• Streit um die Skyline: Der Berlinian erreicht 146 Meter und spaltet die Hauptstadt
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/zu-hoch-fuer-den-alexanderplatz-richtfest-des-berlinian-sorgt-fuer-

    Wer braucht neue Kirchtürme des Kapitalismus? Für die Wohnungsversorgung und das städtische Gewerbe sindvsie jedenfalls überflüssig.

    14.1.2026 von Oliver Weinlein - Der Berlinian erreicht seine 146 Meter. Trotz des Erfolgs bleibt die Kritik an der Bauhöhe und dem Zeitplan bis Mai 2027 bestehen.

    Am Berliner Alexanderplatz ist am heutigen Mittwochnachmittag ein städtebauliches Signal gesetzt worden, das gleichermaßen von baulichem Erfolg und politischem Zündstoff geprägt ist.

    Während über dem Skelett des neuen Hochhauses The Berlinian der Richtkranz schwebt, blicken Beobachter nicht nur mit Anerkennung auf den Fortschritt, sondern auch mit Skepsis auf die Begleitumstände dieses Mammutprojekts. Es ist ein markanter Meilenstein für das derzeit ambitionierteste Bauvorhaben im Herzen der Hauptstadt, das nach Jahren der Verzögerung und einem Eigentümerwechsel nun unübersehbar in den Himmel ragt.

    Vom Erbe Benkos zum Vorzeigeprojekt

    Die Geschichte des Berlinian ist untrennbar mit den Turbulenzen der Berliner Immobilienwelt verknüpft. Ursprünglich unter dem Namen Mynd vom inzwischen insolventen Signa-Konzern initiiert, drohte das Projekt zeitweise als nächste Bauruine am Alexanderplatz zu enden. Erst die Übernahme durch die Commerz Real im Jahr 2023 brachte die nötige Stabilität und das Tempo zurück auf die Baustelle. Mit einer Endhöhe von 146 Metern ist der Turm jetzt das am weitesten fortgeschrittene Hochhausprojekt auf dem Areal.

    Hinter der gläsernen Fassade entsteht ein Nutzungsmix, der über reine Büroflächen hinausgeht. Neben modernen Arbeitswelten sind Flächen für Einzelhandel, Kultur und Gastronomie vorgesehen. Besonders die öffentlich zugänglichen Bereiche wie die Lobby und eine geplante Skylounge sollen das Gebäude für die Stadtgesellschaft öffnen und das angrenzende Warenhaus Galeria ergänzen.

    Kai Wegners Vision einer Berliner Skyline

    Die politische Bedeutung des Projekts wurde durch den Auftritt des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner beim Richtfest unterstrichen. Der CDU-Politiker nutzte die Zeremonie für ein deutliches Bekenntnis zum Hochhausbau und forderte einen Mentalitätswechsel in der Stadtplanung. „Ich wünsche mir für Berlin, dass wir häufiger den Mut aufbringen, höher zu bauen“, so Wegner vor den geladenen Gästen. Das verdiene eine Metropole wie Berlin. Für Wegner ist der Turm ein Vorbote für die künftige Gestalt der Mitte: „Wir brauchen spannende Architektur. Wir brauchen auch hohe Häuser. Wir brauchen eine echte Skyline, und die wird hier am Alexanderplatz entstehen.“ Der Alexanderplatz habe großes Potenzial, betonte er weiter. Dass wir hier nun mit 146 Metern eines der höchsten Geschossbauten haben, zeige, was an diesem Ort möglich sei.

    Die Debatte um die wachsenden Meter

    Doch wo Licht ist, fällt am Alexanderplatz traditionell auch viel Schatten. Die Kontroverse um den Berlinian entzündet sich vor allem an seiner schieren Größe und deren Entwicklung. In den ursprünglichen Entwürfen war das Gebäude noch mit einer Höhe von 132 bis 134 Metern vorgesehen. Im Verlauf der Realisierung wuchs der Turm jedoch über 142 Meter bis auf die heutigen 146 Meter an.

    Diese Anpassung während der laufenden Entwicklung war laut Experten auf Basis des bestehenden Planungsrechts möglich, ohne eine völlig neue Genehmigungsschleife zu durchlaufen. Dennoch sorgt dieser Zuwachs für politischen Unmut. Kritiker und Teile der Opposition vermuten hinter der Erhöhung informelle Absprachen, um die Wirtschaftlichkeit des Projekts nach dem Ausstieg von Signa abzusichern. Es stehen Fragen im Raum, ob dem Investor hier ohne ausreichende Transparenz zusätzliche Geschossflächen zugestanden wurden.

    Besonders die Auswirkungen auf die Sichtachsen zum Berliner Fernsehturm sorgen für Diskussionen, da der Bau aus vielen Perspektiven die gewohnte Dominanz des Wahrzeichens einschränkt.
    Ein ungleiches Bild am Alexanderplatz

    Das Richtfest des Berlinian verdeutlicht zudem die tiefe Spaltung in der Berliner Stadtentwicklung. Während hier der Baufortschritt gefeiert wird, herrscht wenige hundert Meter weiter am Alexander Tower des russischen Investors Monarch weiterhin Stillstand. Dort blicken die Berliner seit Jahren auf eine verwaiste Baugrube, die durch Finanzierungsprobleme und Sanktionen zum Mahnmal für die Risiken großer Investorenprojekte geworden ist. Berlin macht dort inzwischen Vertragsstrafen in Millionenhöhe geltend. Der Erfolg des Berlinian wirkt in diesem Kontext wie ein mühsam erkaufter Sieg gegen den drohenden Stillstand im Zentrum, auch wenn die massive Architektur von vielen als wenig feingliedrig empfunden wird.

    Zukunftsaussichten

    Mit dem Abschluss des Rohbaus beginnt nun die Phase des Innenausbaus. Entgegen früherer Schätzungen wird die vollständige Fertigstellung des Ensembles für den Mai 2027 angestrebt. Es bleibt abzuwarten, ob die versprochene Belebung des Platzes durch die öffentliche Skylounge und die kulturellen Angebote tatsächlich eintritt oder ob The Berlinian primär ein Symbol für eine Stadtplanung bleibt, die in der Kritik steht, sich zu sehr an den Bedürfnissen großer Finanzinvestoren zu orientieren.

    Der Richtkranz über dem Alexanderplatz markiert jedenfalls das Ende einer Ära der Unsicherheit, lässt aber die Debatte über die richtige Gestaltung der Berliner Mitte lebendiger denn je zurück.

    #Berlin #Mitte #Alexanderplatz #Stadtentwicklung #Hochhaus

  • Dennenesch Zoudé: „Ich habe jede Ferien in Ost-Berlin verbracht“
    https://www.berliner-zeitung.de/panorama/dennenesch-zoude-ich-habe-jede-ferien-in-ost-berlin-verbracht-li.23

    Einmal Funktionselite immer Funktionselite, perfekte Ackulturation könnte man sagen, oder der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen. Hier scheißt nur ein ganz kleiner Kleinbürgerteufel. Der macht brav ins Klo der Paris-Bar.

    Regionalliga, kein Trumpteufel. Der defäkiert auf den ganz großten Faschohaufen. Die südafrikanischen Aushilfsteufel karren seine Scheiße dann zur Digitalmünze. Egal wie du strampelst, aus Scheße Gold machen bleibt Privileg der Großteufel.

    31.8.2025 von Anne Vorbringer - Die Schauspielerin Dennenesch Zoudé hat ihre Kindheit und Jugend im geteilten Berlin verbracht – zwischen Spandauer Hochhaus und Staatsbürgerkunde. Wie blickt sie heute auf die Stadt?

    Die Schauspielerin Dennenesch Zoudé hat eine spannende Biografie – und die ist eng mit Berlin verbunden, obschon die 58-Jährige mehr als 5000 Kilometer Luftlinie entfernt in Addis Abeba geboren wurde. Die Tochter eines Ingenieurs stammt aus einer äthiopischen Aristokratenfamilie und wuchs ab ihrem zweiten Lebensjahr in West-Berlin auf.

    Doch auch im Osten der geteilten Stadt war Zoudé regelmäßig, erlebte dort eine sehr intensive Zeit, wie sie in unserem Stadtfragebogen erzählt. Unter anderem lernte die Schauspielerin in Ost-Berlin ihre Jugendliebe kennen.

    Stichwort Liebe: Am 9. September, im Jahr des 250. Geburtstags von Jane Austen, erscheint der wohl größte Liebesroman aller Zeiten als Hörspiel bei Audible. In „Stolz und Vorurteil“ sind Emilia Schüle als Elizabeth Bennet, Aaron Altaras als Mr. Darcy und Dennenesch Zoudé als Mrs. Bennet zu hören.

    1. Frau Zoudé, Sie sind 1966 im äthiopischen Addis Abeba zur Welt gekommen. Wie hat es Sie und Ihre Familie nach Berlin verschlagen?

    Mein Vater hat ein Stipendium an der Technischen Universität in Berlin bekommen. Er fühlte sich sehr einsam, deshalb sind meine Mutter und ich ihm nachgefolgt. Es war allerdings nie geplant, hier zu bleiben.

    2. Welche Erinnerungen haben Sie noch an Ihre ersten Jahre in West-Berlin, was hat sich besonders eingeprägt?

    Mit drei Jahren der Umzug in den Erstbezug eines Hochhauses, ich nenne es „West-Platte“. Es war total aufregend, alles neu, hochmodern, Müllschlucker auf der Etage und ein Ausblick, so weit das Auge reichte.

    3. Wann waren Sie das erste Mal im Ostteil der Stadt?

    Mit knapp 15 Jahren, ich lernte dort meine Jugendliebe kennen. Und habe jede Ferien in Ost-Berlin verbracht. Es war eine sehr intensive Zeit. Ich ging sogar teilweise in den Schulunterricht. Das war nur möglich, weil ich von der Äthiopischen Botschaft eingeladen wurde und mit den Kindern der Botschafter befreundet war. Von Chemie und Mathe bis hin zu Staatsbürgerkunde war fast alles dabei. Das war sehr spannend für mich. In der Freizeit hingen wir am Alexanderplatz ab. Auf der großen Fläche konnten wir Skateboard und Rollschuh fahren, dazu blies der Ghettoblaster. Wir waren eine gemischte Gruppe Jugendlicher aus Mali, Kolumbien, Venezuela, Sudan, Nigeria, Kongo und Deutschland, jeder war irgendwie willkommen, sich dazuzugesellen.

    4. In welchen Berliner Stadtteilen haben Sie schon gewohnt?

    Die erste Station war Charlottenburg, damals noch mit Kohleofen und Außentoilette auf halber Treppe. Die war allerdings nur für unsere Familie, und meine Mutter hübschte sie auf mit rosa Toilettenvorleger und rosa Toilettendeckelbezug. Aber es war immer sehr kalt und dunkel im Winter. Dann ging es nach Spandau, in das Hochhaus, von dem ich bereits erzählte. Ab dem Gymnasium wohnten wir dann in Wilmersdorf, im Grünen am Volkspark. Jetzt wohne ich wieder in Charlottenburg, zum Glück ohne Außentoilette!

    Zwischenzeitlich habe ich auch mal für vier Jahre in Mitte direkt am Hackeschen Markt gewohnt, das war mir aber zu trubelig: Reisebusse und Touristen, die sich durch die Straßen drängelten und direkt vor einem immer wieder stehen blieben.

    5. Ihr neues Hörspiel basiert auf einem der bekanntesten Liebesromane der Welt. Empfinden Sie Ihre Heimatstadt Berlin auch als romantisch?

    Berlin würde ich eher als vibrierend bezeichnen, aber die vielen Seen und Wasserwege haben wundervolle romantische Plätzchen. Eine Dampferfahrt auf der Spree, in der Berliner Abendsonne, in passender Begleitung – das hat doch sicherlich etwas Romantisches.

    6. Welcher ist Ihr Lieblingsort in der Stadt?

    Ich gehe gerne im Wald spazieren und bin gerne an den Seen. Berlin ist eine ganz große grüne Oase – ein schöner Kontrast zu den Zentren.

    Chris Kraus über Berlin: „Die Billigarchitektur um den Hauptbahnhof herum ist schrecklich“

    7. Wo in Berlin wollten Sie immer schon mal hin, haben es aber noch nie geschafft?

    Da gibt es so einiges, zum Beispiel ins Planetarium (ist einfach sehr lange her – dort werden auch außergewöhnliche Filme gezeigt). Außerdem in die Berliner Unterwelten: die Fluchttunnel und verborgenen U-Bahn-Schächte. Und als Kind war ich auf der Pfaueninsel, die würde ich gerne nochmal besuchen.

    8. Ein Abend mit Freunden – in welchem Restaurant wird reserviert?

    In der Paris Bar, und das schon seit 25 Jahren. Es war das Wohnzimmer meines Ehemannes, und das habe ich übernommen.

    9. Der beste Stadtteil Berlins?

    Der, in dem ich wohne!

    10. Was nervt Sie am meisten an der Stadt?

    Die vielen Baustellen und es scheint dort nie einer zu arbeiten. Wer kennt es nicht.

    11. Kommen vs. Gehen: Nach Berlin ziehen oder es lieber bleiben lassen?

    Für mich keine Frage. Ich bin mit dem Herzen Berlinerin und werde es auch immer bleiben.

    Zur Person

    Dennenesch Zoudé wurde Mitte der 90er-Jahre mit der TV-Serie „Gegen den Wind“ bekannt. Ihr Theaterdebüt gab sie im Bühnenstück „Lysistrata“ von Jürgen Benecke. Sie war die Buhlschaft bei den Berliner „Jedermann“-Festspielen und die Wilhelmina Makhubela in der RTL-Erfolgsserie „Hinter Gittern“. Unter der Regie ihres 2016 verstorbenen Mannes Carlo Rola übernahm sie die Hauptrolle in der Romanverfilmung „Und Jimmy ging zum Regenbogen“. Ab 2018 spielte Zoudé eine durchgehende Rolle in der TV-Reihe „Die Inselärztin“, zuletzt war sie in Sebastian Fitzeks „Der Heimweg“ zu sehen. Ihr neues Audible Original-Hörspiel „Stolz und Vorurteil“ erscheint am 9. September.

    #Äthiopien #Berlin #Geschichte #Spandau #Charlottenburg #Wilmersdorf #Mitte #Kantstraße #DDR #Alexanderplatz

  • Gefahr für Leib und Leben: Das sind Berlins gefährlichste Kreuzungen
    https://www.berliner-zeitung.de/panorama/wie-ein-spiel-aus-squid-game-berlin-und-seine-gefaehrlichsten-kreuz

    Genau, bleibt bloß weg und überlasst den Könnern das Feld. Damit sind natürlich nicht die Post-Ortskundeprüfung-mäßigen Typen gemeint wie der „Kollege“ der gerade einen jungen Mann auf der Clayallee totgefahren und sich dann verdrückt hat.

    28.6.2025 von Anne Vorbringer, Marcus Weingärtner, Enno Kramer, Manuel Almeida Vergara - Unfälle, Geschrei und Gefahr: Einige Kreuzungen in Berlin sind eine Bedrohung für Leib und Leben. Wir sagen, um welche Straßenecken man lieber einen Bogen macht.

    Wirre Verkehrsführung, knappe Grünphasen, heilloses Durcheinander: Berlins Kreuzungen sind – wollte man es positiv ausdrücken – zuweilen recht komplex. Manche von ihnen rauben den Verkehrsteilnehmern den letzten Nerv, stellen eine Gefahr für Leib und Leben dar.

    Zunächst ein Blick auf die offizielle Statistik. Der ADAC hat vor ein paar Monaten die unfallträchtigsten Kreuzungen der Stadt untersucht und dafür Zahlen aus der Polizeistatistik ausgewertet. Dabei kam heraus: Besonders besorgniserregend sind die Vorfälle am Schlesischen Tor, Innsbrucker Platz, Hauptbahnhof und Alexanderplatz, wo es in den vergangenen Jahren zu vielen schweren Unfällen gekommen ist.

    Mit Abstand vorn liegt der Bereich rund ums Schlesische Tor in Kreuzberg: Im Bereich Bevern-, Oberbaum-, Oppelner, Schlesische, Skalitzer und Köpenicker Straße gab es im Jahr 2024 ganze 230 Unfälle mit Beteiligung von Autos. Aber auch anderswo müssen besonders Fußgänger und Radfahrer mit allem rechnen, wie unsere Beispiele zeigen.

    1. Berliner Allee/Ecke alle: Wahnsinn in Weißensee

    Der gesamte Berliner Nordosten ist ein verkehrspolitisches Desaster. Zu viele Autos, zu viele Menschen, zu wenig Platz. Wer einmal im Berufsverkehr in Pankow über die Romain-Rolland-Straße gefahren ist, möchte seinen Wagen auf der Stelle verschrotten. Leider steht der Bus im gleichen Stau, und auch zu Fuß oder mit dem Rad ist es nicht besser. Siehe Berliner Allee, wo sich seit Jahr und Tag nichts an der Situation bessert.

    Welche Kreuzung hier die schlimmste ist? Suchen Sie sich eine aus; Sie werden immer richtig liegen. Der Abschnitt im Weißenseer Ortskern hat zwei Autofahrstreifen je Richtung, zwei Tramgleise, zwei Gehwege – aber keinen Radweg. Also müssen die Radler zwischen donnernden Schwerlastern, Bussen, Straßenbahnen und Pkw zusehen, dass sie nicht unter die Räder kommen.

    Fußgängern ergeht es nicht besser: Wer jemals mit einem Kleinkind an der Hand versucht hat, an der Ecke Indira-Gandhi-Straße über die Fahrbahn zu kommen, der weiß, wie gefährlich man hier lebt. Anne Vorbringer

    2. Vor der Volksbühne in Mitte: Kraken-Kreuzung aus der Hölle

    Vor der Volksbühne gibt es eine Kreuzung, die sich wie ein Spiel aus der koreanischen Killer-Serie Squid Game ausnimmt: Wer’s nicht schnell genug schafft, der bezahlt mit dem Leben: Rosa-Luxemburg-, Weydinger- und Hirtenstraße bilden hier ein quasi unüberschaubares Dreieck des Todes.

    Man muss sich viermal um die eigene Achse drehen, um sich auch nur einen kleinen Überblick über den von allen Seiten heranpreschenden Verkehr zu machen. Hinzu kommen zackig abbiegende Radfahrer, brüllende LKW-Lenker und dazu natürlich noch alles, was so dazugehört, sprich: Flüche, Beleidigungen und Schmähgesänge.

    Das schwächste Glied ist wie immer der Fußgänger, der nur im wahrsten Sinne des Worte die Beine in die Hand nehmen kann, um so schnell wie möglich die Straße zu überqueren - keine Ampel, kein Zebrastreifen, rein gar nichts wurde hier unternommen, um ihn zu schützen, hier zählt allein die Darwinsche Überlebenstheorie Survival of the fittest, beziehungsweise Survival of the fastet. Marcus Weingärtner

    3. Alexanderstraße/Otto-Braun-Straße: In diesem Spiel gibt’s nur Verlierer

    Als Autofahrer hat man’s in Berlin ohnehin schwer. Überall gibt’s Stau, nirgendwo genügend Parkplätze, ständig wird man von allen Seiten angeblafft – von Radfahrerinnen, von Fußgängern, von anderen Autofahrerinnen und Autofahrern. „Road Rage“ nennt sich das Phänomen der angestauten Aggressionen, die sich im Straßenverkehr so richtig Bahn brechen.

    Nirgends passiert das in Berlin öfter als an der Kreuzung Alexanderstraße/Otto-Braun-Straße, diesem Sinnbild der sinnfreien Straßenplanung: Wer aus Richtung Münzstraße kommt und rechts Richtung Alexa abbiegen will, muss sich auf einen gefährlichen Eiertanz einstellen: Vier Spuren hat die Straße hier, die Rechtsabbiegerspur wird von den anderen Fahrbahnen allerdings durch einen Radweg abgeschnitten.

    Bedeutet in der harten Realität des Berliner Straßenverkehrs: Wer die Spur wechseln will, muss erstmal Dutzende Radfahrerinnen und Radfahrer vorbeiziehen lassen, während hinten die Autofahrenden, die geradeaus weiter düsen wollen, schon nervös hupen. Will man wiederum die Leute im Auto beruhigen und zieht zügig rüber nach rechts, klingeln und brüllen die Radlerinnen und Radler, die gerade aus weiterwollen. Ein gefährliches Spiel, in dem man es niemandem recht machen kann. Am besten, man meidet diese Katastrophen-Kreuzung ganz. Manuel Almeida Vergara

    4. Bersarinplatz in Friedrichshain: Klingelingeling hier kommt die Eisenbahn

    Als routinierter Autofahrer ist man im Berliner Verkehrsgewusel auf viele Situationen vorbereitet: Beim Rechtsabbiegen hält man Ausschau nach Fahrradfahrern von hinten, beim Linksabbiegen achtet man auf den gesamten Gegenverkehr. Am Bersarinplatz in Friedrichshain ist das nicht so einfach. Gerade für Ortsunkundige lauert hier eine Gefahr, mit der nur die wenigsten rechnen.

    Wer vom Frankfurter Tor in Richtung Prenzlauer Berg fährt, hat es vielleicht schon einmal erlebt. Man fährt neben der Tramlinie 21 in den Kreisel, huscht gerade noch so über die gelbe Ampel und muss dann plötzlich stark bremsen. Die Tram bimmelt, als gäbe es kein Morgen mehr, und biegt dann selbstverständlich über beide Fahrspuren in den Weidenweg ein. Den Autofahrer warnt lediglich ein Vorfahrtsschild. Keine Ampel, keine Schranke. Um Haaresbreite lässt sich meist noch die Karambolage vermeiden.

    Hinzu kommt, dass die Petersburger Straße seit einigen Monaten bis zur Landsberger Allee nur noch einseitig befahrbar ist und sich langsam aber sicher zur nervtötenden Dauerbaustelle entwickelt. Statt der neuen Streckenführung zu folgen, stellen unsichere Autofahrer hier also noch die Umleitung in den Gegenverkehr infrage: Plötzlich bremsen sie stark – und ehe man sich versieht, hängt man im Kofferraum des Vordermanns. Dass sich am Bersarinplatz nicht öfter das Blech biegt, grenzt an ein Wunder. Enno Kramer

    #Berlin
    #Kreuzberg #Schlesisches_Tor
    #Schöneberg #Innsbrucker_Platz #Hauptbahnhof #Alexanderplatz
    #Pankow #Heinersdorf #Romain-Rolland-Straße
    #Weißensee #Berliner_Allee
    #Mitte #Alexanderstraße #Otto-Braun-Straße #Münzstraße #Rosa-Luxemburg-Straße #Weydingerstraße #Hirtenstraße
    #Friedrichshain #Frankfurter_Tor #Petersburger_Straße #Bersarinplatz #Weidenweg #Landsberger_Allee

    #Verkehr #Kreuzung #Unfall

  • Viele liegen an der U8: Die 5 schlimmsten U-Bahnhöfe Berlins
    https://www.berliner-zeitung.de/panorama/von-kotti-bis-alexanderplatz-die-5-schlimmsten-u-bahnhoefe-berlins-
    https://www.youtube.com/watch?v=-mq1rG84uhs

    13.3.2025 von Anne Vorbringer, Marcus Weingärtner - Der Streik der BVG hatte auch ein Gutes – man konnte die U-Bahnhöfe meiden. Wir sagen, an welchen sich die Hauptstadt von ihrer besonders unangenehmen Seite zeigt.

    Die Frage nach dem schlimmsten U-Bahnhof Berlins, sie füllt ganze Reddit-Foren und Instagram-Kommentarspalten. Mit ihr beschäftigt sich die Kriminalstatistik und jeden Tag, wenn auch unbewusst, der zahlende BVG-Kunde.

    Gefahren für Leib und Leben sind das eine – und geht es nach den blanken Zahlen, so liegen die drei U-Bahnhöfe Berlins mit den meisten Straftaten im Jahr 2023, Kottbusser Tor, Alexanderplatz und Hermannplatz, allesamt an der Linie U8. Etwa 35 Prozent aller Straftaten an Berliner U-Bahnhöfen ereigneten sich auf der Strecke der U8.

    Bedrohung, Freiheitsberaubung, Körperverletzung, Raub, Nötigung, Sexualdelikte, Mord und Totschlag, es ist alles dabei. Und wie um die Statistik zu unterstreichen, ist auch das Look and Feel an vielen Stationen im mehrfachen Sinne unterirdisch. Hier unsere Top 5 der schlimmsten Berliner U-Bahnhöfe.

    1. Alexanderplatz – Come in and never find out

    Auch nach vielen Jahren in Berlin ist das unterirdische Gewirr an Treppen, Bahnsteigen, Zugängen und Abgängen am U-Bahnhof Alexanderplatz ein Mysterium. Niemals wird sich einem Menschen erschließen, wo der kürzeste Weg zum Gleis der U5 liegt – erst recht keinem ortsunkundigen Touristen. Vom Ditschbrezelduft umfangen, irren die Fahrgäste hilflos Stufen auf und ab, geraten schlimmstenfalls in die Fänge der U8 und landen am Kottbusser Tor, obwohl sie doch eigentlich nur nach Hellersdorf wollten.

    Bei Reddit wird der Alexanderplatz regelmäßig heruntergerankt, wegen der weiten Wege und der Unübersichtlichkeit sei er einfach nur furchtbar, schreiben User auf der Plattform: „Ich habe zum Beispiel jahrelang gebraucht, um herauszufinden, wo der Aufzug ist, mit dem man von draußen direkt zur U5 kommt.“

    2. Hermannplatz – Lasst alle Hoffnung weiterfahren

    Was gibt es noch zu sagen, außer: Berlin hat den Hermannplatz irgendwie aufgegeben. Tagtäglich eine saure Melange aus Armut, Drogensucht, Geschrei und Irrsinn. Eine Zeit lang gar galt das als typisch Berlin: Der Hermannplatz war eine roughe Ecke, an der man sich seiner eigenen Großstadt-Credibility versichern konnte, wenn man erst vor kurzem aus einem Dorf in Mittelfranken nach Berlin gekommen war.

    Mittlerweile ist auch dieses Portiönchen Metropolen-Charme verbraucht, der Hermannplatz nur noch ein Ort, den man meiden sollte und der höchstens noch von sich reden macht durch Pro-Palästina-Demos, Obdachlosencamps und Kaufhauskrisen.

    3. Kottbusser Tor – Berliner Unterwelten

    Sie fanden den BVG-Streik eine Zumutung? Dann empfehlen wir ein halbes Stündchen am Kottbusser Tor, jenem Ort, an dem sich mehrere U-Bahn-Linien kreuzen und der dank seiner bizarren Mischung aus Drogenkonsumenten, Alkoholikern, Hipstern, Touristen und Nachtschwärmern in seinen besten Momenten internationales Großstadtflair verströmt.

    Allerdings nur, wenn man sich vorher selbst ein ordentliches Beruhigungsmittel reingepfiffen hat. Allen anderen wünschen wir gute Fahrt und eine zügige Anbindung.

    4. Moritzplatz – Tor zur Hölle

    Hat sich der Moritzplatz oberirdisch mittlerweile neu erfunden mit dem wunderbaren Kreativ-Geschäft Modulor und einer ordentlichen Auswahl gastronomischer Betriebe, so ist der U-Bahnhof Moritzplatz gemäß seiner Lage und seiner Anmutung das Tor zur Hölle: Ein so abweisender wie zugiger Durchgang, dessen uringeschwängerter Duft selbst die hartgesottene BVG-Kundschaft schwindelig werden lässt. Wer kann, der meidet den Moritzplatz.

    Hier hat man die Stadt wahrlich sich selbst überlassen, mit dem Ergebnis, dass der U-Bahnhof Moritzplatz zu einem florierenden Umschlagplatz für Drogen aller Art heruntergekommen ist.

    5. Gesundbrunnen – Gesund ist das nicht

    „Hallöchen“, leitet eine junge Frau etwas unbedarft in einem Online-Forum ihre Frage ein. Sie sei für eine Veranstaltung auf den Zug angewiesen und habe viereinhalb Stunden Aufenthalt am Bahnhof Berlin-Gesundbrunnen. Ob sie sich denn zu vorgerückter Stunde so ganz allein dort unwohl fühlen müsste? Die Antworten wollen wir hier in ihrer bestürzenden Vielzahl nicht wiedergeben, nur so viel: Die Reisende hätte auch fragen können, ob sie mal ohne Bungee-Seil von einer Brücke springen könne.

    Der zugige Umsteigebahnhof im Norden Berlins ist nicht nur voll und wuselig, er ist auch regelmäßig auf den vorderen Rängen zu finden, wenn es um Sachbeschädigungen und andere Delikte geht. Immerhin: Es gibt einen Biomarkt und McDonald’s. Gesünder wird’s nicht.

    #Berlin #BVG #U-Bahn #Gesundbrunnen #Kreizberg #Moritzplatz #Kottbusser_Tor #Neukölln #Hermannplatz #Mitte #Alexanderplatz

  • Touristen in Berlin: Diese 5 Orte sollten Besucher meiden
    https://www.berliner-zeitung.de/panorama/tourismus-in-berlin-diese-5-orte-sollten-besucher-meiden-li.2304095

    Naja, was den nicht-ganz-so-Urberlinern aus der Redaktion so einfällt sind eigentlich total interessante, teils sogar mit echtem Charm und Schönheit ausgestattete Orte.

    Dafür ist vom Besuch der folgenden Orte ernsthaft abzuraten.

    Kategorie Touristenfalle

    – Alle Berliner Shopping Malls inklusive ehemaliges Bikini Haus und Kadewe. Wir haben über 60 davon.
    – Mauerpark und RAW sind nur etwas für drogenversessene Krawalltouristen mit Hang zum eigenen Messer.

    Kategorie Lebensgefahr durch Lamgeweile

    – Tempelhof südlich der Ringbahn
    – Reinickendorf
    – Spandau

    Kategorie „muss echt nicht sein“

    – Der neue Potsdamer Platz. Hier ist in der Tat off limit, no go zone, wirklich nicht zu empfehlen, es sei denn, man muss da durch auf dem Weg zum #Taxifilmfest oder zur #Berlinale.

    – Kaiser-Wilhelm-Platz (der verbliebene), fahr besser gleich nach Potsdam.

    5.3.2025 von Anne Vorbringer, Marcus Weingärtner, Manuel Almeida Vergara, Enno Kramer - Wo die Stadt sich selbst überlassen wurde, schickt man keinen Gast hin. Auch die Einheimischen meiden diese Orte, soweit es geht.

    Während die ITB aktuell die schönsten Urlaubs-Destinationen bewirbt, tut die deutsche Hauptstadt wenig bis gar nichts dafür, sich für den Tourismus der Zukunft fit zu machen. Im Gegenteil: Viele Gegenden wirken, als ob sich die Stadt selbst überlassen wäre.

    Wir haben fünf Orte in Berlin herausgesucht, die an zentraler Stelle exemplarisch für das Versagen der Stadt stehen. Hier würden wir keine Freunde hinschicken.

    1. Mehringplatz in Kreuzberg: verwahrloste Innenstadt

    Der Beginn der teilverwahrlosten Friedrichstraße ist zugleich ihr soziales Ende: Der Kreuzberger Teil mündet im Mehringplatz, einem Ort, der dank sämtlicher fehlgeschlagener Versuche der Aufwertung immer noch ein sozialer Brennpunkt ist und von Menschen in der Regel höchstens als Durchgang zwischen Halleschem Tor und Friedrichstraße passiert wird.

    Touristen verlaufen sich höchstens an den Mehringplatz, wenn sie die U-Bahn-Station zum Checkpoint Charlie verpasst haben und reiben sich verwundert die Augen ob der Tatsache, dass sich eine europäische Metropole in ihrem Zentrum ein derart heruntergekommenes Gebiet gönnt, das unter Milieuschutz steht, „um die Gentrifizierung infolge von aufwertenden Sanierungen zu bremsen“. Da kann man nur sagen: Glückwunsch! Damit ist trotz einiger Sanierungsarbeiten ein Zustand der Konservierung erreicht und wer sich den Mehringplatz ansieht, kann darüber sicher nur den Kopf schütteln.

    2. Hermannplatz in Neukölln: Obdachlosigkeit, Drogenkonsum, Kriminalität

    Der Klassiker. Strenggenommen ist der Hermannplatz gar kein Platz, sondern eine große Kreuzung mit Betondeckel auf dem U-Bahnhof. Und überhaupt würde niemand auf die Idee kommen, hier länger als nötig zu verweilen: Obdachlosigkeit, Drogenkonsum, Kriminalität und ein abweisendes Erscheinungsbild haben den Hermannplatz so sehr in Verruf geraten lassen, dass der Slogan „Du hast Angst vorm Hermannplatz“ auch in der deutschen Provinz noch ein Begriff ist.

    Zwar hat die Gentrifizierung auch diese Ecke im Guten wie Schlechten im Griff, angenehmer ist der Hermannplatz trotzdem nicht geworden. Wer kann, der flüchtet in die umliegenden Straßen wie die ex-hippe Weserstraße, die Karl-Marx-Straße oder die Sonnenallee, die den Hermannplatz im Gruselranking mittlerweile eindeutig abgelöst hat.

    3. Eberswalder Straße in Prenzlauer Berg: Burn-out garantiert

    Bars, Clubs und jede Menge Restaurants – eigentlich ist die Eberswalder Straße der ideale Ort für einen Freitagabend. Könnte man meinen. Doch wer öfter hier vorbeikommt, lernt die wohl unübersichtlichste Kreuzung der Stadt zu hassen. Von rechts schreien einen die Radfahrer an, von links bimmelt die Straßenbahn, aus allen Richtungen hupen Autos im Sekundentakt und von oben rattert die U2 über die Gleise.

    Wer nicht gerade auf der Suche nach einem Burn-out pünktlich zum Wochenendbeginn ist, sollte die Eberswalder nicht nur unter der Woche meiden. Denn auch wenn die Ausgehmöglichkeiten in Prenzlauer Berg hier wohl am vielfältigsten sind – spätestens, wenn man auf der Suche nach einem Späti unter der U-Bahn-Station in Richtung Norden unterwegs ist, vergeht einem der Spaß. Stichwort Taubentoilette: Nirgendwo ist der Gehweg so flächendeckend mit Kot bedeckt wie hier.

    Auch auf den Bürgersteigen entlang der Kulturbrauerei oder in Richtung Kastanienallee geht es mit der Lebensqualität steil bergab. Altes Fett, Glutamat und schlechtes Parfüm liegen in der Luft, 15-Jährige in voller Adidas-Montur, von denen man angerempelt wird. Wer hier als Touri vorbeikommt, sollte besser zusehen, dass er Land gewinnt.

    4. Alexanderplatz in Mitte: Bausünden und Dreck

    Ein Kaufhaus mit ungewisser Zukunft, eine Dauerbaustelle mit Bauzäunen und provisorischen Fußgängerpassagen, eine versiegelte, fleckige Plattenfläche, bespielt mit peinlichen, jahreszeitlich wechselnden Ramschmärkten: Der Alexanderplatz ist gerade wahrlich nicht in seiner besten Verfassung.

    Dabei könnte und müsste er das Aushängeschild dieser Stadt sein. Er atmet Geschichte, ist einer der belebtesten Orte Berlins, Ausgangs- und Umsteigepunkt, voller touristischer Highlights in unmittelbarer Nähe. Man kommt nicht um ihn herum – und würde es dennoch gern. Nicht wenige Berliner steigen lieber eine Station früher aus, um sich die U-Bahn-Labyrinthe, das Gewusel, die musizierenden Laien und den Geruch der Champignonpfanne zu ersparen.

    „Normalerweise wird ein großer Bogen um diesen Ort gemacht“, heißt es bei Tripadvisor selbst von Berlin-Besuchern. „Mal von den fiesen Bausünden und Umgestaltungen der letzten 25 Jahre, die dem Alexanderplatz das Gesicht genommen haben, abgesehen, ist es hier einfach nur der reinste Horror. Dreckig, versifft und an vielen Stellen einfach nur verkommen“, so das knallharte Touri-Urteil. Das Schlimme ist: Man kann dem kaum widersprechen.

    5. Flohmarkt im Mauerpark: Karaoke und Nepp seit ewigen Zeiten

    Wollten Sie für einen ausrangierten H&M-Pulli auch schon mal das Doppelte des Originalpreises zahlen? Haben Sie tierisch Lust, eine Dreiviertelstunde für ein Hotdog anzustehen? Interessieren Sie sich wahnsinnig für die dürftigen Sangeskünste Ihnen völlig fremder Menschen?

    Dann sind Sie im Mauerpark goldrichtig, diesem staubig-braunen Flecken Berlin, der am Wochenende zum Eldorado für Schnäppchenjäger wird – oder zumindest für solche, die sich für Schnäppchenjäger halten. Denn günstig sind die Preise auf dem Flohmarkt im Mauerpark schon lang nicht mehr; weder die für Secondhand-Klamotten und Vintage-Möbel noch jene für die begleitenden Snacks und Getränke.

    Dabei rechtfertigt das Angebot – anders als zum Beispiel auf dem wirklich gut sortierten, mit hochwertigen Antiquitäten ausgestatteten Flohmarkt am Arkonaplatz – die mitunter horrenden Preise keineswegs. Und dann auch noch das: Will man sich vom Preisschock kurz mal erholen, setzt sich also auf eine nahe Wiese oder – schlimmer noch – direkt ins Amphitheater, muss man zwangsläufig dem Freiluft-Karaoke folgen, das aus völlig unerklärlichen Gründen seit Jahren Hunderte Besucherinnen und Besucher an jedem sonnigen Sonntag anzieht. Wem’s gefällt …

    Überhaupt wird’s auf dem Flohmarkt im Mauerpark gerne mal übervoll; ein einziges Drängeln und Schieben, ein hastiges Gegrabsche nach überteuerten H&M-Pullis und dürftigen Hotdogs. Genau Ihr Ding? Dann nichts wie hin! Doch eher Lust auf einen entspannten Berlin-Aufenthalt? Dann machen Sie am Sonntag lieber einen großen Bogen um den Mauermeiden

    #Berlin
    #Mehringplatz #Kreuzberg
    #Hermannplatz #Neukölln
    #Eberswalder_Straße #Oderberger_Straße #Prenzlauer_Berg
    #Alexanderplatz #Mitte
    #Mauerpark #Bernauer_Straße

  • Alexanderplatz, Kottbuser Tor, Görlitzer Park: Gefährliche Orte in Berlin 2024
    https://www.berliner-zeitung.de/news/das-sind-die-gefaehrlichsten-orte-in-berlin-li.2273690

    Na dann los, jagen wir dem braven Bürger mal ein bischen Angst ein. Das verkauft sich, das verleiht Authentizität. Bei genauem Hinsejen versteht man, dass die „Gefahren“ Ursachen haben und so gut wie überhaupt niemand betreffen, der sich bewußt durch die Stadt bewegt. Kellereinbrüche in der Rigaer, wie kommt das wohl?

    Interessiert sich eigentlich noch jemand für die alteingesessenen Gangster und Gangs aus Zehlendorf und Grunewald? Die kriegen heute Hauptstadtzuwachs aus Ost und West, je nach politischer Großwetterlage.

    19.11.2024 von Kathrin Merz - Raub, Körperverletzung, Diebstähle: In Berlin gibt es sieben Orte, an denen besonders viele Straftaten begangen werden.

    Sieben sogenannte kriminalitätsbelastete Orte gibt es in Berlin. Das sind Plätze oder Straßen, an denen besonders viele Straftaten wie beispielsweise Überfälle, Körperverletzungen oder Diebstähle begangen werden. Die Senatsinnenverwaltung listet in einer Antwort auf eine Anfrage des Linken-Angeordneten Niklas Schrader die kriminalitätsbelasteten Orte und die Straftaten, die dort begangen werden, auf.

    Das sind die gefährlichsten Orte in Berlin 2024:

    Alexanderplatz
    Görlitzer Park/Wrangelkiez
    Hermannplatz/Donaukiez
    Hermannstraße/Bahnhof Neukölln
    Kottbusser Tor
    Rigaer Straße
    Warschauer Brücke

    Die Senatsinnenverwaltung vergleicht in der Antwort die Zahl der begangenen Straftaten an diesen Orten im Jahr 2023 und im Zeitraum vom 1. Januar bis 20. Oktober 2024. Demnach gab es am Alexanderplatz im vergangenen Jahr insgesamt 6896, in diesem Jahr bislang 5280 Straftaten. Ladendiebstahl ist dabei nach wie vor das häufigste Delikt (2482 Fälle im Jahr 2023, 1949 Taten 2024), gefolgt von anderen Diebstählen und einfacher Körperverletzung (569 Fälle im Jahr 2023, 482 Fälle bisher im Jahr 2024). Gefährliche oder schwere Körperverletzung „auf Straßen, Wegen und Plätzen“, führt die Innenverwaltung gesondert auf (214 Taten 2023, 166 Taten 2024). Gesunken ist die Zahl der Drogenstraftaten, was vermutlich auf die Cannabis-Legalisierung zurückzuführen ist. Wurden am Alex im Jahr 2023 noch 404 Drogendelikte erfasst, waren es im Jahr 2024 bislang nur 131. Gesunken ist auch die Zahl der Taschendiebstähle: 2023 waren es noch 540, aktuell sind es 367.

    Im Bereich Görlitzer Park/Wrangelkiez wurden 2023 insgesamt 5967 Straftaten erfasst, in diesem Jahr bislang 4427. Drogendelikte werden hier am häufigsten begangen (1436 im Jahr 2023, 663 bisher im Jahr 2024), gefolgt von Diebstählen, Körperverletzungs- und Raubstraftaten. Für den Görlitzer Park wie auch das Kottbusser Tor will Berlin nun „zeitnah“ Messer-Verbotszonen einrichten.

    Zugenommen haben hier die Diebstähle an bzw. aus Fahrzeugen: Waren es 438 im gesamten Jahr 2023, so sind es in diesem Jahr bereits 541.

    Verbotszone Görlitzer Park: Beschlagnahmt die Polizei am Grillplatz das Messer?
    Hermannstraße/Bahnhof Neukölln: Mehr gefährliche Körperverletzungen

    Im Bereich Hermannstraße/Bahnhof Neukölln ist die Zahl der gefährlichen bzw. schweren Körperverletzungen auf Straßen, Wegen und Plätzen deutlich gestiegen. Bereits 80 dieser Delikte wurden in diesem Jahr registriert, im gesamten Jahr 2023 gab es 63 solcher Taten. Insgesamt wurden an diesem kriminalitätsbelasteten Ort dieses Jahr 3581 Straftaten festgestellt, 2023 waren es 4653.

    Auch am Kottbusser Tor, das ebenfalls Messerverbotszone werden soll, ist die Zahl der gefährlichen bzw. schweren Körperverletzungen auf Straßen, Wegen und Plätzen gestiegen. 99 Delikte wurden in diesem Jahr erfasst, im gesamten Jahr 2023 waren es 76. Auch Raubstraftaten haben hier zugenommen. 84 wurden in diesem Jahr registriert, das sind jetzt schon zehn mehr als im ganzen vergangenen Jahr. Die Zahl der Straftaten insgesamt hat sich am Kottbusser Tor allerdings kaum verändert.

    An der Rigaer Straße in Friedrichshain ist die Zahl der Kellereinbrüche nach oben geschossen: Dieses Jahr wurden bereits 43 registriert, im ganzen vergangenen Jahr waren es nur 19. Die Zahl der Sachbeschädigungen hat sich dafür halbiert (2023: 115 Taten, 2024: 51). An der Warschauer Straße ist vor allem eine Zunahme von Straftaten wie Nötigung, Bedrohung oder Freiheitsberaubung zu beobachten: Wurden 2023 noch 62 solcher Delikte registriert, waren es in diesem Jahr bereits 179.

    #Berlin #Alexanderplatz
    #Görlitzer Park
    #Hermannplatz #Donaustraße
    #Hermannstraße #Bahnhof_Neukölln
    #Kottbusser_Tor
    #Rigaer_Straße
    #Warschauer_Brücke
    #Kriminalität

  • Kult und Kaffee am Alexanderplatz in Berlin: Das Pressecafé eröffnet
    https://www.berliner-zeitung.de/panorama/kult-und-kaffee-am-alexanderplatz-in-berlin-das-pressecafe-eroeffne


    Berlin, Alexanderplatz: Das Pressecafé hat im Untergeschoss des Pavillons wiedereröffnet, das Steakhouse Beast im ersten Stock hat sich schon gut etabliert. Benjamin Pritzkuleit

    7.8.2024 von Olga Ellinghaus - Nach monatelangem Umbau öffnet das historische Pressecafé im Herzen der Stadt wieder seine Türen. Mit dem Steakhouse Beast im ersten Stock erblüht das Gebäude nun voll zu neuem Leben.

    Zu DDR-Zeiten war das Pressecafé im Haus des Berliner Verlags ein beliebter Treffpunkt für Journalisten, doch der zweistöckige Pavillon auf der Karl-Liebknecht-Straße stand seit Jahren leer. In dieser Woche soll das gastronomische Angebot im Erdgeschoss des Gebäudes als Hommage an die DDR im Deli-Style wiederbelebt werden.

    Das kulinarische Angebot indes bewegt sich auf der Höhe der Zeit: Neben dem Kaffee der Londoner Rösterei Costa und einem Frühstücksangebot gibt es eine Mittagskarte, Matcha Latte und Mimosas. Drinnen sollen 100, draußen gleich 200 Gäste Platz finden.
    .
    Der rote Bär vor der Tür

    Das dominierende Thema des Cafés im Erdgeschoss ist Rot: Schlichte rote Designerstühle umringen eckige Holztische. Rote Samthocker stehen an der Bar, sogar die Wände sind rot tapeziert. Die Farbpalette drinnen ist im Einklang mit dem wieder freigelegten Fries draußen. Nachdem Willi Neuberts Wandfries „Die Presse als Organisator“ drei Jahrzehnte lang von einer Leuchtreklame verdeckt war, schmückt er seit 2021 wieder die Fassade. Auf dem Gehweg thront ein roter Berliner Bär.

    Im Stockwerk über dem Café hat das Steakhouse Beast erst vor kurzem seine Türen geöffnet. Der Fokus liegt eindeutig auf Premiumfleisch aus der Region – Steak Cuts, Spareribs und Burger.


    Willy Neuberts berühmter Wandfries „Die Presse als Organisator“ Markus Wächter/Berliner Zeitung

    Und ganz auf der Höhe der Zeit: Veganer kommen auch hier nicht zu kurz und finden Gerichte auf der Karte. Inhaber beider Neueröffnungen ist Alexander Freund, der weitere Restaurants wie das Fischer & Lustig im Nikolaiviertel und das Jäger & Lustig in der Grünberger Straße in Friedrichshain betreibt.

    Pressecafé/Pressehaus Memhardstraße/Karl-Liebknechtstr. 27
    https://www.berlin.de/tickets/suche/orte/pressecafe-pressehaus-memhardstrasse-karl-liebknechtstr-27-ca179bca-6097-4664

    #Berlin #Alexanderplatz #Gastronomie #DDR

  • „Hauptstadt des Verbrechens“
    https://anwaltsblatt.berlin/hauptstadt-des-verbrechens-2

    Bemerkenswert: Verbrechen als Krankheit, von der Verbrecher befallen werden.

    Von Julia Steinmetz - Zeitreise zu den historischen Gerichts- und Gefängnisgebäuden der 1920er-Jahre.

    Schon der Treffpunkt der Reisegruppe, bestehend aus Mitgliedern des Berliner Anwaltsvereins und des Richterbunds, war am 14. Juni um 16 Uhr ein historischer: der #Tränenpalast an der #Friedrichstraße. Von dort aus sollte das diesjährige Sommerhighlight, die „Krimitour durch Berlin“, organisiert durch den Berliner Anwaltsverein, starten. Aufgrund einer kleinen Busverspätung (der Berliner Verkehr) stellen die beiden Referenten Arne Krasting und Alexander Vogel vor dem Einstieg in den Bus sich und auch die Idee zur gemeinsamen Tour vor.

    Arne Krasting ist Historiker und Autor zweier Bücher. Sein erstes Buch „Fassadengeflüster. Berliner Bauten der Weimarer Republik“ erschien 2021. Gemeinsam mit dem Juristen Alexander Vogel veröffentlichte er 2022 das Buch „Justizgeflüster. Gerichte und Gefängnisse in Berlin“. Um Letzteres sollte es bei der Kriminaltour gehen, in der ein Blick auf die „dunkle Seite“ von Berlin, auch inspiriert von der Kultserie „Babylon Berlin“, geworfen werden sollte. Die Gegend um den #Bahnhof_Friedrichstraße schien hierfür der optimale Startpunkt, war sie doch in den 1920er-Jahren ein Ort des Amüsements, aber auch der Kriminalität und Prostitution mit zahlreichen Theatern und Bars in der Nähe.

    „Die Geschichte Berlins ist eine Geschichte von Kriminalität“

    Die Tour beginnt mit dem zwischenzeitlich eingetroffenen Reisebus, welcher im Inneren mit großen Bildschirmen ausgestattet ist, auf denen die Referenten untermalendendes Bild- und Videomaterial zeigen. Passend zur Fahrt über die Berliner Friedrichstraße und der Straße #Unter_den_Linden berichten die Referenten von der Diebstahlsgeschichte der Quadriga auf dem #Brandenburger_Tor sowie über die weithin bekannte Geschichte des Betrügers Friedrich Wilhelm Voigt, dem Hauptmann von Köpenick. Vorbei an der #Marienkirche, die im 13. Jahrhundert das Zentrum des mittelalterlichen Berlins darstellte und damals Schauplatz eines berüchtigten Lynchmordes wurde, der einen päpstlichen Bann über Berlin nach sich zog und erst nach Zahlungen und dem Aufstellen eines Sühnekreuzes wieder aufgehoben wurde, geht es zum #Alexanderplatz. Vogel macht schon zum Beginn der Tour deutlich: „Die Geschichte Berlins ist eine Geschichte von Kriminalität“.

    DER ALEXANDERPLATZ – SCHON VOR 100 JAHREN EIN KRIMINALITÄTSHOTSPOT

    Da gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Kriminalität um den Alexanderplatz immer mehr zunahm, wurde 1890 genau dort das große neue Polizeipräsidium von Berlin gebaut, welches sich vorher am #Molkenmarkt befunden hatte. In das neue Gebäude zog auch der berühmteste Kommissar der Zeit ein: Ernst Gellert, auch der „Buddha vom Alex“ genannt. Er leitete die erste modern arbeitende Mordkommission und erfand, laut Vogel und Krasting, die Tatortarbeit. Auch neu war ein Fernsehformat, was in den zahlreich eröffnenden Berliner Fernsehstuben ab 1935 gezeigt wurde. In „Die Polizei bittet um Mithilfe“ zog Gellert die Bevölkerung in seine Ermittlungsarbeit ein; ein Format, was auch heute noch im Fernsehen zu finden ist. Nach der Fahrt rund um den Alex kommt die Reisegruppe in der #Littenstraße an. Ziel ist hier das Gerichtsgebäude, der sogenannte „Justizpalast“, der 1904 fertiggestellt wurde. Der Architekt des Gebäudes, so erklärt Krasting, sei Otto Schmalz, der für die Architektur vor allem Elemente des Rokokos und des Jugendstils gewählt habe, darüber hinaus gebe es viele Einzelheiten, die Krasting den Teilnehmenden vor Ort und anhand von Bildern erläutert. Nachdem alle Teilnehmer wieder sicher im Bus sitzen, geht die Fahrt über den #Straußberger_Platz, im Mittelalter der als „#Rabenstein“ bekannte Hinrichtungsplatz vor den Toren Berlins, weiter in das #Scheunenviertel.

    DAS VERBRECHERVIERTEL DER 20ER-JAHRE

    Vogel erklärt, dass die Gegend in den 1920er-Jahren der Ort des organisierten Verbrechens in Berlin gewesen sei und daher auch in „Babylon Berlin“ immer wieder Ort des Geschehens ist. In den sogenannten Ring-Vereinen, die ursprünglich gemeinnützige Organisationen zur Wiedereingliederung von Strafgefangenen und ehemaligen Häftlingen sein sollten, entwickelten sich damals kriminelle Strukturen und Verbrecherbörsen. Ort der Planung für die nächsten Coups waren oft Bars und Kneipen wie die „Mulackritze“, in der sich Gestalten wie „Muskel- Adolf“ oder Adolf Leu (der Schränker) trafen.

    „In den sogenannten Ring-Vereinen entwickelten sich damals kriminelle Strukturen und Verbrecherbörsen“

    Wie sehr Verbrechen und Tod zu dieser Zeit zum Alltag der Bevölkerung dazugehörten, wird auch in der #Hannoverschen_Straße 6 deutlich, dem ehemaligen Leichenschauhaus. Hier war es laut Vogel in den 1920er-Jahren üblich, am Sonntag zur Leichenschau zu kommen, in der unbekannte Opfer von Tötungstaten hinter Glasfenstern ausgestellt wurden, damit Besucher diese identifizieren konnten.

    RUND UM DIE LEHRTER STRASSE

    Ziel der letzten Station der Tour sollte die Gegend um die #Lehrter_Straße sein, in der seit den 1840er-Jahren verschiedene Gefängnisgebäude entstanden waren, die heute nur noch teilweise bestehen. An das große Zellengefängnis in der Lehrter Straße erinnert nur noch der Geschichtspark Zellengefängnis #Moabit, der 2006 eröffnet wurde. Kriminalität wurde 1840 als ansteckende Krankheit angesehen, sodass Ziel des damaligen Gefängnisneubaus die Unterbringung der Gefangenen in Einzelzellen war, in der zwischenmenschliche Kommunikation nicht möglich sein sollte. Auch beim einstündigen Freigang am Tag kamen die Gefangenen durch die panoptische Architektur niemals mit ihren Mithäftlingen in Kontakt. Diese unmenschliche Art der Unterbringung bestand bis 1910. Nach dem Attentat auf Adolf Hitler 1944 wurden in dem Gefängnis verdächtigte Beteiligte festgehalten, unter anderem Albrecht Haushofer und Klaus Bonhoeffer, die im April 1945 dort erschossen wurden. Ersterer schrieb während seiner Gefangenschaft die „Moabiter Sonette“, 80 Gedichte, die heute im Park in einer nachempfundenen Zelle über Lautsprecher vorgelesen werden.

    Zu Fuß ging es zum Schluss noch zum ehemaligen Frauengefängnis in der #Lehrter_Straße 60, in dem von 1945–1985 weibliche Gefangene aus Westberlin untergebracht waren. Ursprünglich war dieses Gebäude eine Militär-Arrestanstalt, nach dem Ersten Weltkrieg ein Gefängnis für Männer ohne Militärgerichtsbarkeit, in dem auch Kurt Tucholsky einsaß. 1973 und 1975 gelingt weiblichen Gefangenen zweimal der spektakuläre Ausbruch aus dem Gefängnis, sodass anschließend ein neues Frauengefängnis in Berlin-Charlottenburg gebaut wurde. Seit 2012 steht das Gebäude leer. Zukünftig geplant sei hier, laut Krasting, Proberäume für Musiker und Kunstateliers unterzubringen. Zudem diente das ehemalige Gefängnis als Drehort für „Babylon Berlin“.

    Auf dem Weg zurück zur Friedrichstraße und somit dem Endpunkt der gemeinsamen Tour erzählten die Referenten noch einen letzten Fall: die „Pleiten, Pech und Pannen-Karriere“ der Gebrüder Sass, Einbrecher, die als erstes auf die Idee kamen, Geldschränke nicht mehr aufzustemmen, sondern aufzuschweißen. Gegen 18:30 Uhr endete die sehr kurzweilige, höchst interessante Tour, an die alle Teilnehmenden sicher gern zurückdenken werden.

    #Berlin #Geschiichte #Kriminalität #Stadtführung #Sightseeing #Krankheit #Fernsehstube #Fernseh-Großbildstelle

  • Sprecher der Berliner Fahrgäste: „Mit der U8 fahre ich nicht mehr“
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/sprecher-der-berliner-fahrgaeste-mit-der-u8-fahre-ich-nicht-mehr-li

    Die Bettler sind da und bevölkern die U-Bahn Linie 8. Unterträglich ist das für alle biederen Bürger.

    26.01.2023 von Peter Neumann - Zum Fototermin mit der Berliner Zeitung steigt Jens Wieseke in den U-Bahnhof Heinrich-Heine-Straße hinab. Doch normalerweise nutzt der Vizevorsitzende und Sprecher des Fahrgastverbands IGEB die düstere Station an der U8 nicht mehr. Im Interview erklärt der 58-jährige Berliner, der aus dem Osten der Stadt stammt und seinen Berufsweg als Briefträger mit Abitur begann, warum er manchmal lieber mit seinem Auto fährt. Der Fahrgastlobbyist äußert sich auch zum Desaster auf der U2 unter dem Alexanderplatz, zu Gottesdienstbesuchen mit Mobilitätssenatorin Bettina Jarasch, ob der BER einen U-Bahnanschluss braucht – und darüber, ob er wählen geht.
    ...
    Apropos Frau Jarasch: Vor Weihnachten haben Sie ein Foto getwittert, das Sie und die Grünen-Politikerin nach einem katholischen Gottesdienst in Berlin zeigt. Sehen Sie sich häufiger in der Kirche?

    Ich möchte nur so viel dazu sagen: Wir sind beide Katholiken, und es kommt vor, dass wir uns in dieser Eigenschaft sonntags sehen. Und ja, es kommt vor, dass es danach auch um unser gemeinsames Thema geht. Als nach dem Fahrplanwechsel im Dezember Probleme im Regionalzugverkehr deutlich wurden, schrieb mir die Senatorin zwei Stunden nach dem Gottesdienst eine Mail und bat um Hinweise. Wenige Tage später lud der Senat die Beteiligten zu einem Krisentreffen ein. Aber ich achte darauf, die Begegnungen nicht zu überfrachten. Auch Frau Jarasch hat ein Recht auf einen möglichst arbeitsfreien Sonntag.
    ...
    Wie kommen Sie zur Arbeit?

    Derzeit nicht mit dem öffentlichen Verkehr. Zwar liegt der Bahnhof Südkreuz nicht weit von meinem Arbeitsplatz in Schöneberg entfernt. Ich weigere mich aber, die U8 zu nutzen. Mit der U8 fahre ich nicht mehr, diese U-Bahn-Linie tue ich mir seit einigen Jahren nicht mehr an. In der warmen Jahreszeit gehe ich stattdessen ein paar Schritte weiter zur U2, zum U-Bahnhof Spittelmarkt, vom Potsdamer Platz nehme ich dann die S-Bahn oder den Regionalexpress. Aber im Winter fahre ich in den meisten Fällen mit meinem Auto zur Arbeit.
    ...
    Warum fahren Sie nicht mehr mit der U8?

    In unserem Verein gibt es den Spruch: Alles ist besser als die U8. Es sind viele negative Erlebnisse, die sich über die Jahre zu einem negativen Bild verdichtet haben. Es geht um Schmutz, Verwahrlosung und um vieles andere mehr, sowohl in den U-Bahnhöfen als auch in den Zügen. Wenn ich auf den Bahnhof Heinrich-Heine-Straße komme und alle Sitzbänke sind mit Drogenabhängigen oder Wohnungslosen besetzt, ist das einfach nicht schön. Ich stelle nicht in Abrede, dass es den Junkies schlecht geht und dass man sich um sie kümmern muss. Aber der Nahverkehr kann nicht die sozialen Probleme Berlins zulasten der Fahrgäste lösen. Das wäre unzumutbar. Auf der U8 ist es schon seit vielen Jahren nicht schön, und es wird immer schlimmer. Ich werfe den Bezirken und dem Senat vor, dass sie zu wenig unternehmen.

    #Berlin #U-Bahn #Alexanderplatz #Heinrich-Heine-Straße #Potsdamer_Platz #Spittelmarkt #Südkreuz #Religion #Bettler

  • DDR-Bauten am Alexanderplatz : Warum testeten NVA-Soldaten die Statik des Pressecafés ? Karla Dahms war dabei
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/ddr-bauten-am-alexanderplatz-karla-dahms-warum-testeten-nva-soldate

    On discute beaucoup la place des femmes en RDA. Voici un témoignage qui peut intéresser les architectes et ingénieurs d’aujourd’hui.

    1.8.2023 von Maritta Adam-Tkalec - Als Karla Dahms, 79, in der Zeitung las, dass in das Pressecafé am Alexanderplatz mit einem neuen Betreiber wieder Leben einziehen soll, erinnerte sie sich an die Probleme, die die ersten Nutzer nach 1974 mit der kühnen, weit auskragenden Stahlkonstruktion hatten. Sie fand, der neue Mieter, der Berliner Gastronom Alexander Freund, sollte davon erfahren. Karla Dahms ist Diplom-Bauingenieurin und arbeitete zu den Zeiten, als all die neuen, modernen Bauten rund um den #Alexanderplatz entstanden, als Statikerin im Ingenieurhochbaukombinat Berlin (IHB).

    Der Betrieb saß in dem Gebäude in der #Karl-Liebknecht-Straße, vor dem der vier Meter hohe Bauarbeiter steht, 1968 von Gerhard Thieme in Bronze gegossen, und kraftvoll, bodenständig und visionär in die lichte Zukunft schaut. Viele nennen ihn „Goldfinger“, weil der Zeigefinger der linken Hand von vielen Berührungen blank ist. Karla Dahms nennt ihn „Prämienhalter“. Das wird zu erklären sein. Als Statiker hat sie zum Beispiel Teile des Hauses der Statistik berechnet, und bekam für die Arbeit die Medaille „Erbauer des Stadtzentrums“. Was sie über das Pressecafé berichtet, hat mit Schwingungen zu tun.

    Frau Dahms, was war damals mit dem Pressecafé los?

    Die Stahlkonstruktion mit der Auskragung wurde für geplante Lastenannahmen berechnet. Wenn diese nicht überschritten werden, ist die Konstruktion sehr sicher. Wenn also die Leute artig auf ihren Stühlen sitzen, gibt es kein Problem. Aber kurz nach der Eröffnung 1974 gab es Tanzveranstaltungen. Der Betreiber fand: Musik und Tanz müssen sein. Diese kleine Konzeptänderung hatte zur Folge, dass der Kaffee der Gäste, die im auskragenden Bereich saßen, überschwappte und in den Untertassen schwamm. Gäste und Personal haben das beobachtet. Was war die Ursache der Schwingungen?

    Und was passierte dann?

    Im Pressecafé wurden Belastungsproben durchgeführt. Erst suchte man Freiwillige aus unserem Betrieb, dem IHB, die als Testtänzer agieren sollten. Dann hat man zusätzlich Soldaten der Nationalen Volksarmee herbeigeholt, um verschiedene Tänze aufzuführen – alle möglichen Varianten, wie zum Beispiel Polka, bei der man stampfen musste, und auch Polonaisen. Bewegungen mit unterschiedlichen Tempos und Rhythmen. Da war die Bude voll mit mehreren Dutzend Uniformierten. Mehrere Varianten der Bestuhlung und der Tanzflächenlage wurden ausprobiert. Die erzeugten Schwingungen wurden gemessen. Unsere Abteilung war nicht zuständig, wir haben uns das aber aus Interesse angeschaut – und uns nebenbei über die NVA-Soldaten im Paartanz amüsiert. Eigentlich war das Pressecafé nicht als Tanzlokal geplant, weder hinsichtlich der Grundfläche noch der Statik.

    Wurde daraufhin am Bau etwas verändert?

    Es gab Überlegungen, den auskragenden Teil abzustützen. Doch das setzte sich nicht durch – der freie Durchgang unter dem „schwebenden Gebäudeteil“ sollte bleiben. Das Nein wurde städtebaulich-ästhetisch begründet. Und auch sonst ist an der Konstruktion nichts geändert worden.

    Was dann?

    Das Veranstaltungskonzept: Musik und Tanz durften nur noch im hinteren, nicht auskragenden Teil des Bereiches stattfinden. Die Kapelle bekam einen dementsprechenden Platz. Auch Disco war möglich, aber eben nur im genannten Bereich. Wildes Toben war auszuschließen. Diese Veränderungen wurden realisiert. Herr Freund will ja oben, im ehemaligen Pressecafé, viele Steakesser an langen Tischen platzieren und auch Musik im Restaurant haben. Deshalb empfehle ich, sich die Statik und die Nutzungspläne der Architekten anzusehen, sonst schwappt der Kaffee wieder über den Tassenrand.

    Gab es an anderen Gebäuden ähnliche Probleme?

    Einmal rutschte eine an der Außenfassade des Centrum-Warenhauses, heute Galeria Kaufhof, gegenüber vom Hotel, vorhandene Außentreppe ab. Man dachte offenbar zuerst, da sei Sabotage im Spiel gewesen. Das musste also untersucht werden. Die Abteilung Statik, in der ich arbeitete, musste den Nachweis führen. Das Ergebnis: In einem U-Bahn-Tunnel unter der Treppe hatte es gebrannt, die stählernen Stützpfeiler hatten sich verformt, die Tragfähigkeit des Untergrundes war nicht mehr gegeben. Diesen Zusammenhang hatte man zunächst nicht erkannt. Wir kamen zudem zu dem Ergebnis, dass es keine Fehler in der Statik gab und keine Gefahr für das Gebäude bestand.

    Waren Sie als Bauingenieurin in den 1960er- und 1970er-Jahren eine Seltenheit?

    In meiner Abteilung waren wir von neun Mitarbeitern drei Frauen – solche wie ich. Wir waren präsent, aber es war schon noch eine Männerwelt.

    Erzählen Sie mal …

    Also, nehmen wir zum Beispiel die Prämien. Wir haben ja alle nicht so viel verdient, zum Beispiel netto 620 Mark der Deutschen Notenbank (MDN). Daher waren Prämien wichtig. Jeder kannte die Gehaltshöhe aller anderen. Auch die Prämienvergabe lief öffentlich ab, da handelte es sich manchmal um fünf DDR-Mark mehr oder weniger für den oder die. Es ging ja auch um die Anerkennung der eigenen Leistung. Prämien gab es zum Beispiel zum Frauentag am 8. März, zum Tag des Bauarbeiters am 22. Juni und zum Republikgeburtstag am 7. Oktober und schließlich die Jahresendprämie. Ich wollte NIE anlässlich des Frauentages prämiert werden – ich wollte mich an den männlichen Kollegen messen, meiner Qualifikationsstufe entsprechend. Ich bin schließlich Ingenieur! Aus meiner Sicht war Gleichberechtigung gegeben – ich hatte keine Probleme mit der Anerkennung. Auch drei Kinder waren unproblematisch, man nahm Rücksicht aufeinander. Unser Chef war kirchlich orientiert, deshalb sind wir am 1. Mai nicht zur Demonstration gegangen, sondern haben Brigadeausflüge gemacht, zum Beispiel in den Spreewald.

    Sie nennen den Bauarbeiter, die Skulptur des proletarischen Helden, „Prämienhalter“. Warum?

    Vor allem war dieser Bauarbeiter wie ein Vertreter der Beschäftigten des IHB, quasi wie ein Maskottchen. In dem neuen Gebäude an der Karl-Liebknecht-Straße, gleich neben dem Pressehaus, hatten alle Betriebsteile unseres Hochbaukombinats ihren Sitz gefunden. Für den Spitznamen „Prämienhalter“ war die ausgestreckte, obere Hand ideenstiftend: Er hielt die Hand hin für die über unser Gehalt hinausgehende Prämie, die da kommen sollte – also das, was wir wollten.

    Wie sind Sie Bauingenieur geworden?

    Das hat mit dem Mauerbau zu tun. Ich hatte im Sommer 1961 die 11. Klasse im Schiller-Gymnasium in Berlin-Charlottenburg in einer sogenannten Ost-Klasse absolviert. Wir freuten uns auf die 12. Klasse, beginnend im September. Dann kam der 13. August, und nach den Ferien konnte ich meine Schule nicht mehr erreichen, denn ich wohnte ja in Karlshorst, also in Ost-Berlin. Das Abitur konnte ich erst mal vergessen, denn im Osten nahm man mich mit meiner West-Schullaufbahn in keiner Oberschule auf. Eigentlich wollte ich Lehrerin oder Rechtsanwältin werden. Meine Mutter ging mit mir zur Berufsberatung. Da saßen viele Vertreter von Betrieben, die ihre Lehrlingszahl erhöht hatten, um Jugendlichen wie mir Lehrberufe zu ermöglichen. Mir wurden zum Beispiel Berufe wie Bonbonkocher angeboten, solche in der Metallverarbeitung und Gastronomie. Das kam für mich nicht infrage. Schließlich tauchte das Angebot Hochbauzeichner auf. Weil ich zusagte, kam ich zum Bauwesen.

    Also eine Berufsausbildung …

    Ja, von 1964 bis 1967, und nach Lehrabschluss ging es an die Fachschule in Cottbus. Da wurde ich nach drei Jahren Direktstudium Hochbauingenieur im IHB: Ingenieur für Statik, und das ist mir gut bekommen. Als ich schon Mutter von drei Kindern war, kam dann 1971 bis 1973 die Chance, im Fernstudium den Hochschulabschluss zu machen und 1975 meine Diplomarbeit zu schreiben.

    Wie haben Sie denn das geschafft?

    Jeden Donnerstag bis Sonnabend waren die Seminare in #Cottbus. Also fuhr ich zum Studium und zurück, und mein Mann hat sich rundum um die Kinder gekümmert. Wenn ich am Sonnabend am späten Nachmittag nach Hause kam, war der Tisch gedeckt. Er hatte mit den Kindern gebacken. Das war schön und gab Kraft. Als dann mein Mann ein Fernstudium in Weimar absolvierte, habe ich mich eben um die Kinder gekümmert.

    Wie haben Sie die deutsche Vereinigung erlebt?

    1977 war ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Bauakademie gewechselt. Sie wurde 1990 evaluiert und aufgelöst. Ich habe mich 1993 schließlich mit einem Ingenieurbüro selbstständig gemacht – ein Planungsbüro für Bauwerkserhaltung. Große, renommierte Firmen, die Plattenbauten instand setzen wollen, brauchten mein Wissen. Ich habe viele Vorträge auf Informationsveranstaltungen gehalten, mein Bekanntheitsgrad stieg. Es gab viel zu tun – so habe ich die Instandsetzung von Hochhäusern von der Planung bis zur Ausführung geleitet, zum Beispiel in Rostock-Lütten Klein und Rostock-Evershagen. Skelettbauten, mit und ohne Stelzen. Komplizierte Sachen. Ein Höhepunkt: Ich war Gutachterin für das Museumsprojekt „phæno“ der berühmten Architektin Zaha Hadid in Wolfsburg.

    #DDR #Berlin #Allemagne #femmes #architecture #histoire

  • Das ehemalige Pressecafé am Alexanderplatz öffnet wieder
    https://www.berliner-zeitung.de/news/das-ehemalige-pressecafe-am-alexanderplatz-oeffnet-2024-wieder-li.3

    Das Pressecafe am Alexanderplatz war in Ostberlin bekannt als Treffpunkt von afrikanischen Studenten und Diplomaten. Es wurden Geschäfte im kleinen Ost-West-Handel gemacht. Dank Reisefreiheit für Ausländer und unkontrollierten Diplomatenkoffern war vieles möglich. Die Kollegen vom VEB Horch und Guck immer mit dabei. Auch die Damen der Hauptstadt mit Hang zu exotischen Bekanntschaften zog es ins Pressecafe. Es war ein Ort der öffentlichen Privatsphäre.

    10.7.2023 von Xenia Balzereit - Das Pressecafé im Haus des Berliner Verlags öffnet im Frühjahr 2024 wieder. Der Berliner Gastronom Alexander Freund will den Pavillon mit zwei gastronomischen Angeboten betreiben. In die untere Etage soll den Plänen zufolge wieder ein Pressecafé einziehen – eines, das sich in seiner Ästhetik an das alte DDR-Pressecafé und das inzwischen wieder freigelegte Fries von Willi Neubert anlehnt. In der oberen Etage greift künftig der BEAST Berlin Steakclub die Steakhaus-Vergangenheit des Gebäudes auf.

    Im Steakclub bietet Freund dann klassische Gerichte der US-Steakhouse-Kultur: Steak Cuts, Spare Ribs und Burger. Es soll aber auch vegane Gerichte und viel Obst und Gemüse geben. Für das Café im Erdgeschoss plant Alexander Freund eine Lunch- und Frühstückskarte sowie Snacks zum Mitnehmen. Im Café sollen drinnen 100 und draußen 200 Menschen Platz finden. Im Steakclub essen die Gäste an langen Tafeln, dort soll es etwa 310 Sitzplätze geben.

    Das Pressecafé als Tor zur Welt

    Alexander Freund betreibt bereits eine Reihe von Restaurants in Berlin, etwa das Fischer & Lustig im Nikolaiviertel oder das Jäger & Lustig an der Grünberger Straße in Friedrichshain. Dort traf sich gerne die DDR-Politprominenz, um Wild zu essen.

    Mit dem Pressecafé hat Freund wieder einen geschichtsträchtigen Ort zu seinem Projekt gemacht. Der Pavillon, der mit seiner Stahlkonstruktion auf den Gehweg ragt, war zu DDR-Zeiten für Journalisten ein mondäner Treffpunkt, ein Tor zur Welt, ein ästhetisch ansprechendes Forum. Dort lagen Zeitungen aus diversen Ländern aus, die in der DDR sonst kaum zu haben waren. Beim Lesen saß man auf Stühlen, die denen des westlichen Designers Ernst Moeckl nachempfunden waren und bei den Konferenzen in der oberen Etage blickte man auf den Alexanderplatz, das Zentrum Ost-Berlins.

    Das Steakhouse Escados zog nach der Wende in das Gebäude ein. Dessen Schriftzug überdeckte jahrzehntelang das Neubert-Fries. Seit 2021 ist das Kunstwerk wieder sichtbar.

    #Berlin #Mitte #Alexanderplatz #Karl-Liebknecht-Straße #Memhardstraße #DDR #Geschichte #Gastronomie #Architektur #Kunst

  • Tunnelbruch am Alex zeigt: So verwundbar ist Berlins Infrastruktur
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/berlin-verkehr-kommentar-sperrung-u2-der-tunnelbruch-am-alex-zeigt-

    25.11.2022 von Peter Neumann - Nicht zum ersten Mal hat ein privates Bauprojekt öffentliche Anlagen beschädigt. Schon 2018 warnte die BVG vor „erheblichen Risiken“ für die U-Bahn.

    In der U2 nach #Pankow ist es leer geworden. Das hat seinen Grund. Fahrgäste müssen in den U-Bahnhöfen Klosterstraße und Senefelderplatz umsteigen. Weil der Pendelverkehr zwischen diesen Stationen nur alle 15 Minuten fahren kann, verlängert sich die Reisezeit spürbar. Kein Wunder, dass viele Menschen der #U2 den Rücken gekehrt haben – keine gute Nachricht für die Mobilitätswende.

    In der einst so stark frequentierten Ost-West-Linie lässt sich hautnah nachvollziehen, was passiert, wenn private Bauvorhaben öffentliche Infrastruktur beschädigen. Wenn Investitionsvorhaben, die einer begrenzten Zahl von Menschen nutzen, viele zehntausend Menschen im Alltag beeinträchtigen.
    Die Sohle des unterirdischen Bahnhofsbauwerks ist gerissen

    Denn so ist es an der U2. Im #U-Bahnhof #Alexanderplatz musste am 7. Oktober eines der beiden Gleise gesperrt werden, nachdem sich das unterirdische Bauwerk bewegt hatte. Sensoren hatten eine „Setzung“ registriert, die schließlich auf 3,6 Zentimeter angewachsen war. Die Sohle des Bahnhofsbauwerks ist gerissen, weitere Risse haben sich gebildet. Der Verursacher scheint klar zu sein: Das Immobilienunternehmen Covivio hat nebenan eine Grube ausgehoben, dort sollen zwei 130 Meter hohe Türme entstehen.

    „Das ist schon gravierend“: So ernst sind die Schäden im U-Bahn-Tunnel unterm Alexanderplatz

    Laut BVG wird es mindestens bis Februar #2023 dauern, bis die U2 wieder wie früher verkehren kann. Doch sicher ist selbst das noch nicht, die Senatsauskunft wirkt beunruhigend: „Inwiefern eine Bestandssanierung oder ein Teilneubau in Betracht kommt, kann derzeit noch nicht abschließend bewertet werden.“

    Es ist nicht das erste Mal, dass Fahrgäste der U2 unter privaten Bauprojekten leiden. So stellte die BVG 2012 den Betrieb am #Potsdamer_Platz anderthalb Monate lang ein. In die Baugrube der heutigen #Mall_of_Berlin am #Leipziger Platz war Grundwasser eingedrungen. Im November 2015 gab auf der Baustelle für das Motel One an der #Grunerstraße der Boden um sechs Zentimeter nach. Folge war ein Tempolimit.

    Sensoren im U-Bahn-Tunnel: Auch die Linien U5 und U8 werden überwacht

    Immer wieder haben die Fachleute der #BVG, die mit den Besonderheiten des sand- und wasserreichen Berliner Bodens vertraut sind, vor Risiken gewarnt. Das zeigt ein Brief, den die damalige BVG-Chefin Sigrid Nikutta am 6. März 2018 der damaligen Bausenatorin Katrin Lompscher schickte. Das brisante Schreiben liegt der Berliner Zeitung vor.
    BVG befürchtete, dass #Grundwasser bis zu 17 U-Bahnhöfe flutet

    Das Unternehmen sei „hinsichtlich des geplanten Bauvorhabens sehr in Sorge“, schrieb Nikutta. Das Projekt sei mit „erheblichen Risiken für die Anlagen der BVG und damit den ungestörten Betrieb der U-Bahn“ behaftet. Gutachter würden eine Tunnelsetzung um 1,6 Zentimeter erwarten, anderswo gemachte Erfahrungen ließen aber fünf Zentimeter befürchten. Sollte es zu Schäden und unkontrollierbaren Grundwassereintritten kommen, sei zu befürchten, dass bis zu 17 U-Bahnhöfe geflutet und der Betrieb mehrere Jahre beeinträchtigt werden könnte. „Aus den dargelegten Gründen können wir als BVG den Bau dieses Hochhauses nicht befürworten“, so Nikutta.

    Was diesen Brief so beunruhigend macht, ist der Umstand, dass es um ein Vorhaben geht, für das die Arbeiten noch gar nicht begonnen haben. Im östlichen Bereich des Alexanderplatzes will der amerikanische Investor Hines ein 150 Meter hohes Gebäude errichten, auf einem Fundamentblock, der nur für ein 40 Meter hohes Bauwerk geplant worden war. Direkt darunter verläuft die U5.

    Schon die Bebauungspläne müssen Vorkehrungen fordern

    Zwar schloss die BVG eine nachbarschaftliche Vereinbarung ab, in der Hines zusagt, den Tunnel für 30 Millionen Euro mit einer Innenschale zu verstärken. Dazu hatte der Senat die BVG schon 2014 angehalten – doch das Landesunternehmen zeigte sich skeptisch. Erst Jahre später unterschrieb die BVG.

    Sensoren überwachen nun die U5 und die U8 in diesem Bereich. Die U8 könnte auch von einem anderen geplanten Bauprojekt betroffen sein: Der Investor Signa will das Karstadt-Ensemble am #Hermannplatz umbauen.

    Eines ist klar: Auch der Senat und die Bezirke müssen sich dafür einsetzen, dass öffentliche Infrastruktur nicht durch private Vorhaben beeinträchtigt wird. Nicht überall bekennen sich Investoren mit dem Abschluss nachbarschaftlicher Vereinbarungen zu ihrer Verantwortung. Deshalb ist es zwingend geboten, solche Verträge bereits in den Bebauungsplänen zu fordern. Das Debakel am Alexanderplatz zeigt, wie verwundbar das Berliner Verkehrssystem ist.

    #Berlin #Mitte #Privatisierung #ÖPNV #U-Bahn

  • „Das ist schon gravierend“: So ernst sind die Schäden im U-Bahn-Tunnel unterm Alexanderplatz
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/das-ist-schon-gravierend-so-ernst-ist-der-tunnelschaden-unterm-alex

    18.10.2022 von Peter Neumann - Weil der Tunnel der U-Bahn-Linie U2 unter dem Alexanderplatz in Bewegung geraten ist, wurde ein Gleis gesperrt. Weiterhin können die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) nicht sagen, wie lange die Fahrgäste noch umsteigen und einen Pendelverkehr nutzen müssen. Doch nun zeichnet sich das Konzept ab, wie das unterirdische Bauwerk in der City Ost saniert werden könnte. Bekannt wurde auch, dass erste Schäden schon im August beobachtet wurden – und dass sie ein schwerwiegendes Ausmaß erreicht haben. „Das ist nicht zu unterschätzen“, sagte Ephraim Gothe (SPD), Baustadtrat von Mitte.

    Wie berichtet hat sich das Tunnelbauwerk der U2 im Bereich des U-Bahnhofs Alexanderplatz um fast vier Zentimeter gesetzt. Das bedeutet, dass sich die Betonkonstruktion gesenkt hat. Nach den Informationen, die Gothe vorliegen, bewegte sie sich bisher je nach Bereich um 3,1 bis 3,6 Zentimeter nach unten. „Das ist schon gravierend“, lautet die Einschätzung des Stadtrats, der Bauingenieur ist.
    Beton ohne Stahl auf der historischen „Centrumslinie“

    Für das Bauwerk bedeutet eine Setzung fast immer eine Belastung. In diesem Fall gilt das in besonderem Maße, denn der Beton ist unbewehrt. Das bedeutet, dass kein Stahl eingebaut wurde, der die Stabilität normalerweise erhöht. Der Abschnitt der damaligen „Centrumslinie“, der vom Spittelmarkt zum Alexanderplatz und zum Teil als Hochbahn weiter zum heutigen U-Bahnhof Schönhauser Allee führt, ist 1913 in Betrieb gegangen.

    Risse in den Tunnelwänden des Bahnhofs der U2 zeigen, wie stark das Bauwerk durch die Setzung belastet ist. Ende August seien sie erstmals gesichtet worden, berichtete der Stadtrat. Daraufhin habe die BVG mit der Covivio Kontakt aufgenommen, so Gothe. Das Immobilienunternehmen will nebenan ein Hochhaus mit Zwillingstürmen errichten, die über 33 ober- und drei unterirdische Geschosse verfügen. Dazu wurde neben dem Hotel Park Inn, in unmittelbarer Nachbarschaft des U-Bahnhofs, eine Baugrube ausgehoben, die mehrere Stockwerke tief in den Boden reicht. Weil sie im Wesentlichen fertig ist, gebe es dort inzwischen keine Arbeiten mehr, wie die Covivio bestätigte.
    Nicht mehr lange – und die BVG hätte den U-Bahn-Tunnel sperren müssen

    Dem Vernehmen nach hielt man es bei der BVG noch Anfang Oktober für möglich, den Verkehr auf der stark belasteten U-Bahn-Linie U2 in vollem Umfang aufrechtzuerhalten. Doch nach einem erneuten Gespräch mit Covivio zogen die Bauexperten des Landesunternehmens am 7. Oktober die Reißleine. „Da die Messung für das Gleis in Richtung Pankow sich nun einem Grenzwert nähert und Sicherheit oberste Priorität hat, lässt die BVG die U2 im Bereich des Alexanderplatzes bis auf weiteres vorsichtshalber nur noch auf dem gegenüberliegenden Gleis fahren“, teilte die BVG damals am Abend mit.

    Der U-Bahnhof Alexanderplatz ist mit drei Linien ein stark genutzter Knotenpunkt im Osten Berlins. Auf diesem Bild von 2020 ist die U2 nach Pankow zu sehen. Dieses Gleis ist seit dem Abend des 7. Oktober gesperrt.

    Der U-Bahnhof Alexanderplatz ist mit drei Linien ein stark genutzter Knotenpunkt im Osten Berlins. Auf diesem Bild von 2020 ist die U2 nach Pankow zu sehen. Dieses Gleis ist seit dem Abend des 7. Oktober gesperrt.imago/Rolf Zöllner

    Der Grenzwert für die Setzung, um den es geht, beläuft sich auf vier Zentimeter. Tiefer darf das Bauwerk nicht absacken. „Wenn der Wert überschritten wird, wäre die Vollsperrung des Tunnelabschnitts die zwangsläufige Folge“, sagte ein Insider.
    Zu früh an die Öffentlichkeit gegangen? Covivio schreibt kritischen Brief

    Um den Betrieb auf der U2 wenigstens zum Teil aufrechtzuerhalten und den Fahrgästen zusätzliche Unannehmlichkeiten zu ersparen, habe die BVG „verantwortungsvoll reagiert“. Das sieht manch einer bei der Covivio aber offenbar anders. Nach Informationen der Berliner Zeitung hat das Unternehmen vor Kurzem einen Brief geschrieben. Dass die BVG an die Öffentlichkeit gegangen sei, bevor der Grenzwert erreicht wurde, stößt darin auf ein negatives Echo.

    Auf der Arbeitsebene stellt Bezirksstadtrat Gothe eine gute Zusammenarbeit zwischen der BVG und den Hochhausbauern fest. Dies und die Tatsache, dass in der Baugrube nicht mehr gearbeitet werde, habe ihn und die Verwaltung dazu bewogen, von der behördlichen Anordnung eines Baustopps abzusehen. „Das ist nicht erforderlich“, sagte der Bezirkspolitiker. „Wichtig ist, dass an der Lösung der Probleme gearbeitet wird.“

    Das sei offensichtlich der Fall, so Gothe. Es gebe bereits ein erstes Konzept, wie das Tunnelbauwerk stabilisiert werden könnte. Seitlich von der Baugrube aus könnte Beton unter die Konstruktion injiziert werden, erfuhr der Ingenieur. Dadurch würde der U-Bahnhof wieder eine feste Grundlage bekommen.
    BVG kündigt für Ende dieser Woche neue Informationen an

    Wie lange die Teilsperrung andauere und Fahrgäste auf den nur alle 15 Minuten verkehrenden Pendelverkehr ausweichen müssten, teilt die BVG weiterhin nicht mit. Doch das Unternehmen möchte in absehbarer Zeit ein Update geben. „Die Prüfungen an den Anlagen der U2 am Alexanderplatz dauern an“, teilte BVG-Sprecher Nils Kremmin mit. „Wir gehen davon aus, dass erste Zwischenergebnisse Ende dieser Woche vorliegen. Sollte es Änderungen im Betriebskonzept geben, werden wir umgehend informieren.“

    Covivio-Sprecherin Barbara Lipka bekräftigte den Zeitplan. „Wir hatten letzte Woche eingeschätzt, dass es rund 14 Tage dauern würde, bis erste Ergebnisse der gemeinsamen Untersuchungen seitens BVG, Bauunternehmen und Covivio vorliegen würden“, teilte sie am Dienstag mit.

    Die Linke fordert, Hochhausbauten in der Nähe von U-Bahn-Tunneln zu stoppen. „Alle Hochhausbauten im Umfeld von genutzten U-Bahn-Tunneln müssen sofort angehalten werden“, verlangten die Abgeordneten Katalin Gennburg und Kristian Ronneburg. „Bevor diese weitergeplant oder weitergebaut werden können, müssen die Projekte hinsichtlich ihrer Risiken für den U-Bahn-Verkehr erneut untersucht und neu bewertet werden. Das gilt beispielsweise für weitere Planungen am Alexanderplatz und am Hermannplatz.“
    Investor Hines zahlt BVG 30 Millionen Euro für die Tunnelertüchtigung

    Am Alexanderplatz will auch das US-Unternehmen Hines ein Hochhaus errichten. Es nahm die Debatte zum Anlass, um darauf hinzuweisen, dass man sich mit der BVG 2021 auf ein Verfahren zum Schutz des darunter liegenden Tunnels der U5 geeinigt habe. 30 Millionen Euro würden investiert. „Zur bestmöglichen Optimierung der Tunnel-Sicherheit wird der alte Beton der Tunnelwand teilweise abgetragen und eine neue dichte, lasttragende Innenschale gesetzt werden. Das Verfahren kommt im Ergebnis einem Neubau des rund 90 Jahre alten U-Bahn-Tunnels gleich“, so Hines. Eine längere durchgehende Unterbrechung des U-Bahn-Verkehrs sei dafür nicht erforderlich, hieß es bei der BVG. Sperrungen in der Nacht oder am Wochenende reichten aus.

    #Berlin #Mitte #Alexanderplatz #Verkehr #ÖPNV #U-Bahn #Immobilien #Hochhaus #Privatisierung

  • Nach Sanktionen gegen russische Oligarchen: Linken-Politikerin fordert Baustopp des „Alexander Towers“ | rbb24
    https://www.rbb24.de/politik/thema/Ukraine/beitraege/ukraine-krieg-linke-forderung-baustopp-hochhaus-alexanderplatz.html

    Sa 05.03.22 - Nach Sanktionen gegen russische Oligarchen - Linken-Politikerin fordert Baustopp des „Alexander Towers“

    Die Berliner Linken-Politikerin Katalin Gennburg hat einen Baustopp für das Hochhaus eines russischen Investors am Alexanderplatz gefordert. Dort baut das Moskauer Unternehmen „Monarch“ den 150 Meter hohen „Alexander Tower“.

    Gennburg begründete ihre Forderung mit dem russischen Krieg gegen die Ukraine und die von der EU verhängten Sanktionen, unter anderem gegen sogenannte Oligarchen. „Darüber hinaus muss nun geprüft werden, ob sich Projekte russischer Immobilienunternehmen und -entwickler, die sich derzeit in Planung und Entwicklung befinden, nun stoppen lassen“, so Gennburg.

    Die Berliner Senatsverwaltung für Finanzen konnte auf Nachfrage des rbb nicht bestätigen, dass in Berlin zurzeit sanktionierte russische Unternehmer in Immobilien oder Bauprojekte investiert haben. Informationen dazu lägen nicht vor, hieß es.

    Berlin hat 2020 immerhin den BER eröffnet, im neuen Jahr warten weitere Großprojekte. Darunter sind auch viele Kulturbaustellen: Die umfassend umgebaute Neue Nationalgalerie soll etwa fertig sein. Und es gibt weitere Mammutvorhaben. Von Stefan Ruwoldt

    Der Alexander Tower wird seit November 2019 direkt neben dem Einkaufszentrum Alexa gebaut. In den unteren Geschossen sind laut der Sentasverwaltung für Stadtentwicklung Einzelhandels- und Büronutzungen geplant. Ab einer Höhe von 35 Metern sollen dann rund 370 Wohneinheiten entstehen. Die Gesamtbauzeit ist mit etwa vier Jahre veranschlagt. Mit 150 Metern Höhe soll der Alexander Tower Berlins erster Wolkenkratzer werden.
    Komplexe Firmengeflechte verschleiern oftmals Besitzverhältnisse

    Berlin ist schon länger ein Magnet für russische Investitionen, speziell in der Immobilienbranche. Die Besitzverhältnisse sind jedoch oft nicht eindeutig feststellbar, weil sich die Käufer hinter komplexen Firmengeflechten verbergen.

    Die Bundesregierung hatte kürzlich mitgeteilt, noch keine Übersicht zu Vermögenswerten in russischem Besitz zu haben. In Hamburg hatte es zuletzt Verwirrung über eine Yacht gegeben, die angeblich einem sanktionierten Oligarchen gehören soll [tagesschau.de]. Berichte, dass das Schiff beschlagnahmt wurde, stellten sich als falsch heraus.

    Gennburg fordert, dass der Senat prüft, welche Möglichkeiten das Land Berlin hat, um Sanktionen durchzusetzen. Dazu gehöre mehr Transparenz auf dem Immobilienmarkt. „Es braucht dringend ein Mieten- und Liegenschaftskataster sowie eine verwaltungsseitige Zusammenführung der bestehenden Register“, so Gennburg. Sie verwies auf den Verkauf eines Villenensembles im Jahr 2014 durch den russischen Unternehmer Arkady Rotenberg. Dieser stand zum Zeitpunkt des Geschäfts bereits auf einer Sanktionsliste der EU.

    #Berlin #Alexanderplatz #Immobilien #Hochhaus #Stadtentwiclung #Linke

  • Berlin Alexanderplatz: Sozialistische Supermoderne und Lieblingskulisse der Mode
    https://www.berliner-zeitung.de/wochenende/berlin-alexanderplatz-sozialistische-supermoderne-und-lieblingskuli


    Bild von Hedi Slimane / Celine, 2019

    10.4.2021 von Sabine Röthig - Am Alexanderplatz zeigt sich die sozialistische Supermoderne in ihrer ganzen brachialen Schönheit. Das inspiriert die Modefotografie, von damals bis heute.

    Die Aura des Alexanderplatzes war immer eine kühle. Mit einer Fläche von mehr als 80.000 zugigen Quadratmetern ist dieser Ort im Osten der Stadt die Antithese zur deutschen Gemütlichkeit. Der Platz wurde nach der sowjetischen Direktive, die für die DDR eine industrielle Plattenbauweise im Sinne einer „offenen, durchgrünten und autogerechten Stadt“ vorgab, geplant – und in den 60er- und 70er-Jahren erbaut. Organisch gewachsen ist hier nichts, auch wenn sich nach der Wende vieles verändert hat.

    Doch auch wenn man hier (noch?) nicht wohnen möchte, geht doch eine unglaubliche Faszination von diesem Areal aus und man spürt sie immer noch: die Hoffnung auf einen Neubeginn, die Ambitionen und die Träume von einer besseren Welt. Auch viele details an den Gebäuden erzählen vom Aufbruch und von der Neuerfindung eines Staates, wie der berühmte Fassadenfries am Haus des Lehrers. In diesen Bildern ist sie noch lebendig, die Idee der sozialistischen Supermoderne.

    Bereits zu DDR-Zeiten war der Alexanderplatz beliebte Kulisse für Modeshootings. Daran hat sich nichts geändert. Mehr noch – es ist heute ja noch viel offensichtlicher, dieses Unwirkliche, Futuristische, das mit dem wahren Leben irgendwie nicht in Einklang zu bringen war. Genau diese seltsam entrückte Attitüde der DDR-Prachtarchitektur prägt bis heute das Bild von Berlin in der ganzen Welt entscheidend mit. Der Alexanderplatz wurde in den vergangenen Jahren deswegen von zwei großen Modedesignern als Kampagnenmotiv gewählt. 2016 fotografierte Matt Lambert die Givenchy Pre-Fall-Kollektion für Riccardo Tisci rund um den Platz.

    2019 folgte ihm Celine-Kreativdirektor Hedi Slimane mit einer Fotostrecke. Seine Models lehnten lässig an Brüstungen und Mauern, im Hintergrund ist der Fernsehturm zu sehen. Slimane fotografierte selbst, in dem für ihn typischen, lakonischen Schwarz-Weiß. Die Modefotos zeigen besonders schöne Blickwinkel, in denen das Potenzial des Alexanderplatzes als Motiv absolut überzeugt. Steht man selbst auf dem Platz, muss man jedoch nach solchen Ecken suchen.

    Vielleicht probieren Sie es selbst einmal – die Lücke zwischen Kaufhaus und Forumhotel ist zumindest zu empfehlen. Dreht man dem Hotelhochhaus den Rücken zu, erhebt sich frontal der Fernsehturm in all seiner monumentalen Größe. Was für ein Bild!


    Foto: Archiv Klaus Fischer / Sorge DDR-Sommermode 1972, fotografiert am Centrum Warenhaus. Im Hintergrund zu sehen: der Brunnen der Völkerfreundschaft, das Haus des Lehrers und rechts das Haus des Reisens.

    #Berlin #Mitte #Alexanderplatz #Mode #Stadtentwicklung

  • DEMO: Richtig deckeln, dann enteignen. // 03. Oktober 2019 um 13:00 // #Alexanderplatz am Haus des Lehrers – Stadt von Unten
    https://stadtvonunten.de/demo-richtig-deckeln-dann-enteignen-03-oktober-2019-um-1300-alexanderp

    Deckel und Töpfe: Mietenwahnsinn wird endlich Einhalt geboten

    Seit über 10 Jahren fordert die Berliner Mieter*innenbewegung „Hoch mit den Löhnen, runter mit der Miete“ – auf der Straße lautstark unterstützt von Kochtöpfen und Deckeln. Mit dem Vorschlag des Mietendeckels aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sah es zwischenzeitlich so aus, als würde die zweite Forderungen endlich in die Tat umgesetzt: Die Mietsteigerungen, durch die schon so viele ihr Zuhause verloren haben und die nur dem Profit dienen, hätten nach dem ersten Referentenentwurf aus der Senatsverwaltung zurückgenommen werden können. Das ist richtig, denn dann könnten sich Berlin wieder alle leisten. Statt Spekulation zu befördern, soll die Regierung die Interessen der Mieter*innen der Stadt und damit 80% der Bevölkerung in den Vordergrund stellen. Dass demnach Vermieter*innen statt Mieter*innen Härtefallanträge hätten stellen müssen, wenn sie durch diese Absenkung in finanzielle Schwierigkeiten geraten wären, ist konsequent: das Grundbedürfnis Wohnen steht über der Ware Wohnraum.

    Aber durch die Gegenkampagne von Immobilienlobby, rechten Oppositionsparteien und Teilen der Presse haben SPD, Linke und Grüne nun offenbar kalte Füße bekommen und den Mietendeckel an entscheidenden Stellen wieder aufgeweicht: Mietobergrenzen sollen höher liegen, Mieterhöhungen bei Modernisierung weiter möglich und Mietabsenkung nur noch in bestimmten Fällen möglich sein. Ein leicht verbesserte Mietpreisbremse ist aber nicht das, was r2g vereinbart hat und was die Mieter*innenstadt Berlin erwarten kann: Wir brauchen den radikalen Mietendeckel mit einem stadtweiten Mietenstopp!

    Zudem soll der Mietendeckel gerade nicht im sozialen Wohnungsbau gelten, wo in den letzten Jahren in vielen Häusern besonders starke Mietsteigerungen das Leben der ärmsten Berliner*innen zur Hölle gemacht haben. Deshalb fordern wir einen Mietendeckel auch für den sozialen Wohnungsbau!

    Auch beim Neubau gilt der Mietendeckel nicht. Dabei wissen wir doch schon lange: es fehlt an bezahlbarem Neubau, nicht an dem teuren, der überall gebaut wird. Wenn eine Mietobergrenze bestimmte Wohnungsmarktakteure also davon abhält zu bauen: kein Problem – um so mehr Platz für den wirklich bezahlbaren, dauerhaft abgesicherten kommunalen und selbstverwalteten Wohnraum den wir brauchen.

    Und: Auch der beste Deckel braucht einen Topf, auf den er passt. Der Mietendeckel muss von vielen weiteren Maßnahmen begleitet werden: Enteignung großer Wohnungsunternehmen, Neubau von 100% wirklich bezahlbaren, dauerhaft unprivatisierbaren kommunalen Wohnungen in der gesamten Stadt und Demokratisierung von Planungsverfahren und den Institutionen der Wohnraumversorgung. Mietendeckel und Enteignung schaffen die Voraussetzungen dafür, Immobilien und Boden aus der Kapitalverwertung rauszuziehen. Auch für den Neubau von Wohnungen müssen wir neue Modelle des Gemeineigentums in demokratischer Selbstverwaltung durch Stadtgesellschaft und Mieter*innen entwickeln und durchsetzen.

    Für all das geht es am 3. Oktober auf die Straße: Die Demonstration „Richtig deckeln, dann Enteignen“ starte auf dem Alex (Haus des Lehrers) um 13 Uhr. Wir sind dabei. Kommt auch, bringt eure Nachbar*innen, Freund*innen und Kolleg*innen mit – denn bezahlbarer Wohnraum geht uns alle an und ohne Druck reagiert die Politik nicht.

    #Berlin #logement #politique

  • Von wegen Verrohung: Was die Massenschlägerei am Alexanderplatz wirklich aussagt - Berlin - Tagesspiegel Mobil
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/von-wegen-verrohung-was-die-massenschlaegerei-am-alexanderplatz-wirklich-aussagt/24137900.html

    Der Streit zwischen zwei Youtubern endet in realer Gewalt. Es kommt einem so vor, als ob alles immer schlimmer wird. Doch das stimmt nicht.

    Die Woche bot wieder mal eine gute Gelegenheit, sich zu fragen: Sind in dieser Stadt jetzt endgültig alle verrückt geworden? 400 junge Menschen versammelten sich am Donnerstag auf dem Alexanderplatz und starteten eine Massenschlägerei.

    Die Polizei nahm neun Randalierer fest, zwei Beamte wurden verletzt, der Einsatz zog sich bis in den späten Abend, weil die verfeindeten Lager anschließend noch im Gleisbett der U 8 mit Schottersteinen schmissen. Das alles angeblich nur, weil auf Youtube zwei sogenannte „Influencer“ miteinander in Streit geraten waren. Geht es eigentlich noch kaputter? Und vor allem: Drohen solche Eskalationen jetzt häufiger?

    Gefühlt nehmen in Berlin die Ereignisse, angesichts deren Beklopptheit man sich nur an den Kopf fassen kann, stetig zu. Das könnte ein Zeichen einer fortschreitenden Verrohung sein, ein Beleg für allgemeinen Werteverfall, besonders in Zeiten des Internets und seiner Begleiterscheinungen, besonders in dieser Stadt. Es kommt einem so vor, als ob alles immer schlimmer wird. Die gute Nachricht lautet: Das stimmt nicht.

    Zunächst ist da bloß der subjektive, wenn auch sehr verbreitete Eindruck. Er kommt zustande, weil unser Hirn den meisten Irrsinn, der um uns herum geschieht, gnädigerweise bald verdrängt oder ihm zumindest die Dramatik nimmt, als ulkige Anekdote abspeichert – weil er eben zum Glück herzlich wenig mit dem eigenen Leben zu tun hat.

    Was waren wir zum Beispiel alarmiert, als die Polizei vor zehn Jahren regelmäßig mit einem Großaufgebot an der Kreuzberger Admiralbrücke durchgreifen musste, weil Hunderte Feiernde spätnachts die Anwohner störten. Oder als 2013 das überfüllte Freibad Pankow geräumt werden musste, weil Bademeister bedroht wurden und Randale ausbrach.

    Oder als ein 18-Jähriger in Frohnau 2016 über Whatsapp Fremde zu einer Party einlud und diese dann so arg eskalierte, dass 60 Polizisten und ein Hubschrauber nötig waren, um die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Oder als 2007 der Media-Markt im Alexa öffnete und 5000 Menschen derart drängelten, dass es 15 Verletzte und riesigen Sachschaden gab. Oder als ein Jahr später der Ostbahnhof lahmgelegt wurde, weil sich 1500 per Handy dazu verabredet hatten, simultan 10.300 Burger zu bestellen – und das eine Diskussion auslöste, wie gefährlich sie sind, diese neuartigen Flashmobs.

    Hatten Sie alles schon vergessen, oder?

    Dass sich Anhänger von Fußballklubs prügeln, ist weniger verstörend, weil seit Langem bekannt. Die Schlägerei am Alexanderplatz kommt uns auch deshalb so bekloppt vor, weil wir sie nicht verstehen. Weil man sich als Außenstehender nicht vorstellen kann, weshalb sich Menschenmassen wegen eines Streits unter zwei Youtubern attackieren sollten.

    Doch es ist so: Je näher man hinschaut, desto verständlicher wird es. Was nicht bedeutet, dass man eine Gewalttat auf dem Alexanderplatz dann gutheißt, im Gegenteil. Es bedeutet, dass man die Motive der Schläger erkennt – und begreift, dass eben nicht alles immer schlimmer und verrückter wird. Und dass eine Stadt, zumal eine wie Berlin, damit fertig werden wird.

    Worum es bei dem Streit wirklich ging

    Fremd ist vielen schon allein das Berufsbild des „Influencers“. Das sind Menschen, die andere übers Internet an ihrem Leben teilhaben lassen. Die in Videos Schminktipps geben, Computerspiele testen oder einfach Geschichten aus dem Teeniealltag erzählen – und genug Fans haben, die sich das anhören wollen.

    Sie teilen ihre Gedanken und Emotionen, sie sind ihren meist ebenfalls jungen Anhängern so wichtig wie früheren Generationen die Lieblingsfigur aus „Verbotene Liebe“ oder noch früher das Popidol in der „Bravo“. Die beiden 18-jährigen „Influencer“ namens Bekir und Bahar, die mitsamt ihren Fans auf dem Alexanderplatz aneinandergerieten, hatten sich zuvor über Wochen in Videos beleidigt. Sie hatten auch etliche andere „Influencer“ beleidigt, für einen kleinen Teil dieser Szene gehört das dazu.

    Auf Außenstehende wirken solche Streits absurd, es fallen Sätze wie „Meine Livestreams sind sehr viel besser als alle deine Livestreams zusammen“ oder „Ich ficke deine Videos“. Bekir zum Beispiel hatte vor Bahar schon mit Jounes auf Instagram Streit. Grund dafür war, dass Jounes ein Video kommentiert hatte, in dem sich Bekir mit Ali Hakim stritt (Bekir sagte, Ali Hakim sei Abschaum, weil der zuvor jemand Dritten beleidigt hatte). Mittlerweile hat sich Bekir auf Youtube immerhin beim Vater von Jounes entschuldigt, den hatte er ebenfalls beleidigt. Angeblich aber nur, weil Jounes gedroht hatte, Bekirs Mutter zu beleidigen.

    Eine Zeitlang hatte Bekir auch Streit mit A.B.K. und Lecanko. Und mit Sila, doch diesen Streit haben sie beigelegt und verabredet, dass Bekir ab sofort nicht mehr schlecht über Sila redet und sie nicht mehr schlecht über ihn. „Jeder Streit hat einen Grund“, sagt Bekir in einem Video. Meistens einen sehr infantilen, aber immerhin einen Grund.

    Zivilisierter als die Rapper damals
    Dass sich junge, von anderen angehimmelte Menschen gegenseitig beleidigen und handgreiflich werden, gab es schon vor 15 Jahren bei den sogenannten Gangsta-Rappern. Deren Sprache war allerdings brutaler, manchmal wurden Messer gezückt. Unrühmlicher Höhepunkt war, als dem Berliner Rapper Massiv 2008 von Unbekannten in den Arm geschossen wurde.

    Seine Feinde streuten das Gerücht, er habe das selbst getan, um Aufmerksamkeit zu erhalten, was der Rapper aber rigoros bestritt. Jedenfalls tragen die heutigen Youtuber ihre Konflikte im Vergleich zu den Rappern damals sehr viel zivilisierter aus. Nix Verrohung. Nix alles immer schlimmer.

    Leider fallen einem positive Veränderungen selten auf. Wie vorbildlich sich etwa die jungen Menschen heute bei Rockkonzerten benehmen. Wer hätte das vor 50 Jahren voraussagen können, nachdem die Fans der Stones damals die Waldbühne verwüstet hatten? Im 20. Jahrhundert gab es Vorfälle, bei denen sich Anhänger verschiedener Musikstile gegenseitig die Köpfe einschlugen. 2019 schwer denkbar.

    An diesem Freitag hat die Polizei eine weitere Massenschlägerei verhindert. In Köpenick wollten zwei Gruppen junger Männer aufeinander losgehen, die Polizei war durch einen anonymen Anruf gewarnt. Sie stellte Messer, Schlagstöcke und Elektroschocker sicher. Ob „Influencer“ anwesend waren, ist unklar.

    Selbst der Dauerrivale ist geschockt

    Die beiden Youtuber vom Alexanderplatz haben sich inzwischen bei ihren Fans entschuldigt. Für das angerichtete Chaos, fürs Angstmachen, fürs Pfefferspray in der Luft. Bahar entschuldigte sich zudem bei der Polizei, Bekir dankte den Beamten, dass sie vor Ort waren und eingriffen. 17.000 Menschen gefällt das. Dauerrivale Jounes (der, der sich bei der Sache mit Ali Hakim eingemischt hatte) lud ebenfalls ein Video hoch, in dem er sämtlichen Beteiligten sein Mitgefühl aussprach. Klingt alles ziemlich vernünftig.

    Die übelste Massenschlägerei, die es zuletzt in Berlin gab, brach übrigens in der Kneipe „Naubur“ in Sichtweite der Oberbaumbrücke los. Lokale Kleinkriminelle gerieten mit einer größeren Gruppe zugereister Hamburger in Streit. Zuerst wurden Billardqueues eingesetzt, später auch Eisenstangen und Messer. Am Ende gab es zwei Tote und zehn Schwerverletzte. Die Schlägerei fand im Dezember 1928 statt.

    #Berlin #Mitte #Alexanderplatz

    Ringvereine gegen Zimmermänner: Die „Schlacht am Schlesischen Bahnhof“ vor 90 Jahren - Friedrichshain
    https://www.berliner-woche.de/friedrichshain/c-blaulicht/die-schlacht-am-schlesischen-bahnhof-vor-90-jahren_a196351

    10. Januar 2019
    Thomas Frey Wegen des Fernseh-Mehrteilers „Babylon Berlin“ war zuletzt der Blick in das nächtliche, halbseidene Berlin der 1920er-Jahre angesagt. In diese Kategorie passen auch die Ereignisse vom Dezember 1928 rund um den heutigen Ostbahnhof.

    Sie sind als „Schlacht am Schlesischen Bahnhof“ nicht nur in die Verbrechensgeschichte eingegangen. Ihre Bilanz: zwei Tote, mehrere Dutzend zum Teil schwer Verletzte; über 200 Beteiligte, vor allem Hamburger Zimmerleute und Mitglieder der sogenannten Berliner Ringvereine.

    Die Ringvereine hatten nach den Ereignissen vor 90 Jahren ungefähr den Ruf, den heute arabische und andere Großfamilien genießen: kriminelle Organisationen, die in den Bereichen Einbruch, Hehlerei, Schutzgelderpressung oder Prostitution unterwegs waren, mit Dominanz etwa um den Schlesischen Bahnhof. Damals ein Hotspot der Halb- und Unterwelt.

    Die Ringbrüder bewerteten sich selbst als eine Art soziale Organisation. Hilfe für in Not geratene Mitglieder stellten sie als Vereinsziel heraus. Saß jemand von ihnen im Gefängnis, kümmerten sie sich um seine Familie und halfen nach der Entlassung häufig beim Wiedereinstieg in den ursprünglichen „Beruf“.

    Das Gebiet am Schlesischen Bahnhof stand unter weitgehender Kontrolle des Ringvereins „Immertreu 1921“. Der hatte bereits vor der Eskalation kurz nach Weihnachten 1928 ein Problem mit den Hamburger Zimmermännern. Die waren zwecks Arbeit am Bau der heutigen U-Bahnlinie 5 nach Berlin abkommandiert worden. Deren großspuriges Auftreten gepaart mit schlagkräftigen Argumenten stellte die Autorität der Immertreuen auf eine harte Probe. Auch dadurch, dass sich manche Kneipenwirte durch die Hamburger genügend geschützt sahen und dem Ringverein das Schutzgeld verweigerten.

    Verschwundene Jacke war Auslöser
    Trotzdem plädierte Immertreu-Geschäftsführer Adolf Leib, genannt „Muskel-Adolf“, für Abwarten. Das Thema hätte sich spätestens nach Ende des U-Bahnbaus erledigt, meinte er. Die heutige U5 eröffnete im Dezember 1930, zunächst bis Friedrichsfelde. Dass es dann auch bei Muskel-Adolf zu einem Meinungsumschwung kam, hatte als Ursache eine verschwundene und dann wieder gefundene Zimmermannsjacke. Ihr erneutes Auftauchen feierte der Besitzer samt Kollegen am Abend des 28. Dezember exzessiv im Lokal „Klosterkeller“ an der Klosterstraße. Aus dem Gelage entwickelte sich Krawall. Ein Zimmermann stieß Biergläser um und krakeelte. Als ihn der Wirt zum Verlassen aufforderte, widersetzte er sich. Nun griffen auch andere Gäste ein, es kam zu einer Schlägerei, bei der der renitente Hamburger mit einem Messer um sich stach. Das Resultat war ein Schwerverletzter, der wenige Tage später starb.

    Bei dem Toten handelte es sich um ein Mitglied des „Männergesangvereins Norden 1891“. Dahinter verbarg sich ebenfalls eine Ringformation. Solidarität anderer „Brüder“ war deshalb angesagt. Vor allem die von Immertreu.

    Die Abrechnung folgte am nächsten Abend. Und zwar im und vor dem Lokal „Naubur“ an der damaligen Breslauer Straße 1 (heute Straße Am Ostbahnhof), eine der Stammkneipen der Zimmerer. Zunächst wurden dort nur Muskel-Adolf sowie ein fünfköpfiges Gefolge vorstellig, unter anderem der Wirt des Klosterkellers, der den Messerstecher identifizieren sollte. Weitere Unterstützer warteten auf der Straße. Als der Mann erkannt war, forderte ihn Muskel-Adolf zum Gang nach draußen auf. Der folgte zunächst mehr oder weniger bereitwillig, stoppte aber an der Tür, als er die Menschenmenge sah. In diesem Moment bekam er einen Schlag auf den Kopf und wurde auf die Straße geworfen. Damit begann der erste Teil der Auseinandersetzung.

    Die Zimmermänner kamen dem Kameraden zu Hilfe und attackierten die Immertreuen mit ihren Werkzeugen. Die Kontrahenten wehrten sich mit Stuhlbeinen und Billardqeues. Aus dem Lokalmobiliar wurde schnell Kleinholz.

    Da die Ringbrüder zunächst in der Minderheit waren, zogen sie sich nach einigen Minuten zurück und forderten über eine Telefonkette Verstärkung an. Auch die Polizei traf kurz darauf mit drei Einsatzkräften ein. Ihre Nachforschungen blieben ergebnislos. Die Beamten zogen wieder ab, gaben vorher noch den Rat, die Rollläden herunterzulassen.

    Bis zu 100 Schüsse fielen
    Erst danach begann die eigentliche Schlacht. Nach und nach trafen Ringbrüder, häufig per Taxi, ein. Sie verschwanden im Lokal „Leos Hof“, das schräg gegenüber des Naubur lag. Auch die Zimmerleute hatten bei der Maurergilde um Unterstützung nachgesucht. Sechs Maurer machten sich auf den Weg, vier wurden abgefangen und zusammengeschlagen. Was wiederum die Zimmermänner auf die Straße trieb.

    In den folgenden rund 20 Minuten wurde nicht nur mit Fäusten gekämpft. Auch zwischen 60 und 100 Schüsse fielen. Dazu kamen weitere Waffen zum Einsatz. Muskel-Adolf soll einem Kombattanten eine Axt aus der Hand gerissen haben. Beim späteren Prozess wurde ihm dies zugute gehalten.

    Als die anrückenden Sirenen des Überfallkommandos zu hören waren, suchten die Immertreuen samt Verwundeten das Weite. Zurück blieben zahlreiche schwer verletzte Zimmermänner und Maurer. Einer starb auf dem Weg ins Krankenhaus, ein weiterer Beteiligter einige Tage später in der Klinik. Die Todesursache waren bei ihm aber nicht die Blessuren der Schlacht, sondern eine Grippeerkrankung plus Lungenentzündung. Letztere hatte er sich im Krankenhaus zugezogen.

    Milde Haftstrafen und Freisprüche
    Die Ereignisse am Schlesischen Bahnhof sorgten für ein nicht zuletzt mediales Nachhutgefecht. Detailliert widmeten sich die Zeitungen den Gewaltexzessen und den Ringvereinen. Die Polizei, so ein Vorwurf, habe sie zu lange mehr oder weniger geduldet. Ändere sie das jetzt, ginge das womöglich über ihre Kräfte.

    Dass den Syndikaten nicht so ohne weiteres beizukommen war, zeigten auch die folgenden Wochen. Zunächst waren mehr als 20 Mitglieder verhaftet worden. Bis auf zwei kamen alle bald wieder auf freien Fuß. Sie hatten die Auseinandersetzung als eine Art „Scherz“ bezeichnet. Auch ein Verbot der Ringvereine Immertreu und Norden musste nach etwa einem Monat wieder aufgehoben werden.

    Beim Prozess, der vom 4. bis 9. Februar 1929 stattfand, wurden ihre neun Angeklagten durch Dr. Dr. Erich Frey und Dr. Max Alsberg vertreten, zwei der bekanntesten Strafverteidiger der Weimarer Republik. Zeugen konnten sich an nichts mehr erinnern oder gar jemanden erkennen. Adolf Leib erklärte, er habe den Messerstecher nur ausfindig machen wollen, um ihn anschließend der Polizei zu übergeben. Außerdem wurde ihm der verhinderte Axt-Angriff zugute gehalten. Leib erhielt eine Gefängnisstrafe von zehn Monaten, ein weiterer Angeklagter wurde zu fünf Monaten verurteilt. Für die anderen gab es Freisprüche.

    Skurrile Popularität
    Was blieb, war ein gestiegener Bekanntheitsgrad der Ringbrüder und eine Art schaurig-skurrile Popularität. Als der Regisseur Fritz Lang 1931 seinen Film „M – eine Stadt sucht einen Mörder“ drehte, wurde Muskel-Adolf als Berater engagiert. Denn in dem Werk ging es um einen Kindermörder, auf den sowohl die Polizei, als auch Unterweltorganisationen Jagd machen.

    Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten kam das Ende der Ringvereine. Viele ihrer Mitglieder landeten im Konzentrationslager. Auch Adolf Leib. Sein weiteres Schicksal ist nach 1934 unbekannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es nicht zuletzt in Kreuzberg eine Art Comeback des Ringwesens. In den 1960er-Jahren endete auch diese Epoche, aber nicht die Geschichte des Verbrechens und von Verbrecherorganisationen in Berlin.

    Zahlreiche Informationen für diesen Text stammen aus dem Buch „Pistolen Franz und Muskel Adolf“ von Regina Stürickow. Es ist 2018 im Elsengold-Verlag erschienen und kostet 26 Euro.

    Zeitgeschichte: Die Schlacht am Schlesischen Bahnhof - Berlin - Tagesspiegel Mobil
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/zeitgeschichte-die-schlacht-am-schlesischen-bahnhof/1405284.html

    29.12.2008 Ulrich Zander Abrechnung im Milieu: Vor 80 Jahren lieferten sich Berliner Gauner und Hamburger Zimmerleute mehrtägige Massenschlägereien.

    Wie aus dem Ei gepellt betreten die acht Herren an jenem Winterabend das Lokal „Armelien“ nahe dem Schlesischen Bahnhof in Friedrichshain. Mit Frack, Zylinder, Lackschuhen und den weißen, seidenen Halstüchern erweisen sie „Latten-Paule“, den sie kurz zuvor zu Grabe getragen haben, ihre Reverenz. Im „Naubur“, so wird das Lokal in der Breslauer Straße 1 (heute: Am Ostbahnhof / Ecke Holzmarktstraße) nach seinem Besitzer genannt, hat man nun noch etwas zu erledigen. Denn hier treffen sich die rund 40 Hamburger Zimmerleute, die beim Bau der neuen U-Bahnlinie Gesundbrunnen-Leinestraße beschäftigt sind. Die selbstbewussten Hanseaten sind diversen Berliner „Ring-, Spar- und Sportvereinen“ – syndikatähnlichen Zusammenschlüssen einheimischer Diebe, Betrüger, Räuber, Einbrecher, Zuhälter, Rauschgifthändler, Falschspieler und vor allem Schutzgelderpresser – ein Dorn im Auge. Denn die Hünen von der Waterkant untergraben schon durch ihre bloße Anwesenheit die Autorität von „Muskel-Adolf“ Leib, dem klein gewachsenen Vorsitzenden des „Geselligkeitsvereins Immertreu“ und seinen Mannen. So hatte es Wirt Naubur gewagt, seinen „Schutzvertrag“ mit den Berliner „Brüdern“ just aufzukündigen, als die Zimmerleute als Stammgäste einzogen. Die Immertreu-Vereinsfahne hängt noch im Schankraum an der Wand.

    Und es gab noch einen weiteren Anlass, den respektlosen Handwerkern zu zeigen, wo der Hammer hängt. Denn einen Tag zuvor, am 28. Dezember, hatten die Hamburger in einer Kneipe, ebenfalls im übel beleumundeten Kiez rund um den Schlesischen Bahnhof, gefeiert. Ein betrunkener 18-jähriger Geselle war dabei Berliner Ringbrüdern zu nahe gekommen. Gegen die unvermeidliche Abreibung hatte er sich in seiner Not mit dem Messer zur Wehr gesetzt. Erst als die Hamburger arg ramponiert vor die Tür gesetzt sind, bemerken die verbliebenen Gäste, dass ein „Bruder“ namens Malchin vom „Männer-Gesangverein Norden“ – eine mit Immertreu befreundete Unterweltvereinigung – niedergestochen am Boden liegen geblieben war. Er schwebt in Lebensgefahr.

    Da man laut Vereinssatzung zum gegenseitigen Beistand verpflichtet ist, ist nun die Zeit gekommen „den Hund totzuschlagen“. Es trifft sich gut, dass augenscheinlich nur wenige Hamburger in der Gaststube sind. Der Messerstecher vom Vortag kauft gerade bei „Aale-Hehde“ sein Abendessen, als sich die Immertreuen auf ihn stürzen und zusammenschlagen. Doch die im Hinterzimmer sitzenden Handwerker werden auf den Überfall aufmerksam und stürmen dem bedrängten Kollegen zu Hilfe. Muskel-Adolfs Leute greifen zu Billardqueues, schlagen mit Tisch- und Stuhlbeinen zu. Schnapsflaschen und Räucheraale sausen durch die Luft, Glas splittert, und die Zimmerleute stellen die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten ihres Werkzeugs unter Beweis. Hämmer, Beile Winkeleisen und Hobel krachen auf die Berliner nieder. Ins kollektive Gedächtnis ist der Fischhändler eingegangen. Er gerät zwischen die Fronten und ruft im größten Tohuwabohu immerzu „Aale, Aale“ – dann schwinden ihm die Sinne. Nach zirka zehn Minuten sind die Hanseaten Herren der Lage und Muskel-Adolf bläst zum Rückzug. Zuvor war ihm noch eine besondere Demütigung zuteil geworden: Der Altgeselle der Zimmerer, „ein riesiger Kerl mit großen blanken Messingohrringen“, hatte dem Immertreu-Chef mit der Faust auf den Zylinder gehauen, so dass der ihm über die Ohren hinunterrutschte: Muskel-Adolf sieht aus wie eine Schießbudenfigur, die ehemals elegante Festtagskleidung ist ruiniert.

    Noch im Hinausgehen, die Verletzten werden selbstverständlich mitgenommen, schwören die Ringbrüder Vergeltung für ihren missratenen Rachefeldzug. Als die Polizei eintrifft, herrscht trügerische Ruhe. Ermittlungen sind zum Scheitern verurteilt, da lediglich ein Ganove festgenommen werden konnte, der sich an nichts erinnert, da er „von hinten wat uffn Kopp“ erhalten hatte. Auch die Hamburger schweigen sich gegenüber „der Polente“ lieber aus. Die Gaffer am Rande der, wie eine Zeitung schrieb, „interessanten Abendunterhaltung“, meist Strichmädchen und der als „Rattenjungs“ berüchtigte Ganovennachwuchs, wollen als Urheber der Schlägerei „Pollacken“ ausgemacht haben. Bevor die Beamten abziehen, befehlen sie den Hamburgern, sich bis Sonnenaufgang im „Naubur“ einzuschließen. Ein schwerer Fehler.

    Denn inzwischen hatten sich die Brüder unbemerkt direkt gegenüber in „Leos Hof“ zurückgezogen und „Ringalarm“ ausgelöst. Im Immertreu-Stammhaus, dem „Schwarzen Walfisch“ und in diversen Kaschemmen in Moabit und am Wedding, rund um den Alexanderplatz und in Neukölln schrillten die Telefone: „Alarmstufe drei.“ Das hieß, alle verfügbaren „Streitkräfte“ haben sich umgehend zur Breslauer Straße aufzumachen. Auch die Hamburger bemühen sich um Verstärkung. Von sechs befreundeten Berliner Maurern kommen jedoch nur zwei durch. Die anderen werden abgefangen und verdroschen.

    „Reinstürmen und zusammenschlagen“ – so lautet Muskel-Adolfs taktische Anweisung. Gegen Mitternacht wird die Kneipentür eingetreten und rund 150 Ringbrüder von „Immertreu“ und „Norden“ gehen auf die verbliebenen etwa 20 Zimmerleute los. Die nachfolgende, rund zwanzigminütige „Schlacht am Schlesischen Bahnhof“ stellte alles in den Schatten, was der an Brutalität gewohnte Kiez bislang erlebt hatte. Das Naubur ist innerhalb kürzester Zeit völlig zertrümmert, Leos Hof stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Breslauer und die angrenzenden Seitenstraßen sehen aus wie nach einem Bombenangriff. Hier winden sich stöhnend und schreiend die Verletzten. Die „Brüder“ kämpfen mit Dolchen und Eisenstangen, die Hanseaten verteidigen sich mit Äxten und Messern. Gebrochene Rippen, zertrümmerte Nasen, eingeschlagene Köpfe, und überall Blut. Als die Zimmerer partout nicht kapitulieren wollen, ziehen Ringbrüder ihre Revolver. Später werden rund 100 Patronenhülsen aufgesammelt.

    Der Berliner Maurergeselle Mörlitz, der auf Seiten der Zimmerleute kämpfte, liegt tot auf dem Pflaster. Auch von einem zweiten Todesopfer, einem Hamburger, ist später die Rede. Zehn schwer verletzte Hanseaten werden in nahe liegende Krankenhäuser gebracht. Der Messerstecher hat schwer verletzt überlebt.

    Schlagzeilen wie „Verbrecher-Verein Immertreu überfällt Hamburger Zimmerleute“, oder „Der Kampf der Zimmerer gegen die Unterirdischen“ belegen, dass die Sympathien der Berliner Presse auf Seiten der Handwerker liegen. Doch das soll sich bald ändern.

    Die Polizei verhaftet die üblichen Verdächtigen, darunter den an der Schlaghand verletzten Adolf Leib. Unter dem Druck der Öffentlichkeit verbietet der Polizeipräsident die Ringvereine. Die reagieren sofort. Am Silvestertag, so erinnert sich der berühmte Berliner Rechtsanwalt Erich Frey, entern „acht kesse Fürstinnen, wie man sie nur bei ,Walterchen, dem Seelentröster‘ oder in der ,Femina‘ traf“, sein Büro. Die „Brautens vom Vorstand von Immertreu“ unter Führung von Hulda Spindler, genannt „Aktien-Mieze“, breiten wertvollen Schmuck („det is keene heiße Ware“) auf dem Tisch des Anwalts aus und bitten ihn, die Verteidigung zu übernehmen. Frey sagt zu. Und da er nun gegen Polizeiführung, Presse und öffentliche Meinung kämpft, tut er etwas völlig Außergewöhnliches. Er zieht seinen schärfsten Konkurrenten, den zweiten Berliner Staranwalt, Max Alsberg, hinzu.

    Der fünftägige Prozess beginnt am 4. Februar 1929 vor dem Moabiter Kriminalgericht. Es gelingt dem um drei Kollegen erweiterten Verteidigerstab durch konsequente Verharmlosung der Ringvereine, die Sympathien weg von den Handwerkern auf die Seite der Verbrecher zu ziehen. Denn inzwischen wurde bekannt, dass Malchin seinen Stichverletzungen erlegen ist – und es auch in Dresden und Kiel zu handfesten Auseinandersetzungen mit Zimmerleuten gekommen war, die flugs in einen Zusammenhang mit dem Zuhältermilieu gebracht wurden. Die Verhandlung wird zur Farce. Unschuldsengel überall. Niemand hatte etwas gesehen, denn „es war ja dunkel“. Die wenigen Aussagewilligen werden von den Anwälten als unglaubwürdig dargestellt. Sämtliche Hauptbelastungszeugen gegen „Immertreu“ fallen um (was, wie es später hieß, von den Brüdern mit je 300 Reichsmark honoriert wurde). Als Erich Frey während der Verhandlung sein edler Pelzmantel gestohlen wird, nutzt er das zu einer geradezu grotesken Verklärung der Immertreuen: „Sehen Sie, Herr Richter, solche Diebstähle würden nicht vorkommen, wenn man die Vereinsbrüder wieder gewähren lässt. Sie haben solche Dinge verhindert.“

    Muskel-Adolf wird wegen einfachen Landfriedensbruchs zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt, ein weiterer Bruder, „Mollen-Albert“, erhält fünf Monate. Der Anklagepunkt der Körperverletzung mit Todesfolge wird fallen gelassen, da ungeklärt bleibt, wer geschlagen, zugestochen oder geschossen hat. Die übrigen sieben Angeklagten werden aus Mangel an Beweisen freigesprochen. „Norden“ und „Immertreu“ dürfen sich anschließend über die Wiederzulassung ihrer Vereine freuen. Auch der Hamburger Messerstecher ist freigesprochen worden. Das Gericht hat ihm Notwehr zugebilligt.

    Noch einmal gerät der „Immertreu“-Chef in die Schlagzeilen, als ihn Regisseur Fritz Lang nicht ganz freiwillig als gut bezahlten „Berater“ für seinen weltberühmten, 1931 uraufgeführten Film „M – eine Stadt sucht einen Mörder“ engagiert. Darin jagen die Ringvereine, um ihrer Ganovenehre besorgt, im Wettlauf mit der Polizei einen mehrfachen Kindermörder.

    Der „Kellner und Geschäftsführer“ Adolf Leib kommt einige Jahre später wie die meisten Ringbrüder als „Berufsverbrecher“ in einem Konzentrationslager der Nazis ums Leben.

    Heiligabend 1929 erhält Erich Frey ein Paket. Darin ein wertvoller Pelzmantel mit der Nachricht: „Ehrlich verloren, ehrlich erworben. Aktien-Mieze.“

    #Berlin #Friedrichshain #Schlesischer_Bahnhof #Holzmarktstraße #Breslauer_Straße_Friedrichshain #Am_Ostbahnhof

  • Harmsens Berlin: Ein Geheimcode auf einem Geldschein führt nach Zagreb | Berliner Zeitung
    https://www.berliner-zeitung.de/berlin/harmsens-berlin-ein-geheimcode-auf-einem-geldschein-fuehrt-nach-zag


    Es ist wahr, es ist wahr, daß Hamburg nicht die Hauptstadt von McDonalds ist.

    Soweit Rio Reiser, und daß Kunst Kunst ist und eigentlich nicht geändert gehört, wissen alle, die mal ein Brechtwerk auf der Bühne ändern wollten - gerichtlich verboten. Die Urania-Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz als Kunst gedacht ist wohl doch keine, sonst wäre sie noch als Werk aus der Zeit des „real existierenden Sozialismus“ erkennbar. Sie würde friedlich die Zeit für #Leningrad, #Frunse, #Alma_Ata und #Bratislava anzeigen. Tut sie aber nicht, sondern erinnert an Zarenreich, an Kriege gegen Mongolen und Turkvölker und an das von Österreich beherrschte Ungarn. Heute ist sie sinnentstellt. Stadmöbel. Kunst war früher, Möbel ist heute.

    Die Geschichte von Ländern, Städten und Straßen kann man sehr gut anhand von Umbenennungen nachvollziehen. Vor allem auch in Berlin. Meine Frau wuchs zum Beispiel in Lichtenberg in der Ho-Chi-Minh-Straße auf, von uns liebevoll-salopp „die Reisfelder“ genannt, wegen des Bezugs zu Vietnam. Wenn wir aber heute sagen: „Eh, Kinder, fahrt doch mal wieder in die Reisfelder, die Oma besuchen!“, gucken die Kinder doof. Die Straße heißt ja wieder Weißenseer Weg.

    Pressburg statt Bratislava

    Manchmal bleibt es aber nicht nur beim Doof-Gucken, sondern führt zu diplomatischen Verwicklungen. Zum Beispiel war es 1997 so, als man die Weltzeituhr auf dem Alex sanierte, samt Städtenamen. Leningrad verwandelte man in Sankt Petersburg, Frunse in Bischkek, Alma Ata in Almaty und Bratislava in Pressburg. Letzteres gefiel den Slowaken überhaupt nicht, und sie protestierten. Ohne Erfolg übrigens. Der Name steht heute noch an der Uhr. Was ich ziemlich ignorant finde gegenüber den Einwänden der Slowaken.

    Straßenumbenennungen, die ja immer heiße Debatten mit sich bringen, könnte man künftig verhindern, wenn man es so macht wie in dem Müggelheimer Viertel, in dem ein Bekannter wohnt. Dort heißen die kleinen Straßen einfach Weg P, Weg Q, Weg R und Weg U. Anderswo tragen Straßen Nummern. Wenn das überall so wäre, würde auch das umständliche Eintippen komplizierter Straßennamen ins Navi wegfallen, an dem ortsunkundige Taxifahrer nicht selten scheitern. Wie einfach wäre es, zu sagen: „Bitte nach Pankow, Straße 1 A.“ Das Tippen ginge dann ganz schnell.

    Wer hat eigentlich die slowakische Hauptstadt Bratislava als Preßburg germanisiert? War das eine Koproduktion von NPD oder AfD mit Vertriebenenverbandsfunktionären steinbachscher Art oder ist das alles nur ein deutsch-nationalistischer Ausrutscher? Keine Ahnung, man kann ja nicht alles wissen. Wunder über Wunder.

    Die allwissende Online-Enzyklopädie weiß es auch nicht genau.

    Weltzeituhr (Alexanderplatz)
    https://de.wikipedia.org/wiki/Weltzeituhr_(Alexanderplatz)

    Zwischen Oktober und Dezember 1997 wurde die Uhr für 350.000 Mark (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: rund 236.000 Euro) unter der Verantwortung von Hans-Joachim Kunsch als Metallrestaurator saniert. Bei der Sanierung wurden Städtenamen wie Leningrad in Sankt Petersburg und Alma Ata in Almaty aktualisiert. 20 neue Städte wurden hinzugefügt und die Zuordnung von Städten zu Zeitzonen geändert (Beispiel Kiew). Zu den erst 1997 hinzugefügten Städten gehören auch Jerusalem und Tel Aviv, deren Erwähnung in der DDR politisch unerwünscht war.

    Kunsch Metallbau - Referenzen
    https://www.kunsch-metallbau.de/referenzen/page/8

    Kunsch Metalbau – Metallbau Berlin Alexanderplatz, Weltzeituhr, Entwicklung, Konstruktion und Montage
    https://www.kunsch-metallbau.de/referenzen/weltzeituhr-berlin-alexanderplatz

    #Berlin #Lichtenberg #Ho-Chi-Minh-Straße #Leninallee #Landsberger_Allees #Taxi #Anekdote #Mitte #Alexanderplatz

  • Gerhart Hauptmann Museum Erkner
    http://www.gerhart-hauptmann.de


    Wollen Sie Ihren Fünfzigsten begehen wie ein Dichterfürst? Dann nichts wie los ins Gerhart Hauptmann Museum Erkner. Dort finden Sie das Menü vom Ehrenmal aus dem Hotel Adlon vom 15. November 1912. Nach umfangreichen Recherchen haben wir die Hauptmannsche Geburtstagssuppe mit Hife eines nicht mehr zugänglichen Artikels von Wolfram Siebeck aus der Zeit identifiziert: Germiny heißt sie nur im Menü und meint eine Sauerampfersuppe , deren Rezept wir weiter unten anfügen. Die anderen Adlon-Gerichte werden heute noch so genannt wie vor über 100 Jahren. Lesen Sie selber im Museum.

    Gerhart Hauptmann Museum Erkner
    Gerhart-Hauptmann-Str. 1-2
    D-15537 Erkner
    Fon +49 (0)3362 3663
    Fax +49 (0)3362 70 00 141
    info@hauptmannmuseum.de

    Öffnungszeiten
    Dienstag - Sonntag 11.00 – 17.00
    Eintritt: Erwachsene 2 €, Führungen 10 €

    Gerhart Hauptmann
    https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhart_Hauptmann

    Kaiser Wilhelm II. schätzte den „sozialdemokratischen“ Dichter nicht. Gegen die Verleihung des Schillerpreises an Hauptmann (für Hanneles Himmelfahrt) legte er 1896 sein Veto ein. Auf Betreiben seines Sohnes, des Kronprinzen Wilhelm, wurde 1913 in Breslau Hauptmanns Festspiel in deutschen Reimen abgesetzt, weil darin das hundertjährige Jubiläum der Befreiungskriege nicht mit Hurrapatriotismus begangen, sondern mit pazifistischen Akzenten versehen wurde. Derselbe Gerhart Hauptmann jedoch, der im Festspiel den Popanz des Militarismus buchstäblich beerdigt hatte, gehörte ein Jahr später auch zu den vielen, die den Ersten Weltkrieg bejahten. Er unterzeichnete das Manifest der 93 und publizierte entsprechende Gelegenheitsverse (die sich wie unfreiwillige Satiren lesen und die er im Manuskript später eigenhändig durchstrich). 1915 erkannte Wilhelm II. ihm den Roten Adler-Orden IV. Klasse zu – die niedrigste Stufe dieses Ordens.

    Hauptmanns Kriegseuphorie wandelte sich bald. So beteiligte er sich an einer von zahlreichen Intellektuellen unterschriebenen Erklärung, die am 16. November 1918 im Berliner Tageblatt veröffentlicht wurde und sich mit der Republik solidarisierte. Dass Hauptmann eine Kandidatur als Reichspräsident erwog, wurde 1921 dementiert, das Amt des Reichskanzlers ihm aber angeboten.

    Germiny (potage)
    https://www.gastronomiac.com/lexique_culinaire/germiny-potage

    « Germiny » est, en cuisine classique, le nom d’un potage à l’oseille que le journaliste et écrivain français Francis Amunategui (1898-1972), qualifia de « potage pour gouverneur de la Banque de France » ; il fut en effet inventé par un cuisinier qui le dédia à son maître, Charles Gabriel Le Bègue, comte de Germiny, gouverneur de la Banque de France (Voir Oseille sous Argot de bouche).
    Une autre version veut qu’il ait été créé, en l’honneur du même comte, par le chef du Café Anglais.

    Und weil es so schön ist, hier ein Bild von einem der Hauptmannschen Uraufführungstheater, nicht in Erkner sondern im Berliner Zentrum am Alexanderplatz.

    Königsstädtisches Theater
    https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nigsst%C3%A4dtisches_Theater

    Ansicht des Gebäudes vom Königsstädtischen Theater (1824–1851)
    Das Königsstädtische Theater (manchmal auch Königsstädter Theater genannt) am Berliner Alexanderplatz war ein privat geführtes und finanziertes Volkstheater im Gegensatz zu den Hofbühnen der Stadt. Die Bühne war dem Volksstück gewidmet, das seit den Befreiungskriegen einen besonderen Nimbus hatte. Weil die Theaternamen in Berlin mit einer Lizenz verbunden waren statt mit einem Gebäude, wurde der Name nach 1850 auf verschiedene Gebäude auch außerhalb der Königsstadt übertragen. Bekannt als Königsstädtisches Theater war hauptsächlich noch das Wallner-Theater.

    Geschichte #Deutschland #Berlin #Mitte #Alexanderplatz #Dichtung #Theater #Erkner

  • Wo es in Berlin nachts am gefährlichsten ist – B.Z. Berlin
    https://www.bz-berlin.de/berlin/wo-es-in-berlin-nachts-am-gefaehrlichsten-ist


    Hier isset dunkel, hier hat och de Polizei Angst. Liest man. Is aber Kwatsch.

    Aktuell stuft die Polizei neun Orte als kriminalitätsbelastet ein: Alexanderplatz, Leopoldplatz, Schöneberg-Nord (im Bereich Nollendorfplatz und Teile des Regenbogenkiezes), Görlitzer Park, Warschauer Brücke, Kottbusser Tor (siehe unten), Teile der Hermannstraße, Hermannplatz sowie ein kleiner Bereich der Rigaer Straße.

    Natürlich, die B.Z. muss mal wieda mit die Sicherheitströte tuten. Tut tut sie immer schon besonders schön. Warum ooch nich, klappern jehört zum Handwerk. Aber wennickma uff die valassen würde, wennick nachts arbeete, dann würdick vahungern. Allet so jefääährlich hier!

    Jetzt ma im Ernst, wat heisst den schon kriminalitätsbelastet ? Machen wa dit mal konkret.

    #Alexanderplatz
    Tagsüber Hütchenspieler und Taschendiebe, nachts Klopperei. Ja nun, Großstadtdisko eben. Kann man sich eijentlich janz normal bewejen, aussa man fängt falsche Diskussionen falsch an, so mit „Heij Du Arsch“ oder so. Dann jibbet schonmal uffe Fresse.

    #Leopoldplatz
    Äh, is doch eijentlich janz nett jeworden jetzt, mit der Bezirkssäufer-Bank jejenüba vonne Sparkasse. Drogen jips reichlich, aba juckt mich dit?

    #Schöneberg-Nord (im Bereich #Nollendorfplatz und Teile des Regenbogenkiezes)
    Is schon seit Jahren ’ne komische Nachbarschaft mit den Jastarbeetakindan, wo de Familien nach Jahrzehnten inne Stadt noch imma keen richtijet Deutsch quatschen und wo der Imam Sozialarbeit machen muss. Wenn die mies druff sind, und denen abands een schwuler Eijentumswohnungsbesitza mit Stuckornamente im Schritt bejejnet, dann jibs eben Klassenkampf uff islamisch. Nich schön abba wahr. Sollte uffhörn. Für alle andern jilt, wer zum Bezahlweibe oder zu sowat wie Heiko Maas in Jung jeht, wird schon mal abjezogen. Wer süße Araberjungs im Tierjarten vögelt weeß ooch watta tut. Dafür jibt’s die Notuffnahme.
    Also macht nich son Jewese, Nolli kriminalitätsbelastet, dassick nich lache.

    #Görlitzer_Park
    Ein Glück is der Tunnel dicht. Der war übel. Nachts im Park Drogen koofen? Dafür jibts nen schönen Ausdruck: Musste für mittem Klammabeutel jepudert sein. Och hier sind einfach ville Leute. Passt nich imma allet zusamm, und dann wird sich jekloppt. Ansonsten nette Jejend. Viel zu reich jeworden.

    #Warschauer_Brücke
    Touristen sind einfach Opfa. Kommen ausm Dorf und bilden sich ein, se können hier ihren Kram einfach rumliejen lassen, und ein paar Stunden späta issa nochh da. Ick sachs euch mal janz deutlich: Jeklaut wird allet, wat nich anjeschaubt is. Manchmal willet eena janz besonders dringend ham euern Kram, dann jebt ihm det Zeug einfach, wenna nich jrade selba ne Kreuzung aus Chuck Norris und Jackie Chan seid. Benehmt euch, dann passiert euch nix.

    #Kottbusser_Tor
    Wie #Warschauer_Brücke. Watt wollt ihr denn eijentlich alle da?

    Teile der #Hermannstraße
    Ja. Verkehrskriminelle. Jibts hier reichlich. Unter Nachbarn wird sich ehrlich beharkt. Manchmal jeht dit bis zum Ehrenmord. Alle andern läßt man eher in Ruhe. Ich kannte aba ooch nen armen reichen Jungen aus Lichterfelden, der den Besuch im Rollbergkino nicht überlebt hat. Der wusste einfach nich, wie et hier läuft. Deeskalation is anjesacht. Siehe auch #Warschauer_Brücke.

    #Hermannplatz
    Wie #Hermannstraße

    ein kleiner Bereich der #Rigaer_Straße
    Tja, dit is wohl’n Witz. In Friedrichshain ist einfach viel los, und wo viel los is wird viel getrunken, und da passiert dann auch was. Ansonsten leben hier alle friedlich zusammen. Die Ordnungsliebhaber in der Politik aus Zehlendorf und Köpenick, die sind sind der Meinung, dass die letzten Reste der Hausbesetzerbewegung aus den Neunzigerjahren endlich weg müssen. Dann stellt man dem kleinen bunten Völkchen provokativ ne Wanne vor die Nase, dit heisst Liebig Ecke Rigaer uffn Dorfplatz , damit man anschliessen schön laut über gewalttätige Chaoten jammern kann. Watnscheiss.

    So, dit war der aktuele Bericht zur Sicherheitslage, viel Spass am Wochenende, und fallt ma nich im Vollsuff vonne Warschauer Brücke. Letztet Jahr jab dit mehr Tote als die paar Messerstechereien inne jejend.

    Warum ich dit so sehe? Na janz einfach, bei Bolle war dit ooch schon so. Schönholzer Heite. Ewijet Berlin, sozusajen.

    https://www.youtube.com/watch?v=qvCGuuRPzSY

    #Berlin #Friedrichshain #Polizei #Kriminalität #Gewalt

  • Alexander Tower: Berlins höchster Wohnturm erhält Baugenehmigung | Berliner Zeitung
    https://www.berliner-zeitung.de/berlin/alexander-tower-berlins-hoechster-wohnturm-erhaelt-baugenehmigung-2

    Der mit gut 150 Meter höchste Wohnturm Berlins darf gebaut werden. Das Bezirksamt Mitte hat die Baugenehmigung für das Projekt erteilt, wie der Vermarkter Bewocon auf seiner Internetseite mitteilte.

    Der sogenannte Alexander Tower soll direkt neben dem Einkaufszentrum Alexa gebaut werden und 35 Stockwerke inklusive Foyer umfassen. Davon sind 29 Stockwerke für Wohnraum vorgesehen. Insgesamt sollen so 377 Wohnungen entstehen. Der erste Spatenstich soll noch in diesem Frühjahr erfolgen. Der Alexander Tower ist damit das erste von mehreren geplanten Hochhäusern am Alexanderplatz, das tatsächlich gebaut wird.


    #Berlin #Mitte #Alexanderplatz #Alexanderstraße #Grunerstraße #Stadtentwicklung

  • Denkmalschutz für die Nachkriegsmoderne am Alexanderplatz / 13.07.15 / Land Berlin
    http://www.stadtentwicklung.berlin.de/aktuell/pressebox/archiv_volltext.shtml?arch_1507/nachricht5680.html

    Berlin ist die einzige Metropole weltweit, die in ihrem Stadtbild Zeugnisse der beiden politischen Blöcke des Kalten Krieges vereinigt. Die beiden deutschen Staaten arbeiteten mit großem Ehrgeiz an ihrem repräsentativen Erscheinungsbild als „Hauptstadt der DDR“ bzw. als „Schaufenster des Westens“.

    Ost-Berlin sollte eine sozialistische Vorzeigestadt werden. Dem Alexanderplatz kam dabei eine besondere Bedeutung zu. Er ist gleichzeitig großstädtischer Verkehrsknoten, an dem wichtige Institutionen des gesellschaftlichen Lebens, der Wirtschaft und des Handels der DDR angesiedelt waren, und eine beruhigte Fußgängerzone um Brunnen und Weltzeituhr. Vergleichbare denkmalgeschützte Plätze in West-Berlin sind der Breitscheidplatz und der Ernst-Reuter-Platz.

    Das Landesdenkmalamt Berlin hat jetzt drei prominente Bauwerke am Alexanderplatz aus der Zeit um 1970 unter Denkmalschutz gestellt:

    – das Haus des Berliner Verlages, 1970-73, von den Architekten Karl-Ernst Swora, Rainer Hanslik, Günter Derdau, Waldemar Seifert und Gerhard Voss, mit Pressecafé und dem Fries „Sozialistische Presse“ von Willi Neubert (z.Z. überdeckt)
    – das Haus des Reisens, 1969-72, von den Architekten Roland Korn, Johannes Brieske, Roland Steiger mit dem Kupferrelief „Der Mensch überwindet den Raum“ von Walter Womacka
    – die Weltzeituhr, 1969-70, von Erich John

    DDR-Baukultur in Berlin: DDR-Häuser und Weltzeituhr am Alex unter Denkmalschutz | Berliner Zeitung
    http://mobil.berliner-zeitung.de/berlin/ddr-baukultur-in-berlin-ddr-haeuser-und-weltzeituhr-am-alex-u

    Regina Weiss | Die Presse als Organisator
    http://archive.is/xrsTw
    http://regina-weiss.de/index.php?article_id=68

    Die Installation “Die Presse als Organisator” besteht aus einem Fassaden-Banner, installiert im Straßenraum unterhalb des Gebäudes des ehemaligen "Pressecafés" am "Haus des Verlages" (Berlin, Alexanderplatz). Das lichtdurchlässige, schwarz-weiß bedruckte Fassaden-Banner zeigt den Ausschnitt eines ursprünglich zum Gebäude gehörigen Wandbildes von Willy Neubert mit dem Titel "sozialistische Presse".

    Neuberts Wandfries wurde 1969-1973 als Kunst am Bau für das Dach des Pressecafés am Haus des Verlages geschaffen, und war bis in die 1990er Jahre vor Ort sichtbar installiert. Wie die anderen Wandbilder im ehemaligen Hauptstadtzentrum der DDR hatte auch das Fries am Haus des Verlages die Aufgabe grundlegende Strukturen der sozialistischen Gesellschaft zu verbildlichen, und in den Straßenraum zu übertragen. So illustrierte das dynamische Figurenfries ein von der Sowjetunion geprägtes Bild der Einheit von Presse und Staat, dass auf das Verständnis der Presse in der DDR übertragen wurde. Wie im Wandbild durch zwei männliche Figuren, denen das Portrait von Karl Marx über die Schultern blickt, dargestellt, erfüllte die Presse in der DDR mittels ihrer engen Verbindung zur regierenden Sozialistischen Einheitspartei eine gesellschaftsbildende Funktion. In diesem Sinne zeigte Neuberts Bild den Aufbau der Presse als Struktur kollektiver Arbeit, als funktionierendes Abbild einer organisierten, sozialistischen Gesellschaft.

    Heute ist die inzwischen mit Platten verdeckte Fläche des Wandbildes mit großflächiger Leuchtreklame versehen. Im Pressecafé befindet sich das Restaurant eines privaten Betreibers. Nur der in den Hintergrund getretene Schriftzug Pressecafé am Dach des Gebäudes gibt Aufschluss über die Geschichte des Ortes. Die Installation bringt das Wandbild in fragmentarischer Form wieder zum Vorschein. Als grafische schwarz- weiß Umsetzung der ursprünglich farbigen Bildvorlage umspannt das Fassaden-Banner eine Ecke des Gebäudes im Straßenbereich. Im Sichtbar werden der symbolischen Bildsprache zeichnet sich die ursprüngliche Bedeutung des ehemaligen Pressezentrums ab. Im Gegensatz zur „erhöhten Darstellung“ sozialistischer Pressearbeit treten die Figuren des Wandfrieses in der erneuten Installation dem Passanten direkt gegenüber. Diese Begegnung mit dem historischen Wandbild erinnert zunächst an die Geschichte der umgebenden Architektur. Gleichzeitig eröffnet die Konfrontation mit dem utopischen Bild einer vergangenen Gesellschaftsform jedoch auch einen sichtbaren Raum der Reflektion, der die Fragestellung nach dem Umgang mit dem sozialistischen Erbe der DDR als eine Reflektion gegenwärtiger Gesellschaft ermöglicht.

    #Berlin -Mitte #Alexanderplatz #Karl-Liebknecht-Straße #Otto_Braun_Straße #Münzstraße #DDR #Kunst #Architektur

  • PKW vom Typ „Moskwitsch“ (links) und „Wolga“ auf dem Berliner Alexanderplatz. - Wikimedia Commons
    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/66/Bundesarchiv_Bild_183-J1113-0302-002%2C_Berlin%2C_PKW_%2522Moskwit

    Zentralbild-Deutsche Demokratische Republik 13.11.1970 schw Sowjetische Personenkraftwagen auf den Straßen der DDR Unzählige PKW aus der befreundeten Sowjetunion befahren täglich die Straßen der Deutschen Demokratischen Republik. Unser Foto zeigt einen PKW vom Typ „Moskwitsch“ (links) und einen parkenden „Wolga“ auf dem Berliner Alexanderplatz. Im Hintergrund das Haus des Lehrers und rechts das kürzlich eröffnete Interhotel „Stadt Berlin“. Reporter: Sturm Copyright: ADN-Zentralbild"
    Photographer: Sturm, Horst
    Institution: German Federal Archives, Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst - Zentralbild (Bild 183)

    #Berlin #DDR #Photographie #Fotografie #Alexanderplatz #Karl_Marx_Allee