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  • Der alte weiße Mann und die Seuche AIDS | Telepolis
    https://www.heise.de/tp/features/Der-alte-weisse-Mann-und-die-Seuche-AIDS-4420466.html

    Aids - Eine Kontroverse im Telepolis-Forum. AIDS als koloniales Überbleibsel - Teil 3

    Der folgende Beitrag ergänzt die Diskussion über den Ursprung des HI-Virus (AIDS als koloniales Überbleibsel und Was konnte den HI-Virus zur Seuche werden lassen?), wo einige Probleme im Telepolis-Forum aufgeworfen wurden. Der Umfang von annähernd 300 weitgefächerten Forumsbeiträgen erfordert trotz allem eine Beschränkung - auf den Teil, der im unmittelbaren Bezug zum kolonialen Afrika steht. Damit bleibt eine Reihe interessanter Fragen bei der späteren Verbreitung des Virus ausgeklammert, insbesondere die Problematik verseuchter Blutprodukte.

    Auf welche Quellen stützt sich die Artikelserie?

    Ein wesentlicher Teil der Forschung zur Entstehungsgeschichte von AIDS ist im empfehlenswerten Buch von Jacques Pepin1 zusammengestellt, der als Professor für Mikrobiologie und Infektionskrankheiten an der University of Sherbrooke, Quebec, Canada und als Direktor am Center for International Health tätig ist. Zuvor arbeitete er über mehrere Jahre als Arzt im Kongo.

    Die Datierung der Entstehung von HIV-1 M ist dem Team um Michael Worobey2, University of Arizona zu verdanken, der dazu rechnergestützte Modelle verwendete. Zwei aktuelle Übersichtsartikel von Nuno R. Faria3 zur frühen räumlichen Ausbreitung und von João Dinis de Sousa4 zu den Übertragungsmöglichkeiten ergänzen die Diskussion.

    Abb. 2: HIV-1 entstand durch Übertragung von der Unterart Pan troglodytes troglodytes (violett). Ihr Lebensraum umfasst Teile des südlichen Kamerun, Gabon, Äquatorialguinea, der Zentralafrikanischen Republik, der Cabinda-Enklave von Angola und der beiden Republiken Kongo. Bild: Cody.pope/public domain

    Wurde AIDS vom Kolonialismus erschaffen?

    Nein. Der Kolonialismus hat AIDS (unbewusst) begünstigt, aber nicht erschaffen. Das Überspringen der Artenschranke wäre auch vorher möglich gewesen, wurde aber während des Kolonialismus wahrscheinlicher und ist tatsächlich eingetreten. Von einer Erschaffung durch einen bewussten Akt kann keine Rede sein.

    Ist eine Diskussion über AIDS im Kolonialismus hinfällig, solange exakte Beweise fehlen?

    Nein. Ein wesentliches Ziel der Forschung ist die Prävention. Unter den begünstigenden Umständen einer Gefahr müssen die wahrscheinlichsten erkannt werden, um sie in der Zukunft zu vermeiden.

    Der einzig mögliche exakte Beweis zur Entstehung von AIDS durch die Kolonisierung wären die entsprechenden Nachweise für die Patienten der ersten Generation (mit einer wasserdichten AIDS-Diagnose und einem Lebenslauf zur Arbeitstätigkeit, medizinischen Behandlungen, Privatleben) wie im Falle des Zahnarztes David J. Acer aus Florida, in dessen Umgebung sich AIDS-Fälle häuften. Da HIV erst 1983 entdeckt wurde, als die unbekannten Toten schon längst zu Staub zerfallen waren, bleibt uns dieser Nachweis verschlossen.

    Was bedeutet Überwindung der Artenschranke?

    HIV hat sich durch geeignete Mutationen an den menschlichen Organismus angepasst, dass es durch sexuelle Kontakte besser übertragen werden konnte.

    Im Unterschied dazu war SIV nur an die entsprechende Übertragung bei den jeweiligen Affen angepasst. Ein SIV-Infizierter stellte also für seine Mitmenschen ein geringeres sexuelles Risiko dar. Da die Betroffenen schliesslich starben, brach die Übertragungskette schneller ab.

    Begünstigt man nun (bewusst oder unbewusst) zusätzliche Übertragungen, so verlängert man diese Ketten und erhöht damit die Wahrscheinlichkeit einer gefährlichen Mutation. Das geschah bei HIV-1 M, welches einen effektiven Weg zur Infektion der Lymphozyten (CD4 T-Zellen) fand.

    War die verstärkte Bejagung von Schimpansen in der Anfangsphase des Kolonialismus massgeblich für die Verbreitung des HI-Virus zur Seuche?

    Nein. Sie war zwar fördernd, aber nicht allein ausschlaggebend.

    Wurden in der AIDS-Forschung regionale afrikanische Bräuche als Verbreitungswege ignoriert?

    Nein. Neben kolonialen Einflussfaktoren wurden auch die traditionelle Skarifizierung (Ziernarben) und die rituelle Beschneidung von Mädchen untersucht, die in einigen Stämmen als Gruppenzeremonie durchgeführt wurde. Sie kommen als Übertragungsmöglichkeit in Betracht, allerdings wird ihre Bedeutung vergleichsweise gering eingeschätzt.

    Von größerem Gewicht waren die traditionellen Stammesbindungen, welche bis ins 20. Jahrhundert die Heirat außerhalb der Gemeinschaft als nicht gesellschaftsfähig erschienen ließen. Einem beträchtlichen Teil der Arbeitsmigranten, selbst den besser bezahlten männlichen Einwohnern von Leopoldville, gelang es fern der Heimat kaum noch, eine Ehefrau aus ihrem Stamm zu finden. Ihr dauerhafter Singlestatus schuf eine Nachfrage nach Prostitution. So führten abrupte Veränderungen des Wirtschaftssystems zu sozialen Auflösungserscheinungen.

    Warum vermutet man die Entstehung des HI-Virus nicht in den afrikanischen Gebieten mit der höchsten AIDS-Rate?

    Eine hohe AIDS-Rate liegt oftmals in denjenigen Gebieten vor, wo seit den letzten Jahrzehnten die besten Bedingungen zur Weitergabe des Virus herrschten. Das ist auch möglich, wenn das Virus importiert wurde. Dagegen spricht eine hohe Vielfalt von Untergruppen, also ein Reichtum von Mutationen, eher für eine lange Evolutionsgeschichte. Die höchste Vielfalt von Mutationen zu HIV-1 M findet man in Zentralafrika.

    Abb 3: Verteilung der Untergruppen von HIV-1 in Afrika. Die höchste genetische Vielfalt des Virus tritt in Zentralafrika auf. Quelle: Los Alamos National Laboratory, HIV sequence database.

    Wie wurde nachgewiesen, dass ein Schimpanse Patient Zero das Virus zu Beginn des 20. Jahrhunderts übertrug?

    Die ältesten Gewebeproben mit HIV-1 M stammen aus den Jahren 1959 und 1960. Die Virus-RNA weist zwischen ihnen in 12 \% des genetischen Materials Abweichungen auf, was bei den bekannten Mutationsraten auf eine längere Vorgeschichte schließen lässt. Mit Hilfe mathematischer Modelle wurde berechnet, dass sie sich auf einen Stamm zurückzuführen sind, nämlich HIV-1 M.

    Ihr gemeinsamer Vorgänger wurde in einem einmaligen Akt von einem Schimpansen Pan troglodytes troglodytes auf einen Menschen übertragen. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% geschah dies zu einem Zeitpunkt zwischen 1908 und 1933, siehe Worobey5.

    ABB. 4: Darstellung der Modellrechnung von B. Korber et al. Im linken Teil ist der wahrscheinliche Stammbaum der Gruppe HIV-1 M mit seinen Untergruppen dargestellt. Im rechten Teil wird die Modellrechnung zur Bestimmung des Zeitintervalls der Entstehung veranschaulicht, in welches 95% aller Simulationen führen. Mit freundlicher Genehmigung von Prof. Bette Korber, Los Alamos National Laboratory.

    DNA-Vergleiche auf Basis von gesammeltem Kot aus verschiedenen Territorien von Pan troglodytes troglodytes ergaben als wahrscheinliches Übertragungsgebiet das südliche Kamerun, siehe siehe Abbildungen 1 und 5.6 Es gehörte bis 1916 zum deutschen Kolonialbesitz und stand anschließend unter französischer Verwaltung (mit Völkerbund-Mandat bzw. UN-Treuhandmandat).

    Die regionalen Bedingungen zur Seuchenbegünstigung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden ausführlich bei De Sousa behandelt.16

    Abbildung 6: Kautschukverladung bei Ouesso am Oberlauf des Sangha, nahe der Grenze zu Kamerun. Foto: Bernard Lefebvre, 1944. Bild: ANOM

    Wie hätte das Virus aus den entfernten Wäldern von Südkamerun nach Leopoldville gelangen können?

    Man muss bedenken, dass HIV-1 M mehrere Jahre, vielleicht Jahrzehnte zu dieser Reise benötigte. In diesem Zeitraum kam es zu einer Kettenreaktion von Ansteckungen, wobei einer der Infizierten schließlich nach Leopoldville gelangte. Entsprechende Wege waren vorhanden.

    Vor den Eisenbahnen waren Flüsse das Hauptverkehrsnetz zur Ausbeutung des schwer zugänglichen Landesinneren. Dabei wurde Afrika schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts über die Grenzen der Kolonien hinaus wirtschaftlich vernetzt, also im modernen Sinne globalisiert. Bereits während der deutschen Herrschaftsphase in Kamerun (1884-1916) nutzte man das ausgedehnte Netz des Sangha- und Congo-Flusses zum Transport von Kautschuk und Elfenbein über Leopoldville zum Atlantik. Auf dem Weg lag ein Netz von Handelsposten und Zwischenstationen. Arbeiter und Händler zirkulierten in beide Richtungen, sodass auch Krankheiten übertragen werden konnten.7

    Abb. 5: Das Übertragungsterritorium von HIV-1 M liegt am Einzugsgebiet des Sangha, der wiederum in den Congo-Fluss mündet. Das Flussnetz wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Wirtschaftsverkehr zwischen den abgelegenen Urwäldern Kameruns und Leopoldville genutzt.Bild: Kmusser/CC BY-SA-4.0

    Welche Bedeutung besaß Leopoldville zu Beginn des 20. Jahrhunderts?

    Das flussabwärts am Kongo gelegene Leopoldville wurde erst zu Beginn der Kolonialzeit gegründet. Da seine Lage nach geographischen und wirtschaftlichen Kriterien gewählt war, verwundert es kaum, dass er zum Verkehrsknoten der gesamten Region wurde. Bis 1934 lief auch ein beträchtlicher Teil des Warenverkehrs aus dem benachbarten Französisch-Äquatorialafrika über die Stadt und den Kongo-Fluss zum Atlantik.

    Wie sprichwörtlich alle Wege nach Rom, so führten viele Wege und damit auch allerlei Krankheitskeime ins wirtschaftliche und administrative Zentrum von Belgisch-Kongo. Die Stadt verfügte gegen Mitte des 20. Jahrhunderts über mehrere Hospitäler und wissenschaftliche Forschungseinrichtungen, wo auch Gewebeproben analysiert und archiviert werden konnten. Diese Infrastruktur war eine der Voraussetzungen zur späteren Auffindung der Proben.

    Woher stammt das Anfangsrisiko-Modell und welche Aussagekraft kann ihm zugemessen werden?

    Die Modellrechnung stammt von Pepin8 und wird dort klar als grobe Überschlagsrechnung ausgewiesen. Sie soll lediglich abschätzen, in welcher Grössenordnung eine Übertragung des Virus von Schimpansen auf die traditionelle Landbevölkerung zu erwarten gewesen wäre, wenn man den erhöhten Konsum von Wild zu Beginn der Kolonisierung ausser Acht lässt.

    Ist das Anfangsrisiko-Modell abzulehnen, weil Afrikaner nicht streng monogam lebten?

    Nein. Bei einer mittleren Übertragungswahrscheinlichkeit unter 0,1% pro Sexualkontakt war es nicht notwendig, streng monogam zu sein, solange die Anzahl der Infizierten gering blieb. Dabei spielte keine grosse Rolle, ob es anfangs nur 2 oder 20 Infizierte gab. In diesem Fall brechen Infektionsketten nach wenigen Übertragungen meist ab. Ein Beispiel ist der norwegische Seemann Arvid Noe, welcher sich zwischen 1962 und 1965 in Kamerun mit HIV-1 O infizierte. Noe starb 1976, nachdem er seine Frau und Tochter angesteckt hatte. Obwohl davon auszugehen ist, dass er auch später Kontakt zu Prostituierten hatte, kam es in Europa zu keiner Epidemie von HIV-1 O.

    Wäre HIV-1 in der Anfangsphase mit Sicherheit erloschen, wenn sich das Virus nur auf sexuellem Wege verbreitet hätte?

    Nein. Aber seine Überlebenswahrscheinlichkeit wäre geringer. Beim HIV-2 konnte das in den letzten Jahrzehnten tatsächlich beobachtet werden. Dieser in Westafrika verbreitete und weniger aggressive Typ ist tatsächlich rückläufig, seitdem die weitläufigen Gesundheitsmaßnahmen mit unsterilen Gerätschaften in den 1970er Jahren eingestellt wurden. HIV-2 ist auf sexuellem Wege schlechter übertragbar als das an Menschen angepasste HIV-1 M. Damit kommt es als Modell der frühen Übertragungsdynamik in Betracht.

    Welche Bedeutung kommt der Polygamie zu?

    Sie wird im Gegensatz zur Prostitution nicht als zentraler Risikofaktor angesehen. Zunächst war die Polygamie längst nicht bei allen Stämmen verbreitet. Ausserdem ist sie meist an Wohlstand gekoppelt, denn das Brautgeld musste mehrfach gezahlt und die Familie versorgt werden. Derartige Familien konnten als überprivilegiert und sicherlich nicht durchschnittlich angesehen werden.

    Falls der Mann seine zahlreichen Ehefrauen mit HIV infiziert hätte, so wäre das Virus vielleicht noch auf Kinder übergesprungen, die noch vor der Geschlechtsreife gestorben wären. Außerhalb der Großfamilie hätte sich das Virus sicherlich ausbreiten können, jedoch nicht wesentlich stärker als bei einer durchschnittlichen Familie. Die Frauen genossen kein vergleichbar vielseitiges Sexualleben wie ihr Mann, um für ihre Umwelt zu einem vergleichbaren Risiko zu werden.

    War die Dominanz europäischer Ärzte in der Kolonialzeit durch den Mangel an geeigneten einheimischen Bewerbern bedingt?

    Nein. Der Zugang zur höheren Bildung blieb für Afrikaner in der gesamten Kolonialzeit schwerer als für die entsprechende Bevölkerung in den Mutterländern, wenn er sich auch schrittweise verbesserte. Auch hier sind regionale Unterschiede zu beachten. Das französische System war offener, so dass die Zahl afrikanischer Hochschulabsolventen von der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg bis zur Unabhängigkeit stetig anstieg (7499 Studenten im Jahre 1955).

    In Belgisch-Kongo gab es dagegen noch zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit keinen einzigen einheimischen Arzt. Der Vergleich zeigt, dass es dort nicht an geeigneten Kandidaten, sondern am Willen der Administration mangelte. Anreize und Ausbildungsförderung für Fachkräfte in den Kolonien wurden sehr wohl geschaffen, doch sie blieben auf Belgier beschränkt. Dabei hätte man die einheimischen Interessenten zum Studium nicht einmal nach Europa schicken müssen. In den 1950er Jahren existierten sowohl in Leopoldville als auch Elisabethville (Lubumbashi) bereits Universitäten mit medizinischen Fakultäten, deren Studenten jedoch meist aus Belgien stammten.

    Am Rande sei erwähnt, dass afrikanische Wissenschaftler in der Gegenwart wesentliche Beiträge zur Erforschung von Tropenkrankheiten und HIV beisteuern. Ein Beispiel ist die Autorenliste in Woroby9.

    Ist die Kolonialmedizin im Rückblick grundsätzlich negativ zu bewerten?

    Nein, zu Anfang war man sich auch in Europa über die Risiken nicht im Klaren. Die volle Tragweite der Infektionsmöglichkeiten bei mangelhafter Sterilisierung gelangte den Verantwortlichen im Gesundheitswesen erst während des Zweiten Weltkriegs ins Bewusstsein. Bei der Behandlung für Afrikaner änderte das auch später wenig.

    Im Vergleich zur Gegenwart, wo die Pharmaindustrie den Entwicklungsländern bezahlbare Medikamente schlicht verweigert, lässt sich der kolonialen Zweiklassenmedizin jedoch zugutehalten, dass sie zumindest eine kostenlose und umfassende Grundversorgung anstrebte.

    Lässt sich die These der stark erhöhten Sterblichkeit von Europäern zu Beginn der Kolonisierung belegen?

    Es ist wohlbekannt, welche Krankheiten in Afrika endemisch waren. Zur langen Aufzählung gehören die Afrikanische Schlafkrankheit, Gelbfieber und Malaria. Ein großer Teil der afrikanischen Bevölkerung hat dagegen zumindest gewisse Resistenzen erworben oder ist Träger von verschiedenen Genmutationen mit Schutzwirkungen (z.B. Sichelzellanämie gegen Malaria).10

    Mitteleuropäer waren weniger geschützt. In seinem Buch über Hintergründe der philantropischen Tätigkeit der Rockefeller-Stiftung auf Sri Lanka schreibt Soma Hewa11:

    The entire West African region suffered from a hyper-endemic of malaria and European newcomers had virtually no chance of escaping the infection. The west coast of Africa was the deadliest territory for European soldiers and traders. The dead rate of Europeans in their first year on the West African coast in the late eighteenth century was somewhere between 300 and 700 per thousand per year - a situation which led to Africa beeing called a „white man’s grave“.
    Soma Hewa

    Ein Handbuch der britischen Marine12 von 1944 ergänzt dazu: „… in the days when the west coast was the white man’s grave, the Congo forest would have been his purgatory.“ Ausführliche Zahlen zur Sterblichkeit findet man bei Öberg und Rönnbäck.13

    Zudem wurde führenden europäischen Spezialisten bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts klar, dass die wirtschaftlichen Umwälzungen in den Kolonien - verbunden mit der Umgestaltung ökologischer Lebensräume und Vertiefung des Kontakts zwischen Mensch und Tier - mit verstärkten gesundheitlichen Risiken einhergehen. Der schottische Mediziner und Parasitologe Patrik Manson, einer der Begründer der modernen Tropenmedizin, beschrieb es 1902 als „pathologische Revolution“ im tropischen Afrika.14

    Wie sieht es mit der Vermutung aus, AIDS wäre durch Tierversuche bei der Entwicklung eines oralen Polio-Impfstoffs übertragen worden?

    Die Polio-Theorie war eine ernstzunehmende Hypothese, die entsprechend untersucht wurde. Spätestens seit den DNA-Untersuchungen der Gruppe um Michael Worobey15 wird sie in der Fachwelt nur noch vereinzelt vertreten.

    Ist Kolonialismuskritik zwangsläufig kommunistische Propaganda?

    Nein. Die Auflösung des traditionellen Kolonialsystems stand bereits während des Zweiten Weltkriegs auf der Agenda der USA (Atlantik-Charta von 1941). Es war einer der wenigen Punkte, in denen sich die Führung der USA mit der Sowjetunion einig war.

    Die AIDS-Forschung ist eines der zahlreichen medizinischen Themen, welche zu gesellschaftlichen Ursachen führen. Wenn die Literaturquellen fast durchgängig in Fachzeitschriften wie Nature, Science oder Virology zu finden sind, die im Internet direkt eingesehen werden können, so erstaunt die hohe Emotionalität bei Teilen des Telepolis-Forums.

    Beim oft zitierten „alten weißen Mann“ scheint es sich um eine Metapher zu handeln, dessen Sinn mir leider noch verborgen ist. Als Europäer, der jede Menge alter weißer Männer kennt, manche vielleicht etwas schrullig, aber selten bösartig, sehe ich keinerlei Verbindung zu einem Wirtschaftssystem, welches auf Unterdrückung beruht. Die Schwachstellen des kolonialen Gesundheitswesens waren nicht durch persönliche Fehler seiner oftmals sehr engagierten europäischen und afrikanischen Mitarbeiter zurückzuführen. Stattdessen war das System von Beginn an überfordert. Eine durch blinde Geldgier getriebene Plünderungsökonomie richtet irreparablen Schaden an.

    Die Kritik des Kolonialismus stand von Anbeginn in der Agenda der bedeutendsten französischen, englischen und amerikanischen Schriftsteller (Maupassant, Daudet, Forster, Conrad, Mark Twain, Jack London usw. - hier muss Kipling eher als Ausnahme betrachtet werden) und ist damit westliches Kulturgut im reinsten Sinne. Wer ist dann der „alte weiße Mann“, den man verteidigen müsste?

  • AIDS als koloniales Überbleibsel | Telepolis
    https://www.heise.de/tp/features/AIDS-als-koloniales-Ueberbleibsel-4403543.html

    Der segenreiche Kolonialismus hat es sogar fertiggebracht, Viren die Überwindung der Artenschranke zu ermöglichen - Teil 1

    Die Viren wurden so erfolgreich, dass man sie jetzt als Geißel der Menschheit bezeichnet. Mit Ausnahme des Happy End enthält die Geschichte jedoch alle Elemente kolonialer Erfolgsstories: wissenschaftlichen Pioniergeist, das Gesundheitswesen, Eisenbahnen, neuen Wohlstand, Konsum und die Überwindung traditioneller Stammesschranken.
    Die guten alten Zeiten...

    Im Gleichklang zur europäischen Militärpräsenz in der Dritten Welt regen sich Stimmen aus Politik und Wissenschaft zur Weißwaschung der kolonialen Vergangenheit. Das französische Parlament verabschiedete 2005 die Forderung an das Schulwesen zur Betonung der positiven geschichtlichen Rolle Frankreichs in Übersee. Der britische Bildungsminister Michael Gove beklagte die negative Darstellung des Empire an Schulen. Günter Nooke, Afrikabeauftragter der deutschen Bundesregierung zitierte 2018 einen „Experten“ mit der Aussage, dass der Sklavenhandel zwar schlimm gewesen sei, doch habe die europäische Herrschaft in Afrika „dazu beigetragen, den Kontinent aus archaischen Strukturen zu lösen“. Zeitgleich liefen Verhandlungen der Bundesregierung mit Namibia über eine Entschuldigung wegen des Völkermordes an den Herero und Nama.

    Unter Wissenschaftlern lässt sich diese Revue fortsetzen. In seiner „Weltgeschichte der Sklaverei“ stellte der Althistoriker Egon Flaig fest, der europäische Kolonialismus habe „Afrika nach einer 1000-jährigen Geschichte von blutigster Gewalt und Völkermorden die Möglichkeit zu neuen Wegen eröffnet“.

    Nach dem britischen Historiker Bruce Gilley war die Kolonialzeit, insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg, die erfolgreichste Periode der kolonisierten Länder, sodass er den Belgiern aus reiner Menschenliebe empfahl, wieder in den Kongo zurückzukehren.1 Harvard-Professor Niall Ferguson ruft die amerikanischen Eliten unverhüllt auf, dem Vorbild des britischen Empire zu folgen.2

    Hier wird gezeigt, wie der koloniale Kapitalismus einem Virus half, die Artenschranke zu überwinden. Die nachfolgenden Fakten und Thesen stützen sich größtenteils auf das Buch "The Origins of AIDS"3 des kanadischen Forschers und Arztes Jacques Pépin, der wichtige Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte zusammenfasst. Sie wurden teilweise durch aktualisierte Zahlen ergänzt. Die Thematik wird außerdem in der sehenswerten Dokumentation von Carl Gierstorfer beleuchtet.4

    Nach einer HIV-1-Infektion blieb den damals Betroffenen kaum eine längere Lebensspanne als zwölf Jahre und die ersten Generationen der Opfer starben lange vor der Entdeckung des Virus. Somit fehlen zwangsläufig einige exakte Beweise im Puzzle. Dennoch zeigen die folgenden Beispiele deutlich, welche unvorstellbaren Möglichkeiten die koloniale Ära einem Virus eröffnete, den evolutionär aufwändigen Sprung zu einem neuen Wirt zu bewältigen.
    Von SIV zu HIV

    Schimpanse, neben Ruß-Mangabe, Überträger des SI-Virus auf den Menschen. Bild: Thomas Lersch, CC BY-SA 3.0

    Das HI-Virus forderte im nachkolonialen Afrika bereits Tausende Opfer, bevor es im Rest der Welt überhaupt wahrgenommen wurde.5 Als AIDS gegen Ende der 1970er Jahre erstmals in der westlichen Welt in Erscheinung trat, hielt man es für einen speziellen Krebs unter Homosexuellen. Hier wurde eine Folge mit der Ursache verwechselt. Beim Kaposi-Sarkom, einer Hauterkrankung, handelt es sich in Wirklichkeit nur um eine der möglichen Begleiterscheinungen der Immunschwäche. Es wird durch das sexuell übertragbare Herpesvirus 8 ausgelöst.

    Entdeckt wurde das HI-Virus schließlich 1983, doch es dauerte bis ins 21. Jahrhundert, bis sich durch Stammbaumanalysen der DNA seine Herkunft und Entstehungszeit rekonstruieren ließen.
    Tabelle 1: Typen von HIV, Überträger und Übertragungszeiträume. (Bei wenigen Fällen ist der Zeitraum nur ungenau oder nicht bestimmbar.)
    Typ Gruppe Verbreitung Überträger Zeitraum
    HIV-1 M weltweit Schimpanse 1908-1933
    N wenige Fälle (Kamerun) Schimpanse 1948-1977
    O zumeist Westafrika Schimpanse, evtl. Gorilla 1890-1940
    P Einzelfall (Kamerun) Schimpanse unbekannt
    HIV-2 A zumeist Westafrika Ruß-Mangabe 1906–1956
    B zumeist Westafrika Ruß-Mangabe 1907–1961
    C bis H Einzelfälle (Westafrika) Ruß-Mangabe unbekannt

    Grundlegend unterscheidet man zwei HIV-Typen, die sich in mehrere Gruppen unterteilen lassen. Inzwischen ist erwiesen, dass sich jede Gruppe auf eine einzige Übertragung von Menschenaffen (für HIV-1) sowie einer Meerkatzenart (für HIV-2) zurückführen lässt. Auffällig ist, dass sie allesamt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erfolgten. Für die überwiegende Mehrzahl der AIDS-Opfer ist die Übertragung auf Patient Zero von HIV-1 M verantwortlich. Diese Gruppe hat sich inzwischen in eine Vielzahl von Untergruppen aufgespalten, welche eine einheitliche Behandlung erschweren. Besonders weitgefächert sind die zentralafrikanischen Mutationen, welche eine Entstehung der Seuche auf dem afrikanischen Kontinent nahelegen.

    Weltweite Verteilung der Untergruppen von HIV-1. Seine höchste Vielfalt ist in Afrika anzutreffen. Bild: Los Alamos National Laboratory, HIV sequence database

    Das entsprechende Virus bei Affen wird als SIV (Simian immunodeficiency virus) bezeichnet, wobei auch hier verschiedene Gruppen unterschieden werden. Nach einer Übertragung auf Menschen benötigte es erst eine Reihe von Mutationen zur Anpassung an seinen neuen Wirt. Ein wesentlicher Optimierungsbedarf bestand bei der Übertragbarkeit von Mensch zu Mensch.

    Fleisch von Schimpansen steht bei einigen zentralafrikanischen Völkern auf der Speisekarte. Die Erstübertragung geschah vermutlich auf einen Jäger oder Koch, der mit dem Blut eines erjagten Tieres in Kontakt kam. Dabei ist interessant, dass HIV unter den traditionell ohne Feuerwaffen jagenden Pygmäen ausgesprochen selten ist. Stattdessen verbreitete es sich über Angehörige von Bantu-Völkern, die von der Landwirtschaft leben und die Jagd nur gelegentlich betreiben. Selbst die wenigen Fälle von HIV bei Pygmäen scheinen von benachbarten Bantu-Bauern übertragen worden zu sein.
    Das Anfangsrisiko-Modell

    Nehmen wir die Zeit um 1921 als möglichen Startpunkt von HIV-1 Gruppe M, welche im Jahre 2017 für weltweit fast 37 Millionen Infizierte verantwortlich war. Eine Rechnung soll abschätzen, wie viele Personen damals durch Schimpansen SIV-infiziert waren. Da unbekannt ist, welcher Bevölkerungsanteil aus den entsprechenden Gebieten einem Direktkontakt ausgesetzt war, benutzen wir für diesen Parameter zunächst den aktuellen Wert. Durch Befragungen im südlichen Kamerun wurde ermittelt, dass gegenwärtig etwa 0,1 % der erwachsenen Bevölkerung aus Dörfern im Umfeld von Schimpansen tatsächlich über die Jagd oder Küche mit rohem Schimpansenfleisch in Berührung kommen.

    Nicht alle Schimpansen, sondern nur die Unterart Pan troglodytes troglodytes kommt als Überträger zu HIV-1 in Frage. Da die Tiere relativ ortsfest leben, lässt sich das Territorium der Erstübertragung eingrenzen. Zur Abschätzung der Personenzahl, die um 1921 durch Direktkontakt infiziert gewesen sein könnten, benutzen wir die folgenden Daten6:

    Nach Volkszählungen lebten damals 1,35 Millionen Erwachsene in den Verbreitungsgebieten von Pan troglodytes troglodytes. Etwa 0,1 % davon waren gelegentlich mit der Jagd oder Zubereitung von Schimpansenfleisch beschäftigt.
    Der Anteil SIV-infizierter Pan troglodytes troglodytes liegt bei 5,9 %. Nehmen wir an, dass dieser Wert unverändert geblieben ist.
    Für das Übertragungsrisiko von einem SIV-infizierten Tier auf den Jäger oder Koch wird der Wert 3 %. angenommen. (Dieser Wert orientiert sich am Zehnfachen des entsprechenden Infektionsrisikos von medizinischem Personal bei HIV-infizierten Patienten, wie es bis Anfang 1990 auftrat.)

    Multiplikation ergibt 1,35 x 106 x 10-3 x 5,9 x 10-2 x 3 x 10-2 = 2,3.

    Damit können wir von etwa zwei Infizierten ausgehen, welche das Virus noch an ihre Ehepartner und schlimmstenfalls ihre Kinder übertragen konnten.

    Das Modell liefert also höchstens eine Handvoll Direktinfizierte, von denen einer zum Ausgangspunkt der Pandemie wurde. Bereits hier lässt sich vermuten, dass es noch weitere Faktoren zur Begünstigung der Seuche gab. Anderenfalls müsste unser ländlicher Kandidat entweder stark vom Zufall erwählt oder mit seiner gesamten Umgebung ein Sexualleben bis an die physischen Grenzen geführt haben. SIV ist bei Menschen über heterosexuelle Intimkontakte längst nicht so einfach wie HIV-1 übertragbar. Bei letzterem liegt das Risiko pro Intimkontakt im Schnitt bei 0,1 %, falls sich der infizierte Partner nicht gerade in der hochansteckenden Anfangsphase befindet.

    Nun bleibt zu prüfen, wie sich unser Modell mit der vorkolonialen bzw. kolonialen Wirklichkeit verträgt.
    Die vorkoloniale Lebenswelt

    Vergleicht man die Daten 1) bis 3) mit der vorkolonialen Situation, so lag die Kontaktrate aus 1) vermutlich tiefer als 0,1 %, da Jagderfolge seltener waren. Die in Verbänden lebenden Schimpansen sind nicht nur intelligent, sondern auch robust genug, sodass die Jagd für einen Bauern ohne Feuerwaffen sehr aufwändig wäre. Der Bogen besitzt eine geringere Reichweite und aus traditionellen Fallen können sich die geschickten Tiere oft befreien. Außerdem war das Verkehrsnetz damals weniger ausgebaut und ersteckte sich nicht in den Dschungel, der für einen Gelegenheitsjäger wie den einheimischen Bauern fast nur in der Trockenzeit passierbar war. Solange Schimpansen nicht die Felder angriffen, wurden sie von den Bantu-Bauern eher in Ruhe gelassen. Die Zahl von zwei Infizierten war also eher an der Obergrenze.
    Veränderungen durch die Kolonisation

    Nach der territorialen Aufteilung zu Ende des 19. Jahrhunderts änderte sich die Lebensweise großer Bevölkerungsteile grundlegend. Reichtümer wie Elfenbein, Kautschuk und Holz lagen den europäischen Geschäftsleuten, allen voran dem belgischen König Léopold II, zwar buchstäblich zu Füßen, doch sie mussten abgeholt werden. Die gesetzlich eingeführte Zwangsarbeit sicherte die billigen Arbeitskräfte, welche ohne Beachtung gesundheitlicher Risiken weiter und weiter ins Landesinnere geschickt wurden. Skrupellosigkeit wurde zur wichtigsten unternehmerischen Voraussetzung.7 Eine anschauliche Schilderung dieser Beutezüge in einer weitgehend menschenfeindlichen Wildnis findet man in Joseph Conrads Kongo-Roman „Heart of Darkness“.

    Natürlich mussten die Arbeiter vor Ort ernährt werden, weshalb der Jagd eine entscheidende Bedeutung zukam. Da sie (von den Aufsehern) mit Gewehren betrieben wurde, rückten auch Schimpansen ins Beutespektrum. Das Ausmaß dieser Wilderei ist schwierig abzuschätzen. Unstrittig dokumentiert durch Edmund Morel, waren Waffen und Munition der wichtigste Importartikel für Léopolds Congo-Freistaat. Ihre Anwendung lässt sich daran ermessen, dass bereits zu Beginn des Jahrhunderts warnende Stimmen auf die Ausrottung ganzer Arten hinwiesen. Auch die Schimpansen waren gefährdet, denn ihre Jagd wurde schließlich in den französischen Territorien mit hohen Steuern belegt und im belgischen Teil sogar verboten. Allerdings ist kaum anzunehmen, dass die Verbote damals mehr Wirkung als heute zeigten. In den ausgedehnten und entlegenen Territorien waren sie praktisch nicht durchsetzbar.

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Jagdkontakte mit Schimpansen zu Beginn der kolonialen Periode wahrscheinlich angestiegen sind. Die Rate bei 1) lag höher als 0,1 % und die Zahl von zwei Infizierten damit näher an der Untergrenze.

    Dr. Raj Spielmann ist Mathematiker und Autor des Buches „Wahrscheinlichkeitsrechnung und Statistik. Mathematische Anwendungen in Natur und Gesellschaft“, das im Verlag Walter De Gruyter erschienen ist.

    #SIDA #histoire #colonialisme

  • The data that turned the world Upside Down

    http://motherboard.vice.com/read/big-data-cambridge-analytica-brexit-trump

    Psychologist Michal Kosinski developed a method to analyze people in minute detail based on their Facebook activity. Did a similar tool help propel Donald Trump to victory? Two reporters from Zurich-based Das Magazin (where an earlier version of this story appeared in December in German) went data-gathering.

    On the same day, a then little-known British company based in London sent out a press release: “We are thrilled that our revolutionary approach to data-driven communication has played such an integral part in President-elect Trump’s extraordinary win,” Alexander James Ashburner Nix was quoted as saying. Nix is British, 41 years old, and CEO of #Cambridge_Analytica

    His company wasn’t just integral to Trump’s online campaign, but to the UK’s Brexit campaign as well.

    What Kosinski did not know at the time: SCL is the parent of a group of companies. Who exactly owns SCL and its diverse branches is unclear, thanks to a convoluted corporate structure, the type seen in the UK Companies House, the Panama Papers, and the Delaware company registry. Some of the SCL offshoots have been involved in elections from Ukraine to Nigeria, helped the Nepalese monarch against the rebels, whereas others have developed methods to influence Eastern European and Afghan citizens for NATO. And, in 2013, SCL spun off a new company to participate in US elections: Cambridge Analytica.

    “Pretty much every message that Trump put out was data-driven,” Alexander Nix remembers.

    Our smartphone, Kosinski concluded, is a vast psychological questionnaire that we are constantly filling out, both consciously and unconsciously.

    Macron tenterait-il le même genre d’approche ? Qui d’autre encore ?

    #Trump #big_data #Psychometrics #psychologie #manipulation #Strategic_Communication_Laboratories

    • Pour Macron :
      http://tempsreel.nouvelobs.com/rue89/rue89-politique/20161116.RUE3756/comment-emmanuel-macron-a-fait-son-diagnostic.html

      La démarche a l’air plus proche de celle de l’équipe Obama. La boite derrière :
      https://www.liegeymullerpons.fr (Liegey Muller Pons est la première startup de stratégie électorale en Europe — WTF ?)

      Voir aussi https://seenthis.net/messages/120960 (2013)

      Je ne sais pas bien quoi penser de tout ça. Je trouve les présupposés « théoriques » de Kosinski assez « faibles » (https://fr.wikipedia.org/wiki/Mod%C3%A8le_des_Big_Five_(psychologie) ), mais ça doit être suffisant pour être opératoire — vu les volumes de données brassées : une étude de pyscho classique, c’est péniblement une centaine de sujets... là ce sont des millions...

      On dirait un mélange entre la société du spectacle et le projet CyberSyn...

    • To him, (Kosinski, ce chercheur tout à fait neutre, sans préjugé) the internet had always seemed like a gift from heaven. What he really wanted was to give something back, to share. Data can be copied, so why shouldn’t everyone benefit from it?

      « Aleksandr Kogan (qui, pour le compte d’une boîte visant à influencer les votes lors d’élection divers, SCL Compagny, a profité de l’idiotie spectaculaire de Kosinski) then moved to Singapore, married, and changed his name to Dr. Spectre. »
      Non mais, sérieux ! C’est quoi cette histoire !

      Nix finishes his lecture at the Concordia Summit by stating that traditional blanket advertising is dead. “My children will certainly never, ever understand this concept of mass communication.”

      But to what extent did psychometric methods influence the outcome of the election? When asked, Cambridge Analytica was unwilling to provide any proof of the effectiveness of its campaign. And it is quite possible that the question is impossible to answer.

      Another big winner is Cambridge Analytica. Its board member Steve Bannon, former executive chair of the right-wing online newspaper Breitbart News, has been appointed as Donald Trump’s senior counselor and chief strategist.

      The world has been turned upside down. Great Britain is leaving the EU, Donald Trump is president of the United States of America. And in Stanford, Kosinski, who wanted to warn against the danger of using psychological targeting in a political setting, is once again receiving accusatory emails. “No,” says Kosinski, quietly and shaking his head. “This is not my fault. I did not build the bomb. I only showed that it exists.”

      Quel grand esprit !

      Cette histoire me ramène à un docu de David Curtis, de la BBC qui rappelait l’usage intensif d’une méthode de classification de psychologie cognitive lors de l’élection de Reagan. Il s’agit du quatrième épisode de la série « The century of the Self » (autour de l’influence de Freud sur Bernays et, plus généralement sur l’usage de la psychologie par les politiques dans la seconde moitié du XXè s.), intitulé « Eight People Sipping Wine in Kettering »
      http://www.dailymotion.com/video/x17b3nc_the-century-of-the-self-eight-people-sipping-wine-in-kettering-

      (je précise que l’étrange David Curtis se définit comme un libertarien)

    • Un commentaire de la chercheuse qui a collaboré avec Kosinski à l’élaboration de la méthode :

      The need to control psychological targeting - Das Magazin
      https://www.dasmagazin.ch/2016/12/22/need-control-psychological-targeting

      Texte intégral de l’original. La version anglaise est complémentée par un paragraphe écrit par Cambridge Analytica qui dément toute manipulation des électeurs démocrates. A mourir de rire.

      Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt - Das Magazin
      https://www.dasmagazin.ch/2016/12/03/ich-habe-nur-gezeigt-dass-es-die-bombe-gibt

      Von Hannes Grassegger und Mikael Krogerus

      Das Magazin N°48 – 3. Dezember 2016

      Am 9. November gegen 8.30 Uhr erwacht Michal Kosinski in Zürich im Hotel Sunnehus. Der 34-jährige Forscher ist für einen Vortrag am Risikocenter der ETH angereist, zu einer Tagung über die Gefahren von Big Data und des sogenannten digitalen Umsturzes. Solche Vorträge hält Kosinski ständig, überall auf der Welt. Er ist ein führender Experte für Psychometrik, einen datengetriebenen Nebenzweig der Psychologie. Als er an diesem Morgen den Fernseher einschaltet, sieht er, dass die Bombe geplatzt ist: Entgegen den Hochrechnungen aller führenden Statistiker ist Donald J. Trump gewählt worden.

      Lange betrachtet Kosinski Trumps Jubelfeier und die Wahlergebnisse der einzelnen Bundesstaaten. Er ahnt, dass das Ergebnis etwas mit seiner Forschung zu tun haben könnte. Dann atmet er tief durch und schaltet den Fernseher aus.

      Am gleichen Tag versendet eine bis dahin kaum bekannte britische Firma mit Sitz in London eine Pressemitteilung: «Wir sind begeistert, dass unser revolutionärer Ansatz der datengetriebenen Kommunikation einen derart grundlegenden Beitrag zum Sieg für Donald Trump leistet», wird ein Alexander James Ashburner Nix zitiert. Nix ist Brite, 41 Jahre alt und CEO von Cambridge Analytica. Er tritt stets im Massanzug und mit Designerbrille auf, die leicht gewellten blonden Haare nach hinten gekämmt.

      Der nachdenkliche Kosinski, der gestriegelte Nix, der breit grinsende Trump – einer hat den digitalen Umsturz ermöglicht, einer hat ihn vollführt, einer davon profitiert.

      Wie gefährlich ist Big Data?

      Jeder, der nicht die letzten fünf Jahre auf dem Mond gelebt hat, kennt den Begriff «Big Data». Big Data bedeutet auch, dass alles, was wir treiben, ob im Netz oder ausserhalb, digitale Spuren hinterlässt. Jeder Einkauf mit der Karte, jede Google-Anfrage, jede Bewegung mit dem Handy in der Tasche, jeder Like wird gespeichert. Besonders jeder Like. Lange war nicht ganz klar, wozu diese Daten gut sein sollen – ausser dass in unserem Facebook-Feed Blutdrucksenker beworben werden, weil wir grad «Blutdruck senken» gegoogelt haben. Unklar war auch, ob Big Data eine grosse Gefahr oder ein grosser Gewinn für die Menschheit ist. Seit dem 9. November kennen wir die Antwort. Denn hinter Trumps Onlinewahlkampf und auch hinter der Brexit-Kampagne steckt ein und dieselbe Big-Data-Firma: Cambridge Analytica mit ihrem CEO Alexander Nix. Wer den Ausgang der Wahl verstehen will – und was auf Europa in den nächsten Monaten zukommen könnte –, muss mit einem merkwürdigen Vorfall an der britischen Universität Cambridge im Jahr 2014 beginnen. Und zwar an Kosinskis Department für Psychometrik.

      Psychometrie, manchmal auch Psychografie genannt, ist der wissenschaftliche Versuch, die Persönlichkeit eines Menschen zu vermessen. In der modernen Psychologie ist dafür die sogenannte Ocean-Methode zum Standard geworden. Zwei Psychologen war in den 1980ern der Nachweis gelungen, dass jeder Charakterzug eines Menschen sich anhand von fünf Persönlichkeitsdimensionen messen lässt, den Big Five: Offenheit (Wie aufgeschlossen sind Sie gegenüber Neuem?), Gewissenhaftigkeit (Wie perfektionistisch sind Sie?), Extraversion (Wie gesellig sind Sie?), Verträglichkeit (Wie rücksichtsvoll und kooperativ sind Sie?) und Neurotizismus (Sind Sie leicht verletzlich?). Anhand dieser Dimensionen kann man relativ genau sagen, mit was für einem Menschen wir es zu tun haben, also welche Bedürfnisse und Ängste er hat, und aber auch, wie er sich tendenziell verhalten wird. Das Problem aber war lange Zeit die Datenbeschaffung, denn zur Bestimmung musste man einen komplizierten, sehr persönlichen Fragebogen ausfüllen. Dann kam das Internet. Und Facebook. Und Kosinski.

      Für den Warschauer Studenten Michal Kosinski begann ein neues Leben, als er 2008 an der ehrwürdigen Cambridge University in England aufgenommen wurde: am Zentrum für Psychometrie, im Cavendish Laboratory, dem ersten Psychometrie-Labor überhaupt. Mit einem Studienkollegen stellte Kosinski eine kleine App ins damals noch überschaubare Facebook: Auf MyPersonality, so hiess die Applikation, konnte man eine Handvoll psychologischer Fragen aus dem Ocean-Fragebogen ausfüllen («Lassen Sie sich bei Stress leicht aus der Ruhe bringen?» – «Neigen Sie dazu, andere zu kritisieren?»). Als Auswertung erhielt man sein «Persönlichkeitsprofil» – eigene Ocean-Werte –, und die Forscher bekamen die wertvollen persönlichen Daten. Statt, wie erwartet, ein paar Dutzend Studienfreunde hatten schnell Hunderte, Tausende, bald Millionen ihre innersten Überzeugungen verraten. Plötzlich verfügten die beiden Doktoranden über den grössten jemals erhobenen psychologischen Datensatz.

      Das Verfahren, das Kosinski mit seinen Kollegen über die nächsten Jahre entwickelt, ist eigentlich recht einfach. Zuerst legt man Testpersonen einen Fragebogen vor. Das ist das Onlinequiz. Aus ihren Antworten kalkulieren die Psychologen die persönlichen Ocean-Werte der Befragten. Damit gleicht Kosinskis Team dann alle möglichen anderen Onlinedaten der Testpersonen ab: was sie auf Facebook gelikt, geshared oder gepostet haben, welches Geschlecht, Alter, welchen Wohnort sie angegeben haben. So bekommen die Forscher Zusammenhänge. Aus einfachen Onlineaktionen lassen sich verblüffend zuverlässige Schlüsse ziehen. Zum Beispiel sind Männer, die die Kosmetikmarke MAC liken, mit hoher Wahrscheinlichkeit schwul. Einer der besten Indikatoren für Heterosexualität ist das Liken von Wu-Tang Clan, einer New Yorker Hip-Hop-Gruppe. Lady-Gaga-Follower wiederum sind mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit extrovertiert. Wer Philosophie likt, ist eher introvertiert.

      Kosinski und sein Team verfeinern die Modelle unablässig. 2012 erbringt Kosinski den Nachweis, dass man aus durchschnittlich 68 Facebook-Likes eines Users vorhersagen kann, welche Hautfarbe er hat (95-prozentige Treffsicherheit), ob er homosexuell ist (88-prozentige Wahrscheinlichkeit), ob Demokrat oder Republikaner (85 Prozent). Aber es geht noch weiter: Intelligenz, Religionszugehörigkeit, Alkohol-, Zigaretten- und Drogenkonsum lassen sich berechnen. Sogar, ob die Eltern einer Person bis zu deren 21. Lebensjahr zusammengeblieben sind oder nicht, lässt sich anhand der Daten ablesen. Wie gut ein Modell ist, zeigt sich daran, wie gut es vorhersagen kann, wie eine Testperson bestimmte Fragen beantworten wird. Kosinski geht wie im Rausch immer weiter: Bald kann sein Modell anhand von zehn Facebooks-Likes eine Person besser einschätzen als ein durchschnittlicher Arbeitskollege. 70 Likes reichen, um die Menschenkenntnis eines Freundes zu überbieten, 150 um die der Eltern, mit 300 Likes kann die Maschine das Verhalten einer Person eindeutiger vorhersagen als deren Partner. Und mit noch mehr Likes lässt sich sogar übertreffen, was Menschen von sich selber zu wissen glauben. Am Tag, als Kosinski diese Erkenntnisse publiziert, erhält er zwei Anrufe. Eine Klageandrohung und ein Stellenangebot. Beide von Facebook.

      Nur für Freunde sichtbar

      Facebook hat inzwischen die Unterscheidung zwischen öffentlichem und privatem Posten eingeführt. Im «privaten» Modus können nur die eigenen Freunde sehen, was man likt. Aber das bleibt kein Hindernis für Datensammler: Während Kosinski stets das Einverständnis der Facebook-User erfragt, verlangen viele Onlinequiz heute den Zugang zu privaten Daten als Vorbedingung für Persönlichkeitstests. (Wer keine grosse Sorge um die eigenen Daten hat und sich selbst anhand seiner Likes auf Facebook einschätzen lassen will, kann das auf Kosinskis Seite applymagicsauce.com machen und anschliessend seine Ergebnisse mit denen eines «klassischen» Ocean-Fragebogens vergleichen: discovermyprofile.com/personality.html.)

      Aber es geht nicht nur um die Likes auf Facebook: Kosinski und sein Team können inzwischen Menschen allein anhand des Porträtfotos den Ocean-Kriterien zuordnen. Oder anhand der Anzahl unserer Social-Media-Kontakte (ein guter Indikator für Extraversion). Aber wir verraten auch etwas über uns, wenn wir offline sind. Der Bewegungssensor zeigt zum Beispiel, wie schnell wir das Telefon bewegen oder wie weit wir reisen (korreliert mit emotionaler Instabilität). Das Smartphone, stellt Kosinski fest, ist ein gewaltiger psychologischer Fragebogen, den wir konstant bewusst und unbewusst ausfüllen. Vor allem aber, und das ist wichtig zu verstehen, funktioniert es auch umgekehrt: Man kann nicht nur aus Daten psychologische Profile erstellen, man kann auch umgekehrt nach bestimmten Profilen suchen – etwa: alle besorgten Familienväter, alle wütenden Introvertierten. Oder auch: alle unentschlossenen Demokraten. Was Kosinski genau genommen erfunden hat, ist eine Menschensuchmaschine.

      Immer deutlicher erkennt Kosinski das Potenzial – aber auch die Gefahr seiner Arbeit.

      Das Netz erschien ihm immer wie ein Geschenk des Himmels. Er will ja eigentlich zurückgeben, teilen, sharen. Daten sind kopierbar, sollen doch alle etwas davon haben. Es ist der Geist einer ganzen Generation, der Beginn eines neuen Zeitalters ohne die Grenzen der physischen Welt. Aber was passiert, fragt sich Kosinski, wenn jemand seine Menschensuchmaschine missbraucht, um Menschen zu manipulieren? Er beginnt, alle seine wissenschaftlichen Arbeiten mit Warnungen zu versehen. Mit seinen Methoden könnten «das Wohlergehen, die Freiheit oder sogar das Leben von Menschen bedroht» werden. Aber niemand scheint zu verstehen, was er meint.

      In dieser Zeit, Anfang 2014, tritt ein junger Assistenzprofessor namens Aleksandr Kogan an Kosinski heran. Er habe eine Anfrage eines Unternehmen, das sich für Kosinskis Methode interessiere. Die Facebook-Profile von zehn Millionen US-Nutzern sollen psychometrisch vermessen werden. Zu welchem Zweck, das könne er nicht sagen, es gebe strenge Geheimhaltungsauflagen. Kosinski will erst zusagen, es geht um sehr viel Geld für sein Institut, zögert dann aber. Schliesslich rückt Kogan mit dem Namen der Firma heraus: SCL – Strategic Communications Laboratories. Kosinski googelt die Firma: «Wir sind eine weltweit agierende Wahl-Management-Agentur», liest er auf der Unternehmenswebsite. SCL bieten Marketing auf Basis eines psycho-logischen Modells. Schwerpunkt: Wahlbeeinflussung. Wahlbeeinflussung? Verstört klickt sich Kosinski durch die Seiten. Was ist das für eine Firma? Und was haben diese Leute in den USA vor?

      Was Kosinski zu diesem Zeitpunkt nicht weiss: Hinter SCL verbirgt sich ein kompliziertes Firmenkonstrukt mit Ablegern in Steuerparadiesen – wie die Panama Papers und Wikileaks-Enthüllungen zeigen. Manche haben bei Umstürzen in Entwicklungsländern mitgewirkt, andere entwickelten für die Nato Methoden zur psychologischen Manipulation der Bevölkerung in Afghanistan. Und mittlerweile sind SCL auch die Mutterfirma von Cambridge Analytica, jener ominösen Big-Data-Bude, die für Trump und Brexit den Onlinewahlkampf organisierte.

      Kosinski weiss davon nichts, aber er ahnt Ungutes. «Die Sache begann zu stinken», erinnert er sich. Bei seinen Nachforschungen entdeckt er, dass Aleksandr Kogan heimlich eine Firma registriert hat, die mit SCL Geschäfte macht. Aus einem Dokument, das dem «Magazin» vorliegt, geht hervor, dass SCL Kosinskis Methode durch Kogan kennenlernte. Plötzlich dämmert Kosinski, dass Kogan sein Ocean-Modell kopiert oder nachgebaut haben könnte, um es der Wahlbeeinflussungsfirma zu verkaufen. Sofort bricht er den Kontakt zu ihm ab und informiert den Institutsleiter. Innerhalb der Universität entfacht sich ein komplizierter Konflikt. Das Institut sorgt sich um seinen Ruf. Aleksandr Kogan zieht erst einmal nach Singapur, heiratet und nennt sich fortan Dr. Spectre. Michal Kosinski wechselt an die Stanford University in den USA.

      Ein Jahr lang ist es ziemlich ruhig, dann, im November 2015, verkündet die radikalere der beiden Brexit-Kampagnen, «leave.eu», getragen von Nigel Farage, sie habe eine Big-Data-Firma beauftragt, ihren Wahlkampf online zu unterstützen: Cambridge Analytica. Kernkompetenz der Firma: neuartiges Politmarketing, sogenanntes Mikrotargeting – auf Basis des psychologischen Ocean-Modells. 

      Kosinski bekommt Mails, was er damit zu tun habe – bei den Stichworten Cambridge, Ocean und Analytics denken viele zuerst an ihn. Zum ersten Mal hört er von der Firma. Entsetzt schaut er auf die Website. Sein Albtraum ist wahr geworden: Seine Methodik wird im grossen Stil für politische Zwecke eingesetzt.

      Nach dem Brexit im Juli prasseln Beschimpfungen auf ihn ein: Schau nur, was du getan hast, schreiben Freunde und Bekannte. Überall muss Kosinski erklären, dass er mit dieser Firma nichts zu tun hat.

      Erst Brexit, dann Trump

      Zehn Monate später. Es ist der 19. September 2016, die US-Wahl rückt näher. Gitarrenriffs erfüllen den dunkelblauen Saal des New Yorker Grand Hyatt Hotels, Creedence Clearwater Revival: «Bad Moon Rising». Der Concordia Summit ist eine Art Weltwirtschaftsforum in Klein. Entscheidungsträger aus aller Welt sind eingeladen, unter den Gästen befindet sich auch Bundesrat Schneider-Ammann. «Bitte heissen Sie Alexander Nix, Chief Executive Officer von Cambridge Analytica, willkommen», verkündet eine sanfte Frauenstimme aus dem Off. Ein schlanker Mann im dunklen Anzug betritt die Bühnenmitte. Es herrscht gebannte Stille. Viele hier wissen: Das ist Trumps neuer Digital-Mann. «Bald werden Sie mich Mr. Brexit nennen», hatte Trump einige Wochen zuvor etwas kryptisch getwittert. Politikbeobachter hatten zwar auf die inhaltliche Ähnlichkeit zwischen Trumps Agenda und jener des rechten Brexit-Lagers verwiesen. Die wenigsten aber hatten den Zusammenhang mit Trumps kürzlichem Engagement einer weithin unbekannten Marketingfirma bemerkt: Cambridge Analytica.

      Trumps Digitalkampagne hatte davor mehr oder minder aus einer Person bestanden: Brad Parscale, einem Marketingunternehmer und gescheiterten Start-up-Gründer, der Trump für 1500 Dollar eine rudimentäre Website aufgebaut hatte. Der 70-jährige Trump ist kein Digitaltyp, auf seinem Arbeitstisch steht nicht einmal ein Computer. So etwas wie eine E-Mail von Trump gibt es nicht, hat seine persönliche Assistentin einmal verraten. Sie selber habe ihn zum Smartphone überredet – von dem aus er seither unkontrolliert twittert.

      Hillary Clinton hingegen verliess sich auf das Erbe des ersten Social-Media-Präsidenten, Barack Obama. Sie hatte die Adresslisten der Demokratischen Partei, sammelte Millionen über das Netz, bekam Unterstützung von Google und Dreamworks. Als im Juni 2016 bekannt wurde, dass Trump Cambridge Analytica angeheuert hatte, rümpfte man in Washington die Nase. Ausländische Gecken in Massanzügen, die Land und Leute nicht verstehen? Seriously?

      «Es ist mein Privileg, vor Ihnen, verehrte Zuhörer, über die Macht von Big Data und der Psychografie im Wahlkampf zu sprechen.» Hinter Alexander Nix erscheint das Logo von Cambridge Analytica – ein Gehirn, zusammengesetzt aus ein paar Netzwerkknoten, wie eine Landkarte. «Vor ein paar Monaten war Cruz noch einer der weniger beliebten Kandidaten», sagt der blonde Mann mit diesem britischen Zungenschlag, der Amerikanern dasselbe Gefühl einjagt wie vielen Schweizern Hochdeutsch, «nur 40 Prozent der Wähler kannten seinen Namen.» Alle im Saal haben den Blitzaufstieg des konservativen Senators Cruz mitbekommen. Es war einer der seltsamsten Momente des Wahlkampfes. Der letzte grosse innerparteiliche Gegner Trumps, der aus dem Nichts gekommen war. «Wie also hat er das geschafft?», fährt Nix fort. Ende 2014 war Cambridge Analytica in den US-Wahlkampf eingestiegen, zunächst als Berater des Republikaners Ted Cruz, finanziert vom verschwiegenen US-Softwaremilliardär Robert Mercer. Bisher, so Nix, seien Wahlkampagnen nach demografischen Konzepten geführt worden, «eine lächerliche Idee, wenn Sie drüber nachdenken: Alle Frauen erhalten die gleiche Nachricht, bloss weil sie das gleiche Geschlecht haben – oder alle Afroamerikaner, wegen ihrer Rasse?» So dilettantisch arbeitet das Kampagnenteam von Hillary Clinton, das braucht Nix hier gar nicht zu erwähnen, es unterteilt die Bevölkerung in vermeintlich homogene Gruppen – genauso wie all die Meinungsforschungsinstitute es taten, die Clinton bis zuletzt als Gewinnerin sahen.

      Stattdessen klickt Nix weiter zur nächsten Folie: fünf verschiedene Gesichter, jedes Gesicht entspricht einem Persönlichkeitsprofil. Es ist das Ocean-Modell. «Wir bei Cambridge Analytica», sagt Nix, «haben ein Modell entwickelt, das die Persönlichkeit jedes Erwachsenen in den USA berechnen kann.» Jetzt ist es absolut still im Saal. Der Erfolg des Marketings von Cambridge Analytica beruhe auf der Kombination dreier Elemente: psychologische Verhaltensanalyse nach dem Ocean-Modell, Big-Data-Auswertung und Ad-Targeting. Ad-Targeting, das ist personalisierte Werbung, also Werbung, die sich möglichst genau an den Charakter eines einzelnen Konsumenten anpasst.

      Nix erklärt freimütig, wie seine Firma das macht (der Vortrag ist auf Youtube frei einsehbar). Aus allen möglichen Quellen kauft Cambridge Analytica persönliche Daten: Grundbucheinträge, Bonuskarten, Wählerverzeichnisse, Clubmitgliedschaften, Zeitschriftenabonnements, medizinische Daten. Nix zeigt die Logos global tätiger Datenhändler wie Acxiom und Experian – in den USA sind quasi alle persönlichen Daten käuflich zu erwerben. Wenn man wissen will, wo zum Beispiel jüdische Frauen wohnen, kann man diese Informationen einfach kaufen. Inklusive Telefonnummern. Nun kreuzt Cambridge Analytica diese Zahlenpakete mit Wählerlisten der Republikanischen Partei und Onlinedaten wie Facebook-Likes – dann errechnet man das Ocean-Persönlichkeitsprofil: Aus digitalen Fussabdrücken werden plötzlich reale Menschen mit Ängsten, Bedürfnissen, Interessen – und mit einer Wohnadresse.

      Das Vorgehen ist identisch mit den Modellen, die Michal Kosinski entwickelt hatte. Auch Cambridge Analytica verwendet IQ-Quiz und andere kleine Ocean-Test-Apps, um an die aussagekräftigen Facebook-Likes von Usern zu gelangen. Und Cambridge Analytica macht genau das, wovor Kosinski gewarnt hatte: «Wir haben Psychogramme von allen erwachsenen US Bürgern – 220 Millionen Menschen», Nix öffnet den Screenshot, «so sehen unsere Kontrollzentren aus. Lassen Sie mich zeigen, was wir damit tun.» Ein digitales Cockpit erscheint. Links Diagramme, rechts eine Karte von Iowa, wo Cruz überraschend viele Stimmen im Vorwahlkampf gesammelt hatte. Darauf Hunderttausende kleiner Punkte, rot und blau. Nix grenzt die Kriterien ein: Republikaner – die blauen Punkte verschwinden; «noch nicht überzeugt» – wieder verschwinden Punkte; «männlich» und so weiter. Am Schluss erscheint ein einzelner Name, darunter Alter, Adresse, Interessen, politische Neigung. Wie bearbeitet Cambridge Analytica nun eine solche Person mit politischen Botschaften?

      In einer anderen Präsentation zeigt Nix am Beispiel des Waffengesetzes zwei Versionen, wie man psychografisch durchleuchtete Wähler ansprechen kann: «Für einen ängstlichen Menschen mit hohen Neurotizismus-Werten verkaufen wir die Waffe als Versicherung. Sehen Sie links das Bild dazu: die Hand eines Einbrechers, die eine Scheibe einschlägt.» Die rechte Seite zeigt einen Mann und ein Kind im Sonnenuntergang, beide mit Flinten in einem Feld, offensichtlich bei der Entenjagd: «Das ist für konservative Typen mit hoher Extraversion.»

      Wie man Clinton-Wähler von der Urne fernhält

      Trumps auffällige Widersprüche, seine oft kritisierte Haltungslosigkeit und die daraus resultierende ungeheure Menge an unterschiedlichen Botschaften entpuppen sich plötzlich als sein grosser Vorteil: Jedem Wähler seine Botschaft. «Trump agiert wie ein perfekt opportunistischer Algorithmus, der sich nur nach Publikumsreaktionen richtet», notiert bereits im August die Mathematikerin Cathy O’Neil. Am Tag der dritten Präsidentschaftsdebatte zwischen Trump und Clinton versendet Trumps Team 175 000 verschiedene Variationen seiner Argumente, vor allem via Facebook. Die Botschaften unterscheiden sich meist nur in mikroskopischen Details, um den Empfängern psychologisch optimal zu entsprechen: verschiedene Titel, Farben, Untertitel, mit Foto oder mit Video. Die Feinkörnigkeit der Anpassung geht hinunter bis zu Kleinstgruppen, erklärt Nix im Gespräch mit «Das Magazin». «Wir können Dörfer oder Häuserblocks gezielt erreichen. Sogar Einzelpersonen.» In Miamis Stadtteil Little Haiti versorgte Cambridge Analytica Einwohner mit Nachrichten über das Versagen der Clinton-Stiftung nach dem Erdbeben in Haiti – um sie davon abzuhalten, Clinton zu wählen. Das ist eines der Ziele: potenzielle Clinton-Wähler – hierzu gehören zweifelnde Linke, Afroamerikaner, junge Frauen – von der Urne fernzuhalten, ihre Wahl zu «unterdrücken», wie ein Trump-Mitarbeiter erzählt. In sogenannten dark posts, das sind gekaufte Facebook-Inserate in der Timeline, die nur User mit passendem Profil sehen können, werden zum Beispiel Afroamerikanern Videos zugespielt, in denen Hillary Clinton schwarze Männer als Raubtiere bezeichnet.

      «Meine Kinder», beendet Nix seinen Vortrag am Concordia Summit, «werden sich so etwas wie ein Werbeplakat mit der gleichen Nachricht für alle, ja das ganze Konzept eines Massenmediums, nicht mehr erklären können. Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und kann Ihnen sagen, dass wir mittlerweile für einen der beiden verbliebenen Kandidaten arbeiten.» Dann verlässt er die Bühne.

      Wie gezielt die amerikanische Bevölkerung bereits in diesem Moment von Trumps digitalen Truppen massiert wird, ist nicht erkennbar – weil sie selten breit im Mainstream-TV attackieren, sondern meist personalisiert auf Social Media oder im Digitalfernsehen. Und während sich das Clinton-Team auf Basis demografischer Hochrechnungen in Sicherheit wiegt, entsteht in San Antonio im Sitz der Trump-Digitalkampagne ein «zweites Hauptquartier», wie Bloomberg-Journalist Sasha Issenberg nach einem Besuch überrascht notiert. Das Cambridge-Analytica-Team, angeblich nur ein Dutzend Leute, hatte im Juli von Trump etwa 100 000 Dollar erhalten, im August bereits 250 000 Dollar, fünf Millionen im September. Insgesamt, so sagt Nix, habe man etwa 15 Millionen Dollar eingenommen.

      Und die Massnahmen der Firma sind radikal: Ab Juli 2016 wird für Trump-Wahlhelfer eine App bereitgestellt, mit der sie erkennen können, welche politische Einstellung und welchen Persönlichkeitstyp die Bewohner eines Hauses haben. Wenn Trumps Leute an der Tür klingeln, dann nur bei jenen, die die App als empfänglich für seine Botschaften einstuft. Die Wahlhelfer haben auf den Persönlichkeitstyp des Bewohners angepasste Gesprächsleitfaden bereit. Die Reaktion wiederum geben die Wahlhelfer in die App ein – und die neuen Daten fliessen zurück in den Kontrollraum von Cambridge Analytica.

      Die Firma unterteilt die US-Bevölkerung in 32 Persönlichkeitstypen, man konzentriert sich nur auf 17 Staaten. Und wie Kosinski festgestellt hatte, dass Männer, die MAC Cosmetic liken, sehr wahrscheinlich schwul sind, fand Cambridge Analytica heraus, dass eine Vorliebe für US-gefertigte Autos das beste Anzeichen für mögliche Trump-Wähler ist. Unter anderem solche Erkenntnisse zeigen nun Trump, welche Botschaften ziehen und wo genau am besten. Die Entscheidung, dass er sich in den letzten Wochen auf Michigan und Wisconsin konzentriert, geschieht auf Basis einer Datenauswertung. Der Kandidat wird zum Umsetzungsinstrument eines Modells.

      Was macht Cambridge Analytica in Europa?

      Aber wie gross war der Einfluss der psychometrischen Methoden auf den Ausgang der Wahl? Cambridge Analytica will auf Anfrage keine Belege für die Wirksamkeit der Kampagne liefern. Und es ist gut möglich, dass die Frage nicht zu beantworten ist. Und doch gibt es Anhaltspunkte: Da ist die Tatsache, dass Ted Cruz dank der Hilfe von Cambridge Analytica aus dem Nichts zum schärfsten Konkurrenten Trumps in den Primaries aufstieg. Da ist die Zunahme der ländlichen Wählerschaft. Da ist der Rückgang der Stimmenabgabe durch Afroamerikaner. Auch der Umstand, dass Trump so wenig Geld ausgab, könnte sich mit der Effektivität persönlichkeitsbasierter Werbung erklären. Und auch, dass er drei Viertel seines Marketingbudgets in den Digitalbereich steckte. Facebook erwies sich als die ultimative Waffe und der beste Wahlhelfer, wie ein Trump-Mitarbeiter twitterte. Das dürfte beispielsweise in Deutschland der AfD gefallen, die mehr Facebook-Freunde hat als CDU und SPD zusammen.

      Es ist also keineswegs so, wie oft behauptet wird, dass die Statistiker diese Wahl verloren haben, weil sie mit ihren Polls so danebenlagen. Das Gegenteil ist richtig: Die Statistiker haben die Wahl gewonnen. Aber nur jene mit der neuen Methode. Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, dass Trump oft über die Wissenschaft schimpfte, aber wohl dank ihr die Wahl gewonnen hat.

      Ein anderer grosser Gewinner heisst Cambridge Analytica. Ihr Vorstandsmitglied Steve Bannon, Herausgeber der ultrarechten Onlinezeitung «Breitbart News», ist gerade zu Donald Trumps Chefstrategen ernannt worden. Marion Maréchal-Le Pen, aufstrebende Front-National-Aktivistin und Nichte der Präsidentschaftskandidatin*, twitterte bereits, dass sie seine Einladung zur Zusammenarbeit annehme, und auf einem internen Firmenvideo steht über dem Mitschnitt einer Besprechung «Italy». Alexander Nix bestätigt, dass er auf Kundenakquise sei, weltweit. Es gebe Anfragen aus der Schweiz und Deutschland.

      All das hat Kosinski von seinem Büro in Stanford aus beobachtet. Nach der US-Wahl steht die Universität kopf. Kosinski antwortet auf die Entwicklungen mit der schärfsten Waffe, die einem Forscher zur Verfügung steht: mit einer wissenschaftlichen Analyse. Zusammen mit seiner Forscherkollegin Sandra Matz hat er eine Reihe von Tests durchgeführt, die bald veröffentlicht werden. Erste Ergebnisse, die dem «Magazin» vorliegen, sind beunruhigend: Psychologisches Targeting, wie Cambridge Analytica es verwendete, steigert die Clickraten von Facebook-Anzeigen um über 60Prozent. Die sogenannte Conversion-Rate, also wie stark Leute – nachdem sie die persönlich zugeschnittene Werbung gesehen haben – auch danach handeln, also einen Kauf tätigen oder eben wählen gehen, steigerte sich um unfassbare 1400 Prozent**.

      Die Welt hat sich gedreht. Die Briten verlassen die EU, in Amerika regiert Donald Trump. Begonnen hat alles mit einem Mann, der eigentlich vor der Gefahr warnen wollte. Bei dem jetzt wieder diese Mails eintreffen, die ihn anklagen. «Nein», sagt Kosinski leise und schüttelt den Kopf, «das hier ist nicht meine Schuld. Ich habe die Bombe nicht gebaut. Ich habe nur gezeigt, dass es sie gibt.» 

      Mitarbeit: Paul-Olivier Dehaye; www.personaldata.io
      Die Fotografin Lauren Bamford lebt in Melbourne und Sydney

      *Am Samstag den 3. Dezember wurde nach einem Leserhinweis diese Stelle verdeutlicht, damit es nicht zu einer Verwechslung mit Marine Le Pen kommt.

      **Die genannte Studie bezieht sich auf eine Vergleichsreihe: Ein Konsum-Produkt wurde online beworben. Verglichen wurde die Reaktion auf zwei unterschiedliche Ansprachen: Eine genau auf den Charakter des Konsumenten angepasste Werbung mit einer dem Charakter widersprechenden Werbung. Die Steigerung der Conversionrate liegt bei genau angepasster Werbung bei 1’400 Prozent gegenüber dem Charakter widersprechender Werbung.

      #surveillance #monopoles #1984

    • Même si oui, il y a sûrement (forcément) eu des manipulations (et pas que du côté républicains, probablement), pourquoi est-ce qu’on s’échinerait à trouver une explication « technique » de ce genre alors que dès les résultats on a vu que la quantité de votes républicains était sensiblement similaire aux précédentes élections ?

      Après, les manipulations peuvent aussi avoir fait baisser les votes démocrates sans avoir fait augmenter les votes républicains… mais bon… l’incroyable impopularité d’Hillary a quand même dû pas mal jouer. Et il n’empêche qu’au final il n’y a pas spécialement plus de votes républicains qu’avant.

    • @rastapopoulos On pourrait prèsque appeler anecdotique le côté manipulation.

      Je trouve beaucoup plus intéressante la déscription de du changement de paradigme en ce qui concerne les voies de communication et la révélation des méthodes big data qui d’habitude restent opaques et incompréhensbibles pour le commun des mortels.

      Si je comprends bien l’article les fausses estimations du résultat des élections par les grandes agences sont duês en partie à la négligeance complète des voies et méthodes de communication choisies par l’équipe Trump. On abandonne la réflexion sur un type aux humeurs et opinions aléatoires pour découvrir un pro de la com qui est complètement data driven .

    • cette histoire est fortement contestée

      The Truth About The Trump Data Team That People Are Freaking Out About - BuzzFeed News
      https://www.buzzfeed.com/kendalltaggart/the-truth-about-the-trump-data-team-that-people-are-freaking

      interviews with 13 former employees, campaign staffers, and executives at other Republican consulting firms who have seen Cambridge Analytica’s work suggest that its psychological approach was not actually used by the Trump campaign and, furthermore, the company has never provided evidence that it even works. Rather than a sinister breakthrough in political technology, the Cambridge Analytica story appears to be part of the traditional contest among consultants on a winning political campaign to get their share of credit — and win future clients.

    • #merci @fil #snake_oil

      ... pourtant c’est inquiétant ..

      A Data Team Tied To Trump’s Campaign Has A Pretty Unusual Past - BuzzFeed News
      https://www.buzzfeed.com/kendalltaggart/company-tied-to-trump-campaign-once-pushed-voter-suppression

      Among SCL Group’s other projects:

      It worked to dissuade some Nigerians from voting during the 2007 election by organizing “anti-poll rallies,” according to SCL Group’s website.

      Oakes, the CEO, was hired as an image consultant for the former president of Indonesia as he faced accusations of financial misconduct. In defending President Abdurrahman Wahid, Oakes was accused of covertly using government funds to stage a conference for journalists — ostensibly about journalistic independence but participants were unaware of the government’s involvement. Oakes told the Wall Street Journal at the time that he didn’t do anything unethical.

      The prime minister of St. Vincent and the Grenadines accused SCL Group of funneling foreign money into his opponents’ campaigns. The prime minister said the goal of this effort was to get laws passed allowing investors to buy citizenship. The leader of the opposition party denied receiving foreign funds from SCL Group, according to a local media report, but said that it did receive other forms of assistance from the company.