• Bye bye Bundesverfassungsgericht
    https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2021/04/bundesverfassungsgericht-berlin-mietendeckel-entscheidung.html

    Im Westen nichts Neues, genauer gesagt in Karlsruhe, Baden-Württemberg, beim Bundesverfassungsgericht. Wer die BVG-Richter immer noch für die Guten hielt, die dafür sorgen, dass niemand benachteiligt wird und das Leben der kleinen Leute in Deutschland erträglich bleibt, der, die oder auch das sollte jetzt verstanden haben :

    Das Bundesverfassungsgericht steht auf Seiten der Besitzenden. Wer nichts besitzt, darf nicht auf Hilfe durch top bezahlte Karlsruher Roben hoffen. Hoffen bleibt natürlich erlaubt, ist aber eine sehr trügerischen Angelegenheit.

    Die nächste Runde ist eingeläutet. Es geht um die erste Phase im Volksentscheid über die Enteignung der fettesten Miethaie.

    Das Bundesverfassungsgericht hat den Berliner Mietendeckel für nichtig erklärt. Das Mietendeckel-Gesetz verstoße gegen das Grundgesetz, teilte das Gericht in Karlsruhe am Vormittag schriftlich mit.

    Nach Ansicht des Verfassungsgerichts hat Berlin nicht die rechtliche Kompetenz, Regelungen für Miethöhen auf dem frei finanzierten Wohnungsmarkt zu treffen. Dieses Mietrecht sei seit seinem Inkrafttreten vor mehr als 120 Jahren im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt, weshalb die Länder hier keine Zuständigkeit hätten, so die Richterinnen und Richter in ihrer Begründung.

    Scheel zeigt sich enttäuscht

    Der Berliner Stadtentwicklungssenator Sebastian Scheel (Linke) zeigte sich enttäuscht. Er habe mit einer anderen Entscheidung gerechnet. Es sei nun Aufgabe des Bundes, entweder ein wirkungsvolles Mietpreisrecht zu schaffen, das die soziale Mischung in den Städten sichere oder aber den Ländern die Kompetenz dafür zu übertragen, so Scheel in einer Mitteilung.

    284 Bundestagsabgeordnete von Union und FDP hatten den Normenkontrollantrag gegen den Mietendeckel eingereicht. Daneben zogen auch mehrere private Vermieterinnen und Vermieter vor das Verfassungsgericht.

    Das Gericht in Karlsruhe hatte gestern überraschend seine Entscheidung angekündigt. Eine mündliche Verhandlung hatte es zuvor nicht angesetzt.

    Der Berliner Mietendeckel war Ende Februar vergangenen Jahres in Kraft getreten. Seitdem sind die Mieten von rund 1,5 Millionen Wohnungen in der Hauptstadt eingefroren. Ab November mussten außerdem Mieten, die nach dem Gesetz als überhöht galten, abgesenkt werden.

    Nun drohen Nachzahlungen

    Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen erklärte nach dem Karlsruher Urteil: „Für die Mieterinnen und Mieter bedeutet dies, dass sie wieder die mit ihren Vermieterinnen und Vermietern auf Grundlage des Bürgerlichen Gesetzbuches vereinbarten Mieten zu entrichten und gegebenenfalls auch die Differenz zwischen der Mietendeckelmiete und der Vertragsmiete nachzuzahlen haben.“ Scheel kündigte an, der Senat werde am Dienstag über sozial verträgliche Lösungen für Mieterinnen und Mieter beraten.

    Nachforderungen werden unter anderem auf Mieter der Deutsche Wohnen zukommen. Das kündigte der Immobilienkonzern in Düsseldorf an. Für die Begleichung des Restbetrags der fälligen Miete biete die Deutsche Wohnen den vom Karlsruher Urteil betroffenen Mietern Möglichkeiten von Einmal- über Ratenzahlungen bis hin zu Stundungen an. Nach eigenen Angaben besitzt der Konzern im Großraum Berlin rund 116.000 Wohnungen.

    Der größte deutsche Wohnungskonzern Vonovia will dagegen nach eigenen Angaben auf Mietnachforderungen verzichten. Den Mietern sollten „keine finanziellen Nachteile aufgrund getroffener politischer Entscheidungen entstehen“, hieß es in einer Mitteilung. Vonovia besitzt in Berlin etwa 42.000 Wohnungen.

    #Berlin #wohnen #Miete #Immobilien #Recht

  • Karlsruhe richtet über Mietendeckel - Verfassungsrichter wollen wegweisende Entscheidung zur Regulierung der Mieten in Berlin verkünden
    https://www.neues-deutschland.de/artikel/1150753.mietendeckel-karlsruhe-richtet-ueber-mietendeckel.html
    Aujourd’hui le Tribunal constitutionnel fédéral d’Allemavne décidera du sort de la législation berlinoise qui limite le montant des loyers dans la capitale.

    Lange war nichts zu hören vom Bundesverfassungsgericht in puncto Mietendeckel, nun soll es rasant gehen: An diesem Donnerstag wollen die Karlsruher Richter eine Entscheidung zum Mietendeckel verkünden – so hatten es mehrere Quellen auch »nd« bereits am Mittwoch angedeutet. Und zwar ohne, dass es vorher eine mündliche Verhandlung dazu gegeben hat. Das wiederum sorgt bei Juristen, aber auch bei Mietervertretern für großes Erstaunen, denn bei einer Entscheidung von solcher Tragweite ist das alles andere als üblich. Beobachter des Verfahrens fragen sich auch, ob dieses Vorgehen im Einklang mit dem Ersten Senat des Bundesverfassungsgerichts geschieht, der als Erstes mit dem Thema befasst war, bevor der als konservativer geltende zweite Senat übernahm.

    Die Richter in Karlsruhe sind deshalb aufgerufen, die grundsätzliche Rechtmäßigkeit des Berliner Mietendeckels zu prüfen, weil die Abgeordneten der Bundestagsfraktionen von FDP und CDU/CSU eine Normenkontrollklage auf den Weg gebrachten haben, um das Berliner Gesetz zu kippen. In der Verhandlung vor dem obersten deutschen Gericht dürfte auch die formale Frage geklärt werden, ob Bundesländer überhaupt Mieten regulieren dürfen oder ob das nicht dem Bund vorbehalten ist.

    .
    Die Karlsruher Entscheidung betrifft die Mieterinnen und Mieter von rund 1,5 Millionen Wohnungen in der Hauptstadt, deren Mieten seit Ende Februar 2020 aufgrund des »Gesetzes zur Mietenbegrenzung im Wohnungswesen in Berlin«, wie es offiziell heißt, auf fünf Jahre eingefroren sind. Ausgenommen von dem Gesetz waren Neubauwohnungen, die nach dem Jahr 2014 gebaut wurden und Sozialwohnungen, die besonders bezuschusst werden. In einer zweiten Stufe konnten seit vergangenem Herbst sogar überhöhte Mieten abgesenkt werden. Bis zu mehreren Hundert Euro kamen da pro Monat an Einsparungen zusammen.

    Aber nicht nur Berliner Mieterinnen und Mieter gucken an diesem Donnerstag mit Spannung auf die Entscheidung in Karlsruhe. Auch in der rot-rot-grünen Koalition in Berlin, deren Vorzeigeprojekt der Mietendeckel ist, steigt die Anspannung. »Das fehlt uns gerade noch«, sagt ein wichtiger Koalitionsvertreter vielsagend, der aber vor der Bekanntgabe des Urteils nicht in der Zeitung zitiert werden möchte. Offenbar wird befürchtet, dass Karlsruhe den Berliner Mieterdeckel, der ganz zu Beginn maßgeblich von der SPD vorangetrieben wurde, vor dem Bundesverfassungsgericht keinen Bestand haben wird.

    #Allemagne #Berlin #droit #justice #logement

  • #Friedenau: Motorrad und Fahrradfahrer stoßen zusammen
    https://www.berliner-zeitung.de/news/polizeibericht-berlin/friedenau-motorrad-kracht-in-fahrradfahrer-li.151708

    #Fahrradterror: Erfahrene, speziell ausgebildete Verkehrsteilnemer, die ihre Fähigkeit, sich vernünftig und regelkonform im Straßenverkehr zu bewegen, durch die Führerscheinprüfung nachgewiesen haben, werden von übermütigen, unachtsamen und aggressiven Fahrradhelden angegriffen und schwer verletzt. Danach steht immer die Fahrerlaubnis der attackierten Fahrer auf dem Spiel. Entspannte Teilnahme am Straßenverkehr ist durch die steigende Zahl der viel zu schnell fahrenden, führerscheinfreien Zweiräder nicht mehr möglich.

    https://www.openstreetmap.org/node/3178165263#map=19/52.47336/13.33786

    10.4.2021 - Beide Personen wurden bei dem Unfall in der Nacht zu Sonnabend verletzt. Noch vor dem Eintreffen des Notarztes wurden sie erstversorgt.
    ...
    Nach ersten Erkenntnissen befuhren der 31-jährige #Radfahrer und der 25-jährige #Motorradfahrer gegen 21.50 Uhr die #Hauptstraße in Richtung Innsbrucker Platz. Der Motorradfahrer soll laut Polizei links neben dem Radfahrer gefahren sein. Dann kam es zum Unglück.

    An der Kreuzung Hauptstraße/Fregestraße/Stierstraße soll der Radfahrer in Höhe eines Fußgängüberweges nach links in Richtung #Stierstraße abgebogen sein und stieß dabei mit Motorradfahrer zusammen.

    Dabei gibt es umfangreiche Erfahrungen mit Fahrrädern als Massenverkehrsmittel, die zeigen, wie Unfälle verhindert werden können:

    Bis weit in die 1980er Jahre war die chinesische Hauptstadt #Peking / #Beijing eine riesige Fahrradzone. Etwa 10 Millionen Einwohner bewegten sich so gut wie ausschließlich mit #Bus, #U-Bahn, #Taxi und #Fahrrad fort.

    – Der Geschwindigkeit der Fahrradfahrer waren Grenzen durch drei Rahmenbedingungen gesetzt.
    1. Es gab keine Hilfsmotoren.
    2. Ihre schiere Masse limitierte die Geschwindigkeit aller Fahrradfahrer auf die der langsamsten unter ihnen.
    3. Verkehrsampeln und die Regeleung des Verkehrs durch Polizeibeamte an allen wichtigen Kreuzungen stoppten den Fluß der Fahrradmassen alle paar Minuten, so dass sich schnelles Fahren für niemand lohnte.


    Die Changan Ost-West-Achse in Peking 1986

    – Fahrrad-Fahrstreifen und die für Motorfahrzeige waren mit durchgehenden, etwa 60 Zentimeter hohe Barrieren voneinander abgegrenzt.

    – Das Führen von Motorfahrzeugen war ausschließlich Berufskraftfahrern, Rettungskräften und ausländischen Diplomaten gestattet. Für private PKWs wurde, bis auf wenige Ausnahmen, keine Zulassung erteilt.

    – Dem motorisierten Verkehr wurde in der Regel eine Spur pro Fahrtrichtung zugestanden, nur auf sehr breiten Hauptstraßen wurden ihm mehr Fahrspuren geöffnet. Das geschah nur, wenn dem Fahrradverkehr mindesten zwei Fahrspuren pro Richtung zur Verfügung standen.

    – Nebenstraßen waren weitgehend frei von motorisiertem Autoverkehr, weil es keine privaten PKW gab und die Straßen meist zu eng für größere LKW und Busse waren.

    Diese beinahe idyllischen Verkehrsbedingungen endeten mit der sozialistischen Epoche der Volksrepublik China und der Einführung des staatlich regulierten Kapitalismus. Nicht anders als im Westen bestimmen nun Wachstung und Profit alle Lebensbedingungen. Der Verkehr ist keine Ausnahme.


    Shanghai 1980: Fahrräder vor einem Kino

    #Berlin #Fregestraße #Verkehr #Unfall #äMotorrad

  • Berlin Alexanderplatz: Sozialistische Supermoderne und Lieblingskulisse der Mode
    https://www.berliner-zeitung.de/wochenende/berlin-alexanderplatz-sozialistische-supermoderne-und-lieblingskuli


    Bild von Hedi Slimane / Celine, 2019

    10.4.2021 von Sabine Röthig - Am Alexanderplatz zeigt sich die sozialistische Supermoderne in ihrer ganzen brachialen Schönheit. Das inspiriert die Modefotografie, von damals bis heute.

    Die Aura des Alexanderplatzes war immer eine kühle. Mit einer Fläche von mehr als 80.000 zugigen Quadratmetern ist dieser Ort im Osten der Stadt die Antithese zur deutschen Gemütlichkeit. Der Platz wurde nach der sowjetischen Direktive, die für die DDR eine industrielle Plattenbauweise im Sinne einer „offenen, durchgrünten und autogerechten Stadt“ vorgab, geplant – und in den 60er- und 70er-Jahren erbaut. Organisch gewachsen ist hier nichts, auch wenn sich nach der Wende vieles verändert hat.

    Doch auch wenn man hier (noch?) nicht wohnen möchte, geht doch eine unglaubliche Faszination von diesem Areal aus und man spürt sie immer noch: die Hoffnung auf einen Neubeginn, die Ambitionen und die Träume von einer besseren Welt. Auch viele details an den Gebäuden erzählen vom Aufbruch und von der Neuerfindung eines Staates, wie der berühmte Fassadenfries am Haus des Lehrers. In diesen Bildern ist sie noch lebendig, die Idee der sozialistischen Supermoderne.

    Bereits zu DDR-Zeiten war der Alexanderplatz beliebte Kulisse für Modeshootings. Daran hat sich nichts geändert. Mehr noch – es ist heute ja noch viel offensichtlicher, dieses Unwirkliche, Futuristische, das mit dem wahren Leben irgendwie nicht in Einklang zu bringen war. Genau diese seltsam entrückte Attitüde der DDR-Prachtarchitektur prägt bis heute das Bild von Berlin in der ganzen Welt entscheidend mit. Der Alexanderplatz wurde in den vergangenen Jahren deswegen von zwei großen Modedesignern als Kampagnenmotiv gewählt. 2016 fotografierte Matt Lambert die Givenchy Pre-Fall-Kollektion für Riccardo Tisci rund um den Platz.

    2019 folgte ihm Celine-Kreativdirektor Hedi Slimane mit einer Fotostrecke. Seine Models lehnten lässig an Brüstungen und Mauern, im Hintergrund ist der Fernsehturm zu sehen. Slimane fotografierte selbst, in dem für ihn typischen, lakonischen Schwarz-Weiß. Die Modefotos zeigen besonders schöne Blickwinkel, in denen das Potenzial des Alexanderplatzes als Motiv absolut überzeugt. Steht man selbst auf dem Platz, muss man jedoch nach solchen Ecken suchen.

    Vielleicht probieren Sie es selbst einmal – die Lücke zwischen Kaufhaus und Forumhotel ist zumindest zu empfehlen. Dreht man dem Hotelhochhaus den Rücken zu, erhebt sich frontal der Fernsehturm in all seiner monumentalen Größe. Was für ein Bild!


    Foto: Archiv Klaus Fischer / Sorge DDR-Sommermode 1972, fotografiert am Centrum Warenhaus. Im Hintergrund zu sehen: der Brunnen der Völkerfreundschaft, das Haus des Lehrers und rechts das Haus des Reisens.

    #Berlin #Mitte #Alexanderplatz #Mode #Stadtentwicklung

  • Bolle Milch
    https://www.youtube.com/watch?v=vUwG6PAiBow


    Aus dem Archiv Karl Hoeffkes https://www.karlhoeffkes.de

    Der eingestellte Werbefilm für Milch in Glasflaschen stammt aus der Mitte der 1930er Jahre. Die in Berlin ansässige Meierei C. Bolle war ein Milchunternehmen, das im Jahr 1879 von Carl Andreas Julius Bolle gegründet wurde.

    Als das kaiserliche Berlin in den siebziger und achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts expandierte, konnte der steigende Bedarf an Milch, Butter und Eiern nicht mehr ausreichend durch die umliegenden Bauern gedeckt werden.

    Carl Bolle, ein umtriebiger Unternehmer, erkannte die Zeichen der Zeit und versorgte die Berliner Bevölkerung mit Pferdegespannen, die mit einem Jungen als Kutscher und einem Milchmädchen besetzt waren, das die Milch austrug.

    Innerhalb weniger Jahre wurde die Bolle-Meierei zum größten Milchunternehmen weit über die Grenzen Berlin hinaus. Mitbestimmend für den Erfolg war, dass die Milch kontrolliert und gefiltert wurde.

    Ab 1900 kam auch pasteurisierte Milch auf den Markt, zunächst in verplombten Flaschen für Kleinkinder und Säuglinge, später auch für die gesamte Bevölkerung. Milch in Flaschen wurde zu einem Verkaufsschlager - und „Bolle“ zu einem Markenzeichen, das jeder Berliner kannte.

    Meierei C. Bolle
    https://de.wikipedia.org/wiki/Meierei_C._Bolle

    In den 1870er und 1880er Jahren war das kaiserliche Berlin in starkem Wachstum begriffen, die Stadt expandierte und der Bedarf an verderblichen Agrarprodukten wie Milch, Butter, Eier, Fleisch, Gemüse und Obst konnte durch die kleine, meist bäuerliche Handelsversorgung nicht mehr ausreichend gedeckt werden.

    Carl Bolle, ein vielseitiger Unternehmer, begann unter anderem ab 1879, die Stadt mit Milch und Milchprodukten zu beliefern, die von seinen Kühen stammten, die unweit seiner Baumschule am Lützowufer 31 weideten und ursprünglich als Düngerlieferanten gebraucht wurden.
    ...
    Ab etwa 1881 wurden Pferdegespanne eingeführt, die mit jeweils einem Jungen als Kutscher (wegen der Aufschrift auf dem Wagen im Volksmund Bolle genannt) und einem Milchmädchen (Bolle-Mädchen) besetzt waren, das die Milch austrug und in einer umgebundenen Ledertasche die Kasse dabei hatte.

    Die Bolle-Meierei wurde zum größten und bekanntesten Milchunternehmen dieser Zeit, verfügte zeitweise über 250 Wagen und tausende Angestellte.

    Sie zog nach 1879 in ein größeres Firmengelände nach Alt-Moabit um, wo Frischmilch aus einem Umkreis von 200 km, meist aus Brandenburg und per Bahn, angenommen und verarbeitet wurde.

    Die Unternehmenszentrale lag seit den 1880er Jahren in Berlin-Moabit, Alt-Moabit 98–103, bis 1886 Standort der Porzellanfabrik Schumann.

    Im Jahr 1969 wurde die Produktion von Milchprodukten in der Moabiter Niederlassung eingestellt. Auf dem Gelände ließ Ernst Freiberger ab 1971 Speiseeis herstellen. Außerdem erwarb er eine Pizza-Bäckerei, in welcher Tiefkühlware wie Pizza, Baguette und Pasta produziert wurde. Freiberger entwickelte das Unternehmen zu einem der größten Tiefkühlkostanbieter in Europa.
    ...
    Ab 1994 entstand unter Freibergers maßgeblichem Einfluss – nach einem Flächentausch mit dem benachbarten Focus Teleport-Gelände – der Spree-Bogen, ein Büro- und Gewerbepark, der u. a. von 1999 bis zum Jahr 2015 das Bundesinnenministerium beherbergte, das als einziges Bundesministerium in gemieteten Räumen arbeitete. Seitdem arbeiten die Ministeriumsmitarbeiter in einem Neubau, der ebenfalls in Alt-Moabit in Berlin-Mitte entstanden ist. In Teilen der Gebäude etablierte sich in dieser Zeit ein Hotel (Abion Spreebogen Waterside) mit 243 Zimmern für Gäste.

    Mit der Geschichte der Meierei C. Bolle verbunden ist der Bau des Theaters des Westens in der Charlottenburger Kantstraße im Jahre 1896, wo sich zuvor der Kohlenlagerplatz des Unternehmens befand.

    Milchmädchenrechnung
    https://de.wikipedia.org/wiki/Meierei_C._Bolle#Milchm%C3%A4dchenrechnung

    Während die Vertriebsnetze leicht verderblicher Produkte aus den Erzeugerregionen des Brandenburger Umlands bis zum Kunden bereits um die Wende zum 20. Jahrhundert zentral organisierbar waren und der Ankaufpreis weitgehend von der Industrie bestimmt werden konnte, war der Rückfluss des Kapitals aus der Stadt meist unberechenbar und aus unternehmerischer Sicht ein Risiko. Frische Milch verdirbt schon bei geringen Zeitverzögerungen im Ablauf. Zum anderen entstand der Umsatz durch das Einsammeln von Kleinstbeträgen und war von exakter Rechnungsführung gegenüber den Kunden abhängig, die oft eine betont freundliche Beziehung zu ihren Milchmädchen hatten. Die Kunden kauften auch täglich nur eine kleine, frische aber jedes Mal unterschiedliche Menge. Mängel in der Rechenfähigkeit der Angestellten konnten sich spürbar auswirken, zumal es sich um Hilfskräfte handelte, die über geringe Schulbildung verfügten und auch noch nach anderen Kriterien ausgesucht werden mussten, wie der Fähigkeit, Fuhrwerke zu fahren, die Pferde zu versorgen, zu reparieren, die Wagen zu putzen und reinlich zu halten. Die Rechnungsführung im Einzelvertrieb vieler verderblicher Kleinstmengen war damals ein ernstes Problem. Wegen der einfachen Rechenschemata könnte dies auch der Grund für die Entstehung des Begriffes Milchmädchenrechnung sein.

    #Berlin #Charlottenburg-Wilmersdorf #Mitte #Charlottenburg #Moabit #Tiergarten #Lützowufer #Alt-Moabit #Kantstraße

    #Geschichte #Wirtschaft #Milchmädchenrechnung #Mathematik #Hygiene #Ernährung #Milch

  • Einsatz am Gleisdreieck: Flaschen auf Polizisten geworfen – 2500 Menschen in Berliner Park - Berlin - Tagesspiegel Mobil
    https://m.tagesspiegel.de/berlin/einsatz-am-gleisdreieck-flaschen-auf-polizisten-geworfen-2500-menschen-in-berliner-park/27062660.html

    Tausende Menschen waren am Mittwoch im Gleisdreieckpark. Als die Polizei kam, wurden die Beamten aus einer Gruppe heraus angegriffen.

    Aus einer Gruppe von rund 100 Menschen heraus sind am Mittwochabend in Berlin-Kreuzberg Steine und Flaschen auf Polizisten geworfen worden. Getroffen wurde aber niemand, wie die Polizei am Donnerstag mitteilte.

    Die Menge sei zuvor im Park am Gleisdreieck gewesen, wo sich am späten Nachmittag etwa 2500 Menschen aufgehalten hätten. Diese seien bis in die Abendstunden des Mittwochs im Park gewesen – teilweise ohne Einhaltung der geltenden Hygiene- und Abstandsregeln.

    Erst nach Verstärkung der Polizeikräfte und gezielter Ansprache der Beamten habe sich die Ansammlung langsam aufgelöst. Ein großer Teil der Menschen sei anschließend zum U-Bahnhof Gleisdreieck gelaufen. Dort habe die Gruppe schließlich die Polizei beworfen und sei anschließend mit einer einfahrenden U-Bahn und zu Fuß verschwunden.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Park_am_Gleisdreieck

    #Berlin #party #covid-19 #Kreuzberg

  • Riders unite! | Lesejury
    https://www.lesejury.de/robin-de-greef/buecher/riders-unite/9783982203652

    ARBEITSKÄMPFE BEI DEN ESSENSLIEFERDIENSTEN - DAS BEISPIEL BERLIN
    Mit ihren auffälligen Rucksäcken prägen sie mittlerweile das Bild von Großstädten in ganz Europa und darüber hinaus: Rider genannte Kurierfahrer*innen, die auf Abruf Essen direkt vor die Haustür liefern. Sie sind Teil der Gig-Economy, einem Bereich des Arbeitsmarktes, der durch die Vermittlung prekärer Dienstleistungsjobs über digitale Plattformen gekennzeichnet ist.
    Die Plattform-Unternehmen wälzen dabei oft Verantwortung und Kosten auf die Beschäftftigten ab, welche im Arbeitsalltag tendenziell vereinzelt sind. Unerwartet kam darum, dass sich Rider seit dem Sommer 2016 vielerorts selbst organisieren und auch international vernetzen, um bis heute für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. In Berlin wurde die Kampagne Deliverunion gegründet, in der sich Rider der konkurrierenden Lieferdienste Deliveroo und Foodora zusammenschlossen und die durch das lokale Syndikat der Basisgewerkschaft FAU unterstützt wurde.
    Entlang dieses konkreten Beispiels gibt das Buch Einblicke in die Welt der Plattform-Unternehmen sowie den Arbeitsalltag und die Kämpfe bei den Lieferdiensten. Durch Auszüge aus Interviews kommt dabei die Perspektive der Rider selbst besonders zur Geltung.

    10,00 €
    inkl. MwSt
    VERLAG: Die Buchmacherei
    THEMENBEREICH: Gesellschaft und Sozialwissenschaften
    GENRE: keine Angabe / keine Angabe
    SEITENZAHL: 144
    ERSTERSCHEINUNG: 12.2020
    ISBN: 9783982203652

    Bestellen: https://www.buchhandel.de/buch/9783982203652?MVB-Kennnummer=5271615

    Leserbriefe (Tageszeitung junge Welt)
    https://www.jungewelt.de/artikel/399848.serie-unsere-armut-ihre-profite-rider-im-gegenwind.html

    Leserbrief zum Artikel Serie »Unsere Armut – ihre Profite«: Rider im Gegenwind vom 01.04.2021:
    Gehaltvolle Untersuchung
    Zum ausgezeichnet detailreichen Bericht von Elmar Wigand über den Konzentrations-, Monopolisierungs- und Konkurrenzprozess bei den Lieferdiensten möchte ich auf ein wichtiges Büchlein zum Thema hinweisen: »›Riders unite!‹ – Arbeitskämpfe bei Essenslieferdiensten in der Gig-Economy – Das Beispiel Berlin«. Der Autor Robin de Greef ist ein Insider, der als Student – wie viele junge Leute – selbst als Rider bei Deliveroo und Foodora gearbeitet, darüber seine Bachelorarbeit geschrieben und daraus ein sehr lesbares Buch gemacht hat. Es ist im Dezember 2020 erschienen im Verlag Die Buchmacherei.

    Ein substanzreicher Untersuchungsbericht vor Ort, belegt durch viele Interviews mit Kurierfahrer/innen, mit Fotos und Schaubildern von ihren Arbeitskämpfen und Verortung der Arbeitsplattformen in der digitalen Ökonomie. Die anschauliche Schilderung der prekären Arbeitsweisen und Abhängigkeiten wird durch ein Glossar, ein umfangreiches Quellen- und Literaturverzeichnis und erstmals dokumentierte Arbeitsverträge und Kündigungsschreiben ergänzt.

    Die Solidaritätserklärung von Berliner Taxi-Fahrern für die Rider in einem Gerichtsprozess gegen Deliveroo stellt die Verbindung zu ähnlich sich verschlechternden Arbeitsbedingungen her und betont die Notwendigkeit von unternehmens- und branchenübergreifendem Widerstand, solidarisch und international.
    Rainer Knirsch, Berlin
    Veröffentlicht in der jungen Welt am 02.04.2021.

    #Berlin #Taxi #Fahrradkuriere #Buch

  • Susanne Erichsen
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Susanne_Erichsen

    Susanne Erichsen geborene Firle (* 30. Dezember 1925 in Berlin-Steglitz; † 13. Januar 2002 in Berlin) war eine deutsche Schönheitskönigin sowie Mannequin, Fotomodell und Unternehmerin.

    https://m.tagesspiegel.de/mode/west-berliner-stilikonen-modevorbilder-in-der-mauerstadt/8583552.html


    Susanne Erichsen : Winter 1953.

    Sie war die erste deutsche Schönheitskönigin aus Berlin. Susanne Erichsen wurde 1952 in Baden-Baden zur Miss Germany gewählt. Ihr Aussehen war eher streng als lieblich – aber so hatten Mannequins damals auszusehen – aristrokatisch und ladylike. So präsentierte sie die Kleider der Berliner Couturiers wie Uli Richter und Heinz Oestergaard. In die USA flog sie als Modebotschafterin und wurde flugs als „Fräuleinwunder“ berühmt. In den USA verdiente sie als Model mehr als 100 Dollar in der Stunde – eine astronomische Summe. Zurück in Berlin gründete sie ihre eigene Modefirma „Susanne Erichsen Teenager Modelle GmbH“. 1967 wollte sie dann nicht nur mit Kleidern sondern guten Tipps ihre Umgebung verschönern und eröffnete eine Modelschule. Aber auch das schien ihren missionarischen Eifer noch nicht gestillt zu haben, oder sie fühlte einfach, dass es in West-Berlin einen dringenden Bedarf an Schönheitspflege gab: Für alle war die „Schule in Sachen Schönheit. Gewusst wie“.

    #Allemagne #Berlin #Steglitz #mode #histoire #Frauleinwunder

  • RBB-„Kulturradio“ vor der Reform So rasend wie langsam
    https://m.tagesspiegel.de/gesellschaft/medien/rbb-kulturradio-vor-der-reform-so-rasend-wie-langsam/26140492.html


    Ganz besonders alten Wein gibt es beim RBB „Radio Kultur“ in gut abgehangenen Schläuchen, nur mit Wirklich Neuem is nix.

    Dafür dümpelt der Sender seicht vor sich hin, bei einer Million Euronen weniger im Jahr. Jünger, billiger, erfolgreicher. So sieht das aus. Altersdiskriminierung light, völlig idiotisch, denn Wachstum findet zur Zeit vor allem bei den Ü-60 statt.

    Will die Wellenchefin ihre Stammhörerschaft etwa Corona-euthanasieren? Wettet sie darauf, das ihre Pandemiemassnahmen das Wachstum radikal in die Bestattungsbranche verlagern helfen?

    Danach bleiben dem Sender wirklich nur die arbeitlosen Ü-40 bis U-60-Künstler allerlei Geschlechts zum MA-Doping übrig. Ich höre schon die MA-Jingles 2021: „Wenn Du Künstler unter 60 bist, ruf an und gewinne ein Jahr Kultur-BGE. Alle anderen können den Porsche abstauben.“

    Wie sich die ÖR-Granden, dazu gehören auch RBB-Kulturchefs Stephan Abarbanell und Verena Keysers, an Einschaltquoten aufgeilen, ist zur Routine geworden. Die freche Behauptung, mit weniger Geld mehr Kultur zu machen auch.

    Das Ergebnis kann nur Einnahmeverluste für Kunstschaffende bis hin zum Verlust ihrer Existenz beduten. Die kommende ÖR Gebührenerhöhung können dann Feste, Funktionäre und private Produzenten in aller Ruhe unter sich aufteilen

    Wer braucht schon Künstler?

    30.8.2020- Mit den Mitteln des Radios und als Video-Livestreams wurde versucht, viele Kulturveranstaltungen der Region zumindest virtuell stattfinden zu lassen und den Künstlern doch noch eine Bühne zu geben. „Wir haben im Radio, aber auch im Fernsehen, viel Neues ausprobiert – vom der „Carmen“-Übertragung bis hin zu virtuellen interreligiösen Gottesdiensten“, sagt dazu RBB-Kulturchef Stephan Abarbanell.

    Die Pandemie hat das Kulturradio des RBB in der Hochphase der 2019 verordneten Reform getroffen. Sie soll das Programm attraktiver machen und der Hörerschwund gestoppt stoppen. Zugleich soll der Altersdurchschnitt von derzeit 61,6 Jahren gesenkt werden, nicht zuletzt durch neue digitale Formate.

    Zudem soll das Kulturradio von 2021 an eine Million Euro jährlich einsparen. Entsprechend groß sind die Befürchtungen insbesondere bei den Freien Mitarbeitern, dass die Einsparungen vor allen zu ihren Lasten gehen. Aber auch aus der Kulturszene wurden kritische Stimmen laut, dass wieder einmal bei der Kultur gespart werde, denn vergleichbare Vorgaben gebe es für andere RBB-Sender nicht.

    #Allemagne #Berlin #radio #musique #culture #politique #covid-19

  • Streit um Klassik im Radio RBB Kultur erntet heftige Kritik für neuen Musikmix
    https://m.tagesspiegel.de/gesellschaft/medien/streit-um-klassik-im-radio-rbb-kultur-erntet-heftige-kritik-fuer-neuen-musikmix/27059608.html

    01.04.2021 - Der Sender will mit neuem Musikprogramm mehr Leute ansprechen. Trotz zahlreicher Beschwerden von Stammhörern verteidigt Wellenchefin Verena Keysers die Initiative.

    Verena Keysers hat eine klare Botschaft: Sie will kein Randgruppen-Radio machen. Sondern mit RBB Kultur für die ganze Stadtgesellschaft da sein. Das jüngst modifizierte Programm soll die Vielfalt der Kulturmetropole Berlin spiegeln, „themenstark“ und „journalistisch relevant“, wie sie im Gespräch mit dem Tagesspiegel sagt.

    Kernpunkt der Reform ist für die Wellenchefin darum das „kulturelle Wort“ und erst danach der neue Musikmix, der neben Klassik in den Sendungen „Der Morgen“ und „Der Tag“ jetzt auch Filmmusik, Pop, Jazz und die so genannten New Classics umfasst.

    In den beiden hörerstärksten Tagesphasen, zwischen sechs und zehn Uhr sowie 16 und 20 Uhr will RBB Kultur über die Diversität der regionalen Kulturszenen berichten, seine Kompetenz als Beobachter und Berichterstatter unter Beweis stellen, mit vielen Interviews, Hintergrundgesprächen, Rezensionen. Denn, so argumentiert Verena Keysers, ihr Auftrag lautet, ein Kulturprogramm zu machen und nicht ein Klassikprogramm.

    Darum haben sie und ihr Team sich für eine Weitung der musikalischen Inhalte entschieden. Aus dem Bereich Klassik stammen in den Primetime-Zeiten nur noch die Hälfte der gespielten Titel - wobei Dirk Hühner, Musikchef bei RBB Kultur, darauf hinweist, dass die klassischen Kompositionen mit bis zu acht Minuten deutlich länger seien als die Tracks der übrigen Genres. Dadurch bliebe insgesamt die Klassik-Dominanz gewahrt.

    Irritation, Enttäuschung und auch Wut haben die Veränderungen bei der Stammhörerschaft ausgelöst. „Um die 750 Mails und Briefe sind beim RBB eingegangen, teils mit Zuspruch und Lob für neue Sendungen und musikalische Repertoires, überwiegend mit Kritik am neuen Sound Design und den musikalischen Erweiterungen“, sagt Verena Keysers. Wobei sich nicht nur das ältere Publikum meldete: „Kritik ist keine Frage des Alters, sondern des Musikgeschmacks. Auch jüngere üben heftige Kritik.“
    Keysers will die Vielfalt der Berliner Kulturszene feiern

    Den Tagesspiegel haben ebenfalls außergewöhnlich viele Leserreaktionen erreicht, beim Landesmusikrat liefen die Mitglieder sogar derartig Sturm gegen das neue Wellenprofil, dass sich der Interessenverband entscheiden hat, eine Meinungsumfrage zum Thema durchzuführen, um für das nächste Gespräch mit den RBB-verantwortlichen inhaltlich umfassend gewappnet zu sein.

    „Natürlich haben wir mit Abwehrreaktionen bei unseren Stammhörern gerechnet“, räumt Verena Keysers ein. „Dennoch bin ich überrascht von der Vehemenz und auch von der Richtung, in die die Debatte gerade geht: dass nämlich hier eine totale Verflachung stattfände. Diesen Vorwurf finde ich überhaupt nicht gerechtfertigt.“

    Das Ziel der Modifizierungen sei doch lediglich, dass sich die fantastische Vielfalt des hauptstädtischen Kulturlebens auch in der Musikauswahl widerspiegele, sagt Keysers. Nur so könne der Sender neue Zielgruppen ansprechen, für die das bisherige Musikprofil gerade ein Kriterium war, RBB Kultur nicht zu hören.

    Verena Keysers formuliert es so: „Ausschließlich klassische Musik, das haben uns viele in einer Studie befragte Hörerinnen und Hörer zurückgemeldet, wirkt auf nicht wenige, die sich potenziell für unsere Inhalte interessieren, im wahrsten Sinne des Wortes exklusiv.“

    Es ist das alte Argument des Elitären, das hier bemüht wird. Ausschließlich für eine spitze Interessengruppe zu senden, das will sich längst keine öffentlich-rechtliche Anstalt mehr leisten. Auch wenn die durchschnittliche Einschaltquote von 100 000 Personen, die das klassikbasierte Kulturradio bislang hatte, keine quantité négligable ist. Weil es sich hier nicht um Menschen handelt, die das Radio zuhause oder im Büro im Hintergrund dudeln lassen, sondern um aufmerksame Nutzer.
    Ist Einaudi „ganz normale Klaviermusik“?

    Selbstverständlich seien auch intern nicht alle mit der neuen Linie einverstanden, sagt Keyers. „Wir diskutieren sehr intensiv über die musikalische Handschrift, teilweise sogar heftig und hitzig“. Außerdem werde der Musikmix ständig überprüft, auf das, was gut und was weniger zusammenpasse, fügt Dirk Hühner hinzu – und dann von Monat zu Monat weiterentwickelt.

    Die sogenannte Neoklassik, also jene Form von Instrumentalmusik mit Easy-Listening-Charakter, die sowohl melodisch, rhythmisch als auch harmonisch auf Schlichtheit setzt und für die exemplarisch der Pianist Ludovico Einaudi steht, so ist für Hühner übrigens längst in der Realität von Bildungsbürgerhaushalten angekommen: „Das wird von sehr vielen für ganz normale Klaviermusik gehalten.“

    Natürlich zeigt Verena Keysers sich überzeugt davon, dass RBB Kultur einen Großteil der Stammhörer wird halten können. Die nächsten Ergebnisse der Mediaanalyse, die Aufschlüsse über die Reichweite der Sender und ihre Hörer-Quoten bringt, werden allerdings erst im Juli vorliegen. Bei den positiven Reaktionen auf die Reformen überwiegen übrigens jene Stimmen, die den neuen Wort-Schwerpunkt loben – und es konsequent finden, dass sich dadurch auch musikalisch der Horizont geweitet habe.

    Was aber antwortet Verena Keysers jenen Menschen, die ihr schreiben, dass sie ihre kulturelle Heimat verloren hätten? „Ich bitte sie, das Ungewohnt nicht reflexhaft abzulehnen, sondern sich erst einmal einzuhören und dem neuen Profil von RBB Kultur eine Chance zu geben.“ Mit anderen Worten: Macht euch mal locker!

    Interessant wäre im Zusammenhang mit dieser Wer-spielt-was-für-wen-Debatte folgendes Gedankenspiel: Was würde wohl passieren, wenn Radio Eins, der Sender „nur für Erwachsene“, der so stolz auf seinen anspruchsvolle Rock-Pop-Mix ist, von der RBB-Intendanz gebeten würde, aus Gründen der ästhetischen Barrierefreiheit regelmäßig auch Schlager von Helene Fischer und Andrea Berg zu spielen?

    #Allemagne #Berlin #radio #musique #culture #politique

  • Zentrale Anlaufstelle für Corona-Tests der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung
    https://test-to-go.berlin

    A #Berlin pour obtenir le droit de faire ses courses il faut se faire tester et enregistrer quotidiennement. Il est désrormais impossible de s’habiller et chausser sans identification et enrégistrement numérique.

    Pour le dire plus précisément : D’abord on oblige tout le le monde à se faire tester. Ensuite on oblige les malades à accepter la surveillance étroite par les autoritës compétentes. Impossible d"échapper à la surveillance totale.

    #Allemagne #Orwell #1984 #dystopie #iatrocratie

  • Der Blocksberg | Digitales Deutsches Frauenarchiv
    https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/akteurinnen/der-blocksberg

    1975 - 1980, Yorckstraße 48, 1000 Berlin Postzustellbezirk 30 oder 62

    14.2. 2019, von Lara Ledwa - Der Blocksberg war eine kollektiv betriebene Frauenkneipe im Westberlin der 1970er-Jahre. Sie wurde von Lesben für FrauenLesben gegründet und bot einen subkulturellen Ort vorwiegend für die autonome (lesbisch-)feministische Bewegung. Als erste ihrer Art erlangte sie einige Berühmtheit und fand viele Nachahmerinnen.

    Die Gründung

    Der Blocksberg war die erste Frauenkneipe in der Bundesrepublik. Gegründet wurde sie 1975 in Berlin-Kreuzberg in der Yorkstraße (damals noch ohne c) auf Privatinitiative von zwei Lesben (H.L./G.H.). Sie wollten eine alternative Kneipe für FrauenLesben abseits der herkömmlichen subkulturellen Lesbenlokale und/oder männlich dominierten linken Kneipen anbieten. Neben dem regulären Barbetrieb fanden im Blocksberg politische Diskussionen, Lesungen und Projektetreffen statt.1 Die Besucherinnen dürften deshalb vorwiegend, aber nicht ausschließlich, aus dem Umfeld der Frauen- und Lesbenbewegung gewesen sein. Männer hatten keinen Zutritt.2

    Der Name ‚Blocksberg’ referierte auf Versammlungsorte von Hexen, welche in großen Teilen der Frauenbewegung der 1970er-Jahre als Symbol für die Unterdrückung durch und den Widerstand gegen das Patriarchat galten. Innerhalb und außerhalb der Kneipe spielte das Bild der Hexe deshalb eine dekorative Rolle.3 Auch bei der Benennung von Speisen und Getränken war das Konzept der Frauenkneipe konsequent. So hieß griechischer Salat mit Schafskäse beispielsweise „Sapphos Freude“, Cocktails trugen Namen wie „Jeanne dʹArc“ oder „Rote Rosa“.

    Eine neue Form der Subkultur

    Für Lesben, die der initiierende und tragende Teil des Projekts Blocksberg waren,5 spielte die Subkultur eine besondere Rolle. Sie war bisher eine der wenigen Möglichkeiten gewesen, ein lesbisches Leben zu leben und sie war von immenser Bedeutung für die queere Geschichte der Weimarer Republik und der Nachkriegszeit.6 Viele Lesben, die sich in der Bewegung der 1970er-Jahre engagierten, hatten hingegen ein gespaltenes Verhältnis zum sogenannten ‚Sub’. Solch einen Ort lesbischer Gemeinschaft empfanden viele Bewegungslesben als zu sexualisiert, zu kühl in der Atmosphäre, zu unpolitisch und/oder zu spießbürgerlich konservativ – auch wenn sie ihn meist dennoch aufsuchten.7

    Der Blocksberg wurde von den Betreiberinnen als „feministische Alternative zur damaligen Subkultur“8 bezeichnet. „Bars wie Pour Elle mit den traditionellen Butch-/Femme-Rollen waren bei vielen von uns verpönt und wurden deshalb boykottiert. Wir wollten neue Wege miteinander finden, die sich nicht an patriarchal-heterosexuellen Normen orientierten.“9 Die Ablehnung der etablierten lesbischen Subkultur hing auch mit Faktoren wie Herkunft, Bildung und Alter zusammen.10 Teilweise begegneten sich Lesben aus dem Sub und Bewegungslesben mit gegenseitiger Ablehnung oder eben Kritik.11

    Die Gründung und das Selbstverständnis des Blocksbergs zeigten an, dass viele der Lesben aus der Frauenbewegung sich die Subkultur anders als die bisher existierende imaginierten, und dass der Blocksberg einen Ort alternativer lesbischer, feministischer Gemeinschaft innerhalb der Subkultur darstellte.

    Kollektivbetrieb Blocksberg

    Neben der alternativen ,inhaltlichenʻ Ausrichtung des Blocksbergs stand auch die Art, in der der Laden betrieben wurde, im Gegensatz zu herkömmlichen Lokalen der lesbischen Subkultur. Der Betrieb war, wie viele in der Zeit initiierte Frauenprojekte, in kollektiven Strukturen organisiert.12 Im Blocksberg bekamen alle Frauen, die hauptverantwortlich dort arbeiteten, einen Einheitslohn. Außerdem gab es ein Kollektiv, das Entscheidungen traf und das Programm mitbestimmte. In den Zeiten, in denen viele Schulden abgearbeitet werden mussten (dazu im Folgenden mehr), arbeiteten allerdings viele Frauen auch unbezahlt oder stark unterbezahlt, um das Projekt zu retten.13 Preise für Speisen und Getränke waren nicht profitorientiert kalkuliert und eventuelle Gewinne sollten in andere Frauenprojekte fließen.14

    Mediale Aufmerksamkeit für den Blocksberg

    Der Blocksberg erlangte einige Aufmerksamkeit in den Massenmedien, als das Konzept ‚Frauenkneipe‘ neu war. So gab es 1977 im Zeit-Magazin einen langen und positiven Artikel über die Kneipe; von einer Frau geschrieben, die den Blocksberg zum ersten Mal besuchte und der feministischen Bewegung bis dahin eher skeptisch gegenübergestanden hatte.15 Jedoch gab es auch, und das war die negative Seite der Aufmerksamkeit, effektheischende Meldungen in verschiedenen Zeitungen, nachdem Frauen aus dem Blocksberg vor der Kneipe „randaliert“ haben sollen.16 Die Stilisierung von linken, feministischen und/oder lesbischen Frauen als Gefahr und eine teilweise damit einhergehende Kriminalisierung hat eine lange Tradition, die vor dem Blocksberg nicht haltmachte: Es fanden hier auch Durchsuchungen der Polizei statt.17

    Streit um den Blocksberg

    Im Juni 1977 brach ein großer Streit über den Blocksberg aus, an dem das Projekt fast gescheitert wäre.18 Nachdem zwei neue Hauptverantwortliche (M.K./M.B.) im August 1976 in das Projekt eingestiegen waren, offenbarte sich ein Schuldenberg, der sich unbemerkt angehäuft hatte. Zur Tilgung der Schulden wurden die Löhne der Mitarbeiterinnen heruntergesetzt und LAZ-Frauen arbeiteten unentgeltlich im Blocksberg, um seinen Fortbestand zu sichern. Nachdem sich dadurch die finanzielle Lage stabilisiert hatte, wollten die Gründerinnen, dass die neuen Kollektivfrauen ihnen den Blocksberg abkauften, wozu diese nicht bereit waren.19 So eskalierte der Konflikt und die neuen Kollektivfrauen skandalisierten die „Ermordung“ des Blocksbergs sowie den ersten „Bulleneinsatz von Frauen für Frauen“.20 Dennoch bedeutete diese Auseinandersetzung noch nicht das Ende der Frauenkneipe. Am 5. Juli 1977 wurde der Blocksberg als GmbH eingetragen, weiterhin kollektiv bewirtschaftet und bestand bis Ende 1980.21 Danach wurde die Kneipe zunächst von Lesben und einem Schwulen gemeinsam übernommen, die das legendäre Punklokal Risiko eröffneten und ein gemischtes, schwul-lesbisches Publikum ansprachen.22
    diverse Materialien zu Aktionen aus den Anfangsjahren (HAW-Frauengruppe)
    Medienbetrachter öffnen
    Weitere Informationen

    Lara Ledwa, hat ihren M.A.-Abschluss in den Gender Studies mit einer Arbeit zu der HAW-Frauengruppe beziehungsweise dem LAZ gemacht, wofür sie viele Stunden im Spinnboden Archiv mit einem Ordnerregal verbrachte. Sie lebt in Berlin und beschäftigt sich (manchmal sogar auch in der Lohnarbeit) mit feministischen, queeren und lesbischen Politiken.

    Empfohlene Zitierweise
    Lara Ledwa (2019): Der Blocksberg, in: Digitales Deutsches Frauenarchiv
    URL: https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/akteurinnen/der-blocksberg

    Zuletzt besucht am: 28.03.2021

    Netzwerk von Der Blocksberg: Der Blocksberg - Lesbisches Aktionszentrum Westberlin (LAZ)

    Biografie von Der Blocksberg

    September 1975 - Gründung
    August 1976 - 2 neue Frauen (M.B. / M.K.) übernehmen die Hauptverantwortung für das Projekt im Kollektiv
    Juni 1977 - Eskalation der Auseinandersetzung zwischen den Gründerinnen und den neuen Kollektivfrauen
    Juli 1977 - Eintrag des Blocksberg als GmbH
    Ende 1980 - Schließung

    GLOBAL FEMINISMSCOMPARATIVE CASE STUDIES OFWOMEN’S ACTIVISM AND SCHOLARSHIPSITE: GERMANYTranscript of Manu GieseInterviewers: Sławomira Walczewska Location: GermanyDate: 2018
    https://sites.lsa.umich.edu/globalfeminisms/wp-content/uploads/sites/787/2020/08/Giese_Germany_Final.pdf

    Manu Giese:Ja, es fängt auch in meiner frühsten Kindheit an. Ich war 1974 mit 14 Jahren das erste mal in der ersten Frauenkneipe in Berlin, im Blocksberg . Die hat 1974 aufgemacht und war die erste Frauenkneipe nach den 20. Jahren, da gab es viele Frauenkneipen hier in Berlin. Eine Frauenkneipe der Bewegung sozusagen, der Frauenbewegung. 2016 bin ich von Zuhause abgehauen und habe eine eigene Wohnung gehabt und musste eine Ausbildung machen, die ich nicht wollte, als Bürogehilfin, damals hieß das so. Heute heißt das glaube ich, ich weiß nicht, wie das heute heißt. Und musste mir Geld dazuverdienen, weil das hat nicht gereicht.

    Die 300 D-Mark die ich damals bekommen habe als Ausbildungsbeihilfe, hat nicht gereicht. So dass ich ́77 in die Zwei, in der Frauendisko angefangen habe zu arbeiten. Die Zwei war in der #Martin-Luther-Straße Ecke #Motzstraße und war ein Laden, der von Crystal Rieselberg geführt wurde, die schon immer in ihrem Leben Frauenkneipen hatte. Also den Club 10 in der #Vorbergstraße, dann hatte sie zwischenzeitlich auch mal einen Zooladen.
    ...
    Dann haben wir am dritten oder fünften Oktober 1986 die Begine eröffnet. Man muss sich vorstellen, dieser Bereich der #Potsdamer_Straße war der Straßenstrich und die Häuser waren eigentlich keine Wohnhäuser hier, sondernalles Stundenhotels.Wir hatten ein super Verhältnis zu den Prostituierten. Die waren richtig froh, dass wir hier aufgemacht haben, weil hier konnten sie rein ohne dass der Zuhälter oder auch ein Freier hinterher konnte und komischerweise haben wir nie ernsthafte Probleme gekriegt mit Männern oder dass die unbedingt hier reinwollten oder so. Es gab schon zwei drei Situationen. Aber nach 33 Jahren zwei drei Situationen ist halt sehr wenig.

    #Berlin #bars_cafés #histoire #féminisme

  • Schöneberg on my mind - Ein anderer Ausschnitt aus dem Schöneberg-Fokus meines inneren Blicks zu dieser, der studentenbewegten Zeit: die MEISENGEIGE.
    http://www.trend.infopartisan.net/litlisten/aufruhr/aufruhr17.html

    Da ist sie endlich, die legendäre #Meisengeige, eine schon lange verschwundene Kneiper der (vermeintlichen) Goebenstraße, die in Wirklichkeit im Schöneberger Abschnitt der der Yorckstraße, Hausnummer 48 lag (heutige PLZ 10965) .

    Aus: Schöneberg on my mind von Christine Kernich, in: Berlin-Schöneberg - Blicke ins Quartier 1949 -2000, hrg. v. Muschelknautz, Johanna und Zwaka, Petra, Berlin 2001, S. 130ff
    OCR-Scan by red. trend

    Ein anderer Ausschnitt aus dem Schöneberg-Fokus meines inneren Blicks zu dieser, der studentenbewegten Zeit: die MEISENGEIGE.

    Seltsam: Wenn man die main facts (die Hochschule, die Studieninhalte, die Seminare und Arbeitsgruppen, die Teach-ins, die politischen Gruppierungen, die Demonstrationen) beiseite schiebt, da sie trotz herausfordernder Bannmeile um das Rathaus Schöneberg vorwiegend in anderen Berliner Bezirken angesiedelt waren, dann bleibt mit dem scheinbar Nebensächlichen das übrig, was für das faktische Leben charakteristisch war.

    Zum Beispiel die Treffen NACH den Treffen.

    Wenn das studentenbewegte Tagwerk getan war, traf man sich vorzugsweise in dieser kleinen im Hochparterre gelegenen Kneipe in der Goebenstraße. Ein paar steile Stufen hoch, dann öffnete sich nach links der kleine Kneipenraum. Vorn rechts der große runde Tisch, wo wir meistens saßen: eine im Hochgefühl gesellschaftlicher Bedeutung all ihrer Worte und Taten schwelgende vielköpfige Tafelrunde verwegener Gestalten. Allen voran Sch, in seiner blauen Postlerjacke und immer mit revolutionärem Drei-Tage-Bart (wie er das nur machte?), mit rundet Brille und dünnem halblangem Nackenhaar, der Wortführer und allseits anerkannte Cheftheoretiker. Er hatte diesen Tonfall drauf, dieses lang gezogene und ziemlich penetrante, zwischen den stoppeligen Kiefern rhetorisch unschlagbar Herausgemahlene mancher SDS Größen (bei ihm durch Kaugummieinsatz noch verschärft).

    Neben ihm K. und B., seine treuen Mit- und Nacheiferer — der eine schwarzlederjackig und immer den » Kurzen Lehrgang« auf den Lippen (was ihn als Schulungs-Ass auswies), der andere ein flaumbärtiger Jüngling mit viel traurigem Mutterwitz bei aller Eloquenz. Hübscher, aber nicht so ein Schlaumeier, der blondlockige R. - eher in Schülerpose: hinterfragend. Lieblingsthema: »die Bullen«. Gegenüber, eifrig vorgelehnt, die beiden zugereisten Vordenker von der FU - ich habe ihre Gesichter vor Augen, wie sie es lieben, zu lästern und ihre ironische Zunge zu wetzen - wie haben sie sich später befreit und die Welt der Theorie eingetauscht gegen das bunte Leben, auch in Schöneberg. (Aber das ist wieder eine andere Geschichte und führt zum Tempodrom, in den Wintergarten und das Spiegelzelt).

    Hier sitzen sie jedenfalls alle noch zusammen in ihrer revolutionären Männlich- und Bärtigkeit, heben die vollen Biergläser und gewinnen der Nacht alle ihre politischen wie »beziehungsmäßigen« Glanzlichter ab.

    Genauso wir Frauen: das Zigarettendrehmaschinchen mit Papier und Tabak immer in Bewegung, wenn nicht das dünne Beedie oder die Rote Hand bevorzugt wird; trinkfest oder jedenfalls standhaft. Lange offene Haare, schwarzumringte Augen, Jeans und Schlabberpulli (oder Opas Hemd).

    Allesamt... äh, was sagte man damals für COOL? - souveräne Musterschülerinnen der linken Theorie und Praxis (einzelne anerkannt muterprobt im Ladendiebstahlversuch - nur bei Großkapitalisten; eine relativ vorübergehende Zeiterscheinung) und unerschrockene Entlarverinnen politisch nicht korrekter »Linien«. Keine offenen Pärchen, keine abartigen Beziehungskisten - wohl aber doch allseitiges Interesse aneinander, so ganz nebenbei gezeigt und der revolutionären Tat meilenweit untergeordnet.

    Später, als drei von uns Frauen sich einer anderen Politszene zuwandten und es wagten, die »Autoritäten« der Szene zu konfrontieren, galten wir in derselben Runde als frustrierte Ziegen.

    Hier noch, in Meisengeigenzeiten, hatten wir immer das Gefühl einer verschworenen Gemeinschaft; unser runder Tisch beherbergte manchen mitdiskutierenden und generös geDUzten »Prof«, so wie wir auch die hereinschneienden Menschen aus der arbeitenden Bevölkerung gern mit unseren Ideen vertraut machten. Öfters zogen wir noch weiter in andere Wohnungen - zum Beispiel oben im Haus zu einem ebenso trink- und diskussionsfreudigen Ehepaar, das morgens proletarisch früh aufstehen musste und dem der rote Punkt an der studentischen Ente Gesprächsstoff bot. Oder in Sch.s Wohnung, wo eine Marxbüste auf unsere verbalen Großtaten herabschaute. Manchmal auch zu Mutter Leydicke, wo uns der Erdbeerwein den Rest gab.

    Was haben wir in der Zeit bloß geredet! Mit Lust, mit Begeisterung, mit hoher Selbsteinschätzung, mit wechselseitiger Bestätigung, mit Freude am Erkennen, mit Ehrgeiz, mit Bier und gelöster Zunge. Über die Klassen, die bürgerlichen Fesseln, die Freiheit und die Wahrheit: Wir wussten alles oder hatten jedenfalls den Schlüssel. Bis jetzt hatten die anderen die Welt nur interpretiert, wir aber ... Die Sprache: nicht weniger exklusiv als heutige Internet-User-Codes. Insider wussten einfach, was eine clandestine Aktion, was Kampf-Kritik-Umgestaltung, was Warenfetischismus, was »der Aufstand der lebendigen wissenschaftlichen Produktivkraft gegen die programmierte Zerstörung« bedeutete. Der Name RotZ (für ROTE ZELLE) bürgte nicht nur für zünftige Begrüßungen mit erhobener Faust und eine Flut von »papers«, von Ormig-Matritzen abgenudelt, die auch hier noch ausgebrütet wurden, sondern auch für Unerschrockenheit im Umgang mit einengenden Normen, Regeln und Umgangsformen der reaktionären Gesellschaft um uns herum.

    Wilde Jahre, in denen die Eierschalen hinter unseren Ohren nur so krachten ... Dann kam die kurze knochentrockene Zeit der K-Gruppen, viel zu disziplinsauer für Kneipen, und trieb uns die Meisen aus. Kein Stoff für Schöneberger Glanzlichter, damit war kein Staat zu machen ...

    Die verwaiste Meisengeige dagegen schaffte gleich den Sprung in die neue Zeit. Aus ihr wurde wenig später eine - die erste Schöneberger - Frauenkneipe: der BLOCKSBERG.

    #Berlin #Schöneberg #Goebenstraße #Kneipe #Geschichte #Frauenbewegung #APO

  • Billard in der Meisengeige, von Jürgen Grage
    https://www.kreuzberger-chronik.de/chroniken/2015/juni/Open%20Page.html

    Feierabend. Ich ging zur Meisengeige. Die hatte mal mir gehört, und zu meiner Zeit war die Kneipe auch ganz gut besucht. Vielleicht träfe ich da ja ein paar Bekannte. Doch es hatte sich einiges verändert. Ich machte die Tür auf: Gähnende Leere, ein einziger Gast! Aus Höflichkeit setzte ich mich auch an den Tresen. Ich wäre besser gleich wieder abgehauen.

    Der einsame Gast quatschte mich auch gleich an, ich sei doch Jürgen, der alte Wirt! Das seien noch Zeiten gewesen, die Kneipe brechend voll, Bräute ohne Ende, immer action. Ich nickte. Der Wirt knallte mir unfreundlich meinen Halben auf die Theke, er fand unser Gespräch nicht besonders unterhaltsam. Er trug langes ungewaschenes Haar und einen verzottelten Vollbart und wollte wohl pädagogisch wirksam aussehen, aber er ähnelte eher einem versoffenen Penner. Ich wollte zur Aufbesserung der Stimmung eine Partie Billard spielen, aber der Einsame wollte nicht. Der Wirt wollte: »Ok, nen Zehner! Und ne Lokalrunde!« - die war mir bei drei Leuten scheißegal.

    Er verlor viermal hintereinander. Trotzdem wollte er jetzt um 40 Mark spielen. Ich verzichtete lieber, setzte mich an den Tresen, wartete auf mein Bier und versuchte den Einsamen mit Witzen wieder auf Vordermann zu bringen. Und da ging es los: Aus den Augenwinkeln sah ich den Bärtigen plötzlich vor mir, eine Machete in der Hand! Und er holte tatsächlich aus mit diesem Ding! Ich konnte es nicht fassen, der Wichser wollte mir den Schädel spalten! Instinktiv wich ich aus, der Hocker viel um, aber er erwischte mich an der Stirn, Blut lief mir in die Augen. Ich sah, wie er zum zweiten Mal ausholte. Die Sau wollte mich abschlachten, die Klinge sauste auf mich zu. Ich versuchte, mit dem linken Arm abzublocken, griff mit der Rechten nach dem Griff der Machete und rammte ihm mit aller Wut mein rechtes Knie in die Eier.

    Sein Gesicht wurde zur Fratze, er begann, zusammenzusacken. Und wie er zu Boden ging, merkte ich, dass ich nicht den Griff der Machete, sondern des Messers Schneide in der Hand hielt. Sie glitt wie Butter durch meine Sehnen. Blut floss mir aus der Stirn, aus dem Arm, jetzt auch aus meiner Hand – und auf dem Boden lag das Arschloch in einer großen Blutlache. Leider war es nicht sein Blut, es war mein Blut.

    Der Einsame hatte sich natürlich verpisst. Ich wollte nur noch raus, stolperte die Treppen vom Ausgang runter und wankte, eine Blutspur hinter mir, in Richtung Potsdamer Straße. Kein Taxi wollte sich die Polster versauen, also wankte ich weiter Richtung Elisabeth-Krankenhaus, aber nach etwa 400 Metern konnte ich nicht mehr. Ich hielt mich an einem Ampelmast fest, und dann ging mir das Licht aus.

    Die Laterne ging im Krankenhaus wieder an. Eine ältere Frau hat die Feuerwehr gerufen. Es sei ganz schön knapp gewesen, meinte der Pfleger, kurz vorm letzten Schiss. •

    #Berlin #histoire #alcool #bars-cafés #Westberlin #Potsdamer_Straße #Lützowstraße #Tiergarten #Meisengeige

  • 40 alte Berliner Kinos, die es heute nicht mehr gibt – B.Z. Berlin
    https://www.bz-berlin.de/berlin/40-alte-berliner-kinos-die-es-heute-nicht-mehr-gibt

    25.2.2018 von Oliver Ohmann - Wo früher Marlon Brando flimmerte, gibt‘s heute Bio-Käse, Pizza oder Fitness. B.Z. begab sich auf Spurensuche nach den Berliner Ex-Kinos.

    Wann ver­ging der Ki­no-Glanz der Welt­stadt Ber­lin? Blöde Frage, na­tür­lich nie! Man muss sich ja nur ein­mal den Star-Rum­mel auf der Ber­li­na­le an­schau­en. Ber­lin ist 2018 eine Ki­no-Hoch­burg. Laut Sta­tis­ti­schem Lan­des­amt geht jeder von uns im Schnitt drei­mal im Jahr ins Kino. Es gibt fast 100 Kinos mit ins­ge­samt 281 Sälen und 51.313 Sitz­plät­zen. So­viel wie in kei­ner an­de­ren deut­schen Groß­stadt.

    Doch viele äl­te­re Ber­li­ner ver­bin­den mit ihren Ki­no-Er­in­ne­run­gen nicht die heu­ti­gen Mul­ti­ple­xe. Sie den­ken an die Säle ihrer Kind­heit und Ju­gend – und die sind fast alle ver­schwun­den. B.Z. hat sich ein­mal in Ber­lin um­ge­se­hen und ehe­ma­li­ge Ki­noadres­sen be­sucht.

    Mehr als 1000 große und klit­ze­klei­ne Licht­spiel­thea­ter ent­stan­den in den letz­ten zwölf Jahr­zehn­ten in Ber­lin. Al­lein in Mo­abit konn­te man vor 60 Jah­ren über ein Dut­zend be­su­chen. Doch für viele Häu­ser war in den Sech­zi­ger- und Sieb­zi­ger­jah­ren Schluss und fast immer ohne Hap­py­end. Dis­coun­ter wur­den oft die ers­ten Ki­no-Nach­mie­ter. Über ei­ni­gen Ein­gän­gen kann man bis heute die Fil­man­kün­di­gungs­wän­de er­ah­nen. Manch­mal blieb wie beim Mar­mor­haus (2001 ge­schlos­sen) nur noch die Fas­sa­de er­hal­ten, oft aber das ganze Ge­bäu­de. Wo frü­her Mar­lon Bran­do flim­mer­te, wie im „Spiegel“ in Lichterfelde, gibt’s heute Bio-Kä­se.
    Wie fing es ei­gent­lich an?

    Am 1. No­vem­ber 1895 flim­mer­ten die ers­ten be­weg­ten Bil­der über eine Lein­wand im „Win­ter­gar­ten“. Die Brü­der Skla­da­now­sky prä­sen­tier­ten sie an der Fried­rich­stra­ße als Schluss­num­mer eines Va­rieté-Pro­gramms. Am 25. April 1896 er­öff­ne­te Unter den Lin­den 21 das erste deut­sche Kino. In der gan­zen Stadt schos­sen „Ki­ne­ma­tho­gra­phen­thea­ter“ aus dem Boden. Viele ei­gent­lich nur klei­ne Floh­kis­ten im Hin­ter­zim­mer von Kiez­knei­pen.

    Da­ne­ben ent­stan­den bis in die Zwan­zi­ger­jah­re Dut­zen­de präch­tig aus­ge­stat­te­te Licht­spiel­thea­ter, die sich zu­recht „Pa­läs­te“ nann­ten. Viele wur­den im Zwei­ten Welt­krieg zer­stört, doch in den Fünf­zi­ger­jah­ren boom­te das Kino er­neut im Wirt­schafts­wun­der. Erst mit dem Auf­stieg des Fern­se­hens (Anfang der Sech­zi­ger wur­den die Ge­rä­te erschwinglich), gingen in den Kiezkinos die Lichter aus. Verschwanden die Säle, in denen un­se­re El­tern und Groß­el­tern Cowboys und Indianer wurden, Ganoven jagten, als Freibeuter über alle Meeren fuhren, als Prinzessin ihren Traumprinzen fanden. Wo sie sich ihren Kinoträumen hingaben und so gerne im Schummerlicht knutschten.
    B.Z. auf Spurensuche nach den Berliner Ex-Kinos

    ► Lichtspielhaus, Alt-Friedrichsfelde 89 (Lichtenberg)
    Vor dem Ersten Weltkrieg gab es im Ladenlokal Kintopp für 120 Zuschauer. Seit über 90 Jahren ist eine Elektrohandlung ansässig, bereits in dritter Generation. An die Stummfilm-Vergangenheit erinnern sich die Besitzer leider nicht.
    Lichtspielhaus, Alt-Friedrichsfelde 89 (Lichtenberg) (Foto: Ohmann, Oliver)
    Lichtspielhaus, Alt-Friedrichsfelde 89 (Lichtenberg) (Foto: Ohmann, Oliver)

    ► Oranientheater, Oranienstraße 161 (Kreuzberg)
    Das denkmalgeschützte Gebäude wurde 1912 errichtet. Von 1919 bis 1966 wurden im „Haus Stiller“ (benannt nach dem bekannten Schuhhaus) auch in einem mittelgroßen Kino-Saal mit rund 300 Plätzen Filme gezeigt.

    ► Primus-Palast, Hasenheide 13 (Kreuzberg)
    Eigentlich hieß das 1946 eröffnete Kino „Quick“. Dann erfolgte ein Umbau für 1000 Plätze und das Kino wurde zum „Primus-Palast“. Den gab es schon vor dem Krieg, allerdings ein paar Häuser weiter. 1966 war Schluss, der Kino-Saal wurde zur Diskothek „Cheetah“ umgebaut.

    ► Columbia, Columbiadamm 9-11 (Tempelhof)
    Das Kino wurde 1951 für die US-Air-Force in Tempelhof gebaut und genutzt. Bis zum Abzug der Alliierten liefen hier bis 1994 die aktuellen Hollywoodstreifen, natürlich in Originalsprache. Heute finden Konzerte im „Columbia“ statt.

    ► BBB, Kottbusser Straße 6 (Kreuzberg)
    Bereits 1911 flimmerten hier in Kreuzberg Stummfilme. 1926 bot „Berlins Bunte Bühne“ einen Kinosaal mit 1500 Plätzen. Nach Kriegszerstörung wurde das BBB 1955 wiedereröffnet und spielte bis 1977, zuletzt meist türkische Spielfilme.
    BBB (Kottbusser Straße 6), Kreuzberg (Foto: Ohmann, Oliver)
    BBB (Kottbusser Straße 6), Kreuzberg (Foto: Ohmann, Oliver)

    ► Kronen-Filmtheater, Rheinstraße 65 (Schöneberg)
    Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde aus dem Krone-Kino das Kronen-Filmtheater. Fast 500 Gäste hatten Platz, bis 1969 wurden Filme gezeigt. Zuletzt war das Kino auch unter dem Namen „Welt-Theater“ bekannt.

    ► Ludwigkirch-Lichtspiele, Ludwigkirchstraße 6 (Wilmersdorf)
    Nichts erinnert in dem Haus Ludwigkirchstraße 6 noch an ein Kino. Doch von 1913 bis 1963 existierte hier unter wechselnden Namen ein kleines Lichtspieltheater mit rund 350 Plätzen. 1965 zog für kurze Zeit das „Reichskabarett“ von Volker Ludwig ein (Vorläufer des Grips-Theater), heute speist man in einem Restaurant.

    ► Capitol, Scharnweberstraße 33a (Reinickendorf)
    Man erkennt noch recht gut, dass an der Ecke bis 1983 ein Kino war. 1946 wurden die „West-Lichtspiele“ gegründet, später hieß das Kino mit 220 Plätzen „Marina“ und „Kleines Lichtspielhaus“, von 1967 bis zur endgültigen Schließung dann „Capitol“.

    ► Capitol, Ludolfingerplatz 6 (Frohnau)
    Inmitten der Gartenstadt Frohnau flimmerte das Capitol von 1939 bis 1965. Das Filmtheater hatte 600 Plätze und überstand den Krieg fast ganz ohne Schäden. Im Saal gab es auch eine Bühne, die für Veranstaltungen genutzt wurde. Nach dem Filmschluss zog ein Supermarkt ein, heute kauft man hier in einem Neubau bei „Edeka“ ein.
    Capitol, Ludolfingerplatz 6, (Frohnau) (Foto: Ohmann, Oliver)
    Capitol, Ludolfingerplatz 6, (Frohnau) (Foto: Ohmann, Oliver)

    ► Rex, Haselhorster Damm 27 (Spandau)
    In Haselhorst besuchte man ab 1935 das „Rex“. Das Gebäude ist noch gut als Kino zu erkennen und dient heute als Supermarkt. Bis 1963 flimmerten am Haselhorster Damm Filme, das Kinotheater hatte fast 650 Plätze.

    ► Oberon, Heerstraße 1 (Charlottenburg)
    Der berühmte Gebäudekomplex am Theodor-Heuss-Platz (1928 bis 1930 errichtet) ist heute Domizil der „Wühlmäuse“. Im Amerikahaus eröffnete 1935 das „Oberon“, nach dem Krieg diente es den britischen Alliierten bis 1990 als „Naafi Club“ mit dem „Globe Cinema“.

    ► Kammerspiele Siemensstadt, Nonnendammallee 96 (Spandau)
    1931 wurde das „Kino Siemensstadt“ in einem Eckhaus eröffnet. Wer heute bei Kik Textilien einkauft, der erkennt noch die alte Größe (440 Plätze) des Kinosaals, der 1963 seine Tore schloss und zuletzt „Kammerspiele Siemensstadt“ hieß.
    Kammerspiele Siemensstadt (Nonnendammallee 96), Spandau (Foto: Ohmann, Oliver)
    Kammerspiele Siemensstadt (Nonnendammallee 96), Spandau (Foto: Ohmann, Oliver)

    ► Graffiti, Pariser Straße 44 (Wilmersdorf)
    Eröffnet wurde das Graffiti 1932 unter dem Namen „Emser-Lichtspiele“. In den Fünfzigern hieß es auch einmal „Pali“, dann zog ein Möbellager ein. 1984 wurde das Kino als „Graffiti“ mit 164 Plätzen neu eröffnet und flimmerte bis Dezember 1996. Heute gibt’s hier Burger.

    ► Puck, Steubenplatz 3-5 (Charlottenburg)
    Wie viele alte Berliner Kiez-Kinos, wurde auch das „Puck“ am Steubenplatz in den Sechzigerjahren zum Supermarkt. In Neu-Westend wurden von 1939 bis 1967 im Puck-Filmtheater Kinofilme gespielt.

    ► Kosmos, Karl-Marx-Allee 131a (Friedrichshain)
    Das 1962 eröffnete „Kosmos“ war eine Berühmtheit, hatte 1000 Plätze, das größte Kino der DDR. 1973 hatte die „Legende von Paul und Paula“ hier ihre umjubelte Premiere. Nach der Wende wurde das Kino von der Ufa übernommen, zum Multiplex umgebaut. Der Kinobetrieb schloss 2005, heute dient das denkmalgeschützte Gebäude für diverse Veranstaltungen.
    Kosmos (Karl-Marx-Allee 131a), Friedrichshain (Foto: Ohmann, Oliver)
    Kosmos (Karl-Marx-Allee 131a), Friedrichshain (Foto: Ohmann, Oliver)

    ► Bali, Bahnhofstraße 35 (Köpenick)
    Wo heute das Shoppingcenter „Forum Köpenick“ steht, befand sich von 1933 bis 1966 u.a. das „Bali“. Das Kino an der Bahnhofstraße hatte über 500 Plätze und ist vielen alten Köpenickern noch in guter Erinnerung.

    ► Forum, Parrisiusstraße 12-14 (Köpenick)
    Das „Forum“ startete 1933 und war damals das größte Kino in Köpenick (800 Plätze). Nach einer Sanierung im Jahr 1986 wurden noch 12 Jahre Filme gezeigt. Kurios: Nach dem Umbau des Zoo-Palast, landete die alte Bestuhlung seinerzeit im Forum. Das Gebäude wurde 2002 abgerissen, heute sieht man hier einen Wohnkomplex.

    ► Volkshaus, Alt-Friedrichsfelde 3 (Lichtenberg)
    1928 eröffnete Familie Busch an der Straße Alt-Friedrichsfelde ein Kino mit 600 Plätzen. Bis 1992 wurde zunächst unter dem Namen „Corso“, ab 1948 dann „Volkshaus“ gespielt. Der Saal im Hof des erhaltenen Vorderhauses wurde inzwischen abgerissen.

    ► Prater, Kastanienallee 7-9 (Prenzlauer Berg)
    Seit 1914 gab es im 1905 eröffneten Prater-Biergarten auch Filmvorführungen. Ein echter Kinosaal wurde jedoch erst um 1930 errichtet. Die „Prater-Lichtspiele“ hatten 750 Plätze, hießen nach 1949 „Defa Kastanienallee“. 1965 gingen die Kinolichter aus.
    Prater, Kastanienallee 7-9 (Prenzlauer Berg) (Foto: Ohmann, Oliver)
    Prater, Kastanienallee 7-9 (Prenzlauer Berg) (Foto: Ohmann, Oliver)

    ► High End 54, Oranienstraße 54-56 (Mitte)
    Wer heute noch den alten Kino-Schriftzug entdecken, der muss auf ein Baugerüst klettern. Am „Tacheles“, der berühmten Kulturruine“, spielte bis 2011 das „High End“. Kino-Vorführungen gab es hier seit 1949, zunächst unter den Namen „Oranienburger Tor-Lichtspiele“ (kurz: OTL), später „Studio Camera“.

    ► Filmpalast Puhlmann, Schönhauser Allee 148 (Prenzlauer Berg)
    An der Schönhauser Allee eröffnete Carl Puhlmann um 1850 ein Gartenlokal, wenig später mit Varieté-Theater. Um 1909 kam ein Kino dazu, der alte Name „Puhlmann“ blieb erhalten. Bis 1961 wurden hier Filme gespielt, dann wurde das alte Gebäude abgerissen.

    ► Rex, Unter den Eichen 56-57 (Steglitz)
    Wo man von 1933 bis 1968 Unter den Eichen ganz gemütlich ins Kino ging, sieht man heute einen Wohnneubau. Die „Rex-Lichtspiele“ in Lichterfelde wurden vor 50 Jahren abgerissen, einst hatten sie rund 460 Zuschauplätze.

    ► Splendid, Kaiserdamm 29 (Westend)
    Im Eckhaus Kaiserdamm 29 eröffnete 1927 das „Splendid“. Zwei Häuser weiter (Nr. 31) wohnte einmal Hans Albers, im Nebenhaus (Nr. 28) Alfred Döblin. Das „Splendid“ spielte bis 1978, dann zog Aldi ein. Als 20 Jahre später eine Pizzeria eröffnete, kam nach der Renovierung prächtiger Kino-Stuck zum Vorschein. Im Februar 2018 steht der alte Kinosaal leer.
    Splendid, Kaiserdamm 29 (Westend) (Foto: Ohmann, Oliver)
    Splendid, Kaiserdamm 29 (Westend) (Foto: Ohmann, Oliver)

    ► Bambi-Lichtspiele, Perleberger Straße 59 (Tiergarten)
    Moabit war früher ein Kino-Eldorado. Das kleine „Bambi“ in der Perleberger Straße spielte von 1952 bis 1975. Nur 170 Zuschauer hatten in dem schlauchartigen Saal Platz. Noch kleiner und es wäre eine echte Flohkiste gewesen.

    ► Filmbühne Hansa, Alt-Moabit 47-49 (Tiergarten)
    Aufführungen gab es hier schon vor 140 Jahren, im alten Stadttheater Moabit stand auch die junge Marlene Dietrich auf der Bühne. Ab 1923 wurde der Saal zum „Filmpalast Hansa“, der dann 1963 zum Hansa-Theater umgebaut wurde. 2009 der letzte Vorhang.

    ► Spiegel, Drakestraße 50 (Lichterfelde)
    Im Biomarkt ahnt man noch Wirtschaftswunder-Kino. 1952 wurde „Der Spiegel“ mit elegantem Foyer eröffnet. 1973 der letzte Film, ein Discounter hing die Decke ab. Behutsame Bio-Sanierung holte das Kinoflair zurück.
    Spiegel, Drakestraße 50 (Lichterfelde) (Foto: Ohmann, Oliver)
    Spiegel, Drakestraße 50 (Lichterfelde) (Foto: Ohmann, Oliver)

    ► Maxim, Turmstraße 72-73 (Tiergarten)
    Das Maxim wurde im Sommer 1956 an der Turmstraße eröffnet und hatte 850 Plätze. Der Saal war damals mit hochmoderner Kinotechnik ausgestattet. 1974 schloss das Kino und ein Discounter zog ein, inzwischen hat ein Bio-Supermarkt den Betrieb übernommen.

    ► Stern, Alt-Moabit 80
    Es gab Zeiten, das spielten ein Dutzend Kinos gleichzeitig in Moabit. Das ist jedoch lange her. Das „Stern-Kino“ befand sich von 1919 bis Mitte der Vierzigerjahre Alt-Moabit 40. An dieses Kapitel der Hausgeschichte erinnert vor Ort jedoch nichts mehr.

    ► Harmonie, Langhansstraße 23 (Weißensee)
    Im 1929 eröffneten „Harmonie“ gab es vor der Leinwand sogar einen kleinen Orchestergraben. Bis 1972 lief der Projektor für bis zu 600 Zuschauer, zuletzt unter dem Namen „VEB Berliner Filmtheater“. Heute nutzt ein Jugendclub das Gebäude.
    Harmonie, Langhansstraße 23 (Weißensee) (Foto: Ohmann, Oliver)
    Harmonie, Langhansstraße 23 (Weißensee) (Foto: Ohmann, Oliver)

    ► Turmpalast, Turmstraße 25-26 (Tiergarten)
    Wer den berühmten „Turmpalast“ sucht, der findet heute nur noch ein mächtiges Baugerüst. Von 1925 bis 1974 war Kino-Glanz für über 1500 Zuschauer angesagt. Der alte „Ufa-Palast Turmstraße“ war ein Prachtstück, wurde nach dem Krieg wiederaufgebaut. 1975 übernahm Aldi, zuletzt gab es Teppichreste und Trödel. Nach dem Abriss 2015 wird das Areal Teil einer neuen Shopping-Mall.

    ► Komet-Theater, Schwedenstraße 3b (Wedding)
    Dass in der Schwedenstraße 3b einst ein Kinematograph flimmerte, weiß man aus alten Adressbüchern. Von 1920 bis 1921 sind die „Komet-Lichtspiele“ mit 95 Plätzen unter dieser Adresse verzeichnet. Max Mietze hieß der Betreiber und Filmvorführungen gab es täglich.

    ► Capitol, Dörpfeldstraße 29 (Treptow)
    Der alte Kino-Name Capitol, früher sehr häufig in Berlin, ist noch da. Von 1918 bis 1990 flimmerten dahinter Filme. Erst hieß das Kino „Union“, ab 1933 „Capitol“. Nach der Wende zog eine Markthalle ein, heute findet man hinter dem Schriftzug ein Fitness- und daneben ein Nagel-Studio.
    Capitol, Dörpfeldstraße 29 (Treptow) (Foto: Ohmann, Oliver)
    Capitol, Dörpfeldstraße 29 (Treptow) (Foto: Ohmann, Oliver)

    ► Marienbad-Lichtspiele, Badstraße 35-36 (Wedding)
    Die Badstraße hat ihren Namen nicht ohne Grund. Am alten Heilbad gab es von 1908 bis 1963 auch ein Lichtspieltheater. Der Ballsaal mit dem früheren Kino wurde 1982 abgerissen, nur der prächtige Eingangsbereich ist bis heute erhalten und dient als Bibliothek.

    ► Schauburg, Schwedenstraße 16 (Wedding)
    Gegenüber dem „Komet“ lag in der Schwedenstraße die „Schauburg“. Das kleine Kino mit rund 150 Plätzen bestand von 1910 bis 1962. In diesem halben Jahrhundert hatte es viele Namen, darunter „Schweden-Kino“, „Volks-Kino“ und „Fortuna“.

    ► Universum, Kurfürstendamm 153 (Wilmersdorf)
    Direkt unter dem heutigen „Sch“ von Schaubühne war ab 1928 der Eingang zum Universum-Kino. Eine prominente Kinoadresse, später umbenannt in „Luxor Palast“, ab 1948 das „Capitol“ mit 900 Plätzen. 1975 lief die Kino-Lizenz aus, seit 1981 wird hier großes Theater gemacht.
    Universum, Kurfürstendamm 153 (Wilmersdorf) (Foto: Ohmann, Oliver)
    Universum, Kurfürstendamm 153 (Wilmersdorf) (Foto: Ohmann, Oliver)

    ► Sputnik, Reinickendorfer Straße 113 (Wedding)
    Wer das alte „Sputnik“ sucht, der findet in der Durchfahrt des Hauses Reinickendorfer Straße 113 noch zahlreiche Erinnerungen. Wo bis zur Schließung 1998 Kinoplakate hingen, erinnern heute Info-Tafeln an das 1952 eröffnete Kino. Der Saal mit knapp 500 Plätzen musste aber längst einem Parkplatz weichen.

    ► Rio, Prenzlauer Promenade 6-99 (Weißensee)
    Das Rio eröffnete um 1911 in einem ehemaligen Tanzsaal. Es hieß einst „Backhaus-Kino“, später auch „Alhambra“ und „Corso“. Bis 1997 wurde das „Rio“ im Gebäude an der Prenzlauer Promenade bespielt, dann musste das Kino schließen.

    ► Königsspiele, Kolonnenstraße 18 (Schöneberg)
    Wo heute ein Bestatter seine Dienste anbietet, befand sich ein Berliner Kino-Dino. Nur für wenige Jahre um 1914 ist hier eine Leinwand nachweisbar. Eigentlich war es nur eine Kneipe, die einen Saal als „Kinematographentheater“ umrüstete.
    Königsspiele (Kolonnenstraße 18) (Schöneberg) (Foto: Ohmann, Oliver)
    Königsspiele (Kolonnenstraße 18) (Schöneberg) (Foto: Ohmann, Oliver)

    ► Outpost, Clayallee 135 (Zehlendorf)
    Das „Outpost“ wurde 1953 von den US-Alliierten errichtet. Es bot 750 Gästen Platz im Parkett und 178 im Rang. Vor jeder Aufführung erklang die US-Nationalhymne. 1994 wurde das Kino Teil des neu eröffneten Alliierten-Museum. Der markante Kino-Schriftzug an der Clayallee ist bis heute erhalten.

    ► Volkslichtspiele, Alt-Kaulsdorf 15 (Marzahn)
    Etwas heruntergekommen steht das Häuschen da und wartet auf sein Schicksal. An der Straße Alt-Kaulsdorf war der alte Dorfkrug von 1936 für rund 25 Jahre auch einmal ein Kino mit rund 250 Plätzen. Zunächst hieß es „Kaulsdorfer Lichtspiele“, ab 1948 dann „Volkslichtspiele“.

    #Berlin #Kino #Geschichte

  • ABRISSBERLIN » Blog Archiv » Faszinosum der Traumzeit entsorgt
    https://archiv.abriss-berlin.de/blog/2010/08/01/faszinosum-der-traumzeit-entsorgt

    Ostprinzessin, 1. August 2010

    Berlin: Das traumlose Zeitalter des kulturellen Verfalls fordert ein weiteres Opfer. Während in der Hauptstadt nahezu sämtliche faszinierenden Kulturprojekte der letzten Jahrzehnte ihrer politisch gewollten Auslöschung harren, ereilt uns eine weitere traurige Nachricht. An der Hasenheide in Kreuzberg wird derzeit der Club Cheetah aus den 60er Jahren entsorgt. Ende der 60er wurde er im Raumschiff-Enterprise-Stil in die Räume eines ehemaligen Großkinos hineingebaut und verfügt über 22 sogenannte Inseln, die sich über mehrere Ebenen und eine Galerie erstrecken. Die Eilande sind über Brücken und Treppen miteinander verbunden. Disco und Gastraum verbindet ein Tunnel. Zwei Röhren führen vom Eingang hinein in die größte Disco ihrer Zeit. Acht Tanzflächen warteten auf tanzwütiges Publikum, das in den besten Zeiten des Clubs in bis zu hundert Meter langen Warteschlangen auf Einlass hoffte, um dann Highlights wie die fahrbare DJ-Kugel zu bestaunen.

    Der ehemalige Besitzer hatte sich im Betrieb und mit dem Einbau einer Saunaanlage im Keller des Hauses verhoben. Neue Besitzerin wurde ein Kreuzberger Unternehmen (Taekker: Immobilien im zentralen Berlin) mit Sitz in Dänemark, welches das Gebäude in einer Zwangsversteigerung erwarb.

    Vor einiger Zeit noch wurde der Club zur Miete angeboten. Im Jerry-Cotton-Film Todesschüsse am Broadway zeigt sich das Cheetah noch von seiner lebendigsten Seite. Da jedoch weder potente Kulturinteressierte noch Senat oder Bezirk das ob seiner Technik, Architektur und kulturellen Bedeutung einmalige, schützenswerte Kleinod der 60er erhalten wollen, ereilt den Hydraulik- und Designtraum nun das – durchaus abwendbare – Schicksal des Großen Saals im Palast der Republik, welcher über weltweit einzigartige Technik und Installationen verfügte und dennoch dem langweiligen Einerlei gleich gemacht wurde. Luftschloss lässt grüßen.

    Danke, rot-roter Berliner Senat, danke, grün-rotes Bezirksamt, danke, o Du totale Verwertungslogik!

    Hasenheide 13
    https://www.tip-berlin.de/kultur/buecher/frankfurter-buchmesse-2020-12-neue-buecher-von-berliner-verlagen

    40 alte Berliner Kinos, die es heute nicht mehr gibt – B.Z. Berlin
    https://www.bz-berlin.de/berlin/40-alte-berliner-kinos-die-es-heute-nicht-mehr-gibt

    Primus-Palast, Hasenheide 13 (Kreuzberg)
    Eigentlich hieß das 1946 eröffnete Kino „Quick“. Dann erfolgte ein Umbau für 1000 Plätze und das Kino wurde zum „Primus-Palast“. Den gab es schon vor dem Krieg, allerdings ein paar Häuser weiter. 1966 war Schluss, der Kino-Saal wurde zur Diskothek „Cheetah“ umgebaut.

    #Berlin #Kreuzberg #Hasenheide #Club #Diskothek

  • Konkrete Ideen für den Hermann-Ehlers-Platz: Der zentrale Platz im Südwesten soll schöner werden - Bezirke - Berlin - Tagesspiegel
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/steglitz-zehlendorf/konkrete-ideen-fuer-den-hermann-ehlers-platz-der-zentrale-platz-im-suedwesten-soll-schoener-werden/27029726.html

    Die Taxihalte sollte wieder an den östlichen Rand des Platzes verlegt werden, weil nur dort gefahrloses Verlassen des Fahrzeugs möglich ist. EIne für den ÖPNV reservierte Toilette, Trimm-Dich/Sportgeräte unmitelbar neben der Taxihalte sowie gestaltete Aufenthaltsbereiche, in denen die Kolleginnen und Kollegen die langen Wartezeiten zur Kommunikation und als Abwechslung vom endlosen Sitzen verbringen können wären echte Fortschritte.

    23.03.2021, von Boris Buchholz - Seit Jahrzehnten macht der Aufenthalt auf dem Hermann-Ehlers-Platz wenig Freude: Keine Bänke, viel Dreck, kaputtes Pflaster.

    „Mangelnde Aufenthaltsqualität“ ist die Eigenschaft, die dem bedeutendsten Platz in Steglitz-Zehlendorf in den letzten Jahren wohl am häufigsten in der Diskussion zugeschrieben wurde. Die größten Pluspunkte des Hermann-Ehlers-Platzes sind seine Lage, der Wochenmarkt, die Platanen und die Spiegelwand, die an die Ermordung Steglitzer Jüdinnen und Juden erinnert und auf die ehemalige Synagoge in der Düppelstraße hinweist.

    Auf dem Platz dominiert die Unfreundlichkeit: Es gibt keine Bänke, der Platz ist dreckig, das Pflaster uneben, der „Brunnen“ vernüllt und die Hochbeete abschreckend. Jetzt endlich soll der Platz verändert werden – hier der Bericht aus dem Steglitz-Zehlendorf-Newsletter des Tagesspiegels:

    Sitzen, Kaffee trinken und speisen auf der heutigen Versorgungsstraße entlang der Häuserzeile, ein ebenerdiges Wasserspiel in der Nähe des U-Bahnausgangs, mehr Sitzgelegenheiten, ein barrierefreies Pflaster und ein überdachter Fahrradständer mit oder ohne Kiosk an der Bushaltestelle gegenüber des Kreisels – so könnte die Zukunft des Hermann-Ehlers-Platzes aussehen.

    Nach vielen Jahren, in denen sich Debatten und Wünsche mit Stillstand und Schweigen abwechselten, könnte der bedeutendste Platz des Bezirks kurz vor der Umgestaltung stehen. Was lange währt, wird endlich konkret.

    Bis zum 31. März präsentiert das Grünflächenamt seine Pläne für den Platzumbau online – und bittet um Ideen und Anmerkungen. Auf der Beteiligungsplattform mein.berlin.de zeigt das Amt erste Skizzen (einen funktionierenden Link zur pdf-Datei finden Sie unter „über das Projekt“).

    https://mein.berlin.de/projekte/aufenthaltsqualitat-des-hermann-ehlers-platzes-ste
    https://www.berlin.de/ba-steglitz-zehlendorf/aktuelles/buergerbeteiligung/aktuelle-projekte/hep_-_1._entwurf.pdf

    #Berlin #Steglitz #Steglitz-Zehlendorf #Hermann-Ehlers-Platz #Stadtentwicklung #Taxi #Halteplatz

  • Zalando: Top-Managerin Barbara Daliri-Freyduni geht überraschend - Business Insider
    https://www.businessinsider.de/gruenderszene/karriere-startup/zalando-top-managerin-durch-zwei-maenner-ersetzt

    Ende 2019 hat sich Zalando zum Ziel gesetzt, ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in den obersten Chefetagen zu etablieren.

    Es sollte für Zalando ein Befreiungsschlag werden. Vergangene Woche wurde mit Personalchefin Astrid Arndt eine Frau in den Vorstand berufen – die erste seit Gründung des Unternehmens. Am Montag hat der Online-Modehändler schließlich eine neue Werbekampagne mit dem Namen „Here to stay“ gestartet. Damit wolle man einen „gesamtgesellschaftlichen Dialog über Grundwerte wie Diversität, Inklusion und Frauenförderung anstoßen“, teilte das Unternehmen mit.

    Zalando wollte damit endlich den Ruf ablegen, in den Top-Etagen des Konzerns ein reiner Männer-Club zu sein. Und die bekannte „Zielgröße null“ vergessen zu machen, die bis Ende 2019 noch Jahr für Jahr in den Geschäftsberichten zu lesen war und den Frauenanteil im Zalando-Vorstand beziffern sollte.
    Eine Ebene unter dem Vorstand

    Wie es scheint, handelt es sich bei dem Slogan „Here to stay“ aber bisher eher um schöne Worte. Nach Informationen von Gründerszene und Business Insider verlässt Top-Managerin Barbara Daliri-Freyduni das Unternehmen überraschend. Sie bekleidete bisher die Position der Senior Vice President of Demand und war zuletzt für große Teile des Marketings bei Zalando zuständig – eine Ebene unter dem Vorstand.

    Ihre Stelle wird künftig in die Bereiche Marketing und Märkte aufgeteilt und neu besetzt – mit zwei Männern und einer Frau. So wird der Bereich Marketing bis auf Weiteres kommissarisch von Natalie Wills, Director of Social Media & Consumer PR, und Ralph Rijks, VP Global Marketing, geleitet. Die Leitung der Märkte übernimmt Bruno Vanhoorickx, bislang Senior Vice President Corporate Development. Auf Anfrage von Gründerszene bestätigte Zalando den personellen Wechsel. Warum Daliri-Freyduni das Unternehmen verlässt und wieso mehrheitlich Männer den Posten übernehmen, kommentierte eine Sprecherin nicht.
    Abgang ging Degradierung voraus

    Business Insider und Gründerszene haben aus Unternehmenskreisen erfahren, dass ein Grund für Daliri-Freydunis Abgang ihre Degradierung gewesen sei. Die Zweiteilung ihrer Zuständigkeiten sei bereits vor ihrem Abgang beschlossene Sache gewesen und soll der Top-Managerin Ende vergangener Woche mitgeteilt worden sein. Daliri-Freyduni sollte fortan nur noch für eine Hälfte ihrer ursprünglichen Verantwortungsbereiche zuständig sein.

    Damit hat es die Top-Managerin gerade einmal anderthalb Jahre beim Online-Moderiesen ausgehalten. Daliri hatte ihren Job erst im September 2019 angetreten, ihre Stelle als Senior Vice President Demand war zuvor neu geschaffen worden. In ihrer Rolle verantwortete die 53-Jährige unter anderem das Marketing der Zalando-Fashion-Stores in 17 Ländern und berichtete direkt an den Mitgründer und Vorstand Robert Gentz.

    Daliri gilt als ausgewiesene Marketingfachfrau. Vor ihrer Zeit bei Zalando war Daliri unter anderem in leitenden Positionen bei Netflix, Microsoft und Google tätig. Ihr Aufgabenbereich hatte sich bei Zalando seit ihrem Amtsantritt zwischenzeitlich erweitert. Laut ihrem Linkedin-Profil war Daliri zuletzt als Senior Vice President sogar für die globalen Marketing- und Vertriebsaktivitäten des Modeversenders verantwortlich.

    Mehr noch: Ausgerechnet Daliri-Freyduni war es, die sich bei Zalando für Diversität eingesetzt und die „Here to stay“-Kampagne verantwortet hat, die am Montag gestartet ist. Die Top-Managerin zeigt mit ihrer Kündigung einen Tag später, dass Zalando für sie auf jeden Fall nicht der Ort ist, an dem sie bleiben möchte.

    #Allemagne #Berlin #mode #commerce #femmes

  • Real I.S. vermietet in Berlin und Amsterdam - Finanznachrichten auf Cash.Online
    https://www.cash-online.de/sachwertanlagen-immobilien/2021/real-i-s-vermietet-in-berlin-und-amsterdam/561669

    22.03.2021 - Der Immobilien und Asset Manager Real I.S. AG meldet den Abschluss neuer Mietverträge im Einkaufszentrum „Forum Steglitz“ in Berlin sowie in einer 23-stöckigen Multi-Tenant-Büroimmobilie in den Niederlanden.

    Die Real I.S. AG hat im Berliner „Forum Steglitz“ einen langfristigen Mietvertrag mit der Baumarktkette Bauhaus abgeschlossen, die künftig 2.671 Quadratmeter Einzelhandelsfläche nutzen wird, teilt das Unternehmen mit. Damit sind 94 Prozent der Gesamtfläche des zur Mixed-used-Immobilie umstrukturierten historischen Einkaufszentrums im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf vermietet: 100 Prozent der Büro- und 88 Prozent der Einzelhandelsflächen.

    Das multifunktionale „Forum Steglitz“ hat eine Gesamtfläche von rund 36.500 Quadratmetern, darunter auch circa 10.900 Quadratmeter Bürofläche im zweiten und dritten Obergeschoss. Die Eröffnung des innerstädtischen Bauhaus-Standorts erfolgt planmäßig im Herbst dieses Jahres. Das „Forum Steglitz“ wurde unsprünglich im Jahr 1970 eröffnet.

    „Dieser Vertragsabschluss ist ein weiterer Meilenstein, denn das City-Konzept von Bauhaus ist eine hervorragende Ergänzung zu dem bestehenden Mietermix. Ein ausgedehntes Nahversorgungsangebot bildet zusammen mit modernen Bürowelten sowie einem etablierten Fitnesscenter ein innovatives gemischt genutztes Ensemble. Diese sich gegenseitig stimulierenden Nutzungen steigern die Attraktivität des Forums“, erklärt Maximilian Ludwig, Head of Asset Management Retail, Hotel & Logistics bei der Real I.S. AG.


    Aufnahme ca. März 1972

    #Berlin #Steglitz #Schloßstraße #Walther-Schreiber-Platz #EInzelhandel #Immobilien #Stadtentwicklung #Titania_Palast #Forum_Steglitz #1972

  • Mindestlohngesetze - Berlin.de
    https://www.berlin.de/sen/arbeit/beschaeftigung/mindestlohngesetze

    Berliner Landesmindestlohn
    Während der langjährigen Diskussion um die Einführung eines allgemeinen gesetzlichen Mindestlohnes hat das Land Berlin eigene Spielräume zur Schaffung guter Arbeitsbedingungen genutzt und bereits am 29. Dezember 2013 das Landesmindestlohngesetz in Kraft gesetzt.

    Der Landesmindestlohn gilt nicht – wie der allgemeine bundesweite gesetzliche Mindestlohn oder die Branchenmindestlöhne nach dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz – allgemein für alle Arbeitsverhältnisse von Beschäftigten. Das Landesmindestlohngesetz verpflichtet das Land Berlin überall dort, wo es finanziell beteiligt ist oder Einwirkungsmöglichkeiten hat (etwa im Landesdienst, in Beteiligungsunternehmen, bei Zuwendungsempfängern – insbesondere auch im Bereich der Landesbeschäftigungsförderung – und bei Entgeltvereinbarungen im Sozialrecht) darauf hinzuwirken, dass ein Stundenlohn von derzeit mindestens 12,50 Euro eingehalten wird (s. GVBl S. 275). Der Landesmindestlohn steht nicht in Konkurrenz zum allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn oder zu den Branchenmindestlöhnen, sondern ergänzt diese. Andere, höhere Mindestlohnvorgaben gehen dem Landesmindestlohn vor.

    Das Berliner Landesmindestlohngesetz war und ist ein wichtiges Signal aus der deutschen Hauptstadt für einen angemessenen und gerechten Mindestlohn. Es zeigt, dass das Land Berlin gewillt ist, all seine Möglichkeiten auszuschöpfen, um in seinem Einflussbereich im Sinne eines auskömmlichen Mindestlohnes tätig zu werden. Das Gesetz hat mit seiner Vorbildwirkung dazu beigetragen, dass der auch von der Arbeitsverwaltung des Berliner Senats seit Jahren geforderte bundesweite allgemeine gesetzliche Mindestlohn zum 1. Januar 2015 eingeführt worden ist und zahlreichen Menschen in und außerhalb von Berlin zugutekommt. Diese Vorbildfunktion soll der Berliner Landesmindestlohn durch angemessene Erhöhungen auch künftig entfalten.

    Die aktuelle Fassung des Landesmindestlohngesetzes Berlin finden Sie hier: http://gesetze.berlin.de/jportal/portal/t/cs4/page/bsbeprod.psml?pid=Dokumentanzeige&showdoccase=1&js_peid=Trefferliste&

    #Berlin #Mindestlohn

  • Kita-Beschäftigte am häufigsten wegen Corona krankgeschrieben | rbb24
    https://www.rbb24.de/panorama/thema/corona/beitraege/2021/03/auswertung-krankenkassendaten-krankschreibungen-berufe-corona-kinder-erzieheri

    Geht es Taxifahrern besser als Bus- und Straßenbahnfahrern? Wohl kaum. Einmal sind sie „näher dran“ am Fahrgast als Straßenbahn- und Busfahrer. Außerdem sind sie verpflichtet, beim Fahrgastransport eine Atemschutzmaske zu tragen, was einen zuusätzliche Arbeitsbelastung darstellt.

    Berliner Busfahrer stark gefährdet

    Anders ergeht es Beschäftigten in der Lebensmittelherstellung sowie Bus- und Straßenbahnfahrer*innen - sie haben keine Perspektive auf eine baldige Corona-Impfung. Laut AOK-Nordost waren 2,71 Prozent der dort Versicherten Bus- und Straßenbahnfahrer*innen wegen Corona krankgeschrieben - deutlich mehr als der Durchschnitt.

    Auf Anfrage erklärt die BVG, dass es im Jahr 2020 weniger Krankenstände gab als im Jahr zuvor. Aus Gründen des Datenschutzes würden in der Unternehmensinternen Corona-Statistik nur die Unternehmensbereiche insgesamt registriert und alle Berufsgruppen (Fahr-, Werkstatt- und Verwaltungspersonal) darin zusammengefasst. „Danach ergeben sich Anteile bezogen auf die Gesamtpersonalzahlen in den Bereichen für den Omnibus (ca. 2,2 %), U-Bahn (ca. 1,3 %), Straßenbahn (0,6 %) Infrastruktur (ca. 1,2 %),“ sagt Pressesprecherin Petra Nelken.

    Einschränkend muss festgehalten werden: Weder die Auswertung der AOK Nordost noch die Statistik der BVG kann Aussagen machen, wie und wo sich Personen mit dem Coronavirus angesteckt. Es wäre beispielsweise auch möglich, dass sich Busfahrer*innen über ihre Kinder angesteckt haben oder auch, dass Erzieher*innen sich im öffentlichen Nahverkehr den Virus geholt haben.
    „Wir sehen keine besondere erhöhte Gefährdung“
    Während Straßenbahn- und U-Bahn-Fahrer*innen in einer getrennter Fahrerkabine arbeiten, sind Busfahrer*innen lediglich durch eine Plastikfolie geschützt. „Im Busbereich haben wir eine Trennwand eingezogen, die 1. Fahrertür gesperrt und den ersten Sitz, sowie den Verkauf von Tickets eingestellt“, sagt Nelken. „Wir sehen hier keine besondere erhöhte Gefährdung.“

    Die Zahlen der AOK Nordost sowie die interne BVG-Statistik legen hingegen Nahe, dass Busfahrer*innen nicht ausreichend gegen eine Covid-Infektion geschützt sind. „Als Unternehmen gehören wir zur kritischen Infrastruktur, das heißt, wir sind für die Sicherstellung der Mobilität verantwortlich und können somit nicht alle Maßnahmen zur Infektionsverhinderung flächendeckend umsetzen - wie zum Beispiel mobiles Arbeiten. Die Fahrerinnen und Fahrer der BVG sind immer im Einsatz“, sagt Nelken.

    Bei der internen Kontaktnachverfolgung seien insgesamt circa 920 Kolleg*innen überprüft worden und bei 140 Beschäftigten wurde eine Quarantäne ausgesprochen. „Wir haben keine internen Infektionsketten feststellen müssen“, sagt Nelken.

    Gewerkschaft lehnt Maskenpflicht für Fahrer ab
    „Die derzeitigen Maßnahmen bei der BVG gehen über das, was viele andere Unternehmen machen“, sagt Jeremy Arndt, Landesfachbereichsleiter Verkehr der Gewerkschaft Verdi, als rbb|24 ihm die Rechercheergebnisse vorlegt. „Insgesamt bewegen sich die Infektionen im Fahrer*innenbereich auf einem niedrigen Niveau.“

    Verbesserungswürdig sei die Diensteinteilung, damit möglichst viele Fahrer und Fahrerinnen ihren Dienst auf einem Fahrzeug verbringen und nicht so viel getauscht wird. „Das würde das Risiko weiter abmindern“, sagt Arndt. „Alternativ müsste zu jedem Fahrer*innenwechsel der Fahrerarbeitsplatz vernünftig gereinigt werden.“

    Während Fahrgäste im öffentlich Nahverkehr einen medizinischen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen, steht dies laut BVG den Fahrern und Fahrerinnen am Fahrerarbeitsplatz frei. Das Tragen von Masken sei lediglich für bestimmte, kundennahe Situationen vorgeschrieben, etwa bei der Unterstützung von mobilitätsbehinderten Fahrgästen.

    Für den Gewerkschafter sollte das auch so bleiben: „Das Tragen einer Maske beim Fahren wäre eine unheimliche zusätzliche Belastung. Vor allem FFP2-Masken sollen nach Aussagen von Medizinern nicht dauerhaft getragen werden. Bevor solche Maßnahmen ergriffen werden, sollten alle anderen Maßnahmen ausgeschöpft werden. Die derzeitige Straßenverkehrsordnung lässt dies derzeit auch nicht zu“, sagt Arndt.

    #covid-19 #BVG #Berlin #Taxi

  • Des archives des tunnels bruxellois ont-elles vraiment été « mangées par des souris » ?
    https://www.levif.be/actualite/belgique/des-archives-des-tunnels-bruxellois-ont-elles-vraiment-ete-mangees-par-des-souris/article-normal-468869.html

    Est-ce qu’il s"agit d’un mythe moderne ou est-ce que l"histoire est vraie ? Après le démenti officiel je ne le sais toujours pas. Une chose est sûre : le désastre des tunnels bruxellois est une farce du même acabit que le spectacle de la construction de l’aeroport BER à Berlin.

    18. 2.2016 Source : Le Vif/L’Express

    Les archives des tunnels bruxellois, construits avant la création de la Région bruxelloise, ont été stockées durant plusieurs années dans des piles de ponts, ont indiqué mercredi des ex-responsables de Bruxelles Mobilité. Camille Thiry, la porte-parole de Bruxelles Mobilité, nous a donné un peu plus de détails sur les conditions de stockage plutôt insolites de ces documents.

    Ce mercredi après-midi s’est tenue la commission spéciale du parlement bruxellois chargée de se pencher sur les circonstances de la dégradation des tunnels de la capitale au fil des ans. Au cours de celle-ci, une remarque émise par Christian De Buysscher, ex-directeur du département ouvrages d’art et voiries de l’Administration des Equipements et des Déplacements (AED), devenue depuis quelques années Bruxelles Mobilité, n’a pas manqué d’interpeller l’assemblée. Selon cet ex-responsable, « Une partie des documents archivés ont été stockés dans des piles de pont et ont peut-être été mangés par les souris ».

    Christian De Buysscher explique qu’au moment de la création de la Région bruxelloise dans le cadre de la réforme de l’Etat, l’AED bruxelloise a trouvé refuge dans un premier temps dans un hôtel, faute d’immeuble pour être hébergée. L’AED manquant à l’époque fortement de place pour stocker tous ses plans et autres cahiers de charges, « pas mal d’archives » ont dès lors dû être stockées dans une ou des piles de ponts d’un des viaducs d’interférence connectant l’autoroute de Liège au boulevard Reyers.

    De l’ironie ?

    Contactée par nos soins, Camille Thiry, la porte-parole de Bruxelles Mobilité, nous a donné un peu plus de détails sur les conditions de stockage plutôt insolites de ces archives. « Monsieur De Buysscher voulait, à mon sens, ironiser sur les conditions de travail dans lesquelles s’est faite la régionalisation de Bruxelles il y a 25 ans. » (en 1991 klm) Selon elle, les documents concernant plusieurs ouvrages variés bruxellois n’ont pas été « enfouis » dans un pilastre du pont. Ils se trouvaient en réalité dans un local technique situé en dessous du pont du viaduc.

    Les documents ont ensuite été transférés en 2014 (après 23 ans klm) au service d’archivages de la cellule Bruxelles Mobilité car des travaux devaient être effectués à cet endroit. « On ne parle pas ici d’une cave humide et dégoûtante où les archives auraient été détériorées. Il existe dans la plupart des tunnels bruxellois des locaux techniques bien aérés dont la modernité et l’infrastructure performante surprennent souvent les visiteurs », ajoute la porte-parole. Pas de rats, ni de souris à craindre donc qui auraient détruit des informations cruciales sur la rénovation des tunnels bruxellois déjà sous les feux de la critique. La porte-parole nous assure aussi que des modélisations en 3D existent concernant ces ouvrages plus anciens, mais que les archives en question sont encore utiles pour réaliser de nouvelles modélisations des ponts ainsi que des recherches plus approfondies sur les tunnels.

    Je connais ce type de « local technique ». Chaque pont cinstruit dans les pays de l’OTAN dont Bruxelles acceuille le quartier général comprenait des « locaux » assez volumineux pour y placer les charges explosives pour détruire le pont au cas d’une attaque soviétique. Ces locaux sont des trous fermés par des portes en métal faites pour empêcher des gens de les transformer en hébergement ou boîte de nuit.

    Les souris et l’utilisation comme entrepôt n’ont pas été pris en compte lors de la construction des locaux censés rester totalement vides jusqu’au jour du grand combat. Une fois rempli avec des tonnes de papier ces trous inhabitables constituaient sans doute des lieux de prédilection pour les rongeurs mignons.

    Le démenti n’indiquant strictement rien sur l’état de conservation précis des documents en question nous laisse sur notre faim.

    Road Tunnels in Belgium
    http://www.lotsberg.net/data/belgia/list.html

    #Bruxelles #Belgique #circulation #tunnel #urbanisme #wtf #Berlin #aeroport

  • Förderaffäre um Flüchtlingsprojekt „Berlin hilft“: Ermittlungen wegen Untreue-Verdachts gegen Sozialsenatorin Breitenbach - Berlin - Tagesspiegel
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/foerderaffaere-um-fluechtlingsprojekt-berlin-hilft-ermittlungen-wegen-untreue-verdachts-gegen-sozialsenatorin-breitenbach/26973782.html

    04.03.2021 von Alexander Fröhlich - Es war politisch gewollt: Mit Zuschüssen von 40.000 Euro im Jahr bestückte ein Flüchtlingsprojekt vor allem eine Website. Fordert das Land das Geld nun zurück?

    Es geht um bis zu 40.000 Euro im Jahr, Tricksereien mit den Fördergeldern für die Flüchtlingshilfe - und um Berlins Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke). Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen Breitenbach und gegen ihren Staatssekretär Daniel Tietze (Linke) wegen des Verdachts der Untreue eröffnet. Das sagte Breitenbach am Donnerstagmorgen im Sozialausschuss des Abgeordnetenhauses. Sie sei von der Staatsanwaltschaft über die Ermittlungen informiert worden.

    In dem Verfahren geht es um das Projekt „Berlin hilft“, mit dem Flüchtlinge und Migranten in Berlin vernetzt werden sollen. Das Projekt wird seit Jahren über das Stadtteilzentrum Steglitz abgewickelt. Breitenbach und Tietze hatten die Auszahlung von Fördergeld für das Projekt „Berlin hilft“ gegen den Rat und den Protest der eigenen Fachleute und trotz Hinweisen auf Mängel und Straftaten durchgesetzt.

    Auslöser für die Ermittlungen waren Berichte des Newsletters Checkpoint. und des Tagesspiegel. Daraufhin hatte der AfD-Abgeordnete Hanno Bachmann Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft gestellt.

    Weil Breitenbach und Tietze direkt involviert und „befangen waren“, ist Staatssekretär Alexander Fischer (Linke) mit der erneuten Überprüfung der Förderaffäre betraut worden. Es ließ einen Revisionsbericht erstellen und hat nun seinen Abschlussbericht vorgelegt. „Wir werden diesen prüfen und die notwendigen Konsequenzen ziehen“, sagte Breitenbach im Ausschuss.

    Die Berliner Sozialverwaltung will Fördergelder für das Projekt „Berlin hilft“, mit dem Flüchtlinge und Migranten in Berlin vernetzt werden sollen, nun zurückfordern. Nach Tagesspiegel-Informationen sind die Prüfer zu dem Ergebnis gekommen, dass der Verein jahreslang zu Unrecht Fördergelder bekommen hat. Für das Jahr 2020 wird die Förderzusage in Höhe von 20.000 Euro aufgehoben. Auch für die Jahre 2018 und 2019, als das Projekt jeweils 40.000 Euro bekam, prüft das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) eine Rückforderung. Intern wird damit gerechnet, dass auch für diese Jahre die Gelder zurückverlangt werden müssen.

    Zudem sieht sich die Sozialverwaltung gezwungen, die Staatsanwaltschaft darüber zu informieren, dass bei der internen Prüfung Hinweise auf mögliche Straftaten erkannt worden sind. Es geht um den Verdacht des Subventionsbetrugs und Steuervergehen.
    Sozialverwaltung will Stadtteilzentrum Steglitz untersuchen

    Als Konsequenz aus der Förderaffäre will die Sozialverwaltung zudem das Stadteilzentrum Steglitz näher untersuchen. Es hat auch von anderen Förderprojekten profitiert und soll nun einer Zuverlässigkeitsprüfung unterzogen werden. Bis zurück ins Jahr 2017 soll untersucht werden, wie das Stadtteilzentrum Fördergelder verwendet und abgerechnet hat.

    Grundsätzlich will die Sozialverwaltung aber an der Förderung von Projekten der Flüchtlingshilfe festhalten. Dafür sollen nun neue Richtlinien erarbeitet werden, um die Förderung rechtssicher zu machen.

    Dass es überhaupt soweit kommen musste, lag auch an der Spitze der Sozialverwaltung. Bereits seit 2019 ist der Fall untersucht worden, zunächst beim Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten. Dessen Präsident Alexander Straßmeir wollte die Auszahlung der Fördergelder schon damals - Ende 2019 - stoppen. Doch Staatssekretär Daniel Tietze (Linke) wies den Behördenleiter an, das Geld zu überweisen. Straßmeir protestierte und erklärte, dass er die Weisung für rechtswidrig hält. Dennoch musste er das Geld auszahlen.
    Staatssekretär Tietze holte sich Unterstützung der Senatorin

    Zwar hatte er offiziell remonstriert und damit deutlich gemacht, dass er den Förderbescheid nicht unterzeichnen kann und darf, auch weil „ein Verstoß gegen Bestimmungen der Landeshaushaltsordnung gemäß Paragraf 48 Beamtenstatusgesetz zu einer Schadensersatzpflicht führen kann.“ Auch anderen Mitarbeiter des LAF fanden deutlichen Hinweise auf mögliche Straftaten.

    Am Ende musste Straßmeir den Förderbescheid dennoch unterzeichnen – deshalb wird auch gegen ihn wegen Untreueverdachts ermittelt. Am Ende hatte Straßmeir dem Druck direkt aus der Spitze der Senatsverwaltung nachgegeben. Der Staatssekretär hatte sich dafür sogar Verstärkung von Senatorin Breitenbach geholt.

    Tietze bestand stets darauf, dass das Projekt auf jeden Fall förderwürdig sei, weil es der Vernetzung von Flüchtlingen diene – und weil das Land Berlin das Engagement von Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe fördere. In Kooperation mit dem Stadtteilzentrum Steglitz betreibe das Netzwerk „Berlin hilft" seit 2016 ein Online-Angebot zur Beratung, Information und Hilfe für Geflüchtete. „Staatssekretär Tietze hat in Anerkennung der ehrenamtlichen und für alle sichtbaren Flüchtlingsarbeit des Netzwerks auf eine zügige und positive Bearbeitung politisch entschieden, die Zuwendung zu bewilligen“, hieß es im Herbst auf Anfrage.
    Beiträge zur Flüchtlingspolitik – meist aus politisch linkem Blick

    „Berlin hilft“ ist nicht mit zivilgesellschaftlichen Flüchtlingsinitiativen wie „Moabit hilft“ zu verwechseln. Mit den 40.000 Euro pro Jahr ist vor allem eine Internetseite bestückt worden. Dort fanden sich aber überwiegend Beiträge zur Flüchtlingspolitik oder anderen Themen – meist aus politisch linkem Blick. Ratschläge für Flüchtlinge zur Bewältigung des Alltags in Berlin mussten Besucher der Internetseite erst mühsam suchen.

    Die internen Prüfer hatten klare Hinweise auf Steuervermeidung und Verstöße gegen Dokumentationspflichten und Vergaberegeln. Aus dem Tagesspiegel vorliegenden Akten geht hervor, dass das Stadtteilzentrum das Fördergeld an eine Person weitergereicht hat, die die Internetseite bestückt hat. Die Rechnungen für diese Dienstleistung schickte jedoch ein Verwandter des Mannes an das Stadtteilzentrum. Das Honorar sollte sodann auf das Konto einer anderen Verwandten überwiesen werden.

    Zudem sind die Rechnungen, die das Stadtteilzentrum auszahlte, so zwischen dem Betreiber der Internetseite und seinen Verwandten gestückelt worden, dass der Dienstleister als Kleinunternehmer keine Umsatzsteuer ausweisen musste.

    Auch die interne Prüfgruppe der Innenrevision in der Sozialverwaltung sichtete die Akten und fand „deutliche Hinweise darauf, dass die Zuwendung nicht rechtmäßig zustande gekommen ist“. Eine nachträgliche Bewilligung war sogar unzulässig. Die Prüfer und deren vorgesetzte Abteilungsleiterin widersprachen Staatssekretär und Senatorin.
    Nachsicht mit dem Stadtteilzentrum – auf politischen Wunsch

    LAF-Präsident Straßmeir wurde im September 2020 von der Innenrevision der Senatsverwaltung aufgefordert, „mögliche Ansatzpunkte für eine Rückforderung der Zuwendungsmittel“ zu finden. Auch der Rechnungshof wurde über den „Verdacht einer Unregelmäßigkeit“ informiert. Der sah aber keinen Bedarf, selbst einzugreifen, weil aus seiner Sicht die Beamten in der Sozialverwaltung den Fall hartnäckig genug bearbeitet haben.

    Auf politischen Wunsch der Sozialverwaltung wurde mit dem Verantwortlichen beim Stadtteilzentrum bis zuletzt stehts nachsichtig umgegangen. Immer wieder wurden die Empfänger des Fördergelds darauf hingewiesen, was sie ändern müssten. Es ging um Steuerangaben, um eine Dokumentation, wie es zur Vergabe der Dienstleistung gekommen ist, und andere Vorschriften.

    Doch aus den Prüfakten geht klar hervor, dass sich der Fördergeldempfänger geweigert und gewehrt hat. Einsicht zeigte er jedenfalls lange nicht. Das könnte sich ändern, wenn jetzt kein Geld mehr fließt für das Projekt und möglicherweise sogar Geld zurückgefordert wird. Die Internetseite wurde schon angepasst und grundlegend verändert: Statt politischer Debatten und Beiträge sind nun einige wenige Servicetexte zu finden.
    AfD: Breitenbach nicht mehr haltbar, wenn sie Vorwürfe nicht entkräften kann

    Der Leiter des Stadtteilzentrum Steglitz sagte, die Entwicklungen seien bedauerlich. Er verwies darauf, dass auf politischen Wunsch der Sozialverwaltung im Zuge der Flüchtlingskrise für „Berlin hilft“ ein Dienstleistungsvertrag mit dem Netzwerk geschlossen worden sei. Es sei darum gegangen, dass „Berlin hilft“ erhalten und unterstützt werden sollte. Um eine Ausschreibung sei es dabei nie gegangen. Erst später habe das LAF rückwirkend darauf gepocht.

    Der AfD-Abgeordnete Hanno Bachmann, der die Strafanzeige gegen Breitenbach und Tietze erstattet hatte, sagte am Donnerstag: „Die Ermittlungen gegen Senatorin Breitenbach belegen erneut das gestörte Verhältnis des Senats und speziell der Senatoren der Linken zum Rechtsstaat."

    Rechtstreue scheine linken Senatsmitgliedern fremd zu sein, sagte Bachmann. „Untreue zu Lasten der Steuerzahler ist kein Kavaliersdelikt. Sollte Breitenbach die Vorwürfe nicht unmittelbar entkräften können, ist sie politisch nicht haltbar. Senatoren, gegen die staatsanwaltlich ermittelt wird, sind nicht mehr regierungsfähig.“

    #Berlin #politique #gauche #élections

  • Sozialstaatssekretär vergab rechtswidrig Gelder - Tagesspiegel Checkpoint
    https://checkpoint.tagesspiegel.de/langmeldung/6gvcQpxN3FS7AcXVstsQfY

    A Berlin la droite dévéloppe une série d’attaques contre le gouverment en l’accusant de violatons des procédures prévues quand la gauche décide de soutenir des pauves et défavorisés. Nous nous trouvons au début des campagnes électorales ce qui explique le ton radical des accusations.

    Mit Unterstützung der Senatorin bewilligte Daniel Tietze rückwirkend Gelder. Die eigene Verwaltung hält das für rechtswidrig. Von Lorenz Maroldt

    Ein interner Schriftwechsel zwischen der Sozialverwaltung und dem Präsidenten des Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten birgt politischen Sprengstoff. Die Unterlagen, die dem Checkpoint vorliegen, weisen auf „Unregelmäßigkeiten“ bei der Vergabe von Zuwendungen hin.

    Trotz erheblicher Bedenken im LAF hatte Staatssekretär Daniel Tietze den Landesamt-Präsidenten Alexander Straßmeir am 10.12.2019 schriftlich angewiesen, 40.000 Euro an das Stadtteilzentrum Steglitz zu überweisen, und zwar „umgehend“. Das Schreiben trägt am rechten Rand groß den Anti-Böller-Slogan des Senats: „Knutschen statt Knallen“ – verziert mit einem Kussmund.

    Doch eine Woche später war in der Verwaltung niemandem mehr zum Knutschen zumute - es knallte, und zwar gewaltig. Mit Schreiben vom 18. Dezember 2019 teilte Straßmeier, der bis Ende 2016 selbst Staatssekretär in der CDU-geführten Justizverwaltung war, dem Linken-Politiker Tietze mit: „Ich halte die von Ihnen mir am 10. Dezember erteilte Weisung (…) für rechtswidrig.“ Straßmeier erklärt seine Pflicht nach § 36 BeamtStG, Bedenken gegen eine Anordnung unverzüglich geltend zu machen. „Infolgedessen darf ich diese nach dem Beamtenrecht nicht ausführen.“ Das Schreiben an Tietze trägt den offiziellen Betreff „Remonstration“ und endet mit dem Hinweis: „Ich mache Sie daher darauf aufmerksam, dass ein Verstoß gegen Bestimmungen der Landeshaushaltsordnung gemäß § 48 BeamtStG zu einer Schadensersatzpflicht führen kann.“ Straßmeir bemängelt u.a. die „nachträgliche rückwirkende Bewilligung des Projekts.“

    Kurz nach Silvester suchte sich Tietze Verstärkung – seine Antwort vom 6.1.2020 trägt als Absender nicht mehr den Titel „Der Staatssekretär“, sondern: „Die Senatorin“. Tietze schreibt, er nehme die Remonstration „zur Kenntnis“, bleibt aber „nach Abstimmung mit der Senatorin“ bei der Anweisung, die Mittel auszuzahlen: „Bitte informieren Sie mich über die Erledigung der Anweisung. Eine Kopie des Schreibens geht an das Büro der Senatorin.“

    Bis vor wenigen Tagen schien tatsächlich Ruhe eingekehrt zu sein in der Affäre. Doch ein neues Schreiben der Senatsverwaltung an Straßmeir vom 15.9.2020 („persönlich / vertraulich“, nachrichtliche Kopie an den Staatssekretär) macht klar: Tietze hält einen Riesenböller in der Hand – und die Zündschnur ist fast abgebrannt. Unterzeichnet ist das Dokument von Dagmar Mittler, Abteilungsleiterin Zentraler Service, zuständig für Finanzen, Personal, Justiziariat und Innenrevision. Die frühere Präsidentin des Amtsgerichts Mitte stellt mit Bezug auf die Untersuchung der „Prüfgruppe ZS A 3“ fest: „Es bestehen „deutliche Hinweise darauf, dass die Zuwendung nicht rechtmäßig zustande gekommen ist. (…) Schon die nachträgliche Bewilligung von Zuwendungsmitteln in 2020 für eine für 2019 beantragte Tätigkeit ist u.E. unzulässig.“ Mit anderen Worten: Die Abteilungsleiterin widerspricht ihrem Staatssekretär – und der Senatorin.

    Mittler hält es für fraglich, ob alle Auflagen und Bedingungen erfüllt wurden – und ob die Erfüllung von Zweck und Ziel des Projekts nachprüfbar ist. ALF-Präsident Straßmeir soll nun „mögliche Ansatzpunkte für eine Rückforderung der Zuwendungsmittel“ ermitteln. Mittler fordert den Präsidenten zudem auf, dem Rechnungshof den „Verdacht einer Unregelmäßigkeit“ mitzuteilen. Aber das ist noch nicht alles. Die Prüfgruppe hat sich auch die Abrechnung 2018 vorgenommen – das Ergebnis: „Hier stellt sich der Sachverhalt im Wesentlichen analog zu dem oben Geschilderten dar.“ Sieht ganz so aus, als könnten hier noch mehr Knaller hochgehen – und das schon vor Silvester.

    #Berlin #politique #gauche #élections