11.6.2025 von Jörn Hasselmann - Der Europaplatz vor dem Berliner Hauptbahnhof wird nun doch begrünt. Die erst vor einem Jahr eingerichtete Taxivorfahrt verschwindet wieder. Das sind die Pläne im Detail.
2023 kündigte die Bauverwaltung an, den Europaplatz vor dem Berliner Hauptbahnhof umzugestalten und zu begrünen. Es sollte ein „Grüner Schirm“ aufgespannt werden, wo bislang eine ungestaltete Asphaltfläche liegt. Zur Vorbereitung war die Taxivorfahrt im Norden des Hauptbahnhofs Ende 2023 überraschend und ohne Ankündigung gesperrt worden.
Es folgten Proteste und Demonstrationen der Taxiverbände, weil diese nicht auf die südliche Seite des Bahnhofs umziehen wollten. Taxis und Mietwagen okkupierten verbotenerweise die Busspur in der Invalidenstraße.
Das Chaos wurde so groß, dass die BVG ihre Haltestellen nicht mehr anfahren konnte und drohte, ihre drei Buslinien dort zurückzuziehen. 2024 schien das Begrünungsprojekt dann gestorben: Um das Durcheinander aus Bussen, Taxis und Mietwagen auf der Invalidenstraße zu bändigen, setzte die Verkehrsverwaltung eine neue Taxivorfahrt direkt vor dem Bahnhofsgebäude durch. Nun folgt die Überraschung.
„Alles bleibt wie angekündigt“, sagte Anett Seltz, Sprecherin von SPD-Bausenator Christian Gaebler auf Anfrage des Tagesspiegels. „Die erforderliche Finanzierungszusage für die Planungsleistungen liegt jetzt vor“, sagte Seltz. Sie nannte einen Baubeginn „gegen Ende November 2025“.
Im Oktober 2023 hatte die Bauverwaltung den Siegerentwurf eines Dresdner Architektenbüros vorgestellt. Vor dem Bahnhofsgebäude sollen Bäume gepflanzt werden. Diese sollen den Aufenthalt attraktiver machen und den Platz von der Invalidenstraße abschirmen. Vom Bahnhof bis zur Invalidenstraße soll eine barrierefreie Oberfläche aus geschliffenem Asphalt entstehen.
Deutlich mehr Grün ist geplant am nördlich gelegenen Europaplatz am Hauptbahnhof.
Nach Osten hin soll ein überdachter Fahrradstellplatz und eine Jelbi-Station der BVG die hässliche Baustelle der Bahn kaschieren, so der Entwurf von Rehwaldt Landschaftsarchitekten. Denn Bahnhof und Europaplatz haben ein großes Problem: Es ist völlig unklar, wann die Bahn ihre S21 fertig bekommt. Zudem hat die Brückenkonstruktion der Gleise über den Humboldthafen Mängel.
Seit 2019 ist deshalb das Friedrich-List-Ufer, die frühere Ausfahrt der Vorfahrt am Europaplatz gesperrt. Es ist gut möglich, dass dies 15 oder mehr Jahre so bleibt. Der Bahnhof wurde 2006 eröffnet, der Vorplatz sollte nach Inbetriebnahme der Nord-Süd-S-Bahn S21 und dem Bau eines auf dem Platz geplanten Hochhauses fertiggestellt werden.
Verkehrskonzept soll Ende des kommenden Augusts stehen
Der „Grüne Schirm“ als kleine Lösung soll die Aufenthalts- und die Umsteigequalität verbessern, auch die Verkehrsverwaltung hatte 2023 diesem Entwurf zugestimmt. Doch der sieht eben keinen Platz für Taxis oder Mietwagen vor, diese sollen nur die südliche Seite des Bahnhofs am Kapelle-Ufer ansteuern – so der Plan, an den sich keiner hält.
Wie ab kommendem Jahr der Verkehr organisiert werden soll, ist nicht geklärt. Die Sprecherin der CDU-geführten Verkehrsverwaltung sagte lediglich, dass derzeit „ein Verkehrskonzept für das gesamte Bahnhofsumfeld erarbeitet“ werde. Dieses soll Ende August fertig sein, die Ergebnisse sollen „als Grundlage für künftige und weitere Maßnahmen im Bahnhofsumfeld dienen“.
Vorschläge der „Taskforce Taxen“ wurden nicht umgesetzt
Das Hauptproblem des Hauptbahnhofs kann kein Konzept lösen: Die Straßen sind kleinstädtisch eng, an Mietwagen hatte vor 20 Jahren niemand gedacht. Radfahrer und Fußgänger haben viel zu wenig Platz. Abstellplätze für Fahrräder fehlen. Direkt neben der schmalen Taxieinfahrt, wenige Meter vom Bahnhof entfernt, mündet dann auch noch der Tiergartentunnel in die Invalidenstraße.
Als das Chaos 2024 vor dem Bahnhof eskalierte, hatten alle Beteiligten, vom Bezirk Mitte bis zur Bahn, die „Taskforce Taxen am Europaplatz“ gegründet. Zuvor hatte ein BVG-Bus ein haltendes Taxi gerammt. Erfolgreich war die Taskforce nicht, wie Petra Nelken, Sprecherin der Verkehrsverwaltung, nun einräumte. „Keine der im Zuge der Taskforce vorgeschlagenen Lösungen konnte zur Umsetzung gelangen.“
Deshalb hatte die Verkehrsverwaltung zur „Gefahrenabwehr“ die Taxivorfahrt wieder auf den Europaplatz gelegt. Dies habe die Situation für die BVG deutlich verbessert und die Gefahren verringert, so Nelken.
Aber stimmt das? Ein ruhiger Vormittag an der Invalidenstraßen vor dem Hauptbahnhof. Im Minutentakt halten Fahrer von Uber und anderen Firmen auf der Busspur, um Fahrgäste herauszulassen. Kontrolleure sind nicht zu sehen. Der 100 Meter entfernt liegende Taxiplatz an der Invalidenstraße wird nicht genutzt. Dort parkt ein Privatwagen.
Der nächste BVG-Bus ist ein 142er. Wegen eines weißen Mietwagens kann er nicht an die Haltestelle heranfahren. Die vielen Fahrgäste müssen auf der Fahrbahn aussteigen. Frage an den Fahrer, ob sich die Situation irgendwann mal gebessert habe? Er schüttelt mit dem Kopf.