• Kapitel 4: Abflug mit der Interflug :: DDR Museum

    https://www.ddr-museum.de/de/blog/2017/Reise-4

    https://www.ddr-museum.de/application/files/thumbnails/content_image/3815/0753/9051/DDR-Museum-Journey-of-my-life-4-Interflug3.jpg

    https://www.ddr-museum.de/application/files/thumbnails/content_image/8415/0349/3362/DDR-Museum-Journey-of-my-life-4-Interflug.jpg

    Erinnert ihr euch noch an euren ersten Flug? Nachdem Shimelis Vater Ende der 70er Jahre nicht aus dem Krieg Äthiopiens gegen Somalia zurückkehrte, wurde er in einem speziellen Camp für Kinder untergebracht. Jahrelang hoffte er darauf für eine der Delegationen, die ein anderes Land besuchen durften, ausgewählt zu werden. Endlich war es soweit und Shimels wurde in die DDR entsadt. Wie reiste man 1987 von Äthiopien in die DDR? Shimelis erinnert sich noch allzu gut... von Michael Geithner (10.10.2017)

    #ddr #interflug #nostalgie



  • Der lachende Mann - Bekenntnisse eines Mörders (sous-titres en anglais)
    https://www.youtube.com/watch?v=NB9gyyVrbxk

    Kongo-Müller était le Bob Denard teuton.
    https://fr.wikipedia.org/wiki/Siegfried_M%C3%BCller

    Siegfried Müller, né le 26 octobre 1920 à Crossen an der Oder (aujourd’hui Krosno Odrzańskie, en Pologne), mort d’un cancer le 17 avril 1983 à Boksburg (Afrique du Sud)1, également connu sous le nom de Kongo Müller était un officier allemand, qui a combattu dans la Wehrmacht pendant la Seconde Guerre mondiale, puis comme mercenaire aux côtés du major Mike Hoare pendant la crise congolaise.

    D’après des enquêtes plus récentes Siegfried (!) Müller était un nul qui n’a jamais eu d’impact significatif dans les affaires africaines. Dans l’interview avec Gerhard Scheumann et Walter Heynowski il se présente en héro. Le film était interdit en Allemagne de l’Ouestpar la censure anti-communiste.

    cf. Verbringungsgesetz
    https://de.wikipedia.org/wiki/Verbringungsgesetz

    Als der Pazifist Helmut Soeder aus Freiburg den Film Der lachende Mann am 11. September 1966 ein zweites Mal Freunden in Emmendingen zeigen wollte, war die Kriminalpolizei anwesend und machte Soeder darauf aufmerksam, dass er nach dem Verbringungsgesetz verpflichtet sei, Filme aus sozialistischen Ländern dem Frankfurter Bundesamt für gewerbliche Wirtschaft respektive dem Interministeriellen Ausschuss für Ost-West-Filmfragen zur Überprüfung vorzulegen. Dieser klagte vor dem Bundesverfassungsgericht gegen das Gesetz wegen Verstoßes gegen das Zensurverbot. Das Gericht wies die Klage aber ab.

    #Allemagne #Afrique #histoire #fim #documentaire #DDR #censure


  • Inhaltsverzeichnis der Sendemanuskripte Der schwarze Kanal
    http://sk.dra.de/grape/seite6.htm http://sk.dra.de/grape/seite6_1.htm

    Le générique de l’émission (version 2, couleurs)
    https://www.youtube.com/watch?v=Y17nq8i6T-s

    https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Schwarze_Kanal#Verbleib_der_Sendungen

    Erhalten geblieben sind rund 350 der 1519 Folgen des Schwarzen Kanals, die westliche Einrichtungen während der Liveausstrahlung des DDR-Fernsehens aufgezeichnet hatten und sich heute im Besitz des Deutschen Rundfunkarchivs befinden. Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung wurden dieser Mitschnittsammlung die vollständigen schriftlichen Sendemanuskripte der Kommentare Schnitzlers aller Sendungen des Schwarzen Kanals hinzugefügt, die heute auf den Webseiten des DRA als PDF-Dateien abgerufen werden können. 33 Folgen des Schwarzen Kanals sind im Handel auf einer 12-stündigen DVD Box erhältlich.

    La première émission
    https://www.youtube.com/watch?v=KlhNP51Hu1A

    http://sk.dra.de/kanal_pdf/E065-02-04_0001001.pdf

    Nr. 1 21.03.1960
    ohne Titel
    (Inhalt: Ziele der Sendung Der schwarze Kanal; Deutschlandpolitik)
    Signatur: E065-02-04/0001/001
    9 Bl.
    IDNR: 063386

    Nr. 2 28.03.1960
    ohne Titel
    (Inhalt: Spionage; Westberlin; Landwirtschaft; Pressefreiheit)
    Signatur: E065-02-04/0001/002
    20 Bl.
    IDNR: 063389

    Nr. 3 04.04.1960
    ohne Titel
    (Inhalt: Selbstbestimmung; Entspannung; Lesung von West-Professoren)
    Signatur: E065-02-04/0001/003
    10 Bl.

    Nr. 4 11.04.1960
    ohne Titel
    (Inhalt: Außenpolitik; Berlin-Status; Studentendemonstrationen)
    Signatur: E065-02-04/0001/004
    17 Bl.
    IDNR: 063391

    Nr. 5 25.04.1960
    ohne Titel
    (Inhalt: Westberlin; Pariser Konferenz; Landwirtschaft; Deutschland-Plan)
    Signatur: E065-02-04/0001/005
    27 Bl.

    Nr. 6 02.05.1960
    ohne Titel
    (Inhalt: Adenauer-Wahlprogramm; Marktwirtschaft; Deutsche Einheit; Vertreibung)
    Signatur: E065-02-04/0001/006
    18 Bl.

    Nr. 7 09.05.1960
    ohne Titel
    (Inhalt: U-2-Abschuß Türkei; Korea; Vietnam)
    Signatur: E065-02-04/0001/007
    18 Bl.

    #Allemagne #histoire #DDR #propagande #guerre_froide


  • Gesprengt: DDR-Vorzeigebau „Müritz“-Hotel in Klink ist endgültig Geschichte | MDR.DE

    http://www.mdr.de/zeitreise/abriss-ddr-hotel-mueritz-klink-100.html
    http://www.mdr.de/zeitreise/klink-102_v-variantBig16x9_wm-true_zc-ecbbafc6.jpg?version=52918

    Der ehemalige DDR-Vorzeigebau, das Hotel „Müritz“ in Klink, ist am 28. September 2017 endgültig in die Geschichte eingegangen. Der dreiflüglige Plattenbau am Müritz-Ufer wurde gesprengt. Zuletzt hatte das Haus den verstaubten, nicht mehr zeitgemäßen Charme der DDR versprüht, doch einst war es eine Edelherberge des FDGB-Feriendienstes.

    #ddr #allemagne



  • Gesellschaft | Gerhard Weigt: Demokratie Jetzt #Buch #Sachbuch #Ges...
    https://diasp.eu/p/5915519

    Gesellschaft | Gerhard Weigt: Demokratie Jetzt #Buch #Sachbuch #Gesellschaft #Politik #Deutschland #DDR

    Gerhard Weigt erzählt als Zeitzeuge die Geschichte der Bürgerbewegung »Demokratie Jetzt« sowie deren Vorgeschichte, die nicht ganz zufällig mit dem 13. August 1986, dem 25. Jahrestag des Mauerbaus, begann.

    Weiterlesen

    Titelangaben Gerhard Weigt: Demokratie Jetzt. Der schwierige Weg zur deutschen Einheit Leipzig: EVA 2015 520 Seiten, 29,90 Euro


  • 12.08.2017 : Shakespeare und die Mauer
    https://www.jungewelt.de/artikel/316196.shakespeare-und-die-mauer.html
    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/7/77/Berlin%2C_Bernauer_Stra%C3%9Fe%2C_%C3%9Cberblick_2014-07.jpg/1024px-Berlin%2C_Bernauer_Stra%C3%9Fe%2C_%C3%9Cberblick_2014-07.jpg
    Aujourd’hui c’est l’anniversaire de la construction du mur de Berlin. Dans un commentaire le journal Junge Welt essaie d’identifier la signification actuelle de l’événement historique.

    Zum 56. Jahrestag des Beginns des Berliner Grenzwalls

    Von Matthias Krauß

    Glaubenssätze heißen so, weil sie nun einmal nicht zur Debatte stehen. Der 13. August 1961 ist in solche Sätze gleichsam eingemauert. Dieses Datum hat als das ultimative Beispiel für Bosheit und Menschenverachtung der DDR zu gelten. Zwischentöne sollen keine Chance bekommen, aber schon Shakespeare wusste: »Nichts auf der Welt ist so gut, dass sein falscher Gebrauch nicht schädlich wäre, und nichts ist so schlecht, dass die Menschen nicht doch einen Nutzen daraus zögen.«

    Die Ereignisse um den Tag des Beginns der Errichtung des Grenzwalls mitten durch Berlin waren keine bloße Idee des DDR-Politbüros, sondern fußten auf einem Beschluss aller europäischen sozialistischen Staaten, den sie in Moskau gefällt hatten. Auch Polen und Ungarn hatten der »Sicherung der Staatsgrenze« in der DDR zugestimmt. Dieser überaus problematische Schritt beendete eine Situation, die für die Gesellschaft der DDR nicht mehr hinnehmbar war. Sabotage und Spionage hatten die DDR in den 50er Jahren – je nach Quelle – zwischen 30 und 100 Milliarden Dollar gekostet. Seit 1949 war es trotz der Abwanderung Hunderttausender in einer beispiellosen Qualifizierungsanstrengung gelungen, in allen Bereichen der Volkswirtschaft mehr Akademiker und Ingenieure zur Verfügung zu haben – mit Ausnahme des medizinischen Bereichs. Wenn man die Zahl der Ärzte 1949 als 100 Prozent annimmt, so war man 1961 bei 91 angekommen. Dabei hatten die DDR-Universitäten in diesem Zeitraum etwa 20.000 Mediziner ausgebildet.

    Sicher: Die Freizügigkeit kann als sittliches Grundprinzip gelten. Das Recht aller Bürger, nach einem Unfall oder bei Krankheiten medizinisch betreut zu werden, ist aber auch ein sittliches Prinzip. Und der Schutz einer Gesellschaft vor Braindrain, der Abwanderung von Fachkräften, nicht minder. Ein Staat, der unter den hier angedeuteten Zwängen handelt, kann – so oder so – nicht gut aussehen. Was die heutige Aufarbeitungsindustrie aber verschweigt: Es gab 1961 in der DDR-Bevölkerung breite Zustimmung für die Grenzabriegelung. Fast alle renommierten Künstler und selbst der heutige DDR- und Kommunistenhasser Wolf Biermann befürworteten sie zum Teil lautstark.

    Muss man dennoch von den Opfern sprechen? Natürlich. Aber glaubwürdig wären Deutschlands »Aufarbeiter« nur, wenn sie den Tausenden, die in der gleichen Zeit allein für die Aneignungs- und Machtinteressen der BRD mit dem Leben bezahlt haben, ein ähnliches Gewicht geben würden wie den nach neuesten Zahlen 140 »Mauertoten«. Und wenn sie auch gelegentlich erwähnen würden, dass Millionen DDR-Bürger ins Ausland gereist sind und dass zwischen 1961 und 1989 rund 486.000 von ihnen mit genehmigtem Ausreiseantrag in die BRD übergesiedelt sind – ohne Gefahr für Leib und Leben. Die rund 35.000 vom Westen »freigekauften« Häftlinge sind da noch nicht einmal mitgezählt.

    Was heute ebenfalls keine Rolle mehr spielt: Die Grenze zwischen DDR und BRD war die Grenze zwischen zwei Weltsystemen, deren Zentren in Washington bzw. Moskau lagen. Die standen einander feindlich gegenüber und hatten mit Atomwaffen aufeinander angelegt. An eine solche Linie kann man als Mensch, der bei Verstand geblieben ist, nicht dieselben Maßstäbe anlegen wie an die zwischen Frankreich und der Schweiz.

    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/20/Bundesarchiv_Bild_173-1282%2C_Berlin%2C_Brandenburger_Tor%2C_Wasserwerfer.jpg
    #Europe #Allemagne #DDR #histoire #Berlin #mur


  • 12.08.2017 : »Wir wollten einen Friedensvertrag« (Tageszeitung junge Welt)
    https://www.jungewelt.de/artikel/316245.wir-wollten-einen-friedensvertrag.html
    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/8d/Bernauer_Strasse_1973.jpg
    Aujourd’hui c’est l’anniversaire de la construction du mur de Berlin. Le journal Junge Welt publie une interview avec un ancien conseiller du chef d’état Walter Ulbricht dont la réputation fut ternie pour toujours par sa particiption à la mise en place du "mur de la honte". Nous y apprenons des faits et perspectives historiques omis dans le discours officiel de notre ère.

    Gespräch mit Herbert Graf. Über Kontakte zwischen Moskau und Washington, um einen Krieg zu vermeiden, und über Walter Ulbricht, der dafür an den Pranger kam

    Interview: Frank Schumann

    Sie waren bereits seit einigen Jahren Mitarbeiter Walter Ulbrichts, Vorsitzender des Staatsrats der DDR, als am 13. August 1961 die Staatsgrenze zur Bundesrepublik und die zu Westberlin geschlossen wurden ...

    Jetzt fragen Sie mich bestimmt gleich zur Pressekonferenz am 15. Juni, auf der Ulbricht erklärt hatte, dass niemand die Absicht habe, eine Mauer zu errichten, und zwei Monate später geschah das Gegenteil, weshalb seither Ulbricht als Lügner dargestellt wird. Diese acht Worte standen am Beginn eines Vorschlags, der jedoch fast immer abgeschnitten wird.

    Nein, das frage ich nicht, weil inzwischen jeder halbwegs gebildete Mensch weiß, dass Ulbricht Mitte Juni nicht wissen konnte, ob und wie sich die beiden Großmächte Wochen später verständigen würden. Nicht er war der Herr des Geschehens. Wer aber war es dann? Nikita ­Chruschtschow allein?

    Nein. Es war – weil das Wort neuerdings so populär ist – ein Deal zwischen US-Präsident Kennedy und dem sowjetischen Ministerpräsidenten Chruschtschow (von 1958–64, von 1953–64 Vorsitzender der KPdSU, jW). Die beiden hatten sich bekanntlich Anfang Juni 1961 in Wien getroffen. Danach kam ein dritter Mann ins Spiel: John J. McCloy, der im Auftrag des Weißen Hauses in Moskau wochenlang verhandelte und dann mit Chruschtschow in dessen Urlaubsort Gagra in Georgien die Lösung des Weltkonflikts vereinbarte.

    McCloy war einst Hochkommissar in der BRD. In den einschlägigen biographischen Darstellungen findet sich kein Wort über seine Geheimverhandlungen im Juli 1961 in der Sowjetunion. Es gibt allenfalls Hinweise auf ein »McCloy-Sorin-Abkommen«.

    Ja, das ist das Papier, das er anschließend mit dem sowjetischen UN-Botschafter Sorin ausgearbeitet hatte und welches Kennedy am 25. September 1961 in die UN-Vollversammlung einbrachte. Es war die Roadmap für alle künftigen Verhandlungen und internationalen Verträge über atomare sowie allgemeine und umfassende Abrüstung unter wirksamer internationaler Kontrolle. Ein Schlüsseldokument für die nachfolgende Entspannungspolitik und die Bemühungen um friedliche Koexistenz.

    Mit dem 13. August und dem Mauerbau hatte das aber kaum etwas zu tun.

    Mittelbar durchaus. In Wien war deutlich geworden, wie groß die reale Gefahr eines Nuklearkrieges zwischen den beiden Großmächten ist. Es gab ein Vier-Augen-Gespräch zwischen Kennedy und Chruschtschow, das lediglich zehn Minuten dauerte. Eine authentische Quelle zitierte die Schlussbemerkung des Parteichefs aus Moskau: »Ich will Frieden, doch wenn Sie Krieg wollen, dann ist das Ihr Problem. Die Entscheidung über den Vertrag ist unwiderruflich.« Mit »Vertrag« war die seit Jahren gestellte Forderung der Sowjetunion gemeint, dass die vier Siegermächte USA, Großbritannien, Frankreich und Sowjetunion mit den beiden deutschen Staaten einen normalen Friedensvertrag schließen sollten. In Potsdam waren 1945 erste Nachkriegsregelungen vereinbart und im Abschlussdokument alsbald ein solcher in Aussicht gestellt worden.

    Wieso war ein Friedensvertrag so wichtig?

    Weil auf diese Weise die ursprünglich als Interimsregelung vereinbarte Vier-Mächte-Verantwortung in eine normale souveräne Friedensregelung überführt worden wäre. Nach 1949 bedeutete dies, dass beide deutschen Staaten Herr im eigenen Hause werden würden. Sie hätten ihre Dinge völkerrechtlich souverän selbst regeln können und müssen. Damit wären die politischen und militärischen Rechte der Besatzungsmächte abgelöst und Voraussetzungen für eine Entspannungspolitik in Europa geschaffen worden. Unterschiedliche Interpretationen der Nachkriegsgrenzen wären vermieden und diese endgültig bestätigt worden. Man hätte mit den früheren Kriegsgegnern eine einvernehmliche Lösung bei Eigentums-, Schadensersatz- und Reparationsforderungen finden können. Diese Frage ist bekanntlich bis heute offen, sie wurde mit dem Zwei-plus-vier-Abkommen 1990 geschickt umschifft. Die DDR forderte immer einen Friedensvertrag, auch weil sie die vom Westen in den 40er Jahren vollzogene Spaltung überwinden wollte.

    1952, auf der 2. Parteikonferenz der SED, war jedoch der Aufbau der Grundlagen des Sozialismus in der DDR beschlossen worden. Damit wurde nicht nur eine andere gesellschaftliche Entwicklung eingeschlagen, sondern auch eine klare Abgrenzung zum Kapitalismus in der BRD vollzogen.

    Das ist ja richtig. Die SED-Führung verfolgte zwangsläufig eine Doppelstrategie, die durchaus der Realität Rechnung trug: Westdeutschland kehrte zu seinen kapitalistischen Wurzeln zurück, es restaurierte das alte System, aus dessen Schoß Faschismus und Krieg hervorgegangen waren. Ostdeutschland hingegen errichtete eine antifaschistisch-demokratische Ordnung, die mit den ökonomischen und ideologischen Grundlagen des alten Systems radikal brach. Sollte diese progressive Entwicklung abgebrochen werden, nur weil man im Westen mit Beginn des Kalten Krieges 1946 den Kurs auf die Spaltung Deutschlands eingeschlagen hatte und dahin zurückwollte, woher man gekommen war? Aber, und das war die zweite Option: Wenn in der Bundesrepublik eine Kursänderung zugunsten einer deutschen Verständigung erfolgen würde, dann war die SED auch entschieden dafür, ein deutsches demokratisches Gemeinwesen zu errichten.

    Und wozu dann einen Friedensvertrag. Weil Kalter Krieg war?

    Auch um einen Beitrag zu leisten, damit dieser Kalte Krieg nicht weiter eskalierte. Ich darf daran erinnern, dass kein westlicher Staat die DDR akzeptierte, dass die BRD die Staatsgrenze der DDR nicht als Staatsgrenze, sondern als »innerdeutsche Grenze« betrachtete, also eine Demarkationslinie, die man ständig zur Disposition stellte. Die Grenze war in Berlin offen, und die Grüne Grenze nicht sonderlich gesichert. Sie war aber, was nicht aus dem Blick geraten darf, zugleich die Grenze zwischen NATO und Warschauer Vertrag, also die Frontlinie zwischen zwei Gesellschaftssystemen und Militärpakten.

    Was nicht zwingend Kriegsgefahr bedeutete.

    Moment mal: Die erklärte NATO-Strategie lautete »Rollback« – der Einflussbereich der Sowjetunion sollte verringert, ihre Armeen zurückgerollt werden. Freiwillig würde die sich jedoch kaum zurückziehen. Dass es gefährliche militärische Planspiele gab, bestätigen mehrere Quellen. Der Grat zwischen Krieg und Frieden war im Sommer 1961 sehr schmal und die Last der Verantwortung der Entscheidungsträger auf beiden Seiten außerordentlich hoch. Politik unter diesen Bedingungen kannte keine Geschäftigkeit, sie verlangte Realismus, Weitsicht und Vertragstreue.

    Die Wunderformel sollen die »drei Essentials« gewesen sein: Aufrechterhaltung der alliierten Präsenz in Westberlin, freier Zugang zu Luft und zu Land nach Westberlin sowie Freiheit und Lebensfähigkeit von Westberlin.

    Richtig. Das wurde als Schlüssel zum Ausweg aus der Krise, zur Verhinderung eines Krieges in Mitteleuropa betrachtet. Was er dann auch war. Die Grenzsicherungsmaßnahmen am 13. August tangierten diese drei Forderungen nicht, weshalb sich Kennedy wieder schlafen legte, als man ihn über die Vorgänge in Berlin informierte. Wobei ich hier noch anmerken muss: Es hatte bereits eine Annäherung im September 1959 gegeben, als sich Chruschtschow mit US-Präsident Eisenhower in Camp David traf. Dort erörterten die beiden Staatsmänner die internationale Lage, wobei Fragen der Abrüstung und die Deutschlandfrage breiten Raum einnahmen. Im Mai 1960 sollte dann in Paris von den Spitzen der vier Siegermächte die Sache vertraglich fixiert werden. Präsident Eisenhower, der Exmilitär, hatte in Camp David angekündigt, dass Verhandlungen aufgenommen würden »mit dem Ziel, zu einer Lösung zu kommen, die die legitimen Interessen der Sowjets, der Ostdeutschen, der Westdeutschen und vor allem der westlichen Völker schützt«.

    Die Pariser Konferenz scheiterte, weil Chruschtschow abreiste.

    Kräfte um CIA-Chef Allen Dulles verhinderten erfolgreich, dass der Geist von Camp David die Friedenskonferenz in Paris erreichte. Das geht aus inzwischen offengelegten amerikanischen Quellen hervor. Am 1. Mai 1960, also kurz vor Konferenzbeginn, schickte die CIA ein Spionageflugzeug in den sowjetischen Luftraum, die »U-2« mit Gary Powers wurde bei Swerdlowsk abgeschossen. Die Sowjetunion empfand dies als Provokation und verlangte vom US-Präsidenten eine öffentliche Entschuldigung, die Bestrafung der Hintermänner und die Garantie, dass so etwas nicht wieder stattfindet. Das unterblieb. Chruschtschow zog daraufhin die Einladung zum Gegenbesuch Eisenhowers zurück und verließ Paris. Das Wettrüsten ging weiter, die Kriegsgefahr wuchs. Der Plan der CIA, die Verständigung zwischen dem Weißen Haus und dem Kreml zu torpedieren, war also aufgegangen.

    Nun war also nach Jahresfrist im Juli 1961 McCloy bei Chruschtschow, um die Scherben zu kitten. Mit welchem Ergebnis?

    Er kabelte an Kennedy, dass die Situa­tion »zu gefährlich« sei, um sie »an einen Punkt treiben zu lassen, wo ein Zweikampf durchaus zu einer unglücklichen Aktion führen könnte«. Mit anderen Worten: Er trat vernünftigerweise auf die Bremse. Kennedy beorderte McCloy sofort nach Washington zurück. Nach dessen Bericht vertraute Kennedy seinem Sicherheitsberater Walt Rostow an: »Chruschtschow sieht sich einer unerträglichen Lage gegenüber. Die DDR blutet sich zu Tode, und als Folge ist der ganze Ostblock in Gefahr. Er muss etwas unternehmen, um das aufzuhalten. Vielleicht eine Mauer.« Am 30. Juli 1961 erklärte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des US-Senates, William Fulbright, öffentlich: »Ich verstehe nicht, weshalb die DDR-Behörden ihre Grenze nicht schließen, denn ich meine, sie haben alles Recht, sie zu schließen.« Bei der Auslotung dessen, wie weit die jeweils andere Seite im Sommer 1961 gehen kann und wo man sich zurückhalten sollte, spielten Spione eine nicht geringe Rolle. Die USA stützten sich dabei auf Informationen eines Doppelagenten aus der DDR und ihren Spitzenmann in Moskau, Oberst Oleg Penkowski. Dreißig Jahre nach dessen Enttarnung war am 8. April 1993 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu lesen: Penkowski hat »ohne Zweifel wesentlich dazu beigetragen, dass insbesondere die Vereinigten Staaten zu einer realistischeren Einschätzung sowjetischer Absichten und Möglichkeiten in der Lage waren«. Dem sowjetischen Geheimdienst diente in gleicher Sache ein US-amerikanischer Oberst im Stab des Pentagon. Er hatte die UdSSR über die Bereitschaft der USA zum Einsatz von Atomwaffen im Fall der Unterbrechung des Zugangs nach Westberlin informiert. Ebenso erhielt die UdSSR von einem französischen Mitarbeiter der NATO, Georges Pâques, ein Dokument über die US-Pläne für den Einsatz von Atombomben über Deutschland und der Sowjetunion. In der letzten Juli-Dekade 1961 waren die politischen und militärischen Grenzen sowie die Möglichkeiten der Politik von den Großmächten ausgelotet und das Mögliche verabredet.

    Am 1. August 1961 gab es ein Gespräch zwischen Walter Ulbricht und Nikita Chruschtschow. Ihr Chef soll nach diesem Gespräch sehr unzufrieden gewesen sein. War das so?

    Das trifft zu. Ulbricht war nicht erfreut darüber, was Chruschtschow ihm vorgehalten hatte. Dieser wirkte schlecht informiert über die schwierige wirtschaftliche Lage in der DDR, die auch durch die offene Grenzsituation entstanden war. Täglich flüchteten Tausende über Westberlin aus der DDR, gelockt vom westdeutschen »Wirtschaftswunder«. Das basierte auf den unterschiedlichen Startbedingungen beider deutscher Staaten. Die DDR entrichtete für ganz Deutschland die im Potsdamer Abkommen festgelegten Reparationen, während die BRD vom Marshallplan, günstigen Krediten und Zugang zum Weltmarkt profitierte. Chruschtschow hatte auch gesagt, man müsse einen »eisernen Ring« um ganz Berlin ziehen. Im Protokoll ist zu lesen: »Ich bin der Meinung, den Ring sollten unsere Truppen legen, aber kontrollieren sollten Ihre Truppen.« Der sowjetische Generalstab habe bereits alle entsprechende Pläne ausgearbeitet.

    Wie reagierte Ulbricht darauf?

    Überlegt und sachbezogen. Er schrieb am 4. August einen Brief an Chruschtschow. Dieser fußte auf Analysen, die über Monate erarbeitet und in einem sehr kleinen Kreis unter Leitung von Richard Herber beraten wurden. Natürlich begrüßten wir eine Lösung unserer ökonomischen Probleme, während die Sowjetunion mehr die politische und die militärstrategische Dimension einer Grenzschließung im Auge hatte. Auf 18 Seiten legte Ulbricht die wirtschaftlichen Probleme der DDR und ihre Ursachen offen. »Es zeigte sich, dass durch die Wirtschaftsvereinbarungen 1960–65 zwischen der UdSSR und der DDR und zwischen der DDR und den anderen sozialistischen Ländern grundlegende Fragen der Rohstoffversorgung der DDR im Siebenjahrplan nicht gelöst werden konnten.« Diese Ausfälle mussten durch zusätzliche Importe aus den kapitalistischen Ländern ersetzt werden. 1960 stieg darum der Import aus diesen Ländern um 30 Prozent, der aus den sozialistischen nur um knapp drei Prozent. Und: »Die DDR hat als Arbeiter-und-Bauern-Staat die Wiedergutmachung für ganz Deutschland geleistet.«

    Das war deutliche Kritik an der sowjetischen Nachkriegs- und ihrer Wirtschaftspolitik gegenüber der DDR, wenngleich ein wenig verklausuliert. Reagierte Ulbricht auch auf den Vorschlag des »eisernen Rings« um Berlin?

    Mit keiner Silbe. Wohl aber sprach er das Thema indirekt an: »Die offenen Grenzen zwangen uns, den Lebensstandard schneller zu erhöhen, als es unseren volkswirtschaftlichen Kräften entsprach.« Er führte dies sehr dezidiert aus, auch dass »die offenen Grenzen und der Einfluss der Verbraucherideologie aus Westberlin und Westdeutschland« sowie »die Hochkonjunktur in Westdeutschland« zu einem unvertretbar hohen Aderlass geführt hätten.

    Die Entscheidung zum »Mauerbau« traf Moskau, Berlin nahm sie hin – keineswegs unfroh. Dennoch war sich Ulbricht der Konsequenzen bewusst, wie er in einem BBC-Interview am 3. Dezember 1961 gegenüber dem anglikanischen Priester Paul Oesterreicher erklärte: »Jeder Schuss an der Mauer ist zugleich ein Schuss auf mich. Damit liefere ich dem Klassenfeind die beste Propagandawaffe. Den Sozialismus und damit den Frieden aufs Spiel zu setzen, würde unendlich mehr Leben kosten.« Lässt sich daraus schließen, dass Ulbricht Chruschtschows Anordnung, auch wenn er sie politisch billigte, im Grunde seines Herzens abgelehnt hat?

    Es ging damals um eine friedliche oder um eine militärische Lösung. Ulbricht hatte als Soldat den Ersten Weltkrieg und als Antifaschist im Schützengraben der Roten Armee den Zweiten Weltkrieg erlebt. Er kannte dieses Grauen und war darum immer für eine friedliche Lösung. Jeder verantwortungsvolle Politiker musste 1961 die unbequeme friedliche Lösung einer unberechenbaren militärischen Operation vorziehen.

    Die DDR hatte nach dem 13. August 1961 zwar eine gesicherte Grenze, aber keinen Friedensvertrag ...

    Deshalb intervenierte Ulbricht in der Folgezeit in dieser Sache. Im September erinnerte er Chruschtschow, was er auch zuvor im DDR-Fernsehen erklärt hatte: »Das Wichtigste in den allernächsten Monaten ist der Abschluss eines deutschen Friedensvertrages. Mit ihm verbunden ist die Herstellung der vollen Souveränität der Deutschen Demokratischen Republik.«

    Wie war die Reaktion?

    Am 28. September kam die etwas ernüchternde Antwort aus Moskau. Nach freundlichen Floskeln über die Leistungen der DDR und dem Hinweis, dass damit »unsere Position in der Frage eines Friedensvertrages gestärkt« sei, teilte Chruschtschow mit: »Unter den gegenwärtigen Bedingungen, da die Maßnahmen zur Sicherung und Kontrolle der Grenzen der DDR mit Westberlin erfolgreich durchgeführt wurden, da die Westmächte zu Verhandlungen neigen und in New York bereits Kontakte zwischen der UdSSR und den USA aufgenommen wurden, sollten Schritte vermieden werden, die die Situation verschärfen könnten, vor allem in Berlin. In diesem Zusammenhang erscheint es insbesondere angebracht, sich neuer Maßnahmen zu enthalten, die die von der Regierung der DDR errichtete Kontrollordnung an der Grenze zu Westberlin verschärfen würden.« Kein weiteres Wort ist in diesem Brief zu der für die DDR so dringlichen Frage des Friedensvertrages zu lesen. Die Mauer aber war da. Moskau gab das Heft des Handelns nicht aus der Hand. Bis 1990 nicht.

    Prof. Dr. Herbert Graf, geboren 1930 in Egeln bei Magdeburg, Ökonomiestudium in Berlin-Karlshorst, 1967 juristische Promotion an der Martin-Luther-Universität Halle. Fast zwei Jahrzehnte Mitarbeiter Walter Ulbrichts. Nach Lehr- und Forschungsarbeit in Afrika, Asien und Lateinamerika Lehrstuhlleiter an der Akademie für Staat und Recht in Potsdam-Babelsberg.

    Herbert Graf: Interessen und Intrigen: Wer spaltete Deutschland? Ein Exkurs über internationale Beziehungen. Edition Ost, Berlin 2011, ISBN 978-3-360-01818-2

    Aktuell im Buchhandel: Herbert Graf: Von der Demokratie zur Agonie. Ursprung, Aufstieg und Niedergang einer guten Idee. Edition Ost, Berlin 2017, ISBN 978-3-360-01875-5

    #Allemagne #DDR #histoire #Berlin #mur


  • Entführung von Trinh Xuan Thanh : Bundesregierung droht Vietnam | Berliner Zeitung
    http://mobil.berliner-zeitung.de/berlin/thanh-entfuehrung-politischer-streit-eskaliert---bundesregier
    http://mobil.berliner-zeitung.de/image/28114540/max/600/450/6a6f5a34c02bdbc4c0b3d3ef05cf974/GD/71-120381227--null--03-08-2017-19-25-40-756-.jpg

    On entend un grand bruit médiatique quand les (anciens) états communistes kidnappent leur citoyens à Berlin, nos amis occidentaux par contre peuvent compter sur la complicité des administrations allemandes quand ils commettent le même crime.

    Trinh Xuan Thanh, ein Geschäftsmann und ehemaliger Funktionär der Kommunistischen Partei Vietnams, war am 23. Juli im Berliner Tiergarten gewaltsam von vietnamesischen Agenten am hellen Tag in ein Auto gezerrt und verschleppt worden. Die vietnamesischen Behörden werfen dem Mann vor, als Leiter des Öl- und Gaskonzerns Petrovietnam gegen „die ökonomischen Regeln des Staates“ verstoßen und 125 Millionen Euro Schaden verursacht zu haben.
    „Kein rechtsstaatliches Verfahren“

    Der 51-Jährige hatte sich 2016 aus Vietnam abgesetzt und wurde von Hanoi per Haftbefehl gesucht. Kurz darauf hatte Trinh Xuan Thanh in Deutschland einen Asylantrag gestellt. Laut seiner Berliner Anwältin Petra Isabel Schlagenhauf sei ihm zwar bewusst gewesen, dass er in der Heimat „aus politischen Gründen keinerlei rechtsstaatliches Verfahren zu erwarten hatte“, sagt die Juristin der Süddeutschen Zeitung. Mit einer Entführung nach Vietnam habe aber „ernsthaft niemand gerechnet“. Doch genau das geschah.

    Die Sprecherin des vietnamesischen Außenministeriums, Le Thi Thu Hang, verwies jedoch weiterhin auf eine Erklärung vom Vortag, wonach sich Thanh selbst gestellt habe. Der 51-Jährige befindet sich mittlerweile in Hanoi in Haft.

    Entführung in Berlin : 1991 wurde der U-Bahn-Fahrer Jens Karney verschleppt | Berliner Zeitung
    http://mobil.berliner-zeitung.de/berlin/entfuehrung-in-berlin-1991-wurde-der-u-bahn-fahrer-jens-karne
    http://mobil.berliner-zeitung.de/image/28114734/2x1/600/300/71c909ea4bea280b69939339913229b6/JF/71-120397614--null--03-08-2017-20-24-54-522-.jpg

    Die Entführung eines vietnamesischen KP-Funktionärs mitten in Berlin hat dieser Tage ein Sprecher des Auswärtigen Amtes als „präzedenzlosen Vorgang“ verurteilt. Das stimmt aber nicht: Schon 1991 hatte es eine vergleichbare Entführung gegeben, die jedoch auf deutlich weniger Empörung der Bundesregierung traf. Damals waren es Agenten des US-Militärgeheimdienstes OSI, die einen ehemaligen Stasi-Spion am helllichten Tag mitten in Friedrichshain verschleppten.

    Der 22. April 1991, ein Montag, ist Jens Karneys erster Arbeitstag nach dem Urlaub. Morgens um 9 Uhr verlässt er sein Wohnhaus in der Friedrichshainer Pintschstraße 12. Der 27-Jährige ist U-Bahn-Fahrer. Nach wenigen Metern nähern sich ihm sechs Männer. Plötzlich rast auch ein Wagen heran. Die Männer packen Karney und zerren ihn ins Auto. Schon ein paar Tage später ist Karney, der eigentlich Jeffrey Carney heißt und 1985 als US-Soldat und Stasi-Spion in die DDR geflohen war, in den Vereinigten Staaten, wo ihm der Prozess gemacht wird.
    Voller Hass

    Im Oktober 1983 hatte sich Carney, damals Mitarbeiter des US-Geheimdienstes National Security Agency (NSA), in Ost-Berlin der Stasi angeboten. Warum er die Seiten wechselte, erzählt er viele Jahre später in einem Buch. „Voller Hass“ sei er demnach gewesen. Auf sich, sein Land, seine Kollegen, seine Familie. Carney litt damals unter seiner nach außen verborgenen Homosexualität, unter den Demütigungen seiner Kameraden und der Familie. Die heimliche Liebe zu einem farbigen Unteroffizier hatte ihn zudem in tiefe Depressionen gestürzt.

    Seinen Wunsch, in die DDR zu wechseln, lehnte die Stasi 1983 ab. Der DDR-Geheimdienst hatte kein Interesse daran, einen depressiven jungen Mann zu betreuen. Die Berufsspione interessierte viel mehr das Material, an das Carney in seiner Dienststelle auf dem West-Berliner Teufelsberg herankam. Sie schickten ihn zurück nach West-Berlin.

    Fortan lieferte „Kid“ – so sein Deckname – alles, was er als Angehöriger der „6912th Electronic Security Group“ an Geheimmaterial in die Finger bekam. Darunter befand sich auch ein Dossier mit dem Titel „Canopy Wing“, das geheimer als geheim eingestuft war. Das 47 Seiten lange Dokument deckte die von den USA analysierten Schwachstellen der Hochfrequenz-Kommunikation des sowjetischen Generalstabs auf.
    U-Bahn-Fahrer Jens Karney

    1984 kehrte Carney in die USA zurück. Der Kontakt zur Stasi blieb bestehen. Und auch seine Probleme. Und so setzte sich der US-Soldat 1985 über die DDR-Botschaft in Mexiko nach Ost-Berlin ab. Fortan wohnte er in Friedrichshain, hörte für die Stasi den Observationsfunk der Amerikaner in West-Berlin ab.

    Dann kam die Wende, der Mauerfall. Carney, den die Stasi zum DDR-Bürger Jens Karney gemacht hatte, wurde U-Bahn-Fahrer auf der Strecke Alexanderplatz-Tierpark. Bis zu jenem Apriltag 1991.

    Nach der Entführung wurde Carney von Tempelhof aus über Frankfurt in die Staaten ausgeflogen. Deutsche Stellen wurden nicht informiert. Und auch als die Bonner Bundesregierung von dem Fall Wind bekam, hielt sie die Füße still. Erst 1998 übergab Bonn im US-Außenministerium eine Protestnote gegen die „gewaltsame Rückführung“.

    Carney wurde von einem US-Militärgericht zu 38 Jahren Haft verurteilt. Elf Jahre, sieben Monate und 20 Tage der Strafe saß er ab. Gegen die Entführer leiteten die deutschen Behörden keine Ermittlungen ein. 1996 war die Tat schließlich verjährt.

    On tombe sur la même hypocrisie quand on s’intéresse aux enlèvements historiques. On passe sous silence l’enlèvement d’Eichmann et l’assassinat des complices supposées de l’attentat de Munich par le Mossad, alors qu’on nomme une rue après un juriste nazi suite à son enlèvement, inculpation et condamnation par l’Union Soviétique.

    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/7/71/Walter_Linse_Haft.jpg
    https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Linse#Nachleben

    1961 wurde die Gerichtsstraße in Berlin-Lichterfelde in Walter-Linse-Straße umbenannt und am 16. Dezember 1962 wurde Linse in der Bundesrepublik Deutschland amtlich für tot erklärt. Der Generalstaatsanwalt Russlands rehabilitierte Linse am 8. Mai 1996 als politisches Opfer.

    Am 29. Juni 2007 schrieb der Förderverein der Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen einen mit 5000 Euro dotierten „Walter-Linse-Preis“ aus zur Ehrung von Personen, die sich „in herausgehobener Weise um die Auseinandersetzung mit der kommunistischen Diktatur verdient gemacht haben“. Kurz zuvor hatte jedoch die Stiftung Sächsische Gedenkstätten eine Linse-Biographie des Politologen Benno Kirsch veröffentlicht, durch die erstmals Hinweise auf die von Kirsch hierbei weitgehend positiv gezeichnete Rolle Linses während der NS-Zeit öffentlich bekannt wurden. Nachdem der Berliner Landesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Martin Gutzeit, den Vorsitzenden des Fördervereins Jörg Kürschner am 6. Juli 2007 aufgefordert hatte, die Auslobung des Preises bis zu einer Klärung der Belastung Linses auszusetzen, kam der Förderverein dieser Forderung im August zwar nach, Kürschner nahm Linse jedoch engagiert in Schutz und bezichtigte Gutzeit seinerseits des „medialen Totschlags“ an dem Menschenrechtler Linse.

    Im Auftrag des Landesbeauftragten legte der Jurist und Historiker Klaus Bästlein im September 2007 ein Gutachten zur Rolle Linses in den Jahren bis 1949 vor, das sich mit der Arbeit Kirschs kritisch auseinandersetzte und auf der Grundlage eigener Prüfung von Archivunterlagen und persönlichen Aufzeichnungen Linses zu dem Ergebnis kam, dass Linse sich zwar über seine Amtstätigkeit hinaus nicht mit antisemitischen Erklärungen hervorgetan habe, aber nicht nur als „Gehilfe“ des NS-Regimes, sondern aus historischer Sicht als ein „NS-Täter“ anzusehen sei, der die „Tatherrschaft“ bei der wirtschaftlichen Ausplünderung der Juden im Chemnitzer Bezirk gehabt und sich nicht davor gescheut habe, „Juden in massiver Weise unter Druck zu setzen oder bei der Gestapo zu denunzieren“. Nachdem auch der wissenschaftliche Beirat der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen den Förderverein aufgefordert hatte, wegen des noch ungeklärten Umfangs von Linses Verantwortung für NS-Unrecht auf diesen Namen zu verzichten, zog der Förderverein am 6. Dezember 2007 diesen Namen zurück und gab bekannt, dass der Preis stattdessen „Hohenschönhausen-Preis zur Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur“ heißen solle.

    #Allemagne #DDR #Berlin #Vietnam #USA #URSS #espionnage #kidnapping #CIA #Stasi


  • 29.07.2017: »Es ging ihnen um Rache, nicht um Gerechtigkeit« (Tageszeitung junge Welt)
    https://www.jungewelt.de/artikel/315382.es-ging-ihnen-um-rache-nicht-um-gerechtigkeit.html

    Gespräch mit Friedrich Wolff. Über den gescheiterten Versuch der juristischen Abrechnung mit Erich Honecker durch die BRD und einen Anwalt, der gern Justizminister geworden wäre
    Interview: Frank Schumann

    Sie hatten vor 1989 nie persönlichen Kontakt zu Politbüromitgliedern der SED. Wie kam es dazu, dass plötzlich Erich Honecker Sie als seinen Anwalt nahm?

    Mich rief Anfang Dezember 1989 mein Kollege Wolfgang Vogel an, der gemeinhin Honeckers Interessen vertrat. Doch Vogel hatte bereits das Mandat von Alexander Schalck-Golodkowski – des heute nur noch als Devisenbeschaffer titulierten DDR-Staatssekretärs – übernommen und sah einen Interessenkonflikt. Er fragte mich also am Telefon, ob ich den »großen Erich« oder den »kleinen Erich« verteidigen wolle. Bekanntlich hatte der Generalstaatsanwalt der DDR am 5. Dezember Ermittlungsverfahren gegen eine Reihe von Spitzenfunktionären eingeleitet, darunter auch Erich Honecker und Erich Mielke.

    Sonderlich groß waren ja beide nicht …

    Ich bin auch kein Riese. Aber wir wissen doch, was gemeint ist.

    Und, warum entschieden Sie sich für den »großen Erich«?

    Ehrlich? Weil er mir sympathischer war. Außerdem war es eine größere Herausforderung.

    Fürchteten Sie angesichts der Stasi-Hysterie in Mithaftung genommen zu werden, wenn Sie den Minister für Staatssicherheit verteidigt hätten?

    Das machte keinen Unterschied. Als ich am 29. Juli 1992 in die JVA Moabit fuhr, um mit meinem Mandanten zu sprechen, empfing mich dort eine wütende Menge mit dem Ruf: »Wer einen Verbrecher verteidigt, ist selbst ein Verbrecher!« Erich Honecker war so wenig Verbrecher wie ich selbst, er war mein Genosse. Auch wenn die SED ihn inzwischen ausgeschlossen hatte. Politische Überzeugung und Haltung sind ja keine Sache des Parteibuchs.

    Wann trafen Sie Ihren Mandanten zum ersten Mal?

    Am Nachmittag des 16. Dezember 1989 in der Waldsiedlung in Wandlitz, an der ich bis dahin immer vorbeigefahren war. Meine Frau und ich besaßen ein paar Kilometer weiter ein Wochenendgrundstück. Honecker stand unter Hausarrest, vor dem Gebäude wachten Posten, die Telefonleitung war gekappt. Das waren übrigens Maßnahmen, die die Strafprozessordnung der DDR nicht vorsah. Das Treffen war von den Umständen diktiert. Honecker war auch gesundheitlich merklich angeschlagen. Im Sommer hatte man ihn an der Galle operiert, eine OP an der Niere stand bevor. Er bewegte sich unsicher, sprach leise und schwer verständlich.

    Wie haben Sie ihn angeredet?

    Das war ein Problem. In der SED duzte man sich aus Prinzip, aber konnte man beim ehemaligen Generalsekretär diesen vertraulichen Ton anschlagen? Außerdem achtete ich immer auf eine angemessene Distanz zu meinen Mandanten. Honecker und seine Frau Margot redeten mich aber sofort mit »Du« an – wenn ich sie dann gesiezt hätte, wäre dies möglicherweise als Affront verstanden worden. Das Vertrauensverhältnis, das doch zwischen Verteidiger und Mandant herrschen muss, wäre dann wohl nie zustandegekommen.

    Sie waren befangen?

    Kann man so sagen. Mit Verlaub: Ich hätte, wäre ich Mitglied des Politbüros gewesen, auch für seine Ablösung gestimmt. Ich gehörte der SED seit dem ersten Tag an. Die Fehlleistungen und Versäumnisse, die mit dem Namen Honecker verbunden waren, hatte ich alle präsent wie wohl die meisten Genossen. Aber das war die politische Seite – hier ging es um die strafrechtliche Verantwortung. Das muss­te man scharf trennen.

    Trennten Sie das auch so scharf, als Sie 1960 Verteidiger von Theodor Oberländer und drei Jahre später von Hans Globke waren?

    Ich nehme das als rhetorische Frage. In beiden Fällen wurde ich per Beschluss des Obersten Gerichts der DDR als Pflichtverteidiger beigeordnet. Falls diese beiden Figuren, gegen die in Abwesenheit in der DDR-Hauptstadt verhandelt wurde, nicht mehr bekannt sind: Oberländer (früher NSDAP, dann CDU, jW) gehörte der Adenauer-Regierung seit 1953 als Vertriebenenminister an. Im Faschismus war er an Nazi- und Kriegsverbrechen beteiligt gewesen. Die Bonner »Graue Eminenz« Globke führte seit 1953 das Bundeskanzleramt und hatte als Ministerialbeamter im Reichsinnenministerium der Faschisten die Kommentare zu den sogenannten Nürnberger Rassegesetzen abgesondert; das in den Pässen von Juden eingeprägte »J« zum Beispiel ging auch auf sein Konto. Oberländer, um die Sache kurz zu machen, wurde wegen der Ermordung von mehreren tausend Juden und Polen zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt. Er war nach Überzeugung des Gerichts als deutscher Geheimdienstler Verbindungsoffizier zu den ukrainischen Nationalisten und neben Massenmorden auch an Anschlägen hinter der Front beteiligt.

    Globke erhielt ebenfalls lebenslänglich, er trug nachweislich Mitverantwortung für die Deportation Zehntausender Juden in deutsche Vernichtungslager.

    Natürlich waren das Verfahren, mit denen die DDR die personelle Kontinuität von Nazireich und Bundesrepublik gerichtsnotorisch machte. Die Auseinandersetzung mit dem Faschismus fand bis dahin in der BRD überhaupt nicht statt. Die Auschwitz-Prozesse sollten erst Jahre später beginnen. Doch ein Gerichtsverfahren in absentia durfte in einem sozialistischen Rechtsstaat nun mal nicht ohne Verteidiger stattfinden. Also verpflichtete man mich.

    Aber ohne Angeklagten? Hatten Sie versucht, zu Ihrem Mandanten Oberländer Kontakt in Bonn aufzunehmen?

    Selbstverständlich. Der Brief kam, nachdem er geöffnet und wieder verschlossen worden war, mit der handschriftlichen Bemerkung auf dem Kuvert zurück: »Annahme nachträglich verweigert. Pförtner hat keine Vollmacht für Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte.«

    Machen wir mal einen großen Sprung, weg von dem lächerlichen Verfahren, das noch in der DDR wegen Landesverrat angezettelt worden war und sich mit der DDR erledigt hatte. Sprechen wir über den Prozess in der Bundesrepublik zwei Jahre später. Der Antifaschist Honecker, von Nazijuristen vom Schlage Globkes einst zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, kam 1992 in dasselbe Gefängnis in Moabit, in das ihn 1935 die Gestapo eingeliefert hatte. Das Verfahren, das schließlich am 12. November 1992 begann, war eine Farce.

    Es war insofern eine Farce, als Honecker aus medizinischer Sicht nicht verhandlungsfähig und überdies seine mediale Vorverurteilung schon längst erfolgt war. In erster Linie jedoch war es ein Politikum. Es ging ihnen um Rache, nicht um Gerechtigkeit. Dazu gab es den unverschämten und die wirklichen Hintergründe verschleiernden Hinweis, die deutsche Justiz wolle die bei der »Aufarbeitung« des Dritten Reiches begangenen Versäumnisse und Fehler nicht wiederholen. Deshalb sollte nunmehr mit der DDR-Vergangenheit besonders gründlich und konsequent abgerechnet werden. Die Nachfahren jener Juristen, die schon einmal über Honecker zu Gericht gesessen hatten und ergo Klassenbrüder im Geiste waren, besaßen weder das moralische noch das juristische Recht, über Honecker und seinesgleichen zu urteilen. Denn auf welcher Basis? Mit dem Recht der BRD, das bis 1989 für Honecker nicht galt? Mit dem Recht der DDR, das inzwischen mit dem Land verschwunden war? Und worüber sollte befunden werden? Dass Honecker seinen Staat gegen die Wand gefahren hatte? Diesen hatte die BRD doch von seiner Gründung an selbst entschlossen bekämpft. Nein, sie machten kein Hehl daraus, dass es primär um eine Abrechnung mit dem politischen System ging, deren Repräsentant Honecker gewesen ist.

    Die eigentliche Geschichtslüge bestand jedoch darin, dass mit dem Verweis auf ungenügende Vergangenheitsaufarbeitung in der BRD die verbrecherische Nazidiktatur, welche den Zweiten Weltkrieg vom Zaun gebrochen und systematisch ganze Ethnien ausgerottet hatte, quasi mit der DDR gleichgesetzt wurde. Sie wollten beweisen, dass das Honecker-Reich wie das Hitler-Reich Leichenberge geschaffen hatte. Deshalb lautete die Anklage gegen Honecker auch »mehrfacher Totschlag«.

    Ihre und die Bemühungen der beiden anderen Verteidiger, Nicolas Becker und Wolfgang Ziegler, die von Honecker und der DDR verfolgte Politik in die Historie des Kalten Krieges und damit in einen internationalen Kontext zu stellen, liefen ins Leere. Die Verteidigung kam – nachdem alle drei Beschwerden gegen den »Haftfortdauerbeschluss« des Landgerichts verworfen worden waren – auf die Idee, das Berliner Verfassungsgericht anzurufen.

    Ja. Am 29. Dezember 1992 ließen wir von einem in Verfassungsbeschwerden erfahrenen Kollegen einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung zur Beendigung des Verfahrens gegen Honecker und der U-Haft stellen. Wir begründeten das mit der Verletzung der Menschenwürde, die doch laut Grundgesetz unantastbar sei. Obwohl, sieht man die Rechtspraxis der BRD bis heute, die »Unverletzbarkeit der Würde« für Kommunisten nicht zu gelten scheint. Wäre dies anders, müsste keine Initiative zur Rehabilitierung der Opfer des Kalten Krieges noch immer die Rechte und die verletzte Würde Tausender Bundesbürger einfordern.

    In Honeckers Fall machten wir also darauf aufmerksam, dass die erkennbare Absicht des Landgerichts, den »Gerichtssaal für den Angeklagten zum Sterbezimmer werden« zu lassen, gegen die Menschenwürde verstoße. Inzwischen hatte sich auch ein wenig die öffentliche Meinung in diesem angeblich »wichtigsten Prozess in der bundesdeutschen Rechtsgeschichte«, so damals die Berliner Zeitung, geändert. Die Süddeutsche Zeitung sprach inzwischen auch von einer Farce, und selbst die Grünen im Bundestag, die nie als Verteidiger der DDR in Erscheinung getreten waren, forderten, den Prozess gegen Honecker zu beenden.

    Und das Verfassungsgericht teilte die Auffassung der Verteidigung?

    Ja. Am 7. Januar 1993 war die Hauptverhandlung vorm Landgericht noch planmäßig mit einem neuen Richter fortgesetzt worden. Am 12. Januar jedoch entschied der Verfassungsgerichtshof überraschenderweise, das Verfahren gegen Honecker einzustellen und den Haftbefehl aufzuheben.

    Wie reagierte Honecker darauf?

    Ich fürchtete, dass er die gute Nachricht nicht überleben würde. Tage zuvor war er, zum ersten Mal, mut- und lustlos gewesen. Er wollte auch keine Briefe mehr an Familie und Freunde schreiben. Am 13. Januar kurz nach 9 Uhr war ich im Haftkrankenhaus, um mich von ihm zu verabschieden. Ich traf ihn in der Kleiderkammer in Unterwäsche, als er gerade seine persönliche Kleidung erhielt. Ich stellte mir vor, wie sich wohl andere Staatsoberhäupter in einer entsprechenden Situation verhalten würden. Bei Honecker verlief die Szene ganz natürlich. Er war überhaupt ein angenehmer Mandant: pflegeleicht, offen für Ratschläge, die er befolgte, ohne jedes Misstrauen gegenüber dem Anwalt. Das übrigens kann ein Problem im Verhältnis zwischen Verteidiger und Beklagten sein – der Argwohn des Mandanten, vom Anwalt hinter die Fichte geführt zu werden. Nicht so Honecker. Er war ohne Arg. Das sage ich bewusst auch im Hinblick auf seine Etikettierung als »Diktator«. Diktatoren misstrauen im Prinzip allen und trauen keinem über den Weg.

    Es lebe der deutsche Rechtsstaat.

    Nana. Das juristische Gezerre im Hintergrund ging doch weiter, wovon Honecker gar nichts mehr mitbekam. Gott sei Dank, muss man sagen. 20.25 Uhr ging der Flieger von Tegel nach Frankfurt am Main, dort hob kurz vor Mitternacht die brasilianische Maschine ab, Umstieg in São Paulo, Ankunft in Santiago de Chile nach 22 Stunden. Klaus Feske, ein Genosse aus dem Westteil Berlins, begleitete ihn.

    Honecker soll sich nach dem Flug beim Staatsschutz und beim Luft­hansa-Personal bedankt haben?

    Er war ein höflicher Mensch. Es stimmt, dass die beiden Beamten, die ihn begleiteten, gute Arbeit geleistet haben. Sie fanden die Mikrofone unter seinem Sitz und auch die von Journalisten installierten Richtmikrofone, und beim Umstieg in Frankfurt am Main sorgten sie dafür, dass uniformierte Polizisten ihn in einem sicheren Raum unterbrachten und anschließend in einem gepanzerten Fahrzeug zur Gangway fuhren. Es waren fünfzehn Attentatsdrohungen eingegangen. Bevor die Linienmaschine mit Verspätung startete, wurden darum die Passagiere gefragt, ob sie den prominenten Mitreisenden akzeptierten, denn das bedeutete zwangsläufig eine Gefährdung ihrer Sicherheit. Alle sprachen sich für Honeckers Verbleib in der Maschine aus.

    Honecker erhielt, kaum dass er in Chile gelandet war, vom Berliner Landgericht die Vorladung zum nächsten Verhandlungstag am 8. Februar, 9.30 Uhr. Darin hieß es: »Für den Fall, dass Sie zu diesem Termin nicht erscheinen sollten und die Kammer Ihr Ausbleiben als eigenmächtig ansehen würde, bestünde die Möglichkeit (...) des Erlasses eines erneuten Haftbefehls.« Am 29. Januar erklärte Erich Honecker, dass er »definitiv zu diesem Termin nicht erscheinen« werde.

    Sie vergessen die Pointe: Am 4. Februar 1993 hob das Berliner Landgericht den Termin auf und erklärte im formvollendeten Juristendeutsch: »Sofern im Gesundheitszustand des Angeklagten Honecker keine entscheidende Besserung eintritt, wird die Kammer nach Ablauf der Frist des § 229 StPO eine das Verfahren abschließende Entscheidung treffen.« Das geschah dann zwei Monate später: Das Verfahren wurde eingestellt.

    Ende gut, alles gut?

    Von wegen. Ich wollte das Erbe freibekommen und beschwerte mich im Namen der Witwe (Erich Honecker war am 29. Mai 1994 gestorben, jW) gegen die Einziehung der Konten von Erich Honecker, auf denen zusammen 234.873,07 Mark der DDR, also etwa 60.000 Euro lagen. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschied am 15. November 2001: Die Beschwerde von Margot Honecker als Erbin von Erich Honecker ist unzulässig. Mit anderen Worten: Einem deutschen Antifaschisten, dem bereits die Nazis jeglichen materiellen Besitz abgesprochen und zehn Jahre seines Lebens genommen hatten, verlor, postum per Gerichtsbeschluss sanktioniert, sein in jahrzehntelanger Arbeit Erworbenes und aus Alters- und Entschädigungsrenten Gespartes. Ich nenne das unverändert eine unrechtmäßige Enteignung in einem vermeintlichen Rechtsstaat.

    Es heißt, die Nachricht von der Abschiebung Honeckers aus Moskau am 29. Juli 1992 habe Ihre Kanzlei bei dringenden Verrichtungen gestört.

    So dramatisch war das nun auch wieder nicht. Die Mitarbeiter bereiteten meinen 70. Geburtstag vor, den ich am 30. Juli beging.

    An diesem Sonntag werden Sie 95. Sie haben einen Wunsch frei: Was wären Sie, außer Honecker-Verteidiger, als Jurist gern geworden?

    In der DDR? Justizminister! Ja, ich wäre gern Justizminister geworden, um unsere Defizite auf diesem Gebiet aufzuarbeiten. Aber mich hat ja keiner gefragt. Und nun ist es zu spät.

    Friedrich Wolff, geboren am 30. Juli 1922 in Berlin-Neukölln als Sohn eines jüdischen Arztes, ist Kommunist, Rechtsanwalt, langjähriger Vorsitzender des Berliner Rechtsanwaltskollegiums und in dieser Funktion Leiter des Rates der Kollegien der Rechtsanwälte der DDR

    Vor 25 Jahren, am 29. Juli 1992, lieferte Russland Erich Honecker an die BRD aus. Obgleich todkrank, wurde gegen den 80jährigen prozessiert. Nach 169 Tagen Untersuchungshaft, als die zynische Quälerei weltweit für Empörung sorgte, wurde der Haftbefehl außer Vollzug gesetzt. Honecker konnte zur Familie nach Chile ausreisen, wo er im Mai 1994 verstarb.

    #DDR #histoire #politique #droit


  • Gefängnisbriefe ǀ Gruß in den Knast — der Freitag
    https://www.freitag.de/autoren/christian-fueller/gruss-in-den-knast

    Gefängnisbriefe Erich Honecker schrieb einer unbekannten Frau aus Westdeutschland aus dem Gefängnis. Es entwickelte sich eine persönliche Geschichte

    Liebe Eva. Erich Honeckers Gefängnisbriefe Erich Honecker, Eva Ruppert, Mit einem Vorwort von Frank Schumann, edition ost 2017, 160 S., 9,90 €

    Als die hessische Gymnasiallehrerin Eva Ruppert von einer Kuba-Reise kommend in Berlin landet, erfährt sie, dass Erich Honecker der Prozess gemacht wird. „Jetzt muss ich was unternehmen“, sagt sich die 57-Jährige – und beschließt, ihr Idol im Gefängnis zu besuchen.

    der Freitag: Frau Ruppert, Sie haben Erich Honecker 1992 im Gefängnis besucht – obwohl Sie ihn gar nicht kannten. Was hat Sie dazu bewogen?

    Eva Ruppert: Ich war von Kollegen aus dem „Solidaritätskomitee Erich Honecker“ in Essen dazu eingeladen worden. Aber ich hatte schon vorher in Moskau versucht, ihn zu sehen.

    Wie kam das?

    Ich war als Touristin in Moskau und las, dass er hier behandelt wird. Also habe ich mich, zusammen mit einem russischen Bekannten, auf den Weg gemacht, um ihn zu finden. Das war ein bisschen verrückt. Wir sind stundenlang von Klinik zu Klinik gefahren. Quer durch tiefe russische Wälder. Ich habe dann nach Honecker gefragt ...

    … aber Sie können doch gar kein Russisch.

    Ja, das machte aber nichts. Chonekker kannte jeder. Wir fanden ihn trotzdem nicht. Aussichtslos.

    Wie viele Krankenhäuser haben Sie abgeklappert?

    Ich weiß nicht, vier oder fünf.

    Frau Ruppert, noch mal, was hat Sie bewegt, ihn zu besuchen? Sie waren eine Gymnasiallehrerin aus Bad Homburg, die vorher nie Kontakt zu Erich Honecker hatte.

    Ich habe diesen Mann bewundert. Er hat den besseren deutschen Staat mit aufgebaut. Und dafür sollte er nun ins Gefängnis und von der gesamtdeutschen Siegerjustiz abgeurteilt werden? Man hat ihn aus seinem Land gejagt. Das fand ich ungerecht. Das wollte ich ihm zeigen.

    Wie war Honecker bei Ihren Begegnungen?

    Beeindruckend. Ein aufrechter Mann, im Wortsinne aufrecht. Honecker trat wie ein Staatsmann auf, nicht wie ein Gefangener. Er ließ sich nicht beugen, obwohl er enttäuscht war. Aber er klagte darüber nicht. Er war sehr freundlich und warmherzig mit mir. Er stellte nicht sich, sondern mich in den Mittelpunkt des Gesprächs. Ich habe von ihm etwas gelernt.

    Was war das?

    Positiv zu denken, auch im Moment der Verzweiflung. Er hat mir Mut gemacht.

    Wie oft waren Sie bei Honecker?

    Ich weiß es nicht mehr, fünf oder sechs Mal.

    So oft?

    Ja, beim ersten Besuch in Berlin ging es ja sehr schnell. Da war kaum Zeit. Wir waren insgesamt zu viert, plus ein Justizbeamter, der aufpasste. Wir gratulierten ihm zum 80. Geburtstag. Erst bei meinen späteren Besuchen konnten wir eine halbe Stunde allein sein – bis auf den Justizbeamten, der immer im Hintergrund saß.

    Über was haben Sie gesprochen?

    Über Politik, über Literatur, über die Musik und die Briefe, die wir gewechselt hatten. Viel mehr ist da schwer möglich, weil man sich immer beobachtet fühlt. Deswegen habe ich auch Briefe geschrieben. Einmal habe ich sogar einen Kassiber ins Gefängnis geschmuggelt.

    Einen Zettel mit einer Botschaft?

    Ja, ich war sehr nervös. Und dann ist mir der gefaltete Zettel auch noch auf den Boden gefallen, als ich ihn Honecker zustecken wollte.

    Hat der Beamte das gemerkt?

    Nein, ich habe den Zettel unauffällig aufgehoben. Und dann Erich gegeben.

    Verraten Sie mir, was da draufstand?

    Das weiß ich doch heute nicht mehr, das ist 25 Jahre her!

    Frau Ruppert, Sie bringen Honecker einen Kassiber in den Knast – und wissen nicht mehr, was draufstand?

    Habe ich vergessen.

    War es eine politische Botschaft? Oder haben Sie einfach geschrieben: Ich liebe Dich?

    Nein, solche blöden Sachen habe ich nicht geschrieben. Das stand nicht in meinen Briefen.

    Frau Ruppert – verzeihen Sie –, waren Sie vielleicht verliebt in Erich Honecker?

    Was soll ich dazu sagen? Das würde ich nicht so ausdrücken. Natürlich war da Sympathie.

    Was zog Sie sonst an? Ruhm? Macht? Teilnehmen an Geschichte?

    Nein, auch wenn ich es als einen großen Moment empfunden habe, diesem wichtigen Mann der deutschen Geschichte gegenüber zu sitzen. Vielleicht, um ein bisschen von dem Unrecht auszugleichen, das ihm widerfuhr?

    Honecker war allerdings kein Opfer. Sondern Staatsratsvorsitzender eines Landes mit Mauer, Schießbefehl und einem ausgeklügelten Unterdrückungsapparat. Haben Sie darüber mit Honecker gesprochen?

    Nein.

    Haben Sie ihm nicht auch eine kritische Frage gestellt?

    Nein, darum ging es nicht. Ich wollte ihm helfen. Ihm zeigen, dass es Menschen gibt, die zu ihm stehen.

    Wie standen Sie zur DDR?

    Positiv. Ich bin 1987 dorthin gereist, ich war in Weimar, Leipzig und Dresden. Ich fand die Menschen sehr aufgeschlossen und hilfsbereit. Ich war angetan von der Menschenfreundlichkeit. Es hat mir viel Freude bereitet.

    Haben Sie einmal darüber nachgedacht, in die DDR überzusiedeln?

    Nein, dafür war es zu spät. Ich hatte einen Beruf, ich hatte einen Mann und drei Kinder. Ich konnte nicht alles stehen und liegen lassen.

    Wie ging es Ihrem Ehemann damit, dass Sie immer wieder zu einem anderen ins Gefängnis fuhren und ihm fast täglich Briefe schrieben?

    Das war dem egal.

    Wie geht das? Plötzlich beginnt eine Frau, deren Leben in ruhigen Bahnen verläuft, viele, auch tiefsinnige Briefe zu schreiben.

    Mein Leben verlief nie in ruhigen Bahnen. Das können Sie vergessen. Ich habe immer wieder verrückte Aktionen unternommen. Zum Beispiel, um 1980 im Erdbebengebiet im süditalienischen Potenza wochenlang zu helfen. Mein Mann hat das immer geduldet. Er hat mir in beruflichen Dingen immer viel Freiheit gelassen.

    Aber war das mit Erich Honecker denn beruflich? Sie bauten eine persönliche Beziehung zum Staatsratsvorsitzenden auf.

    Ja, ich habe mich sehr gefreut über die schönen persönlichen Briefe, die mir Erich Honecker schrieb. Ich glaube, dass auch ihm das Kraft gegeben hat.

    Waren Sie enttäuscht, als Genosse Erich aufhörte, Ihnen Briefe zu schreiben? Das war ja abrupt vorbei, als seine Knastzeit endete.

    Er war ja sehr krank. Es ging ihm nicht gut, als er nach Chile kam. Aber ich war natürlich traurig. Plötzlich war diese persönliche Beziehung zu Ende. Aber Margot hat mir weiter Briefe geschrieben, bis zu ihrem Tod.

    Margot Honecker hat den Briefwechsel übernommen, als der Haftbefehl aufgehoben und Honecker nach Chile entlassen wurde. Was ist eigentlich aus Ihren Briefen geworden, Frau Ruppert?

    Das weiß ich nicht. Vielleicht hat er sie mit nach Chile genommen, vielleicht sind sie auch im Gefängnis geblieben. Ich hätte sie heute gern noch mal gelesen.

    –---

    Die Honecker-Odyssee 1989 – 1994

    Berlin
    Nach seinem Sturz am 18. Oktober 1989 muss Erich Honecker bald auch die Prominentensiedlung Wandlitz verlassen. Der Einzug in eine Wohnung in Berlin-Friedrichshain scheitert. Ende November wird Honecker wegen eines Nierentumors operiert und aus der Charité heraus unter dem Vorwurf des Amtsmissbrauchs verhaftet, verhört und wegen Haftunfähigkeit wieder entlassen.

    Lobetal
    In Berlin quasi obdachlos, nehmen Margot und Erich Honecker auf Vermittlung des Rechtsanwalts Vogel Ende Januar 1990 eine Art Kirchenasyl in Anspruch. Sie wohnen drei Monate im Privathaus von Pastor Uwe Holmer von den Hoffnungstaler Anstalten in Lobetal. Ein Besucher ist der damalige DDR-Premier Modrow, der die Übersiedlung in ein Gästehaus anbietet.

    Beelitz
    Proteste der Bewohner des Ortes Lindow verhindern einen Einzug der Honeckers in der Unterkunft der Regierung, so dass nur die Rückkehr nach Lobetal bleibt. Ende April 1990 ist ein sowjetisches Militärhospital in Beelitz bei Berlin die nächste Station. Inzwischen ist in der DDR nach den Wahlen vom 18. März 1990 eine von der CDU geführte Regierung im Amt. Deren Innenminister Diestel besucht Honecker am 14. Juli 1990, um Wohnungs- und Sicherheitsfragen zu klären.

    Moskau I
    Mit einer Militärmaschine und dem Wissen von Präsident Gorbatschow werden Margot und Erich Honecker im März 1991 nach Moskau ausgeflogen. Die Regierung Kohl protestiert nur verhalten, da der Oberste Sowjet den Zwei-plus-Vier-Vertrag noch nicht ratifiziert hat. In Moskau wird bei Erich Honecker Leberkrebs diagnostiziert. Die russische Regierung fordert die Honeckers Ende 1991 auf, das Land umgehend zu verlassen.

    Moskau II
    Die chilenische Botschaft in Moskau wird zum Asyl. Missionschef Clodomiro Almeyda wurde nach dem Pinochet-Putsch 1973 in der DDR als Emigrant aufgenommen und revanchiert sich, indem er die Honeckers nicht abweist. Dann aber erhöht die Bundesregierung den Druck auf Chiles Präsidenten Aylwin wie den Kreml, so dass Erich Honecker Ende Juli 1992 ausgewiesen, nach Berlin ausgeflogen und im Gefängnis Berlin-Moabit in Haft genommen wird.

    Berlin
    Vor dem Landgericht Berlin beginnt im November 1992 der Prozess gegen Honecker wegen des Schießbefehls an der Westgrenze der DDR. Seine schwere Erkrankung lässt damit rechnen, dass er das Ende des Verfahrens nicht mehr erlebt. Im Januar 1993 hebt das Berliner Verfassungsgericht den Haftbefehl auf. Honecker fliegt zu seiner Frau nach Chile, wo er am 29. Mai 1994 verstirbt.

    Lutz Herden

    #Allemagne #DDR #histoire


  • DDR ǀ Sie haben den Traum vom Sozialismus bewahrt — der Freitag
    https://www.freitag.de/autoren/peter-nowak/sie-haben-den-traum-vom-sozialsimus-bewahrt-1

    Sie hatten einen Traum und der hieß Sozialismus, die jungen Menschen, die sich jährlich in aller Welt in der DDR zu politischen Schulungen trafen. Nach 1989 hatte die öffentliche Meinung für sie allerhöchstens Spott, mehr noch aber Verachtung und Hass übrig. Sie wurden als Menschen hingestellt, die einer menschenverachtenden Ideologie anhingen und der DDR dafür ausgebildet wurden, diese in ihren Ländern zu verbreiten. Die in Finnland geborene Kirsi Marie Liimatainen gehörte als junge Kommunistin zum letzten Jahrgang, die in der DDR im in der FDJ-Jugendhochschule Wilhelm Pieck ausgebildet wurden.

    Im Sommer 1989 reisten sie in ihre Länder zurück. Nun hat Liimatainen einige der Genoss_innen besucht, mit denen sie vor fast 30 Jahren monatelang gemeinsam lernte und zusammenlebte. Es war nicht so einfach, weil alle Teilnehmer_innen unter Alias-Namen lebten. Verständlich aber, wenn man bedenkt, dass viele von ihnen aus Ländern kamen, in denen Kommunist_innen illegalisiert waren. Und selbst in der bürgerlichen Demokratie der BRD wäre wohl manche der jungen Linken nach den Ausflug in die DDR nicht mehr in den Staatsdienst übernommen worden. Doch Liimatainen gelingt es, Genoss_innen in Bolivien, Chile, dem Libanon und Südafrika zu treffen.

    Comrade, Where Are You Today? – Der Traum der Revolution - W-film
    http://www.wfilm.de/comrade-where-are-you-today

    #DDR #histoire #cinéma #documentaire


  • Meister der Montage / Josep Renau
    https://www.jungewelt.de/m/artikel/310742.meister-der-montage.html
    https://www.jungewelt.de/img/700/95102.jpg

    17.05.2017 Meister der Montage
    Josep Renau schuf neben zahlreichen Plakaten auch bedeutende Wandbilder – einige davon in der DDR. Eine Erinnerung an den katalanischen Künstler anlässlich seines 110. Geburtstags

    https://www.jungewelt.de/img/700/95099.jpg
    Blatt aus der Folge »The American Way of Life« (1949), Foto-Siebdruck, 56,5 x 45,5 cm, Ausschnitt

    https://www.jungewelt.de/img/700/95100.jpg

    https://www.jungewelt.de/img/700/95103.jpg

    https://www.jungewelt.de/img/700/95104.jpg

    https://www.jungewelt.de/img/700/95109.jpg

    #DDR #art


  • Denkmalschutz für die Nachkriegsmoderne am Alexanderplatz / 13.07.15 / Land Berlin
    http://www.stadtentwicklung.berlin.de/aktuell/pressebox/archiv_volltext.shtml?arch_1507/nachricht5680.html
    http://www.stadtentwicklung.berlin.de/pix/pressetool/denkmal_und_historie/alex_haus_bln_verlag_reisen_copy_bittner_620.jpg

    Berlin ist die einzige Metropole weltweit, die in ihrem Stadtbild Zeugnisse der beiden politischen Blöcke des Kalten Krieges vereinigt. Die beiden deutschen Staaten arbeiteten mit großem Ehrgeiz an ihrem repräsentativen Erscheinungsbild als „Hauptstadt der DDR“ bzw. als „Schaufenster des Westens“.

    Ost-Berlin sollte eine sozialistische Vorzeigestadt werden. Dem Alexanderplatz kam dabei eine besondere Bedeutung zu. Er ist gleichzeitig großstädtischer Verkehrsknoten, an dem wichtige Institutionen des gesellschaftlichen Lebens, der Wirtschaft und des Handels der DDR angesiedelt waren, und eine beruhigte Fußgängerzone um Brunnen und Weltzeituhr. Vergleichbare denkmalgeschützte Plätze in West-Berlin sind der Breitscheidplatz und der Ernst-Reuter-Platz.

    Das Landesdenkmalamt Berlin hat jetzt drei prominente Bauwerke am Alexanderplatz aus der Zeit um 1970 unter Denkmalschutz gestellt:

    – das Haus des Berliner Verlages, 1970-73, von den Architekten Karl-Ernst Swora, Rainer Hanslik, Günter Derdau, Waldemar Seifert und Gerhard Voss, mit Pressecafé und dem Fries „Sozialistische Presse“ von Willi Neubert (z.Z. überdeckt)
    – das Haus des Reisens, 1969-72, von den Architekten Roland Korn, Johannes Brieske, Roland Steiger mit dem Kupferrelief „Der Mensch überwindet den Raum“ von Walter Womacka
    – die Weltzeituhr, 1969-70, von Erich John

    DDR-Baukultur in Berlin: DDR-Häuser und Weltzeituhr am Alex unter Denkmalschutz | Berliner Zeitung
    http://mobil.berliner-zeitung.de/berlin/ddr-baukultur-in-berlin-ddr-haeuser-und-weltzeituhr-am-alex-u

    http://mobil.berliner-zeitung.de/image/22374818/2x1/600/300/d879a47c3574573723e8d1df5b841d9c/bl/imago64314974h-jpg.jpg

    Regina Weiss | Die Presse als Organisator
    http://archive.is/xrsTw
    http://regina-weiss.de/index.php?article_id=68
    https://archive.is/xrsTw/44d6245da72699610ca6b07a96b60efe1a6df0e9.jpg

    Die Installation “Die Presse als Organisator” besteht aus einem Fassaden-Banner, installiert im Straßenraum unterhalb des Gebäudes des ehemaligen "Pressecafés" am "Haus des Verlages" (Berlin, Alexanderplatz). Das lichtdurchlässige, schwarz-weiß bedruckte Fassaden-Banner zeigt den Ausschnitt eines ursprünglich zum Gebäude gehörigen Wandbildes von Willy Neubert mit dem Titel "sozialistische Presse".

    Neuberts Wandfries wurde 1969-1973 als Kunst am Bau für das Dach des Pressecafés am Haus des Verlages geschaffen, und war bis in die 1990er Jahre vor Ort sichtbar installiert. Wie die anderen Wandbilder im ehemaligen Hauptstadtzentrum der DDR hatte auch das Fries am Haus des Verlages die Aufgabe grundlegende Strukturen der sozialistischen Gesellschaft zu verbildlichen, und in den Straßenraum zu übertragen. So illustrierte das dynamische Figurenfries ein von der Sowjetunion geprägtes Bild der Einheit von Presse und Staat, dass auf das Verständnis der Presse in der DDR übertragen wurde. Wie im Wandbild durch zwei männliche Figuren, denen das Portrait von Karl Marx über die Schultern blickt, dargestellt, erfüllte die Presse in der DDR mittels ihrer engen Verbindung zur regierenden Sozialistischen Einheitspartei eine gesellschaftsbildende Funktion. In diesem Sinne zeigte Neuberts Bild den Aufbau der Presse als Struktur kollektiver Arbeit, als funktionierendes Abbild einer organisierten, sozialistischen Gesellschaft.

    Heute ist die inzwischen mit Platten verdeckte Fläche des Wandbildes mit großflächiger Leuchtreklame versehen. Im Pressecafé befindet sich das Restaurant eines privaten Betreibers. Nur der in den Hintergrund getretene Schriftzug Pressecafé am Dach des Gebäudes gibt Aufschluss über die Geschichte des Ortes. Die Installation bringt das Wandbild in fragmentarischer Form wieder zum Vorschein. Als grafische schwarz- weiß Umsetzung der ursprünglich farbigen Bildvorlage umspannt das Fassaden-Banner eine Ecke des Gebäudes im Straßenbereich. Im Sichtbar werden der symbolischen Bildsprache zeichnet sich die ursprüngliche Bedeutung des ehemaligen Pressezentrums ab. Im Gegensatz zur „erhöhten Darstellung“ sozialistischer Pressearbeit treten die Figuren des Wandfrieses in der erneuten Installation dem Passanten direkt gegenüber. Diese Begegnung mit dem historischen Wandbild erinnert zunächst an die Geschichte der umgebenden Architektur. Gleichzeitig eröffnet die Konfrontation mit dem utopischen Bild einer vergangenen Gesellschaftsform jedoch auch einen sichtbaren Raum der Reflektion, der die Fragestellung nach dem Umgang mit dem sozialistischen Erbe der DDR als eine Reflektion gegenwärtiger Gesellschaft ermöglicht.

    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/58/Press_Cafe_in_East_Berlin_on_Alexanderplatz%2C_1977.jpg

    #Berlin -Mitte #Alexanderplatz #Karl-Liebknecht-Straße #Otto_Braun_Straße #Münzstraße #DDR #Kunst #Architektur


  • Kundschafterlied (1986) Гимн Штази
    https://www.youtube.com/watch?v=YuRM7XJdjWw

    KUNDSCHAFTERLIED (Euer Dienst ist die Aufklärung)
    Komposition: unbekannt (aus der Sowjetunion)
    Text: unbekannt (deutsche Nachdichtung Markus Wolf)

    Euer Dienst ist die Aufklärung,
    Namen bleiben geheim
    Unauffällig die Leistungen,
    Stets im Blickfeld der Feind
    Das Gespräch mit Genossen,
    viel zu selten daheim,
    Für das Tragen der Orden
    Bleibt oft nicht mehr die Zeit.

    Wachsam sein, immerzu, — Wachsam sein!
    Und das Herz ohne Ruh’ — Wachsam sein!
    Auch in friedlicher Zeit — Wachsam sein! — nie geschont.
    Tschekisten, Beschützer des Friedens der Menschen,
    Soldaten der unsichtbaren Front.

    Selbst beim Lachen und Fröhlichsein
    Bleibt die Sehnsucht sehr groß
    Nach den Lieben zu Haus’ –
    vielleicht einem Jungen.
    Gar zu oft war der Abschied
    Viel zu schnell, fast wortlos.
    Nun summt Ihr beim Träumen
    Die Lieder früher oft gesungen.

    Jeder dieser Soldaten
    Kämpft am Frontabschnitt allein
    Und doch lernt jeder einzelne
    Kraft der Vielen zu erkennen
    Auf den Seiten im Buch des Ruhms
    Werden die Namen sein,
    All der Mutigen, die wir nicht,
    Heute noch nicht nennen.

    Эти люди военные
    Каждый славы достоин
    Имена их до времени
    Строго в тайне хранят
    Доказали не раз они
    Что один в поле воин
    Доказали не раз они
    Нет для смелых преград!

    Каждый миг на чеку!
    Каждый шаг на чеку!
    Даже в мирные дни
    Вечный бой.
    Чекисты — незримого фронта солдаты,
    Готовы на подвиг любой.

    #DDR


  • « L’unité de l’art et de la vie » – une utopie totalitaire de l’avant-garde politique et artistique. Comparaison de la révolution culturelle en URSS en 1929 et de la voie de Bitterfeld en RDA en 1959

    „Die Einheit von Kunst und Leben“ – eine totalitäre Utopie der politischen und künstlerischen Avantgarde. Die Kulturrevolution in der SU 1929 und der Bitterfelder Weg in der DDR 1959 im Vergleich

    http://ilcea.revues.org/1287

    En allemand seulement.

    „Die Einheit von Kunst und Leben“ – eine totalitäre Utopie der politischen und künstlerischen Avantgarde. Die Kulturrevolution in der SU 1929 und der Bitterfelder Weg in der DDR 1959 im Vergleich

    Eckhard Gillen

    En publiant son programme de la « voie de Bitterfeld », dont le nom se rapporte au premier congrès de Bitterfeld en avril 1959 dans la Maison de la Culture de l’entreprise du peuple (= nationalisée) qui porte le nom de combinat électrotechnique de Bitterfeld, le parti socialiste unifié est-allemand (= parti communiste) exige des artistes « d’unir l’art avec la vie », de combler « le profond fossé qui sépare l’art du peuple » en créant un art « populaire » et en promouvant un art « amateur » (« la création artistique populaire ») dirigé par des artistes professionnels. « Ainsi […] sera une fois pour toute abolie dans notre RDA la séparation de l’art et de la vie. » Les artistes devaient donc animer des cercles où ils donneraient aux ouvriers une formation artistique en vue de les transformer, conformément à l’« humanisme socialiste », en « hommes nouveaux » capables d’épanouir toutes leurs potentialités. Ainsi serait dépassée l’exploitation capitaliste des ouvriers contraints à un travail à la chaîne unilatéral. L’appel à abolir la frontière entre art et vie fait penser aux manifestes des expressionnistes et « actionnistes » allemands après la première guerre mondiale et à l’avant-garde soviétique de la révolution culturelle des années 1920. Selon la « voie de Bitterfeld », les « collectifs » d’ouvriers devaient discipliner les individualistes bourgeois qu’étaient les artistes que l’influence des cadres du Parti devait enfin soumettre. Le principe de l’éducation de l’artiste par le peuple aboutit au contraire : les artistes se solidarisent avec la résistance des ouvriers aux mauvaises conditions de travail. Lors du fameux Plénum du Parti dit de la « table rase » de décembre 1965, l’écrivain Christa Wolf comprend « que les relations entre les artistes et les entreprises les conduisaient à voir la réalité de ce qui s’y passait et à nouer des amitiés avec les ouvriers, les directeurs et d’autres professions et à être en fin de compte très bien informés de la réalité économique du pays ». C’est pour cette raison que le Parti mit en 1965 un terme à cette possibilité d’agir ouverte à l’art que les artistes et les écrivains avaient si bien su exploiter. La conséquence de l’expérience fut la naissance en RDA d’un art « vraiment » réaliste, qui dépassa le « réalisme socialiste » idéalisateur et mensonger. Le parallèle avec le rôle d’Ai Weiwei en Chine et le traitement qui lui a été réservé s’impose.

    #urss, #rda #ddr #arts_visuels #réalisme_socialiste #avant-garde #soviétisme #Bitterfeld


  • Braunbuch BRD
    https://archive.org/stream/braunbuchBRD/braunbuch_djvu.txt
    https://ia802603.us.archive.org/BookReader/BookReaderImages.php?zip=/19/items/braunbuchBRD/braunbuch_jp2.zip&file=braunbuch_jp2/braunbuch_0000.jp2&scale=4&rotate=0&.jpg
    A propos des nazis dans les deux états allemands après 1948. Le nombre et l’influence des meurtriers et de leurs complices furent systématiquement plus significatifs à l’Ouest qu’à L’Est. Pourtant il faut poser la question des anciens nazis au sein de la nomenklatura de l’état dit socialiste allemand.

    KRIEGS- UND NAZIVERBRECHER IN DER BUNDESREPUBLIK UND IN WESTBERLIN STAAT • WIRTSCHAFT • VERWALTUNG • ARMEE JUSTIZ • WISSENSCHAFT

    Le Braunbuch BRD fournit une liste de 1.800 criminels de guerre et d’autres fonctionnaires nazis qui ont commis des crimes et participé d’une manière significative à la terreur contre les peuples d’Europe. Son antagoniste Braunbuch DDR nous apporte des informations sur environ mille anciens membres du NSDAP que les institutions de la RDA jugeaient assez repentis pour leur confier des postes. Les sources que je connais ne mentionnent pas de criminels de guerre et d’assassins parmi les hommes et femmes énumérés dans le livre sur la RDA.

    Dans son film Wir Kellerkinder de 1960 Wolfgang Neuss se moque de l’hypocrisie des communistes et de leurs antagonistes à Berlin-Ouest.

    https://www.youtube.com/watch?v=c-NsBzYUO4c


    Wir Kellerkinder
    https://de.wikipedia.org/wiki/Wir_Kellerkinder
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43067689.html

    Braunbuch DDR
    http://www.trend.infopartisan.net/trd7809/t157809.html

    Als das BRAUNBUCH DDR 1981 in erster Auflage erschien, galt es gemeinhin unter Linken als Propagandamachwerk des Kalten Krieges, um dem in der DDR 1965 veröffentlichten BRAUNBUCH entgegen zu wirken, das SS-Dienstränge und NS-Parteiämter von 1.800 Wirtschaftsführern, Politikern und führenden Beamten der Bundesrepublik Deutschland auflistete.

    Nun folgte nach Überarbeitungen des Datenbestands die zweite Auflage des BRAUNBUCH DDR im Frühjahr 2009.

    Der Autor, Olaf Kappelt, ist, daran lässt er keinen Zweifel, ein Vertreter der bürgerlichen Soziologie. Der positivistische Soziologe René König lieferte ihm die Untersuchungsmethode, wie sie in der bürgerlichen Empirischen Sozialforschung gang und gäbe ist; die sich expressis verbis als Gegenentwurf zur Kritischen Theorie versteht und mit dieser um den ideologischen Einfluss - vornehmlich an den westdeutschen - Universitäten ringt. Folgerichtig hängt Kappelt politisch der Totalitarismus-These „rot=braun“ an.
    ...
    Daran kommt man als Linker nicht vorbei. Hier findet sich tausendfach empirisches Material fürs antideutsche Geschichtsbild.

    #Allemagne #DDR #BRD #histoire #nazis #communistes #guerre_froide


  • Internetpräsenz zu Ehren des 1986 verstorbenen Friedenskämpfers, Sängers, Schauspielers und Regisseurs Dean Reed
    http://www.deanreed.de
    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e6/Bundesarchiv_Bild_183-T1119-005%2C_Berlin-Sch%C3%B6nefeld%2C_Empfang_von_Dean_Reed.jpg
    L’histoire d’un jeune homme de Denver qui quitte son pays natal et poursuit sa carrière de chanteur. L’Amérique latine l’adore, il milite pour Salvador Allende, rejoint le combat d’Al Fatah et devient acteur et réalisateur en RDA.

    Dean Reed - The Red Elvis (2007)
    https://www.youtube.com/watch?v=81PlAQ1Sr38


    https://de.wikipedia.org/wiki/Der_rote_Elvis

    Le film officiel sur Dean Reed (1985)

    AMERICAN REBEL : The Dean Reed Story
    https://www.youtube.com/watch?v=lBZziSBxwwY

    https://de.wikipedia.org/wiki/Dean_Reed

    1961 schickte Capitol Records Reed auf Konzert-Tournee durch Argentinien, Chile, Brasilien und Peru. Am Flughafen von Buenos Aires wurde er von 100.000 Fans empfangen.[3] Die Ankunft in Santiago de Chile wurde live im Radio übertragen. Die Polizei setzte 58 Beamte ein, um ihn auf der Straße vor Fans zu schützen.[8] Die Tournee wurde ein triumphaler Erfolg. Um genügend Platz für Zuschauer zu bieten, mussten Fußballstadien angemietet werden. Reed kam nur kurz zurück in die USA und siedelte dann nach Argentinien über.

    Im gleichen Jahr war er in Argentinien und Chile beliebter als Elvis Presley, Paul Anka oder Neil Sedaka.

    Cet internationaliste maîtrisait couramment plusieurs langues.

    Reed sprach Englisch, Deutsch, Spanisch, Italienisch und Russisch

    #DDR #USA #Chili #Argentine #Palestine #musique #politique


  • Après la cartographie expérimentale, une bonne copine m’explique qu’il faudra penser à montrer les proto-cartes. On a déjà plus ou moins participé avec l’ami @philippe_de_jonckheere a un exercice qui ressemble à la publication de proto-truc par le passé.

    là j’ai trouvé sur twitter une photo incroyable qui représente le proto-mur de Berlin sur la bernaurstrasse :

    https://dl.dropbox.com/s/c40e6aag53cu8re/proto%20mur%20de%20berlin.png?dl=0

    #mur #berlin #ddr #proto



  • Lost Relic | Revolution : peace on our earth round
    http://lost-relic.com
    http://img.zeit.de/kultur/kunst/2017-01/mielke-panorama/original__820x134__desktop?.jpg
    Vendre du verre communiste aux anticommunistes étatuniens

    A rediscovered relic of the German Democratic Republic (GDR), “Revolution: Peace to our whole Earth” is an unequivocally unique piece of artistic history that exemplifies the convictions and aspirations of an entire era.
    The piece consists of 15 elaborate elements making up a 20 meter long multifaceted combination of coloured polygonal glass pieces that visualize communist motives. Initiated by Erich Mielke, the former Minister for State Security in the GDR, and crafted by Richard O. Wilhelm in 1982/83, it presents the culmination of a 300 year-old tradition in finest lead glass craftsmanship. As a monument to the past, “Revolution: Peace to our whole Earth” is a unique synergy of remarkable craftsmanship and grande aspirations.

    http://lost-relic.com/wp-content/uploads/2015/10/MfS-VRD-5903-Seite-0004-Bild-0013.jpg

    Il est intéressant d’assister à la tentative de créer une signification pour un objet d’art hors de son contexte original. Pour nous de tels objets sont les témoins d’une phase du développement de la société de la RDA, pour les acheteurs potentiels étatsuniens le marchand d’art transforme la pièce dans une oeuvre diablolique qui a servi à désacraliser le savoir faire des créateurs de fenêtres d’églises.

    Dans le commentaire du film de présentation le marchand d’art décrit comment la force diabolique au coeur de l’oeuvre est exorcisée d’abord par une longue quarantaine puis par les interventions d’experts (le vendeur) et d’une restaurateurice du musée de Pergame. On vend non pas un mur de verre mais un objet magique qui semble venir directement d’une aventure d’Indiana Jones.

    Le titre du site web le dit explicitement : on vend une relique communiste retrouvée. En même temps on donne raison à la définition étatsunienne de la paix : la pax americana triomphe sur la prétention mensongère communiste de représenter la force de la paix dans le monde.

    Quel chef-d’oeuvre de propgande !

    P.S. Si l’envie vous prend de l’aquérir : Il sera vendu pour la modique somme de 20 millions de Dollars. Prix original : M 250.000 (Mark der DDR).

    Frieden unserem Erdenrund by Richard O. Wilhelm
    https://www.youtube.com/watch?v=9LEX58JCeqQ

    DDR-Kunst : Die Mauer aus Glas | ZEIT ONLINE
    http://www.zeit.de/2017/03/glaskunstwerk-ddr-verkauf-miami-richard-otfried-wilhelm/komplettansicht

    #art #DDR #commerce #idéologie


  • Mit Lügen ins Gefecht / Das Zeitalter der modernen Kriege auf PR-Basis begann mit einem gigantischen Fake der US-Agentur »Hill & Knowlton« (junge Welt)
    http://www.jungewelt.de/m/artikel/299286.mit-l%C3%BCgen-ins-gefecht.html

    http://www.jungewelt.de/img/700/89907.jpg
    Der Zweite Golfkrieg – auch er begann mit einer Lüge. Dubai, 17. Januar 1991 Foto: GREG BOS/Reuters

    Comment des agences de communication fabriquent des mensonges pour justifier des guerres.

    Von Otto Köhler

    Gell, das könne sich ein Multimilliardenkonzern schon mal erlauben, klagte Stefan Plöchinger über die Künast-SZ-Fälschung auf Facebook. Sie war nach zwei Tagen immer noch nicht gelöscht. Aber auch ein kleinerer Konzern wie die Süddeutsche darf sich für viel längere Zeit was erlauben. Letztes Jahr im November hielt ich vor der Akademie für Sprache und Dichtung die Laudatio für Gabriele Goettle, die den Ernst-Merck-Preis bekommen sollte und ihn an die pharmakritische Initiative BUKO weitergab. Die Süddeutsche berichtete: Da »las selbst ein alter Streithammel wie Otto Köhler seine Brandrede zu Ehren der ›schwarzen Botin‹ Gabriele Goettle und des serbischen Poeten Radovan Karadzic brav vom Blatt …« Ich hatte mich in meinem Leben noch nie mit Karadzic beschäftigt, auch in dieser »Brandrede« nicht. Der Vorwurf, zu seinen Ehren eine Rede gehalten zu haben, ist – zumindest für die Süddeutsche Zeitung selbst – so schwerwiegend wie das Künast-Fake.

    Dreimal hatte ich der Süddeutschen eine – nur automatisch bestätigte – freundliche Mail geschickt, dass ich mich nie mit Radovan Karadzic beschäftigt habe, schon gar nicht in meiner Goettle-Laudatio.

    Keine Reaktion. Auch nicht, als später der von mir angerufene Presserat die Zeitung nachdrücklich auf die Segnungen korrekter Recherche aufmerksam machte.

    Prof. Dr. Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung, spricht am 30. Januar 2017 im Rahmen der »Lügenpresse«-Ringvorlesung der Hamburger Universität. Er gehört wie ich der Schriftstellervereinigung PEN an. Ihm hatte ich eine (die vierte) Mail, die ohne Antwort blieb, geschickt. Sein spezielles Thema am letzten Montag im Januar: »Trotz alledem. Von der Ehrenrettung eines systemrelevanten Berufs«. Er wird mir um 18 Uhr im Universitätshauptgebäude, Hörsaal B, gewiss erklären, warum ich – »trotz alledem« – eine Brandrede zu Ehren von Radovan Karadzic gehalten haben muss. Otto Köhler

    Stefan Plöchinger, Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung, war empört: »Es ist jetzt schon ein paar Stunden her, dass wir Facebook gemeldet haben, dass das hier Fake News sind (ausgegeben als Künast-Zitat in der SZ). Außer einem Versprechen, dass man schauen wird, was man machen kann, ist halt leider nichts passiert. Kann sein, dass noch ›was gemacht werden kann‹; aber hey: Ein paar Stunden lang nicht wissen, was man mit so einem demokratiezersetzenden Dreck machen soll – das kann man sich als Multimilliardenmedienkonzern schon mal erlauben, gell?«

    Auf Facebook war ein Satz erschienen, den die Grünen-Politikerin Renate Künast zum Mord von Freiburg in dieser Rechtschreibung zur Süddeutschen Zeitung gesagt haben soll: »Der traumatisierte Junge Flüchtling hat zwar getötet man muß ihm aber jetzt trotzdem helfen.« Künast hatte das nie gesagt und in der Süddeutschen schon gar nicht. Das angebliche Zitat stand mit der Überschrift »KRANK oder?!?« auf der Facebook-Seite »Widerstand deutscher Patrioten« des Schweizer Rechtsextremisten Ignaz Bearth und wurde mehr als 5.000mal geliked und auf anderen Seiten weiterverbreitet. Künast protestierte bei Facebook, die Süddeutsche auch. Aber es dauerte drei Tage, bis der Konzern die Fälschung entfernte.

    Künast: »Mein Fall zeigt, dass die ›schnelle‹ Löschung von Hass- oder Falschnachrichten, wie von Facebook angekündigt, nicht funktioniert.« Die Abgeordnete stellte fest: »Facebook ignoriert weiterhin unser geltendes Recht.«

    Ihr Bundestagskollege, der CSU-Innenpolitiker Stephan Mayer, weiß Abhilfe. Letztes Wochenende forderte das Mitglied des NSA-Ausschusses im Tagesspiegel »einen entsprechenden Straftatbestand« für »Desinformationskampagnen«. Er bezog sich allerdings eher auf Kampagnen, von denen behauptet wird, dass sie aus Russland kommen. Aber grundsätzlich ist die Idee interessant.

    Sobald Mayers Straftatbestand geschaffen ist, werden unsere Sicherheitsorgane die Standorte von »Hill & Knowlton Strategies« besetzen, die seit 1963 in Deutschland zu Hause sind: »Mit Büros in Frankfurt am Main, Berlin und Düsseldorf sind wir in den wirtschaftlichen und politischen Zentren Deutschlands vertreten und exzellent vernetzt.« Die »H & K Strategies«-Berater von der Berliner Friedrichstraße 148 etwa verfügen »über umfangreiche Erfahrung auf dem Berliner Parkett und belastbare Kontakte zu Entscheidern in Politik, Medien und Wirtschaft«.

    Solch belastbaren Kontakte ermöglichten schon den Zweiten Golfkrieg. Am 10. Oktober 1990 gab Amnesty International im Washingtoner Capitol eine Pressekonferenz für die fünfzehnjährige »Najira«. Sie sei dabeigewesen, versicherte sie unter Tränen, als in Kuwait einmarschierte irakische Soldaten in das Al-Adan-Krankenhaus eingedrungen seien und fünfzehn Babys aus ihren Brutkästen gerissen und zu Boden geschleudert hätten. CNN und alle größeren Fernsehstationen übertrugen diese Pressekonferenz.

    Am 19. Dezember 1990 veröffentlichte Amnesty International einen 84-Seiten-Report, wonach zusätzlich »über 300 Frühgeburten« von irakischen Soldaten getötet worden seien. Präsident Bush erwähnte das in den folgenden Wochen mindestens zehnmal. Und Amnesty bestätigte dies am 8. Januar 1991 vor dem Komitee für auswärtige Angelegenheiten. Am 12. Januar stimmte der US-Senat für den Krieg.

    »Augenzeugin Najira« hatte das Krankenhaus nie gesehen. Sie war die wohlpräparierte Tochter des kuwaitischen Botschafters in den USA, die Brutkastenlüge, die sie in die Welt setzte, hatte »H & K« erfunden. Der so zustande gebrachte Krieg der USA kostete mehr als 100.000 Irakern das Leben. Als das Schlachten vorbei war, kam heraus, dass die kuwaitische Exilregierung für zehn Millionen Dollar »Hill & Knowlton« mit einer PR-Kampagne für ein militärisches Eingreifen der USA beauftragt hatte.

    Und so werden seither unsere Kriege von den PR-Agenturen herbeigeschafft. »Mein lieber Professor Hunzinger, das haben Sie sich verdient«, erklärte, stellvertretend für seine Ministerin Ursula von der Leyen, der Brigadegeneral Eckart Klink und überreichte dem Geehrten für »außerordentliche Verdienste um die Verteidigungswürdigkeit Deutschlands« das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold. Aus deren Sicht wohl völlig zu Recht. »Professor« – für PR und Kommunikation – ist Moritz Hunzinger in der Ukraine. Hierzulande aber ist er der große Promotor unseres Endsieges gegen Jugoslawien und der Einkleider – sogar einen eleganten Anzug hat er ihm gekauft – des damaligen Bundesverteidigungsministers Rudolf Scharping, der so eindrucksvoll wie Najira Geschichten aufzusagen wusste, etwa von den schwangeren Frauen, die von Serben ermordet wurden – Bauch aufgeschlitzt, Embryo herausgeschnitten und gebraten, wieder reingelegt und zugenäht.

    Im Krieg zur endgültigen Vernichtung Jugoslawiens waren PR-Agenturen mit ihren Fakes die Strippenzieher an vorderster Front und die rücksichtslosen Kämpfer im Hinterland. Der Politikwissenschaftler Jörg Becker und die OSZE-Diplomatin Mira Beckham haben das in ihrem Buch »Operation Balkan: Werbung für Krieg und Tod« (Nomos-Verlag, 2006) sorgfältig und erschreckend dokumentiert. Allein für die »Serbien-Informationskampagne« von Moritz Hunzinger sind auf den letzten drei Seiten dreißig Termine aufgeführt. Die Fakes (Massaker von Racak, Hufeisenplan), mit deren Hilfe auch US-Agenturen in Jugoslawien Krieg produzierten, nicht gerechnet.

    Hill+Knowlton Strategies
    http://www.hkstrategies.com/about
    http://43utcdbre7r3eer0x3d29s51.wpengine.netdna-cdn.com/wp-content/themes/hk/images/logo-hk.png

    We help brands and the public communicate.

    H+K offers senior counsel, insightful research and strategic communications throughout the world. With over 85 offices in 47 countries around the globe, our teams collaborate across time zones, languages, and cultures to help clients make solid decisions and craft compelling campaigns in today’s measurable world.

    We know it’s all connected, and how.

    We understand how audiences think and engage with the world, and recognize that in today’s ever-connected world, it’s all about integrated communications. It can no longer be just about business-to-business or business-to-consumer. We build entire ecosystems with human experience at the front and center – business-to-human integrated communications. And not just that, we know that smart brands care about making an impact on the world and that their messages contribute to a broader purpose.

    We work with the best of the best.

    Our firm has been in this business for more than 90 years, and our world-class teams of trusted advisors and creative experts have a wealth of experience in helping clients strengthen brands, reputations and bottom lines. We work with over 50% of the Fortune Global 500 companies and some of the world’s most transformative social enterprises and technology companies in both established and emerging markets. Our relationship with WPP – one of the world’s largest communications groups – gives us an unmatched worldwide presence.

    We are master storytellers, content creators + data geeks.

    We are structured around ideas, insight and data. Our cutting-edge proprietary products, such as Singlescore™, and Sherlock™ ensure we have our fingers on the pulse of public sentiment, both locally and around the globe. Our expertise in the owned, earned and shared media space proves we deliver credible, engaging ideas and stories that deliver measurable impact in an always-on world.

    We deliver depth and breadth.

    We have a depth of expertise in a variety of sectors, including: Healthcare, Technology, Energy + Industrials, Financial + Professional Services, Retail + Leisure, Food + Drink and Consumer Packaged Goods. Our London office is home to our first Centre of Creative Strategy, a global initiative to embrace and equip our network for the ever-changing and evolving media landscape. In addition to the Hill+Knowlton Strategies brand, we also house Group SJR, the world’s leading content marketing experts; Blanc & Otus, a premier technology boutique; and Research + Data Insights, a best-in-class research and analytics consultancy.

    Home : Hill+Knowlton Strategies Deutschland
    http://www.hkstrategies.de/de

    Online Reputationsmanagement • Reputation • REVOLVERMÄNNER
    https://www.revolvermaenner.com

    #guerre #propagande #Berlin #Mitte #Friedrichstraße #DDR-Handelszentrum