• Hat Putin den Gashahn abgedreht ?
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    Question : Qui est responsable pour l’augmentation du prix du gaz ?
    Réponse : C’est compliqué mais ce n’est pas la faute à Poutine tout seul.

    Une chose est évidente : sans la pression états-unienne qui voulaient vendre leur gaz de schiste l’histoire n’aurait pas donné le résultat qu’on connaît.

    5.10.2026 von KARSTEN MONTAG - Bis heute betonen Politiker hierzulande, der russische Präsident habe 2022 vertraglich vereinbarte Gaslieferungen eingestellt, um politische Entscheidungen in Deutschland zu beeinflussen. Stimmt das? Ein Faktencheck.

    Im Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt behauptete Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze, der russische Präsident Wladimir Putin habe die Gaslieferungen nach Deutschland eingestellt. Zudem ging Schulze davon aus, dass die Russen Deutschland bis zum Ende des Krieges in der Ukraine sowieso nicht mehr mit Gas beliefern würden. Der Spitzenkandidat der SPD, Armin Willingmann, behauptete ebenfalls, Russland habe den Hahn abgedreht. Er befürchtete, dass Russland den Gashahn auch dann wieder als Erpressungsinstrument nutzen würde, wenn es erneut zu Lieferungen käme.

    Die Aussagen stammen aus einem Schlagabtausch der Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in einer MDR-Sendung (ab Minute 43) , in der Willingmann auch in seiner Funktion als Energieminister Sachsen-Anhalts saß. Die Behauptungen von Schulze und Willingmann blieben in der Wahlkampfsendung unwidersprochen – als ob der seit 2022 häufig wiederholte Vorwurf, Putin habe Deutschland den Gashahn abgedreht, ein Fakt ist. Spitzenpolitiker der SPD und der Grünen haben sich in den vergangenen Jahren immer wieder in dieser Weise öffentlich geäußert. Prominenteste Beispiele sind der ehemalige Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), der ehemalige Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sowie die ehemalige Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne).

    Im September 2022 behauptete Habeck in einer Aktuellen Stunde im Bundestag: „Ist Ihnen aufgefallen, dass Russland kein Gas mehr liefert, dass die politische Situation also nicht ist, dass wir uns ein Embargo ausgedacht haben, sondern dass Putin den Gashahn abgedreht hat?“ Im Juni 2023 äußerte Baerbock in einem Interview mit der Funke-Mediengruppe: „Als Putin uns den Gashahn zugedreht hat, hat er [Robert Habeck] uns als Vizekanzler und Wirtschaftsminister gegen alle Widrigkeiten durch einen extrem schwierigen Winter gebracht.“ In seiner Neujahrsansprache 2024 sagte Scholz: „Kaum war Corona halbwegs vorbei, brach Russland mitten in Europa einen unerbittlichen Krieg vom Zaun. Kurz darauf dreht uns der russische Präsident den Gashahn ab.“ Zwei Wochen später, während einer Befragung der Bundesregierung im Bundestag im Januar 2024, bekräftigte Habeck erneut die Behauptung, Wladimir Putin habe „das Gas abgestellt, um Europa und Deutschland in Unruhe zu bringen“.
    Was war 2022 geschehen?

    Ab Anfang Juni 2022 kam es zu einer schrittweisen Minderung der über Nord Stream 1 gelieferten Gasmengen. Ab Mitte Juni verharrten die täglichen Mengen bei 40 Prozent der Kapazität der Ostseepipeline. Nach einer turnusmäßigen zehntägigen Abschaltung der Gastrasse zu Wartungszwecken im Juli 2022 erfolgten zunächst wieder Lieferungen, die jedoch weiterhin nur bei 40 Prozent der Kapazität lagen. Zum Ende des Monats gingen die Mengen auf 20 Prozent zurück. Ab Ende August 2022 floss gar kein Gas mehr durch Nord Stream. Ende September 2022 wurden die beiden Pipelines von Nord Stream 1 sowie eine der beiden Pipelines von Nord Stream 2 bei einem Sprengstoffanschlag beschädigt, sodass darüber keine Lieferungen mehr erfolgen konnten.

    Zeitgleich mit der Reduzierung der Liefermengen über Nord Stream 1 gingen auch die Lieferungen über die Transgas-Pipeline nach Deutschland ab Mitte Juni 2022 deutlich zurück. Hintergrund: Über die OPAL-Pipeline in Deutschland wurde Gas von Nord Stream 1 nach Tschechien geliefert, das dann über die Transgas-Pipeline wieder nach Deutschland gelangte. Die Gaslieferungen über die Jamal-Europa-Pipeline, die über Weißrussland und Polen nach Deutschland führt, gingen bereits ab Oktober 2021 deutlich zurück. Ab Anfang April 2022 sendete Russland kein Gas mehr über diesen Weg nach Deutschland.

    Abbildung 1: Deutscher Import von Gas aus Russland in Gigawattstunden pro Tag, Datenquelle: Verband Europäischer Fernleitungsnetzbetreiber für Gas (ENTSO-G)

    Aufgrund der fehlenden Gasmengen aus Russland geriet das deutsche Gashandelsunternehmen Uniper im Juli 2022 in finanzielle Schwierigkeiten. Uniper hatte langfristige Abnahmeverträge mit dem russischen Gaslieferanten Gazprom zu günstigen Preisen sowie Lieferverträge mit nachgelagerten Gaskunden abgeschlossen. Die fehlenden Mengen musste das Unternehmen am Spotmarkt nachkaufen – und konnte die höheren Preise nicht sofort an seine Kunden weitergeben . Uniper berichtete darüber in seinem Quartalsbericht vom Februar 2023 (Seite 8).
    Die Bundesregierung greift ein

    Noch einmal zurück in die Zeit vor der Nord Stream-Sprengung: Am 8. Juli 2022 beantragte Uniper Stabilisierungsmaßnahmen bei der deutschen Bundesregierung. Am 22. Juli beschloss die Bundesregierung, circa 30 Prozent der Aktien des Unternehmens zu erwerben. Des Weiteren wurde die Kreditlinie Unipers bei der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) von zwei auf neun Milliarden Euro aufgestockt, um den kurz- bis mittelfristigen Liquiditätsbedarf zu sichern.

    Auf einer Pressekonferenz zum Einstieg des Bundes bei dem Gashandelsunternehmen am selben Tag wurde der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz gefragt, ob die Inbetriebnahme von Nord Stream 2 eine Option sei, um die Unsicherheit bei den russischen Gaslieferungen zu beseitigen. Scholz ging bei seiner Antwort auf diese Option nicht ein und behauptete stattdessen, die Kapazitäten bestehender Pipelines wie Nord Stream 1, Jamal-Europa oder „die Pipeline über die Ukraine“ würden technisch ausreichen, dass Russland stets seine Lieferverpflichtungen einhalten könnte. Zudem behauptete Scholz in seiner Antwort, dass die von Russland vorgebrachten technischen Gründe für die Lieferreduzierungen nicht stimmen würden. Die Bundesregierung habe sich darum bemüht, dass eine für Nord Stream 1 notwendige Turbine in Kanada zu Ende gewartet und nach Russland hätte transportiert werden können.
    Die Sichtweise der russischen Regierung

    Bereits drei Tage vor den Aussagen von Kanzler Scholz, am 19. Juli 2022, hatte Wladimir Putin öffentlich Stellung zu den reduzierten Gaslieferungen nach Europa bezogen. Während einer Pressekonferenz erklärte er, Gazprom sei seinen Verpflichtungen stets nachgekommen und werde dies auch weiterhin tun. Im Gegensatz zur Darstellung von Scholz machte Putin westliche Sanktionen für die Lieferausfälle verantwortlich.

    Die Gründe für die fehlenden Gasmengen via Nord Stream 1 seien nicht nur auf eine Gasturbine zurückzuführen, die aufgrund von kanadischen Sanktionen nicht aus der Reparatur zurückkam. Zusätzlich würden technische Dokumente fehlen und auch der rechtliche Status der Maschine sei nicht geklärt. Zudem sei eine Turbine aufgrund eines Schadens ausgefallen. Eine weitere Pumpstation stehe kurz vor der Wartung, sodass eine erneute Reduzierung wahrscheinlich sei. Falls die in Kanada reparierte Turbine nicht rechtzeitig zurückkäme, stände nur noch ein Kompressor von insgesamt fünf Gasverdichterstationen zur Verfügung, die für die volle Leistung benötigt würden.

    Auch zur Möglichkeit, das Gas über andere Wege nach Deutschland zu liefern, bezog der russische Präsident Stellung. Die Ukraine habe eine der beiden Transit-Pipelines durch ihr Land gesperrt, weil sich eine dazugehörige Gasverdichterstation nicht unter ihrer Kontrolle befände, sondern auf dem Gebiet der Volksrepublik Lugansk läge. Da dort jedoch alles normal funktioniere und sich niemand in den Gastransport einmische, habe die Ukraine die Sperrung aus politischen Gründen vorgenommen, so Putin. Gegen die Jamal-Europa-Pipeline wiederum habe Polen Sanktionen verhängt und diese Leitung stillgelegt.

    Als Lösung bot Putin an, Nord Stream 2 in Betrieb zu nehmen. Die Kapazitäten seien von Gazprom reserviert worden. Allerdings habe er bereits zwei Monate zuvor den deutschen Bundeskanzler gewarnt, dass diese Kapazität genutzt werden müsse und nicht auf unbestimmte Zeit in der Schwebe bleiben könne. Falls das Gas nicht abgenommen würde, werde Russland die Hälfte der vorgesehenen Menge für den Inlandsverbrauch und die Weiterverarbeitung umleiten. Putin schloss:

    „Erst schließen sie selbst alles ab, und dann suchen sie nach einem Schuldigen – es wäre lustig, wenn es nicht so traurig wäre.“

    Gazprom: Rechtliche Probleme verhinderten Turbinenwartung

    Am 29. Juli 2022 veröffentlichte die russische Nachrichtenagentur Interfax eine Stellungnahme des Gazprom-Vizechefs Vitali Markelow. Zu diesem Zeitpunkt war die über Nord Stream 1 gelieferte tägliche Gasmenge bereits auf 20 Prozent der Gesamtleistung zurückgegangen. Markelow erklärte, die Reduzierung sei auf technische Probleme in der Kompressorstation Portowaja zurückzuführen, für die die europäischen Partner verantwortlich seien. Nur eine der sechs Hauptgasverdichteranlagen [auch als Gasturbine bezeichnet, Anm. d. Verf.] der Kompressorstation sowie eine „Hot-Standby-Anlage“ mit derselben Leistung seien betriebsbereit. Diese Situation hänge weitgehend mit den Motoren der Firma Siemens zusammen. Die Verdichteranlagen stammten zwar ursprünglich von der britischen Firma Rolls-Royce, deren Gasturbinengeschäft sei jedoch an Siemens übergegangen. Der Gazprom-Verantwortliche forderte die Partner daher auf, ihre eigenen Probleme so schnell wie möglich zu lösen – dann werde sich die Situation bei den Gaslieferungen auf den europäischen Markt sofort normalisieren.

    Im Detail erklärte Markelow, das Unternehmen habe bereits im Dezember 2021 eine der Verdichteranlagen nach Kanada zu einer geplanten Generalüberholung bei Siemens Energy geschickt. Die Rückkehr der Turbine sei im Mai 2022 erwartet worden. Sie sei jedoch aufgrund antirussischer Sanktionen nicht nach Russland, sondern am 17. Juli 2022 mit einer kanadischen Ausnahmegenehmigung nach Deutschland gesendet worden – was nicht den Vertragsbedingungen entspräche. Wäre die Lieferung – wie ursprünglich vorgesehen – direkt von Kanada nach Russland erfolgt, hätte Gazprom die Auswirkungen der Sanktionen der Europäischen Union nicht bewerten und mögliche Risiken im Zusammenhang mit der Beschlagnahmung und Einbehaltung des Triebwerks auf dem Gebiet der EU-Länder nicht berücksichtigen müssen. Weil das englische Unternehmen Industrial Turbine Company Limited, das zu Siemens gehört, der vertragliche Lieferant der Turbinen sei, wäre Gazprom gezwungen, auch die bereits von Großbritannien verhängten Sanktionsbeschränkungen zu bewerten.

    Da die kanadische Ausnahmegenehmigung nur für den Transport der Turbine nach Deutschland – und nicht nach Russland – gelte, gehe Gazprom davon aus, dass die kanadischen Behörden bei einer Weiterleitung nach Russland einen Verstoß oder eine Umgehung ihrer Auflage sehen könnten. Auf dieser Grundlage könnten die bereits erteilten Genehmigungen widerrufen werden, was weitere Reparaturen der Triebwerke auf kanadischem Gebiet unmöglich machen würde, erklärte Markelow weiter. Zudem ständen Gasturbinen auf der gegen Russland gerichteten EU-Sanktionsliste. Um die beschriebenen Risiken auszuschließen, seien daher eine offizielle Klarstellung und eine Genehmigung seitens der Behörden der EU und Großbritanniens erforderlich, die eine Generalüberholung und technische Wartung aller Triebwerke zulassen würden, die in der Kompressorstation Portowaja zum Einsatz kämen.

    Aus den von deutschen Behörden vorgelegten Unterlagen gehe in keiner Weise hervor, ob Siemens Energy unter den geltenden Sanktionen der EU und Großbritanniens Reparaturen und Wartungsarbeiten an anderen Turbinen durchführen kann, so Markelow. Seit April 2022 stehe eine weitere Verdichteranlage zur Auslieferung an das Siemens-Werk in Kanada bereit. Darüber hinaus hätten zwei weitere Turbinen bereits im Juni und Juli ihre Betriebsdauer bis zur nächsten geplanten Überholung erreicht. Deshalb habe die russische Aufsichtsbehörde Gazprom verwarnt, wonach der Betrieb nach Erreichen der Betriebsstunden bis zur nächsten Überholung untersagt sei.
    Siemens hat technische Mängel nicht behoben

    Neben diesen rechtlichen Problemen rund um die turnusmäßige Wartung sei es laut Markelow im Mai und Juni 2022 zu elf Notausfällen an zwei weiteren Hauptgasverdichteranlagen sowie einer kleineren Turbine in der Kompressorstation Portowaja gekommen. Diese Turbinen befänden sich daher im erzwungenen Stillstand. Eine Aufhebung der Einschränkungen durch die russische Aufsichtsbehörde sei nur zulässig, wenn Siemens-Fachkräfte die Mängel beheben. Gazprom habe zehn Schreiben an die russische Vertretung von Siemens bezüglich dieser Mängel versendet, die Firma habe jedoch nicht mehr als ein Viertel davon behoben. Der Gazprom-Manager wies darauf hin, dass Siemens keinerlei Zugangsbeschränkungen zur Kompressorstation Portowaja habe. Gazprom würde „mit Spannung“ die Ankunft der Siemens-Fachleute an der Kompressorstation erwarten.

    Interfax berichtete, die Pressestelle von Siemens Energy habe zu Markelows Äußerung erklärt, man habe bislang keine Meldungen über Störungen von Gazprom erhalten und man habe keinen Zugang zu den Turbinen vor Ort. Siemens müsse daher davon ausgehen, dass die Turbinen normal funktionieren.

    Um die Aussagen Markelows zu belegen, veröffentlichte Gazprom daraufhin fünf der Schreiben an Siemens sowie die Anordnung und Verwarnung der russischen Aufsichtsbehörde. Aus den Dokumenten geht hervor, dass Gazprom im Zeitraum 8. Juni bis 4. Juli 2022 die Siemens-Niederlassung in Russland mehrfach über technische Probleme und darauffolgende Abschaltungen von Turbinen in der Kompressorstation Portowaja sowie über die Anordnung der russischen Aufsichtsbehörde unterrichtet hat. Die in den Unterlagen angegebenen Zeiträume stimmen mit der jeweiligen Reduktion der Gasflüsse bis Anfang Juli 2022 in Abbildung 1 überein. Bis auf die bereits benannte Behauptung, man wisse nichts von Meldungen über Störungen, hat Siemens nicht auf die von Gazprom veröffentlichte Korrespondenz reagiert.

    Auch wenn dies kein Beleg für die Untätigkeit von Siemens ist, hatte das Unternehmen bereits am 12. Mai 2022 angekündigt, sich aufgrund des Krieges in der Ukraine aus dem russischen Markt zurückzuziehen. Siemens habe Maßnahmen eingeleitet, um das gesamte Industriegeschäft in Russland abzuwickeln. Am 16. November 2022 verkündete das Unternehmen, den Verkauf einer 65-prozentigen Beteiligung an Siemens Gas Turbine Technologies abgeschlossen zu haben. Zudem sei ein Werk im russischen Woronesch verkauft worden.
    Die Reaktionen der Bundesregierung

    Aus einer Anhörung des Ständigen Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten und internationale Entwicklung des kanadischen Unterhauses (FAAE) im Oktober 2022 geht hervor, dass die deutsche Bundesregierung bereits früh von den Auswirkungen der in Kanada sanktionierten Turbine auf die russischen Gaslieferungen wusste. Der Geschäftsführer von Siemens Energy in Kanada, Arne Wohlschlegel, sagte vor dem Gremium aus, die deutsche Regierung habe der Siemens Energy-Zentrale im Mai 2022 mitgeteilt, dass Gazprom darauf hingewiesen habe, dass die fortgesetzte Blockade der Rückgabe der Turbine den weiteren Betrieb der Pipeline im Herbst des Jahres verhindern würde. Daraufhin habe sein Unternehmen beim kanadischen Außenministerium beantragt, die Turbine freizugeben.

    Aus einer weiteren Anhörung des FAAE im August 2022 geht hervor, dass sich Wirtschaftsminister Robert Habeck erst am 7. Juli 2022 mit der Bitte an die kanadische Regierung gewandt hat, die Freigabe der Gasturbine zu genehmigen und deren Versand nach Deutschland zu ermöglichen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Gazprom die über Nord Stream 1 gelieferte Gasmenge bereits seit über drei Wochen auf 40 Prozent reduziert. Am 17. Juli 2022 wurde die Turbine schließlich von Kanada nach Deutschland gesendet.

    Am 3. August 2022 ließ sich der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden von Siemens Energy demonstrativ vor der Gasturbine in einem Siemens-Werk in Mülheim an der Ruhr in Nordrhein-Westfalen ablichten. In der zugehörigen Pressekonferenz erklärte Scholz, es liege an Russland, die Turbine in Empfang zu nehmen. Weder der Import der Turbine nach Europa noch ihr Export nach Russland seien von den Sanktionen betroffen. Die Einschränkungen der Gaslieferungen seien folglich nicht durch die Sanktionen gegen Russland verursacht. Zudem gäbe es keine technischen Gründe für die Lieferreduzierungen und es stünden neben Nord Stream 1 genügend Pipeline-Kapazitäten bereit.

    Zu den technischen Probleme an den übrigen Turbinen, die Gazprom an Siemens Energy gemeldet hatte, sowie der zögerlichen Haltung von Gazprom, nach der Sanktionierung der Gasturbine in Kanada weitere Turbinen zur Überholung an das kanadische Werk von Siemens zu liefern, äußerte sich der Kanzler nicht. Auch zum Angebot des russischen Präsidenten, die fehlenden Gasmengen über die bereitstehende Nord Stream 2-Pipeline zu liefern, schwieg Scholz.

    Ähnlich einseitig fiel die Reaktion des damaligen Wirtschaftsministers Habeck aus, als Gazprom Mitte Juni 2022 die Gaslieferungen über Nord Stream 1 auf 40 Prozent der üblichen Leistung reduzierte. So sagte er am 15. Juni 2022 lediglich, die Begründung der russischen Seite für die fehlenden Gasmengen sei „schlicht vorgeschoben“. Es sei „offenkundig die Strategie, zu verunsichern und die Preise hochzutreiben“. Einen Beleg nannte Habeck nicht. Auch in nachfolgenden Pressemitteilungen des Wirtschaftsministeriums hieß es wiederholt, dass einer vollen Auslastung von Nord Stream 1 technisch nichts entgegenstehe – jeweils ohne auf die Einwände der russischen Seite einzugehen.

    Auf die Frage eines Abgeordneten der Partei Die Linke am 15. August 2022, in welchem Zusammenhang die von Gazprom veröffentlichten Mängel mit der von Kanzler Scholz in Mülheim an der Ruhr besichtigten Gasturbine stehen, antwortete der damalige Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Patrick Graichen am 19. August 2022, die Schriftstücke beträfen ebendiese in den Medien erwähnte Gasturbine der Firma Siemens Energy. Bei den Dokumenten handele es sich um Korrespondenz zwischen russischen Unternehmen und weiteren Beteiligten sowie Siemens Energy, in die die Bundesregierung nicht eingebunden sei.

    Die Aussage von Graichen, dass es in den Mängelbeschreibungen von Gazprom um die in Kanada überholte und aufgrund von kanadischen Sanktionen verspätet nach Deutschland gesendete Gasturbine ging, ist jedoch falsch. Die von Gazprom beschriebenen Mängel beziehen sich ausschließlich auf Turbinen, die in der Kompressorstation Portowaja im Betrieb waren. Zudem waren die Schreiben von Gazprom an Siemens Energy zum Zeitpunkt von Graichens Aussage bereits drei Wochen öffentlich zugänglich.
    Das Ende der Gaslieferungen über Nord Stream 1

    Am 2. September 2022 meldete Interfax, dass bei der Wartung der einzigen noch in Betrieb befindlichen Turbine von Nord Stream 1 ein Ölleck festgestellt wurde. Die Wartung sei gemeinsam mit Vertretern der Firma Siemens durchgeführt worden. Das Protokoll über die Feststellung des Ölaustritts sei auch von Vertretern des deutschen Unternehmens unterzeichnet worden.

    Öllecks seien zuvor auch an drei weiteren Turbinen der Kompressorstation Portowaja festgestellt worden. Nach Angaben von Siemens sei eine vollständige Behebung dieser Mängel nur in einer spezialisierten Reparaturwerkstatt möglich. Gazprom werde die Leitung nicht in Betrieb nehmen, solange die Defekte nicht behoben seien. Die russische Aufsichtsbehörde habe den Betrieb untersagt. Der Vorstandsvorsitzende von Siemens Energy, Christian Bruch, sei über die Notwendigkeit der Behebung der Mängel informiert worden, so Interfax.

    Siemens Energy widersprach kurz darauf der Darstellung von Gazprom. Bis auf Weiteres gelte die Einschätzung von Siemens, dass der mitgeteilte Befund keinen technischen Grund für eine Einstellung des Betriebs darstelle. Derartige Leckagen würden im Normalfall den Betrieb einer Turbine nicht beeinträchtigen und könnten vor Ort abgedichtet werden. Auch in der Vergangenheit sei es durch solche Leckagen nicht zum Stillstand des Betriebs gekommen, so das deutsche Unternehmen. Außer der vorangegangenen Behauptung, man wisse trotz der von Gazprom veröffentlichten Schreiben an Siemens nichts von technischen Mängeln an den Turbinen in der Kompressorstation Portowaja, ist dies die einzige öffentlich bekannte Stellungnahme des Unternehmens zu den von Gazprom gemeldeten Mängeln.

    Die Bundesregierung ging auf die Probleme mit den Turbinen in der Kompressorstation nicht ein. In einer Pressemitteilung vom 21. September 2022 erklärte das Wirtschaftsministerium, die Gaslieferungen seien „als Teil von Russlands Wirtschaftskrieg gegen Europa“ seit dem 31. August 2022 komplett gestoppt worden. In einer Regierungserklärung betonte Bundeskanzler Scholz am 20. Oktober 2022, Putin setze „Energie als Waffe“ ein. Lange vor der Zerstörung der Nord Stream-Pipelines habe Russland bereits seine Lieferung über Nord Stream 1 „ohne nachvollziehbaren Grund“ eingestellt.
    Alternative Wege für russisches Gas

    Bereits in einer Interfax-Meldung zur Reduzierung der Gaslieferungen über Nord Stream 1 auf 40 Prozent Mitte Juni 2022 wurde von russischer Seite darauf hingewiesen, dass eine Lieferung der fehlenden Mengen nach Deutschland über andere Pipelines nicht möglich sei. Die Regierung in Kiew habe die Annahme von russischem Gas für den Transit aufgrund höherer Gewalt eingeschränkt. Des Weiteren sei die Nutzung der Kapazitäten der Gaspipeline Jamal-Europa durch Polen aufgrund russischer Sanktionen untersagt.
    Auch Putin hatte in seiner Stellungnahme vom 19. Juli 2022 deutlich gemacht, dass ein Transport von fehlenden Gasmengen über die Ukraine aufgrund der Stilllegung einer Pipeline aus „politischen Gründen“ sowie über die Jamal-Europa-Pipeline aufgrund von polnischen Sanktionen nicht möglich sei.

    Die russischen Gaslieferungen über die durch Weißrussland und Polen nach Deutschland führende Jamal-Europa-Pipeline gingen bereits seit Sommer 2021 deutlich zurück. Grund dafür waren jedoch zunächst weder technische Probleme noch Sanktionen. Gazprom lieferte schlichtweg über diesen Weg weniger Gas für den europäischen Spotmarkt, hielt seine langfristigen Lieferverträge jedoch ein. Das Unternehmen begründete seine Strategie, auf langfristige Lieferverträge zu setzen, mit größeren Sicherheiten für Anbieter und Kunden.

    Am 26. April 2022 sanktionierte die polnische Regierung die russische Beteiligung am Unternehmen EuRoPol Gaz, dem Betreiber der Pipeline Jamal-Europa. Gazprom war zu 48 Prozent Eigentümer des Unternehmens. Am 11. Mai 2022 verhängte die russische Regierung ihrerseits Sanktionen gegen EuRoPol Gaz, das zu 48 Prozent dem staatlichen polnischen Öl- und Gasunternehmen PGNiG sowie zu vier Prozent dem polnischen Energieunternehmen Gas-Trading gehörte. Einen Tag später bestätigte Gazprom, dass die russischen Sanktionen das Unternehmen daran hinderten, Gas über diese Pipeline zu transportieren.

    Streng genommen waren es also die Sanktionen des Kremls, die Gazprom daran hinderten, die reduzierten Gasmengen über Jamal-Europa zu kompensieren. Vorausgegangen waren jedoch polnische Sanktionen gegen Gazprom. Es ist nicht bekannt, dass die deutsche Regierung die polnische Regierung aufgefordert hätte, die Sanktionen gegen Gazprom aufzuheben. Das wäre jedoch ein notwendiger Schritt gewesen, damit die russische Regierung ihrerseits Sanktionen gegen den Betreiber der Pipeline aufheben und Gazprom fehlende Gasmengen über diesen Weg nach Deutschland hätte liefern können.
    Gastransit über die Ukraine-Route

    Seit der Inbetriebnahme von Nord Stream 1 im November 2011 gingen die Mengen an russischem Gas zurück, das über die Ukraine Deutschland erreichte. Da die von der Ukraine bis nach Deutschland führende Transgas-Pipeline auch mit Gas über Nord Stream 1 gespeist wurde, lassen sich die über die Ukraine transportierten Mengen anhand der vom Verband Europäischer Fernleitungsnetzbetreiber für Gas (ENTSO-G) angegebenen Daten nicht genau beziffern.

    Auffällig ist jedoch, dass die über Transgas nach Deutschland eingespeisten Gasmengen zeitgleich mit der Reduzierung über Nord Stream 1 zurückgegangen sind. Noch deutlicher wird die Abhängigkeit der Transgas-Lieferung von Nord Stream 1 während der zehntägigen turnusmäßigen Wartungsarbeiten an der Ostseepipeline: Als aus diesem Grund die Lieferungen vom 11. bis 20. Juni über Nord Stream 1 komplett eingestellt wurden, gingen auch die über Transgas gelieferten Mengen auf Null zurück. Offenbar ist spätestens seit Anfang 2022 gar kein russisches Gas mehr über die Ukraine nach Deutschland gelangt.

    Putin zufolge stand einer Kompensation der fehlenden Gasmengen über Nord Stream 1 über diesen Weg die Abschaltung einer Transit-Pipeline durch die Ukraine entgegen. Tatsächlich meldete der staatliche ukrainische Gasnetzbetreiber GTSOU am 10. Mai 2022, dass sich Teile seiner Anlagen in Gebieten befänden, die von russischen Truppen kontrolliert werden. Da die Eingriffe der Besatzungstruppen die Stabilität und Sicherheit des gesamten ukrainischen Gastransportsystems gefährdeten, kündigte das Unternehmen an, dass ab dem 11. Mai 2022 am Verbindungspunkt Sochranowka keine Gasabnahme in das ukrainische Fernleitungsnetz mehr erfolgen werde. Um die Transitverpflichtungen gegenüber den europäischen Partnern vollständig und gemäß den Vertragsbedingungen zu erfüllen, bestehe die Möglichkeit, die nicht verfügbaren Kapazitäten vom Verbindungspunkt Sochranowka auf den Verbindungspunkt Sudscha zu verlagern. Dieser befinde sich auf von der Ukraine kontrolliertem Gebiet, erklärte das staatliche Unternehmen.

    Aus der Grafik zu dieser Meldung geht hervor, dass die Kapazität am Verbindungspunkt Sochranowka 32,6 Millionen Kubikmeter pro Tag und die Kapazität am Verbindungspunkt Sudscha 77,0 Millionen Kubikmeter pro Tag betrug. Am 11. Mai 2022 wies GTSOU darauf hin, dass die maximale Kapazität am Verbindungspunkt Sudscha 244 Millionen Kubikmeter pro Tag betrage. Gemäß dem bestehenden Transitabkommen für den Zeitraum 2020 bis 2025 habe die vertraglich vereinbarte Kapazität am Knotenpunkt Sudscha bei 150,7 Millionen Kubikmeter pro Tag gelegen.

    Ein Sprecher von Gazprom nahm noch am 10. Mai 2022 dazu Stellung. Der russische Gaslieferant bestritt die Gründe, aus denen sich der ukrainische Gasnetzbetreiber zur Abschaltung des Verbindungspunktes Sochranowka gezwungen sah. Eine Umleitung der über Sochranowka bisher eingespeisten Mengen auf die Gasverteilungsstation Sudscha sei zudem „auf Grundlage des russischen Flussdiagramms technisch unmöglich“. Die Verteilung der Mengen sei in einer Kooperationsvereinbarung vom 30. Dezember 2019 klar festgelegt.

    Dieser Vertrag ist zwar öffentlich nicht zugänglich, es ist jedoch nichts bekannt, was den ursprünglich von GTSOU angegebenen Kapazitäten von 32,6 Millionen Kubikmetern pro Tag am Verbindungspunkt Sochranowka und 77 Millionen am Verbindungspunkt Sudscha grundsätzlich widerspricht. Zudem lässt sich keine russische Quelle finden, welche die maximale Kapazität von 244 Kubikmetern pro Tag beziehungsweise eine vertraglich vereinbarte Kapazität von 150,7 Millionen Kubikmetern pro Tag an dem Verbindungspunkt Sudscha bestätigen. Sämtliche diesbezügliche Informationen, die in westlichen Analysen oder Medien genannt werden, beziehen sich auf die Angaben des staatlichen ukrainischen Gasnetzbetreibers.

    Während der Transport laut einer Interfax-Meldung vom 11. Mai 2022 über den Verbindungspunkt Sudscha noch bei 72 Millionen Kubikmetern Gas pro Tag lag, ging er in der Folgezeit zurück, anstatt zu steigen. Am 15. Juni 2022 lag er nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur nur noch bei knapp 42 Millionen Kubikmetern pro Tag. In der Meldung heißt es, ein Sprecher von Gazprom habe gegenüber Journalisten erklärt, sein Unternehmen liefere russisches Gas für den Transit durch das Gebiet der Ukraine in der von der ukrainischen Seite über die Gasmessstation Sudscha bestätigten Menge. Eine Analyse der Columbia Universität in New York bestätigt, dass die sinkenden Einspeisemengen am Verbindungspunkt Sudscha im Laufe des Jahres 2022 nicht auf Störungen im Zuge des Krieges in der Ukraine zurückzuführen sind, sondern größtenteils auf die Bestellungen der verbleibenden europäischen Kunden von Gazprom.
    Schiedsverfahren gegen Gazprom

    Nord Stream 1 hatte eine maximale Kapazität von 167 Millionen Kubikmetern Gas pro Tag. Über Sudscha hätten ab Mitte Juni 2022, als die Lieferung über die Ostseepipelines auf 40 Prozent reduziert wurde, rein rechnerisch mindestens 35 Millionen Kubikmeter pro Tag nach Deutschland geliefert werden können. Damit hätte ein Teil der fehlenden Mengen kompensiert werden können. Doch trotz der wiederholten Aussage des damaligen Bundeskanzlers Scholz, Gazprom könne die fehlenden Mengen über die Ukraine liefern, lässt sich keine öffentlich zugängliche Quelle finden, die bestätigt, dass sich die deutsche Bundesregierung in Kiew für eine Erhöhung des Transports russischen Gases über Sudscha oder für die Wiedereröffnung des Verbindungspunkts Sochranowka eingesetzt hätte. Es lässt sich zudem keine öffentlich zugängliche Quelle finden, die bestätigt, dass das deutsche Gasunternehmen Uniper bei Gazprom beantragt hat, die fehlenden Mengen über die Ukraine zu liefern.

    Stattdessen hat Uniper zusammen mit dem deutschen Unternehmen Methanhandel GmbH (Metha) ein Schiedsverfahren gegen Gazprom vor einem Gericht in Stockholm eingeleitet, um einen Schadenersatz für die nicht über Nord Stream 1 gelieferten Gasmengen zu erwirken. Die Ersatzbeschaffung von Gas habe das Unternehmen bis Ende November 2022 rund 12 Milliarden Euro gekostet. Der Vorstand von Uniper habe zudem eine möglichst weitgehende Trennung vom russischen Geschäftsbereich beschlossen. Mitte Juni 2024 meldete das Unternehmen, das Schiedsgericht habe Uniper das Recht zugesprochen, seine langfristigen Gaslieferverträge zu kündigen, sowie Schadenersatz in Höhe von mehr als 13 Milliarden Euro wegen nicht erbrachter Gaslieferungen zu fordern.

    Gazprom strebte seinerseits ein Verfahren vor einem russischen Schiedsgericht an. Sowohl in erster als auch in zweiter Instanz untersagten die russischen Richter den Unternehmen Uniper und Metha, das Ad-hoc-Schiedsverfahren in Stockholm fortzusetzen. Die Schiedsvereinbarung sei nicht durchsetzbar, da Gazprom restriktiven Maßnahmen ausländischer Staaten unterliege. Gazprom könne daher de facto nur in Russland Rechtsschutz in Anspruch nehmen. Im Falle der Nichtbefolgung des Beschlusses drohte das Gericht den beiden Unternehmen mit Strafen in Höhe der geforderten Schadensersatzsumme.
    LNG- und Öllieferungen aus Russland

    Fortgesetzte russische Gaslieferungen mittels LNG (Liquefied Natural Gas – Flüssigerdgas) sowie Öllieferungen via Pipeline in die EU widersprechen dem Narrativ der Bundesregierung, die russische Regierung hätte mit Energiekürzungen Europa spalten oder die Preise in die Höhe treiben wollen. Während die Gaslieferungen über Nord Stream 1 im Jahr 2022 zurückgegangen sind, hat Russland seinen LNG-Export in die EU im selben Zeitraum leicht gesteigert.

    Abbildung 2: Russische Gaslieferungen in die EU in Billionen Kubikmetern, Datenquelle: European Union Agency for the Cooperation of Energy Regulators (ACER)

    Russische Öllieferungen nach Deutschland und in die EU sind zwar seit 2022 deutlich zurückgegangen, dies liegt jedoch nicht an Kürzungen durch Russland, sondern ausschließlich an den Sanktionen der EU sowie dem Importstopp von russischem Öl via Pipeline durch die Bundesregierung.
    Fazit

    Folgt man der Berichterstattung in Deutschland wie beispielsweise der Tagesschau, der Zeit, der Welt, dem Spiegel oder der Süddeutschen Zeitung, dann bleibt unweigerlich der Eindruck zurück, die russische Regierung habe die Gaslieferungen über Nord Stream 1 absichtlich verringert, um Unruhe zu stiften, die Preise hochzutreiben, Deutschland anzugreifen und zu spalten. Im Zentrum dieser Aussagen tauchen hauptsächlich zwei Personen auf: der ehemalige deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck sowie der ehemalige deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz.

    Schließt man bei der Recherche jedoch auch russische und weitere internationale Medien ein, entsteht ein deutlich differenzierteres, in großen Teilen entgegengesetztes Bild. Darin zeigt sich, dass Habeck erst im Juli 2022 bei der kanadischen Regierung intervenierte, um eine Ausnahmegenehmigung für die in Kanada sanktionierte Gasturbine zur erwirken – zwei Monate, nachdem die Bundesregierung von erwartbaren Lieferreduzierungen aufgrund der kanadischen Sanktionen wusste, sowie einen Monat nach dem Beginn der Verringerung der Lieferungen über Nord Stream 1. Kanzler Scholz wiederum, der wiederholt betonte, Russland könne fehlende Gaslieferungen über andere Pipelines kompensieren, setzte sich bei den Regierungen Polens und der Ukraine nicht dafür ein, dass diese Gastrassen auch genutzt werden konnten.

    Deutlich wird zudem, dass die Bundesregierung die Meldungen von Gazprom an Siemens Energy hinsichtlich der Mängel an Turbinen, die sich in Betrieb befanden, ignoriert hat. Dies geht so weit, dass Staatssekretär Patrick Graichen die Inhalte der Meldungen entweder nicht kannte oder diese bewusst vor dem Bundestag falsch darstellte. Die Bundesregierung verbreitete das verkürzte Narrativ, die Lieferprobleme hingen einzig mit der in Kanada sanktionierten Turbine zusammen. Deutschland habe alles unternommen, um die Turbine an Russland zu liefern. Damit seien alle Begründungen Russlands für die Reduzierung vorgeschoben.

    Auch zur Rolle von Siemens Energy bleiben Fragen. Die Aussage, das Unternehmen hätte nichts von Störungen bei den Turbinen in der Kompressorstation Portowaja gewusst, steht angesichts der von Gazprom veröffentlichten Schreiben in Zweifel. Siemens nahm auch im Nachhinein keine Stellung zu den Schreiben.

    Dem fraglichen Narrativ der Bundesregierung steht schlussendlich die Frage entgegen, warum sie nicht Nord Stream 2 – zumindest vorübergehend – in Betrieb nahm, um die reduzierten Gaslieferungen aus Russland zu kompensieren. Putin hatte dies öffentlich angeboten, die Pipeline war einsatzbereit und die entsprechenden Fehlmengen waren zumindest zum Teil bereits von Gazprom eingeplant.

    Die Begründung der Bundesregierung erscheint unplausibel – sofern eine Sicherung der Energieversorgung tatsächlich handlungsleitend gewesen sein soll. Auf die Frage beispielsweise, warum man die neue Ostsee-Gastrasse nicht in Betrieb nehme, um den Wegfall des Verbindungspunkts Sochranowka in der Ukraine am 11. Mai 2022 zu kompensieren, hieß es aus dem Wirtschaftsministerium lediglich, Nord Stream 2 sei nach dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine „wirklich gestorben“.

    Auch die Steigerung der russischen LNG-Lieferungen in die EU im Laufe des Jahres 2022 sowie die fortgesetzten russischen Öllieferungen widersprechen dem Narrativ der Bundesregierung deutlich.

    Über den Autor: Karsten Montag, Jahrgang 1968, hat Maschinenbau an der RWTH Aachen, Philosophie, Geschichte und Physik an der Universität in Köln sowie Bildungswissenschaften in Hagen studiert. Er war viele Jahre Mitarbeiter einer gewerkschaftsnahen Unternehmensberatung, zuletzt Abteilungs- und Projektleiter in einer Softwarefirma, die ein Energiedatenmanagement- und Abrechnungssystem für den Energiehandel hergestellt und vertrieben hat.

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    Vom US-/EU-Sanktionsregime gegen Russland zur Entwestlichung Eurasiens (Hannes Hofbauer, 13.5.2023)
    „Wir werden dem ein Ende setzen“ (Paul Schreyer, 13.2.2023)
    Die Nord-Stream-Story (Karsten Montag, 28.9.2022)
    Verarmen für die Geopolitik (Karsten Montag, 24.8.2022)
    Die Geopolitik der Energie (Karsten Montag, 23.6.2022)

    #USA #Russie #Pologne #Ukraine #guerre #énergie #gaz #économie #vie_chère

  • #Energie : La double contrainte qui peut faire basculer l’Europe
    ▻https://www.taurillon.org/energie-la-double-contrainte-qui-peut-faire-basculer-l-europe

    Dans les années à venir, l’Union européenne va devoir faire face à une contraction de son approvisionnement énergétique et à une multiplication des crises climatiques : la « double contrainte carbone ». Reste désormais à savoir si elle la subit, ou si elle en fait le fondement d’un autre modèle : celui que le rapport Meadows esquissait déjà en 1972 dans Les Limites à la croissance raisonnant à partir des flux physiques tangibles plutôt que de conventions abstraites. Environnement & Energie

    / #Union_européenne, Energie, #Union_de_l'énergie, #Gaz_naturel

    #Environnement_&_Energie
    ▻https://theshiftproject.org/la-double-contrainte-carbone
    ▻https://iea.blob.core.windows.net/assets/77ecf96c-5f4b-4d0d-9d93-d81b938217cb/World_Energy_Outlook_2018.pdf
    ▻https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/SEPDF/cache/29046.pdf
    ▻https://theconversation.com/a-lechelle-mondiale-aucun-decouplage-a-attendre-entre-pib-et-consom
    ▻https://scholarship.law.columbia.edu/faculty_scholarship/271

  • Un essor préoccupant : les centres de données IA dans l’#espace_alpin

    Les pays alpins ne sont pas épargnés par la vague de l’IA : en avril 2026, la construction d’un centre de données Google a débuté à #Kronstorf / #Autriche ; près de #Grenoble / #France, l’entreprise française #Dataone travaille sur un projet d’une ampleur similaire. La consommation d’#électricité, d’#eau et d’#espace est également colossale.

    Les nouveaux centres de données poussent actuellement comme des champignons. Rien qu’en Suisse, on en compte environ 120, l’agglomération de Zurich étant le principal pôle d’activité. Les critiques portent surtout sur l’ampleur de nombreux projets. Ces derniers favorisent l’imperméabilisation des sols et nécessitent d’énormes quantités d’eau pour refroidir les #serveurs. De plus, la forte augmentation des besoins énergétiques liés à leur fonctionnement soulève des questions. Dès 2024, les centres de données représentaient environ 3 % de la consommation totale d’énergie en Europe, une part qui, selon les expert·e·s, va considérablement augmenter. Le lobbying de #Microsoft et d’autres groupes informatiques a permis d’introduire une #clause_de_confidentialité dans la législation européenne, qui empêche l’accès du public à des informations essentielles sur l’#impact_environnemental de tels projets.

    De l’électricité bon marché, sans EIE (Étude d’Impact sur l’Environnement)

    Un centre de données ouvert en 2026 près de #Trente (#Italie) dans une mine en activité montre qu’il existe une autre solution. Il s’inspire du « #Swiss_Fort_Knox », installé dans d’anciens bunkers militaires à #Kleinmelchtal / CH. Sous terre, l’encombrement et la consommation d’eau pour le refroidissement peuvent être réduits au minimum, mais l’énorme consommation d’énergie reste inchangée. En Suisse, par exemple, les centres de données bénéficient d’une réduction sur le prix de l’électricité, accordée aux gros consommateurs. Un centre de données #Google, qui doit entrer en service en 2027 à Kronstorf/A, n’a pas dû faire l’objet d’une #étude_d’impact sur l’environnement (EIE) malgré ses dimensions gigantesques. « Les responsables politiques devraient enfin réagir et combler ces #lacunes_juridiques », estime Paul Kuncio, juriste spécialisé en droit de l’environnement chez CIPRA International. Dans le contexte de l’essor général de l’IA, les associations environnementales s’accordent à dire que le #cadre_juridique régissant la construction des centres de données doit être renforcé afin de limiter leur impact sur l’environnement.

    Sources et informations complémentaires :

    www.derstandard.at/story/3000000338882/google-in-kronstorf-was-ueber-den-ressourcenverbrauch-bekannt-ist-und-was-nicht (de), ▻https://suedtirol.orf.at/stories/3359811 (de), ▻https://mag.unitn.it/innovazione/121852/i-dati-sotto-la-montagna (it), www.investigate-europe.eu/posts/big-tech-data-centres-secrecy-eu-law-environment-footprint (en), www.ilpost.it/2026/07/05/data-center-espansione-italia/ (de), www.wwf.at/google-rechenzentrum-ohne-uvp-wwf-fordert-rasche-gesetzesreform/ (de), ►https://science.orf.at/stories/3236394 (de), www.zeit.de/2026/20/rechenzentren-ki-stromverbrauch-wasser-abwaerme (de), www.hebdo-ardeche.fr/un-datacenter-va-se-construire-a-valence/ (fr), ▻https://france3-regions.franceinfo.fr/auvergne-rhone-alpes/isere/grenoble/datacenter-geant-pres-de-grenoble-on-ne-s-occupe-que-de-f (fr), www.rts.ch/info/economie/2026/article/entre-crainte-ecologique-et-opportunite-economique-l-expansion-des-datacenters-en-suisse-interroge-29235422.html (fr), ▻https://data-center-map.com (en), www.eulisa.europa.eu/our-publications/energy-efficient-data-centres-high-level-overview (en), www.zeit.de/gesellschaft/2026-07/rechenzentren-schweiz-stromverbrauch-widerstand-alpenpodcast (de), www.tagesanzeiger.ch/rechenzentren-schweiz-mehr-transparenz-gefordert-721815335486 (de) ▻https://algorithmwatch.ch/de/recherche-rechenzentren-schweiz (de)

    ▻https://www.cipra.org/fr/nouveautes/un-essor-preoccupant-les-centres-de-donnees-ia-dans-lespace-alpin
    #Alpes #montagne #énergie #centres_de_données #data_centers #IA #AI #intelligence_artificielle

  • Di #nucleare, nuovi reattori, possibili catastrofi, vecchie scorie.@0
    ▻https://radioblackout.org/podcast/di-nucleare-nuovi-reattori-possibili-catastrofi-vecchie-scorie

    Torna il nucleare in Italia (come il peggiore degli ex, mentre ancora non ne avevi smaltito le scorie). Il Senato ha approvato una storica legge delega che apre la strada a un nuovo programma nazionale sul cosiddetto “nucleare sostenibile”, “che renderà – come ha detto Gilberto Pichetto Fratin, ministro per la sicurezza energetica – il […]

    #energia #guerra #nocività #riarmo
    ▻https://radioblackout.org/wp-content/uploads/2026/09/intro_nuke.mp3

  • Ritorno al nucleare in Italia
    ▻https://radioblackout.org/2026/09/ritorno-al-nucleare-in-italia

    Mercoledì 23 settembre il Senato ha approvato il disegno di legge sul nucleare presentato dal Consiglio dei ministri all’inizio del 2025, dopo il via libera della Camera a inizio giugno. Si tratta di una legge delega: un provvedimento con cui il parlamento attribuisce al governo la facoltà di legiferare su una materia attraverso uno o […]

    #altavisibilita #L'informazione_di_Blackout #ddl_nucleare #dual_use #energia_nucleare #riarmo #rinnovabili
    ▻https://radioblackout.org/wp-content/uploads/2026/09/ferretti-nucleare.mp3

  • Derrière l’IA et ses #data_centers, une #industrie_minière qui ravage la planète

    Les centres de données indispensables à l’intelligence artificielle nécessitent l’extraction de toujours plus de métaux et terres rares. Une industrie qui détruit, assèche, tue et exploite sur tous les continents, rappelle notre chroniqueuse.

    Le nouveau cliché dans les conférences d’affaires, c’est de présenter les data centers comme « les usines de l’IA », comme le fait par exemple le vice-président du cloud de Microsoft, Scott Guthrie. Il y a quelque chose de rassurant et de banal dans cette description, qui semble renvoyer à une logique élémentaire. Pour avoir des chaussures, il faut des usines de chaussures. Pour avoir des IA génératives, il faudrait investir dans les centres de données.

    Prétendre que le centre de données est l’usine de l’IA revient à nier les réalités hors normes de la chaîne d’approvisionnement du numérique, dont les data centers, avec leurs consommations d’eau et d’électricité aberrantes, ne sont que le dernier maillon. L’IA est, elle aussi, bâtie sur une succession de crimes : les multiples écocides et violations de droits humains qu’accumule de plus en plus vite la production de ces objets extraordinairement voraces.

    Lire aussi : IA : l’une des plus grandes mines de charbon au monde va alimenter d’immenses data centers

    Les centres de données sont d’immenses entrepôts remplis de serveurs informatiques, eux-mêmes composés de cartes électroniques. Elles contiennent une immense diversité de composants associant des dizaines de métaux et minéraux différents, purifiés à plus de 99,9999 % et pouvant avoir nécessité 1 000 produits chimiques différents au cours de leur production.

    Parmi les composants des cartes électroniques figurent les semiconducteurs, des puces qui, avant d’atteindre le stade du produit final, peuvent avoir traversé 80 frontières (voir Anatomie d’une puce, éd. Le Monde à l’envers, 2026).

    Dans le monde des IA, une puce de quelques centimètres carrés comme celles de l’entreprise Nvidia, large leader du marché mondial, peut contenir environ 200 milliards de transistors, de minuscules composants gravés à l’échelle nanométrique. Cet enchâssement d’une densité matérielle inouïe fait des serveurs des centres de données les objets les plus intenses en ressources jamais produits dans l’histoire humaine. Centres de données qui, en plus des serveurs, concentrent des mégawatts de batteries électriques, des systèmes de refroidissement complexes, etc.
    692 000 tonnes de métaux en 2025

    Faire du centre de données l’usine de l’IA, c’est considérer que l’ensemble de ces machines seraient en quelque sorte des matières premières, le produit fini étant par exemple les réponses de ChatGPT. Or les semiconducteurs ne poussent pas dans les prairies, le sous-sol ne contient pas de batteries électriques prêtes à l’emploi.

    Au début de l’été, la revue Resources Policy a publié des estimations de la consommation de métaux pour les centres de données construits pour l’IA générative (▻https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S030142072600142X?via%3Dihub). D’après ces experts miniers étasuniens, ils nécessitaient 692 000 tonnes de métaux en 2025. Et pourraient en consommer 2,6 millions d’ici à 2035.

    Dans son propre rapport publié en 2025, le Forum économique mondial estime la consommation minérale d’un centre de données à environ 70 tonnes de métaux par mégawatt de puissance (▻https://reports.weforum.org/docs/WEF_From_Minerals_to_Megawatts_2025.pdf). Celle-ci peut être multipliée par 3 ou 4 si l’on prend en compte le raccordement électrique et plus encore si le centre dispose d’une production électrique dédiée (turbine à gaz, parc photovoltaïque ou éolien, pile à combustible), selon une publication récente du cabinet anglais de recherche et de conseil Wood Mackenzie (▻https://datacentremagazine.com/news/wood-mackenzie-the-hidden-metals-cost-of-data-centres).

    On peut ainsi estimer que les projets de centres de données lancés en région parisienne et dans le Nord, qui nécessitent au total une puissance électrique de 13 GW, nécessiteraient près de 100 000 tonnes de métaux.

    Que signifient ces chiffres ? Quelles réalités recouvrent-ils dans les zones d’extraction minière ?

    Les centres de données ne pourraient exister sans terres rares, ces dix-sept substances minérales utilisées à l’échelle du milligramme ou intégrés à des alliages complexes dans les objets high-tech. Pour n’en citer que deux : le terbium, présent dans les aimants des cartes électroniques et les semiconducteurs ; le dysprosium, qui contribue à la stabilité thermique des disques durs.
    Milices armées, peuples chassés, terres polluées

    La Chine, qui commercialise la majorité des terres rares vendues au monde, importe l’essentiel du minerai depuis la Birmanie. Depuis une dizaine d’années, les régions du Shan et du Kachin ont sombré dans un état de guerre opposant les peuples de ces collines aux entrepreneurs chinois et à leurs milices.

    Ceux-ci ont pris possession de terres ancestrales de chasse et de cueillette, coupé les arbres et installé des camps miniers. Pour extraire le minerai, en pleine forêt tropicale, de l’acide et des produits chimiques sont injectés à l’intérieur même de la roche pour dissoudre les substances recherchées. Elles sont canalisées vers des bassins à ciel ouvert où les solutions métalliques sont extraites au moyen d’autres produits chimiques.

    D’après une enquête menée par l’ONG anglaise Global Witness, les mines de terbium et de dysprosium ont contaminé les cours d’eau sur des centaines de kilomètres, jusqu’au nord de la #Thaïlande (▻https://globalwitness.org/en/campaigns/transition-minerals/fuelling-the-future-poisoning-the-present-myanmars-rare-earth-boom). En 2025, on dénombrait en Birmanie plus de 500 sites d’extraction, ouverts sur les terres des communautés autochtones grâce à des #milices_armées soutenues par la Chine.

    L’article de Resources Policy estime que la demande en terres rares pour les centres de données pourrait tripler d’ici à 2028 (passant de 13 à 39 tonnes). Comment se présente l’alternative occidentale à cette extraction chinoise ? En juin 2026, le géant de l’électricité français #Schneider s’est associé à l’entreprise #Torngat_Metals pour exploiter des gisements de dysprosium et de terbium sur des terres autochtones, à 1 000 kilomètres au nord de Montréal, menaçant les #lacs de pêche aux eaux cristallines des #Innus, des #Inuits et des #Naskapis.

    Ces gisements de terres rares sont si radioactifs que l’entreprise# Orano (qui s’appelait alors #Areva) les convoitait dans les années 2010 pour en faire des mines d’#uranium, avant qu’un mouvement à l’échelle du Québec ne mette fin au projet (▻https://mpda.ca/areva-leaves-nunavut-after-uranium-project-rejection). Le projet #Torngat est contesté par plusieurs communautés autochtones, mais les acteurs économiques occidentaux semblent prêts à tout pour contourner les monopoles chinois.

    Le #cuivre, métal de la soif

    Le cuivre, conducteur par excellence, est l’un des principaux métaux utilisés dans les centres de données, dont il permet le raccordement à l’intérieur comme à l’extérieur, au niveau des réseaux. Les entreprises minières de la #Copper_Developement_Association estiment la consommation d’un centre de données à entre 5 000 et 15 000 tonnes (▻https://copper.org/policy/advocacy-campaigns/copperconversations/copperconversations-thought-leadership/copper-is-the-smart-choice-for-high-efficiency-hvacr).

    Pas besoin de voyager très loin pour comprendre que la surconsommation de cuivre pose des problèmes élémentaires de survie. Au sud de l’#Espagne, en #Andalousie, cinq mines de cuivre ont ouvert ces dernières années avec le soutien de la Commission européenne au nom de la #transition_énergétique. Une seule d’entre elles (#Cobre_la_Cruzes) consomme autant d’eau que 66 000 habitants, alors même que cette région est l’une des plus arides d’Europe.

    Recensant les nombreuses #pollutions des eaux irréversibles causées par les entreprises minières de la région ces dernières années, un groupe de recherche de l’université de Séville a exigé un moratoire sur tous les projets d’extraction de cuivre d’Andalousie afin d’éviter « l’#effondrement_hydrique ».

    Si telle est la situation en Espagne, quelle peut-elle être au sud du #Maroc, où une nouvelle mine a ouvert en 2025, malgré un risque de « pénurie d’eau extrême » sur le pays ? Et au #Chili, où les entreprises minières sont accusées de détruire les #glaciers, des #réserves_d’eau à l’échelle continentale ?

    En 2019 déjà, plus de la moitié du cuivre extrait dans le monde provenait de régions en stress hydrique (▻https://research.wu.ac.at/en/publications/increasing-water-use-in-global-copper-production-threatens-freshw).

    À la fin des années 2010, on a constaté que pour satisfaire les présumés besoins en métaux des vingt prochaines années, il faudrait en extraire autant qu’au cours de toute l’histoire de l’humanité (▻https://www.liberation.fr/economie/economie-numerique/on-va-extraire-autant-de-metaux-dans-les-trente-prochaines-annees-que-ce-). En cause, les besoins cumulés de tous les projets industriels, auxquels étaient venus s’ajouter les projets de transition énergétique : véhicules électriques, raccordement des énergies renouvelables.

    La perspective paraissait déjà vertigineuse, criminelle. Et pourtant, c’était avant l’explosion des IA génératives. Elles viennent aujourd’hui démultiplier les projets miniers, tout en accaparant les métaux extraits au nom de la décarbonation. #Amazon est ainsi le premier acheteur mondial d’électricité d’origine renouvelable, qui lui sert à alimenter le cloud.

    Les souffrances, les #violences et les #injustices entraînées par le déploiement de l’IA, sa dimension écocidaire et impériale sont proportionnelles à son intensité matérielle. Dès lors que l’on prend en compte la succession de #crimes sur lesquels repose son #infrastructure, le centre de données s’impose comme une sorte de bombe sanitaire et géostratégique, un mausolée des écocides et des guerres de ce début de XXIe siècle.

    ▻https://reporterre.net/Derriere-l-IA-et-ses-data-centers-une-industrie-miniere-qui-ravage-la-pl
    #mines #extractivisme #IA #AI #intelligence_artificielle #centres_de_données #infrastructure #environnement #terres_rares #métaux #eau #électricité #énergie #crimes #droits_humains #écocide #semiconducteurs #puces #Nvidia #transistors #batteries #terbium #dysprosium #Birmanie #Shan #Kachin #guerre #forêt_tropicale #acide #produits_chimiques #roche #à_lire

  • Poids moyen d’une voiture : chiffres et impacts à connaître
    ▻https://www.nrmagazine.com/le-poids-moyen-dune-voiture-ce-quil-faut-savoir

    Poids et danger : les chiffres que les constructeurs n’aiment pas
    Les données sont sans appel. Un piéton a deux fois plus de risques d’être tué par un SUV que par une voiture classique lors d’une collision. Chez les enfants, ce surrisque monte à 82 %. Ce n’est pas une opinion : c’est le résultat d’études menées dans plusieurs pays européens, confirmées par l’ICCT et des instituts de sécurité routière indépendants.

    Le mécanisme est physique, irréfutable. L’énergie cinétique lors d’un choc se calcule ainsi : E = ½ × m × v². La masse multiplie directement l’énergie destructrice. Un Institut belge de sécurité routière (Vias) a précisé que le risque de blessures mortelles pour un usager vulnérable augmente de 50 % s’il est heurté par un véhicule de 1 800 kg au lieu d’un véhicule de 1 200 kg. À vitesse égale, le poids tue.

    À 24 km/h, une voiture haute de type SUV a 10,8 % de chances de blesser un piéton en cas de choc. À 56 km/h, cette probabilité monte à 90,5 %, contre 51,8 % pour une voiture basse classique. Cette différence monumentale explique pourquoi plusieurs villes européennes débattent désormais de péages urbains différenciés selon la masse du véhicule.

    • Youtube :

      Pour cette rentrée de Fréquence Populaire, Jacques Sapir revient pour une grande analyse de la situation #géopolitique et économique mondiale.

      Six mois après le début du conflit avec l’ #Iran, le détroit d’ #Ormuz reste de facto largement bloqué et ses conséquences commencent désormais à se faire sentir directement sur nos économies : pétrole, diesel, kérosène, gaz, engrais, industrie chimique… Pour Jacques Sapir, nous entrons précisément dans la période où le choc énergétique risque de frapper durement la France et l’ #Europe.

      Nous revenons également sur la guerre en #Ukraine, la stratégie des États-Unis et de l’ #OTAN face à la #Russie, les bouleversements en cours au #Moyen-Orient et la recomposition des alliances internationales.

      Mais surtout : quelles conséquences pour la #France ?

      Croissance en berne, économie allemande en difficulté, prix de l’ #énergie, #inflation, #consommation, #déficit et dette publique… Jacques Sapir dresse une radiographie sans concession de la situation économique française et européenne à l’approche d’un hiver qui pourrait s’avérer particulièrement difficile.

      Au programme :

      ➡️ Le conflit avec l’Iran et le blocage du détroit d’Ormuz
      ➡️ Les conséquences sur le pétrole, le diesel, le #gaz et l’industrie
      ➡️ La guerre en #Ukraine et le rapport de force entre la Russie et l’OTAN
      ➡️ Le recul de l’influence américaine au Moyen-Orient
      ➡️ Les difficultés croissantes de l’économie allemande
      ➡️ Le risque de récession en France et en Europe
      ➡️ La dette française est-elle réellement au bord de la crise ?
      ➡️ Quels choix économiques pour les mois et les années à venir ?

  • Réchauffement climatique : sur Arte, le choix conscient des élites de nous guider dans le mur mis en lumière par un documentaire
    ▻https://www.sudouest.fr/environnement/climat/rechauffement-climatique/rechauffement-climatique-sur-arte-le-choix-conscient-des-elites-de-nous-gui

    Le 8 septembre, à 21 heures, Arte diffuse les trois épisodes de « Fuck la planète », une enquête implacable sur la guerre menée par l’industrie et sur le cynisme des politiques face aux alertes scientifiques qui se succèdent sur le réchauffement climatique

    ▻https://justpaste.it/9u32h

  • Der neue Block an der Macht
    ▻https://www.nd-aktuell.de/artikel/1201948.allianz-aus-silicon-valley-wall-street-und-pentagon-der-neue-bloc

    Der Widerstand gegen die Rechenzentren wird in den USA von breiten, parteiübergreifenden Bündnissen getragen. Foto: AFP/Sandy Huffaker

    19.8.2026 von William I. Robinson - Mit der KI-Technologie formiert sich eine unheilvolle Allianz aus Silicon Valley, Wall Street und Pentagon. Aber der Widerstand wächst.

    Die Erstveröffentlichung dieses Artikels erfolgte im US-Online-Magazin Truthout.
    ▻https://truthout.org/articles/the-fight-against-ai-data-centers-is-the-newest-frontier-of-global-class-w

    Der Drang der Big-Tech-Konzerne, den Bau von Rechenzentren voranzutreiben, stößt weltweit auf wachsenden Widerstand. Ob in den USA oder Irland, Chile oder Malaysia – Communitys protestieren gegen Wasserknappheit, explodierende Strompreise, Lärm, Luftverschmutzung und die Zerstörung der Natur. Denn der Kapital- und Energiebedarf für das Training von KI-Modellen und die Bereitstellung von Rechenleistung steigt rasant. Zur Kühlung der Computer werden gigantische Mengen Wasser benötigt. Der KI-Tsunami hat einen weltweiten Wettlauf um Flächen, Energiequellen, seltene Erden und andere kritische Mineralien ausgelöst.

    Die Hyperscale-Anlagen kosten mehr als 100 Milliarden Dollar, verbrauchen mehr als einen Gigawatt Strom, was der Produktion eines AKWs entspricht, und benötigen Tausende Hektar Land. Das schnellste Wachstum bei Rechenzentren verzeichnen China und die USA, gleichzeitig fließen aus beiden Ländern und Europa aber auch Investitionen in andere Regionen. Südostasien ist mit Hubs in Malaysia, Thailand, Vietnam, den Philippinen, Indonesien und Singapur betroffen; in Lateinamerika sind in Mexiko, Brasilien, Chile, Kolumbien und Peru Knotenpunkte entstanden. Im Nahen Osten sind es die Verfügbarkeit billigen Baulands, reiche Ölvorkommen und Milliardensummen aus staatlichen Fonds, die den Bau der Rechenzentren befördern. Saudi-Arabiens 40-Milliarden-Fonds war 2024 der größte KI-Investor.

    Das im Bau befindliche Daten-Center im US-Bundesstaat Utah vermittelt einen Eindruck von den monströsen Ausmaßen der Investitionen. Das Rechenzentrum wird nach Fertigstellung eine Fläche doppelt so groß wie Manhattan bedecken, mehr Strom als der gesamte Bundesstaat Utah verbrauchen und in der von Dürre geplagten Region einen Großteil des Wassers beanspruchen. Einem aktuellen UN-Bericht zufolge wird die globale KI-Entwicklung bis 2030 jährlich 945 Terrawattstunden an Strom und 9,3 Billionen Liter Wasser benötigen – was dem Bedarf von 1,3 Milliarden Menschen entspricht.
    Die »Pax Silica«

    KI vertieft die globalen Akkumulationsnetzwerke und sorgt für eine Verschiebung der Klassen- und Machtverhältnisse. Sie ist eine Grundlagentechnologie – wie Elektrizität oder das Internet breitet sie sich in allen Wirtschaftsbereichen aus. Fast 100 Prozent des US-Wachstums speisten sich vergangenes Jahr aus Investitionen in Digitaltechnologien. Die bereinigten jährlichen Privatinvestitionen in diese Technologien stiegen in den USA von 496 Milliarden US-Dollar im Jahr 2000, über 800 Milliarden US-Dollar 2020 auf 1,5 Billionen US-Dollar dieses Jahr.

    Einiges deutet darauf hin, dass die entstehende Weltordnung der »Pax Silica« Formen des Staatskapitalismus erforderlich macht.

    Auch die Verwendung der KI breitet sich rasant aus. 2024 gaben bei einer Umfrage der Stanford University 78 Prozent der befragten Organisationen an, sie würden KI verwenden. Ein Jahr zuvor waren es noch 55 Prozent gewesen. Die wachsende KI-Abhängigkeit bleibt nicht auf die Kernländer des kapitalistischen Weltsystems beschränkt. Bei der Umfrage lagen die entsprechenden Zahlen bei 72 Prozent für den asiatisch-pazifischen Raum, 80 Prozent für Europa, 75 Prozent für China und 77 Prozent für Länder, die der Stanford-Bericht als »sich entwickelnde Märkte« bezeichnet; darunter Indien, der Nahe Osten und Nordafrika sowie Zentral- und Südamerika.

    Die neuen KI-getriebenen Technologien verändern das Spektrum menschlicher Interaktionen. Viele Unternehmen, Staaten, politische und militärische Institutionen, Schulen und Krankenhäuser hängen inzwischen von ihnen ab. Diese Abhängigkeit verleiht den Tech-Konzernen, Milliardären, Finanziers und Warlords, die die Technologien kontrollieren, enorme strukturelle Macht.

    Die rasante Expansion der Datenzentren ist Fundament des entstehenden Machtblocks des KI-Kapitals. Die neue herrschende Klasse formiert sich als ein Block aus Tech-Konzernen, transnationalem Finanzkapital und dem militärisch-industriell-repressiven Komplex. Anders ausgedrückt: Der neue Machtblock führt Silicon Valley, Wall Street und Pentagon zusammen.

    Die KI-Revolution erweitert die Macht der transnationalen kapitalistischen Klasse und deren strukturelle Macht über die kapitalistischen Staaten. In seiner Abschiedsrede an die Nation warnte der scheidende US-Präsident Joe Biden vor einem »technologisch-industriellen Komplex« und vor einer neu »entstehenden Oligarchie«, die durch »die gefährliche Machtkonzentration in den Händen einiger weniger Superreicher Gestalt annimmt«. Mit dieser Warnung knüpfte Biden an die berühmte Rede von Präsident Dwight Eisenhower aus dem Jahr 1961 an, in der dieser über die Gefahren des »unzulässigen Einflusses des militärisch-industriellen Komplexes« gesprochen hatte.

    Das US-Außenministerium bezeichnet die neue KI-Ordnung als Pax Silica. »Stützte sich das 20. Jahrhundert auf Öl und Stahl, so wird das 21. Jahrhundert von Rechenleistung und den dafür notwendigen Mineralen angetrieben«, erklärte der US-Staatssekretär für Wirtschaft, Jacob Helberg, im Dezember 2025. »Pax Silica« bedeute den Aufbau »globaler Lieferketten«, die eine »historische Chance« eröffnen, »Nachfrage nach Energie, kritischen Mineralien, Fertigung, technologischer Hardware, Infrastruktur« schaffen und »neue, noch nicht erfundene Märkte« hervorbringen sollen. In diesem Sinne leitete die Trump-Regierung eine umfassende Deregulierung der KI ein und versprach, den massiven Ausbau von Rechenzentren zu fördern.
    Neue Runde des Raubbaus

    Angeführt vom neuen hegemonialen Block hat die transnationale kapitalistische Klasse eine neue Runde des Raubbaus und immer extremerer Formen extraktivistischer Akkumulation in Gang gesetzt: Land, Energie und Bodenschätze werden in Besitz genommen, um die Nachfrage der KI-Technologie und der Datenzentren zu decken.

    In den Händen der transnationalen kapitalistischen Klasse ist KI ein Instrument des Klassenkriegs von oben. Sie beschleunigt den Prozess, durch den Arbeit entqualifiziert, prekarisiert oder ganz verdrängt wird. Die Kehrseite der Job-Apokalypse ist die Verelendung der noch benötigten Beschäftigten, einschließlich der KI-Arbeiter*innen selbst. In einer Studie wurde unlängst die Lage derjenigen untersucht, die ChatGPT am Laufen halten. Ihre Löhne waren so niedrig, dass sich einige von ihnen keine Wohnung leisten konnten und obdachlos waren.

    Auch Kriegsführung, Bevölkerungskontrolle und Repression werden digitalisiert und automatisiert. Das Tech-Kapital hat global in Militär- und Sicherheitsbehörden Fuß gefasst. Der KI-Staat ist ein Kriegsstaat mit erweiterten Überwachungs- und Kontrollmöglichkeiten. Der Fokus der Kapitalinvestitionen verlagert sich weltweit hin zu einer KI-getriebenen Militarisierung.
    Staatlicher Einstieg bei KI-Konzernen?

    Vor diesem Hintergrund lässt sich der wachsende Widerstand gegen die Rechenzentren als Klassenkampf von unten verstehen. In Irland, das als europäisches Silicon Valley gilt, kam es wegen der Invasion der Datencenter zu einer weltweit beachteten Bewegung. Allein in Dublin verschlingen Dutzende Rechenzentren mehr Strom als sämtliche städtische Haushalte auf der Insel. Einer Untersuchung von »Friends of the Earth« zufolge werden die Rechenzentren die Energiepreise auf der Insel nach oben treiben und die Stromrechnungen eines irischen Durchschnittshaushaltes im Verlauf des kommenden Jahrzehnts um bis zu 644 Euros ansteigen lassen.

    In Mexiko berichten Anwohner, dass Stromausfälle bei ihnen seit der Eröffnung eines Microsoft-Rechenzentrums häufiger geworden sind und teilweise wochenlang das Wasser abgestellt wird. In Chile gelang es Aktivist*innen 2024, die Expansionspläne von Google zu stoppen. In den Niederlanden blockierten Protestierende die Zufahrt zu einer von Microsoft in Auftrag gegebenen Baustelle. Ähnliche Proteste gab es in Malaysia, Großbritannien, Brasilien, Spanien, Australien und den USA – wir erleben das Entstehen einer globalen Bewegung gegen die Tech-Oligarchie.

    Bei Umfragen in den USA sprechen sich heute sieben von zehn Befragten gegen Rechenzentren in ihrer Nachbarschaft aus. Der Widerstand hat dafür gesorgt, dass auf lokaler, regionaler, bundesstaatlicher und US-Ebene mehr als 100 Moratorien gegen neue Rechenzentren vorgeschlagen worden sind. Bei Abschlussfeiern an US-Universitäten buhen Studierende Redner*innen aus, sobald diese von KI zu sprechen beginnen. Im Mai 2026 wurde die sogenannte AI Resist List lanciert, eine öffentliche Datenbank, die den Widerstand gegen das KI-Kapital dokumentiert. Das alles zieht an der herrschenden Klasse nicht unbemerkt vorüber. Es wird immer deutlicher, dass Polizei, Sicherheitsbehörden und Geheimdienste die Kritiker*innen von Rechenzentren zu überwachen und zu kriminalisieren versuchen.

    Im März legten Senator Bernie Sanders und die Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez einen Gesetzentwurf vor, der ein vorübergehendes Moratorium für die KI-Entwicklung und eine staatliche Beteiligung an KI-Unternehmen in Höhe von 50 Prozent vorschlägt. Anfang Juni trafen sich der Senator und der OpenAI-Manager Sam Altman auf dessen Wunsch, um den Vorschlag zu erörtern. Altman stimmte einer öffentlichen Beteiligung zu, war jedoch mit einem Anteil von 50 Prozent nicht einverstanden, da die Konzernleitungen dadurch die Kontrolle über die Unternehmen verlieren würden.

    Staatliche Unternehmensbeteiligungen können, je nach Charakter, dazu dienen, das Kapital zu subventionieren oder seiner Macht Grenzen zu setzen. Bislang hat der Staat nicht regulierend in den Privatsektor eingegriffen, sondern die Entwicklung der IT-basierten Akkumulation und der Kriegswirtschaft gesteuert – was darauf hindeutet, dass die entstehende Weltordnung der »Pax Silica« bestimmte Formen des Staatskapitalismus erforderlich macht.

    Anfang 2026 stellte die Trump-Regierung auf jeden Fall zehn Milliarden US-Dollar für Unternehmensbeteiligungen im KI-Kapital-Komplex bereit. Dazu gehörten Anteile am Halbleiterunternehmen Intel, den Rüstungsunternehmen »L3 Harris Missile Solutions« sowie den Bergbauunternehmen »MP Materials« und »USA Rare Earth«. Darüber hinaus erließ das Weiße Haus eine Verfügung zur »Wiederbelebung der Verteidigungsindustrie«, die von Auftragnehmern der US-Regierung den Nachweis verlangt, dass sie der »Einsatzfähigkeit und -bereitschaft der Streitkräfte« Vorrang einräumen. Wenig später verabschiedete der Senat ein Gesetz, das Auftragnehmer zur Vorlage »qualifizierter Verteidigungsinvestitionspläne« verpflichtet. Ob eine staatliche Beteiligung an KI-Unternehmen in den USA dazu dienen würde, die Macht des Kapitals zu stärken oder es zu Zugeständnissen an die arbeitende Klasse zu zwingen, hängt davon ab, wie sich die entstehenden sozialen und Klassenkämpfe entwickeln.
    William I. Robinson ist Soziologe an der University of California. Bei Cambridge University Press veröffentlichte er zuletzt das Buch »Epochal Crisis«. Dieser Text wurde für die deutsche Ausgabe leicht gekürzt. (Übs: raz)

    #USA #AI #capitalisme #monopoles #économie #énergie

  • « Une #minorité privilégiée sacrifie la planète afin de préserver ses richesses et son #pouvoir »

    Le rejet de l’#écologie est désormais promu par des gouvernements élus démocratiquement, autoritaires voire fascisants, et soutenus par les milieux d’affaires des #énergies_fossiles, déplorent trois spécialistes d’#écologie_politique, dans une tribune au « Monde ».

    L ’été 2026, en Europe, n’est pas seulement celui des #canicules à répétition, des #mégafeux et des #sécheresses désastreuses pour l’agriculture et la biodiversité, qui confirment avec une particulière #violence les #alertes de longue date des scientifiques et des écologistes. Il consacre également le déchaînement des attaques contre une écologie le plus souvent fantasmée, dont les défenseurs ‒ associatifs, politiques, scientifiques, fonctionnaires, tous mélangés ‒ sont accusés d’être à l’origine des maux qu’ils annonçaient, voire de participer d’un complot des « élites » utilisant le climat pour asservir le « peuple ». Comment peut-on comprendre une telle dynamique ?

    Ce #rejet de l’écologie reflète des tendances déjà à l’œuvre depuis les années 1980, mais il prend de l’ampleur au moins depuis la pandémie de #Covid-19 et il est à présent devenu mondial. Paradoxalement, on peut y voir la conséquence de l’#échec, désormais ressenti dans nos chairs, des gouvernements à enrayer le #réchauffement_climatique, en dépit de l’ambition affichée lors de l’accord de Paris sur le climat, signé en 2015.

    D’un côté, les promesses technosolutionnistes d’écologisation de l’économie n’ont jamais pu substantiellement résorber les dégâts environnementaux causés par la consommation d’énergies fossiles. Exemple emblématique, l’#intelligence_artificielle (#IA) générative, brandie comme apportant des solutions inédites en dépit de son impact extrêmement polluant, promet en fait, et d’abord, de doper l’extraction du pétrole, du gaz et du charbon.

    De l’autre, les attaques contre l’écologie sont la réaction d’acteurs et de groupes d’#intérêts_financiers et technologiques qui baignent encore dans des rêves de puissance virile et suprémaciste. Les changements « rapides et profonds dans tous les secteurs et tous les systèmes », nécessaires pour « garantir un avenir viable et durable pour toutes et tous », selon le Groupe d’experts intergouvernemental sur l’évolution du climat [#GIEC], sont matériellement possibles, mais un Peter Thiel ou un Elon Musk n’en veulent pas.

    Depuis les années 1980, si ce n’est depuis les colonisations, une #minorité_privilégiée a choisi de faire sécession de l’#avenir_commun, de sacrifier une partie de la planète et la majorité de l’humanité afin de préserver ses richesses et son pouvoir. Ce qui est nouveau, dans la séquence actuelle, c’est que ce « programme » cynique soit devenu celui de gouvernements élus démocratiquement, autoritaires voire fascisants, tel celui de Donald Trump aux Etats-Unis, et soutenus par les milieux d’affaires des énergies fossiles, de l’extraction d’hydrocarbures à l’agro-industrie.

    En France comme en Europe, l’#extrême_droite et une grande partie de la droite œuvrent désormais ensemble pour détricoter de façon massive des orientations environnementales pourtant insuffisantes, le dénigrement des « écologistes » étant devenu leur point de ralliement.

    #Contre-récit hélas efficace

    Comment expliquer une possible adhésion à de tels #discours, tellement contraires à l’#universalisme_humaniste et à l’intérêt de la majorité ? Au-delà de la confusion argumentaire des #réseaux_sociaux, entretenue par une presse et une édition aux mains de quelques milliardaires, on peut observer une confiscation des débats sous les invectives et, sous le couvert d’écologie « réaliste » ou « pragmatique », un contre-récit hélas efficace.

    L’#empathie pour les victimes des ravages environnementaux est empreinte de #fatalisme : la reconnaissance de l’échec de #politiques_publiques insuffisantes justifie l’abandon de toute nouvelle tentative. Cet échec est attribué aux politiques écologiques, alors qu’aucun programme à la hauteur des enjeux n’a jamais été appliqué – ne serait-ce que les propositions de la #convention_citoyenne_sur_le_climat mise en place en 2019. Certains poussent même la #mauvaise_foi jusqu’à prétendre que la France a pratiqué la #décroissance.

    L’#adaptation, faute d’avoir été vraiment préparée ‒ c’est pour beaucoup une des révélations douloureuses du moment ‒, devient un mot d’ordre néolibéral : à l’individu de s’adapter, par exemple pour « gérer son #écoanxiété », comme le recommandait le gouvernement le 23 juillet, sans jamais toucher aux causes systémiques et politiques. Or l’adaptation sans atténuation efficace aura toujours un train de retard et ne sera même plus possible, car la situation « exceptionnelle » de cet été n’est pas seulement la norme d’un #nouveau_régime_climatique, mais une étape vers le pire tant qu’on n’arrête pas la #fuite_en_avant. Les #mégabassines, dont la #loi_d’urgence_agricole prévoit de faciliter le développement plutôt que de repenser le #modèle_agricole, le montrent bien.

    L’#anti-écologisme n’est pas le simple résultat de lobbys qui réussiraient à manipuler l’opinion. Car le désaveu de l’écologie est aussi le fait d’une partie de la population à qui l’on fait croire qu’elle a davantage à y perdre qu’à y gagner. Les complicités sont étendues par les chaînes d’interdépendances qui nous attachent au monde de l’énergie fossile, et les transformations des façons de vivre sont à juste titre redoutées tant qu’elles sont prétextes à accroître les #inégalités.

    A contrario, un changement de système pour respecter les #limites_planétaires, décidé par des processus de #démocratie_délibérative et placé sous le signe de l’#égalité et de la #justice, permettrait à plus de 90 % de la population de vivre mieux, selon le Global Justice Report du [laboratoire de recherche international] World Inequality Lab. Mais ce #récit peine à concurrencer celui, simpliste et irresponsable, qui s’est imposé pour discréditer les alertes du #Club_de_Rome [groupe de réfléxion] qui, en 1972 [avec le #rapport_Meadows sur les #limites_de_la_croissance], prévoyait l’effondrement de nos sociétés si elles poursuivaient la #croissance_économique : enrichissons-nous quitte à ravager la planète, les générations futures trouveront bien des solutions si elles sont plus riches. Depuis plus de cinquante ans qu’elles se font attendre, les technopromesses de la #croissance_infinie nous mènent tout simplement au #chaos.

    ▻https://www.lemonde.fr/idees/article/2026/08/22/une-minorite-privilegiee-sacrifie-la-planete-afin-de-preserver-ses-richesses
    #Steve_Hagimont #riches #richesse #techno-solutionnisme #agriculture

    • Ne doutons pas que Zaka veut toucher le maximum de monde par ses publications mais ce consensus m’énerve au plus haut point. Bien évidemment que le sujet « écologie » est éminemment politique puisqu’il s’agit de préserver les ressources naturelles que nous offre notre environnement proche pour assurer notre subsistance, la plus importante étant la production de nourriture et ce sont bien les plus démunis qui seront exposés aux pénuries alimentaires accès à l’eau potable inclus. De par le monde, certaines de ces populations sont entrées dans le dur depuis un bon moment surtout pour un accès équitable à l’eau.

    • D’une certaine façon, dire « c’est politique » ou « c’est apolitique », c’est parfois dire la même chose. Pour Zaka, c’est une façon de signifier que c’est un sujet tellement important que ça dépasse les querelles politiciennes, il souhaite signifier, àmtha, que ça nous concerne tous. Et pour d’autres, nous ici en particulier, dire « c’est politique », c’est une façon de signifier que ça nous concerne tous.

      Le terme politique est très lourdement connoté, et ça en devient une insulte, un mot péjoratif, ça en est devenu ce que les possédants veulent que ça devienne : un sujet sale, qui ne concerne personne, sauf eux, bien évidemment, qui sauront comment traiter le sujet, loin de nos regards et de nos conversations.

      Je sors moi aussi d’une cousinade, de plusieurs repas de famille, et parvenir à atteindre le niveau de discussion où on est d’accord pour dire que la politique, c’est le sujet noble qui concerne tout le monde, c’est long et ça ne tient pas dans le temps de cerveau disponible entre la viande et le fromage.

    • Oui j’entends ça (et je connais des gens très politisés qui ne supportent pas le mot politique) mais bien souvent quand on déclare quelque chose d’apolitique c’est qu’on imagine (souvent naïvement) un consensus mou autour de la question, sans remettre en cause les privilèges d’une minorité, en gros c’est business as usual modulo quelques ajustements pour corriger les « excès ». Le fait de dire que quelque chose est politique, c’est aussi induire que tout le monde n’est pas d’accord et qu’à un moment y aura des conflits à régler.

    • Et donc, remettons sur le métier le vieil adage qui veut que :
      « si tu n’occupes pas de politique, la politique, elle, s’occupe de toi » . ;-)
      Toutes ces discussions « en famille » (ou pas) à propos de ce sujet, encore une belle illustration de la #loi_de_Brandolini.

      En dernier lieu, on sait depuis un bout de temps sur quoi débouchent le plus souvent les postures « apolitiques » : #chacun_pour_sa_gueule

      Voir par ici ; ▻https://seenthis.net/messages/1187588

      [edit]

      Pour Zaka, c’est une façon de signifier que c’est un sujet tellement important que ça dépasse les querelles politiciennes, il souhaite signifier, àmtha, que ça nous concerne tous.

      Oui, enfin, relativisons : on ne se sent pas concerné de la même manière suivant qu’on habite « sous les toits » ou qu’on déblatère sur un plateau TV climatisé et protégé de la honte par « un déo qui tient ».

  • Nuclear power push ramps up uranium mill — and tribal health concerns : NPR
    ▻https://www.npr.org/2026/08/12/nx-s1-5927298/nuclear-power-uranium-health-concerns

    Old Fears Amid a New Uranium Boom

    A U.S. push to ramp up domestic uranium production is bringing new activity to Utah’s White Mesa Mill—and reviving fears among nearby tribes that radioactive waste could contaminate the region’s air and water.

    Driving the boom: Federal policy is accelerating more domestic uranium production amid a ban on Russian uranium imports and the Trump administration’s push to increase nuclear energy capacity.

    The mill plans to more than double production of uranium concentrate, known as yellowcake, this year, and expand waste storage near the White Mesa Ute Community.

    Concerning track record: Tribal members point to the long history of uranium production-related contamination across the Colorado Plateau and a Clean Air Act violation as recent as 2021 as examples of what could transpire amid ramped-up production.

    #Intelligence_artificielle #Uranium #Energie_nucléaire #Nucléaire #Environnement #Nations_autochtones

  • L’adattamento al clima non può essere un privilegio: serve un Welfare climatico

    Periferia nord di Milano, ultimo piano di una palazzina degli anni Sessanta, tetto piano senza isolamento. Alle undici di sera il termometro in cucina segna trentaquattro gradi e il soffitto continua a restituire il calore che ha accumulato per tutto il giorno. La famiglia che ci abita non compare in nessuna statistica sulla povertà. Si dorme a turno nella stanza che dà sul cortile, dove entra un filo d’aria. Nessuna politica climatica degli ultimi dieci anni ha mai incrociato questa famiglia. L’adattamento individuale funziona a condizione di restare minoritario, e quindi definisce in anticipo una popolazione esclusa.

    Periferia nord di Milano, ultimo piano di una palazzina degli anni Sessanta, tetto piano senza isolamento. Alle undici di sera il termometro in cucina segna trentaquattro gradi e il soffitto continua a restituire il calore che ha accumulato per tutto il giorno. La famiglia che ci abita non compare in nessuna statistica sulla povertà: due redditi, uno stabile e uno intermittente, un affitto che assorbe un terzo di quello che entra. Il condizionatore non c’è. Non per il prezzo dell’apparecchio, che costa meno di una lavatrice, ma perché la casa non è loro. L’unità esterna andrebbe fissata alla facciata, servono il consenso del proprietario e il passaggio in assemblea, e il contatore da tre chilowatt non reggerebbe il carico serale. Si dorme a turno nella stanza che dà sul cortile, dove entra un filo d’aria.

    Nessuna politica climatica degli ultimi dieci anni ha mai incrociato questa famiglia: non ha un tetto su cui installare, non ha capienza fiscale da scontare, non ha la liquidità da anticipare e recuperare in dieci anni di detrazioni. Rispetto alla transizione energetica, questi cittadini semplicemente non esistono.

    Trenta chilometri più a nord, una casa indipendente con giardino. Cappotto termico, infissi sostituiti, pompa di calore aria-acqua, nove chilowatt di fotovoltaico in copertura, una batteria di accumulo in garage, la colonnina per l’auto, l’adesione a una comunità energetica. Tutto realizzato negli ultimi anni, tutto legittimo, tutto incentivato. D’estate la casa resta sotto i ventisei gradi consumando l’energia che il tetto produce, e la bolletta annuale si avvicina allo zero. Questa famiglia ha fatto esattamente ciò che le è stato chiesto: ha ridotto le proprie emissioni, ha anticipato la transizione, ha usato strumenti pubblici previsti per legge. Non c’è nulla da rimproverarle, anzi. Ed è questo il punto.

    Il problema non è dato dalle sue scelte, è l’architettura del dispositivo che ha reso quelle scelte possibili a lei e impossibili all’altra.

    Le due scene non stanno agli antipodi per accidente. Sono il prodotto dello stesso pacchetto di politiche. Un incentivo che opera per detrazione seleziona chi ha imposte da detrarre. Un contributo erogato a lavori conclusi seleziona chi può anticipare la spesa. Un meccanismo che premia l’autoproduzione seleziona chi possiede una superficie su cui produrre. Il risultato è una transizione a doppia velocità, nella quale il denaro pubblico mette ulteriormente al riparo chi era già relativamente al riparo, mentre chi è più esposto resta dove si trovava, con l’unica differenza che nel frattempo il caldo è aumentato.

    Questa asimmetria ha un nome poco frequentato fuori dai rapporti scientifici: maladattamento. L’Ipcc definisce così le risposte al cambiamento climatico che, invece di ridurre il rischio, lo aumentano: perché accrescono le emissioni, perché spostano la vulnerabilità su altri, perché ipotecano le opzioni future. Sono l’esito prevedibile di una forma sociale precisa, l’adattamento organizzato come consumo privato.

    Chi è rimasto fuori, intanto, non sta fermo: si adatta anche lui, con gli strumenti che il mercato gli offre al prezzo che riesce a pagare. Il caso di scuola è il condizionatore. Raffredda l’interno riscaldando l’esterno e alimenta l’isola di calore urbana che rende la città più torrida per tutti, in particolare per chi in strada ci lavora. Fa impennare i picchi estivi della domanda elettrica, con costi di sistema che ricadono su chiunque abbia un contatore. E protegge solo chi può permetterselo, mentre la mortalità da caldo continua a concentrarsi sugli anziani soli, poveri, negli appartamenti mal isolati degli ultimi piani. Il risultato netto non è meno rischio: è lo stesso rischio, spinto verso il basso.

    Lo schema si ripete ovunque. Nelle campagne del bacino del Po in sofferenza idrica, chi ha capitale scava un pozzo più profondo e continua a irrigare: si adatta, e intanto abbassa la falda di tutti. Lungo i fiumi e sulle coste, argini e barriere mettono in sicurezza un tratto scaricando l’acqua su quello successivo. In montagna l’innevamento artificiale prolunga di qualche stagione un modello turistico insostenibile, consumando l’acqua che servirà a valle. E le compagnie assicurative ridefiniscono premi e coperture in funzione dell’esposizione: il mercato non protegge i territori, li seleziona.

    In tutti questi casi l’adattamento è una macchina di stratificazione sociale alimentata dal clima.

    Il limite di questa forma di protezione non è soltanto morale, è fisico. Non esiste una versione universalizzabile del riparo privato. Se tutti accendessero il condizionatore nella stessa ora la rete non reggerebbe. Se tutti scavassero un pozzo più profondo la falda si esaurirebbe. Se ogni comune innalzasse i propri argini, l’acqua non sparirebbe: cambierebbe soltanto indirizzo. L’adattamento individuale funziona a condizione di restare minoritario, e quindi definisce in anticipo una popolazione esclusa. Non è una soluzione parziale in attesa di diventare generale. È una soluzione che smette di funzionare nel momento esatto in cui diventa generale.

    A questo si aggiunge un effetto politico che agisce più lentamente ma più in profondità. Più la protezione diventa privata, più diventa difficile costruire quella collettiva, perché chi si è già messo al riparo perde interesse a finanziarla. È la dinamica che conosciamo dalla sanità e dalla scuola: quando i ceti medi escono dal servizio pubblico, il servizio pubblico non si limita a perdere utenti, perde i suoi difensori. Con il clima il meccanismo è più brutale, perché la fuga non è verso un servizio alternativo, ma verso il proprio appartamento. Ogni impianto installato è anche un voto sottratto all’idea che dal caldo ci si possa difendere insieme.

    L’alternativa non è rinunciare all’adattamento, ma il contrario. È cambiarne la velocità, la scala e il titolare. Un albero non ripara una famiglia, ripara una strada. Una scuola riqualificata non protegge un proprietario, protegge una coorte intera di bambini per trent’anni. Un piano di prevenzione idrogeologica non mette in salvo una casa, mette in salvo un bacino. L’adattamento collettivo ha una proprietà che quello individuale non può avere: i suoi benefici crescono quando il numero delle persone protette aumenta, invece di diminuire.

    È da qui che occorre ripartire. Il rischio climatico ha esattamente le caratteristiche che un secolo fa giustificarono la nascita dello Stato sociale: è prodotto collettivamente, ricade individualmente, ed è di dimensioni tali che nessuna famiglia può assorbirlo con le proprie forze. Infortunio, malattia, vecchiaia, disoccupazione: il Welfare novecentesco nasce quando diventa evidente che i rischi generati dall’industrializzazione non possono essere lasciati alla responsabilità dei singoli. Caldo, siccità e alluvione appartengono oggi alla stessa famiglia. Sono i nuovi rischi sociali, e per ora li trattiamo come sfortune personali.

    Welfare climatico significa allora una cosa precisa: trasformare l’adattamento da bene di consumo a infrastruttura pubblica. Significa riqualificare l’edilizia pubblica e popolare trattandola come politica per la salute, perché una casa isolata salva vite d’estate e d’inverno. Significa il raffrescamento come servizio: alberi, ombra, acqua pubblica, spazi climatizzati nei quartieri e nei paesi, scuole e centri civici accessibili nelle ore critiche. Significa portare la protezione dentro le case di chi non può uscirne, con servizi di prossimità che nelle ondate di calore raggiungano gli anziani soli prima che sia il pronto soccorso a farlo.

    Significa comunità energetiche progettate per redistribuire, e non per far risparmiare chi già risparmia. Significa manutenzione del territorio come politica del lavoro nelle aree fragili, dove la prevenzione è l’unica protezione disponibile. E significa una soglia minima di accesso all’energia e all’acqua sottratta al mercato, perché oltre una certa temperatura interna non si tratta più di comfort ma di sopravvivenza.

    Significa anche riscrivere gli incentivi che abbiamo. Se non abolirli, invertirne il verso: contributi diretti al posto delle detrazioni, priorità di accesso in base alla vulnerabilità e non alla capacità di spesa, misure pensate per chi vive in affitto e non solo per chi possiede. Una politica climatica che raggiunge prima di tutto la casa più fredda d’inverno e più rovente d’estate non è assistenzialismo: è la sola versione efficiente di quella politica, perché è lì che ogni euro speso evita il maggior numero di ricoveri e di morti.

    Ha un costo, e dobbiamo capire come sostenerlo e come distribuire il contributo al problema. Ma il confronto corretto non è tra spendere e non spendere. È tra spesa programmata e spesa d’emergenza, quella che già paghiamo ogni anno a disastro avvenuto e a prezzo maggiorato.

    Resta la posta politica. La domanda di protezione che il clima genera non rimane inevasa: se non la organizza una politica pubblica, la intercetta qualcun altro. L’offerta alternativa circola già: seconde case in montagna come rifugi climatici individuali, assicurazioni private, autosufficienza energetica domestica, la promessa di salvarsi separatamente. È un’illusione tecnicamente fondata per pochi e politicamente efficacissima, perché converte una questione di giustizia in una questione di sicurezza privata. E ha un vantaggio competitivo enorme sulla risposta pubblica: è disponibile subito, si compra in un pomeriggio, non richiede di fidarsi di nessuno.

    Poiché l’adattamento è ormai urgente e necessario, la scelta che abbiamo di fronte è tra un adattamento che moltiplica le disuguaglianze e uno che le riduce; tra una società che si protegge insieme e una che si frammenta in ripari singoli. Il Welfare climatico è il modo in cui decidiamo se l’adattamento diventerà un bene pubblico condiviso o resterà un privilegio.

    ▻https://rivistadissonanze.it/agosto2026/serve-un-welfare-climatico

    #chaleur #pauvreté #habitat #logement #welfare_climatique #privilège #inégalités #adaptation #canicule #politique_climatique #sommeil #invisibilisation #classes_sociales #architecture #choix #maladaptation #changement_climatique #vulnérabilité #vulnérabilité_climatique #aménagement_du_territoire #climatisateur #climatisation #îles_de_chaleur #énergie #risque #individualisme #collectif #climat #eau #protection #risque_climatique #welfare #survie #coût #politique_publique #justice #justice_climatique

  • Pourquoi les billets Air Algérie sont-ils si chers ? Pas les seuls.
    ▻http://www.argotheme.com/organecyberpresse/spip.php?article4983

    Bénéfices mondiaux chaque année après l’autre en hausse pour les compagnies de transport aérien. Les billets d’Air Algérie hors de prix, comparativement aux mêmes destinations d’Afrique du Nord, les usagers choqués de la gestion de cette société au personnel composé aux enfants de... Notre enquête sur un marché sous tension, semble être inachevée et revancharde sur les points clés des prix outranciers... Actualité, événement, opinion, intérêt général, information, scoop, primauté

    / économie , #Data_-_Données, #énergie

    #Actualité,_événement,_opinion,_intérêt_général,_information,_scoop,_primauté #économie_

  • Puce qui imite le cerveau : la révolution neuromorphique
    ▻http://www.argotheme.com/organecyberpresse/spip.php?article4973

    Un dispositif à base d’oxydes combine mémoire et calcul comme une synapse. Décryptage accessible d’une avancée qui pourrait rendre l’informatique plus sobre. Il s’agit d’une puce qui imite le cerveau et pourrait changer l’informatique ; Calcul, mémoire, apprentissage : un seul composant à base d’oxydes réunit tout, avec une consommation minime. High-tech / Sciences

    / économie , #Data_-_Données, #énergie, #IA_:_Intelligence_Artificielle, #technologie,_drone,_citoyen,_USA,_google,_High_Tech, Sciences & Savoir

    #High-tech_/_Sciences #économie_ #Sciences_&_Savoir

  • Les #prélèvements d’eau douce par usage en France en 2023

    En 2023, 29,4 milliards de m3 d’eau douce ont été prélevés en France (hors production #hydroélectrique). Ce volume est comparable à celui de 2022 (29,3 milliards de m3).
    Parmi ces prélèvements, 81 % proviennent des eaux de surface, et 19 % des eaux souterraines. L’eau est prélevée pour différents usages : 45 % du volume est destiné au refroidissement des #centrales_électriques, 20 % pour l’alimentation des canaux de navigation, 18 % pour la production d’#eau_potable, 10 % pour l’#agriculture et 7 % pour les autres activités économiques. Depuis 2008, le volume total des prélèvements a nettement baissé (- 16 %), principalement sous l’effet de la baisse des usages industriels et du refroidissement des centrales électriques.

    ▻https://www.statistiques.developpement-durable.gouv.fr/les-prelevements-deau-douce-par-usage-en-france-en-2023

    #visualisation #statistiques #chiffres #eau #France #eau_douce #usage #usages #électricité #nucléaire #énergie_nucléaire

  • China flattens the duck with molten salt to generate solar power at night
    ▻https://kdwalmsley.substack.com/p/china-flattens-the-duck-with-molten

    Bullets:

    Engineers in China’s West have built a new solar plant that generates electricity after sundown.

    The facility uses liquid salt to store excess energy captured during the day, which is later released as steam, which turns turbines to generate electricity.

    In this way, grid managers in Xinjiang “flatten the duck”: the mismatch between solar power production and electricity demand, which occurs at different times of the day.

    China’s vast network of high-voltage transmission lines are crucial, by delivering power generated in far-flung areas to population centers in China’s East.