• Babys auf dem internationalen Markt
    https://www.nd-aktuell.de/artikel/1198749.leihmutterschaft-babys-auf-dem-internationalen-markt.html

    La vision de l’avenir d’une certaine Ayn Rand est en train de devenir une prophétie autoréalisatrice.

    1943, Schwester in einem Lebensbornheim

    La pollution et l’aliénation dans les sociétés industrialisées appelée « conditions de vie » font baisser d’une manière radicale la fertilité des couples en age de procréer. A la fin seulement les vrais riches et leur cour auront les moyens nécessaires pour acheter un enfant mis au monde par une mère porteuse dans un pays africain. Ces enfants de la race de Übermensch seront des blancs soigneusement sélectionnés parmi des millier d’œufs fécondés

    On fabrique des bébés riches dès la prise en mains par leurs parents acheteurs. L’élite contourne ainsi le vieux problème de la noblesse dégénérée par mariages répétés entre cousins. Au contraire, la nouvelle classe dominante élargira soigneusement soon pool génétique avec chaque nouvelle génération.

    Les superflus moins fortunés seront jetés dans l’abîme de l’idiotie, de la consommation et de la dégénération biologique. On les euthanasiera suivant l’exemple de Soylent Green .

    Le cas de l’ancien ministre de la santé allemand, un homme qui est en relation avec Peter Thiel et fait objet du scandale du jour à cause de l’achat d’un enfant, n’est qu’un signe précurseur d’un développement général plausible.

    Jusqu’ici ce sont des spéculations et extrapolations.

    Nous constatons par contre le fait qu’aujourd’hui un organisme du type Lebensborn n’a pas besoin d’idéologie nazie ni de centres de procréation nordique. L’empoissonnement des corps humains et le marché capitaliste l’ont reproduit sous forme de chaîne de production mondialisée. L’imaginaire dystopique et la réalité sous l’impérialisme états-unien se sont fondus dans une activité économiques spécifique et rentable.

    Soyez rassurés, pour le moment ce n’est pas grave. Le monstre capitaliste en fera naître d’autres horreurs. Préparez-vous à les faire tomber.

    2.4.2026 von Irina Herb - Um den Kinderwunsch hat sich eine globale Ökonomie entsponnen, viele Leihmütter kommen momentan aus Ghana. Wie kann eine linke Kritik daran aussehen?

    Bestellen Sie online, von überall und von jedem Gerät«. – »Sichern Sie sich 10 000 Dollar Rabatt«. Bei diesen Werbungen von zwei internationalen Unternehmen geht es nicht um das neueste iPad oder Auto, sondern um menschliche Eizellen und um Babys. Eizellen können von einer dänischen Eizellbank bestellt, in der Ukraine befruchtet und genetischen Tests unterzogen werden. Wenn gewünscht, werden sie nach Geschlecht selektiert und nach Ghana geschifft, wo sie von einer sogenannten Leihmutter ausgetragen werden. Nach etwa zehn Monaten, so das Versprechen, kann das Baby für einen Preis von etwa 36 000 bis 60 000 US-Dollar von deutschen Wunscheltern abgeholt werden.

    Dieses Beispiel ist nur eine von mittlerweile unzähligen Möglichkeiten, auf kommerziellem Wege und mit Rückgriff auf die Körper Dritter, ein »eigenes« Kind zu bekommen. Ob Eizellen von Frauen aus der Ukraine, die groß, blauäugig, intelligent oder »musikalisch« sein sollen, Selektion von Embryonen durch Künstliche Intelligenz in San Diego (USA), genetische Tests durch ein indisches Unternehmen oder Leihmutterschaft in Georgien, Armenien, Mexiko, Kolumbien, Argentinien, Ghana oder der Ukraine – all diese Möglichkeiten stehen mittlerweile für zahlungsfähige Kundschaft zur Verfügung und wurden am Wochenende des 8. März 2026 auf der Messe »Wish for a Baby« in Berlin beworben – obwohl Leihmutterschaft und Eizell-»Spende« in Deutschland illegal sind.

    In konservativen bis rechten Kreisen wird Kritik an Leihmutterschaft geübt, zuletzt, wie im »nd« analysiert, bei dem am gleichen Wochenende stattfindenden Kongress »Kinder und Kommerz« der »Aktion Lebensrecht für Alle« – also Gegnern von Schwangerschaftsabbrüchen. Mit dabei: CDU- und AfD-Mitglieder sowie rechte Influencer*innen wie Birgit Kelle. Durchzogen von Trans*feindlichkeit und konservativen Ideen einer vermeintlich »natürlichen« Familie, wurde dort die Kommerzialisierung des Kinderkriegens skandalisiert.

    Die industrienahe Lobby und liberale Gruppen, inklusive der FDP, sehen im Markt von Eizellen und Schwangerschaft hingegen oftmals die Emanzipation von Frauen, technologischen Fortschritt und Gleichstellung von LGBTQI+, die von der Industrie als kaufkräftige Zielgruppe entdeckt wurden.

    Eine konsistente Antwort auf Leihmutterschaft und Eizell-»Spende« von links bleibt hingegen bisher aus. Vor diesem Hintergrund lohnt ein Blick auf den Leihmutter-Markt unter macht- und kolonialismussensiblen Gesichtspunkten.
    Von globalen Fertilitätsketten

    Leihmutterschaft – also das freiwillige oder erzwungene Austragen eines Kindes für eine andere Person – gab es vermutlich schon immer. Neu ist die sogenannte gestationale Leihmutterschaft, bei der Embryos aus Eizellen und Spermien außerhalb des Körpers erzeugt und einer dritten Person eingesetzt werden. Die Schwangere ist dementsprechend genetisch nicht mit dem Baby verwandt. Diese Form boomte nach technischen Fortschritten ab den 80er Jahren zuerst in den USA.

    Der hohe Preis (100 000 bis 180 000 Dollar für ein Kind) bewegte die Industrie, neue Standorte mit niedrigeren Preisen und vorteilhafteren Regulierungen zu suchen. So entstanden ab den 2000er Jahren in Indien und Thailand Hotspots, die aufgrund strikter werdender Regulierung durch solche in weiteren Ländern wie Georgien, der Ukraine und Mexiko ersetzt oder komplementiert wurden.

    Eine eher neue Entwicklung ist die Erschließung afrikanischer Leihmütter-Märkte wie in Ghana und Kenia für Wunscheltern aus dem Globalen Norden. Durch aggressives Marketing und »Low Budget«-Optionen werden neben der afrikanischen Diaspora dezidiert weiße Europäer*innen und US-Amerikaner*innen angesprochen. So zeigte eine ghanaische Agentur auf der Messe »Wish for a Baby« Bilder von weißen Babys und versicherte, dass die Embryonen mit genetischem Material aus Europa in Zypern hergestellt werden können – diese würden persönlich mit dem Flugzeug dort abholt.

    Ghana steht exemplarisch dafür, wie Fertilität und Schwangerschaft schon immer in kapitalistische und damit auch (neo)koloniale Strukturen eingebettet waren. Wer dort Leihmutterschaft erforscht – wie ich es Anfang dieses Jahres zusammen mit Sabina Appiah-Boateng an der University of Cape Coast tun durfte – kommt nicht um die (neo)koloniale Vergangenheit und Gegenwart herum.

    Ghanas Küste ist gesprenkelt von kolonialen Schlössern, die den Schweden, Dänen, Portugiesen und Briten – und im Osten auch den Deutschen – zu Gräueltaten, inklusive der Vergewaltigung und des Handels mit versklavten Menschen, dienten. Versklavte Menschen wurden nicht nur zur Arbeit auf Plantagen gezwungen, sondern auch zur Schwangerschaftsarbeit: Die biologische Vermehrung – systematisch durch Vergewaltigungen vorangetrieben – der versklavten Menschen war ein zentraler Bestandteil der Ökonomie in den siedlerkolonialistischen Amerikas. In dieser, so rekonstruiert die US-amerikanische Philosophin und Bürgerrechtlerin Angela Davis, wurden Frauen dazu gezwungen, bis zu 18 Kinder zu bekommen, die ihnen nicht selbst »gehörten«. Davis sieht vor diesem Hintergrund in heutiger Leihmutterschaft ein Echo versklavter Frauen.
    Die »doppelt freie« Schwangere

    Heutzutage treten Frauen aus Ghana und den umliegenden Ländern durch eine sogenannte freie Entscheidung in ein Leihmutterschaftsarrangement ein – so frei, wie frau eben entscheiden kann, wenn sie Geld zum (Über)Leben für sich und ihre Kinder braucht. Dieser Zusammenhang erinnert an den Marx’schen Begriff des »doppelt freien Arbeiters«. Aufgrund der globalen Asymmetrie lässt sich diese Ausbeutung mit dem in Ghana entstandenen Konzept des Neokolonialismus verbinden: Kwame Nkrumah, Ghanas sozialistischer und erster Präsident, kritisierte in den 60er Jahren, dass ehemalige Kolonien zwar erfolgreich formale Unabhängigkeit erkämpften, aber innerhalb des kapitalistischen Weltsystems weiterhin von außen kontrolliert würden. Dies, so seine Diagnose, zwinge die ehemaligen Kolonien weiter zu unterbezahlter und gefährlicher Arbeit sowie ungleichem Handel.

    Eine ghanaische Agentur zeigt Bilder von weißen Babys und versichert, dass die Embryonen mit genetischem Material aus Europa hergestellt werden können.

    Diese Asymmetrie, die durch ein liberales Verständnis von Vertragsfreiheit verdeckt wird, drückt sich unter anderem dadurch aus, dass das Leihmutterschafts-Verhältnis durch einen Vertrag geregelt wird, den die Leihmutter aufgrund mangelnder Mittel in den meisten Fällen nicht gerichtlich durchsetzen könnte. Dagegen verpflichtet sie sich den Agenturen und Kliniken gegenüber nicht nur dazu, das Kind nach der Geburt abzugeben, sondern auch dazu, weitreichende Rechte und Selbstbestimmung aufzugeben.

    In den von uns beforschten Fällen wohnen Leihmütter in Sammelunterkünften, die sie nicht verlassen dürfen – wenn sie ins Krankenhaus müssen, werden sie von einem Taxi hin- und zurückgebracht. Ihre Handys werden ihnen teilweise entzogen, und in mehreren Fällen dürfen sie ihre Kinder und Familienangehörige gar nicht oder nur unter Aufsicht sehen. Sie müssen auch unterschreiben, dass sie keinen Sex haben und die vorgeschriebene Nahrung und Medizin zu sich nehmen werden.

    Wie mehrere der interviewten Vermittler betonten, sollen die Leihmütter gar nichts machen, um das »Outcome« des »Programms«, wie es mitunter genannt wurde, nicht zu gefährden: »Sie üben keinerlei Aktivitäten aus. Ihre Aufgabe besteht darin, zu essen, ihre regelmäßigen Dehnübungen zu machen und sich viel auszuruhen. Hygiene ist entscheidend.« Auch über die Art der Geburt – vaginal oder durch Kaiserschnitt – dürfen sie nicht mitentscheiden. Wie ein Arzt sagte: »Die Entscheidung über die Geburt liegt bei mir.« Hingegen können die »Wunscheltern« – so werben mehrere Agenturen explizit – teilweise darüber befinden, ob sie bei der Geburt dabei sein wollen.

    Solche Mechanismen zur Optimierung von Schwangerschaften erinnern an Taylorismus, also an die Versuche Frederick Winslow Taylors im 19. Jahrhundert, die Stahlindustrie durch Standardisierungen, minutiöses Management fragmentierter Arbeitsschritte und Arbeitsteilung effizienter zu strukturieren.
    Ware Baby: In der rechten Kritik an Leihmutterschaft ist das Motiv vom zusammengebauten, künstlichen Baby beliebt, um die »natürliche« Familie zu propagieren.

    In diesem Zusammenhang scheint es auch auffällig – ohne dass gesicherte Zahlen vorliegen –, wie häufig es zu Zwillings- und sogar Drillingsgeburten kommt. Es ist eine so häufige Erscheinung, dass es unterschiedliche Preise gibt: Zwei Kinder gibt es zwar nicht zum Preis von einem, aber billiger als zwei separate Schwangerschaften. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass mehrere Embryonen eingesetzt werden, um Kosten zu drücken und die Erfolgschancen auf eine erfolgreiche Einpflanzung eines Embryos auf Kosten der Leihmutter zu erhöhen. Für all das bekommt die Leihmutter bei einem einzelnen Kind etwa 2000 bis 5000 Dollar – wohl in etwa so viel wie ein deutsches Wunschelternteil in einem Monat verdient.

    Babys: Eine vulnerable Ware

    Klar wurde auf der Messe, insbesondere in Kombination mit den Einsichten aus Ghana: Heute kann sich jede*r, die oder der die Mittel hat, durch Leihmutterschaft ein Baby kaufen. Selbst die sonstige Unberechenbarkeit von Schwangerschaft wird durch »Liefergarantien« (»guaranteed baby-take home packages«) aus dem Weg geräumt – zumindest für die Wunscheltern.

    Dabei ist nicht nur bedenklich, dass Wunscheltern dazu motiviert werden, ihre Babys zu ›optimieren‹, indem sie dazu ermutigt werden, nicht nur das genetische Material nach ihren Präferenzen auszusuchen, sondern auch genetisch zu ›screenen‹ und auszusortieren – ein Trend, der momentan insbesondere im Silicon Valley im Kontext einer »selektiv pronatalistischen« Ideologie propagiert und finanziell unterfüttert wird. Auch der mangelnde Schutz von Kindern gibt zu denken. In vielen Fällen, darunter in Ghana, existiert keine konsistente Regulierung oder Informationen darüber, was mit Babys aus Leihmutterschaftsarrangements passiert. Wie mir ein ghanaischer Anwalt sagte: »Wenn ich das Geld habe, kann ich eine Frau dazu bringen, als Leihmutter zu fungieren, und zack – ich bezahle die Anwälte und werde Elternteil. Es wird so einfach, dass solche Dinge geschehen, und das grenzt schon an Kinderhandel.«

    Das »Wall Street Journal« berichtete beispielsweise von einem superreichen Unternehmer, der bis zu 100 Kinder via Leihmutterschaft gezeugt haben soll. Außerdem tauschen sich Männer in Internetforen darüber aus, wie sie durch Leihmutterschaft an Kinder kommen können. So schreibt ein Forenmitglied, dass in Ghana viele Single-Väter unterwegs seien; die meisten von ihnen hätten das Sorgerecht für ihre biologischen Kinder entweder durch ihre »Ex-Frauen« oder das Jugendamt verloren. Um dieses »Trauma«, wie er es nennt, nicht wiederholt erleben zu müssen, biete es sich an, in Ghana ein »eigenes« Kind per Leihmutter zu »bekommen«. Die Vereinten Nationen schlugen bereits 2018 Alarm.
    Unerfüllte Kinderwünsche

    Kritik an kommerzialisierten internationalen Leihmütter-Märkten greift zu kurz, wenn sie nicht auch den unerfüllten Kinderwunsch politisiert. Im Jahr 2020 waren über 40 Prozent der 25- bis 34-Jährigen in Deutschland ungewollt kinderlos, ein Anstieg von zehn Prozent in weniger als zehn Jahren. Diese Zahlen sind politisch und werden mitunter von rechts vereinnahmt. Dabei weisen diese Zahlen auf wichtige politische Schieflagen hin. Denn steigende biologische Infertilität hängt erwiesenermaßen mit Umweltverschmutzung – darunter Pestizidbelastung, Mikroplastik, hochprozessierte Ernährung und Lärmbelastung – und einem Mangel an guter Gesundheitsversorgung zusammen. Beispielsweise warten Menschen, die unter Endometriose leiden, momentan etwa sechs bis zehn Jahre auf eine Diagnose. Diese Zeit kann einen erheblichen Einfluss auf die Kinderplanung haben.

    Zur steigenden biologischen Infertilität kommt die sogenannte soziale Infertilität, die ebenso politisch ist: Menschen entscheiden sich aufgrund äußerer Umstände, den Kinderwunsch zu verschieben oder aufzugeben. Dazu gehören unter anderem ökonomische Unsicherheiten, die Weltlage und die Wohnungskrise. Eine Studie zum Zusammenhang von Wohnraumverfügbarkeit und Rückgang der Geburtenrate in den USA zeigt: Menschen in überteuerten Mietverhältnissen schieben ihren Kinderwunsch stärker auf als jene in bezahlbarem oder gekauftem Wohnraum. Und mit steigendem Alter wird das Schwangerwerden schwieriger. Die Autor*innen der Studie, Irakli Japaridze und Nagham Sayour, schlussfolgern: Sogar temporäre Wohnungskrisen können langfristige Auswirkungen auf die »Alterspyramide« haben.

    Hier schließt sich der Kreis von global ungleich verteilter Fertilität, Schwangerschaft und dem Recht auf Leben im Kontext globaler Leihmutterschafts-Märkte. Es ist nämlich diese sich wandelnde Demografie und sogenannte Überalterung im Globalen Norden, die momentan im Kontext sinkender Geburtenraten zu Warnrufen von Eliten wie Trump und kapitalnahen Institutionen wie McKinsey oder der OECD führt. Und tatsächlich lässt sich sagen: In kapitalistischen Gesellschaften sind sinkende Geburtenraten und steigende Lebenserwartung eine Herausforderung, da diese das Hauptaugenmerk auf die Generierung von Profit legen, statt auf Sorgearbeit und Bedürfnisbefriedigung.

    Das Rentensystem und die Versorgung Pflegebedürftiger drohen deshalb bei der Alterung einer Gesellschaft zusammenzubrechen. Vor diesem Hintergrund versuchen viele der reichen Staaten momentan nicht nur, das Recht auf Rente und Teilzeit anzugreifen, sondern auch, Teile der eigenen Bevölkerung dazu zu ermutigen, mehr Kinder zu bekommen – während sie andere junge Menschen im Mittelmeer ertrinken oder mit deutschen Waffen und Geldern zerbomben lassen.

    So finden sich diejenigen, die sich erfolglos ein »eigenes« Kind wünschen, in einem System wieder, das die Konditionen für das Kinderkriegen unterminiert und gleichzeitig nach mehr Kindern ruft – idealerweise aus den »richtigen« Schichten, mit der »richtigen« Hautfarbe und ohne Behinderung. Statt sozialer Lösungen für die Care- und Wohnkrise werden technologische »Fixes« und Outsourcing angeboten: Fertilitätsbehandlungen verheirateter heterosexueller Paare werden in Deutschland subventioniert, und bei der Bewerbung illegaler Praktiken wie Leihmutterschaft und Eizellspende wird ein Auge zugedrückt – während es bis vor Kurzem zu Anklagen führte, wenn Ärzt*innen Informationen zu Schwangerschaftsabbrüchen bereitstellten.

    #sélection #eugénisme #impérialisme #iatrocratie #dystopie #enfants #esclavage #colonialisme

  • Est-il vrai que de véritables génies existent ? - Regarder le documentaire complet | ARTE
    https://www.arte.tv/fr/videos/127454-005-A/est-il-vrai-que-de-veritables-genies-existent

    "Alors cette notion de #génie, en fait, elle s’applique à trois catégories de réalité. La première, c’est la capacité d’une personne, son #talent. La deuxième, c’est la réalisation de son talent dans des œuvres. Et la troisième, c’est la #reconnaissance de ce talent par la gloire. Il convient donc de distinguer le culte de l’artiste de son œuvre et de son talent."

    "C’est au début de l’ère moderne que naît en Europe le concept de génie tel que nous le connaissons aujourd’hui. Un basculement s’opère au XVIIIe siècle. On donne l’idée selon laquelle le génie est un esprit divin. Avec le bannissement des esprits, le génie moderne entre en scène et prend la relève. Le concept moderne du génie apparaît à une époque où les philosophes des Lumières commencent à chasser les dieux et (…)

    #mérite #romantisme #spiritualité #admiration #idolatrie #eugénisme #sociologie

  • Projet de loi SURE : main basse sur les données génétiques par la police
    https://www.laquadrature.net/2026/05/20/projet-de-loi-sure-main-basse-sur-les-donnees-genetiques-par-la-police

    Vous souvenez-vous du kit de test génétique offert par votre proche à Noël ou pour votre anniversaire ? Curieux·se d’en savoir plus sur vos origines, vous avez soigneusement emballé votre échantillon de salive pour l’envoyer à…

    #Données_personnelles #Surveillance

    • Je me rappelle d’une époque quand on geulait á toutes les manifs Polizei, SA, SS et voilà nous y sommes. L’ #eugénisme, le #predictive_policing et l’ #intelligence_artificielle se lient d’amitié avec les états entre les mains des criminels organisés. Pas la peine d’être palestinien en terre occupée, le nouveau fascisme a déjà conquis l’occident, nous sommes tous pareils face à l’ennemi. Étant dépourvu de culture humaine il est en train de chercher sa devise officielle pour la postérité . Le RN et l’AfD se chargeront de l’élimination des races impures, ensuite les riches et puissants n’auront plus qu’à faire euthanasier la populace superflue par les robots plus intelligents que les consommateurs de Tiktok.

      Voilà l’apocalypse IA, John Galt sera un robot au service de l’élite éliminatoire, pas besoin de soylent green pour le nourrir.

      Heureusement les batailles ne se déroulent jamais comme prévues. 炮打司令部 !

      https://fr.wikipedia.org/wiki/Bombardez_le_quartier_g%C3%A9n%C3%A9ral

      #eugénisme #it_has_begun

  • Epigenetik : Wie Väter Lebenserfahrungen an Kinder vererben
    https://www.telepolis.de/article/Epigenetik-Wie-Vaeter-Lebenserfahrungen-an-Kinder-vererben-11290047.html

    Bild : Pixel-Shot / Shutterstock.com

    Messieurs, vos enfants sont des génies qui réussissent dans la vie ? Vous pouvez être fiers, c’est votre train de vie sain et raisonnable qui vous a donné des spermes de génie ! L’inverse est vrai aussi, malheureusement. La science moderne falsifie l’idéologie médicale machiste qui veut que ce soit exclusivement le comportement de la mère qui représente un danger pour la santé génétique fétale.

    Contents de votre nouvelle responsabilité ? Calmez-vous, il n’y a pas encore de preuves exactes pour l’hypothèse, puis avez-vous vu qui a financé la recherche qui a pondu les indices derrière les gros titres accrocheurs ?

    14.5.2026 von Bernardo Cantz - Forscher weisen nach, dass kleine RNA-Fragmente im Sperma den Lebensstil des Vaters an Nachkommen weitergeben.

    Wer gesunde Kinder zeugen will, sollte vielleicht selbst erst einmal joggen gehen – zumindest legen das aktuelle Ergebnisse der Forschung nahe. Denn auf dem Weg zur Eizelle transportieren Spermien offenbar weit mehr als nur das väterliche Erbgut.

    In ihnen stecken winzige RNA-Moleküle, die Informationen über den Lebensstil des Vaters an die nächste Generation weiterreichen. Ob Sport, Ernährung, Stress oder Alkoholkonsum: All das hinterlässt molekulare Spuren in den Keimzellen, wie Ars Technica in einer umfassenden Übersicht zusammenfasst.

    An der Universität Nanjing setzte der Biochemiker Xin Yin Mäuseväter auf Miniaturlaufbänder und untersuchte anschließend deren Spermien. Ergebnis: Im Vergleich zu inaktiven Artgenossen enthielt das Sperma der Sportler deutlich höhere Konzentrationen sogenannter microRNA.

    Das allein wäre noch eine Korrelation. Doch Yins Team ging einen entscheidenden Schritt weiter. Die Forscher isolierten die RNA-Moleküle und injizierten sie in Embryonen nicht verwandter Mäuse. Die daraus heranwachsenden Tiere zeigten eine ebenso gesteigerte Ausdauer und geringere Milchsäurebildung wie die Nachkommen der trainierenden Väter – obwohl sie genetisch identisch mit den Kontrolltieren waren.

    „Ich war sehr überrascht, als ich die Daten zum ersten Mal sah“, sagte Yin laut Bericht.

    Die Studie von Xin Yin erschien 2025 im Fachjournal Cell Metabolism.
    Der Nebenhoden als molekulare Ladestation

    Der Mechanismus dahinter lässt sich grob so zusammenfassen: Die verschiedenen microRNAs im Sperma unterdrücken im Embryo den Gen-Hemmstoff NCoR1, einen sogenannten nukleären Rezeptor-Korepressor.

    Dadurch wird das Protein PGC-1α aktiviert, das die Bildung neuer Mitochondrien – der Kraftwerke der Zelle – ankurbelt und den oxidativen Stoffwechsel verbessert. Vereinfacht gesagt: Der Vater schickt per RNA eine Art molekulares Fitnessprogramm mit, das den Stoffwechsel seiner Kinder optimiert, bevor diese überhaupt geboren sind.

    Die spannende Frage war lange, wie die RNA-Fragmente überhaupt in die Spermien gelangen. Denn während ihrer Reifung entledigen sich Spermien fast ihres gesamten Zellinhalts – übrig bleiben im Wesentlichen der Zellkern mit den Chromosomen und die Mitochondrien als Antrieb.

    Die Antwort auf diese Schlüsselfrage fanden Forscher um Colin Conine und Oliver Rando von der University of Massachusetts bereits 2016 im Nebenhoden, dem Epididymis.

    Dieser gewundene Gang transportiert Spermien aus den Hoden und dient dabei als eine Art molekulare Ladestation: Kleine Bläschen in seinen Wänden, sogenannte Epididymosomen, übertragen RNA-Fragmente auf die durchreisenden Spermien.

    Alkohol, Fett und Stress hinterlassen Spuren

    Sport ist dabei nur einer von vielen Umwelteinflüssen, die sich in der Spermien-RNA niederschlagen.

    In den vergangenen zwei Jahrzehnten dokumentierten Wissenschaftler Schwankungen der RNA-Konzentrationen als Reaktion auf fettreiche oder zuckerhaltige Ernährung, chronischen Stress, Kindheitstraumata, starken Alkoholkonsum und die Exposition gegenüber Pestiziden.

    Bei den Nachkommen beobachteten sie entsprechend veränderte Stoffwechselwerte, Auffälligkeiten in ihrer Entwicklung und unterschiedliche Depressionsraten.

    Besonders eindrücklich ist eine Studie von 2026, die sich derzeit noch im Peer-Review befindet: Conines Team an der University of Pennsylvania injizierte Mäuseembryonen eine microRNA, die im Sperma alkoholkonsumierender Mäuse in erhöhter Konzentration vorkommt.

    Bereits 200 Moleküle – eine Menge, wie sie typischerweise in Spermien vorliegt – reichten aus, damit die Nachkommen Anzeichen eines fetalen Alkoholsyndroms entwickelten. Die RNA bindet dabei an Argonaute-Proteine, die bestimmte Gene im Embryo unterdrücken und eine Kaskade epigenetischer Veränderungen auslösen.

    Auch beim Menschen existieren Belege. Am Helmholtz-Zentrum München wies eine Gruppe um Raffaele Teperino 2024 nach, dass eine nur zweiwöchige fettreiche Ernährung bei Mäusen mitochondriale tRNA-Fragmente im Sperma verändert und bei männlichen Nachkommen Glukoseintoleranz auslöst.

    Sein Team konnte dabei erstmals mithilfe mitochondrialer DNA-Varianten zweifelsfrei belegen, dass die RNA-Fragmente in frühen Embryonen tatsächlich vom Vater stammen.

    Die Leipziger LIFE-Child-Studie mit über 3.000 Familien liefert zudem epidemiologische Hinweise: Väterliches Übergewicht verdoppelt demnach das Adipositas-Risiko der Kinder – selbst wenn die Mutter schlank ist.

    Skeptiker sehen noch offene Fragen

    Nicht alle Fachleute sind überzeugt. Kevin Mitchell, Genetiker und Neurowissenschaftler am Trinity College Dublin, äußerte sich gegenüber Ars Technica dezidiert skeptisch. Ein zentrales Problem: Eine Samenzelle ist volumenmäßig rund tausendmal kleiner als eine Eizelle. Wie können die wenigen RNA-Moleküle des Spermiums in diesem Ozean überhaupt etwas bewirken?

    Rando, der 2025 einen Übersichtsartikel im Annual Review of Biochemistry veröffentlichte, bezeichnete dieses Verdünnungsproblem als die schwerwiegendste Kritik an der väterlichen Epigenetik.

    Teperino selbst räumte ein, dass eine einzelne Studie die Skeptiker nicht umstimmen werde. Kumulativ seien die Belege jedoch überzeugend.

    Als mögliche Erklärung für die starke Wirkung kleiner RNA-Mengen diskutieren Forscher Kaskadeneffekte: Die väterlichen RNA-Fragmente könnten die Plazentafunktion verändern und so indirekt Stoffwechsel und Verhalten der Nachkommen beeinflussen.

    Neben kleinen RNAs stehen auch DNA-Methylierung, Histon-Retention und Signale aus der Samenflüssigkeit als alternative Übertragungswege in der Diskussion.
    Empfehlungen nicht nur für Mütter

    Die gesellschaftliche Konsequenz formulierte Teperino gegenüber Ars Technica unverblümt:

    „Derzeit lastet fast alles auf den Frauen. Wenn ein Paar eine Familie plant, gibt der Arzt der Frau eine Liste mit Regeln, die sie befolgen soll. Das ist nicht mehr zeitgemäß – wir müssen zumindest beiden Empfehlungen geben.“

    Bislang konzentrieren sich präkonzeptionelle Beratungsangebote in deutschen Kliniken allerdings überwiegend auf die werdende Mutter. Spezifische Epigenetik-Programme für Väter sucht man bisher vergeblich – obwohl die Forschungslage zunehmend dafür spricht, dass auch der Lebensstil des Vaters vor der Zeugung entscheidend sein könnte.

    Épigénétique
    https://fr.wikipedia.org/wiki/%C3%89pig%C3%A9n%C3%A9tique

    L’étude des mécanismes moléculaires qui modulent l’expression du patrimoine génétique en fonction du contexte

    #épigénétique #eugénisme #science #iatrocratie #sélec
    tion

  • Reproduction artificielle et marchandisation du vivant | France Culture
    https://www.radiofrance.fr/franceculture/podcasts/terre-a-terre/reproduction-artificielle-et-marchandisation-du-vivant-9525779

    Je retombe sur cet onglet, 12 ans plus tard, à priori que j’avais jamais référencé ici.

    Avec : Alexis Escudero , auteur de « La reproduction artificielle de l’humain » (Le monde à l’envers, 2014)

    #reproduction_artificielle #marchandisation #Alexis_Escudero #radio #audio #interview #eugénisme #Terre_à_terre #Ruth_Stégasy

  • Le mythe de la bonne IA

    Dans une perspective décoloniale, il n’y a pas de bonne IA, estime le philosophe #Arshin_Adib-Moghaddam. Lecture.

    « La société délirante dans laquelle nous vivons ressemble à un #mensonge parfaitement mis en scène que l’on nous persuade d’accepter comme une réalité », estime Arshin Adib-Moghaddam dans son livre The myth of good AI : a manifesto for critical Artificial intelligence (Le mythe de la bonne IA : un manifeste pour une intelligence artificielle critique, Manchester university press, 2025, non traduit). Cette société délirante n’est pas le produit de l’IA, constate pourtant le professeur de philosophie et codirecteur du Centre pour les futurs de l’IA de l’université de Londres. Mais, l’IA vient la renforcer parce qu’elle « floute les lignes de nos modes de compréhension de la vérité et du mensonge, du #pouvoir et de la résistance, de la subjectivité et de l’objectivité, de la science et de la fiction ». Ce qui change avec l’IA, c’est que Big Brother n’est plus une autorité qui nous contrôle de l’extérieur, mais une perturbation qui vient altérer nos #facultés_cognitives elles-mêmes.

    Pour Arshin Adib-Moghaddam, ni Orwell, ni Foucault ne peuvent nous aider à saisir le monde actuel. L’assaut contre notre #autonomie est massif, à l’image du projet délirant de #Torre_Centilena à #Ciudad_Juarez, équipée de 1791 lecteurs de plaques d’immatriculation, 74 drones et 3000 caméras panoramiques pour surveiller la frontière américano-mexicaine à perte de vue. Le pouvoir n’est plus incarné. « Le pouvoir est en train de devenir liquide, il prend la forme de tout ce qu’il colonise et devient quasiment invisible ». Le régime de #surveillance est en passe de devenir « microbien ». C’est-à-dire que non seulement il est partout, qu’il est intégré au plus profond de nous, mais qu’il tend à exercer un #contrôle_total, partout, tout le temps en étant totalement intrusif et en régissant jusqu’à notre psychisme même. Adib-Moghaddam parle de « #psycho-codification » du monde pour évoquer cette #intrusion inédite des méthodes qui altèrent jusqu’à ce que l’on pense, jusqu’à nos intentions disions-nous récemment. Cette intrusion nous entraîne dans une #guerre_posthumaine, entre les humains et les machines. Nous sommes désormais la cible de #drones, de #machines, d’#algorithmes qui s’en prennent à nos individualités mêmes. Partout, le meurtre et la torture s’étendent sans avoir plus de comptes à rendre, à l’image de la police des frontières américaines, ICE, qui déploie son emprise, comme d’autres armées et d’autres polices, via des machines de surveillances totalitaires. Comme le pointait pertinemment le journaliste Olivier Tesquet suite aux révélations que l’ICE aurait arrêté plus de 75 000 personnes aux Etats-Unis sans historique criminel (soit un tiers des 220 000 personnes arrêtées depuis 9 mois) : « plus l’ICE s’appuie sur #Palantir pour « rationaliser » l’appareil répressif, plus les arrestations deviennent arbitraires. Ce n’est pas un bug mais une fonctionnalité : la machine produit la catégorie d’indésirables dont l’administration Trump a besoin ».

    Derrière ces transformations bien réelles, l’IA les prolonge encore, en s’en prenant à nos sens mêmes, jusqu’à nous faire douter de la réalité même.

    Derrière cette société délirante, il faut entendre qu’il y a une « utilisation infâme » des technologies. De la reconnaissance faciale qui criminalise les #minorités raciales aux logiciels de récidives qui discriminent les populations racisées aux scores de risques qui refusent des aides et des prêts aux populations minorisées et pauvres… une même #oppression se déploie pour renforcer et cimenter les #inégalités_structurelles de la société.

    Dans ce contexte, estime Arshin Adib-Moghaddam, on entend beaucoup parler d’#éthique, d’IA responsable, qui serait à même, bientôt, demain, de réparer les systèmes et « d’atténuer les dommages ». Mais l’IA peut-elle être éthique ?

    L’IA peut-elle être éthique ?

    Non répond le philosophe. L’IA est là pour imposer sa #terreur, comme le disaient Hagen Blix et Ingeborg Glimmer. L’IA est là pour produire de l’#incertitude, de l’#angoisse, et cette peur est une méthode de #gouvernance. « L’IA augmente la capacité de ceux qui l’utilisent à nous terrifier, dans un but de #contrôle, de #surveillance et de #profit ». L’écrivain iranien Jalal Al-e Ahmad parle de « #westoxification » (contraction entre West, l’Occident, et intoxication pour désigner une forme d’absorption toxique, de submersion par la #culture_occidentale – le terme a été traduit en français en « #occidentalité ») pour désigner l’oppression de la modernité occidentale, comme le chercheur et sociologue péruvien Anibal Quijano dénonce la « #colonialité », c’est-à-dire le fait que les rapports de pouvoir colonialistes perdurent notamment depuis les technologies.

    Dans son livre, Arshin Adib-Moghaddam commence par débugger le discours des machines éthiques. Les fondations idéologiques de la science sont dysfonctionnelles, rappelle le philosophe. La science a accompagné le projet politique de la #modernité, comme l’expliquaient Ulises A. Mejias et Nick Couldry dans Data Grab (voir notre recension). Les Lumières ont transformé le #racisme en science. Et l’IA n’est qu’une extension d’un #système_techno-colonial, remanié par le #néofascisme en cours.

    L’idée même d’éthique est poreuse à ces idées problématiques, explique-t-il. L’éthique se présente comme un mécanisme universel, mais oublie que cette philosophie qui pense pouvoir rendre nos machines et nos actions responsables, est une pensée spécifique, historique, contingente à la philosophie occidentale… Et qui l’est d’autant plus qu’elle a oublié les apports des autres philosophies. Arshin Adib-Moghaddam évoque nombre de philosophes asiatiques, arabes ou juifs effacés de la tradition philosophique au profit des philosophes grecs et européens. « Les façons de poser les questions éthiques autrement ont été balayées ». Pour les thuriféraires de l’IA, la vénération de sa puissance tourne à la #religion. Mais si la machine peut-être Dieu, ce #fondamentalisme s’annonce aussi dangereux que l’extrémisme religieux, prévient Arshin Adib-Moghaddam. Pourtant, qui s’inquiète de l’interfaçage des machines à nos cerveaux, du devenir posthumain que nous promettent les développeurs de l’IA ? Kant, Hume ou Locke, ces grands penseurs de l’Occident, ont tous tenu des propos racistes, ont tous défendu l’idée que les barbares devaient être civilisés par les Européens. Et ces grandes pensées occidentales sont celles-là même qui viennent alimenter de leurs données l’IA moderne. « L’IA est ethnocentrée et cet #ethnocentrisme ne sera pas corrigé par les données », par l’amélioration des traitements ou par un sursaut éthique. Les manuels d’éthique doivent être réécrits, estime Adib-Moghaddam, qui invite à partir d’autres philosophies pour bâtir d’autres IA.

    L’IA : machine à discriminer

    Arshin Adib-Moghaddam dénonce le terme de #biais qui a colonisé la critique de l’IA. Les biais sont un terme bien dépolitisé pour évoquer l’#oppression_structurelle inscrite dans les #données, dans notre histoire. Le racisme des sociétés occidentales a été intériorisé dans une « #géopolitique_eugéniste » qui ne domine pas seulement les relations internationales ou économiques, mais qui psycho-codifie jusqu’à nos corps et nos esprits. Le #racisme a été la stratégie impériale et scientifique qui a encore des effets quotidiens, qui inocule nos outils, comme la #médecine, qui tue encore des patientes et des patients parce qu’elles et ils sont noirs, parce qu’elles sont des femmes et parce que les #données_médicales ne sont pas collectées sur elles et eux. Les rapports et les études sur le sujet s’accumulent sans que la médecine elle-même ne réagisse vraiment, comme si elle ne s’était jamais départie des origines racistes de la science, que dénonçait par exemple le sociologue #Eduardo_Bonilla-Silva dans son livre Racism without Racists : Color-Blind Racism and the Persistence of Racial Inequality in the United States (Le racisme sans les racistes : le racisme indifférent à la couleur et la persistance des inégalités raciales en Amérique, Rowman & Littlefield , 2003, non traduit). Même durant le Covid, les quartiers racisés ont été plus décimés que les autres.

    On peut alors dénoncer les #biais_racistes des systèmes, de la reconnaissance faciale aux pratiques algorithmiques d’Uber. Mais c’est oublier que nous sommes cernés par des données algorithmiques « blanchisées » (#whitewashing), c’est-à-dire à la fois blanchies parce qu’ignorantes de la couleur de ceux qu’elles écartent et blanchies parce qu’elles masquent leurs dysfonctionnements raciaux. Nous sommes coincés entre un passé pollué et un présent problématique. Nous restons par exemple coincés dans les constats où les cancers de la peau sont plus importants pour les populations de couleurs alors qu’ils sont moins diagnostiqués pour les patients noirs que blancs. Ces données et ces erreurs pourtant ne sont pas corrigées, pas prises en compte. La perspective d’augmenter notre capture par des données n’annonce pourtant pas d’amélioration, au contraire, d’abord et avant tout parce que cette invasion doit être comprise pour ce qu’elle est : une extension de l’héritage de l’#eugénisme raciste de la #science, une forme d’expansion biopolitique du contrôle plus qu’une promesse de justice et d’égalité.

    Les mauvaises données produisent de mauvais algorithmes et de piètre systèmes d’IA, rappelle le philosophe. Or, nous sommes cernés de mauvaises données. Les #préjudices du passé envers certaines populations sont intégrés aux systèmes qui vont produire l’avenir. Cela ne peut pas bien se passer. Pourtant, fort de ces constats, terribles, les recommandations éthiques paraissent bien trop mesurées. Elles invitent à améliorer la représentation et la diversité des ingénieurs et des éthiciens, à améliorer les principes éthiques, à améliorer l’éducation des ingénieurs… dénonce Arshin Adib-Moghaddam. Autant de mesures qui tiennent plus de l’#orientalisme qu’autre chose, pour faire référence au concept développé par l’intellectuel palestino-américain Edward Saïd dans son livre éponyme (Le Seuil, 1978), ouvrage fondateur des études postcoloniales. Pour Saïd, la tradition artistique et scientifique orientaliste n’est qu’une étude de l’Orient par l’Occident, une interprétation de l’Orient, une condescendance au service de l’impérialisme.

    Du #techno-orientalisme au #privilège_épistémique

    Pour Arshin Adib-Moghaddam, le techno-orientalisme qui consiste à améliorer la diversité des développeurs ou à produire une équité par des corrections techniques n’est en rien une solution. ll ne remet pas en cause le pouvoir de la #technologie. « Les personnes historiquement marginalisées et vulnérables continuent à être inventées comme objets de la technologie ». Les erreurs à leurs égards, finalement, renforcent l’obsession à mieux les surveiller sous prétexte d’#objectivité, pour mieux hiérarchiser la société par le calcul. « Le techno-orientalisme ne vise qu’à renforcer les frontières entre nous et eux, l’est et l’ouest, les noirs et les blancs, entre les nationaux et les autres ». Shoshana Zuboff a montré que la tolérance à l’extrémisme est bien souvent un modèle d’affaire acceptable. Dans une étude sur la toxicité de Twitter, le Centre de lutte contre la haine numérique avait montré qu’une dizaine de comptes sur X pouvaient produire du contenu haineux et conspirationniste capable de rapporter… 19 millions de dollars en revenus publicitaires. « Le techno-orientalisme s’impose comme un incubateur pour l’expansion impériale afin de maximiser les revenus pour quelques personnes sélectionnées ». L’#impérialisme de X prolifère et impose sa #colonialité. Comme les projections de Mercator ont valorisé l’Occident, nous montrant un Groenland par exemple aussi grand que la Chine, quand en réalité il ne fait qu’un quart de la superficie de la Chine. L’impérialisme de X, comme l’impérialisme de l’IA rend possible un « privilège épistémique » qui « confère à une poignée d’hommes le privilège d’interpréter, de juger et de planifier l’avenir de la majorité ». Partout, une poignée d’hommes blancs parlent d’un avenir inévitable (le leur), utilisent ces outils pour diffuser leurs idées sans nuances, mégalomanes, patriarcale et coloniales influentes, sans se préoccuper du sort des autres. Derrière leurs idées rances, ils défendent avant tout leur #identité. Les néo-Nazis comme les terroristes d’ISIS tuent au nom de l’identité, comme le soulignait Paul Gilroy dans Against Race. Les médias sociaux sont devenus des paradis pour les fausses informations des extrémistes, où ils peuvent se faire les avocats de leurs agendas hystériques avec plus ou moins d’impunité. La #stupidité y est le meilleur capital, assène le philosophe.

    La coercition est forte avec les technologies. Microsoft et Google déploient des technologies de surveillance à l’encontre des Palestiniens. Saïd disait que la #déshumanisation des Palestiniens était l’un des grands héritage de l’orientalisme. Pour Arshin Adib-Moghaddam, une IA vraiment éthique devrait assurer que ses traitements et données soient auditables en accord avec les législation qui défendent les #droits_humains au niveau international, national et local. Le déploiement sans limite des technologies aux frontières, par la police et les militaires, nous montre qu’il n’en est rien.

    L’IA pour peaufiner l’oppression

    L’oppression structurelle, codifiée dans des institutions genrées et racistes, dans des normes politiques et sociales omniprésentes, s’apprête à entrer plus profondément dans nos esprits avec l’IA générative. Quand on pose des questions à ces moteurs, ils produisent certaines réponses qui sont le reflet des sociétés occidentales qui les produisent. A la question y-a-t-il un génocide à Gaza, #ChatGPT répond non. A la question peut-on torturer une personne, ChatGPT répondait par l’affirmative si cette personne venait d’Iran, de Corée du Nord ou de Syrie. Ces « #erreurs » qui n’en sont pas mais qui peuvent nous être présentées comme telles, sont bien sûr corrigées parfois. Les #modèles_de_langage galvanisent les préjudices raciaux comme le montrait l’étude menée par Valentin Hofmann (qu’on évoquait ici : https://danslesalgorithmes.net/2024/06/04/open-source-lia) qui montrait que l’IA s’adapte aux niveaux de langage de son interlocuteur ou qu’elle classe les mêmes CV différemment selon les consonances culturelles des noms et prénoms. Mais ils ne sont que les reflets des sociétés qui les produisent. Les modèles de langage sont bien les produits racistes de sociétés racistes, affirme celui qui avait dénoncé le caractère raciste de l’IA dans un précédent livre. Les corrections sont possibles, au risque d’enseigner superficiellement aux modèles à effacer le racisme, tout en le maintenant à des niveaux plus profonds. « En fait, nous sommes confrontés par une forme furtive de #technoracisme soigneusement dissimulée par un univers d’IA de plus en plus opaque ». Dans ces IA, les musulmans sont toujours associés à la violence.

    Weizenbaum nous avait prévenu : les humains sont plus enclins à se confier à une machine qu’à un humain. Et ce pourrait être exploité plus avant par les machines de coercition de demain. La CIA a beaucoup travaillé sur les drogues et outils permettant de mettre les gens en confiance, rappelle Arshin Adib-Moghaddam. Si les méthodes d’interrogation utilisées à Abu Ghraib ont été sur la sellette, le Mikolashek Report montrait par exemple que les frontières entre la torture, les abus et les techniques d’interrogations dites légitimes étaient plus poreuses que strictes. A Abu Ghraib, la torture n’était pas un accident. Les individus qui ont été torturés n’étaient pas isolés. A Abu Ghraib, les interrogatoires ne devaient pas laisser de traces sur les prisonniers et le système médical a donné ses conseils aux militaires pour y parvenir. C’est lui qui a proposé des modalités d’interrogatoires coercitives. A Abu Ghraib comme à Guantanamo Bay, des procédures ont été mises en place, comme le fait d’empiler les prisionniers nus pour profiter du fort tabou de l’homosexualité dans la culture arabe et musulmane.

    Que fera l’IA qui est déjà appelée à assister les interrogatoires de la CIA ou de la police ? Aura-t-elle encore plus que les humains la capacité de briser notre humanité, comme s’en inquiétaient des chercheurs ? Sera-t-elle l’outil parfait pour la #torture, puisqu’elle pourra créer du contexte psychologique ou informationnel pour rendre les gens toujours plus vulnérables à la #manipulation, comme des #chatbots compagnons, dressés contre nous.

    La torture à Abu Ghraib a été rendu possible parce qu’elle a épousé totalement la culture de ceux qui l’ont pratiqué. « L’histoire récente de l’IA n’apporte aucune preuve que les systèmes d’IA soient plus objectifs que les humains, à mesure qu’ils déploient les mêmes biais qu’eux, avec bien moins de responsabilité ».

    L’IA pour pour penser à notre place et prendre le contrôle des esprits

    Pour le philosophe, le contrôle de l’esprit est le Graal des systèmes d’IA. Ce que veulent ceux qui déploient l’IA, c’est qu’elle prenne le contrôle des esprits.

    Mais, dans les systèmes de domination, la résistance apparaît souvent là où on ne l’attend pas, disait Anibal Quijano. Pourtant, souligne Arshin Adib-Moghaddam, la société civile ne regarde pas suffisamment ce qui se déploie, elle semble peu impliquée dans le très dynamique secteur de l’IA militaire. Face à l’inégalité de pouvoir entre utilisateurs de l’IA et producteurs d’IA qui se sédimente avec le déploiement et l’extension des outils d’IA partout, peu est fait pour nous protéger. L’érosion lente de la #vie_privée, l’objectivation posthumaine… nous éloignent de la dé-technologisation qu’appelle de ses vœux Carissa Véliz dans son livre, Privacy is Power (Penguin, 2021).

    Pour Adib-Moghaddam, nous devrions pourtant chercher à protéger notre humanité, plutôt que de chercher à flouter les différences entre l’homme et la machine, comme l’attendent les tenants du posthumanisme. Adib-Moghaddam souhaiterait un futur qui soit post-IA, dans lequel l’IA, au moins telle que nous la connaissons aujourd’hui, n’ait pas sa place. Tant que nous la laisserons exploiter les données passées nous laisserons construire une IA fondamentalement destructrice, extractive, qui perpétue l’#irrationalité et l’agenda des conservateurs et de l’extrémisme de droite, en exploitant les données pour renforcer les différences entre un nous et un eux dans lesquels personne ne se reconnaîtra autres que les plus privilégiés.

    La promesse d’une bonne IA est centrale dans l’approche éthique que pousse la Silicon Valley, enrôlant les meilleurs chercheurs avec elle, comme ceux du MIT, du Berkman Klein Center for internet et society de Harvard. Leur travail est remarquable, mais la poursuite d’une IA éthique ne nous aide pas à trouver des restrictions au déploiement de technologies qui maximalisent la #surveillance_de_masse et la #violence_systémique. « Tant qu’il n’existera pas de #restrictions, les délibérations morales et politiques sur l’informatisation demeureront secondaires par rapport à l’impératif de profit ».

    A l’heure de l’IA, la lutte pour la #démocratie risque d’être plus essentielle que jamais et plus difficile que jamais. Le mythe de la bonne IA nous promet un monde dont les fondations et constructions sociales ne changeront pas. « L’âge de l’IA nous promet un rapport léthargique et résigné au monde ». C’est sans surprise que ceux qui refusent cette IA là sont qualifiés d’être irrationnels, radicaux ou idéalistes… Mais ne soyons pas dupes. « Il est plus facile de prendre le parti des puissants à l’heure de l’IA, alors que nous devrions prendre la direction inverse ». « Les technologies d’IA sont un danger pour nos démocraties car elles inhibent nos choix en donnant de l’impulsion aux seuls extrêmes ». Elles nous confinent dans un espace de pensée restreint. Pour Arshin Adib-Moghaddam, il nous faut reconnaître notre humanité, une humanité qui ne peut être programmée par des machines qui ne seront jamais sensibles.

    Être humain, c’est savoir se protéger

    Être humain signifie savoir se protéger de la pénétration, c’est-à-dire un droit à être laissé tranquille, seul. Nous devons réaffirmer la nécessité d’un « bouclier de la vie privée ». La critique féministe et décoloniale nous donne des armes, comme le fait Françoise Vergès par exemple en croisant les deux. Ressentir, penser, percevoir ou croire doivent rester des valeurs humaines, sans altération des machines. C’est notre #intimité même que tente d’envahir le complexe industriel de l’IA.

    Ainsi par exemple, être créatif c’est indubitablement être humain. La #créativité des machines n’est qu’un effort pour rendre confus nos sens et émotions, au profit du profit et dans une aversion de l’art comme un comportement insurrectionnel. Psycho-codifiés, TikTok, FB ou X sont des moyens d’envahir nos sanctuaires intérieurs. Les machines peuvent faire n’importe quelle tâche sans ressentir la douleur et la discipline nécessaire que l’auto-amélioration nécessite. D’où des productions sans âme, « inutiles pour l’émancipation sociale comme politique ». En associant l’art au seul profit, la matrice technologique propose de faire suffoquer l’essence même de l’art, comme s’il n’était qu’une extension technologique, qu’un moyen de contrôler la subjectivité humaine.

    De quelque endroit qu’on l’analyse, l’IA ne nous offrira aucun antidote à l’#impéralisme, au #colonialisme et à l’#extrémisme. « Nous sommes tous devenus les objets du #colonialisme_des_données extraites de nos corps mêmes ». Le colonialisme était horizontal, géopolitique dans son expansion. Le colonialisme des données, lui, est intimement vertical. Il vise à objectifier des individus vulnérables au profit des sociétés technologiques du Nord global. Les grandes entreprises exigent de nous psycho-codifier en permanence et partout. Arshin Adib-Moghaddam défend un manifeste post-IA qui seul peut gagner la bataille entre le poète et la machine, le stylo et l’épée, le modérateur biaisé et l’activiste paisible. Nous avons besoin de #justice et d’#émancipation_sociale, rien d’autre. Ce qui n’y œuvre pas n’a pas d’intérêt. L’#ignorance, l’#évitement et la #passivité que nous promettent l’IA et ses tenants, ne nous proposent aucun avenir. « Si nous avons besoin d’une bonne IA, nous avons besoin d’une bonne IA qui réponde à nos termes », qui puisse nous permettre de reprogrammer le futur plutôt que de subir la perpétuation du passé.

    Être humain, c’est savoir se protéger. Et face aux machines, l’enjeu est encore de le pouvoir.

    https://danslesalgorithmes.net/2025/12/11/le-mythe-de-la-bonne-ia
    #décolonial #IA #AI #intelligence_artificielle

  • Eugenics
    https://en.wikipedia.org/wiki/Eugenics

    Voilà pourquoi l’apprentissage des textes classiques latins au « Gymnasium » prussien mèna droit au fascisme. L’esprit des classes supérieures de l’ancienne Rome couplé avec le biologisme et l’eugénisme des temps modernes y donna naissance à des créatures abominables.

    According to Tacitus (c. 56 – c. 120), a Roman of the Imperial Period, the Germanic tribes of his day killed any member of their community they deemed cowardly, unwarlike or “stained with abominable vices”, usually by drowning them in swamps. Modern historians see Tacitus’ ethnographic writing as unreliable in such details.

    L’idéologie eugéniste fut appréciée par les assassins coloniaux impérialistes. Les administrateurs et militaires britanniques n’avaient rien à envier aux génocidaires nazis et vice versa.

    L’eugénisme scientifique justifia leurs pires crimes génocidaires et économiques.

    In its moral dimension, eugenics rejected the doctrine that all human beings are born equal and redefined moral worth purely in terms of genetic fitness. Its racist elements included pursuit of a pure “Nordic race” or “Aryan” genetic pool and the eventual elimination of “unfit” races.

    Many leading British politicians subscribed to the theories of eugenics. Winston Churchill supported the British Eugenics Society and was an honorary vice president for the organization. Churchill believed that eugenics could solve “race deterioration” and reduce crime and poverty.

    En ce moment on observe un calme relatif autour des questions génétiques car toute l’attention publique a été orientée vers l’intelligence artificielle. Pourtant son rôle n’a pas fiminué. Il est certain que l’idéologie eugéniste constituera un élément important dans l’utilisation de l’IA pour la recherche génétique et le développement de nouveaux produits pharmaceutiques.

    #idéologie #fascisme #nazisme #eugénisme #antiquité #impérialisme

  • Books by Lothrop Stoddard
    https://www.gutenberg.org/ebooks/author/26252

    C’est ignoble : voici les sujets récurrents des fachos «oidernes».

    The Rising Tide of Color Against White World-Supremacy Lothrop Stoddard
    https://www.gutenberg.org/ebooks/37408

    The New World of Islam Lothrop Stoddard
    https://www.gutenberg.org/ebooks/24107

    Lothrop Stoddard
    https://en.wikipedia.org/wiki/Lothrop_Stoddard

    Theodore Lothrop Stoddard (June 29, 1883 – May 1, 1950) was an American historian, journalist, political scientist and white supremacist. Stoddard wrote several books which advocated eugenics, white supremacy, Nordicism, and scientific racism, including The Rising Tide of Color Against White World-Supremacy (1920). He advocated a racial hierarchy which he believed needed to be preserved through anti-miscegenation laws. Stoddard’s books were once widely read both inside and outside the United States.

    #USA #fascisme #racisme #eugénisme #nazis

  • Une banque du sperme danoise n’accepte plus les donneurs au faible QI
    https://www.courrierinternational.com/article/transmission-une-banque-du-sperme-danoise-n-accepte-plus-les-

    L’une des banques du sperme danoises teste désormais les candidats aux dons pour écarter ceux ayant un QI inférieur à 85. Une initiative inédite, selon elle, destinée à garantir aux futurs parents des enfants intelligents. Mais attention aux conséquences, alerte une chercheuse sur le site de la radiotélévision publique “DR”.

    Parmi les sociétés danoises commercialisant du sperme humain, les couples désireux d’avoir un enfant peuvent désormais opter pour celle qui procède à un tri un peu particulier chez ses donneurs. Donor Network ne propose plus que du sperme provenant d’hommes ayant un quotient intellectuel (QI) égal ou supérieur à 85. Une “exigence minimale” dont le site de la radiotélévision publique danoise DR a été le premier à se faire l’écho, le 8 novembre, sous le titre “Fini les semences stupides”.

    Un autre critère a été introduit par cette firme : que les donneurs aient un casier judiciaire vierge. Mais c’est sur celui concernant le QI que s’attarde le média, en explorant les raisons d’une telle décision et les réserves qu’elle a déjà suscitées. Interrogé par ses soins, le directeur de la société, le docteur Jakob Schöllhammer Knudsen, assure qu’il ne faut pas voir derrière cette nouveauté un quelconque “projet élitiste”.

    “Nous ne l’avons pas fait pour nous distinguer des autres ou pour exclure environ 20 % du groupe de donneurs”, prévient-il, alors que le QI moyen au Danemark est de 100.

    “Je pense seulement que ce n’est pas éthique de vendre quelque chose dont je ne peux pas garantir la qualité.”

    Or, assure-t-il, études scientifiques à l’appui, “si vous avez un enfant grâce à un donneur doté d’un faible QI, vous courez un risque beaucoup plus élevé qu’il soit peu doué”. À en croire l’entreprise en question, le quotient intellectuel est quelque chose dont on hérite “de 50 % à 80 %” d’une génération à l’autre.
    Attentes trop élevées ?

    D’où le test (baptisé “CFT 20-R”) qu’elle fait passer aux hommes prêts à donner leur sperme chez elle. À sa connaissance, “Donor Network est la seule banque du sperme au monde ayant fixé ce critère”, et elle exporte une bonne partie de ses collectes, pointe DR sur son site, en rappelant que le Danemark est l’un des pays leaders dans le domaine.

    Pour Jakob Schöllhammer Knudsen, la sélection ainsi réalisée ne permettra pas de garantir la “valeur” d’un futur enfant “en tant qu’être humain”, mais “cela aura un impact sur ses chances de réussir dans la vie, y compris financièrement”.

    Mais attention de ne pas trop accorder d’importance à cette sélection par le QI, avertit une professeure en éthique médicale à l’université de Lund (en Suède). Interrogée par DR, Daniela Cutas redoute que la méthode ne suscite chez les futurs parents “des attentes telles que l’enfant aura du mal à vivre avec”.

    De plus, l’importance des gênes ne doit pas être surestimée, insiste la scientifique : “L’avenir d’un enfant peut être influencé positivement par son QI, mais il le sera aussi par d’autres facteurs, comme le QI et le statut socio-économique de ses parents, et les circonstances dans lesquelles il grandira.”

  • Universitäts-Institut für Erbbiologie und Rassenhygiene Frankfurt am Main
    https://de.wikipedia.org/wiki/Universit%C3%A4ts-Institut_f%C3%BCr_Erbbiologie_und_Rassenhygiene_Fran

    Das Universitäts-Institut für Erbbiologie und Rassenhygiene Frankfurt am Main war ein erbbiologisches Forschungsinstitut der Universität Frankfurt in Frankfurt-Süd, das zugleich als amtsärztliche „erb- und rassenpflegerische“ Beratungsstelle diente. Nach der Gründung 1935 stand im Mittelpunkt der Forschung zunächst der Versuch, in Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Gesundheitsamt einerseits eine „erbbiologische Bestandsaufnahme“ der Einwohner Frankfurts und andererseits der Bauernbevölkerung der 18 Dörfer der hessischen Schwalm zu erstellen. Im Rahmen der Funktion des Instituts als Beratungsstelle stellten die Mitarbeiter Erbgesundheitszeugnisse aus, erstellten Abstammungsgutachten und nahmen Gutachtertätigkeiten in Verfahren nach dem Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses wahr. Das Institut und dessen Mitarbeiter waren auf diese Weise unmittelbar an der Umsetzung der nationalsozialistischen Rassenhygiene und der nationalsozialistischen Verfolgung der Sinti und Roma beteiligt. Als eine der größten Einrichtungen ihrer Art kam dem Institut Modellcharakter zu. Geleitet wurde es zunächst von Otmar Freiherr von Verschuer und von 1942 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges von Heinrich Wilhelm Kranz. Zu den bekanntesten Mitarbeitern gehörten Heinrich Schade, Hans Grebe, Gerhart Stein und Josef Mengele. Ab 1945 ging das Institut für Erbbiologie und Rassenhygiene in dem Institut für Humangenetik des Universitätsklinikums Frankfurt am Main auf.
    ...

    Otmar von Verschuer
    https://de.wikipedia.org/wiki/Otmar_von_Verschuer

    Bereits 1931 behauptete Verschuer, dass die „Bedeutung der erblichen Veranlagung für die Entstehung des Verbrechertums […] an kriminellen Zwillingen in einwandfreier Weise bewiesen worden“ sei und berief sich dabei auf Studien des Psychiaters Johannes Lange. Mit seinem Freund Diehl erbrachte er ab 1931 vermeintliche Belege für die Erblichkeit der Tuberkulose, was zur Sterilisierung zahlreicher Menschen führte.[13] An der Universität Berlin wurde Verschuer 1933 nebenamtlicher außerordentlicher Professor für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik.[14] Im Juni 1933 wurde die Deutsche Gesellschaft für Rassenhygiene verstaatlicht, Verschuer wie auch die andern Vorstandsmitglieder aus dem KWI in Berlin mussten zurücktreten und wurden durch Ernst Rüdin als von Wilhelm Frick ernannten Reichskommissar der Gesellschaft ersetzt.[15] Im Mai 1933 wurde ein „Sachverständigenbeirat für Bevölkerungs- und Rassenpolitik beim Reichsinnenminister“ gegründet, dessen Aufgabe auch der Entwurf eines Sterilisationsgesetzes war. Für die Durchführung des daraus resultierenden Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 14. Juli 1933 wurde neben Fischer und Fritz Lenz auch Verschuer aufgefordert, seinen Sachverstand beizutragen.[16] Die Wissenssoziologen Kurt Bayertz, Jürgen Kroll und Peter Weingart beschreiben die neue Situation so: Die Machtergreifung bot die Verheißung der Professionalisierung der Rassenhygiene zum Preis der Abhängigkeit von politischer Kontrolle, was angesichts der ideologischen Affinität kein hoher Preis war.[17] Im August 1933 war von Verschuer einer der Referenten bei den von Karl Astel durchgeführten Schulungen in der Staatsschule für Führertum und Politik in Egendorf bei Blankenburg.[18] 1936 wurde er Richter am Erbgesundheitsgericht Charlottenburg.[19]

    Ab 1934 erschien, bis 1939 als Beilage zum Deutschen Ärzteblatt, seine Zeitschrift Der Erbarzt. Darin wurden „Ergebnisse der Erbforschung“ an die frei praktizierende deutsche Ärzteschaft vermittelt.[19] Im Mai 1939 hatte Verschuer auf der Hauptversammlung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft in Breslau verkündet „Ein neuer Arzttyp hat sich herausgebildet, der Erbarzt“.
    ...
    Von 1936 bis 1938 war Gerhart Stein, ein in der SA aktiver Student, einer von Verschuers Doktoranden. Er promovierte über Roma, die er vor allem im Zwangslager für „Zigeuner“ in Berlin-Marzahn untersuchte. Noch vor Abgabe der Arbeit arbeitete Stein für die Rassenhygienische Forschungsstelle. Josef Mengele, der seit Januar 1937 zu Verschuers Institut gehörte, wurde 1938 mit Sippenuntersuchungen bei der Lippen-Kiefer-Gaumenspalte promoviert. Er versuchte, deren Erblichkeit statistisch nachzuweisen.

    #Allemagne #histoire #nazis #euthanasie #racisme #médecine #iatrocratie #santé #eugénisme #alcoolisme #euthanasie

  • Die Beratungsstelle für Erb- und Rassenpflege in Dresden - gedenkplaetze.info

    Die Beratungsstelle für Erb- und Rassenpflege in Dresden
    Beratungsstelle für Erb- und Rassenpflege#Allemagne #histoire #nazis #euthanasie #racisme #médecine #iatrocratie #santé #eugénisme #alcoolisme
    Pfotenhauerstr. 92
    01307 Dresden

    Im Haus auf der Pfotenhauer Straße 92 am Rande des damaligen „Rudof-Hess-Krankenhauses“ und heutigen Universitätsklinikums befand sich die Beratungsstelle für Erb- und Rassenpflege. Sie war ein Teil des Selektionssystems der Nazis, dass den Wert eines Menschen allein anhand seiner Abstammung bemaß. Das System brach mit der Tradition moralischer Prinzipien, sich besonders für die Schwachen, Benachteiligten und Kranken zu engagieren. Es reduzierte den Wert eines Menschen auf seine biologische Abstammung und unterteilte hierbei Menschen allein deshalb in angeblich höherwertiges und weniger wertes Leben.

    Neue Gesetze zur Ausgrenzung von Menschen

    Basis für die Arbeit der Beratungsstellen waren grob gesagt drei Gesetze, von denen zwei Teil der sogenannten Nürnberger Gesetze waren und der rassistische und antisemitische Ideologie des Nationalsozialismus eine juristische Grundlage lieferten. Das „Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ wurde am 15. September 1935 beschlossen. Es verbot Eheschließungen, aber auch außerehelichen Geschlechtsverkehr zwischen jüdischen und nicht-jüdischen Menschen. Im Kern stand dahinter ein Familienbild, dass die traditionelle und ‚arische‘ Familie in den Mittelpunkt stellte und alle anderen Familienverbände nach rassistischen und antifeministschen Kriterien abwertete. Unterfüttert wurde es durch das zeitgleich verabschiedete Reichsbürgergesetz, dass nun auch jursitisch jüdische Menschen aus der Bürgerschaft ausschloss und sie zu Menschen zweiter Klasse abwertete. Das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ wurde bereits im März 1933 noch vom Reichstag verabschiedet führte die Möglichkeit von Zwangssterilisationen von Menschen ein, die nach der NS-Ideologie als körperlich oder geistig behindert galten.

    https://gedenkplaetze.info/ns-gesundheitspolitik/die-beratungsstelle-fuer-erb-und-rassenpflege-in-dresden

    Die Aufgaben der Beratungsstelle für Erb- und Rassenpflege

    Die Beratungsstellen für Erb- und Rassenpflege waren den Gesundheitsämter untergeordnet, so auch in Dresden. Ihre Hauptaufgabe war die Gutachtenerstellung. So genannte Abstammungsgutachten dienten als Nachweis der eigenen „rassischen Abstammung“ und konnten bei im Sinne der NS-Ideologie ‚negativem‘ Ergebnis zu repressiven Maßnahmen führen. Hierzu zählten Berufsausschluss, Eheverbote, Zwangsarbeit und letztendlich auch Deportation und Vernichtung. Erbegesundheitszeugnisse führten im Zweifel zu Zwangssterilisierung und gezielter Tötung. Die Die Beratungsstelle und deren Mitarbeitende waren auf diese Weise unmittelbar an der Umsetzung der nationalsozialistischen Rassenhygiene beteiligt.

    Der Dresdner Arzt und ‚Rassenhygieniker’ Hermann Vellguth

    Hermann Vellguth wurde am 4. Februar 1906 in Kirchtimke bei Bremen als Sohn eines Arztes geboren. Nach dem Abitur studierte Vellguth ab 1924 Medizin. Er war ab 1930 unter anderem an einer Chirurgischen Klinik in Dresden tätig. Im Februar 1932 trat er in die NSDAP und im Juni 1933 in die SS ein und erreichte bis 1944 den Grad des SS-Sturmbannführers in Himmlers Sicherheitsdienst. Am 15. Juni 1933 wurde Vellguth Abteilungsleiter der neu gegründeten Abteilung „Erb- und Rassenkunde“ am Deutschen Hygiene Museum in Dresden. Seine Aufgabe war die Ausarbeitung eines wissenschaftlichen Fundamentes für die Umsetzung der Selektion von Menschen im Sinne der nationalsozialistischen Rassenhygiene. Dafür wurden vor allem zahlreiche Lehrmittel, Schautafeln und Ausstellungen er- und umgearbeitet. Vom Staatskommissar für das gesamte Gesundheitswesen Ernst Wegner wurde er berufen um

    „alles zu entfernen, was gegen unsere nationalsozialistische Weltanschauung, gegen Anstand und Sitte und gegen das deutsche Schönheitsideal verstößt.“

    Unter Leitung der Abteilung „Erb- und Rassenkunde“ wurde unter anderem 1933 Veranschaulichungsmaterialien wie die Lichtbildreihen 38a „Vererbungslehre“, 65a „"Bevölkerungspolitik und Rassenhygiene“, oder die Unterrichtssammlung über Vererbungslehre, Rassenpflege, oder auch Rassenkunde herausgegeben. Außerdem war Vellguth verantwortlich für die Wanderausstellungen „Volk und Rasse“ und „Blut und Rasse“. Diese Ausstellungen sah Vellguth als wichtigen Beitrag zur Schulungs- und Aufklärungsarbeit an, welche essenzielle Grundpfeiler der nationalsozialistischen Ideologie und Propaganda darstellten. Darüber hinaus war Herrmann Vellguth als ärztlicher Beisitzer am Erbgesundheitsobergericht in Dresden tätig und entschied über die Zwangssterilisierung vieler, wahrscheinlich hunderter oder tausender Menschen. Eine genaue Anzahl der durch ihn gefällten Urteile ist leider nicht überliefert.

    Propaganda im Dienste der NS-Volksgemeinschaft

    Im Katalog zur Ausstellung „Blut und Rasse“ machte Vellguth als Gefahr für das Fortbestehen des deutschen Volkes vor allem die Vermehrung von ihm als ‚schwachsinnig‘, aber auch verbrecherisch und unsozial bezeichneter Menschen aus. Aus ideologischer Überzeugung hielt er die Fürsorge für psychisch Kranke und körperlich eingeschränkte Menschen für eine groteske Idee. Im Vordergrund stand ein verdrehter Arbeitsrationalismus mit Fokus auf Arbeiter, die den wirtschaftlichen Erfolg des deutschen Volkes sichern würden. Für Vellguth waren Kinder, welche sogenannte „erbkranke Anlagen“ in sich trugen ein schweres Unrecht gegen Volk und Staat. In dem Katalog zur Ausstellung „Blut und Rasse“ von 1936 betont Dr. Vellguth, dass dieses Gesetz auf dem „Grundsatz der Freiwilligkeit“ aufbaut. Wörtlich heißt es: „Es soll dem Erbkranken selbst die Möglichkeit gegeben werden, aus der Erkenntnis seines unverschuldeten Zustandes die Folgerungen zu ziehen und sich dem Eingriff der Unfruchtbarmachung zu unterziehen.“ Tatsächlich wurde mit dem System der Erbgesundheitsgerichte aber ein System geschaffen, dass die zwangsweise Sterilisation anordnete.

    Aufstieg und mangelnde Aufarbeitung nach dem Ende des NS

    Während in der Dresdner Beratungsstelle willige Beamte im Sinne Vellguths Dienst schoben und sich so am System des Nationalsozialismus mitschuldig machten, stieg Vellguth zum Leiter des staatlichen Gesundheitsamtes Ostpreußen auf und übernahm schließlich 1940 die Leitung des Hauptgesundheitsamtes in Wien. Nach dem Krieg ließ er sich in Flensburg nieder. Während des Verfahrens, das 1947 gegen ihn als ehemaligen Sturmbannführer der SS und Untersturmführer der Waffen-SS geführt wurde, beschrieb er seine Tätigkeit für das Rassenpolitische Amt als eine rein gesundheitspolitische Arbeit. Das Gericht glaubte seiner Darstellung, dass er kein aktives SS-Mitglied und kein bekennender Nationalsozialist gewesen sei und beließ es bei einer Geldstrafe von 3000 Mark. Dies überrascht, da Vellguth noch vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten, und sogar gemeinsam mit seinem Vater, der NSDAP beigetreten war. In seiner SS-Laufbahn wurde er mit Auszeichnungen wie dem SS-Ehrenwinkel und dem SS-Julleuchter geehrt. Ab 1958 praktizierte Dr. Hermann Vellguth als niedergelassener Arzt in Hennstedt in Dithmarschen. Wann er verstarb ist nicht bekannt.

    Quellen/Literatur

    Deutsches Ärzteblatt Heft 1, 1. Juli 1933

    Katalog der Wanderausstellung „Blut und Rasse“ (1936)

    Harten, Hans-Christian; Nerisch, Uwe; Schwerendt, Martin: Rassenhygiene als Erziehungsideologie des Dritten Reichs, Berlin 2006

    Klee, Ernst (2003): Das Personen Lexikon zum Dritten Reich

    Rickmann, Anahid S.: „Rassenpflege im völkischen Staat“. Vom Verhältnis der Rassenhygiene zur nationalsozialistischen Politik, Bonn 2002.

    Süß, Winfried: Der „Volkskörper“ im Krieg. Gesundheitspolitik, Gesundheitsverhältnisse und Krankenmord im nationalsozialistischen Deutschland 1939 - 1945, München 2009 (=Studien zur Zeitgeschichte, Bd. 65).

    Stigmatisation sociale des consommateurs de drogues
    https://fr.m.wikipedia.org/wiki/Stigmatisation_sociale_des_consommateurs_de_drogues

    #Allemagne #histoire #nazis #euthanasie #racisme #médecine #iatrocratie #santé #eugénisme #alcoolisme #euthanasie

  • Kunstgeschichte: Opfer der Herrenrasse
    https://www.jungewelt.de/artikel/507415.kunstgeschichte-opfer-der-herrenrasse.html

    Hildegard Seemann-Wechler, Selbstporträt, Öl auf Sperrholz, 36,3 × 32cm, um 1930, Sammlung Frieder Gerlach

    3.9.2025 von Peter Michel - Vor 85 Jahren wurde die Dresdner Malerin Hildegard Seemann-Wechler in Pirna-Sonnenstein ermordet

    Meine Verordnungen werde ich treffen zu Nutz und Frommen der Kranken, nach bestem Vermögen und Urteil; ich werde sie bewahren vor Schaden und willkürlichem Unrecht.« (Aus dem Hippokratischen Eid)1

    Zu meinen frühesten Kindheitserinnerungen gehört ein Arztbesuch in der Kinderklinik der Universität Jena. Damals – im Jahr 1943 – war ich fünf Jahre alt und durch lange Aufenthalte in einem modrigen Luftschutzkeller und Mangelernährung lungenkrank. Meine Mutter versprach sich von einer Behandlung durch den Kinderarzt Jussuf Ibrahim Besserung. Dieser Arzt genoss außerordentliches Ansehen und Vertrauen vor allem unter den Müttern – beinahe wie ein Wunderheiler. Er entstammte einer Kairoer Arztfamilie, leitete von 1917 bis zu seinem Tod 1953 diese Klinik und wurde auch in der DDR in hohem Maß geehrt. Nach dem Jahr 2000 wurde bekannt, dass er den Nazis nahegestanden und ihm anvertraute Kinder an die »Landesheilanstalten« Stadtroda ausgeliefert hatte, wo man sie umbrachte.
    Euthanasie

    Das Ganze lief unter dem Schlagwort »Euthanasie«. Im Griechischen wird damit ein guter oder schöner Tod bezeichnet. Unter den Nazis mutierte dieser Begriff zu einer Verschleierungs- und Legitimationsformel für ein in der Geschichte einmaliges staatlich durchorganisiertes Mordprogramm, das »Rassenhygiene« in medizinischen und psychiatrischen Einrichtungen in ganz Deutschland zur Pflicht machte. Tötungsanstalten befanden sich unter anderem in Grafeneck, Hadamar, Bernburg, Brandenburg an der Havel, Lüneburg, Andernach, auf dem Schloss Hartheim bei Linz in Österreich (damals »angeschlossen« als Teil des Deutschen Reiches), in Wehnen, Ursberg, Leipzig, Münnerstadt, Meseritz-Obrawalde (bis 1945 in der Provinz Posen; seitdem polnisch) und Pirna-Sonnenstein. An den meisten Orten wurden später Gedenkstätten eingerichtet. Die bisher ermittelten Opferzahlen schwanken zwischen 200.000 und 300.000, darunter etwa 5.000 Kinder und Jugendliche. Die Menschen erstickten in Gaskammern, wurden durch Überdosierung von Medikamenten, Nahrungsentzug, Lufteinspritzungen, Verweigerung ärztlicher Hilfe und andere Methoden umgebracht. Den Angehörigen übermittelte man frei erfundene Todesursachen. Die Forschung zu diesem verbrecherischen Teil deutscher Vergangenheit hat viele solcher Fakten erschlossen, ist aber bei weitem nicht vollständig.

    Bereits am 14. Juli 1933 hatte die faschistische Regierung das »Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses« verabschiedet, das massenweise Zwangssterilisationen vorschrieb. Ab 1934 entstand am Tollensesee bei Neubrandenburg ein Dorf mit dem Namen Alt Rehse als »Führerschule der deutschen Ärzteschaft«. Dort erhielten etwa 12.000 Ärzte, Schwestern und Pfleger, auch Hebammen und Apotheker, das ideologische Rüstzeug der »Rassenlehre« für die Praxis der »Euthanasie«. Ihr Umgang mit behinderten und psychisch kranken Menschen hatte mit ärztlichem Ethos, mit dem Hippokratischen Eid nichts zu tun. Sie übten keine humane Sterbehilfe, sondern geplanten Mord. Sie kannten keine Humanität am Krankenbett. Sie schützten das Leben der Kranken und Behinderten nicht und gliederten sie nicht wieder in die Gesellschaft ein. An die Stelle dieser traditionellen Pflichten trat der Fanatismus des Herrenmenschentums. In der »Aktion T4« liefen die Fäden für die systematische und kaltblütige Tötung »lebensunwerten Lebens« zusammen, benannt nach einer Villa in der Berliner Tiergartenstraße 4, wo sich die Tötungszentrale befand. Dort wurde 2014 ein zentraler Gedenk- und Informationsort eingerichtet. Der Deutsche Bundestag stimmte am 30. Januar 2025 – also erst 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges – einem fraktionsübergreifenden Antrag zu, in dem auch diese Opfer als Verfolgte des Naziregimes anerkannt wurden.²

    Oberhalb des Stadtzentrums von Pirna entstand ab 1811 auf dem Sonnenstein in einer früheren Burg- und Festungsanlage eine Heilanstalt für psychisch Kranke. Sie genoss einen guten Ruf und wurde im Lauf der Jahrzehnte ständig erweitert. Auch dort zog 1933 faschistisches Denken ein, das auf »Rassenhygiene«, also auf die Vernichtung psychisch kranker und geistig behinderter Patienten, ausgerichtet war. Im Frühjahr 1940 wurde in einem abgeschirmten Teil des Geländes eine Tötungsanstalt eingerichtet. In einem Keller entstanden eine Gaskammer und ein Krematorium. Am 28. Juni 1940 wurden die ersten zehn Patienten vergast und verbrannt. Mehr als hundert Ärzte, Pfleger, Fahrer, Schwestern, Bürokräfte und Polizisten arbeiteten in den Jahren 1940/41 in dieser Einrichtung. Die Kranken und Behinderten holte man mit den berüchtigten graugrünen Bussen aus anderen Anstalten, um sie als »Ballastexistenzen« umzubringen. Bis zum 24. August 1941 starben dort 13.720 Menschen. Hinzu kamen im Sommer 1941 mehr als tausend Häftlinge aus Sachsenhausen, Buchenwald und Auschwitz. Danach löste man diese »Euthanasie«-Anstalt auf, verwischte die Spuren und richtete ein Wehrmachtslazarett, die »Adolf-Hitler-Schule Gau Sachsen« und eine Reichsverwaltungsschule ein. Ein Teil der an den Morden Beteiligten nahm anschließend an den Massenvernichtungen in den Konzentrationslagern Belzec, Sobibor und Treblinka teil.
    Künstlerin mit Haltung

    Unter den Opfern befanden sich drei Dresdener Künstlerinnen: Gertrud Fleck (geb. 1870), Elfriede Lohse-Wächtler (geb. 1899) und Hildegard Seemann-Wechler (geb. 1903). Sie alle starben 1940. Der bekannte Dresdener Fotograf Hugo Erfurth hatte Hildegard Seemann-Wechler 1929 porträtiert und sie damit in die Reihe seiner historisch bedeutsamen Künstlerporträts gestellt. Bis in die Gegenwart sind seine Bildnisse aus den 1920er Jahren vorbildlich für eine ganz persönliche, psychologisierende, den Charakter einfühlsam erfassende fotografische Arbeitsweise. Die Porträtfotografien von Otto Dix, Käthe Kollwitz, Max Beckmann, Lovis Corinth, Oskar Kokoschka, Heinrich Zille, Max Slevogt, Wassili Kandinsky, Ernst Barlach und vielen anderen sind aus der deutschen Kunstgeschichte nicht wegzudenken.

    Offensichtlich hat ihn die damals 26jährige Hildegard Seemann-Wechler mit ihrer Bubikopffrisur stark beeindruckt. Als er sie fotografierte, setzte er sie aufrecht, beinahe denkmalhaft ins Bild und vermied jede körperliche und mimische Bewegung. Die Hände liegen im Schoß locker übereinander. Die Gesichtszüge sind ebenmäßig; die Augen blicken selbstbewusst und neugierig auf die Kamera. Ein kaum merkliches Lächeln zeugt von innerer Ruhe. Die Umrisse der Frisur und des Kragens bilden gemeinsam einen ovalen Rahmen für das Gesicht. Der keilförmige Ausschnitt der Jacke zieht die Aufmerksamkeit des Betrachters nach oben. Eine solche bildnerische Inszenierung zeugt von großer Achtung. Erfurth kannte ihre künstlerischen Leistungen.

    Beinahe denkmalhaft in Szene gesetzt: Porträtfoto der Malerin von dem Dresdener Fotografen Hugo Erfurth aus dem Jahr 1929, Rheinisches Bildarchiv Köln

    Seemann-Wechler kam aus einem bürgerlichen Elternhaus. Künstlerin zu werden war der große Traum ihres Lebens. Zunächst begann sie ein Studium an der Kunstgewerbeakademie in der Dresdener Güntzstraße und wechselte 1921 an die Dresdener Kunstakademie, an der ab 1919 auch Frauen studieren durften. Zu ihren Lehrern und Förderern gehörten Robert Sterl und Otto Dix. Bei Dix genoss sie das Privileg, drei Semester lang als Einzelschülerin zu studieren. Sie folgte ihm jedoch kaum in seinem schonungslos entlarvenden Verismus; sie verzerrte oder karikierte nichts, sondern stand stilistisch den Vertretern neusachlicher Malerei näher. Während ihres Studiums war sie mit Eva Schulze-Knabe und Fritz Schulze befreundet, die beide später im antifaschistischen Widerstand ihr Leben aufs Spiel setzten. Sie wurden von der Gestapo verfolgt, verhaftet und in einem Hochverratsprozess verurteilt; Fritz Schulze wurde 1942 in Plötzensee hingerichtet; Eva Schulze-Knabe überlebte im Zuchthaus Waldheim. Schulze-Knabe erinnerte sich später an einen in der Akademie ausgestellten Selbstakt von Seemann-Wechler. Da auch Hans und Lea Grundig in dieser Zeit an der Kunstakademie studierten, ist zu vermuten, dass beide ebenfalls zu diesem Freundeskreis gehörten. All das kennzeichnet die politische Haltung Hildegard Seemann-Wechlers.

    Im April 1929 beendete sie ihr Studium und heiratete ihren Mitstudenten Herbert Seemann. In dieser Zeit entstand das Blatt »Sitzender Knabe als Akt«, gestaltet mit Farbstift, Aquarell- und Deckfarben über einer Bleistiftzeichnung auf gelblichem, strukturiertem Papier. Es zeigt ein schwaches, kränkliches Kind mit apathischem Gesichtsausdruck, übergroßen verschatteten Augen und kurzgeschorenem Haar, das auf einem flachen Tisch vor einem Ofen sitzt. Etwa ein Jahr später malte sie ein Knabenbildnis mit einem ähnlichen Bildaufbau und kräftigeren Farben. Proletarierkinder wurden damals in Dresden zu einem wichtigen Bildmotiv. Wilhelm Lachnit schuf 1924/25 einen »Mädchenakt auf rotem Stuhl«; Rudolf Bergander malte 1931 ein schwindsüchtiges »Mädchen im blauen Kleid«; im selben Jahr entstand Eva Schulze-Knabes »Junge im gelben Pullover«. Hans Grundig hatte 1926 einen »Jungen mit Katze« gemalt und 1930 Linol- und Holzschnitte mit Titeln wie »Lernender Arbeiterjunge« oder »Kinder der Großstadt – Kind mit Puppe auf der Straße« geschaffen. Hildegard Seemann-Wechler reihte sich ein. Auch ihre Abbilder wurden zu Sinnbildern des Elends.
    Selbstporträts

    Um 1930 entstanden zwei ihrer Selbstporträts. Eines fesselt den Betrachter durch die Spannung zwischen zeichnerischem Realismus und freiem Umgang mit eigenwilligen Farben. Es zeigt ihr Gesicht en face wie in Hugo Erfurths Fotografie. Doch von Selbstbewusstsein und innerer Ruhe ist nur noch wenig zu spüren. Die Weichheit der Umrisse ist härteren Konturen gewichen. Die Pinselführung ist heftig und dennoch kontrolliert. Die Schädelform mit breiten Wangenknochen tritt deutlich hervor. Der Blick geht in eine unbestimmte Ferne; der Glanz der Augen ist verschwunden, man kann sie in ihrer Dunkelheit nur erahnen. Die Farben orientieren sich kaum noch an der äußeren Erscheinung, sondern werden zum Ausdruck der eigenen Gefühlswelt. So näherte sich Seemann-Wechler einem expressiven Realismus, der ihrer antibürgerlichen Grundhaltung entsprach.

    Ein anderes, ebenfalls 1930 gemaltes Selbstbildnis zeigt einen ähnlich freien Umgang mit Farben und Formen, ist jedoch in seiner Expressivität zurückhaltender. Der Kopf mit direktem Blick auf den Betrachter folgt einem kaum spürbaren Halbprofil; die Augen sind detailliert dargestellt. Sie verraten bei aller Selbstachtung dennoch Verletzlichkeit und Skepsis dem Betrachter gegenüber; Trotz, Angst und Ratlosigkeit scheinen sich zu vereinen. Der dunkle Hintergrund lässt das Gesicht hell hervortreten. Beide Selbstbildnisse vermeiden konsequent eine Idealisierung, wie sie der Fotograf ein Jahr zuvor angestrebt hatte. Die Künstlerin war ehrlich zu sich selbst.

    Die erste Schaffenszeit Hildegard Seemann-Wechlers konnte nur kurz und intensiv sein. Boris Böhm, der seit 1999 die Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein leitet, erforschte auf verdienstvolle Weise Leben und Sterben einer ganzen Reihe Ermordeter. Er gab eine Schriftenreihe unter dem Titel »Den Opfern einen Namen geben« heraus und ehrte im Heft 26/2018 auch diese Künstlerin detailreich und ausführlich.³ So sind zahlreiche Fakten bekanntgeworden, die sonst unbeachtet geblieben wären. Bei Böhm ist zu lesen, dass sich im Sommer 1931 bei Seemann-Wechler Symptome einer schweren psychischen Erkrankung zeigten und sie am 13. August 1931 ins Dresdener Stadtkrankenhaus Löbtauer Straße eingeliefert wurde, wo man unheilbare Schizophrenie diagnostizierte. Von dort kam sie in die Landesanstalt Arnsdorf und verbrachte dort achteinhalb Jahre.
    Vergast und verbrannt

    Nachdem das faschistische »Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses« 1933 erlassen worden war, wurde sie am 12. September 1935 in der Staatlichen Frauenklinik Dresden gegen ihren Willen zwangssterilisiert und nach diesem entwürdigenden Eingriff nach Arnsdorf zurückgebracht. Böhm berichtet weiter über die rasante Verschlechterung der Existenzbedingungen für die Arnsdorfer Patienten nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges. In Arnsdorf wurde ein Wehrmachtslazarett eingerichtet. Hildegard Seemann-Wechler kam deshalb am 23. April 1940 in die Landesanstalt Leipzig-Dösen, blieb dort aber nur ein Vierteljahr; dann wurde sie in die Landesanstalt Großschweidnitz bei Löbau verlegt. Hier fuhren am frühen Morgen des 3. September 1940 die Transportbusse vor und brachten 104 Frauen nach Pirna-Sonnenstein: »In einer der wahrscheinlich vier Gruppen wurde auch Hildegard Seemann-Wechler noch am gleichen Tag der Ärztekommission vorgeführt und anschließend von Krankenschwestern mit etwa 25 Mitpatientinnen in die als Baderaum getarnte Gaskammer im Keller von Haus C geführt. Hildegard Seemann-Wechler starb inmitten von angstvoll schreienden und verzweifelt an Türen und Fenstergittern rüttelnden Leidensgefährtinnen einen gewaltsamen Tod.«⁴ Dieser Tod wurde mit Kohlenmonoxid herbeigeführt. Ein Arzt beobachtete den Tötungsvorgang, der etwa 20 bis 30 qualvolle Minuten dauerte. Die Leichen wurden in zwei Koksöfen verbrannt. Die Asche lagerte man auf einer Anstaltsdeponie oder man schüttete sie nachts hinter dem Haus den Elbhang hinunter.

    1946 gab es auf der Dresdener Brühlschen Terrasse als Teil einer Ausstellung sächsischer Künstler eine Sonderschau »Opfer des Faschismus«, in der man Hildegard Seemann-Wechler postum ehrte. Es wurden sieben ihrer Werke gezeigt, darunter eine Zeichnung »Frauenkopf« und ein »Jungenbildnis«. Vermutlich hatte Eva Schulze-Knabe dafür gesorgt. Das Blatt »Sitzender Knabe« tauchte später in einer Auktion auf. Und in einer Ausstellung im Schloss Hubertusburg war 2023 auch Seemann-Wechler vertreten.

    Im Sommer 1947 wurden einige der an den Morden Beteiligten zur Verantwortung gezogen. Das Dresdener Schwurgericht verurteilte einen der medizinischen Leiter der Krankenmordaktion und zwei »Pfleger« zum Tode. Andere konnten sich ihrer Verantwortung entziehen.
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    Sammlung Frieder Gerlach

    Hildegard Seemann-Wechler, Selbstporträt, Öl auf Sperrholz, 36,3 × 32cm, um 1930

    Bis 1949 waren auf dem Sonnenstein ein Flüchtlingslager, ein Quarantänelager für entlassene Wehrmachtsangehörige, Teile des Landratsamtes und eine Polizeischule untergebracht. Ein großer Teil des Geländes wurde von 1954 bis 1991 überwiegend vom Strömungsmaschinenwerk zum Bau von Flugzeugturbinen genutzt. 1977 entstand im Schlossbereich das »Kreisrehabilitationszentrum Pirna«, aus dem 1991 eine »Werkstatt für behinderte Menschen« der Arbeiterwohlfahrt hervorging.

    Heute befindet sich im ehemaligen »Euthanasie«-Gebäude und in seiner unmittelbaren Nähe eine würdige Gedenkstätte mit einer ständigen dokumentarischen Ausstellung im Dachgeschoss, Stelen mit Kurzbiographien im Mordkeller, einem Gedenkkreuz und einem als Sammelgrabfläche gekennzeichneten Waldareal am Elbhang. Bei archäologischen Grabungen im Jahr 2002 fand man dort menschliche Knochen und Asche aus den Verbrennungsöfen.

    Vielleicht liegen dort auch nicht mehr identifizierbare Überreste dieser Künstlerin, die ihr Schaffen so eindrucksvoll begann und sich nicht vollenden konnte. Ihr blieb ein eigenes Grab verwehrt. Die überlebenden Familienmitglieder, die 1945 aus dem zerstörten Dresden nach Westdeutschland übersiedelten, ließen Hildegard Seemann-Wechlers Namen in einen Familiengrabstein auf dem Hauptfriedhof Karlsruhe meißeln. So bleibt ein Platz zum Trauern.

    Anmerkungen:

    1 1948 beschloss der Weltärztebund nach den Greueln des Zweiten Weltkrieges eine Neufassung der ärztlichen Berufspflichten, das Genfer Gelöbnis, in dem es unter anderem heißt: »Ich werde nicht zulassen, dass Erwägungen von Alter, Krankheit oder Behinderung, Glaube, ethnischer Herkunft, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, politischer Zugehörigkeit, Rasse, sexueller Orientierung, sozialer Stellung oder jeglicher anderer Faktoren zwischen meine Pflichten und Patientin oder meinen Patienten treten.«

    2 Vgl. auch: »Erinnerungspolitisch gibt es noch viel zu tun. Eine längst überfällige Ausstellung in Berlin widmet sich verleugneten Opfern der Nazidiktatur. Ein Gespräch mit Barbara Stellbrink-Kesy«, junge Welt, 3.1.2025, und »Herrscher über Leben und Tod. Systemerkrankung: Eine Wanderausstellung über das Verhältnis von Arzt und Patient in Nazideutschland« von Sabine Lueken, junge Welt, 17.1.2025

    3 Boris Böhm: »Hildegard Seemann-Wechler (1903–1940). Biografisches Porträt eines sächsischen Opfers der NS-Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein«. Heftreihe »Den Opfern ihren Namen geben«, Heft 26/2018

    4 Ebd., S. 12

    #nazis #euthanasie #iatrocratie

  • Wie die Eigentümerin der Villa Adlon zur Genetikerin der Neuen Rechten wurde : Was will Mathilda Huss ?
    https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/mathilda-huss-zu-besuch-bei-der-genetikerin-der-neuen-rechten-li.23

    Un peu de sociologie des riches : à Potsdam la propriétaire de l’ancienne villa de la famille Adlon a marre des égomanes de droite, surtout après les dommages que les stars de la nouvelle droite lui ont causé.

    Mathilda Huss a obtenu un doctorat en biologie qu’elle a su monnayer à travers des brevets. Elle défend des positions politiques ségrégationnistes et eugénistes qui la rendent compatible avec l’extrême droite. Pourtant elle ne se considêre pas comme d’extrême droite sans doute à cause de questions de culture et du mauvais comportement des hommes de droite.

    8.8.2025 von Niklas Liebetrau, Wiebke Hollersen - In ihrem Potsdamer Landhaus fand das Treffen statt, das Correctiv aufdeckte. Jetzt fühlt sich Huss von Verbündeten verraten, vor allem von ihrem Ex – Maximilian Krah. Ein Besuch.

    Mathilda Huss betritt das Landhaus Adlon durch die Hintertür. Auf Plateaupumps läuft sie durch enge Flure und Säle, von denen der Blick über den Garten zum Lehnitzsee reicht. Ihre Schritte hallen durch das leere Haus. Es ist ein kühler Junitag, im Innenhof sitzen zwei Männer im Bademantel. Hotelgäste, die einzigen weit und breit.

    Huss erzählt von großen Hochzeiten, die früher hier gefeiert wurden. Von Sängern und Models, die für ein Wochenende kamen, gut zahlende Gäste. Sie lacht bitter. „Solche Hochzeiten gibt es zurzeit weniger.“ Wer will schon an einem Ort heiraten, von dem Politiker bis heute behaupten, hier seien Deportationen geplant worden?

    Sie wirkt jünger als Mitte fünfzig, um den Hals trägt sie ein kleines blaues Kreuz. Das Landhaus gehört ihr und dem Vater ihrer Söhne, dem Potsdamer CDU-Politiker Wilhelm Wilderink. Sie sind seit zehn Jahren getrennt, leben aber noch zusammen in einer Villa gleich nebenan. Als sie das Anwesen vor vierzehn Jahren kauften, begleitete sie der RBB für eine TV-Serie bei der Sanierung: „Mein Traumhaus mit Geschichte“. Die Villa wurde in den Zwanzigern von der Hoteliersfamilie Adlon gebaut.

    Medien schrieben, sie vertrete eine gefährliche Rassenideologie

    Vor anderthalb Jahren war das Landhaus wieder in den Medien. Diesmal bundesweit, im Zentrum eines Skandals, der bis heute nachwirkt. Die Rechercheplattform Correctiv hatte über ein Treffen der rechten Szene in der Villa berichtet – das „Potsdamer Geheimtreffen“. Der identitäre Aktivist Martin Sellner habe dort einen „Masterplan zur Remigration“ vorgestellt, schrieben die Journalisten, zur Vertreibung von Migranten aus Deutschland, auch Menschen mit deutschem Pass.

    Der Aufschrei war groß. Nancy Faeser, damals Innenministerin, sprach von einer neuen Wannseekonferenz, als sei im Landhaus Adlon ein zweiter Holocaust geplant worden. Millionen gingen auf die Straße, sogar Olaf Scholz, der Kanzler. Eine neue Debatte über die AfD entbrannte.

    Auch Mathilda Huss geriet in den Fokus. Medien schrieben, Huss, die promovierte Biologin, vertrete „eine gefährliche Rassenideologie“. Schon vor dem Correctiv-Artikel hatte Die Zeit berichtet, Huss sei von der „Überlegenheit der weißen Rasse“ überzeugt und glaube, dass sich in westlichen Gesellschaften schädliche Gene durchgesetzt hätten. Huss wies das zurück und drohte mit juristischen Konsequenzen. Im sächsischen Reinsberg, wo sie ein Schloss gekauft hat, fragten Reporter nach der „ominösen“ Investorin.

    Sie steht jetzt in dem Saal mit Seeblick, in dem an jenem Novembertag die Teilnehmer beim Frühstück standen. Sie habe das Hotel schon damals nicht selbst geführt, habe nicht zu dem Treffen eingeladen und auch die Liste der Gäste nicht gekannt, sagt Huss. Sie sei eingeladen gewesen, wollte erst gar nicht teilnehmen.

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    Das Landhaus Adlon, in dem im November 2023 das Potsdamer Treffen stattfand.Maurice Weiss/Ostkreuz

    Der weltweite Stimmungswandel nach rechts

    Doch sie hat teilgenommen. Und jetzt will sie reden. Über das Treffen, über den Correctiv-Artikel, der den Ruf ihres Hauses beschädigte, und nach dessen Erscheinen ihre Familie bedroht wurde. Aber es geht ihr auch um Größeres. Um ihre eigenen politischen Ideen, die, wie sie sagt, auf Erkenntnissen der Genetik gründeten. Sie will ein Buch schreiben. Und sie fürchtet, dass ihr jemand zuvorkommt. Ein Mann, auf den sie lange gesetzt hat und dem sie damals, vor anderthalb Jahren, sehr nahe stand: Maximilian Krah, einer der umstrittensten Politiker der AfD.

    Krah sorgte zuletzt für Schlagzeilen, weil er den Kurs seiner Partei verändern will. Mathilda Huss hat das alarmiert, denn sie ist der Ansicht, dass Krah ihre Ideen verkaufe. Deshalb will sie selbst in die Öffentlichkeit. Sie befindet sich in einer Art Wettrennen mit Krah, so klingt es. Und damit das überhaupt jemand mitbekommt, spricht sie jetzt mit Journalisten.

    Sie gewährt damit Einblicke in eine Welt, die in Deutschland noch weit vom Mainstream entfernt scheint, aber global rasant an Einfluss gewinnt. Es ist eine kulturelle Verschiebung nach rechts, die in den USA sogar schon einen Namen hat: Vibe shift, Stimmungswandel. In diesem neuen Vibe stampfen Konzerne Diversitätsprogramme ein. Und eine Jeansmarke wirbt mit der blonden, blauäugigen Schauspielerin Sydney Sweeney und spielt dabei mit den im Englischen gleich klingenden Worten Jeans und Genes. Ein Gag, eine Provokation. Aber der Glaube an die allumfassende Macht der Gene scheint zurück.

    Mathilda Huss redet schnell, springt oft von einem Thema zum nächsten. Vom Treffen im Landhaus Adlon über genetische Studien zu ihren Schwierigkeiten, ein Buch auf Deutsch zu schreiben, weil sie so lange in England gelebt hat. Sie lacht, wirkt freundlich und offen. In Deutschland ist sie eine Vordenkerin des Stimmungswandels nach rechts. Eine Frau mit Ambitionen. Und ihre Verbindungen reichen weit ins konservative bis liberale Lager. Hans-Georg Maaßen, den ehemaligen Verfassungsschutzchef, nennt sie einen Freund. Sie habe schon bei vielen Parteien Vorträge gehalten, sagt sie.

    Mit der Neuen Rechten aber hat sie seit dem Treffen in ihrem Hotel gebrochen. „Ich habe jeden Respekt vor denen verloren!“

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    Blick von Huss Villa auf den Lehnitzsee in Potsdam.Maurice Weiss/Ostkreuz
    „Geheimtreffen, was für ein Quatsch“

    Sie läuft durch den Garten hinter dem Landhaus, vorbei an blühenden Hortensien, betritt über eine Terrasse die Küche ihrer privaten Villa. Wieder kommt sie auf den Correctiv-Artikel zu sprechen. „Geheimtreffen, was für ein Quatsch“, sagt sie. Sie sei damals geblieben, weil ihr ein Hotelgast auffiel, der in den Räumen herumschlich, aber nicht zu den geladenen Teilnehmern gehörte. Er habe unaufrichtig gewirkt, sein Gang, seine Körperhaltung. „Das war eine Zecke“, sagt sie. Später erkannte sie ihn auf Bildern: Jean Peters, Aktionskünstler und Journalist bei Correctiv.

    Mehrfach habe sie ihn weggeschickt, sagt sie. Von dem, was bei dem Treffen besprochen wurde, habe er kaum etwas mitbekommen. Allenfalls den Vortrag von Martin Sellner über Remigration, die Fragen danach. Aber das sei nicht „Sinn und Anlass der Veranstaltung“ gewesen, sagt sie. „Es ging um die Finanzierung alternativer Medienprojekte, man wollte Sponsoren dafür finden.“

    Auch Wilhelm Wilderink, ihr früherer Partner, ärgert sich über die Berichterstattung, wirft Correctiv die Skandalisierung einer Veranstaltung vor, die „verfassungskonform“ gewesen sei. Niemand habe über Deportationen gesprochen, wie manche Politiker das öffentlich behaupteten, geschweige denn solche geplant. Weder Staatsanwaltschaft noch Verfassungsschutz hätten je Vorwürfe oder Anklage erhoben. „Das allein widerlegt Correctiv.“ Wilderink kämpft bis heute gegen den Versuch der CDU Potsdam, ihn wegen des Treffens auszuschließen.

    Correctiv hat inzwischen selbst über einen Anwalt eingeräumt: Ein „planvolles Vorgehen“ sei allenfalls bei Sellner und dem Veranstalter, dem Zahnarzt Gernot Mörig, erkennbar gewesen. Die übrigen Teilnehmer hätten bloß zugehört. Der Journalist Jean Peters sagte der Zeit Anfang des Jahres, das Wort „Vertreibung“ sei im Landhaus Adlon nie gefallen. Aber natürlich sei es so gemeint gewesen. Es ist diese Interpretation, die öffentlich hängen blieb.

    Maximilian Krah und ein Gerücht in der rechten Szene

    Mathilda Huss sagt, sie finde noch etwas anderes an dem Bericht seltsam: Dass Maximilian Krah nicht erwähnt wurde, obwohl er an jenem Wochenende ebenfalls vor Ort gewesen sei. Krah war schon damals nicht irgendwer, sondern AfD-Spitzenkandidat für die Europawahl.

    Huss lernte ihn im Sommer 2022 näher kennen. Sie habe bei einer Veranstaltung einen Vortrag gehalten, er sei danach auf sie zugekommen. Und sehr interessiert an ihrem Thema gewesen, den genetischen Unterschieden zwischen Gruppen von Menschen. Krah und Huss kamen sich näher. Sie zeigt Chats und Selfies, die er ihr aus dem EU-Parlament schickte. Oft sei er noch spät abends zu ihr gefahren, sagt sie. Teilweise hunderte Kilometer. Wie auch an jenem Wochenende.

    In der rechten Szene kursiert schon seit längerem ein Gerücht. Es besagt, dass Krah absichtlich in dem Artikel von Correctiv nicht erwähnt wurde. Und das, obwohl es Bilder einer Überwachungskamera gibt, die ihn am Sonntagmorgen nach dem Treffen vor dem Landhaus Adlon zusammen mit Teilnehmern zeigen. Direkt vor dem Fenster des Journalisten Jean Peters hätten sie gestanden, sagt Huss. Zwischen zwei Kameras, die Greenpeace in Autos versteckt hatte. „Ich verstehe nicht, wie sie Krah übersehen konnten.“ Wurde Krah von Correctiv aus dem Skandal herausgehalten? Oder versucht Huss, ihn jetzt hineinzuziehen?

    Krah hat längst eingeräumt, dass er an jenem Morgen vor Ort war. Die Gründe seien „Privatsache“, sagt er. Er sei kein Teilnehmer des Treffens gewesen, habe auch nicht im Landhaus Adlon übernachtet. Correctiv erklärt: „Unser Reporter hat Maximilian Krah in Potsdam nicht gesehen.“ Auch auf dem eigenen Foto- und Videomaterial sei er nicht zu erkennen gewesen. Nachdem entsprechende Bilder öffentlich wurden, habe man darüber berichtet.

    Wenn Huss über Krah spricht, klingt sie enttäuscht. Nicht nur über das Ende ihrer Affäre, sondern auch über eine entgangene Chance. „Ich dachte, wir könnten echt etwas bewegen“, sagt sie. Er, der wortgewandte Politiker. Sie, die Biologin mit provokanten Thesen.

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    Mathilda Huss in ihrer privaten Villa, die neben dem Landhaus Adlon am Lehnitzsee liegt.Maurice Weiss/Ostkreuz

    „Ein Mann, ein Wort, habe ich zu ihm gesagt“

    Man muss Mathilda Huss nicht fragen, wo sie politisch steht. Sie sagt von selbst: „Natürlich bin ich rechts.“ Wenn sie aus ihrem Leben erzählt, klingt es, als habe alles auf diesen Satz hingeführt. Das erste Buch, das sie gelesen habe, sei „Quo vadis“ gewesen, ausgerechnet, ein Roman über die Christenverfolgung im Alten Rom. Zuvor, sagt sie, habe sie nie Lust gehabt zu lesen.

    Sie erzählt von ihrem Vater, einem konservativen Öko, der ständig vor dem Klimawandel warnte und sich mit Solarenergie befasste. Und davon, wie sie sich schon als Schülerin im Bergischen Land mit Feministinnen stritt, weil die „männliche Eigenschaften entwickeln“ wollten. Männer und Frauen seien verschieden, sagt sie, mit unterschiedlichen Aufgaben und Bedürfnissen. Die Gleichmacherei lehne sie ab. Später war sie in der Kölner Kunstszene unterwegs. Ihr damaliger Freund, ein Schriftsteller, habe sie immer als „meine rechte Freundin“ vorgestellt. Das mochte sie nicht: „Ich spreche lieber für mich selbst.“

    Sie studierte Mathematik und Biologie in England, promovierte, forschte zu Hirnphysiologie, verdiente viel Geld mit Patenten, arbeitete am Institut für experimentelle Psychologie einer Elite-Universität. Sie habe die Wissenschaftsfreiheit und geistige Offenheit dort geliebt, sagt sie. Den interdisziplinären Austausch. Die Freiheit, Fragen zu stellen. An den Klimawandel, vor dem ihr Vater warnte, glaubt sie nicht mehr. In England begann sie auch, sich mit Genetik zu befassen.

    Lange suchte sie nach einer Partei, die ihre Ziele teilte. Zunächst fand sie die Piraten, erst in England, dann in Deutschland, wohin sie zurückgekehrt war, um eine Familie zu gründen. Die Piraten kämpften für Anliegen, die auch ihr wichtig sind: radikale Transparenz, die Offenlegung von Daten, Schutz vor staatlichem Zugriff. Sie half beim Aufbau der Open Knowledge Foundation mit, die die Plattform „Frag den Staat“ betreibt. Doch bald, sagt sie, seien die Piraten nach links abgedriftet. „Da hatte ich nichts verloren.“ Die CDU erschien ihr zu starr, zu konservativ. 2018 entdeckte sie die AfD. Dort, so dachte sie, sei man basisdemokratisch, wolle mit alten Strukturen brechen. Das gefiel ihr.

    Mitglied wurde sie nicht, aber sie näherte sich der Partei, deren Umfeld. Sie hielt Vorträge, trat in rechten Podcasts auf. Als sie Maximilian Krah kennenlernte, schien sich alles zu fügen. Er habe ihr versprochen, ihr mit dem Buch zu helfen, an dem sie seit langem arbeitet. Nur deshalb habe sie ihm Argumente für seine Reden geliefert. „Wir hatten einen Vertrag per Handschlag. Ein Mann ein Wort, habe ich zu ihm gesagt.“ Den Deal habe Krah gebrochen.

    Krah bestreitet das. Es sei zwar richtig: „Ich habe Mathilda Huss angeboten, bei ihrem Buch zu helfen, weil sie allein damit nicht fertig wurde.“ Aber einen Deal habe es nicht gegeben. Im Januar 2024 beendete Huss die Verbindung. In diesem Jahr hörte sie dann von seinen neuen Ideen.

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    AfD-Politiker Maximilian Krah. Huss und Krah standen sich nah und haben sich inzwischen überworfen.Thomas Meyer/Ostkreuz

    Krah’s neue Idee für die AfD

    Krah will, dass die AfD sich vom Konzept der Remigration, so wie es Sellner propagiert, verabschiedet. Also von der Idee, auch deutsche Staatsbürger mit Migrationshintergrund zur Ausreise zu drängen. Das sei verfassungsfeindlich und führe zu einem Parteiverbot, so Krah. Seinen Sinneswandel erklärte er zum ersten Mal ausgerechnet bei Correctiv. Einem Medium, das seit dem Bericht über das Treffen im Landhaus Adlon in der AfD und ihrem Umfeld verhasst ist.

    Seiner Partei hat er folgendes neues Konzept vorgeschlagen: Die Menschen in Deutschland sollten künftig in nach Herkunft getrennten Welten leben. Nebeneinander, nicht miteinander. Deutsche ohne Migrationshintergrund, Deutsche mit türkischen Wurzeln, syrische oder ukrainische Einwanderer – jede Gruppe solle unter sich bleiben. Der Staat solle sich heraushalten. Keine Quoten, keine Förderprogramme, keine staatlich gesteuerte Integration. Assimilation lehnt Krah ab. Das seien die Ideen, die von ihr stammen, sagt Mathilda Huss.

    Ein paar Wochen später, bei einem zweiten Besuch im Juli, ist sie noch aufgebrachter. Sie hat von einem Vortrag erfahren, den Krah im Bundestag vor der AfD-Fraktion gehalten hat, darin „ganz viel von meinem Zeug“, sagt sie. Dass Krah damit nun Schlagzeilen macht, während sie weiter mit ihrem Manuskript kämpft, empfindet sie als Verrat. Er liegt im Wettrennen vorn.

    Es ist früh am Morgen. Huss steht im schwarzen Kleid auf der Terrasse ihrer Villa. Sie müsse gleich los, nach Norddeutschland, einer Tante beim Umzug helfen. Auf einem Teller liegt eine Scheibe Vollkornbrot, daneben stehen zwei Becher mit kaltem Fertigkaffee. Sie hat nicht gefrühstückt und wird es in der nächsten Stunde auch nicht tun.

    Sie wirkt fahrig, wie unter Strom. Wegen Krahs zweitem Buch, das er immer wieder ankündigt. Ob es überhaupt erscheint, ist unklar. Krah hat sich mit Götz Kubitschek überworfen, seinem Verleger aus Schnellroda. Auch Huss hatte darauf vertraut, dass Kubitschek ihr Buch verlegt. Er habe sie jahrelang dazu gedrängt, sagt sie. Doch nun gehört auch er zu den Männern, von denen sie sich verraten fühlt. Man kommt kaum hinterher bei dem Tempo, in dem sich die rechte Szene zu zerstreiten scheint.

    Krah sagt zum Vorwurf, er klaue Mathilda Huss’ Ideen, sie habe ihm „in einigen genetischen Fragen die Augen geöffnet”. Doch was er daraus mache, stamme allein von ihm. Sein künftiges Buch werde viele Themen behandeln, Genetik sei keines davon.

    Der neue, alte Glaube an die Macht der Gene

    Ihr eigenes Manuskript sei inzwischen auf 1200 Seiten angewachsen, sagt Huss. Veröffentlichen wolle sie aber nur 200. In ihrem Kopf scheint alles längst fertig. Einer ihrer Kernsätze lautet: „Wir machen Politik auf Basis eines völlig falschen Menschenbilds.“

    Der Satz lässt schon erahnen, wie radikal Huss denkt, wie dringend sie mit der liberalen Gegenwart brechen möchte. Sie holt einen Stapel Papier, eine Übersicht ihrer Thesen, „vertraulich zu behandeln“. Dann wirft sie Begriffe in den Morgen am See, „Blank-Slate-ism“, „genetische Bedingtheit“, „erweiterter Phänotyp“.

    Der erste Begriff spielt auf eine Vorstellung an, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts weit verbreitet war. Er besagt, dass Kinder als blank slates, unbeschriebene Blätter, zur Welt kommen. Allein Bildung, Erziehung und andere äußere Einflüsse formten den Menschen, so die Annahme. Heute gilt das als überholt. Man weiß, dass Gene eine große Rolle spielen, nicht nur für das Aussehen und die Krankheitsrisiken eines Menschen, sondern auch für Verhalten und Intelligenz. Je älter ein Mensch wird, desto stärker zeigt sich der Einfluss der Erbanlagen. Aber Menschen werden auch durch ihre Lebensumstände geprägt.

    Es sei vorteilhaft, so Huss, wenn jemand sein Leben so gestalten könne, wie es zu seinen angeborenen Neigungen passe. Doch genau das werde politisch nicht mitgedacht. Die Idee vom unbeschriebenen Blatt halte sich hartnäckig. Das sehe man an all den Förderprogrammen, die es gebe. Sie verweist auf Studien, die zeigen, dass Kinder aus einkommensschwachen Familien durch Förderung zwar kurzfristig in IQ-Tests oder beim Lesen besser werden, die Effekte dann aber wieder nachlassen. Leselust brauche eine genetische Komponente, um erweckt zu werden, sagt Huss. Man könne so etwas nicht erzwingen.

    Und sie geht noch einen Schritt weiter. Vom einzelnen Menschen zur Gruppe. Was für Individuen gelte, gelte auch für sogenannte Erbgemeinschaften, für „Populationen“, sagt sie. Auch zwischen ihnen gebe es bedeutsame genetische Unterschiede. Manchmal redet sie auch von „Stämmen“, selbst wenn es um Menschen in Deutschland geht.

    Dem wissenschaftlichen Konsens entspricht das nicht. Huss sagt dazu, Erkenntnisse zur „Wirkmächtigkeit der Gene“ würden zensiert. Fragt man sie nach den Grundlagen für ihre Ideen, verweist sie auf anerkannte Evolutionsbiologen, deren Thesen sie „einfach konsequent weitergedacht“ habe. Auf Richard Dawkins etwa. Der Brite prägte das Konzept des „erweiterten Phänotyps“, das er am liebsten mit Bibern erklärt. In Bibern wirken Gene, die bestimmen, wie der Biberbau aussieht, so Dawkins. Und wie der Biber baue auch der Mensch seine Umwelt seiner Veranlagung gemäß, sagt Huss, „wenn man ihn nur lässt“. Ganze Kulturen, so klingt es bei ihr, seien im Prinzip Ausdruck eines gemeinsamen Genpools, auch Architektur, Moral, politisches Denken.

    Sie tausche sich mit anderen Wissenschaftlern aus, zu diesen und anderen umstrittenen Themen. Sie wolle niemanden in die Medien zerren, sagt sie. Ein paar Namen nennt sie schließlich doch. Die Amerikaner William Happer und Richard Lindzen, die bestreiten, dass der Mensch den Klimawandel verursache. Und den Dänen Emil Kirkegaard, der oft bei ihr in Potsdam sei, seit er mit ihrem Au-pair zusammen sei. Der 31-Jährige beschäftigt sich auf seinem Blog unter anderem mit Rassentheorien oder der Frage, ob Linke zu psychischen Krankheiten neigen. Huss nennt ihn schlau, seine politischen Positionen aber seien ihr undurchsichtig. Seine Sicht auf die Welt habe wenig mit ihrer gemein.

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    Detail aus der privaten Villa von Huss, in der sie mit ihrem früheren Partner und den gemeinsamen Söhnen lebt.Maurice Weiss/Ostkreuz

    Deutschland sei noch geprägt von der „Stammesstruktur“

    Bleibt die Frage, wohin ihre eigene Weltsicht politisch führen soll? Mathilda Huss beantwortet sie am Telefon. Es ist Ende Juli, sie ist mit ihren Kindern erst nach China gereist, wo sie die Überwachung und den eingeschränkten Zugang zum Internet fürchterlich fand, und dann nach Japan, obwohl sie eigentlich an ihrem Buch arbeiten wollte. Sie habe schon wieder einen Podcast gehört, in dem Krah ihre Thesen vertrete, sagt sie.

    Die Konsequenzen dieser Thesen seien klar, sagt sie. Es gebe keine Assimilation. Menschen aus verschiedenen Kulturen könnten und sollten sich einander nicht anpassen. Stattdessen sollten sie in selbstverwalteten Einheiten leben, in Communitys. Sie nennt diese Idee „Subsidarität“. Deutschland, sagt Huss, sei immer noch geprägt von „der Vergangenheit der Stammesstruktur“. Und so soll es aus ihrer Sicht womöglich auch wieder sein.

    Das klingt tatsächlich sehr nach dem, was Krah nun vorschlägt. Und was einige Beobachter als gemäßigte Position innerhalb der AfD verstehen. Als eine Abkehr vom völkischen Denken, weniger menschenfeindlich als Martin Sellners Konzept der Remigration. Aber stimmt das?

    Auch Huss ist für „Rückführungen“ von Migranten aus Deutschland, für strengste Grenzschließungen, genauso wie Krah. Sie sagt: „Ich halte Deutschland für deutlich überfremdet.“ Menschen verschiedener Herkunft, so klingt es, sollen nur auf einem Staatsgebiet leben, wenn es gar nicht anders geht. Im schlimmsten Fall. Und der scheint für Huss jetzt eingetreten.

    Im Kern verfolgen sie alle dasselbe Ziel, Huss, Krah, Sellner, die Neue Rechte weltweit: Sie wollen die Menschheit wieder in Gruppen, Populationen oder Ethnien aufteilen, voneinander getrennt halten, sich für die eigene Gruppe einsetzen. Krah formuliert jetzt für die AfD, was politisch und juristisch anschlussfähig klingt. Huss liefert den wissenschaftlich wirkenden Unterboden.

    Welcher Gruppe gehört sie selbst eigentlich an? Mit wem würde sie in ihrer erträumten Welt leben wollen? Das sei schwierig, sagt Mathilda Huss. In ihr fänden sich verschiedenste Einflüsse, norddeutsche und süddeutsche, sie sei „ein Mix“. Sie selbst also gehört, genetisch betrachtet, zu gar keiner Gruppe.

    #Allemagne #Potsdam #nantis #hôtel #luxe #doite #extrême_droite #eugénisme #biologie #féminisme

  • La natalité au Japon à un plus bas historique : « L’eugénisme est une cause sous-estimée de cette chute » – L’Express
    https://www.lexpress.fr/monde/asie/la-natalite-au-japon-a-un-plus-bas-historique-leugenisme-est-une-cause-sous-estimee-de-cette-chute-TBRQR33RQVCEPBSHQTAK32C55Q/?cmp_redirect=true

    Le seuil symbolique est franchi. Pour la première fois depuis le début des statistiques à la fin du XIXe siècle, le Japon est passé sous la barre des 700 000 naissances en 2024. L’annonce, faite le 4 juin dernier par le gouvernement, entérine un recul pour la neuvième année consécutive, sur fond de vieillissement de la population. Le Premier ministre japonais, Shigeru Ishiba, a qualifié la situation d’"urgence silencieuse" et a promis des mesures favorables aux familles, comme une plus grande flexibilité des horaires de travail, afin d’inverser la tendance.

    Les données publiées mercredi par le ministère de la Santé révèlent également que le taux de fécondité —soit le nombre moyen d’enfants qu’une femme est censée avoir au cours de sa vie— est tombé à un niveau record de 1,15. Le ministère a précisé que le nombre de décès (1,6 million) a, quant à lui, atteint plus du double de celui des naissances, augmentant de 1,9% par rapport à 2023. Isabelle Konuma, professeure à l’Inalco, chercheuse au laboratoire Ifrae (Institut français de recherche sur l’Asie de l’Est) et spécialiste du #Japon, analyse les conséquences de cette situation pour l’avenir d’un pays où, dans plus de 20 000 territoires, la majorité des habitants sont âgés de 65 ans et plus.

    L’Express : Le Japon est confronté à une grave crise de la natalité depuis une décennie. Pourquoi ce pays précisément est-il si impacté par une chute vertigineuse des naissances ? Est-ce lié à des causes culturelles, économiques, sociétales ou tout cela confondu ?

    Isabelle Konuma : J’ai publié en 2024 un ouvrage sur l’eugénisme au Japon*. Il s’agit selon moi d’une des causes de la dénatalité au sein de ce pays. A la suite de la Seconde Guerre mondiale, le Japon adopte une loi « relative à la protection eugénique » en 1948. A cette période, la maîtrise de la #démographie devient vitale, suite notamment au baby-boom (1947-1949) et au rapatriement des colons et militaires dû à la restitution des colonies. Dans ce contexte, il fallait à tout prix diminuer les naissances et reconstruire un peuple « de qualité ».

    Très souvent la baisse de la #fécondité est expliquée en se référant à la scolarisation et le travail des filles, la précarisation de l’emploi notamment chez les hommes, l’importance du mariage avant la reproduction, ou le modèle de séparation sexuelle des tâches. Or, ces différentes études ne vont pas toujours jusqu’à interroger la raison d’être d’un tel modèle qui pourtant dicte le comportement marital et reproductif des générations en âge de procréer. En rappelant l’existence d’un régime eugéniste d’après-guerre, qui prône non seulement l’amélioration de la descendance d’un point de vue génétique mais aussi l’amélioration des conditions de vie des enfants (modèle conjugal, ouverture au néo-malthusianisme, dépénalisation de l’avortement, « mythe de l’amour maternel », etc.), on observe que la dénatalité au Japon est le fruit d’une politique entreprise activement en s’appuyant sur une méthodologie eugéniste.

    D’autres pays asiatiques, mais aussi occidentaux, sont également confrontés à une baisse de la natalité. Le Japon fait-il figure de cas particulier par rapport à d’autres États comme la Corée du Sud en Asie, l’Espagne, l’Allemagne, l’Italie ou la France en Europe ? Et pourquoi ?

    En 2024, le Japon a certes enregistré l’indice de fécondité le plus bas depuis le début des mesures, soit 1,15 enfant par femme. Cependant, ce niveau a déjà été atteint par l’Espagne en 2022 (1,16), suivie de près par l’Italie (1,24) ou encore la Grèce ou la Finlande (1,32), et l’Allemagne (1,39). De ce point de vue, le Japon n’est pas le seul pays impacté par une chute de la natalité. Sans compter l’Asie de l’Est où son voisin direct, la Corée du Sud, a enregistré en 2024 une fécondité de 0,75 ! De ce point de vue, il n’est pas possible d’expliquer la dénatalité au Japon comme une situation particulière, unique ; la #dénatalité japonaise est l’expression d’une situation qui touche mondialement beaucoup de pays.

    Sans nier l’importance de cette chute et des études qui cherchent à élucider son processus et ses causes, il serait également intéressant d’étudier les raisons pour lesquelles le Japon est pris comme l’un des premiers exemples de la dénatalité qui touche un très grand nombre d’Etats.

    En 2024, le Japon compte quasiment deux fois plus de décès que de naissances. Et dans une grande partie des territoires, la population est âgée de plus de 65 ans en moyenne. Quelles mesures le gouvernement devrait-il prendre pour endiguer cette situation ? Le Japon sera-t-il bientôt un pays de séniors ?

    En effet selon une estimation, en 2070, la population japonaise baisserait de 120 million (2023) à 87 million, avec 1 sur 2,6 personnes âgée de plus de 65 ans. Pour répondre à cette situation transitoire, le Japon cherche à recourir à la main d’oeuvre féminine (mesures d’égalité de genre dans le travail et dans l’éducation) mais aussi à la main d’oeuvre étrangère, avec la possibilité depuis 2019 de recruter des étrangers dans 14 domaines en sous-effectif dans le but de les garder (titre de résidence dit à « compétence spéciale »), et non de les « former » avant de les renvoyer dans leur pays, comme cela fut le cas sous le régime d’"apprenti technicien" mis en place en 1993. Cette « ouverture » progressive vers une main d’oeuvre étrangère, jusque-là rejetée car « non qualifiée », est couplée avec des mesures dites de coexistence multiculturelle qui tendent à faciliter son intégration dans la société japonaise.

    Faut-il faire un lien entre baisse de la #natalité et baisse de la fécondité au Japon ? Et dans d’autres pays asiatiques ?

    Nous pouvons en effet identifier une augmentation des mesures d’accompagnement (technique et financière) de l’aide médicale à la procréation au Japon. Cette focalisation sur le traitement de l’infécondité est l’expression de la politique de lutte contre la dénatalité qui cherche à s’appuyer sur les couples avec un projet d’enfant, car l’envie de fonder une famille est présente. Pour autant, il serait difficile d’en déduire que les Japonais deviennent davantage inféconds que d’autres.

    Au début de l’année, une étude du célèbre démographe japonais Hiroshi Yoshida se concluait par ces mots : « le Japon pourrait être le premier à disparaître ». Les autorités prennent-elles réellement la menace au sérieux ? Et, selon vous, d’autres pays sont-ils menacés de disparition d’ici deux ou trois siècles ?

    N’étant pas démographe, je ne pourrai pas répondre à ces questions qui pourtant alimentent beaucoup le fantasme autour du déclin démographique du Japon... Ce dont nous pouvons être certains, c’est que les courbes démographiques ne maintiennent pas constamment le même taux d’augmentation ou de diminution, la dénatalité actuelle en est la preuve. Les politiques démographiques japonaises ont connu un revirement important après-guerre afin de passer d’une politique nataliste à une politique néo-malthusienne, en dépénalisant partiellement l’avortement et la stérilisation. Ce revirement a eu à l’époque un impact immédiat sur l’indice de fécondité qui est passé de 4,54 (1947) à 2,04 (1957).

    Enfin, certains spécialistes prédisent une baisse de la population mondiale à partir de la fin du siècle. Seule certaines zones, comme l’Afrique, devraient continuer de voir leur population croître avant un futur déclin naturel. A quoi ressemblera, selon vous, le monde en 2100, en 2200 et en 2300 ?

    Je suis incapable de répondre à cette question aimerais peut-être insister sur le fait que la décroissance démographique d’aujourd’hui intervient après une période de croissance (si ce n’est d’explosion) démographique, comme ce fut le cas au Japon : le pays avait déjà connu une légère augmentation démographique au XVIIe siècle, puis une accélération considérable dès la fin du XIXe siècle avant de connaître une baisse démographique à partir de 2005. Nous nous focalisons aujourd’hui sur ce déclin, comme s’il sortait de nulle part. Or, cette baisse avait été organisée, prévue voire attendue au moment de l’introduction de la politique néo-malthusienne. Elle intervient après une très forte augmentation démographique qui avait beaucoup alarmé les autorités d’après-guerre.

    *#Eugénisme au Japon - Politiques et droit de 1868 à 1996, par Isabelle Konuma. Paris, Ined Editions, 2024)

    • De nombreux patients en psychiatrie seront concernés en raison de la nature « incurable » de leur trouble selon les psychiatres. L’amendement excluant les patients en déficience intellectuelle a été rejeté. L’amendement exigeant de vérifier que le patient fait sa demande de façon libre et éclairée a aussi été rejeté. Le médecin peut être seul juge de cela. L’article 4 dans son intégralité laisse beaucoup de place à la subjectivité.

      De nombreux amendements visant à vérifier l’état mental, le discernement, le consentement mais aussi l’absence de coercition financière ou matérielle du patient ont été rejetés. Cependant le texte actuel ne prévoit rien de suffisant sur ces sujets. Il y a une superposition totale entre les personnes pouvant décider de l’institutionnalisation, et de celles pouvant être consultées par le médecin évaluant la demande d’aide à mourir. Rien ne permet au patient d’avoir accès à une vie en dehors des institutions, ou à des aides à domicile plutôt qu’en hôpital, avant de se voir administrer la substance létale.

      Les contrôles et évaluations de l’aide à mourir se feront a posteriori, donc après les décès. La commission qui en est chargée ne représente pas les patients et les personnes institutionnalisées de façon équitable.

      (...) L’aide à mourir pourra prendre place directement dans les établissements hébergeant des personnes dépendantes, handicapées, âgées, mais aussi des établissements en lien avec le milieu carcéral.

      [...]

      Article 9 paragraphe 4. On est sur un gros morceau, amendement demandé par les lobbyistes de @ADMDFRANCE , qui accusent les anti-validistes d’être des vilains lobbyistes, c’est cocasse… Encore une fois leur demande est acceptée : l’aide à mourir est réputée « mort naturelle ».

      Nous nageons en pleine dystopie, les mots signifient l’inverse de qu’ils signifiaient à la demande de l’État. Non seulement ce projet de loi nous fait quitter le cadre de l’euthanasie pour entrer dans celui du suicide assisté, mais en plus, il faut créer une novlangue assortie : le mot suicide est évincé, et l’administration volontaire d’une substance létale devient une mort naturelle.

      #fin_de_vie #suicide_assisté#euthanasie #maladie #handicap #psychiatrisés

    • Aide à mourir : un projet de loi dangereux dont les dérives sont déjà prévisibles. SNJMG
      https://drive.google.com/file/d/1X6palIkDbrTJtBU3CyyvoESSEvrOaNOC/view?pli=1

      Le débat sur une telle loi aurait pu être imaginé à un autre moment de l’histoire, et dans un contexte où l’assurance de moyens de subsistance et de soins décents serait acquise à long terme pour tous-tes. Malheureusement, il ne l’est pas en France en 2025, alors qu’on observe, et ce de façon encore plus criante depuis 5 ans, un refus inquiétant du progrès en santé, la normalisation des prises de positions eugénistes, validistes et âgistes, l’acceptation de pertes d’un nombre indécent de vies humaines, l’exclusion de l’espace public et la mise en danger de personnes vulnérables et que parallèlement on assiste à la constante régression de nos droits sociaux et à l’effondrement du système de santé public ainsi que des services publics de façon générale. Les discours sur les vies “dignes d’être vécues” se multiplient. Dans ce cadre, légiférer maintenant est en soi déjà inquiétant.

      Car le sujet ne peut être extrait de son contexte, et si l’attitude individualisante consistant à vouloir soi-même le droit de choisir de mourir si les souffrances sont insupportables est tout à fait compréhensible, le contexte social, la pression latente qui s’exerce sur les individus sont des éléments essentiels. Une recherche médicale correctement financée, des conditions de soins et de vie décentes pour tous-tes les malades doivent être un préalable.

  • Missing Link : « Der große Plan »
    https://www.heise.de/hintergrund/Missing-Link-Der-grosse-Plan-10349992.html?seite=all

    Sans mentionner Ayn Rand cet article décrit quelques notions essentielles à l’origine des projets des techno-fascistes de la Silicone Valley. Les idées farfelues de la vieille anticommuniste se dessinent dans l’ombre des multinationales géantes .

    13.4.2025 von Dr. Wolfgang Stieler, Dr. Volker Zota - Elon Musk gilt als Prototyp des egomanischen und skrupellosen Tech-Unternehmers. Doch hinter seinen Eskapaden steckt wahrscheinlich eine toxische Ideologie.

    – Die Rolle von Ideologie
    – Singularität durch Superintelligenz
    – Der digitale Erlöser
    – Intelligenz
    – Eugenik
    – Transhumanismus
    – Catastrophic Risk: Die Obsession mit dem Weltuntergang
    – Effektiver Altruismus und Earn to Give
    – Longtermism: Existenz der Menschheit sichern
    – Relevanz der Ideologie heute

    Den meisten Menschen wird das Akronym TESCREAL vermutlich nicht viel sagen. Dabei hat dieser Komplex aus Transhumanismus, Effektivem Altruismus, Singularität, Catastrophic Risk (Katastrophenrisiken), Eugenik, Artificial Intelligence und Longtermism die Eliten des Silicon Valley vermutlich entscheidend geprägt, allen voran Elon Musk. Es handelt sich um eine interpretative Perspektive auf verschiedene technologische und philosophische Strömungen, die zwar im Valley präsent sind, aber nicht zwangsläufig als einheitliche Weltanschauung verfolgt werden.

    Der Philosoph Émile Torres hat den Begriff TESCREAL gemeinsam mit der KI-Kritikerin Timnit Gebru entwickelt, um deutlich zu machen, dass viel der schillernden, angesagten Ideologien aus dem Silicon Valley einen gemeinsamen Kern haben: Den tief verankerten Glauben an die angebliche Überlegenheit einer technologischen Elite gegenüber den minderwertigen Massen. Und obwohl es so aussieht, als ob die Tech-Bros im Moment vollkommen damit ausgelastet sind, die USA auszuplündern, spielt diese Ideologie noch immer eine wichtige Rolle.

    Die Rolle von Ideologie

    Ideologie zu analysieren, mag auf den ersten Blick sehr akademisch wirken – zumal ein Teil der darin enthaltenen Konzepte ein wenig bizarr sind. Es ist jedoch aus zwei Gründen wichtig: Zum einen dient Ideologie immer der Selbstversicherung und Rechtfertigung des eigenen Tuns nach Außen. Zum anderen ist Ideologie auch immer eine Art geistiger Filter, der hilft, Sinn und Struktur in die Welt zu bringen und Unwichtiges von Wichtigem zu unterscheiden. Jemandes Ideologie zu verstehen, bedeutet also auch immer, zu verstehen, wie er oder sie „die Welt sieht“. Werfen wir also einen Blick auf die unterschiedlichen Elemente von TESCREAL.
    Singularität durch Superintelligenz

    Die Anhänger der Idee einer technischen Singularität gehen davon aus, dass der technische Fortschritt der Menschheit sich im Laufe der Geschichte immer weiter beschleunigt hat. Bereits in Kürze wären die Menschen also in der Lage, eine KI zu bauen, die sich selbst verbessern kann. Ab diesem Zeitpunkt – der Singularität – sei der weitere Verlauf der technischen Entwicklung nicht mehr vorherzusagen. Aus der KI werde sich dann eine übermenschliche „Superintelligenz“ entwickeln, die im schlimmsten Fall die Menschheit vernichtet.

    Die Idee der Singularität wurde in den 1990er Jahren durch einen Artikel des Mathematikers Vernor populär und später von Ray Kurzweil weiterentwickelt. Sie fand besonders im Silicon Valley Anklang, wo sie durch Organisationen wie das Singularity Institute (heute MIRI) institutionalisiert wurde. Es ist jedoch wichtig anzumerken, dass die Singularitätstheorie zwar diskutiert wird, aber es keine empirischen Beweise für ihre unmittelbare Realisierbarkeit gibt.

    Timnit Gebru vermutet hinter dem Vorhaben keine technische, sondern eine politische Agenda. Gemeinsam mit Torres zieht sie eine historische Linie von den amerikanischen Eugenikern über die Transhumanisten zu den führenden Köpfen von OpenAI, in der es nie um die Zukunft und das Wohl der gesamten Menschheit ging, sondern darum, alles Unnütze und Überflüssige auszusortieren.

    Der digitale Erlöser

    Künstliche Intelligenz nimmt in der TESCREAL-Ideologie eine Doppelrolle ein: Sie ist gleichzeitig die größte Bedrohung und die ultimative Erlösung. Diese paradoxe Position erklärt sich aus dem fast religiösen Glauben an die transformative Kraft der Technologie im Silicon Valley.

    Bezeichnend ist, wie sich die KI-Sicherheitsforschung entwickelt hat: Statt sich auf konkrete Probleme wie Diskriminierung durch Algorithmen zu konzentrieren, beschäftigen sich prominente Forscher mit hypothetischen Szenarien einer Superintelligenz. Das von Musk mitgegründete OpenAI startete als Non-Profit-Organisation für „sichere KI“, verwandelte sich aber später in ein gewinnorientiertes Unternehmen mit Microsoft-Kooperation.

    Die Ironie: Unter dem Vorwand, eine sichere KI zum Wohle der Menschheit zu entwickeln, entsteht eine neue Machtkonzentration in den Händen derselben Tech-Elite. Wie Gebru betont, gehen die größten unmittelbaren Gefahren der KI nicht von einer hypothetischen Superintelligenz aus, sondern von ihrer Nutzung zur Verstärkung bestehender Ungleichheiten.
    Intelligenz

    Tatsächlich ist Gebru nicht die erste, die auf das schwierige Erbe der Intelligenzforschung verweist: Bereits 1981 kritisierte der Biologe Stephen Jay Gould in seinem Buch „Der falsch vermessene Mensch“ das Konzept „Intelligenz“ als objektive Messlatte für allgemeine kognitive Fähigkeiten. Dieses Konzept und die zugehörigen Tests wurde ganz wesentlich von Forschern wie Charles Spearman vorangetrieben, einem hochrangigen Mitglied der britischen Eugenischen Gesellschaft. Die statistischen Methoden, die Spearman entwickelte, entwickelte Frank Rosenblatt dann später für das erste künstliche neuronale Netz weiter.
    Eugenik

    Wie sein Lehrer, der britische Naturforscher Francis Galton war Spearman davon überzeugt, dass man durch politische Eingriffe dafür sorgen müsse, dass intelligente Menschen sich stärker vermehren als der Rest – eine Idee, die letztendlich zur Rassenlehre der Nazis führte. Doch auch nach dem Ende des zweiten Weltkriegs war die Eugenik nicht restlos diskreditiert.

    Transhumanismus

    In den 1990er Jahren entwickelte sich in den USA mit dem Transhumanismus eine Ideologie, die den Grundgedanken der Eugenik aufgriff, aber nicht mehr auf Biopolitik, sondern auf individuelle Verbesserungen durch KI oder Gentechnik setzte.

    Für Transhumanisten geht die Evolution des Menschen mithilfe von Technologie weiter. Sie glauben, dass Menschen immer stärker mit Technologie zusammenwachsen und schließlich auch ihren Geist in Computer hochladen können, um unsterblich zu werden. Viele moderne Transhumanisten distanzieren sich jedoch ausdrücklich von der Eugenik und betonen stattdessen individuelle Wahlfreiheit und ethische Verantwortung.

    Catastrophic Risk: Die Obsession mit dem Weltuntergang

    Die Beschäftigung mit existenziellen Risiken – im Jargon der Szene „xrisks“ genannt – hat sich seit den frühen 2000er Jahren zu einem eigenen Forschungsfeld entwickelt. Institutionen wie das Future of Humanity Institute in Oxford widmen sich ausschließlich der Frage, welche Ereignisse die Menschheit auslöschen könnten.

    Bemerkenswert ist die Priorisierung: Während der Klimawandel als „lediglich“ zivilisationsgefährdend eingestuft wird, gelten hypothetische Szenarien wie eine außer Kontrolle geratene KI als existenziell bedrohlich. Diese Gewichtung erklärt sich aus der Logik des Longtermism: Ein Ereignis, das die Menschheit auslöscht, verhindert die Existenz aller potenziellen zukünftigen Menschen.

    Diese Fokussierung hat konkrete Auswirkungen: Milliardäre wie Dustin Moskovitz oder Jaan Tallinn investieren Millionen in die Erforschung von KI-Risiken, während unmittelbarere Bedrohungen für lebende Menschen als weniger dringlich betrachtet werden.
    Effektiver Altruismus und Earn to Give

    Einige Transhumanisten, wie etwa Nick Bostrom, entwickelten die Philosophie des „Effektiven Altruismus“ (EA). Der Name leitet sich daraus her, dass es im Kern darum geht, so zu handeln, dass der Nutzen für die gesamte Menschheit maximiert wird — allerdings unter der Prämisse einer neoliberalen Ökonomie. Die Grundannahme: Das „knappe Gut“ Hilfe muss möglichst „gewinnbringend“ eingesetzt werden.

    Daraus folgt unter anderem das Prinzip „Earn to Give“: Weil jeder Mensch nur begrenzte Zeit und Energie hat, ist es ethisch geboten, so schnell wie möglich viel Geld zu machen, um einen Teil davon zu spenden. Traditionelle ethische Überlegungen werden von diesem Prinzip übergeregelt.

    Ein prominentes Beispiel ist Sam Bankman-Fried, der Gründer der kollabierten Kryptowährungsbörse FTX. Er folgte explizit dem „Earn to Give“-Prinzip und wurde zum Milliardär, bevor sein Unternehmen unter Betrugsverdacht zusammenbrach.

    Es sollte jedoch angemerkt werden, dass die EA-Bewegung vielfältiger ist, als oft dargestellt. Während einige Vertreter existenzielle Risiken priorisieren, konzentrieren sich viele EA-Initiativen auf aktuelle Probleme wie globale Gesundheit oder Armutsbekämpfung.

    Longtermism: Existenz der Menschheit sichern

    Während sich die EA-Bewegung zunächst auf „evidenzbasierte“ Hilfsprojekte konzentrierte, gewann zunehmend ein ideologischer Zweig an Bedeutung, der „Longtermism“ genannt wird. Die Idee: Weil in der Zukunft bedeutend mehr Menschen leben werden als bisher, bedeutet die Maximierung des menschlichen Glücks zunächst mal, die Existenz der Menschheit zu sichern.

    Longtermism darf jedoch nicht mit langfristigem Denken verwechselt werden. Wer glaubt, dass sich aus dem Nachdenken über existenzielle Risiken ein entschiedener Kampf gegen den Klimawandel ableiten lässt, der irrt. Da der Klimawandel voraussichtlich nicht zum Aussterben der Menschheit führen wird, gilt er in EA-Kreisen nicht als existenzielle Bedrohung. Ein Atomkrieg, eine von Menschen verursachte Pandemie, der Ausbruch eines Supervulkans, kaskadierendes Systemversagen und natürlich auch eine außer Kontrolle geratene Super-Intelligenz gehören dagegen ganz sicher zu den existenziellen Krisen, und sind somit auf jeden Fall zu vermeiden – wenn die Menschheit es denn schafft. Laut KI-Pionier Geoffrey Hinton könne und werde eine entsprechend intelligente KI Menschen so manipulieren, dass sie mehr Autonomie erlangt, eine Idee, die aus dem sogenannten AI-Box-Experiment stammt, das in xrisk-Kreisen seit den 2000ern diskutiert wird.

    Daraus folgt – wenig überraschend: EA hat sich seit Anfang der 2000er vorwiegend im Silicon Valley zu einer Bewegung entwickelt, die über viel Geld und Einfluss verfügt, weil sie Tech-Bros wie Peter Thiel, Elon Musk oder Sam Bankman-Fried angezogen hat. Thiel hat öffentlich erklärt, dass er nicht mehr glaube, Freiheit und Demokratie seien miteinander vereinbar – eine persönliche politische Überzeugung, die jedoch nicht notwendigerweise die Haltung aller mit TESCREAL assoziierten Personen darstellt.

    Befürworter dieser Ideologien argumentieren, dass sie rational versuchen, die größten Herausforderungen der Menschheit zu bewältigen. Kritiker wie Gebru und Torres hingegen weisen darauf hin, dass diese scheinbar rationalen Ansätze oft bestehende Machtverhältnisse reproduzieren und drängende Probleme wie Klimawandel oder soziale Ungerechtigkeit vernachlässigen.

    Relevanz der Ideologie heute

    Auf den ersten Blick scheint es so, als ob all dieser ideologischen Elemente keine Rolle mehr spielen würden. Stattdessen konzentrieren sich die Tech-Eliten jetzt auf die neoliberale Erzählung vom unfähigen und ineffizienten Staat, den man abschaffen und durch eine dynamische Struktur nach dem Vorbild eines Hightech-Unternehmens ersetzen müsse.

    Die praktischen Auswirkungen dieser Ideologie sind weitreichend: Sie beeinflussen Investitionsentscheidungen in Milliardenhöhe und prägen die Entwicklungsrichtung von Zukunftstechnologien. In der Praxis führt sie oft zu einer Privatisierung gesellschaftlicher Zukunftsfragen, bei der demokratische Prozesse durch die Visionen einzelner Tech-Milliardäre ersetzt werden. Diese Einschätzung spiegelt allerdings eine bestimmte kritische Perspektive wider, die nicht universell anerkannt ist.

    Musks Engagement spiegelt diese Ideologie in vielfältiger Weise wider: Seine Raumfahrtfirma SpaceX verfolgt mit dem Mars-Kolonisierungsprojekt die transhumanistische Vision einer multiplanetaren Menschheit, Neuralink zielt auf die direkte Verbindung von Gehirn und Computer ab, und seine KI-Aktivitäten folgen der Logik des Longtermism.

    „Was hat Musk wirklich vor?“, fragt Torres. „Ich denke, dass die offensichtlichen Antworten zwar wahr, aber unvollständig sind. Offensichtliche Antworten sind zum Beispiel: Man wird nicht zum Milliardär, wenn man nicht diese Art von größenwahnsinniger Selbstwahrnehmung hat, in der man sich in jeder Hinsicht überlegen fühlt. Und diese Leute sind extrem gierig. Wenn sie sich mit der Trump-Regierung anfreunden, ist das gut für das Geschäft, für die weitere Festigung ihrer Macht.“

    "Aber ich denke, für Leute wie Musk, und ich würde wahrscheinlich dasselbe für Jeff Bezos sagen, gibt es ein höheres Ziel. Musk hat so viele Hinweise darauf gegeben, dass Macht nicht das Endziel ist. Sogar in dieser Rede, die er gehalten hat, der sehr kurzen Rede nach der Amtseinführung von Trump, in der er den Hitlergruß zeigte. In dieser kleinen Rede sagt er: „Dank Ihnen ist die Zukunft der Zivilisation gesichert.“ Und so denke ich, dass es ein sehr starkes Argument dafür gibt, dass hinter all dem sein tieferes Ziel steht, seine transhumanistischen Projekte zu verwirklichen."

    #USA #TESCREAL #impérialisme #technocratie #fascisme #eugénisme #singularité #transhumanisme

  • À propos d’une modeste proposition sur la fin de vie - Mon blog sur l’écologie politique
    https://blog.ecologie-politique.eu/post/A-propos-d-une-modeste-proposition-sur-la-fin-de-vie

    C’est un deux poids, deux mesures étonnant, dont il est permis de conclure que les attentes du pouvoir dans les deux cas étaient bien différentes. Dans le cas de la préservation des conditions de vie sur une Terre menacée par le chaos climatique, la commande très exigeante (le consensus de cent cinquante personnes issues de milieux très différents) et la mise à la poubelle subséquente témoignent d’un manque de volonté politique certain. L’aide à mourir a semblé quant à elle faire l’objet d’une plus grande complaisance de la part d’un président acharné depuis des années à détruire ce qui reste du système de santé après des décennies de néolibéralisme, d’asphyxie programmée et de formations médicales dispensées au compte-goutte, et qui ce faisant précarise les vies les plus vulnérables. Certes le texte de la convention dit bien la nécessité d’offrir des soins adaptés, y compris palliatifs, à toutes et tous, et des conditions décentes aux personnes malades ou handicapées, pour ne pas faire de la décision de mourir le renoncement à vivre une vie délibérément dégradée par la pauvreté ou le manque d’accès aux soins. Mais la convention n’y peut pas grand-chose si, dans la vraie vie, là où vivent et meurent de vrais gens, l’accès aux dits soins est déjà mal en point et devrait encore empirer sous le coup de nouvelles politiques d’austérité.

    […]

    Dans ce dossier, le philosophe Patrick Marcolini revenait sur les écrits du dernier Foucault, qui prônait sans complexe l’euthanasie en guise de limite à l’augmentation des coûts des soins de santé. Ces situations dans lesquelles on pèse le coût-bénéfice d’une vie et où on décide lesquelles sont surnuméraires et dispensables paraissaient alors une science-fiction riche de questionnements abstraits. Moins de dix ans plus tard, nous y sommes presque. Aussi j’ai souhaité republier ce texte, avec l’accord de son auteur que je remercie, pour ne pas oublier les extrémités auxquelles un libéralisme économique forcené peut nous réduire.

    https://blog.ecologie-politique.eu/post/Euthanasie-et-neoliberalisme

    #euthanasie #fin_de_vie #mort #débat #Michel_Foucault #Patrick_Marcolini #Aude_Vidal

    • Foucault ne déclarait pas, en 1983, dans « Un système fini face à une demande infinie » (entretien avec R. Bono *), in Sécurité sociale : l’enjeu, Paris, Syros, 1983, pp. 39-63 [repris ultérieurement dans Dits et écrits Tome IV] ce qui lui est attribué mais :

      http://1libertaire.free.fr/MFoucault276.html

      On assiste, à cet égard aussi, à un phénomène important : jusqu’à ce qu’on appelle « la crise » et plus précisément jusqu’à ces butoirs auxquels on se heurte maintenant, j’ai l’impression que l’individu ne se posait guère la question de son rapport avec l’État dans la mesure où ce rapport, compte tenu du mode de fonctionnement des grandes institutions centralisatrices, était fait d’un input -les cotisations qu’il versait - et d’un output - les prestations qui lui étaient servies. Les effets de dépendance étaient surtout sensibles au niveau de l’entourage immédiat.

      Aujourd’hui intervient un problème de limites. Ce qui est en cause, ce n’est plus l’accès égal de tous à la sécurité, mais l’accès infini de chacun à un certain nombre de prestations possibles. On dit aux gens : « Vous ne pouvez pas consommer indéfiniment. » Et quand l’autorité proclame : « À cela vous n’avez plus droit » ; ou bien : « Pour telles opérations vous ne serez plus couverts » ; ou encore : « Vous paierez une part des frais d’hospitalisation » ; et à la limite : « Il ne servirait à rien de prolonger votre vie de trois mois ; on va vous laisser mourir... », alors l’individu s’interroge sur la nature de son rapport à l’État et commence d’éprouver sa dépendance vis-à-vis d’une institution dont il avait mal perçu jusque-là le pouvoir de décision.

      et, plus loin

      Sans compter tous les éléments de réponse à cette question [d’une éventuelle contribution de la Sécurité sociale à une éthique de la personne humaine] apportés dans le courant de cet entretien, je dirai qu’elle y contribue au moins en posant un certain nombre de problèmes, et notamment en posant la question de ce que vaut la vie et de la manière dont on peut affronter la mort.

      L’idée d’un rapprochement entre les individus et les centres de décision devrait impliquer, à titre de conséquence au moins, le droit enfin reconnu à chacun de se tuer quand il voudra dans des conditions décentes... Si je gagnais quelques milliards au Loto, je créerais un institut où les gens qui voudraient mourir viendraient passer un week-end, une semaine ou un mois dans le plaisir, dans la drogue peut-être, pour disparaître ensuite, comme par effacement...

      – [R.B.] Un droit au suicide ?

      – Oui.

      C’est avant cet entretien que l’année 1983 débute avec l’instauration par le gouvernent Beregovoy du "forfait hospitalier".

      Plutôt que de faire de M.F. un acteur de l’esprit des contre réformes, on gagnerait à interroger ce que devient cette dépendance à l’État, par intégration, par exclusion et par marginalisation (pour reprendre les trois catégories de M.F.) avec l’instauration probable de la "loi sur la fin de vie".

      #suicide #assitance_au_suicide #euthanasie #loi_sur_la_fin_de_vie #eugénisme #État

    • Je vais lire cet article mais dès l’ouverture, les propos de Marcolini sont rigoureusement intenables : [M.F.] « le théoricien des résistances, le défenseur des prisonniers, celui qui invoquait hier encore la lutte des classes et la dictature du prolétariat. » ? Wtf, M.F, lorsqu’il s’est référé au(x) marxisme(s) l’a fait de manière distante et critique, il n’a jamais « invoqué la lutte des classe et la dictature du prolétariat ».

      #nawak

  • « Le texte de loi sur la fin de vie relève d’une logique validiste et eugéniste. » Entretien avec Elisa Rojas
    https://www.revolutionpermanente.fr/Le-texte-de-loi-sur-la-fin-de-vie-releve-d-une-logique-validist
    https://www.revolutionpermanente.fr/IMG/logo/21388169216_7f4ce86fc7_b.jpg?1738616572

    Le gouvernement relance le débat sur la loi sur la fin de vie. Nous donnons la parole à Elisa Rojas, avocate et militante antivalidiste, qui dénonce les dérives et le danger de cette loi pour les personnes handicapées et malades.

    #fin_de_vie #assistance_au_suicide #validisme #jeunisme #eugénisme

    edit Cette semaine, une patiente m’a demandé de mettre fin à sa vie. ‪Dr Zoé‬.
    https://seenthis.net/messages/1094195

  • Manières d’être eugénistes : quand les écologistes radicaux revisitent la loi du plus fort | Les canards masquées
    https://rebellyon.info/Manieres-d-etre-eugenistes-quand-les-27051

    « À ta santé camarade ! » est une chronique mensuelle des Canards Masquées. Cette huitième édition s’interroge sur les lectures qui dominent aujourd’hui l’écologie radicale au sujet de la santé. Au nom du vivant, ce sont des pensées vitalistes qui sont répandues, commandant de vivre de façon exaltée et en communion avec tout ce qui serait naturel, virus inclus. Et malheur à celles et ceux qui ne sont pas assez valides, jeunes ou en bonne santé pour ce faire. Source : À ta santé camarade ! - Rebellyon

  • Il faut défendre les invulnérables. Lecture critique de ce qu’on s’est laissé dire, à gauche, sur la pandémie de covid | Winslow Santé Publique
    https://www.multitudes.net/il-faut-defendre-les-invulnerables-lecture-critique-de-ce-quon-sest-lais

    La minimisation pandémique est partout et nulle part. Elle va de soi sans se dire. Elle est insaisissable. C’est pour contourner cette évidence silencieuse que nous sommes revenus sur un discours minimisateur particulier : celui tenu par la Dr Desbiolles. Elle a publié en janvier 2023 un opuscule, « Réparer la santé ». Si ce livre est intéressant, c’est moins en lui-même que parce qu’il représente une version plus élaborée des convictions que les forces politiques progressistes (et leurs soutiens) ont plus ou moins clairement embrassées au sujet d’une pandémie considérée comme révolue. En retraçant son argumentaire, on espère contribuer à désenchevêtrer certaines des confusions dans lesquelles nous sommes collectivement englué·es, y compris au sein de milieux militants où l’on aurait aimé trouvé des (...)

    • La Dr. Desbiolles, qui dénonce comme une “fabrique de l’ignorance” (26) la fermeture du Conseil Scientifique aux critiques de la vaccination (27), participe par sa minimisation et son fatalisme à une entreprise de désarmement du public face à un désastre encore en cours. Elle n’est pas seule à le faire, et s’inscrit dans un mouvement international qui présente toutes les caractéristiques des manœuvres de production d’ignorance décrites par les enquêtes “agnotologiques”. Sa signature, retirée du site mais encore visible dans les archives d’internet, figure en effet sur la Great Barrington Declaration. Cet appel, lancé à l’automne 2020 par des médecins soutenus par des think tanks libertariens gravitant dans le réseau des fameux frères Koch, invitait à lever les mesures de prévention et à se contenter d’une hypothétique protection ciblée pour la minorité vulnérable, le plus grand nombre, à commencer par les enfants, étant supposé développer une immunité de groupe grâce aux infections.

      On y reconnaît la colonne vertébrale de Réparer la santé. Son autrice se présente en gardienne de la raison tout en engageant son autorité de médecin de santé publique dans un discours scientifiquement faussé. Elle contribue ainsi à la confusion sur ce que dit réellement la science, suivant une dynamique bien expliquée par Oreskes et Conway. Les semeurs de doutes et d’ignorance sur la question du covid sont les mêmes que pour le climat, et les stratégies (et parfois les stratèges) se retrouvent à travers des dossiers tels que le tabac, l’amiante, ou les pesticides.

      Quand on se livre sournoisement à des manipulations sur la #balance_bénéfices_risques, il n’y a qu’un pas vers l’#eugénisme et force est de constater que d’aucun·es le franchissent avec une grande désinvolture.

      #agnotologie #GBD (Great Barrington Declaration) #biais_de_confirmation #biais_du_champion
      #darwinisme_social #YOLO

    • Sans perspective de sortie de crise, comment répondre à ceux qui disent : « marre de vivre comme ça, foutu pour foutu, autant en profiter un peu avant de crever » ?

      Une réponse possible :
      ce ne sont pas les morts qui sont le plus à plaindre mais ceux qui leur survivent.

  • Revue de dépenses Affections de longue durée - Pour un dispositif plus efficient et équitable - Inspection générale des finances
    https://www.igf.finances.gouv.fr/igf/accueil/nos-activites/rapports-de-missions/liste-de-tous-les-rapports-de-mi/revue-de-depenses-affections-de.html

    Le dispositif des affections de longue durée permet le remboursement par l’#assurance_maladie obligatoire des tickets modérateurs afférents aux soins et prestations en rapport avec ces affections. Créé dès l’origine de la #sécurité_sociale, ce dispositif a pour objectif de protéger les assurés contre des restes à charge élevés, notamment dans le cas des #maladies_chroniques

    En 2021, ce dispositif concernait 13,7 millions de personnes et représentait 123 Md€ de dépenses de santé, soit 60 % des dépenses prises en charge par l’assurance maladie. Toutefois, les investigations menées par la mission ont permis d’estimer que le coût spécifique du dispositif #ALD représentait 12 Md€ en 2021. Fortement concentrées sur quatre groupes de pathologies, les dépenses des assurés en ALD sont dynamiques depuis 2010, notamment du fait du #vieillissement_de_la_population.
    Les investigations menées par la mission IGF – #IGAS ont permis d’établir que le dispositif ALD a été très peu modifié depuis 1986 alors que sa cohérence s’est affaiblie dans le temps, en s’adaptant peu aux évolutions thérapeutiques, et en reposant davantage sur l’appréciation des médecins. Désormais peu contrôlé par l’assurance maladie, le dispositif ALD joue un rôle insuffisamment incitatif à la réduction des dépenses de #santé.
    Enfin, la mission :
    •  Identifie des mesures permettant de générer des rendements, en partie mobilisables à court terme, en partie pilotables en termes de gains attendus. La plupart de ces mesures conduisent à un transfert de charges direct ou indirect (via les primes des assurances complémentaires santé) vers les assurés ;
    •  Formule des propositions activant des leviers plus structurels. Ces propositions sont jugées nécessaires par la mission pour piloter plus efficacement le dispositif afin d’en garantir la soutenabilité financière et l’acceptabilité sociale. La mission estime par ailleurs que ces propositions sont de nature à recentrer le dispositif sur ses objectifs initiaux, et à en ralentir la dynamique de dépenses, tout en améliorant la pertinence des soins.

    le rapport
    https://www.igf.finances.gouv.fr/files/live/sites/igf/files/contributed/Rapports%20de%20mission/2024/Revue%20de%20dépenses%20Dispositif%20affections%20de%20longue%20du

    #malades #ticket_modérateur #déremboursement #dépenses_de_santé #économie #eugénisme

    edit
    . les arrêts de travail sont également dans le collimateur (pas « seulement » chez les fonctionnaires)
    https://seenthis.net/messages/1069282
    . 1ère sortie publique de Barnier hier dans un hosto parisien : je ferais pas de miracles, mais des économies.