company:siemens ag

  • Deutschland einig Autoland (Tageszeitung junge Welt)
    https://www.jungewelt.de/artikel/346899.kapitalismus-in-deutschland-deutschland-einig-autoland.html

    Les chefs de la production d’automobiles sont les véritables rois d’Allemagne. Cet article explique l’essentiel sur le noyau de l’industrie allemande. Sa lecture est indispensable si on veut comprendre dans le détail les agissements de la politique du pays.

    10.01.2019 - von Beate Landefeld - Die Kraftfahrzeugproduktion ist die Leitindustrie in der Bundesrepublik. Zu dem Eigentums- und Machtverhältnissen bei Daimler, BMW und VW

    Von ehemals vielen deutschen Autoherstellern blieben drei, BMW, Daimler und VW, übrig. Nach der Liste »Fortune Global 500«, die die nach Umsatz erfolgreichsten Unternehmen für das Jahr 2018 versammelt, ist VW der weltweit siebtgrößte Konzern überhaupt und der zweitgrößte Autokonzern nach Toyota. Daimler belegt in der Branche den dritten Platz, den 16. bei allen Konzernen. BMW hat Platz acht bei den Autokonzernen und Platz 51 bei allen Konzernen und steht damit noch vor Siemens (Platz 66). BMW, Daimler und VW überlebten andere Hersteller, indem sie sich diese einverleibten. Schon in den 1950er und 1960er Jahren eröffneten sie Filialen in den USA, Lateinamerika und Südafrika. Die Schaffung des EU-Binnenmarktes und die als »Globalisierung« verklärte, gegenseitige Marktöffnung für die monopolistische Konkurrenz in den 1990er Jahren machten die Bahn frei für Übernahmen in West- und Südeuropa. Chinas Öffnung 1978 und der Fall der Mauer 1989 ebneten den Weg für Joint Ventures und Investitionen in Osteuropa und Asien.

    In Deutschland belegen VW, Daimler, BMW nach Umsätzen die ersten drei Plätze. All das verweist auf die überragende Bedeutung der Autoindustrie für die deutsche Volkswirtschaft. Während in anderen europäischen Ländern das Gewicht der Autoindustrie zurückging, stieg in der BRD von 2005 bis 2015 ihr Anteil an der gesamten Bruttowertschöpfung von 3,4 auf 4,5 Prozent, innerhalb des verarbeitenden Gewerbes sogar von 15 auf 19,6 Prozent, erarbeitet von 871.000 Beschäftigten.1

    Daimler und BMW waren stets in Privateigentum, VW bis 1960 in Staatseigentum. Die Eigentümerstruktur der drei spiegelt die generelle Zusammensetzung der herrschenden Klasse der Bundesrepublik Deutschland, das Mit- und Nebeneinander von großen Privateigentümern, privaten Managern und staatlichen Beauftragten. Bei BMW und VW erwarben im Lauf der Zeit »Unternehmerdynastien« kontrollierende Mehrheiten in den Muttergesellschaften. An VW ist der Staat, vertreten durch das Land Niedersachsen, weiterhin beteiligt, hier gelten besondere Mitbestimmungsrechte. Bei Daimler war über längere Zeiten die Deutsche Bank Großaktionär, heute überwiegt der Streubesitz. Die Entwicklung der Eigentums- und Kontrollverhältnisse bei Daimler, BMW, VW soll hier näher betrachtet werden.

    Daimler

    Die Daimler AG entstand aus der 1883 von Carl Benz gegründeten Firma Benz & Cie. und der 1890 von Gottlieb Daimler gegründeten Daimler-Motoren-Gesellschaft. Daimler und Benz schieden um 1900 aus ihren Firmen aus. Die beiden Unternehmer vermarkteten ihre Patente und Produkte von Anfang an international, tätigten Zukäufe und gründeten Tochtergesellschaften. Neben Pkw stellten sie Nutzfahrzeuge, Boots- und Flugmotoren her. Im Ersten Weltkrieg rückte die Rüstungsproduktion ins Zentrum. Daimler baute den ersten deutschen Panzer und gehörte zu den größten Flugmotorenherstellern des Reichs. 1926 fusionierten die beiden Betriebe unter Federführung der Deutschen Bank zur Daimler-Benz AG. Danach wurden die Aufsichtsratsvorsitzenden, die das Management ein- oder absetzen können, von der Deutschen Bank ausgewählt.

    1932 war die Daimler-Benz AG nach der Adam Opel AG und der Auto-Union2 drittgrößter Automobilproduzent in Deutschland. Der Aufsichtsratsvorsitzende Emil Georg von Stauß (1925–1942) unterstützte den Aufstieg der Nazis. Während der Weltwirtschaftskrise kam es zu Massenentlassungen. Hitlers Aufrüstungsprogramm und seine Pläne zur Massenmotorisierung kurbelten dann die Produktion erneut an. Der Konzernumsatz wuchs von 65 Millionen Reichsmark im Jahr 1932 auf 942 Millionen 1943. Im Jahr 1941 machten Wehrmachtsaufträge 76 Prozent des Umsatzes aus. Die Belegschaft wuchs von 10.000 Ende 1932 auf über 74.000 im Jahr 1944. Während des Zweiten Weltkriegs bestand sie bis zur Hälfte aus Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen. Mit der Kriegsniederlage musste Daimler-Benz seine Werke im Osten Deutschlands und in den von den Hitlerfaschisten besetzten Ländern aufgeben (u. a. in Polen, SU, Tschechoslowakei, Elsass).3

    Nach 1945 feierte der Konzern wieder Erfolge in der Autoproduktion, vor allem mit der Marke Mercedes. Er baute ein internationales Vertriebsnetz auf, errichtete Werke in Argentinien, Brasilien, Indien, Südafrika, Iran und den USA. Dass in der Filiale in Argentinien mit Wissen Ludwig Erhards Nazigelder »gewaschen« wurden und Adolf Eichmann, wie zahlreiche andere untergetauchte Nazis, eine Beschäftigung erhielt, enthüllte 2004 die Journalistin Gaby Weber.4 In der Bundesrepublik übernahm Daimler-Benz Hanomag und die in Ingolstadt neu angesiedelte Auto-Union (inklusive der in den Westen übergesiedelten Fachkräfte). 1958 scheiterte der Versuch, BMW zu übernehmen. In den 1960er Jahren stellten die Milliardäre Herbert Quandt und Friedrich Flick gemeinsam mit der Deutschen Bank das Dreigestirn der Daimler-Großaktionäre, bis Quandt und Flick ab 1974 ihre Anteile an Kuwait und an die Deutsche Bank verkauften.5

    1987 wurde Edzard Reuter Vorstandsvorsitzender der Daimler-Benz AG. Sein Traum war der »integrierte Technologiekonzern«. Unter seiner Ägide wurden Teile von MAN, der Luft- und Raumfahrtkonzern Dornier, die AEG sowie die Mehrheit an Messerschmitt-Bölkow-Blohm erworben und daraus die Deutsche Aerospace Aktiengesellschaft DASA gebildet. Dabei gingen 16.000 Arbeitsplätze verloren. Nach 1989 schluckte die DASA die Flugzeugwerke der DDR. Thomas Enders, bis 1991 im Planungsstab des Verteidigungsministers, wurde 1995 Geschäftsführer und Aufsichtsratsvorsitzender der DASA, die 2000 in das deutsch-französisch geführte Rüstungsunternehmen EADS einging.

    1998 schuf der neue Vorsitzende Jürgen Schrempp Daimler-Chrysler durch Zukauf des US-Konzerns für 36 Milliarden Dollar. Das Projekt erwies sich als Verlustbringer. Chrysler wurde weiterverkauft. Hochzeit und Scheidung kosteten rund 40 Milliarden Euro. 2012 einigten sich die Regierungen Frankreichs und Deutschlands auf eine neue paritätische Anteilstruktur bei EADS, die den Konzernen Daimler und Lagadère ermöglichte, schrittweise auszusteigen. Der Streubesitz wurde erhöht, und die Stimmrechte wurden auf Frankreich, Deutschland (je elf Prozent) und Spanien (vier Prozent) aufgeteilt. Danach konnte sich Daimler auf das Kerngeschäft Automobil konzentrieren.6

    Mittels des Beteiligungssystems können Kapitalgeber mit einem Minimum an Kapital ein Maximum an Einfluss ausüben, vor allem wenn sie sogenannte Depotstimmrechte, also Vollmachtstimmrechte, verwalten. Für die Wahl des Aufsichtsrats genügt die Mehrheit des auf der Hauptversammlung vertretenen, stimmberechtigten Kapitals. Sie hängt ab von der Hauptversammlungspräsenz. Dabei gilt: Je mehr Streubesitz, desto geringer ist die Hauptversammlungspräsenz. Je größer die Anteile von Großaktionären, desto höher ist die Hauptversammlungspräsenz.7 Ende 2018 hatte Daimler folgende Aktionärsstruktur:

    – Tenaciou3 Prospect Invested Limited8: 9,7 Prozent

    – Kuwait Investment Authority: 6,8 Prozent

    – Renault/Nissan: 3,1 Prozent

    – Institutionelle Investoren: 60,3 Prozent

    – Private Investoren: 20,1 Prozent.9

    Die Hauptversammlungspräsenz lag 2018 bei Daimler mit 55,71 Prozent unter dem Durchschnitt der 30 Dax-Konzerne (65,3 Prozent). Somit brauchte man 28 Prozent der Anteile für die Mehrheit. Real lag die Zustimmung der Daimler-Aktionäre bei keinem Vorschlag der Unternehmensführung unter 90 Prozent. Auch bei anderen Konzernen sind solche Ergebnisse üblich, denn die Konzernführungen organisieren im Vorfeld Konsultationen mit den wichtigsten Investoren.

    Mit Renault/Nissan ist Daimler 2010 eine strategische Kooperation eingegangen. Sie bauen gemeinsam Autokomponenten, haben ein 50:50-Joint-Venture in Mexiko und teilen sich diverse Kosten. Kooperationen sind eine moderne Form des Monopols und viel flexibler als die früheren, heute illegalen Kartelle. Sie beziehen sich auf bestimmte Gebiete und heben die Konkurrenz auf anderen Gebieten nicht auf. Theoretisch kann Konzern A auf einem Gebiet mit Konzern B, in Konkurrenz zu Konzern C kooperieren, auf einem anderen Feld mit Konzern C gegen Konzern B. Unter den institutionellen Investoren finden sich die Investmentfonds privater und staatlicher Finanzkonzerne, die in der Regel in alle Dax-Titel investieren. Private Kleinanleger sind auf Hauptversammlungen häufig durch Aktionärsvereinigungen vertreten. Aufregung verursachte der neue Großaktionär aus China, von dem die Wirtschaftspresse munkelte, er habe sich mit verdeckten Zukäufen 2017 an die 9,7 Prozent »herangeschlichen«, und niemand wisse, was er vorhabe. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht untersucht zur Zeit die Zukäufe. 10

    BMW

    Die BMW AG entstand während des Ersten Weltkriegs aus den Vorläufern Flugmaschinenwerke Gustav Otto und Rapp-Motorenwerke. Als Rüstungslieferant stieg BMW bis Kriegsende zu einem der größten deutschen Flugmotorenwerke mit 3.500 Mitarbeitern auf. Nach 1918 richtete der BMW-Großaktionär und zeitweilige Aufsichtsratsvorsitzende Camillo Castiglioni11 die Firma auf den Bau von Motorrädern aus. Mit der Übernahme der Fahrzeugfabrik Eisenach 1928 wurde BMW Autobauer. Castiglioni musste seine BMW-Anteile 1929 an Großbanken abgeben, darunter an die Deutsche Bank. Nach 1933 wurde die Autosparte wieder zum Nebensache. Hitlers Kriegspläne verschafften der Flugmotorenindustrie einen Aufschwung, an dem auch BMW partizipierte. Durch Übernahmen und neue Werke wuchs der Flugmotorenbau auf 90 Prozent des Gesamtumsatzes. Der stieg von 32,5 Millionen Reichsmark 1933 auf 750 Millionen 1944. Mehr als 50 Prozent der 56.000 Beschäftigten waren Zwangsarbeiter. Auch KZ-Häftlinge, zum Teil untergebracht in einem Außenlager des KZ Dachau, mussten für BMW schuften.12

    1945 war das Stammwerk in München zerstört. Der Fahrzeugbau Eisenach lag in der Sowjetischen Besatzungszone. In München wurden zunächst Motorräder, Kochtöpfe und Bremsen produziert, später auch Autos, aber mit Verlust. Als der Motorradabsatz nachließ, geriet BMW in eine Krise. Die Deutsche Bank wollte den Konzern an Daimler angliedern. Das blockierten auf der Hauptversammlung 1959 Kleinaktionärsvertreter. 1960 trat der Unternehmer Herbert Quandt als Sanierer auf den Plan. Er und sein Bruder Harald hatten 1954 ein Konglomerat von Firmenbeteiligungen geerbt. Die Brüder waren bereits Großaktionäre bei Daimler, bevor Herbert Quandt mit 60 Prozent die Kontrolle bei BMW erwarb.

    Der Erblasser Günther Quandt war als Großaktionär des Batterie- und Akkumulatorenkonzerns AFA und anderer Betriebe aufgestiegen. In Hannover-Stöcken und anderen Werken setzte auch er ab 1943 Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge ein. Er hatte Hitlers Aufstieg unterstützt und war 1937 Wehrwirtschaftsführer geworden. Seine Verstrickung mit dem Naziregime war für Quandt nach 1945 kein Hindernis, seine Werke weiterzuführen.13

    BMW war in den Jahrzehnten nach 1945 erfolgreich als Hersteller von Mittelklassewagen und Motorrädern. Mit Borgward ging 1961 ein Konkurrent in Konkurs. 1967 übernahm BMW den Autohersteller Hans Glas GmbH. Zwischen 1970 und 1993 wuchs die Beschäftigtenzahl von 23.000 auf 71.000. Mit der Übernahme der Klöckner-Humboldt-Deutz AG stieg BMW 1990 wieder in die Luftfahrtsparte ein. Sie ging in das Joint Venture BMW Rolls-Royce Aero Engines ein und wurde 2000 von Rolls Royce übernommen, nachdem sich BMW an der britischen Rover Group überhoben hatte, die als Verlustbringer wieder abgestoßen werden musste. Heute ist BMW in 14 Ländern mit Montage- und Fertigungswerken vertreten, in 140 Ländern mit seinem Händlernetzwerk. Die Eigentümerstruktur des Konzerns ist laut BMW-Homepage wie folgt:

    Streubesitz: 53,2 Prozent
    – Aqton SE, Bad Homburg v. d. Höhe: neun Prozent
    – Aqton GmbH & Co. KG für Automobilwerte Bad Homburg v. d. Höhe: 16,6 Prozent
    – Susanne Klatten Beteiligungs-GmbH, Bad Homburg v. d. Höhe: 20,7 Prozent
    Susanne Klatten: 0,2 Prozent
    – Stefan Quandt: 0,2 Prozent

    Danach verfügen die Geschwister Stefan Quandt und Susanne Klatten als Kinder Herberts und Enkel Günther Quandts mit ihren Beteiligungsgesellschaften über 46,8 Prozent der Anteile. Auf der Hauptversammlung 2018 waren 79,84 Prozent des stimmberechtigten Grundkapitals vertreten. 40 Prozent der Anteile hätten für die Mehrheit gereicht. Die Abstimmungen folgten den Empfehlungen der Konzernspitze mit Ergebnissen zwischen 78,69 Prozent beim Tagesordnungspunkt Vergütung der Vorstandsmitglieder und 99,96 Prozent.

    Stefan Quandt und Susanne Klatten nahmen 2018 Platz eins auf der Liste der 1001 reichsten Deutschen des Managermagazins ein. Sie halten Beteiligungen und bekleiden Aufsichtsratssitze in zahlreichen Firmen. Daneben betreiben sie mehrere Stiftungen, wie etwa die Johanna-Quandt-Stiftung, deren Zweck es ist, »das Verständnis für die marktwirtschaftliche Ordnung und die Bedeutung des privaten Unternehmertums als Träger der wirtschaftlichen Entwicklung in der Öffentlichkeit und den Medien zu fördern«.14 Reiche senken mit Stiftungen ihre Steuern. Über den Einsatz der Mittel, die sie dem Staat damit vorenthalten, können sie dergestalt selbst bestimmen.

    VW

    Anlässlich der Internationalen Automobil- und Motorradausstellung in Berlin 1934 trat Hitler für die Entwicklung eines für die Massen erschwinglichen, einfachen Pkw ein. Den Auftrag zum Bau eines Prototyps vergab der Reichsverband der Deutschen Automobilindustrie an das Konstruktionsbüro Ferdinand Porsche in Stuttgart. Da die Autoindustrie kein Interesse hatte, ein 1.000-Reichsmark-Auto zu subventionieren, wurde die Deutsche Arbeitsfront (DAF) beauftragt. Sie verwendete das 1933 von den aufgelösten Gewerkschaften geraubte Vermögen für den Bau einer großen Automobilfabrik in Niedersachsen. Dort sollte der KdF-Wagen (benannt nach der Freizeitorganisation der Nazis »Kraft durch Freude«) produziert werden. 1938 wurde Ferdinand Porsche Geschäftsführer und Aufsichtsrat der Volkswagenwerk GmbH.

    Zwar wurde ein modernes Autowerk nach dem Vorbild von Ford errichtet, aber aus Hitlers angekündigter Massenmotorisierung wurde nichts. Devisen und Benzin reichten nur für die Motorisierung der Armee. VW produzierte spezielle Fahrzeuge für die Wehrmacht, wie »Kübelwagen« und »Schwimmwagen«, daneben Tellerminen, Panzerfäuste und andere Waffen. Die Rüstungsproduktion leitete ab 1941 Porsches Schwiegersohn Anton Piëch. Porsche, seit 1937 NSDAP-Mitglied, wurde u. a. Wehrwirtschaftsführer und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Zwischen 1940 und 1945 wurden 20.000 Menschen zur Zwangsarbeit eingesetzt, darunter Häftlinge, die in Außenlagern des KZ Neuengamme interniert wurden.15

    Das Konstruktionsbüro in Stuttgart im Besitz der Familien Porsche und Piëch bekam lukrative Aufträge und wurde faktisch zur Konstruktionsabteilung von VW. 1943 übernahm das VW-Werk unter Porsche im besetzten Frankreich die »unternehmerische Verantwortung« für Renault. Für die Demontage von Maschinen und die Verschleppung von Renault-Arbeitern zur Zwangsarbeit saßen Ferdinand Porsche und Anton Piëch nach Kriegs­ende 22 Monate in französischen Gefängnissen. Ein Entnazifizierungsverfahren in Baden-Württemberg wurde dagegen 1949 eingestellt.

    1948/49 handelte Porsches Sohn Ferry Abfindungsverträge mit VW aus. Porsche sollte nur noch fallweise Aufträge erhalten und bekam das Recht auf eine Lizenzgebühr von ein Prozent pro Käfer, eine monatliche Vergütung von 40.000 DM für Weiterentwicklungsarbeiten und die Alleinvertretung für den Handel in Österreich. Zu diesem Zeitpunkt hatte die britische Besatzungsmacht, die an einer Reparatur- und Produktionsstätte für ihre Armeefahrzeuge interessiert war, bereits Heinrich Nordhoff als Generaldirektor eingesetzt. Da das VW-Werk schneller als andere Hersteller wieder Autos produzieren konnte, stieg es zum deutschen Marktführer und Exporteur auf. Davon profitierten auch das Autowerk Dr. Ing. h. c. F. Porsche KG in Stuttgart-Zuffenhausen und die österreichische Pkw-Handelsgesellschaft Porsche Holding.

    Die Briten übergaben das VW-Werk 1949 dem Land Niedersachsen, das neben dem Bund die Stimmrechte ausübte. Eine Auflage war, dass die Gewerkschaften starken Einfluss erhalten sollten. Unter diesen Umständen verzichtete der DGB darauf, das 1933 gestohlene Gewerkschaftsvermögen einzuklagen. 1960 wurde VW teilprivatisiert. 60 Prozent der Aktien wurden als sogenannte Volksaktien verkauft, je 20 Prozent behielten der Bund und Niedersachsen. Das »Gesetz über die Überführung der Anteilsrechte an der Volkswagenwerk Gesellschaft mit beschränkter Haftung in private Hand« vom Juli 1960 enthielt Stimmrechtsbeschränkungen, um feindliche Übernahmen, Produktionsverlagerungen und ähnlich gravierende Beschlüsse zu erschweren. So sollte kein Aktionär mehr als 20 Prozent der Stimmrechte ausüben können. Die EU-Kommission klagte dagegen vor dem Europäischen Gerichtshof, der 2007 die 20-Prozent-Klausel kippte.16

    Bereits 1953 eröffnete VW ein Werk in Brasilien. 1964 erwarb der Konzern die Auto-Union von Daimler Benz. Die Marke Audi kam damit zu VW. Werke in Mexiko (1964), USA (1955), Südafrika (1966) wurden gebaut oder übernommen. Kurz nach Beginn der Öffnungspolitik der VR China vereinbarte der Konzern 1984 sein erstes Joint Venture mit einem chinesischen Autobauer und wurde in China Marktführer. Im Vorfeld der Schaffung des EU-Binnenmarktes übernahm VW 1986 den spanischen Autobauer Seat. Ab 1990 erwarb der Konzern Anteile an Skoda in Tschechien, um die Firma im Jahr 2000 zu übernehmen.

    1993 wurde Ferdinand Piëch, der Sohn Anton Piëchs und Enkel Ferdinand Porsches, Vorstandsvorsitzender von VW. Zuvor war er im Management der VW-Tochter Audi zum Vorstandsvorsitzenden aufgestiegen. Als VW-Chef trieb er die schrittweise Übernahme der Lastwagenbauer MAN und Scania (Schweden) voran, um aus ihnen perspektivisch eine VW-Truck-Sparte zu formen. Mit der 1998 erfolgten Übernahme von Bentley durch VW und Lamborghini durch Audi forcierte Piëch zugleich einen Einstieg in das Luxussegment.

    2002 wechselte Piëch vom Vorstandsvorsitz zum Aufsichtsratsvorsitz der VW AG. Zugleich gehörte er dem Aufsichtsrat der Porsche AG an. 2005 erwarb diese 21 Prozent der VW-Stammaktien. Bis 2008 baute sie ihren Anteil auf 42,6 Prozent aus. Daneben hatte sie sich Optionen auf weitere 31,5 Prozent gesichert. Als die Porsche AG 2009 einen fälligen Kredit nicht ablösen konnte, half VW. Im Ergebnis wurde Porsche von VW statt VW von Porsche übernommen. Zugleich aber besaß der Porsche/Piëch-Clan über die 2007 gegründete Porsche Holding SE die Mehrheit an VW. Sämtliche stimmberechtigten Stammaktien der Holding gehören den Familien Porsche und Piëch. 2015 gab Piëch den Aufsichtsratsvorsitz ab.

    2017 verkaufte er seine Aktien an die Familien Porsche und Piëch. Sie wurden so aufgeteilt, dass die Machtbalance erhalten blieb. Die Regel, dass Aussteiger ihre Beteiligungen nur innerhalb des Clans verkaufen, dient dem Machterhalt der Dynastie im Konzern. Gegenwärtig verteilen sich die stimmberechtigten Stammaktien bei VW wie folgt:

    Porsche Automobil Holding SE, Stuttgart: 52,2 Prozent
    Land Niedersachsen, Hannover: 20,0 Prozent
    Qatar Holding LLC: 17,0 Prozent
    Streubesitz: 10,8 Prozent

    Der Porsche/Piech-Clan besitzt damit die kon­trollierende Mehrheit. Mitbestimmungsklauseln des Betriebsrats und Niedersachsens, die trotz neoliberaler »Reform« in der neuen Fassung des VW-Gesetzes noch erhalten werden konnten, schränken die Alleinherrschaft ein wenig ein. Im Dax werden seit 2009 die nicht mit Stimmrechten ausgestatteten VW-Vorzugsaktien gehandelt. Stamm- und Vorzugsaktien bilden zusammen das Grundkapital, an dem die Porsche Holding SE 30,8 Prozent, Katar 14,6 und Niedersachsen 11,8 Prozent hält. Die Differenzierung zwischen Stämmen und Vorzügen dient dem Zweck, mit einem Minimum an Kapital ein Maximum an Kontrolle auszuüben und garantiert zugleich die Machtverhältnisse. Auf der aktuellen Liste der 1001 reichsten Deutschen des Managermagazins hält Wolfgang Porsche den neunten Platz. Ferdinand Piech zählt zu den reichsten Österreichern. Verwandte und Erben der beiden bekleiden Aufsichtsratsposten bei VW und bei VW-Töchtern. Vier Clanmitglieder sitzen im Aufsichtsrat, 30 in den Aufsichtsgremien von Tochtergesellschaften, von denen wiederum vier, zusätzlich zu VW, zu den hundert größten Konzernen Deutschlands gehören.17
    Staat stützt Kapital

    In der Weltwirtschafts- und Finanzkrise federte der Staat 2009 die Überproduktion der Autoindustrie mit Abwrackprämien und durch Erleichterung von Kurzarbeit ab. Nach Auffliegen des Abgasbetrugs 2015 sperrten sich die Konzerne gegen Hardwarenachrüstungen. Eine staatliche Dieselabwrackprämie für Neufahrzeuge bekamen sie diesmal nicht. Trotzdem gilt: Ob es um die Verzögerung einer Produktionsquote für Elektroautos in China geht, um Verhandlungen in der EU über die Begrenzung des CO2-Ausstoßes oder um das Umgehen von Gerichtsurteilen für Fahrverbote – in der Regel engagiert sich der Staat so, dass die Schonung der Profite der Autokonzerne Vorrang vor den gesundheitlichen Bedürfnissen und dem Geldbeutel der Bürger hat. Kürzlich stellte die Regierung sogar den Plan einer (zuvor lauthals geforderten) sogenannten Digitalsteuer zurück, aus Furcht, Donald Trump könne sich mit höheren Steuern auf Autoexporte rächen.

    Anmerkungen:

    1 »Bedeutung der Autoindustrie für Deutschland nimmt zu«, reuters.com 14.9.2017

    2 Die Auto-Union (Audi, DKW, Horch, Wanderer) gehörte ab 1931 der Sächsischen Landesbank. Vor dem Zweiten Weltkrieg war sie mit 22 Prozent Umsatzanteil bei Pkws zweitgrößter Automobilproduzent nach der Adam Opel AG (41 Prozent), zur Zeit der Übernahme durch Daimler-Benz 1958 noch an fünfter Stelle nach VW, Opel, ­Daimler-Benz und Ford. Daimler-Benz verkaufte sie 1964 an VW.

    3 Hamburger Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts (Hg.): Das Daimler-Benz-Buch. Ein Rüstungskonzern im »Tausendjährigen Reich«, Nördlingen 1987, S. 32 ff. u. 217 ff.

    4 Gaby Weber: Daimler-Benz und die Argentinien-Connection, Berlin 2004

    5 Michael Heller: »Späte Ehre für den stillen Aktionär Kuwait«, ­Stuttgarter Zeitung, 18.9.2014

    6 »Daimler und Chrysler – Hochzeit des Grauens«, Süddeutsche Zeitung, 17.5.2010; »Deutschland statt Daimler – EADS sortiert sich neu«, Der Tagesspiegel, 6.12.2012

    7 Ab der Schwelle von drei Prozent besteht die Pflicht zur Stimmrechtsmitteilung. Ebenso bei Erreichen von fünf, zehn, 15, 20, 25, 30, 50 und 75 Prozent, teilweise verbunden mit weitergehenden Erklärungen.

    8 Dabei handelt es sich um eine Mantelfirma Li Shufus, des Chefs von Geely (VR China).

    9 Die geographische Streuung war: 31 Prozent Deutschland; 28,9 Prozent Europa ohne BRD; 18,9 Prozent USA; 6,8 Prozent Kuwait; 11,9 Prozent Asien; 2,5 Prozent Sonstige.

    10 Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht prüft, ob Käufe ordnungsgemäß gemeldet wurden.

    11 Camillo Castiglioni (1879–1957): österreichisch-italienischer Industrieller, Spekulant und Flugpionier

    12 Vgl. »BMW – aus Freude am Fahren. Zur unrühmlichen Geschichte eines deutschen Großkonzerns«, http://news.dkp.suhail.uberspace.de/2015/04/bmw-aus-freude-am-fahren

    13 Rüdiger Jungbluth: »Die Quandts und die Nazis«, Die Zeit, 15.11.2007

    14 https://www.johanna-quandt-stiftung.de/stiftung

    15 Hans Mommsen/Manfred Grieger: Das Volkswagenwerk und seine Arbeiter im Dritten Reich, Düsseldorf 1996, S. 198 ff. u. 251 ff.

    16 Beate Landefeld: Kapitalanhäufung in Claneigentum. Porsche kauft VW: In: Marxistische Blätter 2/2008, S. 24–28

    17 Michael Freitag: »Ein Clan ohne Plan«, Managermagazin 11/2017, S. 34
    ­Marxistischen Blätter

    #Allemagne #économie #automobiles #politique #capitalisme


  • Bayern : « Heimatkapitalismus » | Telepolis
    https://www.heise.de/tp/features/Bayern-Heimatkapitalismus-4242647.html


    Panzerkampfwagen V Panther, der von MAN in Nürnberg entwickelt wurde. Bild : Stahlkocher/CC BY-SA-2.0

    A propos de la transformation de la pauvre #Bavière d’après-guerre en centre de l’industrie allemande y compris d’armement.

    En bref : c’est la guerre de Corée qui est à l’origine de la montée de la bavière dont l’industrie est largement restée intacte pendant la guerre et qui constitue la partie principale de l’Allemagne occupée par les troupes des #USA . C’est ici où des anciens #espions #nazis développent les nouveaux services secretes allemands sous contrôle de spécialistes américains. L’article nous fait découvrir les origines de l’alliance transatlantique dont le soutien demeure le gage et la conditio sine qua non pour avoir accès auc cercles de pouvoir allemands. On y apprend des choses remarquables sur le système de la repartition du pouvoir politique entre le parti chrétien régional CSU et les social-démocrates SPD. Ce décryptage permet de comprendre la persistence des structures de pouvoir et quelques raisons de la décomposition des structures politiques à laquelle on assiste actuellement.

    A lire, malheureusement l’article n’est disponible qu’ #auf_deutsch

    09. Dezember 2018 - Albrecht Goeschel und Markus Steinmetz

    Wie man am eigenen Erfolg scheitert (I)

    Die Große Koalition Bayern, der Sozialpakt zwischen christlichsozialer Landperipherie einerseits und sozialdemokratischen Großstadtzentren andererseits und auch zwischen einer autoritären Dauerregierung und einer vormals liberalen Medien- und Diskurskultur in Bayern ist in der Landtagswahlnacht vom 14. Oktober 2018 mit einem lauten Knall geplatzt.

    Die Christlich-Soziale Union hat in Gestalt der Freien Wähler die Quittung dafür bekommen, dass sie spätestens mit der Edmund-Stoiber-Politik den ländlichen Raum und seine Leute abgehängt hat. Die Sozialdemokratische Partei hat in Gestalt der Grünen gerade in München nicht nur eine Quittung, sondern die Kündigung dafür bekommen, dass sie schon mit ihrer Hans-Jochen-Vogel-Politik von einer Arbeiterpartei zu einer Möchtegern-Akademikerpartei geworden ist.

    Diese Wählermilieu-Analyse konnte man in unterschiedlicher Differenzierung und Qualität in den Tagen nach der Landtagswahl in den Medien verfolgen. Eine interessantere, fundamentalere Diagnose dafür, dass und warum es mit der absoluten Parlamentsmehrheit der bisherigen Regierungspartei aus ist, hat die Süddeutsche Zeitung zwei Tage vor der Wahl unter der Überschrift „Wer san mia?“ versucht.

    Richtig verweist sie darauf, dass sich die „traditionellen Milieus“ auflösen oder wandeln. Ein Hauptfaktor dafür sei die ausgeprägte Zuwanderung nach Bayern und der diese antreibende wirtschaftliche Erfolg Bayerns. Passend zur immer penetranteren neoliberalen Redaktionslinie der Süddeutschen Zeitung bleibt aber das ungeschrieben, was der informierte und kritische Leser gerne näher erläutert gehabt hätte: Warum das Kapitalismus-Erfolgsmodell Bayern über die Jahrzehnte hinweg eine zunehmende Delegitimierung in den Wahlergebnissen erlebt hat - zuletzt angetrieben durch die peinliche Amtskruzifixshow, die Heimatvortäuschung und den künstlichen Theaterdonner in Sachen Migration der letzten Monate.

    Immerhin deutet die „SZ“ aber mit dem Finger in die richtige Richtung: „Die CSU stand jahrzehntelang für den Fortschritt des Landes ebenso wie für die Wahrung der Tradition. Jetzt könnte sie zum Opfer ihres eigenen Erfolges werden.“

    Vor einem Jahrzehnt hat Albrecht Goeschel schon einmal diese Frage gestellt: "Bayern - Ein deutsches Erfolgsmodell am Ende?"1 In seiner damaligen Analyse hat er einige weniger angenehme Antworten gegeben, die sich jetzt freilich als richtig herausgestellt haben. So ist genau die Zweiteilung Bayerns in den Exportgewinner und Wachstumsschwerpunkt München und München-Umland einerseits und den Wachstumsverlierer Bayerische Nordostzone andererseits die Voraussetzung für Prosperität nach dem klassischen kapitalistischen „Zentren-Peripherie Modell“. Diese Zweiteilung ist aber auch die Ursache für die „Revanche der Peripherie“ dieser Landtagswahl. Eine Revanche, wie sie Bayern exemplarisch für andere Territorien in Europa und darüber hinaus erlebt hat.

    Wenn aber aus dem Platzen der alten Milieukoalitionen in Bayern etwas anderes entstehen soll als eine Fortsetzung des Gehabten in neuer Kostümierung, dann muss zunächst einmal gründlich analysiert werden, was es mit dem „Erfolgsmodell Bayern“ und seinem Auslaufen eigentlich auf sich gehabt hat.
    1. Bayern: Kriegsgewinnlerökonomie

    Der in den 1960er Jahren mit vorzüglichen Realanalysen des westdeutschen Wirtschaftslebens bekannt gewordene Fachautor Kurt Pritzkoleit hat einen der wichtigsten Gründe für den kontinuierlichen Wachstums-, sprich: Mehrwert- und Profitproduktionsprozess Bayerns treffend analysiert: Bayern habe als einziges Besatzungsgebiet der Westalliierten bis auf seine pfälzische Exklave die Kapitulation der Deutschen Wehrmacht und die Zerschlagung des Dritten Reiches territorial unbeschädigt überstanden.2 Ergänzend stellt Werner Abelshauser in seiner exzellenten "Deutschen Wirtschaftsgeschichte"3 auch noch dar, dass Bayern das „Glück“ hatte, das Hauptgebiet der US-Besatzungszone zu sein.

    Auch dort habe der angloamerikanische Luftkriegsterror zwar Lebensräume der Zivilbevölkerung brutal zerstört, aber mitnichten das süddeutsche Industriepotenzial nennenswert dezimiert. Selbst Rüstungszentren wie Schweinfurt seien trotz massivster Luftangriffe kaum beeinträchtigt worden. Insgesamt habe die Industrie in den Westzonen bei Kriegsende über ein Anlagekapital verfügt, das um 20 Prozent höher gelegen habe als vor dem Krieg. Dieses Potenzialwachstum galt insbesondere auch für Bayern. Der „NS-Rüstungs-Keynesianismus“ (Werner Abelshauser) trieb die Umwandlung Bayerns aus einem Agrarland in ein Industrieland massiv voran.

    Dies verwundert nicht, da sich die im Vorfeld und im Verlauf des Krieges ernorm gesteigerte Herstellung beispielsweise von Panzerfahrzeugen gerade auch in bayerischen Produktionsstätten vollzog: (Kraus-Maffei, MAN, Nibelungenwerke Passau etc.).4

    Gleiches galt für den Bau von Jagd-, Bomben- und Transportflugzeugen. Hier spielten BMW, Dornier und Messerschmitt mit ihren bayerischen Betrieben eine zentrale Rolle.

    Neben der enormen Steigerung des Produktionspotenzials in Bayern selbst kam es nach dem Ende der Kriegshandlungen und im Zusammenhang der Aufteilung des Reichsgebietes in Besatzungszonen außerdem zu einem massiven Zustrom von Fluchtkapital aus den kurzzeitig angloamerikanisch besetzten Regionen Mittel- und Ostdeutschlands. Mit der Räumung dieser Gebiete durch die Westalliierten verlagerten zahlreiche Industrieunternehmen, u.a. Siemens & Halske (Gera-Erfurt), ihre Produktionsanlagen und Verwaltungen nach Bayern.

    Außer dieser Anlagekapitalflucht nach Bayern bedeuteten die bis 1950 nach Bayern strömenden etwa 1,9 Millionen Flüchtlinge und Vertriebenen eine enorme Steigerung des Wirtschaftspotenzials Bayerns. Auch in offiziösen Darstellungen wird hervorgehoben, dass die im Zuge von Flucht und Vertreibung zuströmende Erwerbsbevölkerung teilweise deutlich besser qualifiziert war als die schon Ansässigen.5

    Für die gerne so genannte „Bayerische Wirtschaft“, d.h. für das Industriekapital mit Standort in Bayern, ergaben sich aus diesem kriegswirtschaftlichen Zusammenfluss von zusätzlichen Arbeitskräfteressourcen und zusätzlichem Anlagenkapital besonders günstige Möglichkeiten für die Produktion von Mehrwert und Profit.

    Insgesamt hatte Bayern im Laufe des Jahres 1946 bereits wieder 50 Prozent seiner Vorkriegsproduktion erreicht. Der bayerische „Heimatkapitalismus“ wurde nicht zuletzt dadurch gefördert, dass sich in Erlangen-Nürnberg eine spezifische Variante Nationalsozialistischer Wirtschaftsphilosophie etabliert hatte: die so genannte „Marktforschungsschule“ des späteren Protagonisten der „Sozialen Marktwirtschaft“ Ludwig Erhard. Er lieferte die passende Wirtschaftsideologie für den bayerischen Heimatkapitalismus und wurde bayerischer Wirtschaftsminister in dem vom US-Besatzungsregime installierten Kabinett Wilhelm Hoegner.

    Soweit es dann um die Ausgestaltung dieser „Sozialen Marktwirtschaft“, insbesondere die entscheidende Frage der Organisationsprinzipien einer Fortsetzung des traditionellen „Sozialversicherungsstaates“ ging, war es die bayerische SPD, die sich einer modernen Gesamtversicherung in den Weg stellte - zusammen mit den Angestelltenverbänden, der Unternehmerseite, dem Mittelstand und der Bauernschaft.6

    Vorteilhaft für das Wachstum der Wirtschaft in Bayern war auch dessen nach Kriegsende immer noch großer Landwirtschaftssektor. Durch den Wegfall der Agrargebiete im vormaligen Ostteil Deutschlands, die bis dahin als Agrarlieferanten des Reiches fungiert hatten und bei der gleichzeitigen flüchtlingsbedingten starken Bevölkerungszunahme in den Westgebieten, kam es dort in den ersten Nachkriegsjahren zu einer schweren Unterernährungskrise. Diese führte in einigen Ländern zu erheblichen Verlusten an Arbeits- und damit Produktionsvolumen.7 Der starke Landwirtschaftssektor dämpfte diese Negativeffekte in Bayern.

    Zuletzt zeigte die amerikanische Militärregierung kein besonderes Interesse an der direkten Demontage von Industrie- und Infrastrukturanlagen. Die viel nachhaltigere und langfristig wirksamere umfassende Enteignung von technologischem Expertenwissen, Betriebsgeheimnissen, Patenten etc. der Industrie durch die USA schlug sich weniger in aktuellen Produktionsausfällen als in einer Schwächung der prospektiven Konkurrenzfähigkeit der Industriewirtschaft Bayerns nieder.8

    Der eigentliche Wachstumsschub setzte in Bayern ein, als das während der Kriegswirtschaft im Rheinland und Ruhrgebiet akkumulierte Industriekapital nach Anlagemöglichkeiten, Arbeitskräften und Industrieflächen im westlich-kapitalistischen Teil Deutschlands suchte. Bayern wurde, auch weil es schon während des Krieges eine Art Schonraum gegenüber dem angloamerikanischen Bombenterror war, zu einem Vorranggebiet für das Überschusskapital aus dem rheinisch-westfälischen Wirtschaftsraum.

    Die Bezeichnung Bayerns als „Luftschutzkeller des Reiches“ (Katja Klee)9 trifft präzise den militärökonomischen und milieumentalen Gehalt des bayerischen „Heimatkapitalismus“ .

    2. München: Die Bayern-Lounge

    In den für das Erfolgsmodell Bayern so entscheidenden 1950er und 1960er Jahren wurden Investitionsentscheidungen noch nicht vom Finanzmarkt vorgegeben, sondern von Unternehmern mit ihrer Hausbank erörtert und entschieden. Aus dieser Phase stammt die mit der bayerischen Landtagswahl vom Oktober 2018 wohl auch endgültig geplatzte funktionale „Große Koalition“ zwischen SPD-München und CSU-Bayern. Diese hatte ihren Wirkmächtigkeitsgipfel in den Zeiten der angeblichen „Heimlichen Hauptstadt“ München des noch nicht vereinigten Deutschland mit seinem Schröder- und Merkel-Berlin.

    Schon im Adenauer-Deutschland gehörte es in den rheinisch-westfälischen Großbürgerfamilien dazu, dem Herrn Sohn oder dem Fräulein Tochter ein paar Semester an der Universität München, der Technischen Hochschule München oder gar der Kunstakademie München zu finanzieren. Papa und Mama hatten ja auch das Ski-Landhaus in Reit i. Winkl oder in Oberstdorf etc. und das Segelboot am Tegernsee - also warum nicht ein Zweigwerk im „Investitionsparadies Bayern“?

    Die Kunst- und Kulturstadt München, ihre Lebensart und ihr Freizeitwert waren ein entscheidender so genannter „weicher Standortfaktor“ für die Prosperität der Stadt München selbst und für das Erfolgsmodell Bayern.

    Das heute in München hegemoniale, hochgradig geschichtsvergessene Milieu der „Kulturlinken“, mittlerweile die Kinder- und Enkelgeneration der antiautoritären Protestbewegung, haben auf ihrem Display nicht mehr oder niemals gehabt, dass es eben nicht Berlin oder Frankfurt am Main oder Hamburg waren, in denen dann zuerst die Werte und Spielregeln des „Wirtschaftswunder-Westdeutschland“ fundamental in Frage gestellt wurden, sondern gerade die Bayern-Lounge München. Die „Gruppe Spur“ an der Akademie der Bildenden Künste München war die Erfinderin des „Antiautoritären“.

    Fussnoten

    1 Albrecht Goeschel: Bayern - Ein „Deutsches Erfolgsmodell“ am Ende? Ausarbeitung für das Diakonische Werk Bayern. Hrsg. Studiengruppe für Sozialforschung e.V., Marquartstein, 24.4.2009

    2 Kurt Pritzkoleit: Das gebändigte Chaos, Wien, München, Basel 1963

    3 Werner Abelshauser: Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945, München 2004

    4 Werner Oswald: Kraftfahrzeuge und Panzer der Reichswehr, Wehrmacht und Bundeswehr, Stuttgart 1973

    5 Walter Ziegler: Flüchtlinge und Vertriebene, in historisches-lexikon-bayerns.de

    6 Hans Günther Hockerts: Sozialpolitische Entscheidungen im Nachkriegsdeutschland, Stuttgart 1980

    7 Bruno Bandulet: Beute-Land, Rottenburg 2016
    8 ebd.

    9 Stefan Grüner: Geplantes Wirtschaftswunder: Industrie- und Strukturpolitik in Bayern, München 2009

    10 Albrecht Goeschel (Hrsg.) Richtlinien und Anschläge: Materialien zur Kritik der repressiven Gesellschaft, Hanser-Verlag München 1968

    Dans la deuxième partie l’article explique davantage de détails des mécanismes du pouvoir qui on menè à l’énorme influence de la Bavière et de sa droite populiste sur la politique de l’Allemagne entière. Cerise sur la gateau on apprend comment les élites se servent de l’état pour amasser leurs fortunes sur le dos des simples gens.

    Bayern : « Arbeiter- und Bäuerinnen-Staat zu Ende » | Telepolis
    https://www.heise.de/tp/features/Bayern-Arbeiter-und-Baeuerinnen-Staat-zu-Ende-4278123.html


    BMW-Werk München, 1968. Bild : Bundesarchiv, B 145 Bild-F027644-0004 / Storz / CC-BY-SA 3.0

    18. Januar 2019 Albrecht Goeschel, Markus Steinmetz

    Bayern-Saga: Wie man am eigenen Erfolg scheitert - Teil 2

    Nach 60 Jahren gefühlter Alleinherrschaft in Bayern muss die Christlich-Soziale Union seit der Landtagswahl 2018 in einer ungewünschten Koalition regieren. Wer hat ihr das eingebrockt oder wer hatte da genug von den älteren Herren, nachdrängenden Babypräsidenten oder bebrillten Parteibuben?

    Wenn man die Wahlanalysen liest, waren es wohl vor allem die Frauen, die diesmal ihre Stimmzettel anders als noch vor vier Jahren ausgefüllt haben. 2013 haben die bayerischen Frauen mit 50 Prozent noch deutlicher als die Männer „C“ gewählt. 2017 waren es dann auf einmal nur noch 38 Prozent. Dabei ist die CSU eigentlich traditionell eine Partei der Frauen und mittlerweile vor allem der Rentnerinnen. Die älteren Frauen stellen aber auch in Bayern, dank längerer Lebenserwartung, einen größeren Bevölkerungsanteil als die Männer. Wenn sie dann der herrschenden Altpartei die Zustimmung entziehen, schlägt das ordentlich ins Wahlkontor.

    Spannend wird das ganze, wenn man sich das Profil der Bayernbevölkerung in den Jahren ansieht, in denen die CSU ihre Dauerherrschaft begründet hat: Die Fünfziger Jahre. Diese waren der Wirtschaftszyklus mit dem höchsten Wirtschaftswachstum in ganz Westdeutschland.

    Wie der Ökonomiepublizist Kurt Pritzkoleit in seinem materialreichen Werk „Das gebändigte Chaos“ schreibt, war das auch die Zeit, in der Bayern im Vergleich zu den anderen Bundesländern eine überdurchschnittlich hohe Erwerbsquote hatte. Grund dafür wiederum war die damals auch überdurchschnittlich anteilsstarke Landwirtschaft in Bayern und deren Bäuerinnen - die so genannten „Mithelfenden Familienangehörigen“. Daneben spielten auch die anteilsstärkeren typischen Frauenindustrien wie die Elektrotechnik und die Textil- und Bekleidungsherstellung eine Rolle.


    CSU-Ergebnis bei Landtagswahlen seit 1950 und die jeweiligen Spitzenkandidaten. Grafik: TP

    In diesen Fünfziger Jahren überholte aber auch die infolge der Aufrüstungs- und Kriegswirtschaft des 3. Reiches stark gewordene Investitionsgüterindustrie Bayerns deren Anteil in den anderen Bundesländern. Maschinenbau und Fahrzeugherstellung spielten eine besondere Rolle bei diesem Industrieschub in Bayern. Zwischen 1950 und 1960 entstanden in Bayern etwa 573.000 neue Arbeitsplätze in der Industrie.

    Man kann dieses Bayern der Fünfziger Jahre mit seinen hunderttausenden neuen Industriearbeitern und seinen hunderttausenden mithelfenden Bauersfrauen als den christlich-kapitalistischen Arbeiter- und Bäuerinnenstaat auf der einen Seite der Demarkationslinie, der so genannten „Zonengrenze“, unmittelbar gegenüber dem atheistisch-sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat des ehemaligen Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt etc. auf der anderen Seite dieser Grenze betrachten.
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    Unvoreingenommene Ökonomen kommen in diesem Zusammenhang zu dem Ergebnis, dass die späteren beiden deutschen Staaten in ihren ersten Jahrzehnten einen durchaus ähnlichen wohlfahrtsstaatlich-keynesianischen „Fordismus“ (Werner Abelshauser, Ulrich Busch, Rainer Land) in der Wirtschaftspolitik verfolgt haben.6 Vor diesem Hintergrund wird erst die epochale Bedeutung des Aufstiegs der Alternative für Deutschland in den mitteldeutschen Bundesländern und der Absturz der Christlich-Sozialen Union in Bayern erkennbar.

    Korea-Krieg: Militärisch-industrieller Komplex auch in Bayern

    Der renommierte Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser hat in seiner „Deutschen Wirtschaftsgeschichte seit 1945“ deutlich gemacht, dass die Vereinigten Staaten wegen des von ihnen angeführten Vernichtungskrieges in Korea 1950 bis 1953 dringend auf die noch vom Rüstungsminister des 3. Reiches, Albert Speer, auf ein hohes Rationalisierungsniveau gebrachten Kapazitäten der (west-)deutschen Investitionsgüterindustrie angewiesen waren.

    Sie forderten von der bundesdeutschen Wirtschaftspolitik eine Abkehr von der konsumistischen Politik des „Wohlstand für alle“, gezielte Rüstungsanstrengungen und eine Wiederbewaffnung. Die Soziale Marktwirtschaft sollte „Rüstungstauglichkeit“ (Werner Abelshauser) entwickeln. In dieser ersten Hälfte der Fünfziger Jahre verortet der Historiker die Wiederauferstehung des rüstungswirtschaftlichen Korporatismus des nationalsozialistischen Staates nun in Gestalt eines auch europäischen „militärisch-industriellen Komplexes“.

    Durch die in den Jahren des Koreagemetzels begonnene Abwertung der D-Mark gegenüber dem US-Dollar konnten sich die USA günstig mit deutschen Investitionsgütern eindecken, aber ebenso konnten die deutschen Exportproduzenten fette Gewinne erwirtschaften. Dies galt auch und gerade für die Investitionsgüterbranche und die gesamte Exportbranche Bayerns.

    Dreh- und Angelpunkt des westdeutschen und vor allem bayerischen militärisch-industriellen Komplexes war der nachmalige CSU-Parteivorsitzende Franz Josef Strauß: Ab 1953 Bundesminister für besondere Aufgaben, ab 1955 Bundesminister für Atomfragen, ab 1956 bis 1962 Bundesminister für Verteidigung, war er in mehrere Mega-Rüstungsskandale des damaligen Adenauer-Deutschland verwickelt.
    CSU-Wahlerfolg: Im Kielwasser von Wiederbewaffnung und Rentenreform

    Die Indienstnahme von Teilen der westdeutschen Industrie für die Korea-Kriegs- und spätere Kalte-Kriegswirtschaft des US-Imperialismus bescherte dem Exportsektor zwar hohe Gewinne, ging aber auch zu Lasten der dortigen Beschäftigten.

    In Bayern kam es daher im August 1954 zum brutalsten Streik in Westdeutschland bislang. 100.000 der etwa 240.000 Beschäftigten der bayerischen Metallindustrie traten unter Führung der Gewerkschaft IG-Metall in einen drei Wochen dauernden Streik. Gefordert wurde eine Erhöhung des Ecklohnes von 1.44 DM um 12 Pfennige (!). Am Ende kamen 3 bis 5 Pfennige heraus. Dabei war es die damalige SPD-Regierung Bayerns, die u. a. die mit Stahlhelmen und Karabinern ausgerüstete, militärisch organisierte und geführte kasernierte „Bereitschaftspolizei“ gegen die Streikenden einsetzte.

    Etwas mehr als ein Jahr zuvor, eine Woche um den 17. Juni 1953, hatte es in der späteren Deutschen Demokratischen Republik ebenfalls einen mehrtägigen Arbeiteraufstand gegen verschlechterte Arbeitsbedingungen gegeben. Paramilitärische Volkspolizei und sowjetrussische Militärkräfte schlugen den Aufstand nieder.

    Betrachtet man die Ergebnisse der bayerischen Landtagswahlen der Fünfziger Jahre, erlebte die Christlich-Soziale Union damals einen eindrucksvollen Aufstieg. Sie steigerte ihr Wahlergebnis von 27,4 Prozent im Jahr 1950 auf 38,0 Prozent bei den Wahlen 1954 und erreichte dann bei den Landtagswahlen 1958 satte 45,6 Prozent.

    Politisch-ökonomisch bedeutete dies, dass das rüstungswirtschaftlich getriebene Wachstum Bayerns von einem Großteil der Wahlbevölkerung akzeptiert wurde, wiewohl Sozialdemokratie und Gewerkschaften gegen die westdeutsche Remilitarisierung massiv opponiert hatten.

    Es war wieder der Wirtschaftspublizist Kurt Pritzkoleit, der einen wichtigen Hinweis auf einen entscheidenden Faktor für die mit dieser Wahl begründete CSU-Hegemonie in Bayern gab: In seiner schon zitierten Bayern-Analyse betont Pritzkoleit, dass der Rentner- und Rentnerinnenanteil an der Bevölkerung in Bayern in den Fünfziger Jahren deutlich höher als in Westdeutschland insgesamt gelegen hat.

    Gerade auf diese Bevölkerungsgruppe zielte aber die Wahlstrategie des fuchsschlauen damaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer bei den Wahlen zum Deutschen Bundestag des Jahres 1957: Adenauer hatte ganz offen die Rentenreform von 1956/57 mit ihrer Erhöhung und Lohnankoppelung in seinem politischen Lager als Strategie propagiert, um den Popularitätsverlust der christlichen Parteien infolge Bundeswehrgründung, Wehrpflichteinführung und NATO-Beitritt in den Jahren 1955 und 1956 zu kompensieren.


    Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß zu Besuch in der Kaserne der Heeresflugabwehrschule Rendsburg (1957). Bild: Friedrich Magnussen / Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte / CC-BY-SA 3.0

    Im Kielwasser des rentenpolitisch erreichten CDU-Wahlsieges von 1957 erreichte die CSU in den Landtagswahlen von 1958 im Rentnerland Bayern dann sogar ein Spitzenergebnis. Der in den Fünfziger Jahren führende deutsche und bayerische Rüstungspolitiker Franz-Josef Strauß wusste sehr genau, dass erfolgreiche störungsfreie Aufrüstungspolitik vor allem mit eingängiger Sozialpolitik legitimiert werden muss. Er war Mitglied im Sozialverband VdK Bayern. Dieser Verband, nach Kriegsende als Kriegsopferorganisation in den süd- und westdeutschen Bundesländern entstanden, hatte sich auch in Bayern zu einer zahlenstarken sozialpolitischen Interessenorganisation entwickelt. Seit Jahrzehnten wird in diesem Verband eine Großkoalition von CSU- und SPD-Sozialfunktionären praktiziert. Präsident des VdK Bayern war zeitweilig auch Horst Seehofer.

    Mit „Wirtschaftslenkung“ in Westdeutschland zur absoluten Mehrheit in Bayern

    Nach den langen Fünfziger Jahren stürmischen Wirtschaftswachstums, sprich: rasanter Kapitalakkumulation, kam mit der Rezession von 1966/1967 der in kapitalistischen Wirtschaftssystemen unvermeidliche Krisenabsturz, verbunden mit hoher Arbeitslosigkeit, Betriebsschließungen etc.. Verschärft wurde diese Rezession durch die sich ausbreitende Strukturkrise im Ruhrbergbau.

    Die vor diesem Hintergrund gebildete Große Koalition unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger verließ eiligst den marktliberalen Wirtschaftskurs des gescheiterten Bundeskanzlers Ludwig Erhard und ging entschieden zu einer keynesianischen Globalsteuerung der Wirtschaft über. Das seinerzeitige „Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft (StabG)“ vom 8. 6.1967 ist als Juwel keynesianischer Wirtschaftslenkung im kapitalistischen West-Deutschland noch heute in Kraft - wenn auch ohne Wirkung.

    Die beiden Leitfiguren dieser Politik, die durch massive öffentliche Investitionsprogramme Krisenbekämpfung verfolgte, waren der neue SPD-Wirtschaftsminister Karl Schiller und der nunmehrige CSU-Finanzminister Franz Josef Strauß. Mit seiner bundespolitischen Investitionspolitik konnte Strauß zugleich die Situation in Bayern fördern, dessen strukturschwache Gebiete durch die Rezession schwer getroffen waren. Es war allerdings weniger die 1966/1967er-Krise, die für das Wachstum in Bayern Gefahren beinhaltete. Viel größer war das Risiko, dass die Bergbaukrise im Ruhrgebiet in hohem Maße Industrieflächen und Arbeitskräfte freisetzte und damit den Standortvorteil Bayerns, verfügbare Industrieflächen und verfügbare Arbeitskräfte im ländlichen Raum, zunichte machen könnte.

    Aus heutiger Sicht frappierend, insbesondere seit dem neoliberalen Fundamentalismus der Regierung Edmund Stoiber, entschied sich die CSU-Regierung in Bayern für eine geschickte Doppelstrategie: Der sich erfolgreich als Landesvater inszenierende Ministerpräsident Alfons Goppel griff die damals in der Öffentlichkeit herrschende Planungsfreundlichkeit auf und startete in Kooperation mit der bayerischen SPD Entwicklungsplanungen für drei Problemregionen in Bayern: Bayerischer Wald, Oberpfälzer Wald und Bayerische Rhön.


    Alfons Goppel beim CSU-Parteitag 1975 in München. Bild: Bundesarchiv, B 145 Bild-F046472-0004 / Storz / CC-BY-SA 3.0

    Durch diesen Vorstoß gelang es der Bayerischen Staatsregierung, die mit dem 1965 erlassenen Bundesraumordnungsgesetz und mit Karl Schillers „Regionalen Aktionsprogrammen“ ausgelöste Förderwelle überwiegend nach Bayern zu lenken. Sie erreichte durch ihre Planungsoffensive, dass allein 6 der insgesamt 16 bundesweit als so genannte „Zentrale Orte“ geförderten Klein- und Mittelstädte in Bayern ausgewählt wurden. Wer in diesen Jahren bayerische Kommunen in Fragen der Regionalentwicklung beraten hat, erinnert sich mühelos an die enorme legitimatorische Wirkung von positiven Förderbescheiden der Staatsregierung auf der Kommunalebene und auch an die regelrechte Mystifizierung von Hilfsgesuchen an den „Hochverehrten Herrn Bundesfinanzminister“.

    Die Bayerische Staatsregierung praktizierte die vom Bundesfinanzminister in Bonn forcierte langfristig antizyklische Strukturförderungspolitik in Westdeutschland im Gegensatz dazu im eigenen Bundesland Bayern betont prozyklisch. Sie förderte, statt zu bremsen, auch im nach der Rezession folgenden erneuten Aufschwung, um die erreichten Erfolge nicht zu gefährden. Der Wirtschaftshistoriker Stefan Grüner hat diesen weitgehend unbekannten Föderal-Keynesianismus Bayerns in seiner vorzüglichen Untersuchung „Geplantes Wirtschaftswunder“ aus dem Jahre 2009 präzise nachgezeichnet.

    Der Erfolg dieser Doppelstrategie stellte sich prompt auch ein: Mit der in der Bayerischen Landtagswahl von 1970 erreichten absoluten Mehrheit der CSU wurde eine Serie von weiteren acht Landtagswahlen mit absoluten Mehrheiten der CSU gestartet. Noch 1970 wurde dann für Bayern ein „Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen“ eingerichtet. An dessen Spitze stand der vormalige CSU-Generalsekretär Max Streibl.
    Exportslalom durch Kalten Krieg und Europäische Einigung in die Welt-Währungskrise

    Bayerns Kapitalismus war auch in den 1960er Jahren vor allem Exportkapitalismus. Er schwamm im Strom der enormen Exportsteigerung West-Deutschlands, die zwischen 1950 und 1968 bei 1000 Prozent lag und vor allem vom Fahrzeugbau, vom Maschinenbau, von der Chemie etc. getragen wurde.

    Schon der EWG-Vertrag von 1957 hatte den Außenhandel mit den Nachbarn massiv gesteigert. Vor allem aber verstärkten der Berliner Mauerbau von 1961, die Kubakrise von 1962 und die Ausweitung des US-Angriffskrieges in Vietnam den Rüstungsaufwand des Konflikts der Systeme und damit die Exportposition des bayerischen Kapitalismus.

    Diese Exporttreiber bargen aber auch erhebliche Risiken: So befürchtete das bayerische Establishment, dass die europäische Agrarpolitik die klein- und mittelbetriebliche, noch immer anteilsstarke und politisch einflussreiche bayerische Agrarwirtschaft beeinträchtigten könnte. Ebenso wurde befürchtet, dass die EWG-Regionalförderung Bayerns Randlage verstärken könnte und West- und Südwestfrankreich sowie Süditalien bevorzugen würde.

    Auch hier reagierte die Bayerische Staatsregierung mit einem strategischen Schachzug: Sie konterte den verhassten EWG-Mansholtplan des Jahres 1962 mit seiner Tendenz zur Konzentration und Dezimierung der Landwirtschaftsbetriebe in Europa mit ihrem „Bayerischen Weg“. Dezentrale Industrieansiedlungen sollten dazu beitragen, dass Bauernwirtschaften unterschiedlicher Hofgrößen nicht nur als Vollerwerbs-, sondern auch als Zu- und Nebenerwerbsbetriebe geführt werden konnten. Die bayerische Landesentwicklungsplanung integrierte Agrarpolitik und Industriepolitik, um eine „soziale Erosion“ des ländlichen Raumes zu verhindern.

    Der Bau der Berliner Mauer und die Abriegelung der Grenze der Deutschen Demokratischen Republik gegen die Abwanderung von tatsächlichen Fachkräften vor allem nach Bayern schwächte in den sechziger Jahren einen wesentlichen Standortvorteil Bayerns: Reserven an qualifizierten und gleichkulturellen Arbeitskräften. Später, in der Phase der Entspannungspolitik, sollte dann „der andere Teil Deutschlands“ als eine Art Niedriglohnkolonie für westdeutsche und gerade auch bayerische Unternehmen produzieren.

    Das eigentliche Risiko am Ende der 1960er Jahre waren aber die Nebenwirkungen der seit den Nachkriegsjahren anhaltenden Export-, Leistungs- und Zahlungsbilanzüberschüsse der westdeutschen Wirtschaft gegenüber den übrigen großen Volkswirtschaften Europas, insbesondere Frankreich und Großbritannien, aber auch gegenüber den Vereinigten Staaten.

    Die enormen Exportüberschüsse der westdeutschen Konzerne einerseits und die enormen Kriegskosten des amerikanischen Imperialismus führten zu einem dramatischen Kursverfall des US-Dollar und einer gewaltigen Dollarflutwelle nach Europa. Ende dieser 1960er Jahre hatte sich das Problem einer mit dem Exportboom „Importierten Inflation“ (Gerard Bökenkamp) und einer dadurch ausgelösten Preis-Lohnspirale in der deutschen und bayerischen Wirtschaftspolitik in den Vordergrund geschoben.

    Der geschickte Exportslalom der bayerischen Wirtschaftspolitik zu Gunsten ihrer Exportkonzerne hatte in die Sackgasse der dadurch mitforcierten Weltwährungskrise geführt. Gerade Exportökonomien sind aber auf ein funktionierendes Weltwährungssystem zwingend angewiesen.

    Bayern: Konzernefestung und Finanzhilfenhütte

    US-Präsident Richard Nixon hat durch die Aufhebung der Einlösbarkeit von Dollarguthaben anderer Staaten in US-Gold im Jahre 1971 das damalige Weltwährungssystem von „Bretton-Woods“ erledigt. Die US-Verschuldung im Ausland war weit über die US-Goldreserven angestiegen.

    Der angesehene Ökonom Elmar Altvater stellte in seiner 1969 erschienen Untersuchung „Die Weltwährungskrise“ fest, dass die enormen Exportüberschüsse Westdeutschlands seit den Fünfziger Jahren schon in den sechziger Jahren eine der Hauptursachen für die damaligen „fundamentalen Ungleichgewichte“ im Weltwährungssystem waren.14 Daran scheint sich bis heute nichts wesentliches geändert zu haben. Der Missbrauch und die Zersetzung des Euro-Systems durch Merkel-Schäuble sind längst offenbar und noch im vollen Gange.

    Angesichts der Weltwährungskrise der späten sechziger Jahre erhöhte sich der Druck der internationalen Handels- und Währungspartnerländer auf eine deutliche Aufwertung der DM, um den anderen Ländern bessere Handelsbilanzen und Zahlungsbilanzerleichterungen zu ermöglichen. In der damaligen Großen Koalition führte dies zu heftigen Konflikten zwischen dem vom CSU-Finanzminister Franz Josef Strauß angeführten Lager der Aufwertungsgegner und dem vom SPD-Wirtschaftsminister angeführten Lager der Aufwertungsbefürworter. Es war dann die Sozialliberale Koalition unter Bundeskanzler Willy Brandt, die eine DM-Aufwertung um 8,5 Prozent beschloss.

    Die vor allem auch bayerischen Aufwertungsgegner vertraten, politisch durch die Industriespitzen unterstützt, die Außenhandelsinteressen der westdeutschen und vor allem auch bayerischen Exportkonzerne. Sie plädierten für eine Devisenkontrolle an Stelle einer Wechselkursliberalisierung. Die Aufwertungsbefürworter, politisch durch die Gewerkschaften unterstützt, vertraten die Preisstabilitätsinteressen der Arbeitnehmer und eine quasi monetaristische Währungssystemstabilisierung durch „Floaten“ der Wechselkurse.

    In der wirtschaftspolitischen Bearbeitung der Welt-Währungskrise zeigte sich die Doppelgesichtigkeit Bayerns als verzögert industrialisiertes und kapitalisiertes Agrarland: Einerseits wurden in scharfer Ablehnung der DM-Aufwertung die unmittelbaren Profitinteressen auch der bayerischen Exportkonzerne vertreten. Die „importierte Inflation“ und Welt-Währungskrise sollten durch Devisenkontrollen, einen Ausgabenstopp des Staates und natürlich Lohnzurückhaltung der Arbeitnehmer bekämpft werden. Gleichzeitig war aber Bayern auch das Bundesland, das unbeeindruckt durch die Jahre der Welt-Währungskrise zwischen 1951 und 1974 die höchsten Regionalhilfsmittel von allen Bundesländern angefordert und Erhalten hatte. Bis in die Achtziger Jahre war Bayern zudem Empfängerland(!) Im Länderfinanzausgleich16 - eben Konzernefestung und Finanzhilfenhütte.

    Fussnoten

    1 Kahrs, Horst: Die Wahl zum 18. Bayerischen Landtag vom 14. Oktober 2018. Hrsg. R. Luxemburg-Stiftung, Berlin 15.10.2018

    2 Busch, Ulrich; Land, Rainer: Teilhabekapitalismus - Fordistische Wirtschaftsentwicklung in Deutschland 1950-2009. In: Forschungsverbund Sozioökonomische Berichterstattung (Hrsg.): Berichterstattung zur sozioökonomischen Entwicklung in Deutschland, 2.Bericht, Wiesbaden 2012.

    3 Pritzkoleit, Kurt: Das gebändigte Chaos, Wien, München, Basel 1965

    4 Götschmann, Dirk: www.historisches-lexikon-bayerns.de. Wirtschaft nach 1945

    5 Abelshauser, Werner: Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945 München 2004; Busch, Ulrich; Land, Rainer: Ostdeutschland. In: Forschungsverbund Sozioökonomische Berichterstattung (Hrsg.): A.a.O. (4) Zwischen 1950 und 1960 entstanden in Bayern etwa 573.000 neue Arbeitsplätze in der Industrie.

    6 Abelshauser, Werner: Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945; München 2004; Busch, Ulrich; Land, Rainer: Ostdeutschland. In: Forschungsverbund Sozioökonomische Berichterstattung (Hrsg.): A.a.O.

    7 Hockerts, Hans Günter: Sozialpolitische Entscheidungen im Nachkriegsdeutschland, Stuttgart 1980

    8 Grüner, Stefan: Geplantes „Wirtschaftswunder“: Industrie- und Strukturpolitik in Bayern 1945 bis 1973 München 2009.
    9 Grüner, Stefan: Geplantes „Wirtschaftswunder“: Industrie- und Strukturpolitik in Bayern 1945 bis 1973 München 2009.

    10 Kroh, Ferdinand: Wendemanöver: Die geheimen Wege zur Wioedervereinigung, München 2005

    11 Bonner, Bill; Wiggin, Addison: Das Schuldenimperium, München 2006

    12 Bökenkamp, Gerard: Das Ende des Wirtschaftswunders, Stuttgart 2010

    13 Altvater, Elmar: Die Weltwährungskrise, Frankfurt 1969.
    14 Altvater, Elmar: Die Weltwährungskrise, Frankfurt 1969.
    15 Altvater, Elmar: Die Weltwährungskrise, Frankfurt 1969.

    16 Grüner, Stefan: Geplantes „Wirtschaftswunder“: Industrie- und Strukturpolitik in Bayern 1945 bis 1973 München 2009.

    #impérialisme #CIA #Allemagne #États-Unis #OTAN #économie


  • Wie Groß-Berlin entstand: Berlins vergessener Vater - Berlin - Tagesspiegel
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/wie-gross-berlin-entstand-berlins-vergessener-vater/23852546.html


    Vollblutbeamter. Adolf Wermuth war nie Mitglied in einer Partei.FOTO: AKG-IMAGES

    13.01.2019 - Ohne ihn wäre die Stadt keine Metropole. Doch kaum jemand kennt seinen Namen: Vor 100 Jahren formte Adolf Wermuth das heutige Berlin.
    Von CHRISTIAN HÖNICKE und LARS SPANNAGEL

    Es war der 1. Oktober 1920, als Berlin über Nacht zur drittgrößten Stadt der Erde wurde. Damals verschmolz Berlin mit umliegenden Gemeinden und Städten, formte sich die Metropole, wie wir sie heute kennen. „Das prägt noch heute entscheidend unsere Stadt“, heißt es in der Koalitionsvereinbarung der rot-rot-grünen Regierung. Den hundertsten Geburtstag will sie deshalb groß feiern. Ausstellungen sind geplant und Sonderbriefmarken, es wird Festakte geben, Reden, Ehrungen.

    Einer wird nicht geehrt. Er liegt vergessen auf einem Friedhof in Buch, ganz im nördlichsten Zipfel der Stadt: der Vater von Groß-Berlin.

    Versteckt hinter der Schlosskirche steht dort ein schlichter schwarzer Grabstein mit Kreuz. „Seid fröhlich in Hoffnung!“, steht darauf. Hier liegen keine Blumen, keine Kränze, nur ein toter Vogel auf ungepflegtem Gras. Darunter ist Adolf Wermuth begraben.

    Eine neue Megametropole

    Er führte Berlin als Oberbürgermeister durch eine der schwierigsten Phasen seiner Geschichte, durch einen Weltkrieg und eine Hungersnot. Am Ende seiner Amtszeit gelang ihm das, woran alle seine Vorgänger gescheitert waren: Er vereinigte das alte Berlin mit dem Umland, mit Charlottenburg, Spandau, Köpenick, Reinickendorf und Pankow. Und erschuf so eine neue Megametropole mit fast vier Millionen Einwohnern.

    Trotzdem kennt kaum ein Mensch noch seinen Namen. Wermuth war kein schillernder Star. Er war ein unprätentiöser Pragmatiker, der ein Projekt umgesetzt hat, das bis heute umstritten ist. Es gibt nur wenige Bilder von ihm, kaum Schriftstücke über ihn, das wichtigste hat er selbst geschrieben, im Jahre 1922: seine Autobiografie „Ein Beamtenleben“. Weil er parteilos war, hatte er nie eine Lobby, die für eine Würdigung seiner Leistung eintrat. Nur in Buch glauben ein paar Menschen zu wissen, wie wichtig dieser mysteriöse Mann mit dem markanten Schnauzbart für die Entstehung des modernen Berlins war.

    Per Gesetz vergrößerte sich die Stadt damals um das 13fache, von der Fläche her war auf der Welt nur noch Los Angeles größer. Nach London und New York wurde Berlin zur drittbevölkerungsreichsten Stadt der Erde.

    Die Industrialisierung hatte die Stadt in den Jahrzehnten zuvor unkontrolliert wachsen lassen. Um 1800 hatte Berlin rund 200.000 Einwohner, 1910 schon knapp zwei Millionen – bei nahezu unverändertem Stadtgebiet, das die heutigen Stadtteile Mitte, Tiergarten, Wedding, Friedrichshain, Kreuzberg und Prenzlauer Berg umfasste. Auch die umliegenden Städte und Gemeinden erlebten einen rasanten Zuzug: Aus 2367 Wilmersdorfern im Jahre 1875 wurden 109.716 im Jahre 1910.

    Wer es sich leisten konnte, zog in den Südwesten

    Die Neuankömmlinge verdingten sich meist als Fabrikarbeiter, Tagelöhner, Dienstbotinnen. Die kommunale Verwaltung, der Ausbau der Infrastruktur und der Wohnungsbau konnten nicht mithalten. Die Folge war großes Elend. Mehr als 600.000 Berliner lebten in Wohnungen, in denen jedes Zimmer mit fünf oder mehr Personen belegt war. Wer es sich leisten konnte, zog in eine der Nachbargemeinden, vorzugsweise in eines der vornehmen Villenviertel im Südwesten.

    Doch auch dort gab es Probleme. Die Umlandgemeinden kooperierten nicht, sie konkurrierten. Es gab allein 17 Wasser-, 40 Gas- und 60 Kanalisationsbetriebe im Großraum, dazu 15 Elektrizitätsversorger, weil nahezu jede Gemeinde ihr eigenes System angelegt hatte. „Kommunale Anarchie“ nannte das ein Berliner Lokalpolitiker. Und der Zweite Bürgermeister, Georg Reicke, veranschaulichte sie so: „Wer es erfahren hat, welche Unsummen von Verhandlungen, von Schreibereien, von Konzessionen (...) dazu erforderlich sind, damit eine einzige Gemeinde ein Rohr durch das Gebiet einer anderen leitet, (...) ein neues Verkehrsmittel einführt, das allen zu dienen bestimmt ist, der muß die Unnatur, die Widersinnigkeit des jetzigen Zustandes empfinden.“

    Diese Anarchie zu beenden, war Wermuths selbst gewählte Mission. Er war es gewohnt, Dinge ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten neu zu ordnen. Der studierte Jurist hatte zuvor fast drei Jahrzehnte lang im Reichsamt des Inneren in Berlin gearbeitet, dem Innenministerium des Kaiserreichs. Dort war er am Aufbau des Deutschen Wetterdienstes beteiligt, eine seiner ersten Aufgaben in eigener Verantwortung war es, per Gesetz eine neue Maß- und Gewichtsordnung durchzusetzen. Lieb gewonnene Bezeichnungen wie Pfund, Zentner und Lot schaffte er zugunsten von Gramm und Kilogramm ab, „erbarmungslos“, wie er selbst befand.

    Nun war Berlin dran.

    Ebenso erbarmungslos wollte er den Zusammenschluss mit den umliegenden Gemeinden gegen alle Widerstände erreichen. 1912 trat er sein Amt als Oberbürgermeister an. „Die Tat drängte sich am ersten Tag unwiderstehlich auf“, notierte er später. „Groß-Berlin fackelte nicht.“


    Die Stadtgrenzen von 1920 sind nahezu identisch mit den heutigen.GRAFIK: FABIAN BARTEL

    Sicher, die Idee Groß-Berlin hatte viele Väter und Mütter. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts wurden teils gegen ihren Willen Moabit, Wedding, Tempelhof und Teile von Schöneberg eingemeindet. Später folgten der Tiergarten, der Zoo und der Schlossbezirk Bellevue. In den 1870er Jahren wollte Oberbürgermeister Arthur Hobrecht (der Bruder des berühmten Stadtbaurats James) Berlin mit Charlottenburg, Köpenick und den Landkreisen Teltow im Süden und Niederbarnim im Norden vereinigen. Doch zwei Anläufe im Preußischen Abgeordnetenhaus scheiterten.

    Der letzte Versuch misslang 1896. Der Berliner Magistrat unter Bürgermeister Robert Zelle und die Stadtverordneten konnten sich nach fünf Jahren Verhandlung nicht einigen. Die Verordneten wollten gern die florierenden Städte des Kreises Teltow nach Berlin holen. Zu ihm gehörten alle Gemeinden südlich der Spree zwischen Potsdam und Köpenick, darunter Charlottenburg, Wilmersdorf und Schöneberg. Die aber wollten sich ihren Wohlstand nicht von Berlins „rotem Magistrat“ streitig machen lassen.

    An den Gebieten im Norden und Osten wiederum hatten die Berliner Verordneten kein Interesse. Zwar war die Gegend mit ihren vielen Äckern die Kornkammer Berlins. Doch außer ein paar Großbauern dominierte die Armut. Direkt hinter dem Mietskasernenring schwappte das proletarische Berlin in Arbeitervororte über, die sich vom Zusammenschluss eine Verbesserung erhofften. Dort, wo der Rauch der Industrieschlote hinwehte, gab es wenig Steuern zu holen, dafür umso mehr auszugeben.

    20 Bezirke, die Grundlage der heutigen Verwaltung
    Erst zwei Jahrzehnte später gelang es, Groß-Berlin zu formen. 94 Gemeinden schlossen sich zu einer zusammen. Zu den acht Städten Berlin, Charlottenburg, Köpenick, Lichtenberg, Neukölln, Schöneberg, Spandau und Wilmersdorf kamen 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirke. Groß-Berlin wurde in 20 Verwaltungsbezirke eingeteilt, die nach einigen Grenzkorrekturen im Prinzip noch heute bestehen.

    Die treibende Kraft dieser Mega-Fusion war Adolf Wermuth. Ohne ihn wäre Groß-Berlin vermutlich nur ein Traum geblieben – wie jener von „Grand Paris“, der trotz vieler Anläufe nie Wirklichkeit wurde. Wermuth war der richtige Mann zur richtigen Zeit – am richtigen Ort.

    Wermuth war gerade 57 Jahre alt und stand vor einem Neuanfang. Er, der 1855 in Hannover geboren worden war, hatte sich bis weit nach oben gearbeitet. Schon sein Vater war Regierungspräsident, die Königsfamilie von Hannover regelmäßig Gast im Haus. Wermuth studierte in Göttingen und wurde 1882 ins Reichsamt nach Berlin berufen. Er verantwortete die Repräsentanz des Deutschen Reiches bei den Weltausstellungen in Melbourne und Chicago. Aus Melbourne kehrte er blass, mager und von Malaria gezeichnet zurück, für den Rest seines Lebens litt er unter Schwindelanfällen und stieg doch später im Reichsschatzamt zu einem der wichtigsten Staatssekretäre Preußens auf. Allerdings trat er schon damals kompromisslos auf. Auch gegenüber Autoritäten. Im Streit um eine Erhöhung der Erbschaftssteuer warf er 1912 sein Amt hin – und machte erst einmal eine Wanderung durch den Harz.

    Viele Berliner wohnten feucht, dunkel, kalt, schmutzig
    Unterwegs erreichte ihn ein Brief. Ein Berliner Stadtverordneter fragte an, ob Wermuth Nachfolger des amtsmüden Oberbürgermeisters Martin Kirschner werden wolle. Wermuth willigte ein. Am 12. Mai 1912 wurde der parteilose Beamte von der Stadtverordnetenversammlung mit sozialdemokratischer Mehrheit zum neuen Oberbürgermeister gewählt. In den zwei Wochen, bevor er im September sein Amt antrat, machte Wermuth sich ein Bild von der Stadt, die er regieren sollte.

    Was er sah, war eine Metropole unter enormen sozialen Druck. Er besichtigte das Virchow-Krankenhaus, Volksschulen und Lyzeen, Markthallen und Viehhöfe, sah „bis in die Nacht hinein Tausende in das Städtische Obdach strömen“. Ein großer Teil der Bevölkerung wohnte feucht, dunkel, kalt, schmutzig, fensterlos, von Ungeziefer geplagt. Eine Toilette teilten sich manchmal bis zu 20 Haushalte, Krankheiten wie Cholera, Typhus, Tuberkulose waren Alltag.

    Um die Not ein wenig zu lindern, verließ Wermuth seine Wohnung in der Klosterstraße. Er zog dauerhaft ins Schloss des Berliner Stadtguts Buch, den Sommersitz der Oberbürgermeister. „Hier haben meine Frau und ich, auch mit den ein- und ausfliegenden Kindern, neun Sommer von April oder Mai bis Ende Oktober gehaust. Und seit die Wohnungsnot mir vorschrieb, meine zweite Wohnung im Stadtinnern aufzugeben, froren wir auch mehrere Winter weidlich in dem alten, weiträumigen, kalten Gutshaus.“

    „Obwohl er für Berlin so wichtig war, ist er untergegangen“
    Rainer Schütte kennt diese Zeilen auswendig. Er arbeitet beim Projekt „Stolpersteine“, nach der Wende war er 20 Jahre lang Werkstattleiter des „Künstlerhofs Buch“. Unter dem Namen betrieb die „Akademie der Künste“ eigene Werkstätten auf dem ehemaligen Gutshof. In Buch hörte Schütte von Wermuth und begann sich für ihn zu interessieren. Er stöberte auf, was über ihn zu finden war, ein paar alte Artikel und Fotos, Kapitel in historischen Büchern. „Wermuth wurde zu Unrecht vergessen“, sagt Schütte. „Obwohl er für Berlin so wichtig war, ist er einfach untergegangen.“

    Bei seiner Recherche kam Schütte auch mit der Urenkelin eines einstigen Schlossnachbarn von Wermuth ins Gespräch. „Sie hat mir ein paar Anekdoten erzählt.“ Zum Beispiel die, dass Wermuth sehr gesellig und ein gern gesehener Gast im „Schlosskrug“ gewesen sei. Dort habe er hin und wieder mit Anwohnern ein Bier getrunken.

    Und wenn er wichtige Reden einstudierte, soll er manchmal in den Stall des Gutshofs gegangenen sein. Dann brüllte er der Legende nach gegen die Kühe an, um seine Stimme zu trainieren.

    Ein lautes Organ brauchte Wermuth auch für die hitzigen Debatten, die um seinen Traum von Groß-Berlin tobten. Neben den bürgerlichen Vororten wehrte sich vor allem das Königreich Preußen gegen eine Expansion seiner Hauptstadt. Es fürchtete einen „Staat im Staate“ und erlaubte nur den losen „Zweckverband Groß-Berlin“, der kurz vor Wermuths Amtsantritt gebildet worden war. Der sprach sich bei Verkehr, Bebauungsplanung und Freiflächen ab – mehr war nicht erwünscht.

    Wermuth aber war entschlossen, aus dem Zweckverband eine Stadt zu schaffen. Sein erster Versuch begann 1912 damit, Treptow an Berlin zu binden. Preußen grätschte dazwischen und teilte ihm mit, „Berlin müsse sich fügen“. Doch Wermuth fügte sich nicht. Er glaubte weiter an die Notwendigkeit für Groß-Berlin – erst recht nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914.


    Schon 1912 gab es eine Kampagne für Groß-Berlin, Käthe Kollwitz gestaltete diesen Aufruf.

    Die Menschen hungerten, weil die Versorgung im Ballungsgebiet stockte, soziale Unruhe drohte. „Nirgends hat die Zerstückelung Berlins sich hemmender erwiesen als in der Kriegswirtschaft“, schrieb Wermuth später. „Unter der Arbeiterschaft gab es in einer Sonnabendsitzung nach der anderen Sturm, wenn wieder einmal festgestellt wurde, dass Tegel sein Fleisch anders und lässiger verteilte als die übrigen Gemeinden, oder dass in Zeiten der Not Neuköllns Bewohner nur drei Pfund Kartoffeln erhielten, die von Schöneberg aber fünf.“

    Wermuth machte die Versorgung der Bevölkerung zu seiner Hauptaufgabe. Und fand darin einen ersten Hebel, Berlin trotz Preußens Veto zu einen – zunächst ökonomisch. In der Not versammelte er die widerstrebenden Gemeinden hinter einer Idee: der Einführung von Lebensmittelmarken, die im gesamten Großraum gültig waren. „Jetzt, wenn je, musste die innere Zusammengehörigkeit Groß-Berlins zur Geltung kommen“, befand er. „Das sahen die Vororte sämtlich und ohne Besinnen ein.“

    Die Brotkarte als entscheidender Hebel

    Wermuth lud Vertreter von etwa 50 Gemeinden und Gutsbezirken in das Rathaus. Der Krisenstab bestand nicht nur aus Politikern, die halbe Stadtgesellschaft saß darin. „Einer von ihnen gab der Versammlung den verheißungsvollen Namen ,Erste Sitzung des Groß-Berliner Magistrats‘. Ihr Beschluss lautete, alle Teile Groß-Berlins zu einer Brotkartengemeinschaft zu vereinigen.“ Die Brotkarte für „Groß-Berlin“ wurde 1915 eingeführt, sie rationierte das Brot und verteilte es an die Bevölkerung. Es folgten Karten für Fleisch, Eier, Gemüse und weitere Lebensmittel, dazu Seife und Kohle.

    Wermuths Maßnahmen verhinderten nicht nur eine Hungersnot. Sie leiteten die angestrebte Fusion ein. „Ich hatte schon vor dem Kriege die Meinung vertreten und öffentlich zu begründen versucht, dass der Zusammenhalt von innen kommen müsse“, schrieb Wermuth. Die Not schweißte Berlin mit dem Umland zu einer Art Schicksalsgemeinschaft zusammen. „Nun lag der Weg frei. Nun wollten die Groß-Berliner auch ferner einig handeln.“

    Um die Welten beiderseits der Spree zu einer zu verbinden, wollte Wermuth sie auch verkehrstechnisch vernetzen. Stadt- und U-Bahn fuhren damals nur von Ost nach West. Werner von Siemens hatte schon 1892 eine Nord-Süd-S-Bahn unter der Innenstadt angeregt, nach dem Krieg nahm Wermuth die Idee auf und trieb die Planungen voran. So sollten die Vororte im Süden mit denen im Norden verbunden werden: Steglitz mit Frohnau, Lichterfelde mit Buch. Die erste Fahrt 1936 reklamierten die Nazis dennoch allein für sich.

    Der Ende Krieg endet: die große Chance!

    Einen seiner aktivsten Mitstreiter fand Wermuth in Alexander Dominicus. Der Schöneberger Bürgermeister, wie Wermuth ein Zugezogener, erkannte, dass rund um Berlin „eine Gemeinde der anderen das Wasser abgräbt“. Die beiden ergänzten sich gut: Wermuth zog im Hintergrund die Fäden, Dominicus warb öffentlich für das Projekt. Er gründete 1917 den „Bürgerausschuss Groß-Berlin“, um „eine ständige Tribüne“ zu schaffen „für den Ruf nach großberlinischem Gemeinschaftsgeist“. Der Bürgerausschuss wollte eine „Gesamtgemeinde“ in einem 20-Kilometer-Radius um Berlin.

    Nach dem Ende des Kriegs sah Wermuth die große Chance dafür gekommen. Preußen existierte nach der Novemberrevolution nur noch auf dem Papier, die einstige Monarchie wurde von der neuen sozialistischen Regierung in die Weimarer Republik überführt. Wermuth wollte schnell Fakten schaffen und noch am 28. November 1918 Groß-Berlin durch die Zwangseingemeindung des Umlands beschließen – per Notverordnung.

    Vermutlich sähe Berlin heute vollkommen anders aus, wenn er damit Erfolg gehabt hätte. Doch die neue Staatsregierung pfiff ihn zurück, man wollte die Metropole nicht „auf diktatorischem Wege“ bilden. Die grundsätzliche Notwendigkeit des Zusammenschlusses aber hatte man auch dort nach den Erfahrungen des Kriegs erkannt.

    Nur durch eine Großgemeinde würde man „die wirtschaftlichen Nöte der östlichen und nördlichen Gemeinden beseitigen und gleichzeitig für die Zukunft die Ungleichheiten aus der Welt schaffen“. Für eine ordentliche Lösung gab man grünes Licht. Und Wermuth legte los.

    „Ein Jahr später wäre es nicht mehr möglich gewesen“
    Ab März 1919 beriet er in kleiner Runde mit anderen Kommunalpolitikern und dem preußischen Innenminister in seinem Amtszimmer im Roten Rathaus über die genaue Form der neuen Riesenstadt. Gerungen wurde vor allem um die Außengrenzen. Wermuth wollte einen 15-Kilometer-Radius um Berlin, ohne Köpenick und das besonders heftig rebellierende Spandau. Schließlich wurden die Grenzen weiter draußen gezogen, dort, „wo in absehbarer Zeit der Entwicklung an ein Entstehen städtischer Lebensverhältnisse (…) nicht mehr gedacht werden kann“. Darin sollten 20 neue Bezirke erschaffen werden.

    1920 sollte das Groß-Berlin-Gesetz beschlossen werden. Die Voraussetzungen waren günstig. Der Fokus der Öffentlichkeit lag nicht auf Stadtentwicklung – Kapp-Putsch, Spanische Grippe und Versailler Vertrag bestimmten die Schlagzeilen. Der berlinhistorisch versierte Stadtplaner Harald Bodenschatz sagt: „Ein Jahr später wäre es nicht mehr möglich gewesen.“ Schließlich habe Berlin die anderen nicht einfach geschluckt. „Es war eine Vereinigung, das ging nur über zähe Verhandlungen.“ Doch nicht einmal Bodenschatz weiß, dass es vor allem der Berliner Oberbürgermeister selbst war, der in diesen zähen Verhandlungen den Widerstand der Nachbarstädte überwand.

    In einigen Stadtparlamenten gab es der Groß-Berlin-Frage wegen Tumulte und Prügeleien. Vor allem Charlottenburg, die reichste Stadt des alten Preußens, kämpfte erbittert. Noch heute steht das prunkvolle Charlottenburger Tor als Abgrenzung zum einstigen Nachbarn Berlin.

    Die Blaupause einer Stadt mit vielen Zentren

    Um die Widerspenstigen zu zähmen, wollten die preußische Regierung und auch Dominicus Übergangs- und Sonderregelungen für einzelne Gemeinden schaffen. Wermuth lehnte das ab. Er wollte die Opposition gegen Groß-Berlin ein für alle Mal brechen. Seine Zugeständnisse knüpfte er an das unumstößliche Bekenntnis zur neuen Metropole.

    Dafür nutzte er seinen Kontakt zum preußischen Staatssekretär Friedrich Freund, der das Groß-Berlin-Gesetz konzipierte. Er schrieb ihm persönliche Briefe und beeinflusste so den finalen Gesetzentwurf unter Umgehung des offiziellen Wegs entscheidend.

    Wermuth erkannte zum Beispiel, dass den bürgerlichen Gemeinden eine vom Berliner Magistrat geführte zentralistische Struktur, wie sie die Sozialdemokraten wollten, nicht zu vermitteln war. Daher wollte er den Stadtteilen in spe eine weitgehend unabhängige Verwaltung zubilligen, mit eigenem Parlament und Regierung. Dafür schlug er selbst die Bezeichnungen „Bezirksversammlung“ und „Bezirksamt“ vor. Der Magistrat sollte nur die Finanz- und Steuerverwaltung zentral leiten. Es war die Blaupause für die polyzentrische Stadt, die wir heute kennen. Die größeren Städte umschmeichelte Wermuth, indem er die neuen Bezirke nach ihnen taufen lassen wollte.

    Dennoch scheiterten zwei Abstimmungen über das Gesetz in der Preußischen Landesversammlung. Das Zeitfenster schloss sich. Wenn auch die dritte Abstimmung negativ ausgefallen wäre, wäre Groß-Berlin vermutlich gestorben.

    Wermuth griff zu einem letzten taktischen Kniff. Er ließ das „Groß“ aus dem Namen streichen, um den Skeptikern die Angst vor einem übermächtigen Berlin zu nehmen. Wermuth wollte statt des „künstlichen und etwas überheblichen Namens Groß-Berlin“ lieber die schlichte Bezeichnung „Berlin“ verwenden. Mit nur 16 Stimmen Mehrheit wurde das Gesetz tatsächlich beschlossen, am 1. Oktober 1920 trat es in Kraft. Das alte Berlin war tot, die „Neue Stadtgemeinde Berlin“ geboren.

    Der Zusammenschluss löste keineswegs alle Probleme. „Mit der Schaffung von Groß-Berlin begann eigentlich erst die Frage, wie das mit Leben gefüllt werden soll“, sagt Bodenschatz. Wegen der dezentralen Verwaltung durch die Bezirke war man zum Beispiel nicht in der Lage, genügend Wohnraum zu schaffen – ein vertraut klingendes Problem. „Die Zugeständnisse belasten uns bis heute, sie haben die Kompetenzen verunklart“, sagt Bodenschatz. „Schon damals war den Juristen klar, dass das nachgebessert werden muss – das ist aber bis heute nicht passiert.“ Eine weitere Analogie zur Neuzeit: Berlin beschwerte sich darüber, zu wenig Geld vom Staat zu bekommen, obwohl man durch die Hauptstadtfunktion besonders belastet wurde.

    Der Querkopf muss gehen

    In folgenden Jahren wurden dennoch prägende Großprojekte realisiert. Gemeinsame Strom-, Bewässerungs- und Nahverkehrsnetze entstanden, eine Bauordnung mit einheitlichen Vorschriften wurde verfasst, die Avus, das Messegelände, der Flughafen Tempelhof und jede Menge Sportanlagen wurden gebaut.

    Wermuth wurde 1920 zwar noch einmal als Oberbürgermeister wiedergewählt, doch die Ausgestaltung des modernen Berlin übernahm sein Nachfolger Gustav Böß. In seiner Biografie versicherte Wermuth, sich stets „von jeder Parteipolitik ferngehalten zu haben“, die „Gedankengänge und das Schema einer Partei sind mir am Ende ebenso ferngeblieben wie vorher“. Am Ende fiel der Querkopf deswegen zwischen alle Stühle. Die bürgerlichen Parteien nutzten einen Streik der Berliner Elektrizitätsarbeiter, um ihn anzugreifen, auch Teile der Sozialdemokraten ließen ihn fallen, im November 1920 trat er schließlich zurück.

    Wermuth zog aus seiner Dienstwohnung im Schloss Buch aus, gen Süden nach Lichterfelde. Seine Frau Marie starb 1923. Wermuth begann unter „Zwangsvorstellungen“ zu leiden, hieß es in einem Artikel von 1927 über „den alten Herrn mit dem langen eisgrauen Schnurrbart“. „Dabei handelte es sich anscheinend um Nachwirkungen seiner leitenden Tätigkeit auf dem Gebiete der Lebensmittelbewirtschaftung.“ Nachbarn trafen ihn demnach ständig beim Lebensmitteleinkauf: „Er fürchtete zu verhungern.“

    „Rücksichtslos ist er Hindernissen entgegengetreten“

    Wermuth starb 1927 im Alter von 72 Jahren. Zur Trauerfeier in der Kirche der ehemaligen Hauptkadettenanstalt Lichterfelde schrieb das „Berliner Tageblatt“: „Im Auftrage der Reichsregierung sprach Finanzminister Köhler von der hohen, weittragenden Bedeutung, die Adolf Wermuths Arbeit während seines unermüdlichen und selbstlosen Schaffens im Dienste des Staates gefunden hat. Die Ausgestaltung und die Zusammenfassung Groß-Berlins waren Wermuth nach rastlosen Mühen gelungen.“ Der neue Oberbürgermeister Böß pflichtete dem anerkennend bei: „Rücksichtslos ist er Hindernissen entgegengetreten, die sich ihm hemmend in den Weg stellten.“ Wermuths Leichnam wurde nach Buch überführt, „wo im engsten Familien- und Freundeskreise die Beisetzung an der Seite der vor Jahren verstorbenen Gattin“ erfolgte.

    Seither ist das Grab mehrfach beschädigt worden, zwischendurch ist das Grabkreuz abgebrochen. Zu DDR-Zeiten und zuletzt 2004 haben sich Jugendliche daran abgearbeitet. Sie werden kaum gewusst haben, wessen Grab sie demolierten. Es gehört zu den Absonderlichkeiten dieser sonderbaren Stadt, dass Wermuths Ruhestätte bis heute nicht auf der Liste der Ehrengräber steht.

    Selbst in Wermuths früherem Wohnort sind fast alle Spuren verwischt. In den Kuhstall auf dem Gutshof ist ein Fairtrade-Start-up eingezogen, das sich mehr um die Zukunft als um die Vergangenheit sorgt. Das Schloss Buch wurde im Zweiten Weltkrieg zerbombt, Walter Ulbricht ließ den Rest 1964 sprengen. An die Stelle des Schlosses ist eine Blumenrabatte aus Beton gerückt, nur das Treppengeländer wurde gerettet. Es befindet sich heute im Operncafé Unter den Linden.

    Die Schlosskirche ist noch da, vereinfacht wiederaufgebaut. Die Pfarrerin Cornelia Reuter sagt, auch ein Sohn Wermuths, der im Krieg fiel, sei auf dem Friedhof begraben worden, doch niemand wisse mehr, wo genau. Immerhin weiß Reuter um Wermuths Verdienste, anders als der Berliner Senat: „Ich glaube, man hat dort nicht wirklich eine Ahnung, wie wichtig er für diese Stadt war.“

    Zwei Anträge für ein Ehrengrab wurden abgelehnt

    Die Feierlichkeiten für das 100-Jahr-Jubiläum werden in der Senatskanzlei des Regierenden Bürgermeisters geplant. Dort werden auch Anträge für Ehrengräber bearbeitet. Schon zwei für Wermuth hat die Evangelische Kirchengemeinde Buch gestellt. Beide wurden abgelehnt, zuletzt 2009. „Hin und wieder legt ein Regierender mal einen Kranz hier ab“, sagt Wermuth-Fan Rainer Schütte. „Aber für die Pflege des Grabs will die Stadt nicht aufkommen.“

    Angeführt wurden dafür formale Gründe. Unabdingbares Kriterium für ein Ehrengrab sei „das fortlebende Andenken an die um Berlin hervorragend verdiente Persönlichkeit in der allgemeinen, breiteren Öffentlichkeit“. Im Falle Wermuth sei das „nicht eindeutig feststellbar“, teilte die Senatskanzlei mit. Weil Wermuth der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt ist, möchte ihn die Stadt, die er selbst mit erschuf, auch nicht öffentlich würdigen.

    Dabei „musste Wermuths Tätigkeit notwendigerweise im Hintergrund bleiben, denn sie spielte sich in der Beeinflussung des Magistrats und in zweiseitigen Gesprächen mit den Vertretern des preußischen Innenministeriums ab“, schrieb die Geschichts- und Politikwissenschaftlerin Frauke Bey-Heard schon 1969 in ihrer preisgekrönten Schrift „Hauptstadt und Staatsumwälzung Berlin 1919“. Die Vorstöße des Schönebergers Dominicus seien öffentlichkeitswirksamer gewesen, doch laut Bey-Heard „hatte der Oberbürgermeister einen viel größeren Anteil an der Gestaltung von Groß-Berlin, als ihm bisher zugestanden wurde“. In Berlin ist diese Erkenntnis bis heute nicht angekommen.

    Nur ein kurzer Weg trägt seinen Namen
    Die 100-Jahr-Feier wäre doch ein guter Anlass, das zu ändern, findet die Bucher Pfarrerin Reuter. Sie hat soeben einen neuen Antrag auf ein Ehrengrab eingereicht. Die Kirchengemeinde möchte bis 2020 auch eine Informationsstele aufstellen, die auf Wermuth und andere Prominente hinweist, die in Buch begraben sind. „Vielleicht beteiligt sich der Berliner Senat ja wenigstens daran“, sagt Reuter.

    Wermuths Nachfolger Böß wurde geehrt, indem die Straße am Roten Rathaus nach ihm benannt wurde. Andere prominente Plätze und Straßen Berlins tragen die Namen ehemaliger Bürgermeister wie Ernst Reuter, Otto Suhr, Walther Schreiber oder Franz Christian Naunyn. Selbst Alexander Dominicus hat eine große Straße bekommen. Nach Adolf Wermuth ist nur der Wermuthweg benannt, eine knapp 500 Meter lange Betonschleife im Rücken der Hochhäuser der Gropiusstadt.

    Der vergessene Stadtvater zeugt auch davon, dass Groß-Berlin bis heute noch nicht richtig zusammengewachsen ist. Wie auch? Nur 13 Jahre hatte die neue Stadt Zeit, zu sich zu finden, bevor die Nazis sich ihrer bemächtigten und sie zu Germania umbauen wollten. Die Teilung nach dem Zweiten Weltkrieg verlief schicksalhafterweise großteils genau entlang der alten Vorbehaltsgrenze, der wohlhabende Westen wurde eine Stadt, der proletarische Osten eine andere. Nach der Wiedervereinigung 1990 wurde schnell klar: Die Gräben, die Wermuth einst zuschütten wollte, waren immer noch da.

    Ein Archipel von Städten und Gemeinden

    Im Grunde begann die Entstehung von Groß-Berlin mit dem Mauerabriss noch einmal von vorn. Wie zu Wermuths Zeiten ringen die Ortsteile um Einfluss und Vorteilsnahme. Zwischen Spandau und Buch fühlen sich die wenigsten als Groß-Berliner, die Fliehkräfte sind immens, kein Gründungsmythos hält sie zusammen. „Das ist keine richtige Stadt, sondern ein Archipel von Städten und Gemeinden“, sagt Harald Bodenschatz. „Groß-Berlin ist bis heute ein unvollendetes Projekt.“

    Wird es je vollendet werden? Der Zusammenhalt muss von innen kommen, befand Adolf Wermuth schon vor einem Jahrhundert. Vielleicht würde dieses seltsame Gebilde von einer Stadt ein bisschen enger zusammenwachsen, wenn es sich wenigstens des Mannes erinnerte, der es einst erschaffen hat.

    QUELLEN
    Frauke Bey-Heard: „Hauptstadt und Staatsumwälzung Berlin 1919“
    Wolfgang Ribbe (Hrsg.): „Stadtoberhäupter. Biograhien Berliner Bürgermeister“
    Rainer Schütte: „Buch im Ersten Weltkrieg“
    Andreas Splanemann: „Wie vor 70 Jahren Groß-Berlin entstand“
    Herbert Schwenk: „Es hing am seidenen Faden. Berlin wird Groß-Berlin“
    Kurt Pompluhn: „50 Jahre ‚Groß-Berlin‘“
    Adolf Wermuth: "Ein Beamtenleben“
    „Frankfurter Zeitung“ vom 13.10.1922
    „Berliner Tageblatt“ vom 17.10.1927

    #Berlin #Geschichte #Stadtentwicklung #Südekumzeile #Wermuthweg #Dominikusstraße #Lichterfelde #Buch


  • 10.11.2018 : Eine Vernunftehe (Tageszeitung junge Welt)
    https://www.jungewelt.de/artikel/343322.novemberrevolution-eine-vernunftehe.html

    Après leur chute originelle en 1914 les social-démocrates allemands en 1918 récoltent les fruits empoisonnées que leur tendent les industriels.

    En proposant le poste de président à Friedrich Ebert et en acceptant l’accord sur la cogestion des usines les industriels lient les socialistes SPD au sort de l’industrie allemande. Les lois issues de l’accord garantissent des postes et salaires à un nombre important de syndicalistes et fonctionnaires social-démocrates. Le système de cogestion constitue la base du contrat social dans l’Allemagne capitaliste sauf pendant l’interlude nazi entre 1933 et 1945.

    Cent ans plus tard l’accord historique est menacé par la politique néolibérale qui cherche à se débarasser des conventions collectives et des représentants d’employés prévus par la loi. La disparition de l’electorat SPD prive ses fonctionnnaires et les syndicats des troupes indispensables pour la défense des structures qui constituent l’essence de la Sozialpartnerschaft . Nous entrons dans une phase de luttes des classes moins organisées et plus violentes en coséquence.

    Bereits sechs Tage nachdem Reichskanzler Max von Baden die Abdankung des Kaisers verkündet hatte, handelten Gewerkschaften und Industriekapitäne den Achtstundentag aus. Am 15. November 1918 vereinbarten der Ruhrindustrielle Hugo Stinnes und der Vorsitzende der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands, Carl Legien, quasi im Handumdrehen die Erfüllung einer Kernforderung der Arbeiterbewegung. Dafür hatten zuvor die Gewerkschaften und politische Parteien mehr als fünfzig Jahre vergeblich gekämpft. Wenige Tage später erhielt das Stinnes-Legien-Abkommen qua Regierungsdekret Gesetzesrang. So schnell ist die Erfolgsstory vom Auftakt der deutschen Sozialpartnerschaft erzählt, und sie kann in mal mehr, mal weniger elaborierter Form in Festschriften und Verlautbarungen von Gewerkschaften oder Sozialdemokraten zum 100. Jahrestag der Revolution von 1918/19 nachgelesen werden.
    Opfersinn der Arbeiterklasse

    In Wahrheit wurde die Sozialpartnerschaft in Deutschland schon zwei Jahre zuvor besiegelt. In den Verhandlungen um das Gesetz über den vaterländischen Hilfsdienst, das am 5. Dezember 1916 erlassen wurde, konnten Sozialdemokraten und Sozialliberale durchsetzen, dass in Betrieben mit mehr als 50 Beschäftigten Arbeiter- und Angestelltenausschüsse gebildet wurden. Damit war die bisherige Herr-im-Haus-Stellung der Industriekapitäne stark beschnitten, denn diese wurden dazu verpflichtet, ihrer Belegschaft Auskunft über Lohn- und Beschäftigungsfragen sowie über die Lage des Betriebs zu geben. Legien deutete das Kriegsgesetz im Correspondenzblatt der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands am 9. Dezember als Erfolg der Arbeiter und deren Anstrengungen im Kriege: »Der Hilfsdienst verlangt weitgehende Opfer von allen, nicht zum wenigsten auch Verzicht auf wichtige Rechte. Dem freien Arbeitsvertrag, der Freizügigkeit sind Schranken gesetzt. Das neue Gesetz bringt aber nicht bloß Pflichten für die Arbeiterschaft, sondern es ist (…) gelungen, die Rechte der Arbeiter und Angestellten in Formen, die für die Interessenvertretung während des Krieges ausreichend sind, sicherzustellen (…) In dem Existenzkampf, den Deutschland um sein Bestehen und seine Zukunft führt, hat sich die Wahrheit glänzend durchgerungen, dass die Arbeiterklasse der bedeutsamste Teil des Volksganzen ist, ohne deren Opfersinn der geregelte Aufbau der Kriegswirtschaft nicht möglich wäre.«

    Diese Zugeständnisse konnten die Oberste Heeresleitung (OHL) und die Regierung ohne Sorge machen, denn die Gewerkschaften und die Sozialdemokratische Partei hatten sich schon 1914, als das deutsche Kaiserreich der Welt den Krieg erklärte, als »vernünftig« erwiesen und erklärt, nun sei die Stunde gekommen, das Vaterland zu verteidigen. Mehr noch, es war für den deutschen Imperialismus, der seit Anbeginn des Krieges mit großer Arbeitskraftfluktuation zu kämpfen hatte, elementar, einen Ansprechpartner im Betrieb zu haben, der dabei half, die Arbeitskraft zu mobilisieren.

    Als die deutschen Schwerindustriellen in den Oktobertagen 1918 von der OHL erfuhren, dass mit einem siegreichen Ausgang des Krieges nicht mehr zu rechnen sei, erwiesen sie sich als geschmeidig genug und besaßen vor allem den richtigen Riecher, als sie beschlossen, »auf seiten der Arbeiterschaft starke Bundesgenossen« (siehe unten) zu suchen. Die fanden sie in der Gewerkschaftsführung. Am 20. Oktober verhandelten in Berlin die Kapitalgewaltigen Walther Rathenau, Carl Friedrich von Siemens, Anton von Rieppel und Ernst von Borsig mit einer Gruppe Gewerkschaftsführer rund um Legien. Im Ruhrgebiet war zwei Tage zuvor der Zechenverband, vertreten z. B. von Hugo Stinnes, Emil Kirdorf und Alfred Hugenberg, mit Funktionären der Bergarbeitergewerkschaften auf Tuchfühlung gegangen. Nicht alle waren glücklich über diese Verhandlungen, das zeigt die Reaktion eines Arbeiters, dem der Gewerkschaftsführer Otto Hue von den Verhandlungen mit Stinnes und Co. berichtet hatte. »Mit Stinnes? Bist du verrückt? Der wird aufgehangen!«
    Angst vor der Revolution
    Revolutionsabo

    Die Industriellen trieb vor allem die Angst vor Enteignungen und vor anarchischen Zuständen nach dem verlorenen Krieg zu Konzessionen, und so ergriffen sie die Gelegenheit wie der Ertrinkende den Rettungsring. In Carl Legien hatten sie nicht nur einen Partner, der seine vaterländische Gesinnung mehrfach unter Beweis gestellt hatte, sondern auch einen »Realpolitiker«, der in den Kämpfen der Parteilinken einen »Radikalismus« erblickte, den er seinen »Lebtag nicht ertragen« habe können, wie er schon 1915 ausgeführt hatte, und der sich auch im praktischen Kampf gegen die linken Sozialdemokraten verdient gemacht hatte.

    Als die Revolution, inspiriert von den Vorgängen in Russland und ausgelöst durch die Meuterei in Wilhelmshaven und Kiel, die Reichshauptstadt erreichte, waren die Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und Industriellen schon weit fortgeschritten und konnten am 14. November schließlich, noch bevor den Akteuren das Heft des Handelns aus den Händen glitt, zu einem günstigen Ende geführt werden, so dass Hugo Stinnes zufrieden resümierte, die Gewerkschaften »werden ihre sozialistischen Ideen jetzt nicht aufgeben, aber praktisch keinen Gebrauch davon machen«.

    Das Abkommen folgte, bei allen Neuerungen, die es mit sich brachte, der alten Logik der Bismarckschen Sozialgesetzgebung. Die Maßnahmen sollten einer drohenden Radikalisierung der deutschen Arbeiterbewegung die Grundlage entziehen. Die große Stunde der Gewerkschaften schlug also in dem Moment, in dem sie sich als die gemäßigte Alternative zu einer Rätebewegung und einem revolutionären Umsturz (wie in Russland) präsentieren konnten. Wo die Arbeiter mit sozialpolitischen Maßnahmen nicht vom Revolutionskurs abgebracht werden konnten, half Gewalt. Der Januaraufstand und einige Räterepubliken wurden von Freikorps niedergemacht, unter anderem finanziert von Hugo Stinnes, dem Stammvater der Sozialpartnerschaft.

    Getrieben von den Klassenkämpfen, schlossen Kapital und Gewerkschaften eine Vernunftehe. So sollte der revolutionären Bewegung das Rückgrat gebrochen werden. Die beiden »Eheleute« wurden zu »Sozialpartnern« auf 100 Jahre gemacht.

    #Allemagne #histoire #mouvement_ouvrier #révolution


  • Googelt euch doch mal was Neues !
    https://www.tagesspiegel.de/politik/stadtentwicklung-in-berlin-googelt-euch-doch-mal-was-neues/23277814.html
    Le movement contre l’invasion googliennen dans Kreuzberd est couronné de succès. La corporation craint la mauvaise pubiclité et enterre le projet d’un Google Campus à Berlin.

    Première réaction dans le Tagesspiegel : Il faut voir les deux côtés.

    Werner van Bebber 2.11.2018

    Ihr Geld verdienen sie im virtuellen Raum, doch wenn sie es investieren, hat das Folgen in der analogen Wirklichkeit. Kleines Beispiel? Ein boomendes Jungunternehmen kauft und mietet in einem attraktiven, aber nicht sehr noblen Stadtteil alles an Büro- und Wohnflächen, was verfügbar ist. Nach gerade einmal neun Jahren eines kommunikativ-virtuellen Siegeszugs in der Welt der so genannten sozialen Medien haben sich die Gewerbemieten verdoppelt. Nein, es geht nicht um Google in Kreuzberg, sondern um das Foto-Nachrichten-Unternehmen Snap und den Stadtteil Venice in Los Angeles.

    Es hat schon fast etwas Tröstliches, dass nicht wenige Bewohner großer amerikanischer Städte den wirtschaftlichen Erfolg ihrer Tech-Unternehmen fast so sehr verfluchen wie der Normal-Kreuzberger die Finanzmacht von Firmen wie Google oder, dank seiner die Spree überquerenden Wirkung, Zalando. Vor Geld strotzende Großkonzerne bauen Stadtteile und Bezirke um, erst wirtschaftlich, dann sozial. Die Politik hat dem nicht viel entgegenzusetzen – wenn sie es überhaupt will.

    Nein, hier soll jetzt nicht die Gentrifizierung betrauert werden, das hat nicht mehr viel Sinn. Vom alternativen Kreuzberg der siebziger und achtziger Jahre ist nicht mehr viel übrig. Was schade ist, weil hier eben auch alternativ gewirtschaftet wurde und weil die, die Kreuzberg damals entdeckten, Frei- und Leerräume übernehmen konnten. Die Finanzpotentaten von heute hingegen müssen verdrängen, wenn sie in großem Stil in Stadtteile einrücken, die sie für „attraktiv“ erklärt haben, ob da Kreuzberg dran steht oder Venice oder San Francisco.

    Das ist dann eben so? Städte verändern sich nun mal? Ja, so ist das eben – und trotzdem muss das nicht bedeuten, dass hergebrachte Strukturen und Ökonomien gesprengt werden. Gerade der Streit um die gescheiterte Google-Ansiedlung in einem ehemaligen Umspannwerk zeigt doch, dass es legitim ist, nach den Motiven von Investoren zu fragen: Warum wollen sie dahin, wo es schon voll ist, zu voll, wie viele meinen? Berliner Kommunalpolitiker sind da weiter als mancher Wirtschaftsfachmann im Abgeordnetenhaus. „Kommt halt nach Spandau“, sagt der dortige Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank. Andere Angebote soll es aus Lichtenberg geben. Und wenn es der Charme verfallender Industrie sein muss, um das Geschäft mit Big Data und Werbung architektonisch stilvoll zu umhüllen: Da dürfte in Treptow-Köpenick noch einiges zu machen sein.

    Ausgerechnet das Traditionsunternehmen Siemens, das es in den vergangenen Jahren nicht immer gut gemeint hat mit Berlin, zeigt der Supercompany aus Mountain View in Kalifornien was auch geht: Spandau. Der Malocher-Bezirk, dem es früher einmal wesentlich besser ging. Siemens plant einen Campus mit allem Drum und Dran auf angestammtem Gelände, im Schatten von Kraftwerkskühltürmen, in der Nachbarschaft von Eisenbahngleisen, die ins Nirgendwo führen und einer kilometerlangen Motorradfabrik, immerhin in Backsteinhallen. Man könnte sagen: Hier hat nicht das Image des Ortes, an den man ziehen will, den Ausschlag gegeben. Stattdessen war es die Vorstellung von dem, was möglich ist. Und ein Sinn für Tradition.

    Das ist es doch, was den Streit um die Berliner Stadtentwicklung so ermüdend macht: dass so viele an dieselben Orte wollen. Und diese damit verändern, ob sie wollen oder nicht. Wenn alle ins Zentrum wollen, werden die ins Zentrum gelangen, die am meisten zahlen. Das ist Stadtentwicklung? Das ist, zumindest dann, wenn das Zentrum von heute über viele Jahre nicht Zentrum war, sondern wie Kreuzberg die Peripherie, eher Stadt-Brutalität.

    Man braucht allerdings etwas mehr Entwicklerfantasie, wenn man nicht dort investieren will, wo alle es gerade toll finden und der AirBnB-Jetset seine Tage mit Dauerfrühstücken zubringt. Siehe Adlershof: ein Forschungs- und Gewerbestandort, von der Politik gewollt und gefördert. Lauter spannende Unternehmen – bloß leider wenig Leben auf der Straße, Lebensstil allenfalls im Umfeld der Universitätsinstitute.

    Aber darin könnte ja der Zusatznutzen von Großinvestitionen bestehen, ob nun von Siemens oder Google oder Zalando: dass sie etwas für die Infrastruktur ihrer neuen Nachbarschaft tun, egal ob es um Sport nach der Arbeit geht oder um Bier nach dem Job. Dass sie Berlin dort, wo sie sich ansiedeln, ein bisschen neu erfinden. Und zwar mit Sinn für das, was ihre Mitarbeiter wollen – und mit einem Blick für die Gegend, in der sie sich ansiedeln.

    #Berlin #Google #gentrification #luttes


  • Siemens errichtet für 600 Millionen Euro Campus in Berlin - Spandau - Berliner Morgenpost

    Die Pläne für einen „Innovationscampus“ waren Ende Juli durchgesickert, verbunden mit einer Kritik an dem wenig engagierten Verhalten des Berliner Senats und des Regierenden Bürgermeisters. Dann aber agierte die Berliner Politik in einem kaum gekannten Tempo und mit großer Entschlossenheit. Anders als 2011, als die neue Siemens-Sparte Infrastruktur und Städte nach München ging und eben nicht nach Berlin, auch weil sich der Senat nicht genügend bemüht habe, wie es damals hieß. Aber Müller traf sich jetzt mit Vorstand Neike zum Chefgespräch, beim zweiten Treffen waren auch die beiden Bürgermeister und Koalitionspartner Klaus Lederer (Linke) und Ramona Pop (Grüne) dabei.

    Lederer konnte als für den Denkmalschutz zuständiger Senator offenbar die Bedenken zerstreuen, Berlin könnte zu streng auf dem Erhalt der geschützten Fabrikgebäude beharren. An seinen Einwänden war zuvor der Plan des Siemens-Vorstandes gescheitert, seine Berlin-Repräsentanz samt eines Neubaus im Garten des historischen Magnus-Haus in Mitte zu errichten. Pop wiederum kümmerte sich als Wirtschaftssenatorin um viele Detailfragen und hielt Kontakt zu Neike.

    Schließlich verständigten sich beide Seiten Anfang Oktober auf ein erstes Konzept und ein Eckpunktepapier für den Standort Berlin. Darin sicherte der Senat unter anderem Entgegenkommen beim Denkmalschutz zu sowie eine planungsrechtliche Umwandlung der Flächen von Industrie- in ein Mischgebiet. Die Bundesregierung musste mit ins Boot wegen der großen industriepolitischen Bedeutung der Entscheidung für ganz Deutschland.

    Berlins Senat hat schneller gehandelt als erwartet
    Denn der Siemens-Konzern möchte die Siemens-Bahn reaktivieren, um so den Campus ans S-Bahn-Netz anzubinden. Und man benötigt Breitband für schnelle Datenleitungen auf dem Gelände. Wie es hieß, lag es am Bund, dass die Münchener nicht schon früher den Daumen für Berlin hoben. Für Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) war dessen Staatssekretär, der frühere Berliner Finanzsenator Ulrich Nußbaum (SPD) in die Gespräche involviert.

    Letztlich haben wohl mehrere Gründe die Siemens-Vorstände von Berlin überzeugt, vermuten gut informierte Beobachter. Der Konzern müsse sowieso etwas anfangen mit seinen nicht voll ausgenutzten Flächen in der Siemensstadt. Zudem sei Berlin als Ort für die Rekrutierung von jungen Talenten wirklich eine gute Wahl. Außerdem verhandelt der Konzern völlig unabhängig von dem großen Immobilieninvestment seit Monaten mit dem Land Berlin über einen Forschungs- und Entwicklungscampus für 60 Millionen Euro.

    So etwas braucht Siemens, denn trotz der mehr als sechs Milliarden Euro Jahresgewinn plagt man sich mit Problemen in einigen Sparten, vor allem der Energiesektor und die Turbinenproduktion schwächeln. So sollen auch im Berliner Gasturbinenwerk in Moabit und im Dynamowerk in Siemensstadt Stellen abgebaut werden. Und schließlich hat das schnelle Handeln des Senats die Kritiker beeindruckt. Die Berliner seien drei Monate schneller gewesen als man es in München erwartet habe, hieß es.

    #Berlin #Siemensstadt #Siemensbahn #Wirtschaft



  • Was der Kaupert nicht weiß - Wohlrabedamm
    https://berlin.kauperts.de/Strassen/Wohlrabedamm-13629-Berlin


    Der Kaupertsche Eintrag zum Übelkrähenpfad , auch bekannt als Wohlrabedamm, ist verdammt dünn.

    Über die Lage der Hausnummern gibt es keine Auskunft. Mit dem Kaupert als Taxifahrers Liebling ist es vorbei.

    Allgemeines zu Wohlrabedamm
    Postleitzahl: 13629
    Ortsteil: Siemensstadt
    ÖPNV: Zone B Bus 123, 139 — U‑Bahn 7 Rohrdamm, Siemensdamm
    Straßenverlauf: im Siemens-Technopark, von Rohrdamm und Motardstraße bis Siemensdamm
    Falk‑Stadtplan: Planquadrat J 9-10

    Für den Kaupertverlag hat der Wohlrabedamm keine Geschichte. Schade eigentlich, denn die Berliner Familie Wohlrabe muß man nicht mögen, ganz unwichtig für das Berliner Gesellschafts- und Kulturleben war und ist sie jedoch nicht.

    Geschichte von Wohlrabedamm
    ???
    Ehemaliger Bezirk Spandau
    Name seit ???

    Immerhin kommt der Verlag seiner traditionellen Bestimmung nach und liefert alle Amtsstubeninfos zu Straße.

    Örtliche Zuständigkeiten für Wohlrabedamm
    Arbeitsagentur: Spandau
    Jobcenter: Spandau
    Amtsgericht: Spandau
    Grundbuchamt Spandau
    Familiengericht: Tempelhof-Kreuzberg
    Finanzamt: Spandau
    Polizeiabschnitt: A 21
    Verwaltungsbezirk: Spandau

    Wer mehr erfahren will, muß heute reichlich Zeit aufwenden. Der Kaupert als Standardquelle zum schnellen Nachschlagen ist aus dem Spiel und wir müssen demnächst uns unsere eigene Wikipedia-Schnittstelle basteln. Heute noch gehen wir zu Fuß und zitieren aus dem Eintrag zu Siemensstädter Straßen.

    Liste der Straßen und Plätze in Berlin-Siemensstadt – Wikipedia
    https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stra%C3%9Fen_und_Pl%C3%A4tze_in_Berlin-Siemensstadt

    Wohlrabedamm

    930 Jürgen Wohlrabe (1936–1995), Berliner CDU-Politiker und Filmproduzent 24. Apr. 2012 Der Wohlrabedamm verläuft L-förmig zwischen Rohr- und Siemensdamm mit den Grundstücken 4–34 (fortlaufend) in Hufeisennummerierung. Die Straße wurde zwischen 2010 und 2012 neu erbaut und erschließt den Thelen Technopark, der auf ehemaligem Siemens-Werksgelände liegt. Die Straße führt durch den Thelen Technopark und wurde 2012 für den Verkehr freigegeben, wodurch es möglich wurde, dass sich auf dem vorher verschlossenen Gelände der Siemens-Werke Unternehmen der Kommunikationstechnik niedergelassen haben. Am Siemens Stichkanal entlang führt ein Fußweg bis zur Spree und es gibt zwei Fußgängerdurchgänge zum Wernerwerkdamm.

    Jürgen Wohlrabe
    https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Wohlrabe

    Von 1963 bis 1967 gehörte er der Bezirksverordnetenversammlung von Berlin-Charlottenburg an und wurde anschließend ins Abgeordnetenhaus von Berlin gewählt, bevor er ab 1969 für zehn Jahre die Berliner CDU im Deutschen Bundestag vertrat. In dieser Zeit galt Wohlrabe, der auch Vorsitzender der Jungen Union in Berlin war, als einer der profiliertesten Gegenspieler der Studentenbewegung um Rudi Dutschke. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er jedoch vor allem durch seine Auseinandersetzung mit Herbert Wehner bekannt, der ihn 1970 in einer Bundestagsdebatte als Übelkrähe und vier Jahre später sogar als Schwein titulierte.
    ...
    Neben seiner politischen Karriere war Jürgen Wohlrabe auch als Filmkaufmann und -produzent erfolgreich. 1978 übernahm er den von seinem Onkel Karl Friedrich Wohlrabe fortgeführten und von seinem Großvater Willy Wohlrabe gegründeten familiären Jugendfilm-Verleih und entwickelte diesen zu einem kommerziell erfolgreichen Unternehmen,
    ...

    Jugendfilm-Verleih GmbH - Lexikon der Filmbegriffe
    http://filmlexikon.uni-kiel.de/index.php?action=lexikon&tag=det&id=8144

    Der Jugendfilm-Verleih wurde 1934 als Verleihfirma für Märchen‑ und Kinderfilme in Berlin gegründet. Die Firma konnte die Nazizeit überstehen und erhielt 1952 einen Preis der Filmfestspiele Venedig für die beste nationale Auswahl an Filmen für Jugendliche. 1961 übernahm Karl Friedrich Wohlrabe die Firmenleitung; das Programm wurde auf internationale Produktionen ausgeweitet. 1969 begann die ökonomische Erfolgsphase der Firma, als sie die Rechte an der belgischen Comic-Reihe Les Schtroumpfs (Die Schlümpfe) des Zeichners Peyo (d.i. Pierre Culliford; verfilmt 1975: La flûte à six schtroumpfs) sowie der Lucky-Luke Figur (verfilmt ab 1971) und den ersten Asterix-Filmen erwarb. Allein die ersten drei Asterix-Filme (1967: Asterix der Gallier; 1968: Asterix und Kleopatra; 1976: Asterix erobert Rom) erreichten in der BRD mehr als 20 Millionen Zuschauer. Zur Überraschung wurde auch Luis Buñuels Cet obscur objet du désir im Jahr 1978 zum Erfolgsfilm. 1979 übernahm Jürgen Wohlrabe die Firmenleitung. Filme wie Dressed to Kill (1981), Once upon a Time in America (1984) oder True Lies (1994) machten Jugendfilm zu einer der wichtigsten Verleihfirmen der BRD. Nach dem Tod Jürgen Wohlrabes (1996) übernahm vorübergehend dessen Sohn Marc zusammen mit seiner Mutter die Geschäfte des Verleihs, der mit dem Verkauf der Gesellschafteranteile (sowie der Jugendfilm‑Tochter Extrafilm Produktion GmbH) an die Kinowelt Medien AG am 1.10.1999 die Firma mit den Rechten an über 600 Spielfilmen einschließlich diverser Zeichentrickfilme die Firmengeschichte ausklingen ließ. Die Marke „Jugendfilm“ wurde von Kinowelt seit Oktober 2000 als Verleihlabel sämtlicher Repertoirefilme der Kinowelt-Bibliothek weiter geführt.

    Literatur: Wohlrabe, Jürgen (Hrsg.): 60 Jahre Jugendfilm, 1934‑1994. Berlin: Nicolai 1994.

    Soweit so freundlich. In der Tat ist der Wohlrabens Wohlstand viel Schund und Anpassungsfähigkeit geschuldet. Der Name Jugendfilm klingt edel und gut, wie auch der Preis vom Mussolini-Filmfest im postfaschistischen Venedig nur Gutes suggeriert. Typisch für pädagogische Werk der Jugendfilmer ist dabei der billige Spaghetti-Western. Waren es alte Verbindungen oder schon das viele Wohlrabengeld für Italoquatsch, die 1952 Venedig zur Auszeichnung die beste nationale Auswahl an Filmen für Jugendliche bewegten? Vielleicht finden wir einen alten Verleihkatalog, der Auskunft dazu gibt, was damals die beste Wahl für Jugendliche war.

    Fasthand
    https://en.wikipedia.org/wiki/Fasthand

    Fasthand (Italian: Mi chiamavano “Requiescat”... ma avevano sbagliato, Spanish: Mano rápida, also known as Fasthand is Still My Name and Fast Gun Is Still My Name) is a 1973 Italian-Spanish Spaghetti Western film directed by Frank Bronston and starring Alan Steel, William Berger and Frank Braña.
    Distributed by France-Inter Cinéma (1975, France)
    Jugendfilm-Verleih (1974, West Germany)

    Viel Spaß beim Ansehen - heute gibt es ihn noch auf Youtube. EIne Zeitreise 45 Jahre in die Vergangenheit.

    https://www.youtube.com/watch?v=WvLNFI4_GOY

    Kommentar zum Film

    Gotta love those 30 shot 6 shooters.

    Blut muß fließen, und zwar knüppeldick. Italo-Western erzählen mehr von Faschismus, Widerstand, Gewalt und Sex in Italien, Deutschland und Spanien als vom Wilden Westen . Komisch, dass keiner der Produzenten aus den Kreigsverbrecher-Ländern davon etwas gemerkt hat. Und so floß das Geld aus Wohlrabes zuerst im gut Nazireich gefüllten Taschen ins Spanien des Massenmörders Franco, wo italienische Künstler mit Hilfe von billigen B-Promis und Komparsen von Mafia, Krieg und Freiheitskampf erzählten.

    Synopsis
    Shortly after the end of United States civil war, Captain Jeff Madison, an Union Official, leads a group of soldiers in the search for a group of Confederate soldiers who have gone rogue and are conducting a guerrilla war in the South. The rebel group, lead by the infamous Machedo, splits in two, and while one faction ambushes Madison and his party the other one captures one of the Union’s forts and decimate the soldiers and commanding officer. Shortly after the rebels capture Madison, the only survivor of the previous ambush, when he gets to the fort. Machedo and his men torture and shoot Madison in his right hand, rendering it useless for holding a gun, and leave him to die. Madison survives by pure chance when a group of Indians appear by the location.

    During the next two years the group of rebels and former soldiers carry a series of raids undisturbed, while at the same time Madison has been preparing to exact justice on them. When Machedo and his men steal the freshly arrived gold of a town, Madison sees the perfect opportunity to manipulate the situation in his favour, bringing Machedo and his group to a trap. The former Captain risks everything carrying out his plan but, contrary to the expectations of Machedo, Madison still has a secret card on his sleeve, one that makes him a true “fasthand”.

    Die Zeit der Spaghettis ist lange vorbei, aber mit Immaterialgütern wird heute mehr Geschäft gemacht als je zuvor.

    Marc Wohlrabe
    https://de.wikipedia.org/wiki/Marc_Wohlrabe

    Von 1992 bis 1995 absolvierte er beim Axel-Springer-Verlag eine Ausbildung zum Verlagskaufmann. 1994 gründete er mit drei Partnern in Berlin den Zeitbank Verlag, mit dem er bis 2003 das auf die Techno- und Clubszene ausgerichtete, monatliche Stadtmagazin FLYER herausgab.
    ...
    Parallel arbeitete er beim Familienunternehmen Jugendfilm-Filmverleih, das 1934 von dem Lehrer und Pädagogen Willy Wohlrabe gegründet worden war. Nach dem Tod seines Vaters Jürgen Wohlrabe übernahm er 1995 das Familienunternehmen in der vierten Generation. 1999 zog er sich aus dem Filmverleihgeschäft zurück.

    Im Jahr 1995 gründete er sein Beratungsunternehmen Steinland Consult.

    Marc Wohlrabe ist Mit-Initiator ... der Clubcommission, ... im erweiterten Vorstand mit den Schwerpunkten Politik und Stadtentwicklung.

    2016 war er Mitinitiator der Konferenz Stadt nach Acht.

    Berliner Söhne (IV): „Wir Wohlrabes sind wie eine Glühbirne“ - SPIEGEL ONLINE
    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/berliner-soehne-iv-wir-wohlrabes-sind-wie-eine-gluehbirne-a-99609.html

    Berührungsängste mit den konservativen Parteifreunden seines Vaters hat Marc Wohlrabe nicht. Er gehörte zu dem Team, das die Idee hatte, Diepgen in dem Werbespot „Diepgen rennt“ wie Lola durch die Hauptstadt flitzen zu lassen.

    Probleme gab es mit dem Familienunternehmen „Jugendfilmverleih“. Zwar hatte sich die Verleihfirma Kassenknüller wie „Harry und Sally“ und „9 1/2 Wochen“ gesichert und besaß seit 1988 sogar die Weltrechte an den gallischen Comic-Helden Asterix und Obelix - dennoch war das Erbe schwierig. Nach dem Tod seines Vaters hat der Filius mit seiner Mutter Irmgard den Berliner Filmverleih zunächst weitergeführt, doch der Rückzug ließ nicht lange auf sich warten. „Die Filmbranche ist ein hart umkämpfter Markt. ’Jugendfilm’ war noch ein mittelständisches Familienunternehmen. Da hätten wir nur aus dritter Reihe mitschießen können. Ich war damals 23 Jahre alt - mit Bernd Eichinger konkurrieren zu wollen, wäre vermessen gewesen“, erzählt Marc Wohlrabe.

    #Berlin #Spandau #Siemensstadt #Wohlrabedamm #Film #Geschichte #Western #Faschismus #CDU #Spaghetti-Western


  • Alexis Tsipras: Sie reagieren nach den Regeln von kriminellen Banden
    http://www.syriza-monachou.de/?p=4736

    Die Korruption war zur Regel zwischen Staat und Großunternehmen geworden.

    Koffer, voll gepackt mit Geld für Regierungsbeamte und politischen Parteien in der Zeit zwischen 2003-2007, aufgedeckt von der deutschen Justiz.

    Das ist ein weiteres Glied in der Korruptionskette, mit dem das alte politische System in Griechenland verbunden war.

    Kriminelle Banden innerhalb der Parteien Neue Demokratie und PASOK «verteilten» im wahrsten Sinne des Wortes das Vermögen des griechischen Volkes.

    Und zwar viele Jahre zuvor, bevor sie uns zur Krise und zu den Memoranden führten.

    Es besteht heute kein Zweifel mehr, dass die Tentakel einer korrupten Bande auf höchster staatlicher und politischer Ebene erstreckt hatte, wenn man die Korruptionsskandalen «im Bereich Waffenbeschaffung«, «Siemens«, «Novartis» und den Schmiergeldzahlungen für die athener U-Bahn betrachtet.

    Die Schmiergeldzahlungen, sogar prozentual festgelegt, steckten jahrelang hinter vielen Projekten und Beschaffungen des griechischen Staates.

    Die Korruption war zur Regel zwischen Staat und Großunternehmen geworden.

    Schwarzgeld wurde mit Bargeldkoffern, Tragetaschen und geheime Konten in Umlauf gebracht.

    So konnte man die Taschen von Staatsbediensteten, Politikern und auch die Kassen der Regierungsparteien erreichen, die nach Mafia-Regeln agierten.

    Diese Situation, für die es Verantwortliche gibt, erklärt die Reaktionen einiger Vertreter des alten und korrupten politischen Systems.

    Sie reagierten panikartig nach der Aufdeckung des Novartis-Skandals, das derzeit aktuell in Griechenland untersucht wird. Klagen und Drohungen gegen Staatsanwälte und Schutzzeugen, Klagen gegen Minister, sogar gegen den Premierminister, Bürgerkriegsrhetorik und Klagen gegen Verschwörung.

    Es handelt sich um Reaktionen, die normalerweise von kriminellen Banden bekannt sind.

    Ziel ist es, die Justiz, die Regierung und die Zeugen einzuschüchtern, damit ihre kriminellen Handlungen im Dunkeln bleiben.

    Die «Dunkelheit» haben wir aber längst beendet.

    Griechenland wird nicht mehr in Bargeldkoffern, Tragetaschen und geheime Konten schlummern.

    Die Regierung und ich persönlich werden bis zum Ende darauf bestehen, dass in allen Bereichen alles ans Licht kommen muss.

    Damit die Schuldigen ihre Taten verantworten müssen und die Unschuldigen jeden Schatten des Misstrauens los werden.

    Das erschütterte Vertrauen des griechischen Volkes zu denen, die es mit Regierungsaufgaben beauftragt, muss wiederhergestellt werden.

    Quelle: Die Zeitung der Redakteure http://www.efsyn.gr/arthro/antidroyn-me-oroys-symmorias-gia-na-meinei-i-drasi-toys-sto-skotadi


  • Missing Link : Der Kampf um die Glasfaser, oder : Der verpasste Breitbandausbau in Deutschland | heise online
    https://m.heise.de/newsticker/meldung/Missing-Link-Der-Kampf-um-die-Glasfaser-oder-Der-verpasste-Breitbandausbau-i
    Pourquoi après trente ans d’efforts il y a toujours des endroits en Allemagne où il l’internet n’est accessibe que par satellite.

    Unter Bundeskanzler Helmut Schmidt sollte die Bundesrepublik ab 1985 verkabelt werden. 30 Jahre wurden damals für den Glasfaserausbau veranschlagt. Hätte die Kohl-Regierung dies nicht gestoppt, sähe die Netz-Infrastruktur Deutschlands heute anders aus.

    Die SPD-geführte Regierung unter Kanzler Helmut Schmidt wollte Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre frühzeitig den Glasfaserausbau vorantreiben. Wie die Wirtschaftswoche nach Sichtung des Bundesarchivs berichtete, wurde in einer Kabinettssitzung vom April 1981 beschlossen, dass man langfristig den „zügigen Aufbau eines integrierten Breitbandglasfasernetzes“ vorantreiben werde.
    „Missing Link“

    Was fehlt: In der rapiden Technikwelt häufig die Zeit, die vielen News und Hintergründe neu zu sortieren. Am Wochenende wollen wir sie uns nehmen, die Seitenwege abseits des Aktuellen verfolgen, andere Blickwinkel probieren und Zwischentöne hörbar machen.

    Mehr zum Feuilleton „Missing Link“

    Die Verkabelung von Westdeutschland mit Glasfaser sollte über 30 Jahre hinweg erfolgen. Die CDU-geführte Regierung Kohl stoppte die Pläne. Rechnet man den zusätzlichen Glasfaser-Bedarf nach der Wiedervereinigunghinzu, hätte Deutschland bis 2020 das modernste Glasfasernetz haben können.
    Grundsatzentscheidungen

    „Sobald die technischen Voraussetzungen vorliegen, wird die Deutsche Bundespost aufgrund eines langfristigen Investitions- und Finanzierungsplanes den zügigen Aufbau eines integrierten Breitbandglasfasernetzes vornehmen“, heißt es im Protokoll der Kabinettssitzung vom 8. April 1981 (Aktenzeichen B 136/51074). Der Plan sah vor, dass jedes Jahr ein Dreißigstel der alten Bundesrepublik verkabelt werden sollte. Insgesamt rechnete man mit Kosten von drei Milliarden DM.

    Das ehrgeizigste Infrastrukturprojekt der BRD wurde nicht verwirklicht. Mitunter wurden nur Leerrohre verlegt. Die nachfolgende CDU-Regierung beschloss, in ausgewählten Regionen TV-Kabelnetze zu installieren, für die Kommunikation setzte man auf die gerade entwickelte ISDN-Technik in Verbund mit dem herkömmlichen Kupferdraht. Wo liegen die Gründe für die verpasste Chance?
    Missing Link: Der Kampf um die Glasfaser, oder: Der verpasste Breitbandausbau in Deutschland

    Schaut man auf die Rahmenbedingungen, so findet man eine Grundsatzdiskussion über die „Neuen Medien“, die seit Mitte der 70er Jahre in Westdeutschland geführt wurde. Dutzende von Büchern wurden geschrieben, mehrere Expertenkommissionen tagten und verfassten dicke Forschungsbände, Industrieverbände betrieben emsig Lobbyarbeit für Bildschirmtext, Video/Kabeltext und Kabelfernsehen. Verlegerverbände warben für das – natürlich von ihnen zu betreibende – Lokalfernsehen und für Pay-TV, Lehrerverbände warnten vor der Verblödung und Gewerkschaften vor dem Verlust von Arbeitsplätzen. Die „Neuen Medien“ wurden in den höchsten Tönen gelobt, aber es gab auch Bücher wie „Schöne elektronische Welt: Technik der totalen Kontrolle“.
    „Gesellschaftlich wünschenswertes technisches Kommunikationssystem“

    Als Startpunkt kann man die Regierungserklärung vom Januar 1973 nehmen, in der Bundeskanzler Brandt eine „Kommission für den Ausbau des technischen Kommunikationssystems“ (KtK) ankündigte. Ein Jahr später nahm die Kommission ihre Arbeit auf, „Vorschläge für ein wirtschaftlich vernünftiges und gesellschaftlich wünschenswertes technisches Kommunikationssystem“ zu entwickeln.

    Relativ schnell lagen erste Ergebnisse vor: Schon 1974 verkündete die Kommission unter dem SPD-Politiker Horst Ehmke, dass „ein Telefon in jedem Haus möglicherweise die Voraussetzung für die Einführung neuer Medien ist“. Im ersten Bericht von 1975 sind die „Neuen Medien“ aufgeführt: Faksimilezeitung per Fernkopierer, Videotext, Bildschirmtext, Bürofernschreiben (Teletex), lokaler Hörfunk und Fernsehen, Pay-TV, bespielte Datenträger und ein „Verleger-Rückkanal“ finden sich in der Liste.

    Dann heißt es: „Für die verschiedenen Formen des technisch Realisierbaren ist die Installation von Kabelverteilanlagen erforderlich.“ Das sollte in Pilotprojekten getestet werden. Die wichtigsten Feldtests für Bildschirmtext fanden zwischen 1977 und 1988 in Westberlin und in Düsseldorf/Neuss mit 6000 Teilnehmern statt und kosteten rund 100 Millionen DM.
    Staatlich garantierte Netzneutralität

    Im Jahr 1977 veröffentlichten Abschlussbericht geht die KtK von einem „Planungshorizont“ für ein bundesweites Kabel-Kommunikationssystem von „1985 bis zum Jahr 2000“ aus. Mehrheitlich sprachen sich die Mitglieder der KtK dafür aus, „dass neben der deutschen Bundespost auch private Unternehmen nach den Richtlinien der Post als Netzträger auch in den Pilotprojekten zugelassen werden sollen, damit der Innovationsprozess durch die Konkurrenz verschiedener Netzträger gefördert wird“ und so die „wirtschaftlichste Ausgestaltung der Netzträger“ herausgefunden werden kann.
    Missing Link: Der Kampf um die Glasfaser, oder: Der verpasste Breitbandausbau in Deutschland

    Mit dieser Empfehlung biss die KtK bei der Bundesregierung auf Granit. Unter Verweis auf die notwendige gebotene „Netzneutralität“ und die „infrastrukturellen Vorausstzungen der deutschen Bundespost“ sollte allein die Bundespost die Verkabelung Deutschlands betreiben.

    Der avisierte staatliche Netzausbau rief prompt den Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) auf den Plan: „Grundsätzlich wird es für wünschenswert gehalten, dass die Frage geprüft wird, ob in den zukünftigen Kabelsystemen noch ein Mangel bewirtschaftet wird, oder ob die Anzahl der zur Verfügung stehenden Kanäle auch Privatträgerschaften erlaubt. Unter diesen Umständen würde sie [die deutsche Industrie, Anm d. A.] ihren Anspruch anmelden, auch zu den Trägern zu gehören.“
    Informationsverarbeitung, gesellschaftlich gedacht

    Parallel zu diesen Überlegungen, was mit der neuen Verkabelung erreicht werden kann, setzte Ende der 70er Jahre ein Nachdenken darüber ein, wie Informationen verarbeitet werden. Bei der SPD sprach man vom „mündigen Bürger“, die CDU hielt 1978 einen medienpolitischen Parteitag ab und propagierte durch ihren Mediensprecher Christian Schwarz-Schilling die „Bürgerfreiheit“.

    Gemeint war ein Bürger, der sich Pay-TV und Lokalfernsehen kaufen kann. Die Vorstellung der besonderen Mündigkeit war weltweit eingebettet in die Vorstellung des freien Informationsflusses. Dieses Ideal des „free flow of information“ wurde 1977 durch eine UNESCO-Kommission erarbeitet, die später den sogenannten MacBride-Report veröffentlicht. Mündige Bürger holen sich weltweit frei fließende Informationen aus den Quellen, denen sie vertrauen und sie tun dies mit Geräten, die sie souverän einsetzen. Ganz gleich ob Bildschirmtext, Teletex, Telefon- oder Computereinsatz: Die Geräte waren in den damligen Beschreibungen immer spielend einfach zu bedienen.

    Im Jahre 1976 veröffentlichte die Siemens AG die Schrift „Büro 1990: Studie über die Entwicklung von Organisation und Technik“, in der die Vorzüge der Telearbeit in Telehäusern mit schicken Großraumbüros geschildert wird. Dem mündigen Bürger wird die zu ihm passende Arbeitsweise im Telehaus mit einer Art Home Office mit kurzem Anfahrtsweg schmackhaft gemacht.
    „Bildschirmarbeit“, IT-Rationalisierung und Big Brother

    Kritik an diesen Zukunftsvorstellungen über die „Neuen Medien“ kam zuallererst von den Gewerkschaften – und den Grünen , die sich gerade zu einer Partei zusammenrauften. Während die Gewerkschaften vehement gegen die „Bildschirmarbeit“ polemisierten und die dahinter liegenden Effekte der IT-Rationalisierung meinten, sahen die Grünen das große Ganze. Schließlich stand das Symboljahr 1984 vor der Tür und so wurde der geplante Ausbau des Breitbandnetzes mit der Ankunft eines Überwachungsstaates verbunden.

    In einem Gutachten für die Grünen unter dem Titel „Zwangsanschluss ans Informationsnetz der Zukunft mit Neuen Medien“ warnte der Informatiker Wilhelm Steinmüller 1983 eindringlich vor dem Glasfaserausbau. Steinmüller, der 1971 den Begriff der „informationellen Selbstbestimmung“ geprägt hatte, befürchtete den Wegfall von Millionen Büroarbeitsplätzen analog zur Automatisierung in den Fabriken. Bestenfalls blieben ein paar Heimbüroplätze mit Bildschirmtextaufgaben übrig, wenn die „Datenverarbeitung“ dank Universalkabel kommt. Er rief die Grünen auf, gegen die Vernetzung als „Sozialverschmutzung durch Verdatung aller Lebensbereiche“ zu kämpfen.
    Missing Link: Der Kampf um die Glasfaser, oder: Der verpasste Breitbandausbau in Deutschland

    Seit 1982 war die CDU/CSU in der Regierung und änderte die Rahmenbedingungen. Der Ausbau des Glasfasernetzes unter Kanzler Kohl hatte nicht mehr die Priorität wie unter Kanzler Schmidt, doch Steinmüller analysierte beide Parteien und schrieb:

    „Man geht auf beiden Seiten davon aus, dass in den 90er Jahren die Glasfaser sich durchgesetzt haben wird. Ab diesem Jahr beginnen ja schon die ersten Glasfaserverkabelungen, auch bei Schwarz-Schilling (und für militärische Zwecke gibt es jetzt schon bundesrepublik-übergreifende Glasfaserlinien). Kontrovers ist lediglich, ob das zu erwartende Arbeitslosenheer allein mit arbeitspolitischen Maßnahmen (35-Stunden-Woche – so die SPD) oder nur mit zusätzlicher Technologiepolitik (’Nicht diese Technik, oder später, oder anders!’) in den Griff zu bekommen sei. Angesichts der Tragweite dieser Auseinandersetzung reduziert sich der Streit zwischen SPD und CDU um die Kupferverkabelung – hierher gehört dann das Niedersächsische Rundfunkgesetz – als Teilstrategie. 5 Jahre Unterschied: Glasfaserverkabelt wird auf jeden Fall. Es geht im Moment nur darum, ob mit oder ohne zwischengeschobene Kupferverkabelung. Alle Techniker stimmen darin überein, dass die Kupferverkabelung technisch überholt und ökonomisch unsinnig ist. Technisch überholt, weil bereits jetzt die Glasfaser serienproduktionsreif ist: Es fehlen nur noch leistungsfähige Fabriken und vielleicht ein paar Robustheitsgrade bei den Bausteien, die sind übernächstes Jahr erreicht. Die Kupferverkabelung hat einzig und allein den Sinn (nicht Arbeitsplätze zu sparen oder zu bringen!, – sondern) den Privatfunk schneller als nach SPD-Planungen durchzusetzen. Wenn dann die Glasfaserverkabelung eingeführt ist, werden wir sowieso im größten Ausmaß und nach jeder politischen Richtung das Privatfernsehen haben. Der Unterschied beträgt also nur 5 Jahre: die SPD hofft medienpolitisch bis in die 90er Jahre die nötigen Weichen in ihrem Sinne gestellt zu haben. (Hier lediglich möge ihre Hoffnung in Erfüllung gehen!) Dagegen werden durch die Kupferverkabelung voraussichtlich nur wenige Arbeitsplätze geschaffen: Die Kupferkabelindustrie hat derzeit nur 65% Kapazitätsauslastung, sie kann den Produktionsschub gut gebrauchen. Die Glasfaserproduktion, die bereits anläuft, ist sehr viel gefährlicher, was die Arbeitsmarktsituation betrifft, da sie fast vollautomatisiert abläuft, um die nötigen Reinheitsgrade zu erreichen. Die wenigen dabei entstehenden Arbeitsplätze hätten eine makabre Funktion: es sind Arbeitsplätze, deren Produktivität im wesentlichen darin besteht, mehr andere Arbeitsplätze wegzurationalisieren. Glasfaserarbeitsplätze – ihr Produkt ist Arbeitslosigkeit.“
    Von der Glasfaser zurück zum TV-Kabel

    Bekanntlich wurden in der Regierungszeit von Helmut Kohl die ehrgeizigen Verkabelungspläne auf die TV-Verkabelung reduziert. Unter dem Eindruck der zweiten Ölkrise von 1980 als Finanzkrise änderte sich die Einstellung zur Zukunft der Informationstechnologien. Die Breitbandpläne wurden auf den Ausbau des integrierten Sprache- und Daten-Netzes (ISDN) zurückgeschraubt.

    Von den der Debatte um die „Neuen Medien“ blieb im wesentlichen das Privatfernsehen, das Lokalfernsehen und Videotext übrig, während das 1977 angekündigte Bildschirmtext erst 1nach mehreren Anläufen 1983 startete. Etliche Informationsöffnungen wie der Bürgerrundfunk mit seinen offenen Kanälen scheiterten zumeist am erbitterten Widerstand der Verlegerverbände.

    Gleichzeitig änderte sich aber die Szenerie mit dem dem Aufkommen der Homecomputer, dann der Personalcomputer und schließlich der Mailboxvernetzung. Die Wechselwirkung, eine kritische Zeitung für Technik und Naturwissenschaft, brachte 1982 eine Besprechung des Schockwellenreiters von John Brunner und diskutierte die kommende Vernetzung. Das linke Ingenieurkolletiv Wuseltronick gab im Blatt einen Einblick, wie Computer bei der Konstruktion von Windkraft- und Solaranlagen zum Einsatz kommen. Und der Chaos Computer Club wurde an einem Tisch in den Räumen der tageszeitung gegründet. (Detlef Borchers)


  • Bevölkerung: Warum Berlin viele Einwohner, aber kaum Bürger hat | Berliner Zeitung
    https://www.berliner-zeitung.de/berlin/bevoelkerung-warum-berlin-viele-einwohner--aber-kaum-buerger-hat-29

    Hier spricht das wohlhabende Bürgertum. Wolfgang Neuss hatte einmal viel Erfolg mit der Pointe zur Berliner Mauer, dass sie die Arschlöcher aus der Stadt vertrieben hatte. Jetzt sind sie wieder da, errichten Betonschlösser statt Volkspalästen und und wollen eine kleinteilige Bebauung der Innenstadt nach historischem Vorbild. Freibung in Berlin.

    Wenn es nach denen geht, sieht bald ganz Ostberlin so aus, wie das Nikolaiviertel mit Hochhäusern. Toll.

    Das brauchen wir, am besten alles privat finanziert, mit Kaufwohnungen oder Mieten ab 20 Euronen kalt. Nur weiter so, dann ist Berlin bald so attraktiv wie Paris und sogar die gute Maritta kann hier nicht mal mehr in einer Garage pennen, außer sie macht sich an einen Milliardär ran.

    Willkommen in der Weltstadt.

    Maritta Adam-Tkalec - „Warum ist Berlin so dysfunktional?“, fragte vor einiger Zeit der in London erscheinende Economist. Als bedenkliches Symptom der Funktionsstörung erscheint dem weltweit gelesenen Magazin, dass Berlin Deutschland ärmer macht – ohne die Hauptstadt läge das Bruttoinlandsprodukt pro Person um 0,2 Prozent höher. Unvorstellbar in Frankreich, das ohne Paris um 14,8 Prozent ärmer wäre, Großbritannien ohne London um 11,1 Prozent. Berlins wirtschaftliche Schwäche ist einzigartig unter den europäischen Hauptstädten.

    Hinzu kommen die Mühen des Berliner Alltags – die verstörende Unfähigkeit der Verwaltung, dem steuerzahlenden Bürger grundlegende Dienstleistungen auch nur in durchschnittlicher Qualität und Zuverlässigkeit zur Verfügung zu stellen. Zugezogene, vor allem aus dem Süden Deutschlands, erleben erschüttert die schwierigen Verhältnisse.

    Das britische Blatt erklärte es seinen Lesern mit den historischen Brüchen, die die deutsche Hauptstadt zu verarbeiten hatte: War sie vor dem Zweiten Weltkrieg noch ein industrielles Zentrum, verließen viele wichtige Unternehmen die geteilte, isoliert gelegene Stadt. Nach der Wiedervereinigung gab es wenig Gründe zur Rückkehr.

    Inzwischen wächst zwar die Hoffnung, moderne Firmen könnten mit Zukunftstechnologien eine neue wirtschaftliche Basis schaffen. Doch das behebt die Funktionsstörung in der Verwaltung nicht. Deren Hauptursache liegt vor allem in der irritierenden Aufteilung der Zuständigkeiten zwischen Stadt und Bezirken – was das Hin- und Herschieben von Verantwortung ungemein erleichtert. Am Ende haftet keiner.

    Verlust um Verlust

    Doch es gibt eine weitere, weniger leicht erkennbare, historisch erzeugte Ursache: den mehrfachen, für die Stadt jeweils nachteiligen Bevölkerungsaustausch. Anders als in Hamburg oder München konnte kein vergleichbar gefestigtes Bürgertum wachsen, das sich seiner Stadt verbunden und verpflichtet fühlt. Statt Empathie für das große Gemeinwesen, herrschten und herrschen Lieblosigkeit und ideologische Verbohrtheit – diesen Eindruck gewinnen jedenfalls jene wenigen, die sich doch bürgerschaftlich über ihr Kleinquartier (gerne Kiez genannt) hinaus engagieren.

    Dieser berlinspezifische demografische Umstand lässt sich nicht an den üblichen Zu- und Wegzugsstatistiken ablesen, die liefern bestenfalls Anhaltspunkte. Es handelt sich weniger um quantitativ messbare, vielmehr um kulturell spürbare Bewegungen der Stadttektonik.

    Erstens: Sichtbar und von erschütternder Dimension fielen die Vertreibung und der Mord an insgesamt 160 000 Berliner Juden aus. Künstler, Wissenschaftler, Mäzene, Architekten, Designer, Journalisten – eine ganze stadtbereichernde Schicht verschwand im Holocaust, nie zu verwindender Verlust. Graues Mittelmaß ergriff die Herrschaft.

    Ein regelrechter Exodus
    Zweitens: Schon während des Krieges begann die Absetzbewegung der Wirtschaft, man verlagerte alles Wichtige in vermeintlich bombensichere Gegenden im Süden Deutschlands.

    Drittens: Der Befreiung vom Nationalsozialismus folgte ein regelrechter Exodus. Gemeinsam mit Unternehmen wie Siemens, AEG und vielen anderen, verließen die Fachkräfte Berlin – auf rund eine Million wird die Zahl der Abgänge geschätzt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DfG) nahm Sitz in Bonn, die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (heute Max-Planck-Gesellschaft) zog vom Berliner Schloss nach München.

    Wer Karriere machen, etwas werden wollte, ging weg – und nahm unschätzbare Werte mit: Kultur, Wissen, Kompetenzen, auch Zahlungskraft. Das galt zunächst für Ost- wie Westberlin. Wer im Osten noch gezögert hatte, saß ab 1961 dort fest.

    Zuzügler aus Westdeutschland

    Stattdessen zog, viertens, eine andere Spezies massenhaft aus Westdeutschland zu: Wehrdienstflüchtlinge, Leute auf der Suche nach sexueller und Freiheit überhaupt, Kämpfer gegen das (bürgerliche) „Schweinesystem“, viele kreativ und lebensfroh, aber keinesfalls Träger von Bürgerlichkeit.

    Sie nahmen vom Staat, was sie in der Frontstadt leichter bekamen als anderswo, nämlich „Staatsknete“. Ansonsten kümmerten sie sich um den US-Imperialismus, Vietnam und um sich selbst. Das Wort Kommune bezeichnete jedenfalls nicht die Stadt. In der Folge nährten sich 30 Prozent der Westberliner aus dem Sozialtopf oder pflegten als Staatsdiener ein oft geruhsames Leben.

    Die fünfte Welle des Bevölkerungsaustausches setzte nach dem Mauerfall ein. Geschätzt zwei Millionen verließen den Osten wie den Westen auf der Suche nach einem besseren Leben – in Westdeutschland oder in ausländischen Sehnsuchtsorten. Die Bevölkerungszahl sank trotz Zuzugs zum Beispiel aus der ehemaligen Sowjetunion. Wieder eine Schwächung des klassischen Stadtbürgertums.

    Wegzug ins Umland

    Schließlich muss, sechstens, der Wegzug von oft gut verdienenden Familien ins Brandenburger Umland als Aderlass beklagt werden. Ihre Kompetenz, ihr Engagement kommt seither dem Speckgürtel zugute, den Schulen, den historischen Gebäuden, Museen. Auch jetzt ziehen vermehrt junge Familien weg – nach ein paar wilden Jahren suchen Eltern geordnete Verhältnisse. Der Chefredakteur der Zeitschrift Zitty beschrieb jüngst, warum er mit Familie nach München zieht. Er will eine funktionierende Stadt: Schule, Polizei, Infrastruktur…

    Potsdam profitierte enorm vom Zug ins Umland: Es genießt das Engagement neuer Bürgerschaftlichkeit, einschließlich großzügiger Sponsoren. Berlin verweigert sich dem regelrecht und pflegt stattdessen eine Art proletarischen Hochmut. Will ein reicher Bürger der Stadt Millionen schenken, zum Beispiel für ein historisches Gebäude, weist ihm die Politik hochnäsig die Tür.

    Andere konnten sich mit Hartnäckigkeit durchsetzen, wie der Hamburger Wilhelm von Boddien, der Berlin auf den Weg positiven Geschichtsverarbeitung drängte. Wäre ohne sein Engagement und das seiner Verbündeten der Wiederaufbau des Schlosses möglich gewesen und mit diesem ein Kulturzuwachs, wie er Humboldt Forum denkbar erscheint? Gäbe es in der Folge die Chance zur Neufindung der Alten Mitte? Wohl kaum.

    Kein Berliner Stil

    Dort zeigt sich das Desinteresse der Berliner Mehrheit besonders krass. In Bürgerdialogen reden Anwohner über ihr Grün und Parkplätze. Wer dort Historisches ins Spiel bringt, eine kleinteilige Bebauung im früherem Straßenraster, mit Wohnhäusern vorschlägt, wer die namenlose, vage als Rathausforum bezeichnete Ödnis beleben will, der bekommt schnell das Etikett „Fachwerkfraktion“ angeklebt. Das Anliegen wird ins Lächerliche gezogen.

    Als einmal für kurze Zeit ein Berliner Bürgertums erblühte, in der Gründerzeit nach der Reichseinigung 1871, fand sich mangels Lokalpatriotismus kein Berliner Stil. Bauherren verwirklichten sich selbst in wilden eklektizistischen Experimenten: Neo-Romanik, Neo-Gotik, Neo-Renaissance, Neo-Barock.

    Man fing an, Kunst und Kultur aus aller Welt anzusammeln und in Riesen-Museen auszustellen, man strebte danach, dem neuen Bild von nationaler Größe Ausdruck zu verleihen. Um die Stadt ging es kaum – immerhin, Bürger betätigten sich als Mäzene, taten der Allgemeinheit Gutes.

    Partizipation = Blockade

    Wie aber kann die Stadt ihre Zukunft gestalten statt sie bloß kommen zu lassen? Die Studie „Berlin 2030“ des Berlin Instituts für Bevölkerung und Entwicklung vom November 2015 stellt günstige Faktoren ungünstigen gegenüber: Hemmnisse sieht man in der ideologischen Aufladung vieler Debatten über die städtebauliche Entwicklung. Es mangele an städtebaulichen Ensembles – geschlossenen Straßenfluchten und attraktiven Plätzen.

    Bei einem Großteil der stadtbildprägenden Gründerzeitbauten sei die historische Fassadengestaltung zerstört – anders als in Städten wie Paris, Wien oder Leipzig. Andererseits gebe es Freiräume und Freiheiten, die kreative Lösungen befördern. Im Vorwort wird gewarnt: „Partizipation in Berlin darf nicht länger ein Synonym für Blockade sein.“

    Etwas mehr als die Hälfte der heutigen Einwohner ist nicht hier geboren. Auch deshalb appellieren die Autoren der Studie an alle, „die großen und kleinen Unternehmen sowie die Forscher und Repräsentanten aus Kunst und Kultur, die Alteingesessenen, die Neu-Berliner und die Berlin-Liebhaber, am Berlin der Zukunft mitzubauen.“

    Why is Berlin so dysfunctional? - Poor and sexy
    https://www.economist.com/news/europe/21731837-unlike-other-capitals-germanys-drain-rest-country-why-berlin-so

    AT A crossroads in the middle of Tegeler Forst, a wooded part of north-west Berlin, visitors can admire the city’s longest-serving provisional traffic light. Erected in 2013 after a burning car had destroyed the pillar on which the lights were mounted, it was meant to be replaced by a more permanent structure within a few weeks. When a city lawmaker asked the government why, four years later, the lights still had not been fixed, he received an interesting response: owing to changed regulations, calculating whether or not the new structure would fall down had become “very laborious and difficult”. The government would not specify how much longer it would take.

    The traffic-light saga illuminates a wider problem. Berlin, the capital of Europe’s most successful economy, is surprisingly badly governed. The new airport, the city’s biggest flagship project, missed its seventh opening date earlier this year and may not open until 2021, ten years after it was originally supposed to. The jobless rate is among the highest in the country. Schools are dismal. Courts and police are so overworked that hundreds of millions of euros in fines and taxes have not been collected; and the city failed to keep tabs on Anis Amri, the jihadist who killed 11 people with a lorry last Christmas, despite warnings about him three weeks earlier.

    Astonishingly for a capital city, Berlin makes Germany poorer. Without it, Germany’s GDP per person would be 0.2% higher. By comparison, if Britain lost London, its GDP per person would be 11.1% lower; France without Paris would be 14.8% poorer. “Berlin’s economic weakness is unique among European capitals”, says Matthias Diermeier of the Cologne Institute for Economic Research.

    The city’s dysfunction makes everyday life more irksome. In some boroughs the streets are constantly clogged by piles of rubbish, not to mention inexplicable roadworks that make little or no progress. Registering a new car can take weeks, depriving new owners of a means of transport and car showrooms of space for new stock. This summer desperate couples travelled out of town to get married because short-staffed town halls could only offer wedding dates months in the future. “It is hard to escape the impression that Berlin’s government has a certain contempt for its citizens”, says Lorenz Maroldt, editor of the local daily Tagesspiegel, who writes a newsletter chronicling the city’s administrative hiccups.

    Berlin’s woes are partly a consequence of structural changes. Before the second world war the city was an industrial hub. When it was divided by the victorious allies, many firms moved their offices and factories to West Germany. As an anti-communist bulwark, West Berlin was heavily subsidised, but not an attractive place to set up a business. After unification, firms that had re-established themselves in Germany’s southern industrial clusters had little reason to move back. Instead the city attracted bohemians, lured by low rents and large numbers of abandoned factories and warehouses that made ideal artists’ studios or rave venues. These new, hip residents earned little and paid little tax. In 2003 Klaus Wowereit, a former mayor, described Berlin as “poor but sexy”.

    The city’s economic fortunes are improving. A heavy dose of austerity in the early 2000s averted bankruptcy. Startups have moved into the artists’ warehouses, making Berlin the second-biggest European tech hub after London. Its rough-and-colourful image has attracted tourists. The city’s population is growing.

    Yet the bureaucratic dysfunction continues. One culprit is the complex division of responsibilities between the city and its boroughs. This makes it easy for officials to pass the blame for problems back and forth without doing anything about them. (By contrast, cities such as Hamburg or Munich have centralised their administrations to improve accountability.) That the austerity measures were implemented in a slapdash fashion probably did not help either. But the main reason, Mr Maroldt believes, is cultural, going back to Berlin’s historic anti-capitalist and anti-technocratic streak: “We have a deeply held suspicion of anything that smacks of efficiency and competence.” Abandoning that attitude may make life in Berlin easier. For some, no doubt, it will also make it less sexy.

    #Klassismus #Stadtentwicklung #Gentrifizierung #Marketing


  • Steglitzer Kreisel – Wikipedia
    https://de.wikipedia.org/wiki/Steglitzer_Kreisel


    Bald wird sich eine Immobilienfirma über den Wikipedia-Eintrag zum Kreisel hermachen, also legen wir mal einen Sicherungskopie auf #seenthis an ... ;-)

    Der Steglitzer Kreisel ist ein Gebäudekomplex mit Bürohochhaus aus den 1970er Jahren im Berliner Ortsteil Steglitz im südlichen Bereich der Schloßstraße schräg gegenüber dem Rathaus Steglitz.

    Den Hauptteil des Komplexes bildet ein 118,5 Meter hohes Verwaltungsgebäude mit 30 Stockwerken, eines der höchsten Hochhäuser von Berlin, in dem das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf bis Ende 2007 untergebracht war und das seitdem leer steht. Der Kreisel beherbergt zudem noch einen Bus- und U-Bahnhof der BVG, ein Hotel, zahlreiche Ladenlokale sowie ein Parkhaus.

    Inhaltsverzeichnis [Verbergen] 
    1 Planung und Bau
    2 Geschichte des Grundstücks
    3 Kreisel-Affäre
    4 Asbestbelastung
    5 Nutzungsperspektiven
    6 Sonstiges
    6.1 Aussichtspunkt
    6.2 Nutzung als Drehort
    7 Literatur
    8 Weblinks
    9 Einzelnachweise
    Planung und Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
    Mit dem Bau des Kreisels wurde im Jahr 1968 nach Plänen der Architektin Sigrid Kressmann-Zschach begonnen. Die veranschlagten Kosten von 180 Millionen Mark wurden teilweise vom Berliner Senat, teilweise von der Bauträgergesellschaft AVALON der Architektin getragen. Die Bauarbeiten wurden 1974 wieder eingestellt (siehe unten).

    Nachdem zwischenzeitlich bereits über eine Sprengung der Bauruine nachgedacht worden war, wurde das Gebäude im Jahr 1977 von Becker & Kries ersteigert, die den Kreisel für 95 Millionen Mark fertigstellten. Nach Fertigstellung im September 1980 beliefen sich die Baukosten für den Kreisel auf 323 Millionen Mark (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: rund 357 Millionen Euro). Bis zum Verkauf des Sockels im Jahr 2015 befand sich der Steglitzer Kreisel im Eigentum der Gemeinschaft Becker & Kries (Eigentümer des Sockels) und des Landes Berlin (Eigentümer des Turms).

    Da nach Fertigstellung des Hochhauses kein Mieter für die Büros gefunden werden konnte, zog schließlich das Bezirksamt Steglitz dort ein. Die Arbeitsgemeinschaft (Arge) BV: Steglitzer Kreisel bestand aus den Unternehmen Anton Schmittlein Bauunternehmung, Wiemer & Trachte, F.C. Trapp, Siemens-Bauunion, Heibus Bauunternehmung und Sager & Woerner (SAWOE).

    Es gibt immer wieder das Gerücht, dass im Parkhaus eine Zivilschutzanlage für einen Teil der Angehörigen der amerikanischen Streitkräfte eingebaut wurde. Die Architektin Kressmann-Zschach hatte eine derartige Anlage auch im Zusammenhang mit ihrem Projekt „Kudamm-Karree“ erstellt.

    Geschichte des Grundstücks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
    Das heutige Grundstück des Steglitzer Kreisels war früher der südliche Teil des Gutsdorfes Stegelitz, das sich bis zum Bau der ersten gepflasterten Straße Preußens 1792 in einer abgelegenen Randlage befand. Hier standen vier Häuser.[3] 1801 kaufte Carl Friedrich von Beyme das Gutsdorf und hob 1806 die Erbuntertänigkeit der Bauern auf, sodass das Gelände zu Bauernland wurde.[4]

    Im Jahr 1828 oder 1831 gründete Carl Stephani an der Albrechtstraße einen Gasthof.[3] Im Juni 1840 wurde auf seinem Gelände auch das Steglitzer Eisenbahn-Theater eröffnet. Auf der in einem achteckigen Holzhaus eingerichteten Bühne wurden Lust- und Singspiele aufgeführt, unter anderem gastierte hier der damals berühmte Karl Unzelmann. Das Theater bestand nur zwei Jahre lang.[5]

    Die Gastwirtschaft wurde ab 1863 von Karl Friedrich Wilhelm Albrecht übernommen und unter dem Namen Albrechtshof weitergeführt.[3] Nach einer Quelle soll bereits in diesem Jahr sogar „ein Mehrzweckbau mit Hotel, Restaurant und Theater“ erbaut worden sein,[6] vermutlich beschränkten sich die ersten Baumaßnahmen aber auf Gartenhalle und Orchesterbühne.[4] Im Jahr 1871 pflanzte Albrecht eine Eiche, die heute noch steht. Der Albrechtshof wurde erst 1904/1905 durch den Bau des mehrgeschossigen Hauses Schloßstraße 82/83 wesentlich erweitert.[4] Seit 1912 gab es hier auch das Kino Albrechtshof-Lichtspiele mit 700 Plätzen.[7]

    Der übrige Teil des Grundstückes blieb bäuerlich geprägt. Auf einem Foto von 1904 sind die einfachen Bauernhäuser der Berlinickes an der Schloßstraße zu sehen, während hinter der Bahnlinie im Bereich der Berlinickestraße bereits mehrgeschossige Wohnhäuser stehen.[3] Noch 1936 wurden im Albrechtshof von der Gaststätte zwölf Schweine sowie 500–600 Hühner gehalten, Anwohner der direkt gegenüberliegenden Häuser Kuhlighofstraße 3–5 beschwerten sich deswegen über die Geräuschbelästigung und den „Gestank“.[4] Das Kino wurde nach schweren Beschädigungen im Krieg 1948 in vereinfachter Form mit nur noch 480 Plätzen wiedererrichtet und bestand bis 1967.[7] Danach wurden alle Gebäude abgerissen.

    Der Steglitzer Kreisel wurde auf dem Block der ehemaligen Grundstücke Schloßstraße 71–85, Albrechtstraße 1–6, Kuhligkshofstraße 1–25 und Birkbuschstraße 96–98 errichtet, abzüglich eines südlichen Teilbereichs, auf dem die Westtangente gebaut wurde. Die Albrechtstraße und die Kuhligkshofstraße wurden verbreitert und zum Block hin verschwenkt, sodass Platz für eine Vergrößerung des Hermann-Ehlers-Platzes bzw. die Autobahn entstand. Auch die Schloßstraße wurde verbreitert. Lediglich die im Jahr 1871 von Albrecht vor dem Grundstück Schloßstraße 81 gepflanzte Eiche blieb stehen und steht bis heute dort. Die übrigen heute für den Gebäudekomplex verwendeten Hausnummern Schloßstraße 78–82, Albrechtstraße 1–3 und Kuhligkshofstraße 1–4 wurden völlig neu verteilt.[8]

    Kreisel-Affäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
    Das Projekt geriet schon bald nach Baubeginn durch steigende Baukosten in die Schlagzeilen. Im Jahr 1974 musste die Bauträgergesellschaft Insolvenz anmelden, woraufhin die Bauarbeiten eingestellt wurden. Aufgrund einer Bürgschaft in Höhe von 42 Millionen Mark (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: rund 61 Millionen Euro) musste der Senat für die Schulden der Architektin Sigrid Kressmann-Zschach aufkommen. Finanzsenator Heinz Striek (SPD) und Bausenator Rolf Schwedler (SPD) hatten dem Bauprojekt leichtfertig vertraut und die Bürgschaft unterzeichnet. Zudem waren 35 Millionen Mark für die Verkehrsbauten im Kreisel versprochen worden und Mittel bereits geflossen.[9] Die Staatsanwaltschaft ermittelte in diesem Zusammenhang wegen des Verdachts des Betruges gegen die Architektin Sigrid Kressmann-Zschach, musste die Ermittlungen aber im Jahr 1975 ergebnislos einstellen. Ebenfalls ohne Ergebnis musste der parlamentarische Untersuchungsausschuss seine Arbeit einstellen, der gegen Heinz Striek und Rolf Schwedler ermittelte. Striek musste 1975 zurücktreten. Der Oberfinanzpräsident der Oberfinanzdirektion Berlin, Klaus Arlt, der Kressmann-Zschach beruflich half und ihr auch privat nahestand, wurde vom Amt suspendiert.

    Asbestbelastung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
    Im Mai 1990 geriet der Kreisel, inzwischen ein Steglitzer Wahrzeichen, erneut in die Schlagzeilen, da Asbestfunde im Bürohochhaus bekannt wurden. Diese wurden allerdings nur bei auftretenden Schäden und somit auch nur partiell beseitigt. Dieses Verfahren hatte zur Folge, dass bis zum Oktober 2004 ein Gutachten erstellt werden musste, aus dem hervorgeht, dass

    spätestens 2007 Teile des Hochhauses gesperrt werden müssten,
    wegen der Lage der Technikzentrale und der Rettungswege eine Teilnutzung während der Sanierung ausgeschlossen ist,
    die Kosten für eine Sanierung bei 82 bis 84 Millionen Euro liegen würden und
    ein Neubau an anderer Stelle für lediglich 41,5 Millionen Euro möglich wäre.
    Bis zum Juni 2005 wurden zwei weitere Gutachten erstellt. Aus ihnen geht hervor, dass

    der Büroturm Ende 2007 geschlossen werden muss, falls bis dahin keine vollständige Asbestsanierung erfolgt ist und
    die Sanierungskosten sich auf 75 Millionen Euro belaufen werden.
    Die Firma Becker & Kries hat angeboten, die Kosten zu übernehmen und die Sanierung allmählich durchzuführen, wenn der Kreisel weiterhin durch das Bezirksamt genutzt wird.[10]

    Der Leerstand des Steglitzer Kreisels seit 2007 kostet den Berliner Senat jährlich mehr als 700.000 Euro.[11]

    Nutzungsperspektiven[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
    Am 27. Juni 2006 hatte der Berliner Senat beschlossen, das Bürohochhaus aufzugeben und die dort beschäftigten Mitarbeiter des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf in anderen landeseigenen Immobilien unterzubringen.[12] Zum 23. November 2007 ist das Haus daher geräumt worden. Die zwei Jahre dauernden Sanierungsarbeiten hätten 2009 beginnen sollen, nachdem die Berliner Finanzverwaltung und der Liegenschaftsfonds nochmals vergeblich versucht hatten, das Gebäude im unsanierten Zustand zu verkaufen.[13] Die weitere Nutzung blieb ungeklärt; neben dem Verkauf an private Investoren ist ein Abriss zwar nicht auszuschließen gewesen, war in der Öffentlichkeit jedoch sehr umstritten.[14][15]

    Im Jahr 2010 überlegte der Senat gemeinsam mit Becker & Kries, den Steglitzer Kreisel im März 2010 auf der internationalen Immobilienmesse in Cannes zum Verkauf anzubieten. Die Kosten für die zuvor nötige Beseitigung des Asbests allein wurden zu diesem Zeitpunkt auf 31,2 Millionen Euro geschätzt.[16]

    Am 11. November 2010 wurde bekannt, dass es zwei Kaufinteressenten gibt: Einer der Interessenten wollte den Kreisel nur saniert kaufen, der andere wollte zwar die Sanierung übernehmen, wollte dafür aber vom Land Berlin eine Kostenbeteiligung.[17]

    Am 11. August 2011 meldete die Berliner Zeitung, dass die Sanierung des Steglitzer Kreisels ab „Sommer nächsten Jahres beginnen und im ersten Halbjahr 2015 abgeschlossen sein“ solle. In einem ersten Schritt hat die Berliner Immobilienmanagement-Gesellschaft (BIM) dazu nach einer Ausschreibung einen Generalplaner ausgewählt, der die Sanierung managen sollte. Die Arbeitsgemeinschaft K5 Arge Generalplanung Steglitzer Kreisel, zu der Unternehmen aus den Bereichen Hochbau, Haustechnik, Statik und Schadstoffsanierung gehören, bekam daraufhin den Zuschlag für die Planung der Asbestsanierung des Steglitzer Kreisels. Was nach der Sanierung mit dem Bauwerk geschehen solle, blieb allerdings noch offen.[18][19]

    Am 14. Februar 2012 wurde bekannt, dass der Architekt Gert Eckel dem Stadtentwicklungssenator einen neuen Vorschlag zur Nutzung des asbestverseuchten Gebäudes unterbreitet hatte, an dem dieser sich „sehr interessiert gezeigt“ hatte. Demzufolge sollte das Gebäude befristet auf 15 Jahre als kleinräumiges Lagerhaus, für Ateliers von bildenden Künstlern und als Begegnungsstätte der jüdischen Kultur mit Restaurant genutzt werden. Die Außenfassade sollte abends mit Laserlicht und LED-Technik künstlerisch gestaltet werden.[20]

    Anfang 2015 wurde bekannt, dass der Senat plant, den Turm an die CG Gruppe zu verkaufen. Anfänglich gab es dabei Probleme, da die CG Gruppe bereits vorher den Sockel des Turms erworben hatte und an diesem ebenfalls Baumaßnahmen notwendig gewesen wären, sofern eine Asbestsanierung und eine Verbesserung des Brandschutzes stattgefunden hätten. Hätte man den Turm also verkauft, wäre eine Sanierung nicht möglich gewesen. Die CG Gruppe meldete sich als möglicher Käufer, doch anfangs gingen Gerüchte um, wonach die CG Gruppe kein Geld für die Sanierung des Turms hätte.[21] Das hätte dazu geführt, dass der Turm weiterhin unbenutzt bleibt. Später stimmte das Land Berlin dann aber doch dem Erwerb des Turms durch die CG Gruppe zu.[22] Demnach sollen in dem ehemaligen Büroturm über 200 Eigentumswohnungen entstehen. Dafür plant die CG Gruppe eine Komplettsanierung. Der Bau soll im März 2017 beginnen.[23][24]

    Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
    An der Schloßstraße direkt neben dem Steglitzer Kreisel steht die Friedenseiche, ein Berliner Naturdenkmal.

    Aussichtspunkt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
    In der 24. Etage des Kreisels befand sich bis zum 2. November 2007[15] eine Kantine, von der man bei klarer Sicht den freien Blick nach Norden auf die Berliner Innenstadt mit vielen Sehenswürdigkeiten bis an die nördliche Stadtgrenze hatte; von der Cafeteria blickte man in Richtung Südwesten bis zum Hohen Fläming.

    Nutzung als Drehort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
    Das Bürogebäude wurde 1984 als Außenkulisse im Kinofilm Didi – Der Doppelgänger mit Dieter Hallervorden für das fiktive Millionenunternehmen ‚Immer International‘ genutzt.

    Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
    Sabine Weißler (Hrsg.): Über Steglitz der Kreisel. Eine Hochhausgeschichte. Neuauflage, Kulturamt Steglitz-Zehlendorf, Berlin 2012 (Originalausgabe 1998, Heinrich-Böll-Stiftung).
    Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
     Commons: Steglitzer Kreisel – Sammlung von Bildern
    Geschichte des Steglitzer Kreisels
    Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
    Hochspringen ↑ Steglitzer Kreisel bei CTBUH
    Hochspringen ↑ Steglitzer Kreisel bei CTBUH
    ↑ Hochspringen nach: a b c d Steglitzer Heimat, Mitteilungsblatt des Heimatvereins Steglitz e. V., Ausgabe 2/2010
    ↑ Hochspringen nach: a b c d Christian Simon: Vom größten Dorf Preußens – Steglitz im Wandel der Geschichte. Berlin 1997, S. 58/59
    Hochspringen ↑ Klaus-Dieter Wille: Spaziergänge in Steglitz. Haude & Spener Verlag, Berlin 1989, S. 20 f
    Hochspringen ↑ Albrechtstraße. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)
    ↑ Hochspringen nach: a b Albrechtshof-Lichtspiele auf allekinos.de
    Hochspringen ↑ histomap Berlin – Historische und aktuelle Karten im Vergleich
    Hochspringen ↑ Werner van Bebber: In Berlin hat der Filz Tradition. 20. März 2016, archiviert vom Original am 9. September 2016; abgerufen am 9. September 2016 (deutsch).
    Hochspringen ↑ Katrin Lange: Der Steglitzer Kreisel muß bleiben. In: Die Welt, 2. März 2005
    Hochspringen ↑ Steglitzer Kreisel kostet jährlich mehr als 700.000 Euro. In: Berliner Morgenpost, 19. Mai 2012.
    Hochspringen ↑ Asbestsanierung des Bürohochhauses ‚Steglitzer Kreisel‘ (Memento vom 18. Juni 2008 im Internet Archive), Pressemitteilung Nr. 06-048, Senatsverwaltung für Finanzen, Berlin, 27. Juni 2006, bei Archive.org
    Hochspringen ↑ Keiner will den Kreisel kaufen. In: Der Tagesspiegel, 24. Juli 2008
    Hochspringen ↑ Der Kreisel verpackt in 21.000 Kisten. In: Der Tagesspiegel, 17. Oktober 2007
    ↑ Hochspringen nach: a b Berliner Abendschau, 1. November 2007
    Hochspringen ↑ Steglitzer Kreisel im Angebot. In: Der Tagesspiegel, 28. Januar 2010
    Hochspringen ↑ Steglitzer Kreisel interessiert nur noch zwei Investoren. In: Der Tagesspiegel, 11. November 2010
    Hochspringen ↑ Ulrich Paul: Nach der Asbestsanierung droht der Abriss. In: Berliner Zeitung, 10. August 2011
    Hochspringen ↑ Planung der Asbestsanierung beginnt. In: Berliner Morgenpost, 11. August 2011
    Hochspringen ↑ Steglitzer Kreisel: Ein Licht-Kunstwerk für 15 Jahre. In: Der Tagesspiegel, 14. Februar 2012
    Hochspringen ↑ Steglitzer Kreisel: Unternehmer und Senat kämpfen um Hochhaus und Sockel. In: Der Tagesspiegel, 23. Januar 2015
    Hochspringen ↑ Steglitzer Kreisel: Im Büroturm sollen Wohnungen entstehen. In Berliner Zeitung, 27. Februar 2015
    Hochspringen ↑ CG Gruppe: Immobilie City Tower
    Hochspringen ↑ Ralf Schönball: Berliner Bausünden: Steglitzer Kreisel soll Wohnturm werden. In: Tagesspiegel. 12. Juli 2016; abgerufen am 13. Juli 2016.


  • Zehlendorfer Schüler diskutieren mit Bundestagskandidaten | StadtrandNachrichten
    http://www.stadtrand-nachrichten.de/zehlendorfer-schueler-diskutieren-mit-bundestagskandidaten

    Auf dem Podium des Werner-von-Siemens-Gymnasiums hatten Platz genommen Franziska Brychcy (Linke), Urban Aykal (B90 die Grünen), Dr. Ute Finckh-Krämer (SPD), Thomas Heilmann (CDU), Roman Rogat (FDP) und Stefan Kröger (AfD).

    Besonders Jugendlichen fällt es nicht immer leicht, sich einen Überblick über die verschiedenen politischen Themen und Interessen zu verschaffen und sich für eine Partei zu entscheiden. Darum lud das Werner-von-Siemens-Gymnasium in Nikolassee anlässlich der anstehenden Bundestagswahlen Vertreter verschiedener Parteien zu einer Podiumsdiskussion ein. Zwei Stunden lag stellten sich die Politiker den Fragen der Jugendlichen.

    Warum sollen wir Ihre Partei wählen? Wie stehen Sie zu Ehe für alle? Welchen Weg sollte Deutschland gegenüber der Türkei gehen? Oder, wen würden Sie selbst wählen – Merkel oder Schulz? Diesen und vielen weitere Fragen mussten sich am Mittwoch, 6. September, die Politiker in der Aula der Johannes-Tews-Grundschule stellen. An der Diskussion nahmen die Direktkandidaten für Steglitz-Zehlendorf Franziska Brychcy (Die Linke), Urban Aykal (B90 die Grünen), Dr. Ute Finckh-Krämer (SPD) und Thomas Heilmann (CDU) teil. Den Direktkandidaten der FDP für Steglitz-Zehlendorf, Hartmut Ebbing, vertrat sein Parteikollege Roman Rogat, Direktkandidat für Marzahn-Hellersdorf. Die AfD wurde vertreten von Stefan Kröger, Platz 35 auf der Liste der AfD für das Abgeordnetenhaus Berlin.

    Im Publikum saßen Schüler des 11. und 12. Jahrgangs. Moderiert wurde die Diskussion ebenfalls von einem Schülerteam. Im Mittelpunkt der Diskussion standen die Themen Bildung, soziale Gerechtigkeit, Zuwanderung und Umwelt. Nach jedem Themenblock dürften Fragen aus dem Publikum gestellt werden. Auffällig dabei war, dass die meisten Publikumsfragen an die Linke und die AfD gingen. Wie etwa zum Thema gebührenfreie Bildung. Nachdem Franziska Brychcy von der Linken ihren Standpunkt erläutert hatte, dass Bildung auf jeden Fall für alle, auch unabhängig vom Vermögen der Eltern, kostenlos sein sollte, fragten die Schüler sie, wie die Linken das denn umsetzen wollen. Als mögliche Finanzierungsquelle nannte Brychcy die Millionärssteuer. Das stieß nicht bei allen auf Begeisterung: „Ich will später mal ein erfolgreicher Unternehmer werden!“, meldete sich ein Schüler aus dem Publikum. „Vor allem will ich das, um mir und meinen Mitarbeitern ein Leben in Reichtum zu ermöglichen. Und wenn ich dann höre, wie viel ich von meiner hart verdienten Million abgeben müsste, dann muss ich schon sagen, dass es mich doch sehr demotiviert.“

    Thomas Heilmann von der CDU freute sich seinerseits über die Ansätze der Linken: „Solltet ihr euch damit durchsetzen können, dann würde ich mich darüber sehr freuen, denn ich müsste dann keinen Cent für die Ausbildung meiner Kinder bezahlen“, so Heilmann. „Dabei kann ich es mir leisten. Und ich versteh nicht, warum dafür andere aufkommen müssen.“ Aus seiner Sicht sei dieses Vorgehen nicht zielführend. Der AfD-Politiker, Stefan Kröger, hatte wiederum eigene Vorschläge zum Thema: „Die Zuwanderer kosten unser Land so viel Geld, das könnte man doch viel besser in die Bildung investieren.“ Die Abschiebung beziehungsweise die Nicht-Aufnahme der Flüchtlinge nannte Kröger allerdings als Lösung für die meisten Themen, die bei der Diskussion zu Sprache kamen, sei es Schulsanierung, Mindestlöhne oder Steuern. Dazu meinte der FDP-Politiker Roman Rogat: „Es ist irgendwie schon mysteriös, dass laut AfD jedes Problem in Deutschland mit Zuwanderung zu tun hat.“ Daraufhin gab es lauten Beifall aus dem Publikum.
    Islamunterricht an Schulen – ja oder nein?

    Besonders lebendig wurde die Diskussion beim Thema Islamunterricht an deutschen Schulen. Während die AfD den Islamunterricht „in private Hände“ legen würde, waren sich alle anderen Parteien einig, dass es auf keinen Fall geschehen sollte. Der Grünen-Politiker Urban Aykal brachte es so auf den Punkt: „Wenn die Kinder Islamunterricht in der Schule erhalten, dann wissen wir, dass dieser Unterricht von qualifizierten Lehrkräften gegeben wird und nicht von irgendwelchen komischen Typen, die wir nicht kennen und auf die wir keinen Einfluss haben.“

    Überhaupt wurde viel über Zuwanderung und Integration gesprochen. Auf die Frage, wie die Zuwanderung in Zukunft funktionieren sollte, stieß vor allem die Antwort der FDP auf große Zustimmung aus dem Publikum. Nach Rogat soll es in Zukunft ein „richtiges Zuwanderungsgesetz“ mit „drei Türen“ geben: Asyl, Flucht und Einwanderung. Und diese sollen dann „ganz klar geregelt sein“. Dass es bereits entsprechende Gesetze gebe, warf der CDU-Kandidat Heilmann ein und ergänzte, dass diese bisher allerdings nicht in einem Gesetzt vereint seien.

    Auf das Thema der Schulsanierung in Berlin gingen die Schüler wenig ein, stattdessen stellten sie Fragen zu Massentierhaltung, zu Subventionen an die Fleischindustrie und ob die anwesenden Politiker für oder gegen die Legalisierung von Cannabis sind.

    Am Ende durften die Politiker noch einen letzten Appell an die Jugendlichen richten. Dr. Ute Finckh-Krämer von der SPD legte denjenigen ans Hetz, die schon 18 sind, unbedingt wählen zu gehen. Die Grünen betonten an der Stelle noch einmal, dass sie sich für Wahlrecht ab 16 einsetzen und die CDU wies die potenziellen AfD-Wähler darauf hin, dass die AfD keine halbe FDP sei, wie sie sich selbst gerne darstelle.
    „Jetzt weiß ich, wen ich nicht wählen würde“

    Die Schüler selbst empfanden die Podiumsdiskussion als informativ. „Es war interessant, die Politiker hier zu erleben. Es ist ja doch etwas anderes, ob man etwas liest oder ob man es von den Leuten selbst hört.“, sagte ein Schüler nach der Veranstaltung. Auf die Frage, ob die Diskussion ihm geholfen habe, seine Wahlentscheidung zu treffen, meinte er, er wisse jetzt, wen er nicht wählen würde. Aber auch das sei ja bereits hilfreich.

    #Berlin #Zehlendorf #Politik


  • Statoil Buys Half of $1.4 Billion EON German Wind Project - Bloomberg
    http://www.bloomberg.com/news/articles/2016-04-25/statoil-buys-50-stake-in-1-4-billion-eon-german-wind-project

    Statoil ASA, Norway’s biggest oil company, bought a 50 percent stake in EON SE’s Arkona offshore wind farm, entering the German market and widening its renewable-energy portfolio as it scales back its funding for traditional fossil-fuel projects.
    Statoil and EON will invest more than 1.2 billion euros ($1.4 billion) in the project, which lies 35 kilometers (56 miles) off the German island of Ruegen, the Stavanger-based company said in an e-mailed statement. Electricity production is scheduled to start in 2019 and will power as many as 400,000 households, it said. Siemens AG will supply the turbines.

    #Rügen


  • Auf den Spuren der Fans von Friedrich Karl
    https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Karl_von_Preu%C3%9Fen_%281828%E2%80%931885%29

    Preußen hat viele Helden, die meisten sind namenlose Opfer, die auf Schlachtfeldern aus neun Jahrhunderten verrotten. Es gibt natürlich auch A-Helden mit Promistatus, manche sogar schon zu Lebzeiten, und werden von echten Preußen-Fans verehrt. Prinz Friedrich Karl Nikolaus von Preußen (* 20. März 1828 † 15. Juni 1885) ist so einer, echter A-Promi, überlebender Held mehrerer Kriege und massiv im Straßengedächtnis der Hauptstadt präsent.

    In den Gründerjahren und in den folgenden Großen Zeiten widmen ihm seine Fans zahlreiche Straße, Plätze und Denkmäler, und seine Helfershelfer gehen auch nicht leer aus. Allein mit Gedenkorten für dieser Mischpoke kann man mehrere Tage Stadrundfahrt bestreiten. Hier gebe ich einen kleinen Eindruck davon als kommentierte Materialsammlung.

    St. Peter und Paul (Berlin-Wannsee), Nikolskoer Weg 17, 14109 Berlin
    https://www.google.de/maps/place/St.+Peter+und+Paul/@52.4246333,13.115326,17z/data=!3m1!4b1!4m2!3m1!1s0x47a8589f70e949a1:0xf470b8b3e9c07fcb


    https://de.wikipedia.org/wiki/St._Peter_und_Paul_%28Berlin-Wannsee%29
    Die Kirche hat eine wunderbare Lage und beherbergt das Grab von Friedrich Karl.

    http://www.kirche-nikolskoe.de/hauptFrameset.htm

    Trotz aller politischen Umschwünge und der vergangegen Zeit sind dem Berliner Herrn Karl (https://seenthis.net/messages/730635) immer noch mehrere Straßen der Hauptstadt gewidmet:

    Ab 1895 gönnen sich die Tempelhofer ihre Friedrich-Karl-Straße .
    https://berlin.kauperts.de/Strassen/Friedrich-Karl-Strasse-12103-Berlin
    Verlauf: von Manteuffelstraße und Attilaplatz bis Tempelhofer Damm und Ordensmeisterstr, Hausnummern ab Manteuffelstraße rechts gerade, links ungerade.


    Die Bürger von #Reinickendorf können 1898 nicht dahinter zurückstehen und widmen ebenfalls eine Friedrich-Karl-Straße ...
    https://berlin.kauperts.de/Strassen/Friedrich-Karl-Strasse-13403-Berlin
    ... östlich der heutigen Ollenhauerstraße bis zu Blankestraße und Reuterstraße. Über Hausnummern braucht man hier nichts zu wissen, denn es gibt nur eine kltzekleine Friedrich-Karl-Straße, kaum 100 Meter lang.

    In Mitte ist es seit dem 13.10.1949 vorbei mit der Prinz-Friedrich-Karl-Straße. Am 30.4.1899 wird sie verhältnismäßig spät dem Prinzen gewidmet und nach dem Ende des letzten preußisch-österreichischen Gemetzels zur Geschwister-Scholl-Straße umbenannt.
    http://berlingeschichte.de/strassen/bez01h/p508.htm

    Wer Friedrich-Karl sagt, muß auch Düppel sagen.

    Friedrich Karl kaufte 1859 das Bauerngut Neu-Zehlendorf. Es erhielt 1865 wegen seiner Siege gegen Dänemark die Benennung Rittergut Düppel. Schloss Glienicke (Klein Glienicke) war die Sommerresidenz des Prinzen.

    Damit wären wir bei der Düppelstraße in #Steglitz, die bereits vor 1878 den großen Sieg des Preußenprinzen feiern. Am 18.4.1864 läßt der im Deutsch-Dänischen Krieg von seinen Truppen die Düppeler Schanzen stürmen. Etwa 1000 Tote, 1500 Verwundete und 3500 Gefangene bezahlen dort für dänischen Größenwahn und für die Konsolidierung des preußischen Reiches.
    https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCppeler_Schanzen


    https://berlin.kauperts.de/Strassen/Dueppelstrasse-12163-Berlin
    Verlauf: von Albrechtstraße am Hermann-Ehlers-Platz bis Alsenstraße und Florastraß. Alle Hausnummern ab Albrechtstraße liegen meines Wissens auf der nordwestlichen Seite, denn südöstlich verläuft direkt daneben zur Freude der Anwohner die Westtangente , über die eine eigene Geschichte zu schreiben wäre.

    ... und der Düppelstraße in #Zehlendorf „Mitte“, die ebenso früh benannt wurde - was wundert’s, liegt doch das Gut Düppel um die Ecke.
    https://berlin.kauperts.de/Strassen/Dueppelstrasse-14163-Berlin
    Verlauf: von Potsdamer Straße bis Anhaltinerstraße und Beuckestraße an der Wannseebahn, Hausnummern ab Potsdamer Straße rechts ungerade, links gerade

    Prinz Friedrich Karls Propagandaabteilung macht sich nach der Schlacht dann richtig an die Arbeit und produzierte Denkmäler und Mythen dass es nur so kracht.

    Souvenir, Souvenir
    https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCppeler_Schanzen#Erinnerung

    Von den erbeuteten 119 dänischen Geschützen hängen 20 seit 1873 an der untersten Trommel der Berliner Siegessäule.

    Die kann man sich am Großen Stern in #Tiergarten ansehen.
    https://berlin.kauperts.de/Strassen/Grosser-Stern-10557-Berlin?query=Gro%C3%9Fer+Stern+

    Der Große Stern wurde unter Kurfürst Friedrich III. (ab 1701 Friedrich I., König in Preußen) um 1698 durch den Hofjäger Hemmrich angelegt. Sechs Alleen bilden mit der Landstraße nach Charlottenburg einen achtstrahligen Stern. Vormals als achtstrahlige Waldlichtung zum Auftrieb des Wildes entworfen, diente er später als Ruhe- und Rastpunkt für Postkutschen. Im Zusammenhang mit dem Ausbau der Charlottenburger Chaussee wurden der Platz und die Umgebung nach 1740 umgestaltet. Schließlich gestalteten Knobelsdorff und Lenné den „Stern“ zu einem repräsentativen Platz aus, der dann aber fast 200 Jahre lang ein bescheidenes Dasein fristete. Im Zuge der Speerschen Planung für die Reichshauptstadt „Germania“ avancierte er dann zum „Dreh- und Angelpunkt“ der Ost-West-Achse.


    Übrigens - kennen Sie Margarete Drake? Na klar, ganz einfach, links oben im Bild steht sie.

    Weil Pummelinchen auf der Steinsäule allein noch keine Heldengeschichte hergibt, beauftragt man den Bildhauer Alexander Calandrelli mit einem Stück Heldenverherrlichung.
    Der macht seine Sache supergut und bekommt noch zu Lebzeiten eine Straße in #Lankwitz, wo er wohnt.
    https://berlin.kauperts.de/Strassen/Calandrellistrasse-12247-Berlin


    Sie verläuft von der von Gärtnerstraße, wo man die pompöse Siemens-Villa besichtigen kann, bis zur Leonorenstraße. Die ungeraden Hausnummern liegen ganz einfach ab Gärtnerstraße auf der rechten Seite und die geraden immer links gegenüber.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Siegess%C3%A4ule#Reliefs_des_Sockels

    Das Relief Auszug der Truppen und Erstürmung der Düppeler Schanzen von Calandrelli an der Westseite des Sockels bezieht sich auf den Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 (laut Meyers Lexikon „das beste der vier Reliefs“). Einige Figuren des Reliefs lassen sich als historische Personen identifizieren: Teilansicht 1, Gruppe links oben: Ferdinand Heinrich August Knerk (Staatsbeamter), Johann Heinrich Strack (Architekt), Heinrich Ludwig Alexander Herrmann (Technische Oberleitung) – sie waren für den Bau der Siegessäule verantwortlich. Rechts daneben der Prediger Wilhelm Hoffmann. Teilansicht 3, Bildmitte: Generalmajor Eduard von Raven, er starb nach einer Verwundung beim Sturm auf die Düppelner Schanzen. Teilansicht 4, links unten: Pionier-Leutnant Lommatzsch fiel als Fahnenträger beim Angriff.

    Den Sieg über Dänemark schreibt die Preußenpropaganda noch einem anderen Carl zu. Carl Klinke könnte auch Kamikaze-Carl heißen, wenn man den falschen Heldenlegenden glaubt.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Klinke

    Während der Schlacht an den Düppeler Schanzen im Deutsch-Dänischen Krieg soll #Carl_Klinke, mit einem 30 Pfund schweren Pulversack beladen, gegen das dänische Bollwerk der Schanze II gelaufen sein, ein Loch in die Palisadenwand und damit sich selbst in die Luft gesprengt haben. Es wird überliefert, er habe dabei gerufen: „Ick bin Klinke. Ick öffne dit Tor.“
    ...
    Auf jeden Fall hat #Theodor_Fontane mit seinem Gedicht „ Der Tag von Düppel“, geschrieben am 5. Mai 1864, publiziert 1866, einen sehr großen Anteil an dem Bild, das die nächsten 80 Jahre in der Öffentlichkeit und in den Schulbüchern von der Schlacht um die Düppeler Schanzen gezeichnet wurde.

    Noch 1937 profitieren die Spandauer Nazis vom ollen Klinke, der das Tor aufmacht, und widmen ihm den Klinkeplatz . Ein paar Jahre später geben dann junge Flieger und Schulkinder den Kamikaze-Klinke in der Schlacht um Berlin.


    https://berlin.kauperts.de/Strassen/Klinkeplatz-13585-Berlin
    Er liegt an an Schönwalder Allee, Hohenzollernring und Fehrbelliner Tor und man braucht ihn wirklich nicht zu kennen, denn er hat weder Hausnummern noch Postadressen. Vielleicht heißt er deshalb noch immer so.

    Die Prominez von Friedrich Karl hat seit 1945 gelitten, und vielleicht ist es ganz gut so, daß heute nicht mehr Schlachtenlenker und opfermütige Fähnriche Vorbild fürs Jungvolk sind.

    So wird ganz unpreußisch im Jahr 1954 Friedrich Karls „Jagdschloß“ abgerissen und die Revierförstere Dreilingen an seine Stelle gebaut. An der Adresse Stahnsdorfer Damm 3, nahe des S-Bahnhof Wannsee befindet sich heute die Waldschule Zehlendorf.
    https://www.google.de/maps/place/Waldschule+Zehlendorf/@52.4178896,13.177434,18z/data=!4m5!1m2!2m1!1sRevierf%C3%B6rsterei+Dreilinden+Stahnsdorfer+Damm+3!3m1!1


    Hier kann man die Rundfahrt zu Preußens und Co. mit einem Spaziergang im Grünen oder einer Einführung in die Forstwirtschaft abschließen, vielleicht hat man vorher noch das Grab Heinrich von Kleists besucht, bevor man im Loretta am Wannsee Keffee und Kuchen oder ein deftiges Abendessen genießt.

    #Berlin #Wannsee #Tempelhof #Spandau #Hakenfelde #Dreilinden #Calandrellistraße #Klinkeplatz #Straßenumbenennung #Geschichte #Kamikaze #Militarismus #Berliner_Adressen


  • US launched failed Stuxnet attack against North Korea in 2010

    http://rt.com/usa/263369-north-korea-us-stuxnet

    US spies tried to infect North Korean computers with Stuxnet, the same virus used to disrupt Iran’s nuclear centrifuges, but the attack was not successful, intelligence officials familiar with the campaign admitted to Reuters.
    [...]
    According to one US intelligence source, Stuxnet’s developers produced a related virus, activated upon encountering Korean-language settings on an infected computer.
    [...]
    Experts interviewed by Reuters said that North Koreans used the same systems as Iran, with P-2 centrifuges obtained by Pakistani nuclear scientist A.Q. Khan. In all likelihood, they said, the North Koreans used the same control software developed by Siemens AG, and ran Microsoft’s Windows operating system. Stuxnet took advantage of vulnerabilities in both the Siemens and Microsoft software.
    [...]
    The revelations come as defector Kim Heung-Kwang told the BBC that North Korea had an army of 6,000 hackers and was creating its own malware based on Stuxnet.

    The original Reuters announcement:
    http://www.reuters.com/article/2015/05/29/us-usa-northkorea-stuxnet-idUSKBN0OE2DM20150529

    #hacking
    #kaspersky
    #cyberwarfare #cyberguerre


  • Gazoduc South Stream : l’allemand Siemens livrera des équipements | Économie | RIA Novosti
    http://fr.ria.ru/business/20140404/200912024.html

    Le groupe allemand Siemens fournira des équipements pour le tronçon sous-marin du gazoduc South Stream conformément à un contrat signé avec South Stream Transport B.V., a annoncé le groupe public russe Gazprom dans un communiqué.

    « South Stream Transport B.V. et Siemens AG ont signé un contrat sur la livraison de systèmes électrotechniques et de contrôle pour le tronçon sous-marin du gazoduc South Stream. Aux termes du contrat, Siemens AG livrera des équipements de télécommunications et des systèmes de contrôle automatique et de gestion pour les points d’arrivée à terre du gazoduc en Russie et en Bulgarie ainsi que des équipements pour les salles de contrôle centrale et de réserve de la société South Stream Transport », lit-on dans le communiqué.

    Gazprom ne précise pas le montant du contrat.

    Le gazoduc South Stream

    D’une capacité de 63 milliards de m³ de gaz par an, le projet South Stream est appelé à réduire la dépendance des fournisseurs et des consommateurs vis-à-vis des pays transitaires, en l’occurrence l’Ukraine. Le gazoduc, qui comprendra quatre conduites de 15,75 milliards de m³ chacune, doit atteindre sa pleine capacité en 2018. Une partie du pipeline passera par le fond de la mer Noire, dans les eaux territoriales turques, et reliera le littoral russe au littoral bulgare.

    Le projet est financé par le russe Gazprom (50%), l’italien Eni (20%), Wintershall et EDF (15% chacun)

    #Gazprom
    #Gazoduc-South-Stream
    #Siemens-AG
    #Gazprom (50%), l’italien #Eni (20%), #Wintershall et #EDF (15%
    #mer-Noire
    #Turquie
    #Russie
    #Bulgarie
    #Ukraine

    • Une partie du pipeline passera par le fond de la mer Noire, dans les eaux territoriales turques, et reliera le littoral russe au littoral bulgare.

      Justement, avec l’annexion de la Crimée, la Russie va peut-être pouvoir revoir le tracé et faire des économies :) Ils avaient fait un accord avec la Turquie justement parce que l’Ukraine avait refusé l’utilisation de leur plateau continental à l’époque.


  • L’allemand Siemens investira plus d’un milliard d’euros en Russie | Économie | RIA Novosti
    http://fr.ria.ru/business/20131011/199532124.html

    Le consortium allemand Siemens AG continuera d’investir en Russie en dépassant le montant d’un milliard d’euros prévu pour 2013-2015, a déclaré vendredi à Touapse (littoral russe de la mer Noire) le président de Siemens AG Joe Käser, lors d’une rencontre avec le président russe Vladimir Poutine.
    « Il est toujours difficile d’investir le premier milliard, mais cela devient plus facile avec le deuxième (…). Nous continuerons d’investir dans l’industrialisation de la Russie, l’efficacité énergétique de l’industrie russe et les technologies médicales. J’estime que nous pouvons élargir notre partenariat pour le bien des habitants de la Russie et de notre consortium bien sûr », a indiqué M.Käser.
    M.Poutine a pour sa part déclaré que le consortium allemand pouvait également coopérer avec les sociétés russes en Allemagne. « Vous avez mentionné le groupe pétrolier Rosneft parmi vos partenaires. Rosneft est déjà actionnaire de quatre entreprises en Allemagne », a rappelé le président russe.

    #Allemagne
    #Siemens
    #Investissement
    #Russie


    • Les #financiers au coin du bois
      Le mercredi 11 avril 2012
      http://la-bas.org/spip.php?page=article&id_article=2764

      http://media.la-bas.org/mp3/120411/120411.mp3

      S’il est élu Monsieur Hollande n’ira sans doute pas au #Fouquet’s, mais le Fouquet’s viendra à lui. Pas pour rire mais pour lui donner sa feuille de route : le Pacte Budgétaire, c’est à dire « la rigueur », la flexibilité du marché du travail, le refinancement des retraites, le dégraissage dans la fonction publique, la « modération » des salaires etc.

      Tout ça au nom de la Crise et de la dette publique. Certes, Monsieur Hollande a dit qu’il renégocierait ce traité. Certes, certes... mais quelques uns ont des doutes. Ils sont dans notre émission d’aujourd’hui qui commence avec un prédicateur du #Marché, un vrai !

      Reportage de François Ruffin.
      Programmation musicale :

      – Ava Carrère : « Valse triste »
      – Yvon Etienne : « L’actionnaire »
      – ZEP : « Pas de baratin »

    • Le plan de bataille des financiers (souvenirs)
      http://www.lesmutins.org/Le-plan-de-bataille-des-financiers.html
      https://vimeo.com/40577072

      Avant l’élections présidentielles, Nicolas Doisy, chief economist à Chevreux (#Crédit_Agricole), nous avait fait part du plan de bataille des financiers en cas de victoire de #François_Hollande aux #présidentielles... Vous vous souvenez ?

      Un sujet de François Ruffin, réalisé par Olivier Azam - Les Mutins de Pangée - Avril 2012 - Avec Fakir et la-bas.org.

      la traduction en Français du Texte de N. Doizy sur Fakir
      Le plan de bataille des marchés (traduction)
      http://www.fakirpresse.info/Le-plan-de-bataille-des-marches.html

      C’est une note de neuf pages, en anglais, rédigée par le « premier broker indépendant en actions européennes ». Dans ce document, que l’on retrouve dans l’intégralité sur le site de Reporterre, on découvre « le plan de bataille des #marchés » si François Hollande l’emportait. En voici une traduction...

    • France’s Hollande Casts Fate With Ex-Banker Macron
      http://www.wsj.com/articles/frances-hollande-casts-fate-with-ex-banker-macron-1425851639
      https://web.archive.org/web/20150317113328/http://www.wsj.com/articles/frances-hollande-casts-fate-with-ex-banker-macron-1425851639

      As the French president shifts away from tax-the-rich policies, Economy Minister Emmanuel #Macron vows to be ‘more confrontational’

      By Stacy Meichtry and
      William Horobin
      Updated March 8, 2015 6:13 p.m. ET

      French Economy Minister #Emmanuel_Macron got an earful in January from U.S. technology and retail executives as they lectured him in a meeting at the Venetian hotel in Las Vegas about France’s inhospitable business reputation.

      [...]

      Mr. Macron juggled his work for Mr. Hollande’s campaign with his duties as an investment banker for Rothschild & Cie. Leveraging connections made through Mr. Attali, Mr. Macron helped arrange Nestlé SA’s $11.8 billion purchase of Pfizer Inc.’s baby-food business.

      The takeover made Mr. Macron wealthy and taught him how to curry favor in a risk-averse corporate culture. “You’re sort of a prostitute,” he says. “Seduction is the job.”

      Meanwhile, Mr. Hollande faced pressure in a tight election campaign to reassure his Socialist Party base. In January 2012, he delivered a barnstorming speech that warned of a “nameless, faceless” menace to France.

      “This enemy is the world of finance,” Mr. Hollande told a cheering crowd. Behind the scenes, he dispatched Mr. Macron to London to reassure investors that the presidential candidate wasn’t a hard-liner.

      The two men clashed when Mr. Hollande vowed to levy the 75% tax on salaries of more than one million euros. Mr. Macron fired off an email to Mr. Hollande, hoping to steer him to a softer stance: “This is Cuba without the sun!”

      After his election, lawmakers approved the tax, and Mr. Hollande stocked his cabinet with left-wing Socialist Party members. Arnaud Montebourg, who regarded government as a guardian against corporate takeovers by foreigners, was named France’s industry minister.

      But in a sign of Mr. Hollande’s determination to balance competing interests, the new president hired Mr. Macron as his deputy chief of staff and primary conduit to the business world.

      Under pressure from the European Union to balance public finances, Mr. Hollande announced €7.2 billion in additional taxes on companies and wealthy people—and then raised the tax bill by €20 billion.
      A business rebellion

      French business owners rebelled. They protested the plan publicly, and layoffs pushed France’s unemployment rate above 10%. Mr. Macron urged Mr. Hollande to change tack, and the president unveiled corporate tax credits of €20 billion in November 2012. Mr. Macron later convinced Mr. Hollande to double the tax breaks despite criticism from the left.

      Mr. Macron also confronted Mr. Montebourg over his attempt to engineer a merger between French engineering firm Alstom SA and German rival Siemens AG. Mr. Montebourg wanted to stop U.S.-based General Electric Co. from buying Alstom’s core turbine business.

      In a June 2013 meeting at the Élysée Palace, Mr. Macron told Mr. Montebourg, who had been promoted to economy minister: “You can block a marriage, but you cannot force a marriage.”

      Mr. Montebourg relented. The next day, the French government backed GE’s proposed $17 billion acquisition. A spokesman for Mr. Montebourg didn’t make him available to comment.