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  • Missing Link : Vom Tiananmen-Massaker zur Netzzensur und digitalen Massenüberwachung in China | heise online
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    Enfin un nouveau hashtag bien chinois : #4689 est un synonyme pour l’intervention militaire sur la place Tian’an Men le 4 juin 1989.

    Von Stefan Krempl

    Der Großteil der Welt gedachte am Dienstag öffentlich dem 30. Jahrestag des blutigen Endes des überwiegend friedvollen Kampfs tausender chinesischer Studenten für mehr Demokratie und Freiheit auf dem Tiananmen-Platz in Peking. Mehrere tausend überwiegend junge Bürger hatten den zentralen Versammlungsort 1989 im Frühjahr zu Glasnost-Zeiten in der befreundeten Sowjetunion einige Wochen lang besetzt und unter anderem gegen die politischen und personellen Folgen der von Mao Zedong losgetretenen Kulturrevolution demonstriert. Die Regierung unter Deng Xiaoping hatte lange darüber gebrütet, wie sie auf die massiven Proteste reagieren sollte. Letztlich setzten sich die Hardliner der Kommunistischen Partei (KP) durch.

    Die angespannte Stimmung kippte Anfang Juni, als das Regime schier aus allen Landesteilen Truppen zusammenzog und mit Panzern ins Zentrum der Hauptstadt lotste. Aus Depeschen der US-Botschaft, die Wikileaks veröffentlicht hat, geht hervor, dass die Menge versuchte, das Militär noch vor dem „Platz des Himmlischen Friedens“ zu stoppen und Fahrzeuge der Streitkräfte sowie der Polizei anzugreifen. Studenten hätten erbeutete Waffen und militärische Ausrüstung zur Schau gestellt, heißt es in den Drahtberichten für Washington. Im Rahmen der Rangeleien sei es in der hitzigen Stimmung am Nachmittag des 3. Juni auch zu einem ersten „begrenzten Angriff mit Tränengas“ gekommen.

    In den frühen Morgenstunden des 4. Juni erreichte der Großteil der herbeigeorderten Soldaten schließlich die Gegend rund um den Platz und machte Anstalten, diesen gewaltsam zu räumen. Den Autoren der Depeschen zufolge, die sich auf Augenzeugen vor Ort berufen, hatten die Studenten Müll und Zeltreste zumindest auf ein gepanzertes Fahrzeug geworfen und in Flammen gesetzt. Mindestens ein Bus habe ebenfalls gebrannt. Truppen und Einsatzkräfte der Polizei sollen vor allem am Tiananmen-Südende positioniert gewesen und zudem von westlicher Seite aus angerückt sein.
    Luftschüsse und Flammenwerfer

    Aus chinesischen Geheimdokumenten geht anderen Berichten nach hervor, Deng Xiaoping selbst habe Order gegeben, dass es auf dem Friedensplatz selbst kein Blutvergießen geben dürfe. Das vorgerückte Truppenkommando soll den verbliebenen rund 3000 Studenten einen Korridor für den Abzug zum Südrand hin eröffnet haben. Ein UPI-Korrespondent wird mit der Angabe zitiert: „Die Soldaten feuerten über unsere Köpfe, um uns Angst zu machen.“ Dies deckt sich mit den US-Botschaftsmeldungen, die von Luftschüssen und Flammenwerfern sprechen.

    Auf den Straßen und Kreuzungen rund um den Tiananmen zeigte die Staatsmacht dann weniger Zurückhaltung und die gewalttätigen Auseinandersetzungen sowie das Blutbad nahm dort seinen Lauf. Die chinesische Regierung erklärte Ende Juni 1989, beim Niederschlagen der „konterrevolutionären Aufstände“ seien 200 Zivilisten und mehrere Dutzend Sicherheitskräfte getötet worden. Menschenrechtsorganisationen schließen nicht aus, dass es insgesamt mehrere tausend Tote gegeben hat. Tausende Demonstranten landeten zudem in Gefängnissen oder Arbeitslagern.

    Der chinesische Verteidigungsminister Wei Fenghe erklärte kurz vor dem Jahrestag auf einer Sicherheitskonferenz in Singapur, es habe sich um politische Unruhen gehandelt, die der Staat habe bezwingen müssen. Wegen dieser Linie „ist China stabil“. Es sei ihm nicht begreiflich, wieso Peking noch immer mit dem Vorwurf konfrontiert werde, „den Vorfall nicht korrekt gehandhabt zu haben“.
    Der „Panzermann“

    Im kollektiven Gedächtnis des Westens sind vor allem Fotos und Videoaufnahmen eines namenlosen Mannes haften geblieben, der sich mit Taschen und Tüten in den Händen am 5. Juni auf einer sonst weitgehend menschenleeren, recht breiten Straße am Rande des Platzes einem Panzerkonvoi entgegenstellte. Als das erste schwere Militärfahrzeug um ihn herumfahren will, springt er diesem immer wieder vor die Haubitze. Schließlich steigt er auf das schwere Gefährt und spricht über eine Luke mit den Insassen. Kaum ist er abgestiegen, geht das Katz-und-Maus-Spiel von vorne los, bis ihn von der Seite kommende Zivilisten unterhaken und in beschützender Manier wegdrängen.

    Das weitere Schicksal des „Panzermanns“ ist ungeklärt. US-Berichten zufolge handelte es sich um einen Studenten, der kurz nach dem Vorfall hingerichtet worden sein soll. Laut anderen Einschätzungen könnte es sich auch um einen empörten Bürger gehandelt haben, der seinen spontanen Auftritt gegenüber der „Volksbefreiungsarmee“ überlebt habe und in der Anonymität der Masse untergetaucht sei. Ein Bild einer „Panzerformation“ aus Gummi-Enten schaffte es voriges Jahr sogar als Erinnerung an das zu vielen Projektionen für den Freiheitskampf einladende Geschehen in die chinesischen sozialen Medien. Es dauerte aber nicht lange, bis es gelöscht war.

    Direkt am 30. Jahrestag des Massakers herrschten laut Agenturberichten am Platz des Himmlischen Friedens „verschärfte Sicherheitsvorkehrungen“. Polizisten kontrollierten demnach Autos auf Zufahrtsstraßen, auf Fußwegen mussten sich Passanten ausweisen: „Ein großes Aufgebot an Sicherheitskräften in Uniform und zivil sollte jedes öffentliche Gedenken sofort im Keim ersticken.“ Bis heute unterbindet es Peking, dass die Ereignisse offen aufgearbeitet und Hinterbliebene der Getöteten entschädigt werden. Nur in der früheren britischen Kronkolonie Hongkong darf der Opfer noch gedacht werden – unter erschwerten Umständen: auch dort kann es vorkommen, dass ein dafür extra eingerichtetes Museum Feuer fängt.
    Die „große Firewall“ und der „Wartungstag“

    Parallel zog die chinesische Regierung schon im Vorfeld des totgeschwiegenen Tages die Daumenschrauben bei der umfassenden Internetzensur noch einmal an. Bereits seit Ende April war die Online-Enzyklopädie Wikipedia in allen Sprachversionen über die „große Firewall“ des Landes gesperrt, nachdem der Bann zuvor „nur“ zahlreiche Artikel auf Chinesisch getroffen hatte. Ohnehin nicht zugänglich sind im Reich der Mitte Dienste wie Facebook, Google nebst YouTube, Twitter, Skype oder WhatsApp, die für viele westliche Nutzer den Alltag im Netz prägen. Nachrichtenportale wie die Seiten der „New York Times“, des „Wall Street Journals“ oder chinakritische Blogs und Informationsquellen bleiben ebenfalls regelmäßig im Filter hängen.

    Neugierige, politisch Interessierte, Aktivisten oder Mitarbeiter westlicher Firmen in China versuchen in der Regel über Anonymisierungsdienste wie Tor oder Virtual Private Networks (VPN) die Sperren zu umgehen und eine Tunnelverbindung ins offene Internet zu knüpfen. Gerade vor wichtigen politischen Ereignissen oder „heiklen“ Gedenktagen gehen die Behörden aber verstärkt gegen solche verschlüsselten Leitungen nach außen vor und stören einschlägige Dienste massiv.

    Rund um den 4. Juni brach bei vielen chinesischen Online-Angeboten zudem wieder der große, oft länger dauernde „Wartungstag“ aus. Dieses wiederkehrende Phänomen besagt, dass nicht nur etwa Livestreaming-Seiten, sondern auch zahlreiche kleinere Webdienste mit nutzergenerierten Inhalten aus „technischen“ Gründen mehr oder weniger freiwillig offline gehen. Die Betreiber wollen damit von vornherein vermeiden, dass Dritte dort Inhalte posten, die den Zorn der Behörden auf sich ziehen könnten. Andere Dienste schränken über Tage hinweg die Möglichkeit ein, etwa Profilbilder oder Statusnachrichten zu ändern.
    Künstliche Intelligenz ist das Skalpell und der Mensch ist die Machete

    Die Zensur der Tiananmen-Proteste erfolgt im Reich des Drachen generell mittlerweile weitgehend automatisiert mit Text- und Bilderkennungstechniken sowie maschinellem Lernen. Suchen nach „Tiananmen“ etwa auf dem chinesischen Twitter-Klon Weibo verweisen so zwar zunächst auf Millionen Beiträge. Klickt man aber darauf, wird „Keine Ergebnisse“ oder auch mal das offizielle Logo des 70. Jahrestags der Gründung des kommunistischen Chinas angezeigt. Ähnlich sieht es aus, wenn sich User vor Ort über Tibet oder Taiwan informieren wollen.

    Selbst Posts, die nur auf Daten, Bilder oder Namen im Zusammenhang mit den Unruhen vor 30 Jahren hinweisen, werden inzwischen größtenteils erkannt und zurückgewiesen. Das Zusammenspiel zwischen Zensoren aus Fleisch und Blut und der Maschine funktioniert dabei angeblich immer besser. „Wir sagen manchmal, Künstliche Intelligenz ist das Skalpell und der Mensch ist die Machete“, zitiert „Reuters“ einen lieber anonym bleibenden Mitarbeiter der Pekinger Firma Bytedance, die auf die Kontrolle von Online-Inhalten spezialisiert ist.

    Schafft es ein Autor, dem Zensursystem ein Schnippchen zu schlagen und einem dem Regime zu nahe tretenden Beitrag doch zunächst online zu veröffentlichen, kann dies drastische Folgen haben. Vor drei Jahren wanderten vier Männer aus Chengdu drei Jahre lang ohne Gerichtsverhandlung ins Gefängnis, weil sie mit einem Foto von einer Weinflasche mit einer an den „4. Juni 1989“ erinnernden Aufschrift posteten. Die Menschenrechtsseite „China Change“ berichtete ferner von einem weiteren Unerschrockenen, der mit einer ähnlichen Aufnahme eine Mahnung mit der Ziffernfolge 8964 online stellte und daraufhin um vier Uhr früh Besuch von der Polizei erhielt mit anschließender Hausdurchsuchung und Verhaftung.
    Wachstum organisierter Netzwerke zu unterbinden ist entscheidend für soziale Stabilität

    Schon 2013 dokumentierte das Forschungsinstitut Citizen Lab der Universität Toronto, dass die schwarze Liste für soziale Medien in China zum 4. Juni sogar Wörter wie „heute“ oder „morgen“ umfasst. Gelöscht wird vor allem auch alles, was als Aufruf zu öffentlichen Versammlungen verstanden werden könnte. Die Regierung und die KP zensierten das Internet nicht nur, um das Informationsmonopol zu behalten, schreibt der CNN-Korrespondent James Griffiths in seinem neuen Buch über „The Great Firewall of China: How to Build and Control an Alternative Version of the Internet“. Vielmehr treibe sie auch die Angst um vor Plattformen mit dem Potenzial, Menschen für gemeinsame Aktionen zusammenzubringen.

    Die Herrschenden täten alles dafür, um das Wachstum großer organisierter Netzwerke zu unterbinden, schreibt der Autor. Dies hielten sie für entscheidend, um die soziale Stabilität und die politische Kontrolle zu behalten: „Daher werden selbst Aufrufe für Umzüge manchmal zensiert, mit denen die Regierungslinie unterstützt werden soll.“ Schmähbeiträge, in denen die Verwaltung wegen schlechter Luftqualität oder Korruption kritisiert wird, blieben dagegen teils länger online.

    Um das Ausmaß der Zensur auf Weibo und der in China ebenfalls überaus populären Universal-App WeChat des Tech-Riesen Tencent weitgehend in Echtzeit zu dokumentieren, betreiben Forscher der Universität Honkong die Transparenzprojekte WeiboScope und WechatScope. Vor wenigen Monaten hat der daran beteiligte Wissenschaftler Fu King-wa ein Archiv mit über 1200 auf Weibo zensierten Bildbeiträgen publiziert, die sich auf die Tiananmen-Unruhen beziehen. Net Alert hat eine ähnliche Datenbank zur breiteren Online-Zensurgeschichte im Reich der Mitte zusammengestellt.
    Twitter sperrt Konten chinakritischer Nutzer in den USA und Deutschland – ein Versehen

    Twitter leistete sich derweil im Vorfeld des Jahrestags eine peinliche Panne. Auch wenn das soziale Netzwerk in China selbst im großen nationalen Intranet nicht verfügbar ist, nutzen Dissidenten die Plattform trotzdem, um darauf per VPN oder direkt aus dem Ausland ihrem Unmut über die Regierungspolitik freien Lauf zu lassen. Doch auch hier schlafen die Zensoren nicht. Wer aus China heraus missliebige Inhalte auf Twitter verbreitet, muss damit rechnen, dass die Aufsichtsbehörden vor der Tür stehen und darauf drängen, Tweets zu löschen oder anderen Kontoinhabern nicht mehr zu folgen.

    Am vorigen Wochenende war Beobachtern wie der China-Change-Gründerin Yaxue Cao nun aufgefallen, dass Hunderte, vor allem regierungskritische Twitter-Nutzer auch aus den USA oder Deutschland mit vielen Followern gesperrt waren. Griffiths verwies darauf, dass die Konten zwar nicht alle gelöscht, aber zumindest „suspendiert“ worden seien. Dies könne darauf hinweisen, dass nicht unbedingt offener Druck aus China hinter der Blockadewelle stecke, sondern eher massenhafte gezielte Beschwerden über die betroffenen Konten.

    Twitter selbst sprach von einem Versehen, das nicht auf umfangreiche Meldungen chinesischer Behörden zurückgehe. Der Betreiber will routinemäßig und aus eigenem Antrieb – freilich zur Unzeit – einige Konten außer Betrieb genommen haben, die aufgrund von Spam-Postings, unauthentischem Verhalten und umgangenen Sperren auffällig geworden seien. Leider seien darunter neben Fake Accounts auch Profile namhafter China-Experten gewesen. Die Fehler würden aber aufgearbeitet. Die Journalistin Sasha Gong gehörte zu den Glücklichen, deren Konto der kalifornische Konzern rasch wieder freischaltete. Sie nutzte die Gelegenheit für einen dringlichen Appell: „Wir müssen den Social-Media-Riesen sagen: Wenn ihr in diesem epischen Kampf um die Freiheit nicht für uns seid, dann seid ihr gegen uns.“
    Apple und Google passen sich an

    Auch Apple zog rund um den 4. Juni erneut Kritik auf sich, da sich auf der Musikplattform des US-Unternehmens mehrere Lieder und Alben von Künstlern aus Hongkong nicht mehr auffinden und streamen ließen. Dazu gehörte laut chinesischen Nutzern der Titelsong des Spielfilms „A Chinese Ghost Story II“, der auf das Tiananmen-Massaker anspielt. Tencent soll entsprechende Inhalte ebenfalls aus seinem Streaming-Dienst entfernt haben.

    Apple hat sich im Interesse seines Milliardenumsatzes vor Ort bereits wiederholt Auflagen der Behörden gebeugt und etwa Hunderte VPN-Apps aus seinem Store verbannt. Zudem verlagerten die Kalifornier iCloud-Inhalte chinesischer Nutzer aus den USA auf Server chinesischer Firmen. Dies räume örtlichen Beamten uneingeschränkten Zugriff auf die sensiblen Daten ein, beklagte Amnesty International diesen Schritt und schalt das so sehr auf Privatsphäre als Verkaufsargument setzende Unternehmen als „Datenschutzverräter“.

    Google liefert sich mit Dragonfly ("Libelle") einen ähnlich heiklen Tanz mit dem Drachen. Ende 2018 hieß es, dass der Internetkonzern seine viel kritisierten Arbeiten für eine Rückkehr auf den chinesischen Markt mit einer zensierten Suchmaschine weitgehend ausgesetzt habe. Bei den Vorbereitungen seien interne Datenschutzprüfer nicht hinreichend eingebunden gewesen, die nun einen integralen Bestandteil eingestampft hätten.

    Im März legte das Online-Magazin „The Intercept“ aber nach, mit einem Verweis auf Beobachtungen von mehreren anonymen Mitarbeitern des Suchmaschinenbetreibers. Diese wollen demnach in internen Werkzeugen nachverfolgt haben, dass an dem Code für das Projekt weiterhin Änderungen vorgenommen würden und dieses somit nach wie vor aktiv sei. Google entwickele nun auf dieser Basis zwei Such-Apps für Android und iOS mit den Namen Maotai und Longfei. Offiziell gibt es dafür bislang keine Bestätigung.
    Pichai und Cook erklären sich

    Konzernmanager aus dem Silicon Valley begründen ihre Kooperationsbemühungen mit dem chinesischen Regime immer damit, den Nutzern vor Ort doch zumindest mit ihren Produkten etwas mehr Spielraum und einen Hauch von mehr Freiheit zu verschaffen. Bei Tests an Dragonfly habe sich herausgestellt, dass über 99 Prozent der Nutzeranfragen beantwortet werden könnten, freute sich etwa Google-Chef Sundar Pichai im Oktober. Damit werde es möglich, die Verfügbarkeit von Informationen für chinesische User in „vielen, vielen Bereichen“ wie etwa zu Krebstherapien zu verbessern.

    Die Initiative liege voll auf der Linie des kalifornischen Unternehmens, den ganzen Globus mit der Basis für mehr Wissen versorgen zu wollen, führte Pichai aus. China mache immerhin 20 Prozent der Weltbevölkerung aus. Beim Markteintritt in jedem Land gehe es aber natürlich darum, verschiedene Wertvorstellungen etwa rund um den Zugang zu Informationen, die Meinungsfreiheit oder den Datenschutz auszubalancieren.

    Ähnlich äußerte sich wiederholt Apple-Chef Tim Cook. Es sei im Interesse chinesischer Nutzer, dass der iPhone-Bauer im chinesischen Markt präsent bleibe, betont er gerne. Die Kalifornier tauschten sich regelmäßig aus mit Regierungen, „auch wenn wir anderer Meinung sind“. Die lokalen Gesetze müsse man letztlich aber überall auf der Welt befolgen. Auch Facebook hat eine Partnerschaft mit einer Firma in der chinesischen Metropole Shenzhen geschlossen, um zumindest für Werbung auf der Plattform ein Standbein vor Ort zu haben.
    Firewall-Experte: China exportiert Zensur

    Die zahlreichen Kompromisse rund um Grundwerte, die westliche Internetfirmen machen müssen für den Markteintritt im Reich der Mitte, sind für den „Firewall-Experten“ Griffiths ein Grund dafür, besser die Finger von solchen Projekten zu lassen. Wer sich einmal darauf einlasse, sei vermutlich auch bereit, immer mehr Zugeständnisse in Richtung Zensur zu machen und lasse sich in einen Teufelskreis drängen, befürchtet der Buchautor. Dass Firmenmitarbeiter, die davon Kenntnis hätten, etwa im Fall Dragonfly lautstark protestierten, sei in diesem Sinne verständlich.

    Mittlerweile ist China offenbar auch dabei, Zensur zu exportieren. Der IT-Sicherheitsexperte Nicholas Weaver und Forscher des kanadischen Citizen Lab stießen bei der Analyse zweier verteilter Angriffe auf eine mächtige Cyberwaffe gestoßen, die sie in Anklang an die „Great Firewall“ "Great Cannon" tauften. Diese soll unter anderem im März 2015 für eine massive DDoS-Attacke auf die Plattform Github verantwortlich gewesen sein und es vor allem auf zwei dort gehostete Antizensurprojekte der Organisation GreatFire.org abgesehen gehabt haben.

    Laut dem Untersuchungsbericht kann über die „große Kanone“ zunächst wie bei einem überdimensionierter Man-in-the-Middle-Angriff selektiv bösartiger JavaScript-Code etwa in Suchanfragen und Anzeigen der chinesischen Google-Alternative Baidu eingefügt werden. So ließen sich enorme Mengen an Datenverkehr zu den Zielen der Kanone umleiten und diese so quasi abschießen. Durch gezielte Anfragen an betroffene Server gelang es den Forscher, das Verhalten des Instruments zu analysieren und Einblicke in dessen Innenleben zu erhalten.

    Nicht alle Beobachter schließen sich der Schlussfolgerung der Forscher an, dass China hinter der Online-Kanone steckt. Einige verweisen auch darauf, dass die NSA sowie ihr britisches Geheimdienstpendant GCHQ Meister in der Entwicklung solcher Angriffswerkzeuge seien und auch die CIA diese einsetze und nicht immer unter voller Kontrolle habe. Eine dieser Organisationen hätte die DDoS-Attacken so auch ausführen, falsche Spuren gelegt und die Schuld auf Peking geschoben haben können. Für Weaver ist das aber wenig stichhaltig, da die Angreifer die Kanone im Github-Fall auch noch lange hätten pulvern lassen, nachdem Gegenmaßnahmen gegriffen hatten. Es habe sich so anscheinend um eine öffentliche Machtdemonstration des chinesischen Staats im Cyberraum gehandelt.
    Informationen und soziale Kontrolle

    Zur Internetzensur ist spätestens nach den Tiananmen-Protesten ein übergreifendes System zur Überwachung der Bevölkerung im Reich des Drachen gekommen. Die Kommunistische Partei sei zwar schon seit Langem bemüht gewesen, die Massen auszuspähen, schreibt die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW). Nach dem Zweiten Weltkrieg haben der Staat und die Partei sich demnach auf Werkzeuge zum Informationssammeln und für die soziale Kontrolle verlassen wie die Danwei-Arbeitseinheiten, das Hukou-Melderegister oder die als „Dang’an“ bezeichneten geheimen Polizeidateien. Die Informationstechnik war aber erst um die Jahrtausendwende soweit fortgeschritten, dass sie eine systematisch Überwachung erlaubte.

    Generell erheben Ämter in China eine große Bandbreite an persönlichen Informationen über die Bevölkerung. Diese reichen von politischen Ansichten über das alltägliche Verhalten bis hin zu Informationen über die Geburtenkontrolle bei Frauen. Die Daten werden mit der Ausweisnummer der Betroffenen verknüpft, die als eine eindeutige Personenkennziffer fungiert. Auskunftsrechte für die Bürger über die erhobenen Bestände gibt es keine.

    Im Zuge der seit 1979 erfolgenden vorsichtigen Marktöffnung und parallelen Migrationsbewegungen erwiesen sich die angestammten Praktiken als zunehmend wirkungslos. Die Demokratiebewegung von 1989 im Jahr des hiesigen Mauerfalls ließ bei der KP dann endgültig das Bewusstsein reifen, dass sie die Überwachung einer zunehmend mobilen und aufbegehrenden Bevölkerung erhöhen und ausweiten müsse. Andere Trends wie die Verbreitung des Internets, die Globalisierung, ein an Einkünften aus der boomenden Wirtschaft teilhabender Staat sowie die wachsenden digitalen Fußabdrücke der Nutzer digitaler Techniken ließen das Interesse der Behörden weiter wachsen, umfassende Technologien für die soziale Kontrolle zu entwickeln.
    Projekt „Goldener Schild“

    Das Ministerium für öffentliche Sicherheit gestaltete so Anfang der 2000er-Jahre seine geheimdienstliche Infrastruktur zum Datensammeln um mit dem Ziel, die „Informationsdominanz“ über gesellschaftliche Umtriebe zu erreichen und Kriminalität gezielter zu bekämpfen. Das Ressort startete das Projekt „Goldener Schild“ im Bestreben, ein nationales Netzwerk an „Informationsarterien“ aller Polizeikräfte, integrierten Datenplattformen mit Geheimdiensten sowie Kommandozentren für die künftige Big-Data-Analyse voranzutreiben.

    2003 übernahm das Ministerium das Modell einer von geheimdienstlicher Aufklärung geprägten Polizeiarbeit, das Großbritannien in ähnlicher Form schon in den 1990ern eingeführt hatte. Es basiert auf dem „nahtlosen Informationsaustausch“ zwischen strategischen Entscheidern, operativen Kräften und Einsatzbeamten im Feld und gilt als eine Vorstufe für die noch stärker datengetriebene „vorausschauende Polizeiarbeit“ ("Predictive Policing") mit einer Schwerpunktverlagerung hin schon zur Prävention möglicher Verbrechen.

    2008 gaben die Olympischen Spiele in Peking dem Staat eine weitere Möglichkeit, seine Agenda zur technisch gesteuerten Massenüberwachung auszubauen. Die KP erachtet zunehmend die „Aufrechterhaltung der Stabilität“ als eines ihrer Hauptbestreben und wendet enorme finanzielle und personelle Ressourcen für die Sicherheitsbehörden auf, damit diese insbesondere Dissidenten ausspähen, möglichen Protesten frühzeitig auf die Spur kommen, die Telekommunikation und die Bewegungen der Bürger überwachen und das Internet zensieren können.
    „Pseudo-KI“ und „Gespensterarbeiter“

    Zu eher traditionellen Beschattungsformen gehört dabei ein weitreichendes, schier über das ganze Land gespanntes Netz an elektromischen Augen des großen Bruders. Kameras zur Videoüberwachung sind in China allgegenwärtig, auch wenn unklar ist, wie viele davon funktionieren und wie groß der Anteil des berühmt-berüchtigten „Sicherheitstheaters“ ist.

    Verstärkt setzen der Staat und seine privaten Helfer auch auf Methoden der automatisierten biometrischen Gesichts-, Sprach- oder Gangerkennung. Mehr oder weniger entwickelte Technologien aus dem Bereich Künstliche Intelligenz (KI) sollen helfen, Personen maschinell anhand der Kameraaufnahmen oder ihrer Mobilkommunikation zu identifizieren und anhand von Bewegungsprofilen zu verfolgen. Die richtige Erkennungsquote von Gesichtern soll aber bei unter 20 Prozent liegen, was zu vielen Fehlalarmen führen dürfte. Hunderte menschliche Kontrolleure vor Bildschirmen sollen helfen, diese zu verhindern, sodass auch von „Pseudo-KI“ und „Gespensterarbeitern“ im Hintergrund die Rede ist.

    Vor allem die autonome Region Xinjiang dient Peking als Testfeld auch für den Einsatz von KI zur Massenüberwachung. Dort werde ein „Panoptikum des 21. Jahrhunderts“ geschaffen, um Millionen der dort ansässigen muslimischen Minderheit der Uiguren rund um die Uhr zu beschatten, schreibt etwa der „Economist“. Die Städte in dem Gebiet seien alle 100 bis 200 Meter mit Kameras gespickt, die türkischstämmige Bevölkerungsgruppe müsse staatliche „Spyware“ auf ihren Smartphones installieren, ihre Ausweise würden mit Zusatzangaben wie Fingerabdrücken, Iris-Scans, Blutgruppe, DNA-Informationen oder einem „Zuverlässigkeitsstatus“ verknüpft.

    Bei den muslimischen Uiguren im Nordwesten Chinas habe der Staat ein „beispielloses Überwachungsregime“ aufgebaut, berichtet auch der „Deutschlandfunk“. Dazu gehörten neben unzähligen Kameras bis hin zu Moscheen auch „staatliche Übernachtungsgäste in Familien“ sowie Umerziehungslager. Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder hat Berichte über letztere dagegen 2018 ins Reich der „Gerüchte“ verwiesen.
    „Racial Profiling“ mit künstlicher Intelligenz

    Aus Xinjiang dringen relativ wenig verlässliche Nachrichten nach außen, da Peking Journalisten oft Visa verwehrt und eine unabhängige Berichterstattung zu verhindern sucht. Human Rights Watch gelang es aber in Kooperation mit anderen Menschenrechtsorganisationen, eine zugespielte, aus 2017 stammende Version einer Behörden-App per Reverse Engineering zu analysieren, die als zentrale Schnittstelle für den dortigen Überwachungsapparat dient. Es handelt sich dabei um ein Werkzeug, mit dem Polizisten und andere Staatsbedienstete mit einer „Integrated Joint Operations Platform“ (IJOP) kommunizieren können. Neben Dateneingaben und -abfragen ist dabei auch der Bezug von Warnungen möglich, wenn sich gehäuft Verdachtsmomente ergeben.

    Mit der App sammeln die Behörden umfangreiche Daten über die Bürger. Diese reichen von Basisinformationen wie Namen oder Ausweisnummer bis hin zu detaillierten Spezialangaben wie Autokennzeichen, Ausbildung, Telefonnummer, Blutgruppe, Religion oder Glaubensausübung. Von besonderem Interesse sind laut HRW etwa längere Auslandsaufenthalte, der Verzicht auf Smartphones, zu viele Nachkommen, „abnormaler Energieverbrauch“ oder Spenden für Moscheen. Die App arbeite im Hintergrund über die IJOP mit diversen Datenbanken zusammen. So würden Beamte etwa alarmiert, wenn Bürger zu viel Strom verbrauchten, verschlüsselte Chatdienste wie WhatsApp nutzten oder Videokameras an Haupteingängen zu umgehen suchten.

    Bei ihrem harten Vorgehen gegen die Uiguren setzen die Behörden offenbar auch auf biometrische Erkennungsverfahren, um Angehörige der Minderheit außerhalb von Xinjiang zu kontrollieren. Die „New York Times“ sieht darin das erste bekanntgewordene Beispiel für eine Regierung, die gezielt KI-Methoden für „Racial Profiling“ zur Identifizierung ethnischer Minderheiten verwendet. So werde die Videoüberwachung nebst der dahinter geschalteten Identifizierungssoftware etwa genutzt, um in den Metropolen Hangzhou und Wenzhou nach Uiguren zu fahnden.
    Citizen Score – „Schufa auf Anabolika“

    Einen wichtigen Mosaikstein im chinesischen Überwachungsnetz dürfte bald auch das geplante Sozialbewertungssystem darstellen, das auch in westlichen Medien für Aufsehen sorgt. Die Regierung in Peking will bis 2020 einen ambitionierten „Social Credit“-Mechanismus auf Basis von Scoring-Verfahren der Finanzwirtschaft zur Bonitätsprüfung einführen. Staatliche Pilotprojekte laufen in gut 40 Regionen und Städten. Mit Punktabzügen und Strafen wie Sperren für Schnellzüge, Flüge, Luxushotels oder schnelles Internet muss dort etwa rechnen, wer zu viel Zeit mit Computerspielen verbringt, bei Rot über die Ampel geht, vor Fußgängerüberwegen nicht hält oder ein bestelltes Taxi nicht nimmt.

    Blaupausen für den „Citizen Score“ und die damit verknüpfte „Schufa auf Anabolika“ haben unter anderem der E-Commerce-Riese Alibaba über seine Tochter Ant Financial mit „Sesame Credit“ sowie Tencent mit dem App-System WeChat geliefert. Auch zur Propaganda-Indoktrination an Schulen setzt die KP seit Kurzem auf eine spielerische Mobilanwendung, bei der Nutzer besonders viel Punkte einheimsen können, wenn sie wechselnde Quizfragen zu Reden und Arbeiten insbesondere von Präsident Xi Jinping richtig beantworten.

    Im Westen wird das skizzierte Bewertungssystem für Bürger und Unternehmen als Big-Brother-Instrument mit tiefen Einschnitten in die Grundrechte angesehen. Eine repräsentative Umfrage des Institut für Chinastudien der FU Berlin von 2018 hat derweil ergeben, dass 80 Prozent der chinesischen Online-Nutzer das Vorhaben befürworten. Die hohe Akzeptanz hätten Bürger vor Ort in zusätzlichen Interviews bestätigt, betont Studienleiterin Genia Kostka. Die abweichende Wahrnehmung erkläre sich nicht nur damit, dass die Medien in China eingeschränkt seien und der Schutz der Privatsphäre im öffentlichen Diskurs keine große Rolle spiele. Viele Menschen dort empfänden derlei Systeme auch als wichtig, um „institutionelle und regulatorische Lücken zu schließen“.
    „Bedenken und Ängste vor Technik werden auf China projiziert“

    Wie viel heiße Luft in der staatlichen Initiative steckt, ist umstritten. Dabei gehe es bislang kaum um revolutionäre Technik wie KI oder allwissende Algorithmen, meint Jeremy Daum, Forscher am Paul Tsai China Center an der Yale Law School. Im Kern handle es sich um altbekannte finanzwirtschaftliche Scoring-Verfahren. Dazu kämen schwarze Listen, die im nächsten Jahr wohl stärker durchgesetzt werden sollten. Im Kern gehe es Peking vor allem um Propaganda, glaubt der Wissenschaftler. Den Bürgern solle beigebracht werden, ehrlich zu sein. Die Rede vom „Citizen Score“ habe vor allem erzieherischen Charakter.

    Was sich wie eine Episode aus der Science-Fiction-Serie „Black Mirror“ anhört, wird für Daum im Westen durch einen Spiegel verzerrt: „Wir projizieren unsere eigenen Bedenken und Ängste vor der Technik auf China.“ Pläne für ein landesweites gesellschaftliches Bonitätssystem „schreiten voran“, konstatieren dagegen Kristin Shi-Kupfer und Mareike Ohlberg vom Mercator Institute for China Studies (Merics) in einer aktuellen Studie über „Chinas digitalen Aufstieg“. Die laufenden Pilotprojekte könnten „rasch zu einem wirkungsmächtigen und umfassenden Instrument ausgebaut werden“.

    Dies könnte zusammen mit anderen Facetten der ehrgeizigen chinesischen Digitalagenda auch „negative Folgen für Europas Politik und Grundwerte haben“, warnen die beiden Forscherinnen. Viele Aspekte des gesellschaftlichen Bewertungssystems stünden „im Widerspruch zu europäischen Werten – zum Beispiel der Schutz der Privatsphäre und der Meinungsfreiheit – und zu Bemühungen der EU, ethische Standards für die Digitalisierung zu etablieren“.
    Digitale Seidenstraße

    „China nähert sich seinem Ziel, bei 5G, Künstlicher Intelligenz (KI), Quantenforschung und anderen digitalen und disruptiven Technologien weltweit führend zu sein“, arbeiten die Autorinnen heraus. Konzerne wie Huawei, Alibaba oder Tencent seien bereits in ganz Europa am Geschäft mit Telekommunikationsnetzen, Rechenzentren und Online-Bezahlsystemen beteiligt. Die 5G-Einführung dürfte dazu führen, dass Huaweis Geräte und Software eine noch wichtigere Rolle bei der europäischen digitalen Infrastruktur spielten.

    Die „nationale Informatisierungsstrategie“ fordere chinesische Internet-Unternehmen auf, „in die Welt hinauszugehen“ und am Bau der „digitalen Seidenstraße“ mitzuwirken, heißt es in der Analyse. Ein kaum durchschaubares Geflecht aus staatlichen Kontrollmechanismen, Einflussnahme durch die Partei und internationalen Verbindungen im Sektor der Informations- und Kommunikationstechnologien stütze die chinesische Digitalpolitik.
    Orwell live erleben – Datenschutz vs. Komfort

    Auch der Paderborner Medienwissenschaftler Jörg Müller-Lietzkow sieht China auf dem Weg zur Weltmacht vor allem im KI-Bereich. Die Technik solle Wohlstand und Reichtum mehren, zugleich aber „die Effektivität der Kontrolle der Bürger deutlich erhöhen“. Alle Daten gingen an die nationalen Hersteller und stünden damit offen für den Zugriff auch durch den Staat und dessen ausgefeiltes System der gesellschaftlichen Steuerung. Vor Ort könne man Orwell so live erleben, zeichnet der Experte ein Gruselbild. Dass sich dagegen wenig Widerstand rühre, hänge auch mit der Historie einer Nation zusammen, die schon einmal eine große Mauer um sich herum errichtet habe. „Datenschutz gegen Komfort“ laute oft das Motto.

    Nach dem Blutbad rund um den Tiananmen-Platz habe die KP eine Art Sozialvertrag mit der Bevölkerung geschlossen, erläutert Merics-Analystin Shi-Kupfer. Diese verzichtete auf politische Teilhabe im Gegenzug für das Versprechen, am wachsenden Wohlstand des Landes beteiligt zu werden. „Die Chinesen betäuben sich durch den Kommerz, um den Schmerz zu vergessen“, hat die Forscherin ausgemacht. Möglichkeiten der präventiven Unterdrückung seien dank der technologischen Sprünge so ausgefeilt, dass eine größere Gegenbewegung derzeit „nicht vorstellbar ist“. Außer einer massiven Wirtschaftskrise gebe es aktuell auch kaum ein Thema, „das eine übergreifende Solidarisierung schaffen könnte“. Menschenrechtler und Bürgerrechtsorganisationen mahnen daher eine kollektive Antwort demokratischer Staaten auf das Phänomen an, dass China seinen „digitalen Totalitarismus“ etwa nach Afrika und Südamerika, aber auch nach Europa oder in die USA exportieren wolle.

    #Chine #histoire #société #surveillance #vie_privée

  • „Die beste Zeit des Taxigewerbes“
    https://www.taxi-times.com/die-beste-zeit-des-taxigewerbes

    29. Mai 2019 von Jürgen Hartmann

    Das Eurocab-Treffen der FMS- und taxi.eu-Taxizentralen stand ganz im Zeichen des Mobilitätswandels und eines eindringlichen Appells, sich noch mehr zu digitalisieren.

    Am Dienstag und Mittwoch trafen sich die Verantwortlichen europäischer Taxizentralen zum Eurocab. Gastgeber des mittlerweile zum zwanzigsten Mal ausgetragenen Meetings aller FMS-Kunden war dieses Jahr die Luxemburger Taxizentrale Colux Taxis, deren Geschäftsführer Olivier Gallé, der bei seiner Begrüßung auch gleich den Apell „Gemeinsam sind wir stark“ formulierte, ein Appell, den Eurocab-Präsident Koen Van Oorschot dann auch gleich aufgriff, und der sich fortan wie ein roter Faden durch alle Vorträge der beiden nächsten Tage ziehen sollte. Die beschworene Gemeinsamkeit ist beim Eurocab durch den einheitlichen Systemanbieter fms/Austrosoft gegeben, allerdings wurde schon beim ersten Vortrag klar, dass ein einheitliches System noch lange keine Garantie für eine geschlossene Außenwirkung ist.

    In diese Richtung zielte auch der erste Vortrag von Michael Weiss, einem der Geschäftsführer der FMS Austrosoft. Anders als bei vielen Eurocabs zuvor war das Treffen keine ausschließliche Leistungsschau der Vermittlungsmöglichkeiten (Callbot, Businessportal etc.), sondern ein Ausblick auf die digitalen Herausforderungen der Zukunft.
    Zentralenchefs aus sieben Ländern nahmen am Eurocab teil. Foto: Taxi-Times

    Weiss baute seinen Vortrag dazu stringent auf, indem er zunächst einmal den Status quo der Mobilität schilderte, von Städten berichtete, die im Verkehr und den damit verbundenen Umweltproblemen ersticken und Studien zitierte, die eine drastische Zunahme des Individualverkehrs durch Uber & Co belegen – mit dem Fazit, dass die Politik dringenden Handlungsbedarf erkannt hat und im Rahmen ihrer Lösungen nun zwischen „Wildem Westen und Hypereffizienz“ entscheiden muss.

    Für Weiss ist klar, dass die neuen Anbieter wie Didi, Lyft, Uber, Ola etc. diese Probleme nicht lösen können. Er sieht hier, dass das Taxi als eigentlichen Partner der Politik sein kann, sofern man sich als Teil des ÖPNV definiert bzw. politisch anerkannt wird. „Wenn man sich diese Entwicklung und all die Studien anschaut, müsste jetzt eigentlich die beste Zeit des Taxigewerbes kommen“, sagte Weiss. „In den über 30 Jahren, in denen ich dieses Geschäft mache, habe noch nie gesehen, dass Taxis so gebraucht werden wie aktuell.“

    Doch trotz dieser Steilvorlage nimmt Weiss das Taxi als eine „sich nicht ändern wollende Branche“ wahr, welche die Zeichen der Zeit nicht erkenne und primär um seine Existenz fürchte. Als hinderlich im bevorstehenden Wandel bezeichnet der FMS-Geschäftsführer, dass man Taxi als Einheitsprodukt zum Einheitspreis präsentiere, und dass Kunden ihre Taxis ohne Preisangaben bestellen müssten. „Wo gibt es das sonst, dass man ein Produkt im Internet bestellt und den Preis erst erfährt, wenn die Rechnung im gelieferten Päckchen auftaucht“, fragte Weiss.
    Erfahrungsaustausch mit dem FMS Support. Foto: Taxi Times

    Als weiteren Mangel sieht Weiss, dass es zwar bei den Angeboten eine Vielzahl von Insellösungen gibt, aber keine intelligente Vernetzung untereinander stattfindet. Nicht zuletzt sei auch die fehlende Öffnung der Kanäle zu Mobilitätspartnerschaften ein großes Manko. Um also wirklich zu einem Problemlöser für ökologische Mobilität zu werden, benötigt die Taxibranche einen internen Gesinnungswandel.

    Dafür gebe es kein Patentrezept, aber ein Bündel an Maßnahmen, die alle unter dem Schlagwort „Digitalisierung“ getroffen werden und die oben beschrieben Mängel in Dienstleistungsangebote verwandeln – für Kunden, die googeln, bei Amazon und Ebay kaufen und deshalb ihre Mobilität auch bei Apple und Google Maps suchen. „Dort müssen sie uns finden, uns buchen und auch bezahlen können“, sagt Weiss.

    Solche digitalen Ketten funktionieren aber nur mit modernster Technik in den Taxis, weshalb Weiss an dieser Stelle eindringlich an die anwesenden Zentralenchefs appellierte, jetzt auf die entsprechende Technik umzusteigen, die man als Hersteller zur Verfügung stellen könne.
    Fachgspräch der Basler Kollegen. Foto: Taxi-Times

    Dass die Dringlichkeit gegeben ist, ist allen Beteiligten klar, doch in den Gesprächen während der Kaffeepausen wird schnell klar, dass es sich für die Zentralen nicht so einfach darstellt. Jedes Vermittlungsfeature verursacht Kosten (Entwicklung, Lizenz, Wartung) und muss von den Zentralen an die angeschlossenen Teilnehmer weitergegeben werden. Das erhöht die Kosten und verschlechtert deren Position im Wettbewerb mit anderen lokalen Taxizentralen oder mit den digitalen Anbietern. „Das ist ein Teufelskreislauf“, fasst ein Teilnehmer das Dilemma während des Mittagsessens zusammen.

    Spätestens an dieser Stelle kam nun wieder der rote Faden ins Spiel, dass man als Taxibranche und auch als örtliche Taxizentrale nur gemeinsam stark sein kann. In allererster Linie natürlich durch die eigene App taxi.eu, die man in Kürze unter dem Dach einer „Europa Taxi Aktiengesellschaft“ auf finanziell breitere Füße stellen will, aber auch durch Partnerschaften mit anderen Mobilitätsanbietern und Vernetzungen mit deren System. Ein Züricher Kollege der 44-er Zentrale präsentierte nicht ohne Stolz ein gemeinsam mit FMS entwickeltes Feature, das dem Kunden die Wahl zwischen verschiedenen Preiskategorien ermöglicht. Neben dem Standardtaxitarif kann er auch einen Billigtarif wählen, mit dem er dann sogar günstiger als Uber fährt. Dabei hat nicht nur der Kunde die Wahl, sondern auch der Taxifahrer.

    Über die Fahrer-App kann er zu Schichtbeginn auswählen, ob er Aufträge aller Preiskategorien vermittelt bekommt oder nur bestimmter Kategorien. Diese Möglichkeit stehe nun auch den anderen Zentralen zur Verfügung, sagt 44-er-Mitarbeiter Daniel Bienek. Durchaus beruhigend für Zentralen in den Ländern, in denen (noch) ein fester Taxitarif gilt.

    #Taxi #Europa #disruption #Digitalisierung #ÖPNV #Poitik

  • Sur la vie digitalisée en Chine, la grande muraille numérique, WeChat, la mendicité et la fin de la monnaie fiduciaire :

    Digitalisierung in China. Ein Code für alle Fälle

    Ein Taxi bestellen, den Aufzug rufen, Strafzettel bezahlen: Wer in China lebt, kommt an der App WeChat nicht vorbei. Da wird selbst Facebook neidisch.


    PEKING/BERLIN taz | Die Kassiererin blickt genervt auf. „Kein Portemonnaie dabei?“, fragt sie. Verlegen wühle ich in meiner Jackentasche herum, fummele an meinem Smartphone. Apple-Pay funktioniert bei dieser Edeka-Filiale noch nicht. Das weiß ich. Aber gibt es nicht irgendeine andere App, mit der ich meinen Einkauf bezahlen kann? WhatsApp vielleicht? Die Kassiererin schaut mich verdutzt an.
    Es ist bereits das zweite Mal, dass ich mit vollen Tüten vor einer Kasse in einem deutschen Supermarkt stehe und nicht bezahlen kann, weil ich mein Portemonnaie vergessen habe. Sieben Jahre habe ich in China gelebt. Seit einem Monat bin ich wieder in Berlin. Schwer gefallen ist mir die Rückkehr nicht. Die Luft in Berlin ist sehr viel besser, ich kann wieder unbedenklich das Wasser aus dem Hahn trinken und muss es nicht vorher abkochen und zigfach filtern. Die Straßen in Berlin sind nicht ganz so voll wie in Peking.
    Andererseits vermisse ich die Maultauschen – „Drei Sorten“ mit Krabbe, Schwein und Shiitake-Pilzen – von meinem Lieblingsimbiss um die Ecke. Und auch an etwas anderes muss ich mich wieder gewöhnen: das Portemonnaie einstecken. Denn in China brauchte ich für den Alltag nur mein Smartphone. Und genau genommen auch nur eine App: WeChat.
    Es ist noch nicht lange her, da haben viele auch in China noch über diese App gelästert. Sie sei ja bloß ein Abklatsch von WhatsApp, das in der Volksrepublik nur einen kurzen Auftritt hatte, dann von der Zensurbehörde allerdings blockiert wurde, weil es eben keine chinesische App war.
    Optisch gleichen sich die beiden Apps: Auf beiden Logos sind weiße Sprechblasen zu sehen. Und so wie WhatsApp hatte auch WeChat als Kurznachrichtendienst begonnen. Doch WeChat, das auf Chinesisch Weixin heißt, ist längst mehr. Sehr viel mehr. Eine Art Super-App.
    Mit dem Barcode die Äpfel bezahlen
    Außer Nachrichten und Emojis verschicken, Online-Telefonie mit und ohne Videobild, lassen sich über WeChat auch Tickets im Hochgeschwindigkeitszug buchen, Flüge, Fahrtdienste, Kinokarten.
    Das funktioniert so: Der Nutzer erhält einen eigenen Barcode. Mit der Kamera des Smartphones kann jeder andere WeChat-Nutzer diesen Barcode innerhalb weniger Sekunden lesen. Daraus ergeben sich viele weitere Funktionen: Der Barcode ersetzt die Visitenkarte, findet sich auf jeder Firmenwebseite.
    Vor allem aber lässt sich an jeder Ecke damit bezahlen. Denn die App ist mit dem Bankkonto verbunden. Es genügt, den Barcode des Gegenübers zu scannen und die Summe wird abgebucht.
    n einem Land wie China ist das besonders von Vorteil. Gerade auf dem Land haben die meisten Bauern und Händler keine teuren Kreditkartenlesegeräte für Visa, Mastercard oder Union Pay, dem chinesischen Pendant. Das Bargeld wiederum ist oft sehr dreckig, die Scheine angerissen, weil sie durch so viele Hände gingen.
    Mit WeChat muss selbst die Obsthändlerin an der Ecke bloß ihren Barcode zeigen, und schon hat der Kunde seine Äpfel bezahlt. Ein Smartphone hat in China inzwischen jeder.
    Auch Bettler nutzen die App
    Selbst die Bettlerin. In meiner Nachbarschaft saß immer an der gleichen Stelle eine behinderte Frau mit ihrem ebenfalls behinderten Sohn und bettelte um Geld. Ich hatte es mir zur Angewohnheit gemacht, alles Kleingeld, was sich bei mir ansammelte, in ihren Korb zu werfen. Doch dann wollte sie die vielen Münzen und Scheine nicht mehr. Sie zeigte stattdessen auf einen Zettel vor ihr mit einem Barcode drauf. Sie bat mich, ihr das Geld künftig auf ihr Konto zu überweisen. Natürlich mittels WeChat.
    Andere Netzwerke, die im Rest der Welt verbreitet sind, spielen in China keine Rolle. Facebook? Ist vielen zwar ein Begriff, in China aber gesperrt. Twitter? Ebenso. Und auch YouTube, Snapchat, Instagram sowie die meisten bekannten Google-Dienste sind nur schwer oder gar nicht abrufbar. WhatsApp funktioniert sporadisch – meistens aber nicht. Die übergroße Mehrheit stört das wenig. Schließlich haben sie ihre eigenen Dienste.
    Mehr als eine Milliarde Chinesinnen und Chinesen nutzen WeChat inzwischen. Wegen der vielen Funktionen. Oft sind sie spielerischer, bedienerfreundlicher und meist auch schlicht besser in der Anwendung.
    War China nicht eben noch ein Entwicklungsland? Jetzt ist es an den Europäern vorbei ins digitale Zeitalter gesprungen. Was ist passiert?
    Die Great Firewall
    Rückblick auf das Jahr 2009. Uigurische Aktivisten begehren gegen die Autoritäten auf. Uiguren sind eine muslimische Minderheit im Nordwesten der Volksrepublik. Seit Jahrzehnten fühlen sie sich unterdrückt. Und das werden sie auch. Ihren Protest haben sie über Facebook organisiert. Weil Facebook und Twitter sich zu der Zeit auf mehrfache Aufforderung der chinesischen Behörden weigerten, die Einträge zu löschen, ließ das chinesische Sicherheitsministerium kurzerhand die US-Dienste sperren. Die Great Firewall war geboren – Chinas staatliche Internetzensur.
    Ganz abgeschnitten ist das Land damit aber nicht vom Rest der Netzwelt. Facebook und Co. sind mittels VPN-Tunnel erreichbar, wenn auch umständlich. Offiziell ist das verboten, verfolgt werden Vergehen aber bislang nicht.
    Die kommunistische Führung hatte die Great Firewall in erster Linie aus politischen Gründen errichtet. Daraus ergab sich jedoch ein ökonomischer Nebeneffekt: Die chinesischen Gegenstücke zu den US-Größen – bis dahin auch in China nur von wenigen genutzt – konnten sich im Land rasch ausbreiten. Sie heißen Baidu, Alibaba, Tencent – und sie gehören nach Facebook, Google und Amazon heute zu den mächtigsten IT-Playern der Welt.
    Doch die Zensur ist nicht der alleinige Grund für den Erfolg der chinesischen Pendants zu den international bekannten Diensten. Denn Tencent macht mit WeChat einiges anders als etwas Facebook mit WhatsApp.
    Er ist 50 Jahre alt, trägt gerne Jeans und Kapuzenpullis und ist Erfinder von WeChat. Zhang Xiaolong ist eine Legende: Zhang, der sich im internationalen Kontext mit Vornamen auch Allen nennt, macht sich in der Öffentlichkeit eher rar. Der gelernte Programmierer gilt als schüchtern, introvertiert, und meidet große Veranstaltungen, ähnlich wie sein Boss, Tencent-Chef Pony Ma. Wenn sich Zhang einmal blicken lässt, dann hat er meist Wegweisendes zu verkünden.
    Eine App als eigene Plattform
    […]

    http://www.taz.de/Digitalisierung-in-China/!5591283

    #Chine #WeChat #monnaie_scripturale

  • Apple Face-Recognition Blamed by N.Y. Teen for False Arrest
    https://www.bloomberg.com/news/articles/2019-04-22/apple-face-recognition-blamed-by-new-york-teen-for-false-arrest

    A New York student sued Apple Inc. for $1 billion, claiming the company’s facial-recognition software falsely linked him to a series of thefts from Apple stores. Ousmane Bah, 18, said he was arrested at his home in New York in November and charged with stealing from an Apple store. The arrest warrant included a photo that didn’t resemble Bah, he said in a lawsuit filed Monday. One of the thefts he was charged with, in Boston, took place on the day in June he was attending his senior prom in (...)

    #Apple #CCTV #biométrie #facial #vidéo-surveillance #surveillance

  • (2) Smartphone-App: Berliner bauen die Mauer nach - Wirtschaft - Tagesspiegel
    https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/smartphone-app-berliner-bauen-die-mauer-nach/23616526.html

    Täglich fragen Besucher, aber auch Berliner, wo genau eigentlich die Mauer stand. Peter Kolski hat nun eine Smartphone-App entwickelt, die den Verlauf exakt nachzeichnet. Mehr noch, sie baut die Mauer virtuell wieder auf und zeigt so, wie die Teilung der Stadt wirklich aussah.

    Wie das funktioniert, demonstriert Kolski an der Bernauer Straße. Er steht auf der Wiese, einige Meter vor ihm befinden sich die rostigen Metallstangen, die den früheren Mauerverlauf zeigen. Kolski hält sein Smartphone hoch, die Kamera zeigt die Szenerie auf dem Bildschirm. Dann tippt er auf das Display, und wo eben noch die Metallstangen waren, steht nun die graue Mauer. Die Bäume sind dahinter verschwunden, nur die Kronen mit den gelben Blättern schauen darüber hervor. Er schwenkt nach rechts und ein Wachturm erscheint. Noch einige Meter weiter ist der U-Bahnhof Bernauer Straße, und wo eben noch Autos über die Brunnenstraße fuhren, ist der Weg nun virtuell versperrt.

    „Pokemon Go“ setzte den Startschuss

    Augmented Reality (AR) nennt sich die Technologie, bei der reale Bilder mit künstlichen Objekten überlagert werden. Die erste populäre Anwendung dafür war das Handy-Spiel „Pokémon Go“, bei dem vor zwei Jahren Millionen Fans anfingen, Cartoonmonster in der realen Welt zu jagen. Inzwischen nutzen auch Unternehmen wie Ikea oder Otto die Technologie. Sie haben Apps entwickelt, mit denen sich Kunden Möbel vorab ins Zimmer beamen und sich so auf dem Bildschirm ansehen können, wie sie in der Wohnung wirken.

    Apple-Chef Tim Cook ist ein großer Fan der erweiterten Realität. Er sieht darin deutlich mehr Potenzial als in Virtual-Reality-Anwendungen, bei denen die Nutzer sich mit Spezialbrillen komplett von der Realität abschirmen. Es gibt auch immer wieder Gerüchte, dass Apple an einer AR-Brille arbeitet, mit der man sehen kann, aber zusätzliche Informationen angezeigt bekommt.

  • Women Once Ruled Computers. When Did the Valley Become Brotopia? - Bloomberg
    https://www.bloomberg.com/news/features/2018-02-01/women-once-ruled-computers-when-did-the-valley-become-brotopia

    Lena Söderberg started out as just another Playboy centerfold. The 21-year-old Swedish model left her native Stockholm for Chicago because, as she would later say, she’d been swept up in “America fever.” In November 1972, Playboy returned her enthusiasm by featuring her under the name Lenna Sjööblom, in its signature spread. If Söderberg had followed the path of her predecessors, her image would have been briefly famous before gathering dust under the beds of teenage boys. But that particular photo of Lena would not fade into obscurity. Instead, her face would become as famous and recognizable as Mona Lisa’s—at least to everyone studying computer science.

    In engineering circles, some refer to Lena as “the first lady of the internet.” Others see her as the industry’s original sin, the first step in Silicon Valley’s exclusion of women. Both views stem from an event that took place in 1973 at a University of Southern California computer lab, where a team of researchers was trying to turn physical photographs into digital bits. Their work would serve as a precursor to the JPEG, a widely used compression standard that allows large image files to be efficiently transferred between devices. The USC team needed to test their algorithms on suitable photos, and their search for the ideal test photo led them to Lena.
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    Lena

    According to William Pratt, the lab’s co-founder, the group chose Lena’s portrait from a copy of Playboy that a student had brought into the lab. Pratt, now 80, tells me he saw nothing out of the ordinary about having a soft porn magazine in a university computer lab in 1973. “I said, ‘There are some pretty nice-looking pictures in there,’ ” he says. “And the grad students picked the one that was in the centerfold.” Lena’s spread, which featured the model wearing boots, a boa, a feathered hat, and nothing else, was attractive from a technical perspective because the photo included, according to Pratt, “lots of high-frequency detail that is difficult to code.”

    Over the course of several years, Pratt’s team amassed a library of digital images; not all of them, of course, were from Playboy. The data set also included photos of a brightly colored mandrill, a rainbow of bell peppers, and several photos, all titled “Girl,” of fully clothed women. But the Lena photo was the one that researchers most frequently used. Over the next 45 years, her face and bare shoulder would serve as a benchmark for image-processing quality for the teams working on Apple Inc.’s iPhone camera, Google Images, and pretty much every other tech product having anything to do with photos. To this day, some engineers joke that if you want your image compression algorithm to make the grade, it had better perform well on Lena.

    “We didn’t even think about those things at all when we were doing this,” Pratt says. “It was not sexist.” After all, he continues, no one could have been offended because there were no women in the classroom at the time. And thus began a half-century’s worth of buck-passing in which powerful men in the tech industry defended or ignored the exclusion of women on the grounds that they were already excluded .

    Based on data they had gathered from the same sample of mostly male programmers, Cannon and Perry decided that happy software engineers shared one striking characteristic: They “don’t like people.” In their final report they concluded that programmers “dislike activities involving close personal interaction; they are generally more interested in things than in people.” There’s little evidence to suggest that antisocial people are more adept at math or computers. Unfortunately, there’s a wealth of evidence to suggest that if you set out to hire antisocial nerds, you’ll wind up hiring a lot more men than women.

    Cannon and Perry’s work, as well as other personality tests that seem, in retrospect, designed to favor men over women, were used in large companies for decades, helping to create the pop culture trope of the male nerd and ensuring that computers wound up in the boys’ side of the toy aisle. They influenced not just the way companies hired programmers but also who was allowed to become a programmer in the first place.

    In 1984, Apple released its iconic Super Bowl commercial showing a heroic young woman taking a sledgehammer to a depressing and dystopian world. It was a grand statement of resistance and freedom. Her image is accompanied by a voice-over intoning, “And you’ll see why 1984 won’t be like 1984.” The creation of this mythical female heroine also coincided with an exodus of women from technology. In a sense, Apple’s vision was right: The technology industry would never be like 1984 again. That year was the high point for women earning degrees in computer science, which peaked at 37 percent. As the number of overall computer science degrees picked back up during the dot-com boom, far more men than women filled those coveted seats. The percentage of women in the field would dramatically decline for the next two and a half decades.

    Despite having hired and empowered some of the most accomplished women in the industry, Google hasn’t turned out to be all that different from its peers when it comes to measures of equality—which is to say, it’s not very good at all. In July 2017 the search engine disclosed that women accounted for just 31 percent of employees, 25 percent of leadership roles, and 20 percent of technical roles. That makes Google depressingly average among tech companies.

    Even so, exactly zero of the 13 Alphabet company heads are women. To top it off, representatives from several coding education and pipeline feeder groups have told me that Google’s efforts to improve diversity appear to be more about seeking good publicity than enacting change. One noted that Facebook has been successfully poaching Google’s female engineers because of an “increasingly chauvinistic environment.”

    Last year, the personality tests that helped push women out of the technology industry in the first place were given a sort of reboot by a young Google engineer named James Damore. In a memo that was first distributed among Google employees and later leaked to the press, Damore claimed that Google’s tepid diversity efforts were in fact an overreach. He argued that “biological” reasons, rather than bias, had caused men to be more likely to be hired and promoted at Google than women.

    #Féminisme #Informatique #Histoire_numérique

  • Mit Uber in Berlin unterwegs: Wenn die Taxi-Innung die Konkurrenz testet - Berlin - Tagesspiegel
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/mit-uber-in-berlin-unterwegs-wenn-die-taxi-innung-die-konkurrenz-testet/21120000.html

    ❝Der Tagesspiegel hat dem Vizechef der Berliner Taxi-Innung eine Fahrt mit dem US-Fahrdienstvermittler spendiert. Es hat ihm nicht gefallen. THOMAS LOY

    Die App findet Rolf Feja gar nicht schlecht, wegen der süßen kleinen Autos, die über die Grafik schleichen. Das sind die Uber-Fahrer, die auf Fahrgäste warten, obwohl sie doch gar nicht warten dürfen, weil sie ja keine Taxifahrer sind. Aber davon später mehr.

    Rolf Feja fährt seit 40 Jahren Taxi, jetzt ist er der stellvertretende Chef der Taxiinnung und bezeichnet Uber als unlauteren Mitbewerber, als gefährlichen Parasiten, der das Taxigewerbe langsam aussaugt. Mehr als tausend Berliner Taxifahrer seien schon zu Uber abgewandert, weil sie dort nicht kontrolliert würden. Kein Taxameter, auch keines, das dem Finanzamt die Umsätze übermittelt, das sogenannte Fiskaltaxameter. Da ließen sich Einnahmen und Arbeitszeiten frisieren, um Steuern und Sozialabgaben zu sparen. Feja trägt Schiebermütze und Schnurrbart, redet viel und gern, verkörpert den klassischen Berliner Taxifahrer, den es auf den Straßen kaum noch gibt. Feja hat eingewilligt, zum ersten Mal in seinem Leben in ein Uber-Auto zu steigen, zu einem Fahrer ohne Taxischein und Taxameter. Das kostet schon etwas Überwindung, aber es geht ja um Aufklärung der Taxikunden, was es bedeutet, einfach mal bei Uber einzusteigen.

    Das Kennzeichen steht für ein großes Mietwagenunternehmen
    Per App ordern wir ein Uber-Auto zum Flughafen Tegel, bezahlt wird über Paypal. Die App zeigt an, dass Tarek* kommen wird, ein kleines Foto zeigt ihn und das Kennzeichen seines Autos. „Volltreffer“, freut sich Feja. Das Kennzeichen steht für ein großes Berliner Mietwagenunternehmen, dessen Chef er seit Langem kennt. „Schmutzige Geschäfte“, sagt Feja. Früher war der Chef Taxiunternehmer, jetzt fährt er vor allem für Uber und hat nebenbei einen Wachschutz.

    „Thomas?“ Tarek lächelt aus dem Seitenfenster seines schneeweißen Toyota Prius, er hat den Namen seines Gastes von der App bekommen. Er steigt aus, will Gepäck einladen, doch wir haben keins. Tarek hält mir stattdessen die Tür auf und fährt los. Wir nutzen die Fahrt für ein Interview.

    Ein Interview während der Fahrt

    Reporter: Was ist denn die Hauptkritik der Taxiinnung am System Uber?
    Feja: Das System Uber heißt, dass die Fahrer keinen Taxischein, also Personenbeförderungsschein mit Ortskundeprüfung, machen müssen. Die Prüfung, an der viele Fahrer scheitern, wurde im vergangenen Jahr auch in Berlin abgeschafft. Viele Mietwagenunternehmen, die für Uber fahren, sind in Brandenburg angemeldet, in ländlichen Regionen unter 50 000 Einwohner war auch bisher keine Ortskundeprüfung notwendig. Außerdem gibt es bei Uber keinen Wegstreckenzähler und kein Arbeitszeitprotokoll. Ihr Fahrer könnte schon 25 Stunden gefahren sein. Im Taxi sind sie praktisch gläsern, für den Fahrpreis gelten feste Tarife, im Fiskaltaxameter wird alles aufgezeichnet.

    Reporter: Aber Uber ist für den Kunden deutlich billiger. Die Tour vom Abgeordnetenhaus zum Flughafen Tegel kostet rund 20 Euro.
    Feja: Am Tag, als der Orkan Xavier den gesamten Bahnverkehr lahmgelegt hat, hätten sie 60 bis 70 Euro gezahlt. Was Sie zahlen, hängt von der Nachfrage ab, das berechnet Uber per Algorithmus.
    Reporter: Stimmt das alles, Tarek?
    Tarek zuckt mit den Schultern, er lächelt.
    Tarek: Ich kann nichts sagen.
    Reporter: Müssen Sie auch nicht.
    Feja: Warum fahren Sie denn nicht Taxi?
    Tarek: Ich war Jobcenter. Die wollten aber nicht zahlen, für Taxischein. Ich kann aber nichts Schweres arbeiten, habe kaputtes Knie.
    Feja: Woher wissen Sie denn, wie der kürzeste Weg zum Flughafen geht?
    Tarek: Da gibt es viele Wege ...
    Feja (lacht): Das weiß ich auch. Ich möchte aber den kürzesten Weg fahren.
    Tarek: Ich mach’, was das Navigationssystem sagt.
    Tarek möchte jetzt nichts mehr sagen. Er verrät nur noch, dass er aus dem Libanon kommt.
    Feja: Die Strecke ist okay, wäre ich auch gefahren. Aber lassen Sie ihn mal nach Köpenick fahren, im Berufsverkehr, da wird’s dann kompliziert. Und der Fahrer muss Sie gar nicht mitnehmen, wenn ihm Ihre Nase nicht passt. Anders als im Taxigewerbe. Wir sind Teil des öffentlichen Nahverkehrs und verpflichtet, jeden Fahrgast zu jedem gewünschten Ziel zu bringen.

    Am Saatwinkler Damm warten die Uber-Fahrer

    Unterwegs zeigt Feja auf den Burger King am Saatwinkler Damm. Da stünden häufig Uber-Fahrer und warteten auf die nächste Fuhre vom Flughafen. Schwarze oder weiße Limousine, Toyota oder Hyundai, Kennzeichen LC, LN, LDS, damit ist für Taxifahrer klar: jemand von Uber. Die Fahrt geht vorbei am vollen Taxiparkplatz mit knapp 400 Autos und endet am Hauptterminal.

    Am Flughafen zeigt die Uber-App vier Autos in der Nähe. Wir ordern eine Fahrt zum Kaufhaus Clou am Kurt-Schumacher-Platz. Feja glaubt, dass die Fahrt abgelehnt wird (vom Fahrer oder der App), weil sie zu kurz ist. Falsch. Abbas*, ein kräftiger Mann aus dem Libanon, gut gelaunt, empfängt uns nach vier Minuten Wartezeit und einem Anruf zur Vergewisserung, wo wir genau sind, in seinem Audi A6 mit LN-Kennzeichen.

    Erst zwei Fahrten seit sechs Uhr

    Diesmal bleiben wir inkognito. Abbas erzählt, dass er seit sechs Uhr am Flughafen auf Kunden wartet und erst zwei Fahrten hatte. Für einen Taxifahrer wäre das bitter, Abbas bleibt gelassen. Er sei angestellt, 800 Euro zahle ihm sein Chef im Monat. Was er für Frau und fünf Kinder sonst noch braucht, kommt von Jobcenter und Kindergeldkasse. Abbas bestätigt, was die Taxibranche kritisiert: Uber-Fahrer werden oft am Rande des Existenzminimus bezahlt und halten sich nicht an die Regeln. Als Mietwagenfahrer müssen sie nach jedem Auftrag an den Betriebssitz zurückkehren, so steht es im Personenbeförderungsgesetz. Nur wenn sie während der Rückfahrt einen neuen Auftrag bekommen, dürfen sie den annehmen.

    Vom Kurt-Schumacher-Platz wollen wir zurück zum Abgeordnetenhaus. Emre*, gebürtiger Türke um die 40, kommt mit einem grauen Toyota Auris, Kennzeichen LN. Neun Minuten Wartezeit, meldet die App. Emre ist schneller. Er erzählt, dass vor allem Touristen mit Uber fahren. Oft hört er nur „Hello“ und „Bye-bye“, sonst bleibt es still im Auto. Emre spricht kein Englisch, muss er auch nicht, denn alle wesentlichen Fragen regelt die App. Trinkgeld gebe es eher selten. Das findet Emre schade. Da hätte er dann auch Lkw-Fahrer bleiben können.

    Die Mietwagenfirma sei in der Nähe von Großziethen, doch das Auto fährt fast nur in Berlin herum. 40 bis 50 Fahrer würden inzwischen für die Firma arbeiten, Kumpels hätten ihn überredet, es auch mal zu versuchen. Fünf Fahrer wechselten sich auf seinem Auto ab, gefahren werde nur für Uber. Was er verdient, behält Emre lieber für sich.

    Mehr als ein Streit um Stundenlöhne

    Der Konflikt zwischen Emre und Herrn Feja, zwischen Uber und der Berliner Taxi-Innung ist mehr als nur ein Streit um Stundenlöhne, Ortskenntnisse oder konkurrierende Apps fürs Handy. Es ist der Konflikt zwischen einem bewährten Geschäftsmodell und gesetzlich verbrieften Privilegien, die in einer anderen Ära erdacht wurden – und einem amerikanischen Unternehmen, das sich mit digitalen Mitteln darüber hinwegsetzt.

    Das Unternehmen mit Sitz bei der Factory an der Brunnenstraße in Mitte empfängt in hellen Räumen voller Apple-Computer und mit italienischer Kaffeemaschine. Vor einem Jahr sagte Deutschland-Chef Christoph Weigler dem Tagesspiegel: „Wir verstehen uns nicht als Konkurrenz zum Taxi.“ Die Zielgruppe seien diejenigen, die noch immer jeden Tag alleine im Auto zur Arbeit fahren. Dafür sei der Preis die wesentlichste Stellschraube. Bei 20 Prozent unter dem Taxipreis würden Masseneffekte spürbar. Andere Bevölkerungsgruppen könnten sich dann leisten, sich fahren zu lassen. „Unsere Erfahrung ist, dass man mit dem Einsatz von Technologie eine wesentlich höhere Auslastung für die Fahrzeuge erreichen kann und dadurch niedrigere Preise möglich sind – bei stabilen Umsätzen für die Fahrer“, sagt Weigler.

    Weil die Uber-App etwa durch „Forward Dispatching“ schon während einer Fahrt mögliche Anschlusskunden in der Nähe des Ankunftsorts vermittelt und aktuelle Verkehrsdaten einbezieht, sei es möglich, Auslastungsquoten von über 50 Prozent zu erreichen. Bei den Taxifahrern liege diese Quote deutlich niedriger.

    Die Kapitalmärkte hingegen haben keinerlei Zweifel daran, wer aus diesem Duell siegreich hervorgehen wird. 2015 gelang es Uber, eine Kapitalerhöhung von fast einer Milliarde Dollar unter Dach und Fach zu bringen – obwohl Uber Quartal für Quartal dunkelrote Zahlen schreibt. Der Unternehmenswert stieg damit auf umgerechnet gut 45,5 Milliarden Euro. Das ist ein bisschen mehr als die Deutsche Post – und ein bisschen weniger als der Autokonzern BMW.

    Mit diesem gigantischen Finanzpolster im Rücken ging die Firma fortan nicht nur auf Konfrontationskurs zu Taxifahrern, sondern begann zudem mit der Suche nach Wegen, sie gleich ganz abzuschaffen. Uber ist eines von mehreren Dutzend Unternehmen, die eigene Systeme für autonom fahrende Autos entwickeln und auf öffentlichen Straßen in den USA testen.

    Kein Wunder also, dass der Konzern überall dort, wo er auftaucht, auf Ablehnung der Taxifahrer stößt – oder sogar Gewalt. Egal, ob in Paris, Istanbul oder Brisbane: Rund um den Globus wurden Uber-Fahrer bereits von Taxifahrern verprügelt. Aber es gibt auch viele, die mit Uber zusammenarbeiten und sich Kunden vermitteln lassen, via UberTaxi-App. Laut Uber sind 1500 Berliner Taxen dort aktiv, von insgesamt 8000.

    Reporter: Und, wie haben Ihnen die Uber-Fahrten gefallen?
    Feja: Na, die sprachlichen Barrieren waren sehr hoch. Wenn wir nicht ständig gefragt hätten, wäre es wohl ziemlich still geblieben im Auto. Von der Freundlichkeit und der Fahrstrecke her war alles in Ordnung, nur der Letzte ist ziemlich krumm gefahren.

    Taxifahrer Feja und das Unternehmen Uber, so viel steht fest, werden in diesem Leben wohl keine Freunde mehr.

    #Berlin #Taxi #Uber #disruption #Testfahrt

  • Uber ist auf dem Weg zum Absturz | taxi-innung.de – Zukunft der Personenbeförderung
    https://taxi-innung.de/2018/12/07/uber-ist-auf-dem-weg-zum-absturz/#more-646

    Fromme Wünsch sind auch nur Wünsche möchte man sagen, wenn man diese Übersetzung liest, die verzweifelte Hoffnung und naiven Optimismus nur so verspritzt.

    Es herrscht Krieg meine Herren. Uber, Amazon, Google und die aktuelle US-Regierung sind nicht angetreten, um Geld zu verdienen, sondern um zu rauben, und zwar nicht nur Geld sonder Alles mit einem riesig großen A. Die USA haben schon lange aufgehört, eine konkurrenzfähige Volkswirtschaft zu sein sondern leben auf Pump von Zwangskrediten, die sie in aller Welt mit vorgehaltener Atomwaffe erpressen. Von den als Startup lancierten Großkonzernen hat nie auch nur einer ernsthaft Geld durch faire Innovation verdienen wollen.

    Disruption heißt das Zauberwort. Auf Deutsch: Macht kaputt, was ihr kaputtmachen könnt. Danach beackern Andere für Euch die verbrannte Erde !

    Man braucht nicht Schumpeter gelesen zu haben, um zu verstehen, wie der Hase läuft. Die Startup-Economy folgt der Zockerdevise alles oder nichts . Nix ehrlicher Kaufmann. Columbia verkündet: There wil be blood . Innovative Unternehmen überleben so lange, wie Investoren darauf wetten, dass sie in Zukunft Geld verdienen werden.

    Uber profitiert heute von der Sackgasse, in der die großen Finanzinvestoren zusammen mit der Autoindustrie feststecken. Der VW-Dieselskandal ist ein laues Lüftchen im Vergleich zum Sturm der wirklichen Herausforderungen, der auf die internationale Autoindustrie zukommt. Japans Autohersteller Toyota steckt 69 Milliarden Dollar in Uber, weil das Management nichts versteht, außer daß es demnächst mit seinem Betrieb und Man und Maus untergehen wird, wenn es sich nicht einer mächtigeren Armee anschließt. VW und Deutschland haben die EU. Japan und seine Firmen nicht so gut geschützt.

    Das alles erklärt, weshalb Uber auf Entscheidungen der deutschen Justiz pfeift. Entweder es gelingt dem Konzern, sich auf Augenhöhe mit Nationalstaaten zu positionieren und den Wirtschaftskrieg gegen sie zu gewinnen, oder das Konstrukt Uber wird untergehen.

    Uber ist bereits jetzt „too big to fail“, systemrelevant für die startup economy als Ganzes. Ein Investor wie Softbank steckt nicht noch vor Toyotas Engagement 48 Milliarden Dollar in ein Projekt, das zum Scheitern verurteilt ist. Wo das alles enden soll? Die Antwort ist ganz einfach. Wie bei Hitlers Mein Kampf genügt es, rechtzeitig aufmerksam zu lesen, um das Projekt zu verstehen:

    Die Superreichen, „innovativen“ Tycoons ziehen sich auf Inseln der Glückseligen zurück, während wir normalen Menschen in einer verpesteten, weltumspannenden Arbeitshölle Robotern zur Hand gehen. Zu irre um wahr zu werden? Hinterher ist man immer schlauer.

    Lesen Sie Propeller Island und Atlas shrugged , hören Sie den Thiel, Bezos, Kalanick, Zuckerberg und Trump genau zu, lauschen Sie dem Club of Rome. Der Plan, die Pläne sind kein Geheimnis sondern Programm.

    Zum Glück ist der Kampf gegen Uber und ähnlich „innovative“ Verbrecher noch nicht verloren. Wer die Idee von der wehrhaften Demokratie ernst nimmt, der hat noch Chancen. Ein Umdenken ist dennoch erforderlich, weil der Feind nicht unsere netten Neonazis sind. Der Feind trägt feinsten Zwirn und Turnschuhe und macht uns vor, dass Deutschlands und Europas Heil in KI und Innovation liegt. Was für eine Illusion.

    Gebraucht werden gröbere Werkzeuge, ökonomische und juristische, und die müssen richtig ausgerichtet werden. Es geht nicht um russische Hacker und Islamisten. Es geht um Bürgerkriegsarmeen und Bankster. Die kommen nicht aus Fernost und Russland. Die kommen aus Übersee, aus Deutschland und dem Nahen Osten. Schon mal von der Afghanistan Connection gehört? Nein? Sie sollten öfter Tagesspiegel lesen.

    Übersetzung des Artikels “Uber Is Headed for a Crash” (new york magazine, 4.12.2018) By Yves Smith

    Durch das Plattmachen lokaler Taxiunternehmen in Städten auf der ganzen Welt und die Kultivierung von Cheerleadern in der Wirtschaftspresse und unter den Liberalisten des Silicon Valley hat es Uber geschafft, ein Bild der Unausweichlichkeit und Unbesiegbarkeit zu schaffen. Aber das Unternehmen verzeichnete gerade ein weiteres Quartal mit atemberaubenden Verlusten – diesmal über 1 Milliarde Dollar, nach 4,5 Milliarden Dollar Verlust im Jahr 2017. Wie viel ist Hype und wie viel ist real?
    Der Gedanke, dass Uber, das am höchsten bewertetete Privatunternehmen der Welt, ein Lehrbuch-“Verschwender” ist – John Kenneth Galbraiths Wortschöpfung für einen Anlageschwindel, bei dem die Verluste erst noch erkannt werden müssen – wird Ubers zahlreiche zufriedene Kunden wahrscheinlich überraschen. Aber wie wir erklären werden, aufbauend auf der umfangreichen Arbeit des Verkehrsexperten Hubert Horan, haben die Investoren von Uber deren Zufriedenheit in Form von massiven Subventionen der Dienstleistungen erkauft. Was Uber für die Nutzer zu einem guten Geschäft gemacht hat, macht es zu einem lausigen Investitionsvorhaben. Uber hat diese Einschätzung durch minimale und widersprüchliche finanzielle Offenlegungen in Schach gehalten, kombiniert mit einer beharrlichen und bisher wirkungsvollen PR-Kampagne, die Uber nach dem Muster digital basierter Start-ups darstellt, deren große Anfangsverluste sich in wenigen Jahren in starke Gewinne verwandelt haben.
    Vergleiche von Uber mit anderen geschichtsträchtigen Tech-Wunderkindern zeigen, dass Uber nicht auf dem selben Weg ist. Kein letztlich erfolgreiches großes Technologieunternehmen war auch nur im entferntesten so zutiefst unrentabel wie Uber. Nach neun Jahren ist Uber nicht annähernd soweit, Geld zu verdienen, und fährt fort, mehr rote Tinte auszubluten als jedes andere Start-up in der Geschichte. Im Gegensatz dazu waren Facebook und Amazon im fünften Jahr solide Cashflow-positiv.
    Die Tatsache, dass dieses verherrlichte Nahverkehrsunternehmen weiterhin ein finanzieller Misserfolg ist, sollte keine Überraschung sein. Was überraschend sein sollte, ist, dass die Wirtschaftspresse immer noch die gute Hoffnung des Uber-Managements nachplappert, dass das Unternehmen 2019 mit einer Zielbewertung von 120 Milliarden Dollar an die Börse gehen wird. Das ist weit über dem höchsten privaten Aktienverkauf mit einem Wert von 68 Milliarden Dollar. Und Ubers Management und Zeichner werden ohne Zweifel hoffen, dass die große unbeleckte Öffentlichkeit über die Tatsache hinwegsieht, dass SoftBank kürzlich Beteiligungen aufgrund einer Bewertung in Höhe von 48 Milliarden Dollar übernommen hat, und ihr Angebot überzeichnet war. Warum sollte neues Geld zu einem mehr als doppelt so hohen Preis hereinkommen, wo Führungskräfte und Angestellte bereit wären, auszusteigen?

    Uber hat noch nie ein Argument vorgebracht, wie das Unternehmen jemals rentabel sein könnte, geschweige denn eine angemessene Kapitalrendite erzielen wird. Die Investoren setzen auf einen erfolgreichen Börsengang, was bedeutet, dass sie noch größere Narren in ausreichender Zahl finden müssen.

    Uber ist ein Taxiunternehmen mit einer App im Anhang. Es entbehrt jeglicher Ähnlichkeit mit Internet-Superstars, die es vorgibt zu nachahmen. Die App ist technisch nicht sehr anspruchsvoll und schafft keine Wettbewerbsbarriere, wie die Tatsache zeigt, dass viele andere Akteure sie kopiert haben. Apps wurden für Fluggesellschaften, Pizzalieferungen und Hunderte anderer Verbraucherdienste eingeführt, haben aber nie Marktanteilsgewinne erzielt, geschweige denn Dutzende von Milliarden an Unternehmenswert. Sie erzeugen keine Netzwerkeffekte. Im Gegensatz zu Facebook oder eBay, mehr Uber-Nutzer zu haben, verbessert den Service nicht.

    Ab einem bestimmten Punkt hilft auch das Einstellen weiterer Fahrer nicht. Uber behauptet regelmäßig, dass seine App Skaleneffekte für die Fahrer schafft – aber damit das so ist, müßte das Einstellen weiterer Fahrer den Fahrern zugute kommen. Das tut es nicht. Mehr Fahrer bedeuten mehr Wettbewerb um verfügbare Fahrten, was eine geringere Auslastung pro Fahrer bedeutet. Es gibt eine Wechselwirkung zwischen Kapazität und Auslastung in einem Transportsystem, die man in digitalen Netzwerken nicht sieht. Der klassische Einsatz von “Netzwerkeffekten” bezog sich auf den Entwurf eines integrierten Verkehrsnetzes – ein Luftverkehrsknotenpunkt- und Speichennetz, das den Nutzen für Passagiere (oder Pakete) schafft, indem es mehr Möglichkeiten zur Verbindung zu mehr Zielen als lineare Punkt-zu-Punkt-Verbindungen bietet. Uber ist offensichtlich kein solches Netzwerk mit integrierten Routen – Taxifahrgäste verbinden sich nicht zwischen verschiedenen Fahrzeugen.

    Auch die Tatsache größer zu sein, macht Uber nicht zu einem besseren Unternehmen. Wie Hubert Horan in seiner Serie über den Nackten Kapitalismus erklärte, hat Uber keinen Wettbewerbsvorteil gegenüber traditionellen Taxiunternehmen. Im Gegensatz zu digitalen Unternehmen hat die Taxiindustrie keine signifikanten Vorteile durch die Größe eines Betriebes; deshalb gab es noch nie Monopole auf Stadtebene, Konsolidierungsspiele oder sogar bedeutende regionale Betreiber. Die Größe verbessert nicht die Wirtschaftlichkeit der Bereitstellung des Taxidienstes, von denen 85 Prozent Fahrer-, Fahrzeug- und Kraftstoffkosten sind; die restlichen 15 Prozent sind in der Regel Gemeinkosten und Gewinn. Und Ubers eigene Ergebnisse sind der Beweis. Uber hat sich ständig vergrößert, aber es ist ihm nicht gelungen, die schnellen Gewinnverbesserungen zu zeigen, die man sehen würde, wenn die Kosten mit zunehmender Geschäftstätigkeit sinken würden.

    Die Größe reduziert auch die Flexibilität. Wie Professor Amar Bhide, Autor des Klassikers The Origin and Evolution of New Businesses, sagte:

    Viele Giga-Unternehmen haben keine Ahnung davon, wenn sie anfangen, wie sie zu Giganten werden – denken Sie daran, dass Microsoft 1975 Basic für den Altair entwickelte, Sam Walton einen Country Store gründete und Hewlett und Packard Audio-Oszillatoren verkauften. Aber da sie klein sind, können sie experimentieren, um herauszufinden, was gewinnbringend skalierbar ist, und bei Bedarf radikale Veränderungen vornehmen. Das ist der Grund, warum es kein Segen und kein Fluch ist, wenn man anfangs keine tiefen Taschen hat. Sicherlich gibt es einige junge Unternehmen wie Google und Amazon, die zufällig in die richtige Richtung starten und als Lieblinge von Risikokapitalgebern oder der Wall Street schneller voran kommen. Aber das sind die Ausnahmen. Andernfalls bläst Geld sie einfach auf und macht es ihnen schwer, die Richtung zu ändern.

    Aber, aber, aber – werden Sie vielleicht sagen – Uber hat ein großes Geschäft in Städten auf der ganzen Welt gegründet. Ja, es ist einfach, viel Kundenverkehr zu bekommen, indem man mit einem Rabatt verkauft. Uber subventioniert die Fahrkosten. In allen Geschäftsbereichen erbrachte Uber im letzten Quartal nur rund 74 Prozent seiner Kosten für Dienstleistungen. Uber verkaufte seine Dienstleistungen 2017 nur zu rund 64 Prozent seiner Kosten, bei einer GAAP-Gewinnmarge von minus 57 Prozent. Als Bezugspunkt verlor Amazon in den schlimmsten vier Quartalen 1,4 Milliarden US-Dollar bei einem Umsatz von 2,8 Milliarden US-Dollar, was einer negativen Marge von 50 Prozent entspricht. Amazon reagierte, indem es über 15 Prozent seiner Arbeiter feuerte.

    Uber Verteidiger könnten argumentieren, dass dies eine große Verbesserung gegenüber 2015 ist, als die Einnahmen nur 43 Prozent der Kosten abdeckten und die GAAP-Marge negativ war mit 132 Prozent. Aber wie wir näher erläutern werden, ist diese Reduzierung der Ausgaben von Uber für jeden durchschnittlichen Dollar nicht auf eine verbesserte Effizienz zurückzuführen, sondern fast ausschließlich auf die Senkung der Fahrerlöhne. Das Transportunternehmen scheint die Grenze erreicht zu haben, in der es die Fahrer ausquetschen kann, da die Abwanderung zugenommen hat.

    Uber hat beispiellose 20 Milliarden Dollar an Investorenfinanzierung eingeworben – 2.600 mal mehr als Amazon vor dem Börsengang. Dies hat es Uber ermöglicht sowohl die traditionellen lokalen Taxiunternehmen zu unterbieten, deren Tarife alle Kosten decken müssen, als auch mehr Autos auf die Jagd nach Fahrten zu schicken, als es nicht subventionierte Betreiber können. Erinnern Sie sich daran, dass es bei jeder Transportdienstleistung einen Kompromiss zwischen der Häufigkeit der Dienstleistung und der Nutzung gibt. Wenn Uber mehr Fahrer dazu bringt, auf der Straße zu sein, um schnelle Abholungen zu gewährleisten, erzielt der einzelne Fahrer im Durchschnitt weniger Umsatz.

    Wenn Uber alle Wettbewerber auf einem lokalen Markt aus dem Geschäft drängen und dann die Preise erhöhen würde, würden die Kunden die Nutzung zurückfahren. Aber noch wichtiger, da die Eintrittsbarrieren im Taxigeschäft niedrig sind und Uber sie durch den Bruch lokaler Vorschriften weiter gesenkt hat, würden neue Akteure unter Ubers neuem Preisdach erscheinen. So müsste Uber seine Preise senken, um die Preise dieser Marktteilnehmer zu erreichen oder das Geschäft aufgeben.

    Darüber hinaus ist Uber ein kostenintensiver Anbieter. Ein Flottenmanager in einem mittelständischen Taxi-Unternehmen kann Fahrzeuge effizienter kaufen, warten und versichern als einzelne Uber-Fahrer. Darüber hinaus behalten die Transportunternehmen eine strenge zentrale Kontrolle sowohl über die gesamte verfügbare Kapazität (Fahrzeuge und Arbeitskräfte) als auch darüber, wie diese Kapazität geplant wird. Uber geht in die entgegengesetzte Richtung. Es hat keine Vermögenswerte, und obwohl es Anreize bieten kann, kann es die Kapazität nicht kontrollieren oder planen.

    Der einzige Vorteil, den Uber erreicht haben könnte, ist die Nutzung des fehlenden finanziellen Scharfsinns seiner Fahrer – diese unterschätzen die vollen Kosten für die Nutzung ihrer Autos und Uber kann somit ein Schnäppchen machen. Es gibt einige Beweise, die diesen Gedanken bestätigen. Ridester veröffentlichte kürzlich die Ergebnisse der ersten Studie zur Ermittlung der tatsächlichen Uber-Fahrerverdienste, die durch Screenshots bestätigt wurden. Unter Verwendung konservativer Schätzungen für die Fahrzeugkosten fanden sie heraus, dass die UberX-Fahrer, die den Großteil ihrer Belegschaft ausmachen, weniger als 10 US-Dollar pro Stunde verdienen. Bei McDonald’s würden sie besser abschneiden. Aber auch dieser Ausgleich zu den allgemein höheren Kosten des Flottenbetriebs hat keinen nennenswerten Einfluss auf Ubers Wirtschaft gehabt.

    Aber, so kann man argumentieren, Uber hat all diese Daten über Fahrgeschäfte! Sicherlich ist er dadurch effizienter als herkömmliche Taxis. Ähm, nein. Lokale Fahrdienste haben immer “Leerfahrtprobleme”, die durch kein Maß an Cleverness behoben werden können, wie z.B. das Mitnehmen von Kunden zum Flughafen und entweder das Warten auf eine Anschlussfahrt oder das leere Zurückkehren oder tägliche städtische Pendelfahrten, bei denen die Arbeiter morgens im Eiltempo überwiegend in die eine Richtung und abends in die andere Richtung wollen. Ebenso hat Ubers surge-pricing nicht dazu geführt, dass Kunden ihre Gewohnheiten ändern und ihre Reisen auf kostengünstigere Zeiten verlagern, was zu einer effizienteren Nutzung hätte führen können. Wenn Uber ein Geheimrezept hätte, hätte es sich bereits in den Uber-Umsätzen und den durchschnittlichen Fahrerverdiensten gezeigt. Neun Jahre später, und es gibt keine Beweise dafür.

    Uber hat auch viel höhere Festkosten: Weitaus besser bezahlte Mitarbeiter in erstklassigen Büroräumen, die an Aktivitäten beteiligt sind, die ein lokales Taxiunternehmen entweder selten oder nie durchführen muss, wie Fahrerrekrutierung (Uber hat Rekrutierungszentren), Öffentlichkeitsarbeit und Werbung, Rechtsstreitigkeiten, Flugkosten und andere Kosten für den Betrieb eines globalen Unternehmens.

    Also dürfte Uber einen höheren Kapitalaufwand haben als es ein alteingesessenes Unternehmen mit ziemlich stabilen Einnahmen und Arbeitsabläufen hat (beziehungsweise hatte).

    Uber hat auf Zeit gespielt, um zu vermeiden, Finanzinformationen in einheitlicher Weise zu veröffentlichen, ein Warnsignal. Ein aussagekräftiges Beispiel: Ende 2016 zielte Uber auf ein Aktienangebot für High-End-Privatanleger, die vermutlich sogar noch dümmer waren als die Saudis, die in ihrer Vorrunde investiert hatten. Dennoch lehnten sowohl JP Morgan als auch die Deutsche Bank die “Gelegenheit” ab, Uber-Aktien an ihre Kunden zu verkaufen, obwohl dies ihre Position bei einem zukünftigen Börsengang von Uber gefährden könnte. Warum? Das Unternehmen “ride sharing” lieferte 290 Seiten Wortschwall, aber nicht das Nettoeinkommen oder gar den Jahresumsatz.

    Während Uber für das erste und zweite Quartal 2018 eine vollständige Gewinn- und Verlustrechnung vorlegte, gab es für das letzte Quartal, als sich seine Margen verschlechterten, nur drei Positionen.

    Während Uber seine negative Bruttomarge im Laufe der Zeit reduziert hat, resultieren diese Verbesserungen hauptsächlich aus der Verringerung der Fahrerausgleichszahlungen, so dass diese nun im Durchschnitt weniger pro Stunde netto erreichen, als die Taxiunternehmen.
    Bis 2015 gingen 80 Prozent der Fahrpreise an die Fahrer. In den ersten Jahren gab Uber den Fahrern hohe Auszahlungen, um gute Fahrer anzuziehen, und bot den Fahrern auch Anreize, Autos zu kaufen. Uber reduzierte das auf bis zu 68 Prozent, dann kehrten sie teilweise um, als die Fahrerfluktuation auf das aktuelle Niveau von rund 70 Prozent anstieg. Im Jahr 2017 lag die Marge von Uber, wie sie nach GAAP ausgewiesen wurde, bei minus 57 Prozent. Ohne die Gehaltskürzung der Fahrer wäre es auf dem negativen dreistelligen Niveau geblieben.

    Die Lohnkürzungen haben zu mehr Fahrerfluktuation geführt, was zu höheren Verwaltungskosten führt. Und es verschlechtert die Servicequalität. Ein Kommentar zu einem Artikel über Ubers Ergebnis des dritten Quartals:

    Ich brauchte eine Fahrt von Burbank nach LAX an einem Donnerstagmorgen gegen 5:45 Uhr. Ich habe am Vorabend ein Auto bestellt. Zur Abholzeit gab es innerhalb von 20 Meilen keine Lyft oder Uber. Als ich einen bekam, sagte der Fahrer, dass es sich bei der Bezahlung nicht mehr lohnt, früh aus dem Bett zu steigen.

    Ubers andere Art, seine Margen weniger verheerend zu gestalten, war es, seine ungünstigsten Geschäfte abzuschütteln. Aber selbst dann gab Ubers neuer CEO Dara Khosrowshahi effektiv zu, dass Uber in keinem Markt profitabel ist, wenn man die Festkosten des Unternehmens berücksichtigt. Uber hat verzweifelt neue Geschäfte wie Uber Eats und einen Rollerverleih hinzugefügt, um seine Wachstumsgeschichte am Leben zu erhalten. Uber gibt nicht nur stillschweigend zu, dass sie ihre Kosten nicht decken, sondern weigert sich, über ihre Einnahmen hinaus Einzelheiten über diese Geschäfte zu nennen und diskutiert nicht, wie sie die Wende schaffen könnten.

    Aber was ist mit autonomen Autos? Lassen Sie uns davon absehen, dass einige Enthusiasten wie Apple-Mitbegründer Steve Wozniak heute glauben, dass völlig autonome Autos “nicht stattfinden werden”. Vollständig autonome Autos würden bedeuten, dass Uber die Autos besitzen müsste. Die Kapitalkosten wären atemberaubend und würden die Illusion sprengen, dass Uber ein Technologieunternehmen ist, anstatt eines Taxiunternehmens, das die Roboterautos eines anderen kauft und betreibt.

    Uber ist es gelungen, die Wirtschaftspresse dazu zu bringen, Popularität mit kommerziellen Erfolg gleichzusetzen. Einige Tech-Reporter, wie Eric Newcomer von Bloomberg, haben höflich darauf hingewiesen, dass Ubers Ergebnisse weit hinter anderen “Tech Illuminati” vor dem Börsengang zurückbleiben. Das Argument, dass Dominanz Gewinne hervorbringen würde, ist nachweislich falsch und Uber scheint nicht in der Lage zu sein, eine neue Geschichte zu schreiben. Es gibt allen Grund zu der Annahme, dass Investoren und nicht lokale Taxiunternehmen den Verkehrstod von Uber herbeiführen werden.

    Toyota invests $69M in Japanese Uber rival backed by the taxi industry
    https://techcrunch.com/2018/02/08/toyota-invests-69m-into-japanese-uber-rival/?guccounter=1

    SoftBank is now Uber’s largest shareholder as deal closes | Reuters
    https://www.reuters.com/article/us-uber-softbank-tender/softbank-is-now-ubers-largest-shareholder-as-deal-closes-idUSKBN1F72WL

    #Uber #disruption #Börse

  • Tutorial: Progressive Web Apps mit Workbox, Teil 1 | iX Magazin
    https://www.heise.de/ix/heft/Fortschrittlich-4170444.html

    Progressive Web Apps (PWA) sind das App-Modell der Zukunft: Schon seit einigen Jahren treibt Google ein Konzept voran, das Webanwendungen in auf dem Gerät installierte Apps verwandeln möchte. Dazu gehören native Features wie ein eigenes Symbol auf dem Home-Bildschirm oder in der Programmliste des Systems, Push-Benachrichtigungen oder Offlinefähigkeit.

    Das Anwendungsmodell funktioniert plattformübergreifend, vom iPhone über das Android-Tablet bis hin zum Windows-Desktop. Ausführungsumgebung sind die Webbrowser, die seit dem Aufkommen von HTML 5 eine wahre Flut an modernen Webschnittstellen mit nativer Power erlebt haben: Mittlerweile ist es möglich, aus dem Webbrowser heraus auf Mikrofon und Kamera des Anwenders zuzugreifen oder hardwarebeschleunigte 2D- und 3D-Visualisierungen umzusetzen und darauf aufbauend Virtual-Reality-Anwendungen zu implementieren.

    Für Entwickler haben Progressive Web Apps den Vorteil, dass sie nur noch eine einzige Anwendung schreiben müssen, die auf unterschiedlichen Systemen läuft. Auch die Bereitstellung der Anwendung erweist sich als besonders einfach: Ihre Quelldateien werden schlichtweg auf einen Webserver hochgeladen. Zentrale Techniken bei Progressive Web Apps sind der Service Worker zur Umsetzung von Offlinefähigkeit und das Verschicken von Push-Benachrichtigungen sowie das Web App Manifest, das die Gestaltung des Symbols auf dem Home-Bildschirm und in der Programmliste konfiguriert.

    Alle vier großen Browserhersteller sind mit ihren Webbrowsern an Bord: Google Chrome (ab Version 40), Mozilla Firefox (ab Version 44), Microsoft Edge (ab Version 17) und Apple Safari (ab Version 11.3). Das Ausmaß der Unterstützung variiert jedoch je nach Browser, es stehen also nicht auf jedem Browser sämtliche PWA-Features zur Verfügung.

    Das Konzept der Progressive Web Apps kommt zunehmend in der realen Welt an. So setzen bmw.com und lotto.de die oben genannten Techniken ein, um ihr Webangebot zu einem gewissen Grad auch offline verfügbar zu machen. Um Apps im engeren Sinne handelt es sich bei beiden Angeboten allerdings nicht. Vorzeigbare Progressive Web Apps, die diesen Namen verdienen, sind beispielsweise Twitter Lite (mobile.twitter.com), der offizielle mobile Client für das soziale Netzwerk, oder die Progressive Web App der Financial Times (app.ft.com).

    #WWW

  • Digitalradio wird Pflicht in Neuwagen | heise Autos
    https://www.heise.de/autos/artikel/Digitalradio-wird-Pflicht-in-Neuwagen-4222381.html?artikelseite=2

    15.11.2018 - Das EU-Parlament hat am 14. November 2018 einen kleinen, aber wichtigen Schritt in diese Richtung gemacht. In Neuwagen soll Digitalradio wie DAB+ künftig Pflicht werden. Wenn man den klassischen Rundfunk erhalten will, wird das auch höchste Zeit, denn dem Radio erwächst seit Jahren hartnäckige Konkurrenz.

    Digitalradio wird Pflicht ...

    Das EU-Parlament folgte einer Empfehlung, die der Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie (ITRE) im Juli 2018 ausgesprochen hatte. Mit dem Beschluss wird die seit langem geforderte Verpflichtung der Automobilindustrie zur Ausstattung ihrer Neufahrzeuge mit Digitalradios, zum Beispiel mit DAB+, in der EU auf den Weg gebracht. Der Beschluss stellt es den Mitgliedsländern ausdrücklich frei, vergleichbare Maßnahmen auch für eine Regulierung des Marktes für herkömmliche Radioempfänger zu ergreifen.

    ... in ein paar Jahren

    Um in Kraft treten zu können, bedarf es nach dem Parlamentsbeschluss zunächst der formalen Anerkennung durch den EU-Rat sowie der Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union. Diese soll bis zum Frühjahr 2019 erfolgen. Nach Ablauf einer zweijährigen Übergangsfrist wird die Übernahme der Regelung in die jeweils nationale Gesetzgebung dann für die EU-Mitgliedsstaaten verpflichtend. Der Kodex soll sicherstellen, dass Autofahrer EU-weit Zugang zum digital-terrestrischen Radio DAB+ erhalten, unabhängig davon, wo in der EU das Fahrzeug gekauft wurde.

    ...

    Digital-Konkurrenz für das Digitalradio

    Ganz allgemein erwächst dem Radio eine harte Konkurrenz durch Anbieter wie #Spotify , #Napster , Google und Apple. Mit der Verbreitung von Android Auto und Apple Carplay können solche Dienste in einigen Autos bequem genutzt werden. Handy-Flatrates mit immer größeren Datenmengen unterstützen diese Entwicklung. Zusätzlich wird das klassische Radio von einer Seite in die Zange genommen, die bisher kaum als ein Kritiker aufgetreten ist. Die Rechnungshöfe der Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein fordern, die parallele Aufrechterhaltung von analogem und digitalem Rundfunk aus Kostengründen zu beenden. Das Digitalradio sei eine Sackgasse, heißt es in einem Papier des niedersächsischen Landesrechnungshofes. Dagegen wehren sich einige südlich gelegene Bundesländer heftig. Sie dürften mittelfristig, auch durch die aktuelle Entscheidung auf EU-Ebene, die besseren Argumente haben.

    #Europe #Allemagne #radio #politique #transport

  • Neil Young Archives
    https://neilyoungarchives.com


    C’est gratuit pour le moment ;-)

    Neil Young: „Musik ist von Apple und Spotify kastriert worden.“ - WELT
    https://www.welt.de/kultur/article178526666/Neil-Young-Musik-ist-von-Apple-und-Spotify-kastriert-worden.html

    Im vergangenen Jahr hat Young auf seine Weise auf diese Situation reagiert, als er sein gesamtes musikalisches Werk als vorerst kostenlosen Stream auf seiner Website bereitstellte – in weitaus besserer Klangqualität als die Konkurrenz. „Es klingt komplett anders, als alles andere, was den Leuten von Spotify oder Apple Music verkauft wird – das ist alles Mist, Schrott, absoluter Müll. Denn die dort verfügbaren MP3-Files rekonstruieren gerade mal fünf Prozent der ursprünglichen Klangqualität. Das ist ein Verbrechen gegen die Kunst“, sagte der 72-Jährige der Zeitung, „deshalb habe ich mein eigenes Streamingformat entwickelt. Ich wollte zeigen: Wenn ein 72-jähriger kanadischer Hippie das schafft, könnten das doch auch große Konzerne machen.“

    Love and no fear

    Neil Young’s Pono Music Player Is Chocolate For Your Ears
    https://www.youtube.com/watch?v=inWuUdEpfzU

    #musique #rock #canada #streaming

  • Ab 25.5. gilt die DSGVO: Datenhändler auf dem Prüfstand Max Schrems...
    https://diasp.eu/p/7138682

    Ab 25.5. gilt die DSGVO: Datenhändler auf dem Prüfstand

    Max Schrems will die Schufa verklagen

    Sobald in einem Monat die neue EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) gilt möchte der Jurist Max Schrems mit seiner Organisation noyb gegen die deutsche Schufa klagen. Denn er fragt sich, mit welchem Recht von rund 70 Millionen Deutschen Kreditinformationen aufbewahrt werden, ohne dass sie jemals etwas nicht bezahlt haben.

    Bisher waren Datenschutzverstöße ein „Klacks“ für die Beklagten, nun aber drohen bis zu 4% des Jahresumsatzes als mögliches Bußgeld. Das würde gerade auch den Großen, wie Google, Apple und Amazon weh tun.

    Welche Daten darf Apple von mir verlangen, nur weil ich sein iPhone gekauft habe? Darf Google mich zwingen ein Google Konto anzulegen, weil ich ein Android Telefon nutzen möchte? (...)

  • Berliner Smartphone-Bank: N26 sammelt 160-Millionen Dollar ein
    http://app.handelsblatt.com/finanzen/banken/smartphone-bank-160-millionen-dollar-berliner-fintech-n26-gewinnt-rekordfinanzierung/21089122.html

    VonFrank Matthias Drost, Katharina Schneider

    In seiner dritten Finanzierungsrunde verbucht N26 einen Rekord. Ein Großteil der Millionen kommt von der Allianz und Tencent.

    BerlinDie Smartphone-Bank N26 hat die bislang größte Eigenkapitalfinanzierung eines deutschen Finanztechnologieunternehmens (Fintech) gestemmt. Das junge Unternehmen aus Berlin konnte Risikokapital in Höhe von 160 Millionen Dollar mobilisieren und mit der digitalen Investment-Einheit der Allianz-Gruppe und dem chinesischen Internet-Unternehmen Tencent neue Miteigner gewinnen.

    „Beide zählen nicht nur zu den führenden Unternehmen in ihren Branchen Finanzdienstleistungen (Allianz) und Internet Services (WeChat), sondern haben auch ein klares Verständnis davon, wie Technologie und Design die Industrie verändern können“, sagt Valentin Stalf, Chef und Mitgründer von N26.

    Den bisherigen Finanzierungsrekord deutscher Fintechs hielt Kreditech. Die Hamburger Kreditplattform sammelte zuletzt 120 Millionen Dollar ein, doch laut Statistik des Unternehmensberaters Peter Barkow war darin auch ein Anteil Fremdkapital enthalten.

    N26 dagegen betont, dass es sich bei seiner Finanzierungsrunde um reines Eigenkapital handelt. Insgesamt hat die Smartphone-Bank damit nun 215 Millionen Dollar von internationalen Geldgebern erhalten. Auch die bisherigen Investoren haben sich an der neuen Kapitalrunde wieder beteiligt. Zu ihnen zählen unter anderem der Milliardär Li Ka-Shing, der US-Investor Peter Thiel und Mitglieder des Zalando-Managements.

    N26 hat seit anderthalb Jahren eine Banklizenz und ist eines der wenigen Fintechs, die auf einen Konfrontationskurs zu den traditionellen Geldhäusern setzen. Dank zahlreicher Kooperationen mit anderen Fintechs bieten die Berliner längst mehr als nur eine schicke App. Kunden können mithilfe von Transferwise Fremdwährungsüberweisungen tätigen, über Weltsparen Zinskonten eröffnen, über Auxmoney Kredite abschließen und mithilfe von Clark Versicherungen vergleichen. In Frankreich ermöglicht N26 zudem die Nutzung von Apple Pay.

    Andere Fintechs setzen in der Mehrheit auf Kooperationen mit klassischen Banken oder Finanzdienstleistern. So auch die Solarisbank, die ebenfalls eine Vollbanklizenz besitzt und kürzlich 56,6 Millionen Dollar eingesammelt hat. Über ihre Plattform können andere Unternehmen Finanzdienstleistungen in ihr Geschäftsmodell integrieren.

    Die Strategie von N26 scheint aufzugehen: Seit dem Markteintritt Anfang 2015 hat die Bank mehr als 850.000 Kunden gewonnen und zählt damit nach eigenen Angaben zu den am schnellsten wachsenden Banken in Europa. Ein gut gehütetes Geheimnis ist dabei, wie viele Kunden N26 als Erstbank nutzen, also beispielsweise auch ihr Gehaltskonto dort führen. Ziel ist es, bis Ende 2020 mehr als fünf Millionen Kunden zu gewinnen.

    Noch ambitionierter sind dagegen die Wachstumspläne des britischen Konkurrenten Revolut. Das Fintech ist seit Herbst 2017 auch in Deutschland aktiv und wartet noch auf die Erteilung seiner europäischen Banklizenz. Für 2022 peilt es weltweit 50 Millionen Kunden an – aktuell sollen es bereits 1,5 Millionen sein.

    N26 ist bislang bereits in 17 europäischen Ländern aktiv. Mit dem akquirierten Kapital will das Unternehmen die neuen Märkte in Großbritannien und teilweise in den USA erschließen. „Der Großteil des Geldes wird nach Europa fließen“, so Stalf. Es gebe derzeit keine Überlegungen, den asiatischen Markt zu erschließen – trotz des neuen Investors.

  • Privatisierung ǀ Feudalismus 4.0 — der Freitag
    https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/feudalismus-4.0

    Was Google, Amazon und Co. mit der Finanzkrise zu tun haben und warum uns die Digitalisierung nicht in ein postkapitalistisches Paradies führen wird Evgeny Morozov | Ausgabe 49/2017 2

    Der Aufstieg von „Big Tech“ – also der Erfolg datenintensiver Plattformunternehmen meist mit Sitz in Nordamerika, zunehmend auch in China – hat zu einem interessanten Zeitpunkt stattgefunden. Die meisten Beobachter haben nicht bemerkt, dass sich der kometenhafte Aufstieg dieser Konzerne zumindest zeitweilig mit der beginnenden, immer noch nicht abgeschlossenen Erholung von der globalen Finanzkrise überschnitt.

    Das dürfte kaum Zufall sein. Der Aufstieg von Big Tech liegt tatsächlich zum Teil in der Tatsache begründet, dass viele dieser Plattformen all jenen, die unter der Krise zu leiden haben – ob Institutionen oder einzelnen Bürgern –, dabei geholfen haben, ihre Haushalte beziehungsweise Einkommen um neue Einnahmequellen zu ergänzen und ihre Ausgaben radikal zu senken. Zugleich ist die Expansion von Big Tech von den wachsenden Hoffnungen der globalen Eliten darauf befeuert worden, dass der Technologiesektor die Weltwirtschaft nicht nur aus der Krise führen, sondern auch einen reibungslosen Übergang zu einem ganz anderen Wirtschaftsmodell erlauben wird, das ohne die parasitären, rentieristischen Aspekte auskommt, die wir heute beobachten. Der Aufstieg von Big Tech wird also nicht als Symptom der globalen Wirtschaftskrise, einer laxeren Kartellgesetzgebung oder der Privatisierung von staatlichen Aufgaben betrachtet, sondern in erster Linie als Lösung für all diese Probleme angesehen. Den ambitioniertesten Visionen zufolge soll er sogar zur Herstellung eines neuen politischen und wirtschaftlichen Status quo, einer Art neuem New Deal führen.

    Solche tiefverwurzelten Hoffnungen auf eine strukturell transformative digitale Revolution werden quer über das politische Spektrum hinweg gehegt. Da gibt es auf der Linken jene, die, wie der britische Journalist Paul Mason, der Meinung sind, dass die Digitalisierung bei den Bürgern nicht nur eine neue Art von politischer und kosmopolitischer Identität stiften, sondern zudem dabei helfen könnte, neue Formen flexibler, dezentraler ökonomischer Modelle zu propagieren, und es somit einem nicht näher spezifizierten künftigen sozialistischen Regime erlauben, den Fallstricken der Planwirtschaft zu entgehen. Dann sind da jene in der politischen Mitte – einem Segment, dem viele Umweltgruppen zuzurechnen sind –, die, wie der US-Soziologe und -Ökonom Jeremy Rifkin, der Meinung sind, dass durch das Internet der Dinge Waren und Dienstleistungen entstehen werden, deren Grenzkosten null betragen, wodurch sich die ökonomischen Grundlagen des Handels und des Vertragswesens fundamental verändern und uns in eine Zukunft führen werden, die dezentraler, humaner und umweltfreundlicher gestaltet sein wird. Und schließlich gibt es jene auf der postpolitischen libertären Rechten, die wie Google-Chefingenieur Ray Kurzweil glauben, dass digitale Technologien viele stagnierende Wirtschaftsbereiche, vom Bildungs- bis zum Gesundheitswesen, beeinflussen und dabei nicht nur neue Geschäftsmodelle schaffen, sondern zugleich auch die alten Institutionen wie den Wohlfahrtsstaat neu definieren werden.

    Privatisierte Wohlfahrt

    Ich werde hier die These vertreten, dass es zum einen zwar richtig ist, dass der Aufstieg von Big Tech die Weltwirtschaft in Gang gehalten hat, ohne systemübergreifende politische Veränderungen zu provozieren, es zum anderen aber auf lange Sicht viel wahrscheinlicher ist, dass der Erfolg der Technologieunternehmen die Widersprüche des bestehenden Systems einfach multiplizieren und viele seiner Elemente, Beziehungsformen und Praktiken noch stärker hierarchisieren und zentralisieren wird. Darüber hinaus behaupte ich, dass die Erwartung, aus einer durch und durch vernetzten und von riesigen Datenmengen gestützten Wirtschaftsweise werde eine andere ökonomische Logik hervorgehen, zwar nicht abwegig ist, dass es aber gute Gründe für die Annahme gibt, die systemische Transformation werde zu einem System führen, das zwar nicht unbedingt der Logik der Kapitalakkumulation unterliegen muss, aber ebenso wenig notwendigerweise in die Richtung eines postkapitalistischen egalitären Nirwanas tendieren muss.

    Die rasante Aufstieg digitaler Plattformen hat einen weithin unsichtbaren privatisierten Parallelwohlfahrtsstaat hervorgebracht, durch den viele unserer alltäglichen Aktivitäten entweder von Big-Tech-Unternehmen (die an unseren Daten interessiert sind) massiv finanziell subventioniert oder, wie im Falle kleinerer Firmen und Start-ups, durch Risikokapitalanleger abgesichert werden, die darauf hoffen, dass sie sich mit kurzfristigen Verlusten langfristige Vorherrschaft erkaufen können. Das Beispiel Uber mit seinen bekannt günstigen Preisen ist hier einschlägig: Die von den Fahrgästen an das Unternehmen entrichteten Gebühren sind oft so niedrig, dass sie allein nicht ausreichen würden, um den Service weiter anzubieten. Ubers Investoren, von der saudischen Regierung bis zu Goldman Sachs, gleichen die Verluste aus.

    Hier wird deutlich, dass der Zusammenhang des Aufstiegs von Big-Tech-Plattformen mit der globalen Finanzkrise weder selbstverständlich ist noch unmittelbar besteht: Die anhaltende Krise vergrößert nicht nur die Nachfrage nach billigeren Dienstleistungen sowie nach Verdienstmöglichkeiten (unter welch prekären Arbeitsbedingungen auch immer), sondern sorgt darüber hinaus, vor allem aufgrund niedriger Renditen in den traditionellen Anlagebereichen von Investoren (etwa bei Dividenden und Staatsanleihen), für eine Umschichtung großer Mengen globalen Kapitals in den Händen von Staatsfonds und institutionellen Anlegern, die auf der Suche nach besser verzinslichen Investitionen ihr Geld in vielversprechende Technologieplattformen stecken.

    Eine unangenehme und von den meisten Fürsprechern der digitalen Wirtschaft kaum jemals erwähnte Tatsache ist die, dass der Markt trotz der Fülle an Start-ups und der massiven Unterstützung, die sie von Risikokapitalgebern erhalten, unter fünf großen Konzernen – Apple, Google, Facebook, Microsoft und Amazon – aufgeteilt ist und viele Start-ups über genau ein Geschäftsmodell verfügen: nämlich von einem dieser Konzerne aufgekauft zu werden. Die Start-ups müssen sich also nicht sonderlich intensiv mit ihrer Umsatzgenerierung und Rentabilität beschäftigen; es ist völlig ausreichend, wenn sie ihre Dienstleistungen so konzipieren, dass sie auf einer Linie mit den Expansionsstrategien von Akteuren wie Google oder Facebook liegen, die nach der Übernahme eines Start-ups und der von ihm gewonnenen Daten dann schon eine Möglichkeit finden werden, es in ihre riesigen Datenimperien zu integrieren. Facebooks Übernahme von Whatsapp, das zum Zeitpunkt seiner Veräußerung gerade einmal ein paar Dutzend Leute beschäftigte, ist die Messlatte für solche Geschäfte.

    Viele Risikokapitalgeber würden es paradoxerweise lieber sehen, wenn Start-ups nun das Gegenteil ihres Geschäftsmodells verfolgen würden. Die Idee, dass die von diesen Start-ups angebotenen Dienstleistungen kostenpflichtig sein und wie jedes andere normale Geschäft auch behandelt werden sollten, findet ihre technische Entsprechung in der umfassenden und sich rasch erweiternden Sensoren- und Zahlungsinfrastruktur, die hinter dem Internet der Dinge und der Smart City steht. Diese erlaubt es, sowohl die Nutzer als auch die Nutzung bestimmter Dienstleistungen und Infrastrukturen zu identifizieren und den Nutzern entsprechend in Rechnung zu stellen. Es ist gut möglich, dass das „Freemium“-Modell eigentlich nur ein vorübergehendes, sehr frühes Stadium der digitalen Transformation markierte. Schließlich entspricht eine Ökonomie ubiquitärer Gebührenerhebung, die sich nach der Dauer der tatsächlichen Nutzung sowie den aktuellen Marktpreisen für die Nutzung des Guts richtet, weitaus eher vielen anderen Entwicklungen im Finanzkapitalismus der Gegenwart.

    Millionen benutzte Nutzer

    Was aber ist mit Google, Facebook und dem Rest? Diese werden ihre bestehenden Geschäftsmodelle gewiss nicht aufgeben. Sollte man daher zu Recht annehmen, dass das Zeitalter der „Gratiskultur“ mit seinen zahlreichen Vorzügen – die Alphabet-Chefökonom Hal Varian so zusammenfasst, dass sie den Armen, vermittelt durch die Technik, das zur Verfügung stellt, in dessen Genuss die Ober- und Mittelklasse lange Zeit auf andere Weise gekommen ist – noch eine Weile andauern wird?

    Hier ist Skepsis angebracht. Erstens sind die kostenlosen Vorzüge, die manche irrigerweise für eine neue Art von Sozialleistungen halten, aufs Engste mit einem sehr spezifischen Geschäftsmodell der Big Five verknüpft. Im Falle von Alphabet und Facebook besteht es darin, Werbemöglichkeiten zu verkaufen, bei Microsoft und Amazon im Verkauf von Software, Hardware oder anderen Gütern; bei Amazon besteht die Wohlfahrtsleistung in der Bereitstellung nicht so sehr kostenloser, sondern verbilligter Dienste: Durch seine Größe ist es in der Lage, Produkte zu viel günstigeren Preisen als seine Konkurrenten anzubieten, ganz so, wie Walmart es vorgemacht hat.

    Diese bisherigen Geschäftsmodelle gibt es noch immer, und sie werden aller Voraussicht nach noch eine Weile existieren. Dennoch bestreitet kaum jemand die grundlegenden Veränderungen, zu denen es im vergangenen Jahrzehnt dank der beeindruckenden Fortschritte auf einem speziellen Gebiet der künstlichen Intelligenz gekommen ist: beim Maschinenlernen. Große Technologiefirmen haben es erstens vermocht, Möglichkeiten zur Extraktion großer Datenmengen zu entwickeln, die häufig aus Aktivitäten stammen, die ihre ursprünglichen Geschäftsfelder nur am Rande berührten, und zweitens Millionen Nutzer ohne deren Wissen dafür eingespannt, ihre Systeme darauf zu trainieren, smarter und autonomer zu werden. Alphabets selbstfahrendes Auto ist dafür ein gutes Beispiel: Dank der Fortschritte in der Mapping-Technologie und der Verfügbarkeit äußerst detaillierter Informationen über geografische Orte können die Autos leicht ihren eigenen Standort ermitteln und etwa Routen berechnen. Aufgrund der Fähigkeit, Objekte zu erkennen – die sich die Software von Alphabet aneignen konnte, weil zahlreiche Nutzer ihr halfen, etwa Katzen und Hunde zu unterscheiden –, kann ein Auto mittlerweile angemessen reagieren, wenn es bestimmten Gegenständen begegnet.

    Amazon, Facebook und Microsoft, ganz zu schweigen von Alphabet, haben alle in Entwicklungen auf diesem Gebiet investiert und selbst nennenswerte hervorgebracht. Die Anwendungen solcher Technologien sind alles andere als trivial, wie etwa die Kooperation von Alphabet mit dem britischen National Health Service belegt: Dank seiner KI-Technologie, die durch den Erwerb von Deepmind noch einen weiteren Entwicklungsschub erfahren hat, kann Software von Alphabet beispielsweise frühzeitig Nierenerkrankungen erkennen. Und mit je mehr Daten sie gefüttert wird, desto besser sind diese Prognosen. Von der Bildung bis zum Versicherungswesen, vom Energie- bis zum Bankensektor: Ganze Industrien und Sozialbereiche werden von der künstlichen Intelligenz transformiert. Und da die jüngsten Durchbrüche in der KI-Forschung zum einen von riesigen Mengen extrahierter Daten und zum anderen durch Millionen Nutzer verursacht worden sind, die das System im Zuge der Verrichtung anderer Aktivitäten gelehrt haben, smarter zu werden, wird offensichtlich, dass die einzigen Akteure, die die Steuerung solcher Transformationen bewältigen können, die Big-Tech-Unternehmen sind. Das neue Modell ist klar: Diese Unternehmen eignen sich die aktuell wertvollste Ressource beziehungsweise die wertvollste Dienstleistung – die künstliche Intelligenz – an, während die übrige Gesellschaft und die Wirtschaft Wege finden müssen, um diese Technologie in ihre Aktivitäten zu integrieren und sämtliche Bedingungen zu erfüllen, die die Unternehmen stellen, auf die sie angewiesen sind.

    Für einen Konzern wie Alphabet eröffnen sich damit neue Geschäftsmodelle. Die Aussage, Alphabet sei im Suchmaschinen- oder Werbegeschäft tätig, ist daher nicht ganz korrekt. In Wirklichkeit ist es auf dem Sektor der Informationsprognose aktiv – und verfügt über viele weitere Möglichkeiten, sich bezahlen zu lassen, die nichts mit Werbung zu tun haben und keine Suchbegriffe benötigen, um herauszufinden, worin unser jeweiliges Informationsbedürfnis besteht. Die Wahrheit ist, dass Alphabet so viele Daten über uns gesammelt hat, dass der Konzern zu jedem beliebigen Zeitpunkt weiß, welche Informationen wir gerade benötigen. Es ist die Fähigkeit des Konzerns, diese Informationen durch die Verwendung von KI zu nutzen, welche es zum nahezu unangefochtenen Vorreiter in diesem Bereich macht.

    Ende der Gratiskultur

    Im Falle sich verschärfender rechtlicher Rahmenbedingungen etwa durch die EU-Kommission, eines schrumpfenden weltweiten Werbemarktes oder der Erfindung eines Werbeblockers, den Alphabet nicht sperren könnte, verfügt das Unternehmen noch immer über ein robustes alternatives Geschäftsmodell, das darin besteht, Bürgern und Regierungen KI-Dienstleistungen zu verkaufen. Sollte ein solcher Kipp-Punkt erreicht werden, dann stünde Alphabet tatsächlich den Geschäftsmodellen der jüngsten Generation von Start-ups viel näher, die keine kostenlosen Dienste mehr anbieten, sondern ihre Kunden einfach für deren Nutzung bezahlen lassen wollen, ob pauschal oder mengenabhängig. Das ist zumindest das Geschäftsmodell von Amazons nach Gewinnanteilen betrachtet lukrativster Sparte, dem Tochterunternehmen Amazon Web Services; dieses lässt sich von dritten Unternehmen für die Bereitstellung von KI-basierten Diensten wie Objekt- oder Stimmerkennung bezahlen.

    In einem bestimmten Sinne kann man natürlich an der Illusion festhalten, dass die auf Regierungen zugeschnittenen Dienstleistungen von Alphabet selbst dann, wenn ein Übergang zum KI-zentrierten Geschäftsmodell tatsächlich stattfindet, immer noch kostenlos bleiben und damit eine Fortsetzung des privatisierten digitalen Wohlfahrtsmodells darstellen würden. Dies wäre aber selbstverständlich eine Täuschung: Denn während die Patienten vielleicht noch nicht dazu bereit waren, etwas dafür zu bezahlen, dass sie von der Früherkennung von Nierenerkrankungen profitieren, die Alphabet dem Gesundheitssystem ihres Landes zur Verfügung gestellt hat, werden sie als Steuerzahler doch mit Sicherheit für einige dieser Dienstleistungen aufkommen müssen, da Alphabet diese nicht aus Gründen der Mildtätigkeit anbietet, jedenfalls nicht für alle. Eine solche Privatisierung des Gesundheitssystems liegt genau auf der Linie des generellen Trends zur Privatisierung und zur Ausweitung der Tätigkeiten von Unternehmen im Bereich der Daseinsvorsorge, der in mehreren entwickelten Volkswirtschaften zu beobachten ist.

    Natürlich haben wir es hier mit einer Transformation in einem allgemeineren Sinne zu tun: Mit der Konzentration von künstlicher Intelligenz – einer Vermittlungsinstanz, die künftig wohl sämtliche Bereiche des Lebens und Regierens durchdringen wird – in den Händen einiger weniger privater Firmen dürften wir auch zu Zeugen eines enormen Verlusts von Verantwortung für und zivilgesellschaftlicher Kontrolle über wesentliche Teile der Gesellschaft werden. Die Big-Tech-Unternehmen befinden sich in einer äußerst beneidenswerten Lage: Sie haben fast 20 Jahre lang auf die unverschämteste Art und Weise Datenextraktivismus betrieben und sind jetzt an einem kritischen Punkt angelangt, an dem einige Akteure, darunter auch Regierungsinstitutionen, ihnen einigermaßen Konkurrenz machen könnten. Gleichzeitig haben sie es vermocht, viele staatliche Subventionen und militärische Forschungsmittel vom Pentagon und von diesem nahestehenden Institutionen einzuwerben, um ihre Fähigkeiten noch weiter zu entwickeln. Jetzt werden sie dazu übergehen, Regierungen und Steuerzahlern Produkte zu verkaufen, die mit ebenjenen Subventionen finanziert worden sind – und das zu exorbitanten Preisen! Das dürfte wohl kaum irgendeine Art von Übergang zum Postkapitalismus markieren.

    Soziale Hackordnung bleibt

    Die implizite Annahme, die vielen gegenwärtigen Auffassungen von der digitalen Transformation zugrunde liegt, lautet, dass jede Abweichung vom aktuellen kapitalistischen Modell auch ein Schritt hin zu einem besseren, progressiveren und faireren System sein muss. Diese Annahme scheint jedoch ungerechtfertigt zu sein. Zwischen der Ausbreitung von vernetzten und digitalen Technologien auf der einen und der Stärkung neuer und alter Hierarchieformen (auch solchen sozialer Natur) auf der anderen Seite besteht offenbar kein inhärenter Widerspruch. Selbstverständlich kann man der Meinung sein, dass eine Plattform wie Airbnb irgendwie die Macht der Immobilieninvestoren brechen und für die einfachen Hausbesitzer von Vorteil sein wird, die nicht denselben Zugang zu finanziellen Mitteln haben wie jene. Doch während dies vielleicht am Anfang so gewesen sein mag, hat sich die Immobilienbranche bei der Nutzung von Plattformen wie Airbnb zur Stärkung und sogar weiteren Expansion ihres Einflusses auf dem Immobilienmarkt als sehr findig erwiesen; Airbnb selbst hat diese Entwicklung begrüßt und individuelle Deals mit Großinvestoren ausgehandelt.

    Ähnliche Fälle lassen sich überall finden; selbst das paradigmatische Beispiel der „Empfehlungsökonomie“, durch die unser Platz in der Hackordnung der vernetzten Gesellschaft von unserem sozialen Kapital, der Stärke unserer Vertrauensnetzwerke, unserer Ehrlichkeit und weiteren Eigenschaften abhängig gemacht wird, geht von der Voraussetzung aus, dass Kategorien wie „Klasse“ obsolet geworden sind und daher in der Rangordnung der „Empfehlungsökonomie“ nicht auftauchen werden. Geht man allerdings weiter davon aus, dass unter ansonsten gleichen Umständen die Klassenzugehörigkeit die eigene Stellung in der Gesellschaft eben doch beeinflusst, dann wird man kaum um die Schlussfolgerung herumkommen, dass die „Empfehlungsökonomie“ einfach nur eine clevere Methode ist, um bestehende soziale Hierarchien und Ungleichheiten zu perpetuieren und vielleicht sogar zu verstärken, obgleich sie selbst diese Unterschiede als rein natürlichen – und daher völlig gerechtfertigten – Ausdruck unserer Stellung in der Gesellschaft insgesamt ausgibt, die vermeintlich von unseren Fähigkeiten oder etwa unserer Ehrlichkeit abhängig ist.

    Dank eines ausgefeilten Instrumentariums zur Sammlung von Daten in Echtzeit – ein Vorgang, der heute schon beginnt, wenn die Nutzer noch im Kindergartenalter sind – verfügt der gegenwärtige digitale Kapitalismus über die perfekten Mittel, um Wetten auf das „Humankapital“ – Menschen – abzuschließen und seine vielversprechendsten Vermögensgegenstände von denen zu separieren, die hinter den Erwartungen zurückbleiben und die eigentlich gar nichts verdienen und dem System letztlich zur Last fallen. Aus Sicht des digitalen Kapitalismus kann die Wissensökonomie eine wunderbare Sache sein – nur dass es heute eben viel zu viele unproduktive Menschen gibt, als dass diese Ökonomie wirklich ihr volles Potenzial entfalten und zu nachhaltigem Wohlstand führen könnte. Und die Krise des Kapitalismus insgesamt – ob man sie nun als „säkulare Stagnation“ oder als eine noch fundamentalere strukturelle und vielleicht tödliche Fehlfunktion kategorisiert – wirkt nicht gerade vertrauensbildend. Der Geist des Egalitarismus stellt, insofern er den sozialdemokratischen Kompromiss des Wohlfahrtsstaats mit seinen Grundbausteinen Solidarität, Anonymität und Fairness belebt, ein Hindernis für jene Art der sozialen Sortierung dar, die stattfinden muss, bevor die Wissensökonomie von den humanistischen Ketten befreit werden kann, von denen sie seit Anbeginn gefesselt war.

    Natürlich: Das 20. Jahrhundert mit all seinem Grauen haben wir längst hinter uns gelassen, so dass kein Weg mehr zu den alten, brutalen Methoden zurückführt, mit denen einer Gesellschaft ihr egalitärer Geist zugunsten neuer Hierarchien ausgetrieben werden kann. Die Konturen des neuen Gesellschaftsvertrags sind zwar noch nicht vollständig auszumachen, aber man kann bereits darüber spekulieren, was er umfassen wird.

    Zunächst ist hierzu zu sagen, dass man heute, anders als in den 1930ern, als keynesianische Maßnahmen zur Förderung von Vollbeschäftigung breite Unterstützung in den wichtigen politischen Lagern gefunden haben, realistischerweise nicht mehr von einer Rückkehr der Vollbeschäftigung ausgehen kann. Der progressivste Industriezweig – nämlich Big Tech – scheint dies bereits verstanden zu haben, was erklärt, warum viele prominente Investoren in diesem Bereich zu lautstarken Verfechtern der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens geworden sind. Dass die Konzerne aus Silicon Valley diese Idee unterstützen, dürfte auf der Hand liegen: Schließlich beherrschen sie kaum etwas so gut, wie die eigene Steuerlast zu minimieren, so dass sie mit größer Wahrscheinlichkeit nicht viel zur Finanzierung solcher Sozialprogramme beitragen würden.

    Dass das Silicon Valley das bedingungslose Grundeinkommen befürwortet, ist auch ein Indiz dafür, dass eine der bereits genannten Thesen dieses Essays korrekt ist: Die gesamte Technologieindustrie schwenkt von einer auf kostenlosen und massiv subventionierten Gütern und Dienstleistungen basierenden Wirtschaftsweise zu einem neuen Geschäftsmodell um, bei dem jedes Gut und jede Dienstleistung komplett kostenpflichtig und die Preisgestaltung vielleicht sogar von der Zahlungskraft des jeweiligen Kunden abhängig ist. Und eine Ökonomie, in der uns eine mit zahlreichen Sensoren ausgestattete Infrastruktur flexible Preise in Rechnung stellt, die sich danach richten, welche Menge einer gegebenen Ressource wir genutzt haben, und vielleicht auch danach, wie sehr wir dies genossen haben, setzt voraus, dass die Konsumenten auch wirklich über das nötige Geld verfügen, um all jene Güter und Dienstleistungen bezahlen zu können – und dass dieses Geld nicht einfach aus neuen Schulden stammt. Anders formuliert: Aus der Perspektive der Risikokapitalgeber im Silicon Valley ist das Projekt des bedingungslosen Grundeinkommens eine fantastische versteckte Subvention für die Silicon-Valley-Unternehmen selbst.

    Phantasma Grundeinkommen
    Nun wird Derartiges der Öffentlichkeit natürlich nicht auf diese Weise schmackhaft gemacht. Den Bürgern wird stattdessen etwa versichert, das bedingungslose Grundeinkommen sei eine tolle Idee, die uns für die Schrecken der Automatisierung und für all die von uns extrahierten Daten entschädigen könne. Solange diese Rhetorik dazu beiträgt, alle Arten von politischen Zusammenschlüssen zu unterdrücken, die die Frage nach dem Dateneigentum aufwerfen, bleibt ein solches Grundeinkommen aus der Perspektive von Big Tech ein wunderbares Glücksspiel, schließlich müssen die Technologiefirmen selbst nicht viel dafür aufwenden, dass es gespielt wird.

    Der eigentliche politische Schachzug sieht etwas anders aus. Zunächst einmal ist es offensichtlich, dass die meisten Entwürfe zu einem bedingungslosen Grundeinkommen ohne signifikante Anstrengungen zur Umverteilung von Wohlstand und Einkommen nur sehr schwer finanzierbar sein dürften. Also werden wir es voraussichtlich mit Konzepten zu tun bekommen, die dieses Grundeinkommen auf bestimmte Gruppen von Bürgern einschränken wollen. Denjenigen an der Spitze der neuen gesellschaftlichen Hierarchie – jenen also, die qualitativ hochwertige Daten produzieren oder innovative Ideen zur „Wissensökonomie“ beisteuern – wird es möglicherweise gestattet werden, Vertragspartei des neuen New Deal zu werden. Dies mag sich weit weniger emanzipatorisch anhören, als es früher vielleicht einmal der Fall war, und das nicht zuletzt deshalb, weil wir zeitgleich mit der Einführung des Grundeinkommens für wenige eine Intensivierung des Rentierismus auf den übrigen Feldern der Wirtschaft feststellen werden, so dass ein Gutteil des an die Bürger ausgezahlten Geldes in Gestalt von Zahlungen für elementare Güter und Dienstleistungen wieder in den Unternehmenssektor zurückfließen wird.

    Was aber ist mit jenen am unteren Rand der sozialen Pyramide, die demnach nicht zu den Vertragsparteien der neuen gesellschaftlichen Vereinbarung gehören werden? Die Antwort darauf ist nicht so eindeutig. Die einfachste Lösung bestünde darin, die Armen und Überflüssigen der Fürsorge der globalen technophilanthropischen Klasse zu überlassen; die wird sich schon neue, innovative und letztlich private Lösungen für deren Probleme ausdenken. Eine davon, die ein Hightech-Unternehmer und erklärter Trump-Anhänger propagiert, lautet: Man solle doch Virtual-Reality-Brillen an die Elenden verteilen, mit denen sie auf ziemlich preiswerte Weise den ganzen Tag lang virtuelle Glückseligkeit und Freude erleben können.

    Wie kann dieses neue System wachsen und die Reichen – die kein bedingungsloses Grundeinkommen und keine virtuelle Realität brauchen – noch reicher machen? Früher war es so, dass es negative Auswirkungen auf die Wirtschaftstätigkeit hatte, wenn man den Menschen lebensnotwendige Güter wie Nahrung, Obdach und Sicherheit vorenthielt. Der Wohlfahrtsstaat baut in vielerlei Hinsicht auf diesem Grundgedanken auf; den Kapitalismus durch die Sozialisierung des Risikos zu stabilisieren, schien der richtige Weg zu sein.

    Heute herrscht allerdings eine andere Logik vor, gerade weil sich die technologischen Bedingungen so sehr verändert haben, dass die Bürger bei der Suche nach Lösungen für ihre Not recht einfallsreich sein können. Und je schlechter ihre Lage ist, desto kreativer fallen die Lösungsideen aus. Damit dieses System expandieren kann, müssen die Unternehmen einfach nur diesen Innovationsmehrwert abschöpfen und ihn auf profitable Weise nutzen. Wollte man die Weisheit dieses neuen digitalen Zeitalters in einem prägnanten Satz zusammenfassen, dann würde er wahrscheinlich lauten: „Warte nicht, bis die Regierung dir hilft – erstell deine eigene App!“ Und mach dir nichts daraus, dass irgendwo irgendwer – höchstwahrscheinlich die Technologiefirma, die hinter der Plattform steht, auf der du deine App erstellst – von dieser auf eine Weise profitieren wird, von der ihr eigentlicher Schöpfer nicht einmal zu träumen wagt.

    Wachstum und Enteignung

    Dies ist der wesentliche Grund dafür, dass der Aufstieg von Big Tech und die Fortdauer der globalen Finanzkrise zusammengedacht werden müssen. Die in vielen entwickelten Volkswirtschaften anzutreffenden Austeritätsbestrebungen, Kürzungen bei staatlichen Dienstleistungen und bei den Realeinkommen bilden die Hauptursache dafür, dass Akteure wie Uber und Airbnb so stark expandieren konnten: Ein bankrottes Städtchen irgendwo in Florida oder New Jersey kann sich kein annehmbares öffentliches Nahverkehrssystem leisten, also bezahlt es stattdessen Subventionen an Uber, um seinen Bürgern ein günstiges Verkehrsmittel anzubieten.

    Nach David Harvey ist die neoliberale Phase des globalen Kapitalismus von einer Logik gekennzeichnet, die er „Akkumulation durch Enteignung“ nennt; sobald sich das Wachstum verlangsamt, werden die Reichen dadurch reicher, dass die existierenden Ressourcen zuungunsten der Armen umverteilt werden. Der Aufstieg der Informationstechnologie hat diese Logik noch etwas weiter gesponnen, insofern das Kapital durch die Enteignung der Ressourcen der Menschen und ihre gleichzeitige Versorgung mit hochkomplexen, aber allgemein verfügbaren Mitteln zur Selbsthilfe auch deren kreative Potenziale erschließt, was die Menschen dann dazu mobilisiert, durch ihre Mitwirkung an Apps, Plattformen und anderen Gestalten der Wissensökonomie zur Erreichung seiner Ziele beizutragen. Das Kapital wächst also selbst dann noch, wenn es die Armen durch Umverteilung ihrer Ressourcen beraubt.

    Wie sollte also unsere vorläufige Einschätzung dieses neuen gesellschaftlichen und politischen Deals ausfallen? Was seine Grundlagen angeht, scheint er durchaus „postkapitalistisch“ zu sein: Ein großer Teil der Arbeit wird automatisiert, an die Stelle des Arbeitslohns als sozialer Institution tritt ein bedingungsloses Grundeinkommen, und die Armen und Schwachen durchlaufen nicht mehr die Institutionen des Sozialstaats, sondern sollen ein von virtueller Realität konstituiertes Hightech-Universum bevölkern, in dem sie nicht einmal mehr als Menschen behandelt werden. Wer kreative Fähigkeiten besitzt, wird selbst dann, wenn er ein Grundeinkommen bezieht, dauerhaft vom System herausgefordert, so dass er sich aus jeder Art von Notlage herausinnovieren kann – was all jene noch reicher macht, denen die Mittel der Heilsbringung gehören. Darüber hinaus bilden sich wieder Hierarchien heraus, auch wenn wir sie „Netzwerke“ und „Empfehlungssysteme“ nennen.

    Dass dieses neu entstehende System postkapitalistisch ist, bedeutet nicht, dass es nicht auch neofeudalistisch wäre, mit Big-Tech-Unternehmen in der Rolle der neuen Lehnsherren, die fast jeden Aspekt unseres Lebens kontrollieren und zugleich die Rahmenbedingungen des politischen und gesellschaftlichen Diskurses festlegen. Aus Sicht eines normalen Bürgers ist das neue System höchst problematisch, aufgrund seines Inegalitarismus, aber auch aufgrund seiner Willkürlichkeit und Beliebigkeit. Solange man die Existenz der „Überschuss-Bevölkerung“ anerkennt und auch, dass die herrschende Klasse nicht mehr bereit ist, ihr gegenüber weiterhin Zugeständnisse irgendeiner Art zu machen – abgesehen vielleicht von netten Updates für ihre Virtual-Reality-Brillen –, dann ist es kaum vorstellbar, dass die Zahl dieser „Überflüssigen“ mit zunehmender Automatisierung nicht weiter anwachsen sollte.

    Doch auch für die, die nicht in diese Kategorie fallen, ist das Leben mit einem bedingungslosen Grundeinkommen kaum erfüllend oder emanzipatorisch. Worin besteht der Sinn eines bedingungslosen Grundeinkommens, wenn es vollständig von Tributzahlungen für die Nutzung grundlegender Dienstleistungen aufgezehrt wird? Und was geschieht, wenn die Verbindlichkeiten einer Person ihr Grundeinkommen übersteigen? Würde das bedeuten, dass ihre Besitztümer – die voller Sensoren stecken und in Netzwerke eingebunden sind – abgeschaltet werden, und zwar so, wie einige Amerikaner es bereits jetzt erleben: dass ihr Wagen per Fernsteuerung deaktiviert wird, wenn sie mit den Raten für ihren Autokredit in Rückstand geraten? Was passiert, wenn man Schulden bei Alphabet hat – etwa für die Nutzung einer seiner erweiterten KI-Dienstleistungen – und das Unternehmen zugleich das nationale Gesundheitssystem betreibt? Hieße das dann, dass man keinen Zugang zu medizinischer Versorgung mehr hätte, solange man seine Schulden nicht begleicht?

    Es gibt einiges, was für technoutopische Narrative spricht. Und da sich der Kapitalismus derzeit in einer schweren Krise befindet, sollten wir alternative Visionen davon, wie wir unser Leben organisieren, nicht einfach von vornherein verwerfen. Das Problem ist, dass die meisten der aus dem Silicon Valley stammenden technoutopischen Narrative sich des Wesens der gegenwärtigen Krise weder vollständig bewusst sind noch Ehrlichkeit walten lassen im Hinblick auf die Frage, wie ihre eigenen sich wandelnden Geschäftspolitiken ihre soziale und politische Rhetorik beeinflussen. Eine postkapitalistische Welt ist definitiv etwas, für das es sich zu kämpfen lohnt – aber nicht, wenn in ihr die schlimmsten Auswüchse des Feudalismus zu neuem Leben erweckt werden.

    Dieser Artikel erschien in Ausgabe 49/2017 vom 07.12.2017

    #disruption #économie #société

  • Nach Berichten über schlimme Zustände bei Zulieferern lässt der iPh...
    https://diasp.eu/p/6838070

    Nach Berichten über schlimme Zustände bei Zulieferern lässt der iPhone-Hersteller regelmäßig die Arbeitsbedingungen überprüfen. Laut neuestem „Supplier Responsibility Report“ ist der Konzern dabei teilweise weitergekommen – teilweise aber auch nicht. Asien: Apple kontrolliert Lieferanten schärfer #Apple #Arbeitsbedingungen #Arbeitsschutz #Asien #Kinderarbeit #Konfliktmineralien #Lieferkette

  • „Das Radio hat sein Monopol verloren“: Wie Sprachsteuerung und Audio-Formate den Medienmarkt revolutionieren › Meedia
    http://meedia.de/2018/01/29/das-radio-hat-sein-monopol-verloren-wie-sprachsteuerung-und-audio-formate-den

    Audio-Formate und Sprachassistenten befinden auf dem Vormarsch und werden auch 2018 eines der Trendthemen in der Medienbranche sein. Neben dem Smartphone machen so genannte Smart Speaker wie Amazons Echo oder Google Home das Feld der Audio-Inhalte für Redaktionen und Content-Produzenten interessanter. MEEDIA zeigt, welche Werkzeuge notwendig sind, um sich als Medienanbieter durchzusetzen.

    Von Marvin Schade

    In der Redaktion von T-Online in Berlin hat man unter Umständen nicht einmal auf dem stillen Örtchen seine Ruhe. Ein kurzer Sprachbefehl reicht aus und schon erklingt eine Stimme, die das Wetter für die Mittagspause vorträgt, die aktuelle Nachrichtenlage vorliest oder die eigene Lieblingsmusik auflegt. In den Redaktionsräumen in der Torstraße kann man der letzte Mitarbeiter im Büro sein und Selbstgespräche führen, eine hört immer mit: Alexa, die smarte Sprach-Assistentin von Amazon. Selbst in den Toiletten der Redaktion warten ihre Mikrofone darauf, die Wünsche der Belauschten zu erfüllen. Im Zweifel ließe sich mit ihr sogar Klopapier nachbestellen.

    Die überall in der Redaktion verbauten Mikrofone sind Teil eines Raumkonzeptes, mit dem T-Online den „modernsten Newsroom“ in Deutschland betreiben will. Ob Amazons Alexa, Google Home oder der bald in Deutschland verfügbare Home Pod von Apple: Sprachassistenten und deren Steuerung zählen auch in diesem Jahr zu den großen Trendthemen, auf die sich Medien einstellen, um ihren Konsumenten noch ein Stückchen näher kommen.

    „In zehn Jahren wird man mit Wehmut und Belustigung auf die Phase schauen, als in der digitalen Sphäre schriftliche Interaktion der Standard war“, hielt erst vor einigen Tage Spiegel-Online-Kolumnist und Digital-Philosoph Sascha Lob fest. Smart Speaker sind „Einstiegsdroge“ und zugleich „Brückentechnologie“, die das gesellschaftliche Leben verändern könnten, wie es zuletzt das iPhone getan hat. Kurz: Smart Speaker sind der neue heiße Scheiß.

    Verlässliche Angaben gibt es zwar nicht, Schätzungen zufolge verkauft aber allein Google seit Oktober vergangenen Jahres sekündlich mindestens einen Google-Home-Speaker, Amazon setzte allein im Weihnachtsgeschäft mindestens 20 Millionen Geräte mit Sprachassistenten-Funktion ab. Mit der Sprachsteuerung und entsprechenden Audio-Formaten sind durchaus Visionen verbunden. Ausgehend von wachsenden Datenvolumina auf mobilen Endgeräten, wird nicht nur Video- sondern auch Audiostreaming voraussichtlich zunehmen, Sprachassistenten werden nicht nur in der heimischen Küche beim Morgenkaffee die Nachrichten vorlesen, sondern auch während der Autofahrt zur Arbeit Befehle ausführen und für Unterhaltung sorgen.

    Geräte wie Amazons Echo-Modelle verfolgen in erster Linie natürlich eigene kommerzielle Ziele. Ein unbedachter Befehl reicht aus und in den Regalen des nächsten Logistiklagers wird bereits nach der neuen Waschmaschine gesucht, die Alexa eben bestellt hat. Um im Alltag des Nutzers eine hohe Akzeptanz zu erlangen, müssen die Geräte aber sehr viel mehr leisten als ein verlängerter Arm des E-Commerce zu sein. Deshalb konzipieren Hersteller ihre Smart Speaker als Plattformen, auf denen sich künftig viele Akteure aus Handel und Medien zusammenfinden und um die Aufmerksamkeit des Nutzers kämpfen werden.

    Für Medien bedeutet das, dass es eine weitere Plattform gibt, für die sie Inhalte aufbereiten können. Etabliert hat sich dafür der Begriff der „Homeless Media“. Losgelöst von der eigenen Homepage spielen Medienanbieter ihre Inhalte mittlerweile auf Plattformen wie Facebook Instant Articles oder Googles AMP aus, Fernsehsender machen ihre Mediatheken nicht mehr nur im Web verfügbar, sondern auch mit Hilfe von TV-Erweiterungen wie Google Chrome oder Amazon Fire TV, für Podcasts haben sich Plattformen wie iTunes, Soundcloud oder Spotify etabliert. Mit Audible ist derzeit ebenfalls wieder Amazon dabei, eine weitere Plattform zu schaffen. Die ARD hat gar eine eigene App entwickelt, die all ihre Audioformate bündelt. Und die Hör-Inhalte werden mehr angenommen denn je. Erstmals seit Jahren liegt die Nutzung laut ARD-/ZDF-Onlinestudie wieder fast gleichauf mit Video. Denn Audio ist jederzeit und überall verfügbar: beim Kochen, Joggen, im Auto. 13 Prozent der Nutzung entfallen auf Podcasts.
    “Audio ist der Text der mobilen Generation“

    Mit Smart Speakern kommen neue Endgeräte hinzu, die wieder eigene Anforderungen mitbringen. Sie locken Inhalte-Produzenten an, für die Audio-Inhalte bislang kaum beziehungsweise gar keine Rolle gespielt haben. „Das Radio hat sein Monopol verloren. Das Internet hat die Art und Weise verändert, wie wir Audio-Inhalte konsumieren“, sagt Marc Krüger. Er ist gelernter Radiojournalist und bislang einer der wenigen, die innerhalb der Branche zu einem Publisher gewechselt sind, um dort voranzutreiben, was er am besten kann: Als „Voice Redakteur“ soll er bei T-Online nicht nur über Sprachsteuerung schreiben, sondern Audio-Formate entwickeln und Inhalte produzieren. Im Team von Chefredakteur Florian Harms sind Audio-Inhalte ein neuer, aber wichtiger Bestandteil der Strategie zur publizistischen Aufwertung des Portals. Aktuell arbeite die Redaktion daran, erste „Leuchttürme“, wie Harms es nennt, zu bauen. Mit der audiovisuellen Aufbereitung des „Tagesanbruch“-Newsletters wolle man probieren und zeigen, was geht.

    Dass Audio-Inhalte in Zukunft eine dominierende Rolle in der Medienlandschaft einnehmen, glaubt nicht nur Sascha Lobo. “Audio ist der Text der mobilen Generation“, sagt Michael Bröcker. Seine Rheinische Post hat als eines der ersten regionalen Medienhäuser den Audiotrend erkannt Mitte 2017 richtig losgelegt.. Begonnen haben die Audio-Aktivitäten sogar ein Jahr früher, als die Redaktion begann, WhatsApp-Nachrichten nicht nur zu texten, sondern auch als Sprachnachrichten an die Nutzer zu verschicken. „Reden ist das neue Schreiben und Hören das neue Lesen“, lautet seine These. Auch deshalb gehe es darum, Inhalte für neue Audio-Plattformen möglichst schnell zu professionalisieren. Die Rheinische Post bietet mittlerweile sechs unterschiedliche Podcast-Formate an, mit denen sie eigenen Angaben zufolge mehr als 300.000 Zugriffe pro Monat verzeichnet. Den morgendlichen „Aufwacher“-Podcast vertreiben sie auch via Amazon Echo.

    Mit den neuen Playern wächst die Konkurrenz im ohnehin schon großen Wettbewerbsfeld. Radio- wie auch TV-Sender bringen bereits professionell produzierte audiovisuelle Inhalte mit, ohne zusätzlichen Aufwand zu betreiben. Vor allem im Umfeld der Kurznachrichten heben sich Marken wie „Tagesschau“ oder n-tv mit ihren prägnanten Senderstimmen auf der Alexa-Plattform vom Umfeld ab, das größtenteils auf die noch blecherne Alexa-Stimme setzt, ab.

    Auch wenn die RP in ihrem Echo-Skill (Skills sind so etwas wie programmierte Audio-„Apps“ für die Alexa-Plattform) News noch vom Computer vorlesen lässt, ist für Bröcker klar: “Kein Mensch braucht die vorgelesene Zeitung; das plumpe Vertonen von Nachrichten kann und wird nicht ausreichen.“ Der Hörer habe den Anspruch, informativ unterhalten zu werden, weshalb das Interesse an Podcasts sehr viel größer sei. Deshalb, glaubt Bröcker, ist der Markt trotz der Vielzahl an klassischen Anbietern noch nicht gesättigt. „Zeitungen haben sich über viele Jahre als Marken etabliert und treue Leser und Nutzer aufgebaut. Diese hören vielleicht klassisches Radio. Sie würden sich aber gerne auch Neuigkeiten von ihrer Lieblingszeitung anhören.”

    Sprachassistenten eröffnen freilich nicht nur für Nachrichtenmedien neue Möglichkeiten. Medienanbieter zielen darauf ab, zukünftig Ansprechpartner für zahlreiche Interaktionen zu werden. Während sich beispielsweise Programmies noch darauf beschränken, Alexa und Co. das TV-Programm aufsagen zu lassen, könnten Anbieter wie TV Spielfilm zukünftig auch für die Interaktion mit dem Endgerät verantwortlich sein. Erweiterungen wie Echo-Show, ein Alexa-Lautsprecher mit Bildschirm, geben den Inhalte-Produzenten die Möglichkeit, auch Video-Material zu zeigen.

    Um sich im Kampf um die Aufmerksamkeit aus der Masse hervorzuheben, ist das Herausarbeiten der eigenen Marke von großer Bedeutung. “Der Sprachsteuerung eine individuelle und unverkennbare Stimme zu geben, zählt derzeit zu den Hauptaufgaben – womöglich ist es sogar die wichtigste“, sagt T-Online-Mann Krüger. Während in Podcasts die Aufgabe von Moderatoren und Redakteuren übernommen werden kann, überlegt seine Redaktion – wie auch die Rheinische Post – für das Vertonen von Nachrichten eine eigene Stimme zu casten.
    Monetarisierung: „Einen komplizierten Prozess wollen wir vermeiden“

    Während die RP laut Bröcker zumindest ihren Aufwecker-Podcast mittlerweile sehr erfolgreich vermarkte, sind die Möglichkeiten der Monetarisierung insgesamt noch nicht weit gediehen. Seit die ARD-Werbetochter A&S begonnen hat, Podcasts in ihr Vermarktungsprogramm aufzunehmen, habe sich in der Branche aber schon einmal etwas bewegt, berichtet Krüger.

    Für Medienanbieter können übergreifende Vermarkter von Bedeutung sein. Die Einzelvermarktung gestaltet sich aufgrund nicht allzu hoher Reichweiten unter Umständen schwierig. Hinzu kommt, dass sich Podcast-Konkurrenten ohne Medienunternehmen im Hintergrund durchaus flexibler in der Produktpräsentation zeigen. Wenn Podcast-Moderatoren zugleich Werbeansager sind und unter Umständen noch die Vorzüge eines Produktes loben, ist das medienethisch zumindest diskussionswürdig. Medienanbieter verfahren hier selbst innerhalb der eigenen Formate durchaus unterschiedlich. Während Spiegel Online in seinem Politik-Podcast „Stimmenfang“ die Moderatorin ebenfalls die Werbung sprechen lässt, wird Sascha Lobos Debatten-Podcast bei SpOn von einer Werbestimme begleitet.

    Bei T-Online fange man derzeit an, sich mit dem Thema der Monetarisierung zu befassen, sagt Chefredakteur Harms. „Es soll natürlich erkennbar sein, dass es sich dabei um Werbekunden handelt, eine klare Kennzeichnung ist wichtig. Einen komplizierten Prozess, wie er beim Radio vorkommt, wollen wir aber vermeiden.“ Bröcker erklärt, bei der RP laufe vor allem die Vermarktung des morgendlichen Podcasts äußerst zufriedenstellend. Als Vorteil erweist sich derzeit, dass die Plattformbetreiber keine Einschränkungen in der Darstellung vornehmen und die Formate abspielen, wie sie angeboten werden. Also inklusive Werbung.

    Über Smart Speaker könnten bald weitere Monetarisierungsmöglichkeiten hinzukommen. Wenn Amazon selbst unter die Vermarkter geht und, wie ein CNBC-Bericht zuletzt andeutete, auch Werbung innerhalb der Skills plant, könnten die Betreiber entsprechend davon profitieren. Amazon hatte entsprechende Vorhaben zwar dementiert, der US-Sender beruft sich aber auf Insider.

    In der Monetarisierung hilfreich wäre auch mehr Transparenz, berichtet Krüger. Zwar stelle Amazon bereits Grunddaten wie Skill-Installationen und Abrufzahlen bereit. „Es ist aber nicht so, dass wir morgens eine Tabelle öffnen und alle Zahlen ausgewiesen bekommen.“ Angaben zur Verweildauer, Abruchsquoten, Abrufzeiten oder zur Wiederkehr, gebe es noch nicht. Er sei allerdings nicht pessimistisch: “Als Apple bei iTunes nach Jahren plötzlich mehr Daten zur Verfügung gestellt hat, ging ein Ruck durch die Podcastszene. Wenn andere Anbieter nun erkennen, dass dies die Inhalte auf ihrer Plattform besser macht, kann ich mir vorstellen, dass Amazon in Sachen Transparenz nachlegt.“

    Unterdessen befassen sich Redaktionen mittlerweile auch damit, wie smarte Geräte und Sprachsteuerung die eigene Arbeit erleichtern können. Die verbauten Alexa-Mikrofone bei T-Online mögen derzeit noch eher als Gag verstanden werden. Auch geht es sicher darum, sich selbst an die Nutzung zu gewöhnen, mit der Technik zu spielen und zu lernen. Innerhalb Harms‘ Redaktion hat Alexa aber bereits Aufgaben übernommen und erfüllt eine Berichtsfunktion. „Dazu zählt – wie für die Nutzer – die aktuelle Nachrichtenlage, Alexa kennt aber auch unsere Analytics-Daten und kann uns sagen, welche Themen am Vortag gut gelaufen sind und über welche Kanäle wir welche Reichweiten erzielt haben“, erklärt Harms.

    Das mag erst der Anfang sein. “Vorstellen kann ich mir eine ganze Menge. Vielleicht kommen wir irgendwann in die Situation, dass Alexa mit unserem CMS gekoppelt ist und Eilmeldungen für uns anlegt“, so eine Vision von Harms. „Natürlich auf Befehl eines Redakteurs.“

    #medias #radio

  • Amazon und Google: So will ein breites Bündnis die Übermacht der Konzerne stoppen | Berliner Zeitung
    https://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft/amazon-und-google-so-will-ein-breites-buendnis-die-uebermacht-der-k

    In Deutschland tritt ein breites Bündnis von Umwelt-, Landwirtschafts- und Entwicklungsorganisationen gegen die zunehmende Macht von Megaunternehmen an. Die neu geformte Initiative „Konzernmacht beschränken“ ruft in einem am Dienstag vorgestellten Papier die nächste Bundesregierung auf, den Trend zu einer immer höheren Marktkonzentration zu stoppen.

    Die schwache Fusionskontrolle schütze kleine Firmen, Bauern, Arbeitnehmer und Verbraucher nicht ausreichend, heißt es in dem Gründungsdokument. Daher fordern die Verbände die Politik auf, den Wettbewerbsbehörden die Entflechtung von Konzernen mit übergroßer Dominanz zu erleichtern. „Je größer die Konzerne, desto mehr Macht und finanzielle Mittel haben sie, die Politik und Märkte in ihrem Sinne zu beeinflussen“, kritisiert Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. Die ökonomische Kontrolle durch wenige Anbieter untergrabe am Ende auch die Demokratie.
    „Amerika hat ein Monopolproblem"

    Die Gefährdung der Marktwirtschaft durch Monopole oder durch Oligopole – also wenige Anbieter – ist seit langem ein Thema. Im 19. Jahrhundert etwa schalteten große Eisenbahnkonzerne und Ölmultis den Konkurrenzkampf in den USA weitgehend aus, bis die Politik nach einigem Zögern mit der Zerschlagung der bedrohlichsten Gesellschaften reagierte. Nach Ansicht vieler Experten stehen heutzutage durch die Digitalisierung ähnliche Herausforderungen an. „Amerika hat ein Monopolproblem – und zwar ein riesiges“, m eint etwa Nobelpreisträger Joe Stiglitz.

    Die neuen Technologien begünstigen die Branchenführer, die auf das Sammeln und die hochkomplexe Auswertung von Daten setzen. Jeder neue Kunde beschert Amazon, Google oder Facebook mehr Informationen über das Verbraucherverhalten, ohne dass größere Kosten durch die zusätzliche Nachfrage entstünden. Entsprechend bauen diese Giganten ihre Stellung gegenüber kleineren Rivalen immer weiter aus.
    An Google kommt kaum jemand vorbei

    So beherrscht Google nach Angaben der Initiative Konzernmacht 90 Prozent des Suchmaschinenmarktes und Facebook 75 Prozent der mobilen Kommunikationsdienste.

    Amazon kontrolliere nicht nur 65 Prozent des Online-Buchhandels, sondern führe auch ein digitales Tagelöhnertum mit elektronischer Komplettüberwachung ein. Mit ihren riesigen Profiten dringen die Stars der neuen Weltwirtschaft – zu denen auch Apple und Microsoft gehören – zudem in andere Branchen ein - vom Autogeschäft über den Gesundheitssektor bis hin zu Finanzdienstleistungen.

    Wirklich gehindert hat sie bislang niemand, jedenfalls nicht in ihrer Heimat in den Vereinigten Staaten. In einem harten langen Kampf zwang die US-Regierung Anfang des Jahrtausends den Softwareanbieter Microsoft, seine wettbewerbsschädlichen Praktiken beim Zugang ins Internet aufzugeben. Fachleute sehen darin eine entscheidende Voraussetzung, um neuen Anbietern wie eben Google oder Facebook den Aufstieg zu ermöglichen. Längst aber sind die US-Behörden auf einen ausgesprochen zurückhaltenden Kurs umgeschwenkt. Nach der heutigen Philosophie könnte nur nachweislich zu hohe Preise zu Lasten der Verbraucher ein Einschreiten rechtfertigen.

    Megakonzerne machen es Nutzern leicht

    Die Konsumenten zählen aber bislang überwiegend zu den Nutznießern der Digitalwirtschaft. Google verlangt bis heute von seinen Kunden keinen Cent für seine wesentliche Dienstleistung. Amazon macht mit Billigangeboten dem Einzelhandel das Leben schwer. Daher haben die Giganten von den US-Behörden wenig zu befürchten – und zwar auch schon vor der Amtsübernahme von Präsident Donald Trump.

    In Europa sind die Instrumente der Aufsicht weniger scharf. Dennoch verhängte die EU-Kommission im vergangenen Jahr gegen Google die höchste Kartellstrafe in der Geschichte der Europäischen Union. 2,4 Milliarden Euro soll der Multi zahlen, weil er seine Marktmacht bei der Online-Shopping-Suche missbraucht habe. Allerdings hat das US-Unternehmen Klage gegen die Entscheidung eingereicht.

    Das verlangt das neue deutsche Bündnis

    Das deutsche Bündnis gegen die Macht der Konzerne fordert eine neue Strategie für die Wettbewerbspolitik. So sollten die Hürden für die Kartellbehörden sinken, um als letztes Mittel bei übermächtigen Konzernen Teile oder ganze Geschäftsfelder abzukoppeln. Bisher muss die EU-Kommission dafür den Missbrauch der Marktmacht nachweisen. Das fällt schwer, wenn durch Amazon und Co. die Preise nicht steigen, sondern (erst einmal) sinken.

    Auch sollten Fusionen über Sektoren hinweg – etwa im Pestizid-und Saatgutgeschäft – einfacher untersagt werden können. Die Initiatoren beklagten, dass auch in vielen traditionellen Branchen wie dem Einzelhandel oder der Autoindustrie wenige Anbieter zu viel Macht erlangt hätten. Die Ministererlaubnis für die (teilweise) Übernahme von Kaisers durch Edeka sowie der Dieselskandal zeigten, welchen Einfluss die Konzerne auf die Politik ausübten.

    #monopoles #internet #économie

  • Uber: iPhone-Fingerprinting flog auf – Rüffel vom Apple-Chef | Mac & i
    https://www.heise.de/mac-and-i/meldung/Uber-iPhone-Fingerprinting-flog-auf-Rueffel-vom-Apple-Chef-3691517.html

    24.04.2017
    Die App des Fahrdienstes hat auf eine Fingerprinting-Technik gesetzt, um einzelne iPhones trotz Löschens der App weiter identifizieren zu können. Ein Geofence sollte sicherstellen, dass Apple-Mitarbeiter das regelwidrige Verhalten nicht entdecken.

    Uber hat Apple vor über zwei Jahren ausgetrickst, um einzelne iPhones permanent zu identifizieren: Eine Fingerprinting-Technik sollte sicherstellen, dass sich die Smartphones auch nach Deinstallation der App und dem Löschen des Gerätes weiter einzeln erkennen lassen, wie die New York Times berichtet. Ein Geofence um Apples Firmenzentrale im kalifornischen Cupertino habe die verwendete Technik zudem vor den Mitarbeitern und App-Store-Prüfern des iPhone-Konzerns verbergen sollen – das Fingerprinting sei aber letztlich dennoch aufgeflogen.

    Rauswurf aus dem App Store angedroht

    Apple-Chef Tim Cook hat deshalb dem Bericht zufolge Uber-CEO Travis Kalanick Anfang 2015 einbestellt und damit gedroht, die Uber-App wegen des Verstoßes gegen die App-Richtlinien aus dem App Store zu werfen – Kalanick habe sich gefügt. Die Zeitung schrieb ursprünglich, Uber habe die iPhones auch nach der Deinstallation der App “getrackt”, die Passage wurde inzwischen aber in “identifiziert und getaggt” korrigiert.

    Der Fahrdienst Uber ist bekannt für seine aggressiven Praktiken.
    Welche Technik zur permanenten Identifikation einzelner Geräte eingesetzt wurde, bleibt unklar – vermutlich kamen private Frameworks in iOS zum Einsatz, die Apps von Dritt-Entwicklern nicht nutzen dürfen. Apple versucht seit längerem, verschiedene Methoden zu unterbinden, um Geräte eindeutig zu identifizieren: Den Unique Device Identifier (UDID) – ein feste Hardware-ID – dürfen Apps schon seit Jahren nicht mehr nutzen.

    Uber setzt weiterhin auf Fingerprinting

    Laut Uber sollte das Fingerprinting Betrugsfälle verhindern: Mit einem gestohlenen iPhone und geklauten Kreditkartendaten hätten Betrüger teure Uber-Fahrten gebucht und das Gerät anschließend gelöscht und neu aufgesetzt, um die Masche erneut vorzunehmen. Auch dem Klau von Benutzer-Accounts solle dies vorbeugen. Man setze deshalb weiterhin eine Art von Geräte-Fingerprinting ein, erklärte ein Uber-Sprecher gegenüber Techcrunch.

    Anfang des Jahres wurde bekannt, dass Uber die mit der App erfassten Metadaten auch verwendet hat, um etwa Polizisten und andere Beamte zu erkennen, die gegen illegale Uber-Dienste vorgehen könnten. In jenen Städten, in denen Uber-Chauffeure ohne Genehmigung tätig sind, werden die Ordnungshüter dann nicht von Uber befördert, hieß es.

    [Update 24.04.2017 13:30 Uhr] Die alte Uber-App habe wohl mit Hilfe eines privaten Frameworks die Seriennummer des iPhones ausgelesen, erklärt der Sicherheitsforscher Will Strafach auf Twitter. Uber konnte dann bei erneuter Installation feststellen, ob die App zuvor bereits schonmal auf diesem Gerät verwendet wurde. Ein derartiger Zugriff von Apps auf die Seriennummer sei von Apple entweder mit iOS 8 oder iOS 9 unterbunden worden, so Strafach.

    #Uber #Sicherheit #Datenschutz #Disruption

  • Passwort-Phishing in iOS: Apple hat ein Pop-up-Problem | Mac & i
    https://m.heise.de/mac-and-i/meldung/Passwort-Phishing-in-iOS-Apple-hat-ein-Pop-up-Problem-3856135.html

    iPhone- und iPad-Nutzer kennen die Fenster, die manchmal aufpoppen und in denen das Betriebssystem nach Apple-ID-Angaben fragt. Ein Entwickler zeigt nun, dass sie sich fälschen lassen.

    Die Apple-ID, Apples zentrales Kundenmerkmal, wird in unregelmäßigen Abständen vom iOS-Betriebssystem abgefragt – etwa, wenn man mit seinem Gerät längere Zeit offline war. Der Nutzer wird dann gebeten, sich erneut beim iTunes- oder App-Store anzumelden. Oft wird parallel die E-Mail-Adresse gezeigt, manchmal aber nur das Passwort verlangt.

    Nutzer sind dieses Fenster als legitim gewöhnt – doch ist es auch möglich, es zu fälschen, um Passwortdaten abzugreifen. Das hat nun der Entwickler und IT-Unternehmer Felix Krause, der für Google tätig ist, in seinem Blog dargelegt: „Wie Sie ganz einfach das Apple-ID-Passwort bekommen – Sie müssen einfach fragen.“

    #Apple #sécurité

  • Verschlüsselung als Menschenrechtsthema | Technology Review
    https://m.heise.de/tr/artikel/Verschluesselung-als-Menschenrechtsthema-2909776.html

    Auf Apple-Telefonen sind Daten besser geschützt als auf Mobilgeräten mit Google-Software. Laut einem wichtigen US-Aktivisten läuft das auf eine gefährliche Zwei-Klassen-Gesellschaft hinaus.

    Ein neues iPhone ohne Mobilfunkvertrag kostet in den USA mindestens 650 Dollar. Smartphones mit Googles Android-Software dagegen sind schon ab 50 Dollar zu bekommen.

    Laut Chris Soghoian, dem leitenden Technologen der Bürgerrechte-Union ACLU, ist das nicht der einige gravierende Unterschied zwischen den beiden Systemen: Die Apple-Geräte bieten zusätzlich besseren Schutz von Daten gegen Kriminelle und staatliche Überwachung. Diese Diskrepanz sei dabei, ein neues Bürgerrechte-Problem zu schaffen, sagte Soghoian bei der EmTech-Konferenz von MIT Technology Review Anfang November im US-Bundesstaat Massachusetts.

    „Mittlerweile gibt es nicht mehr nur eine digitale Spaltung, sondern auch eine Spaltung bei digitaler Sicherheit“, sagte Soghoian. „Das Telefon für die Reichen ist standardmäßig verschlüsselt und kann nicht überwacht werden. Das Telefon, das die meisten Menschen im weltweiten Süden und die Armen und Benachteiligten in den USA benutzen, dagegen lässt sich überwachen.“

    Apple-CEO Tim Cooks hatte vor kurzen von seinem Einsatz für Datenschutz gesprochen und Unternehmen kritisiert, die persönliche Daten „verschlingen“, um damit Geld zu verdienen. Im vergangenen Jahr wurde sein Unternehmen von Experten gelobt, nachdem es dafür gesorgt hatte, dass Daten auf seinen Mobilgeräten automatisch so verschlüsselt werden, dass nicht einmal Apple selbst sie entsperren kann. Das FBI dagegen hatte wütend reagiert.

    Auch die Apple-Apps für Textnachrichten und Video-Chat arbeiten mit durchgängiger Verschlüsselung, so dass das Unternehmen frühere Kommunikation nicht lesen kann (außer wenn der Backup-Dienst iCloud aktiviert ist). Zudem hat sich Apple dem Ansinnen des US-Justizministeriums widersetzt, das System so zu verändern, dass ein Abhören in Echtzeit möglich ist.

    Nutzer von Telefonen mit der Android-Software von Google sind laut Soghoian nicht so gut geschützt. Vergangenes Jahr hatte das Unternehmen angekündigt, bei Android-Telefonen standardmäßig alle gespeicherten Daten zu verschlüsseln, was aber dieses Jahr widerrufen wurde. Im November hieß es von Google, nur bei Geräten mit bestimmten Hardware-Standards werde eine Verschlüsselung eingeführt; für Soghoian bedeutet das, dass billigere Geräte nicht davon erfasst sind. Auch der Text- und Video-Chatdienst Google Hangout arbeitet ohne durchgängige Verschlüsselung.

    Laut Soghoian läuft dies darauf hinaus, dass ein Nutzer eines billigen Android-Geräts ein weitaus leichteres Ziel für Strafverfolger oder Geheimdienste ist – die nach seinen Worten dazu neigen, ihre Macht zu missbrauchen. Als Beleg führte er das Abhören der Telefongespräche von Martin Luther King durch das FBI an. Heutige Aktivisten in den USA und dem Ausland könnten, so fürchte er, noch leichtere Ziele sein. „Die nächste Bürgerrechtsbewegung wird die Technologie nutzen, bei der Überwachung am besten funktioniert“, sagte er. Denn Protestgruppen würden ihren Ausgang üblicherweise nicht in den oberen Schichten der Gesellschaft nehmen.

    Der Unterschied in der Haltung von Apple und Google bezüglich Verschlüsselung auf Mobilgeräten scheine eher unternehmenspolitische als technische Gründe zu haben, sagte Soghoian weiter. „Google hat das mit Abstand beste Sicherheitsteam im Silicon Valley, und die Sicherheitsleute, die ich dort kenne, schämen sich für Android“, sagte er. „Aber Apple verkauft Luxusprodukte, während Google Dienste im Tausch gegen Daten kostenlos zur Verfügung stellt.“

    Hochgradig abgesicherte Apps zur Kommunikation gibt es für die Apple- wie die Google-Plattform, und manche davon sind sehr beliebt. Soghoian empfiehlt wie Edward Snowden eine Messaging-App namens Signal, die vom US-Außenministerium zum Schutz von Bürgerrechten im Ausland unterstützt wird. Dieselbe Basistechnologie kommt bei der Facebook-Anwendung WhatsApp zum Einsatz, um Nachrichten von Anfang bis Ende zu schützen.

    Die meisten Apps für mobile E-Mail dagegen, einschließlich der bei Apple und Google mitgelieferten, unterstützen keine verschlüsselten Nachrichten. Und Daten, die bei Facebook oder in dessen Messenger – der beliebtesten App überhaupt – eingegeben werden, befinden sich auf Facebook-Servern, auf die Behörden auf Anforderung Zugriff bekommen.

    Soghoians Ziel ist, die Aufmerksamkeit auf die technischen Design-Unterschiede bei Software von Apple, Google und Facebook zu lenken, um so vielleicht ein Umdenken auszulösen: „Meine Hoffnung ist, diese Unternehmen aufzurütteln, indem wir darüber sprechen.“

    (Tom Simonite)

    #internet #politique #technologie #sécurité

  • Tatsächlich campen schon wieder Apple-Fans am Kudamm – B.Z. Berlin
    http://www.bz-berlin.de/berlin/charlottenburg-wilmersdorf/ihpone-camper-kudamm-verkaufsstart


    WAAhnsinn as usual !

    20. September 2017 15:15
    Am Freitag kommt das neue iPhone auf den Markt, doch schon jetzt sitzen die ersten Handyfreaks vor dem Apple Store am Kudamm. Warum bloß?

    Das iPhone X kann man jetzt kaufen – und die Leute stehen Schlange! – B.Z. Berlin
    http://www.bz-berlin.de/berlin/charlottenburg-wilmersdorf/das-iphone-x-kann-man-jetzt-kaufen-und-die-leute-stehen-schlange

    3. November 2017 08:44 - Aktualisiert 11:41
    Hunderte Menschen haben am Freitagmorgen am Kudamm vor dem Apple Store auf den Verkaufsstart des neuen iPhone X gewartet!

    Zur Feier des Erstverkaufstags öffnete der Apple Store am Berliner Kudamm extra zwei Stunden früher. Das hieß für interessierte Kunden: früh aufstehen. Schon mitten in der Nacht tummelten sich einige vor dem Laden, ab 4 Uhr wurde es dann richtig voll: Die Schlange fasste am Ende mehr als 300 Leute und reichte um den Block bis zur Fasanenstraße.

    Helge aus Spandau war wieder einmal der erste, der das iPhone X ergattern konnte. Der Berliner hatte schon in den Jahren zuvor immer wieder vor dem Apple Store gecampt, um schnell die begehrten Smartphones kaufen zu können

    Wenn die BZ die Wahrheit sagt (zwischen den Artikeln und den beiden Helge-Fotos liegen angeblich zwei Wochen, aber Springer lügt ... schon vergessen ?!?), dann hat Helge aus Spandau 14 Tage für das neue Schlaufon auf dem Kudamm kampiert. Macht der das wirklich jedes Mal ? Ist das dumm oder warum macht der das ?

    Bei mir waren die letzten zwei iPhones gut für je eine Taxi-Tour Kudamm - SXF. Kurz nach Öffnung der Türen des Apple-Store hopsen mir zwei junge Russen ins Auto. Zwei Telefon pro Mann haben die ergattert. Abgerissene Gestalten, die ihren Chefs Kleinode nach Moskau bringen. Scheiss auf das US-Embargo, Hauptsache die Oligarchengirls können am Launch-Day mit dem Bling-Bling-Phone rumprollen.

    Beim nächsten iPhone Launch sind sie schon zu sechst. Lauter arme abgerissene Russinnen und Russen, eine ganze Junkiefamilie. Kein Kudamm-Bummel mehr, nix mit Shoppen. Ab nach SXF. Zwei iPhones gibt es pro Nase und die haben sie auch im Sack. Die Nummer hat sich rumgesprochen in Moskau. Jetzt macht das jeder.
    Was zahlt der Oligarch denn so für ein bis zwei Wochen Arschabfrieren? Scheiss-Spiel.

    Ob Helge aus Spandau auch so ein armes Würstchen ist, und für seinen Don den Warteheini macht ?

    #Berlin #Kurfürstendamm #Apple #Ausbeutung #Rußland #wtf

  • Computermuseum München, Wissenswertes
    http://www.computermuseum-muenchen.de/dictionary/history/dospc.html
    Que faire de sa collection de #logiciels #MS-DOS ?

    ... mein DOS-Archivierungs-PC

    Top Vorwort 1 - Software-Archivierung: was kann ich beitragen?

    Ich habe eine große Sammlung an originaler Software für die Plattformen CP/M und MS/PC-DOS (incl. 16-Bit-Windows). Diese liegt größtenteils auf 5,25"- und 3,5"-Installationsdisketten vor. Ich begann 2001, diese Disketten zu archivieren. Zudem alles, was ich für CP/M habe (nur 5,25" Disketten). Zu dieser Zeit gab es noch keine Software-Preservation-Projekte wie z.b. http://www.softpres.org und moderne Hardware ("kryoflux", „Supercard pro“, „DiskFerret“), daher zog ich die Diskettenimages mit „teledisk 2.16“ (Sydex) und zu einem kleinen Teil (vor allem CP/M) mit „imagedisk 1.17“ (Dunfield). Kopiergeschützte Software habe ich mit einem „Option Board“ der Firma "Central Point"kopiert und auch als Image gesichert (dazu weiter unten mehr). Da der genannte Umfang für eine Person riesig genug ist, habe ich mich bisher nicht um die Archivierung der Software für Homecomputer und Apple kümmern können.

    Zu Projekten wie der „Software Preservation Society“ ein paar Sätze: im entsprechenden Foren wird kontrovers diskutiert, was überhaupt eine 100%ige Kopie eines absolut fehlerfreien Originals ist, und das teilweise auf philosophischem Niveau. Ich bezweifle nicht, das in dieser Vereinigung Fachleute sitzen, die wissen, über was sie da reden. Aber trotzdem, aus dieser Diskussion muss ich mich mit meinen „stümperhaften“ Bemühungen und meinem unzureichenden technischen Wissen heraus halten. Ich kann nur hoffen, das die von mir gesicherte Diskette oder der von mir gesicherte Diskettensatz im Falle einer Verwendung oder einer Wiederherstellung unter allen Umständen auch wirklich fehlerfrei funktioniert. Ich habe meistens ja nur das eine mir vorliegende Original und kann nicht ausschliessen, das auf einer so alten Diskette an irgendeiner Stelle in irgendeiner Datei ein „Bit gekippt“ ist. Ich kann eine Diskette lediglich mit Programmen wie dem „Norton Disk Doctor“ oder „Checkit“ überprüfen, bevor ich ein Image ziehe. Aber eines ist unbestreitbar: die Zeit drängt!

  • #Elsevier and the 25.2 Billion Dollar A Year Academic Publishing #Business

    Twenty years ago (December 18, 1995), Forbes predicted academic publisher Elsevier’s relevancy and life in the digital age to be short lived. In an article entitled “The internet’s first victim,” journalist John Hayes highlights the technological imperative coming toward the academic publisher’s profit margin with the growing internet culture and said, “Cost-cutting librarians and computer-literate professors are bypassing academic journals — bad news for Elsevier.” After publication of the article, investors seemed to heed Hayes’s rationale for Elsevier’s impeding demise. Elsevier stock fell 7% in two days to $26 a share.
    As the smoke settles twenty years later, one of the clear winners on this longitudinal timeline of innovation is the very firm that investors, journalists, and forecasters wrote off early as a casualty to digital evolution: Elsevier. Perhaps to the chagrin of many academics, the publisher has actually not been bruised nor battered. In fact, the publisher’s health is stronger than ever. As of 2015, the academic publishing market that Elsevier leads has an annual revenue of $25.2 billion. According to its 2013 financials Elsevier had a higher percentage of profit than Apple, Inc.


    https://medium.com/@jasonschmitt/can-t-disrupt-this-elsevier-and-the-25-2-billion-dollar-a-year-academic-publ
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