid:69249b6d-4f90-47b4-8ab6-1fa5a3653011</id>
	<title>Authors dumped from New Zealand's top book prize after AI used in cover designs</title>
	<author>
		<name>klaus++  (@klaus)</name>
		<uri>https://seenthis.net/people/klaus</uri>
		<email>klaus@seenthis.net</email>
		
	</author>
	<published>2025-11-24T17:52:45Z</published>
	<updated>2025-11-24T17:59:07Z</updated>
	
	 <link href="https://seenthis.net/messages/1147655" />
	
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	<summary>Authors dumped from New Zealand’s top book prize after AI used in cover designs
https://www.theguardian.com/world/2025/nov/18/authors-dumped-from-new-zealands-top-book-prize-after-ai-used-in-cover-designs
https://i.ibb.co/93Z1MWVW/ai-generated-book-covers-cnv.jpg

❝18.11.2025 by Eva Corlett - Ockham Book Awards dropped two titles from contention after new guidelines introduced on artificial intelligence use

The books of two award-winning New Zealand authors have been disqualified from consideration for the country’s top literature prize because artificial intelligence was used in the creation of their cover designs.

Stephanie Johnson’s collection of short stories Obligate Carnivore and Elizabeth Smither’s collection of novellas Angel Train were submitted to the 2026 Ockham book awards’ NZ$65,000 fiction prize in October, but were ruled out of the competition the following month in light of new guidelines around AI use.

The publisher of both books, Quentin Wilson, said the awards committee amended the guidelines in August, by which time the covers of every book submitted for the awards would have already been designed.

“It was, therefore, far too late for any publisher to have taken this clause into account in their design briefs,” Wilson told the Guardian.

“It is obviously heartbreaking that two wonderful pieces of fiction by highly respected authors have become embroiled in this issue, even though it has absolutely nothing to do with their writing.”

Wilson said it was also upsetting for the production and design team, who had worked hard on the books.

Johnson was sympathetic to the award organisers, saying she too is deeply concerned about the use of AI in creative fields, however she was disappointed with the decision.

“I’d be lying if I said I wasn’t sad about it,” she told the Guardian. “It’s my 22nd book, and it is my fourth collection of short stories. These stories … were written over a sort of 20 year period, so for me, it’s quite an important book.”

Johnson said authors typically have very little to do with the design of their books, and she had no idea AI had been used to create her cover, which features a cat with human teeth.

“I just thought it was a photograph of a real cat and the teeth had been superimposed, but apparently it wasn’t,” Johnson said, adding that unlike younger generations who are adept at identifying AI, she had trouble distinguishing images created with the technology.

Johnson worried people would now assume she had used AI to write her book, which she “most certainly did not”.

“Instead of talking about my book … and what the inspiration was, we are talking about bloody AI, which I hate.”

In a statement, Smither said the designers spent hours working on the cover of her book, which features a steam train and an angel “half-obscured in the smoke”, inspired by artist Marc Chagall’s figures.

“It is them I am most concerned about: that their meticulous work … is being disrespected,” Smither said.

Both Smither and Johnson have previously judged categories of the Ockham awards, and both said the covers were given very little consideration.

“The contents and the close reading were everything,” Smither said.

The use of AI in creative fields has come under increasing scrutiny as the technology has evolved, with some groups developing ways to counter its influence.

Nicola Legat, the chair of the book awards trust, which administers the Ockham awards, said the trust takes a “firm stance on the use of AI in books”.

“The trust does not take lightly a decision that prevents the latest works of two of New Zealand’s most esteemed writers from being considered for the 2026 award,” Legat said.

“However, the criteria apply to all entrants, regardless of their mana [status], and must be consistently applied to all.”

The decision to amend the criteria around AI was spurred by a desire to support creative and copyright interests of the country’s writers and illustrators, she said.

“As AI evolves, there may well be a need for the trust to revisit and develop the criteria further.”

Wilson said publishers and authors regularly use Grammarly and Photoshop, which draw on AI, and the situation highlighted an urgent need for carefully developed guidelines.

“As an industry, we must work together to ensure that this situation does not happen again.”❞

#Nouvelle_Zélande #édition #intelligence_artificielle #ecriture #dessin #couverture</summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="en" dir="ltr"><p>Authors dumped from New Zealand’s top book prize after AI used in cover designs<br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008232227'>▻</a></span><a href="https://www.theguardian.com/world/2025/nov/18/authors-dumped-from-new-zealands-top-book-prize-after-ai-used-in-cover-designs" class='spip_out' title="Authors dumped from New Zealand’s top book prize after AI used in cover designs | New Zealand" hreflang="en"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'><span class='lien_www'>www.</span>theguardian.com</span>/</span><span class='lien_off'>world/</span><span class='lien_off'>2025/</span><span class='lien_off'>nov/</span><span class='lien_off'>18/</span><span class='lien_fin'><span class='lien_fin_coupee'>authors-dumped-from-new-ze</span><span class='lien_fin_cachee'>alands-top-book-prize-after-ai-used-in-cover-</span></span></span></a></span><br><div class='seenthis_pics seenthis_pics_1'><a onclick='return false;' href='https://i.ibb.co/93Z1MWVW/ai-generated-book-covers-cnv.jpg' class='display_box'><span class='image' style='padding-bottom:80%'><img src='https://seenthis.net/local/cache-vignettes/L600xH480/ai-generated-boo-a35a35ed-15ca2.jpg' alt='' data-photo='https://i.ibb.co/93Z1MWVW/ai-generated-book-covers-cnv.jpg' data-photo-h='496' data-photo-w='620' /></span><span class="lien_court"><span class="lien_off"> https://i.ibb.co/93Z1MWVW/ai-generated-book-covers-cnv.jpg </span></span></a></div></p><blockquote lang="en" dir="ltr"><p> 18.11.2025 by Eva Corlett - Ockham Book Awards dropped two titles from contention after new guidelines introduced on artificial intelligence use</p><p>The books of two award-winning New Zealand authors have been disqualified from consideration for the country’s top literature prize because artificial intelligence was used in the creation of their cover designs.</p><p>Stephanie Johnson’s collection of short stories Obligate Carnivore and Elizabeth Smither’s collection of novellas Angel Train were submitted to the 2026 Ockham book awards’ NZ$65,000 fiction prize in October, but were ruled out of the competition the following month in light of new guidelines around AI use.</p><p>The publisher of both books, Quentin Wilson, said the awards committee amended the guidelines in August, by which time the covers of every book submitted for the awards would have already been designed.</p><p>“It was, therefore, far too late for any publisher to have taken this clause into account in their design briefs,” Wilson told the Guardian.</p><p>“It is obviously heartbreaking that two wonderful pieces of fiction by highly respected authors have become embroiled in this issue, even though it has absolutely nothing to do with their writing.”</p><p>Wilson said it was also upsetting for the production and design team, who had worked hard on the books.</p><p>Johnson was sympathetic to the award organisers, saying she too is deeply concerned about the use of AI in creative fields, however she was disappointed with the decision.</p><p>“I’d be lying if I said I wasn’t sad about it,” she told the Guardian. “It’s my 22nd book, and it is my fourth collection of short stories. These stories … were written over a sort of 20 year period, so for me, it’s quite an important book.”</p><p>Johnson said authors typically have very little to do with the design of their books, and she had no idea AI had been used to create her cover, which features a cat with human teeth.</p><p>“I just thought it was a photograph of a real cat and the teeth had been superimposed, but apparently it wasn’t,” Johnson said, adding that unlike younger generations who are adept at identifying AI, she had trouble distinguishing images created with the technology.</p><p>Johnson worried people would now assume she had used AI to write her book, which she “most certainly did not”.</p><p>“Instead of talking about my book … and what the inspiration was, we are talking about bloody AI, which I hate.”</p><p>In a statement, Smither said the designers spent hours working on the cover of her book, which features a steam train and an angel “half-obscured in the smoke”, inspired by artist Marc Chagall’s figures.</p><p>“It is them I am most concerned about: that their meticulous work … is being disrespected,” Smither said.</p><p>Both Smither and Johnson have previously judged categories of the Ockham awards, and both said the covers were given very little consideration.</p><p>“The contents and the close reading were everything,” Smither said.</p><p>The use of AI in creative fields has come under increasing scrutiny as the technology has evolved, with some groups developing ways to counter its influence.</p><p>Nicola Legat, the chair of the book awards trust, which administers the Ockham awards, said the trust takes a “firm stance on the use of AI in books”.</p><p>“The trust does not take lightly a decision that prevents the latest works of two of New Zealand’s most esteemed writers from being considered for the 2026 award,” Legat said.</p><p>“However, the criteria apply to all entrants, regardless of their mana [status], and must be consistently applied to all.”</p><p>The decision to amend the criteria around AI was spurred by a desire to support creative and copyright interests of the country’s writers and illustrators, she said.</p><p>“As AI evolves, there may well be a need for the trust to revisit and develop the criteria further.”</p><p>Wilson said publishers and authors regularly use Grammarly and Photoshop, which draw on AI, and the situation highlighted an urgent need for carefully developed guidelines.</p><p>“As an industry, we must work together to ensure that this situation does not happen again.” </p></blockquote><p><span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/nouvelle_z%C3%A9lande'>Nouvelle_Zélande</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/%C3%A9dition'>édition</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/intelligence_artificielle'>intelligence_artificielle</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/ecriture'>ecriture</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/dessin'>dessin</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/couverture'>couverture</a></span></p></div>]]></content>
	
	<link rel="related" href="https://www.theguardian.com/world/2025/nov/18/authors-dumped-from-new-zealands-top-book-prize-after-ai-used-in-cover-designs" title="Authors dumped from New Zealand's top book prize after AI used in cover designs | New Zealand" hreflang="en"/>
	
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	<title>Lecture d'un extrait de &#171; Rien que les heures &#187; &#224; para&#238;tre aux &#233;ditions JOU le 13 mai 2026.</title>
	<author>
		<name>liminaire  (@liminaire)</name>
		<uri>https://seenthis.net/people/liminaire</uri>
		<email>liminaire@seenthis.net</email>
		
	</author>
	<published>2025-11-24T08:16:07Z</published>
	<updated>2025-11-24T08:16:07Z</updated>
	
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	<link rel="edit" href="https://seenthis.net/api/messages/1147570"/>
	<summary>Lecture d'un extrait de "Rien que les heures" à paraître aux éditions JOU le 13 mai 2026. 

https://liminaire.fr/projets/article/rien-que-les-heures

https://liminaire.fr/local/cache-vignettes/L640xH360/images_de_l_instant_pre_sent_2_1_-e666e.png?1758481224

Aidez-nous à produire ce livre et recevez-le avant sa diffusion en librairie, dès la mi-avril 2026. 

https://www.helloasso.com/associations/association-jou/collectes/rien-que-les-heures

https://youtu.be/r3CeUQvBiRU

https://youtu.be/GRKNhUkBGyE

#Récit, #Poésie, #Livre, #Lecture, #Rienquelesheures #Édition</summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="fr" dir="ltr"><p>Lecture d’un extrait de &laquo;&nbsp;Rien que les heures&nbsp;&raquo; à paraître aux éditions JOU le 13 mai 2026.</p><p><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/sites/7282461336008206627'>►</a></span><a rel='nofollow' href="https://liminaire.fr/projets/article/rien-que-les-heures" class='spip_out' title="Rien que les heures - LIMINAIRE" hreflang="fr"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine lien_raccourci'><span class='lien_host'>liminaire.fr</span>/</span><span class='lien_off'>projets/</span>article/<span class='lien_fin'>rien-que-les-heures</span></span></a></span></p><p><div class='seenthis_pics seenthis_pics_1'><a onclick='return false;' href='https://liminaire.fr/local/cache-vignettes/L640xH360/images_de_l_instant_pre_sent_2_1_-e666e.png?1758481224' class='display_box'><span class='image' style='padding-bottom:56.25%'><img src='https://seenthis.net/local/cache-vignettes/L600xH338/images_de_l_inst-f904f8d5-e77dd.png' alt='' data-photo='https://liminaire.fr/local/cache-vignettes/L640xH360/images_de_l_instant_pre_sent_2_1_-e666e.png?1758481224' data-photo-h='360' data-photo-w='640' /></span><span class="lien_court"><span class="lien_off"> https://liminaire.fr/local/cache-vignettes/L640xH360/images_de_l_instant_pre_sent_2_1_-e666e.png?1758481224 </span></span></a></div></p><p>Aidez-nous à produire ce livre et recevez-le avant sa diffusion en librairie, dès la mi-avril 2026.</p><p><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/sites/7282461336008206624'>►</a></span><a rel='nofollow' href="https://www.helloasso.com/associations/association-jou/collectes/rien-que-les-heures" class='spip_out'><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'><span class='lien_www'>www.</span>helloasso.com</span>/</span><span class='lien_off'>associations/</span><span class='lien_off'>association-jou/</span><span class='lien_off'>collectes/</span><span class='lien_fin'>rien-que-les-heures</span></span></a></span></p><p><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/sites/7282461336008206621'>►</a></span><a rel='nofollow' href="https://youtu.be/r3CeUQvBiRU" class='spip_out'><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>youtu.be</span>/</span><span class='lien_fin'>r3CeUQvBiRU</span></span></a></span></p><p><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/sites/7282461336008232040'>▻</a></span><a rel='nofollow' href="https://youtu.be/GRKNhUkBGyE" class='spip_out'><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>youtu.be</span>/</span><span class='lien_fin'>GRKNhUkBGyE</span></span></a></span></p><p><span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/r%C3%A9cit'>Récit</a></span>, <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/po%C3%A9sie'>Poésie</a></span>, <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/livre'>Livre</a></span>, <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/lecture'>Lecture</a></span>, <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/rienquelesheures'>Rienquelesheures</a></span> <span class='lien_tag'>#<a rel='nofollow' href='https://seenthis.net/tag/%C3%A9dition'>Édition</a></span></p></div>]]></content>
	
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	<title>&#171; Dans la bataille autour du Festival de la BD d'Angoul&#234;me, ce sont des autrices, souvent jeunes,&#8230;</title>
	<author>
		<name>mad meg  (@mad_meg)</name>
		<uri>https://seenthis.net/people/mad_meg</uri>
		<email>mad_meg@seenthis.net</email>
		
	</author>
	<published>2025-11-22T11:38:42Z</published>
	<updated>2025-11-22T11:38:42Z</updated>
	
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	<summary>« Dans la bataille autour du Festival de la BD d’Angoulême, ce sont des autrices, souvent jeunes, qui portent la colère »
Chronique
auteur

Michel Guerrin

Rédacteur en chef au « Monde »

Pourquoi les auteurs se sacrifient-ils en appelant au boycott de la manifestation en janvier ? En toile de fond figurent la paupérisation du métier (dont les autrices sont les premières victimes), une surproduction d’albums et un affrontement entre art et commerce, observe dans sa chronique Michel Guerrin, rédacteur en chef au « Monde ».

est-ce que qu'un ou quelqu'une aurais de quoi franchir le paywall de cet edito misogyne digne de VA svp ? 

https://www.lemonde.fr/idees/article/2025/11/21/festival-de-la-bd-d-angouleme-ce-sont-des-autrices-souvent-jeunes-qui-portent-la-colere_6654229_3232.html</summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="fr" dir="ltr"><p>&#171;&nbsp;Dans la bataille autour du Festival de la BD d’Angoulême, ce sont des autrices, souvent jeunes, qui portent la colère&nbsp;&#187;<br>Chronique<br>auteur</p><p>Michel Guerrin</p><p>Rédacteur en chef au &#171;&nbsp;Monde&nbsp;&#187;</p><p>Pourquoi les auteurs se sacrifient-ils en appelant au boycott de la manifestation en janvier&nbsp;? En toile de fond figurent la paupérisation du métier (dont les autrices sont les premières victimes), une surproduction d’albums et un affrontement entre art et commerce, observe dans sa chronique Michel Guerrin, rédacteur en chef au &#171;&nbsp;Monde&nbsp;&#187;.</p><p>est-ce que qu’un ou quelqu’une aurais de quoi franchir le paywall de cet edito misogyne digne de VA svp&nbsp;?</p><p><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008231621'>▻</a></span><a href="https://www.lemonde.fr/idees/article/2025/11/21/festival-de-la-bd-d-angouleme-ce-sont-des-autrices-souvent-jeunes-qui-portent-la-colere_6654229_3232.html" class='spip_out' title="« Dans la bataille autour du Festival de la BD d’Angoulême, ce sont des autrices, souvent jeunes, qui portent la colère »" hreflang="fr"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'><span class='lien_www'>www.</span>lemonde.fr</span>/</span><span class='lien_off'>idees/</span><span class='lien_off'>article/</span><span class='lien_off'>2025/</span><span class='lien_off'>11/</span><span class='lien_off'>21/</span><span class='lien_fin'><span class='lien_fin_coupee'>festival-de-la-bd-d-angouleme-c</span><span class='lien_fin_cachee'>e-sont-des-autrices-souvent-jeunes-qui-porten</span></span></span></a></span></p></div>]]></content>
	
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	<title>*Journal editors are resigning en masse : what do these group exits achieve ?* &#10077;Editorial rebellions&#8230;</title>
	<author>
		<name>CDB_77  (@cdb_77)</name>
		<uri>https://seenthis.net/people/cdb_77</uri>
		<email>cdb_77@seenthis.net</email>
		
	</author>
	<published>2025-11-11T11:04:34Z</published>
	<updated>2025-11-11T11:04:34Z</updated>
	
	 <link href="https://seenthis.net/messages/1145913" />
	
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	<summary>*Journal editors are resigning en masse: what do these group exits achieve?* 



❝Editorial rebellions seem to be on the rise, as researchers seek more control over scholarly communication.❞

(#paywall... arrgghhh)
https://www.nature.com/articles/d41586-024-00887-y

#résistance #édition_scientifique #résignation 

--
ajouté à la métaliste sur la #publication_scientifique:
https://seenthis.net/messages/1036396</summary>
	<content type="html"><![CDATA[<div lang="en" dir="ltr"><p><strong>Journal editors are resigning en masse: what do these group exits achieve?</strong></p><blockquote lang="en" dir="ltr"><p> Editorial rebellions seem to be on the rise, as researchers seek more control over scholarly communication. </p></blockquote><p>(<span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/paywall'>paywall</a></span>... arrgghhh)<br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336008228180'>▻</a></span><a href="https://www.nature.com/articles/d41586-024-00887-y" class='spip_out' title="what do these group exits achieve?"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'><span class='lien_www'>www.</span>nature.com</span>/</span>articles/<span class='lien_fin'>d41586-024-00887-y</span></span></a></span></p><p><span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/r%C3%A9sistance'>résistance</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/%C3%A9dition_scientifique'>édition_scientifique</a></span> <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/r%C3%A9signation'>résignation</a></span></p><p>–-<br>ajouté à la métaliste sur la <span class='lien_tag'>#<a href='https://seenthis.net/tag/publication_scientifique'>publication_scientifique</a></span>:<br><span class='lien_lien'><span class='lien_lien_total'><a href='https://seenthis.net/sites/7282461336007963789'>►</a></span><a href="https://seenthis.net/messages/1036396" class='spip_out' title="*C'était l'heure de commencer une métaliste sur la publication_scientifique* business…" hreflang="fr"><span class='lien_court'><span class='lien_protocol'>https://</span><span class='lien_racine'><span class='lien_host'>seenthis.net</span>/</span>messages/<span class='lien_fin'>1036396</span></span></a></span></p></div>]]></content>
	
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