• Kids are outsmarting social media bans. That’s not a problem we need to solve. | MIT Technology Review
    ▻https://www.technologyreview.com/2026/10/16/1146834/kids-are-outsmarting-social-media-bans-thats-not-a-problem-we-need

    Age gates can be staggeringly counterproductive, pushing kids to darker corners of the web. Closing loopholes will only make things worse.
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    Michal Luriaarchive pageAliya Bhatiaarchive pageDanah Boydarchive page

    October 16, 2026

    #Jeunes_internet #médias_sociaux #adolescence #danah_boyd

  • Münchens Open-Source-Comeback
    ▻https://www.heise.de/news/Muenchen-Open-Source-ist-wieder-da-11484321.html

    Linux et l’open source n’ont pas perdu la guerre initiée par Microsoft, même pas à Munich. L’open revient et couvre de plus en plus de secteurs de l’administration.

    12.10.2026 von Udo Seidel - Nach dem Ende von LiMux setzt München heute erneut auf Open Source. Neue Projekte und ein OSPO zeigen den Wandel der Stadt.

    Auf dem Open Source Summit Europe in Prag hat Laura Dornheim, CDO und IT-Referentin der Stadt München, über den Status quo und weitere Ziele von München im Bereich quelloffene Software berichtet. So mancher wird nun kurz nachdenken: Open Source und Stadt München: Da war doch etwas in den 2000ern? Genau, das LiMux-Projekt war damals angetreten, um die Nachfolge von Windows anzutreten. Auslöser war das Support-Ende von Windows NT 4.0 und ein Beschluss der Stadt, dass nun quelloffene Software zu bevorzugen sei.

    Was Anfang der 2000er noch als revolutionär galt, ist heute fast schon eine gebräuchliche Anforderung. So eine Umstellung ist aber nicht einfach und bringt sowohl technische als auch nicht-technische Herausforderungen mit sich. 2013, nach rund 10 Jahren, konnte das Projekt die Fertigstellung verkünden. Wichtige Basiskomponenten des neuen Behörden-Linux waren Debian, KDE und LibreOffice.

    Doch um 2014 herum drehte sich der Wind. Es gab Politiker-Wechsel im Rathaus. Microsoft verlegt ihren Deutschlandsitz vom Münchner Umland in die Stadt hinein. Die Luft wurde dünn für LiMux und Open Source. Und so kam 2017 der Beschluss zum „Salto rückwärts“: das Ersetzen von Linux durch Windows bis 2020. Ein interessanter Fakt ist, dass die Migration von LibreOffice zu MS Office erst 2023 abgeschlossen war. Damit dauerte sie ähnlich lang wie die Umstellung von proprietär zu quelloffen in den 2000er Jahren. Ist damit Open Source in der Stadt München am Ende?
    Doch nicht das Ende

    Nein, denn 2020 – wieder nach einem politischen Wechsel – kam der Beschluss, Open Source als Normalfall bei der Software-Beschaffung zu priorisieren, „wo immer technisch und finanziell sinnvoll“. Außerdem soll selbst erstellte Software künftig unter Berücksichtigung rechtlicher Vorgaben als Open Source bereitgestellt werden. Ein griffiges Motto in diesem Zusammenhang ist: öffentliche Gelder, öffentlicher Code (public money, public code). Diese Begrifflichkeit hält sich immer noch. In ihrem Vortrag verwendete Dornheim auch gerne mal „Public Source“ anstatt „Open Source“. Seit 2024 gibt es auch ein Open Source Program Office (OSPO). Solche Stellen sind seit einiger Zeit als wichtiger Bestandteil für erfolgreiche Arbeit mit und für Open Source in Firmen bekannt. Wer mehr wissen will, sollte sich den aktuellen Forschungsbericht der Linux Foundation genauer anschauen.

    Gibt es denn auch schon sehenswerte Resultate der Abteilung München Open Source? Das ist zunächst DAVe (Database and Evaluation of Traffic Counts). Dieses Programm lässt sich zum Dokumentieren und Analysieren der Verkehrsentwicklung benutzen. Das seit 2021 aktive Programm hat der Stadt Wolfsburg so gut gefallen, dass sie es ebenfalls einsetzt. Selbstverständlich findet man den Quellcode in einem öffentlichen Verzeichnis auf GitHub. Ein weiteres Beispiel ist MUCGPT. Hier können Beschäftigte der Stadt DSGVO-konform mit verschiedenen KI-Agenten „sprechen“. Da gibt es einen „E-Mail-Helfer“, der beim Formulieren von Nachrichten hilft. Beim Verfassen von Texten hilft der Lektor-Assistent „Aufdeutscher“ beim Erzeugen sprachlich korrekter Formulierungen. Auch zu MUCGPT gibt es ein entsprechendes Verzeichnis auf GitHub.

    Auch die ursprüngliche Idee des LiMux-Projekt ist wieder lebendig und in Aktion. Die Stadt München ersetzt VMware durch Proxmox im Bereich Virtualisierung. Das Projekt soll 2027 abgeschlossen sein und jährlich rund eine Million Euro einsparen. Anstelle von Jira und Confluence sollen OpenProject und XWiki zum Einsatz kommen. Diese Entscheidung fiel 2025. Die geschätzten Einsparungen liegen bei mehr als einer halben Million Euro jährlich. Im Datenbank-Bereich wird es für Oracle enger: Der Star heißt PostgreSQL. Anders als bei den eben genannten Projekten sind hier jedoch nicht die Lizenzkosten der primäre Treiber: Laut Dornheim sind die gegenwärtigen finanziellen Modalitäten mit Oracle nicht schlecht. Der Wechsel zu PostgreSQL ist primär dem Wunsch geschuldet, „wo immer technisch und finanziell sinnvoll“ Open-Source-Software einzusetzen.

    Nicht unerwähnt soll das Open-Source-Sabbatical bleiben. Hier können sich Mitarbeiter eine Auszeit nehmen, um an einem bestimmten Open-Source-Projekt zu arbeiten, mit dem Ziel einer spürbaren Verbesserung der Software. Es können sich sogar Externe für das Open-Source-Sabbatical bewerben. In diesem Fall sichert die Stadt München finanzielle Unterstützung für die Zeit zu. Man kann sagen, das LiMux-Projekt ist wie ein Phönix aus der Asche auferstanden: verändert und vielleicht sogar stärker.

    (fo)

    #Allemagne #administration #open_source #Bavière #Munich #public_money_public_code

  • PhotoCraft is an open-source, AI-built clone of #photoshop
    ▻https://www.omgubuntu.co.uk/2026/10/artcraft-free-photoshop-ai-clone

    It was only a matter of time before someone would point AI coding tools Photoshop and get it to build a copy. PhotoCraft is that copy – an open-source, cross-platform image editor written in Rust. The app is part of several creative tools created by the ArtCraft project, lead by Brandon Thomas, the former CEO of storyteller.ai. ArtCraft bill the app as “clean-room reimplementation of #adobe Photoshop”, and so swerve any copyright issues as it’s not reverse engineering anything (that isn’t publicly documented) – words FOSS fans will to cheered to hear. Features-wise, PhotoCraft is already well stocked despite being in […] You’re reading PhotoCraft is an open-source, AI-built clone of Photoshop, a blog post from OMG! Ubuntu. Do not reproduce elsewhere without permission.

    #News #AI_Agents #LLM_Assisted

  • « Splann ! » condamne les entraves au travail des journalistes du « Cri » lors du pèlerinage #feiz_e_breizh
    ▻https://splann.org/entraves-feiz-e-breizh-journalistes-le-cri

    « Splann ! » apporte son plein soutien à la rédaction du « Cri » et aux journalistes #adrien_giraud et #thomas_louapre, empêchés d’exercer leur métier lors du pèlerinage Feiz e Breizh, qui s’est tenu les 19 et 20 septembre derniers à #Sainte-Anne-d’Auray, dans le #Morbihan. L’article « Splann ! » condamne les entraves au travail des journalistes du « Cri » lors du pèlerinage Feiz e Breizh est apparu en premier sur Splann ! | Premier média d’enquête indépendant en Bretagne.

    #La_vie_de_« Splann !_ » #diocèse_de_vannes #extrême_droite #journalisme #korentin_denis #le_cri #liberté_de_la_presse #Vannes

  • Links gegen die Wand : Berlin muss krachend scheitern, damit etwas Neues entstehen kann
    ▻https://www.berliner-zeitung.de/article/links-gegen-die-wand-berlin-muss-krachend-scheitern-damit-etwas-neu

    Voila la perspective parfaitement petite-bourgeoise sur la situation de la capitale allemande. Dans l’article tout est correct et rien n’est juste. Merci Berliner Zeitung pour cet exemple idéal de brouillage idéologique de raisons véritables d’un problème. Ta journaliste a raison, il y en a plusieurs.

    Quant au brouillage des pistes vers la vérité voici un premier exemple. La « gauche » qu’elle accuse d’être responsable pour toute la misère n’a pas grand chose de gauche ou progressiste.

    Ces partis sont en réalité des assos de lobbyistes du patronat et des groupes immobiliers, ils votent a cent ans d’intervalle pour de monstrueux crédits de guerre, ils organisent le vol du patrimoine populaire par les capitalistes et se comportent en bons serfs des maîtres de l’OTAN à Washington. La démocratie ? Ses fonctionnaires s’en moquent. Ils se servent des institutions dites démocratiques pour faire avancer leur carrières individuelles.

    On vote pour leur fournir le prétexte moral de continuer â s’enrichir et à nous enfoncer davantage dans notre misère personnelle qui est la consèquence de leurs décisions dictés par le capital. Il y a un mot allemand qui décrit leur raison d’agir : « Sachzwang » est l’imposition de décisions par des forces qu’on prend pour naturelles et invariables. La connerie quoi.

    18.9.2026 von Anne-Kattrin Palmer - Berlin könnte ausgerechnet jene Parteien an die Macht bringen, die eine Neuauflage des Alten sind. Aber vielleicht muss das so sein. Eine Betrachtung.

    Beginnen wir mit jenen Momenten vor und in diesem Wahlkampf, die schonungslos offengelegt haben, wie verletzlich Berlin ist.

    Am 3. Januar war der Südwesten Berlins dunkel. Nach einem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke über den Teltowkanal waren rund 45.000 Haushalte und 2200 Betriebe bis zu vier Tage ohne Strom und Heizung – bei Frost. Betroffen waren auch fünf Krankenhäuser, 74 Pflegeeinrichtungen, 43 Kitas und 21 Schulen. Es war der längste Stromausfall der Stadt seit 1945. Der Regierende Bürgermeister spielte am Mittag des ersten Krisentages Tennis.

    Das war nicht sein größter Fehler. Sein größter Fehler war die wirre Geschichte, die er danach über diesen Tag erzählte.

    Kai Wegner erklärte, er habe sich zu Hause eingeschlossen und um 8.08 Uhr zu telefonieren begonnen. Ein halbes Jahr später musste die Senatskanzlei auf gerichtliche Anordnung herausgeben, was sie zuvor unter Verschluss halten wollte: Vor 12.45 Uhr gab es kein dienstliches Telefonat zum Blackout. Am 10. Juli zog Wegner seine Spitzenkandidatur zurück.

    Damit hat der Spandauer nicht nur sich selbst beschädigt, sondern das ganze konservative Lager – und seine Partei, die ihm viel zu lange die Treue hielt. In den Umfragen liegt die CDU bei 21 Prozent. Der neue Spitzenkandidat Stefan Evers rackert sich ab. Selbst wenn die CDU noch einmal davonkommt, reicht es wohl nur für eine wackelige Dreierkoalition. Selten haben Berliner CDU-Wahlkämpfer so nervös an Haustüren geklingelt.

    Der Blackout war die Kurzfassung dieser Stadt: verwundbare Infrastruktur und eine Führung, deren erster Reflex das Herausreden war.
    Eine Stadt, die nicht streuen darf

    Vier Wochen später zeigte Berlin seine zweite Spezialität: sich selbst im Weg zu stehen. Der Januar brachte Eis. Wochenlang waren Gehwege spiegelglatt, Kliniken meldeten Andrang von Gestürzten. Nach dem Berliner Straßenreinigungsgesetz ist der Einsatz von Auftaumitteln aus Umweltgründen grundsätzlich verboten. Am 30. Januar erlaubte die Verkehrsverwaltung per Allgemeinverfügung Tausalz, wegen akuter Notlage. Am 3. Februar kippte das Verwaltungsgericht die Verfügung auf Eilantrag des NABU. Erst am 27. Februar lockerte das Abgeordnetenhaus das Salzverbot für Extremlagen. Da war der Winter vorbei.

    Der NABU hat einen Punkt: Die Glätte entstand vor allem dort, wo überhaupt nicht geräumt wurde. Genau das macht es schlimmer. Berlin räumte nicht – und als es streuen wollte, verbot es sich das selbst. Zwei Monate, eine Behörde, ein Gericht und eine Gesetzesänderung für die Frage, ob man bei Eis Salz nehmen darf. Andere Städte haben einen Winterdienst. Berlin hat ein Verfahren.
    Hauptstadt der Zettelwirtschaft

    Dann wurde Berlin auch noch digital ausgeraubt.

    Die Hackergruppe Rhysida drang in die Netze der Verkehrs- und der Stadtentwicklungsverwaltung ein, Berichten zufolge über eine Phishing-Mail. Zwischen dem 7. und dem 12. August flossen unbemerkt Daten ab. Am 14. August wurden beide Häuser vom Landesnetz getrennt: keine externe Mail, ausgefallene Fachverfahren, Wohngeld für mehr als 50.000 Haushalte in Gefahr.

    Die Erpresser forderten 30 Bitcoin, rund zwei Millionen Euro. Berlin zahlte nicht. Am 4. September landete die Beute im Darknet: rund 1,44 Millionen Dateien, 5,8 Terabyte. Personalakten, Ausweiskopien, Passwörter im Klartext, Unterlagen zu kritischer Infrastruktur. Der Senat wusste lange nicht einmal, was ihm gestohlen worden war.

    Berlin schützt seine Daten so, wie es seine Brücken schützt. Man weiß lange, dass etwas nicht stimmt, erklärt die Sanierung zur Chefsache – und wartet auf den Einsturz. Während das Ultimatum lief, arbeiteten Beschäftigte zeitweise mit Papier, privaten Geräten und Telefon. Eine Millionenverwaltung, die seit Jahren digital werden will, rettete sich mit Improvisation durch ihre größte Cyberkrise. Willkommen in der Hauptstadt der Zettelwirtschaft.
    Berlin wollte seine Sicherheit erhöhen

    Seit Jahren soll die Verwaltungs-IT zum landeseigenen IT-Dienstleistungszentrum wandern; versprochen waren bis Ende 2026 rund 15.000 standardisierte Arbeitsplätze. Im September 2025 waren laut Digitalausschuss rund 5350 Verwaltungs-PCs beim ITDZ unter Vertrag – darunter 1150 „BerlinPCs“. Ausgerechnet die beiden angegriffenen Senatsverwaltungen waren nicht vollständig migriert.

    In Steglitz-Zehlendorf hielt das bezirkseigene Angriffserkennungssystem die vom Senat vorgegebene Forensiksoftware für einen Angriff; Domain-Controller wurden abgeschaltet, ein Totalausfall drohte. Berlin wollte seine Sicherheit erhöhen – und seine Sicherheitsprogramme gingen aufeinander los. Trotzdem zog sich der Senat im September 2025 aus der zentralen Steuerung von OneIT@Berlin zurück.

    Das ist kein Betriebsunfall. Das ist das Betriebssystem dieser Stadt: Wenn eine Aufgabe nicht gelingt, wird nicht das Hindernis beseitigt, sondern die Zuständigkeit neu sortiert.
    Die Stadt, die von anderen lebt

    Und das alles bezahlt Berlin nicht selbst. Im Finanzkraftausgleich, dem früheren Länderfinanzausgleich, war Berlin auch 2025 wieder der größte Nehmer: rund 4,2 Milliarden Euro nach ersten Schätzungen des bayerischen Finanzministeriums, bei einem Gesamtvolumen von etwa 20 Milliarden. Bayern allein zahlte rund 11,7 Milliarden ein und klagt seit 2023 in Karlsruhe gegen das System. Berlin ist seit Jahrzehnten Nehmerland. Die Hauptstadt lebt zu einem erheblichen Teil vom Geld anderer Leute – und hat sich so daran gewöhnt, dass es im Wahlkampf nicht einmal vorkommt.

    Gleichzeitig wächst die Armut. Ende 2025 bezogen rund 545.000 Berlinerinnen und Berliner Grundsicherung nach SGB II oder SGB XII: knapp 14 Prozent der Bevölkerung, jeder siebte gemeldete Einwohner. In Neukölln sind es 202 von 1000 Einwohnern, in Spandau 188, in Mitte 181, in Steglitz-Zehlendorf 78. Vor allem die Zahl der Älteren und Erwerbsgeminderten in der Grundsicherung steigt seit Jahren.

    Und wie zahlt sich diese Stadt selbst? Der Beteiligungsbericht weist für 2024 Spitzenbezüge von 535.000 Euro für einen BVG-Vorstand aus, ein Intendant kam im Jahr zuvor auf 568.000 Euro, Recherchen dieser Zeitung zeigen an der Spitze eines Landesunternehmens 691.000 Euro im Jahr. Der Regierende Bürgermeister kommt auf rund 212.500 Euro brutto. Alle Chefs der Landesfirmen verdienen mehr als der Mann, der sie beaufsichtigen lässt.

    Der Landesrechnungshof hat Vergütungen und Boni als zu hoch kritisiert, Sonderregelungen zu Unfallversicherung und Lohnfortzahlung als weder angemessen noch üblich. Die SPD-Fraktion forderte eine Deckelung. Die Finanzverwaltung lehnte ab: nicht sachgerecht, Berlin würde sich vom Arbeitsmarkt für Führungskräfte abkoppeln, man müsse die kompetentesten Manager in die Stadt holen.

    Im selben Jahr sank der Gewinn der Landesunternehmen von 403 auf 232 Millionen Euro. Man kann über Marktgehälter reden. Nur sollte dann der Markt gelten: Wer für Topgehälter Topleistung verspricht, muss erklären, warum ein halber Bezirk vier Tage im Dunkeln saß, warum Wohngeldbescheide auf Papier geschrieben wurden und warum die Stadt nicht streuen konnte.

    Berlin bezieht Transfers wie ein Sanierungsfall und bezahlt seine Spitzen wie ein Dax-Konzern. Dazwischen liegt eine Stadt, in der jeder Siebte von der Grundsicherung lebt.
    Rot-Grün-Rot: drei Parteien, drei verschiedene Städte

    Und nun steht Berlin vor einer Richtungswahl, bei der erstmals 16-Jährige abstimmen. Ein Bündnis aus Linke, Grünen und SPD unter einer Regierenden Bürgermeisterin Elif Eralp ist nach den jüngsten Umfragen rechnerisch möglich – und zwar deutlich.

    Im ZDF-Politbarometer vom 11. September kommen Linke, Grüne und SPD zusammen auf 49 Prozent; wegen der Stimmen für Parteien unter der Fünf-Prozent-Hürde ergäbe das theoretisch 73 von mindestens 130 Sitzen. Im BerlinTrend von Infratest dimap erreichen dieselben drei Parteien ebenfalls 49 Prozent. Das ist keine Rechenübung für politische Seminare. Berlin könnte es bekommen, und erstmals könnte eine Bürgermeisterin der Linkspartei ins Rote Rathaus ziehen.
    Queers for Palestine auf Fahrrädern mit Mietendeckel

    Rot-Grün-Rot wäre eine politische WG, in der alle unterschiedlich abwegige Prioritäten haben, sich aber auf den Niedergang einigen können: Queers for Palestine auf Fahrrädern mit Mietendeckel. Die Linke stellt die Eigentumsfrage, die Grünen die Verkehrsfrage, die SPD stellt sich dazwischen und behauptet, sie könne beides moderieren. Mehrere Umbauversprechen würden gleichzeitig auf dieselbe Verwaltung losgelassen, die nicht einmal ihre Computernetze sortiert bekommt.

    Die Grünen schreiben nicht wörtlich „raus mit dem Auto“. Die Richtung ist klar: weniger motorisierter Individualverkehr, teureres Anwohnerparken, kein Weiterbau der A100. Man kann das überfällig finden. Man sollte nur dafür sorgen, dass die Alternative fährt. Busse fallen aus, U-Bahnen sind voll, S-Bahnen verspätet. Trotzdem gilt der gestrichene Parkplatz als Verkehrswende. Erst wird das Auto verdrängt, dann der Ersatz versprochen, anschließend prüft jemand die Zuständigkeit. So fährt Berlin nicht in die Zukunft, sondern im Kreis – bloß mit weniger Parkplätzen. Im Grünen-Wahlprogramm steht 62 Mal das Wort „bezahlbar“. Wie, bleibt offen. Spitzenkandidat Werner Graf laviert.

    Grünen-Spitzenkandidaten Werner Graf: Im Wahlprogramm seiner Partei kommt 62 Mal das Wort bezahlbar vor.

    Grünen-Spitzenkandidaten Werner Graf: Im Wahlprogramm seiner Partei kommt 62 Mal das Wort bezahlbar vor.

    © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler

    Nebenbei: 175 Brücken in Landeszuständigkeit sind so marode, dass sie bis 2040 ersetzt werden müssen, 125 weitere sollen saniert werden; veranschlagt sind 1,84 Milliarden Euro. Die Ringbahnbrücke der A100 musste 2025 kurzfristig gesperrt und abgerissen werden. Wer über Verkehrswende streitet, sollte das im Hinterkopf haben.
    Die SPD hatte recht – aber vor 20 Jahren

    Die SPD wäre das Scharnier dieses Bündnisses und zugleich sein Gedächtnisverlust. Sie regiert Berlin seit 2001 ohne Unterbrechung mit. GSW-Verkauf, BER-Desaster, Mietendeckel, Wiederholungswahl, Digitalisierungsdesaster: Bei fast jedem großen Berliner Systemfehler saß sie am Kabinettstisch.

    Und trotzdem gehört zur Wahrheit: Die SPD von damals hat richtig gehandelt. Nach dem Bankenskandal war Berlin praktisch zahlungsunfähig. Der rot-rote Senat sparte, kürzte, verkaufte und legte die Stadt auf einen Konsolidierungskurs, der unpopulär und notwendig war. Das war keine Ideologie, das war Kassenlage.

    Nur ist das 20 Jahre her, und die Aufgabe hat sich umgedreht. Damals musste eine überschuldete Stadt gerettet werden. Heute muss eine kaputte Stadt wieder funktionieren: Brücken, Netze, Schulen, Ämter, Sicherheit. Die SPD regiert weiter mit den Reflexen von 2002 – verwalten, moderieren, dämpfen – in einer Stadt, die Aufbau braucht. Sie ist die Antwort auf eine Frage, die niemand mehr stellt.

    Dazu kommt: Am 9. September, elf Tage vor der Wahl, durchsuchten Ermittler die Schöneberger Wohnung des SPD-Spitzenkandidaten Steffen Krach, die SPD-Landeszentrale und Räume an seinem früheren Amtssitz in Hannover. Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt wegen des Anfangsverdachts der Vorteilsannahme in zwei Fällen. Krach weist die Vorwürfe nachdrücklich zurück und verweist darauf, dass eine Spende von 9900 Euro binnen 24 Stunden zurücküberwiesen worden sei. Der Landesvorstand sprach ihm einstimmig das Vertrauen aus. Es gilt uneingeschränkt die Unschuldsvermutung.

    Steffen Krach, SPD-Spitzenkandidat bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2026: Eineinhalb Wochen vor der Abgeordnetenhauswahl hat die Staatsanwaltschaft Hannover Ermittlungen gegen den SPD-Spitzenkandidaten aufgenommen.

    Steffen Krach, SPD-Spitzenkandidat bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2026: Eineinhalb Wochen vor der Abgeordnetenhauswahl hat die Staatsanwaltschaft Hannover Ermittlungen gegen den SPD-Spitzenkandidaten aufgenommen.

    © Sebastian Christoph Gollnow

    Doch die Durchsuchungen kamen zur Unzeit. Die Kraft der Stabilität muss im Wahlkampffinale erklären, warum Ermittler vor der Tür standen.
    Rot-Rot war schon einmal da

    Wer eine linke Regierung als unverbrauchtes Gegenmodell verkauft, setzt auf das kurze Gedächtnis dieser Stadt. Berlin wurde von 2002 bis 2011 rot-rot regiert, von 2016 bis 2023 rot-rot-grün. Eine linke Mehrheit wäre kein Neuanfang. Sie wäre eine Neuauflage.

    Am 25. Mai 2004 veräußerte der rot-rote Senat die GSW mit 65.700 Wohn- und Gewerbeeinheiten an ein Konsortium aus Whitehall und Cerberus. Berlin erhielt 405 Millionen Euro. Die GSW ging später in der Deutschen Wohnen auf. Ausgerechnet die Partei, die deren Vergesellschaftung heute zur roten Linie erklärt, half damals, ihr die Wohnungen zu liefern.

    Berlin verkaufte Wohnungen, weil es kein Geld hatte. Danach fehlten Wohnungen. Nun sollen sie für Milliarden, die Berlin ebenfalls nicht hat, zurückgekauft werden. Anderswo hieße das Kreislaufwirtschaft. In Berlin heißt es Wohnungspolitik.

    Auch der Mietendeckel folgte dem Muster: 2020 trotz erheblicher Warnungen beschlossen, 2021 von Karlsruhe mangels Gesetzgebungskompetenz für nichtig erklärt. Für viele Mieter blieb eine Nachforderung. In Berlin gilt ein gescheitertes Gesetz nicht als Warnung. Es gilt als erster Entwurf.
    Wenn Vermieten zum Verdacht wird

    Berlin braucht Wohnungen, da haben die Linken recht – aber nicht so. „Massenenteignungen würden das große Problem der Knappheit an bezahlbarem Wohnraum weiter verschärfen“, sagte CDU-Politiker Evers im Interview mit der Berliner Zeitung.

    In der Debatte gelten private Eigentümer als bedauerlicher Restbestand auf dem Weg zur vollständig regulierten Stadt. Das Feindbild ist der börsennotierte Konzern. Vermieter sind aber oft Privatpersonen, Erbengemeinschaften, Menschen mit einer Wohnung als Altersvorsorge. Wer sie pauschal unter Renditeverdacht stellt, verwechselt die Besitzerin einer Altbauwohnung mit einem Konzern – und wundert sich, wenn die Kleinere zuerst aufgibt.

    In der Vermieterbefragung 2026 von Haus & Grund, ausgewertet von der Humboldt-Universität, hielten es 60,5 Prozent von knapp 24.000 teilnehmenden Eigentümern für wahrscheinlich, ihre Vermietung bei weiteren Regulierungen ganz oder teilweise aufzugeben. Das ist eine Verbandsbefragung, keine amtliche Prognose. Als Warnsignal reicht sie.

    Vermieten ist in Berlin ein Hindernislauf: Mietpreisbremse, abgesenkte Kappungsgrenze, begrenzte Modernisierungsumlage, Milieuschutz, dazu steigende Kosten für Handwerker, Energie, Finanzierung. Jede Regel lässt sich begründen. In der Summe verlangt der Staat Investitionen, erschwert deren Refinanzierung und erklärt schon die Kalkulation zum Charakterfehler. Wer nicht saniert, ist verantwortungslos. Wer saniert, landet im Genehmigungsverfahren. Wer Kosten umlegt, ist gierig. Wer verkauft, bestätigt den Spekulationsverdacht. So schützt Berlin den bestehenden Mietvertrag – und verhindert den nächsten.
    „Sofort“ ist ein Wahlkampfwort

    Einen Vorgeschmack lieferte Elif Eralp Anfang der Woche mit ihrem Papier „Fünf Dinge, die ich sofort anpacke“. „Sofort“ ist in Berlin kein Zeitraum, sondern ein Wahlkampfwort.

    Punkt eins ist ein Mietendeckel für die landeseigenen Bestände. Was er kostet und welches Geld dann für Sanierung und Neubau fehlt, bleibt offen. Dazu eine „Taskforce Mietwucher“ – obwohl Berlin eine Mietpreisprüfstelle unterhält und in Marzahn-Hellersdorf seit Mai eine Taskforce gegen unzulässige Mieten arbeitet. Der kostenlose Sperrmülltag ähnelt den BSR-Kieztagen, Punkt vier ist eine Tour durch alle 56 Stadtteile.

    Bleiben ein ungedeckter Mietendeckel, eine doppelte Stelle und ein bekanntes Entsorgungsangebot. Berlin erfindet das Vorhandene neu und nennt die Wiederholung Aufbruch. Wer eine Taskforce gründet, hat noch keinen Fall gelöst. Aber es gibt ein Logo und neue Planstellen.
    Statt Wohnungen erst einmal Gutachten

    Das größere Programm verspricht jährlich 7500 kommunale Neubauwohnungen und die Überführung von rund 220.000 Konzernwohnungen in öffentliche Hand. Darüber entscheidet Berlin nicht allein.

    Der Koalitionsausschuss im Bund hat am 2. Juli beschlossen, die Verstaatlichung privater Mietwohnungsbestände durch Landesgesetze per Bundesgesetz auszuschließen. Verfassungsrechtler halten das ihrerseits für verfassungswidrig: Dem Bund fehle die Gesetzgebungskompetenz, und Artikel 15 Grundgesetz lasse sich nicht per einfachem Bundesgesetz stilllegen. Unionspolitiker halten den Weg für verfassungsfest.

    Die Lage ist also: Die einen wollen ein Landesgesetz, das viele für verfassungswidrig halten. Die anderen ein Bundesgesetz dagegen, das viele ebenfalls für verfassungswidrig halten. Der Volksentscheid von 2021, dem 57,6 Prozent der gültigen Stimmen zustimmten, wartet seit fünf Jahren auf Umsetzung. Das Vergesellschaftungsrahmengesetz vom März überführt keine einzige Wohnung und tritt erst zwei Jahre nach Beschluss in Kraft. Die amtliche Kostenschätzung ging 2021 von 243.000 Wohnungen und Entschädigungen zwischen 28,8 und 36 Milliarden Euro aus.

    Eine neue Regierung begänne also nicht mit Wohnungen, sondern mit Gutachten, Gegengutachten, Bund-Länder-Streit und Karlsruhe. Die wahrscheinlichste Folge ist nicht Sozialismus am Alexanderplatz. Es ist etwas viel Berlinischeres: ein sehr langer Prüfauftrag.
    Der blinde Fleck der Linkspartei

    Bleibt die Frage, die diese Partei im Wahlkampf selbst aufgeworfen hat. Am 29. August trat bei einer Wahlkampfveranstaltung der Neuköllner Linke ein Rapper auf und trug Zeilen vor, die als Aufruf zur Gewalt gegen die israelische Armee und als Intifada-Ruf verstanden wurden. Junge Leute tanzten und sangen mit. Kein anwesender Linke-Politiker schritt ein; ein Bezirksvorsitzender stand kurz auf der Bühne und machte Fotos. Die Polizei ermittelt wegen des Gesamtauftritts; ein früheres Verfahren zum Songtext war mit Verweis auf die Kunstfreiheit eingestellt worden. Es gilt die Unschuldsvermutung.

    Die Spitzenkandidatin der Linke, Elif Eralp

    Die Spitzenkandidatin der Linke, Elif Eralp

    © RALF HIRSCHBERGER

    Elif Eralp und Landeschefin Kerstin Wolter kritisierten den eigenen Bezirksverband scharf, Aufrufe zur Tötung von Menschen seien inakzeptabel. Angekündigte Konsequenzen blieben bislang aus. Die Palästina-Arbeitsgemeinschaft der Partei erklärte dem Bezirksverband stattdessen ihre volle Solidarität und nannte die Kritik eine ermüdende Medienkampagne. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sagte, einer Partei, die auf der eigenen Bühne nicht einschreite, könne keine Regierungsverantwortung anvertraut werden.

    Man kann Schusters Satz für zu hart halten. Wegdiskutieren kann man ihn nicht. Denn es geht nicht um einen Ausrutscher, sondern um Zuständigkeit: Wer künftig regiert, verantwortet den Schutz jüdischer Einrichtungen in einer Stadt, in der antisemitische Straftaten seit Jahren zunehmen. Eine Partei, die intern nicht klären kann, ob ein Gewaltaufruf ein Skandal oder eine Medienkampagne ist, wird das nicht glaubwürdig erledigen. Distanzierungen sind Pressearbeit. Konsequenzen wären Politik.

    Bei der Jüdischen Gemeinde diskutierten die Spitzenkandidaten vergangene Woche über Antisemitismus. Alle waren sich einig, dass er zugenommen hat.
    Berlin als sicherer Hafen

    Und dann ist da die Migrationspolitik. Berlin nahm 2025 gut 14.900 Flüchtlinge neu auf, rund 30 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Die Unterkünfte sind trotzdem voll: rund 33.000 belegte Plätze. Viele Bewohner dürften längst ausziehen, finden aber keine Wohnung. Nicht die Ankunft überfordert diese Stadt, sondern der Ausgang. Berlins Antwort war im April, den Namen des Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten um das Wort Unterbringung zu erweitern.

    Wer dezentral unterbringen und zugleich ein Landesaufnahmeprogramm schaffen will, muss sagen, wo diese Menschen wohnen sollen. Auch Flüchtlinge haben die Wohnungskrise mitverursacht, und zusätzliche Zuwanderung erhöht den Bedarf. Dazu schweigen Linke, Grüne und SPD. Und vor allem die Linke würde Berlin zum sicheren Hafen erklären und in derselben Legislatur begründen müssen, warum die Großunterkunft Tegel weiter steht.
    45,5 Milliarden: Die Rechnung kennt keine Gesinnung

    Und dann sind da die Schulden, die in keinem dieser Zukunftsbilder vorkommen. Berlin gibt 2026 rund 45,5 Milliarden Euro aus. Zwischen Ausgaben und Einnahmen klafft eine Lücke von etwa 5,4 Milliarden. Bis Ende 2027 dürfte der Schuldenstand auf rund 76 Milliarden steigen. Dazu mögliche Nachzahlungen wegen jahrelang zu niedriger Beamtenbesoldung, die der Finanzsenator mit bis zu 7,2 Milliarden beziffert.

    Diese Zahlen gehen auf das Konto mehrerer Senate. Doch jede neue Regierung erbt sie. Eigenkapital für kommunalen Wohnungsbau, eingefrorene BVG-Tarife, mehr Personal für Kitas und Schulen: Das geht nur mit Krediten, Kürzungen oder Berliner Rechenkunst. Jeder Zins-Euro fehlt bei der Schule, der Brücke, dem Bürgeramt. Berlin kann jeden Euro nur einmal ausgeben – seine Politik tut so, als müsse sie ihn nur oft genug versprechen.
    Wer schützt Berlin vor dem nächsten 3. Januar?

    Über die AfD wird in dieser Stadt viel gesagt. Über die Linke wird milder geredet – dabei bekäme sie im Fall eines Wahlsiegs womöglich die Aufsicht über Polizei und Verfassungsschutz. Ein Blick ins Programm lohnt sich.

    Dort soll die teure Aufrüstung der Polizei gestoppt, der Verfassungsschutz als Nachrichtendienst aufgelöst werden, Waffenverbotszonen und kriminalitätsbelastete Orte sollen fallen. Gegen das verschärfte Polizeigesetz klagen Linke und Grüne bereits vor dem Verfassungsgerichtshof. Der Rechtsweg ist legitim, Bürgerrechte sind kein Luxus, und anlasslose Kontrollen treffen nicht alle gleich. Die Summe ergibt trotzdem ein Programm: weniger Befugnisse, weniger Zonen, weniger Nachrichtendienst.

    Dieses Wahljahr begann mit einem Brandanschlag, den der Generalbundesanwalt als Terrorismus verfolgt, mutmaßlich aus der linksextremen Szene. Die Täter sind noch nicht gefasst. Hinzu kommen die 1,44 Millionen Behördendateien im Darknet, darunter Schwachstellenanalysen der Wasserversorgung. Eine Stadt, die binnen acht Monaten zweimal erlebt hat, wie wenig es braucht, um sie lahmzulegen, wählt womöglich eine Regierung, deren innenpolitisches Kernversprechen lautet: weniger Sicherheitsapparat.

    Doch wer Befugnisse abbaut, muss vorher erklären, was an ihre Stelle tritt – und wer am nächsten 3. Januar das Licht wieder anmacht.
    Fünf weitere Jahre Berlin

    Berlin muss funktionieren. Niemand soll im Dunkeln sitzen, damit der Senat den Katastrophenschutz ernst nimmt. Aber Berlin reformiert selten aus Einsicht. Erst der Bankenskandal erzwang einen Haushaltskurs, erst Karlsruhe beendete den Mietendeckel, erst eine gescheiterte Wahl schuf eine Neuorganisation. Diese Stadt verwechselt Warnungen mit Meinungen und Zuständigkeiten mit Fluchtwegen.

    Sie kann sich keine Regierung leisten, die moralische Gewissheit mit administrativer Fähigkeit verwechselt. Gute Absichten bauen keine Wohnung. Haltung repariert keine Brücke. Ein Beschluss schützt kein Datennetz. Ein Rahmengesetz vergibt keinen Bürgeramtstermin. Und eine Taskforce streut kein Eis.

    Der Maßstab für den nächsten Senat müsste erschreckend banal sein: Findet der Unterricht statt? Trägt die Brücke? Werden Wohnungen gebaut? Bleiben die Daten geschützt – und bei Frost die Lichter an?

    Das ist das Mindestmaß staatlicher Funktionsfähigkeit. Eine Stadt, die 4,2 Milliarden Euro im Jahr von anderen Ländern bekommt, sollte es erreichen.

    Niemand will einen Crash. Aber ohne dass Berlin wieder vor die Wand fährt, wird es wohl nicht gehen. Und wenn diese Stadt am 20. September erneut Versprechen statt Vollzug wählt, müssen wir uns den Aufprall fünf Jahre lang antun.

    #Berlin #politique #administrations #gauche

  • VieillesForêts.com
    ▻https://www.vieillesforets.com

    Ce site souhaite, sans prétention, apporter une autre perception des vieilles forêts, à travers l’expérience pyrénéenne.

    Il est totalement indépendant.

    C’est un portail d’expression pour tous ceux qui œuvrent de près ou de loin à la reconnaissance et à la protection des forêts âgées dans les Pyrénées, un milieu de vie proche de nous et pourtant méconnu.

    Habitant des Pyrénées et biologiste amateur, je suis passionné depuis plus de 20 ans par les vieilles forêts de nos montagnes.

    Les interactions que l’on y observe m’ont apporté une compréhension sensitive allant bien au delà de mes apprentissages naturalistes.

    #arbres #forets #admirer #protéger

    via reporterre

  • CNH : la désinstitutionnalisation réaffirmée, le modèle reste à construire
    ▻https://www.lemediasocial.fr/f8be13455_5866_4173_93ea_9b92c3888dc8

    Lors de la Conférence nationale du #handicap 2023, la transformation dans le secteur du handicap de toutes les structures « enfants » en offre de services coordonnés, d’ici 2027, avait été annoncée (on parle aussi parfois de plateforme de services coordonnés). L’instruction qui doit décrire ce qu’est un fonctionnement en offre de services coordonnés est en cours d’élaboration via quatre groupes de travail animés par la DGCS. Il est question d’une publication pour l’automne 2026.

    La CNH 2026, qui a eu lieu vendredi 4 septembre, réaffirme la volonté de généraliser cette nouvelle façon d’organiser l’offre et de poursuivre le mouvement de #désinstitutionnalisation. Mais tant que l’instruction n’est pas publiée, on ne sait pas précisément quel fonctionnement officiel les pouvoirs publics envisagent avec le mode « offre de services coordonnés », ni en quoi ce dernier sera différent du mode « dispositif » déjà adopté par nombre d’opérateurs, et ni s’il sera conforme aux exigences de l’ONU en matière de désinstitutionnalisation.

    ▻https://fr.wikipedia.org/wiki/%C3%89tablissement_ou_service_social_ou_m%C3%A9dico-social

    #paywall #établissements_médico-sociaux #enfants #adultes #ségrégation

  • Cyberangriff auf Berliner Senat: Erpresser stellen erbeutete Daten ins Darknet - das steht drin
    ▻https://www.berliner-zeitung.de/article/cyberangriff-auf-berliner-senat-erpresser-stellen-erbeutete-daten-i

    4.9.2026 von Mario Jacob, Andreas Kopietz - Das Ultimatum der kriminellen Hackergruppe Rhysida an den Berliner Senat ist abgelaufen. Nach dem erfolglosen Erpressungsversuch haben sie jetzt ihre Drohung wahrgemacht.

    Nach dem Ablauf eines Ultimatums hat die kriminelle Hackergruppe Rhysida am Freitagnachmittag die bei einem Cyberangriff auf die Berliner Verwaltung erbeuteten Daten im Darknet veröffentlicht. Auf der Leak-Site der Erpresser hieß es nach Ende einer angesetzten „Auktion“: „Alle Dateien wurden im öffentlich zugänglichen Bereich hochgeladen – viel Spaß beim Stöbern, Datenjäger!“

    Die Gruppe hatte vom Berliner Senat ein Lösegeld von 30 Bitcoin gefordert, umgerechnet rund zwei Millionen Euro. Ein auf der Seite geschalteter Countdown lief gegen 15.35 Uhr ab. Der Senat hatte im Vorfeld erklärt, auf die Forderung nicht einzugehen und kein Lösegeld zu zahlen.
    Personalakten und Unterschriftsproben im Datensatz

    Joachim Selzer, Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC), sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Angreifer hätten „den kompletten Datensatz für alle zur Einsicht live gestellt“. Für die Berliner Verwaltung sei das unangenehm, da es sich um „sehr viele interne Daten“ handele, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt seien. Zu sehen seien unter anderem Personalangelegenheiten und Arbeitszeugnisse.

    Daten aus dem Berliner Landesnetz sind öffentlich einsehbar.

    Daten aus dem Berliner Landesnetz sind öffentlich einsehbar.

    © BLZ

    Selzer warnte vor der Gefahr eines Identitätsdiebstahls: „Je mehr ich über eine Person weiß, desto genauer kann ich mich als diese Person ausgeben.“ Unter den veröffentlichten Dokumenten befinde sich beispielsweise ein Antrag auf ein neues Diensthandy samt der Unterschrift des zuständigen Verwaltungsmitarbeiters – für Kriminelle eine brauchbare Unterschriftenprobe. Der IT-Administrator geht davon aus, dass die Daten eher mittelfristig missbraucht würden: „Es ist schon ein großer Datenbestand, den muss erstmal jemand durchsehen.“
    Gehaltsabrechnungen, ärztliche Atteste und Entwurf für Leitfaden der Zivilverteidigung erbeutet

    Nach Darstellung der Erpresser umfasst das erbeutete Material mehr als 5000 Personalakten, Bußgeldvorgänge und Gehaltsabrechnungen. Darüber hinaus befinden sich vertrauliche Unterlagen aus Ausschüssen des Bundesrates sowie Schwachstellenanalysen zur Trinkwasserversorgung der Hauptstadt in dem Datenpaket. Es enthält zudem zahlreiche Handynummern von Personen, die in Einrichtungen der Kritischen Infrastruktur arbeiten oder auch einen 44-seitigen Entwurf für einen Leitfaden der Zivilen Verteidigung.

    Zusätzlich behaupten die Angreifer, Zugangsdaten und Passwörter im Klartext erlangt zu haben. Betroffen sein sollen unter anderem Datenbanken der Verwaltung sowie Zugänge zu Zahlungsdienstleistern.

    Die Unterlagen liegen nach aktuellem Stand im Darknet und können dort von jeder Person mit entsprechendem Zugang heruntergeladen und eingesehen werden.

    Betroffen ist ein breites Spektrum sensibler Dokumente, insbesondere aus dem Gesundheitsbereich. Dazu zählen Reha-Unterlagen, der Scan eines Schwerbehindertenausweises, Unfallanzeigen, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen sowie ärztliche Atteste.

    Die bislang sichtbaren Ordnerbezeichnungen im Datenleck weisen zudem darauf hin, dass auch dienstliche E-Mail-Korrespondenz zu Krankmeldungen und Impfungen betroffen ist. Ebenfalls unter den abgeflossenen Dateien befinden sich Scans von PCR-Testergebnissen.

    Mit der Aufklärung des Angriffs sind das Landeskriminalamt (LKA) und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) befasst. Ob die Angaben der Täter zum Umfang der erbeuteten Daten zutreffen, ist bislang nicht unabhängig verifiziert.
    Betroffene Personen sollen informiert werden

    Wie der Berliner Senat mitteilte, führen die Sicherheitsbehörden derzeit „eine intensive Datenprüfung durch“. Demnach untersuchen auch IT-Forensiker im Auftrag des Landes Berlin die veröffentlichten Daten.

    „Sofern im Rahmen der Analyse einzelne betroffene Personen identifiziert werden, werden diese risikobasiert und entsprechend der gesetzlichen Vorgaben von den zuständigen Senatsverwaltungen informiert“, hieß es weiter. Bürger, die Hinweise darauf hätten, dass ihre Daten veröffentlicht wurden oder für Straftaten genutzt werden, sollten Strafanzeige erstatten.

    Der GdP-Landesvize Thorsten Schleheider zeigt sich empört: „Dieser Cyberangriff reiht sich nahtlos in die Serie an derartigen Vorfällen rund um unsere Behörden ein. Er hat Berlins Politik einmal mehr deutlich vor Augen geführt, dass hier über Jahre gepennt wurde. Es ist richtig, sich nicht erpressen zu lassen. Aber es kann nicht sein, dass hier tagelang hochsensible Daten geraubt wurden und die einzige Reaktion scheinbar darin besteht, die Beschäftigten anzuweisen, ihre Passwörter zu ändern. Das zeugt schon von einer gewissen Hilflosigkeit. Unsere Kollegen sind nicht Schuld, dass die IT-Sicherheit im Land Berlin jahrzehntelang an die Wand gefahren wurde.“

    #Berlin #administratipn #piratage #sécurité_informatique #vol_de_données

  • La declassificazione delle “industrie insalubri” minaccia i centri abitati

    La legge 50 del 2026 ha tolto ai sindaci il potere di controllo sulla localizzazione degli impianti potenzialmente pericolosi per la salute pubblica. Sarà quindi più facile che sorgano o rimangano in contesti urbani. Con rischi molto elevati

    Sono state classificate per decenni dalla legge “industrie insalubri di prima classe” e la loro collocazione avrebbe dovuto essere lontana dai centri abitati. Con l’articolo 14 della legge 50 dell’aprile 2026 cambia però il quadro normativo: viene modificata una disciplina in vigore dal 1934, che individuava le attività potenzialmente più pericolose per la salute pubblica e attribuiva ai sindaci specifici poteri di programmazione e controllo sulla loro localizzazione. La novità è stata introdotta dal Governo Meloni con il decreto legge approvato dal Consiglio dei ministri il 29 gennaio 2026.

    Il provvedimento è stato presentato su proposta del ministro per gli Affari europei, il Pnrr e le Politiche di coesione Tommaso Foti, di concerto con i ministri della Salute Orazio Schillaci, dell’Ambiente Gilberto Pichetto Fratin e delle Imprese e del Made in Italy Adolfo Urso. Il cambiamento è passato quasi sotto silenzio ma potrebbe avere conseguenze importanti nei centri abitati dove da anni cittadini e comitati chiedono la delocalizzazione di attività, di fatto, incompatibili con il contesto urbano. La nuova norma stabilisce che le imprese in possesso di Autorizzazione integrata ambientale (Aia) non siano più classificate come “industrie insalubri”. In apparenza una questione tecnica. Nella sostanza un cambio di paradigma che ridisegna i rapporti di forza tra cittadini, amministrazioni comunali e grandi impianti industriali.

    Per capire che cosa si perde bisogna partire da lontano. Gli articoli 216 e 217 del Testo unico delle leggi sanitarie sono norme di epoca fascista, mai abrogate e considerate pienamente legittime dalla giurisprudenza amministrativa più recente. “Sono norme vecchissime ma potentissime -spiega Marco Grondacci, giurista ambientale con oltre trent’anni di esperienza in vertenze territoriali in tutta Italia-. I sindaci raramente le hanno usate fino in fondo ma quando lo facevano cambiavano davvero le cose”.

    L’articolo 216 infatti attribuiva al Comune il potere di regolamentare la localizzazione degli impianti classificati appunto come “industrie insalubri”. L’ente locale poteva stabilire, attraverso una variante al piano urbanistico o una norma del regolamento edilizio, che un certo impianto fosse incompatibile con il contesto in cui si trovava. Poteva chiederne la delocalizzazione e farlo anche se l’impianto rispettava formalmente tutte le autorizzazioni ambientali vigenti. La presenza di scuole, ospedali, asili nido, una densità residenziale elevata erano elementi sufficienti per avviare un percorso che portasse all’allontanamento dell’impianto. “Erano strumenti che distinguevano nettamente tra il rispetto dei limiti di legge e la compatibilità con il territorio -sottolinea Grondacci-. E la Cassazione lo ha ribadito in più sentenze: un impianto che rispetta la normativa può comunque produrre disagi alla popolazione e può essere sanzionato”.

    L’articolo 14 della legge 50 del 2026 ha cambiato la norma sulle “industrie insalubri”

    Con la modifica introdotta dalla recente legge tutte le industrie soggette ad Aia escono dalla classificazione di “industrie insalubri di prima classe” non perché siano diventate meno pericolose, ma perché la norma ha deciso che le autorizzazioni ambientali già esistenti siano sufficienti, automaticamente, a garantire la loro compatibilità con la vicinanza a un centro abitato. Il problema è che molte di queste localizzazioni sono l’eredità di un modello di industrializzazione novecentesco oggi non più proponibile.

    “Sembra che le istituzioni invece di valutare con attenzione i potenziali danni e gli innumerevoli disagi causati da questa situazione, abbiano preso la strada di depotenziare gli antichi vincoli che consentivano alle amministrazioni comunali di prendere iniziative atte a favorire una ordinata riconversione dei siti industriali”, spiega Stefano Luciani, consulente tecnico in contenziosi ambientali tra industrie insalubri e cittadini che da anni si battono per la loro ricollocazione in aree industriali distanti dai centri abitati. Il nodo centrale è il valore amministrativo delle autorizzazioni. L’Aia valuta il modello di esercizio di un impianto, verifica se le tecnologie utilizzate sono le migliori disponibili, se i limiti di emissione vengono rispettati. “Molto difficilmente in un processo di rinnovo di una Aia si è messo in discussione il fatto che una cementeria o un inceneritore si trovino a duecento metri da una scuola”, sottolinea Luciani.

    “L’Aia regolamenta prevalentemente gli aspetti ambientali dell’impianto, non gli effetti sanitari della sua localizzazione. È così che molti centri abitati potrebbero essere condannati a convivere con la presenza di emissioni nocive per i prossimi decenni, subendone l’impatto sanitario, mai misurato né valutato”. A rendere ancora più evidente la frattura tra tutela ambientale e tutela sanitaria è la distinzione tra Via e Vis: la Valutazione di impatto ambientale e la Valutazione di impatto sanitario. Mentre il primo procedimento, propedeutico al rilascio dell’Aia, si occupa di tutela ambientale, la Vis è indirizzata a tutelare gli aspetti sanitari ma per gli impianti esistenti non è obbligatoria e, tranne rarissimi casi, non viene effettuata.

    Con la nuova legge questa contraddizione appare rafforzata: se c’è l’Aia si presume che la salute sia automaticamente tutelata. Di ben altro avviso è il Sistema nazionale di protezione dell’ambiente (Snpa), secondo il quale l’introduzione della Vis evidenzia proprio la necessità di non limitarsi a valutare solo gli aspetti ambientali: “L’analisi degli studi di Valutazione di impatto ambientale condotti negli anni ha permesso di evidenziare -si legge- la scarsa considerazione che è stata data a una corretta valutazione dell’impatto sulla salute determinato da fattori di rischio associati a opere/impianti/progetti per le popolazioni esposte residenti nei territori limitrofi”.

    Secondo il consulente tecnico Luciani “i grandi stabilimenti soggetti all’Aia, quelli potenzialmente più impattanti per la salute pubblica, saranno meno vincolati dalla giurisdizione comunale. Il sindaco, che in linea generale assume responsabilità sanitarie nei confronti della cittadinanza, si ritrova con poteri sempre più limitati proprio dove questi servirebbero”.

    Basta dare uno sguardo a Google Maps, anche per un non esperto, per rendersi conto di quante industrie regolarizzate con Aia si trovino in aree completamente decontestualizzate. Gli esempi non mancano. Gubbio (PG), una delle città medievali più belle del mondo, è racchiusa tra due ciminiere. A Isola delle Femmine (PA), il forno di un impianto è a quattrocento metri da una spiaggia turistica, in un’area di alto valore ambientale. A Barletta una cementeria si trova nel centro abitato, a poche centinaia di metri da uno straordinario castello normanno.

    A Monselice, in provincia di Padova, un cementificio sorge dentro un parco regionale, a ridosso di case e scuole. Negli anni sono state numerose le iniziative messe in atto dai comitati civici per richiamare a un maggiore impegno per risolvere le contraddizioni, come il convegno della scorsa primavera “L’Europa verso l’economia circolare-Il caso Gubbio”, al quale hanno partecipato sia tecnici sia rappresentanti delle istituzioni.

    Nel corso dei lavori, oltre a essere stato evidenziato come il co-incenerimento dei rifiuti sia un processo contrario alle politiche europee di promozione dell’economia circolare, è stata discussa la necessità di disporre di studi epidemiologici aggiornati sulle ricadute sanitarie degli impianti collocati vicino ai centri abitati. Nel caso di Barletta, invece, in merito alle evidenze scientifiche sull’impatto sanitario delle industrie insalubri, ha creato scalpore la pubblicazione nel 2021 sulla rivista scientifica Exposure and Health: un’indagine su 366 bambini residenti in città ha dimostrato per la prima volta il fenomeno di bioaccumulo nel corpo di metalli tossici di origine antropica (nickel, cadmio, mercurio e arsenico). Lo studio inoltre accerta come coloro che vivono e frequentano la scuola nell’area in maggiore prossimità dello stabilimento siano più affetti dal bioaccumulo di metalli rispetto ai soggetti prevalentemente esposti al solo inquinamento da traffico veicolare.

    “I responsabili delle industrie potranno continuare ad affermare che il loro impianto funziona regolarmente secondo l’Aia. Ma la storia insegna che il solo rispetto di queste, fissate in modo indipendente dalla localizzazione dell’impianto, può non essere una condizione sufficiente a garantire la salute dei cittadini -conclude Luciani-. Un conto è rispettare asettici limiti normativi delle emissioni in una zona industriale, un altro è far convivere le ciminiere con luoghi stabilmente abitati. La grande proliferazione normativa italiana potrebbe così favorire il mantenimento dello status quo, rendendo compatibile amministrativamente quello che nella realtà delle cose non sarà mai conciliabile”.

    “Un conto è rispettare asettici limiti normativi delle emissioni in una zona industriale, un altro è far convivere le ciminiere con luoghi stabilmente abitati” – Stefano Luciani

    Resta così aperta una questione che la nuova norma non affronta: se il rispetto dei limiti emissivi, stabiliti quasi sempre in base a norme tecniche generali, possa essere considerato sufficiente anche quando un impianto industriale continua a operare a poche decine o centinaia di metri da case, scuole e ospedali. È su questo terreno che, secondo giuristi, tecnici e comitati, si sposteranno i contenziosi.

    ▻https://altreconomia.it/la-declassificazione-delle-industrie-insalubri-minaccia-i-centri-abitat

    #Italie #pollution #loi #industrie #industries_polluantes #localisation #aménagement_du_territoire #santé_publique #maires #Tommaso_Foti #Orazio_Schillaci #Gilberto_Pichetto_Fratin #Adolfo_Urso #industrie_insalubre #urbanisme #plan_d'urbanisme #environnement #délocalisation #Aia #Valutazione_di_impatto_sanitario (#Vis) #autorisation_environnementale #impact_sanitaire #impact_environnemental

  • #Anarcocrip

    Manifeste anarcocrip.

    L’#antivalidisme_libertaire, (ou #anarco-antivalidisme, ou anarcocrip), professe que l’#antivalidisme est une évidence pour l’anarchie, et inversement, l’anarchisme est une évidence pour l’antivalidisme.
    L’un étant la condition de l’autre.

    L’antivalidisme est une condition structurelle de la pensée anarchiste elle-même, qui doit abolir toutes les #oppressions, toutes les #dominations, toutes les #hiérarchies.
    Inversement, toute critique du validisme qui n’est pas anarchiste reste prisonnière des logiques de #normalisation et d’#adaptation au système capitaliste et au #validarcat.

    L’anarchisme est la seule idéologie qui peut accepter l’antivalidisme sans se contredire.
    Les #handies, exclues de partout, y sont accueillies avec amitié, par l’abolition de toutes les dominations. Même celles auquelles on ne pense pas. Même quand l’anarchisme n’a jamais conceptualisé l’antivalidisme, il était là, quelque part.

    L’antivalidisme force les anarchistes à revoir la définition même de la #force, de la #faiblesse, du #militantisme, de l’#engagement, de la #dépendance, de l’#autonomie, de la #liberté et de l’#égalité.
    En refusant toute #autorité, l’anarchisme pose les bases d’une #émancipation qui ne peut s’arrêter aux portes de la chair.

    L’anarcocrip refuse l’aumône de l’#inclusion. L’inclusion est un piège libéral : elle suppose qu’il y a un centre sain, normal et légitime, d’où inclure la marge. Accepter l’inclusion, c’est valider la légitimité de ceux qui fixent la #norme. C’est mendier une place dans une architecture bâtie sur notre #exclusion.
    Nous ne voulons pas une place à la table, nous voulons la renverser.

    Et si nous sommes pour une transformation de la société et du cadre de vie, nous sommes nécessairement révolutionnaires.
    Ce n’est que dans l’abolition de l’argent et du travail salarié que nous trouverons notre bonheur, notre émancipation et la #liberté_collective.

    La #révolution sera #crip ou ne sera pas. Mais la révolution n’est pas pour après-demain. La rupture avec le validarcat et la #norme_sociale ne commence pas après la chute des institutions, elle se pratique aujourd’hui. Avec une portée radicale, dans l’#entraide et la #solidarité, dans la lutte contre toutes les discriminations, dans le refus de l’#évaluation et de la #compétition, dans l’indépendance de nos existences non conformes, ici et maintenant.

    Anonyme, septembre 2026.

    “Je suis anarchiste individualiste parce que toutes les aspirations de mon moi, tendent vers ce but : le bonheur !
    Je suis anarchiste altruiste parce que j’aime mon prochain comme moi-même, parce que le spectacle de sa souffrance, de sa détresse, de sa misère m’émeut et m’afflige douloureusement !
    Je suis anarchiste révolté parce que, ayant au cœur l’amour profond et sincère de l’amitié, toute iniquité me révolte.”

    #Emile_Rinaldain. Pourquoi je suis anarchiste, 1897.

    ▻https://noblogo.org/anarcocrip
    #anarchie #anarchisme

  • Soutien à Autistici/Inventati, hébergeur désigné comme « terroriste » par l’administration Trump
    ►https://www.laquadrature.net/2026/09/01/soutien-a-autistici-inventati-hebergeur-designe-comme-terroriste-par-l

    La Quadrature du Net, comme d’autres organisations, est signataire d’une lettre ouverte publiée sur Sabot Media dénonçant la répression dont est victime Autistici/Inventati, hébergeur associatif italien, de la part du gouvernement états-unien. Nous republions cette…

    #Censure #Liberté_d'Expression

    • Il canto degli Autistici espulsi, o Addio Autisti bella

      Addio “Autisti” bella,
      Addio, Inventati mia,
      Scacciati senza colpa
      Gli Autistici van via
      E innalzano cantando
      Il loro vaffancul,
      E innalzano cantando
      Il loro vaffancul!

      Vaffanculo all’America,
      A Trump ed alla troia
      Di quella madre isterica
      Che partorì quel boia,
      Quella faccia di merda,
      E forza Yellowstone!
      Quella faccia di merda,
      E forza Yellowstone!

      Anonimi compagni
      Banditi e eliminati,
      Noi non ci arrenderemo
      A questi sciagurati,
      La libertà in Rete
      Sempre propagherem,
      La libertà in Rete
      Sempre propagherem.

      Ma voi che ci scacciate
      Con una vil menzogna,
      Fasci strisciostellati
      Per voi sarà la gogna!
      Ed oggi ti accusiamo,
      Dovrete scomparir,
      Ed oggi ti accusiamo,
      Dovrete scomparir.

      Banditi senza tregua
      Andrem di terra in terra,
      Pure noialtri impàvidi
      Di Canzon Contro la Guerra!
      La pace agli oppressi,
      La guerra agli oppressor!
      Questo verso non cambia,
      Riman lo stesso ognor!

      La Banca detta “Etica”
      Schiava d’altrui si rende,
      D’una ribelle Internet
      Le tradizioni offende!
      Bell’etica del cazzo,
      Bella sincerità,
      Bell’etica del cazzo,
      Bella pubblicità!

      Addio, cari Autistici,
      Amici Inventati,
      Da porci affaristici
      Siam stati remigrati!
      Ma i cavalieri erranti
      Testardi come un mùl
      Innalzano cantando
      Il loro vaffancùl!

      ►https://www.antiwarsongs.org/canzone.php?id=70612&lang=it
      #chanson #addio_lugano #addio_lugano_bella

  • En Allemagne, un designer crée une chemise hawaïenne qui brouille les systèmes de détection de personnes pilotés par l’IA — RT en français
    ▻https://francais.rt.com/news/137514-allemagne-designer-cree-chemise-hawaienne-qui-brouille-systemes-

    Le designer Simon Weckert a conçu « Digital Camouflage », une chemise dont les motifs colorés perturbent les systèmes de surveillance. Testé face à des détecteurs, l’imprimé brouille les indices visuels associés à la silhouette humaine. Le projet, conçu en réaction au déploiement de caméras à Berlin, entend illustrer les limites de ces technologies.

    • SIMON WECKERT — Digital Camouflage
      ▻https://simonweckert.com/digitalcamouflage.html

      #Digital_Camouflage is a garment designed to “trick” the computer-vision systems that increasingly watch public space. At first glance it reads as clothing with an abstract, almost hypnotic pattern. In fact, the textile is engineered to confuse the #object-recognition algorithms used in surveillance—the class of technology now switching on at Berlin’s Kottbusser Tor, and already humming on streets from London to Los Angeles.

      In Berlin, what is being switched on is more than a camera. It is a behaviour scanner: software that sorts what every passer-by does into “normal” and “suspicious”—the first camera legally allowed to film the city’s public space without any specific cause. To isolate a punch, sister systems have to classify dancing, hugging and countless other harmless gestures too; everyone is read, all the time, under a quiet reversal of the presumption of innocence. And Kottbusser Tor is only the template: three more locations across the city are next.

      Berlin is the beginning of a curve whose end is already visible elsewhere. In the United States, automated surveillance arrived years ago: well over a hundred thousand networked cameras log vehicles and movements across thousands of towns, their data flowing into databases that police—and federal agencies—can search without a warrant. And 2026 has become the year of the pushback: dozens of communities have voted to cancel their camera contracts, civil-rights organizations are campaigning to take the networks down, and the question of who is allowed to read the public street has entered the mainstream. This work stands in that moment, on both sides of the Atlantic.

      The pattern of Digital Camouflage is built on what is known as an #adversarial_attack: a way of manipulating the #visual_data a machine receives so that it fails to interpret what is in front of it. Worn on the body, it targets exactly the features these systems look for when searching for a human figure. The #algorithm no longer registers a person. The wearer becomes, in effect, invisible to the machine—present to every human eye, absent to the model. Whether any specific government system reacts the same way, no one outside can verify—and that opacity is precisely part of what the work makes visible: cities are deploying systems that cannot be independently tested, while the same class of technology is undone by a piece of fabric. The work was documented on site at Kottbusser Tor, in photo and video.

      What does a city get in return? Decades of research suggest that cameras rarely prevent crime—they displace it into the next street, or produce a feeling of safety rather than safety itself. A camera cannot step in when something happens; worse, it teaches bystanders not to step in either—someone official is watching, so no one has to. Meanwhile, the manufacturer of Berlin’s system is being kept secret.

      Digital Camouflage is not a tool for evading the police, and it is not a promise of anonymity. No pattern can promise to defeat every system under every condition—but worn in public, it is a visible signal that being read by machines is not something everyone consents to. A watched square changes people before any alarm ever fires. When systems that cannot be publicly tested can be undone by a piece of fabric, how much trust should we place in them before we hand them the public square—in Berlin, or anywhere else?

      A share of the proceeds from every shirt goes to organizations defending digital civil rights and fighting the expansion of #surveillance.

      #video_surveillance #surveillance_algorithmique #surveillance_de_masse
      #vêtement #motif #camouflage

  • Es gibt keinen Masterplan – Anmerkungen zur tatsächlichen Strategieentwicklung des Imperiums
    ▻https://www.nachdenkseiten.de/?p=153241

    Si tu veux changer le monde tu dois comptendre son fonctionnent actuel. La déscription suivante des processus stratégiques de l’empérialisme occidental constitue une base incontournable de la stratégie oppositionnelle.

    Une conclusion possible de l’article est un changement de paradigme pour la gauche : la question n’est plus, par exemple, si on doit participer ou non aux élections parlementaires mais sur base de quelles structures on le fait et si nos propres structures sont assez riches, puissantes et flexibles pour être capables d’éviter et de combattre la cooption et corruption de nos élus par l’ennemi de classe.

    4.2026 von Nel Bonilla - Warum gehen so viele geopolitische Analysten davon aus, dass das ressourcenstärkste Imperium der Menschheitsgeschichte lediglich durch die unzusammenhängenden, widersprüchlichen Entscheidungen einer Gruppe von Politikern gelenkt wird? Oder warum glauben andere im umgekehrten Extrem, dieses Imperium funktioniere nach einem makellosen, allwissenden Masterplan, der in einem einzigen verrauchten Hinterzimmer ausgeheckt wurde? Wenn wir auf die heutige globale Geopolitik blicken – insbesondere auf das Vorgehen des US-geführten imperialen Kerns gegen Länder wie China, Russland oder den Iran –, dann leidet ein großer Teil der alternativen Medienlandschaft an einem geradezu karikaturhaften Missverständnis darüber, wie komplexe Institutionen und Organisationen tatsächlich funktionieren. Eine Analyse von Nel Bonilla.

    Teil 1 Die Vorstellung eines makellosen „Masterplans“ ist ein Mythos.

    Als Geographin und Soziologin beschäftige ich mich seit Jahren mit Regionalplanung sowie der Entwicklung und praktischen Umsetzung politischer Maßnahmen – von der Auswertung lokaler Flüchtlingspolitik bis hin zur Beobachtung der Planungsphasen interkultureller Gesetze in Mexiko-Stadt. Was man in diesem Bereich sehr schnell lernt, ist Folgendes: Die Vorstellung eines makellosen „Masterplans“ ist ein Mythos.

    Nehmen wir als Beispiel die Bauleitplanung – die in Deutschland den Flächennutzungs- und den Bebauungsplan umfasst – für eine einzige Straße. Man kann nicht einfach eine Linie auf einer Karte ziehen und sie damit für umgestaltet erklären. Eine Straße ist bereits ein lebendiger Organismus mit ihrer ganz eigenen materiellen – sprich: physischen, sozialen und wirtschaftlichen – Realität und Geschichte. Bevor auch nur eine einzige politische Maßnahme wirksam wird, müssen die Planer das Fußgängeraufkommen untersuchen. Sie müssen jedes Gebäude erfassen, die aktuelle Nutzung bewerten, die am stärksten frequentierten Bereiche identifizieren, mit Passanten und Anwohnern sprechen und endlose, sich wiederholende Gespräche mit lokalen „Stakeholdern“ – also den verschiedensten Interessenvertretern vor Ort – führen. Dann folgen die Konzeptpapiere, die Weißbücher, die Haushaltszwänge, die Umsetzungspläne und die fortlaufenden Auswertungen. Und genau dann, wenn der Plan endlich steht, tritt eine neue Verwaltung ihr Amt an oder die materiellen Rahmenbedingungen – wie etwa die ökonomische Lage oder die Ressourcenverteilung – ändern sich, und der gesamte Prozess muss überarbeitet und angepasst werden.

    Wenn es schon derart viel bürokratische Reibung, ständige Anpassungsschleifen und gesellschaftliche Aushandlungsprozesse erfordert, um auch nur die Entwicklung einer einzigen Straße zu verändern – warum gehen dann so viele geopolitische Analysten davon aus, dass das ressourcenstärkste Imperium der Menschheitsgeschichte lediglich durch die unzusammenhängenden, widersprüchlichen Entscheidungen einer Gruppe von Politikern gelenkt wird? Oder warum glauben andere im umgekehrten Extrem, dieses Imperium funktioniere nach einem makellosen, allwissenden Masterplan, der in einem einzigen verrauchten Hinterzimmer ausgeheckt wurde?

    Wenn wir auf die heutige globale Geopolitik blicken – insbesondere auf das Vorgehen des US-geführten imperialen Kerns gegen Länder wie China, Russland oder den Iran –, dann leidet ein großer Teil der alternativen Medienlandschaft an einem geradezu karikaturartigen Missverständnis darüber, wie komplexe Institutionen und Organisationen tatsächlich funktionieren. Wenn eine US-Militäroperation ihr Maximalziel verfehlt, erklären viele Kommentatoren das Imperium sofort für „besiegt“ oder gänzlich inkompetent.

    Doch Imperien kapitulieren ebenso wenig wie Stadtverwaltungen, wenn eine politische Maßnahme scheitert. Sie werten die Ergebnisse aus, konsultieren ihre Interessengruppen, geben Studien in Auftrag und passen ihre Strategien an. Die Vorstellung, es gäbe einen grandiosen Masterplan, oder umgekehrt die Behauptung, es gäbe überhaupt keinen Plan, sind Annahmen mit handfesten politischen Konsequenzen. Ich möchte erklären, warum das so ist – und zwar aus der Perspektive von jemandem, der sich jahrelang intensiv mit der Erforschung von Planungsprozessen beschäftigt hat.

    Was Planung eigentlich ist

    Das herkömmliche Verständnis von Planung beruht auf einer fein säuberlichen, konzeptionellen Trennung zwischen der Festlegung von Zielen und deren Umsetzung. Auch wenn darin ein wahrer Kern steckt, hat dieses Denkmodell fast nichts damit zu tun, wie riesige, weitverzweigte Institutionen in der Praxis tatsächlich arbeiten.

    In der allgemeinen Vorstellung ist ein „Plan“ eine statische Blaupause – entworfen von einem einzigen genialen Drahtzieher oder einem kleinen, im Verborgenen agierenden Zirkel –, die eine makellose, lineare Abfolge von Handlungen diktiert, welche geradewegs zu einem vorherbestimmten Ergebnis führt. Aufgrund dieses Mythos ziehen Außenstehende sofort den Schluss, es gäbe überhaupt keinen Plan, sobald die Realität diesem filmreifen Bild nicht entspricht – wenn wir stattdessen ein Chaos aus konkurrierenden Dokumenten, diversen Autoren, endlosen Überarbeitungsschleifen und Anpassungen an veränderte Bedingungen vorfinden. Aber genau diese chaotische, von ständigen Anpassungen geprägte Reibung ist es, wie Planung in jeder komplexen Organisation tatsächlich aussieht.

    Schlüsseln wir die tatsächlichen Dimensionen dieses Prozesses einmal auf und übertragen wir sie direkt auf die imperiale strategische Architektur, die wir heute beobachten:

    Ein Plan ist niemals ein einzelnes, statisches Dokument. Er ist eine Hierarchie und ein Geflecht von Dokumenten. Tatsächlich ist es weitaus präziser, das Substantiv als solches komplett fallen zu lassen: Anstatt nach einem fertigen, abgeschlossenen „Plan“ zu suchen, müssen wir den kontinuierlichen Prozess der Planung in den Blick nehmen. Dieser Prozess verteilt sich über eine Vielzahl von Institutionen und Organisationen – staatliche, private, halbstaatliche und informelle. Kein einzelner Akteur kontrolliert dabei jeden Baustein. Der innere Zusammenhalt des Ganzen entsteht stattdessen durch geteilte professionelle Normen, gemeinsame Datensätze, rechtliche Vorgaben und das institutionelle Gedächtnis (d.h. die gesammelten Erfahrungen, ungeschriebenen Gesetze und Routinen von Behörden).

    Betrachten wir einen typischen Regionalentwicklungsplan, der sich über mehrere, klar voneinander getrennte Phasen und Rahmenwerke streckt:

    Strategische Rahmenkonzepte: Hier geht es um die Festlegung der übergeordneten Vision und Ziele (z. B. „Steigerung der regionalen wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit um 20 Prozent innerhalb von 15 Jahren“).
    Raumordnungspläne: Hier geht es um die Übertragung dieser abstrakten Ziele in physische Realitäten wie die Ausweisung konkreter Flächennutzungszonen und Infrastrukturkorridore.
    Fachpläne: Detaillierte Konzepte für Verkehr, Energie, Wohnungsbau und Umweltschutz, die jeweils von spezialisierten Fachbehörden mit ganz eigener Expertise und eigenen Klientelen verfasst werden.
    Umsetzungsprogramme: Die harte Realität von Haushaltsplänen, Zeitplänen, zuständigen Behörden und Leistungskennzahlen für den nächsten 3- bis 5-Jahres-Zyklus (oder für welchen Zeithorizont auch immer kalkuliert wurde).
    Evaluierungsberichte: Bestandsaufnahmen, die den Fortschritt messen, Hindernisse aufzeigen und entsprechende Anpassungen empfehlen.
    Darüber hinaus ist Planung fast nie ein linearer, einmaliger Vorgang. Selbst ein in sich abgeschlossenes Projekt wie der Bau eines Gebäudes hat einen langen Lebenszyklus, denn ein Gebäude wird nicht einfach in einen luftleeren Raum gesetzt; vielmehr ist es fest in einer physischen Umgebung verankert – inmitten bestehender Infrastruktur, sich wandelnder Stadtviertel und größerer regionaler Ökosysteme –, die ihrerseits ständigen eigenen Planungsprozessen unterliegt. Das Gebäude wird schlichtweg zu einem Knotenpunkt in diesem größeren, beständigen Geflecht.

    Echte Planung ist daher ein kontinuierlicher Kreislauf aus Konzeptentwicklung, praktischer Umsetzung, Auswertung und Überarbeitung. Sie umfasst fest verankerte Mechanismen zur ständigen Anpassung: Alternativszenarien, Rückkopplungsschleifen und vorgeschriebene Prüfintervalle. Die Tatsache, dass sich ein Plan als Reaktion auf neue Rahmenbedingungen ändert, ist folglich ein Zeichen dafür, dass der Planungsprozess funktioniert. Die Anpassung an diese ständigen Reibungen gehört schlichtweg zum Alltag in der Planungspraxis.

    Wenn der Stadtrat beschließt, einen neuen Recyclinghof zu bauen, rollen nicht einfach am ersten Tag die Bagger an. Stattdessen gibt es drei hitzige Haushaltsdebatten, weil die ursprünglichen Kostenkalkulationen dreimal geplatzt sind. Es muss eine obligatorische Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt werden. Ein Anwohner legt Widerspruch dagegen ein, was eine Sondersitzung des Planungsausschusses nach sich zieht. Das wiederum verzögert den Zeitplan und erzwingt letztlich eine Nachverhandlung mit dem privaten Bauunternehmen. Das Bild dürfte vertraut sein.

    Wenn das passiert, verstehen wir intuitiv, dass der Weg durch diese zermürbende Bürokratie – also die ständige Anpassung an diese Reibungen – ein fester Bestandteil des Planungsprozesses ist. Doch wenn dieselbe strukturelle Anpassung auf der Ebene der imperialen Strategie stattfindet, schlagen viele die Hände über dem Kopf zusammen, verweisen auf genau diese Reibung und erklären, das Imperium versinke im „Chaos“.

    Den imperialen Prozess nachzeichnen: Das Beispiel „Energie als Waffe“

    Wir können die transatlantische strategische Architektur rund um den Einsatz von Energie als Waffe direkt auf diese alltäglichen Planungsstrukturen übertragen. Mir ist bewusst, dass globale Energiepolitik ein hochgradig brisantes Thema ist. Lassen Sie mich deshalb einem beliebten Scheinargument in diesem Zusammenhang direkt den Wind aus den Segeln nehmen: Nein, ich behaupte keineswegs, dass die USA die Absicht haben oder auch nur versuchen, die ganze Welt erfolgreich mit Energie zu versorgen. Darum geht es hier schlichtweg nicht.

    Stattdessen geht es hier um Folgendes: Die Steuerung dieser globalen Energieströme – sprich: der weltweiten Lieferketten von Erdöl, Gas und anderen Rohstoffen – und insbesondere ihre Instrumentalisierung als Waffe und ihre gezielte Vorenthaltung – funktioniert nach den Regeln eines klassischen Fachplanungsprozesses.

    Wir sprechen hier von weitreichenden Finanz- und Handelssanktionen und militärischen Eingriffen gegen Länder wie Venezuela oder den Iran, die globale Versorgungsketten – etwa nach China oder Südostasien – empfindlich stören. Wir sprechen von Preisdeckeln und dem gezielten Kapern russischer Öltanker. Wir sprechen von Technologie-Blockaden und der Kontrolle maritimer Nadelöhre, während gleichzeitig die eigene Überproduktion, wie etwa US-Flüssiggas (LNG), massiv in Märkte wie Europa oder Asien gepumpt wird, um Konkurrenten zu verdrängen.

    Dieser Prozess folgt demselben administrativen Rhythmus wie die Arbeit unseres Stadtrats. Betrachtet man die Aktenlage, offenbart sich der imperiale „Plan“ als ein kontinuierliches, vielschichtiges System:

    Das strategische Rahmenkonzept:

    Die National Energy Policy (Nationale Energiepolitik) von 2001, hervorgegangen aus Dick Cheneys Treffen hinter verschlossenen Türen mit den Konzernchefs der Energiewirtschaft, dient hier als Grundlagendokument. Sie formuliert das übergeordnete, langfristige Ziel: den Schwerpunkt der globalen Energieversorgung in die westliche Hemisphäre zu verlagern und die Abhängigkeit von ausländischen Mächten, die nicht immer Amerikas Interessen im Sinn haben, zu verringern.

    Die Raumordnungskonzepte:

    Berichte wie „Fueling a New Order“ (2014) der Denkfabrik Brookings fungieren als Übersetzer. Sie nehmen das strategische Ziel und übertragen es auf geopolitische Szenarien. Dabei identifizieren sie die neuen Möglichkeiten, die durch die Schiefergas-Revolution (Fracking) in den USA entstanden sind, definieren kritische Nadelöhre sowie Transportkorridore und skizzieren die Logik der „mutually assured denial“ – also einer Art gegenseitig zugesicherten Blockadefähigkeit.

    Dahinter verbirgt sich die strategische Einsicht, dass die USA industriell aufstrebende Mächte nicht mehr einfach militärisch übermannen oder abschneiden können, während diese Länder im Gegenzug anerkennen müssen, dass sie die US-Präsenz aus ihren maritimen Einflusssphären vorerst nicht vertreiben können.

    Die Fachpläne:

    Als Nächstes überführen militärische Akademien und Denkfabriken diese Konzepte in die operative Praxis. Die Naval Postgraduate School (die Elite-Universität der US-Marine) hält Seminare zum Thema „Energy Defense“ (Energieverteidigung) ab, in denen bereits 2015 in einer Vorlesung die sogenannte „Reverse Oil Weapon“ – die umgekehrte Ölwaffe – thematisiert und explizit auf eine Blockade der Straße von Hormus Bezug genommen wird. Hier wird Energie ganz offen als eigener Bereich der Seekriegsführung behandelt.

    Das Army War College veröffentlicht zeitgleich Strategiepapiere wie „New Realities“ (Neue Realitäten: Energiesicherheit in den 2010er-Jahren und die Folgen für das US-Militär), in denen detailliert skizziert wird, wie die USA ihre neue Dominanz durch die Fracking-Revolution strategisch nutzen können, um geopolitische Konkurrenten wie Russland und den Iran vom Markt zu verdrängen und asiatische Verbündete enger an sich zu binden.

    Die Umsetzungsprogramme:

    Schließlich schlagen sich diese Konzepte in der realen Welt nieder – und zwar über Haushaltspläne, die strategische Ausrichtung und Stationierung von Truppen (sogenannte Force Postures) und rechtliche Rahmenbedingungen. Genau das sehen wir bei konkreten Maßnahmen wie der NATO-Mission „Operation Arctic Sentry“ (Operation Arktischer Wächter), dem Maritime Action Plan (Maritimer Aktionsplan) der US-Marine oder bei neuen Gesetzen wie dem SHIPS for America Act von 2025 – einem weitreichenden Gesetzespaket, das die amerikanische Schiffbauindustrie mit massiven Staatsmitteln wieder aufrüsten soll, um in der globalen Großmachtrivalität auf den Meeren bestehen zu können.

    Die Evaluierungs- und Anpassungsmechanismen:

    Gipfeltreffen wie die Bilderberg-Konferenz, die Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) oder das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos fungieren in diesem System als eine Art Prüfungsausschüsse. Tagesordnungspunkte wie „Arktische Sicherheit“ oder „Energiediversifizierung“ sind letztlich nichts anderes als die formellen Überschriften, unter denen die versammelten Akteure den bisherigen Fortschritt bewerten, Hindernisse aufzeigen und die notwendigen strategischen Anpassungen koordinieren.

    Ein konkretes Resultat dieses kontinuierlichen Kreislaufs ist die strategische Entwicklungslinie der Politik gegenüber dem Iran: Sie bewegt sich vom JCPOA (dem internationalen Atomabkommen) über die Kampagne des maximalen Drucks und Phasen der verdeckten Eskalation bis hin zu den gegenwärtigen Verhandlungen über eine Absichtserklärung.

    Jede dieser Phasen zieht ihre Lehren aus der vorangegangenen. Das übergeordnete Ziel bleibt dabei stets konstant – nämlich den Iran als souveräne Bedrohung zu neutralisieren –, doch die Methoden werden kontinuierlich an die auftretenden Reibungen angepasst. Nichts von alledem bedarf eines einzigen Urhebers, eines einzigen verrauchten Hinterzimmers oder eines streng geheimen Dokuments mit der Aufschrift „Der Masterplan“.

    Was es stattdessen braucht, ist ein institutionelles Ökosystem. Der innere Zusammenhalt entsteht durch ein gemeinsames strategisches Vokabular, das über Jahrzehnte hinweg in unterschiedlichsten Institutionen verinnerlicht wurde. Diese gemeinsame Sprache ermöglicht es völlig verschiedenen Akteuren in ganz unterschiedlichen Fachbereichen, Dokumente zu produzieren, die sich nahtlos gegenseitig verstärken. Weil das Personal innerhalb dieser Institutionen denselben strukturellen Anreizen folgt – man denke an Karrieresprünge und den Drehtür-Effekt zwischen Thinktanks, Regierungsämtern und Konzernen – und als transatlantische Funktionselite eine gemeinsame Klassenposition teilt, ist eine ausdrückliche Koordination oftmals gar nicht nötig. Ihre Pläne decken sich einfach deshalb, weil ihre Institutionen sozial und materiell auf derselben Linie liegen und diese über Jahre und Jahrzehnte historisch gewachsen ist.

    Verschiedene Autoren, verschiedene Zielgruppen

    Ein weiterer aufschlussreicher Punkt ist, dass die unterschiedlichen Dokumente innerhalb eines Planungsprozesses von unterschiedlichen Autoren verfasst werden und sich an gänzlich andere Zielgruppen richten. Ein strategisches Rahmenkonzept wird von hochrangigen Kommissionen (wie der Arbeitsgruppe des damaligen US-Vizepräsidenten Dick Cheney) erarbeitet und hat politische Entscheidungsträger sowie Unternehmensvertreter als Zielgruppe. Ein operatives Konzept hingegen wird von militär-akademischen Forschern (wie jenen an der Naval Postgraduate School) verfasst; das Publikum hierfür sind Stabsoffiziere der mittleren Führungsebene und Verteidigungsplaner. Ein konkretes Umsetzungsprogramm wiederum wird von Behördenmitarbeitern geschrieben und richtet sich an Programm-Manager und Haushaltsbeamte. Und so weiter …

    Diese bewusste Aufteilung nach Autoren und Zielgruppen ist ein Beweis für einen ausgereiften, institutionell ausdifferenzierten Planungsapparat. Dass die Cheney-Arbeitsgruppe nicht die Seminare der Naval Postgraduate School konzipiert und Letztere wiederum nicht die Tagesordnung der Bilderberg-Konferenz festlegt, spiegelt wider, wie die Planungsfunktion auf ein ganzes Netzwerk hochspezialisierter Institutionen verteilt ist. Jede von ihnen steuert einen Baustein zu einer übergeordneten Architektur bei. Kein einzelner Akteur kontrolliert dieses Gebilde vollständig, und dennoch bringt es in sich schlüssige, strategisch stringente Resultate hervor.

    Ein dezentraler, vernetzter Planungsapparat bedeutet also keineswegs, dass es keinen Plan gibt. Der Kern der institutionalisierten Planung in komplexen Systemen – seien es nun Regierungen, riesige Unternehmensnetzwerke, große Organisationen oder auch regionale Staatenbünde – besteht ja gerade darin, dass niemand im Sinne eines einzelnen, alles lenkenden Kopfes „das Sagen“ haben muss. Die Institutionen selbst bringen diese strategische Geschlossenheit ganz ohne zentralen Planer hervor – und zwar durch ihre festen Abläufe, ihre Karrierewege, ihre Finanzströme und nicht zuletzt durch ihre ideologischen Grundannahmen, die sich über Jahrzehnte hinweg herausgebildet haben.

    Die Rückkopplungsschleife in der Praxis: das Fallbeispiel Iran

    In der Stadt- und Regionalplanung werden Pläne nicht einfach einmalig ausgeführt und dann zu den Akten gelegt. Sie werden umgesetzt, überwacht, evaluiert und in einem kontinuierlichen Zyklus angepasst – eine Rückkopplungsschleife. Wenn wir uns nun die imperiale strategische Architektur in Bezug auf den Iran genauer ansehen, können wir diese Logik am Werk sehen. Wir beobachten dabei verschiedene „Iterationen“, womit ich einen wiederholten, sich stetig anpassenden Durchlauf meine:

    Iteration 1 (Verhandelte Eindämmung):

    Das JCPOA (das internationale Atomabkommen von 2015) war der Plan, das iranische Atomprogramm durch eine „diplomatische“ Eindämmung zu kontrollieren. Dieser Plan wurde in der Folgezeit von der Trump-Administration evaluiert, für eine umfassendere regionale Eindämmung als unzureichend bewertet und schließlich verworfen.

    Iteration 2 (Maximaler Druck):

    Die Strategie wurde überarbeitet und auf eine Kampagne der wirtschaftlichen Erdrosselung umgestellt. Als auch dies evaluiert und als unzureichend eingestuft wurde, um eine iranische Kapitulation herbeizuführen, eskalierte man zu „kinetischen Aktionen“ – im militärischen Sprachgebrauch ist damit der tatsächliche Einsatz physischer, tödlicher Gewalt gemeint. Dies zeigte sich in der Ermordung von General Soleimani und der verdeckten Sabotage von Energieinfrastruktur, was letztlich direkt in den Krieg von 2024 bis 2026 mündete.

    Iteration 3 (Kinetischer Krieg & Maritime Blockade):

    Dieser Krieg wurde quasi in Echtzeit evaluiert. Die Straße von Hormus wurde zu einem aktiv umkämpften Seegebiet und eine Seeblockade wurde errichtet. Das Konzept der „Reverse Oil Weapon“ (der umgekehrten Ölwaffe) – das, wie wir gesehen haben, bereits ein Jahrzehnt zuvor an der Naval Postgraduate School vermittelt worden war – wurde offiziell in die Praxis umgesetzt. Und all dies geschah, während die bisherigen Instrumente aus der zweiten Iteration (die Wirtschaftssanktionen) weiterhin parallel zum Einsatz kamen.

    Iteration 4 (Fragmentierung & die Absichtserklärung):

    Nachdem es nicht gelungen ist, durch militärische Mittel eine vollständige Kapitulation zu erzwingen, vollzieht die Strategie einen erneuten Schwenk. Das gegenwärtige Memorandum of Understanding (die informelle Absichtserklärung) steht für einen gezielten Ansatz der Fragmentierung – höchstwahrscheinlich nach dem Vorbild jener Strategien, die bereits gegen Venezuela zum Einsatz kamen, oder angelehnt an das Rahmenwerk des sogenannten Board of Peace (Friedensrat). Dieses Vorgehen bietet der lokalen integrationswilligen Fraktion (also jenen Teilen der iranischen Elite, die eine wirtschaftliche Annäherung an den Westen suchen) einen Weg zu dringend benötigter finanzieller Liquidität. Im Gegenzug werden dem Iran jedoch nahezu unumkehrbare Zugeständnisse abgepresst – wie etwa der Verzicht auf die strategische Kontrolle der Straße von Hormus und das Einfrieren des Atomprogramms – und das im Tausch gegen westliche Versprechen, die jederzeit widerrufen werden können.

    Diese Zugeständnisse wären deshalb de facto unumkehrbar, weil die Falle struktureller Natur ist: Die Unterzeichnung des Abkommens zwingt den Iran in eine neue diplomatische und infrastrukturelle Realität. Jede zukünftige Schließung der Straße von Hormus wäre dadurch auf der internationalen Bühne mit weitaus höheren politischen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Darüber hinaus manipuliert diese Dynamik direkt das Machtgleichgewicht zwischen den konkurrierenden Elitenfraktionen innerhalb des Irans, indem von außen diktiert wird, wer zu welchem Zeitpunkt an politischer Hebelwirkung gewinnt. Zwar verdienen die genauen Mechanismen dieser internen Machtkämpfe – und was sie für den zukünftigen Einsatz asymmetrischer Abschreckungsmittel (wie etwa verbündete Milizen oder Drohnennetzwerke) bedeuten – eine eigene, ausführliche Analyse, doch auf den ersten Blick scheint die übergeordnete imperiale Funktion dieses Abkommens teilweise darin zu bestehen, den inneren Zusammenhalt des Zielstaates zu zerschlagen.

    Die Tinte unter dieser Absichtserklärung ist kaum getrocknet, und die geopolitische Lage bleibt hochgradig im Fluss. Daher kann dies zwangsläufig nur eine erste Einschätzung seiner strategischen Funktion sein. Doch ob dieses konkrete Abkommen nun hält, schon im nächsten Monat in sich zusammenbricht oder zu etwas völlig anderem mutiert, seine Rolle bleibt dieselbe: Es ist der neueste Datenpunkt in einer fortlaufenden Rückkopplungsschleife.

    Jede einzelne dieser Phasen ist eine Iteration, und jede Iteration zieht ihre Lehren aus den Reibungsverlusten der vorangegangenen. Das übergeordnete Ziel bleibt dabei stets konstant: den Iran als souveräne, unabhängige Bedrohung zu neutralisieren. Doch die Methoden passen sich an. Dies ist kein Masterplan im Sinne eines überzeichneten Hollywood-Klischees – und es ist ebenso wenig bloßes Chaos oder reine Planlosigkeit. Es ist ein Planungsprozess im soziologischen Sinne; komplex, mehrphasig, von verschiedensten Akteuren verfasst, anpassungsfähig und innerhalb seiner eigenen strategischen Grammatik in sich schlüssig.

    (Ende Teil 1)

    Es gibt keinen Masterplan – Anmerkungen zur tatsächlichen Strategieentwicklung des Imperiums, Teil 2
    ▻https://www.nachdenkseiten.de/?p=153237

    Teil 2 Die Tiefe der Details: Haushaltspläne und Notfallpläne

    5.7. 2026 von Nel Bonilla - Über die Rückkopplungsschleifen hinaus zeichnet sich professionelle Planung durch ihre Detailtiefe aus, unter anderem durch das ständige Entwerfen von Ideal- und Ernstfallszenarien, strenge Finanzierungsrahmen und rigorose qualitative Analysen. Der imperiale Planungsapparat legt ebenfalls dieses Maß an Detailtiefe an den Tag.

    Das Papier der renommierten Brookings-Denkfabrik mit dem Titel Fueling a New Order („Die Befeuerung einer neuen Ordnung“) modelliert beispielsweise detailliert verschiedene Szenarien für die Energiebeziehungen zwischen den USA und China.

    Ganz ähnlich skizziert das bekannte Rahmenkonzept Which Path to Persia? („Welcher Weg nach Persien?“) derselben Denkfabrik verschiedene Druckmittel – Sanktionen, verdeckte Operationen, diplomatische Isolation, die Störung der Energieversorgung und militärische Schläge – als ein modulares Baukastensystem von Optionen.

    Diese können je nach situativer Reibung (also abhängig vom jeweiligen Widerstand der Gegenseite) flexibel kombiniert und zeitlich gestaffelt werden. Die Naval Postgraduate School geht sogar noch einen Schritt weiter und führt in ihren Seminaren zur „Energie-Verteidigung“ regelrechte Planspiele (sogenannte Wargames) mit diesen Variablen durch. Ziel ist es, die Effekte zweiter und dritter Ordnung – also die komplexen mittel- und langfristigen Kettenreaktionen – auf die globalen Energiemärkte, das Management von Bündnissen und das Verhalten der gegnerischen Akteure zu berechnen.

    Entscheidend ist jedoch, dass diese Planung weit über theoretische Planspiele hinausgeht und finanzpolitische Realitäten sowie tiefgreifende qualitative Debatten umfasst. Die budgetäre und operative Dimension wird in der Gesetzgebung verankert. Der SHIPS for America Act (ein US-Gesetz zur Stärkung der heimischen Schifffahrt) legt etwa die genauen finanziellen Anreize und Strafen fest, die für den Wiederaufbau der US-Handelsflotte erforderlich sind. Der Maritime Action Plan (der maritime Aktionsplan) diktiert derweil den exakten Prozentsatz an strategischen Frachtgütern, der bis zu bestimmten Stichtagen zwingend auf in den USA gebauten Schiffen transportiert werden muss.

    Die qualitative Dimension dieses Planungsprozesses wiederum lässt sich anschaulich an der intellektuellen Spannung zwischen Persönlichkeiten wie Ayşe Zarakol und Niall Ferguson auf der Bilderberg-Konferenz 2026 ablesen. Da solche Foren hinter verschlossenen Türen tagen, müssen wir die inhaltlichen Konturen der Gespräche aus der spezifischen Expertise des Teilnehmerkreises ableiten. Während Zarakol intensiv zu historischen Alternativen und dem schwindenden Machtmonopol des Westens forscht, gilt Ferguson als klassischer Analytiker imperialer Großmachtstrukturen. Die Anwesenheit genau dieser auf globale Machtzyklen spezialisierten Historiker lässt daher darauf schließen, dass sich die Debatte der anwesenden Funktionseliten darum drehte, wie die aktuelle hegemoniale Herausforderung grundlegend zu konzeptualisieren sei: Erleben wir gerade eine Rückkehr zu 1947, zu 1914 oder gar in das 17. Jahrhundert? Dies ist eine rein qualitative, historische Debatte, und es ist jene Art von Grundsatzfrage, die langfristige imperiale Planungshorizonte prägt und die ihr zugrunde liegende Planungskultur definiert.

    Die Banalität des Masterplans: Fallbeispiel NATO

    Jede regionale, überregionale und sogar globale Institution funktioniert nach denselben profanen Abläufen, die wir hier bislang skizziert haben.

    Bei der Recherche für einen anderen Artikel über die NATO stieß ich kürzlich auf ein Dokument mit dem Titel „NATO-Handbuch zur Auswertung gewonnener Erkenntnisse“ (NATO Lessons Learned Handbook, Dritte Ausgabe, veröffentlicht im Februar 2016 vom Gemeinsamen Zentrum für Analyse und Erfahrungsauswertung unter Mithilfe von Reservisten der US-Marine). Es ist im Grunde ein Handbuch, das detailliert beschreibt, wie die NATO plant zu planen – und wie sie ihre eigenen Strategien evaluiert.

    Ich kann Ihnen sagen: Sie werden vor Langeweile sterben, wenn Sie versuchen, es zu lesen. Allein das Inhaltsverzeichnis wirkt wie ein starkes Schlafmittel und glänzt mit „fesselnden“ Kapiteln wie „Gathering Observations“ (Das Sammeln von Beobachtungen), „Staffing Lessons Identified to Lessons Learned“ (Die behördliche Überführung identifizierter Erkenntnisse in gelernte Lektionen) sowie einem Anhang mit einer „Lessons Learned Capability Checklist“ (Checkliste zur Evaluierungskompetenz), die Organisationen anhand ihrer mentalen Einstellung, ihrer Führungsstrukturen und ihrer Werkzeuge bewertet. Doch genau diese schiere, unverfälschte Langeweile ist das ultimative Gegengift gegen den Mythos vom geheimen „Masterplan“.

    Das Handbuch erklärt mit der unbeirrten Ernsthaftigkeit von jemandem, der Jahrzehnte im Inneren von Institutionen verbracht hat, den zermürbenden Spießrutenlauf, den eine bloße Beobachtung überstehen muss, um zu einer offiziellen Erkenntnis zu werden. Wenn Sie eine Beobachtung zur Prüfung einreichen, müssen Sie sich zunächst fragen: „Ist dies eine objektive Beobachtung und nicht nur eine simple Beschwerde über etwas oder jemanden?“ Dann: „Handelt es sich um ein systemisches Problem und nicht bloß um den einfachen Fehler einer Einzelperson?“ Und dann, mein persönlicher Favorit: „Würden Sie Ihr eigenes Geld ausgeben, um dieses Problem zu beheben? Würden Sie Ihre eigene Zeit opfern, um dieses Problem zu beheben?“

    Wenn die Antwort auf all diese Fragen „Ja“ lautet, darf Ihre Beobachtung in die nächste Phase des Prozesses vorrücken. Dort wird sie rigoros mit Metadaten verschlagwortet (Datum, Geheimhaltungsstufe, Freigabeberechtigung, Titel, NATO-Hauptfähigkeitsbereich). Wenn diese Planer ein strategisches Scheitern analysieren, konsultieren sie also keine ominöse Geheimloge. Stattdessen nutzen sie eine Brainstorming-Methode aus dem Personalwesen namens „Fünfmal Warum“: Die Mitarbeiter sitzen um einen Tisch herum und fragen einfach immer wieder „Warum ist das passiert?“ – wie Schüler, die eine Ursachenanalyse durchführen. Es gibt sogar strenge Verwaltungsvorschriften, die die Offiziere daran erinnern, in ihren Tabellenkalkulationen den „Einreicher“ und den „Ansprechpartner“ korrekt auszufüllen, damit die Dateien bloß nicht auf dem lokalen Server verloren gehen.

    Der „Bunkerstaat“ wird von derselben seelentötenden Bürokratie zusammengehalten wie Ihr örtliches Bauamt. Das NATO-Handbuch enthält buchstäblich eine Checkliste zur „Auswahl von Softwarelösungen“, in der die Planer gebeten werden, allen Ernstes folgende Punkte zu bedenken: Wie hoch sind die Anforderungen an die Bandbreite? Ist die Software benutzerfreundlich? Welche Funktionen zur Berichtserstellung werden benötigt?

    Nehmen wir als Beispiel, wie dieses Dokument die Anpassung des Militärs an unkonventionelle Sprengvorrichtungen (sogenannte IEDs, also selbstgebaute Sprengsätze) beschreibt. Wenn die imperiale Militärmaschine auf eine tödlich endende Störung wie eine solche Sprengfalle stößt, wie passt sie sich dann an? Schnippt ein allmächtiger Planer im Hintergrund einfach mit den Fingern? Nein. Dem Handbuch zufolge durchläuft die zuständige Fachgemeinschaft einen kontinuierlichen Lernzyklus: Sie erstellt zunächst einen Bericht, in dem festgehalten wird, was man aus dem Vorfall lernen kann. Dieser wird dann an multinationale Arbeitsgruppen weitergeleitet, um die „Standardarbeitsanweisungen“ zu aktualisieren. Und dann – ich mache keine Witze – institutionalisieren sie die neuen Abläufe in der militärischen Ausbildung und teilen sie dem aktuellen Personal „über Rundschreiben und Mitteilungsblätter“ mit.

    Das Handbuch hält sogar kurz inne, um seine Leser daran zu erinnern, dass die zielgruppengerechte Aufbereitung wichtig ist, wenn diese Erkenntnisse weitergegeben werden: „Die Art und Weise, wie Sie Informationen zur EA [Erfahrungsauswertung] einem General präsentieren, der diese für eine Führungsentscheidung benötigt … muss sich von der Art und Weise unterscheiden, wie Sie diese einem Gefreiten präsentieren, der die Informationen zur Verbesserung seiner eigenen täglichen Arbeitsabläufe braucht.“ Man kann sich den General und den Gefreiten förmlich vorstellen, wie jeder von ihnen sein passend formatiertes Rundschreiben erhält, während die Maschinerie des institutionellen Lernens leise im Hintergrund summt.

    Das ist es also. Das ist das mystische, rauchgeschwängerte Hinterzimmer. Das ist der vermeintlich allmächtige imperiale „Masterplan“. Eine unerbittlich mahlende, iterative bürokratische Schleife aus „Umsetzung und Evaluierung“. Wenn das Imperium scheitert, was tut es dann? Es öffnet einfach eine neue Tabellenkalkulation, benennt einen neuen Ansprechpartner, entwirft eine „Identifizierte Lektion“ und passt die Vorgehensweise an.

    Am Ende des Tages ist dieses Dokument nichts Weiteres als ein institutionalisierter, sich selbst korrigierender Lernapparat, der sich kontinuierlich anpasst, Tausende von Mitarbeitern in Dutzenden von Kommandostrukturen einbindet und eine strategische Geschlossenheit hervorbringt – und das ganz ohne einen einzigen, alleinigen Autor oder ein einziges, allumfassendes Dokument. Genauso denkt das Imperium wirklich. In Handbüchern. In Rundschreiben.

    Natürlich ist dies „nur“ die NATO. Wenn ich vom „Imperium“ spreche, beziehe ich mich immer auf eine vernetzte Struktur – einen vielschichtigen Käfig aus unzähligen Knotenpunkten, die durch gemeinsame Klasseninteressen zusammengehalten werden. Doch unabhängig vom spezifischen Knotenpunkt bleibt die Kernaussage bestehen: Diese profane, administrative Maschinerie ist jener mystische Prozess, der zu dem führt, was externe Beobachter als „Pläne“ bezeichnen.

    Die Überwindung des falschen Gegensatzes von „4D-Schach“ und „Chaos“

    Zu behaupten, einem Imperium fehle es an einem Plan, nur weil sich seine Methoden ständig ändern, bedeutet, einen tiefgreifenden Kategorienfehler zu begehen. In komplexen Systemen ist die Anpassung von Methoden als Reaktion auf materielle Reibung die schiere Essenz von Planung. Jeder starre Bauplan, der sich nicht an Rückkopplungen anpassen kann, ist ein Plan, der unweigerlich zum Scheitern verurteilt ist.

    Dies wirft eine notwendige theoretische Frage auf: Wann scheitert ein sich selbst anpassender Planungsprozess eigentlich wirklich? Die Antwort lautet: Wenn das grundlegende Ziel selbst zertrümmert wird und aufgegeben oder ersetzt werden muss, anstatt bloß auf einen neuen Weg umgeleitet zu werden. Solange das nicht passiert, ist diese Anpassung einfach nur das vorschriftsmäßige Funktionieren der Maschine. Die Tatsache, dass die imperiale Strategie in Bezug auf den Iran ständig mutiert – vom Atomabkommen über den „Maximalen Druck“ und den kinetischen Krieg hin zur Absichtserklärung –, ist der Beweis für einen funktionierenden Planungsprozess. Denn das Endziel bleibt völlig unverändert: den Iran als souveräne, autonome Entität zu neutralisieren.

    Wie wir gesehen haben, sieht die soziologische Realität der Planung innerhalb großer, hegemonialer Institutionen so aus, dass sie:

    über ein riesiges Ökosystem von Akteuren, Behörden und elitären Foren verteilt ist.
    nach operativer Phase, Zielgruppe und Detailtiefe ausdifferenziert wird.
    eher iterativ und zyklisch anstatt streng linear verläuft.
    sich an geopolitische Reibungen in Echtzeit sowie an strukturelle Rückkopplungsschleifen anpasst.
    auf der Ebene der „strategischen Grammatik“ und der gemeinsamen Klasseninteressen in sich schlüssig bleibt, selbst wenn spezifische taktische Manöver drastische Schwenks vollziehen.
    Der transatlantische imperiale Apparat weist jede einzelne dieser Eigenschaften auf. Wenn wir das verstanden haben, entlarvt sich die vorherrschende geopolitische Debatte als falscher Gegensatz. Das „4D-Schach“-Lager spürt diese Kohärenz intuitiv richtig auf, schreibt sie aber fälschlicherweise einem einzigen Akteur zu. Umgekehrt sucht das „Chaos“-Lager nach dem Falschen – nach einem einzigen, statischen, allwissenden „Masterplan“ – und zieht, nachdem es korrekterweise feststellt, dass ein solcher nicht existiert, den falschen Schluss, es gäbe überhaupt keine Strategie.

    Die Realität ist jedoch geprägt von institutioneller Konvergenz. Es handelt sich um eine Dynamik, die über ein Netzwerk aus Denkfabriken, Militärakademien, Vorstandsetagen und elitären Zusammenkünften verteilt ist. Sie erzeugt eine unerbittlich kohärente strategische Ausrichtung, ohne dass es dafür eines einzigen Autors oder eines allumfassenden Masterdokuments bedarf.

    Diesen Rahmen zu erkennen, ist zweifellos beunruhigend, da er einen Gegner offenbart, der tief verwurzelt, anpassungsfähig und institutionell widerstandsfähig ist. Aber dieses Wissen ist auch politisch ungleich nützlicher. Denn es diagnostiziert präzise, wie der imperiale Apparat tatsächlich plant und operiert – und genau das ist die zwingende Voraussetzung, um sich überhaupt wirkungsvoll dagegen organisieren zu können.

    Planung und Gegenentwurf

    Hier offenbart sich eine tragische Ironie. Die ständige Behauptung, das Imperium habe gar keinen Plan, soll eigentlich mobilisierend wirken: Sie soll den Menschen vermitteln, dass die US-geführte imperiale Ordnung nicht unbesiegbar ist, dass ihre Handlungen oft nur verzweifelt und reaktiv sind und dass Widerstand durchaus funktionieren kann. Doch indem dieses Narrativ die tatsächliche Funktionsweise imperialer Planung falsch darstellt, wirkt es letztlich nur entwaffnend.

    Wer glaubt, das Imperium habe keinen Plan, der wird auch dessen Planungsapparat nicht studieren. Man wird den institutionellen Papierspuren nicht folgen. Man wird jene Knotenpunkte im Netzwerk nicht identifizieren, an denen elitäre Konvergenz stattfindet – und vor allem wird man nicht erkennen, wo diese durchbrochen werden kann. Stattdessen bejubelt man die vermeintlichen Patzer des Imperiums, während sich der Käfig immer enger zusammenzieht.

    Die geopolitische Debatte über die Kompetenz des Imperiums fängt uns oft in einen falschen Widerspruch ein. Auf der einen Seite: Wäre das Imperium ein allmächtiges Genie, das einen fehlerfreien Masterplan ausführt, wäre Widerstand zwecklos. Aber verteilte Planung ist nicht allmächtig. Sie hat Lücken, Widersprüche und Reibungspunkte, an denen unterschiedliche institutionelle Logiken aufeinanderprallen. Ein Plan, der sich anpasst, kann auch dazu gezwungen werden, sich in Richtungen anzupassen, die seine Urheber so nicht gewählt haben.

    Auf der anderen Seite: Wäre das Imperium ein chaotischer, stümperhafter Haufen ganz ohne Plan, wäre Widerstand unnötig – warum sollte man sich organisieren, wenn das System ohnehin schon kollabiert? Doch dieser Glaube erzeugt nur Passivität und eine Zuschauerpolitik.

    Dass das US-geführte Imperium sehr wohl plant und dass sein Planungsapparat studiert, verstanden und bekämpft werden kann, ist dagegen eine Position, die organisierte gegenhegemoniale und antiimperialistische Arbeit überhaupt erst notwendig und möglich macht.

    Indem wir anerkennen, dass der Hegemon plant, machen wir seine strukturellen Mechanismen lesbar. Die Brookings-Planspiele, die maritimen Budgetvorgaben, die Bilderberg-Debatten und die zeitlich gestaffelte Falle der Absichtserklärung sind die sichtbaren Zeugnisse eines massiven, anpassungsfähigen Planungsprozesses, der kartiert und grundlegend bekämpft werden kann.

    Diese Realität anzuerkennen, ist keineswegs demobilisierend. Im Gegenteil: Es ist die unabdingbare Voraussetzung für jede Gegenstrategie, die diesen Namen auch verdient. Man kann eine Maschine nicht demontieren, wenn man sich weigert, ihre Bauweise zu studieren.

    Sie haben ihre Pläne. Sie haben ihre Institutionen. Sie haben ihre Handbücher und ihre Bilderberg-Treffen. Die Frage ist, ob wir bereit sind, auf unserer Seite die entsprechende Arbeit zu leisten: unsere eigenen Institutionen, unsere eigenen Planungskapazitäten und unsere eigenen langfristigen strategischen Horizonte aufzubauen. Nicht, um passiv anderen Ländern zuzujubeln, sondern um uns über Grenzen hinweg zu organisieren. Nicht, um darauf zu warten, dass das Imperium kollabiert, sondern um es aktiv obsolet zu machen. Ich hoffe, dass dieser konzeptionelle Rahmen uns dabei hilft, die Bequemlichkeit des Chaos-Mythos hinter uns zu lassen – und stattdessen ein System offenbart, das studiert und analysiert werden kann und gegen das wir unsere eigenen Strukturen aufbauen können.

    Schlagwörter:
    Geostrategie Hegemonie Imperialismus Iran NATO USA Wirtschaftssanktionen

    #impérialisme #OTAN #Bilderberg #géopolitique #administration #bureaucratie

  • [Entretien] Pour Christophe Sauvé, « le manque d’anticipation climatique cristallise les tensions et la haine envers les #voyageurs »
    ▻https://splann.org/interview-christophe-sauve-voyageurs

    Christophe Sauvé alerte sur les conditions de vie des Voyageurs en période de #canicule. Aires d’accueil très minéralisées, caravanes surchauffées, manque d’anticipation : selon le militant associatif de #Loire-Atlantique, les épisodes de #chaleur aggravent des inégalités déjà profondes, alors que la récente #loi_ripost durcit les règles applicables aux occupations illicites. L’article [Entretien] Pour Christophe Sauvé, « le manque d’anticipation climatique cristallise les tensions et la haine envers les Voyageurs » est apparu en premier sur Splann ! | Premier média d’enquête indépendant en Bretagne.

    #Démocratie_locale #Libertés_et_droits_humains #ADGVC_44 #aires_d'accueil #anti-tziganisme #Christophe_Sauvé #déplacement #gens_du_voyage #immobilier #logement #nantes #Nantes_métropole #nomade #nomadisme #occupation_illégale #précarité #racisme_environnemental #répression #rezé #saffré #William_Acker

  • #adozioni di #Cani in #campania, migliaia trovano casa ma i #rifugi restano essenziali: il caso di Ponticelli e Agnano
    ▻https://informareonline.com/adozioni-di-cani-in-campania-migliaia-trovano-casa-ma-i-rifugi-rest

    Adottare un cane significa liberare un posto in un rifugio, permettere a un altro animale recuperato dalla strada di essere accolto e, soprattutto, trasformare quella che rischia di diventare una permanenza lunga anni in una nuova vita. In Campania accade migliaia di volte ogni anno, ma i numeri raccontano anche quanto il sistema continui ad […] L’articolo Adozioni di cani in Campania, migliaia trovano casa ma i rifugi restano essenziali: il caso di Ponticelli e Agnano proviene da Informareonline, scritto da Elisabetta Rota

    #Approfondimenti #Attualità #EVIDENZA

  • Adbusting-Aktion für kostenfreie Bahn: Razzia wegen gefälschter Plakate
    ▻https://taz.de/Adbusting-Aktion-Razzia-in-Oldenburg-wegen-gefaelschter-Bahn-Plakate/!6207283


    „Endlich kostenlos Bahnfahren“- verfremdetes Bahnplakat in Berlin
    „Endlich kostenlos Bahnfahren“: verfremdetes Bahnplakat in Berlin Foto: Widerstandskollektiv

    26.8.2026 von Gernot Knödler - Die Polizei dringt in die Wohnung einer Oldenburger Familie ein, weil die Mutter mit einem Plakat im Design der Bahn für ein Null-Euro-Ticket warb.

    Eika Jacob machte am Montagmorgen gerade ihre Kinder für die Schule fertig, als die Polizei bei ihr durch den Hintereingang kam: Hausdurchsuchung! Neun Mann durchkämmten die Wohnung der Klimaaktivistin, weil sie im Oldenburger Hauptbahnhof gefälschte Plakate der Deutschen Bahn aufgehängt haben soll. Im Design der DB kündigten die Poster an, dass Bahnfahren künftig kostenlos sei.

    Die Jacob vorgeworfene Aktion war Teil einer bundesweiten Kampagne des Widerstandskollektivs, einer Nachfolgeorganisation der Klimakleber-Gruppe Letzte Generation, bei der Anfang März an vielen Bahnhöfen für einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr geworben wurde. Begrifflich erfasst werden solche Aktionen mit dem englischen Wort „Adbusting“. Dabei geht es um die Verfremdung von Werbung, um deren Botschaften zu verändern.

    Jacob soll, wie sie berichtet, von einer Videokamera im Oldenburger Bahnhof aufgenommen worden sein, während sie gemeinsam mit einer anderen Person mit Tesafilm Fake-Plakate aufklebte. Die Polizei erwirkte daraufhin beim Amtsgericht Oldenburg einen Durchsuchungsbeschluss: Durch das Verfremden der Plakate sei das Urheberrecht der Deutschen Bahn verletzt worden.

    Dass die Polizei zu ihr kam, erklärt Jacob auch damit, dass sie als Klimaaktivistin in der Region bekannt und auch schon an Straßenblockaden beteiligt gewesen sei. „Aus meiner Pressearbeit konnten sie schließen, dass ich im Widerstandskollektiv aktiv bin“, sagt sie.

    Auch in die Kinderzimmer geschaut

    Die Polizisten hätten die ganze Wohnung durchsucht und fotografiert, einschließlich des Kinderzimmers und sogar in einen Cello-Kasten geschaut. Unter anderem hätten sie einen Drucker gesucht, mit der die Plakate hergestellt worden sein sollen. „Sie suchten nach Beweisen, dass ich die Plakate entworfen und verbreitet habe“, erzählt Jacob. Fündig geworden seien sie nicht.

    Das Widerstandskollektiv kritisierte, dass der Staat Hausdurchsuchungen immer mehr als Repressionsinstrument nutze. „Besonders im Linken- und Klimaaktivismus wird dieses Mittel oft aus nichtigen Gründen angewandt und dient lediglich der Einschüchterung“, heißt es in einer Pressmitteilung.

    Britta Rabe vom Grundrechtekomitee hält das Vorgehen der Polizei für unverhältnismäßig. „Es zeigt, dass man mit Aktiven zum Klimawandel nicht zimperlich umgeht“, sagt sie. Die Behörden müssten sich fragen lassen, ob die Strafverfolgung und Beschaffung von Beweismitteln nicht auch mit einem milderen Mittel möglich gewesen wäre.

    Aus Sicht Rabes hätte die Polizei Eika Jacob auch einfach vorladen können. Darüber hinaus stelle sich die Frage, ob die Schwere des Rechtsbruchs im Verhältnis zum Eingriff in ein Grundrecht – die Unverletzlichkeit der Wohnung – stehe.

    Auch Andreas Gutmann, der sich an der Universität Kassel mit der Rolle des Rechts in einer gerechten sozial-ökologischen Transformation befasst, hält die Hausdurchsuchung für „klar unverhältnismäßig“. Er verweist dazu auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Dezember 2023. Es befasst sich mit einem Adbusting-Fall, bei dem in Berlin die Botschaft von Plakaten der Bundeswehr verändert wurde. Dabei war ebenfalls eine Hausdurchsuchung angeordnet worden.

    Ein Verweis auf den Strafrahmen reiche nicht aus, um die Schwere der verfolgten Taten zu begründen, urteilte das Gericht damals. „Im Rahmen der Verhältnismäßigkeit kann lediglich berücksichtigt werden, welche Strafe hinsichtlich der konkreten Tat zu erwarten war“, schrieben die Verfassungsrichter.

    Ebenfalls für den Oldenburger Fall relevant sein dürfte die Einschätzung des Verfassungsgerichts, es sei „äußerst unwahrscheinlich, dass die Durchsuchung tatsächlich zum Auffinden von Beweismitteln geführt hätte“. Denn selbst wenn in der Wohnung Plakate und Materialien zur Umgestaltung von Plakaten gefunden worden wären, so hätten diese Gegenstände allenfalls belegen können, dass die Person, deren Wohnung durchsucht wurde, wohl für die Adbusting-Szene aktiv gewesen sei.

    Gutmann hat sich 2020 gemeinsam mit Andreas Fischer-Lescano für den Verfassungsblog mit Adbusting auseinandergesetzt. Anlass war die Beobachtung, dass sich die Sicherheitsbehörden „vergleichsweise intensiv“ mit dem Verfremden von Werbung zur Kritik am Staat und dessen Organen befassen.

    Ein Verhalten, das in den Schutzbereich spezieller Freiheitsrechte – hier der Meinungsfreiheit – falle, werde stärker eingeschränkt als eine Handlung ohne Meinungsbezug. „Wenn das Verändern von Plakaten in satirisch-politisch-subversiver Absicht ungleich intensiver verfolgt wird als vergleichbare Sachbeschädigungen, die keine politische Meinungsäußerung beinhalten, verkehrt sich der Schutz der Meinungsfreiheit in sein Gegenteil“, warnten sie.

    Jacob steht jedenfalls inhaltlich hinter der Null-Euro-Ticket-Aktion: „Wie kann es sein, dass wir Autobahnen selbstverständlich kostenlos nutzen, aber bei Bus und Bahn soll das unmöglich sein?“, fragt sie. Selbst wenn alle ohne Ticket fahren würden, hinderte das keinen Zug daran weiterzufahren. Ein kostenloser Nahverkehr „wäre gut fürs Klima und sozial gerecht“.

    #Allemagne #adbusting #droit_d_auteur #répression #police #fouille #linerté_d_expression

  • « Une #minorité privilégiée sacrifie la planète afin de préserver ses richesses et son #pouvoir »

    Le rejet de l’#écologie est désormais promu par des gouvernements élus démocratiquement, autoritaires voire fascisants, et soutenus par les milieux d’affaires des #énergies_fossiles, déplorent trois spécialistes d’#écologie_politique, dans une tribune au « Monde ».

    L ’été 2026, en Europe, n’est pas seulement celui des #canicules à répétition, des #mégafeux et des #sécheresses désastreuses pour l’agriculture et la biodiversité, qui confirment avec une particulière #violence les #alertes de longue date des scientifiques et des écologistes. Il consacre également le déchaînement des attaques contre une écologie le plus souvent fantasmée, dont les défenseurs ‒ associatifs, politiques, scientifiques, fonctionnaires, tous mélangés ‒ sont accusés d’être à l’origine des maux qu’ils annonçaient, voire de participer d’un complot des « élites » utilisant le climat pour asservir le « peuple ». Comment peut-on comprendre une telle dynamique ?

    Ce #rejet de l’écologie reflète des tendances déjà à l’œuvre depuis les années 1980, mais il prend de l’ampleur au moins depuis la pandémie de #Covid-19 et il est à présent devenu mondial. Paradoxalement, on peut y voir la conséquence de l’#échec, désormais ressenti dans nos chairs, des gouvernements à enrayer le #réchauffement_climatique, en dépit de l’ambition affichée lors de l’accord de Paris sur le climat, signé en 2015.

    D’un côté, les promesses technosolutionnistes d’écologisation de l’économie n’ont jamais pu substantiellement résorber les dégâts environnementaux causés par la consommation d’énergies fossiles. Exemple emblématique, l’#intelligence_artificielle (#IA) générative, brandie comme apportant des solutions inédites en dépit de son impact extrêmement polluant, promet en fait, et d’abord, de doper l’extraction du pétrole, du gaz et du charbon.

    De l’autre, les attaques contre l’écologie sont la réaction d’acteurs et de groupes d’#intérêts_financiers et technologiques qui baignent encore dans des rêves de puissance virile et suprémaciste. Les changements « rapides et profonds dans tous les secteurs et tous les systèmes », nécessaires pour « garantir un avenir viable et durable pour toutes et tous », selon le Groupe d’experts intergouvernemental sur l’évolution du climat [#GIEC], sont matériellement possibles, mais un Peter Thiel ou un Elon Musk n’en veulent pas.

    Depuis les années 1980, si ce n’est depuis les colonisations, une #minorité_privilégiée a choisi de faire sécession de l’#avenir_commun, de sacrifier une partie de la planète et la majorité de l’humanité afin de préserver ses richesses et son pouvoir. Ce qui est nouveau, dans la séquence actuelle, c’est que ce « programme » cynique soit devenu celui de gouvernements élus démocratiquement, autoritaires voire fascisants, tel celui de Donald Trump aux Etats-Unis, et soutenus par les milieux d’affaires des énergies fossiles, de l’extraction d’hydrocarbures à l’agro-industrie.

    En France comme en Europe, l’#extrême_droite et une grande partie de la droite œuvrent désormais ensemble pour détricoter de façon massive des orientations environnementales pourtant insuffisantes, le dénigrement des « écologistes » étant devenu leur point de ralliement.

    #Contre-récit hélas efficace

    Comment expliquer une possible adhésion à de tels #discours, tellement contraires à l’#universalisme_humaniste et à l’intérêt de la majorité ? Au-delà de la confusion argumentaire des #réseaux_sociaux, entretenue par une presse et une édition aux mains de quelques milliardaires, on peut observer une confiscation des débats sous les invectives et, sous le couvert d’écologie « réaliste » ou « pragmatique », un contre-récit hélas efficace.

    L’#empathie pour les victimes des ravages environnementaux est empreinte de #fatalisme : la reconnaissance de l’échec de #politiques_publiques insuffisantes justifie l’abandon de toute nouvelle tentative. Cet échec est attribué aux politiques écologiques, alors qu’aucun programme à la hauteur des enjeux n’a jamais été appliqué – ne serait-ce que les propositions de la #convention_citoyenne_sur_le_climat mise en place en 2019. Certains poussent même la #mauvaise_foi jusqu’à prétendre que la France a pratiqué la #décroissance.

    L’#adaptation, faute d’avoir été vraiment préparée ‒ c’est pour beaucoup une des révélations douloureuses du moment ‒, devient un mot d’ordre néolibéral : à l’individu de s’adapter, par exemple pour « gérer son #écoanxiété », comme le recommandait le gouvernement le 23 juillet, sans jamais toucher aux causes systémiques et politiques. Or l’adaptation sans atténuation efficace aura toujours un train de retard et ne sera même plus possible, car la situation « exceptionnelle » de cet été n’est pas seulement la norme d’un #nouveau_régime_climatique, mais une étape vers le pire tant qu’on n’arrête pas la #fuite_en_avant. Les #mégabassines, dont la #loi_d’urgence_agricole prévoit de faciliter le développement plutôt que de repenser le #modèle_agricole, le montrent bien.

    L’#anti-écologisme n’est pas le simple résultat de lobbys qui réussiraient à manipuler l’opinion. Car le désaveu de l’écologie est aussi le fait d’une partie de la population à qui l’on fait croire qu’elle a davantage à y perdre qu’à y gagner. Les complicités sont étendues par les chaînes d’interdépendances qui nous attachent au monde de l’énergie fossile, et les transformations des façons de vivre sont à juste titre redoutées tant qu’elles sont prétextes à accroître les #inégalités.

    A contrario, un changement de système pour respecter les #limites_planétaires, décidé par des processus de #démocratie_délibérative et placé sous le signe de l’#égalité et de la #justice, permettrait à plus de 90 % de la population de vivre mieux, selon le Global Justice Report du [laboratoire de recherche international] World Inequality Lab. Mais ce #récit peine à concurrencer celui, simpliste et irresponsable, qui s’est imposé pour discréditer les alertes du #Club_de_Rome [groupe de réfléxion] qui, en 1972 [avec le #rapport_Meadows sur les #limites_de_la_croissance], prévoyait l’effondrement de nos sociétés si elles poursuivaient la #croissance_économique : enrichissons-nous quitte à ravager la planète, les générations futures trouveront bien des solutions si elles sont plus riches. Depuis plus de cinquante ans qu’elles se font attendre, les technopromesses de la #croissance_infinie nous mènent tout simplement au #chaos.

    ▻https://www.lemonde.fr/idees/article/2026/08/22/une-minorite-privilegiee-sacrifie-la-planete-afin-de-preserver-ses-richesses
    #Steve_Hagimont #riches #richesse #techno-solutionnisme #agriculture

    • Ne doutons pas que Zaka veut toucher le maximum de monde par ses publications mais ce consensus m’énerve au plus haut point. Bien évidemment que le sujet « écologie » est éminemment politique puisqu’il s’agit de préserver les ressources naturelles que nous offre notre environnement proche pour assurer notre subsistance, la plus importante étant la production de nourriture et ce sont bien les plus démunis qui seront exposés aux pénuries alimentaires accès à l’eau potable inclus. De par le monde, certaines de ces populations sont entrées dans le dur depuis un bon moment surtout pour un accès équitable à l’eau.

    • D’une certaine façon, dire « c’est politique » ou « c’est apolitique », c’est parfois dire la même chose. Pour Zaka, c’est une façon de signifier que c’est un sujet tellement important que ça dépasse les querelles politiciennes, il souhaite signifier, àmtha, que ça nous concerne tous. Et pour d’autres, nous ici en particulier, dire « c’est politique », c’est une façon de signifier que ça nous concerne tous.

      Le terme politique est très lourdement connoté, et ça en devient une insulte, un mot péjoratif, ça en est devenu ce que les possédants veulent que ça devienne : un sujet sale, qui ne concerne personne, sauf eux, bien évidemment, qui sauront comment traiter le sujet, loin de nos regards et de nos conversations.

      Je sors moi aussi d’une cousinade, de plusieurs repas de famille, et parvenir à atteindre le niveau de discussion où on est d’accord pour dire que la politique, c’est le sujet noble qui concerne tout le monde, c’est long et ça ne tient pas dans le temps de cerveau disponible entre la viande et le fromage.

    • Oui j’entends ça (et je connais des gens très politisés qui ne supportent pas le mot politique) mais bien souvent quand on déclare quelque chose d’apolitique c’est qu’on imagine (souvent naïvement) un consensus mou autour de la question, sans remettre en cause les privilèges d’une minorité, en gros c’est business as usual modulo quelques ajustements pour corriger les « excès ». Le fait de dire que quelque chose est politique, c’est aussi induire que tout le monde n’est pas d’accord et qu’à un moment y aura des conflits à régler.

    • Et donc, remettons sur le métier le vieil adage qui veut que :
      « si tu n’occupes pas de politique, la politique, elle, s’occupe de toi » . ;-)
      Toutes ces discussions « en famille » (ou pas) à propos de ce sujet, encore une belle illustration de la #loi_de_Brandolini.

      En dernier lieu, on sait depuis un bout de temps sur quoi débouchent le plus souvent les postures « apolitiques » : #chacun_pour_sa_gueule

      Voir par ici ; ▻https://seenthis.net/messages/1187588

      [edit]

      Pour Zaka, c’est une façon de signifier que c’est un sujet tellement important que ça dépasse les querelles politiciennes, il souhaite signifier, àmtha, que ça nous concerne tous.

      Oui, enfin, relativisons : on ne se sent pas concerné de la même manière suivant qu’on habite « sous les toits » ou qu’on déblatère sur un plateau TV climatisé et protégé de la honte par « un déo qui tient ».