• Berliner Rechtsanwalt Kay Reese zieht vor Gericht: Sind diese Radarfallen nur Bluff-Blitzer? | Berliner-Kurier.de
    https://www.berliner-kurier.de/berlin/kiez---stadt/anwalt-kay-reese-zieht-vor-gericht-sind-diese-radarfallen-nur-bluff-

    Berlin - Noch fix über die Ampel düsen, obwohl die soeben auf Rot geschaltet hat? Oder schneller durch die Stadt fahren als erlaubt? Wer bei diesen Vergehen geblitzt wird, wird zur Kasse gebeten oder muss sogar seinen Führerschein abgeben. Allerdings nicht bei jedem Blitzer. Denn einige Berliner Starenkästen sind offenbar nicht legal.

    Vergangenen Dienstag zog der Berliner Rechtsanwalt Kay Reese vor Gericht, weil einer seiner Mandanten am Tiergartentunnel geblitzt worden war. In der Verhandlung kam dann heraus, dass „ein Mitarbeiter des Eichamtes der Polizei Berlin untersagt hat, diesen Blitzer zu verwenden“, so Anwalt Reese zum KURIER.

    Der prominente Berliner Strafverteidiger Kay Reese zog am vergangenen Dienstag vor Gericht, weil einer seiner Mandanten am Tiergartentunnel geblitzt worden war. 

    Denn bei einem Blitzer müsste nach dessen Aufstellung anhand einer „sogenannten Konformitätserklärung sichergestellt werden, dass das Gerät nach den Vorgaben des Herstellers in einer bestimmten Art und Weise aufgestellt“ worden sei. Das ist bei dem fraglichen Blitzer am Reichpietschufer an der Einfahrt zum Tiergartentunnel „nicht der Fall gewesen“, so der Strafverteidiger weiter.

    Daher wurde das Verfahren gegen seinen Mandanten, einen Amazon-Fahrer, eingestellt. Keine Strafe, keine Punkte, kein Führerscheinentzug. Es ist nicht der einzige Blitzer, der nach Ansicht des Rechtsanwalts derzeit illegal ist. So fehlt auch bei einem weiteren Blitzer am Reichpietschufer, nur wenige Meter weiter, ebenfalls besagte Konformitätserklärung. Auch dieser Blitzer, so Reese, sei „rechtlich angreifbar“.

    Bei einem weiteren Blitzer am 17. Juni seien in der Vergangenheit ebenfalls mehrere Verfahren eingestellt worden, weil das Gerät zeitweise falsch aufgestellt gewesen sei. Zwar, so schränkt der Jurist ein, würden sich einige Richter nicht um die „fehlende Konformitätserklärung scheren“. Allerdings würden „acht von zehn Richtern“ Verfahren in Zusammenhang mit den Blitzern vom Reichpietschufer derzeit einstellen.

    Auch ein weiterer Blitzer zum Tiergartentunnel darf laut Eichamt ebenfalls derzeit nicht benutzt werden. 

    In jedem Fall, betonte Reese, rate er „dringend vom Begehen von Straftaten ab“. Trotzdem könne man „als Bürger verlangen, dass sich der Staat an seine Regeln hält“. Denn niemand wolle „zu Unrecht bestraft werden, weil ein Blitzer falsch eingestellt ist“.

    #Berlin #Verkehr #Recht #Blitzer


  • Berlin : Zalando ersetzt Mitarbeiter durch Computer | ZEIT ONLINE
    https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-03/berlin-zalando-stellenabbau-algorithmen-marketing

    C’est un exemple typique pour le genre de travail qui est en train de disparaître à cause des algorithmes et de l’intelligence artificielle : Le marketing par email est de plus en plus géré par les machines.

    Der Onlinemodehändler Zalando will verstärkt Algorithmen Aufgaben übernehmen lassen, für die bisher Menschen eingesetzt wurden – etwa das Versenden von Werbe-E-Mails. Produkte würden künftig personalisierter mit Algorithmen beworben und die Marketingabteilung werde umgebaut, teilte das Unternehmen mit. Zuvor hatte faz.net darüber berichtet.

    Am Berliner Standort des Unternehmens werden demnach zwischen 200 und 250 Stellen von der Umstrukturierung betroffen sein. Die Mitarbeiter sollen in andere Bereiche versetzt werden oder Aufhebungsverträge bekommen, sagte Co-Chef Rubin Ritter. Der Onlinehändler beschäftigt weltweit etwa 15.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 6.000 in Berlin.

    Trotz der Umstrukturierung will das Unternehmen weitere 2.000 Mitarbeiter einstellen, davon die meisten in der Hauptstadt, wo sich Zalando gerade ein neues Hauptquartier baut. „Wir gehen davon aus, dass Marketing in Zukunft noch datenbasierter sein muss. Dafür brauchen wir einen höheren Anteil an Entwicklern und Datenanalysten“, sagte Ritter.

    Der Onlinehändler will laut Manager Moritz Hahn die gesammelten Daten seiner Kunden nutzen, um sie noch personalisierter anzusprechen. Zudem sollten die Landesgesellschaften von Zalando beim Marketing eigenständiger werden.

    #Allemagne #Berlin #travail


  • Anschlag auf Zalando-Zentrale am Ostkreuz – B.Z. Berlin
    https://www.bz-berlin.de/berlin/friedrichshain-kreuzberg/anschlag-auf-zalando-zentrale-am-ostkreuz

    Unbekannte Angreifer haben in der Nacht zu Dienstag die Zalando-Zentrale in der Nähe des Ostkreuz (Friedrichshain) mit Steinen attackiert und die Hauswand beschmiert. Insgesamt zwölf Fensterscheiben wurden zerstört.

    Als ein Mitarbeiter gegen 1.40 Uhr den Schaden an dem Gebäude an der Neuen Bahnhofstraße entdeckte und die Polizei alarmierte, waren die Täter bereits geflüchtet.

    Gegen Mittag tauchte dann auf einer einschlägigen Internetplattform ein Bekennerschreiben auf. Darin werfen die linken Aktivisten dem Unternehmen unter anderem vor, „an Prozessen der Verdrängung beteiligt“ zu sein. Auf einem Schriftzug an der Hauswand hieß es außerdem „Gegen die Stadt der Reichen“.

    In den vergangenen Wochen war es in Berlin mehrfach zu Attacken auf Autos und Gebäude von Versandunternehmen gekommen. Vor zwei Wochen attackierten Unbekannte das Amazon-Büro in der Krausenstraße in Berlin-Mitte. Außerdem gingen wiederholt Amazon-Transporter in Berlin in Flammen auf.

    Der Staatsschutz hat in der Sache die Ermittlungen übernommen.

    #Allemagne #Berlin #disruption #politique



  • Zille-Museum
    http://zillemuseum-berlin.de

    Das  Zille Jahr 2019 wurde am 161. Geburtstag von Heinrich Zille, am 10. Januar, mit einer neuen Sonderausstellung „Siehe. So leben Menschen.“ eröffnet!  2019 jährt sich auch der 90. Todestag des Künstlers.

    ZiLLEMUSEUM | Propststraße 11  | D-10178 Berlin
    täglich 11.00—18.00 Uhr  |  daily 11am – 6pm

    https://www.openstreetmap.org/node/1476011662

    #Berlin #Kunst #Geschichte



  • Milieuschutzbeirat gefordert: Linke bringt Antrag zum Schutz der Bewohner in die BVV ein - Tempelhof-Schöneberg
    https://www.berliner-woche.de/tempelhof-schoeneberg/c-politik/linke-bringt-antrag-zum-schutz-der-bewohner-in-die-bvv-ein_a197476

    Die Linken möchten, dass die Mitglieder des Milieuschutzbeirates nach einem öffentlichen Aufruf zur Beteiligung vom Bezirksamt vorgeschlagen werden. Die BVV solle diese anschließend für die Dauer der jeweiligen Wahlperiode wählen. Angedacht sind bisher mindestens zwei Tagungen im Jahr.

    „Wir brauchen unbedingt ein Gremium, das die bisherigen Erfahrungen im Bezirk im Umgang mit Milieuschutzgebieten bündelt und evaluiert, Antworten auf offene Fragen nach außen hin kommuniziert und den Bezirk beratend begleitet. Es ist wichtig, dass die Menschen im Bezirk erfahren, dass sie in einem Milieuschutzgebiet leben und die Möglichkeiten des Instruments kennenlernen“, so die stadtpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Dr. Christine Scherzinger. „Ein Milieuschutzbeirat könnte sich durch die Sammlung von Problemen und Möglichkeiten ein öffentliches Gehör auf Bezirk-, Landes- und Bundesebene verschaffen und beispielsweise bei der Verschärfung der Kriterien bei Genehmigungen mitwirken."

    Im Bezirk sind momentan folgende acht Milieuschutzgebiete ausgewiesen: Barbarossaplatz/Bayerischer Platz, Bautzener Straße, Kaiser-Wilhelm-Platz, Schöneberger Insel, Schöneberger Norden, Schöneberger Süden, Grazer Platz und Tempelhof. Modernisierungsmaßnahmen sowie Umwandlungen von Miet- in Eigentumswohnungen sind dort jeweils genehmigungspflichtig.

    #Berlin #Tempelhof-Schöneberg #wohnen #Immobilien


  • Neubau-Projekt: Baustart für eine Stadtvilla in Dahlem - Steglitz-Zehlendorf - Berliner Morgenpost
    https://www.morgenpost.de/bezirke/steglitz-zehlendorf/article216370149/Neubau-Projekt-Baustart-fuer-eine-Stadtvilla-in-Dahlem.html

    Die Arbeiten an der Podbielskiallee 38a haben planmäßig begonnen. In dem Neubau entstehen bis Frühjahr 2020 vier Maisonettewohnungen.
    ...
    Vor den Wohnungen liegt ein Privatgarten, der über die knapp 20 Quadratmeter große Terrasse betreten werden kann. Mittelpunkt des Gartens mit seinem alten Baumbestand ist eine eindrucksvolle, aus der Gründerzeit des Dahlemer Villenviertels stammende Blutbuche.

    „Die historische Entwicklung Dahlems vom Dorf hin zum Villenviertel und international anerkannten Wissenschaftsstandort ist in Berlin einzigartig und hat diesen Ortsteil damit zu einer der besten Adressen Berlins gemacht.“, sagt David Borck, ebenfalls geschäftsführender Gesellschafter der David Borck Immobiliengesellschaft. Trotz der idyllischen Lage sei auch das KaDeWe in nur 13 Minuten mit der U-Bahn zu erreichen.

    Knapp fünf Millionen Euro werden in den Neubau investiert, der Kaufpreis beginnt ab etwa 7000 Euro pro Quadratmeter .

    #Berlin #Dahlem #Podbielskiallee #wohnen #Immobilien


  • Taxi oder Berlkönig: Taxifahrer in Berlin fühlen sich vom BVG-Angebot bedroht | Berliner Zeitung
    https://www.berliner-zeitung.de/berlin/verkehr/fahrdienste-in-berlin-taxifahrer-fuehlen-sich-vom-bvg-berlkoenig-be

    Man könnte sagen, für Richard Leipold lag das Geld mal auf der Straße. Aber seit ein paar Jahren wird es weniger. Der Taxifahrer konkurriert zunehmend mit anderen Fahrdiensten um Gäste. Sein neuester Rivale in den östlichen Bezirken von Berlin heißt Berlkönig, ein Shuttle-Service der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). „Da haben wir so viel Überlebenschance wie ein Schneeball in der Hölle“, sagt Leipold, der auch Sprecher der Berliner Taxi-Vereinigung ist.

    Fragt man in der Senatsverwaltung für Verkehr nach, soll es in Berlin keinen Grund für einen Konflikt zwischen Taxifahrern und Berlkönigen geben. Die Behörde hat den Sammel-Shuttle und das Westberliner Pendant, das Clevershuttle, zum Test für maximal vier Jahre genehmigt. Wie viele Menschen steigen noch ins eigene Auto? Wie wirkt sich das auf Taxigeschäft, Verkehr und Umwelt aus? Auf diese Fragen will die Behörde Antworten finden. Ziel sind - wie im Mobilitätsgesetz festgeschrieben - weniger Autos in der Stadt.

    Berlkönig und Clevershuttle: Billiger durch Berlin

    Dafür bringt die Verwaltung aber erst einmal mehr Fahrzeuge auf die Straße. Insgesamt 130 der diesel- und elektrobetriebenen Tester mischen sich derzeit in den Verkehr der Stadt. Schwarze Berlkönige mit dem BVG-üblichen blau-rot-schwarzen Tarnprint und grüne Clevershuttles. Per App wird der Platz gebucht. Die zeigt einem auch die virtuelle Haltestelle an, an der Fahrgäste eingesammelt werden.

    Anders als beim Taxi sitzen die Fahrgäste nicht allein, sondern mit anderen im Auto. Auf dem Weg kann zu- oder ausgestiegen werden. Kosten: 1,50 Euro pro gefahrenen Kilometer, mindestens aber vier Euro - der Beförderungsdienst ist billiger als ein Taxi.

    Berlkönig als Ergänzung zu Bus und Bahn

    Sorgen über Straßen voller Berlkönige, leere Bahnen und arbeitslose Taxifahrer macht sich die BVG erstmal nicht. „Der Berlkönig ist ein Ergänzungsangebot zu Bussen und Bahnen. Das Taxi spricht ganz andere Leute an“, sagt eine Sprecherin.

    Wie Busse und Bahnen ist auch der Berlkönig ein Zuschussgeschäft. „Die Fahrpreise decken die Kosten längst nicht“, sagt die BVG-Sprecherin. Trotzdem ist man bei den Verkehrsbetrieben in Jubelstimmung. Das Angebot würde „extrem gut angenommen“, 120.000 Nutzer hätten die App runtergeladen, 190.000 Fahrten seien gebucht worden. „Wir sind selber überrascht“.

    Den Algorithmus und die Fahrzeugflotte liefert ViaVan - eine Kooperation zwischen Daimler und dem US-amerikanischen Start Up Via. Eigenen Angaben zufolge ist das Joint Venture mit seinem Angebot in mehr als 40 Städten auf der Welt erfolgreich unterwegs.

    Daimler ist mit dem Projekt nicht allein, immer mehr Konzerne wollen offenbar gemeinsam mit öffentlichen Unternehmen einen Fuß auf den neuen Markt setzen. Geldgeber hinter Clevershuttle wiederum ist die Deutsche Bahn. Und in Hamburg startet Volkswagen im April in Kooperation mit dem Hamburger Verkehrsverbund den Shuttledienst Moia. Auch in der deutschen Hauptstadt wollte Moia 500 ihrer gelben Elektrobusse auf die Straße bringen, wurde aber von der Senatsverwaltung für Verkehr abgewiesen.

    Taxifahrer: Berlkönig zerstört auch ÖPNV

    Leipold leuchtet die Euphorie bei der BVG über den Erfolg des Berlkönigs nicht ein. Die Sammel-Shuttle grüben nicht nur den Taxifahrern die Gäste ab, sondern auch Bussen und Bahnen und zerstörten so das bestehende ÖPNV-Angebot. Taxifahrer stünden plötzlich in Konkurrenz mit Mercedes Benz und der öffentlichen Verwaltung, die in ihrer Preispolitik viel flexibler seien. Als Gewinner stünden am Ende allein die großen Unternehmen dar, die Daten über das Fahrverhalten abgriffen.

    Auch in der rot-rot-grünen Berliner Koalition ist man sich über den Berlkönig uneinig. Eine „Kannibalisierung des öffentlichen Nahverkehrs“ befürchtete ein SPD-Abgeordneter bei der letzten Sitzung im Berliner Landesparlament. Ein CDU-Abgeordneter wollte die Wagen in Randbezirke verbannen, wo es tatsächliche Lücken im öffentlichen Nahverkehr zu stopfen gebe. Auch Taxifahrer Leipold findet das eine gute Option.

    Die Rechtsanwältin Alexandra Decker sieht durch die neuen Akteure die Grundversorgung im ÖPNV bedroht. Private Unternehmen träfen Entscheidungen danach, ob sich ein Geschäft lohne. „Taxifahrer haben aber per Gesetz eine Beförderungspflicht“, so Decker. Gerade darum schütze sie das Personenbeförderungsgesetz. „Zur praktischen Erprobung neuer Verkehrsarten oder Verkehrsmittel“ könnten aber Ausnahmegenehmigungen erteilen werden, heißt es im Gesetz. Mit einer solchen laufen Berlkönig und Clevershuttle. Für die Zeit nach der Testphase brauche es eine Gesetzesänderung, ist sich Decker sicher.

    Eine Erfolgsgeschichte erwartet Decker auch dann nicht und wagt eine Prognose: „Die BVG ist höchstwahrscheinlich weiter auf finanzielle Unterstützung von ViaVan angewiesen. Für Daimler wiederum ist der Berlkönig abseits der hippen Stadtteile aber kaum lohnend.“ Aktuell gehe es dem Konzern nur um Daten - „dafür zahlt er gerne drauf“. (Anne Pollmann, dpa)

    #Berlin #Berlkönig #Verkehr


  • Wie Wolfgang Scheffler das Projekt Wannseevilla in Berlin sabotierte | Berliner Zeitung
    https://www.berliner-zeitung.de/berlin/machtkampf-mit-joseph-wulf-wie-wolfgang-scheffler-das-projekt-wanns


    Die Eingangshalle der Villa am Wannsee mit Marmorkamin gehörte 1956 zum Schullandheim Neukölln. Schülerinnen und Schüler sitzen dort, wo am 20. Januar 1942 fünfzehn hochrangige NS-Vertreter eintrafen, um die Judenvernichtung zu koordinieren.

    A partir de 1950 les alliés de l’Ouest rendent les biens immobiliers à la ville de Berlin ou les mettent à disposition de la nouvelle université Freie Universität qui doit concurrencer la prestigieuse Humboldt Universität à l’Est. Deux poignées de ces villas sur les lacs servent comme centres aérés pour les enfants berlinois issus de familles qui n’ont pas les moyens de partir en vacances.

    C’est toujours vrai quand un conflit bizarre oppose deux responsables au sujet du villa qui a acceuilli la conférence sur les détails de l’organisation de l’extermination des juifs de’Europe connu sous le nom Wannsee-Konferenz .

    Wie selbstverständlich führe ich heutzutage ausländische Gäste in das Haus der Wannseekonferenz. Gelegen Am Großen Wannsee Nr. 56 wurden dort am Mittag des 20. Januar 1942 die Beschlüsse zur „Endlösung der Judenfrage“ gefasst. Reinhard Heydrich, Chef des Reichssicherheitshauptamts, leitete die Besprechung zum Zweck des Völkermords. Die wichtigsten Ministerien wurden von ihren Staatssekretären vertreten. Adolf Eichmann führte das Protokoll. Acht der 15 versammelten Herren trugen einen Doktortitel; im Durchschnitt waren sie 41 Jahre alt.

    Nach dem Besuch des Schreckensorts und der gut gemachten und informativen Ausstellung zeige ich meinen Gästen gern das 1940 „arisierte“, nur wenige hundert Meter entfernte Sommerhaus des Malers Max Liebermann. Dort nehmen wir dann Kaffee und Kuchen zu uns, am liebsten bei Sonnenschein im historisch rekonstruierten Garten. So lässt sich vom Schock „Wannseekonferenz“ leichter in das sanftere Terrain deutsche Juden, Kultur und Kaiserreich hinüberleiten. Zusammengenommen lautet die heutige Botschaft beider Institutionen: Hier präsentieren sich die Deutschen bürgerlich und selbstkritisch aufgeklärt.

    Abgrund Auschwitz

    Bis es soweit war, musste viele Jahre und Jahrzehnte lang gestritten werden. Nachdem der Senat die Villa Liebermanns 1972 an einen Tauchverein verpachtet hatte, setzte erst in den 90er-Jahren ein langsames, von privater Seite initiiertes Umdenken ein. 2002 zog der Tauchverein aus, zuvor hatte er dem Berliner Senat eine passende Liegenschaft als Ersatz abgetrotzt.

    Wesentlich dramatischer verlief die Geschichte des Hauses der Wannseekonferenz. Die Gedenkstätte dort wurde 1992 eröffnet, nachdem das Haus von 1952 bis 1988 dem Bezirk Neukölln als Schullandheim gedient hatte. Der erste, 1966 gestartete Versuch, dort an die nationalsozialistischen Verbrechen zu erinnern, scheiterte an allgemeiner Gleichgültigkeit, an der West-Berliner Stadtregierung, an intriganten Mitinitiatoren und schließlich auch an der von den 68ern popularisierten „Faschismustheorie“.

    Letztere verstehe ich als Fluchtbewegung der ersten Nachkriegsgeneration vor dem Abgrund Auschwitz: Für etwa zehn Jahre machten die 68er aus dem urdeutschen Nationalsozialismus einen angeblich internationalen Faschismus, der in Washington, Saigon und Teheran gemeinsam mit den „Freiheitsbewegungen in der Dritten Welt“ bekämpft werden musste. Der große Vorteil bestand darin, dass für diesen „Faschismus“ keine deutschen Namen standen, sondern fremdländische wie Lyndon B. Johnson, Richard M. Nixon, Ngo Dinh Diem oder Reza Pahlavi, Schah von Persien.
    „Abreißen, diese Schreckensstätte“

    Zurück zur Wannseevilla. Im August 1966 kündigte der Präsident des Jüdischen Weltkongresses Nahum Goldmann seinen Besuch in West-Berlin an. Bei dieser Gelegenheit wollte er den Vorschlag des Schriftstellers und Historikers Joseph Wulf unterstützen, in der Villa am Großen Wannsee ein „Internationales Dokumentationszentrum zur Erforschung des Nationalsozialismus und seiner Folgeerscheinungen“ einzurichten.

    Wulf war 1912 in Chemnitz zur Welt gekommen und wurde 1938 als Jude polnischer Staatsangehörigkeit nach Polen abgeschoben. 1939 geriet er abermals in deutsche Klauen, überlebte das Krakauer Ghetto, das KZ Auschwitz (Häftlingsnummer 114866) und die Todesmärsche. 1945 blieb er zunächst in Polen, später verschlug es ihn nach Paris und 1952 nach West-Berlin. Seit er 1945 in Warschau die Zentrale Jüdische Historische Kommission mitbegründet hatte, lautete Wulfs Lebensziel: Dokumentation der Naziverbrechen, der deutschen Herrschaft in Polen und des Judenmords.

    Auf den von Goldmann prominent unterstützten Vorschlag Wulfs reagierte im Oktober 1966 der Präsident des Deutschen Bundestages, Eugen Gerstenmaier (CDU), mit heute kaum noch vorstellbarem deutschen Nachkriegsbrutalismus. Er forderte: „Da kommt nur eines in Frage, nämlich das Haus abzureißen, so dass keine Spur von der Schreckensstätte übrigbleibt.“

    Dieser Ansicht widersprach der Berliner Senat umgehend, allerdings aus materiellen Gründen. Im Auftrag des Regierenden Bürgermeisters Willy Brandt teilte Bürgermeister Heinrich Albertz (SPD) mit: „Der Senat ist der Ansicht, dass durch den Abriss eines Hauses im Werte von mehr als einer Million Mark, in dem sich jetzt ein Landschulheim befindet, die Vergangenheit nicht bewältigt wird.“ Statt um Häuser solle man sich „mehr um die Menschen kümmern, die das Schreckliche in diesen Häusern taten“.

    Der Sender Freies Berlin (SFB) konfrontierte Goldmann mit folgender Frage zur Wannseevilla: „Glauben Sie nicht, dass Sie der Neuköllner Jugend, die sich seit 1952 im Schullandheim aufhält, einen schlechten Dienst erweisen, wenn Sie sie aus diesem Haus heraushaben wollen?“ Goldmann reagierte gelassen, während der SPD-Bürgermeister von Neukölln und der SPD-Landesvorsitzende Kurt Mattick den Vorschlag, in der Wannseevilla eine Dokumentationsstätte einzurichten, „für völlig unsinnig“ erklärten.

    Willy Brandt hielt sich in seinen öffentlichen Stellungnahmen zurück. Denn er wusste genau, dass er mit solchen Themen in der damaligen Bundesrepublik jede Wahl gegen die CDU/CSU verlieren müsste. Außerdem verhandelte er bereits um die Große Koalition mit Kurt Georg Kiesinger und wurde im Dezember 1966 Außenminister.
    Männer und Frauen bei einer Ausstellung.

    Weder für die SPD noch für bürgerliche Zeitungen, jedoch für viele damalige Deutsche typisch titelte die NPD-eigene Deutsche Wochen-Zeitung im November 1966 „Rachedenkmal statt Kinderheim. Ein neues Haus des Hasses in Berlin“ und bemerkte zu Joseph Wulf: „Herr Wulf ist einer der von den USA inthronisierten, von der gesamten West-Berliner Prominenz gefürchteten politischen Bußapostel. Wulfs besessene Angriffe richten sich von jeher ausschließlich gegen die ‚Nazi-Vergangenheit‘, die nach seinem Willen ,niemals zur Ruhe kommen‘ darf.“

    Derweil blieb Wulf nicht untätig. Er suchte nach prominenten deutschen und internationalen Unterstützern. So gewann er Karl Jaspers, Gideon Hausner, den Ankläger im Eichmannprozess, Robert M. W. Kempner, Rechtsanwalt und Nürnberger Ankläger, Golo Mann, den niederländischen Historiker Luis de Jong, Rabbiner Joachim Prinz, Eduard Goldstücker, Bischof Kurt Scharf, Eugen Kogon, Max Horkheimer, Fritz Bauer, Heinz Galinski, Alfred Grosser und viele andere.

    Einer aus diesem illustren Kreis soll speziell hervorgehoben werden: Rechtsanwalt Horst Mahler. Nach zwischenzeitlichen linksradikalen und linksterroristischen Umwegen sitzt der mittlerweile 82-Jährige heute wegen hartnäckiger öffentlicher Leugnung des Holocaust in Strafhaft.

    Die prominenten Namen nützten nichts. Ende 1967 erklärte der Regierende Bürgermeister Klaus Schütz: „Es ist ein Schullandheim geworden, liegt darin nicht auch eine Bedeutung?!“ Zwar könne er sich mit einer Dokumentationsstelle anfreunden, nicht jedoch mit „einer makabren Kultstätte“ am Wannsee. Ende 1967 offerierte der Senat Wulf und seinen Mitstreitern zwei Grundstücke in der Nähe der Freien Universität. Doch blieb die Haltung der Berliner Behörden weiterhin auf Verzögerung bedacht. So scheiterte das Projekt.

    Jüdischer Initiator verleumdet

    Aber warum stieß Joseph Wulf zunehmend auf taube Ohren? Wie ich im vergangenen Jahr zufällig herausfand, intrigierte besonders ein Mitglied des Trägervereins „Internationales Dokumentationszentrum“, das Wulf 1966 selbst angeworben hatte, gegen ihn: der Historiker und als Gerichtsgutachter in NS-Prozessen tätige Dr. Wolfgang Scheffler. „Persönlich! Streng vertraulich!“ schrieb er am 16. Oktober 1969 an den Regierenden Bürgermeister Schütz, zu Händen Senatssprecher Peter Herz: „Ich bitte zu berücksichtigen, dass Herr Wulf bis zum heutigen Zeitpunkt (…) mit voller Absicht nicht über den Stand der Verhandlungen unterrichtet wurde. (…) Darüber hinaus muss ich feststellen, dass ein von Herrn W. geleitetes Institut, wie ich aus vielen Gesprächen mit in- und ausländischen Kollegen weiß, mit Sicherheit auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen wird.“

    Scheffler ging noch weiter und behauptete, „dass ein Institut unter der alleinigen Leitung von Herrn Wulf die zukünftige wissenschaftliche Arbeit nur diskreditieren könnte“ und „binnen kurzem zum Scheitern verurteilt wäre“. Diesem Brief folgten weitere Verleumdungen Wulfs, dem Scheffler seine eigenen, nämlich „selbstsüchtige Motive“ unterstellte. (Quelle: Nachlass Scheffler, Bd. 4,Bundesarchiv Koblenz)
    Ein deutscher Neid-Professor

    Wolfgang Scheffler wollte selbst Direktor des zu gründenden Instituts werden und Wulf unmöglich machen. Dieser erkannte erst langsam, was hinter seinem Rücken gespielt wurde. Scheffler gelang weder eine Institutsgründung, noch brachte er ein größeres wissenschaftliches Werk zuwege, erlangte aber 1986 eine Professur am Zentrum für Antisemitismusforschung in Berlin.

    Zu diesem Zeitpunkt war Joseph Wulf bereits zwölf Jahre tot. Wie Scheffler in einer ansonsten zutiefst verlogenen Würdigung 1989 „Über den Publizisten Joseph Wulf“ – Publizist! Angeblich kein Historiker! – zutreffend schrieb, nahm sich dieser „angesichts des Todes seiner Frau und der Aussichtslosigkeit seiner beruflichen Existenz“ das Leben. Am 10. Oktober 1974 war Joseph Wulf isoliert und verzweifelt aus einem Fenster seiner im 4. Stock gelegenen Wohnung in der Berliner Giesebrechtstraße gesprungen.

    Und Scheffler, der Wulfs berufliche Möglichkeiten jahrelang hinterhältig sabotiert hatte, schämte sich nicht, diesen Schlusssatz über einen deutlich begabteren und produktiveren jüdischen Kollegen, einen Überlebenden des Holocaust, zu schreiben: „Die Umstände seines Todes erinnern an den verzweifelten Todessprung seiner Leidensgenossen aus den Fenstern der brennenden Häuser des Warschauer Ghettos.“

    30 Jahre Forschung und Dokumentation

    Die Bibliotkek der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, 1992 in der Villa eröffnet, trägt den Namen von Joseph Wulf, der 1966 einen Verein zur Erforschung des Nationalsozialismus gegründet hatte.

    Die ständige Ausstellung „Die Wannsee-Konferenz und der Völkermord an den europäischen Juden“ informiert über die Ausgrenzung, Verfolgung, Vertreibung, Ghettoisierung und Vernichtung der Juden 1933–1945.

    Die aktuelle Sonderausstellung mit dem Titel „Großbürgerliche Lebenswelten“ und NS-Dienststellen“ erinnert an Villen und ihre Bewohner am Wannsee, darunter Angehörige des jüdischen Großbürgertums.

    #Allemagne #Berlin #Wannsee #Am_Großen_Wannsee #shoa #Westberlin #éducation #enfants


  • Forschungsprojekt bei Justizverwaltung in Berlin: Suche nach Nazis in 150 alten Personalakten | Berliner Zeitung
    https://www.berliner-zeitung.de/berlin/forschungsprojekt--tauchten-nazi-juristen-nach-kriegsende-in-berlin

    Berlin - Tauchten Nazi-Juristen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in der Berliner Justizverwaltung unter? Nutzten sie dort noch vorhandene Netzwerke, beeinflussten sie sogar die Arbeit der Justiz?

    Diese Fragen sollen nun in einem Forschungsprojekt der Freien Universität (FU) und der Humboldt Universität (HU) beantwortet werden. Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) stellte dafür am Montag je 50.000 Euro für dieses und das kommende Jahr zur Verfügung.

    „Die Leute, die nach der NS-Zeit in der Berliner Justizverwaltung gearbeitet haben, sind 1945 schließlich nicht vom Himmel gefallen. Sie hatten eine Vergangenheit. Uns interessiert: welche“, sagte Behrendt bei der Vorstellung des Projekts. Vermutlich sei in Berlin eine hohe Anzahl von NSDAP-Mitgliedern in Amt und Würden geblieben. „Es ist wichtig für die Berliner Justiz, sich diesem vielleicht auch schmerzhaften Prozess zu stellen. Womöglich werden wir feststellen, dass es erhebliche NS-Seilschaften und inhaltliche Einflussnahmen gegeben hat“, sagte er.

    #Allemagne #Berlin #justice #nazis #histoire


  • Taxifahrten in Berlin: Fahrer Akin kämpft gegen Fischgerüche an | Berliner Zeitung
    https://www.berliner-zeitung.de/berlin/taxifahrten-in-berlin-man-riecht--wenn-vorher-ein-fischhaendler-dri

    Öfter mal saubermachen Kollege, möchte man sagen. Wenns riecht hält man an und putzt das Auto inklusive Sitze und Dachhimmel. Früher war das anders, da stanken die Raucherkutschen nach Tabakqualm und gut war. Andere Gerüche hatten keine Chance, auch nicht der Wunderbaum. Heute putzen wir Scheiben, Innen und Außenseite des Autos beinahe täglich. Die Welt ist halt besser und sauberer geworden, oder ?

    Ich fahre gern und viel mit dem Taxi. Man sitzt bequem, hört Musik und kann, wenn man will, ein wenig mit dem Fahrer plaudern. Und es riecht nicht so streng wie in Bussen und Bahnen. Das dachte ich jedenfalls bis vor einigen Tagen.

    Da holte mich Akin von zu Hause ab, ein Mann, den ich bereits kenne. Er ist nicht sehr groß, freundlich und stammt aus der Türkei. Irgendwann war er mit seiner Frau nach Berlin gekommen und geblieben. Er spricht gut Deutsch, sein Stolz sind die Kinder. Die Tochter studiert erfolgreich irgendetwas mit Verwaltung. Ihr jüngerer Bruder geht noch zur Schule. Akin fühlt sich wohl in Berlin, ist glücklich und sagt es auch.

    Sie stieg aus dem Taxi aus, der frische Geruch blieb
    Ich stieg jedenfalls am Vormittag in sein Auto ein und machte es mir auf der Rückbank, soweit das möglich war, bequem. Doch im Fahrzeug roch es anders als sonst. Es war ein Mix aus Parfüm, Haarlack und Frische. Der Geruch war nicht unangenehm. Er glich dem beim Friseur.

    Akin fiel auf, dass mir der Duft gefiel. Er lächelte. Kurz darauf erzählte er, dass er vor meiner Tour von einer älteren Dame geordert worden war. Sie wollte vom Friseur zurück in ihr Hotel gebracht werden. Sie stieg aus, ihr Duft blieb.

    Drei Tage später reagierte Akin auf meine Bestellung über den Taxiruf wieder als erster. Ich kam aus dem Büro und wollte nach Hause. Wir freuten uns, als wir uns sahen und begannen sofort über die Familie zu reden. Aber die Frische im Auto war verflogen. Nun roch es streng, nach Fisch. Akin war es peinlich.

    Die Fischhändler stiegen aus dem Taxi, der miefige Geruch blieb
    Er erzählte, dass er kurz zuvor zwei Fischhändler aus Mecklenburg-Vorpommern chauffiert hatte, die ihre Ware auf einem Markt erfolgreich feil geboten hatten. Geduscht hatten sie nicht. Der Mief stand wie eine Mauer im Auto.

    Ich schlug Akin spaßeshalber vor, dass er doch von nun an einfach nur noch Fischhändler oder Angler mit ihrem Fang kutschieren sollte. Immerhin sind 4000 Angler im Verband Berlin-Brandenburg organisiert.

    Die Idee fand Akin aber doof und wollte sich nicht darauf einlassen. Er überlegte, ob er vielleicht doch noch zu einer Tankstelle fahren wolle, um dort einen kleinen bunten Pappbaum zu erwerben. Eigentlich mag er den industriellen Duft dieser Bäume überhaupt nicht. Aber er sehe keine andere Chance, die Geruchsbelastung zu unterbinden. Er müsse sich wohl im Interesse der Kundschaft fügen.

    Der Taxifahrer will noch keinen Duftbaum, lieber friert er
    Doch dann sah er eine Werbung – und wollte versuchen, das Problem später auf der Fruit Logistica in den Messehallen am Funkturm zu lösen. Die Fachmesse findet noch bis zum Freitag statt. Zur größten europäischen Exponatenschau auf diesem Gebiet werde es wohl Fahrgäste geben, die keinen Fisch, sondern duftendes Obst verkaufen und anschließend dessen Geruch mit sich tragen.

    Bei der nächsten Fahrt war klar zu riechen, dass er noch keinen Fruchthändler erwischt hatte. Fischgeruch hält sich sehr lange. Für Akin heißt es nun weiterhin: Fahren mit offenem Fenster. Denn noch will Akin keinen Duftbaum. Lieber friert er.

    #Berlin #Taxi #Anekdoten


  • Berlin-Lichtenberg: Wo Hans Rosenthal die Nazizeit überlebte - Berlin - Tagesspiegel Mobil
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/berlin-lichtenberg-wo-hans-rosenthal-die-nazizeit-ueberlebte/23915668.html

    05.02.2019 - von Susanne Vieth-Entus

    Die Laubenkolonie ist nicht mehr da – aber dafür liegt nicht weit entfernt die 32. Grundschule Lichtenberg. Bald wird sie seinen Namen tragen. Ein Besuch.

    Sabina Ballauf muss nur kurz ihren Mantel holen, dann geht’s die Schultreppe runter, und schon nach zwei Minuten steht sie zwischen zwei Bäumen auf einer winzigen Grünfläche, wo nichts zu sehen ist. Doch wegen ihr sind wir hier.

    „Hier ungefähr muss sie gewesen sein, die Laube“, sagt Ballauf und deutet vor sich ins Gras. Und dann erzählt sie, was ihr widerfahren ist, seitdem die Schule einstimmig beschlossen hat, den Namen des Mannes anzunehmen, der ganz in ihrer Nähe zwei Jahre lang vor den Nazis versteckt wurde.

    Hans Rosenthal: „Ich fuhr nach Lichtenberg, ging die Wege zwischen den Kleingärten entlang und klingelte an Frau Jauchs Laube.“

    Es war der 27. März 1943, als Hans Rosenthal verschwand, um zu überleben: Da ging er zu Ida Jauch, von der seine Großmutter wusste, dass sie ihren Enkel nicht nur nicht verraten, sondern ihn beschützen und mit ihm ihre wenigen Essensmarken teilen würde. So kam es dann auch – bis die 58-Jährige überraschend starb und der inzwischen 19-jährige Rosenthal eine neue Zuflucht suchen musste. Er fand sie in der Laubennachbarschaft bei Maria Schönebeck, einer Freundin Jauchs, die ihn ebenso beschützte.

    Dass Hans Rosenthal, einer der beliebtesten und erfolgreichsten Quizmaster der siebziger und achtziger Jahre, der schon eine Radiolegende gewesen war, als er seine Fernsehkarriere startete, dass dieser Hans Rosenthal jüdisch war und die NS-Zeit nur deshalb überlebte, weil er sich in der damaligen Laubenkolonie „Dreieinigkeit“ verstecken konnte – all das wurde erst richtig bekannt, als er seine Autobiographie „Zwei Leben in Deutschland“ veröffentlichte.

    In der Nähe erinnert eine Tafel an Rosenthal und seine Retterin
    Aber auch das ist nun schon fast 40 Jahre her und würde wohl langsam in Vergessenheit geraten, wenn es nicht immer wieder Menschen gäbe, die an ihn erinnern wollen: So war es, als der Platz vor „seinem“ Sender in Schöneberg seinen Namen erhielt, und so war es, als das Stadtbad Schöneberg, in dem Rosenthal nach dem Krieg endlich schwimmen lernen durfte, nach ihm benannt wurde. Und jetzt ist es wieder so.

    Und wieder gibt es einen direkten örtlichen Bezug – eben weil sich die Laube nur einen Steinwurf von dem Platz entfernt befand, an dem inzwischen eine Schule steht, die ihren Namen sucht.

    Nun liegen die Dinge nicht so, dass dieses Schulgebäude nie einen Namen gehabt hätte. Schließlich steht es schon 45 Jahre, davon zunächst als Polytechnische Oberschule „Willi Sänger“ und dann als Selma-Lagerlöf-Schule. Aber 2018 zog die Lagerlöf-Schule um und machte Platz für die „11G32“. Wobei das prosaische Kürzel bedeutet, dass man es mit der 32. Grundschule in Lichtenberg zu tun hat.

    Bevor die frisch gegründete Schule das Gebäude übernehmen konnte, hatte die neue Leiterin Sabina Ballauf ein provisorisches Büro in der benachbarten Schule am Roederplatz. Vor der befindet seit 2011 eine Gedenktafel für Hans Rosenthal und seine Retterinnen – neben Jauch und Schönebeck noch Emma Harndt, die den jungen Mann mit der „Berliner Morgenpost“ versorgte.

    Diese Tafel bewirkt, dass zumindest in der Umgebung hier im Ortsteil Fennpfuhl, die Erinnerung an Rosenthals Rettungsgeschichte fortwirkt.

    „Wenn ich heute auf mein Leben zurückblicke, waren es diese drei Frauen aus der Kolonie Dreieinigkeit.....deren Hilfe es mir bis heute möglich gemacht hat, nach der für uns jüdischen Menschen so furchtbaren Zeit unbefangen in Deutschland zu leben... Denn diese Frauen hatten ihr Leben für mich gewagt.“

    Zwar wird die Namensgebung erst am 8. Mai gefeiert, aber intern ist alles klar. „Wir finden, dass diese Geschichte in den Köpfen und Herzen der Menschen exemplarisch für die Schicksale von Millionen Menschen weiterleben muss. Und dabei geht es nicht nur um Antisemitismus. Es geht darum, dass niemand ausgeschlossen werden darf. Jeder Mensch hat das Recht, in Würde zu leben“, heißt es auf der Homepage der Schule, die ihre Namensgebung damit erst vor wenigen Tagen öffentlich machte.

    „Ich habe eine besondere Verbundenheit mit der Schule“

    Lange bevor es soweit war, hatte sich Ballauf an Gert Rosenthal gewandt, der mit seiner Familie als Rechtsanwalt in Berlin lebt. Sie wollte wissen, ob er einverstanden damit wäre, diese Schule nach seinem Vater zu benennen.

    Was sie nicht wissen konnte, als sie sich auf den Weg machte: Er würde nicht nur einverstanden sein, sondern sogar zum Unterstützer der Schule werden: Rosenthal ist inzwischen schon Mitglied der Schulkonferenz und nimmt viel Anteil an der gesamten Entwicklung: „Er kümmert sich ganz stark um unsere Schule. Er mag uns sehr“, sagt Sabina Ballauf, und dass Gert Rosenthal mit seiner Familie zur Feierstunde im Mai kommen werde.

    „Ich habe eine besondere Verbundenheit mit der Schule“, bestätigt Gert Rosenthal später am Telefon, und es klingt wie selbstverständlich, dass sich der Jurist aus Charlottenburg und die Schulgemeinschaft aus Lichtenberg auf besondere Art zusammengehörig fühlen.

    Hans Rosenthal hat seinen einzigen Sohn nach seinem kleinen, von den Nazis ermordeten Bruder benannt: Gerts Deportation war für Hans der Auslöser, unterzutauchen: „Gert ist schon abtransportiert. Wir haben nie wieder etwas von ihm gehört“, sind Rosenthals Worte, als er bei Ida Jauch an der Laubentür klingelte. Rosenthal wollte, dass nichts von alledem vergessen wird.

    Den Schülern die Geschichte erklären

    Darum veröffentlichte er mit 55 Jahren seine Autobiographie. Es ist dieses Buch, das es Ballauf und ihrem Kollegium um vieles leichter machen wird, den Schülern die Geschichte zu erklären, die zu ihrem Schulnamen gehört. Denn Rosenthal erzählt von seinen schrecklichen Jugendjahren, ohne seine Leser in Schrecken zu versetzen.

    Und es sind gerade die Kapitel über sein Leben im winzigen Verschlag, der zur Laube gehörte, die es auch Acht- oder Zehnjährigen ermöglichen, sich diesem Schicksal zu nähern.

    „Das Schönste für mich war, wenn es nachts Luftalarm gab und die feindlichen Flugzeuge kamen. Dann gingen die anderen in einen Bunker, und ich konnte die Laube verlassen.“

    Sabina Ballauf hat jetzt viel zu tun, und das liegt nicht nur daran, dass ihre junge Schule rapide wächst, was ihr – angesichts des leergefegten Lehrermarktes – einen besonders hohen Quereinsteigeranteil beschert.

    Es liegt auch nicht nur daran, dass sie jetzt jede Menge Halbjahreszeugnisse schreiben und auf die Umbenennungsfeier hinarbeiten muss. Vielmehr muss sie jetzt mit den Kollegen und den Schülern rasch herausfinden, wie man Rosenthals Lieblingsfarbe – es war Blau – ins neue Schullogo integriert, das auch noch entworfen werden muss.

    Wahrscheinlich ist das Ganze ein ziemliches Pensum, aber Ballauf sagt nur: „Wir sind eine unheimlich coole Schule“.

    #Berlin #Lichtenberg #Geschichte #Nazis


  • #métaliste sur les #villes-refuge

    (v. aussi cette compilation : https://seenthis.net/messages/675436)

    Des articles plus théoriques sur les villes-refuge :
    https://seenthis.net/messages/705769#message737077
    https://seenthis.net/messages/705769#message751607
    https://seenthis.net/messages/705769#message751608
    https://seenthis.net/messages/705769#message757468
    https://seenthis.net/messages/674762
    https://seenthis.net/messages/478438
    https://seenthis.net/messages/675436#message759148
    https://seenthis.net/messages/675436#message759152
    https://seenthis.net/messages/675436#message759157
    https://seenthis.net/messages/675436#message759158
    https://seenthis.net/messages/656848
    https://seenthis.net/messages/656848#message705607
    https://seenthis.net/messages/478438

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    Associations et appels :

    #ANVITA, #association_nationale_des_villes_et_territoires_accueillants :
    https://seenthis.net/messages/705769#message726383
    https://seenthis.net/messages/759638

    City Initiative on Migrants with Irregular Status in Europe (#C-MISE) :
    https://seenthis.net/messages/727455#message727456

    #ICORN :
    https://seenthis.net/messages/705769#message751609
    #International_Cities_of_Refuge_Network

    #Eine_Stadt_für_Alle
    https://seenthis.net/messages/705769#message756231

    #Guide de l’hospitalité du collectif #Le_Perou :
    https://seenthis.net/messages/675436#message714073

    #Convention_sur_l'accueil de #Grande-Synthe
    https://seenthis.net/messages/675436#message759150
    https://seenthis.net/messages/675436#message759151

    Projet #APROP de Barcelone :
    https://seenthis.net/messages/675436#message759153

    En lien avec le mouvement #Right_to_the_city :
    https://seenthis.net/messages/675436#message759155

    L’alleanza dei sindaci del Mediterraneo
    https://seenthis.net/messages/759141

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    En Europe :

    Février 2019, un appel des maires de grandes villes européennes :
    https://seenthis.net/messages/759141
    #Madrid #Barcelone #Saragosse, #Valence #Naples, #Palerme, #Syracuse, #Milan #Bologne

    #Barcelone et #Valence :
    https://seenthis.net/messages/746526
    https://seenthis.net/messages/727455
    https://seenthis.net/messages/705769#message705770
    https://seenthis.net/messages/705769#message705772
    https://seenthis.net/messages/705769#message705800
    https://seenthis.net/messages/665433
    https://seenthis.net/messages/675436#message754517
    Et en général sur les villes en Espagne :
    https://seenthis.net/messages/404085

    En #Italie, les maires qui s’opposent au #décret_Salvini :
    https://seenthis.net/messages/739544
    #decreto_salvini #Decreto_sicurezza
    As well :
    https://seenthis.net/messages/705769#message712945

    Sur ce fil de discussion, plusieurs articles...
    https://seenthis.net/messages/705769
    ... petite mise en ordre à partir du fil de discussion...

    #Berlin :
    https://seenthis.net/messages/705769#message705771
    #Palerme :
    https://seenthis.net/messages/705769#message707473
    https://seenthis.net/messages/705769#message735506
    https://seenthis.net/messages/705769#message743268

    #Bilbao :
    https://seenthis.net/messages/705769#message717854

    #Gdans, #Pologne :
    https://seenthis.net/messages/568193

    #Sarajevo :
    https://seenthis.net/messages/675436#message711714
    (et on va dire que Sarajevo est en Europe...)

    #Fourneaux dans la Maurienne, qui est un village plus qu’une ville...
    https://seenthis.net/messages/675436#message759149

    #Nantes :
    https://seenthis.net/messages/656848#message705608

    #Briançon :
    https://seenthis.net/messages/759967

    #Pessat-Villeneuve :
    https://seenthis.net/tag/pessat-villeneuve

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    #USA #Etats-Unis

    #Atlanta :
    https://seenthis.net/messages/705769#message724208

    #New-York_City #NYC :
    https://seenthis.net/messages/705769#message751011
    New Sanctuary Coalition of #NYC :
    https://seenthis.net/messages/705769#message756227

    –------------------------

    Au Moyen-Orient, #Beirut :
    https://seenthis.net/messages/675436#message759154

    –--------------

    Ports-refuge

    #Naples :
    https://seenthis.net/messages/705769#message740484

    #Sète :
    https://seenthis.net/messages/675436#message714900

    #Syracuse :
    https://seenthis.net/messages/675436#message754797

    Mais évidemment, il y a aussi Palerme...

    #ports
    –---------------------

    #universités-refuge :
    https://seenthis.net/messages/731110
    #université

    –----------------

    #ville-refuge #migrations #asile #réfugiés #solidarité #résistance

    ping @isskein


  • Merkel eröffnet neue BND-Zentrale - STIMME.de
    https://www.stimme.de/dpa/infoline/topthemen/art139337,4152072


    Bundeskanzlerin Merkel und der Präsident des BND, Bruno Kahl, bei der offiziellen Eröffnung der neuen Zentrale des Bundesnachrichtendienstes

    Est-ce que les vrais espions sauront mieux protéger notre cheffe que leurs collègues du BSI ? https://seenthis.net/messages/758718

    Der Umzug des deutschen Auslandsgeheimdienstes von Pullach bei München und anderen Standorten in die moderne Zentrale in Berlin wurde im Januar mit dem Einzug der Schule für die Geheimdienstler abgeschlossen. Die Brutto-Grundfläche des BND-Gebäudes in Berlin beträgt 260.000 Quadratmeter - das entspricht der Größe von 36 Fußballfeldern. Insgesamt wurden 20.000 Kilometer Glasfaserkabel zur Vernetzung und 10.000 Kilometer Kupferkabel verlegt. Für den Umzug wurden etwa 100.000 Kartons benötigt. Nach Angaben des BND entspricht das aneinandergereiht einer Länge von 55 Kilometern. Allein aus Pullach kamen demnach knapp 32.000 Kartons.

    Bundesnachrichtendienst BND-Zentrale : Geheimdienst-Gebäude wird in Berlin eröffnet | Berliner Zeitung
    https://www.berliner-zeitung.de/berlin/eroeffnung-am-freitag-hier-sitzt-jetzt-der-geheimdienst-32006652

    Beim schrittweisen Umzug des BND waren zuvor von November 2017 bis zum Januar 2019 rund 58.000 Möbelstücke und rund 100.000 Umzugskartons in den riesigen Komplex transportiert worden. Die neue BND-Zentrale bietet Platz für 4 000 Beschäftigte. Erst 3200 Leute sind jedoch zurzeit an der Chausseestraße tätig. Nur etwa 900 Mitarbeiter sind aus dem bayrischen Pullach nach Berlin umgezogen, heißt es. 2000 sollten eigentlich kommen.

    So sucht der Nachrichtendienst für viele Stellen in der Bundeshauptstadt derzeit noch Mitarbeiter. Etwa Informatiker, Verwaltungsangestellte und Dolmetscher. Aktuelle Job-Angebote für Satelliten- und Luftbildauswerter sowie für die Fernmelde- und die elektronische Aufklärung zeigen, dass nicht nur normale Berufsbilder gefragt sind.

    #Allemagne #Berlin #espionnage #BND


  • #Giles_Duley, survivre pour mieux photographier les victimes de la guerre

    Invité par le Centre international de déminage humanitaire à l’occasion d’une conférence sur les mines à l’ONU, à Genève, le photographe britannique, triple amputé, a survécu par miracle à un engin explosif improvisé en Afghanistan. Ce tragique épisode a décuplé son empathie pour les sujets qu’il photographie et renforcé une vocation

    « Tu es un dur, tu vas vivre, buddy. » Le 7 février 2011, au cœur de l’Afghanistan. Dans l’hélicoptère qui l’emmène d’urgence à l’Hôpital des Nations unies à Kandahar, des soldats américains s’évertuent à maintenir Giles Duley en vie. Incorporé dans la 101e Division aéroportée de l’armée américaine pour photographier l’impact humanitaire de la guerre sur les civils, il vient de sauter sur une mine improvisée. Deux jambes et un bras arrachés. Transféré à Birmingham en Angleterre, il passe 46 jours aux soins intensifs. Il survit. Un miracle. Il subit 37 opérations en un an avant de pouvoir quitter l’hôpital.
    Façonner ma vie future

    Invité par le Centre international de déminage humanitaire (GICHD) à Genève à l’occasion de la 22e Conférence internationale de Mine Action réunissant plus de 300 responsables nationaux et onusiens au Palais des Nations jusqu’à vendredi, ce Britannique de 47 ans n’est pas du genre à s’apitoyer sur son sort. A l’ONU, mardi matin, équipé de ses deux prothèses, il lâchera devant un parterre plutôt rangé : « Si je n’avais plus été capable de faire de la photo, j’aurais préféré mourir en Afghanistan. »

    « J’ai d’emblée perdu mes ressources financières, ma maison, ma fiancée, poursuit Giles Duley. J’ai vécu dans une petite chambre où même ma chaise roulante ne rentrait pas. Tout le monde voulait façonner ma vie future. A moi qui avais été un sportif (boxe et athlétisme), on m’avait dit, un an après l’Afghanistan, que j’allais pouvoir désormais m’intéresser aux Jeux paralympiques de Londres de 2012. » Une remarque offensante pour lui qui voit le handicap comme l’incapacité de faire ce que l’on veut faire.

    « Or aujourd’hui, je fais ce que j’aime. Je suis un meilleur photographe qu’avant. » Dans son appartement de Hastings faisant face à la mer, ce Londonien s’en fait un point d’honneur : son appartement n’est pas aménagé spécialement pour lui. Il rappelle qu’il y a quelque temps, il posait vêtu de noir, avec les amputations visibles, sur un tronc blanc pour un autoportrait, prouvant qu’il acceptait son nouveau physique. « Au British Museum, explique-t-il, il y a bien des statues en partie abîmées qu’on continue de trouver belles. »

    Pour la seule année 2018, Giles Duley, exemple de résilience, a voyagé dans 14 pays. Avec la photo comme raison d’être, de vivre. Pour documenter les horreurs réelles de la guerre : « Je ne suis pas un reporter de guerre. Je suis anti-guerre. Je ne photographie jamais des soldats au combat. » Son empathie pour les sujets qu’il photographie est décuplée. En 2015, le Haut-Commissariat de l’ONU pour les réfugiés (HCR) lui confie un mandat pour raconter la crise des migrants de Syrie en lui donnant pour seule directive : « Suis ton cœur. » Une manière de bien cerner le personnage.

    A Lesbos, l’arrivée de migrants épuisés le touche profondément. Il le confesse au Temps : « Je n’ai pas que des blessures. Mes souffrances physiques et émotionnelles sont quotidiennes. Mais c’est précisément cela qui me connecte aux gens. » Giles Duley n’a plus la même palette de possibilités qu’auparavant. Mais il s’en accommode : « Les limites que je peux éprouver me forcent à davantage de créativité. » D’ailleurs, ajoute-t-il, « les meilleures photos ne sont pas celles qu’on prend, mais celles qu’on nous donne ».
    Une vérité, pas la vérité

    Quand, en 2014, il rencontre Khouloud dans un camp de réfugiés dans la vallée de la Bekaa au Liban, il est touché par cette Syrienne, atteinte par un sniper à la colonne vertébrale et alitée dans une tente de fortune depuis plusieurs mois. Un cliché la montre en compagnie de son mari, « une scène d’amour » davantage qu’une scène dramatique dans un camp de réfugiés, relève-t-il. Deux ans après sa première rencontre, il constate que Khouloud est toujours dans la même tente. La situation l’insupporte. Il lance une campagne de financement participatif pour lui venir en aide. Un jour, il recevra de Khouloud, médicalement traitée aux Pays-Bas, un message disant « Vous m’avez redonné ma vie. »

    Giles Duley reste honnête. Ses photos ne représentent pas la réalité, mais une réalité qu’il a choisie. Préférant le noir et blanc, il aime utiliser un drap blanc comme seul arrière-fond pour effacer tout contexte : « Si je photographie une personne dans un camp de réfugiés, on va se limiter à la voir comme une réfugiée. Or elle est bien autre chose. Elle n’est pas née réfugiée. »
    La puissance de l’esprit

    Aujourd’hui directeur de sa fondation Legacy of War, Giles Duley estime être « l’homme le plus chanceux du monde » à voir les milliers de mutilés qui croupissent dans des conditions de vie inacceptables. Dans une interview avec Giles Duley, Melissa Fleming, directrice de la communication au HCR, le relève : « Au cours de toute ma vie, je n’ai jamais rencontré une personne aussi forte, ayant été si proche de la mort et capable de recourir à la puissance de son esprit et de sa volonté pour surmonter » l’adversité.

    La vocation de Giles n’était toutefois pas une évidence. Des cinq frère et sœurs, il est le plus « difficile ». Les études ne le branchent pas, au contraire du sport. Il décroche une bourse d’études aux Etats-Unis pour la boxe, mais un accident de voiture met fin à ses espoirs. Il se lance dans la photo de groupes de rock (Oasis, Marilyn Manson, Lenny Kravitz, etc.) et de mode. Mais un jour, face à une jeune actrice en pleurs dans un hôtel londonien, il réalise que la photo de mode ne le rend plus heureux. Il abandonne, travaille dans un bar, cédant brièvement à la dépression et à l’alcool.
    A 30 ans, une nouvelle vocation

    Mais comme une bouée de sauvetage, il se souvient d’un cadeau laissé par son parrain à peine décédé quand il avait 18 ans : un appareil photo Olympus et Unreasonable Behaviour, l’ouvrage autobiographique de la légende de la photo Don McCullin. Les images du Vietnam et du Biafra le bouleversent. A 30 ans, il identifie sa nouvelle vocation : raconter par l’image l’histoire personnelle des victimes oubliées du cynisme humain à travers la planète. Pour leur donner la chance d’une nouvelle vie. Malgré les douleurs qui ne le lâchent jamais. Ou peut-être à cause d’elles.

    https://www.letemps.ch/monde/giles-duley-survivre-mieux-photographier-victimes-guerre
    #photographie #victimes_de_guerre #handicap #autonomie
    ping @albertocampiphoto @philippe_de_jonckheere


  • Es wird enger für Taxifahrer
    https://www.neues-deutschland.de/artikel/1111502.es-wird-enger-fuer-taxifahrer.html

    05.02.2019 - von Anne Pollmann - Druck auf Taxibranche nimmt zu. Zahlreiche Mietwagenunternehmen bieten Fahrdienste an und genießen Privilegien mangels staatlicher Aufsicht

    Man könnte sagen, für Richard Leipold lag das Geld mal auf der Straße. Seit ein paar Jahren wird es weniger. Der Taxifahrer konkurriert zunehmend mit anderen Fahrdiensten um Gäste. Sein neuester Rivale in den östlichen Bezirken von Berlin heißt BerlKönig, ein Shuttle-Service der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). »Da haben wir so viel Überlebenschance wie ein Schneeball in der Hölle«, sagt Leipold, der auch Sprecher der Berliner Taxi-Vereinigung ist.

    Die Shuttles werden immer mehr. Uber, Lyft, Moia und ViaVan - in vielen Städten weltweit fädeln sich die Dienste neben den öffentlichen Bussen und Bahnen in den Straßenverkehr ein. Mit teilweise dramatischen Begleiterscheinungen: In New York brachten sich mehrere Cab-Driver sogar um. Der darauffolgende Protest der Taxifahrer gegen die neuen Dienste war enorm.

    Fragt man in der Senatsverwaltung für Verkehr nach, soll es in Berlin keinen Grund für einen Konflikt zwischen Taxifahrern und BerlKönigen geben. Die Behörde hat den Sammel-Shuttle und das Pendant Clevershuttle der Deutschen Bahn, zum Test für maximal vier Jahre genehmigt. Wie viele Menschen steigen noch ins eigene Auto? Wie wirkt sich das auf Taxigeschäft, Verkehr und Umwelt aus? Auf diese Fragen will die Behörde Antworten finden. Ziel sind - wie im Mobilitätsgesetz festgeschrieben - weniger Autos in der Stadt.

    Dafür kommen erst einmal mehr Fahrzeuge auf die Straße. Insgesamt 130 der diesel- und elektrobetriebenen Tester mischen sich derzeit in den Verkehr. Schwarze BerlKönige mit dem BVG-üblichen Tarnprint und grüne Clevershuttles. Per App wird der Platz gebucht. Die zeigt einem auch die virtuelle Haltestelle an, an der Fahrgäste eingesammelt werden.

    Anders als beim Taxi sitzen die Fahrgäste nicht allein, sondern mit anderen im Auto. Auf dem Weg kann zu- oder ausgestiegen werden. Kosten: 1,50 Euro pro gefahrenen Kilometer, mindestens aber vier Euro - der Beförderungsdienst ist billiger als ein Taxi.

    Sorgen über Straßen voller BerlKönige, leere Bahnen und arbeitslose Taxifahrer macht sich die BVG erstmal nicht. »Der Berlkönig ist ein Ergänzungsangebot zu Bussen und Bahnen. Das Taxi spricht ganz andere Leute an«, sagt eine Sprecherin.

    Wie Busse und Bahnen ist auch der Berlkönig ein Zuschussgeschäft. »Die Fahrpreise decken die Kosten längst nicht«, sagt die BVG-Sprecherin. Trotzdem ist man bei den Verkehrsbetrieben in Jubelstimmung. Das Angebot würde »extrem gut angenommen«, 120 000 Nutzer hätten die App runtergeladen, 190 000 Fahrten seien gebucht worden. »Wir sind selber überrascht«.

    Den Algorithmus und die Fahrzeugflotte liefert ViaVan - eine Kooperation zwischen Daimler und dem US-amerikanischen Start Up Via. Eigenen Angaben zufolge ist das Joint Venture mit seinem Angebot in mehr als 40 Städten auf der Welt erfolgreich unterwegs.

    Daimler ist mit dem Projekt nicht allein, immer mehr Konzerne wollen offenbar gemeinsam mit öffentlichen Unternehmen einen Fuß auf den neuen Markt setzen. In Hamburg startet Volkswagen im April in Kooperation mit dem Hamburger Verkehrsverbund den Shuttledienst Moia. Auch in der deutschen Hauptstadt wollte Moia 500 ihrer gelben Elektrobusse auf die Straße bringen, wurde aber von der Senatsverwaltung für Verkehr abgewiesen.

    Leipold leuchtet die Euphorie bei der BVG über den Erfolg des BerlKönigs nicht ein. Die Sammel-Shuttle grüben nicht nur den Taxifahrern die Gäste ab, sondern auch Bussen und Bahnen und zerstörten so das bestehende ÖPNV-Angebot. Taxifahrer stünden plötzlich in Konkurrenz mit Mercedes Benz und der öffentlichen Verwaltung, die in ihrer Preispolitik viel flexibler seien. Als Gewinner stünden am Ende allein die großen Unternehmen dar, die Daten über das Fahrverhalten abgriffen.

    Auch in der rot-rot-grünen Berliner Koalition ist man sich über den BerlKönig uneinig. Eine »Kannibalisierung des öffentlichen Nahverkehrs« befürchtete ein SPD-Abgeordneter bei der letzten Sitzung im Berliner Landesparlament. Ein CDU-Abgeordneter wollte die Wagen in Randbezirke verbannen, wo es tatsächliche Lücken im öffentlichen Nahverkehr zu stopfen gebe. Auch Taxifahrer Leipold findet das eine gute Option.

    Die Rechtsanwältin Alexandra Decker sieht durch die neuen Akteure die Grundversorgung im ÖPNV bedroht. Private Unternehmen träfen Entscheidungen danach, ob sich ein Geschäft lohne. »Taxifahrer haben aber per Gesetz eine Beförderungspflicht«, so Decker. Gerade darum schütze sie das Personenbeförderungsgesetz. Für die Zeit nach der Testphase brauche es eine Gesetzesänderung, ist sich Decker sicher.

    #Taxi #Uber #Mietwagen #disruption #Berlin


  • ASKANIA AG – Filmkunst und ASKANIA verbunden im ASKANIA-Award
    https://askania.berlin/askania-award


    Ce soir le producteur de montres de luxe berlinois est fier de décerner des prix à des acteurs connus. Le logo du prix représente la célèbre caméra AskaniaZ de 1931. Cette caméra était utilisés pour les grandes productions de cinémà allemandes. Pourtant on gagnait encore mieux avec des appareils destinés à des fin moins sympathiques.

    Ein Highlight unter den vielen herausragenden Veranstaltungen in Berlin ist seit nun schon 12 Jahren die Verleihung des ASKANIA AWARD. 2019 findet die Verleihung des AWARD zum ersten Mal im Wintergarten Varieté statt. Am 5. Februar, kurz vor der Berlinale, kommen wieder zahlreiche prominente Vertreter aus Film, Fernsehen, Wirtschaft und Politik zusammen, um die Preisträger 2019 zu küren.


    Ceci est la vue par un viseur de cinéthéodolite Askania.

    https://fr.wikipedia.org/wiki/Cin%C3%A9th%C3%A9odolite

    Cet instrument a été mis au point peu avant la Seconde Guerre mondiale pour répondre aux besoins apparus avec la mise au point des premières fusées comme le V2.

    L’instrument qui servait à régler les fusées lancées contre Londres par les nazis a été introduit aux Etats-Unis par leur constructeur nazi Wernher von Braun .

    Dans la chanson Wernher von Braun Tom Lehrer se moque de l’ex nazi qui prétend avoir toujours été quelqu’un d’apolitique : where they come down is not my department, says Wernher von Braun .

    https://www.youtube.com/watch?v=QEJ9HrZq7Ro

    Voici l’appareil original ...

    Kinotheodolit auf Fußgestell Fa. Askania, um 1940, Peenmünde HTI

    ... et sa version suisse à Cape Kennedy .

    Bien entendu Askania fournissait toute sorte d’appareil optique et électronique à la Luftwaffe et aux autres armes allemandes.

    Askania Werke – Wikipedia
    https://de.wikipedia.org/wiki/Askania_Werke

    Flugzeuginstrumente

    Askania-Kompass
    Askania-Fernkompass Aero
    Askania-Flugzeug-Kompass Emil
    Askania-Flugzeug-Kompass Franz
    Askania-Wendezeiger
    Askania Fern- und Nahdrehzahlmesser
    Selbsttätiger Stichzähler
    Askania-Längsneigungsmesser
    Askania-Horizont Bauart Sperry
    Askania-Kurskreisel Bauart Sperry
    Askania-Höhenschreiber
    Askania-Fahrtschreiber
    Askania-Statoskop
    Askania-Variometer
    Askania-Statoskopvariometer
    Askania-Sondenkompass
    Askania-Wendehorizont
    Askania-Kurssteuerungen
    Tastschwingungsschreiber
    Beschleunigungsmesser
    Askania-Autopilot

    Ce passé ne risque guère d’intéresser l’assemblée de vaniteux qui se réunit de soir au variété Wintergarten à Potsdamer Straße / Berlin-Tiergarten. On ne leur montrera que les images des stars du régime capitaliste allemand qui a précédé celui en place.

    Paul Junius – Wikipedia
    https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Junius

    Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten leitete er ab 1933 eine kommunistische Betriebszelle in den Askania Werken in Berlin, wo er als Dreher arbeitete, und hielt Kontakt zu weiteren Betriebsgruppen verschiedener Rüstungsbetriebe in Berlin. 1933 gewährte er dem gesuchten kommunistischen Funktionär Werner Prochnow Unterschlupf und hatte später auch Kontakte zur Neuköllner Widerstandsgruppe um John Sieg, Herbert Grasse und Otto Grabowski. Als Mitglied der Saefkow-Gruppe war Junius für die illegale Arbeit in den Betrieben in Berlin-Marienfelde und Berlin-Mariendorf verantwortlich. Am 13. Juli 1944 wurde Junius in Helmstedt verhaftet. Hierhin war die Produktion des kriegswichtigen Askania-Betriebes verlagert worden, die er zusammen mit seinen Genossen zu stören versuchte. Am 26. Oktober 1944 verurteilte ihn der Volksgerichtshof zum Tode. Das Urteil wurde am 4. Dezember 1944 in Zuchthaus Brandenburg-Görden vollstreckt.

    Voici le mode d’emploi de la caméra cinématographique Askania.

    Fernsehmuseum - Die 35mm Askania Universal
    http://www.fernsehmuseum.info/die-35mm-askania-universal.html

    Die Bedienung der Kamera war komplizierter als Autofahren
    Und weil man sich nach dem Jahr 2000 „soetwas“ nicht mehr vorstellen kann, - also wie aufwendig das professionelle Aufnehmen von Kino-Film damals war - habe ich hier diese Anleitung von 1926 komplett mit den uralten Bildern - mit einigen Text-Korrekturen abgebildet.

    #Allemagne #Berlin #Tiergarten #Potsdamer_Straße #Mariendorf #Großbeeren­straße #Friedenau #Bundesallee #aviation #luxe #histoire #cinéma #guerre #nazis #technologie #résistance


  • Gebäck zu Silvester: Pfannkuchen aus Berlin - keine Berliner! - Berlin - Tagesspiegel Mobil
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/gebaeck-zu-silvester-pfannkuchen-aus-berlin-keine-berliner/11168328.html

    Nachdem wir neulich in die Schützengräben von Zu- und An-Sagern blickten, (es ging darum, ob es „an“ oder „zu“ Weihnachten heißt), möchten wir heute einen neuen Streit befeuern. Oder, um im Bild des bereits über weiten Teilen Weddings und Kreuzberg grollenden Jahreswechsels zu bleiben: den nächsten Knaller zünden.

    Wie heißt nochmal der Hefeteigbatzen, der, gefüllt mit Marmelade oder Pflaumenmus, so manchen Silvesterabend versüßt? Sie verstehen nur Pfannkuchen? Dann haben Sie mit gewissem Grimm auch schon registriert, dass die An-Sager der indigenen Bevölkerung die nächste sprachliche Knorrigkeit auszutreiben suchen. „Das heißt Berliner“, belehren sie die Berliner gern und verweisen darauf, dass aus der Pfanne nur Plattes kommt (was hier selbstverständlich Eierkuchen heißt).

    Diese Plattheit lässt sich, mit Wissen über Berliner Legenden munitioniert, ganz leicht parieren: Denn zunächst einmal war es ein örtlicher Bäcker, der die Pfannkuchen erfunden haben soll. Stolz wie Bolle, dass er für den Alten Fritz in den Krieg ziehen durfte, formte er Hefeteigstücke im Felde, die an Kanonenkugeln erinnerten. Und weil es in Kriegen zwar Konflikt- aber keine Backherde gibt, warf der bellezistische Bäcker seine Batzen einfach ins Öl. Und das siedete – in großen Pfannen.

    #Berlin #Sprache #Kultur #Geschichte #Ernährung


  • Face à l’explosion des loyers à Berlin, un puissant mouvement d’habitants veut exproprier les gros bailleurs privés
    https://www.bastamag.net/Face-a-l-explosion-des-loyers-a-Berlin-un-puissant-mouvement-d-habitants-v

    En France, les loyers continuent d’augmenter, le mal-logement de s’enraciner avec 4 millions de personnes concernées, alors que la loi Elan ouvre la voie à la privatisation du #Logement social et que la construction de logements à loyer modéré diminue. Les élus devraient peut-être regarder du côté de Berlin, également confrontée à l’explosion des loyers et à la difficulté de se loger. Un large mouvement y demande un référendum d’initiative citoyenne. Objectif : exproprier les grands bailleurs privés, qui (...)

    #Inventer

    / #Luttes_sociales, #Habitat_écologique_et_social, #Innovation_politique, #Garantir_l'accès_au_logement, #Europe, #Reportages, Logement, A la (...)

    • « Les sociétés capitalistiques qui ont racheté des logements en masse veulent juste faire de l’argent avec, et distribuer des dividendes à leurs actionnaires », dénonce Katalin Gennburg. Les locataires qui ne peuvent plus payer partent, le plus souvent en périphérie. C’est ce que les habitants de la Karl-Marx-Allee ont craint quand ils ont appris que leurs logements devaient bientôt être une nouvelle fois revendus, à la plus grande société immobilière privée de Berlin, Deutsche Wohnen. Créée en 1998 par la Deutsche Bank, elle possède aujourd’hui plus de 110 000 appartements dans la capitale.

      Autant de loyers payés chaque mois qui servent surtout à enrichir les actionnaires de l’entreprise cotée en bourse. En 2017, Deutsche Wohnen a versé à ses actionnaires plus de 260 millions d’euros de dividendes, 80 millions d’euros de plus que l’année précédente.


  • Ridesharing in Berlin : Kann der Berlkönig das Auto killen ? | rbb|24
    https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2019/01/berlin-bvg-berlkoenig-ridesharing-clevershuttle-verkehr.html

    1.2.2019 - von Mara Nolte - „Berlkönig“ und „Clever Shuttle“: Der Senat will mit Ridesharing-Angeboten Pkw-Besitzer weg vom eigenen Auto locken. Kritiker befürchten jedoch, dass die Sammeltaxis den Autoverkehr weiter verstärken.

    Schauspieler Uwe Ochsenknecht tut es. Nachts und betrunken. Er fährt Berlkönig. Ochsenknecht torkelt zusammen mit Sohn Wilson Gonzalez aus einer Bar. Der Sohn zückt das Handy und bestellt per App den Berlkönig, das Ride-Sharing-Angebot der BVG. Eine Art Sammeltaxi, das seit September in Berlin aktiv ist. Unterwegs steigen noch ein paar Fahrgäste zu und werden von einem professionellen Fahrer an ihr jeweiliges Ziel gebracht. Zwar nicht bis vor die Haustür, aber in die Nähe einer Haltestelle.

    Die Ochsenknechts fahren zwar nur in einem Werbeclip der BVG mit dem Berlkönig, in Realität nutzen das Angebot aber tatsächlich tausende Berliner. Die App wurde laut BVG bisher über 120.000 Mal heruntergeladen. Rund drei Monate nach Start hatten die Berlkönige 100.000 Fahrten absolviert. Vier Wochen später waren es 200.000. Die Anzahl der Flotte hat sich laut BVG von 50 auf 100 verdoppelt. Angepeilt sind 300 Fahrzeuge.

    Ridesharing-Angebote werden stark nachgefragt
    Auch das Unternehmen Clever Shuttle, an dem die Deutsche Bahn mehrheitlich beteiligt ist und das in Berlin seit 2016 mit 30 elektronisch und durch Wasserstoff betriebenen Fahrzeugen unterwegs ist, klagt nicht über mangelnde Fahrgesuche, im Gegenteil.

    „Wir sind in der seltsamen Situation, dass wir 50 bis 60 Prozent der Kunden nicht bedienen können“, sagt Fabio Adlassnigg, Pressesprecher von Clever Shuttle. „Das klingt zwar luxuriös, aber wir verärgern so auch Kunden.“

    Senat für Verkehr testet Ridesharing auf Sparflamme
    Clever Shuttle würde gerne mit mehr Fahrzeugen in Berlin aktiv sein. In seinem Wachstumswunsch beschränkt wird das Angebot aber durch den Berliner Senat für Verkehr. Dieser hat dem Unternehmen im Rahmen des Personenbeförderungsgesetzes eine Ausnahmegenehmigungen für Ridesharing in Berlin erteilt. Clever Shuttle darf in der Stadt demnach mit 30 Fahrzeugen unterwegs sein, der Berlkönig mit 100.
    Berlkönig fährt durch die Nacht
    Zielgruppe des Berlkönigs seien Autofahrer, denen man eine komfortable Alternative zum eigenen Pkw anbiete. Das hatte Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos) vor Start des Angebots dem Tagesspiegel gesagt. Zurzeit steigt die Zahl der Autos in Berlin von Jahr zu Jahr an. So waren bis Ende vergangenen Jahres 1,21 Millionen Autos zugelassen. 2017 waren es 1,19 Millionen, ein Jahr zuvor 1,17 Millionen. Vor zehn Jahren waren in Berlin 1,08 Millionen Pkw zugelassen.

    Ob der Berlkönig tatsächlich mehrheitlich als Alternative zum Privatauto oder doch statt Taxi oder Bus und Bahn genutzt wird, kann die BVG momentan aber noch nicht sagen. Man erhebe die Daten, die Auswertung sei allerdings noch nicht abgeschlossen.   

    Für einen Stadtverkehr weg vom Auto haben ARD-Reporter im vergangenen Sommer in München ernüchternde Erfahrungen gemacht. In einer Reportage waren mehrere Ridesharing-Angebote mit der Kamera begleitet worden. Fast alle Fahrgäste hatten dabei angegeben, dass sie sonst Bus und Bahn nutzen. Der Verkehrsforscher Tilman Bracher vom Deutschen Institut für Urbanistik, bewertet die Angebote kritisch: „Die Erfahrungen zeigen, da sitzen dann ein oder zwei Leute drin, die in einem Kleinbus durch die Stadt geschippert werden. Und das wird die Verkehrsprobleme nur zusätzlich verschärfen.“

    Die Primetime des Berlkönig ist laut BVG Freitag- und Samstagnacht. Der Fahrservice werde zunehmend aber auch unter der Woche, vor allem früh morgens und am späten Nachmittag, angefragt, so BVG-Sprecher Markus Falkner gegenüber rbb|24.

    Am häufigsten wird der Berlkönig Freitag- und Samstagnacht genutzt
    Studie belegt mehr Verkehr in den USA

    Ob Ridesharing den öffentlichen Nahverkehr schwächt und vielleicht sogar zu mehr Autoverkehr führt, kommt stark auf die Bedingungen an unter denen die Fahrzeuge unterwegs seien, sagt Mobilitätsforscher Oliver Schwedes von der TU Berlin. Agierten die Unternehmen ohne Regulation, drücke das die Sozialstandards und der Verkehr würde unsicherer. Für die USA gebe es bereits Studien, dass der Autoverkehr in Großstädten erhöht würde.

    Demnach seien in vielen Fällen Fahrgäste von öffentlichen Verkehrsmitteln auf private Fahrdienste umgestiegen. In Deutschland sind die Regulierungen allerdings strenger als in den USA. Dort dürfen auch Privatpersonen über Apps wie Uber und Lyft Ridesharing anbieten. Bei rund 8,6 Millionen Einwohnern sind in New York derzeit ca. 100.000 Autos über Uber & Co unterwegs.

    Eigenes Auto nur noch für den Wochenendausflug

    Die durchaus attraktiven Angebote führten nicht automatisch dazu, dass der private Pkw abgegeben werde, so Schwedes. Um eine tatsächliche Reduzierung privater Autos und damit Entlastung des Stadtverkehrs zu erreichen, müsse Ridesharing in ein nachhaltiges Gesamtkonzept integriert werden.

    Neben Anreizen braucht es auch Abschreckung. In einer Studie hat der Mobilitätsforscher herausgefunden, dass mehr kostenpflichtige Parkplätze in Berlin dazu führen würden, dass 30 Prozent der Pendler ihr eigenes Auto stehen lassen würden. „In Pankow haben wir außerdem festgestellt, dass einige Autobesitzer im Grunde kurz davor sind ihren Pkw aufzugeben“, sagt Schwedes. „Das eigene Auto behalten sie nur noch für den gelegentlichen Trip zu Ikea oder den Wochenendausflug nach Brandenburg“. Gäbe es dafür attraktive Alternativen, könnten einige sagen: „Ok, dann leiste ich mir das Auto jetzt nicht mehr“, so der Mobilitätsforscher.

    Ausdehnung des Angebots derzeit nicht geplant

    Weiter als über den S-Bahn-Ring kommt man in Berlin mit dem Berlkönig derzeit aber nicht, der Einsatzbereich beschränkt sich auf den Berliner Osten im Ring. Erweiterungen seien laut BVG zwar denkbar, aber momentan nicht geplant. Mit Clever Shuttle kommt man etwas weiter. Der Anbieter fährt von Grunewald bis Hohenschönhausen und von Lichtenberg bis fast nach Spandau.
    Sollte Berlin sich dafür entscheiden, das Ridesharing-Angebot weiter auszubauen, mangelt es nicht an Interessenten. Uber hatte bereits angekündigt, mit dem Service UberGreen an den Start gehen zu wollen. Auch VW wäre gerne mit dem Service Moia in der Hauptstadt gestartet. Ein Antrag war beim zuständigen Landesamt aber nicht genehmigt worden.  

    Sendung: Inforadio, 1.2.2019, 07:20 Uhr

    Berichtigung: In einer früheren Version hatten wir geschrieben, Clever Shuttle sei nur in der Innenstadt unterwegs. Tatsächlich geht das Angebot darüber hinaus. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen!

    #Berlin #ÖPNV #BVG #Berlkönig


  • BVG-Sammelfahrdienst « BerlKönig » startet in Berlin | rbb|24
    https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2018/09/berlkoenig-ruftaxi-berlin-bvg-startet.html

    07.09.18 - Die Berliner Taxifahrer bekommen ein wenig Konkurrenz: Am Freitag startet der sogenannte „BerlKönig“, der Rufbus der BVG. So richtig Angst müssen die Taxler aber nicht bekommen, der „BerlKönig“ bewegt sich erstmal nur in ziemlich engen Grenzen.

    Ab Freitag ist der neue Rufbus-Dienst der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), „BerlKönig“, in der Stadt unterwegs. Nutzer können die Kleinbusse per Handy-App ordern.

    Das System bündelt passende Anfragen zu einer Fahrgemeinschaft: Fahrgäste buchen, ein Computer koordiniert die Fahrtwünsche und sorgt dafür, dass Fahrgäste mit gleichen oder ähnlichen Zielen in einem Auto fahren. In Hamburg und Hannover gibt es das schon.

    Die Fahrt kostet 1,50 Euro pro angefangenem Kilometer, Mindestpreis sind vier Euro. Zu Stoßzeiten wird ein Zuschlag von 25 Prozent berechnet.  Angeboten wird der Dienst zunächst freitag- und samstagabends von 17 bis 5 Uhr.

    Anzahl der Fahrzeuge wird langsam aufgestockt

    Zunächst sind 50 Fahrzeuge sind im Einsatz - hauptsächlich Vans. Start und Ziel sind zunächst auf die Bezirke Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und den Pankower Ortsteil Prenzlauer Berg begrenzt. Im Laufe der Zeit sollen es 300 Wagen werden, darunter auch barrierefreie und Elektro-Vans. Auch die Bereiche, in denen sie unterwegs sind, sollen dann langsam ausgedehnt werden.  

    Hinter dem Dienst stehen die BVG und ViaVan, ein Gemeinschaftsunternehmen von Mercedes-Benz und des US-Unternehmens ViaVan. Es hat ähnliche Dienste schon in Amsterdam und London sowie in Chicago, New York und Washington D.C. eingeführt.

    Kritik an Diesel-Bussen

    Eigentlich sollte der „BerlKönig“ schon seit dem Frühjahr in Berlin fahren, aber erst jetzt gibt es die Genehmigung. Kritik gab es in der Zwischenzeit daran, dass vorwiegend Diesel-Busse zum Einsatz kommen sollen und dass es das Angebot nicht in den Außenbezirken gibt, wo das Bus- und Bahnnetz nicht so dicht ist wie in der Innenstadt.

    Oliver Friederici, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion Berlin, erklärte am Freitag: „Wir erwarten von Frau Günther, zum Start mindestens ein Stadtrandgebiet als Testfeld für den ,Berlkönig‘ vorzusehen. Denn dort ist der Nahverkehr weniger gut ausgebaut als in den Versuchsbezirken Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Prenzlauer Berg.“ Die CDU fordere eine schnelle Ausweitung auf die Randgebiete der Stadt.  

    Sendung: radioBerlin 88,8, 07.09.2017, 08:20 Uhr

    #Berlin #BVG #Berlkönig


  • „Sexuelle Belästigung ist erst einmal ein Fakt und keine Diskussion“ – B.Z. Berlin
    https://www.bz-berlin.de/berlin/sexuelle-belaestigung-ist-erst-einmal-ein-fakt-und-keine-diskussion

    Na super! Nach dem hochoffiziellen Tagesspiegel mit tollen Verbindungen ins Eliteberlin folgt die Meldung im Prollorgan des Berliner Springer-Verlangs, der B.Z.

    Was ist passiert?

    Ein Taxikollege vergreift greift sich FDP-mäßig (Brüderle, allet klar?) im Ton, und schon ist das sexuelle Belästigung für eine etwas dünnhäutige junge Frau, da muss die Polizei ran, meint sie. Soweit so normal. Kommt täglich vor, nicht im Taxi aber überall, wo man oder frau sonst so hinsieht.

    Eine tolle Chance für die Mehrheitsmedien, ihre Lieblingsbotschaften unters Volk zu bringen:

    – Taxi muss besser werden (im Subtext meint das, für „modernere“ Transportangebote muss das Personenbeförderungegesetz „entschlackt“ werden.)

    – Die Polizei ist lieb und tut alles für junge Frauen, die sehen das nur nicht immer.

    – Wir stehen hinter der jüdischen Gemeinde, auch wenn das hier überhaupt keine Rolle spielt außer bei dem Umstand, dass die junge Frau es versteht, sich Gehör zu verschaffen.

    Was machen wir Kutscher nun daraus?

    Kollegenkritik:

    Haste dir nich mit Ruhm bekleckat, ooch wennde jetzt berühmt bist, werta Kolleje.

    Ein normaler Tag, eine normale Taxifahrt – nicht ganz, zumindest nicht für Dalia Grinfeld, Vorsitzende der Jüdischen Studierendenunion. Sie wurde nach eigener Aussage sexuell belästigt und ärgert sich über die Polizei.

    Grinfeld war am Dienstag zwischen zwei Terminen mit einem Taxi unterwegs, berichtet der Tagesspiegel.

    Demnach wäre sie bereits beim Einsteigen mit „Guten Morgen, Hübsche“ begrüßt worden. Sie habe dem Fahrer gesagt, dass sie das nicht gut finde. Doch der Mann hätte weiter gemacht. Sätze wie „Bei solch schönen Brüsten muss man einfach hinschauen“ wären gefallen, ihre mehrfachen Aufforderungen die Bemerkungen zu unterlassen, seien offenbar ungehört verklungen.

    Erst als die 24-Jährige den Mann schließlich aufgefordert hätte, das Taxi anzuhalten und sie aussteigen zu lassen, da sie ansonsten die Polizei rufen würde, lenkte der Mann ein und stoppte das Taxi.

    Nach der Taxifahrt meldete sich Grinfeld bei der Polizei. Fünf Minuten habe sie mit dem Notruf diskutiert. Der Polizist hätte sie gefragt, ob sie tatsächlich belästigt wurde oder ob es auch Komplimente gewesen seien können. Ob der Fahrer sie angefasst oder berührt hätte.

    Grinfeld: „Ich weiß, was sexuelle Belästigung ist.“ Der Beamte habe ihr dann erklärt, dass er keinen Fall sexueller Belästigung erkennen könne.

    _Dalia Grinfeld
    @DaliaGrinfeld
    Von der @polizeiberlin erwarte ich, dass sie mir #Hilfe leistet und ein Gefühl von #Sicherheit gibt bei #Sexuellebelästigung! #metoo #Berlin_

    _Dalia Grinfeld
    @DaliaGrinfeld
    .@polizeiberlin: Wenn ich ein Feuer melde, werde ich auch nicht gefragt, ob ich mir sicher bin und 5 min in Frage gestellt?! Das Gefühl von #Sexuellebelästigung ist erst einmal ein Fakt und keine Diskussion! #MeToo #aufstehen #mundauf_

    Von der Polizei hätte sich die Frau nicht ernstgenommen gefühlt. „Von der Polizei erwarte ich, dass sie mir Hilfe leistet und ein Gefühl von Sicherheit gibt“, twitterte Grinfeld. „Wenn ich ein Feuer melde, werde ich auch nicht gefragt, ob ich mir sicher bin und 5 min in Frage gestellt?!.“

    Die Polizei reagierte auf die Wut-Posts verwundert. Thilo Cablitz, Sprecher der Berliner Polizei, sagte dem Tagesspiegel, dass sich der Beamte fünf Minuten und 51 Sekunden Zeit für die Frau genommen habe, obwohl die Notrufzentrale der Polizei stets ausreichend zu tun hat.

    „Dargestellte Situation weicht nahezu in Gänze ab“
    Und ein Sprecher sagte zur B.Z.: „Wir haben den Vorwurf sehr ernst genommen und die Aufzeichnung des Notrufs unmittelbar ausgewertet. Die in einer Tageszeitung dargestellte Situation weicht nahezu in Gänze von derjenigen ab, die uns über den Notruf geschildert wurde“, sagte er. Und weiter: „Weder eine Notsituation, eine unmittelbare Gefahr noch ein strafrechtlich bewehrtes Verhalten ließen sich erfassen. Uns ist sehr wohl bewusst, dass Personen, die unter dem Eindruck eines Geschehens stehen, die im Stress sind, nicht sofort alles in Worte fassen können. Aus diesem Grund wurde angeboten, eine Einsatzwagenbesatzung zu entsenden, um in einem direkten Gespräch sämtliche Details zu klären.“

    _Dalia Grinfeld
    @DaliaGrinfeld
    .@polizeiberlin: Wenn ich ein Feuer melde, werde ich auch nicht gefragt, ob ich mir sicher bin und 5 min in Frage gestellt?! Das Gefühl von #Sexuellebelästigung ist erst einmal ein Fakt und keine Diskussion! #MeToo #aufstehen #mundauf_

    In dem Telefonat habe Grinfeld sogar Einsehen gezeigt, dass in ihrem Fall keine Straftat vorlag, sagte Calbitz.

    Doch Grinfeld sagte, dass sie dafür nun keine Zeit habe. Zeit hatte sie allerdings für eine Instagram-Story, ein Video und mehrere Tweets, was bei der Polizei wiederum für Verwunderung sorgte.

    Der Polizeisprecher gegenüber B.Z.: „Hätte die Situation sich, wie jetzt in der Tageszeitung geschildert, dargestellt, hätten wir sofort eine Einsatzwagenbesatzung entsandt und das Telefonat nicht über fast sechs Minuten geführt.“ Denn: Wer in Not ist, darf nicht warten!“

    Regelung zu Sexualdelikten

    Erst Ende 2016 waren die Regeln im Strafgesetzbuch zu Sexualdelikten verschärft worden. Das Problem: Werden Opfer nur verbal belästigt, ist es dennoch keine sexuelle Belästigung im Sinne des Gesetzes – sondern möglicherweise eine „sexuelle Beleidigung“.

    Erforderlich ist hier nach der Rechtsprechung oberster Gerichte, dass in dem Verhalten des Täters eine – von ihm beabsichtigte – sexuell herabsetzende Bewertung des Opfers zu sehen ist. Ob das im vorliegenden Fall zutrifft und wie sich das beweisen ließe, ist fraglich.

    #Berlin #Medien #Taxi #Frauen


  • #Metoo in Berlin: „Ich weiß, was sexuelle Belästigung ist“ - Berlin - Tagesspiegel
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/metoo-in-berlin-ich-weiss-was-sexuelle-belaestigung-ist/23925694.html

    Eine Taxifahrt und anzügliche Bemerkungen des Fahrers: Was eine 24-Jährige am Dienstag in Berlin erlebte - und warum sich nun die Polizei über die Frau ärgert. ALEXANDER FRÖHLICH RENÉ GARZKE

    Dalia Grinfeld, Chefin der Jüdischen Studierendenunion.FOTO: PRIVAT/MARGRIT SCHMIDT
    Dalia Grinfeld, 24, war am Dienstag in Berlin mit einem Taxi unterwegs. Danach postete sie auf Instagram und Twitter eine bittere Beschwerde: Es geht um sexuelle Belästigung - und darum, was das mit Betroffenen macht, wie Behörden darauf reagieren und wo die Grenzen zu Straftaten sind. Am Ende sieht sich die Polizei in den sozialen Medien zu Unrecht an den Pranger gestellt: Obwohl keine Straftat vorlag, wollte sie helfen. Es werden sogar Zweifel laut an der Darstellung der Frau.

    Grinfeld ist Vorsitzende der Jüdischen Studierendenunion Deutschland. Am Dienstag musste sie zwischen zwei Terminen ein Taxi nehmen. Schon als sie in den Wagen einstieg, so berichtet sie es später, soll der Fahrer gesagt haben: „Guten Morgen, Hübsche.“

    „Ich habe ihm gesagt, dass ich das nicht gut finde“, berichtet Grinfeld dem Tagesspiegel. Doch der Mann, nach der Beschreibung der 24-Jährigen zwischen 50 und 60 Jahren alt, soll einfach weitergemacht haben. 

    Mehrfach habe sie den Taxifahrer gebeten, damit aufzuhören. Doch stattdessen habe der Mann Sätze gesagt wie diesen: „Bei solch schönen Brüsten muss man einfach hinschauen.“ Auch ihren kurzen Rock habe er erwähnt.

    Doch ihre klaren Stopp-Signale, die mehrfache Aufforderung, solche Bemerkungen zu unterlassen, brachten nichts. Erst als sie ihn aufgefordert habe, zu stoppen und sie aussteigen zu lassen, dass sie ansonsten die Polizei rufen werde, konnte sie das Taxi verlassen.

    Schon beim Notruf wird der Fall geprüft

    Dann rief sie tatsächlich die Polizei. Fünf Minuten habe sie mit dem Beamten beim Notruf diskutiert, berichtet Grinfeld. Fünf Minuten habe der Beamte sie befragt, ob es tatsächlich Belästigung gewesen sei oder ob es vielleicht nur Komplimente gewesen sein könnten.

    Sie sei von dem Beamten beim Notruf auch gefragt worden, ob der Taxifahrer sie angefasst oder berührt habe. „Ich weiß, was sexuelle Belästigung ist“, sagt Grinfeld. Doch von der Polizei fühlte sie sich nicht ernst genommen.

    Schließlich habe der Beamte ihr erklärt, er könne keine sexuelle Belästigung erkennen, berichtet Grinfeld. Der Vorfall sei strafrechtlich nicht relevant. Aber sie könne gern online im Internet noch eine Anzeige erstatten. Und dabei auch das von ihr gemachte Foto vom Nummernschild des Taxis einreichen. Das soll nach Aussagen von Grinfeld der Beamte ihr in dem fünfminütigen Telefonat erklärt haben. 

    Die Polizei wollte sogar eine Streife schicken

    „Von der Polizei erwarte ich, dass sie mir Hilfe leistet und ein Gefühl von Sicherheit gibt bei sexueller Belästigung“, twitterte Grinfeld. „Wenn ich ein Feuer melde, werde ich auch nicht gefragt, ob ich mir sicher bin und fünf Minuten in Frage gestellt. Sexuelle Belästigung ist ein Fakt.“

    Thilo Cablitz, Sprecher der Berliner Polizei, hat den Fall geprüft - und wundert sich über die wütenden Posts der 24-Jährigen. „Wir haben den Vorwurf sehr ernst genommen und die Aufzeichnung des Notrufs unmittelbar ausgewertet“, sagt Cablitz.

    Der Beamte in der Notrufzentrale habe sich fünf Minuten und 51 Sekunden Zeit für die Frau genommen, obwohl die Notrufzentrale der Polizei stets ausreichend zu tun hat. Der Beamte habe nachfragen und prüfen müssen, ob eine Straftat und ein Notfall vorliegt. In dem Telefonat habe die 24-Jährige sogar Einsehen gezeigt, dass - so unangenehm das Geschehen gewesen sein mag - tatsächlich keine Straftat vorlag. Umso verwunderlicher findet Cablitz die Äußerungen der Frau bei Twitter und Instagram. 

    Unterschiedliche Darstellungen durch Grinfeld

    Obwohl kein Notfall vorlag und obwohl das Taxi längst fort war, sei der 24-Jährigen dennoch angeboten worden, dass eine Streife vorbeikommt und den Fall mit ihr klärt. Doch die Frau habe gesagt, dass sie dafür nun keine Zeit habe, so Cablitz. Was die Polizei daran besonders ärgert: Zeit für eine Instagram-Story, ein Video und mehrere Tweets hatte die 24-Jährige dann trotzdem. 

    Hinzu kommt noch etwas anderes: Denn auch Grinfelds Darstellung gegenüber dem Tagesspiegel „weicht nahezu in Gänze von derjenigen ab, die uns über den Notruf geschildert wurde“, sagt Cablitz. Weder eine Notsituation, eine unmittelbare Gefahr noch ein strafrechtlich relevantes Verhalten hätten sich erfassen lassen.

    „Uns ist sehr wohl bewusst, dass Personen, die unter dem Eindruck eines Geschehens stehen, die im Stress sind, nicht sofort alles in Worte fassen können. Aus diesem Grund wurde angeboten, eine Einsatzwagenbesatzung zu entsenden, um in einem direkten Gespräch sämtliche Details zu klären“, erklärt der Polizeisprecher.

    Hätte die Situation sich, wie von Grinfeld gegenüber dem Tagesspiegel geschildert, „dargestellt, hätten wir sofort eine Einsatzwagenbesatzung entsandt und das Telefonat nicht über fast sechs Minuten geführt“, sagt der Polizeisprecher. „Wer in Not ist, darf nicht warten“, so Calbitz.

    Aus ihrem Selbstverständnis heraus schütze die Polizei die Bürger - „und das fängt bereits mit dem ersten Anruf bei uns an“, sagt Calbitz. „Sollten in dem aktuellen Fall Fakten hinzugetreten sein, nehmen wir diese selbstverständlich entgegen und leiten ein Strafermittlungsverfahren ein.“ Möglichweise könnte sich das dann auch gegen Grinfeld richten.

    Strafrecht wurde 2016 verschärft

    Erst Ende 2016 waren die Regeln im Strafgesetzbuch zu Sexualdelikten verschärft worden. Das Problem: Werden Opfer nur verbal belästigt, ist es dennoch keine sexuelle Belästigung im Sinne des Gesetzes. 

    Strafbar sind solche Äußerungen höchstens als Sonderform der Beleidigung, als „sexuelle Beleidigung“. Und auch das nur unter bestimmten Voraussetzungen. Das Opfer muss etwa durch die Äußerungen in seiner Würde herabgesetzt werden. Ob das hier vorliegt, ist fraglich.

    Na und, weiter ... ?

    #Taxi #Berlin #Frauen


  • Egon Erwin Kisch - Elliptische Tretmühle

    Zum zehnten Male, Jubiläum also, wütet im Sportpalast in der Potsdamer Straße das Sechstagerennen. Dreizehn Radrennfahrer, jeder zu einem Paar gehörend, begannen am Freitag um neun Uhr abends die Pedale zu treten, siebentausend Menschen nahmen ihre teuer bezahlten Plätze ein, und seither tobt Tag und Nacht, Nacht und Tag das wahnwitzige Karussell. An die siebenhundert Kilometer legen die Fahrer binnen vierundzwanzig Stunden zurück, man hofft, sie werden den Weltrekord drücken, jenen historischen Weltrekord, als in sechs nächtelosen Tagen von 1914 zu Berlin die Kleinigkeit von 4260,960 Kilometern zurückgelegt wurde, worauf der Weltkrieg ausbrach.

    Sechs Tage und sechs Nächte lang schauen die dreizehn Fahrer nicht nach rechts und nicht nach links, sondern nur nach vorn, sie streben vorwärts, aber sie sind immer auf dem gleichen Fleck, immer in dem Oval der Rennbahn, auf den Längsseiten oder auf den fast senkrecht aufsteigenden Kurven, unheimlich übereinander, manchmal an der Spitze des Schwarmes, manchmal an der Queue und manchmal – und dann brüllt das Publikum: „Hipp, hipp!“ – um einige Meter weiter; wenn aber einer eine Runde oder zwei voraushat, ist er wieder dort, wo er war, er klebt wieder in dem Schwarm der dreizehn.

    So bleiben alle auf demselben Platz, während sie vorwärts hasten, während sie in rasanter Geschwindigkeit Strecken zurücklegen, die ebenso lang sind wie die Diagonalen Europas, wie von Konstantinopel nach London und von Madrid nach Moskau. Aber sie kriegen keinen Bosporus zu sehen und keinen Lloyd George, keinen Escorial und keinen Lenin, nichts von einem Harem und nichts von einer Lady, die auf der Rotten Row im Hyde Park reitet, und keine Carmen, die einen Don José verführt, und keine Sozialistin mit kurzem schwarzem Haar und Marxens „Lehre vom Mehrwert“ im Paletot.

    Sie bleiben auf derselben Stelle, im selben Rund, bei denselben Menschen – ein todernstes, mörderisches Ringelspiel. Und wenn es zu Ende, die hundertvierundvierzigste Stunde abgeläutet ist, dann hat der erste, der, dem Delirium tremens nahe, lallend vom Rade sinkt, den Sieg erfochten, ein Beispiel der Ertüchtigung.

    Sechs Tage und sechs Nächte drücken dreizehn Paar Beine auf die Pedale, das rechte Bein auf das rechte Pedal, das linke Bein auf das linke Pedal, sind dreizehn Rücken abwärts gebogen, während der Kopf ununterbrochen nickt, einmal nach rechts, einmal nach links, je nachdem, welcher Fuß gerade tritt, und dreizehn Paar Hände tun nichts als die Lenkstange halten.

    Ihre dreizehn Partner liegen inzwischen erschöpft in unterirdischen Boxen und werden massiert. Sechs Tage und sechs Nächte. Draußen schleppen Austrägerinnen die Morgenblätter aus der Expedition, fahren die ersten Waggons der Straßenbahnen aus der Remise, Arbeiter gehen in die Fabriken, ein Ehemann gibt der jungen Frau den Morgenkuss, ein Polizist löst den anderen an der Straßenecke ab, ins Café kommen Gäste, jemand überlegt, ob er heute die grau-schwarz gestreifte Krawatte umbinden soll oder die braun gestrickte, der Dollar steigt, ein Verbrecher entschließt sich endlich zum Geständnis, eine Mutter prügelt ihren Knaben, Schreibmaschinen klappern, Fabriksirenen tuten die Mittagspause, im Deutschen Theater wird ein Stück von Georg Kaiser gegeben, das beim Sechstagerennen spielt, der Kellner bringt das Beefsteak nicht, ein Chef entlässt einen Angestellten, der vier Kinder hat, vor der Kinokasse drängen sich hundert Menschen, ein Lebegreis verführt ein Mädchen, eine Dame lässt sich das Haar färben, ein Schuljunge macht seine Rechenaufgaben, im Reichstag gibt es Sturmszenen, in den Sälen der Philharmonie ein indisches Fest, in den Häusern sitzen Leute auf dem Klosett und lesen die Zeitung, jemand träumt, bloß mit Hemd und Unterhose bekleidet in einen Ballsaal geraten zu sein, ein Gymnasiast kann nicht schlafen, denn er wird morgen den pythagoräischen Lehrsatz nicht beweisen können, ein Arzt amputiert ein Bein, Menschen werden geboren und Menschen sterben, eine Knospe erblüht und eine Blüte verwelkt, ein Stern fällt und ein Fassadenkletterer steigt eine Häuserwand hinauf, die Sonne leuchtet und Rekruten lernen schießen, es donnert und Bankdirektoren amtieren, im Zoologischen Garten werden Raubtiere gefüttert und eine Hochzeit findet statt, der Mond strahlt und die Botschafterkonferenz fasst Beschlüsse, der Mensch ist gut und der Mensch ist schlecht – während die dreizehn, ihren Hintern auf ein sphärisches Dreieck aus Leder gepresst, unausgesetzt rundherum fahren, unaufhörlich rundherum, immerfort mit kahlgeschorenem Kopf und behaarten Beinen nicken, rechts, links, rechts, links.

    ... nur der Mensch dreht sich sinnlos um nichts
    Gleichmäßig dreht sich die Erde, um von der Sonne Licht zu empfangen, gleichmäßig dreht sich der Mond, um der Erde Nachtlicht zu sein, gleichmäßig drehen sich die Räder, um Werte zu schaffen – nur der Mensch dreht sich sinnlos und unregelmäßig beschleunigt in seiner willkürlichen, vollkommen willkürlichen Ekliptik um nichts, sechs Tage und sechs Nächte lang.

    Der Autor von Sonne, Erde, Mond und Mensch schaut aus seinem himmlischen Atelier herab auf das Glanzstück seines Œuvres, auf sein beabsichtigtes Selbstporträt, und stellt fest, dass der Mensch – so lange, wie die Herstellung des Weltalls dauerte – einhertritt auf der eignen Spur, rechts, links, rechts, links – Gott denkt, aber der Mensch lenkt, lenkt unaufhörlich im gleichen Rund, wurmwärts geneigt das Rückgrat und den Kopf, um so wütender angestrengt, je schwächer seine Kräfte werden, und am wütendsten am Geburtstage, dem sechsten der Schöpfung, da des Amokfahrers Organismus zu Ende ist und, hipp-hipp!, der Endspurt beginnt. Das hat Poe nicht auszudenken vermocht: dass am Rand seines fürchterlichen Mahlstroms eine angenehm erregte Zuschauermenge steht, die die vernichtende Rotation mit Rufen anfeuert, mit hipp-hipp! Hier geschieht es, und hier erzeugen sich zweimal dreizehn Opfer den Mahlstrom selbst, auf dem sie in den Orkus fahren.

    Ein Inquisitor, der solche Tortur, etwa „Elliptische Tretmühle“ benamst, ausgeheckt hätte, wäre im finstersten Mittelalter selbst aufs Rad geflochten worden – ach, auf welch ein altfränkisches, idyllisches Einrad! Aber im zwanzigsten Jahrhundert muss es Sechstagerennen geben. Muss! Das Volk verlangt es. Die Rennbahn mit den dreizehn strampelnden Trikots ist Manometerskala einer Menschheit, die mit Wünschen nach Sensationen geheizt ist, mit dem ekstatischen Willen zum Protest gegen Zweckhaftigkeit und Mechanisierung.

    Und dieser Protest erhebt sich mit der gleichen fanatischen Sinnlosigkeit wie der Erwerbsbetrieb, gegen den er gerichtet ist. Preise werden gestiftet, zum Beispiel zehn Dollar für die ersten in den nächsten zehn Runden. Ein heiserer Mann mit Megafon ruft es aus, sich mit unfreiwillig komischen, steifen Bewegungen nach allen Seiten drehend, und nennt den Namen des Mäzens, der fast immer ein Operettenkomponist, ein Likörstubenbesitzer oder ein Filmfabrikant ist oder jemand, auf dessen Ergreifung eine Prämie ausgesetzt werden sollte.

    Ein Pistolenschuss knallt, es beginnt der Kampf im Kampfe, hipp-hipp!, dreizehn sichtbar pochende Herzen pochen noch sichtbarer, Beine treten noch schneller, rechts, links, rechts, links, Gebrüll des Publikums wird hypertrophisch, hipp-hipp!, man glaubt in einem Pavillon für Tobsüchtige zu sein, beinahe in einem Parlament, der geschlossene Schwarm der Fahrer zerreißt.

    Ist es ein Unfall, wenn der Holländer Vermeer in der zweiten Nacht in steiler Parabel vom Rad saust, mitten ins Publikum? Nein: Out. Ändert es etwas, dass Tietz liegenbleibt? Nein, es ändert nichts, wenn die Roulettkugel aus dem Spiel schnellt. Man nimmt eine andere. Wenn einer den Rekord bricht, so wirst du Beifall brüllen, wenn einer den Hals bricht – was geht’s dich an? Hm, ein Zwischenfall. Oskar Tietz war Outsider vom Start an. Das Rennen dauert fort. Die lebenden Roulettbälle rollen. „Hipp, Huschke! Los, Adolf!“ – „Gib ihm Saures!“ – „Schiebung!!“

    Von morgens bis mitternachts ist das Haus voll, und von mitternachts bis morgens ist der Betrieb noch toller. Eine Brücke überwölbt hoch die Rennbahn und führt in den Innenraum; die Brückenmaut beträgt zweihundert Mark. Im Innenraum sind zwei Bars mit Jazzbands, ein Glas Champagner kostet dreitausend Papiermark, eine Flasche zwanzigtausend Papiermark.

    Nackte Damen in Abendtoilette sitzen da, Verbrecher im Berufsanzug (Frack und Ballschuhe), Chauffeure, Neger, Ausländer, Offiziere und Juden. Man stiftet Preise. Wenn der Spurt vorbei ist, verwendet man die Aufmerksamkeit nicht mehr auf die Kurve, sondern auf die Nachbarin, die auch eine bildet. Sie lehnt sich in schöner Pose an die Barriere, die Kavaliere schauen ins Dekolleté, rechts, links, rechts, links. Das Sechstagerennen des Nachtlebens ist es. Im Parkett und auf den Tribünen drängt sich das werktätige Volk von Berlin, Deutschvölkische, Sozialdemokraten, rechts, links, rechts, links, alle Plätze des Sportpalastes sind seit vierzehn Tagen ausverkauft, rechts, links, rechts, links, Bezirke im Norden und Süden müssen entvölkert sein, Häuser leer stehen, oben und unten, rechts und links.

    Und mehr als die Hälfte der Plätze sind von Besessenen besessen, die vom Start bis zum Finish der Fahrer in der hundertvierundvierzigsten Stunde ausharren. In Berliner Sportkreisen ist es bekannt, dass sogar die unglücklichen Ehen durch die Institution der Six Days gemildert sind. Der Pantoffelheld kann sechs Tage und sechs Nächte von daheim fortbleiben, unkontrolliert und ohne eine Gardinenpredigt fürchten zu müssen. Selbst der eifersüchtigste Gatte lässt seine Frau ein halbes Dutzend Tage und Nächte unbeargwöhnt und unbewacht; sie kann gehen, wohin sie will, rechts, links, rechts, links, ruhig bei ihrem Freunde essen, trinken und schlafen, denn der Gatte ist mit Leib und Seele beim Sechstagerennen.

    Von dort rühren sich die Zuschauer nicht weg, ob sie nun Urlaub vom Chef erhalten oder sich im Geschäft krank gemeldet, ob sie ihren Laden zugesperrt oder die Abwicklung der Geschäfte den Angestellten überlassen haben, ob sie es versäumen, die Kunden zu besuchen, ob sie streiken oder ohnedies arbeitslos sind. Es gehört zur Ausnahme, dass ihr Vergnügen vorzeitig unterbrochen wird, wie zum Beispiel das des sportfreudigen Herrn Wilhelm Hahnke, aus dem Hause Nr. 139 der Schönhauser Straße. Am dritten Renntage verkündete nämlich der Sprecher durch das Megaphon, rechts, links, rechts, links, den siebentausend Zuschauern: „Herr Wilhelm Hahnke, Schönhauser Straße 139, soll nach Hause kommen, seine Frau ist gestorben!“

    Elliptical Treadmill, by Egon Erwin Kisch - Podium Cafe
    https://www.podiumcafe.com/book-corner/2015/2/1/7960457/elliptical-treadmill-by-egon-erwin-kisch

    The Berlin Six Day Race - even when overshadowed by the more popular Sixes - is the doyenne: the oldest, if not the most prestigious Six still surviving. In 2009 the race celebrated its centenary, and two years later it was able to celebrate its one hundredth staging. Those are impressive numbers, when you think that the Tour has only just staged its one hundred and first edition and the Giro d’Italia is on ninety-eight not out.

    They’re also impressive when you consider the years in which the Berlin Six was absent: born in 1909 (the same year as the Giro) it ran through to 1914 and the outbreak of war. In 1919 it resurfaced, but only fleetingly, and it wasn’t until 1922 that it got back on track, and then ran through to 1934, when the rising tide of Nazism derailed it. It was 1949 before the Berlin Six returned, and ran right through to 1988 uninterrupted, only to find itself derailed again in 1989 as the Wall fell and a city came together. Fleetingly, it returned the following year and then disappeared again, not resurfacing until 1997, since when it has been able to run without interruption. All told then, that’s eighty years in which the race has been staged. How, then, can it have already passed one hundred editions? By being so popular that, in some years, it’s been possible to stage two - or, as happened in 1926, even three - editions of the race in the one year.

    Six Day racing started in the UK in the 1870s and became massively popular when it was picked up in America, where it became the norm to run the races continuously, typically starting just after midnight on a Sunday and running through to 10.00 pm the following Saturday. Madison Square Garden became the beating heart of the American Six Day circuit, and reports of those races were partly responsible for inspiring the first Tour, a Six Day race on the roads of France. But, despite their popularity in America, and despite the popularity of reports about them in Europe’s sporting press, Six Day racing took its time before taking off in cycling’s traditional heartlands. In the autumn of 1906, a Six was organised in Toulouse and then another in Zürich at the end of the year, but then it was another three years before anyone managed to make a real success of the format, and that race was the first Berlin Six.

    Why was Six Day cycling able to take off in Germany when it had failed in France? Partly it is down to the popularity of track cycling in Germany, something which is often over-looked because of Germany’s relative lack of success on the road. But it was also partly about the home fans having a hero to cheer for: Walter Rütt, who had won the Garden Six in 1907. He was forced to miss the inaugural Berlin Six because he’d skipped out of doing his military service. But such was Rütt’s popularity that even such a lack of patriotism could be forgiven, though doing so did require the intervention of Crown Prince Friedrich Wilhelm, who had attended the 1909 Six and was a fan.

    Die Pressereportage am Beispiel von Egon Erwin Kisch
    https://www.audimax.de/fileadmin/hausarbeiten/kommunikation/Hausarbeit_Kommunikationswissenschaft_Die_Pressereportage_am_Beispiel_von_Eg

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