• Schock im Maison de France : Wütender Besucher löst fast ein Inferno aus
    https://www.berliner-kurier.de/berlin/angriff-auf-buecher-im-maison-de-france-li.10151051

    Il n’est pas d’accord avec ce qu’il lit dans livre, il met le feu à la bibliothèque française de Berlin. Les dégats ne sont pas importants mais l’événement rappelle quand même l’attentat dcontre la Maison de France de 1983.

    30.6.2026 von Tanja Tal - Im Maison de France löste ein 35-Jähriger ein schweres Feuer aus. Mit Benzin attackierte er eine Bibliothek. Ein mutiger Besucher verhinderte eine Katastrophe.

    Schrecksekunden im Kulturzentrum Maison de France: Statt in der Bibliothek zu lesen, ging ein Besucher wütend mit Benzin gegen Bücher vor.

    Besucher verhindert mit einem Feuerlöscher Schlimmeres

    Was trieb Abdoul R. (35), den Feuerteufel, an? Neun Monate später begann der Prozess gegen einen Mann, der beinahe einen Großbrand verursacht hätte. Der Ankläger: „Bücher und Holzregale – alles hätte wie Zunder brennen können. Zum Glück hat ein Besucher geistesgegenwärtig zum Feuerlöscher gegriffen, die Flammen gelöscht.“

    Angeklagter liebt das Lesen und die Kultur

    R. kleinlaut vor der Richterin. Ein Oberleitungsmonteur aus Weißenfels (Sachsen-Anhalt). Er war am 20. September 2025 als Besucher in Berlin: „Ich wollte Urlaub machen.“ Mit viel Kultur. „Ich bin ein Mensch, der gerne liest und Bücher liebt.“

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    Der Gesamtschaden im Maison de France wird mit 6530 Euro angegeben.imago/Jürgen Ritter

    Es zog ihn in die Abteilung Geschichte. R.: „Ich las in drei Büchern.“ Ein spezielles Thema interessierte den Mann, der aus Burkina Faso (Westafrika) stammt: „Ich habe über Sklavenzeit gelesen und was mit den Menschen passiert ist.“
    Geschichte wühlt den Angeklagten auf

    Es habe ihn wütend gemacht: „Ich fand, die Geschichte war in den Büchern schlecht oder sogar falsch erzählt.“ Das habe ihm keine Ruhe gelassen: „Am nächsten Tag bin ich wieder hin, wollte etwas machen.“

    Es war ein großer Fehler. Dafür habe ich zu bezahlen. Stück für Stück werde ich alles abzahlen. Abdoul R., Angeklagter

    Die Richterin: „Es sollen etwa 25 Besucher in der Bibliothek gewesen sein. Haben Sie daran gedacht, dass Leute in Gefahr waren?“ Abdoul R. nickte: „Ich wollte den Menschen nichts tun und sagte noch, dass sie besser rausgehen sollten.“
    Sachschaden beläuft sich auf 6530 Euro

    Er hatte Benzin gekauft und außerdem Bremsenreiniger in der Tasche. Die Anklage: „Er verschüttete die Mittel über Bücher in zwei Regalen, zündete dann mit dem Feuerzeug an.“ An drei Stellen brannte es.

    Eine Mitarbeiterin der Bibliothek im Institut français am Kurfürstendamm: „200 Bücher haben wir verloren.“ Zerstört durch Flammen oder durch Löschwasser. Sachschaden insgesamt: 6.530 Euro.
    Polizei fasst den Täter vor Ort

    Die Polizei fasste R. noch vor Ort. Mit schwerem Gepäck durfte er zurück nach Weißenfels reisen: Anzeige wegen versuchter schwerer Brandstiftung und Sachbeschädigung.

    Das Kulturzentrum Maison de France war im April 1950 als deutsch-französische Begegnungsstätte eröffnet worden. Die Richterin zum Angeklagten: „Alle, die im Haus waren, hatten unfassbares Glück! So ein Feuer kann sich rasant ausbreiten.“
    Täter will für seine Tat geradestehen

    Planvoll sei R. vorgegangen. Auch der Verteidiger: „Wenn man Bücher nicht lesen möchte, dann muss man es nicht tun. Aber andere davon abzuhalten, das geht nicht.“ R. einsichtig: „Es war ein großer Fehler. Dafür habe ich zu bezahlen. Stück für Stück werde ich alles abzahlen.“ Urteil: Ein Jahr Haft auf Bewährung.

    Bombenanschlag 1983
    https://de.wikipedia.org/wiki/Maison_de_France

    Am 25. August 1983 wurde ein Bombenanschlag auf das Haus verübt, bei dem der Radsportler Michael Haritz starb, der gerade mit seiner Friedensgruppe „Fasten für das Leben“ im französischen Generalkonsulat eine Petition übergeben wollte. Weitere 23 Personen wurden verletzt. Die Bombe wurde von dem Libanesen Mustafa Ahmed el-Sibai gelegt, der im Auftrag der armenischen Terrorgruppe „Asala“ handelte.[12] Geplant wurde der Anschlag von dem Attentäter Johannes Weinrich, der dafür im Jahr 2000 in Berlin zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurde.[13] Weinrich galt als die rechte Hand des Terroristen Carlos, der mit dem Attentat auch seine Freundin Magdalena Kopp freipressen wollte.[14] Wie sich später herausstellte, wurde das Attentat mit Unterstützung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) durchgeführt. Der ehemalige Oberstleutnant des MfS Helmut Voigt wurde hierfür 1994 in einem Prozess vor dem Landgericht Berlin[15] zu vier Jahren Freiheitsstrafe wegen Beihilfe zum Mord verurteilt.

    #Berlin #Charlottenburg #Kurfürstendamm #fait_divers #bibliothèque #culture #incendie

  • Ein panischer Anruf, dann ein Schrei – warum starb Tatiana Cherchneva in ihrer Berliner Wohnung?
    https://www.berliner-zeitung.de/article/ein-panischer-anruf-dann-ein-schrei-warum-starb-tatiana-cherchneva-

    Das Berlin umd die Welt, in der diese Geschichte spielt sind ungefähr so weit entgernt vom heutigen Leben wie Ereignisse aus dem Jahr 1946. Die Welt ist kleiner geworden.

    24.5.2026 von Katrin Bischoff - Die Verbindung bricht ab – wenige Minuten später liegt Tatiana Cherchneva tot in ihrer Wohnung. Doch ihr Mörder bleibt bis heute ein Rätsel. Ein Cold Case voller Widersprüche.

    Als Tatiana Cherchneva kurz vor 18 Uhr anruft, freut sich ihr Freund Thomas S., der in der Nähe des Kreuzberger Maybachufers wohnt. Der 36-Jährige hat gekocht. Er und Tatiana wollen den Montagabend zusammen genießen.

    Doch was seine Freundin ihm sagt, hört sich nicht nach einem harmonischen Abend an, es löst Panik bei ihm aus: „Komm bitte sofort her, da ist ein Mann in meiner Wohnung“, ruft Tatiana Cherchneva aufgeregt ins Telefon. Sie wisse nicht, was für ein Mann, sagt sie auf Nachfrage. Thomas S. hört einen lauten, entsetzlich klingenden Schrei. Dann ist die Leitung tot.

    Thomas S. kann seine Freundin nicht mehr erreichen. Voller Unruhe wählt er den Polizeinotruf, bittet, sofort einen Streifenwagen in die Georg-Wilhelm-Straße in Wilmersdorf zu schicken – zur Wohnung von Tatiana Cherchneva. Seine Freundin werde bedroht, begründet er den Notfall.

    Dann sagt Thomas S., er werde auch gleich losfahren. „Aber ich bin in Kreuzberg, ich brauche wahrscheinlich ziemlich lange.“ Der Notruf wird aufgezeichnet und um 18.03 Uhr beendet. Schon zwei Minuten später fährt ein Funkwagen los, so geht es aus den Akten hervor.

    Mit Blaulicht und Martinshorn erreicht das Polizeifahrzeug um 18.15 Uhr die Wohnadresse der 31-jährigen Frau. Es ist ein fünfgeschossiger Neubaublock. Ein Nachbar öffnet den beiden Beamten die Tür des viergeschossigen Mehrfamilienhauses.

    Tatiana Cherchneva wohnt im ersten Obergeschoss. Sie reagiert weder auf das Klingeln noch auf das Klopfen der Polizisten. Eine Viertelstunde später stürmt ihr Freund Thomas S. die Treppen herauf. Er hat noch im Auto versucht, seine Freundin zu erreichen, ihr auf den Anrufbeantworter geschrien, dass sie durchhalten solle. Mit einem Schlüssel öffnet er die Wohnungstür, die nicht abgeschlossen, sondern nur ins Schloss gefallen ist.

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    Die Akten des ungelösten Mordfalls Tatiana Cherchneva liegen bei der Staatsanwaltschaft. © Maurice Weiss/Ostkreuz

    Im Flur der Wohnung sind die Teppichläufer ungewöhnlich zusammengeschoben, mehrere Aktenordner vor der Konsole auf dem Boden verstreut. Im Wohnzimmer läuft der Fernseher. Davor liegt Tatiana Cherchneva in einer Blutlache, ihr linker Schuh neben ihrem Fuß. Alles sieht so aus, als habe sie jemand dorthin geschleift.

    Tatiana Cherchneva trägt ein leichtes Sommerkleid, sie ist tot. Ihr Mörder hat ihr dreimal in den Rücken gestochen. Der Stichkanal hat eine Länge von 19 Zentimetern. Am Ende hat ihr der Täter die Kehle aufgeschlitzt. Die Mordwaffe fehlt. Nichts deutet auf eine emotionale Tat hin, bei der der Täter rasend vor Wut oder Eifersucht tötet. Es ist Montag, der 13. September 1999. Die Ermittler stehen vor einem Rätsel.

    Die Buchhalterin stammte aus Odessa

    Fast 27 Jahre später sitzt Staatsanwalt Michael Petzold, ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, vor einem großen Aktenberg, der 28 Bände umfasst. Sie beinhalten die Ermittlungsergebnisse, die Fotos und Gutachten im Fall der getöteten Ukrainerin, die bisher nicht zum Erfolg führten. Und in dem es so viele Sonderbarkeiten gibt.

    Trotz vieler Spuren und einer hohen Geldsumme, die damals zur Belohnung ausgesetzt wurde, konnte das Rätsel um den gewaltsamen Tod der jungen Frau bis heute nicht gelöst und ihr Mörder nicht gefunden werden. „Aber wir geben nicht auf“, sagt Petzold zuversichtlich. Weil Mord nicht verjährt. Und einige Spuren noch offen seien. DNA-Spuren, die an der Kleidung gefunden wurden und den Täter überführen könnten.

    Dann berichtet der Staatsanwalt, was über die Tote bekannt ist: Tatiana Cherchneva stammt aus Odessa. Dort soll sie Germanistik studiert haben. 1990 lernte sie in ihrer Heimatstadt ihren späteren Chef Kurt K. kennen, der in Berlin-Kreuzberg eine Exportfirma für Büromaschinen führte und auf Geschäftsreise war.

    Sie dolmetschte für ihn, er holte sie ein Jahr später aus der noch bestehenden Sowjetunion nach Berlin. Dort zog sie in die Wohnung in der Georg-Wilhelm-Straße in Wilmersdorf, die Kurt K. gehörte. Zwei Zimmer, Küche, Bad, Balkon. Sie fing in seiner Firma als Buchhalterin an, wollte sich später zur Finanzbuchhalterin qualifizieren. Beide wurden ein Paar.

    Kurt K. war 24 Jahre älter als Tatiana Cherchneva. Nach acht Jahren trennten sie sich, weil sie Kinder wollte, er aber krank und zeugungsunfähig war. Sie sei jung gewesen, man sei im Guten auseinandergegangen, hat Kurt K. nach dem Tod der 31-Jährigen bei der Polizei ausgesagt. Dafür spricht, dass er ihr auch nach der Trennung die Wohnung und ihr Handy weiterbezahlte. Und dass niemand aus dem Bekanntenkreis von Streitigkeiten erzählen konnte.

    „Auffällig ist, dass Tatiana Cherchneva jegliche Kontakte in ihr Heimatland komplett vermieden hat“, sagt Michael Petzold heute. Eine Ausnahme sei ihre beste Freundin Julia S. gewesen. Sie stamme aus Moskau. Fast täglich hätten die Frauen miteinander telefoniert. Manchmal stundenlang.

    Kurz vor ihrem Tod sprach sie noch mit ihrer Freundin

    So auch wenige Minuten vor dem Tod von Tatiana Cherchneva. In einem Telefonat soll sich die 31-Jährige bei ihrer Freundin darüber beschwert haben, dass ihre Spülmaschine schon wieder defekt sei. Möglich, vielleicht sogar wahrscheinlich sei, sagt Petzold, dass sich zu dieser Zeit der Mörder schon in der Wohnung des Opfers befunden habe. Denn es gebe weder Spuren eines Einbruchs noch eines Kampfes. Kannte Tatiana Cherchneva ihren Mörder? Ließ sie ihn freiwillig in die Wohnung? Hatte er gar einen Schlüssel?

    Das Opfer wird in den Akten als lebensfroh, freundlich und nett beschrieben. Tatiana Cherchneva hatte Englischunterricht genommen und Klavier gelernt. Mit dem Englischlehrer soll sie eine Affäre angefangen haben. Er galt, genauso wie Kurt K. und ein weiterer Mann, später als tatverdächtig. Aber alle Ermittlungsverfahren wurden eingestellt. Entweder weil die Tatverdächtigen kein Motiv hatten – oder ein lupenreines Alibi.

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    Michael Petzold von der Berliner Staatsanwaltschaft liest sich durch den Aktenberg. © Maurice Weiss/Ostkreuz

    Jeden Freitag, so geht es aus den Akten hervor, war Tatiana Cherchneva im Fitnessstudio, am Wochenende machte sie gern Party. Sie liebte es, auf ihrem Balkon zu sitzen und mit Bekannten am Telefon zu plaudern.

    Ihren Freund Thomas S., einen Schauspieler, lernte sie rund ein Jahr vor ihrem Tod in der Charlottenburger Kantstraße in der Diskothek Abraxas kennen, die es seit 2009 nicht mehr gibt.

    Doch offenbar hatte Tatiana Cherchneva vor, sich von Thomas S. zu trennen. Darauf deutete ein 20 Seiten langer Brief hin, der nach ihrem Tod in ihrer Wohnung gefunden wurde. Von dem Thomas S. aber nichts gewusst haben will.

    In dem Schreiben, laut Petzold ein „Schlussmachbrief“, hieß es: „Ich möchte lieben, lieben, lieben und genauso geliebt werden. (...) Wenn uns aber nun gar nichts mehr verbindet, dann ist das schlecht und wir können nicht zusammensein.“ Tatiana Cherchneva machte ihrem Freund in dem Brief Vorwürfe, nicht ehrlich zu ihr zu sein.

    Das Wochenende vor ihrem Tod verbrachte Tatiana Cherchneva mit Thomas S. in einer Pension in der Sächsischen Schweiz. „Offenbar war das Wochenende so idyllisch, dass sie sich nicht mehr trennen wollte“, sagt Petzold. Ihrer Freundin soll sie berichtet haben, der Kurzurlaub sei zu schön gewesen.

    Tatiana Cherchneva verließ grußlos ihren Arbeitsplatz

    Klar ist, dass Tatiana Cherchneva am Tag ihres Todes ihren Arbeitsplatz gegen 17 Uhr verließ – grußlos, was ungewöhnlich war für die ansonsten immer freundliche Buchhalterin. Sie fuhr wie immer über die Stadtautobahn nach Hause, traf 28 Minuten später mit ihrem grünen Nissan Micra, einem Firmenwagen, in der Tiefgarage ihres Wohnblocks ein.

    Bepackt war sie, als sie die Treppen zu ihrer Wohnung hinaufstieg: mit der Reisetasche vom Wochenende, einem Schlafsack, ihrem Lederrucksack mit den persönlichen Sachen, dem Inhalt ihres Briefkastens, dem Handy und den Schlüsseln. Das haben die Fahnder ermittelt. Durch Nachbarn wurde die 31-Jährige zu dieser Zeit nicht gesehen.

    Doch warum wurde kein Bewohner des Hauses aufmerksam auf das, was dann geschah? „Niemand hat etwas von einem Kampf in der Wohnung gehört oder gar Schreie“, sagt Petzold. Auch sei niemand nach der Tat gesehen worden, als er aus der Wohnung geeilt sei. Und das in den wenigen Minuten, bis die Polizei eintraf.

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    Tatiana Cherchneva in ihrer Wohnung. Als sie ermordet wurde, war sie 31 Jahre alt. © Maurice Weiss/Ostkreuz

    Fest steht, dass der Mörder Schränke im Ankleidezimmer durchwühlt und verschiedene Sachen von Tatiana Cherchneva mitgenommen haben muss. Es fehlten der Schlüsselbund mit den Wohnungsschlüsseln, eine Schmuckschatulle und der Rucksack mit Bargeld, Personalausweis, EC-Karte und Terminkalender.

    Das Sonderbarste an dem Fall, so erzählt es Michael Petzold, sei jedoch das Mobiltelefon gewesen, das nicht mehr bei dem Opfer gefunden werden konnte. Tatiana Cherchneva hatte es erst wenige Monate vor ihrem Tod preisgünstig in einem Telefonladen an der Friedrichstraße erworben. Nach der Tat war es ausgestellt und in der Wohnung nicht mehr zu finden.

    Doch einen Tag nach dem Mord wurde eine neue SIM-Karte in das Mobiltelefon eingelegt und das Handy eingeschaltet. 26 Stunden nach der Tat konnte es bei einer Frau geortet werden. Sie gab an, das Handy von ihrem Freund Bernd L. geschenkt bekommen zu haben.

    Der Mann erzählte den Ermittlern eine schräge Geschichte, so sagt es Staatsanwalt Petzold heute. Demnach gab er zu Protokoll, das Handy am 14. September 1999 einem Blumenhändler in einem Pub im Europa-Center abgekauft zu haben. Also einen Tag nach dem Mord.

    Drei Bier will er dem Rosenverkäufer, der sich Micha genannt habe, spendiert und den Preis für das Mobiltelefon von 100 auf 50 Mark heruntergehandelt haben. Bernd L. beschrieb den ominösen Blumenhändler damals als 30-jährigen Russen mit dunkelblonden, halblangen Haaren und einem freundlichen, lustigen Blick.

    Zudem soll „Micha“ seinen Großvater als Russlanddeutschen mit Verbindungen zum russischen Geheimdienst KGB beschrieben haben. Die Polizei fertigte ein Phantombild des geheimnisvollen „Micha“ an, doch es gab nicht einen einzigen Hinweis auf den Blumenhändler.

    Nach der Funkzellenanalyse stellte sich zudem heraus, dass Bernd L. zum Zeitpunkt des angeblichen Handykaufs nicht in dem Pub, sondern im brandenburgischen Bestensee gewesen war. „Der Mann war hochverdächtig. Aber es gab keinen Grund, warum er Tatiana Cherchneva umgebracht haben soll. Es gab keinerlei Verbindung zwischen ihm und dem Opfer“, sagt Petzold.

    Die Staatsanwaltschaft lobte damals 10.000 Mark für Hinweise aus, die zur Ergreifung des Täters führen würden. Ohne Erfolg. Kurt K., einst Liebhaber der Getöteten und ihr Chef, zählte zu den Verdächtigen. Auch weil er, wie Staatsanwalt Petzold sagt, unbedingt in die Akten der Polizei schauen wollte. K. erhöhte die Belohnung um 50.000 Euro.

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    Das Phantombild von Micha, der angeblich das Handy von Tatiana Cherchneva verkauft haben soll. © Maurice Weiss/Ostkreuz

    Mit einer Anzeige in einer Berliner Tageszeitung und Plakaten ging der Unternehmer an die Öffentlichkeit, suchte Zeugen für das Gewaltverbrechen an seiner einstigen Lebensgefährtin. „Hilfe!“, war auf den Plakaten über einem Foto von Tatiana Cherchneva in großen Lettern zu lesen. „Bitte helfen Sie uns, unseren Seelenfrieden durch die Ergreifung des Täters noch in diesem Jahrtausend zu finden“, hieß es weiter.

    „Den entscheidenden Hinweis im Fall der getöteten Tatiana Cherchneva gab und gibt es nicht“, sagt Staatsanwalt Petzold. Selbst ein Beitrag in der ZDF-Fahndungssendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ habe nicht zu dem erwünschten Durchbruch geführt.

    Michael Petzold erklärt, dass viel für ein gewisses professionelles Vorgehen spreche. Sogar die Spezialeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr hätten die Ermittler damals konsultiert, um zu klären, ob der Täter militärisches Wissen gehabt habe. „Die Einschätzung: Die Tat war schon fachmännisch ausgeführt worden – aber für das KSK doch etwas zu dilettantisch“, sagt der Staatsanwalt.

    Eine vielversprechende DNA-Spur an der Kleidung des Opfers

    War es eine Beziehungstat? War es ein Auftragsmord? Die Ermittlungen gegen Kurt K. und Bernd L. wurden im Dezember 2003 eingestellt. „Es kommt eine Auftragstat in Betracht, es kommt eine ganz andere Person als Täter infrage“, sagt Petzold. Zum Beispiel jene Person, von der Bernd L. das Handy des Opfers erworben hat. Wer das gewesen sei, ist bis heute unklar.

    Es gibt diese eine, vielversprechende DNA-Spur an der Kleidung des Opfers. Sie stimme mit keinem der Männer überein, die als tatverdächtig geführt worden seien, sagt Michael Petzold. Wegen dieser Spur und auch Zeugen, die noch immer gesucht würden, sei die Akte im März wieder „angefasst“ worden.

    Die sichergestellte DNA ist nicht in der Datenbank des Bundeskriminalamtes gespeichert. Das heißt, dass der Täter oder seine Kinder noch nie straffällig geworden sind. „Vielleicht ist er auch schon tot“, sagt Petzold.

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  • Stromausfall in Berlins City West: Auch KaDeWe, Teile des Ku’damm und Bahnhof Zoo waren betroffen
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/stromausfall-in-berlins-city-west-auch-kadewe-teile-des-kudamm-und-bahn.

    19..5.2026 - Ein Stromausfall war am Dienstagmorgen in der City West aufgetreten. Eine Karte von Stromnetz Berlin zeigt das betroffene Gebiet. Drei Ortsteile hatten zeitweise keinen Strom.

    Am Dienstagmorgen kam es in Berlins City West zu einem Stromausfall. Wie aus einer Meldung von Stromnetz Berlin hervorgeht, waren Teile von Charlottenburg, aber auch Mitte und Schöneberg betroffen.


    Eine Karte zeigt, dass in dem betroffenen Gebiet auch das KaDeWe, Teile des Kurfürstendamms und der Bahnhof Zoologischer Garten sowie der Wittenbergplatz lagen. Screenshot Stromnetz Berlin

    Zunächst hieß es auf X, dass die Störung bis circa 11 Uhr behoben sein sollte.

    Bereits um 10.19 Uhr kam dann bereits die Entwarnung mit der positiven Nachricht, der Strom fließe wieder. (Tsp)

    #Berlin #Charlottenburg #Tiergarten #Schöneberg #Panne #Stromausfall

  • Pädagogik: Die Freiheit, sich zu fügen
    https://www.jungewelt.de/artikel/521653.p%C3%A4dagogik-die-freiheit-sich-zu-f%C3%BCgen.html

    4.5.2026 von Christoph Horst - Vor 250 Jahren wurde Johann Friedrich Herbart geboren, einer der Begründer der modernen Pädagogik

    »Man kann die eine und ganze Aufgabe der Erziehung in den Begriff: Moralität fassen.« (J. F. Herbart)

    Als Johann Friedrich Herbart 1809 im Alter von 33 Jahren als zweiter Nachfolger Immanuel Kants auf den Königsberger Lehrstuhl für Philosophie und Pädagogik berufen wurde, war dies stringente Folge eines klassischen Gelehrtenlebens ohne bedeutendere außerakademische Vorkommnisse. Er baute dort im Auftrag unter anderem Wilhelm von Humboldts das Pädagogische Seminar für Lehrerbildung nach den Grundsätzen der preußischen Bildungsreform auf.

    Während seiner 24 Jahre an der Universität Königsberg arbeitete Herbart sein System der philosophisch fundierten Pädagogik und der Zusammenführung von Theorie der Bildung und Praxis der Erziehung aus, zu dem er zuvor unter anderem in Göttingen und Bremen publiziert und gelehrt hatte. In Göttingen, nicht so ganz weit entfernt von seiner Heimatstadt Oldenburg, war er bereits philosophisch promoviert und habilitiert worden. Gerne wäre Herbart 1831 Nachfolger Hegels in Berlin geworden, dies blieb ihm jedoch zu seiner großen Enttäuschung verwehrt. Er war von dem ausgebliebenen Karriereschritt sogar so erschüttert, dass er den preußischen Staatsdienst auf eigenen Wunsch verließ und zurück nach Göttingen ging.
    Von der Theorie her

    Praktische pädagogische Erfahrungen hatte Herbart zeitlebens nur geringe. Wohl arbeitete er nach seinem Studium in Jena als Hauslehrer in der Nähe von Bern und dachte, dies reflektierend, über Fragen der Erziehung nach. Ganz seinem rationalistischen Weltbild entsprechend entwarf er für seinen Schüler einen detaillierten Plan der Bildungsentwicklung. Sein Hauptinteresse galt jedoch damals schon der Philosophie.

    Privat blieb ihm der Umgang mit Kindern weitgehend verwehrt. Zwar hatte er ab Ende seiner 30er Jahre zwei Adoptivkinder, aber zeitgenössische Quellen berichten, dass sich eher seine 17 Jahre jüngere Frau um diese kümmerte. Allerdings war Herbart als junger Akademiker Augenzeuge des größten zeitgenössischen Erziehungsexperiments: Er traf den Sozialreformer und (Sozial-) Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi in Burgdorf in der Schweiz, wo dieser an einer kommunalen Schule pädagogisch laborieren durfte. Herbart blieb fortan mit ihm im Briefkontakt, rezensierte dessen Bücher und publizierte über dessen Ideen.

    Trotz dieser Einblicke in erzieherisches Handeln ist es Herbarts akademische Verwissenschaftlichung der deutschsprachigen Pädagogik, die ihm bis heute einen Platz unter den bedeutenden Pädagogen sichert. Zwar hatte schon 1778 Ernst Christian Trapp den ersten Lehrstuhl für Pädagogik in Deutschland, die Disziplin konnte sich jedoch noch nicht klar von ihren Bezugswissenschaften absetzen. Auch Herbarts Pädagogik ist hauptsächlich aus seiner Philosophie und dem Versuch der wissenschaftlichen Fundierung einer Psychologie entstanden. Er bemühte sich aber um ein eigenständiges Fundament einer klar von den anderen Wissenschaften abgegrenzten Terminologie.

    Das pädagogische Denken seiner Zeit war stark geprägt von den Nachwirkungen Jean-Jacques Rousseaus und Immanuel Kants. Rousseau lehnte Herbart ab, da sich in dessen populärem und einflussreichem Erziehungsroman »Emile« zuviel Betonung der Anlage menschlicher Fähigkeiten und zuwenig Einfluss durch die Umwelt, also letztlich den Erzieher, finden. Näher stand ihm der pädagogische Optimismus des Philantropismus, der führend die pädagogischen Debatten der Zeit bestimmte. Johann Bernhard Basedow hatte 1774 in Dessau ein Erziehungsinstitut nach aufklärerischen Prinzipien aufgebaut. Die strenge philantropische Ausrichtung auf moralisches Verhalten als Erziehungsziel – auch Kant fundierte damit seine pädagogischen Vorlesungen – hat Herbart weiterentwickelt, indem er noch stärker eine theoretisch begründete Ethik zum Fundament des Erziehens machte.

    Die Pädagogik ist ihm zwar eigenständige Disziplin, die sich »einheimischer Begriffe« bedient, nachdem sie aus der Philosophie hergeleitet worden sind. In der Pädagogik sah er jedoch zugleich den Anwendungsfall einer ­wissenschaftlichen Ethik auf das Individuum. Die Ethik soll die Erziehungsziele definieren und eine empirisch-naturwissenschaftlich verstandene Assoziationspsychologie die Methodik fundieren. An seinen Vorgängern kritisierte Herbart einen zuwenig theoretischen Zugang zu Fragen der Bildung. Ihm war Erziehungspraxis nur eine konkrete Ausgestaltung der Theorie.
    Pietismus ohne Prügel

    Herbart selbst gab als bedeutendste Inspirationsquelle seiner Pädagogik August Hermann Niemeyer an, der aus dem streng religiösen Pietismus kam, wie er von August Hermann Francke entwickelt wurde. Herbart fasste seinen zentralen Unterschied zu Niemeyer damit zusammen, dass dieser der Zucht den Vorrang gebe und widerspricht: »Die Zucht allein kann keinen Charakter bilden. Derselbe dringt von innen hervor; das Innere also muß man zu bestimmen wissen, um einen Charakter zu bilden.« Die Pietisten hingegen setzen zur Unterstützung der Erziehung gezielt auf die körperliche Züchtigung von Kindern, wie es auch Francke beworben hat, der die Prügelstrafe theologisch herleitete. Eine Absage an pädagogisch legitimierte Fremdbestimmung ist Herbarts Hintanstellung der Zucht nicht, eher der Wunsch einer Internalisierung gesellschaftlich erwünschter Eigenschaften durch das Instrument des Unterrichts.

    Herbart setzt Ziele der Erziehung, die bereits vor der Befassung mit dem konkreten Kind in seiner jeweiligen Lebenswelt feststehen. Anstatt jedoch wie heutige Pädagogen diese Ziele bis in kleinste Schlagworte auszudifferenzieren, fasst er sie in ihrer Vielheit unter den einen Begriff der Moralität. In »Über die ästhetische Darstellung der Welt als Hauptgeschäft der Erziehung« von 1804 – Herbart war gerade 28 Jahre alt, als er dieses bedeutende kleine Werk als Anhang zu einer Auseinandersetzung mit Pestalozzi schuf – heißt es: »Moralität als höchster Zweck des Menschen und folglich der Erziehung, ist allgemein anerkannt.«

    In seinen Erläuterungen darüber, dass die Moral als Bezugswert ja allgemein anerkannt sei und er daher auf ihre Begründung verzichten könne, zeigt er, ohne es zu wollen, auch, was deren Bestimmung ist, wenn er den guten Willen auffasst als den »stete(n) Entschluß, sich, als Individuum, unter dem Gesetz zu denken«. Freiheit äußert sich dabei in der Übernahme des Notwendigen in den eigenen Willen. Somit steht letztlich als oberster Zweck der Pädagogik, die Jugend auf die je existierenden Ausführungsbestimmungen staatlicher Gewalt zu verpflichten.

    Viel kreisten die Pädagogen schon damals um die Frage, ob intellektuelle, moralische oder ästhetische Bildung den Vorrang haben müsse und stritten, ob die römische oder griechische Antike mitsamt ihrer Sprache früher gelehrt werden müsse – Herbart war klar für das frühstmögliche Lesen Homers auf Altgriechisch. In seiner Kulturstufentheorie, die eine Abfolge der Bildungsinhalte vorgab, ging das Griechische dem Lateinischen und der Befassung mit der römischen Geschichte voraus, wie dies auch von den Neuhumanisten favorisiert wurde. Erst im Jugendalter dann sollen die neueren Sprachen gelehrt werden. Zwar war schon John Locke am Anfang des 18. Jahrhunderts gegen die Überbetonung der Bedeutung von Fremdsprachen im Vergleich zu anderen Bildungsinhalten, aber die Frage, ob Latein oder Griechisch wesentlicher sei für die Entwicklung des Kindes spaltete die Pädagogenschaft.
    Produktion loyaler Bürger

    Einigkeit bestand bei allen Pädagogen hingegen in dem Standpunkt der Betrachtung des Edukandus, des zu Erziehenden: Zwar mit mal mehr, mal weniger Schranken seiner Individualität ausgestattet, gilt als unstrittig, dass dieser als möglichst reibungslos funktionierendes Rädchen des Bestehenden herzustellen sei. Zwar betont Herbart den Primat familiärer Erziehung gegenüber einem zu weit gehenden Zugriff des Staates, letztlich ist aber die Familie wieder auf ihre Reproduktionsfunktion für die Gesellschaft verwiesen. Der italienische Herbart-Forscher Bruno Bellerate schreibt über Herbarts Staatsverständnis: »Einen Unterschied zwischen der Erziehung des Bürgers und der des Menschen gibt es für ihn nicht.« Die von Herbart und anderen Pädagogen in den Mittelpunkt ihrer Theorien gestellte Moral ist dann dabei das geistige Rüstzeug, den Kindern das, was sie sollen, als ihren ureigensten Wunsch, gar Bestimmungszweck ihres Wesens darzustellen.

    Die Heranwachsenden – im 18. Jahrhundert noch Zöglinge genannt – werden von Herbart als bildsam dargestellt. Sie sollen vom Erzieher in ihrer Fähigkeit, richtig zu wählen, unterstützt werden: »Machen, daß der Zögling sich selbst finde, als wählend das Gute, als verwerfend das Böse: dies, oder Nichts ist Charakterbildung!« Dazu brauchte Herbart ganz ausdrücklich keine transzendente Freiheit des Schülers, wie sie Kant postuliert hat. Sie steht für Herbart der Bildsamkeit des Heranwachsenden ebenso entgegen wie der Determinismus seines akademischen Lehrers Johann Gottlieb Fichte, dessen Schüler er in Jena war und der ebenfalls als erziehender Hauslehrer seine ersten beruflichen Erfahrungen machte. Statt der Transzendenz, »den gesetzlosen Wundern eines übernatürlichen Wesens«, bemüht Herbart die Freiheit der Wahl. In der Formulierung des Sich-selbst-Findens erkennt man deutlich Herbarts Beschäftigung mit der Psychologie, die den Menschen aufteilt in das, was er tut, macht und denkt, und den angeblichen eigentlichen Faktoren für ihr Verhalten. Sich selbst finden kann man nur, wenn man sich aufgeteilt in mehrere Ichs denkt. Wenn aber das reale Ich das eigentliche Ich finden, gar mit ihm interagieren kann, hängen diese ohnehin zusammen, sind einander zugänglich, letztlich im Subjekt identisch und jedes Ich ist immer – auch in einer vorgestellten Abweichung – vollständig es selbst.

    Foto: Konrad Geyer/gemeinfrei 13.jpg

    Johann Friedrich Herbart (1776–1841)

    Die bedeutsamste Erziehung findet nach Herbart im Unterricht statt. Idealerweise soll dies der Hausunterricht sein – mit der Institution Schule tat sich Herbart wie viele seiner pädagogischen Zeitgenossen schwer. Am damals noch nicht durchgesetzten Unterricht im Klassenverband einer Schule kritisierte er die durch den Betreuungsschlüssel begrenzten Möglichkeiten individueller Förderung. Doch dadurch bekommen seine Vorstellungen auch etwas Elitäres. Er denkt bei den Schülern offenbar nicht an die breite Masse, sondern an die wenigen Kinder aus den gehobenen Ständen, denen Bildung aufgrund der finanziellen Ausstattung von Geburt an zugänglich ist. Schon John Locke hat in seinen berühmten »Thoughts on education« ausschließlich die Kinder aus besserem Hause im Blick. Erst Pestalozzi will die breite Masse, also auch verarmte Bevölkerungsschichten bilden, wodurch er zu einem Wegbereiter der Sozialpädagogik wurde.

    Herbart folgt ihm hier nur bedingt. Herbarts Modell grenzt Unterricht ab von Zucht und Regierung – die den Kindern das angeblich richtige Verhalten vorgebenden Funktionen der Erziehung. Sein Ideal ist ein durch frühe Zucht, »die das Verlangen bändigt«, vorbereiteter erziehender Unterricht: »Und ich gestehe gleich hier, keinen Begriff zu haben von einer Erziehung ohne Unterricht, so wie ich rückwärts (…) keinen Unterricht anerkenne, der nicht erzieht«, heißt es in »Allgemeine Pädagogik aus dem Zweck der Erziehung abgeleitet« von 1806.

    Der Bildungsforscher Heinz-Elmar Tenorth erkennt in Herbarts Unterrichtsideen den Versuch der Herstellung einer »legitimen Verbindung von Zwang und Freiheit«. Gesellschaftlich Gefordertes wird hier dem Kind vermittelt und dem Kind bleibt die Freiheit, sich dem zu fügen. In seinem zum Schlagwort gewordenen »erziehenden Unterricht« entwickelt der Pädagoge beim Schüler einen »Gedankenkreis« sittlicher Bildung, indem er auf seinen Willen einwirkt. Dabei bildet sich der Charakter des Edukandus, was für Herbart wesentlich bedeutsamer ist, als das reine Erlernen der jeweiligen Unterrichtsinhalte.
    Begründer der Didaktik

    Hier steht Herbart in direktem Gegensatz zu Pestalozzi, dem es viel um die Didaktik der konkreten Sachverhalte ging. Durch Schulung entsteht bei Herbart ein ästhetisches Urteil, das auf Sittlichkeit fußt und über das Empirische hinausweist. Dadurch, dass er mit naturwissenschaftlicher Präzision vorgegeben hat, wie sich dies vollziehen soll, ist er zum Begründer der Didaktik neuzeitlichen Schulwesens geworden. Die in den Grundzügen noch heute gültigen aufeinander folgenden Schritte sind Klarheit, Assoziation, System und Methode. Am Beginn einer Unterrichtsstunde steht die Klärung, worum es geht, wenn möglich durch Wiederholung des bestehenden Wissens (Klarheit). Dem folgt die Verknüpfung mit anderen Wissensbeständen (Assoziation), die dann nach einer Phase der Besinnung systematisiert werden (System). Zuletzt wird das Gelernte angewendet (Methode). Diese Folge steht als Gerüst noch vor der inhaltlichen Befassung mit dem Stoff fest. Daher werden diese Schritte auch Formalstufen genannt. Herbart wollte sie einigermaßen flexibel halten, doch es bleibt der grundsätzliche Fehler, den zu erklärenden Gegenstand ungeachtet seiner Besonderheiten in ein festes Korsett zwängen zu wollen.

    Eine Herbart-Schule, die sich 1868 im Verein für wissenschaftliche Pädagogik organisierte, entstand erst posthum 27 Jahre nach dem Tod des Pädagogen. Die Herbartianer Karl Volkmar Stoy, Tuiskon Ziller und Wilhelm Rein haben Herbarts System noch weiter formalisiert und bis in die Weimarer Republik hinein zur Grundlage staatlicher Lehrpläne im öffentlichen Schulwesen gemacht. Dies geschah in einer methodischen Starrheit, die später der Reformpädagogik zur Zielscheibe wurde. Häufig wurde von reformpädagogischen Vertretern jedoch eher die Herbart-Schule kritisiert als dieser selbst. Für Ziller musste der Unterricht den fünf Stufen: Vorbereitung, Darbietung, Verknüpfung, Zusammenfassung, Anwendung folgen, andere verkürzten sie auf die drei Stufen Anschauen, Denken, Anwenden. Die Grundidee einer Strukturierung des Lehrens blieb dabei immer bestehen.

    Besonders der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wirkende Herbartianer Otto Willmann hat zudem der (katholischen) Religiosität wieder Zugang in die Didaktik verschafft. Herbart selber brauchte für seinen Begriff der Sittlichkeit keinen Gott, hat ihn aber im Gegensatz zu progressiveren Zeitgenossen nicht grundsätzlich verworfen. Gott war für Herbart immerhin »das reelle Centrum aller practischen Ideen, und ihrer schrankenlosen Wirksamkeit; der Vater des Menschen und das Haupt der Welt«.

    Die größte politische Wirkung in seinem eher ruhigen Gelehrtenleben erzielte Herbart durch eine Positionierung auf Seiten der Reaktion. 1837 wurden sieben Gelehrte der Universität Göttingen ihres Amts enthoben, weil sie sich gegen rückschrittliche Tendenzen Ernst August von Hannovers wehrten. Dieser verbot als neuer König das gerade erst erkämpfte Parlament und die zugehörige, erst 1833 verabschiedete Verfassung und wollte die Professoren zu einem Huldigungseid auf sich selbst verpflichten. Die liberalen »Göttinger Sieben«, darunter die Philologen Jacob und Wilhelm Grimm, verweigerten dies und protestierten dagegen mit Flugschriften, woraufhin sie ihre Anstellungen verloren. Herbart war zur Zeit dieses Konflikts nicht nur einfacher Mitarbeiter der Universität Göttingen, sondern sogar Dekan ihrer Philosophischen Fakultät. Als solcher bezog er klar Stellung – indem er sich in einer Ergebenheitsadresse an Ernst August von seinen Kollegen distanzierte. Zu seinen Beweggründen zählte, dass praktische Einflussnahme seinem Ideal eines Intellektuellen zuwiderlief.

    Die mehr als nur zeitgenössische Wirkung Herbarts in der akademischen Philosophie ist überschaubar. In den üblicherweise gelesenen Philosophiegeschichten kommt er kaum vor – und wenn, dann kurz genannt als Nachkantianer oder Schüler Fichtes. Tatsächlich arbeitete sich Herbart wie viele Zeitgenossen an Kant ab. Er folgte ihm in vielem, setzte sich in einigem aber auch von ihm ab – so in der Frage der Erkennbarkeit des Wesens der Dinge, die er prinzipiell für möglich hielt.
    Der Lehrer als Führer

    Herbarts Beitrag zur Pädagogik jedoch wirkt bis heute. Die Pädagogik als akademische Disziplin, zu deren Konstituierung Herbart einen bedeutenden Beitrag lieferte, hat ihn schon kurz nach seinem Tod zu einem ihrer Klassiker geadelt. Die Intensität der Beschäftigung mit ihm verlief jedoch im Gegensatz zu anderen Größen seines Faches, die generationenübergreifend geehrt werden, eher wellenförmig. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es Hermann Nohl aus der Schule der Geisteswissenschaftlichen Pädagogik, der Herbart mit reichlich romantischem Pathos wieder in Erinnerung rief: »Das Genie bleibt aber stets lebendig und eines Tages springt seine Quelle wieder auf.« Eine Unterrichtsmethode, die Herbart sehr sachlich »Vertiefung und Besinnung« (der Bildungsinhalte) nannte, wird bei Nohl zu etwas Mystischem: »Das geistige Leben geht in einem polaren Prozess vor sich, ›ein Atmen des Geistes‹: wir müssen uns hingeben an eine Erfahrung und müssen sie dann einordnen in unseren seelischen Zusammenhang.«

    Nohl kann man jedoch nicht erwähnen, ohne auf seine problematischen Seiten hinzuweisen: Er schrieb seinen Aufsatz »Der lebendige Herbart« 1958, als sich nicht nur die universitären Kreise Westdeutschlands nicht mehr erinnern wollten, dass Nohl 1934 noch eine »Front gegen den Osten« gefordert hatte, »die das weitere Einströmen nicht bloß der jüdischen, sondern auch der slawischen Volkselemente, die den Prozess der deutschen Rassenbildung stören und die Festigkeit unserer Nationalität lockern, verhindert«.

    Nicht zufällig wollte Nohl Herbart als Kronzeugen gegen ein Zuwenig an Autorität einsetzen, wenn er ihn interpretiert: »Solche Ordnung und solche bewußte verantwortliche Gestalt erwächst aber nicht von selbst im Kind, sondern nur in der guten Willensgemeinschaft mit einem führenden Menschen, der bloß selbst diese finale Energie besitzen muß, die den Charakter erst wahrhaft ganz und lebendig macht.« Dass das reaktionäre Bild des Lehrers als Führer sich auf Herbart berufen kann, ist nicht zuletzt dessen Schuld, da er sich oft an romantischen Ideen orientierte. Insgesamt wird ihm eine Einreihung in den Konservatismus der akademischen Pädagogik aber im Ganzen nicht gerecht. Denn das sachbezogene Führen des Herbartschen Lehrers ist nicht das einer dionysischen Schicksalsgemeinschaft, wie es Nohl vorschwebt.

    Würde man in der pädagogischen Historiographie aufhören, Herbart zu einer pädagogischen Lichtgestalt aufzubauschen, bliebe eine historische Figur, die sich um das Nachdenken über Erziehung verdient gemacht hat und neben manchen guten Ideen auch einige reaktionäre Ansätze im Kopf hatte. Mehr nicht, aber auch nicht weniger.

    Am 14. August 1841 starb Herbart im Alter von 65 Jahren in Göttingen. Erst am 11. August hatte er dort seine letzte Vorlesung gehalten, aber ansonsten weitgehend zurückgezogen gelebt.

    Herbartstraße
    https://berlin.kauperts.de/Strassen/Herbartstrasse-14057-Berlin

    Postleitzahl 14057
    Ortsteil Charlottenburg
    ÖPNV Zone A Zone B Bus X34, X49, M49, 104, 139 — Zone A S‑Bahn 41, 42, 46 Messe Nord/ICC ♿
    Straßenverlauf von Dernburgstraße bis Neue Kantstraße und Wundtstraße
    Falk‑Stadtplan Planquadrat M 10
    Geschichte von Herbartstraße
    Ehemaliger Bezirk Charlottenburg
    Name seit 27.8.1905

    Herbart, Johann Friedrich, * 4.5.1776 Oldenburg, + 14.8.1841 Göttingen, Philosoph, Pädagoge.

    Der Sohn eines Justizrates besuchte das Gymnasium in Oldenburg und begann 1794 ein Studium der Philosophie an der Universität Jena. Dort setzte er sich vor allem mit Fichtes Auffassungen auseinander. Er war 1797-1800 Hauslehrer in der Schweiz, wo er seine pädagogischen Prinzipien entwarf und publizierte. 1802 habilitierte er sich an der Universität Göttingen; 1805 erhielt er dort eine Professur. 1808 wurde er auf den Lehrstuhl Kants in Königsberg berufen und wirkte dort innerhalb der Reformbewegung Preußens für die Ideen einer Nationalerziehung. In seiner Königsberger Zeit publizierte er mehrere Schriften, u. a. seine „Metaphysik“ (1829). Ab 1833 lehrte Herbart erneut in Göttingen. Durch seine systematische Erziehungs- und Unterrichtstheorie, die den Weg der Erziehung an der Psychologie und ihr Ziel an der Ethik orientierte, wurde er zu einem der Begründer einer wissenschaftlichen Pädagogik.

    Vorher Straße der Abt. V des Bebauungsplanes. Auf der Karte von 1904 war ihre Trasse ohne Bezeichnung eingetragen.

    Örtliche Zuständigkeiten für Herbartstraße
    Arbeitsagentur Berlin Nord
    Jobcenter Charlottenburg-Wilmersdorf
    Amtsgericht Charlottenburg
    Grundbuchamt Charlottenburg
    Familiengericht Kreuzberg
    Finanzamt Charlottenburg
    Polizeiabschnitt A 24
    Verwaltungsbezirk Charlottenburg-Wilmersdorf

    #Berlin #Charlottenburg #Witzleben #Herbartstraße #Pädagogik #Geschichte

  • MONTAGSINTERVIEW: „Ich dachte: Jetzt bin ich zu Hause“
    https://taz.de/MONTAGSINTERVIEW/!5086618


    „In China brach plötzlich etwas durch, was jahrzehntelang in mir war“: Dagmar Yu-Dembski, Leiterin des Konfuzius-Instituts an der FU Berlin.   Bild: David Oliveira

    12.8.2012 - Dagmar Yu-Dembski erforscht chinesische Spuren in der Geschichte Berlins. Ihr eigener Vater kam 1936 in die Stadt.

    taz: Frau Yu-Dembski, Sie haben sich systematisch mit den Chinesen in Deutschland beschäftig und das Buch „Chinesen in Berlin“ veröffentlicht. Wann kamen denn die ersten Chinesen nach Berlin?

    Dagmar Yu-Dembski: Das war 1823. Es waren zwei, sie hießen Yasheng Feng und Yaxue Feng. Es gibt Aufzeichnungen darüber von Heinrich Heine, der einem Freund schrieb, dass zwei Chinesen in einer Art Theater in der Stadt ausgestellt würden. So wie heute im Zoo, wo Tiere ausgestellt werden, die man sonst nicht sehen kann, gab es ja früher Menschen- oder Völkerschauen. Einer der beiden ist dann hier geblieben und hat in Potsdam ein Haus gebaut. Yasheng war sein Vorname – daraus wurde aber später der Familienname „Assing“. So würde man nie auf die Idee kommen, dass es da mal chinesische Vorfahren gab.

    Auch Ihr Vater war Chinese, er kam 1936 als Student nach Deutschland. Später studierte er in Berlin Ingenieurswissenschaften. Warum eigentlich?

    Dagmar Yu-Dembski

    Die Frau: Dagmar Yu-Dembski wird 1943 als Tochter eines Chinesen und einer Deutschen geboren. Sie studiert Publizistik, Kunstgeschichte und Sinologie an der Freien Universität Berlin. Ihr Forschungsschwerpunkt ist die Rolle der Frauen in den Medien, bis sie anfängt, sich verstärkt mit China und interkultureller Kommunikation zu beschäftigen. Yu-Dembski lebt mit ihrem Mann in Berlin.

    In China war das Bildungssystem lange Zeit von konfuzianischen Vorstellungen geprägt. Moderne Wissenschaften wie Natur- und Ingenieurswissenschaften oder Medizin waren keine Ausbildungsgänge, die in China entwickelt waren. Mein Vater kam aus einer reichen kantonesischen Kaufmannsfamilie, wo mindestens eines der Kinder ins Ausland geschickt wurde. Davor war er auf einer zweisprachigen deutsch-chinesischen Mittelschule in Guangdong, wo er Abitur gemacht hat. Aber Deutschland war für die Studenten auch das Land von Marx und Engels. Viele sind daher aus politischen Gründen zum Studium gekommen, wobei sie dann nicht nur studiert, sondern auch ihre Landsleute agitiert haben.

    Sie haben sich viel mit dem damaligen Alltag der Chinesen in Berlin beschäftigt. Wie kann man sich das Leben Ihres Vaters und der chinesischen Studenten im Berlin der zwanziger und dreißiger Jahre vorstellen?

    200 Studenten haben damals in den hochherrschaftlichen Häusern Charlottenburgs gewohnt. Nach dem Ersten Weltkrieg lebten in den großen Wohnungen viele Witwen, die Zimmer vermieten mussten. Sie haben gerne an die jungen Chinesen mit den guten Manieren vermietet, weil diese aus gutsituierten Familien kamen oder staatliche Stipendien hatten. Das war gar nicht schlecht – gerade als 1923 Inflation war, haben sie mit ihren chinesischen Devisen gut dagestanden. Es gibt auch Berichte in den Zeitungen über diese modischen jungen Herren – neunzig Prozent der Studenten waren Männer – die häufig in eleganter Begleitung gesehen wurden. Wenn ich mir die Fotos von meinem Vater in den Dreißigern oder Vierzigern ansehe, frage ich mich manchmal: Hat er eigentlich studiert?

    Gab es damals so etwas wie eine Mini-Chinatown?

    Die Kantstraße in Charlottenburg war das frühere chinesische Viertel. Da wohnte ein Chinese neben dem anderen in den Nebenstraßen zur Untermiete, so wie mein Vater. In Charlottenburg ist die Technische Universität, die Chinesische Botschaft war am Kurfürstendamm 218, auch die Hochschule für Politik war ganz in der Nähe. Dort gibt es heute noch viele chinesische Geschäfte und Restaurants. Die Kantstraße ist inzwischen fast wieder eine chinesische Straße.

    Was haben die Chinesen damals gegessen? Gab es damals schon China-Restaurants?

    Gerade in der Kantstraße gab es mehrere. In diesen Restaurants gab es weiße Tischdecken und deutsche befrackte Kellner. Auf einem Foto in einem der China-Restaurants 1923 tragen die Chinesen alle Anzug und Krawatte. Das war das Interessante: Die Chinesen haben dort nicht etwa als Kellner gearbeitet, das waren Deutsche. Es soll sogar in den zwanziger Jahren in Berlin eine Gärtnerei gegeben haben, in der chinesisches Gemüse gezogen wurde.

    Und in den anderen Vierteln?

    Es gab damals zwei soziale Gruppen von Chinesen in Berlin. Außer den Studenten und Wissenschaftlern kamen auch Geschäftsleute, meist aus Qingtian und Wenzhou. Diese wiederum etwa 200 Chinesen haben im heutigen Friedrichshain gewohnt. Das ist der Bezirk um den früheren Schlesischen Bahnhof, ein Kopfbahnhof, wo man mit dem Zug wie der Transsibirischen Eisenbahn aus dem Osten ankam. Das war ein absoluter Arbeiterbezirk. Nur in ganz wenigen Häusern gab es überhaupt ein Badezimmer. Die Toilette war eine Treppe tiefer, viele Häuser hatten mehrere Höfe hintereinander, wo viele kleine Betriebe irgendetwas angefertigt haben. Es gab einen kleinen Laden, wo Chinesen alles Mögliche verkauft haben, es gab andere, die mit einer Ledertasche durch die Gegend zogen, um Porzellan und Kleinigkeiten zu verkaufen, und auch kleine Restaurants und Garküchen.

    Zurück zu Ihrer Familie. Ihr Vater kam 1936 nach Deutschland. Wie war diese Zeit für die Chinesen in Berlin?

    Richtig, mein Vater ist in der NS-Zeit gekommen, im Jahr der Olympischen Spiele. Aber die Chinesen haben sich von dieser ganzen Rassenpolitik gar nicht beeindrucken lassen. Als Hitler 1933 von den „gelben Rassen“ sprach, hatten Japaner und Chinesen protestiert, auch beim Auswärtigen Amt. Und man hatte da eine Formulierung gefunden, dass diese „hochwertigen“ Kulturen, also diese 5.000 Jahre alten Kulturen, damit nicht gemeint seien. Für die Studenten war alles gut, solange sie nicht aufgefallen sind, dem Staat nicht zur Last fielen, kein Geld brauchten und sich nicht politisch betätigten. Schwieriger wurde es allerdings für die Kleinhändler. Den Wäschereibesitzern haben die Leute zum Beispiel nicht mehr ihre Wäsche gebracht – nicht zum „Chinesen“! Auch Porzellan und Perlen hat irgendwann keiner mehr gekauft. Viele haben wirklich gehungert.

    Die Chinesen sind die ganze Zeit eher unter sich geblieben. Wann und wie kamen die ersten deutsch-chinesischen Ehen zustande wie bei Ihren Eltern?

    Erst als die Situation im Zweiten Weltkrieg sehr schwierig wurde. Da litten plötzlich alle unter den gleichen Bedingungen: Bombenangriffe, Hunger, Einschränkungen der Reisefreiheit und Ähnliches. Aber als Ehen kann man die Gemeinschaften eigentlich nicht bezeichnen. Es gab keine Eheerlaubnis für Chinesen und deutsche Frauen. Natürlich kam hinzu, dass die meisten deutschen Männer im Krieg waren. Und deswegen hatte so ein gut aussehender Chinese bei meiner Mutter dann auch eine Chance. Ich bin 1943 geboren, aber heiraten konnten meine Eltern erst nach dem Krieg, im Juni 1945.

    1945 gab es eine große Rückholaktion. Die chinesische Regierung organisierte den Rücktransport und jeder bekam um die 100 US-Dollar. Sind viele Familien damals nach China zurückgegangen?

    Von den 80 deutsch-chinesischen Ehen, die es damals in Berlin gab, ging mindestens die Hälfte der Frauen mit ihren Männern nach China zurück. Für die deutschen Frauen und deren Kinder, die in der Zwischenzeit geboren worden waren, gab es als Vorbereitung an der Lietzensee-Schule Chinesisch-Unterricht. Ich habe einen Bericht in der damaligen Presse über die Kinder gelesen, die in diese Schule gegangen sind, und von den blonden deutschen Frauen, die gesagt haben, es sei zwar eine schwere Sprache, aber sie wollten nach China gehen, nachdem sie endlich hatten heiraten dürfen.

    Ihr Vater ist damals wegen Ihrer Mutter nicht zurückgegangen, hat sich aber später doch von ihr getrennt.

    Ja, meine Eltern haben zwar geheiratet, und für meine Mutter war es die Liebe ihres Lebens. Für sie gab es auch nie wieder einen anderen Mann. Aber mein Vater hat sie irgendwann wegen einer Chinesin verlassen. Das hat dazu geführt, dass meine Mutter alles ablehnte, was mit China zusammenhing.

    Wie hat sich das auf Ihre Kindheit ausgewirkt?

    Ich war damals 13, 14. Mein Vater hat nicht nur meine Mutter verlassen, sondern auch mich als Tochter. Auf der anderen Seite hat meine Mutter nicht nur alles Chinesische abgelehnt, sondern auch mich, weil ich für sie der Inbegriff allen Chinesischen war. Im Gegensatz zu meinem Bruder, der den deutschen Anteil repräsentiert hat. Mein Bruder sieht ganz europäisch aus, er hat die Nase meiner Mutter und die grünen Augen. Jetzt sieht man es nicht mehr so stark, aber früher sah ich schon chinesischer aus.

    Ihr Vater gründete das „Canton“, ehemals auf dem Stuttgarter Platz, eines der ersten China-Restaurants der Nachkriegszeit, später das „Hongkong“.

    Das Restaurant war ganz anders eingerichtet als die heutigen China-Restaurants. Es gab einen Springbrunnen, geschmackvolle Seidentapeten mit chinesischen Mustern und schwarze Tische. Dazu gründete mein Vater die mondäne Honkong-Bar am Kurfürstendamm, die in den 50ern und 60ern sehr beliebt war. Aber mein Vater war kein besonders guter Geschäftsmann. Er wollte den Berlinern vielmehr die chinesische Kultur vermitteln. Deshalb war mein Vater bei seinem Tod nicht irgendein Chinese, sondern eine chinesische Institution in Berlin.

    Ihr Vater ist 1976 gestorben. Warum hat Sie gerade sein Tod China näher gebracht?

    Er starb durch einen Schlaganfall, und die Bild-Zeitung titelte damals „Chinesenkönig tot auf dem Kurfürstendamm“. Ich bin von seinem plötzlichen Tod überrascht worden und hatte das Gefühl, dass ich nichts über die Herkunft meiner Familie wusste. Hunderte Chinesen sind zur Beerdigung gekommen. Sie haben alle auf Chinesisch auf mich eingeredet; ich stand da und konnte kein Wort, nichts, ist wusste nicht, was los war. Ich bin eben ganz wie eine Deutsche aufgewachsen. Dann kamen plötzlich Verwandte, die mich umarmt haben. Einer sagte: „I am your cousin“. Der wollte sich nun um mich kümmern – sozusagen als neues Familienoberhaupt. Da habe ich gedacht: Na hoppla, so nicht!

    Trotzdem haben Sie nach dem Tod Ihres Vaters Ihre chinesischen Wurzeln gesucht, haben bei den Sinologen Kurse belegt und sind 1980 das erste Mal nach China gefahren. Eine gewöhnliche Reise war das für Sie sicher nicht.

    Es gab da ein Schlüsselerlebnis: Wir kamen in eine Volkskommune und unterhielten uns darüber, wie viele Leute da arbeiten, wie hoch die Produktion ist. Plötzlich fragte der Produktionsleiter: Diese junge Frau da, ist sie auch vom Reisebüro? Da konnte ich meine drei Sätze Chinesisch anbringen: Mein Vater ist Chinese, meine Mutter ist Deutsche, deshalb bin ich eine halbe Chinesin. Mein Name ist Yu Demei. Dann hat er plötzlich auf Chinesisch gesagt: Dein Vater ist Chinese? Na, dann bist du auch Chinesin! Wie wird dein Nachname geschrieben? Ich habe das Yu auf meine Handfläche gemalt und bin in Tränen ausgebrochen.

    Was hat dieser Moment in Ihnen ausgelöst?

    Ich hab gedacht, jetzt bin ich zu Hause. Da brach plötzlich etwas durch, was jahrzehntelang in mir war. Mein Mutter hat auf meinen Vater geschimpft und mich eben auch abgelehnt wegen meines chinesischen Anteils. Und hier sagt einer: Mensch, dann bist du ja Chinesin. Plötzlich hatte ich das Gefühl, ich gehöre dazu. Selbst wenn ich das jetzt erzähle, ist es für mich ganz emotional. Ich fange heute noch an zu heulen.

    Bei dieser Reise ist Ihnen noch etwas ganz anderes aufgegangen.

    Mir ist dabei klar geworden, wie der Verlust der Heimat für meinen Vater war. Er konnte nicht mehr nach China, weil die Volksrepublik China ihm keinen Pass mehr gegeben hat. Er war staatenlos. Es gibt eine chinesische Redewendung: Die Blätter fallen zu den Wurzeln zurück. Er ist mit Anfang zwanzig nach Deutschland gekommen und hat 40 Jahre seines Lebens in Deutschland verbracht. Trotzdem fehlte ihm etwas. Für mich ging es nicht nur um meine Identität, sondern stellvertretend auch um die meines Vaters. Ich dachte, ich mache das für ihn, weil er nicht mehr zurückkonnte.

    Seitdem scheint Sie China nicht mehr losgelassen zu haben. Heute vermitteln Sie den Berlinern China als Geschäftsführerin eines Konfuzius-Instituts, eines chinesischen Kulturinstituts, das es weltweit gibt.

    Damit setze ich die Kulturarbeit meines Vaters fort. Ich kann aus ganz, ganz vielen Erfahrungen schöpfen. In der Zusammenarbeit mit den chinesischen Mitarbeitern habe ich ein sehr gutes Gespür. Außerdem weiß ich, wie Deutsche ticken, was Deutsche interessiert, wie ich ihnen etwas verständlich machen kann. Ich kann aus meiner Kenntnis deutscher Kultur die chinesische erklären – die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede.

    Heute leben rund 1.400 chinesische Studenten in Berlin. Wenn Sie die Chinesen und Deutschen heutzutage sehen, was würden Sie sich im Miteinander wünschen?

    Eines der größten Probleme ist, dass die Kommunikation nach wie vor nicht so gut funktioniert. Das hängt damit zusammen, dass die Chinesen sofort mit der chinesischen Politik identifiziert werden und sie immer stellvertretend für „das“ China stehen. Ich glaube, das nervt sie wirklich. Man wird immer als Chinese wahrgenommen, auch, wenn man hier aufgewachsen ist und überhaupt kein Akzent zu hören ist. Manche Frauen erzählen mir, dass immer noch in manchen Köpfen die exotische Chinesin rumschwirrt, die man auch entsprechend behandeln kann. So eine kleine, niedliche Chinesin. Da bin ich als Feministin sehr hellhörig. Diese Chinabilder im Kopf zu verändern ist mir ganz, ganz wichtig.

    Dagmar Yu-Dembski
    https://de.wikipedia.org/wiki/Dagmar_Yu-Dembski

    Dagmar Yu-Dembski (* 1. Februar 1943 in Berlin; gest. 21. Mai 2023)[1] war eine deutsche Journalistin und Autorin chinesischer Abstammung.

    Yu-Dembski wurde 1943 als Tochter einer Deutschen und eines Chinesen aus Südchina geboren. Ihre Eltern trennten sich, als sie 13 Jahre alt war. Sie absolvierte Studien der Publizistik, Kunstgeschichte und Sinologie an der Freien Universität Berlin. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich der Rolle der Frauen in den Medien sowie der Geschichte der deutsch-chinesischen Beziehungen unter besonderer Berücksichtigung der Chinesen in Deutschland.[2] Yu-Dembski war zwischenzeitlich geschäftsführende Leiterin des Konfuzius-Instituts in Berlin und Herausgeberin der 2014 eingestellten Zeitschrift Das neue China.[3][4][5][6] Yu-Dembski übersetzte das Buch Shanghai-Magie : Reportagen aus dem New Yorker von Emily Hahn aus dem amerikanischen Englisch ins Deutsche. Sie lebte mit ihrem Mann in Berlin.[2]

    2010: Lili und das chinesische Frühlingsfest, Carlsen-Verlag, Hamburg, ISBN 978-3-551-08693-8.
    2014: 热闹的春节 (Pinyin: Rènào de chūnjié), 長江少年兒童 出版社 (Pinyin: Chángjiāng shàonián értóng chūbǎn shè), Wuhan, ISBN 978-7-5560-0158-3 (chinesische Übersetzung).

    2007: Chinesen in Berlin, Berlin edition, ISBN 978-3-8148-0159-9.
    2013: Chinaprinzessin : meine deutsch-chinesische Familie, edition Ebersbach, Berlin, ISBN 978-3-86915-064-2.

    2013: Mechthild Leutner: Dreihundert Jahre Chinesisch in Deutschland : Annäherungen an ein fernes Land, LIT Verlag, Münster, 2013, ISBN 978-3-643-12385-5.

    ↑ Traueranzeigen von Dagmar Yu-Dembski | Tagesspiegel Trauer. Abgerufen am 28. Mai 2023 (deutsch).
    Hochspringen nach: 1 2 „Ich dachte: Jetzt bin ich zu Hause“, taz.de, 12. August 2012
    ↑ Das neue China
    ↑ ISSN 0172-4878
    ↑ ZDB-ID 193576-8
    ↑ Dagmar Yu-Dembski, Edition Ebersbach

    Personendaten
    NAME Yu-Dembski, Dagmar
    ALTERNATIVNAMEN Yü-Dembski, Dagmar
    KURZBESCHREIBUNG deutsche Journalistin und Autorin
    GEBURTSDATUM 1. Februar 1943
    GEBURTSORT Berlin
    STERBEDATUM 21. Mai 2023

    #Berlin #Charlottenburg #Kurfürstendamm #Lietzensee #Kantstraße #Deutschland #China #Feminismus #Geschichte

  • Kurfürstendamm in Berlin: Ein ernüchternder Besuch auf dem ehemaligen Prachtboulevard
    https://www.berliner-zeitung.de/panorama/kudamm-in-berlin-ein-ernuechternder-besuch-auf-dem-ehemaligen-prach

    Kudamm hat nachgelassen? Kein Wunder wenn die Russen den Weg nicht mehr in fünfzehn Minuten schaffen.

    8.2.2026 von Dirk Engelhardt - Was ist eigentlich geworden aus dem Prachtboulevard? Ein Besuch zwischen Tauentzien und Bleibtreustraße jedenfalls war ernüchternd.

    „Ich hab’ so Heimweh nach dem Kurfürstendamm. Berliner Tempo, Betrieb und Tamtam“, sang die wahrlich unverbrüchliche Hildegard Knef 1963. Tatsächlich pulsierte der legendäre Boulevard in jener Zeit quasi rund um die Uhr, er war die Hauptschlagader der Insel West-Berlin.

    Meine älteste Erinnerung an den Kurfürstendamm ist der erste Kinobesuch meines Lebens, gemeinsam mit meiner Oma, die am Wittenbergplatz wohnte. Wir gingen in den Royal Palast, einen der vielen opulenten Lichtspielpaläste, die es im Jahr 1978 noch gab. Dann waren da noch der Gloria-Palast, das Marmorhaus, die Filmbühne Wien, das Astor und die Lupe, um nur die wichtigsten zu nennen.
    Zwei Karten für die Raucher-Lobby

    Genaugenommen war der Royal Palast nicht am Kudamm, sondern am Tauentzien. Den Kudamm legte 1542 Kurfürst Joachim II. an. Er führte vom Berliner Stadtschloss bis zum Jagdschloss Grunewald. Heute ist der berühmte Boulevard immerhin noch 3,5 Kilometer lang. Die Straßenbreite von 53 Metern legte Kanzler Bismarck im Jahr 1875 fest: Startpunkt zum Ausbau der Prachtmeile, die zur Villenkolonie Grunewald führte.

    Da meine Großmutter Kettenraucherin war, kaufte sie zwei Karten für die Raucher-Lobby, die abgeteilt im hinteren Bereich des Kinos lag, hinter einer riesigen Glasscheibe. Wir sahen entgeistert den „Krieg der Sterne“, Teil 1 natürlich, ich aufgeregt, meine Oma rauchend. Damals war das kein Thema. Danach spazierten wir an der Eislaufbahn vorbei, die sich damals im Erdgeschoss des Europa Centers befand. Weltstadtatmosphäre!

    Zwar glitzert der Kurfürstendamm heute nachts auch noch, doch glamouröses Nachtleben sucht man dort vergeblich. In die Kinos sind Modeketten oder Computerläden gezogen, die abends die Rollläden herunterlassen, ab 20 Uhr geht der Boulevard zu Bett, von den wenigen Restaurants einmal abgesehen.

    Und die edlen Geschäfte? Ich betrete eine der Luxusboutiquen mit ihren goldgerahmten Schaufenstern. Es ist ein Laden, in dem ich gewöhnlich nicht shoppe. Mit einer pantomimischen Geste bedeutet mir der anzugtragende Mann am Eingang, dass ich erst meine Mütze abnehmen müsse, bevor er mich einlässt. Dann öffnet er höflich die Tür und erklärt, dass das eine „Sicherheitsmaßnahme“ sei.

    Ob es Kunden gibt, die Sprengstoff unter ihrem Hut verstecken? Der Geschäftsführer erklärt unverblümt, dass er seine Meinung nicht in einer Zeitung lesen möchte, da er über die Lage am Kurfürstendamm wenig Positives zu berichten hätte. Unten, am Tauentzien, da ginge es ja noch, aber hier oben an der Bleibtreustraße, da sähe es mau aus. Tatsächlich ist der Laden menschenleer, die vier Verkäufer spielen gelangweilt auf ihren Handys herum.

    Ein Stück höher, neben der Schaubühne am Lehniner Platz, dem einzigen verbliebenen Theater am Kurfürstendamm, ging ich früher in die Bhagwan-Disco, das „Far Out“. Ich erinnere mich an einen hell beleuchteten Tanzsaal, das riesige Foto des „Meisters“ Bhagwan Shree Rajneesh, der sich später Osho nannte und dessen New-Age-Sekte bis heute Legende ist; fast jeder war damals gut gelaunt auf der Tanzfläche. Heute wird hier immer noch getanzt: nämlich in der Tanz- und Trainingsschule namens „agens pro am“, was immer das auch bedeuten mag.

    Lebt noch von der Legende: Das Café Kranzler

    Lebt noch von der Legende: Das Café KranzlerBritta Pedersen

    Die Nachkriegsarchitektur, die besonders den oberen Teil des Boulevards schmückt, wirkt belanglos, wenn man sie mit den mondänen Gründerzeitpalästen in der Höhe Bleibtreustraße vergleicht. Nur am Adenauerplatz wagten die Architekten von heute etwas Besonderes.

    Dort steht das schmalste Bürogebäude Berlins, das auf einer Grundstücksbreite von sage und schreibe nur 2,5 Metern 1992 vom Architekten Helmut Jahn geplant und errichtet wurde. Durch seine ausgeklügelte Architektur hat es dennoch Nutzflächen von rund 700 Quadratmetern. In Berlin wusste man schon immer, aus wenig Substanz viel zu erwirtschaften. Wieder ein Stückchen weiter ist das Hotel Kudamm 101, wenig fantasievoll benannt nach der Hausnummer. Längst geschlossen, erinnere ich mich noch an die Eröffnung, bei der in den Hotelzimmern in den Badewannen nackte Models im Schaumbad lagen – um das Ganze nicht langweilig wirken zu lassen und den Fotografen Futter zu bieten. Heutzutage undenkbar.

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    Auf der anderen Straßenseite residierte das „Big Eden“, eine der Discotheken des stadtbekannten Playboys Rolf Eden. Jedes Wochenende rammelvoll. Der Gang hinter der Eingangstür war zugeklebt mit Fotos der Promis, die dort waren. Und Rolf Eden sah ich manchmal, wie immer gekleidet in einem schneeweißen Anzug, in seinem offenen, weißen Rolls Royce langsam den Kudamm heraufcruisen, die Damenwelt fest im Blick. Tempi passati.

    Genau wie die Frauen, die sommers wie winters in der Nähe der Uhlandstraße abends an den beleuchteten Vitrinen warteten, und jedem halbwegs passablen Mann, der an ihnen vorbeiging, etwas mit „hundert Mark“ zuraunten. Biss ein Mann an, hakten sie sich bei ihm ein und führten ihn in den Eingang eines der Gründerzeithäuser.

    Preisgünstiger vergnügen konnte man sich in der „Sperlingsgasse“, einer Ladenpassage, die ein findiger Gastronom in den 70er-Jahren in eine Indoor-Kneipenmeile umwandelte. Ähnlich wie das Kudorf, ganz am Anfang des Kudamms an der Ecke Joachimsthaler Straße. 1975 gegründet, war das Kudorf mit einer Fläche von 2000 Quadratmetern und 18 integrierten Kneipen die größte Discothek Europas.
    Am Ende ist doch was los

    Die Umbenennung in Q-Dorf half nichts, 2015 schloss das Etablissement. Nicht mal das Café Kranzler, emblematisch mit seinen weiß-roten Markisen am Entree des Kurfürstendamms gelegen, hat überlebt. Bis vor kurzem saß man dort in einem Coffeeshop auf hölzernen Hockern, jetzt gibt es nicht mal mehr Kaffee.

    Doch auch für den gehobenen Geschmack bot der Kudamm etwas: Bei „Chez Alex“, der Pianobar in der Hausnummer 170, gingen Stars wie Hildegard Knef, Prinz Albert von Monaco und Sylvester Stallone ein und aus. Heute residiert hier das Hotel Louisa’s Place. Zwischen Olivaer Platz und Joachimsthaler Straße ist der Kudamm merklich belebter.

    Hier sind auch die Seitenstraßen für die Shopping-Addicts sehr ergiebig. Und einige der berühmt-berüchtigten Pensionen, die Wirtinnen meist in den riesigen Beletagen der Gründerzeithäuser einrichteten, gibt es immer noch. Eine der schönsten ist die Pension Funk in der Fasanenstraße 69, wo man durch ein überirdisch schönes Treppenhaus in die Pension wandelt, deren Zimmer allesamt im originalen Jugendstil eingerichtet sind. Das zu Preisen unter 100 Euro pro Nacht!

    Am Ende ist doch noch etwas los am totgesagten Kudamm: An der Ecke Joachimsthaler Straße staut sich eine Menschenschlange bis um den Block. Netflix macht es möglich: Zu sehen ist eine Ausstellung der Requisiten von „Stranger Things“. Der Eintritt ist kostenlos, und man kann über die nachgebaute Starcourt Mall flanieren oder sich auf Will Byers’ Couch setzen. Und dazu Demogorgon-Waffeln mampfen.

    #Berlin #Charlottenburg #Wilmersdorf #Kurfürstendamm #Geschichte #Wirtschaft #Stadtentwicklung

  • Neue Parkzonen in Charlottenburg und Neukölln: Das müssen Anwohner und Pendler jetzt wissen
    https://www.berliner-zeitung.de/news/neue-parkzonen-ab-dezember-berlin-schafft-kostenloses-parken-in-vie

    30.11.2025 von Ronja Ackermann - Mit sieben neuen Parkzonen will die Stadt den Verkehr beruhigen und Anwohner entlasten. Die neuen Zonen gelten seit dem 1. Dezember. Die wichtigsten Informationen im Überblick.

    In Berlin ist das Parken in einigen Stadtteilen teurer geworden: Seit dem 1. Dezember 2025 haben die Bezirke Charlottenburg-Wilmersdorf und Neukölln mehrere neue Parkzonen eingeführt. In diesen Bereichen darf man sein Auto dann nur noch mit einem Bewohnerparkausweis oder mit einem gültigen Parkschein abstellen. Kostenloses Parken ist dort künftig nicht mehr möglich.

    In Charlottenburg-Wilmersdorf kommen gleich sechs neue Zonen hinzu. Sie liegen unter anderem rund um den Kurfürstendamm, den Lietzensee, den Stuttgarter Platz und in Teilen von Halensee und Wilmersdorf. Die neuen Regeln sollen dafür sorgen, dass Anwohner wieder leichter einen Parkplatz finden.

    Neue Parkzonen in Wilmersdorf, Halensee und Charlottenburg

    Zone 126: Das Gebiet wird eingegrenzt von der Paulsborner Straße im Nordwesten, der Brandenburgischen Straße im Osten, dem Hohenzollerndamm im Süden und der A100 im Südwesten.
    Zone 127: Das Gebiet wird eingegrenzt vom Kurfürstendamm im Norden, der Brandenburgischen Straße im Osten, der Paulsborner Straße im Süden und der A100 bzw. Schwarzbacher Straße im Südwesten.
    Zone 128: Das Gebiet wird eingegrenzt von der Rönnestraße im Norden, der Holtzendorffstraße bzw. Damaschkestraße bis zum Lehniner Platz im Osten, dem Kurfürstendamm bis zum Rathenauplatz im Süden (inklusive des Bereichs der Schwarzbacher Straße und Storkwinkel) und der Halenseestraße im Südwesten.
    Zone 129: Das Gebiet wird eingegrenzt von der Gervinusstraße (inklusive Bahnhofsvorplatz Stuttgarter Platz) im Norden, der Lewishamstraße im Osten, vom Kurfürstendamm (inklusive Lehniner Platz) im Süden und der Damaschkestraße im Südwesten.
    Zone 130: Das Gebiet wird eingegrenzt vom Kaiserdamm im Norden, der Kaiser-Friedrich-Straße im Osten, der Rönnestraße bzw. dem Stuttgarter Platz im Süden und der Suarezstraße bzw. Witzlebenstraße entlang des Witzlebenplatzes im Westen.
    Zone 131: Das Gebiet wird eingegrenzt vom Kaiserdamm im Norden, der Suarezstraße bzw. Witzlebenstraße entlang des Witzlebenplatzes im Osten, der Rönnestraße bzw. S-Bahntrasse im Süden und im Westen.

    Auch im Neuköllner Rollbergkiez ist Parken jetzt kostenpflichtig. Für Besucher und Pendler ist es dort besonders teuer: Eine Stunde Parken soll rund vier Euro kosten. Charlottenburg-Wilmersdorf liegt etwas darunter, etwa bei zwei Euro pro Stunde. Damit wollen die Bezirke auch verhindern, dass Autos dauerhaft in den engen Seitenstraßen stehen und alles blockieren.

    Neue Parkzone in Neukölln

    Die Parkzone 101 umfasst den Rollbergkiez. Umgrenzt ist die Parkzone im Norden von der Flughafenstraße, im Osten von der Karl-Marx-Straße, im Süden vom Mittelweg und im Westen von der Hermannstraße. An der Hermannstraße gilt die Parkzone nur auf der östlichen Straßen. An Karl-Marx-Straße sind beide Straßenseiten Teil der neuen Parkzone.

    Parkzonen: Für Anwohner gilt eine Übergangszeit

    Für Menschen, die in den betroffenen Zonen wohnen, gibt es eine Übergangszeit. Wer seinen Bewohnerparkausweis beantragt hat, ihn aber noch nicht bekommen hat, kann bis Ende Januar 2026 einfach die Bestätigung über den Antrag gut sichtbar ins Auto legen. In dieser Zeit gibt es dafür kein Knöllchen.

    Die Bezirke erklären, dass die neuen Parkzonen nötig seien, um den Verkehr in den Wohnstraßen zu beruhigen. Anwohner suchen bisher lange nach einem freien Parkplatz, was für mehr Lärm und mehr Abgase sorge. Mit den neuen Regeln soll der Parkraum besser genutzt werden. Nur Autos, die wirklich in der Gegend etwas zu erledigen haben oder dort wohnen, sollen dort stwissen

    #Berlin #Parkraumbewirtschaftung #Charlottenburg-Wilmersdorf #Neukölln

  • Sperrungen und Umleitungen: Was Autofahrer jetzt auf der A100 und A115 am Autobahndreieck Funkturm erwartet
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/sperrungen-und-umleitungen-was-autofahrer-jetzt-auf-der-a100-und-a1

    ... das Genie beherrscht das Chaos.

    30.10.2025 von Peter Neumann - Weil am ICC eine Brücke abgerissen wird, muss der Verkehr 79 Stunden lang eingeschränkt werden. Auch Fahrgäste der S-Bahn sind betroffen. So kann man den Stau umfahren.

    Die Empfehlung ist unmissverständlich, und die Kraftfahrer sollten den Rat berücksichtigen. „Wir bitten darum, das Autobahndreieck Funkturm weiträumig zu umfahren oder wenn möglich alternative Verkehrsmittel zu nutzen“, mahnt die Projektgesellschaft Deges. Weil sie neben dem ICC in Charlottenburg eine Brücke abbrechen lässt, muss der Verkehr auf der Stadtautobahn 79 Stunden eingeschränkt werden – noch mehr als derzeit schon. Heute (Donnerstag) geht es um 22 Uhr los.

    Worum geht es? Nachdem am Dreieck Funkturm die maroden Autobahnbrücken über die Ringbahn im April innerhalb von wenigen Tagen zu Schutt verarbeitet wurde, ist jetzt ein benachbartes Bauwerk an der Reihe. Die Brücke über die östliche Fahrbahn der Halenseestraße wird abgerissen. Das wirkt sich weiträumig aus – selbst auf Autofahrer, die aus Potsdam kommen. Die Verkehrseinschränkungen dauern bis Montag, 5 Uhr.

    Am Autobahndreieck Funkturm in Charlottenburg trifft die A115 (Avus), die auf dieser Visualisierung von links unten kommt, auf die A100 (Stadtring). Der Knoten am ICC soll umgebaut und verlegt werden. Doch auch nach fast vier Jahren gibt es noch keinen Planfeststellungsbeschluss für das Großprojekt.

    Am Autobahndreieck Funkturm in Charlottenburg trifft die A115 (Avus), die auf dieser Visualisierung von links unten kommt, auf die A100 (Stadtring). Der Knoten am ICC soll umgebaut und verlegt werden. Doch auch nach fast vier Jahren gibt es noch keinen Planfeststellungsbeschluss für das Großprojekt.Visualisierung: Deges

    Die gute Nachricht zuerst: Wer mit einem Auto auf dem Stadtring unterwegs ist und die Autobahn in diesem Bereich nicht verlässt, ist von dem Projekt nicht betroffen. „Pkw bis 3,5 Tonnen bleiben auf der A100“, so die Deges. Für sie bleibt die A100 befahrbar.

    Doch auf anderen Relationen müssen sich die Kraftfahrer andere Wege suchen.

    Verbindung Avus-Stadtring unterbrochen: Am Dreieck Funkturm ist es nicht mehr möglich, aus Richtung Norden von der A100 auf die A115 zu fahren. Deshalb wird der Verkehr von der Anschlussstelle Spandauer Damm über die Königin-Elisabeth-Straße und den Messedamm zum Dreieck Funkturm und zur Avus geleitet. Auch in der Gegenrichtung ist die Überleitung zwischen den beiden Autobahnen unterbrochen. Wer aus Potsdam kommt, verlässt die A115 bereits am Kreuz Zehlendorf. Von dort führt die Umleitung über die Bundesstraße B1 zum Kreuz Schöneberg und dort auf die A100.

    Ausfahrt am Avus-Rasthof bleibt offen: Eine weitere Alternative vor allem für den Verkehr in nordwestlicher Richtung ist eine Ausfahrt von der A115 über den Parkplatz des Avus-Rasthofs, Alte Jafféstraße und Jafféstraße zur Heerstraße, teilt die Deges mit.

    Messedamm in Richtung Norden gesperrt: Zwischen den Kreuzungen Halenseestraße und Neue Kantstraße ist diese Straße bis Montag, 5 Uhr, nicht befahrbar. Die Projektgesellschaft erklärt: „Von der A100 aus Süden kommend entfällt die Möglichkeit, über den Messedamm durch die Stadt zu fahren.“ In der Gegenrichtung (Richtung Avus) kann der Messedamm während der Bauarbeiten weiterhin genutzt werden.

    Halenseestraße Ost gesperrt: In Richtung Autobahndreieck Funkturm und Messedamm ist die Straße ab dem Rathenauplatz nach Norden nicht mehr befahrbar. Zwischen Rathenauplatz und S-Bahnhof Westkreuz ist Anliegerverkehr mit Autos möglich. Auf diesem Abschnitt wird die Halenseestraße Ost zur Sackgasse.

    Auffahrt von der Halenseestraße Ost ab Rathenauplatz auf die Autobahn entfällt: „Es besteht keine Möglichkeit, von der Avus kommend am Rathenauplatz zu wenden und auf die A100 Fahrtrichtung Hamburg aufzufahren“, erklärt die Deges.

    Umleitung für Lkw: Wer mit Fahrzeugen unterwegs ist, die mehr als 3,5 Tonnen wiegen, muss das Autobahndreieck Funkturm umfahren. Lkw dürfen den Knotenpunkt in Richtung Hamburg nicht mehr passieren. Wer mit schweren Fahrzeugen auf der A100 von Süden kommt, fährt in Schmargendorf ab. Anschließend geht es über die Konstanzer Straße, Brandenburgische Straße, Lewishamstraße, Kaiser-Friedrich-Straße und Spandauer Damm bis zur Anschlussstelle Spandauer Damm. Noch einmal: Pkw bis 3,5 Tonnen bleiben auf der A100. Das gilt aus Richtung Norden auch für Lastwagen.
    Schienenersatzverkehr für Fahrgäste auf der Ringbahn

    Auch der S-Bahn-Verkehr auf dem Ring ist betroffen. Von diesem Donnerstag, 22 Uhr, bis Freitag, 1.30 Uhr, verkehren zwischen Halensee und Westend barrierefreie Busse im Schienenersatzverkehr (SEV). Sie halten nicht in Westkreuz und Messe Nord/ZOB, aber dafür unter anderem am U-Bahnhof Adenauerplatz und Kaiser-Friedrich-/Kantstraße.

    Die Ringbahnbrücke im Verlauf der A100 am ICC war im März 2025 wegen Schäden im Beton gesperrt worden. Auch die benachbarte Westendbrücke wurde inzwischen abgerissen. Beide Bauwerke sollen bis Sommer 2027 neu entstehen, so die Deges.

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    Schon seit Jahren gesperrt: Jetzt wird die Autobahnbrücke über die Halenseestraße Ost in Charlottenburg abgebrochen.Peter Neumann/Berliner Zeitung

    Als Erstes haben vor kurzem die Bauarbeiten an der Ringbahnbrücke begonnen. Darüber will die Deges die Anwohner während einer Veranstaltung informieren. Termin: Donnerstag, 6. November, 18.30 bis 20 Uhr im Hauptgebäude der Technischen Universität (Straße des 17. Juni 135, Saal H1012). Der Einlass beginnt um 18 Uhr.

    Planerinnen und Planer stellen während der Infoveranstaltung Details des Bauprojekts vor – unter anderem die Maßnahmen zur Verbesserung des Lärmschutzes und der Verkehrssicherheit. Fragen können direkt vor Ort gestellt oder bereits vorab über das Kontaktformular auf der Projektwebseite www.deges.de/ringbahnbruecke.

    #Berlin #Charlottenburg #Grunewald #Witzleben #Westend #Verkehr #A100

  • Baustart auf der A100 in Berlin: Wenn die neue Ringbahnbrücke fertig ist, geht der Stress erst richtig los
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/baustart-auf-der-a100-in-berlin-wenn-die-neue-ringbahnbruecke-ferti

    20.10.2025 - Seitdem der Beton kollabierte, klafft in der Stadtautobahn eine Lücke. Nun wird sie geschlossen. Autofahrer sind kaum betroffen – das wird bei den nächsten Projekten anders sein.

    Na so was: Wenn alle Beteiligten wollen, können staatliche Bauvorhaben auch ganz schnell gehen. Sieben Monate nachdem die marode Ringbahnbrücke im Verlauf der Autobahn A100 gesperrt wurde, beginnt der Neubau. Vor der Kulisse des geschlossenen ICC, eines weiteren Failed Buildings, wurde am Montag der Spatenstich gefeiert. Bis Sommer 2027 soll die Brücke fertig sein und die Lücke in der Stadtautobahn geschlossen werden.

    „Das ist das neue Berliner Tempo“, hofft Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU). Doch Nachfragen ergeben, dass andere Projekte an der Stadtautobahn weiterhin nur gemächlich vorangehen. Sie werden die Kraftfahrer noch stark stressen.

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    Vor der Kulisse der Ringbahn in Charlottenburg wartet ein Baufahrzeug auf seinen Einsatz. Für den Brückenbau muss der Verkehr im Sommer 2026 drei Tage lang eingestellt werden.Benjamin Pritzkuleit/Berliner Zeitung

    Kai Wegner sagt, dass er sich an zwei Tage in diesem Jahr besonders gut erinnern kann. An den 19. März: Da wurde die Sperrung der Brücke, die am Autobahndreieck Funkturm in Charlottenburg über die fünf Ringbahngleise führt, vollzogen. Nach knapp 62 Jahren war das Spannbetonbauwerk am Ende. Die 240 Meter lange Brücke musste aus dem Verkehr gezogen werden. „Das Schadensbild und die Einschätzung der Gutachter ließen nichts anderes zu“, so Michael Güntner, Chef der Autobahn GmbH.

    Der 16. April ist der zweite Tag, den Kai Wegner bei der Spatenstich-Feier nennt. „Da fiel das letzte Segment der alten Ringbahnbrücke“, denkt der Senatschef zurück. Bereits am 3. April hatte der Abbruch dieses Teils des Stadtrings in Charlottenburg begonnen. Am 28. April war der Überbau, der in einer Kurve über die Gleise für den S-Bahn-, Fern- und Güterverkehr hinwegführte, weggemeißelt, weggeschnitten, weggehämmert. „Rund 11.000 Tonnen Bauschutt wurden bewegt“, berichtet Wegner.

    In den Herbstferien müssen Autofahrer mit Sperrungen rechnen

    Zu diesem Zeitpunkt hatte die Deges, eine Projektmanagementgesellschaft des Bundes und der Länder, bereits die Ausschreibung für den Neubau vorbereitet. In diesem Vergabeverfahren zählte der Baupreis nur zur Hälfte, die Bauzeit dagegen zu 40 Prozent und die Länge der Sperrungen der Ringbahn zu zehn Prozent. Im August wurde entschieden, wer das 80-Millionen-Euro-Projekt übernimmt: Die Arbeitsgemeinschaft Habau/MCE wird die Brücke mit wetterfestem Stahl errichten. Die Firma Habau aus Österreich baut auch die neue Talbrücke Rahmede an der A45 bei Lüdenscheid.

    Rund 4500 Brücken im Kernnetz der deutschen Autobahnen müssen saniert werden, ruft Michael Güntner in Erinnerung. Auch die alte Ringbahnbrücke an der A100 in Berlin lässt sich als Beispiel dafür heranziehen, wie es nach Jahrzehnten der Vernachlässigung um die Infrastruktur in Deutschland steht. Ziemlich schlecht.

    Feier auf der Baustelle an der A100: Die neue Ringbahnbrücke wird nicht aus Spannbeton, sondern aus Stahl bestehen. Im Sommer 2027 soll auch die benachbarte Westendbrücke fertig sein.

    Feier auf der Baustelle an der A100: Die neue Ringbahnbrücke wird nicht aus Spannbeton, sondern aus Stahl bestehen. Im Sommer 2027 soll auch die benachbarte Westendbrücke fertig sein.Benjamin Pritzkuleit/Berliner Zeitung

    „Doch nirgends wurde eine Brücke so schnell abgerissen wie in Berlin“, lobte Kai Wegner. Der Parlamentarische Staatssekretär Christian Hirte (CDU) lobte die „beeindruckende, bemerkenswerte Kürze“, in der Bund und das Land Berlin dieses Vorhaben angegangen seien. Alle Beteiligten hätten schnell reagiert, sagt er.

    Die neue Brücke wird 200 Meter lang und 24 Meter breit. Wenn Kräne voraussichtlich im Sommer 2026 den Brückenabschnitt über den Gleisen einheben, muss der Bahn- und S-Bahn-Verkehr drei Tage lang gesperrt werden, sagt Deges-Sprecher Lutz Günther. Es werden weitere Unterbrechungen geben, aber sie seien deutlich kürzer.

    Kraftfahrer werden dieses Brückenbauprojekt dagegen so gut wie nicht zu spüren bekommen, verspricht die Deges. Mit einer Ausnahme: Der Abbruch der benachbarten Brücke über die Halenseestraße Ost wird vom 30. Oktober (22 Uhr) bis zum 3. November (5 Uhr) den Verkehr beeinträchtigen. Solange ist es nicht möglich, von der A100 auf die Avus zu fahren – und umgekehrt. Während die A100 für Pkw und andere Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen befahrbar bleibt, werden Lkw auf noch längere Umleitungen geschickt. Tipp: Während der 79 Stunden sollte das Dreieck Funkturm umfahren werden.

    Blick über das künftige Autobahndreieck Funkturm, das neu gebaut und umgebaut wird. Die Visualisierung zeigt rechts die neue Brücke über die Ringbahn. Die neue Westendbrücke schließt sich an. Links das geschlossene ICC.

    Blick über das künftige Autobahndreieck Funkturm, das neu gebaut und umgebaut wird. Die Visualisierung zeigt rechts die neue Brücke über die Ringbahn. Die neue Westendbrücke schließt sich an. Links das geschlossene ICC.Visualisierung: Deges

    Die Deges bittet auch die schon seit langem lärmgeplagten Anwohner erneut um Verständnis. Es könne „derzeit zu erhöhter Geräuschbelastung kommen“, teilt die Projektgesellschaft mit. Demnächst beginnt der Abbruch der Stützwände im nördlichen Baubereich, hieß es. Diese Arbeiten werden etwa drei Wochen in Anspruch nehmen. Wenn in diesem Bereich wieder Autos fahren, werden sie die Anwohner aber weniger belasten als früher. Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf konnte erreichen, dass die neue Brücke Schallschutzwände bekommt – vor allem auf der Ostseite.

    Es war einmal: Am 20. Dezember 1963 wurde dieser Teil des Stadtrings für den Verkehr freigegeben. Für den Abschnitt im Charlottenburger Ringbahngraben, der damals noch nicht als Bundesautobahn galt, rechnete man mit rund 25.000 Kraftfahrzeugen pro Tag. Zuletzt waren es deutlich mehr. Nach jüngsten Angaben waren auf dieser Fahrbahn täglich mehr als 90.000 Autos, Lastwagen, Busse und Motorräder unterwegs.

    Schon 1992 wurde festgestellt: Die Westendbrücke schwächelt

    Immer mehr und immer schwerere Fahrzeuge: Das ging auch an der alten Brücke über die Ringbahn nicht vorüber. Das Bauwerk stand schon lange unter Beobachtung. 2015 entdeckten Brückenprüfer einen Riss im Beton, der schließlich immer größer wurde. Die Verantwortlichen zogen die Reißleine: Zum 6. März wurden zwei der drei Fahrstreifen gesperrt. Am 19. März wurde das gesamte Bauwerk vom Netz genommen.

    Vorsorglich wurde auch die benachbarte Westendbrücke, ein weiteres Spannbetonbauwerk von 1963, gesperrt. Sie hatte ebenfalls Gebrechen. Schon 1992 ließ der Senat, der damals noch zuständig war, Stahlbänder montieren, um die Spannglieder zu entlasten. 2014 stellten Ingenieure Tragfähigkeitsdefizite fest. 2017 begann man damit, die Brückenpfeiler mit Notunterstützungen zu verstärken. Die Deges will den Auftrag für den Neubau im Herbst erteilen. Deges-Chef Andreas Irngartinger hofft, dass die Arbeiten Anfang 2026 beginnen. Geplante Fertigstellung: Sommer 2027.

    Seitdem die Ringbahn- und die Westendbrücke gesperrt werden mussten, klafft eine Lücke in der A100, die zu den am stärksten befahrenen Autobahnen Deutschlands gehört. Der Verkehr nach Norden wird nun über die Gegenfahrbahn geleitet, die dafür einen Fahrstreifen abgeben musste. Lastwagen und andere schwere Fahrzeuge werden umgeleitet. Anwohner der Kaiserin-Elisabeth-Straße klagen über die vielen Lkw.

    Wenn voraussichtlich 2027 die Richtungsfahrbahn Nord der A100 zwischen Messedamm und Spandauer Damm wieder befahrbar ist, sind die Leiden für die Kraftfahrer noch nicht vorbei. Im Gegenteil: Sie gehen erst richtig los. Denn dann sollen auf benachbarten Abschnitten der Stadtautobahn andere, größere Projekte starten.

    Auf der A111 bleibt zeitweise nur ein Fahrstreifen pro Richtung

    Die Ringbahnbrücke ist nicht der einzige Teil des Dreiecks Funkturm, der neu entsteht. Der gesamte Knotenpunkt, an dem die A115 (Avus) auf die A100 trifft, wird neu gebaut. Nördlich davon wird die Rudolf-Wissell-Brücke, auf der die A100 das Spreetal überspannt, abgebrochen und neu errichtet. Damit nicht genug: Weiter nördlich plant die Deges die Grundsanierung der A111, die nach Tegel und weiter ins angrenzende Land Brandenburg führt. Auf dem Teilstück in Berlin geht es um 264 Ingenieurbauwerke – darunter 39 Brücken, 16 Tunnel- und Trogbauwerke, 95 Verkehrszeichenbrücken und Schranken, 105 Lärmschutz- und Stützwände sowie neun Bauwerke der Entwässerung.

    Doch am Montag wurde bekannt, dass die drei Vorhaben mit deutlich weniger Tempo vorangehen als der Neubau der Ringbahn- und Westendbrücke. Für den Um- und Neubau des Autobahndreiecks Funkturm, der acht Jahre dauern soll, hat das Planfeststellungsverfahren 2022 begonnen. Weil ständig neue Themen auftauchen, scheint ein Ende weiterhin nicht in Sicht zu sein, erfuhr die Berliner Zeitung.

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    Auch die Westendbrücke, ein weiterer Teil der A100 in Richtung Norden, wurde abgebrochen.Soeren Stache/dpa

    Auch für das Projekt Rudolf-Wissell-Brücke, dessen Bauzeit mit sechs Jahren veranschlagt wird, liegt bisher keine Genehmigung des Fernstraßen-Bundesamts vor. Die Planer hoffen, dass der Planfeststellungsbeschluss ebenfalls 2026 ergeht.

    Die Grundsanierung der A111 würde für viele Autofahrer die größten Beeinträchtigungen bedeuten. Weil die Autobahn im Nordwesten Berlins auf weiten Strecken in Geländeeinschnitten („Trögen“) verläuft, kann sich die Baustelle dort nicht ausdehnen. Es ist also damit zu rechnen, dass zeit- und abschnittsweise nur ein Fahrstreifen pro Richtung zur Verfügung steht, sagen Planer. Zuletzt hieß es, dass die Arbeiten frühestens 2026 beginnen können. Nun sind 2027 oder 2028 im Gespräch.

    „Wir haben einige Mitarbeiter von dem Projekt abgezogen“, erklärte Deges-Chef Irngartinger. „Die Ringbahn- und die Westendbrücke haben für uns absolute Priorität.“

    #Berlin #Charlottenburg #A100 #Verkehr

  • Dennenesch Zoudé: „Ich habe jede Ferien in Ost-Berlin verbracht“
    https://www.berliner-zeitung.de/panorama/dennenesch-zoude-ich-habe-jede-ferien-in-ost-berlin-verbracht-li.23

    Einmal Funktionselite immer Funktionselite, perfekte Ackulturation könnte man sagen, oder der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen. Hier scheißt nur ein ganz kleiner Kleinbürgerteufel. Der macht brav ins Klo der Paris-Bar.

    Regionalliga, kein Trumpteufel. Der defäkiert auf den ganz großten Faschohaufen. Die südafrikanischen Aushilfsteufel karren seine Scheiße dann zur Digitalmünze. Egal wie du strampelst, aus Scheße Gold machen bleibt Privileg der Großteufel.

    31.8.2025 von Anne Vorbringer - Die Schauspielerin Dennenesch Zoudé hat ihre Kindheit und Jugend im geteilten Berlin verbracht – zwischen Spandauer Hochhaus und Staatsbürgerkunde. Wie blickt sie heute auf die Stadt?

    Die Schauspielerin Dennenesch Zoudé hat eine spannende Biografie – und die ist eng mit Berlin verbunden, obschon die 58-Jährige mehr als 5000 Kilometer Luftlinie entfernt in Addis Abeba geboren wurde. Die Tochter eines Ingenieurs stammt aus einer äthiopischen Aristokratenfamilie und wuchs ab ihrem zweiten Lebensjahr in West-Berlin auf.

    Doch auch im Osten der geteilten Stadt war Zoudé regelmäßig, erlebte dort eine sehr intensive Zeit, wie sie in unserem Stadtfragebogen erzählt. Unter anderem lernte die Schauspielerin in Ost-Berlin ihre Jugendliebe kennen.

    Stichwort Liebe: Am 9. September, im Jahr des 250. Geburtstags von Jane Austen, erscheint der wohl größte Liebesroman aller Zeiten als Hörspiel bei Audible. In „Stolz und Vorurteil“ sind Emilia Schüle als Elizabeth Bennet, Aaron Altaras als Mr. Darcy und Dennenesch Zoudé als Mrs. Bennet zu hören.

    1. Frau Zoudé, Sie sind 1966 im äthiopischen Addis Abeba zur Welt gekommen. Wie hat es Sie und Ihre Familie nach Berlin verschlagen?

    Mein Vater hat ein Stipendium an der Technischen Universität in Berlin bekommen. Er fühlte sich sehr einsam, deshalb sind meine Mutter und ich ihm nachgefolgt. Es war allerdings nie geplant, hier zu bleiben.

    2. Welche Erinnerungen haben Sie noch an Ihre ersten Jahre in West-Berlin, was hat sich besonders eingeprägt?

    Mit drei Jahren der Umzug in den Erstbezug eines Hochhauses, ich nenne es „West-Platte“. Es war total aufregend, alles neu, hochmodern, Müllschlucker auf der Etage und ein Ausblick, so weit das Auge reichte.

    3. Wann waren Sie das erste Mal im Ostteil der Stadt?

    Mit knapp 15 Jahren, ich lernte dort meine Jugendliebe kennen. Und habe jede Ferien in Ost-Berlin verbracht. Es war eine sehr intensive Zeit. Ich ging sogar teilweise in den Schulunterricht. Das war nur möglich, weil ich von der Äthiopischen Botschaft eingeladen wurde und mit den Kindern der Botschafter befreundet war. Von Chemie und Mathe bis hin zu Staatsbürgerkunde war fast alles dabei. Das war sehr spannend für mich. In der Freizeit hingen wir am Alexanderplatz ab. Auf der großen Fläche konnten wir Skateboard und Rollschuh fahren, dazu blies der Ghettoblaster. Wir waren eine gemischte Gruppe Jugendlicher aus Mali, Kolumbien, Venezuela, Sudan, Nigeria, Kongo und Deutschland, jeder war irgendwie willkommen, sich dazuzugesellen.

    4. In welchen Berliner Stadtteilen haben Sie schon gewohnt?

    Die erste Station war Charlottenburg, damals noch mit Kohleofen und Außentoilette auf halber Treppe. Die war allerdings nur für unsere Familie, und meine Mutter hübschte sie auf mit rosa Toilettenvorleger und rosa Toilettendeckelbezug. Aber es war immer sehr kalt und dunkel im Winter. Dann ging es nach Spandau, in das Hochhaus, von dem ich bereits erzählte. Ab dem Gymnasium wohnten wir dann in Wilmersdorf, im Grünen am Volkspark. Jetzt wohne ich wieder in Charlottenburg, zum Glück ohne Außentoilette!

    Zwischenzeitlich habe ich auch mal für vier Jahre in Mitte direkt am Hackeschen Markt gewohnt, das war mir aber zu trubelig: Reisebusse und Touristen, die sich durch die Straßen drängelten und direkt vor einem immer wieder stehen blieben.

    5. Ihr neues Hörspiel basiert auf einem der bekanntesten Liebesromane der Welt. Empfinden Sie Ihre Heimatstadt Berlin auch als romantisch?

    Berlin würde ich eher als vibrierend bezeichnen, aber die vielen Seen und Wasserwege haben wundervolle romantische Plätzchen. Eine Dampferfahrt auf der Spree, in der Berliner Abendsonne, in passender Begleitung – das hat doch sicherlich etwas Romantisches.

    6. Welcher ist Ihr Lieblingsort in der Stadt?

    Ich gehe gerne im Wald spazieren und bin gerne an den Seen. Berlin ist eine ganz große grüne Oase – ein schöner Kontrast zu den Zentren.

    Chris Kraus über Berlin: „Die Billigarchitektur um den Hauptbahnhof herum ist schrecklich“

    7. Wo in Berlin wollten Sie immer schon mal hin, haben es aber noch nie geschafft?

    Da gibt es so einiges, zum Beispiel ins Planetarium (ist einfach sehr lange her – dort werden auch außergewöhnliche Filme gezeigt). Außerdem in die Berliner Unterwelten: die Fluchttunnel und verborgenen U-Bahn-Schächte. Und als Kind war ich auf der Pfaueninsel, die würde ich gerne nochmal besuchen.

    8. Ein Abend mit Freunden – in welchem Restaurant wird reserviert?

    In der Paris Bar, und das schon seit 25 Jahren. Es war das Wohnzimmer meines Ehemannes, und das habe ich übernommen.

    9. Der beste Stadtteil Berlins?

    Der, in dem ich wohne!

    10. Was nervt Sie am meisten an der Stadt?

    Die vielen Baustellen und es scheint dort nie einer zu arbeiten. Wer kennt es nicht.

    11. Kommen vs. Gehen: Nach Berlin ziehen oder es lieber bleiben lassen?

    Für mich keine Frage. Ich bin mit dem Herzen Berlinerin und werde es auch immer bleiben.

    Zur Person

    Dennenesch Zoudé wurde Mitte der 90er-Jahre mit der TV-Serie „Gegen den Wind“ bekannt. Ihr Theaterdebüt gab sie im Bühnenstück „Lysistrata“ von Jürgen Benecke. Sie war die Buhlschaft bei den Berliner „Jedermann“-Festspielen und die Wilhelmina Makhubela in der RTL-Erfolgsserie „Hinter Gittern“. Unter der Regie ihres 2016 verstorbenen Mannes Carlo Rola übernahm sie die Hauptrolle in der Romanverfilmung „Und Jimmy ging zum Regenbogen“. Ab 2018 spielte Zoudé eine durchgehende Rolle in der TV-Reihe „Die Inselärztin“, zuletzt war sie in Sebastian Fitzeks „Der Heimweg“ zu sehen. Ihr neues Audible Original-Hörspiel „Stolz und Vorurteil“ erscheint am 9. September.

    #Äthiopien #Berlin #Geschichte #Spandau #Charlottenburg #Wilmersdorf #Mitte #Kantstraße #DDR #Alexanderplatz

  • Taxitür plötzlich geöffnet: Freispruch nach tödlichem Fahrradunfall in der Kantstraße in Charlottenburg
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/taxituer-ploetzlich-geoeffnet-freispruch-nach-toedlichem-fahrradunf

    Der Horror : Beim Aussteigen tötet Fahrgast Fahrradfahrer. Das willst du nicht. Nie. Auf keinen Fall. Aus diesem Grund, und natürlich weil Türen teuer sind, ist die Tür hinten links mit Kindersicherung gesperrt. Jetzt kommt der Fahrradfahrer seit neuestem von rechts. Was nun?

    Fahrgästen kannst du so viel du willst und in allen Sprachen der Welt sagen, sie sollen Türen erst öffnen, wenn du es sagst. Ist denen egal.

    Fahrradfahrer sollten das wissen.

    19.8.2025 von Peter Neumann - Dooringunfall auf dem Pop-up-Radweg: Der Tod eines Radfahrers stürzt seine Familie in Verzweiflung. Doch zur Aufklärung fehlen dem Gericht Puzzlestücke.

    Es ist eine Angst, die auch in Berlin fast jeder Fahrradfahrer schon verspürt hat. Man fährt an Autos entlang – wird gleich eine Fahrzeugtür aufgehen? Bei einem solchen Dooring-Unfall ist der 50 Jahre alte Sven W. getötet worden. Der passionierte Radler und Familienvater starb, nachdem ein Taxifahrgast eine Fahrzeugtür zum Pop-up-Radweg in der Kantstraße geöffnet hatte. Am Dienstag sprach das Amtsgericht Tiergarten den 74 Jahre alten Rentner vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung frei.

    Bengelino: So nannte sich Sven W. bei Komoot, wo Radfahrer und Wanderer Tourenvorschläge austauschen. Er fuhr lange Touren, etwa von Basel an die Ostsee, und begleitete Fahrradevents. Was vor rund zweieinhalb Jahren in der Kantstraße in Charlottenburg geschah, löschte sein Leben aus. Das Unglück hat aber auch seine Hinterbliebenen hart getroffen, sagt Nebenklagevertreter Robin Rachel vor Gericht.

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    Nachdem ein Raser 2020 einen 64 Jahre alten Radfahrer getötet hatte, ließ das Bezirksamt in der Kantstraße provisorisch Radfahrstreifen markieren. Der Pop-up-Radweg verläuft zwischen geparkten Autos und Bordstein. Sabine Gudath/Berliner Zeitung

    Die Tochter des Getöteten war eine gute Schülerin, die sich auf ihr Abitur vorbereitete, so der Fachanwalt für Verkehrsrecht. „Ihre Leistungen haben gelitten. Heute ist sie versetzungsgefährdet.“ Die Jugendliche habe „Verlustängste“ in Bezug auf ihre Mutter. Die Ehefrau des Unfallopfers, der Alleinverdiener der Familie war, sei nach einem Suizidversuch und Klinikaufenthalten bis heute in psychologischer Behandlung.

    „Die ganze Situation schreit nach Gefahr“, sagt der Rechtsanwalt in Saal K2108 des größten deutschen Amtsgerichts in der Moabiter Kirchstraße. Das Taxi habe an einer Stelle gestoppt, wo Halten und Parken verboten ist. Doch was ist eigentlich an jenem Februar-Montag genau passiert? Wer hätte wie handeln müssen? Das bleibt auch nach der fast anderthalbstündigen Verhandlung am Dienstag in wesentlichen Teilen unklar.

    Taxifahrer berichtet: „Dann hörte ich ein dumpfes Geräusch“

    „Wir wissen eigentlich nichts“, sagt Verkehrsrichter Karsten Parpart nach der Urteilsverkündung. „Wir haben es mit einem Unfall zu tun, den auch der Sachverständige nicht rekonstruieren konnte“ – nicht vollständig. Eine solche Situation sei vor Gericht selten. „Es gibt wenig Anhaltspunkte“, so der Amtsrichter. Am linken Lenkerhörnchen des Fahrrads von Sven W. wurden Spuren einer Kollision gesichert. Fotos zeigen eine Blutlache auf dem Radweg in der Kantstraße. Aber sagt das aus?

    Was ist bekannt? Der Unfall geschah am 20. Februar 2023 gegen 14.25 Uhr in der Kantstraße, stadteinwärts jenseits der Einmündung der Wielandstraße. Ein Taxifahrer hatte Waldemar S. vom Bahnhof Spandau zu der Kreuzung gebracht. Auf der schraffierten Sperrfläche kurz vor Beginn des Parkstreifens zwischen Autofahrbahn und Radweg habe er sein Taxi gestoppt, berichtet er. Dort dürfen eigentlich keine Fahrzeuge stehen. „Aber ich wollte den Verkehr nicht behindern“, gibt der Chauffeur zu bedenken.

    Der Kunde auf dem Rücksitz bezahlte, Waldemar S. bekam Quittung und Wechselgeld. „Dann hörte ich ein dumpfes Geräusch“, so der 60-Jährige. Er sei mit dem Fahrgast ausgestiegen und habe einen Radfahrer bewusstlos auf dem Radweg liegen sehen.

    Mahnmale gegen Gewalt: Susanne Grittner ist Herrin der Berliner Geisterräder
    Hätte sich der Taxifahrgast anders verhalten müssen?

    Es war Sven W., der mit seinem Brompton-Klapprad ebenfalls in Ostrichtung unterwegs war, und nun in einer Blutlache lag. Neben ihm sein Fahrrad, an dem der dritte von vier Gängen eingestellt war und das LED-Blinklicht am Lenker noch blinkte. Ein Zeuge erklärte später, der Radfahrer sei „gemütlich gefahren“. Sven W. erlag im Krankenhaus seinen Kopfverletzungen. Zwölf Radfahrer starben 2023 bei Unfällen in Berlin.

    Waldemar S., 74 Jahre alt, äußert sich vor Gericht nicht. Er spreche den Hinterbliebenen sein „aufrichtiges Bedauern und tiefes Beileid“ aus, heißt es in einer Erklärung, die sein Verteidiger Peter Zuriel für ihn verliest. Sein Mandant habe die vom Radfahrer aus gesehen rechte hintere Tür gerade mal 30 Grad geöffnet und über die Schulter nach hinten geschaut – aber keinen Radfahrer gesehen. Auch durch die Taxitür hätte S. den Radfahrer nicht erkennen können, erklärt der Sachverständige Bill Böhme.

    Weil der Radfahrer kurz vor der Kollision nach links schwenkt, wäre er wohl nur dann in das Blickfeld von Waldemar S. geraten, wenn sich der Taxifahrgast auf der Rückbank um 180 Grad gedreht und durch die Heckscheibe des Mercedes-Benz gesehen hätte, trägt Zuriel vor. Aussagen zufolge kam ein Auto rechts aus der Wielandstraße, um in die Kantstraße abzubiegen. Um den Pkw zu umfahren, habe Sven W. den Radweg im Kreuzungsbereich offenbar nach links verlassen, versucht Bill Böhme zu rekonstruieren.

    Fahrradlobby: Berufskraftfahrer haben große Verantwortung

    Es sind durchaus Konstellationen denkbar, in denen sich Waldemar S. anders hätte verhalten müssen, sagt Richter Parpart. Dann hätte er durch die Heckscheibe nach hinten blicken oder den Taxifahrer um Unterstützung bitten müssen. „Doch wir wissen nicht, wann das Fahrzeug aus der Wielandstraße dazukam“, erklärt der Amtsrichter. „Letztlich kann ich den Fall nicht aufklären“ – deshalb komme es zum Freispruch. Die Staatsanwältin hatte eine Geldstrafe von 1500 Euro wegen fahrlässiger Tötung verlangt.

    Susanne Grittner vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) hat schon viele Gerichtsverfahren dieser Art beobachtet. Dass das Gericht diese tödliche Kollision nicht in vollem Umfang aufklären konnte, macht sie sichtlich betroffen. Sie schätzt, dass es in Berlin täglich im Schnitt ein oder zwei Unfälle dieser Art gibt, berichtet sie im Gericht.

    Auch sie habe schon einmal eine Dooring-Situation in Berlin erlebt. An Lastwagen fahre sie mit besonders großer Vorsicht vorbei. Zum Fall in der Kantstraße sagt das Mitglied des ADFC-Landesvorstands, dass Berufskraftfahrer wie der Taxichauffeur eine große Verantwortung haben. Er habe falsch geparkt und hätte den Fahrgast zur Vorsicht mahnen müssen. Doch Gerichtsurteile schließen eine Haftung aus, so Peter Zuriel.

    Es ist nicht das erste Mal, dass ein Radfahrer starb, weil jemand eine Fahrzeugtür geöffnet hat. Susanne Grittner erinnert sich an eine Radfahrerin, die in der Großbeerenstraße in Potsdam-Babelsberg einer plötzlich geöffneten Tür auswich und dabei stürzte, um dann von einem nachfolgenden Auto überrollt und getötet zu werden.

    Die Kollision in der Kantstraße war unüblich. Weil der Radweg dort zwischen parkenden Autos und der Bordsteinkante verläuft, müssen die Radler nicht links, sondern rechts an den abgestellten Kraftfahrzeugen vorbei. Als einziger Pop-up-Radweg in Charlottenburg-Wilmersdorf war der geschützte Radfahrstreifen 2020 mit gelben Markierungen angelegt worden, nachdem ein Raser einen Radfahrer am Savignyplatz getötet hatte. In diesem Fall kam es erst viereinhalb Jahre später zum Prozess.

    Am besten nur noch mit Navi unterwegs

    Immer wieder werde darüber diskutiert, ob die ungewöhnliche Straßenaufteilung in der Kantstraße sinnvoll sei und als Modell gelten könnte, berichtet Grittner. Manche Radfahrer empfinden die Autos, die links neben dem Radweg parken, als Schutz, berichtet sie. „Aus Sicht des ADFC hat sich der Radweg in der Kantstraße bewährt, er soll so bleiben“ – was Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) aber ändern will. Doch es gebe auch Stimmen, die es trotz allem besser finden, wenn sich Radfahrer links von geparkten Autos bewegen und im Blickfeld des fließenden Kfz-Verkehrs sind, sagt Grittner.

    Was bleibt? Susanne Grittner sieht einem anderen Gerichtsverfahren mit großem Interesse entgegen. Es geht um einen Radfahrer, der in Neukölln von einem Lastwagen getötet wurde. Er war mit einem Navi unterwegs, das Fahrdaten speichert. Hoffentlich lasse sich dieser Fall aufklären, sagt Susanne Grittner.

    #Berlin #Charlottenburg #Kantstraße #Wielandstraße #Taxi #Fahrrad #Unfall #Radweg #Verkehr

  • Thai-Restaurant Kien-Du: Warum unsere Gastro-Kritikerin ihr Urteil jemand anderem überlässt
    https://www.berliner-zeitung.de/panorama/thai-restaurant-kien-du-warum-unsere-gastro-kritikerin-ihr-urteil-h

    Der Artikel: Je oller umso doller oder was Schlomburch aus den Menschen macht.

    Der Ort : Soo wall-city-mäßig wie der Typ gerne wäre.

    15.8.2024 von Tina Hüttl - Normalerweise behält unsere Autorin ihre versierte Meinung nie für sich. In Bezug auf ein thailändisches Lokal aber lässt sie jemand anderen kritisieren. Und das aus gutem Grund.

    Es ist nicht lange her, da bekam ich eine sehr nette Mail von einem Bernd Westermann. Er outete sich als treuer Leser der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung. Besonders gern studiere er die „inhaltlich wie stilistisch besonders lesenswerten“ Restaurantvorstellungen, auch wenn er nicht immer d’accord gehe.

    Er selbst sei nämlich Gründer und Vorstandsvorsitzender des „Berliner Klub für Kulinarik und Kunst – Charlottenburger Spitze“, schrieb er. Sein Klub sei ein Zusammenschluss von Spitzengastronomen, Galeristen und Genießern. Gerne wolle er mir bei einem Essen im „besten Thai der Stadt“ mehr darüber erzählen.

    Bloß keine vergorenen Milchprodukte!

    Es passiert selten, dass mich jemand ausführen will. Ich freute mich und nahm mir vor, Bernd Westermann demnächst anzurufen. Doch noch bevor ich dazu kam, klingelte mein Handy und er war dran. Schnell wurde mir klar, der Mann hat Selbstbewusstsein: Sein Lieblingsthai namens Kien-Du, sagte er am Telefon, habe nichts mit den „hunderten x-beliebigen Thai-Restaurants“ dieser Stadt gemein.

    Auch könne er meine Knoblauch-Abneigung nicht verstehen. Er bestelle gern mit extra viel Knoblauch; nur vergorene Milchprodukte, für die ich offenbar eine Vorliebe hege, könne er nicht ausstehen.

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    Zwischen klassisch und kitschig: Der Gastraum des Kien-Du-Kiang-Thong in der Kaiser-Friedrich-Straße Benjamin Pritzkuleit/Berliner Zeitung

    Dass ich so gerne vergorene Milchprodukte esse, war mir bisher gar nicht bewusst. Ich mag jedoch Fermentiertes; ein Treffen konnte nur interessant werden. Eine gute Woche später fuhr ich also ins Kien-Du nach Charlottenburg. An diesem Tag war es selbst um 18.30 Uhr noch 36 Grad warm – Bernd Westermann kam trotzdem direkt aus der Sauna, weil es sein „Saunatag“ war. Wir waren also beide ordentlich verschwitzt.

    Das Kien-Du heißt in voller Länge Kien-Du-Kiang-Thong: Eine Deutsche namens Trixiy hat dieses Thai-Restaurant 1973 zusammen mit ihrem Mann Dju Prabhawat eröffnet, damals war es der erste Thai in West-Berlin, so viel hatte ich schon vorher gelesen.
    Eine charmante Zeitreise

    Trixiy, die Wirtin, gibt es noch immer. Sie ist nun geschätzte 70 Jahre alt, Bernd Westermann isst dreimal die Woche bei ihr. Immer sitzt er am selben Tisch am Fenster, wo er mir jetzt den besten Platz auf der roten Polsterbank überlässt. Ungefragt wird ihm Weißwein eingeschenkt, ich will bloß Wasser.

    Der Laden ist eine charmante Zeitreise, wie man sie nur im alten Westen finden kann: Den Tisch zieren zu Lotusblüten gefaltete Servietten, die Dielen mit heruntergelaufenen Teppichen knarzen bei jedem Schritt, das Mobiliar muss das von der Eröffnung vor über 50 Jahren sein.

    Westermann wohnt nicht weit, erfahre ich. Sogleich bekomme ich einen Abriss seiner Biografie: In Brandenburg aufgewachsen, hat er zu DDR-Zeiten Volkswirtschaft, später Sozialwissenschaften studiert. Er hat in Karlshorst, Marzahn, Lichtenberg und Hohenschönhausen gewohnt und lange in der Drogenberatung gearbeitet. Vor 23 Jahren zog er dann nach Charlottenburg. Seitdem sei er in den Stadtteil „verliebt“.

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    Junges Gemüse: Mit einem Papayasalat macht man wenig falschTina Hüttl

    Trixiy würde gerne unsere Bestellung aufnehmen, Bernd Westermann fährt jedoch ohne Pause fort: Als Rentner habe er nun jede Menge Zeit für „Seniorenprojekte“ wie seinen Verein „Charlottenburger Spitze“. Jede Gastronomin und jeder Genießer könne bei ihm Mitglied werden, auch wenn sie nicht in Charlottenburg leben. Und das solle ich auch bitteschön so schreiben!

    Auch scheue er im Gegensatz zu mir Superlative nicht: Gastronomisch seien hier nur „die besten der Stadt“ versammelt. Unter seinen Mitglieder-Gastronomen könne ich auf der Vereinswebseite etwa einen Libanesen, einen Chinesen, einen Vietnamesen und einen Nepalesen finden, abwechselnd gehe er bei ihnen essen. Denn den eigenen Herd benutze er seit Jahren nicht mehr, obwohl er eigentlich gut kochen könne.

    Trixiy guckt mit ihrem Block noch einmal vorbei, doch Bernd Westermann spricht jetzt über die Idee für den Verein. Die sei ihm nämlich hier im Kien-Du gekommen, auch wenn das Restaurant selbst kein Mitglied sei, weil Trixiy keine Werbung möchte. So angesprochen, mischt sich die Wirtin nun doch ein; sie bittet mich, nicht über das Kien-Du zu schreiben.
    Der Profi bestellt für beide

    In der Küche arbeiteten abwechselnd zwei Thai-Frauen, den Gastraum schmeiße sie jedoch alleine. Außer ihren Stammgästen könne sie daher nicht viel mehr Gäste verkraften. Als sie meine Enttäuschung sieht, hat sie wohl Mitleid: Wir einigen uns darauf, ich solle zumindest schreiben, dass neue Gäste ihr einen möglichst langen Vorlauf bei der Reservierung geben sollten.

    Auf der Karte, die die ganze Zeit vor mir liegt, sehe ich über 50 durchnummerierte Gerichte. Trotzdem hat Bernd Westermann eine Lieblingskombi, die nicht darauf steht, und die Trixiy für ihn mit „hüa pad tua fag yao“ ins Thailändische übersetzt hat. Es bedeutet so viel wie „gebratenes Rindfleisch mit grünen Bohnen“, lerne ich. Selbstverständlich überlasse ich Bernd Westermann auch die Bestellung für mich, weil er hier der Profi ist.

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    Vegetarischen Frühlingsrollen - laut Westermann ein MussTina Hüttl

    Es wird: Bopia, Nummer 9 – die vegetarischen Frühlingsrollen –, seien ein Muss. Ebenso Nummer 2, Gaeng Kha Gai, die Hühnersuppe mit Kokosmilch. Trixiy schafft es, vermutlich weil ich dabei bin, ihm Nummer 8, den grünen Papayasalat aufzuschwatzen. Westermann hat ihn noch nie probiert. Er esse immer das Gleiche, sagt er, auch wenn er sich grundsätzlich als experimentierfreudig bezeichne.

    Die Hauptspeisen sind wieder klar: Er kriegt sein gebratenes Rindfleisch mit Bohnen, ich die Nummer 27, knusprige Ente mit frischem Ingwer und Zitronenstangen, wie es auf der Karte heißt. Die isst Bernd Wassermann nämlich alternativ gern.

    Wie entspannt Essengehen ist, wenn ich nicht in Verantwortung bin, hatte ich fast vergessen. Deswegen liegt mir jetzt auch jegliche Kritik völlig fern: Der Vereinsvorsitzende ist begeistert, wie knusprig mal wieder die mit Glasnudeln und Karotten gefüllten Frühlingsröllchen sind. Sie werden hier selbst gemacht, klassisch mit süß-saurer Chilisauce aus der Flasche serviert.

    Von der nur mild geschärften Kokossuppe will er heute nicht probieren. Sie sei konstant gut, weiß er. Der Papayasalat überrascht ihn, weil er so frisch schmecke. Neben der roh geraspelten Papaya befinden sich Karotten, Tomaten, Garnelen, etwas Minzblätter und knackige grüne Bohnen darin, über die sich Bernd Westermann besonders freut. Trixiy ist stolz, ihm etwas Neues gezeigt zu haben.

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    Hühnersuppe mit KokosmilchTina Hüttl

    Westermann isst mit Genuss und erzählt mir dabei von seinem neuesten Projekt. Er will ein Buch mit „Charlottenburger Häuserfassaden“ rausbringen, eine Mischung aus Bildband und Architekturführer. Ich höre zu, esse und finde es ganz hinreißend, wie gut alle ihren Job machen: Bernd Westermann, der sich, seine Projekte und die Küche anpreist, Trixiy, die ganz nach alter Schule serviert, gewissenhaft das Teelicht im Rechaud anzündet, um unsere Hauptgerichte mit Ente und Rind daraufzustellen. Den Reis bringt sie einmal Natur, einmal weiß. Alles hat hier seine Zeit, seinen Platz und seine Ordnung. Wo bitteschön kann man so etwas heute noch erleben?

    Nun muss nur noch ich meinen Job erledigen und Sie darauf hinweisen: Bitte reservieren Sie im Kien-Du mit ausreichend Vorlauf! Auch müssen Sie Bargeld mitnehmen, weil Kartenzahlung hier nicht vorgesehen ist. Falls die Reservierung aus irgendeinem Grund nicht klappt, keine Sorge. Bernd Westermann hat einen weiteren Tipp: Das Thakali, den besten Nepalesen der Stadt. Der ist Mitglied in der „Charlottenburger Spitze“. Doch müssen Sie dafür nicht mal bis Charlottenburg fahren. Das Restaurant liegt im Prenzlauer Berg.

    Preise: Vorspeisen und Zwischengerichte 5–14 Euro, Feuertöpfe 12–19,50 Euro, Hauptspeisen 16–19,50 Euro, Süßes 6,50–8 Euro

    Kien-Du-Kiang-Thong. Kaiser-Friedrich-Straße 89, 10585 Berlin Mi–So 17–22 Uhr. www.kien-du.de

    Der Club von Bernd Westermann: www.charlottenburger-spitze.de

    Kien-Du-Kiang-Thong
    https://www.openstreetmap.org/node/923960392#map=17/52.514912/13.301053

    OSM Eintrag von Charlottenburg: Barzahlungsverweigere, Korrekturen 2024 von EBSerKartler

    addr:city Berlin
    addr:country DE
    addr:housenumber 89
    addr:postcode 10585
    addr:street Kaiser-Friedrich-Straße
    addr:suburb Charlottenburg
    amenity restaurant
    check_date 2023-09-08
    cuisine asian
    level 0
    name Kien-Du-Kiang-Thong
    opening_hours We-Su 17:00-23:00+
    wheelchair no

    #Berlin #Charlottenburg #Kaiser-Friedrich-Straße #Gastronomie #Westberlin

  • Plötzlich geschlossen, plötzlich wieder da: Kultlokal Ali Baba in Charlottenburg ist zurück
    https://www.berliner-zeitung.de/panorama/ali-baba-charlottenburg-wiedereroeffnung-li.2345258

    Vio wegen „Kult“ - die Zeiten in denen wir zur Mittagspause zwischen null und ein Uhr früh die Autos in zweiter Reihe vor den Laden an der Niebuhr stellten sind vierzig Jahre her.. Minipizza für ne Mark ist auch nicht mehr, also was soll das, ob die Kaschemme dicht ist oder nicht, geht einem am.Allerwertesten vorbei. Das Geschäft ist hart, keine Zeit für Nostalgie, schon garnicht zu den Preisen.

    29.7.2025 von Manuel Almeida Vergara - Nach 52 Jahren hatte das Restaurant Mitte 2024 unvermittelt geschlossen. Nun ist der Laden, der für seine Mini-Pizzen bekannt ist, wieder da.

    Auch wenn sie aktuell eine glückliche Wendung nimmt – die Geschichte um Ali Baba in Charlottenburg bleibt mysteriös. Am 1. Juli des vergangenen Jahres hatte der Kultimbiss unvermittelt geschlossen, nach beeindruckenden 52 Jahren, warum weiß man bis heute nicht. Während andere Berliner Gastronomen die Schließungen ihrer Lokale zuletzt etwa mit steigenden Kosten oder Personalmangel begründet hatten, hüllte man sich bei Ali Baba in Schweigen.

    Auf Instagram lassen sich noch heute Trauerbekundungen finden. „Ein Teil der Kindheit verschwindet – Geschmäcker, die ich nie wieder erleben kann“, schreibt ein User; mit einem weinenden Emoji reagiert eine andere. Auch, dass Gastro-Stars wie The Duc Ngo, der eine heiße Ali-Baba-Pizza abfilmte, oder der Partyveranstalter Tom Jahberg Fans des Imbisses waren, ist auf Instagram zu sehen.

    Und auch wenn es bis heute keine weiteren Details zu den damaligen Gründen der Geschäftsaufgabe in der Bleibtreustraße 45 gibt, erwartet die Stammgäste nun eine freudige Botschaft: Ali Baba ist zurück! Rund ein Jahr nach der plötzlichen Schließung hat das Kultlokal seine Türen wieder geöffnet, unverändert, zumindest fast.

    Wie aus dem Impressum der Restaurant-Webseite hervorgeht, gibt es mit Ayhan Yuvanc einen neuen Geschäftsführer. „Liebe Gäste, wir haben seit dem 11. Juli wieder für Sie geöffnet!“, lässt er über die Seite wissen, „wir freuen uns sehr, Sie wieder bei uns begrüßen zu dürfen und danken Ihnen für Ihre Treue.“ In einem offenbar leicht veralteten Text weiter unten heißt es: „Seit über 45 Jahren findet man im Ali Baba alles, was das Pizza- und Pasta-Herz begehrt!“

    Beliebt bei den vielen Stammgästen sind vor allem die Mini-Pizzen, die zuletzt für 1,50 Euro das Stück und neuerdings für 2,50 Euro verkauft werden. Abgesehen davon sieht auch die Speisekarte ein bisschen anders aus, vor allem mehr vegetarische Gerichte wie Rouladen aus frischer Roter Beete oder Ravioli mit Steinpilzfüllung sind hinzugekommen.

    Restaurant Pizzeria Ali Baba. Bleibtreustraße 45, 10623 Berlin. So–Do 11–23 Uhr, Fr–Sa 11–0 Uhr. www.alibaba-berlin.de

    #Berlin #Charlottenburg #Bleibtreustraße #Gastronomie #Pizza

  • Der Täter rauchte Camel: Kann es wirklich gelingen, einen 39 Jahre alten Mord aufzuklären?
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/mord-an-renate-pollaczek-aufklaerung-nach-39-jahren-li.2335093

    Galvani Zwo, Schultheiß-Baude, spuckte viele Fahrgäste aus. Fahrtziel : Immer wieder „Nahause !“

    24.6.2024 von Katrin Bischoff - Renate Pollaczek wurde 1986 in der „Schultheiß-Baude“ zuerst vergewaltigt, dann umgebracht. Nun läuft eine DNA-Reihenuntersuchung bei Männern – sogar in Thailand.

    Ein Flipper-Automat steht an der einen Wand, an der anderen hängt eine Dartscheibe. Ein paar drehbare Barhocker warten vor dem Tresen auf Kundschaft. Hinter dem Ausschank befindet sich die Zapfanlage für das Fassbier, in einem Regal stehen zahlreiche Schnapsflaschen. Im Nebenraum steht der Billardtisch, bespannt mit blauem Stoff. Auf dem kleinen Tisch daneben liegt eine Schachtel Zigaretten neben einem noch vollen Glas Bier und einer Kippe im Aschenbecher.

    Der Mörder rauchte Camel.

    Fotos zeigen die Details des Interieurs einer typischen Berliner Bierkneipe in den 1980er-Jahren. Die Bilder sind in einem rosafarbenen Hefter voller vergilbter Seiten zu sehen. Thilo Pietzsch blättert die Akte Seite für Seite vorsichtig durch, als könnten die alten Fotos und die vielen filigran wirkenden, mit Schreibmaschine beschriebenen Blätter zwischen seinen Fingern zerbröseln. „Ich habe richtig Angst, dass sie kaputtgehen“, sagt er. Die Akten sind wesentlich älter als Pietzsch mit seinen 29 Jahren.

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    Staatsanwalt Thilo Pietzsch will den 39 Jahre alten Mordfall auflösen.Markus Wächter/Berliner Zeitung

    Der große, schlanke Staatsanwalt ist seit Februar in jener Abteilung der Berliner Staatsanwaltschaft tätig, die für die Ermittlungen bei Kapitalverbrechen zuständig ist. Mord, Totschlag und ärztliche Fehler zählen zu den Delikten, die die Abteilung bearbeiten muss.

    Pietzsch sitzt in einem kleinen Büro im Kriminalgericht, in dem die Fenster zur Untersuchungshaftanstalt Moabit hinausgehen. Wenn er hinaus schaut, sieht er Stacheldraht. Als würden Häftlinge an der Fassade in den zweiten Stock hinaufsteigen können, um abzuhauen. Der junge Staatsanwalt ist dennoch zufrieden. Er hat ein eigenes Büro und damit Glück. Denn der Raummangel für Richter und Staatsanwälte ist in Berlin eminent.

    Vor Pietzsch auf dem Schreibtisch liegen elf Hefter. Darin sind die Ermittlungsergebnisse eines Verbrechens zusammengetragen, das in Berlin kaum noch jemand in Erinnerung haben dürfte. Pietzsch und seine Kollegen werden immer gerufen, wenn es ein neues Tötungsdelikt gibt. Das ist oft in Berlin. Momentan aber hat der Staatsanwalt Glück, keine Bereitschaft und kann sich somit auch den alten Akten widmen, die er von seinem Vorgänger „geerbt“ hat, wie er sagt. Unglücklich wirkt er damit nicht.

    In den Akten geht es um Renate Pollaczek, die vor fast 40 Jahren Opfer eines Sexual- und Raubmörders geworden ist. Und Thilo Pietzsch will diesen Fall nun aufklären. „Moderne Untersuchungsmethoden von Spuren machen das vielleicht möglich“, sagt Pietzsch. Es wäre „Wahnsinn, wenn das klappt“. Die Chancen stehen nicht schlecht.

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    Renate Pollaczek arbeitete als Kellnerin. Sie wurde vor 39 Jahren ermordet.Markus Wächter/Berliner Zeitung

    Renate Pollaczek war 44 Jahre alt, als sie Ende 1985 als Kellnerin in der „Schultheiß-Baude“ in der Galvanistraße begann, einem gutbürgerlichen Viertel in Charlottenburg. Erfahrung in der Gastronomie hatte sie seit 20 Jahren gesammelt. Der Job in der Kneipe war für sie attraktiv, wohnte sie doch unweit des Lokals. Die „Schultheiß-Baude“ hatte sieben Tage die Woche geöffnet, und mit der Aufschrift an der Fensterscheibe „rund um die Uhr bei Peter“ warb sie 24 Stunden am Tag um Kundschaft.

    Renate Pollaczek arbeitete mal am Tage, mal nachts. Am 10. April 1986 hatte sie die Nachtschicht am Tresen übernommen, die erst am nächsten Morgen endet. Wie so oft war sie die einzige Angestellte im Lokal. Eine Waffe oder dergleichen hatte sie nicht bereit gelegt, für den Fall, dass ein Gast übergriffig werden sollte. Einer Bekannten hatte sie mal verraten, dass sie sich in gefährlichen Situationen nicht zu Wehr setzen, sondern „das über sich ergehen lassen würde“, so steht es in den Akten.
    Der letzte Gast war ein Stammgast

    Der letzte Gast, der die kleine, nur 1,61 Meter messende Frau noch lebend gesehen hatte, war ein Stammgast, ein 49-jähriger Kfz-Meister, der jeden Morgen gegen fünf Uhr kam und die Kneipe bereits meist zehn Minuten später wieder verließ.

    Als er an jenem Morgen das Lokal verließ, kehrte dort gerade ein junger Mann ein, den er noch nie gesehen hatte. Den Unbekannten beschrieb er später so: 20 bis 25 Jahre alt, etwa 1,75 Meter groß und muskulös gebaut. War dies der Mörder der alleinstehenden Kellnerin?

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    Die „Schultheiß-Baude“, in der das Verbrechen geschah, gibt es heute nicht mehr.Markus Wächter/Berliner Zeitung

    Fest steht, dass Renate Pollaczek den Betreiber der Kneipe, der mit seiner Lebensgefährtin ebenfalls in der Galvanistraße wohnte, nicht wie vereinbart telefonisch geweckt hatte. Deswegen eilte der 39-jährige Lokalbesitzer gegen 7.30 Uhr zur „Schultheiß-Baude“. Er fand seine Mitarbeiterin in der Küchennische. Renate Pollaczek lag auf dem Boden, ein mehrfach gewundenes und verknotetes Geschirrtuch um den Hals. Sie war tot. Der Wirt alarmierte die Polizei.

    Die „Auffindesituation“ habe darauf schließen lassen, dass die Kellnerin vergewaltigt worden sei, sagt Staatsanwalt Pietzsch. Die Obduktion am selben Tag bestätigte den Verdacht. Der Mörder hatte aus der Kneipe auch die Kasse mitgehen lassen. „Geschätzt 150 D-Mark“, sagt Pietzsch. Die beiden goldfarbenen Ringe an den Händen der Frau habe der Täter ebenso wenig mitgenommen wie die Armbanduhr von Renate Pollaczek.

    Schon zu jener Zeit war die 4. Mordkommission zuständig, die Ermittler fanden in der Kneipe zahlreiche Spuren. Darunter waren zwei Zigarettenkippen und eine Zigarettenschachtel der Marke Camel. Zudem wurde Sperma bei der Obduktion der Leiche sichergestellt. „Mit Sicherheit stammt es vom Täter“, sagt der Staatsanwalt.

    Da die Außenbeleuchtung des Bierlokals noch angeschaltet und die Gardinen zugezogen waren, konnten die Ermittler auch rekonstruieren, wann Renate Pollaczek getötet worden sein musste: Bevor es hell wurde, also zwischen 5.15 Uhr und 6.15 Uhr.

    Anhand der Angaben des Stammgastes, der die Kellnerin bei seinem täglichen Kurzbesuch kurz nach 5 Uhr morgens noch lebend gesehen hatte, wurde bei der Polizei ein Phantombild jenes Mannes gefertigt, der nach dem Stammgast in die Kneipe gekommen war.

    Vorsichtig blättert Staatsanwalt Pietzsch eine Seite nach der anderen um. Beim Fahndungsaufruf hält er inne. „Die Polizei bittet um Mithilfe – Sexualmord an Kellnerin“ steht auf dem DIN-A4-großen Zettel, der damals überall in der Gegend geklebt und verteilt worden sei. Darauf ist das Phantombild des Mannes abgedruckt, der von der Kriminalpolizei als dringend tatverdächtig gesucht wurde. „Muskulöser Typ, dunkler Teint (Südländer?), schwarze, kurze Haare, kleiner Oberlippenbart, gepflegtes Äußeres, vermutlich Body-Builder“, lautet die Beschreibung des Tatverdächtigen.

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    Die „Schultheiß-Baude“ war eine typische Berliner Kneipe.Markus Wächter/Berliner Zeitung

    Der Gesuchte habe einen hellen Jogginganzug mit roten Längsstreifen und helle Turnschuhe getragen, heißt es. Die Polizei suchte Zeugen, die den Mann zur fraglichen Zeit in der Galvanistraße, am nahen Einsteinufer oder der Cauerstraße gesehen haben. Zudem wird für Hinweise, die zur Aufklärung des Verbrechens führen, eine Belohnung von 10.000 D-Mark ausgesetzt. „Das war schon eine beachtliche Summe“, sagt Pietzsch.

    86 Hinweise seien nach dem Zeugenaufruf damals eingegangen, sagt der Staatsanwaltschaft. Eine heiße Spur sei nicht darunter gewesen. Pietzsch sagt, dass es damals sechs Tatverdächtige gegeben habe, gegen die seien die Ermittlungen aber relativ schnell wieder eingestellt worden. „Sie waren es nicht“, sagt Pietsch. Renate Pollaczek war im Kiez beliebt. Zeugen beschrieben die kinderlose Frau als nett, umgänglich und zurückhaltend.

    2023 wurden die Akten des Mordfalls wieder herausgeholt. Mit neuesten wissenschaftlichen Methoden konnte ein eindeutig zu einem einzigen Menschen zuzuordnendes Profil der damals sichergestellten DNA vom Sperma erstellt weren. „Wir haben jetzt das Profil, aber es ist nicht in der Datenbank“, sagt Pietzsch.
    Zwei Zigarettenlängen für die Tötung

    Sicher ist, dass der Mann, dem das Sperma zuzuordnen ist, auch die beiden Zigaretten der Marke Camel geraucht hat. Eine Kippe lag neben der Leiche der Kellnerin, die andere im Aschenbecher neben dem Bier, das der Mörder nicht mehr ausgetrunken hat. Das spricht dafür, dass der Täter sich für die Vergewaltigung und die Tötung von Ranate Pollaczek durchaus Zeit gelassen hat.

    Staatsanwalt Thilo Pietzsch gibt nicht auf. Er ist ehrgeizig, was den Mordfall Pollaczek angeht. Nach 39 Jahren will er den Mörder der Kellnerin finden – denn Mord, so betont er, verjähre nicht. Deswegen läuft derzeit eine DNA-Reihenuntersuchung. Männer, die damals alt genug für eine Sexualstraftat waren und in der Gegend der „Schultheiß-Baude“ gelebt haben, werden zum Speicheltest gebeten.

    „Wir denken, dass der Mörder von Renate Pollaczek kein Tourist war“, sagt der Staatsanwalt. Er habe damals wohl im Umfeld der Galvanistraße gelebt. Denn die Gegend sei damals keine Urlaubergegend gewesen – schon gar nicht in aller Herrgottsfrühe.

    Mittlerweile wurde laut Pietzsch bereits die DNA einer hohen zweistelligen Anzahl von Männern überprüft – auf freiwilliger Basis und mit richterlichem Beschluss. Bisher gab es in der Datenbank noch keinen Treffer.

    Aber nicht alle Personen, die potenziell infrage kommen, leben noch in Deutschland. Nach Angaben des Staatsanwalts wurden auch Rechtshilfeersuchen in Thailand, Serbien, Tschechien, Polen und Portugal gestellt.

    Auch, wenn infrage kommende Personen bereits verstorben sind, suchen die Ermittler weiter – und nehmen Speichelproben von Verwandten. „Das würde uns zeigen, wenn ein verstorbenes Familienmitglieder der Mörder der Kellnerin gewesen ist“, sagt Thilo Pietzsch. Denn der Mordfall wäre auch geklärt, wenn der Täter nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden könne.

    Die Kneipe in dem Mietshaus in der Galvanistraße, die damals sonntags ab 9 Uhr zum Frühschoppen lud, gibt es längst nicht mehr. Das Haus ist saniert, eine Arztpraxis befindet sich in den Räumlichkeiten. Auch im Internet ist kaum noch etwas über die „Schultheiß-Baude“ und den Mord an der Kellnerin zu finden. „Frau Pollaczek verdient es, dass wir das Verbrechen aufklären“, sagt Thilo Pietzsch.

    Telefonische Hinweise nimmt die 4. Mordkommission entgegen unter: 030 4664 911444.

    #Berlin #Charlottenburg, #Alt-Lietzow, #Galvanistraße #Kneipe #Gaststätte #Verbrechen #Mord #Geschichte

  • Margarete Streisand | Stolpersteine in Berlin
    https://www.stolpersteine-berlin.de/de/eislebener-str/4/margarete-streisand

    Verlegeort: Eislebener Str. 4
    Bezirk/Ortsteil: Charlottenburg
    Verlegedatum: 23. April 2013
    Geboren: 05. August 1882 in Grätz / Grodzisk Wielkopolski
    Deportation: am 29. Oktober 1941 nach Łódź / Litzmannstadt
    Später deportiert am 06. Mai 1942 nach Chełmno / Kulmhof
    Ermordet 06. Mai 1942 in Chełmno / Kulmhof

    Margarete Streisand wurde am 5. August 1882 in Grätz (Grodzisk) im Raum Posen (Poznan) geboren. Der Vater war der Druckereibesitzer Louis Streisand, die Mutter hieß Clara. Margarete hatte drei Geschwister: Hugo, Willi (gestorben 1919 an Lungentuberkulose) und Bianka (geboren am 7. September 1881 in Grätz, nach Theresienstadt deportiert). Als sie am 17. Mai 1939 bei der Volkszählung in Berlin registriert wurde, war sie unverheiratet und von Beruf Buchhändlerin.

    „Mein Großvater Hugo Streisand“, so berichtete seine Enkelin Renate, “gründete 1901 eine erfolgreiche wissenschaftliche Buchhandlung, später wurde sie ein Antiquariat. Er wohnte zuerst in einer kleinen Wohnung in der Eislebener Straße 6 und zog dann 1905 in die Eislebener Straße 4, dorthin zogen auch seine Mutter und seine Schwester Margarete.“ Die Wohnung lag im 2. Stock links, ein Zimmer war untervermietet an Elisabeth Behrend (geboren am 14. Februar 1863 in Kolberg, ermordet am 13. September 1942 in Theresienstadt), die Buchhandlung befand sich in der Nähe an der Augsburger Straße 38.

    Margarete muss ihren Neffen Joachim Streisand (1920-1980), den Vater von Renate Streisand, wie sie sich weiter erinnerte, „geliebt haben. Das zeigen Urlaubsansichtskarten aus den 1920er Jahren.“ Margarete hat demnach Reisen in Europa gemacht, die eine gewisse finanzielle Kraft voraussetzten.

    Die Streisands wären „eine normale bürgerliche Familie gewesen“, schätzt Renate, wenn es die Judenverfolgung nicht gegeben hätte. „Ich erinnere mich an meine Kindheit in der Eislebener Straße 4, wenn meine Großmutter Erna-Maria Streisand mir vor bestimmten familiären Anlässen sagte, es sei nicht nötig, den Tisch im Wohnzimmer ganz auszuziehen, es kämen nicht so viele Verwandte. … Die Familie Streisand war klein geworden, Ermordung und Exil hatten nur noch eine kleine Gruppe der Streisands in Deutschland leben lassen.“

    Der Buchhändler Hugo Streisand lebte in „privilegierter Mischehe“, wie es bei den Nationalsozialisten hieß, er war verheiratet mit Erna-Maria geb. Dunst. Seine Schwester Bianka, verheiratete und geschiedene Hassel, wurde am 9. Februar 1944 aus der Joachimsthaler Straße 24 mit der Nummer 97 nach Theresienstadt deportiert. Sie überlebte die Grauen des Ghettos, starb aber am 6. Juli 1945 an Herzschwäche, was sicherlich eine Folge der Haft war.

    Ergänzung 2022:
    Margaretes Bruder Hugo Streisand überlebte den Krieg und betrieb wieder seinen Buchhandel. Er starb 1955 und seine Witwe Erna führte das Antiquariat weiter.

    Eine Großnichte Ernas, Dr. Irina Metzler, schreibt uns:

    “Ich selber habe Tante Erna noch kennengelernt, als ich ein kleines Mädchen war und Erna ihr Antiquariat in einer für mich damals fürchterlich dunklen, staubigen und mit Büchern regelrecht zugestopften Wohnung hatte. Nach Ernas Tod Mitte der 80er-Jahre hatte meine Mutter den damals noch durch die Mauer getrennten Erben von Streisand die Buchexporthandlung abgekauft. Als “Buchexport Hugo Streisand Nachfolge Ursula Zilli” konnte die Firma 2001 noch das 100. Firmenjubiläum feiern, bevor sie von Berlin in die Nähe von Nürnberg umgezogen ist.”

    https://www.stolpersteine-berlin.de/sites/default/files/stolpersteine-media/dateien/dokumente-streisand.pdf

    Stolperstein Eislebener Straße 4 - Berlin.de
    https://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/ueber-den-bezirk/geschichte/stolpersteine/artikel.179820.php


    Hauseingang Eislebener Str. 4, Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat&Flegel

    Der Stolperstein für Elisabeth Behrend wurde am 24.7.2012 auf Wunsch ihrer Nachkommen Christiane von Alten und Jens-Peter Behrend (Berlin) verlegt.

    Der Stolperstein für Margarete Streisand wurde am 23.4.2013 auf Initiative von Renate Iwainsky-Streisand (Berlin) verlegt.

    Stolperstein Elisabeth Behrend Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat&Flegel

    HIER WOHNTE
    ELISABETH BEHREND
    JG. 1863
    DEPORTIERT 28.8.1942
    THERESIENSTADT
    ERMORDET 13.9.1943

    Elisabeth Behrend wurde am 14. Februar 1863 in Kolberg in Pommern geboren. Sie war Tochter des Arztes Moses Behrend und Ulrike geb. Gronau und hatte vier, möglicherweise fünf Geschwister. Ihr Vater Moses (Moritz) Behrend war Begründer des Behrendschen Solebads in Kolberg, das maßgeblich dazu beitrug, aus Kolberg einen Kurort zu machen. Über drei Generationen hinweg sollten die Behrends in Kolberg medizinische Heilbäder betreiben. Auch als ihr Bruder Felix als Medizinalrat die Aufsicht und Direktion über das Heilbad übernommen hatte, lebte die unverheiratete Elisabeth bei der Familie. Erst später, womöglich im Zuge der Deportationen, ging sie nach Berlin.
    Im Jahr 1938 , unmittelbar nach den Pogromen der sogenannten Reichskristallnacht, versuchte sie vergeblich, sich vor der Verfolgung zu retten, indem sie der Polizei folgende Mitteilung machte: „Ich versichere an Eides statt…, dass mein Großvater nach Angaben meiner Eltern als Wachtmeister eines Husarenregiments an den Freiheitskriegen 1813/14 teilnahm, Kriegsauszeichnungen erhielt und als Posthalter in Neustettin gelebt hat. Ich bin seine einzige heute noch lebende Enkelin und die Schwester des Geheimen Medizinalrats Dr. Felix Behrend. Kolberg, den 12. November 1938, Elisabeth Behrend“

    Deportiert wurde Elisabeth Behrend, die in der Eislebener Straße 4 im 2. Stock links als Untermieterin der Familie Streisand wohnte, am 28. August 1942 nach Theresienstadt, wo der fast 80-jährigen ein geruhsamer Lebensabend versprochen worden war. Sie wurde in ein verplombtes Abteil gesetzt, um sie herum 100 Jüdinnen und Juden, von denen fast alle älter als 70 waren. Die letzte Strecke bis zur Einfahrt des Ghettos mussten sie zu Fuß gehen. Ihnen war erlaubt, wenig Gepäck mitzunehmen. Diesen Transport überlebten nur drei. In Theresienstadt wurde fälschlich registriert, ihr „letzter Wohnort“ sei das Ostseebad Kolberg gewesen.

    Todestag von Elisabeth Behrend war der 13. September 1942. Auf dem Totenschein gaben die Ärzte als Todesursache „Darmkatarrh“ an, was eine Umschreibung für die Folgen der katastrophalen Ernährungs-, Gesundheits- und Hygieneumstände im Ghetto Theresienstadt war.
    http://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/5427-elisabeth-behrend

    Text: Jens-Peter Behrend mit Hilfe von Aufzeichnungen und Dokumenten von Christiane von Alten sowie des Archivs Theresienstadt, ergänzt von Helmut Lölhöffel

    Stolperstein Margarete Streisand Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat&Flegel

    HIER WOHNTE
    MARGARETE
    STREISAND
    JG. 1882
    DEPORTIERT 29.10.1941
    ERMORDET IN
    LODZ / LITZMANNSTADT

    Margarete Streisand wurde am 5. August 1882 in Grätz (Grodzisk) im Raum Posen (Poznan) geboren. Der Vater war der Druckereibesitzer Louis Streisand, die Mutter hieß Clara. Margarete hatte drei Geschwister: Hugo, Willi (gestorben 1919 an Lungentuberkulose) und Bianka (geboren am 7. September 1881 in Grätz, nach Theresienstadt deportiert). Als sie am 17. Mai 1939 bei der Volkszählung in Berlin registriert wurde, war sie unverheiratet und von Beruf Buchhändlerin.

    „Mein Großvater Hugo Streisand“, so berichtete seine Enkelin Renate, “gründete 1901 eine erfolgreiche wissenschaftliche Buchhandlung, später wurde sie ein Antiquariat. Er wohnte zuerst in einer kleinen Wohnung in der Eislebener Straße 6 und zog dann 1905 in die Eislebener Straße 4, dorthin zogen auch seine Mutter und seine Schwester Margarete.“ Die Wohnung lag im 2. Stock links, ein Zimmer war untervermietet an Elisabeth Behrend (geboren am 14. Februar 1863 in Kolberg, ermordet am 13. September 1942 in Theresienstadt), die Buchhandlung befand sich in der Nähe an der Augsburger Straße 38.

    Margarete muss ihren Neffen Joachim Streisand (1920-1980), den Vater von Renate Streisand, wie sie sich weiter erinnerte, „geliebt haben. Das zeigen Urlaubsansichtskarten aus den 1920er Jahren.“ Margarete hat demnach Reisen in Europa gemacht, die eine gewisse finanzielle Kraft voraussetzten.

    Die Streisands wären „eine normale bürgerliche Familie gewesen“, schätzt Renate, wenn es die Judenverfolgung nicht gegeben hätte. „Ich erinnere mich an meine Kindheit in der Eislebener Straße 4, wenn meine Großmutter Erna-Maria Streisand mir vor bestimmten familiären Anlässen sagte, es sei nicht nötig, den Tisch im Wohnzimmer ganz auszuziehen, es kämen nicht so viele Verwandte. … Die Familie Streisand war klein geworden, Ermordung und Exil hatten nur noch eine kleine Gruppe der Streisands in Deutschland leben lassen.“

    Der Buchhändler Hugo Streisand lebte in „privilegierter Mischehe“, wie es bei den Nationalsozialisten hieß, er war verheiratet mit Erna-Maria geb. Dunst. Seine Schwester Bianka, verheiratete und geschiedene Hassel, wurde am 9. Februar 1944 aus der Joachimsthaler Straße 24 mit der Nummer 97 nach Theresienstadt deportiert. Sie überlebte die Grauen des Ghettos, starb aber am 6. Juli 1945 an Herzschwäche, was sicherlich eine Folge der Haft war.

    Text: Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf auf Grund Aufzeichnungen von Renate Iwainsky-Streisand (Berlin), Großnichte von Margarete Streisand.

    Hugo und Erna Streisand Bild: Privat

    Ergänzung 2022: Margaretes Bruder Hugo Streisand überlebte den Krieg und betrieb wieder seinen Buchhandel. Er starb 1955 und seine Witwe Erna führte das Antiquariat weiter.

    Eine Großnichte Ernas, Dr. Irina Metzler, schreibt uns:

    “Ich selber habe Tante Erna noch kennengelernt, als ich ein kleines Mädchen war und Erna ihr Antiquariat in einer für mich damals fürchterlich dunklen, staubigen und mit Büchern regelrecht zugestopften Wohnung hatte. Nach Ernas Tod Mitte der 80er-Jahre hatte meine Mutter den damals noch durch die Mauer getrennten Erben von Streisand die Buchexporthandlung abgekauft. Als “Buchexport Hugo Streisand Nachfolge Ursula Zilli” konnte die Firma 2001 noch das 100. Firmenjubiläum feiern, bevor sie von Berlin in die Nähe von Nürnberg umgezogen ist.”

    Dokumente Maegarete Streisand https://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/ueber-den-bezirk/geschichte/stolpersteine/assets/dokumente-streisand.pdf?ts=1646829302 PDF-Dokument (1.8 MB)

    Adresse
    Stolpersteine
    Eislebener Str. 4
    10789 Berlin

    Streisand Hugo Buchhandlung und Antiquariat Nachfolgerin Ursula Zilli im KÖNIGSTR. 61A, Berlin, Berlin 14109, Berlin: Kundenrezensionen, Öffnungszeiten, Wegbeschreibungen, Fotos usw.
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    Über Streisand Hugo Buchhandlung und Antiquariat Nachfolgerin Ursula Zilli im Berlin

    Unser Unternehmen Streisand Hugo Buchhandlung und Antiquariat Nachfolgerin Ursula Zilli befindet sich in der Stadt Berlin, Region Berlin. Die Rechtsanschrift des Unternehmens lautet KÖNIGSTR. 61A. Der Umfang des Unternehmens Einzelhandel, Grosshandel. Bei anderen Fragen rufen Sie 030/8053679 an.

    Joachim Streisand
    https://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Streisand

    Joachim Streisand (* 18. Oktober 1920 in Berlin; † 6. Januar 1980 in Ost-Berlin) war ein deutscher Historiker.

    Sein Vater Hugo Streisand betrieb im Westen Berlins eine Buchhandlung, die von bekannten Persönlichkeiten aus der Kunst, den Naturwissenschaften und der Schriftstellerei aufgesucht wurde. Sein Vater stand vor 1945 der Sozialdemokratie nahe und kannte u. a. Karl Kautsky, Eduard Fuchs und Dawid Borissowitsch Rjasanow (Dawid Borissowitsch Goldendach). Im Laufe der Jahre wandelte er seine Buchhandlung in ein wissenschaftliches Antiquariat um. Sein Vater verfasste auch Aufsätze wie über Ludwig Gall und die Gestalten der Geschichte der utopischen sozialen Konzeptionen. In diesem Umfeld wurde Joachim Streisand früh durch die Ansichten seines Vaters beeinflusst. Seine Schwester ist die Kirchenhistorikerin Rosemarie Müller-Streisand.[1]

    1938 erlangte Streisand das Abitur. Danach nahm er hauptsächlich ein Studium der Philosophie und Germanistik auf: von 1938 bis 1939 in Rostock,[2] danach von 1939 bis 1942 in Berlin. Daneben hörte er auch noch Vorlesungen in den Fächern Romanistik, Anglistik, Psychologie, Kunstgeschichte und Geschichte. Weiterhin entwickelte er ein Interesse für Mathematik, Physik und absolvierte zusätzliche Prüfungen in der lateinischen und griechischen Sprache. Auch moderne Sprachen interessierten ihn, so dass er die englische und französische Sprache fließend sprechen konnte. Zudem eignete er sich Kenntnisse der schwedischen, italienischen und spanischen Sprache an. Später lernte er die russische Schriftsprache, um russische Texte selbständig lesen zu können.

    Gemäß der Nürnberger Rassegesetze wurde er 1942 von der Universität vertrieben. Bei der Opta Radio AG arbeitete er von 1942 bis 1944 anfangs in Berlin, dann in Goldberg in Schlesien in einem Labor. 1944 wurde er in ein Zwangsarbeitslager nach Jena deportiert. Von dort flüchtete er im März 1945 nach Berlin und hielt sich dort versteckt bis Mai 1945 auf.

    Von Juni bis Dezember 1945 arbeitete er als stellvertretender Leiter des Schulamtes. Dann wechselte er an die Volkshochschule Berlin-Charlottenburg und hielt dort von 1946 bis 1948 Einführungsvorlesungen in den Fächern Philosophie, Soziologie und Probleme der Gesellschaftswissenschaften. Daneben leitete Streisand Arbeitskreise und -gemeinschaften über soziale und politische Bewegungen, die Französische Revolution, zu marxistischen Persönlichkeiten und zum dialektischen Materialismus. Seine eigenen Studien setzte er an der Universität Berlin fort und hörte Vorlesungen bei Alfred Meusel und Jürgen Kuczynski. Dabei wurde er Zeuge, wie es in Meusels Seminaren 1947 und 1948 zu großen politischen Disputen kam. Am Institut für Zeitgeschichte nahm er von September 1947 bis Juni 1948 eine Nebenbeschäftigung auf.

    1946 wurde Streisand Mitglied im Kulturbund, im April 1948 trat er der SED bei, was zur Entlassung aus der Volkshochschule führte. 1950 konnte er eine Stellung als Lehrbeauftragter für Musikgeschichte am Staatlichen Konservatorium antreten, danach als Lehrer beim DEFA-Studio für Gegenwartskunde. 1951 konnte er an der Humboldt-Universität als wissenschaftlicher Hilfsassistent Vorlesungen der neueren deutschen Geschichte wie die deutschen Einigungsbestrebungen im 19. Jahrhundert und später zur deutschen Geschichte von 1789 bis 1871 abhalten.

    1952 schrieb er seine Dissertation zum Thema Kritisches zur deutschen Soziologie, die sich hauptsächlich mit dem Soziologen Karl Mannheim beschäftigte. Die Gutachter dieser Arbeit waren Alfred Meusel und Heinz Kamnitzer. Die Arbeit und die mündlichen Prüfung konnte er mit der Bewertung summa cum laude abschließen. Da sein Betreuer Meusel zum Direktor des Museums für Deutsche Geschichte ernannt wurde, folgte Streisand ihm im Januar 1952 und übernahm als stellvertretender Leiter dort den historischen Zeitabschnitt von 1848 bis 1895. 1953 ernannte man ihn zum Abteilungsleiter. Weiterhin übernahm er Aufgaben im wissenschaftlichen Beirat der Wartburg. 1955 verließ er das Museum.

    Von 1953 bis 1957 wirkte er in Zusammenarbeit mit Fritz Klein an der Redaktion der Zeitschrift für Geschichtswissenschaft (ZfG) mit, da er zu den Begründern dieser Fachzeitschrift gehörte. Dabei betreute er die Veröffentlichungen zur deutschen und westeuropäischen Geschichte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts.

    Von 1956 bis 1963 betätigte er sich als wissenschaftlicher Referent an der Akademie der Wissenschaften. Im Dezember 1962 hatte er seine Habilitationsschrift mit dem Thema Die deutsche Geschichtsschreibung in den politischen und ideologischen Auseinandersetzungen des 18. Jahrhunderts – Von der Frühaufklärung bis zur deutschen Klassik an der Martin-Luther-Universität Halle abgegeben. 1963 erhielt er an der Humboldt-Universität Berlin einen Lehrauftrag und wurde zum Direktor des Instituts für deutsche Geschichte ernannt. Von 1969 an lehrte er als ordentlicher Professor und übernahm als Direktor die neue Sektion Geschichte bis 1974. 1971/72 war er dort an der politisch motivierten Relegation und Maßregelung von 13 Studenten beteiligt.

    Von 1968 an wirkte er als Präsident der Historiker-Gesellschaft der DDR, die vorher von Ernst Engelberg und Gerhard Schilfert geleitet wurde. Diese Stellung übernahm er für die nächsten zwölf Jahre bis zu seinem Ableben. Seit 1975 war Streisand Ordentliches Mitglied der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der DDR.

    Seit 1945 war er mit der Schauspielerin Hildegard Lücke verheiratet, die später bei der Regie am Deutschen Theater zu Berlin mitarbeitete. Nach der Scheidung 1961 lebte er in einer Lebensgemeinschaft. 1969 wurde ihm der Nationalpreis der DDR verliehen.

    Von 1958 bis 1980 war er als Inoffizieller Mitarbeiter mit Decknamen „Montag“ für das Ministerium für Staatssicherheit tätig.[3]

    Die Schriftstellerin Lea Streisand ist Streisands Enkelin.

    Um die Einheit Deutschlands – Die Revolution 1848/49. Berlin 1953.
    Der Kampf von Marx und Engels für die demokratische Einigung Deutschlands. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft (ZfG). Heft 2, 1953, S. 242.
    Bismarck und die deutsche Einigungsbewegung des 19. Jahrhunderts in der westdeutschen Geschichtsschreibung. In: ZfG. Heft 3, 1954, S. 349.
    Die Wartburg in der deutschen Geschichte. Berlin 1954.
    mit Fritz Klein (Hrsg.): Beiträge zu einem neuen Geschichtsbild. Zum 60. Geburtstag von Alfred Meusel. Berlin 1956.
    Deutschland von 1789 bis 1815. Von der Französischen Revolution bis zu den Befreiungskriegen und dem Wiener Kongreß. Berlin 1959; Neudruck 1981.
    Deutschland und Frankreich am Ende des 19. Jahrhunderts. In: Historische Forschungen in der DDR. Analysen und Berichte (= ZfG. Sonderheft), Berlin 1960.
    Deutschland 1789–1815 – Lehrbuch der deutschen Geschichte (Beiträge). Berlin 1961.
    als Hrsg.: Studien über die deutsche Geschichtswissenschaft. Band I: Die deutsche Geschichtswissenschaft vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Reichseinigung von oben. Berlin 1963; 2. Auflage, Berlin 1969.
    Geschichtliches Denken von der deutschen Frühaufklärung bis zur Klassik. Berlin 1964.
    Deutsche Geschichte in 3 Bänden. Band I: Von den Anfängen bis 1789. Band II: Von 1789 bis 1917 (Leiter des Autorenkollektivs), Berlin 1965.
    als Hrsg.: Die bürgerliche deutsche Geschichtsschreibung von der Reichseinigung von oben bis zur Befreiung Deutschlands vom Faschismus. Berlin 1965.
    Geschichtliches Denken – Von Der Deutschen Frühaufklärung bis zur Klassik. Berlin 1967.
    Lehrbuch der deutschen Geschichte (Beiträge). Band 6: Deutschland 1815–1849. Von der Gründung des Deutschen Bundes bis zur bürgerlich-demokratischen Revolution. Berlin 1967.
    Deutsche Geschichte in einem Band. Ein Überblick. Berlin 1968.
    als Hrsg.: Deutsche Geschichte. Band 3: Von 1917 bis zur Gegenwart. Berlin 1968.
    Deutsche Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart – Eine marxistische Einführung. Köln 1970, 4. Aufl. 1983, mit Beitrag von Georg Fülberth.
    Geschichtsforschung und Geschichtsschreibung auf dem Wege zur sozialistischen Menschengemeinschaft. In: Helmut Meier, Walter Schmidt (Hrsg.): Geschichtsbewusstsein und sozialistische Gesellschaft. Berlin 1970.
    Kritische Studien zum Erbe der deutschen Klassik. Frankfurt am Main 1971.
    mit Jürgen Kuczynski: Parteilichkeit und Objektivität in der Geschichte. Berlin (West) 1972 (= Kategorien und Perspektiven der Geschichte. Reprint aus: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, Berlin 1956, 1957, 1958).
    Alfred Meusels Weg vom bürgerlich-demokratischen Soziologen zum marxistisch-leninistischen Historiker. In: ZfG. Heft 9, 1975, S. 1029.
    Über Begriffsbildung in den Geschichtswissenschaften. In: Wolfgang Küttler (Hrsg.): Probleme der geschichtswissenschaftlichen Erkenntnis. Berlin 1977.
    mit Jürgen John u. a.: Historischer Führer, Stätten und Denkmale der Geschichte in den Bezirken Erfurt, Gera, Suhl. Leipzig 1978.
    Frankreich im Geschichtsbild des deutschen Faschismus. In: Revue d’Allemagne. Heft 4, 1978, S. 528.
    Herders Geschichtsdenken. In: Walter Dietze (Hrsg.): Herder-Kolloquium 1978. Weimar 1980.
    Die historische Stellung von Johann Gottfried Herders Theorie menschlicher Kultur. In: ZfG. Heft 5, 1980, S. 415.
    Kultur in der DDR. Studien zu ihren historischen Grundlagen und ihren Entwicklungsetappen. Berlin 1981.
    mit Horst Bartel, Lothar Berthold, Helmut Bock, Ernst Diehl, Dieter Fricke, Heinz Heitzer, Joachim Hermann, Dieter Lange und Walter Schmidt: Deutsche Geschichte in zwölf Bänden. Berlin 1982.

    Ilko-Sascha Kowalczuk: Streisand, Joachim. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 2. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.
    Deutsche Biographische Enzyklopädie, Band 9, Saur, München 1998.
    Hans Schleier: Joachim Streisand 1920 bis 1980. In: Heinz Heitzer, Karl-Heinz Noack, Walter Schmidt: Wegbereiter der DDR-Geschichtswissenschaft – Biographien. Dietz, Berlin 1989, ISBN 3-320-01055-7.
    Lea Streisand: Im Sommer wieder Fahrrad, Ullstein Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-5500-8130-9.

    Literatur von und über Joachim Streisand im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

    ↑ Hanfried Müller: Erfahrungen – Erinnerungen – Gedanken. Zur Geschichte von Kirche und Gesellschaft in Deutschland seit 1945. GNN Verlag, Schkeuditz 2010, ISBN 978-3-89819-314-6, S. 40.
    ↑ Immatrikulation von Joachim Streisand im Rostocker Matrikelportal.
    ↑ Vgl. Kowalczuk: Streisand, Joachim.

    Personendaten
    NAME Streisand, Joachim
    KURZBESCHREIBUNG deutscher Historiker
    GEBURTSDATUM 18. Oktober 1920
    GEBURTSORT Berlin
    STERBEDATUM 6. Januar 1980
    STERBEORT Ost-Berlin

    Scherls Straßenführer durch Berlin Ausgabe 1930 (Public Domain) - Digitale Landesbibliothek Berlin
    https://digital.zlb.de/viewer/image/34296031_1930/46-47

    Das Haus Augsburger Straße 38 war das dritte Haus auf der Südseite ab Rankestraße Richtung Westen. Die Lage entspricht der heutigen Hausnummer 39 und ist Teil des Dorint-Hotelkomplex an der Joachimstaler Straße (seit 22.07.2014 Joachimsthaler Straße) und Ausgburger Straße. Im Jahr 1930 galt die Hufeisen-Zählweise, bei Neugestaltung des Viertels wurde der von der Südtangente (Lietzenburger Straße) abgetrennte östliche Teil der Augsburger Straße zwischen Eisenacher und Passauer Straße in Fuggestraße umbenannt und die Hausnummern der westlich verbleibenden Augsburger Straße in sich gegenüberliegende gerade/ungerade Paarungen ab Passauer Straße bis Joachimsthaler Straße, rechts gerade, links ungerade, umsortiert.

    Der Kaupert zeigt die heutige, etwas verwirrende Nummerierung:

    Ehemaliger Bezirk
    Nr. 1-13 ungerade Wilmersdorf
    Nr. 2-18 gerade Schöneberg
    Nr. 19-43 ungerade, 20-44 gerade Charlottenburg

    #Berlin #Charlottenburg-Wilmersdorf #Charlottenburg #Eislebener_Straße #Shoa #librairie #histoire
    #Renate

  • Berlin-Staaken: Leiche nach Brand in Villa von Feinkost-König entdeckt
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/berlin-leiche-nach-brand-villa-von-feinkost-koenig-entdeckt-li.2326

    In der Villa der Familie Rogacki hat es gebrannt.

    20.5.2025 von Andreas Kopietz - Die Berliner Feuerwehr wurde am Montagnachmittag nach Staaken gerufen. In einer Villa eines bekannten Feinkostunternehmers war ein Feuer ausgebrochen.

    Bei einem Brand in einem Einfamilienhaus in Spandau ist am Montag ein Mann ums Leben gekommen. Die Berliner Feuerwehr wurde gegen 12 Uhr in den Finkenkruger Weg im Ortsteil Staaken alarmiert.

    Nach Angaben eines Feuerwehrsprechers war der Brand im Wintergarten des Hauses ausgebrochen. Die Flammen griffen dann auf das Haus und das Dach über.

    Als die Feuerwehr eintraf, habe das Haus im Vollbrand gestanden. „Wir hatten die Meldung, dass sich Menschen im Haus befinden würden“, sagte der Feuerwehrsprecher. „Deshalb wurde eine Personensuche eingeleitet.“ Dabei sei eine männliche Leiche gefunden worden. Rund 80 Feuerwehrleute waren nach Angaben des Feuerwehrsprechers im Einsatz.
    Identität der Leiche weiter unklar

    Nach Informationen aus Ermittlerkreisen gehört das Haus einem alteingesessenen Feinkosthändler aus Charlottenburg, der „Spezialitäten aus aller Welt“ anbietet. Eine offizielle Bestätigung lag am Dienstagabend allerdings nicht vor.

    Auch zur Identität des Toten gab es zunächst keine gesicherten Angaben. Der Leichnam soll obduziert werden. Ob es sich dabei um den 68-jährigen Firmeninhaber handelt, war bis zum Abend unklar. Die Ursprünge des Familienunternehmens reichen bis ins Jahr 1928 zurück.

    Rogacki - Delikatessen seit 1928 in Berlin
    https://www.rogacki.de

    Bei uns gibt es Spezialitäten aus aller Welt · Eigene Importe · Frische und lebende Fische · Aal- und Fischräucherei · Fischbraterei · Hähnchenbraterei · Imbissabteilung · Wild und Geflügel · Feinste Wurstwaren · Frischfleisch · Salat- und Marinadenherstellung · Schlemmerecke · Pastaecke · Frische Brote · Käse · Erlesene und ausgesuchte Weine

    Was uns auszeichnet

    Meine Großeltern, Paul und Lucia Rogacki, eröffneten 1928 einen Räucherwarenhandel im Bezirk Wedding. Seit 1932 sind wir hier in der Wilmersdorfer Straße als erste Charlottenburger Aal- und Fischräucherei ansässig geworden. Seitdem ist die Herstellung von geräuchertem Fisch unsere Spezialität.

    Unser Angebot entwickeln wir kontinuierlich weiter. Inzwischen umfasst unserer Sortiment auch Wild, Geflügel, Wurst und Fleisch. Besonders stolz bin ich auf unser Fischsortiment mit ca. 70 Sorten frischen sowie lebenden Fischen. 2018 feierten wir unser 90. Firmen-Jubiläum.

    Lesen Sie mehr über uns in der Chronik oder besuchen Sie uns einfach einmal und schauen sich um.

    Ramona und Dietmar Rogacki

    Unsere Tradition

    Von der Räucherfisch-Bude bis zum modernen attraktiven Feinkost- und Delikatessen-Geschäft sind genau 45 Jahre vergangen. Die renommierte “Erste Charlottenburger Aal- und Fischräucherei”, wie sich das eingesessene Unternehmen heute noch nennt, ist mit der Zeit gegangen und scheute sich nicht, eine gewisse Diversifikation zu praktizieren. Man ist mit dem Sortiment so in die Breite gegangen, dass heute dem verwöhnten Feinschmecker wie dem Freund eines deftigen Happens alles offeriert werden kann. Mehr zu unserer Geschichte >

    Unser Geschäft befindet sich zwischen der Bismarck- und Zillestraße am U-Bahnhof Bismarckstraße

    Bitte nutzen Sie auch das Parkhaus der Deutschen Oper in der Zillestraße 51 (2 Minuten Fußweg von hier)

    Öffnungszeiten

    Montag
    Geschlossen
    Di - Do
    10:00 - 18:00
    Freitag
    09:00 - 18:00
    Samstag
    08:00 - 14:00
    Sonntag
    Geschlossen

    Unser Backstand ist Dienstag - Samstag täglich ab 8:00 Uhr für Sie geöffnet.

    Rogacki GmbH & Co. Einzelhandels KG
    Wilmersdorfer Straße 145, 10585 Berlin, Deutschland
    030 3438250
    info@rogacki.de

    https://www.rogacki.de/ueber-uns#Chronik

    #Berlin #Spandau #Finkenkruger_Weg #Charlottenburg #Wilmersdorfer_Straße #Einzelhandel #Geschichte

  • Billard International
    https://www.goyellow.de/home/billard-billard-international-berlin--4mn2xx.html

    War mal

    Knesebeckstr. 38-49
    10719 Berlin (Charlottenburg)
    030 9933912
    http://www.billard-international.de
    http://www.sport-bar-berlin.de

    Öffnungszeiten
    heute 24h geöffnet

    Über uns

    Seit 1967 betreiben wir in der Knesebeckstraße in Berlin am Kurfürstendamm einen der ältesten und größten Billardsalons der Bundesrepublik. Es wurde die gesamte Anlage umgebaut und modernisiert, neue Billards angeschafft, das Internet Café und die Sport Bar Berlin eröffnet. Regelmäßig werden bei uns nationale und internationale Turniere durchgeführt. So waren wir unter anderem Ausrichter des Billard Weltcup Berlin im Dreiband. Sie können bei uns Pool, Snooker und Karambolage Billard spielen. Wir haben ausschließlich Turniertische, die mehrmals im Jahr neu bezogen werden. Weiterhin stellen wir Ihnen Dart, Kicker und Flipper Geräte zur Verfügung. Im Restaurantbereich können Sie Skat, Rommé sowie Schach und Backgammon spielen. In unserem hauseigenen Billardshop bieten wir Ihnen eine Auswahl an Zubehör und Literatur. Brauchen Sie ein Queue, Koffer oder Kreide - wir beraten Sie gerne. Alle Räume sind mit Flachbild Fernsehern ausgestattet, auf denen immer die aktuellen Sportereignisse auf SKY, Eurosport & Sport1 US HD (US-Sport) übertragen werden. Bei schönem Wetter können Sie in unserem gemütlichen Vorgarten eine Berliner Weiße oder einen Cocktail trinken. Es gilt in allen Räumen ein striktes Rauchverbot. Ebenfalls können wir eine komplette Veranstaltung inclusive Turnierorganisation und Pokalverleihung organisieren. Gerne nehmen wir telefonisch Ihre Reservierung entgegen - Hotline: +49 (30) 88 33 912 Wir freuen uns auf Ihren Besuch, sind bei Fragen gern behilflich und wünschen GUT STOß...

    ... und wirklich ...

    BC International Berlin zieht in neues Clubheim
    https://www.kozoom.com/de/billard-karambol/news/bc-international-berlin-zieht-in-neues-clubheim.html

    Gepostet von Markus SCHÖNHOFF am 17. Juli 2020

    KOZOOM - Das Billard International, Berlins größter Billardsaal und viele Jahre Heimat des gleichnamigen BC International Berlin, hat seine Pforten für immer geschlossen. Über 50 Jahre war die Berliner Knesebeckstraße die erste Adresse für Billardspieler. Mit feinem Stil und viel Herz führte die Familie Manasse ihr Lokal. Weltstars der Billardszene waren regelmäßige Gäste und auch die Berliner Hautevolee verbrachte so manche Nacht im Billard International. Die Leidenschaft der Familie Manasse gehörte immer dem Billardsport und auch gravierende Gesetzesänderungen und Auflagen, sowie so manche wirtschaftliche Krisen überstand der Billardsaal, der gern auch mit dem New Yorker „Carom Cafe“ verglichen wurde.

    Doch drei Monate zwangsweise Schließung aufgrund der Corona-Krise war einfach zuviel. Für immer hat die „Legende Billard International“ nun geschlossen. Karsten Witte gibt in einem Statement einen Einblick in die Bedeutung des Billard International und die neue Heimat des BC International Berlin, der auch in der neuen Saison erneut mit Deutschlands Ausnahmespieler Martin Horn in der Bundesliga antritt.

    „BC International e.V. - von der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in die Kaiser-Wilhelm-Straße

    Liebe Billardfreunde,

    eine Ära ist beendet! Einer der ältesten und bekanntesten Billardsäle Deutschlands, „Billard International“ in Berlin, ist ab sofort und unwiderruflich geschlossen. Nachdem in den letzten Jahren Gesetzesänderungen und behördliche Auflagen für die Betreiber immer schwieriger zu bewältigen waren, hat die, durch die Corona-Krise bedingte, viele Wochen anhaltende Schließung des gesamten Lokals, der Familie Manasse nun keine andere Möglichkeit gelassen, als den Betrieb endgültig einzustellen.

    Bereits kurz nach dem Bau der Berliner Mauer, im Jahr 1962, eröffnete Manfred Manasse mit seinem Vater in exponierter Lage und mit Blick auf die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, den Billardsaal am Kurfürstendamm 11. Wenige Monate nach der Eröffnung gewann hier am 16. Dezember 1962 ein ganz Großer des Billardsports, der Belgier Ludo Dielis, seinen ersten internationalen Titel, als er im Alter von 17 Jahren Junioren-Europameister im Zweikampf (Freie Partie & Cadre 47/2) wurde. Dieter Müller gewann bei diesem Turnier übrigens die Bronzemedaille und die Billardwelt wurde auch auf diesen jungen Spieler aufmerksam.

    1968 zog die Familie Manasse mit dem Billardsaal ca. 1 km Richtung Westen, in die Knesebeckstraße 38-49. Hier fanden Billardfreunde aus der ganzen Welt und aller Spielarten 52 Jahre lang eine gepflegte und herzlich geführte Spielstätte. Ende der 1980er Jahre trafen sich an den Billardtischen in der Knesebeckstraße alljährlich die weltbesten Dreibandspieler, da Ursula & Manfred Manasse, als große Förderer des Billardsports, drei Jahre hintereinander die ersten Berliner Austragungen des (BWA-) Weltcups im Hotel Kempinski organisierten (1986 - Sieger Egidio Vieira, 1987 - Junichi Komori und 1988 - Torbjörn Blomdahl). In der Saison 1992/93 betrat ein weiterer, sehr ambitionierter Spieler bei „Billard International“ zunächst die nationale Dreiband-Bühne. Der heute der Weltelite angehörende und seit 2016 auch als Topspieler des BC International e.V. agierende Martin Horn, nahm hier an seiner ersten deutschen Dreiband-Meisterschaft teil und erspielte sich auf Anhieb die Bronzemedaille. Gute Erinnerungen an den Spielort hat sicherlich auch Edgar Bettziche, der hier am 14. März 1993 Deutscher Meister im Finale gegen Christian Rudolph wurde. Auch der Abschluss einer großen Billardkarriere ist bei „Billard International“ gebührend gefeiert worden. Im März 2014 verkündete Günter Siebert, nach einem letzten Sieg im Rahmen einer Bundesligabegegnung (2.Liga) zwischen dem BC International und der BA Bottrop, den zahlreichen Anwesenden, dass er seine aktive Wettkampflaufbahn nunmehr beendet und zukünftig nur noch als vielbeachteter Schlachtenbummler zu genießen sein wird.

    Doch der Verein bleibt aktiv und öffnet ein neues Kapitel! - Die Entwicklung der letzten Wochen kam für den BC Billard International e.V. natürlich denkbar überraschend. Am 19.6. erfuhr der Vorstand, dass die Räume zum 1.7.2020 geschlossen werden und bereits 29.6. hat Marc Verhoeven die 3 vereinseigenen Matchbillards in den neuen Räumen aufgebaut und bezogen. Der Deutsche Vizemeister der gerade beendeten Bundesliga-Saison 2019/2020, hat seine sportliche Heimat nun in Berlin-Lankwitz, Kaiser-Wilhelm-Straße 29 in 12247 Berlin, gefunden. Die neue Spielstätte („PVIEW-billard.de“ betrieben vom Snooker-Ass Malte Schuchert) ist in jedem Fall außergewöhnlich und einen Besuch wert. Das Gebäude wurde ursprünglich wahrscheinlich als Kino konzipiert und die Zuschauer können auch von einem Rang aus das Spielgeschehen überblicken. Nicht nur die Spieler der Bundesliga-Mannschaft sind extrem motiviert, alle Vereinsmitglieder freuen sich auf Spitzensport in der neuen Saison. Der BC International e.V. heißt alle Gäste und Freunde herzlich willkommen in Berlin!

    Karsten Witte“


    Die neue Heimat des BC International in der Kaiser-Wilhelm Str .


    In der neuen Location gibt es auch Rang, von dem man in der neuen Saison auch wieder Martin Horn beobachten kann .

    Damit haben die hier Recht :

    Berlins ältester Billardsalon
    https://www.billardaire.de

    Willkommen im Billardaire!

    Liebe Gäste,

    Berlins ältester Billardsalon freut sich auf Euren Besuch!

    Am Nachmittag ist es kein Problem, für unsere Laufkundschaft einen Tisch bereitzustellen; aber am Abend (vor allem im Winter) solltet Ihr einen Tisch via Internet über unser Reservierungsformular vorbestellen. Wir reservieren bis 20 Uhr, danach geht es der Reihenfolge nach.

    Telefonisch sind wir leider sehr selten erreichbar - wir bitten deshalb um Entschuldigung.

    Ihr könnt bei uns mit maximal vier Personen pro Tisch spielen,

    große Gruppen nehmen wir nachts wegen der Probleme mit den Nachbarn (Lärmbelästigung) gar nicht mehr auf - wir bitten um Euer Verständnis!

    Ansonsten gelten weiterhin die alten Billardaire-Regeln : Gute Laune mitbringen, schlecht Billard spielen und laut Musik hören!!!

    Wir bitten euch ganz dringend, in den Höfen möglichst leise zu sein,

    damit unsere Nachbarn nicht gestört werden!

    Pool, Snooker und Carambolage in Berlin-Schöneberg

    Herzlich Willkommen auf unserer Webseite des Billardaires. Mit nunmehr 33 Jahren ist der Billardaire in Schöneberg der älteste Billardsalon Berlins (das sieht man ihm auch an! ).

    Im Billardaire bieten wir 12 Pool-Billard-, 3 Snooker-Tische und einen Carambolage-Tisch an.

    Schaut Euch um, werft einen Blick in die Galerie und auf unser Angebot. Öffnungszeiten: Mo - Do 16h - 24h / Fr 16h - 2h /

    Sa 14h - 2h / So 14h - 24h

    Immer bis mindestens Mitternacht!

    #Berlin #Charlottenburg #Knesebeckstraße #Schöneberg #Monumentenstraße #Billard #Gastronomie

  • Bestes Steak der Stadt“: Das sind die Lieblingsrestaurants der Berliner Promis
    https://www.berliner-zeitung.de/panorama/bestes-steak-der-stadt-das-sind-die-lieblingsrestaurants-der-berlin

    Basiswissen aus dem Zentrum. Die Geheimtipps in ganz Berlin kennt der kundige Taxifahrer.

    Unter uns gessgt sind die Promiläden einer wie der andere stinklangweilig, und was sich da so an Leuten rumtreibt, braucht man nach Feierabend nun wirklich nicht.auch noch.

    „11.4.2025 von Anne Vorbringer - Fast 150 Berliner Prominente haben der Berliner Zeitung ihre Lieblingsrestaurants verraten. Einige Adressen wurden dabei besonders häufig genannt.

    Seit drei Jahren quetschen wir in unseren Berlin-Fragebögen jede Woche prominente Berlinerinnen und Berliner über die Stadt aus – über ihre Lieblingsorte, ihre No-Go-Areas und Dinge, die sie am Leben hier nerven.

    Iris Berben, Heike Makatsch, Clemens Schick, Anna Maria Mühe, Friedrich Mücke, Sabin Tambrea, Dagmar Manzel, Marie Nasemann, Jella Haase – sie alle und viele mehr waren schon dabei und haben erzählt, wie es sie nach Berlin verschlagen hat, welche Stadtteile ihnen am Herzen liegen und wo sie gern shoppen gehen.

    Nicht fehlen darf auch die Frage nach dem Lieblingsrestaurant, in dem man für einen geselligen Abend immer wieder gern einen Tisch reservieren würde. Die Antworten darauf sind vielfältig, vom Geheimtipp im eigenen Kiez bis zur allseits bekannten Adresse. Häufig wird als Gastro-Hotspot die Kantstraße genannt. Und einige Lokalitäten tauchen immer wieder auf, wie unsere Liste der beliebtesten Promi-Restaurants zeigt.

    1. Borchardt

    Es mag wenig überraschend sein, aber das meistgenannte Restaurant in unserem Fragebogen ist Roland Marys Borchardt. Berlins bekannteste Schnitzeladresse zieht die Promis an: Jakob Diehl liebt es, der Schauspieler Max Bretschneider und Comedian Oliver Polak sowieso. Der 48-Jährige schwärmt: „Das Borchardt vereint New York und Paris an einem Ort. Hohe Decken, mit weißen Tischtüchern eingedeckte Festtafeln, akkurat schwarz-weiß gekleidete Kellner, schummriges Licht, gutes Essen und interessante Menschen. Dort möchte ich mich mit der Panade des Borchardt-Schnitzels zudecken.“

    Nicht nur Kreuzberger Nächte sind lang, Abende im Borchardt sind es auch.

    Nicht nur Kreuzberger Nächte sind lang, Abende im Borchardt sind es auch.Imago

    Schauspielerin Anna Maria Mühe mag das Restaurant am Gendarmenmarkt, weil es viele Facetten von Berlin zeigt: „Es gibt wilde und ruhige Abende dort.“ Und Tarantino-Star Sylvester Groth hat dem Borchardt in unserer Zeitung eine wunderbare Lobhudelei gewidmet: „Ich mag das Borchardt, schon von Anfang an, als es noch nicht so ein Promilokal war. Dieser Raum ist so außergewöhnlich schön, die Kellner sind sehr nett, es gibt gutes Essen, gute Drinks, man kann draußen sitzen, ein Zigarettchen rauchen. Das Borchardt ist für mich das Lokal in Berlin, das einen internationalen Standard hat. Man trifft dort viele Leute: Musiker, Schauspieler, Leute, die man aus dem Fernsehen kennt, mit denen man sonst nicht in Berührung kommt. Dann kommt man ins Gespräch und lernt sich kennen. Das mag ich sehr.“

    Restaurant Borchardt. Französische Straße 47, Mitte, borchardt-restaurant.de

    2. Grill Royal

    Dem Borchardt verdammt dicht auf den Fersen ist der Steak- und Seafoodklassiker Grill Royal an der Friedrichstraße. Hier speisen der Schauspieler Clemens Schick und Bestsellerautor Jan Becker, der konstatiert: „Bestes Steak der Stadt, super Menschen, die dort arbeiten, wunderbarer Champagner und es geht immer bis tief in die Nacht. Kann manchmal auch sehr seltsam werden...“

    Auch Katja Eichinger reserviert im Grill, dabei isst sie eigentlich gar kein Steak. Aber: „Die Menschen, die dort arbeiten, die Mischung der Gäste, die Stimmung hat immer etwas schwirrend Wuschiges – ich gehe ins Restaurant, um mich zu amüsieren, mich wohl zu fühlen und gute Unterhaltungen zu führen. Das kann ich dort.“

    Der Schauspieler Thomas Heinze hat seinen Geburtstag im Grill Royal gefeiert, und alle waren happy damit: „Gutes Essen, guter Wein, gute Atmosphäre plus die nette Terrasse mit Blick auf die Spree, da fühlt man sich ein bisschen wie in Paris. Das geht aber natürlich nur ab und zu.“ Modeunternehmerin Anita Tillmann schwärmt ebenfalls: „Das beste Filet und den besten Vibe gibt’s definitiv im Grill Royal – und im Crackers.“

    Grill Royal. Friedrichstraße 105b, Mitte, grillroyal.com

    3. 893 Ryōtei

    Kommen wir nun zu Adressen, die einem vielleicht nicht sofort einfallen, die aber ebenfalls mehrfach genannt wurden als Favoriten in unseren Berlin-Befragungen. Da wäre zum Beispiel das angesagte japanische Sushi-Restaurant 893 Ryōtei, das nicht nur Anita Tillmann liebt, sondern auch Filmproduzentin Regina Ziegler und Schauspieler Constantin von Jascheroff.

    Im Restaurant hinter der verspiegelten, mit Graffiti besprühten Fassade geht es lebhaft zu, Berlins Gastro-Star The Duc Ngo bietet eine breit ausgelegte japanische Küche, gespickt mit anderen asiatischen, aber auch südamerikanischen und europäischen Einflüssen. Sushi, Sashimi, Tempura und Tataki überzeugen auch den Berliner DJ Alle Farben: „Sollte der Kühlschrank mal nichts hergeben, gehe ich einfach ins 893 Ryōtei.“

    Restaurant 893 Ryōtei. Kantstraße 135/136, Charlottenburg, 893ryotei.de

    4. Lon Men’s Noodle House

    Bleiben wir noch ein wenig auf Berlins bester asiatischer Gastromeile, wo das Lon Men’s Noodle House ebenfalls viele Promis anzieht. Seit 2003 gibt es das Restaurant, das für authentische Speisen aus Taiwan steht, wo Nudelsuppen, Chili-Wan-Tans und Nudeln mit Erdnuss-Sesampaste serviert werden.

    Bestsellerautor Mohamed Amjahid schwärmt: „Vor kurzer Zeit war ich in Lon Men’s Noodle House auf der Kantstraße. Das war köstlich.“ Auch der Schauspieler Constantin von Jascheroff mag die scharfen Speisen, Theaterstar Samuel Finzi zählt das Restaurant ebenfalls zu seinen Favoriten und bekannte 2022, er möge nicht nur das Kimchi Princess und die Long March Canteen, sondern eben auch das Lon Men’s Noodle House. Denn: „Eigentlich kann ich jeden Tag Wan-Tan-Suppe essen – unbedingt scharf. Ich mag im Noodle House die präzise Geschwindigkeit und die unglaubliche Arbeitsorganisation des Familienbetriebs auf dem kleinen Platz.“

    Lon Men’s Noodle House. Kantstraße 33, Charlottenburg, lonmen.eatbu.com

    5. Sale e Tabacchi

    Das Sale e Tabacchi ist ein Klassiker der Berliner Gastro-Landschaft, unter den hohen Restaurantdecken schmeckt es nicht nur Hollywoodstars wie George Clooney und Willem Dafoe. Bei Minestrone, Ravioli oder Tagliatelle langen auch deutsche Promis gern zu.

    Zuletzt hat Clemens Schick, der seit seinem Auftritt im James-Bond-Film „Casino Royale“ selbst Hollywood-Vibes atmet, das Sale e Tabacchi zu einem seiner Lieblinge gekürt. „Tatort“-Star Fabian Hinrichs tut sich zwar schwer mit Berliner Lieblingsorten – der Schauspieler ist mit seiner Familie der Hauptstadt entflohen und lebt mittlerweile in Potsdam –, doch mit dem Jolesch, dem Goldenen Hahn und dem Sale e Tabacchi kann er sich immer noch super verbinden. Und Architekt Max Dudler weiß: „Das beste Ragù für die Tagliatelle machen sie bei Sale e Tabacchi, weil der macht es mit Lamm.“

    Ristorante Sale e Tabacchi. Rudi-Dutschke-Straße 25, Kreuzberg, sale-e-tabacchi.de

    6. Bocca Felice

    Natürlich verrät nicht jeder Promi sein Lieblingsrestaurant, schließlich will man ja in Ruhe essen und seine wirklichen Geheimtipps gern für sich behalten. Und so erhalten wir im Fragebogen oft ausweichende Antworten à la „ich koche gern zu Hause“ oder „ich geh mit Freunden einfach in den Park um die Ecke zum Picknick“.

    Eine interessante Antwort gab auch Wolfgang Kubicki: „Ich habe nach einiger Zeit hier in Berlin ein feines italienisches Restaurant gefunden, das ich wirklich gerne besuche. Da ich um die Reichweite Ihrer Zeitung weiß, werde ich hierzu nichts weiter sagen, damit es ein geheimer Tipp bleibt. Ich habe mich selbst zur Verschwiegenheit verpflichtet.“

    Nun, das akzeptieren wir natürlich, und vielleicht liegen wir auch falsch. Aber es gibt einen Hotspot in der unscheinbaren Seydelstraße in Mitte, auf dessen Instagram-Account immer wieder bekannte Gesichter aus dem politisch-prominenten Berlin auftauchen: Von Nancy Faeser über Waldemar Hartmann, Jeremy Fragrance, Jens Spahn, Franca Lehfeldt, Paul Ronzheimer, Til Schweiger, Arthur Abraham bis eben Wolfgang Kubicki ist dort eigentlich jeder zu sehen, den das Who’s Who der Hauptstadt so hergibt. Kein Wunder: Das Essen im Bocca Felice ist ausgezeichnet, der Service grandios. Ein Pairing, das in Berlin nicht eben häufig anzutreffen ist.

    Ristorante Bocca Felice. Seydelstraße 16, Mitte, bocca-felice.de*

    #Berkin #Mitte #Charlottenburg #Kreuzberg #Gastronomie

  • Abriss der maroden A100-Brücke: So viel Entschädigung bekommen Anwohner
    https://www.berliner-zeitung.de/news/abriss-der-maroden-a100-bruecke-so-viel-entschaedigung-bekommen-die

    9.4.2025 von Christian Gehrke - Der Abriss der Ringbahnbrücke in Charlottenburg startet am Freitag. Weil das sehr laut werden kann, gibt es für Anwohner eine Entschädigung.

    Anwohner, die vom Abriss der maroden Brücke der A100 betroffen sind, bekommen eine Entschädigung. Die Arbeiten seien lärmintensiv und könnten auch am Wochenende und nachts stattfinden, teilte die Autobahn GmbH am Mittwoch in einem Schreiben an die Anwohner mit, aus dem der RBB zitiert.

    Menschen in einem Teil der A100-zugewandten Seite der Dernburgstraße haben dem Bericht zufolge ein Angebot erhalten. Demnach werden pro Person und Nacht zwischen dem 10. und dem 17. April 100 Euro für eventuelle Hotelkosten gezahlt.

    Die Brücke am Dreieck Funkturm war im März kurzfristig für den Autoverkehr gesperrt worden. Schließlich wurde auch der Ringbahn-Verkehr unterhalb der Brücke unterbrochen. Der Abriss soll am Freitag beginnen und bis spätestens Ende April abgeschlossen sein. Danach soll auch die Ringbahn, die noch zwischen Halensee und Westend unterbrochen ist, wieder fahren.

    #Berlin #Charlottenburg #Witzleben #Dernburgstraße #Verkehr #A100

  • Wieder Ärger auf der A100: Auffahrt Spandauer Damm wird gesperrt
    https://www.berliner-zeitung.de/news/sperrung-der-a100-auffahrt-spandauer-damm-richtung-wedding-wird-ges

    Sperrung der A100: Auffahrt Spandauer Damm Richtung Wedding wird gesperrt

    31.3.2025 von Eva Maria Braungart - Die Sperrung der Ringbahnbrücke in Charlottenburg sorgt bei den Autofahrern für mächtig Ärger. Nun gibt es eine weitere Hiobsbotschaft. Eine Auffahrt muss gesperrt werden.

    Die Sperrung der Ringbahnbrücke auf der Autobahn A100 in Charlottenburg sorgt seit knapp zwei Wochen für Ärger bei Berlins Autofahrern. Wie die Verkehrsinformationszentrale (VIZ) am Montagnachmittag auf der Plattform X mitteilte, müssen sich die Verkehrsteilnehmer auf eine weitere Sperrung einstellen.

    Aufgrund von Reparaturarbeiten musste zunächst auf der A100 in Richtung Wedding die rechte Fahrbahn bei der Auffahrt Spandauer Damm gesperrt werden. Wenige Stunden später stand dann fest: Die gesamte Auffahrt Spandauer Damm muss wegen der Arbeiten gesperrt werden. Wann die Reparaturen abgeschlossen sein werden, ist offenbar noch unklar.

    #Bauarbeiten auf der #A100 Richtung Wedding. In der #Auffahrt Spandauer Damm ist der rechte Fahrstreifen gesperrt.
    — Verkehrsinformationszentrale Berlin (VIZ Berlin) (@VIZ_Berlin) March 31, 2025

    Die Sperrung der Ringbahnbrücke an dem wichtigen Verkehrsknoten kam überraschend. Mittlerweile rollt der Verkehr Richtung Norden wieder auf einer Spur über die Gegenfahrbahn – Lkw müssen den Bereich allerdings weiträumig umfahren. Auf der A100 kommt es vor allem im Berufsverkehr regelmäßig zu Verzögerungen.

    Die Sperrung sorgt auch bei Fahrgästen der S-Bahn für Ärger. Wegen der Einsturzgefahr der Brücke ist auch der Ringbahnverkehr für S-Bahnen für unbestimmte Zeit zwischen Halensee und Westend gestoppt worden.

    #Berlin #Charlottenburg #Spandauer_Damm

  • Charlottenburg-Wilmersdorf: Taxifahrer stirbt nach schwerem Verkehrsunfall
    https://www.berliner-zeitung.de/news/charlottenburg-wilmersdorf-taxifahrer-stirbt-nach-schwerem-verkehrs

    Im Westen nichts neues könnte der Titel dieser Meldung lauten. Die Arbeit im Taxi und der geringe Verdienst machen krank. 65 Jahre ist ein normales Alter zum Sterben in dem Job.

    13.3.2025 - Ein 65-Jähriger kommt auf dem Heilmannring in Charlottenburg von der Fahrbahn ab und stößt mit mehreren Autos zusammen. Er stirbt noch am Unfallort.

    In Charlottenburg-Wilmersdorf ist es am Mittwochabend zu einem schweren Verkehrsunfall mit einem Toten gekommen. Nach Angaben der Polizei fuhr ein 65-jähriger Taxifahrer gegen 22.45 Uhr den Heilmannring entlang. Hier kam er aus bislang unerklärlichen Gründen in der Nähe der Einmündung zum Halemweg von der Fahrbahn ab. Dabei stieß er mit mehreren am Rand geparkten Autos zusammen und beschädigte insgesamt fünf Autos sowie eine Straßenlaterne.

    Trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen verlor der Fahrer nach dem Unfall das Bewusstsein und verstarb noch am Unfallort. Ein Fachkommissariat für Verkehrsdelikte der Polizeidirektion 2 führt derzeit umfassende Ermittlungen zur Ursache des Unfalls durch.

    Quelle: Polizei Berlin

    #Berlin #Charlottenburg-Nord #Heilmannring #Taxi #Arbeit #Krankheit

  • Peter Lorre in Stranger on the Third Floor (1940)
    https://www.youtube.com/watch?v=zI4IyhDs3Go

    Come along, I’ll see that nothing happens to you.

    https://taz.de/!6071534

    11.3.2025 - Noir Original

    „Stranger on the Third Floor“ von 1940 gilt historisch als erster Film noir. Der Thriller mit Peter Lorre und John McGuire taucht tief in Angst und ungerechtfertigte Verfolgung ein. Ein Journalist beschuldigt fälschlicherweise einen Taxifahrer, nur um später selbst Opfer einer ähnlichen Anschuldigung zu werden. Während seine Verlobte die Wahrheit zu ergründen versucht, nehmen Argwohn und Gefahr zu. Boris Ingsters präzise Regie und Nicholas Musuracas kontrastreiches Lichtdesign unterstreichen die charakteristische Ästhetik des Genres. Der Film läuft heute um 20 Uhr in Originalfassung im Charlottenburger Klick-Kino im Rahmen der Noir-Retrospektive „Schatten und Schicksal“.

    #film_noir #film #émigration #USA
    #cinéma #Berlin #Charlottenburg #Windscheidtstraße

  • Charlottenburg: SPD schlägt Umbenennung des Hindenburgplatzes auf dem Olympiagelände vor
    https://www.berliner-zeitung.de/news/charlottenburg-spd-schlaegt-umbenennung-des-hindenburgplatzes-auf-d

    12.12.2024 - Die SPD-Fraktion hat in der Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf einen Antrag zur Umbenennung des Hindenburgplatzes eingebracht. Das ist der Plan.

    In der 37. öffentlichen Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf am Donnerstag hat sich das Gremium mit einem Antrag der SPD-Fraktion beschäftigt, der die Umbenennung des Hindenburgplatzes auf dem Olympiagelände vorsieht. Ein neuer Name soll sowohl historische als auch sportliche Bezüge zum Olympiagelände aufweisen, teilte das Bezirksamt mit.

    Als Vorschlag brachte die SPD-Fraktion die Fechterin Helene Mayer ins Gespräch, die 1936 die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Berlin gewann. Mayer, geboren am 20. Dezember 1910, war eine Athletin, die aufgrund der jüdischen Herkunft ihres Vaters in ihrer Karriere mit Hindernissen konfrontiert war. Sie erreichte dennoch zahlreiche Titel in Deutschland und den USA.

    Im Antrag wird betont, dass Paul von Hindenburg eine umstrittene historische Figur war, die durch seine Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler 1933 die Machtübernahme der Nationalsozialisten ermöglichte. Eine Umbenennung des Platzes wäre ein symbolischer Akt, um sich von der Glorifizierung dieser Zeit zu distanzieren und stattdessen einen Namen zu wählen, der die heutigen Werte und die Identität des Olympiaparks besser widerspiegelt. Bis zum 30. April 2025 wird das Bezirksamt über die Entwicklungen in dieser Angelegenheit berichten.

    Quelle: Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf

    Bei der Erstellung des Artikels wurden KI-Technologien eingesetzt.

    Kaupert : Hindenburgplatz
    https://m.kauperts.de/Strassen/Hindenburgplatz-14053-Berlin

    PLZ 14053
    Ortsteil Westend
    ÖPNV —
    Verlauf an Friedrich-Friesen-Allee
    Falk Planquadrat K 8

    Zuständigkeiten
    Arbeits­agentur Berlin Nord
    Jobcenter Charlottenburg-Wilmersdorf
    Amts­gericht Charlottenburg
    Grundbuchamt Charlottenburg
    Familien­gericht Kreuzberg
    Finanz­amt Charlottenburg
    Polizei­abschnitt A 22
    Verwal­tungs­bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf

    Geschichte
    Alter Bezirk Charlottenburg

    #Berlin #Charlottenburg-Wilmersdor

  • Charlottenburger Anwohner von Verdrängung bedroht: Milieuschutz für Schloßstraße trotzdem abgelehnt
    https://www.berliner-zeitung.de/news/charlottenburger-anwohner-von-verdraengung-bedroht-milieuschutz-fue

    11.10.2024 von BLZ - Ein Antrag, Gebiete in Charlottenburg-Wilmersdorf zu Milieuschutzgebieten zu machen, wurde abgelehnt. Viele Haushalte sind von Verdrängung bedroht.

    Ein Einwohnerantrag für die Errichtung von Milieuschutzgebieten in Charlottenburg-Wilmersdorf ist am Mittwoch abgelehnt worden. Der Stadtentwicklungsausschuss der Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf entschied, dass es um den Amtsgerichtsplatz und die Schloßstraße keine Schutzgebiete geben wird. Eine Petition mit mehr als 1600 Unterschriften hatte den Antrag unterstützt, wie die Linksfraktion im Bezirk auf Facebook mitteilte.

    Ein bereits 2022 von den Antragstellern gefordertes Gutachten hatte aufgezeigt, dass über 40 Prozent der Haushalte in diesen Gebieten von Verdrängung bedroht sind. Ziel des Milieuschutzes wäre es, den Bewohnern Schutz vor Luxussanierungen und Kündigungen wegen Eigenbedarfs zu bieten. Jedoch lehnten CDU, Grüne und FDP den Antrag unter Verweis auf fehlende finanzielle Mittel ab. Laut der Linksfraktion sei die Entscheidung jedoch politischer Natur, da CDU und Grüne beschlossen hätten, keine neuen Milieuschutzgebiete mehr zu schaffen.

    Quelle : https://www.facebook.com/linksfraktionCW?__cft__[0]=AZXLwfSgwO_cpZia0hxzlvbaIRiJ6alFRdrmrrXWXvst82L

    #Berlin #Charlottenburg

  • Ignatz Nacher: Wie die Nazis gegen den jüdischen Bierpionier aus Berlin intrigierten
    https://www.berliner-zeitung.de/open-source/berliner-bierpionier-ignatz-nacher-wie-die-nazis-gegen-den-juedisch

    9.8.2024 von Stephan Porwol0 - Ignatz Nacher gehörte zu den Wirtschaftsgrößen der Weimarer Republik. Er erfand unter anderem das Flaschenpfand. Warum gibt es in Berlin keinen würdigen Gedenkort?

    Ignatz Nacher gehörte als Berliner Unternehmer zu den Wirtschaftsgrößen der Weimarer Republik und schuf als Generaldirektor der Engelhardt-Brauerei das gleichnamige Bier, welches auch heute noch in der Hauptstadt getrunken wird. Der Deutsche Wirtschaftsführer zählt 1929 in einem langen biografischen Eintrag weitere hohe Funktionen Nachers in der deutschen Brauereiwirtschaft auf: vor allem in den profitablen Engelhardt-Holdings, deren Aufsichtsratsvorsitzender er war, der Berliner Malzbierbrauerei Groterjan, der Hofbräu AG zu Bamberg oder der ebenfalls in Berlin gelegenen Borussia-Brauerei. Eine umfangreiche Verbandstätigkeit kam hinzu.

    Überdies ist der Name Engelhardt auch heute noch im Berliner Stadtbild präsent, so in der ehemaligen Brauerei in der Charlottenburger Danckelmannstraße oder dem Stralauer Flaschenkellerturm, einem Bestandteil der Route der Industriekultur. An den Namen Ignatz Nacher erinnert indes nichts mehr in Berlin.
    .
    Wer war dieser Mann?

    Nacher wurde am 25. Januar 1868 in Österreich-Schlesien in äußerst bescheidenen Verhältnissen geboren und betrieb zunächst ein florierendes Zigarrengeschäft. 1901 gelang es ihm, als Teilhaber und Geschäftsführer in die damals noch recht unbedeutende Engelhardt-Brauerei aufgenommen zu werden, deren Aufstieg damit beginnen sollte.

    Damals lag die Brauerei noch in der Chausseestraße 33 in Berlin-Mitte. 1903 wird die ehemalige Josty-Brauerei in der Bergstraße 22, ebenfalls in Mitte, als erste Brauerei übernommen. Das denkmalgeschützte Gebäude steht heute noch. 1905 wird schließlich eine deutlich größere Braustätte in der heutigen Thulestraße 48-64 in Pankow erworben, modernisiert und ausgebaut.

    Der neue Chef machte sich in jenen Jahren bereits mit der Pasteurisierung (Haltbarmachung) von Bier, der Wiederverwendung von Glasflaschen und dem Marketing von alkoholfreiem Malzbier, das besonders gern von schwangeren Frauen getrunken wurde, einen Namen.

    Nacher wandelte die Brauerei sodann 1907 in eine Aktiengesellschaft um und übernahm selbst die Mehrheit des Kapitals. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges kaufte er vier Berliner Brauereien hinzu, woran sich nach dem Krieg eine weitere Übernahmetätigkeit anschloss.

    Mitte der 1920er residierte das nun zu einem Konzern angewachsene Unternehmen in einem repräsentativen Gebäude am Alexanderplatz, dem sogenannten Engelhardthaus und 1926 verfügte es, neben etlichen Dependancen u.a. in Rathenow, Halle an der Saale oder Breslau, über die drei Berliner Braustätten in Pankow als Hauptbrauort, Charlottenburg und Stralau. Engelhardt war nunmehr zum zweitgrößten deutschen Brauereikonzern aufgestiegen.

    Im selben Jahr geschah zudem etwas Ungewöhnliches. Zum 25-jährigen Berufsjubiläum erschien, gewidmet von Vorstand und Aufsichtsrat der Engelhardt-Brauerei Aktiengesellschaft, eine Festschrift mit aufwändig gestaltetem farbigen Einband – zu Ehren Ignatz Nachers. Nun waren Ehrungen in Zeitungen oder Zeitschriften und Festschriften für Unternehmen durchaus nichts Neues, ein eigens herausgegebenes Buch für einen Firmenlenker hingegen schon. Nicht einmal der Branchenprimus Schultheiss oder große Banken und Versicherungen leisteten sich diesen Luxus. Nacher – und mit ihm Engelhardt – war spätestens jetzt unter den deutschen Wirtschaftsgrößen angekommen. Er gehörte zu den bedeutendsten deutschen Industriellen, wobei seine Erfindung des Flaschenpfandes sicher auch ihren Teil zu beitrug.

    Was geschah nach 1933?

    Weniger bekannt ist hingegen immer noch sein Schicksal nach 1933. Der Deutsche Reichsanzeiger vermeldete am 8. August 1933 lediglich nüchtern, dass Ignatz Nacher aus dem Vorstand der Engelhardt-Brauerei Aktiengesellschaft ausgeschieden sei. Dahinter verbarg sich eine Intrige, die auch in der NS-Zeit ihresgleichen sucht. Wie kam es dazu?

    1929 sollten die Berliner U-Bahn und der Alexanderplatz erweitert werden und das Engelhardthaus am Alex stand dabei im Weg. Für 9 Millionen Reichsmark stimmte Nacher einem Verkauf des Gebäudes an die landeseigene Grundstückgesellschaft Berolina zu. Zudem willigte er nach langem Überlegen noch in eine Zuwendung über 120.000 Mark von seinem Privatkonto an die Berolina ein, handelte es sich doch um ein gemeinnütziges Unternehmen. Nacher war bekannt für großzügige Spenden an Witwen und Waisen der Engelhardt-Brauerei durch seinen Ignatz-Nacher-Fonds. Er unterstützte auch arme Studenten eines Ledigenheims in Charlottenburg.

    Diese Angelegenheit interessierte vier Jahre niemanden, erst 1933 mit der Machtübernahme des Nationalsozialisten tauchen Gerüchte auf. Hatte Nacher – womöglich, um einen hohen Preis für das Engelhardthaus zu bekommen – 120.000 Mark an Schmiergeld gezahlt?

    Ein Insider, der ehemalige Engelhardt-Finanzchef Richard Köster, mit dem Nacher sich überworfen hatte, brachte den Stein ins Rollen. Köster, der vier Jahre zuvor die Auszahlung von Nachers Konto vorzunehmen hatte, wandte sich im Frühjahr 1933 an den Berliner Staatskommissar und Goebbels-Vertrauten Julius Lippert. Der bestellte Nacher am 19. Mai zu sich. Eingeschüchtert willigte Nacher ein, die Leitung des Unternehmens in „arische Hände“ zu übergeben und 2,5 Millionen Reichsmark als „Entschädigung“ für den angeblich überhöhten Kaufpreis zu entrichten. Der sogenannte Judenboykott vom 1. April, samt dem Ausspruch „Deutsche! Wehrt Euch! Kauft nicht bei Juden!“, hatte Nacher wohl verunsichert. Im Aufsichtsrat nahmen zügig Vertreter der Dresdner Bank Platz und Richard Köster rückte wieder in den Engelhardt-Vorstand in Berlin auf. Nacher hatte ihn zuvor von Berlin in die Provinz versetzt.

    Da Nacher aber immer noch über bedeutende Aktienanteile verfügte, versuchte man ihn nun vollends zugrunde zu richten. Man verhaftete ihn kurzzeitig im November 1933 und dann nochmals im Sommer 1934. Nacher erlitt mehrere gesundheitliche Zusammenbrüche und sah sich nun gezwungen seine Aktien weit unter Wert an die Dresdner Bank zu veräußern. Im Endeffekt ging damit auch die Brauerei in den Besitz der Bank über.

    Damit noch nicht genug, sicherte sich Friedrich Flick auch noch Nachers bayrisches Landgut Sauersberg, das dieser, nun finanziell in Not geraten, im Jahre 1937 verkaufen musste. Nachlesen kann man diese skandalösen Vorgänge im gut recherchierten und breit rezipierten Buch „Braunes Erbe“ von David de Jong aus dem Jahr 2022. Nachher konnte damit zumindest vorläufig den Weg in die völlige Mittellosigkeit verhindern, sein Lebenswerk aber war zerstört.

    Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges entkam Nacher, gesundheitlich schwer angeschlagen, in die Schweiz. Er starb verarmt am 15. September 1939 mit 70 Jahren. Man hatte ihm, bevor er seine Ausreisepapiere erhielt, noch mehrere 100.000 Reichsmark „Judenvermögensabgabe“ abgepresst.

    Bis heute gibt es keinen würdigen Gedenkort für Ignatz Nacher. Seine große Wohnung in der Kurfürstenstraße 129 in Berlin-Mitte scheidet als Erinnerungsort wohl aus. Sie wurde durch den Bombenkrieg zerstört und durch einen Nachkriegsbau ersetzt. In der Charlottenburger Danckelmannstraße oder in Stralau stehen indes noch Gebäude, die mit seinem Wirken in Verbindung stehen und dafür fraglos geeignet wären.

    Stephan Porwol ist Lehrer für Geschichte und Englisch und publiziert zur Sport- und Berliner Stadtgeschichte

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