• Hefemannstraße 23/24 | zeitungsviertel.de
    http://zeitungsviertel.de/media/view/155


    Der Titel ist falsch. Die Straße heißt natürlich Hedemannstraße.

    In der Hedemannstraße 23/24 residierte ab 1932 das Rasse- und Siedlungshauptamt der SS.

    http://zeitungsviertel.de/entries/view/59

    Erbgesundes Blut und beschlagnahmter Grundbesitz
    In der Hedemannstraße 23/24 residierte ab 1932 das Rasse- und Siedlungshauptamt der SS. In der Abteilung Rasseamt der großen Behörde wurden die Heiratsgesuche von SS-Leuten behandelt. Damit sollte die „Auslese und Erhaltung des rassisch und erbgesundheitlich guten Blutes“ sichergestellt werden. Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden vor allem im Osten rassenbiologische Gutachten durchgeführt. Das Schulungsamt war für die rassenpolitische Unterweisung zuständig. Im Siedlungsamt verwerteten drei Gesellschaften den bei der Besetzung fremder Staaten beschlagnahmten Grundbesitz für die SS.

    Dem Sippenamt war zunächst auch der „Verein Lebensborn“ unterstellt. Frauen und Männer „guten Blutes“ sollten sich – auch außerhalb der Ehe – rege vermehren und eine „erbgesunde, arisch einwandfreie“ Nachkommenschaft als künftige SS-Elite heranzüchten. Die unehelichen Kinder von meist hohen SS-Offizieren und Polizeiführern wuchsen in Lebensborn-Heimen oder in Pflegefamilien auf. Die SS entwickelte ein spezielles System, um ihre Herkunft zu verschleiern.

    Der schwerste Bombenangriff auf Berlin am 3. Februar 1945 zerstörte auch fast alle Gebäude in der Hedemannstraße und im Bereich der südlichen Friedrichstraße.

    Rasse- und Siedlungshauptamt der SS
    Hedemannstraße 12 – 24

    #Berlin #Kreuzber #Hedemannstraße #Nazis #Geschichte

  • Mohamed Soliman
    http://www.eslam.de/begriffe/s/soliman_mohamed.htm

    Mohamed Soliman war ein bekannter Geschäftsmann Berlins Anfang des 20. Jh. n.Chr., der auf dem Friedhof Columbiadamm beigesetzt wurde.

    Mohamed Solimans reiste 1900 aus Ägypten in Berlin ein. 1904 heiratet er die deutsche Martha Westphal und sie haben drei Töchter: Hamida, Adila und Myriam.

    In der Zeit 1915 bis 1923 war er Inhaber und Direktor des Passage-Panoptikums, des Passage-Theaters und des Liden-Cabarets in der Kaisergalerie. 1906 führte er ein Stimmfilmkino in der Sonntagsstraße in Rummelsburg (Friedrichshain), vor der Studenten mit rotem Fes für das Kino warben, in Anspielung auf die Kleidung in Nordafrika. Nach dem ersten Weltkrieg wandelte er das Passage-Theater in ein Kino-Variete um, worin unter anderem Filme von Charly Chaplin uraufgeführt wurden. Die Geschichte des Films in der Stadt wird immer mit der Familie Soliman in Verbindung gebracht.

    1921 wird der Ägypter in einer Berliner Zeitung als „ein echter Orientale, feurig, beweglich, von rascher Auffassung“, als ein „vorzüglicher Geschäftsmann“ und eine „führende Persönlichkeit der Gegenwart“ beschrieben. Er starb 1929 unerwartet und wurde auf dem Friedhof Columbiadamm beigesetzt. In den 1920er Jahren hatte Soliman als Mitglied des Orientclubs den Friedhof finanziell unterstützt und somit sein weiteres Bestehen gesichert.

    Kaisergalerie – Wikipedia
    https://de.wikipedia.org/wiki/Kaisergalerie

    Die am 22. März 1873, dem Geburtstag Kaiser Wilhelms I., festlich eingeweihte Kaisergalerie war eine 130 Meter lange Passage und Teil eines dreigeschossigen Gebäudekomplexes im Berliner Ortsteil Mitte, der im Auftrag des Actien-Bauvereins ‚Passage‘[1] von den Architekten Walter Kyllmann und Adolf Heyden im Stil der Neorenaissance errichtet wurde. Die nach Art der großen Passagen in Paris und Brüssel konzipierte Ladenstraße führte vom Boulevard Unter den Linden in gebrochener Linie zur Friedrichstraße Ecke Behrenstraße. Der Durchgang half, das schmale Trottoir der Friedrichstraße zu entlasten, und kürzte den Weg von Süden her zum Brandenburger Tor ab.

    #Berlin #Geschichte #Kino

  • Berlin in den 1940er-Jahren: Seltene Farbfotos – ganz ohne Krieg
    https://www.tip-berlin.de/kultur/buecher/1940er-jahre-berlin-fotos-farbe

    Berlin in den 1940er-Jahren, da denkt man an Schwarzweiß-Fotografie, Panzer und Trümmer. Ein Bildband aus dem Sutton Verlag zeigt eine ganz andere Stadt und das in Farbe! Es ist eine noch fast intakte Welt, obwohl die Nazis politisch das Sagen hatten, die Juden ermordet wurden und in der ganzen Welt der Krieg tobte.

    #Berlin #Geschichte #Photographie

  • Ausstellung: Wie Gott sie schuf
    https://www.tagesspiegel.de/kultur/ausstellungen/wie-gott-sie-schuf-6536686.html
    Adolf Salge ist von 1934 bis 1940 als Geschäftsführer der Mila-Lichtspiele für die Inhaberinnen M. u. H. (Martha und Hamida) Soliman

    31.03.2009 von Christian Schröder - Preußens nackte Venus: Eine Ausstellung erinnert an die Tänzerin Olga Desmond. Desmond war die erste Nackttänzerin in Preußen, sie stieg zu einer der bestbezahlten Unterhaltungskünstlerinnen und zu einer europäischen Berühmtheit auf.

    Nackttanz vor hundert Jahren: ein Skandal. Die Tänzerin Olga Desmond ist gerade einmal 17 Jahre alt, als sie am 19. Mai 1908 im Mozartsaal des Neuen Schauspielhauses am Berliner Nollendorfplatz gastiert. Ihr Auftritt vor 600 geladenen Zuschauern ist als „ein Gottesdienst der Schönheit, ein Kultus der Kunst“ angekündigt worden. Desmond, nur mit einem Diadem und einem Metallgürtel bekleidet, führt zum ersten Mal ihren „Schwertertanz“ vor. „Sie tritt auf in einem himmelblauen, seidenen Mantel“, so hat die „Frankfurter Zeitung“ das Ereignis festgehalten. „Die Musik spielt einen morgenländisch anmutenden Reigen. Plötzlich richtet sich die Desmond auf, lässt mit einem Ruck den Mantel fallen und steht auf der hellen Bühne wie die schaumgeborene Göttin. Und beginnt zwischen den blanken Schwertern zu tanzen. Badet ihre blütenweiße Schönheit in Licht und Musik. In holder Selbstverständlichkeit.“

    „Preußens nackte Venus“, unter diesem Titel wird Olga Desmond nun mit einer Ausstellung und einem Buch wiederentdeckt. Das Verborgene Museum, auf weibliche Kunst spezialisiert, präsentiert Fotos, Plakate und Zeitungstexte, die vom abenteuerlichen Leben der Tanzpionierin erzählen. Desmond war die erste Nackttänzerin in Preußen, sie stieg zu einer der bestbezahlten Unterhaltungskünstlerinnen im wilhelminischen Deutschland und zu einer europäischen Berühmtheit auf. „Sie war eine mutige Frau. Konventionen haben sie nicht interessiert. Kunst war die einzige Gottheit, für die sie lebte“, sagt Jörn E. Runge, der eine Biografie über die Desmond geschrieben und die Ausstellung kuratiert hat.

    Olga Desmond war von Karl Vanselow engagiert worden, dem Herausgeber der Zeitschrift „Die Schönheit“ und Initiator einer „Vereinigung für ideale Kultur“. Vanselow verstand sich als Lebensreformer und Aufklärer. Nacktheit stand für ihn für die Befreiung von den Zwängen der Zivilisation. Ihren Schwertertanz hatte Desmond in der geschlossenen Gesellschaft eines „Schönheits-Abends“ vorgeführt. Das schützte sie allerdings nicht vor öffentlichen Angriffen.

    Im Januar 1909 debattiert das Preußische Abgeordnetenhaus über den Fall. Der Zentrumsabgeordnete Hermann Roeren, Mitbegründer des „Kölner Männervereins zur Bekämpfung der öffentlichen Unsittlichkeit“, nennt die Desmond ein „nacktes Frauenzimmer in ihrer Schamlosigkeit“ und macht sie für „eine Verrohung und Verwilderung der Sitten“ verantwortlich. Der preußische Innenminister Friedrich von Moltke verbietet weitere Auftritte ohne Kostüm. Desmond tanzt fortan in sogenannten „Nacktkostümen“, eingehüllt in Gaze-Schleier.

    Sogar die „New York Times“ berichtete über den Skandal. Kurz vor der parlamentarischen Debatte war Olga Desmond als Nachfolgerin von Otto Reutter im Berliner „Wintergarten“ engagiert worden. Sie bekam eine Monatsgage von 6000 Reichsmark, was etwa sechs Jahresgehältern eines Arbeiters entsprach. Bessere Werbung als durch ihre Gegner hätte sie sich nicht wünschen können. „Olga Desmond beweist durch ihr gegenwärtiges Auftreten im Wintergarten, dass wahre Kunst nie unsittlich wirken kann“, versprachen Zeitungsanzeigen.

    Olga Desmond, 1890 als Tochter eines Buchdruckers im ostpreußischen Allenstein geboren und in Berlin-Kreuzberg aufgewachsen, beginnt mit 15 Jahren ein Schauspielstudium. Ihren Lebensunterhalt verdient sie als Aktmodell. Dabei lernt sie den Athleten Adolf Salge kennen, der sie in seine Varieté-Truppe „The Seldoms“ holt. Sie treten als „lebender Marmor“ auf. Nackt, mit weiß gepuderter Haut stellen sie Skulpturen nach, den „Raub der Sabinerinnen“, „Das Weib oder die Vase“ oder „Die badende Psyche“.

    Olga Desmond wird in London, St. Petersburg, Warschau, Wien und Budapest bejubelt, sie gründet eine „Schule für Körperkultur, Tanz, Gymnastik“ und bringt eine Sommersprossen-Creme und ein Schönheitsbuch auf den Markt. Als im Ersten Weltkrieg die Varieté-Theater geschlossen werden, macht sie Truppenbetreuung an der Front und beginnt, Stummfilme zu drehen. Trotzdem fühlt sie sich unverstanden. Das „Unglück meines Lebens“, klagt sie, sei es, dass sie in ganz Deutschland „keinen Saal zur Verfügung bekomme, der mir gestattet, meine Kunst in dem ganzen Ernste, wie ich sie auffasse, zu zeigen“.

    Gegen Ende der zwanziger Jahre beginnt ihr Stern zu sinken. Desmonds statuarischer Tanzstil gilt als veraltet, jüngere Tänzerinnen wie Anita Berber, Valeska Gert oder Mary Wigman machen nun Furore. Nackttänzen haftet nichts Skandalöses mehr an, sie werden inflationär. Nach 1933 brechen für die Tänzerin, die seit 1920 mit dem jüdischen Textilunternehmer Georg Piek verheiratet ist, schwere Zeiten an. Sie unternimmt einen Selbstmordversuch, er kann aus einem Konzentrationslager fliehen. Bis zu ihrem Tod 1963 schlägt sich Olga Desmond als Putzfrau in Ost-Berlin durch. Um den Lebensunterhalt aufzubessern, verkauft sie Postkarten und Andenken aus ihrer Zeit als Tänzerin.

    Das Verborgene Museum, Schlüterstraße 70, bis 29. Mai, Do und Fr 15–19, Sa und So 12–16 Uhr. – Jörn E. Runge: Olga Desmond. Preußens nackte Venus. Steffen Verlag, Friedland 2009, 180 S., 19, 95 €


    Bilder aus: https://arinevandersteur.nl/product/lebende-marmor-bildwerke-dargestellt-an-den-schonheit-abenden-in-be

    siehe auch
    https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Adolf_Salge

    GB190708573A - An Improved Process for Treating the Human Skin for Theatrical and like purposes. - Google Patents
    https://patents.google.com/patent/GB190708573A/en?inventor=Adolf+Salge

    Abstract
    8573. Salge, A., [known as Seldom.] April 12. No Patent granted (Sealing fee not paid). Making-up materials for theatrical use.-For producing a jewel-like effect in living statuary, after the skin has been coated with a mixture of zinc oxide, glycerine, alcohol, and eau de cologne, it is powdered with finely flaked mica, powdered boracic acid, or other suitable substance.
    GB190708573A

    United Kingdom
    Find Prior Art
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    Inventor
    Adolf Salge

    Worldwide applications
    1907 GB
    Application events
    Priority claimed from GB190708573T
    1907-04-12
    Application filed by Adolf Salge
    1907-05-30
    Application granted
    1907-05-30
    Publication of GB190708573A
    Status
    Expired

    Olga Desmond
    https://de.wikipedia.org/wiki/Olga_Desmond

    #Berlin #Kino #Tanz #Artistik

  • 19-Jähriger verdrängt Rentnerin : Verrückt nach Eigenbedarf
    https://taz.de/19-Jaehriger-verdraengt-Rentnerin/!5906627

    Le parti vert a récupéré les membres et votes des libéraux FDP. Ses politiciens se comportent désormais comme leurs confrères du parti des riches. Cet article décrit l’énième cas de vieux locataires qui perdent leur domicile après son acqisition par un écolo.

    20.1.2023 von Laura Mielke - Eine 68-Jährige muss aus ihrer Wohnung in Kreuzberg ausziehen, damit ein Nachwuchsgrüner aus München einziehen kann. Der hat große Pläne.

    Auf eine glorreiche Nachbarschaft. Von ihrem neuen Nachbarn sind die Ak­ti­vis­t:in­nen nicht begeistert

    BERLIN taz | So man­che:r Po­li­ti­ke­r:in hat bestimmt die ein oder andere Geschichte, die sie oder er lieber verschweigen würde. Aber wie wäre es mal mit: „Mein Vater hat eine Rentnerin aus einer Wohnung geklagt, damit ich nach dem Abi dort einziehen kann“ – von einem Grünen?

    Klingt absurd und eher nach einem Jungen Liberalen, hat sich aber so zugetragen: Eine 68-Jährige muss ihre Wohnung, in der sie seit 37 Jahren wohnt, bis Ende des Jahres wegen Eigenbedarfs räumen.

    Das ist das Ergebnis einer Güteverhandlung am Donnerstag, in der sie noch versuchte, dagegen vorzugehen. Dass es um mehr als nur ihren Fall, sondern die Ungerechtigkeit der Sache geht, zeigt die Unterstützung der Initiative GloReiche Nachbarschaft.

    Sie versammelten sich mit einem Transparent und Schildern mit den Schriftzügen „Eigentum macht hässlich“ und „Verrückt nach Eigenbedarf“ vor dem Amtsgericht Kreuzberg. Das Engagement lobt auch die Richterin und gibt zu: „Diese Verhandlungen sind immer ganz schwierig, wir machen das auch nicht so gerne.“

    Der Vermieter kaufte die Wohnung für seinen Sohn

    Der Hintergrund macht es nicht weniger spannend. Ein bekannter Fernsehfilmproduzent kaufte im März 2021 die Wohnung in der Manteuffelstraße und schickte der Rentnerin im Juni 2021 die Kündigung. Sein 19-jähriger Sohn wolle von München nach Berlin ziehen, studieren und Politiker werden. Er sei Mitglied der Grünen und aktiv bei Fridays for Future, so die Klageschrift.

    Ein so detailliertes Schreiben ist nicht ungewöhnlich. Ei­gen­tü­me­r:in­nen müssen beweisen, dass tatsächlich Bedarf besteht und das Kind nicht nur ein Vorwand ist. Benjamin Hersch, der Anwalt der Mieterin, zweifelt an den Plänen des Sohnes, aber es sei schwer, dahinter zu kommen. Nur in einem Gerichtsprozess, der auf die Güteverhandlung hätte folgen können, könnte der Sohn als Zeuge vorgeladen werden. Verhandelt hat am Donnerstag ein Anwalt des Vaters.

    Mit ihrer Situation ist die 68-Jährige nicht allein. Ein Nachbar ist ebenfalls dabei, er lebt seit 2001 in seiner Wohnung. Vor drei Monaten kündigte seine Vermieterin Eigenbedarf an. „Es ist einfach schrecklich, die Angst, dass man dann auf der Straße sitzt“, sagt er sichtlich aufgewühlt gegenüber der taz. Eine andere Wohnung kann auch er sich nicht leisten.

    „Moralisch unter aller Kanone“

    Am Ende hilft die ganze Unterstützung aber nichts. Die Rentnerin muss ihre Wohnung bis zum Jahresende verlassen. Sie bekommt 30.000 Euro vom Kläger. Ein wirklicher Gewinn ist das aber nicht. „Wir haben das beste rausgeholt“, sagt der Anwalt. „Moralisch ist es aber unter aller Kanone, dass jemand das durchzieht im Wissen, dass jemand anderes seine Wohnung verliert.“

    Für den aufstrebenden Jungpolitiker hat Papi die Wohnung gesichert. Den anderen Haus­be­woh­ne­r:in­nen muss er sich dann wohl nicht mehr vorstellen.

    #Berlin #Kreuzberg #Glogauer_Straße #logement #gentrification #embourgeoisement

  • Jugendkriminalität in Berlin: Wie „wilde Cliquen“ die Weimarer Republik aufmischten
    https://www.berliner-zeitung.de/open-source/geschichte-raub-prostitution-jugendkriminalitaet-in-berlin-wie-wild

    17.1.2023 von Armin Fuhrer - Es sollte ein netter Ausflug werden für die acht Schüler aus Potsdam, die gemeinsam mit ihrem Lehrer an diesem Februartag 1928 zum Teufelssee gewandert waren. Doch dann gab es eine böse Überraschung. In der Nähe der Gaststätte Teufelsklause stürzten sich urplötzlich 18 Jugendliche auf die Jungen. Die Angreifer waren mit neun Dolchen, einem Seitengewehr, zwei Totschlägern und sieben Schlagringen bewaffnet und nahmen die Schüler aus.

    „Sie stahlen Geld, Taschen, Halstücher, Mützen und anderes mehr“, berichtete die Zeitung Der Tag. Auf einer roten Fahne, die die Angreifer bei sich trugen, waren die Worte „W.C. der Tartaren Neukölln“ zu lesen. Eine halbe Stunde später überfielen sie in der Nähe auch eine Gruppe von Pfadfindern. Dann gelang es der Polizei, sie festzunehmen. Der Vorfall erregte wochenlang Aufsehen in Berlin und immer wieder berichteten das Berliner Tageblatt und andere Hauptstadt-Blätter darüber – ganz ähnlich so, wie es nach den Silvester-Krawallen von Neukölln auch geschieht.

    Bürger waren empört, Politiker forderten harte Strafen und Expertinnen und Experten diskutierten, wie solche Vorkommnisse zukünftig vermieden werden könnten. Der Schriftzug „W.C. Tartaren Neukölln“ wies deutlich darauf hin, dass die Öffentlichkeit es mit einem Problem zu tun hatte, das sie nicht einfach ignorieren konnte: den immer dreister auftretenden „wilden Cliquen“ oder auch Wandercliquen. Denn dafür stand die Abkürzung „W.C.“.

    Entstanden waren diese wilden Cliquen ursprünglich aus ganz harmlosen Jugendgruppen, die vor dem Ersten Weltkrieg gemeinsam die Freizeit verbrachten und sich zum Beispiel im Berliner Umland zu Wanderungen trafen. Doch als während des Krieges viele Väter an der Front waren oder starben und die Mütter den ganzen Tag in der Rüstungsindustrie arbeiteten, waren viele Jugendliche auf sich alleine gestellt. Aus einem Teil der harmlosen Wandercliquen wurden die sogenannten wilden Cliquen von Jugendlichen, die sich gemeinsam durchschlugen, während der Sommer oft monatelang an den Seen rund um Berlin zelteten und sich durch Diebstahl versorgten.

    Cliquenbildung durch soziales Elend und Inflation

    Während der schlimmen Nachkriegsjahre mit ihrem sozialen Elend und der Inflation verfestigte sich dieses Phänomen. Nach Schätzungen von Fürsorgeexperten hatten sich 1931 rund 14.000 Jugendliche in ganz Deutschland den kriminellen wilden Cliquen angeschlossen. Andere Schätzung nannten sogar noch deutlich höhere Zahlen. Allein in Berlin sollen zu dieser Zeit 600 solcher Cliquen existiert haben.

    Die Hauptstadt galt als Zentrum der wilden Cliquen. Die Namen der Cliquen waren in vielen Fällen Programm. „Tartarenblut“, also die Clique, die die Potsdamer Schüler überfiel, war in den Zeitungen die bekannteste. Andere nannten sich zum Beispiel „Indianerblut“, „Bauernschreck“, „Todesverächter“, „Waldpiraten“, „Blutiger Knochen“ oder „Kosakenblut“. Diese Jugendbanden machten vor allem die Randbezirke Berlins unsicher. Sie brachen in Wohnhäuser und Geschäfte ein, plünderten Bauernhöfe, stahlen Autos, überfielen Passanten auf offener Straße.

    Ihre Mitglieder übernachteten auf Dachböden, in Scheunen oder schliefen tagsüber in den Tageskinos, die damals schon am Vormittag öffneten. Nachts trieben sie sich in den Dielen herum oder erledigten Aufträge der Wirte, bei denen sie meistens verschuldet waren. Eine Reihe von Mädchen und Jungen ging auf den Strich.

    Zeitweilig waren die Cliquen in vier Ringen, nach den Himmelsrichtungen verteilt, organisiert. Und sie galten als Nachwuchsreserve der berüchtigten Ringvereine – also der Verbrecherorganisationen, die die Unterwelt und die pulsierende Vergnügungsszene Berlins beherrschten. Ihren eigenen Nachwuchs rekrutierten die Cliquen zumeist in den Fürsorgeeinrichtungen, in denen die Mitglieder nach Verhaftungen eingeliefert wurden, aus denen sie aber bald wieder ausbrachen.

    Seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise Ende 1929 griff das Phänomen immer weiter um sich. Die Sozialexpertin Christine Fournier schlug daher Anfang 1931, drei Jahre nach dem Vorfall vom Teufelssee, Alarm. Sie schrieb: „Ein Gespenst, unfassbar, unentlarvbar, lauert im Hintergrund fast aller Berliner Strafprozesse, die gegen Jugendliche geführt werden: das Gespenst der Wilden Cliquen.“ Fournier war Sozialistin und veröffentlichte ihren Artikel in der linksliberalen Zeitschrift Weltbühne – sie kann also sicherlich nicht als eine Law-and-Order-Frau gelten, die aus politischen Gründen das Problem der grassierenden Jugendkriminalität auszuschlachten versuchte.

    Die wilden Cliquen setzten sich nach damaligen Schätzungen zu etwa einem Drittel aus Jugendlichen im Alter von 14 bis 16 Jahren und zu knapp zwei Dritteln aus 16- bis 18-Jährgen zusammen. Ein geringer Teil war bis zu 22 Jahre alt. Der Anteil von Jungen und Mädchen war etwa gleich groß. Emanzipation war ein Fremdwort, denn die weiblichen Mitglieder hatten nicht viel zu sagen.

    Der Aufbau der Cliquen war hierarchisch. An der Spitze stand ein „Cliquenbulle“, bei dem es sich zumeist um den stärksten oder manchmal auch klügsten Jungen handelte. Er war der unumschränkte Anführer. Ihm zur Seite stand eine von ihm ausgewählte „Cliquenkuh“, wie die weiblichen Mitglieder genannt wurden, die ihm sexuell zu Diensten sein musste. Er durfte sich aber nach Belieben zu jeder Zeit auch bei den anderen „Cliquenkühen“ bedienen.

    Versuche, rein weibliche Cliquen zu bilden, schlugen gewöhnlich nach kurzer Zeit fehl. Es existierten aber rein homosexuelle Cliquen. Das Gemeinschaftsleben der Cliquen war insgesamt stark sexualisiert. „Lehrlinge“ mussten als Aufnahmeprüfung vor der Gruppe in einer festgelegten Zeit den Koitus vollziehen, wurden nackt an einen Baum gefesselt und mit Kot beschmiert oder auf andere Weise sexuell gedemütigt. So kam Christine Fournier zu der Erkenntnis, dass das Cliquenleben unter anderem dazu diente, sexuelle Triebe zu befriedigen.

    „Sie sahen keine Chance auf eine Integration in die Gesellschaft“

    Das Hauptmotiv aber war die soziale Perspektivlosigkeit der zumeist arbeitslosen Jugendlichen, die zu Hause oft in unerträglichen Zuständen lebten. Sie sahen für sich keine Chancen auf eine Integration in die Gesellschaft, in die Berufswelt und in ihre Familien. Umso länger sie ihre fatale Situation auf diese Weise wahrnahmen, umso rabiater wurden sie und umso mehr entfernten sie sich von dem, was die Gesellschaft als normal vorgab.

    Experten verwiesen darauf, dass diese Jugendlichen schon in ihrer Kindheit sozial verwahrlost gewesen seien, dass es ihnen an Liebe und Familienhalt fehle, dass sie Opfer schlimmer Erziehungsfehler seien und ihre normale seelische Entwicklung gestört sei. Das führte zu einer grundsätzlichen Ablehnung der Gesellschaft, des Staates und der Umwelt, zu einem Gefühl des Ausgestoßenseins. Fourniers Urteil war klar: „Die wilden Cliquen sind Organisationen jugendlicher Verwahrloster, jugendlicher Dissozialer. Zieht man in Betracht, dass in der Psychologie der Terminus dissozial bedeutet: der menschlichen Gemeinschaft, der gesellschaftlichen Einfügung widerstrebend, unfähig zur Einordnung oder bloß ungefügig der Einordnung – so kann man die wilden Cliquen als eine Gemeinschaft Gemeinschaftsunfähiger bezeichnen.“

    Manche der Cliquen waren politisch und tendierten zu den Kommunisten oder den Nationalsozialisten. Die meisten aber blieben unpolitisch. Die Experten standen dem Problem der wilden Cliquen weitgehend machtlos gegenüber. Geld zur Abhilfe stand nicht ausreichend zur Verfügung. Oder die Mittel wurden falsch eingesetzt. Justus Erhardt, ein anerkannter Fürsorgeexperte, errechnete, dass 50 jugendliche Serientäter, denn nichts anderes waren viele der Cliquenmitglieder, den Staat für Haft- und Fürsorgemaßnahmen sowie durch ihre Vergehen rund 1,75 Millionen Reichsmark kosteten – Geld, das besser für Erziehungs- und Integrationsmaßnahmen ausgegeben werden könnte.

    Doch dazu hätte es zu einem grundlegenden Systemwechsel kommen müssen. Nach Hitlers Machtergreifung Anfang 1933 gingen die NS-Behörden gegen die wilden Cliquen scharf vor. Ein Teil arrangierte sich mit den Nazis und fand sich in den nationalsozialistischen Organisationen wieder.

    Dieser Beitrag unterliegt der Creative Commons Lizenz (CC BY-NC-ND 4.0).

    #Berlin #Geschichte #Jugendkultur

  • Berlin : Die Stadt des unbefleckten Konsums
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/teure-mieten-haessliche-viertel-homophobe-leute-berlin-ist-einfach-

    13.8.2022 von Finn Job - „Mach ein Ende, Putin, mach endlich ein Ende!“, war das Erste, das wir vernahmen, sowie wir dem Bus entstiegen. In Steglitz gibt es nämlich eine Obdachlose, die tagein tagaus einen Einkaufswagen vor sich herschiebt und schreit. Auf dem Wagen, in dem sie ihr Hab und Gut verwahrt, kleben neben russischen Flaggen Pappschilder mit kyrillischer Schrift. Die Frau hat ein rotes, aufgedunsenes Gesicht und ähnelt auch in ihrer sonstigen Erscheinung einer zerlumpten Version von Gerhard Schröder.

    Sie bettelt nach der Bombe, fleht Putin an, Deutschland zu vernichten, und niemand beachtet sie.

    #Berlin #Anekdote #Original #Elend

  • Wir sind alle Hippies oder Anzugträger : Was ist nur mit meiner Generation los ?
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/hippies-oder-anzugtraeger-was-ist-nur-mit-meiner-generation-los-li.

    Dans les quartiers huppés de Berlin la jeunesse préfère les verts et les libéraux. Les messages des partis sont généralement acceptés par les enfants de la couche sociale qu’on appelle l’élite de fonction. On y apprécie la liberté et l’écologie mais on n’aime guère les partis désunis.

    18.1.2023 - Dante Gutiérrez Janssen - Der Schüler Dante aus Prenzlauer Berg wundert sich, warum sich sein Freundeskreis in zwei Lager spalten: in FDP- und Grünen-Wähler. Eine Partei liegt vorn. 

    Mein Berliner Freundeskreis ist gespalten in zwei Lager. Sie sind fast deckungsgleich mit zwei Parteien: der FDP und den Grünen. Während sich die einen meiner Freunde vor allem um die Zukunft des Klimas und der Natur sorgen, sind die anderen interessierter an der wirtschaftlichen Zukunft unseres Landes und an der Erhaltung einer „freien Demokratie“. Zwar ist diese Spaltung nicht repräsentativ oder wissenschaftlich abgesichert, aber bei meinen Freunden ist sie dennoch Fakt.

    Und dass dies nicht nur für meinen Bekanntenkreis gilt, sondern möglicherweise für meine ganze Generation, zeigte sich auch bei der letzten Bundestagswahl im Jahr 2021. Da schnitten sowohl die FDP als auch die Grünen bei den Erstwählern mit jeweils 23 Prozent besser ab als alle anderen Parteien. Und viele fragten sich: Ist die Jugend jetzt grün oder liberal?

    Ich persönlich konnte damals die Polarisierung in diese zwei doch sehr gegensätzlichen Lager nicht so gut nachvollziehen. Trotzdem hat mich die Frage nach dem „Warum“ nicht losgelassen. Jetzt, vier Wochen vor der Wiederholung der Berlin-Wahl, wollte ich noch einmal genauer verstehen, was meine Freunde in die eine oder andere Richtung treibt. Ich startete eine Umfrage: Wie würden Menschen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren heute wählen und warum? Die Namen meiner Freunde habe ich geändert, aber hier sind einige Zitate:

    Anja, 14, wählt die Grünen: „Weil mir die Umwelt wichtig ist und wir hier auf dem Planeten noch ein bisschen leben wollen.“
    Christian, 15, wählt die FDP: „Ich mag keine Verbote wie bei den Grünen, die FDP lässt die Bürger ihr Leben leben.“
    Xaver, 16, wählt die FDP: „Zu 100 Prozent die FDP, weil die Grünen doof sind.“
    Sally, 15, wählt die Grünen: „Die FDP und vor allem Lindner sind furchtbar.“

    Eine Partei liegt knapp vor der anderen

    Mit einem Vorsprung von genau einer Stimme liegen bei meiner Umfrage die Grünen vor der FDP: 14 zu 13 ist das Endergebnis. Wenn ich das hochrechne, dann ist meine Generation im gleichen Maße besorgt um Wirtschaft und Freiheit wie um die Umwelt. Besteht Deutschland in Zukunft also zur einen Hälfte aus Hippies und zur anderen aus Anzugträgern?

    Ganz so einfach ist es nicht. Zunächst, weil ich in der Umfrage nur die Wahl zwischen zwei Parteien gelassen habe. Bei einer richtigen Wahl gibt es natürlich sehr viel mehr mögliche Ergebnisse. Und zweitens stimmen viele der bekannten Klischees sowieso nicht. Nicht nur die jungen Grünen-Wähler gehen in ihrer Freizeit auf Klimademonstrationen und leben vegan. Einige meiner Freunde, die genau das alles tun, haben mich überrascht, weil sie trotzdem die FDP wählen wollen. Bei ihren Entscheidungen scheinen auch ganz aktuelle Geschehnisse eine Rolle zu spielen.

    Der Wohnort spielt eine Rolle – und wie die Eltern wählen

    Lutz, 14, wählt die FDP: „Die Grünen haben mich mit ihrer Entscheidung bezüglich Lützerath zutiefst enttäuscht und ich will ihnen keine Stimme geben, bis sie diesen innerparteilichen Streit geklärt haben.“

    Pia, 15, wählt die FDP: „Ich würde eher die FDP wählen, da mir eine Partei lieber ist, die sich um den Wohlstand und die soziale Gerechtigkeit kümmert, als eine, die sich nur um ein Thema kümmert, das außer Reichweite liegt.“
    Frida, 16, wählt die Grünen: „Prinzipiell keine von beiden Parteien, aber im Vergleich auf jeden Fall die Grünen, da die FDP in der Regierung nur im Weg steht.“

    Ich persönlich möchte mich momentan auf keine der beiden Parteien festlegen, im Grunde bin ich jedoch eher ein Grünen-Wähler, da meine Eltern auch eher die Grünen als die FDP wählen. Ich merke, dass dies auch auf meine Freunde zutrifft: Wenn die Eltern ihre Stimme einer bestimmten Partei geben, tun es meistens auch ihre Kinder. Und auch der Wohnort meiner Freunde scheint eine Rolle zu spielen. Diejenigen, die in den äußeren Bezirken von Berlin leben, etwa in Grunewald oder Zehlendorf, wählten häufiger die FDP. Und die, die eher im Stadtzentrum wohnen, tendieren zu den Grünen.

    Letztendlich denke ich, dass es in beiden Lagern eine gesunde Mischung aus Vision und Vorsicht gibt. Ich hoffe, dass sich daher alle in meiner Generation weiterhin ihre eigene Meinung bilden können, sich nicht von der Mehrheit unbedacht mitreißen oder sich gar politisch manipulieren lassen. Denn ohne die Möglichkeit, sich eine eigene politische Meinung zu bilden, die früheren Generationen häufig fehlte, besteht die Gefahr, dass unsere Demokratie zugrunde geht.

    Mitarbeit: Ludwig Sohn

    Hinweis: Dante Gutiérrez Janssen absolviert ein Schülerpraktikum im Lokalteil der Berliner Zeitung. Dieser Text ist im Rahmen des Praktikums entstanden.

    #Berlin #Prenzlauer_Berg #jeunesse #politique #jeunesse_dorée

  • Mehr Bier! Die Geschichte der Berliner Brauereien
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/geschichte-der-berliner-brauereien-li.297640

    17.1.2021 von Dirk Engelhardt - Diese alten Brauereien sind heute nicht mehr in Betrieb, Berlin hat heute nur noch eine einzige Großbrauerei. Einige Gemäuer haben sich jedoch durch die Weltkriege erhalten, sind heute zum Teil formvollendet restauriert – und erfahren unterschiedliche Nutzungen. Das für Berlin typische Bier war die Berliner Weiße, von der Bevölkerung eher als Grundnahrungsmittel angesehen denn als Bier – es war sauberer als Waser.

    Um das obergärige Bier zu brauen, brauchte man keine Brauerei, man konnte es auch zu Hause oder direkt in der Kneipe brauen. Anfang des 18. Jahrhunderts kam dann das untergärige Bier nach Berlin, das als bayerisches Bier bezeichnet wurde. Es ist schwieriger herzustellen, große Brauereien wurden dafür gebaut. Ende des 19. Jahrhunderts kam durch Dampfmaschinen eine neue Entwicklungsstufe des Bierbrauens auf, riesige Brauereien entstanden in der Folge.

    Schultheiss war die größte und betrieb riesige Brauereien an verschiedenen Standorten, meist mit angeschlossenen Biergärten. Schultheiss und Patzenhofer fusionierten 1920 zur größten Brauerei der Welt. Allerdings litt die Qualität an jener Massenproduktion – ein Fakt, der noch heute gilt.
    1. Kulturbrauerei

    Diese Brauerei gehörte einst dem Schultheiss-Imperium. Ihre Anfänge hat sie Mitte des 19. Jahrhunderts. Ende des 19. Jahrhunderts gab der Architekt Franz Schwechten dem rund 25.000 Quadratmeter großen Ensemble einen einheitlichen Stil nach dem Vorbild einer mittelalterlichen Burganlage, die bis heute erhalten ist. 1891 fusionierte die Brauerei mit dem größten Konkurrenten, der Tivoli Brauerei Kreuzberg. Es folgte der Aufstieg zur größten Brauerei Deutschlands mit 43 Niederlagen (eine Niederlage ist ein Lager und eine Abfüllung einer Brauerei) mit Eiskellern, 19 Schanklokalen, 65 Eisenbahnwaggons, 533 Wagen und 537 Pferden. Während der DDR-Zeit braute hier die VEB Schultheiss-Brauerei Schönhauser Allee bis 1967. Nach dem Mauerfall erfolgte der Umbau zur Kulturbrauerei mit Kinos, Theatern, Konzertsälen, Museen, Verlagen und Restaurants. Im Zuge des Denkmalschutzes wurden alle originalen Gebäudebeschriftungen wieder hergestellt. Der Franz-Club, den es schon zu DDR-Zeiten gab, heißt jetzt frannz Klub.

    Schönhauser Allee 36, Prenzlauer Berg, www.kulturbrauerei.de

    2. Bötzow-Brauerei

    Die Bötzow-Brauerei, gegründet 1864, war um 1900 eine von 14 Brauereien am Prenzlauer Berg. Das dort gebraute Bier wurde schnell beliebt und Bötzow errichtete einen Biergarten, der 6000 Besucher fasste. 1886 durfte Bötzow sich „Hoflieferant seiner Majestät des Königs von Preußen“ nennen. Gebraut wurde helles Versandbier, dunkles Nürnberger und helle Julherna. Ab 1919 wurde die Marke Bötzow Privat gebraut. Nach 1945 lagen große Teile des Geländes bis heute brach. 2010 kaufte der Unternehmer Hans Georg Näder das Gelände. David Chipperfield hat bereits Pläne für die neue Bebauung entworfen, vorgesehen ist unter anderem ein Biergarten, der Platz für 1500 Menschen bietet. Außerdem wird es ein Schwimmbad, ein Hotel und eine Kunstgalerie geben.

    Im Brauereigelände hatte Starkoch Tim Raue vor einigen Jahren ein schnuckliges Restaurant, „La Soupe Populaire“. Einige Häuser nutzt der Prothesen-Hersteller Ottobock.

    Prenzlauer Allee 242, Prenzlauer Berg, www.boetzowberlin.de

    3. Kindl-Brauerei Neukölln

    Das Emblem mit dem Goldjungen im Krug prangt auch heute noch auf den Biergläsern. Die Kindl-Brauerei in Neukölln wurde im Jahr 1930 errichtet, Kernstück ist das riesige Sudhaus. 1953 wurde es demontiert, der Standort wurde dann im Jahr 2005 endgültig stillgelegt. Unter dem alten Sudhaus produzierte eine Zeit lang noch die Privatbrauerei am Rollberg. Seit 2011 wird in den denkmalgeschützten Fabrikgebäuden zeitgenössische Kunst gezeigt, nämlich im Kindl-Zentrum für zeitgenössische Kunst.

    Am Sudhaus 3, Neukölln, www.kindl-berlin.de

    4. Schultheiss-Brauerei

    Die Schultheiss-Brauerei wurde im Jahr der Gründung des Deutschen Reiches, 1871, erbaut. Wie es damals üblich war, wollte man der riesigen Anlage einen ästhetischen Anblick geben, und so wirkt der Ziegelsteinbau mit seinen Türmchen und Zinnen wie eine Burg. Es gab Platz für Bierkutscher in Remisen, ein großes Sudhaus, einen Festsaal mit Kronleuchtern und riesige Gebäude für den Brauprozess und die Lagerung des Gerstensaftes.

    1913 war Schultheiss die größte Lagerbierbrauerei der Welt, man zählte 2800 Angestellte. Im Laufe der Zeit wurde die Brauerei immer wieder umgebaut. Das älteste noch erhaltene Gebäude ist das Sudhaus mit den sich nördlich anschließenden Kellereien, deren Bogengewölbe noch erhalten sind. 1980 wurde der Betrieb eingestellt, dann zogen eine Squash-Anlage, ein Billardsalon, ein Tapetengeschäft, ein Asia-Laden und Autowerkstätten in die Anlage.

    1995 wurde der Komplex unter Denkmalschutz gestellt, dann passierte erst einmal längere Zeit nichts. Als bekannt wurde, dass einige der denkmalgeschützten Gebäude abgerissen werden sollten, regte sich Bürgerprotest der Nachbarn – erfolgreich. 2015 sanierte dann die HGHI Baumanagement GmbH die Anlage mit rund 200 Millionen Euro.

    Im vorgelagerten Bereich wurden einige Nachkriegsbaracken abgerissen. Hier entstand ein Meininger-Hotel. Die alten Garagen für die Kutschen und die Brauereigäule auf der Hinterseite des Grundstücke wurden zu lichten Ateliers für Künstler und Kreative umgebaut, von denen es in Berlin ja bekanntlich mehr als genug gibt.

    Turmstr. 25, Moabit, www.schultheissquartier.de

    5. Königstadt-Brauerei

    Die Königstadt, der südliche Teil des Stadtteils Prenzlauer Berg, wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört. Hier war der Sitz der Königstadt-Brauerei, gegründet im Jahr 1849. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1871 wurde die Brauerei Aktiengesellschaft. Bier wurde hier von 1851 bis 1921 produziert, es war eine der größten Brauereien Berlins. 1903 erhielt die Brauerei ein Lokal, einen Saalbau, eine Ladenpassage, Restaurants, Kegelbahnen und einen Musikpavillon. 1921 übernahm Kindl die Brauerei und legte den Standort an der Saarbrücker Straße still, um sich der Konkurrenz zu entledigen. Der große Saal der Brauerei wurde 1925 zum „Ufa-Lichtspieltheater Königstadt“ umfunktioniert. Heute erhalten sind die Mälzerei, die Schankhalle, die Darre, ein Lagerhaus, das Kesselhaus, der Flaschenkeller, ein hoher Schornstein und das Eismaschinenhaus. Alle Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Genutzt werden sie zum Wohnen und gewerblich, außerdem hat der „Roadrunners Paradise Club“ hier seinen Sitz.

    Saarbrücker Straße 24, Prenzlauer Berg, www.gidak.de

    6. Weißbierbrauerei Willner

    Die Weißbierbrauerei Willner war von 1882 bis 1990 eine Berliner Weißbierbrauerei. Berliner Weißbier ist das traditionelle Berliner Bier und hat seinen Ursprung im 16. Jahrhundert. Um 1800 gab es in Berlin rund 700 Weißbierlokale! Napoleons Soldaten sollen das Weißbier als „Champagner des Nordens“ bezeichnet haben. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte man hier das Weißbier an einer Bierklappe direkt auf dem Fabrikgelände kaufen. 2013 eröffnete auf dem Gelände ein improvisierter Biergarten. Auch der bekannte „Klub der Republik“, der ein Gebäudeteil nutzte, und „Emils Biergarten“ ist bereits Vergangenheit.

    Das Gelände direkt neben dem Viadukt der U-Bahnlinie U2 wurde umfassend umgebaut, jetzt haben hier Büros und Gewerbemieter ihren Platz.

    Berliner Straße 80, Pankow

    7. Engelhardt-Brauerei

    „Der Durst’ge auf die Theke starrt – ein Pilsener, aber Engelhardt“ – mit diesem Spruch warb früher die Engelhardt-Brauerei. Ihre Anfänge hatte sie auf der Halbinsel Stralau in Treptow 1860. Anfang des 20. Jahrhunderts war der Engelhardt-Konzern die zweitgrößte Brauereigruppe Deutschlands. Der Flaschenturm auf Stralau, 1929 von Bruno Buch gebaut, ist ein wichtiges Zeugnis Berliner Industriearchitektur. Hier wurden täglich 300.000 Flaschen abgefüllt. Er steht unter Denkmalschutz und ist heute zu einem Wohnhaus umgebaut. Während der Zeit der DDR firmierte die Marke unter VEB Engelhardt, hier wurde mit „Aubi“ 1972 das erste alkoholfreie Bier hergestellt.

    Am Standort Charlottenburg wurde in den 1970er-Jahren noch ein neues Sudhaus errichtet. Das Aus kam 1983, als Schultheiss die Brauerei übernahm. So bildete sich die „Interessengemeinschaft Engelhardt-Gelände e.V.“ und widmete das Gelände um für Büros, Wohnungen und Soziales. Die alten Gebäude, obwohl denkmalgeschützt, wurden Ende der 80er-Jahre abgerissen, und so ist heute kaum noch etwas von der alten Anlage sichtbar.

    Danckelmannstraße 9, Charlottenburg

    8. Bärenquell

    Ältere Berliner kennen vielleicht noch die kleinen, braunen Flaschen mit dem gemalten Bären in Grün-Gold darauf. Gegründet wurde die Brauerei als Borussia-Brauerei 1882, bis 1994 wurde hier Bier gebraut.

    Die Geschichte der Brauerei begann, als die Unternehmer Meinert und Kampfhenkel die Borussia-Brauerei gründeten. 1898 übernahm die Schultheiss-Brauerei die Anlage.

    Die Backsteingebäude wurden errichtet im Stil der Neugotik und der Neorenaissance. Das Bierlager aus dem Jahr 1928 zeigt den Stil des Expressionismus, das Neue Sudhaus aus dem Jahr 1969 ist im Stil der Internationalen Moderne gehalten. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die VEB Berliner Brauereien die Anlage, sie erhielt den Namen Bärenquell-Brauerei.

    Nachdem das Areal lange Zeit leer stand und von Vandalen heimgesucht wurde, gibt es jetzt Pläne für eine Umgestaltung. Büros, Einzelhandel und Kultur sollen auf mehreren als 1000 Quadratmetern angesiedelt werden.

    Schnellerstraße 137, Niederschöneweide, www.baerenquell.eu

    9. Bürgerbräu

    Das Berliner Bürgerbräu am Müggelsee entstand 1869. Die Brauerei entwickelte sich schnell, und 1888 produzierte man bereits 10.000 Hektoliter Bier. Das Bier wurde mit Dampfschiffen nach Berlin transportiert, für Pferdefuhrwerke waren die Mengen bereits zu groß. 1926 vernichtete ein Brand die gesamte Brauerei, sie wurde schnell wieder aufgebaut. 1929 produzierte man bereits wieder 300.000 Hektoliter Bier. Mit der Gründung der DDR wurde der Name auf VEB Bürgerbräu geändert, 1992 übernahm die bayerische Hofmark-Brauerei das Bürgerbräu.

    2010 wurden die Tore endgültig dichtgemacht, die Marke an Radeberger verkauft. Neben Pils und der Berliner Weiße war das Bürgerbräu vor allem durch die Spezialitäten „Rotkehlchen“, das durch Karamell-Malz eine rötliche Färbung erhielt, und „Bernauer Schwarzbier“ bekannt.

    Auf dem Areal sollen bald Wohnungen, das Bürgerbräu-Quartier, entstehen, wobei die Brauereigebäude aus den 1920er-Jahren unter Denkmalschutz stehen.

    Müggelseedamm 164, Friedrichshagen

    10. Mälzerei Schöneberg

    Der Industriekomplex aus Backstein wurde von 1914 bis 1917 errichtet. Die Mälzerei gehörte der Schultheiss-Patzenhofer Brauerei AG. Prägend von weither sind die vier riesigen Darrschlote auf den Dächern, die bis heute erhalten sind. Die Maschinen der Fabrik, die im Zweiten Weltkrieg unversehrt bliebt, wurden nach Kriegsende von der sowjetischen Besatzungsmacht demontiert. 1950 nahm Schultheiss die Produktion wieder auf. Produziert wurde dann bis 1996, als die Schließung wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten ins Haus stand. Von 2001 bis 2007 residierte der Kit-Kat-Club in den Hallen. Jetzt ist das Gelände umgebaut und wird vor allem von Firmen der Nachhaltigkeitsbranche genutzt.

    Bessemerstraße 2-14, Schöneberg, www.malzfabrik.de

    11. Tivoli-Brauerei

    Schon 1829 wurde am Südhang des Kreuzberges ein Biergarten eröffnet, Tivoli genannt. 1857 war das Gründungsjahr der Berliner Brauerei-Gesellschaft Tivoli. Im Anschluss entstanden riesige Brauereigebäude aus Ziegelstein. Schultheiss übernahm 1891 Tivoli und erweiterte die Anlage. Im Zweiten Weltkrieg wurden die historischen Gebäude stark in Mitleidenschaft gezogen. 1993 gab Schultheiss das Gelände auf und zog in den Ostteil der Stadt. 1999 wurde dann der Grundstein für das Viktoria-Quartier gelegt. Es entstanden Wohnungen, Penthouses, Lofts, Büros und Ateliers.

    Mustergültig restauriert wurde das mehr als fünf Hektar große Gelände am Fuße des Kreuzbergs im Schatten des Nationaldenkmals von Schinkel.

    In die Kellergewölbe sollte eigentlich die Berlinische Galerie einziehen, doch die entschied sich wegen der Feuchte im Mauerwerk für ein anderes Quartier.

    Methfesselstr. 42, Kreuzberg

    #Berlin #Geschichte #Bier

  • Der „Ball der Bälle“: Eine kurze Geschichte des Berliner Presseballs
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/der-ball-der-baelle-die-lange-geschichte-des-berliner-presseballs-l

    Presseball Berlin im ICC

    Ehepaar Helmut und Hannelore Kohl auf dem Bundespresseball 1987

    Presseball Berlin, Palais am Funkturm, Januar 1958

    14.1.2023 von Alexander Kulpok -Am Sonnabend findet in Berlin der 150. Presseball statt. Unser Autor blickt zurück auf die bewegte Geschichte des Balls, der Luxus in die Stadt bringen sollte.

    2023 ist für Berlin ein Jahr der Medienjubiläen. Vor 100 Jahren – am 29. Oktober 1923 – wurde in Berlin der deutsche Rundfunk geboren („Achtung! Achtung! Hier ist die Sendestelle Berlin im Vox-Haus auf Welle 400 Meter!“). Und am 14. Januar 2023 geht in Berlin der 150. Presseball übers Parkett. Gern wird in Berlin versucht, an die Tradition jener Bälle anzuknüpfen, die am 9. März 1872 als Charity-Veranstaltung ihren Anfang nahm und über Jahrzehnte und Generationen, politische Systeme und weltpolitische Ereignisse hinweg ihren Reiz bewahrte. Ein Ball als Hauch von Luxus mit Prominenten aus Politik und Kultur.

    Der erste Presseball in Berlin nahm sich den Schriftsteller- und Journalistenball in Wien zum Vorbild und diente der Unterstützung notleidender Kolleginnen und Kollegen. Ein Prinzip, an dem bis in die West-Berliner Tage der Jahrtausendwende festgehalten wurde. Nicht der Journalisten-Verband veranstaltete den Presseball, sondern ein Tochterunternehmen, der Sozialfonds, der auf die Hilfe für nicht so erfolgreiche Journalisten und auf die Ausbildung von journalistischem Nachwuchs ausgerichtet war. Ein Umstand, der – weil ihn die Öffentlichkeit und die Medien nicht so recht einzuordnen wussten – wesentlich zum Niedergang des Berliner Presseballs am Anfang des Jahrtausends beitrug.

    Ab 2009 versuchte dann Mario Koss, der Tausendsassa und erfolgreiche Erfinder der Shape-CD, die in West-Berlin verankerte Presseball-Tradition neu zu beleben. Für den 14. Januar lädt er zum 150. Ball ins Hyatt-Hotel am Potsdamer Platz. In mancher Weise gleichen sich die Bilder zu den Ball-Anfängen in den 70er-Jahren des 19. Jahrhunderts. Die eigenwilligen Verbandsfunktionäre der Journalisten verhedderten sich 1872, als es um die Frage ging, ob der Reichskanzler Otto von Bismarck eingeladen werden sollte oder nicht.

    Durch das Argument, mit einer Einladung an Politiker würde die parteipolitische Neutralität der Journalisten beeinträchtigt, zerstritten sich die Männer im „Ball-Comitee“ und konnten zum zweiten „Ball mit Festsouper“ erst sieben Jahre später einladen. Der „Eiserne Kanzler“ besuchte nie einen Presseball. Ihm waren Journalisten ohnehin suspekt und nur willkommen, wenn sie seine Regierungsarbeit publizistisch unterstützten. Daher richtete er schon 1869 den berühmt gewordenen „Reptilienfonds“ ein, aus dem er regierungsfreundliche Zeitungen bis zum Jahr 1892 bezahlte.

    Aus dem Presseball Berlin wurde sehr schnell der „Deutsche Presseball“ als alljährliches gesellschaftliches Ereignis in der Reichshauptstadt. Veranstaltungsorte waren das Concerthaus am Dönhoffplatz, die Alte Philharmonie in der Bernburger Straße und die Festsäle am Zoologischen Garten. Erklärtes Ziel der Veranstalter war die Verbesserung des Ansehens der Journalisten, die nicht erst nach 1945 in der Bonner Republik als „angepasste Außenseiter“ herabgesetzt wurden.

    Als ab 1909 regelmäßig auch der Reichskanzler zu den Ballgästen zählte, schien der gesellschaftliche Rang der Journalistenbranche gesichert. Nach dem Ersten Weltkrieg, mit dem Beginn der ach so goldenen Zwanzigerjahre, war Kurt Tucholsky einer der humorvollsten und treffsichersten Ballchronisten: „Die Regierung war, soweit man hier von Regierung sprechen kann, vollzählig vertreten. Die Gesandten und Botschafter aller zivilisierten Staaten, sowie Bayerns, waren anwesend ... In einer Loge saßen die leitenden Männer der deutschen Presse, darunter auch ein Redakteur.“ Bissige Beobachtungen eines Top-Journalisten beim Ball des Jahres 1920.

    Schlimmer kam es 1933. Einen Tag vor seiner Machtübernahme ließ Adolf Hitler das Ballereignis ansetzen. Und die BZ am Mittag schrieb später: „Das Pressefest war ganz auf die neue Gestaltung des großen gesellschaftlichen Lebens gestimmt.“ Gleichschaltung war auch hier die Devise, akribisch organisiert von Propagandaminister Joseph Goebbels. Nach 1945 etablierte sich in der provisorischen Bundeshauptstadt Bonn die Bundespressekonferenz, die erst in Bad Neuenahr, ab 1990 ins Bonner Hotel Maritim zu Tanz und Spaß mit der politischen, kulturellen und sportlichen Prominenz bat. Eine geschlossene Veranstaltung, zu der die Mitglieder der Bundespressekonferenz Gäste einladen konnten.

    1970 im November, am Beginn der Brandt-Ära, hieß das Motto in der Bonner Beethovenhalle „Bonnjunktur“ – mit einem Hundertmarkschein im Hintergrund und dem Brandt-Zitat „Wir stehen nicht am Ende unserer Demokratie, wir fangen erst richtig an !“. Meine bleibenden Erinnerungen an diesen Bundespresseball sind ein Interview auf der Bühne mit der damals 23-jährigen Olympiasiegerin Heide Rosendahl und eine peinliche Auseinandersetzung mit Hannelore Kohl, der ich beim Radiointerview mit Helmut Kohl unabsichtlich ein Glas Rotwein aufs Ballkleid gegossen hatte. Frau Hannelore erregte sich verständlicherweise über alle Maßen. Ehegatte Helmut machte sich in Windeseile aus dem Staub. Mit Blick auf seine politischen Ziele als rheinland-pfälzischer Ministerpräsident wollte er sich mit Journalisten offenbar nicht gern anlegen.
    Presseball in den 1980ern: Ballkleider verhakten sich in Rolltreppen

    Die 70er-Jahre brachten die Hochzeit der West-Berliner Pressebälle. Veranstaltet im Palais am Funkturm, gegenüber dem Haus des Rundfunks, fühlte sich der nicht unbedingt ballaffine SFB-Intendant Franz Barsig wohl zu besonderer Unterstützung verpflichtet (wahrscheinlich hatten ihn aber seine Unterhaltungsexperten Dieter Finnern und Peter Lichtwitz beraten). Wiens Altmeister Robert Stolz wurde nach Berlin geholt (wo er übrigens 1975 auch starb) und dirigierte im Palais am Funkturm nicht nur „Du sollst der Kaiser meiner Seele sein“, sondern auch zum Gesang von Udo Jürgens und Mireille Mathieu.

    Presseball Berlin im ICC

    Presseball Berlin im ICCPresseball Berlin

    Als das bombastische ICC erbaut war, zog in den 1980er-Jahren der Berliner Presseball – eines der Aushängeschilder der westlichen Welt, zu dem Bundespräsidenten, Bundeskanzler und Bonner Minister erschienen – um in das riesige Nebengebäude. Dort beklagten sich vor allem die Frauen darüber, dass sie sich mit ihren langen Ballroben immer wieder in den zahlreichen Rolltreppen des ICC verhakten. Mit der Vereinigung von BRD und DDR 1990 schien das allerletzte Stündlein des West-Berliner Presseballs geschlagen.

    Autor, Anarchist, Alkoholiker: Vor 100 Jahren starb „Schwejk“-Erfinder Jaroslav Hasek

    Die aus Ost-Berlin hinzugekommenen Mitglieder des Berliner Journalisten-Verbandes fühlten sich keiner Balltradition verbunden und plädierten für ein jährliches „Pressefest“ im Sommer, wie es das SED-Zentralorgan „Neues Deutschland“ zu DDR-Zeiten veranstaltet hatte. Der Bundespresseball zog konsequenterweise in die wiedergewonnene deutsche Hauptstadt um, eine Zusammenlegung beider Bälle scheiterte an der Engstirnigkeit des von Kontroversen und Intrigen geschüttelten Berliner Verbandes und zwei fulminante Bälle in der Staatsoper Unter den Linden, die Friedrich der Große hatte für derartige Ereignisse erbauen lassen, bildeten einen bunten Schwanengesang.

    Italien und Lateinamerika waren die Themen der beiden Pressebälle in der Staatsoper – mit internationalen Staatsgästen und Prominenz von Gina Lollobrigida bis Antonio Skarmeta. Im Grunde ein würdiger Abschluss einer lieb gewonnenen Tradition. Doch wenn es um den einstigen Ball der Bälle in Berlin geht, hört die Liebe nimmer auf. In Mario Koss fand sich einer, der bereit war, Geduld und Geld in ein Projekt zu investieren, das bereits dem Tod geweiht schien.

    Dieser Beitrag unterliegt der Creative Commons Lizenz (CC BY-NC-ND 4.0).

    #Berlin #Geschichte #Kultur #Journalismus #Ortskenntnis

  • #Allemagne : à la recherche de solutions durables pour le logement de réfugiés en séjour long

    En 2022, Berlin a accueilli plus de 100 000 réfugiés. Des arrivées qui ont encore plus mis en lumière la #crise_du_logement que traverse la capitale allemande depuis de nombreuses années. Venus en grande majorité d’Ukraine, 90% d’entre eux ont déposé une demande de séjour long. Si à l’instar d’autres grandes villes du pays, Berlin a tout d’abord compté sur la #solidarité de ses habitants et mis en place près de 30 000 places d’#accueil_d'urgence, elle doit désormais construire et trouver des #solutions_durables pour faire face à ces nouveaux arrivants partis pour rester.

    https://www.infomigrants.net/fr/post/46053/allemagne-a-la-recherche-de-solutions-durables-pour-le-logement-de-ref
    #accueil #réfugiés #asile #migrations #Berlin #logement #séjour_long #long_séjour #réfugiés_ukrainiens #temps_long #temporalité #hébergement

    ping @karine4

  • Neujahrsansprache der Regierenden
    https://www.rbb-online.de/fernsehen/programm/01_01_2023/1845487.html

    Bei 3:20

    Als Regierende Bürgermeisterin kann ich Ihnen heute sagen, die Energieversorgung in unserer Stadt ist in diesem Winter in allen Sektoren sichergestellt.

    Verstehe, nicht nur im amerikanischen, britischen und französischen, auch im sowjetischen Sektor fließt der Sprit in Strömen. Ende Blockade. Demnächst iss auch in der Szone Schluß mit Sparsam, wünscht sich unser Rejiersternchen aus Frankfurt anne Oder . Welchet Jahr hamwa heute, 1949 oder?

    Und für alle, die es nicht glauben können oder wollen folgt hier die offizielle Veröffentlichung der Senatskanzlei. Da steht es texto.

    Giffey in ihrer Neujahrsansprache: Berlin ist „Stadt der offenen Arme und Herzen“ - Berlin.de
    https://www.berlin.de/rbmskzl/aktuelles/pressemitteilungen/2022/pressemitteilung.1279328.php

    „Liebe Berlinerinnen, liebe Berliner,

    ein einschneidendes und herausforderndes Jahr 2022 liegt hinter uns – und ein neues Jahr mit neuen Aufgaben vor uns. Als Ihre Regierende Bürgermeisterin wünsche ich Ihnen allen für 2023 viel Glück, Gesundheit und Kraft!

    Im letzten Jahr sind in Berlin über 30.000 Kinder zur Welt gekommen. Ihnen und allen anderen Kindern in unserer Stadt eine gute Zukunft zu ermöglichen, dafür arbeite ich zusammen mit dem Berliner Senat und unseren 12 Bezirken: für gleiche Chancen, gute Bildung und soziale Gerechtigkeit. Deshalb haben wir 2022 über 5.000 Kitaplätze und über 8.000 Schulplätze neu geschaffen. Und wir treiben die Schulbauoffensive auch künftig mit über einer Milliarde Euro pro Jahr voran.

    Zu einer guten Zukunft gehört auch bezahlbarer Wohnraum. 16.500 Wohnungen wurden 2022 neu gebaut – trotz Krise mehr als 2020 und 2021 und mehr als im Bundesdurchschnitt.

    Denn Berlin soll für alle Generationen eine soziale Stadt bleiben: bezahlbar, lebenswert und nachhaltig, vielfältig und sicher – mit einer starken Wirtschaft und guter Arbeit.

    Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine herrscht Krieg in Europa. Viele Menschen machen sich Sorgen um die Zukunft. Es ist jetzt umso wichtiger, dass wir uns auf unsere Stärken besinnen. Aus unserer Geschichte wissen wir, dass Berlin in Krisen immer wieder zur Höchstform aufläuft – so wie bei der Versorgung und Unterbringung geflüchteter Menschen aus der Ukraine. Berlin hat sich als Stadt der offenen Arme und der offenen Herzen gezeigt. Viele haben Geflüchtete bei sich zuhause aufgenommen, haben am Bahnhof geholfen, haben Lebensmittel und Kleidung gespendet.

    Ihnen und allen beteiligten Hilfsorganisationen und Ehrenamtlichen danke ich für ihre beispielhafte Solidarität. Sie alle sind Botschafter der Menschlichkeit Berlins.

    Für Berlin beschämend sind die Fehler, die vor meiner Amtszeit bei den Wahlen 2021 gemacht wurden und die zur Entscheidung des Landesverfassungsgerichtshofs zur Wahlwiederholung führten. Diese Fehler schmerzen mich zutiefst. Das darf nie wieder passieren. Sie können versichert sein: Dieser Senat und der neue Landeswahlleiter tun alles dafür, dass die Wahlwiederholung reibungslos verläuft.

    Gleichwohl haben wir in Berlin im letzten Jahr auch Entscheidendes erreicht, was angesichts der vor einem Jahr noch bedrohlichen Corona-Pandemie kaum vorstellbar erschien: Berlins Wirtschaft ist im vergangenen Jahr überproportional gewachsen. Viele neue Unternehmen haben sich in Berlin angesiedelt, neue Arbeitsplätze sind entstanden und Millionen Gäste haben Berlin wieder besucht. Das zeigt, dass Berlin nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat. Im Gegenteil!

    Als Regierende Bürgermeisterin kann ich Ihnen heute sagen, die Energieversorgung in unserer Stadt ist in diesem Winter in allen Sektoren sichergestellt. Mit unserem Berliner Entlastungspaket unterstützen und helfen wir denjenigen, die von hohen Energiepreisen und Inflation besonders betroffen sind. Zum Beispiel mit dem 29-Euro-Ticket, das eine echte Entlastung ist und der BVG einen neuen Kundenrekord beschert.

    Liebe Berlinerinnen und Berliner, ich danke heute insbesondere denjenigen, die unsere Stadt mit ihrer Arbeit rund um die Uhr am Laufen halten – den Beschäftigten in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, bei Feuerwehr und Polizei, bei der BSR, bei BVG und S-Bahn. Und den vielen Ehrenamtlichen, die sich täglich für unsere Gesellschaft einsetzen und für Solidarität einstehen.

    Wir bewältigen die Krise in einer gemeinsamen Kraftanstrengung von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Vertrauen wir auf diese starke Kraft in unserer Stadt. Denn es ist die Kraft von uns allen! Die Kraft des Miteinander-Anpackens!

    Ich wünsche Ihnen, dass Sie trotz aller Herausforderungen zuversichtlich ins neue Jahr blicken können. Lassen Sie uns Berlin weiter tatkräftig gestalten. Ich bin sicher: Gemeinsam wird es uns gelingen.“

    #Berlin #Politik #SPD #Blockade #1949 #2023 #WTF

    • Dans son discours du nouvel an la maire de Berlin affirme que « la sécurité énergétique de notre ville est assurée dans tous les secteurs ».

      Le terme « secteur » prend une signification spécifique dans le contexte berlinois. C’est l’appellation des zones d’occupation étatsunienne, britannique, française et soviétique entre 1945 et 1991. Quand la maire principale de la ville et ses assistants ne sont plus au courant de la signification propre au contexte local de cette expression, on ne peut que rire de leur incompétence. C’est comme une maire parisienne qui ignore le mur des Fédérés et l’histoire du boulevard périphérique.

      Le partage de la ville de Berlin en secteurs a marqué la vie quotidienne des berlinois pendant plusieurs générations. Il en résulte un angle de vue sur le monde unique aux berlinois de l’Ouest et de l’Est. Leurs perspectives sont profondément différentes malgré leurs points communs et chacune n’est partagée par personne d’autre sur terre.

      #Berlin #mur #occupation #guerre_froide

  • In der Pampa ausgesetzt
    https://seenthis.net/messages/984861

    Am Abend vor Weihnachten wurde eine Studentin, der eine große Plattform eine Mitfahrgelegenheit für 90 Euro nach Thénac im Departement Charente Maritime vermittelt hatte, von der Fahrerin bei Thénac in der Dordogne mitten in der Ödnis und über 150 Kilometer von ihrem Reiseziel entfernt ausgesetzt. Ein Taxi brachte sie weiter in das falsche Thénac, von wo sie, um weitere 240 Euro ärmer, nach einer Nacht im Hotel mit der Bahn zum Ziel ihrer Reise gelangte.

    So kanns gehen, wenn man sich von Amateuren fahren läßt. Ein kleines Mißverständnis, und schon sitzt der Fahrgast in der Sch...
    Wo liegt eigentlich #Bergen? In #Noirwegen, #Belgien oder #Lüchow-Dannenberg?

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Bergen

    #Frankreich
    #Ortskunde #Verkehr #Personenbeförderung #Mitfahrzentrale #Plattformkapitalismus #Digitalisierung #WTF

  • Mitten in Kreuzberg: Neue Sozialwohnungen und klimaneutrale Büros
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/mitten-in-kreuzberg-neue-sozialwohnungen-und-klimaneutrale-bueros-l


    Blick auf das neue Quartier auf dem Areal des früheren Postscheckamtes am Halleschen Ufer in Kreuzberg.

    Es geht voran mit dem Geldmachen. Das alte Postscheckamt, eine öffentliche Einrichtung der staatlichen Bundespost und Ort zum Leben und Arbeiten für viele Westberlinerinnen und Berliner, wird endgültig zum Eigentumswohnungsghetto mit ein paar netten fast bezahlbaren Alibiwohnungen nebenan. Verdichtung ist angesagt, der Rubel rollt weil öffentliche Gärten und Freiflächen zugebaut werden. „Niemandsland“ heißt so ein nicht profitables Gelände auf Immobilisch. Ich bin auch so ein Niemandsland, unprofitabel und verwildert. Ein Mensch eben, keine parfümierte Immoschnepfe, die mit hohlem Gedöns ihre Gier schönredet. Die zerrt den verwesenden Leichnam van der Rohes aus dem Grab, um dem ollen Büroturm, wahrlich kein Meilenstein der Architekturgeschichte, ordentlich Mies-Nimbus zu verpassen. So geht das. Noch nicht gebaut wird schon verkauft.

    Grelle Fummels aus den Fifties, Sixties
    Alles hohl und hundsgemein
    Auf Skoda oder Fiorucci
    Flieg ich nicht mehr ein
    Da bleib ich kühl
    Kein Gefühl

    Ideal, Blaue Augen, 1980

    28.12.2022 von Ulrich Paul - Auf dem Areal des ehemaligen Postscheckamtes in Kreuzberg entsteht ein Stadtquartier mit hohem sozialen und ökologischen Anspruch.

    Auf dem Areal des ehemaligen Postscheckamtes in Kreuzberg gehen die Arbeiten für das geplante neue Stadtquartier mit Büros, Wohnungen und Geschäften voran. Nachdem im März 2021 mit dem symbolischen ersten Spatenstich die Bauarbeiten starteten, befinden sich mittlerweile fast alle Teilprojekte am Halleschen Ufer in Bau.

    Der Kölner Investor Art Invest modernisiert den alten 90 Meter hohen Büroturm und baut zwei neue Häuser mit Büros und Geschäften. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Degewo errichtet 337 Mietwohnungen. Und das ebenfalls aus Köln stammende Immobilienunternehmen Pandion plant 86 Eigentumswohnungen.

    „Das Grundstück war vorher eine Art Niemandsland im Herzen Berlins“, sagt Lena Brühne, Berliner Niederlassungsleiterin von Art Invest. „Durch die Entwicklung des Quartiers betreiben wir also eine Stadtreparatur.“ Die Art Invest hat ihrem Projekt den Namen „Die Macherei Berlin-Kreuzberg“ gegeben. Weil die Gebäude am Halleschen Ufer 40 bis 60 liegen, tragen die drei Gebäudeteile als Namenskürzel ein M für Macherei, gefolgt von der jeweiligen Hausnummer. So heißen die Gebäude M40, M50 und M60. Der alte Postbank-Tower trägt das Kürzel M50, die beiden neuen Büro- und Geschäftsbauten firmieren unter M40 und M60.

    Das achtgeschossige Haus M40 entsteht nach Plänen des Büros Robert Neun Architekten als sogenanntes Holz-Hybrid-Haus, also in einer Mischung aus Holz und Beton. Neben bepflanzten Dächern ist ein offener Innenhof vorgesehen, der als das „grüne Herz“ des Gebäudes angekündigt wird. „Unser Holz-Hybrid-Haus M40 wird ab Frühjahr 2023 rasant wachsen“, sagt Lena Brühne. „Zu diesem Zeitpunkt werden die Holzverbundelemente angeliefert, die wie Legosteine aufgebaut werden.“ Bis zum Jahr 2024 soll das Gebäude fertig sein, die anderen beiden der Art Invest ebenfalls.

    Der 24-geschossige Büroturm, der jetzt das Kürzel M50 trägt, wird nach Plänen des Architekten Eike Becker umgestaltet. Er richtet sich dabei nach dem Vorgänger-Bau. „Die Architektur vom M50 greift den Stil des Oberpostdirektors Prosper Lemoine auf, nach dessen Plänen das Objekt entwickelt wurde“, sagt Lena Brühne. „Er orientierte sich dabei an der typischen Architektursprache von Mies van der Rohe, der unter anderem die Neue Nationalgalerie entworfen hat.“

    Büroturm wird im nächsten Jahr als Stahlbetonskelett dastehen

    Nach dem Auszug der Mieter aus dem Turm Ende 2021 hat die Art Invest zunächst mit der Entkernung und Schadstoffsanierung begonnen. Diese Arbeiten dauern bis heute an. „Im nächsten Jahr wird der Turm kurzzeitig im Rohbau als Stahlbetonskelett dastehen, was sicher ein imposantes Bild abgeben wird“, so Brühne. „Zudem werden wir die oberen drei Etagen, die bislang als Techniketagen genutzt werden, abbrechen und neu aufbauen, um sie in Teilen als nutzbare Mietflächen zu entwickeln.“ Die Fassade des Büroturms wird erneuert, außerdem entsteht am Fuß des Towers ein eingeschossiger Flachbau. Dort soll neben einem Restaurant ein Fitnessstudio einziehen – mit Außenlaufbahn auf dem Dach. Oben im Turm ist eine Skybar geplant. Mit bester Sicht über die Stadt.

    „Bei der Fassade des Turms arbeiten wir mit speziellen Elementen, die vorproduziert und anschließend eingesetzt werden“, sagt Lena Brühne. Für die Montage werde ein rund 120 Meter hoher Kran eingesetzt, der an dem Hochhaus verankert wird. An der Südfassade des Büroturms sollen auf einer Fläche von 760 Quadratmetern Fotovoltaik-Elemente montiert werden, um aus Sonnenlicht Strom zu gewinnen.

    Das M60 entsteht nach Plänen des Architekturbüros Sauerbruch Hutton als achtgeschossiges Bürohaus. Im rückwärtigen Teil sind die Eigentumswohnungen der Pandion geplant. Das Besondere: Das Bürohaus soll ein „Zero-CO₂-Haus“ werden, also ein klimaneutrales Haus. Erreicht wird dies freilich durch einen gewissen Kunstgriff: Die Fotovoltaik-Elemente, die Sonnenlicht in elektrischen Strom umwandeln, sollen nämlich nicht nur auf dem eigenen Dach stehen, sondern zugleich auf den Dächern der benachbarten Degewo-Häuser.
    Autofreies Quartier heißt, dass oberirdisch keine Autos fahren

    Beim Verkehr wird Nachhaltigkeit ebenfalls großgeschrieben. „Die Macherei Berlin-Kreuzberg wird ein autofreies Quartier“, sagt Lena Brühne. Der Begriff „autofrei“ wird von der Art Invest allerdings sehr großzügig ausgelegt. Autofrei bedeute, „dass die Außenanlagen für den normalen Autoverkehr gesperrt sind“, sagt Brühne. Autos sind als Verkehrsmittel weiter eingeplant, zumindest in begrenzter Zahl. „In zwei Tiefgaragen, die von der Hauptstraße erreicht werden, entstehen 120 Stellplätze für Autos“, sagt Brühne. Sie versichert: „Wir setzen auf urbane Mobilität, weswegen wir unseren künftigen Mietern zusätzlich 800 unterirdische Fahrradstellplätze sowie Duschen und Umkleiden anbieten.“

    Das Projekt zeigt: Nachhaltigkeit spielt bei Immobilienprojekten eine immer größere Rolle. Unter anderem, weil sich viele Unternehmen das Ziel gesteckt haben, bis zu einem bestimmten Zeitpunkt CO₂-neutral zu werden. In alten Büros mit hohem Energieverbrauch lässt sich das Ziel nur schwer oder gar nicht erreichen. In neuen Quartieren wie in der Macherei schon eher. „Das Quartier richtet sich an Mieter, die neben einem hohen Anspruch an Lage, Qualität und Flexibilität der Flächen einen besonderen Wert auf ökologische Nachhaltigkeit legen“, sagt Lena Brühne. „Hier sehen wir einen wachsenden Bedarf.“ Einerseits müssten viele Unternehmen immer höhere Anforderungen im Bereich CO₂-Emissionen erfüllen, was sich natürlich auch in ihren Flächen widerspiegeln müsse. Andererseits sei Klimagerechtigkeit ein „ganz wesentlicher Aspekt für junge Berufseinsteiger“, so Brühne. „Sie legen viel Wert auf ihren eigenen Carbon Footprint, auch an ihrem Arbeitsplatz.“

    Die Wohnungen der Degewo entstehen im rückwärtigen Teil des Areals auf insgesamt drei Baufeldern mit jeweils zwei Häusern. „Die Rohbauarbeiten für die Baufelder eins und drei haben begonnen“, sagt eine Degewo-Sprecherin auf Anfrage. „Im Frühjahr 2023 wird Richtfest gefeiert und der Innenausbau kann beginnen.“ Die Arbeiten auf Baufeld zwei sollen im Februar 2023 starten. Geplant sei, dass die neuen Wohnhäuser ab Mitte 2024 übergeben werden. Dann beginne auch die Vermietung.
    Degewo baut 75 Prozent Sozialwohnungen

    75 Prozent der Wohnungen, die die Degewo errichtet, sollen als Sozialwohnungen entstehen und für eine Kaltmiete ab 6,50 Euro je Quadratmeter vermietet werden. Der Entwurf für die Wohnhäuser stammt vom Büro Dahm Architekten + Ingenieure. Nach ihren Plänen entstehen Wohnungen mit einer Größe von 35 bis 105 Quadratmetern.

    Die Pandion baut keine Mietwohnungen, sondern Eigentumswohnungen. „Wir planen insgesamt 86 Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen für Paare und Familien“, erklärt eine Unternehmenssprecherin. Die Wohnungen sollen zwischen 46 und 95 Quadratmeter groß sein. Die Baugrube für das Projekt sei fertig. Im Januar 2023 solle der Rohbau beginnen. Zum genauen Start der Vermarktung der Wohnungen und zum Fertigstellungtermin könne man aktuell aber noch keine Auskunft geben, so die Sprecherin.

    Postbank-Hochhaus (Berlin)
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Postbank-Hochhaus_(Berlin)

    Blaue Augen
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Blaue_Augen?searchToken=2wqimfpy2l6ptlnzu8q7191bk

    https://www.youtube.com/watch?v=uaEiVAODN-A

    #Berlin #Kreuzberg #Hallesches_Ufer #Großbeerenstraße #Stadtentwicklung #Architektur #Privatisierung #Gentrifizierung #Wohnen #Immobilien

  • Polizei nimmt zehn neue Blitzer in Betrieb – vor allem im Berliner Osten
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/mobilitaet-verkehr-raser-temposuender-polizei-nimmt-zehn-neue-blitz

    20.12.2022 von Peter Neumann - Raser aufgepasst: Die Zahl der Tempomessanlagen steigt deutlich. Auch bei den halbstationären Geräten gibt es kräftigen Zuwachs – trotz Vandalismus.

    Wer gern zu schnell mit dem Auto durch die Stadt fährt, muss an weiteren Stellen damit rechnen, geblitzt zu werden. Die Zahl der Geschwindigkeitsmessanlagen steigt in Berlin deutlich an, teilte die Polizei mit. So wird die Zahl der stationären Blitzer allein bis zum Ende des kommenden Jahres um rund ein Drittel zunehmen – vor allem im Osten Berlins. Auch bei den semistationären Geräten, die in Form von rollbaren Anhängern an Straßen aufgestellt werden, ist ein kräftiger Zuwachs in Sicht, sagte Frank Schattling von der Landespolizeidirektion. Die Polizei berichtet aber auch von Vandalismus – und davon, dass Tempomessungen in bestimmten Bereichen auf Schwierigkeiten stoßen.

    Abzocke, Wegelagerei, Willkür gegenüber Autofahrern: Frank Schattling, der bei der Berliner Polizei seit vielen Jahren für das Thema Verkehrssicherheit zuständig ist, kennt die Argumente. „Wir stellen Blitzer dort auf, wo es notwendig ist, einen Anlass gibt“, entgegnet er. Zum Beispiel dort, wo notorisch gerast wird oder wo es wegen erhöhter Geschwindigkeit mehr Zusammenstöße gibt als anderswo.

    So ist es zum Beispiel an der Kreuzung Kurfürstendamm/Cicerostraße in Wilmersdorf. Nachdem sich an diesem Knotenpunkt zum Teil schwere Unfälle ereignet haben, ließ die Polizei dort jüngst ein Tempomessgerät aufstellen. Auch an der Landsberger Allee in Lichtenberg wurde vor kurzem ein stationärer Blitzer postiert. Er steht an der Fahrbahn stadteinwärts unweit der Einmündung der Zechliner Straße. Die dritte neue Anlage dieses Jahres steht an der Schildhornstraße in Steglitz, Fahrtrichtung A100.
    Schwerpunkte in den Bezirken Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick

    „Die drei stationären Blitzer sind montiert, es sind aber noch einige Arbeiten erforderlich“, sagte Oliver Woitzik, der ebenfalls der Stabsabteilung Verkehr angehört. So, wie es derzeit aussieht, könnten die Tempomessgeräte zu Beginn des Jahres 2023 in Betrieb genommen und scharf geschaltet werden.

    Durch die Neuanschaffungen ist die Zahl der Anlagen, die sich im Bestand der Berliner Polizei befinden, von 33 auf 36 gestiegen. Zwei ältere Blitzer sind derzeit nicht in Betrieb: Einer ist kaputt, der andere befindet sich in einem Baustellenbereich, erklärte Schattling. Die Zahl der technisch bedingten Ausfälle, die in früheren Jahren in Berlin mit bis zu 50 Prozent ziemlich hoch war, ist deutlich gesunken. „Viele Standorte sind mit moderner Technik ausgestattet worden“, erklärte Oliver Woitzik. Einige Geräte mit älterem Innenleben waren zum Teil Jahre außer Betrieb, bis sie wieder instand gesetzt wurden.

    Bei den 36 Geräten im Bestand der Polizei wird es im kommenden Jahr nicht bleiben. „Unsere Planung für 2023 sieht vor, in Berlin sieben weitere stationäre Blitzer in Betrieb zu nehmen“, kündigte Woitzik an. Davon werden fünf Geräte in Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick entlang von Raserstrecken postiert. Zwei Blitzer sind für Standorte im Westen der Stadt vorgesehen. Der Beschaffungsprozess für alle sieben Anlagen läuft. Dadurch wächst die Zahl der stationären Blitzer bis Ende 2023 auf 43.
    Mit Aufklebern vom 1. FC Union unbrauchbar gemacht

    Warum konzentrieren sich die Zuwächse auf den Osten Berlins? Zwischen den beiden Stadthälften gebe es bei den stationären Blitzern immer noch ein Ungleichgewicht, das nach und nach ausgeglichen werden soll, erklärte die Polizei.

    Dass das bei manchen Kraftfahrern nicht auf Begeisterung stößt, zeigte sich in Köpenick am Standort An der Wuhlheide/Rudolf-Rühl-Allee. Der dort stationierte Blitzer musste 2020 wieder abgebaut werden, nachdem das Gerät mehrmals beschädigt worden war. Es wurde so oft zerstört oder mit Aufklebern vom 1. FC Union Berlin unbrauchbar gemacht, dass die Polizei entschied, die Anlage umzusetzen. Die Reparaturkosten hätten die Einnahmen durch Bußgelder in einem unverhältnismäßig hohen Maße überstiegen, hieß es. Der Blitzer wurde zur Landsberger Allee, Ecke Weißenseer Weg verlagert.

    Auch einer der semistationären Blitzer der Berliner Polizei fiel Vandalismus zum Opfer. Durch Brandstiftung entstand hoher Sachschaden, hieß es. Andere Anlagen wurden mit Aufklebern beklebt oder mit Farbe besprüht. Doch weil die Messtrailer mit Alarmanlagen versehen sind, ist die Polizei meist schnell vor Ort, hieß es.

    Zurzeit gehören sechs semistationäre Blitzer zum Bestand der Polizei. Die rollbaren gepanzerten Anhänger können je nach Bedarf dort stationiert werden, wo dies nötig ist. „Ihre Zahl wird in den Jahren ab 2024 um zehn steigen“, kündigte Frank Schattling an.
    Polizei: Überwachung von abbiegenden Lastwagen ist schwierig

    Bei den stationären Blitzern zeichnet sich ebenfalls weiterer Zuwachs ab. In der Koalitionsvereinbarung hat Rot-Grün-Rot festgelegt, dass deren Zahl bis zum Ende der Wahlperiode um 60 steigen soll. Die Gesamtzahl würde dann mehr als 90 betragen. „Das werden wir schaffen“, hieß es bei der Polizei, nachdem bei den Grünen Skepsis geäußert worden war. Notwendig sei aber auch, die Bußgeldstelle personell zu verstärken. Mehr Blitzer würden nichts nützen, wenn die erhöhte Zahl der Feststellungen nicht zügig abgearbeitet werden kann. Inzwischen sei damit begonnen worden, den Personalbestand aufzustocken, sagte Frank Schattling.

    Um Unfälle zum Beispiel mit Radfahrern zu vermeiden, dürfen Lkw an Knotenpunkten nur noch in Schritttempo abbiegen. Doch dies zu überwachen, sei schwierig, gab die Polizei zu bedenken. Die Überprüfung der Fahrtenschreiber wäre ein Ansatz, das wäre aber aufwendig. Mit Handlasergeräten ließe sich das Tempo messen, allerdings wären Toleranzwerte abzuziehen – bei geringem Tempo problematisch. Zudem seien nur in einem Prozent der Abbiegeunfälle Lastwagen verwickelt. „Wir werden Kreuzungen überwachen, dann aber stets den gesamten Knotenpunkt“, hieß es.
    Die Autobahn A100 und Kurfürstendamm sind weiterhin bei Rasern beliebt

    Auch weiterhin werde sich die Berliner Polizei um gefährliche Verhaltensweisen kümmern, die das Strafgesetzbuch unter dem Paragraf 315d als verbotene Kraftfahrzeugrennen sanktioniert, kündigte Schattling an. Während dieses Jahres wurden im Zeitraum von Januar bis Ende November etwas mehr als 460 Verfahren eingeleitet. Das sind rund elf Prozent mehr als im selben Zeitraum des vergangenen Jahres, als rund 520 Rennen festgestellt wurden. Im gesamten Jahr 2020 waren es 750.

    Flucht vor polizeilichen Maßnahmen nimmt mit etwas über 40 Prozent inzwischen den Großteil ein, berichtete Schattling. Gefolgt von Einzelrennen (Anteil rund ein Drittel) und Rennen mit mehreren Beteiligten, die knapp ein Fünftel aller Fälle in Berlin ausmachen. An den Schwerpunkten hat sich dagegen nichts geändert. Die A100, der Kurfürstendamm, die Landsberger und die Nonnendammallee sind weiterhin die beliebtesten Raserstrecken in der Stadt.

    Postbank-Hochhaus (Berlin)
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Postbank-Hochhaus_(Berlin)

    Blaue Augen
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Blaue_Augen
    https://www.youtube.com/watch?v=uaEiVAODN-A

    #Berlin #Verkehr #Überwachung

  • Von Dassel muss Amt als Bezirksbürgermeister von Mitte abgeben
    https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2022/09/berlin-mitte-bezirksverordnete-buergermeister-von-dassel-abgewaehlt.html

    Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan von Dassel (Grüne), muss nach einer Stellenbesetzungsaffäre sein Amt abgeben. Die Bezirksverordnetenversammlung stimmte am Donnerstag für seine Abwahl.

    Nach rbb-Informationen stimmten 43 Bezirksverordnete für die Abwahl, Gegenstimmen gab es nicht. Vier Bezirksverordnete enthielten sich. Damit wurde die nötige Zweidrittelmehrheit klar übertroffen. Von Dassels Aufgaben übernimmt zunächst sein bisheriger Stellvertreter Ephraim Gothe von der SPD.

    Von Dassel geriet Mitte August unter Druck, nachdem sein Agieren in einem Verfahren zur Besetzung einer wichtigen Stelle im Bezirksamt durch Medienberichte bekannt worden war. Er soll versucht haben, einen bei der Stellenbesetzung unterlegenen Bewerber mit Hilfe einer Geldzahlung davon abzubringen, gegen die Entscheidung zu klagen.

    Mehrheit deutete sich bereits bei erster Lesung an

    Die Bezirksverordnetenversammlung hatte nach Bekanntwerden des Vorgangs ein Abwahlverfahren gegen den Grünen-Politiker eingeleitet, der seit 2016 im Amt gewesen ist. Bei einer ersten Lesung am 25. August hieß es aus allen Fraktionen außer der AfD, man habe das Vertrauen in den Bürgermeister verloren.

    Von Dassel hatte zur Begründung seines Kontakts zu dem unterlegenen Bewerber gesagt, ihm sei es darum gegangen, die für den Bezirk wichtige Leitung des Steuerungsdienstes im Bezirksamt möglichst schnell zu besetzen. Nach eigener Darstellung verfolgte von Dassel zunächst die Idee eines „öffentlich-rechtlichen“ außergerichtlichen Vergleichs - um einen langwierigen Rechtsstreit zu verhindern und die Stelle schnell besetzen zu können, wie er sagt.

    Grüne forderten Rücktritt

    In der BVV stieß sowohl die Idee eines privatrechtlichen Vergleichs auf Kritik als auch die Tatsache, dass die fragliche Stelle ein Grünen-Mitglied bekommen sollte, das von Dassel kannte. Der Linke-Fraktionsvorsitzende Sven Diedrich sprach von einem beispiellosen Vorgang in der Berliner Politik. „Dass ein Bezirksbürgermeister versucht, sich sein Spitzenpersonal zusammenzukaufen, ist einzigartig.“

    Auch Mitglieder anderer Parteien kritisierten das Vorgehen des 55-Jährigen scharf, seine eigene Partei forderte ihn zum Rücktritt auf. Von Dassel widersprach dem Vorhalt vehement und hatte einen Rücktritt seit Beginn der Vorwürfe abgelehnt.

    Von Dassel: Disziplinarverfahren läuft weiter

    Von Dassel sagte am Donnerstag, ihm bleibe nur, dem Kollegium des Bezirksamts viel Fortune zu wünschen und wandte sich dann an die Abgeordneten: „Ihnen kann ich nur sagen als Bezirksverordnete, seien Sie gnädig mit den BA-Mitgliedern, die in einer schwierigen Zeit immer vor Entscheidungen stehen, wo es kein einfaches Ja oder Nein gibt.“

    Vor Journalisten erklärte Dassel, das von ihm selbst angestrengte Disziplinarverfahren gegen ihn laufe weiter. „Das ist auch ein Grund, warum ich nicht zurücktreten konnte. Wenn ich zurückgetreten wäre, wäre es automatisch eingestellt worden“, sagte er. Im Fall eines Rücktritts hätte er allerdings auch keinen Anspruch auf Ruhegehalt oder sonstige Versorgungsbezüge gehabt - anders als bei der Abwahl. Von Dassel zeigte sich zuversichtlich, dass er „von allen Vorwürfen reingewaschen“ werde.

    Zu seiner Zukunft sagte von Dassel nach seiner Abwahl: „Keine Ahnung. Man bleibt ja ein politischer Mensch.“ Und es gebe viele Aufgaben, auch ehrenamtlich oder wo man Mitarbeitende in der öffentlichen Verwaltung unterstützen könne. „Ich sehe mich da weiter in der Verpflichtung, die öffentliche Hand nach bestem Wissen und Gewissen zu unterstützen.“

    Sendung: rbb24 Abendschau, 07.09.22, 19:30 Uhr

    #Berlin #Mitte #Grüne #Politik #Korruption

  • Eskalation im Berliner Taxistreit: Strafanzeige gegen Verkehrssenatorin
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/eskalation-im-berliner-taxistreit-strafanzeige-gegen-verkehrssenato

    3.8.2021 von Peter Neumann - Der Vorwurf lautet: Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Behörden in Berlin unternähmen zu wenig gegen Mietwagenbetreiber, die sich nicht an Gesetze halten.

    Dieser Streit schwelt schon seit langem in Berlin: Taxibetreiber beschweren sich darüber, dass ihnen Unternehmen, die für Uber und FreeNow fahren, einen ruinösen Wettbewerb aufdrängen. Die Verwaltung unternehme zu wenig gegen die unlautere Konkurrenz, die der Taxibranche die Luft abschnüre, heißt es. Jetzt haben sich fünf Taxibetreiber zusammengetan, um den Konflikt vor Gericht zu bringen. Die Unternehmer haben bei der Staatsanwaltschaft Berlin Strafanzeige erstattet, wie Justizsprecher Martin Steltner auf Anfrage der Berliner Zeitung bestätigte. Die Anzeige richtet sich gegen Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) sowie einen Gruppenleiter des Landesamts für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten, kurz LABO. Ihnen wird Beihilfe zur Steuerhinterziehung, zur Schwarzarbeit und zum Vorenthalten von Arbeitnehmerentgelten vorgeworfen.

    Taxi? Es gibt doch Alternativen! Wer preiswerter durch die Stadt chauffiert werden möchte, bestellt sich bei Uber & Co. einen Mietwagen mit Fahrer. Rund 5000 Fahrzeuge dieser Art, so eine aktuelle Schätzung, gibt es derzeit in Berlin. Während sich Taxifahrer an ihre Tarifordnung halten müssen, steht es der Konkurrenz frei zu bestimmen, welche Fahrpreise sie berechnet. Doch legal seien die meist niedrigeren Tarife nicht zu erwirtschaften, heißt es bei den Taxiunternehmern, die am 12. Juli Anzeige erstattet haben. Sie wittern Steuerhinterziehung und Leistungsbetrug. Das LABO als zuständige Behörde kümmere sich nicht intensiv genug um den Rechtsbruch.
    In Hamburg wird stärker kontrolliert

    246 Js 518/21: Das ist das Aktenzeichen der Strafanzeige. Einen juristischen Vorstoß mit dieser Ausrichtung hat es in Berlin bisher offenbar noch nicht gegeben. Das zeige, wie groß die Wut sei, sagte einer der beteiligten Taxibetreiber. „Hintergrund der Anzeige ist, dass in Kenntnis der Senatorin und ihres Geschäftsbereichs gegen geltendes Recht zur Vergabe von Mietwagenkonzessionen verstoßen wird“, teilte er mit. „Fahrtentgelte der Mietwagen werden in Kenntnis der Beschuldigten nicht korrekt abgerechnet. Hierdurch entsteht dem Land Berlin ein Steuerschaden in Höhe von mehreren hundert Millionen. In der Anzeige befindet sich unter anderem das Beispiel eines Mietwagenunternehmers, dem in Hamburg die Konzession entzogen wurde, in Berlin aber eine Konzession ausgestellt wurde.“ Dabei habe die Hamburger Behörde ihr Berliner Pendant informiert.

    „Wer in Hamburg eine Konzession haben will, muss unter anderem erklären, woher das Geld für das Unternehmen kommt“, so der Taxibetreiber. Dagegen werde in Berlin nur selten geprüft, ob die gesetzlichen Voraussetzungen eingehalten werden. In Berlin sei es auch die Regel, dass die fast immer türkischen, arabischen oder nordafrikanischen Fahrer schwarz arbeiten, hieß es. Sozialversicherungsbeiträge würden, wenn überhaupt, nicht vollständig abgeführt. Um sich dem Zugriff der Behörden zu entziehen, würden in den Unternehmen meist noch vor Ablauf von zwei Jahren wesentliche Positionen auf polnische Bürger umgeschrieben – und aus deutschen werden polnische Firmen. Hintermänner steuern und überwachen die Praktiken, hieß es. 

    Justiz: Von einer „Smoking Gun“ kann nicht die Rede sein

    Die Vorwürfe aus der Taxibranche seien haltlos, hieß es bei den Betreibern der Apps, bei denen Mietwagen mit Fahrer gebucht werden können. Die Fahrtaufträge gingen an Firmen, bei denen die Fahrer angestellt sind, so Uber. Die Mitarbeiter hätten alle Rechte, die ein Arbeitnehmer in Deutschland habe, und sie bekämen den Mindestlohn - oft mehr.

    „Ich zahle zehn Euro plus Prämien. Wer besonders produktiv ist, kann auf bis zu 12,50 Euro pro Stunde kommen“, erklärte der Mietwagenbetreiber Thomas Mohnke, Sprecher des Berliner Branchenverbands „Wir fahren“. Für viele Menschen mit Migrationshintergrund sei die Tätigkeit als Mietwagenfahrer eine Möglichkeit, in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse zu gelangen, betonte er. Und auch die Fahrgäste würden profitieren - indem sie neben dem Taxi ein kostengünstigeres Verkehrsmittel zur Wahl haben. Wie berichtet, wendet sich der Verband gegen die nun eröffnete gesetzliche Möglichkeit, Mindesttarife für Uber, FreeNow und Co. festzulegen. Der Senat möchte prüfen, ob er die neue Option nutzt.

    Es sei rechnerisch unmöglich, aus den derzeit üblichen Mietwagen-Fahrpreisen nach Abzug der Provisionen für die Fahrdienstvermittler den Mindestlohn zu zahlen, entgegnete der Berliner Taxiunternehmer Richard Leipold. Er formulierte es ironisch: „Manchmal habe ich den Eindruck, alte Mathelehrer drehen sich bereits so schnell in ihren Gräbern, dass sie auch als Propeller eingesetzt werden könnten.“

    „Eine solche Anzeige ist hier im Haus nicht bekannt. Wir können dazu nichts sagen“, sagte Jan Thomsen, Sprecher von Regine Günther. Welche Wirkung wird die Strafanzeige der fünf Taxibetreiber gegen die Verkehrssenatorin und den Gruppenleiter des Landesamts entfalten? Bei der Justiz gibt man sich zurückhaltend. Eine „Smoking Gun“ sei der Vorstoß wohl nicht – soll heißen: Ob die Anzeige den erwünschten Erfolg erzielen wird, sei zweifelhaft.
     
    Treffen zum Taxi-Notstand am Flughafen BER

    Immerhin: In ein anderes Taxi-Thema kommt Bewegung. Wie berichtet, gibt es am Flughafen BER zu wenig Taxis. Im vergangenen Jahr haben sich Berlin und der Landkreis Dahme-Spreewald darauf geeinigt, dass maximal jeweils 300 Taxis am neuen Airport Fahrgäste laden dürfen. Nun zeigt sich, dass selbst diese kleinen Kontingente derzeit nicht ausgeschöpft werden. Mitte August gibt es nun ein Spitzengespräch in der Senatsverkehrsverwaltung, zu dem Vertreter der Taxibranche geladen sind.

    #Taxi #Berlin #Uber #Senat #Politik #BER

  • Neues zur Wiederholungswahl - Berlin.de
    https://www.berlin.de/wahlen/pressemitteilungen/2022/pressemitteilung.1277012.php

    Pressemitteilung vom 20.12.2022

    Europarat entsendet Wahlbeobachter

    Der Kongress der Gemeinden und Regionen des Europarats (KGRE) wird Wahlbeobachter zur Berliner Wiederholungswahl am 12. Februar 2023 entsenden. Dies kündigte der Landeswahlleiter für Berlin, Stephan Bröchler, auf seinem YouTube-Kanal an: „Ich hatte angeregt, dass wir Wahlbeobachter sowohl des KGRE als auch der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) einladen. Da ich die Einladung als Landeswahlleiter selbst nicht aussprechen kann, danke ich der Senatorin für Inneres, Digitalisierung und Sport, Iris Spranger, und dem Auswärtigen Amt, dass sie meinen Vorschlag in die Tat umgesetzt haben. Zugesagt hat bereits der KGRE, die Antwort der OSZE steht noch aus.

    Nach der Pannenwahl von 2021 habe Berlin Vertrauen eingebüßt, funktionierende demokratische Wahlen zu organisieren, so Bröchler: „Mit der Wahlwiederholung können wir zeigen, dass wir aus Fehlern gelernt haben und Vertrauen in die Demokratie zurückgewinnen werden. Deshalb möchten wir uns der Beurteilung durch unabhängige Wahlbeobachtung stellen.“

    Landeswahlleiter begrüßt Entscheidung des Landesverfassungsgerichts

    Als Landeswahlleiter und als Landesabstimmungsleiter begrüßt Stephan Bröchler die Entscheidung des Landesverfassungsgerichts, dass Wiederholungswahl und Volksentscheid an verschiedenen Terminen stattfinden. Die Klage der Trägerin des Volksbegehrens auf Zusammenlegung der Termine ist gescheitert. Der Senat hatte den 26. März 2023 als Termin für den Volksentscheid festgelegt. Stephan Bröchler: „Zwei Aspekte sind mir wichtig: Erstens hat das Verfassungsgericht festgestellt, dass die Trennung der Termine nicht zu beanstanden ist. Zweitens hat das Gericht ausgeführt, dass die Entscheidung auf sachlichen und organisatorischen Erwägungen beruht.“

    Landeswahlleiter unterstützt Projekt „Erstwahlprofis“

    Der Landeswahlleiter will sich außerdem dafür engagieren, junge Bürgerinnen und Bürger Berlins für Wahlen zu gewinnen. Um eine drohende Generationenlücke zu schließen, bedürfe es einer Offensive für die 18- bis 25-Jährigen: „Diesem Ziel hat sich das Projekt Erstwahlprofis der Bertelsmann Stiftung und des Hauses Rissen verschrieben. Gemeinsam mit der Landeszentrale für Politische Bildung unterstütze ich das Projekt.“ Das Haus Rissen schult wahlberechtigte 18- bis 25-jährige Erstwählerinnen und Erstwähler für ihren Einsatz als Wahlhelfende bei der Wiederholungswahl am 12. Februar und beim Volksentscheid am 26. März 2023.

    Weitere Informationen die angeordnete Wiederholungswahlen betreffend, finden Sie auf der Homepage des Landeswahlleiters https://www.berlin.de/wahlen .

    #Berlin #politique #élections #2023

  • Liste des noms de rue berlinois à connotation antisemite
    https://img.welt.de/bin/Dossier_bn-235636290.pdf

    L’histoire allemande est inscrite dans le plan de ville de Berlin. Est-ce qu’il faut renommer les rues qui portent des noms qui nous parlent de ce passé ?

    Quand on pose cette question on rencontre systématiquement le même problème : Puisque l’antisemitisme, si on suit la définition très large en vogue actuellement, se retrouve dans les expressions et la politique de prèsque tous les contemporains du dix neuvième siècle, on risque d’arriver à la revendication absurde de renommer tous les noms de rue qui ne portent pas un nom de fleur, de ville ou d’un autre objet inoffensif au premier abord.

    Contre la volonté pleine de bonne fois qui tente d’éliminer le mal sinon dans le monde mais au moins sur les plaques de rue on oppose l’expérience qu’en ignorant son histoire on est condamné à la revivre encore et encore.

    Suivant cet argument il faudrait se battre pour préserver tous les noms de rue à l’exception peut-être de ceux portant les noms des pires crminels. Les #Adolf-Hitler-Platz ont vite disparu des plans de ville allemands en 1945. Il y en a d’autres qui survivent jusqu’aujourd’hui.

    Il reste du travail á faire.

    #Allemagne #Berlin #géographie #histoire #cartographie #antisemitisme

  • „Letzte Generation“ sägt Weihnachtsbaum am Brandenburger Tor ab
    https://www.berliner-zeitung.de/news/letzte-generation-saegt-weihnachtsbaum-am-brandenburger-tor-ab-li.2

    Ils ont mutilé le sapin officell de Berlin ! Le gouvernement réagira-t-il enfin en faisant arrêter le rechauffement du climat ? Les berlinois revendiquent le droit aux fêtes sous la neige

    21.12.2022 von Sophie Barkey - Die Klimaaktivisten sorgen am Mittwoch erneut für Aufmerksamkeit. Mit einer Hebebühne und einer Handsäge machten sie sich an der Tanne auf dem Pariser Platz zu schaffen.

    Bei einer Protestaktion der „Letzten Generation“ ist am Mittwoch die Spitze des Weihnachtsbaumes am Brandenburger Tor abgesägt worden. Mithilfe einer eigenen Hebebühne erreichten zwei Frauen den Wipfel der 15 Meter hohen Nordmanntanne, welche zentral auf dem Pariser Platz aufgestellt ist. Mit einer Handsäge trennten sie nach eigenen Angaben die oberen zwei Meter vom Rest des Baums. Auf einem an der Hebebühne angebrachten Transparent heißt es: „Das ist nur die Spitze des Weihnachtsbaums.“

    Razzia bei der Letzten Generation: „Die Polizei hat meine Tagebücher durchwühlt“

    „Letzte Generation“: Blockaden im Berliner Berufsverkehr am Dienstagmorgen

    „Wir sehen in Deutschland bisher nur die Spitze der darunter liegenden Katastrophe“, erklärt die Aktivistin Lilli Gomez mit der abgesägten Spitze des Weihnachtsbaumes in der Hand. „Während ganz Deutschland die Woche damit verbringt, die besten Geschenke aus den größten Läden zu besorgen, fragen sich andere, woher sie ihr Wasser zum Trinken bekommen, nachdem Dürren und Fluten ihre Ernte vernichtet haben. Der Klimakollaps in Deutschland steht vor der Tür und die Bundesregierung macht keinerlei Anstalten uns zu schützen“, so Gomez.

    Eine Sprecherin der Berliner Polizei sagte auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP, dass drei Aktivisten in Gewahrsam genommen worden seien. Gegen sie werde nun unter anderem wegen Sachbeschädigung ermittelt.

    Der Weihnachtsbaum vor dem Brandenburger Tor am Vorabend.

    Der Weihnachtsbaum vor dem Brandenburger Tor am Vorabend.BLZ
    „Letzte Generation“ sorgt seit Monaten für Kritik und Aufmerksamkeit

    Aktivistinnen und Aktivisten der „Letzten Generation“ sorgen mit ihren Protestformen für viel Aufmerksamkeit und Kritik. Sie blockierten in der Vergangenheit den Autoverkehr, indem sie sich auf Straßen festklebten, bewarfen Kunstwerke in Museen mit Lebensmitteln und drangen auf Flughafengelände ein. In der vergangenen Woche hatte es bei Mitgliedern der Gruppe Hausdurchsuchungen gegeben, weil die Justiz bei Aktionen gegen die Raffinerie in Schwedt strafbare Handlungen vermutet. (mit dpa)

    #catastrophe_climatique #Berlin #wtf

  • Berlin : le plus gros aquarium cylindrique du monde explose au milieu d’un hôtel, au moins 2 blessés
    https://www.bfmtv.com/international/europe/allemagne/berlin-le-plus-gros-aquarium-cylindrique-du-monde-explose-au-milieu-d-un-hote

    Haut de 25 mètres, l’"AquaDom" du Radisson Collection Hotel s’est fissuré, dans la nuit de jeudi à vendredi, dans le centre de la capitale allemande, déversant près d’un million de litres d’eau. Aucun des 1500 poissons tropicaux n’a survécu.

    Installer un aquarium de 1000 tonnes au centre d’un hôtel, franchement, qui aurait pu croire que ça se finirait mal ?

  • World Rugby in crisis after #Bernard_Laporte fined on #corruption charges
    https://www.theguardian.com/sport/2022/dec/13/world-rugby-in-crisis-after-vice-chairman-bernard-laporte-given-prison-

    World #Rugby has been thrown into crisis with Bernard Laporte suspending himself as vice-chairman after he was handed a two-year suspended prison sentence and fined €75,000 by a French court after being found guilty of corruption charges.

    The verdict comes just nine months before France hosts the World Cup, over which there now hangs a considerable cloud.

    #beauté_du_sport

  • So unterschiedlich wächst die Einwohnerzahl in den Berliner Bezirken
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/so-unterschiedlich-waechst-die-einwohnerzahl-in-den-berliner-bezirk

    13.12.2022 von Ulrich Paul - Die aktuelle Bevölkerungsprognose gibt Auskunft darüber, wie sich Berlin entwickelt. Die Vorhersage zeigt laut BUND, dass zu viele Wohnungen geplant werden.

    Berlin wächst weiter, doch von Bezirk zu Bezirk unterscheidet sich der Anstieg der Einwohnerzahl mitunter erheblich. Das geht aus der aktuellen Bevölkerungsprognose zur Entwicklung in den zwölf Bezirken hervor, die am Dienstag im Senat auf Vorlage von Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) beschlossen wurde.

    Danach steigt die Einwohnerzahl in Pankow von 2021 bis 2040 um rund 37.000 Menschen. Das entspricht einem Wachstum von neun Prozent. In Treptow-Köpenick zieht die Einwohnerzahl zwar ebenfalls um neun Prozent an, doch aufgrund der geringeren Ausgangszahl entspricht dies in absoluten Zahlen „nur“ einem Zuwachs um 25.300 Menschen.

    In Mitte wird ein Anstieg der Einwohnerzahl um 22.900 Menschen erwartet. In Lichtenberg soll die Zahl der Bürger um 19.500 Menschen steigen, in Friedrichshain-Kreuzberg um 18.000, in Marzahn-Hellersdorf um 14.200 und in Spandau um 14.050. Danach folgen Reinickendorf mit einem Plus von 11.350 Einwohnern, Charlottenburg-Wilmersdorf (plus 8800), Tempelhof-Schöneberg (7900) und Neukölln (6400). Den geringsten Anstieg bei der Einwohnerzahl sagt die Prognose für Steglitz-Zehlendorf voraus. Dort ist lediglich ein Zuwachs von 1900 Bürgern zu erwarten.
    Fast vier Millionen Einwohner im Jahr 2040 in Berlin

    „Berlin wächst weiter“, sagte der Stadtentwicklungssenator, „aber mit sehr starken lokalen Unterschieden.“ Allein Pankow wachse in der Größenordnung einer Stadt wie Stendal. „Das bringt viele Herausforderungen mit sich, die wir gemeinsam und in einer stadtweiten Anstrengung lösen müssen.“ Zum Beispiel beim Wohnungsbau, bei der Kita- und Schulversorgung oder beim Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs.

    Bereits am 4. Oktober hatte der Stadtentwicklungssenator die Bevölkerungsprognose für ganz Berlin präsentiert. Sie sagt einen Anstieg der Einwohnerzahl von 3,775 Millionen im Jahr 2021 auf 3,963 Millionen im Jahr 2040 voraus. Die Bevölkerungsprognose stützt sich auf Erkenntnisse von Experten aus Wissenschaft und Praxis und wurde von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in Zusammenarbeit mit dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg erarbeitet. Drei Varianten wurden dabei erarbeitet. Für die weitere Planung orientiert sich der Senat an der mittleren Variante, weil sie die weitere Entwicklung „mit der höchsten Wahrscheinlichkeit“ abbilde. Im Jahr 2030 sollen in Berlin demnach 3,909 Millionen Menschen leben.

    Der Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND) zieht auf Grundlage der Bevölkerungsprognose die bisherige Neubauplanung in Zweifel. Wie berichtet, plant der Senat den Bau von 200.000 Wohnungen bis zum Jahr 2030. Diese Zahl ist laut BUND aber zu hoch. Bei einem für Berlin erwarteten Bevölkerungsstand von 3,909 Millionen Menschen im Jahr 2030 müssten bei einer durchschnittlichen Haushaltsgröße von 1,75 Personen bis dahin insgesamt 143.727 Wohneinheiten neu errichtet werden, rechnet der BUND vor. Aber nicht 200.000.
    BUND: Bis 2040 werden 184.584 Wohnungen benötigt

    Im gesamten Prognosezeitraum bis 2040 müssten insgesamt 184.584 neue Wohnungen gebaut werden, wenn in 18 Jahren wie erwartet 3,963 Millionen Menschen in der Hauptstadt wohnen. Eingerechnet sei sogar der durch Abrisse oder Umbauten von der Senatsverwaltung angenommene Abgang von 1000 Wohneinheiten jährlich.

    #Berlin #Stadtentwicklung #Stadtplanung #Demographie #Wohnen

  • Die Stimme des Ostens – Tamara Danz von Silly
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/die-stimme-des-ostens-tamara-danz-von-silly-li.297354


    Aujourd’hui on fête le soixante dixième anniversaire de Tamara Danz la chanteuse rock la plus importante de la RDA.

    14.12.2022 von Jens Blankennagel - Tamara Danz hätte die Tamara-Danz-Straße in Berlin vielleicht nicht sehr gemocht. Der Name der bekanntesten und besten Sängerin der DDR-Rockmusik passt nicht so ganz zu dieser unscheinbaren Nebenstraße im kalten kapitalistischen Herzen des neuen Berlin.

    Tamara Danz war berühmt für ihre wilde Frisur und vor allem für ihre kraftvolle Stimme, die so kalt sein konnte und doch auch so zu Herzen gehend. Berüchtigt war auch ihr unbeugsamer Wille, für ihre Band Silly alles zu erreichen. Legendär war ihr politisches Engagement, mit dem sie am Ende der DDR zu einer Stimme der Reformwilligen wurde. Und überraschend war ihr Krebstod im Juli 1996 – mit gerade einmal 43 Jahren. Am 14. Dezember dieses Jahres wäre Lenore Tamara Danz, geboren in einem kleinen Dorf in der Nähe des thüringischen Breitungen, 70 geworden.

    Ausgerechnet dieser Frau, die für eine menschlichere und gerechtere Welt sang und kämpfte, wurde diese Straße gewidmet. Gerade noch so im Osten Berlins, genau neben dem Mercedes-Platz mit dem Zalando-Hauptsitz und der Verti Music Hall. Der ist das Herz des sogenannten Entertainmentviertels an der East Side Gallery in Friedrichshain. Ein Ort, der so gar nicht für das raue, düstere, kühne, abgedrehte Ost-Berlin von Tamara Danz steht, sondern für kaltes Neonlicht, für flimmernde Werbebildschirme, die über vier Etagen reichen, und für gesichtslose Glas-Beton-Bauten, die an jeder Einkaufsmeile dieser Welt stehen könnten.

    Die Straße ist in Frauenhand

    Doch an diesem Abend im Jahr 2022 hätte es Tamara Danz hier sicher gefallen. An diesem Abend ist die Straße in Frauenhand: Da ist zum einen der Name ihrer Straße, und da ist Billie Eilish, die gleich nebenan in der Arena ein Konzert gibt. Die unangepasste 20 Jahre alte Sängerin ist zum Superstar des noch recht jungen Jahrzehnts aufgestiegen. Sie wird von 14.000 Fans gefeiert. Meist sind es Frauen.

    Und da ist Zoe Jamileh, 23, eine Berliner Straßenmusikerin, die auf der Tamara-Danz-Straße mit ihrer Gitarre unermüdlich Lieder singt. Ihre eigenen, aber vor allem Coverversionen von Klassikern. Zoe Jamileh sagt: „Ich kenne Tamara Danz zwar nicht, aber das passt doch gut.“ Dann singt sie mit kraftvoller Stimme „Stronger Than Me“ von Amy Winehouse.

    Auch bei Tamara – wie sie von ihren Fans nur genannt wurde – ging es anfangs nur um ihre Stimme, ihre Stimmgewalt. Sie sang in einigen Bands und im Oktoberklub, einer linientreuen Singegruppe, die mit ihren Liedern helfen wollte, die Jugendlichen der DDR zu sozialistischen Persönlichkeiten zu machen.

    1978 holte die Familie Silly Tamara Danz als Sängerin. Als Frontfrau dieser Band war sie nun nicht mehr eine von vielen Stimmen im Hintergrund des Oktoberklubs. Sie wurde die prägnanteste Frauenstimme der DDR und gern auch als Rockröhre bezeichnet. Kraftvoll, cool, aber auch empathisch. 

    Oftmals fangen Bands engagiert an, mit hochfliegenden Träumen. Und wenn ihnen dann ein Hit gelingt, richten sie sich im schönen Leben der Stars ein. Nicht so Silly. Die Gruppe begann als Unterhaltungsband am Schwarzen Meer, spielte in Bulgarien und Rumänien vor Urlaubern aus dem Ostblock zum Tanz auf. Der Legende nach hörte sie dort ein Mann von einer West-Plattenfirma, und die Band kehrte mit einen West-Vertrag in die DDR zurück. Nun war klar: Ihr Album musste auch im Osten veröffentlicht werden. Der Rest ist Musikgeschichte.

    Ein Album zu veröffentlichen, war im Osten ungleich schwerer als im Westen, auch aus politischen Gründen und wegen der Zensur. Die Bands mussten entweder besonders angepasst oder besonders gut und beliebt sein. Die Familie Silly gehörte zu den Musikern mit Anspruch. Selbst ihre Säuferhymne „Ich bin der letzte Kunde“ mit dem Mitgröl-Refrain ist viel schlauer, trauriger und realistischer als die vielen belanglosen Albernheiten der damaligen Neuen Deutschen Welle.

    Bald hieß die Band nicht mehr Familie Silly, sondern nur noch Silly – und von da an entwickelte sie sich zu einer der musikalisch und textlich anspruchsvollsten Bands des offiziellen DDR-Rock. Und da war immer diese Stimme. Zwar hatten die Jungs von Silly die Band gegründet, aber Tamara Danz war es, die den Unterschied machte: The Voice. Die Gruppe wurde vom Staat gefördert und hofiert, machte aber keinen angepassten Ost-Pop, sondern Musik, die aufhorchen ließ. Auch im Westen.

    Der West-Berliner Fotograf Jim Rakete – auch Bandmanager von Spliff, Nina Hagen, Nena und Die Ärzte – hat einmal begeistert erzählt, wie verblüfft er war, als er zum ersten Mal das Lied „Mont Klamotte“ hörte, das Titelstück des zweiten Silly-Albums. Ein Song über einen künstlichen Berg im Herzen von Berlin, der nach dem verlorenen Weltkrieg von den Trümmerfrauen aus dem Schutt der Ruinen zusammengekarrt wurde.

    Der Song beginnt ruhig und kühl und steigert sich zu einem Rockgewitter mit schneidenden Gitarren. Wer ihn hört, versteht auch heute noch, warum Jim Rakete damals geplättet war. Solche Musik, die sich quer zu allen Trends stellt, gibt es nicht allzu häufig. Und als Jim Rakete hörte, dass die Band aus dem Osten Berlins kam, war er noch mehr überrascht. Er sagte, dass er sich zuvor nie darum geschert hätte, was es hinter der Mauer im Osten – keine drei Kilometer von seinem Studio in Kreuzberg entfernt – an Musik gab. Rakete wurde der Fotograf und West-Manager von Silly.

    Gründungsversammlung des Komitees fürGerechtigkeit im BerlinerCongress Centrum 1992, auf dem Podium unter anderen: Stefan Heym, Tamara Danz,Peter-Michael Diestel, GregorGysi und Rio Reiser.ullstein bild

    Es waren die Texte, die die oft ungewöhnliche Musik von Silly erdeten. Texte über Frauen wie „Die wilde Mathilde“ oder „So ’ne kleine Frau“, klug, poetisch, ehrlich. Tamara Danz trug sie so leidenschaftlich und überzeugend vor, dass kaum jemand auf die Idee kam, dass sie von einem Mann stammten. Von Werner Karma, dem vielleicht besten Songtexter der späten DDR.

    Texte, die den vorher üblichen Schwulst der 70er-Jahre weit hinter sich ließen, die lebensnah waren und sich nicht anbiederten an die Staatsräson oder an den Zeitgeist. Texte, die weise waren und doch eingängig, in denen jedes Wort den richtigen Platz hatte und zu deren Refrains die Musiker von Silly dann Melodien zimmerten, die hängen blieben. Auch bei Leuten, die lieber die etwas dreckigere Variante des Ostrocks hörten, etwa die Band Pankow oder Punk von Feeling B.

    Tamara Danz war nicht nur eine selbstbewusste Frau mit Berliner Schnauze, sondern auch äußerst zielstrebig. Sie machte Silly zu ihrer Band, wurde zur unangefochtenen Chefin. Nach und nach wechselte sie alle Musiker aus, weil sie andere besser fand oder weil sie sich in sie verliebt hatte. Sie wurde von anderen Bands durchaus gefürchtet, weil sie immer auf der Suche nach den besten Musikern war – für Silly.

    Tamara Danz trat selbstbewusst auf wie ein Alphatier, und das in Zeiten, in denen das bei Frauen nicht üblich war, schon gar nicht in einer so männlich dominierten Branche wie der Rockmusik. Und sie war nacheinander mit zwei Mitgliedern ihrer Gruppe liiert, ohne dass die Band zusammenbrach.
    Schutz vor der Stasi

    Zum Ende der DDR meldete sich Tamara Danz verstärkt politisch zu Wort. Die Zeit um 1989 wurde von einer winzigen Gruppe mutiger Oppositioneller geprägt. Sie fanden sich zu kleinen Demos zusammen, die sich schnell zu Massenkundgebungen auswuchsen und schließlich zu einer friedlichen Revolution führten, in der nicht ein Schuss auf Demonstranten fiel.

    Etwa 50 Musiker, darunter auch Silly, verfassten dann die Resolution der Rockmusiker, in der sie klar und deutlich mehr Freiheitsrechte einforderten. Die Verfasser wurden vom Staat bedrängt und mitunter drangsaliert, viele Musiker lasen den Text dennoch bei ihren Konzerten vor. Nun kamen auch Jugendliche, die gar nicht auf DDR-Rock standen, zu den Konzerten, um mit ihrer Anwesenheit die Bands vor der Stasi zu schützen.

    Dann der Mauerfall, die große Freiheit und der Kampf um die Macht und die politische Deutungshoheit in einem kollabierenden Staat. Die einen wollten die schnelle Vereinigung mit der Bundesrepublik, die Bürgerbewegungen eher eine eigenständige DDR. Dafür trat auch Tamara Danz ein, die eine Zeit lang öfter auf politischen Podien zu sehen war als auf Rockbühnen. Sie saß in einer Reihe mit Schriftstellern wie Stefan Heym oder Christa Wolf und warb für einen menschlichen Sozialismus.

    Sie war ganz oben in der öffentlichen Wahrnehmung, sie wurde gehört. Doch die Idee einer eigenständigen DDR interessierte immer weniger Leute. Bei der ersten freien Wahl der DDR am 18. März 1990 gewannen nicht die Bürgerbewegungen, sondern das konservative Bündnis um die CDU.

    Dann kam der „Sommer der Deutschen Mark“, und viele DDR-Bürger reisten mit dem ersten Westgeld in ihren ersten Sommer der Freiheit. Nachdem sie zurückgekommen waren, wurde die DDR am 3. Oktober offiziell Teil der Bundesrepublik. Nun wurden die Reden der Bürgerrechtler, Intellektuellen und Künstler über einen Dritten Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus noch weniger gehört.

    Auch für Tamara Danz war es der größtmögliche anzunehmende Absturz. Eben war sie noch wichtig gewesen, wurde nach ihrer Meinung gefragt; nun verschwand sie aus der öffentlichen Wahrnehmung. Und die Lieder der Band aus den Playlists der Radiosender. Nach dem Mauerfall gingen die Blicke der meisten Ostdeutschen erst mal nur nach Westen. Es gab viel nachzuhören und nachzuholen, kaum jemand hörte noch Ostrock.

    Und was machten Tamara Danz und ihre Jungs von Silly? Irgendwann wieder Musik. Nun wechselte die Sängerin auch den letzten Mann aus, den Texter Werner Karma, um endlich ihre eigenen Texte zu schreiben. Sie erkrankte an Krebs, doch noch vor der Diagnose schrieb sie Texte, die wie eine düstere Vorahnung klingen: „Gib mir Asyl hier im Paradies, hier kann mir keiner was tun. Gib mir Asyl hier im Paradies, nur den Moment, um mich auszuruh’n.“

    Ganz am Ende, mit dem letzten Album mit Tamara, erreichten Silly noch einmal ein breiteres Publikum. Tamara Danz starb am 22. Juli 1996. Nach ihrem Tod sagten viele: Es war falsch, dieser früher so wichtigen Ost-Stimme seit Jahren nicht mehr zugehört zu haben.

    Die Band Silly machte mit anderen Sängerinnen wie Anna Loos, Julia Neigel und Anna R. weiter. Gute Stimmen, aber keine hat annähernd das Charisma von Tamara Danz, die nun 70 Jahre alt geworden wäre.

    Und sicher würde sie sich ein wenig über ihre kleine Straße am Mercedes-Platz freuen. Mehr Ehre geht kaum. Und irgendwie ist dieser Ort nicht völlig falsch: Denn die Straße beginnt an der berühmten East Side Gallery, dem fast letzten Stück der Berliner Mauer. Ein Ort, an dem auch in der Nacht des Konzerts von Billie Eilish viele Leute an den riesigen Wandbildern vorbeigehen, um nachzuspüren, wie es denn war mit der Mauer und mit Ost und West. Das passt doch ganz gut zu Tamara.

    https://www.youtube.com/watch?v=PbLFg2lIgho

    https://fr.m.wikipedia.org/wiki/Tamara_Danz

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