À Berlin la droite philosémite distribue des millions aux copains sans respecter les règles. Elle oublie d’arroser tout lemonde et licencie le secretaire d’état qui s’oppose aux infractions de sa patronne. On verra jusqu’où ira le scandale. La dernière sénatrice responsable dans l’affaire se comporte déjà comme si elle se trouvait sur le banc des accusés aux assises.
29.5.2026 von Christian Latz - Als Kultursenatorin gab Wedl-Wilson Förderbescheide frei, die der Rechnungshof als rechtswidrig einstufte – doch im Untersuchungsausschuss wollte sie dazu keine Fragen beantworten. Ein Ex-Staatssekretär wurde deutlicher.
Wie kam es dazu, dass die Berliner Senatskulturverwaltung Fördermittel für Projekte gegen Antisemitismus in Millionenhöhe „evident rechtswidrig“ vergeben hat, wie es der Landesrechnungshof bewertet? Auf diese Fragen erhofften sich die Abgeordneten im Untersuchungsausschuss am Freitag Antworten von zwei Schlüsselfiguren der Affäre: Ex-Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson (parteilos, für CDU) und dem von ihr entlassenen Staatssekretär Oliver Friederici (CDU).
Beide haben ihre Ämter im Zuge der Affäre verloren. Mit der Ladung in den Untersuchungsausschuss gingen sie jedoch gänzlich unterschiedlich um. Wedl-Wilson verweigerte gänzlich die Auskunft auf die Fragen der Abgeordneten.
Chialo und Wedl-Wilson nahmen Einschätzung nicht an
Friederici hingegen äußerte sich breit – und wurde dabei zu den Vorgängen teils deutlich. Er belastete die ehemaligen Kultursenatoren Sarah Wedl-Wilson und Joe Chialo (CDU) und kritisierte auch das Verhalten anderer Parteikollegen indirekt klar.
Sein Referat habe „sehr deutlich gewarnt“, dass das geplante Verfahren zur Vergabe der Fördermittel rechtswidrig sei. „Für mich war klar, ich werde die herangetragenen Projekte nicht zeichnen und dem Senator empfehlen, von diesen Abstand zu nehmen“, sagte Friederici. Chialo habe danach entschieden, ihm den Vorgang zu entziehen.
Nach dessen Abgang habe er seine Einschätzung auch dessen Nachfolgerin Wedl-Wilson in einer Gesprächsrunde mitgeteilt. Doch auch die ließ sich nicht überzeugen. „Dass die Senatorin am Ende nicht auf mich gehört hat, bedauere ich.“
Zuvor hatte der Berliner Rechnungshof die Förderung von 13 Projekten mit zusammen 2,6 Millionen Euro in einem Prüfbericht als „evident rechtswidrig“ bewertet. Wedl-Wilson hatte die fraglichen Förderbescheide freigegeben.
Der Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses war auf Antrag von Grünen und Linken im Dezember 2025 eingesetzt worden. Sie werfen dem früheren Kultursenator Joe Chialo (CDU) und seiner Nachfolgerin Wedl-Wilson vor, Fördermittel für Projekte gegen Antisemitismus nach unklaren Kriterien und auf Druck aus der CDU-Fraktion vergeben zu haben.
Na klar gab es Druck. Ex-Staatssekretär Oliver Friederici
Friederici sprach auch den „Druck politischer Mandatsträger“ an, der auf die Kulturverwaltung ausgeübt wurde. Der von Wedl-Wilson entlassene Staatssekretär selbst nannte keine Namen. Jedoch dürften damit vordringlich seine Parteikollegen, CDU-Fraktionschef Dirk Stettner und der Haushaltspolitiker Christian Goiny gemeint gewesen sein.
„Na klar gab es Druck“, sagte der Befragte. Er selbst habe dem jedoch Stand gehalten.
Wohl mit Blick auf die Art und Weise, wie die Abgeordneten Wedl-Wilson per Chat-Nachricht dazu bewegen wollten, die Mittel freizugeben, wurde Friederici deutlich. Einzelnes, was er im Nachhinein gelesen habe, beschäme ihn. „Für mich ist dieses Agieren Dritter inakzeptabel.“
Der Ex-Staatssekretär widersprach dabei auch Vorwürfen aus der CDU-Fraktion, Mitarbeiter der Senatsverwaltung hätten die Mittelvergabe aus politischen Motiven verzögert. „Es gab weder Saboteure noch Antisemiten“, sagte Friederici.
Eine Replik auf Christian Goiny. Dieser hatte in einer Whatsapp-Nachricht an Chialo einen Verwaltungsmitarbeiter als „linker Antisemit, der schon lange unsere Politik in der Kulturverwaltung sabotiert“ bezeichnet.
Ex-Senatorin Wedl-Wilson verweigert Auskunft
Zuvor war am Freitagvormittag Ex-Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson (parteilos, für CDU) in den Untersuchungsausschuss geladen, verweigerte jedoch die Auskunft. Gegen sie und mehrere andere Personen seien in diesem Zusammenhang Strafanzeigen gestellt worden, sagte Wedl-Wilson. Sie mache daher von ihrem Auskunftsverweigerungsrecht Gebrauch.
Die politische Entscheidung, diese Mittel einzusetzen, war richtig und notwendig. Ex-Senatorin Sarah Wedl-Wilson (parteilos, für CDU) in ihrem Eingangsstatement im Untersuchungsausschuss
In einem Eingangsstatement hatte Wedl-Wilson zunächst ihre grundsätzliche Sicht auf die Fördermittelvergabe dargelegt. „Die politische Entscheidung, diese Mittel einzusetzen, war richtig und notwendig.“ Dass das Abgeordnetenhaus beschlossen habe, finanzielle Mittel in Millionenhöhe zur Bekämpfung des Antisemitismus bereitzustellen, sei „in der Sache richtig“, sagte die Ex-Senatorin.
Wedl-Wilson: Chialo habe Mittel „bereits zugesagt“
„Antisemitismus muss politisch intensiv bekämpft werden. Das gilt im besonderen Maße für Berlin. Die Stadt, in der antisemitische Übergriffe alltäglich geworden sind“, führte sie aus. Dazu seien ihr die in Rede stehenden Projekte „inhaltlich gut geeignet und deshalb förderungswürdig“ erschienen.
Sie selbst habe nie ein politisches Amt angestrebt, sei Kulturmanagerin und keine Politikerin. Auch mit der Fördermittelvergabe habe sie als Staatssekretärin nichts zu tun gehabt und sei erst ins Bild gesetzt worden, als sie überraschend die Leitung der Senatskulturverwaltung von ihrem Vorgänger Joe Chialo (CDU) übernommen habe. Dieser habe zuvor „die Mittelvergabe bereits zugesagt“.
Zugleich habe ihr die Einschätzung ihrer Verwaltung vorgelegen, dass man „zu einer inhaltlichen Prüfung nicht in der Lage sei, ob die Projekte tatsächlich zur Bekämpfung des Antisemitismus geeignet wären. Dies hatte mich damals gewundert“.
In dieser Situation habe es für sie nur zwei Optionen gegeben: „Entweder ich setze den politischen Willen des Abgeordnetenhauses um, oder das Land verliert wieder ein Jahr, in dem die Mittel zur Bekämpfung des Antisemitismus nicht eingesetzt werden können.“
Erst später sei ihr klar geworden, dass darin ein Verstoß gegen die Landeshaushaltsordnung liegen könnte. „Wenn ich damals erkannt hätte, was der Landesrechnungshof in seinem Bericht darlegt, hätte das meine Entscheidung sicherlich beeinflusst“, sagte Wedl-Wilson.
Untersuchungsausschuss zur Fördermittelaffäre
Foto
Ex-Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson mit ihrem Anwalt Philipp Gehrmann im Untersuchungsausschuss. © Christian Latz
Nach dessen Veröffentlichung musste Wedl-Wilson zurücktreten. Damit habe sie auch „Verantwortung übernommen für Vorkommnisse, die nicht in meiner Verantwortung lagen“, sagte die Ex-Senatorin. „Ich bitte den Ausschuss, diese Differenzierung der Verantwortung sorgfältig vorzunehmen.“
S_ie haben kein umfängliches Zeugnisverweigerungsrecht. CDU-Abgeordneter Stephan Lenz zu Ex-Senatorin Sarah Wedl-Wilson_
Bei den Ausschussmitgliedern führten diese Ausführungen zu einer Reihe weiterer Fragen. Wedl-Wilson jedoch verwies immer und immer wieder auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht. „Es ist keine Frage denkbar, die nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts von mir beantwortet werden muss.“
Das sahen die Mitglieder des Untersuchungsausschusses fraktionsübergreifend anders. „Sie haben kein umfängliches Auskunftsverweigerungsrecht“, stellte der CDU-Abgeordnete Stephan Lenz klar. Es sei „unnötig“, dass die Ex-Senatorin keinerlei Fragen beantworten wolle.
Ähnlich äußerten sich die anderen Abgeordneten. Matthias Kollatz (SPD) verwies auf Ordnungsgelder, die in solchen Fällen in anderen Untersuchungsausschüssen bereits gegen Geladene verhängt worden seien. „Der Zeugin steht kein unbeschränktes Zeugnisverweigerungsrecht zu.“
Ich finde es unerträglich, dass Frau Wedl-Wilson etwas ausbaden muss, das andere verbrochen haben. Abgeordneter Daniel Wesener (Grüne)
Wedl-Wilson habe ein umfangreiches Statement abgegeben. Fragen dazu müsse sie beantworten, sagte Kollatz. Die Ausschussvorsitzende Manuela Schmidt (Linke) und Daniel Wesener (Grüne) nannten Wedl-Wilsons Verhalten „enttäuschend“. „Sie haben in der Vergangenheit mehrfach angegeben, dass Sie im Untersuchungsausschuss aussagen würden“, sagte Wesener.
Zugleich sei er angesichts der Vorwürfe gegen die Ex-Senatorin nicht überrascht. Allerdings habe er sich gewünscht, dass Wedl-Wilson Aussagen zur Rolle von Ex-Senator Joe Chialo sowie von CDU-Fraktionschef Dirk Stettner und CDU-Haushaltspolitiker Christian Goiny machen würde. „Ich finde es unerträglich, dass Frau Wedl-Wilson etwas ausbaden muss, das andere verbrochen haben.“
Ebenfalls als Zeuge geladen ist der frühere Staatssekretär in der Kulturverwaltung, Oliver Friederici (CDU). Er war drei Tage vor Wedl-Wilsons Rücktritt entlassen worden. Der Politiker soll zuvor innerhalb der Kulturverwaltung vor Defiziten bei der Vergabe von Fördergeld gewarnt haben.
Chialo, der im Mai 2025 aus anderen Gründen zurückgetreten war, soll am 11. Juni im Untersuchungsausschuss aussagen. Dann sollen voraussichtlich auch CDU-Fraktionschef Dirk Stettner und der CDU-Haushaltspolitiker Christian Goiny ein zweites Mal in dem Gremium erscheinen. Grüne und Linke werfen beiden unzulässige Einflussnahme auf die Fördermittelvergabe vor, was diese bei ihrer ersten Befragung im April zurückwiesen.
Berliner Grüne wollen auch Kai Wegner befragen
Daniel Wesener, Sprecher der Grünen-Fraktion im Untersuchungsausschuss, zog am Freitag erneut in Erwägung, auch den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) im Ausschuss zu befragen. Bereits Anfang Mai hatte Wesener dem Tagesspiegel gesagt, er halte Wegners Schilderung, erst aus den Medien von der Fördergeldaffäre erfahren zu haben, für unglaubwürdig.
„Da besagen die Akten etwas anderes oder legen etwas anderes nahe“, sagte der Grünen-Politiker dem RBB-Inforadio am Freitag. „Er war offenbar eben doch, zumindest was bestimmte Projekte angeht, frühzeitig informiert. Es gibt Hinweise, dass er sich auch selbst sehr stark für einzelne Projekte eingesetzt hat.“
Wegner hatte am 7. Mai im Plenum des Berliner Abgeordnetenhauses auf Nachfrage erklärt, vom Auslöser der Fördergeldaffäre um Mittel für „Projekte von besonderer politischer Bedeutung“ aus den Medien erfahren zu haben.
Tatsächlich deuten dem Tagesspiegel vorliegende Akten darauf hin, dass das Vorgehen der Kulturverwaltung CDU-intern deutlich früher kommuniziert wurde. Am 25. März informierte Chialo die CDU-Fraktion in deren turnusgemäßer Sitzung laut Teilnehmern über die Pläne, 3,4 Millionen Euro für „Projekte von besonderer politischer Bedeutung“ zu vergeben – davon drei Millionen Euro unter Hoheit der CDU.
Unklar ist, ob Wegner zum Zeitpunkt der Ausführungen Chialos tatsächlich anwesend war. Auf Anfrage erklärte die Senatskanzlei, der Regierende habe von 16 bis 16.15 Uhr – dem Ende der Sitzung – daran teilgenommen. Wann genau Chialo zum besagten Vorgehen sprach, lässt sich zumindest derzeit nicht sicher rekonstruieren. (Tsp, dpa)