Si vous doutez encore du caractère fasciste du régime trumpiste voila quelques infos pour vous éclairer.
28.1.2026 von Roland Appel - Gregory Bovino und Ernst Röhm haben vieles gemeinsam. Die Frisur, die Leidenschaft sich in der Öffentlichkeit in langen, dunklen Mänteln zu präsentieren, Ledergürtel mit “Sam Browne”-Diagonalgurt über die Schulter zu tragen und die Gewalttaten, die durch ihre Organisationen begangen werden, nicht nur zu dulden, sondern zu befeuern, Morde zu rechtfertigen und ihre Täter zu schützen und zu belobigen. Beide waren oder sind Rechtsextremisten faschistoider Prägung und beide pflegen ihre menschenverachtende Geisteshaltung mit solider Doppelmoral. Röhm war schwul und verfolgte Minderheiten, Bovino jagt vermeintlich illegale Migrant:innen und stammt selbst aus einer italienischen Einwandererfamilie. Klaus Theweleits “Männerphantasien” beschreiben, wie derartige Typen Mann die Winzigkeit ihres Selbstbewusstseins und ihrer verkümmerten Gefühle durch Härte, Brutalität und Grausamkeit kompensieren und so dem Nationalsozialismus in Deutschland den Weg bereitet haben.
Trump und Noem direkt für Freischärler verantwortlich
Bisher enden damit gewisse Gemeinsamkeiten, aber es ist unverkennbar, dass die ICE-Schlägertruppe Donald Trumps, die illegal und jenseits jeder polizeilicher Befugnisse und Ausbildung Tag und Nacht Menschenjagden in der US-Öffentlichkeit begeht und dabei unschuldige Menschen ermordet, in der direkten Verantwortung des US-Präsidenten und seiner Heimatschutzministerin Kristi Noem. Man sollte sich das Gesicht merken und für den Fall, dass es irgendwann gelingt, ihn vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Den Haag zu stellen und unbedingt auch die Verantwortlichen beiden Hinterpersonen Trump und Noem als Verantwortliche mit anzuklagen. Beide sind für die illegalen Strukturen verantwortlich, in denen Bovino seine schwersten Straftaten und Menschenrechtsverletzungen begeht und begehen lässt.
ICE-Schlägertrupps kein legaler Teil der “US-Border Control”
Seit der zweiten Amtszeit Trumps ist Bovino jenseits rechtsstaatlicher Strukturen durch Trumps Komplizen rasch befördert worden. Im Juni 2025 noch “Kommandeur” der groß angelegten Razzien und von Rechtsverstößen gegen angeblich illegale Migranten in Los Angeles, forderte ihn die Staatsanwältin Michele Beckwith auf, einer gerichtlichen Anordnung Folge zu leisten, was nicht etwa zu seiner, sondern zu ihrer Entlassung führte. Im September agierte er führend weiter in Chicago und Los Angeles, warf u.a. selbst eine Tränengasgranate in eine Gruppe Demonstranten. ICE-Agenten werden auch nicht ausgebildet. Es handelt sich mitnichten um eine Polizeiorganisation, sondern um politische Freischärler ähnlich den Sturmtruppen auf das Capitol nach Trumps Wahlniederlage gegen Joe Biden – den militanten Arm der MAGA-Bewegung. Das wird schon bei ihrer Ausbildung deutlich: Die dauert 47 Tage und Inhalte sind nicht bekannt – warum 47 Tage? Weil Donald Trump der 47. Präsident der Vereinigten Staaten ist.
Als Operettengeneral Tötungen gebilligt
Seit Oktober 2025 ist Bovino “Commander-at-Large” also “Kommandeur mit etwas besonders Großem”, ein Rang ohne jede gesetzliche Grundlage. Entgegen vieler Berichte in den Medien ist dies kein Teil der Grenzpolizei, sondern diese kriminelle Vereinigung untersteht direkt Ministerin Noem. Bovino war zusammen mit Corey Lewandowski, Trumps ehemaligem Wahlkampfmanager, der Noem dabei beraten hat, an der Umstrukturierung von ICE zu ihrer heutigen Funktion als Schlägertrupp maßgeblich beteiligt. Weder die gewalttätigen Übergriffe und illegalen Festnahmen im vergangenen Jahr, noch die Morde an Renée Good, einer 37-jährigen Autorin und dreifachen Mutter und an Alex Pretti, einem 37jährigen Krankenpfleger, der einer Frau aufhelfen wollte, die von einem ICE-Schläger zu Boden gestoßen worden war, werden bisher von der Justiz verfolgt. Mit “Hut ab” kommentierte Bovino die Tötung Goods in ihrem Auto und von Pretti behauptete er trotz Videos, die das Gegenteil beweisen, er habe ICE-Agenten angegriffen und “maximalen Schaden” anrichten wollen.
ICE-Schlägertrupp bei den Olympischen Spielen?
Gestern kündigten die USA zudem an, ICE-Agenten sollten zur Olympiade nach Italien reisen, um die dortigen US-Olympiateilnehmer:innen zu “beschützen”. Georgia Meloni sollte frühzeitig klarstellen – und Stimmen aus der Justiz haben es gestern schon getan, dass in Europa diese Form von Staatsterrorismus nicht geduldet wird. Denn auch wenn der Vergleich mit den “Revolutionsgarden” des Iran unverhältnismäßig und angesichts der realen Mordlust der selbsternannten Gotteskrieger unerträglich verharmlosend wäre – warum zögert die EU noch immer die “Revolutionsgarden” auf die offizielle Terrorliste der EU zu setzen, was empfindliche Nachteile für ihre Mitglieder nach sich zöge? Der Zweck der Terrorliste, die nach Beschlußfassung des Weltsicherheitsrats der UNO 2001 als Nachweis diente, nach 9/11 Terroristen und ihre Geldgeber zu identifizieren und ihre Bewegungsfreiheit und Finanzen einzuschränken, könnte durchaus im Falle einer Eskalation der Rechtsbrüche, die die ICE-Schlägertruppe schon bisher begangen hat und möglicherweise noch in den kommenden vier Jahren von Trumps Amtszeit begehen wird, – und für den Fall, dass die Täter nicht in den USA gerichtlich zur Rechenschaft gezogen werden können, nach internationalem Recht einschlägig werden. Auch hier zeigt sich: Die EU ist Trumps Gewaltphantasien und denen seiner Komplizen nicht ohne Gegenmittel ausgeliefert.
Über Roland Appel:
Avatar-FotoRoland Appel ist Publizist und Unternehmensberater, Datenschutzbeauftragter für mittelständische Unternehmen und tätig in Forschungsprojekten. Er war stv. Bundesvorsitzender der Jungdemokraten und Bundesvorsitzender des Liberalen Hochschulverbandes, Mitglied des Bundesvorstandes der FDP bis 1982. Ab 1983 innen- und rechtspolitscher Mitarbeiter der Grünen im Bundestag. Von 1990-2000 Landtagsabgeordneter der Grünen NRW, ab 1995 deren Fraktionsvorsitzender. Seit 2019 ist er Vorsitzender der Radikaldemokratischen Stiftung, dem Netzwerk ehemaliger Jungdemokrat*innen/Junge Linke. Er arbeitet und lebt im Rheinland. Mehr über den Autor.... Sie können dem Autor auch im #Fediverse folgen unter: @rolandappel@extradienst.net
28.1.2023 von Georg Seeßlen - Grenzschutzkommandant Gregory Bovino präsentiert sich als gepanzert. Neben der Machtdemonstration vermittelt sein Auftreten psychosexuelles Cosplay.
Portrait von Gregory Bovino
Eiskalt: ICE-Chef Gregory Bovino steht am 16. Januar 2026 vor dem Bishop Henry Whipple Federal Building in Minneapolis, Minnesota Foto: Benjamin Hanson/Middle East Images/picture alliance
Jede Diktatur – ob wir sie „faschistisch“ nennen oder nicht – entwickelt bestimmte Formen des organisierten Terrors. Kein Diktator kann herrschen ohne eine männerbündische, paramilitärische und rechtsfreie Organisation zur öffentlichen, ja performativen Ausübung von Gewalt.
Die „Aufgaben“ solcher terroristischer Paramilitärs sind neben denen einer politischen (oder auch „religiösen“) Polizeigewalt eine unentwegte Menschenjagd, die Ermordung von realen oder auch nur eingebildeten „Verrätern“ und die Bewachung des Diktatorpalasts als seine Privatarmee. Ganz allgemein allerdings geht es um die Verbreitung von Furcht und Schrecken. Eine Diktatur pflegt die Energien von Wahn und Kriminalität in einer Gesellschaft in ihren eigenen Dienst zu stellen.
Jede dieser Terrororganisationen der Diktatur hat zwei feindliche Körper, nämlich zum einen alle Gegner des Regimes – das „harte“ Feindbild – und zum anderen eine auf den ersten Blick willkürliche Gruppe, der eine Art der toxischen Wirkung unterstellt wird: die Juden, die Ungläubigen, die Migranten – das „weiche“ Feindbild. Wenn man sich die Opfer der ICE-Aktionen ansieht, so entsprechen sie einem „weichen“ Feindbild. Es sind Kinder, es sind Frauen, es sind Menschen, die eher durch ängstliches als durch aggressives Verhalten auffallen.
Man kann wohl vermuten: Die männerbündischen Bluthunde haben es gerade auf schwache Opfer abgesehen. Ihre Gewalt ist willkürlich, aber ihre Opfer sind keineswegs zufällig nicht etwa Drogengangster oder Widerstandskämpfer, sondern zivile, friedliche und arglose Mitmenschen.
Narzissmus und Autoritarismus
An der Spitze solcher Organisationen stehen Charaktere, die in unterschiedlichen Mischungen bestimmte Eigenschaften aufweisen: Sadismus, Paranoia, Narzissmus und Autoritarismus. Man kann sie zunächst als „Bluthunde“ betrachten; die Jagd auf Menschen ist ihrem Wesen so eingeschrieben wie die Herrschaft über ihr Rudel. Ihr eigener Körper ist das Material einer narzisstischen Selbstinszenierung: schmerzfrei, kalt, gepanzert, mitleidlos. Ihr Auftreten freilich hat immer neben der Machtdemonstration auch Aspekte eines psychosexuellen Cosplay.
Gregory Bovino, der bis vor Kurzem sowohl die Grenzschutzbehörde Border Control als auch die Einwanderungs- und Zollbehörde ICE befehligte, ist ein Muster dieses Typus. Er hat eine Karriere hingelegt, die man nur im Schatten eines Diktators zuwege bringt. Seit 1996 ist er bei der Grenzbehörde; wurde unter der Trump-Administration I zum Assistant Chief der Border Patrol in Yuma, Arizona, und brachte es bei Trump II rasch in den inneren Kreis der MAGA-Bewegung zur „Massenabschiebung“.
Im Juni 2025 führte er die Operationen von der ICE in Los Angeles an, danach kommandierte er die Operation „Midway Blitz“ in Chicago, und dann stand seinem Aufstieg zum commander-at-large der Border Patrol nichts mehr im Weg, nicht obwohl, sondern gerade weil er dabei auch zu einem Schreckbild für das liberale und demokratische Amerika geworden war.
Entscheidend für diesen Aufstieg war wohl, dass er nicht nur der Leiter, sondern immer auch das „Gesicht“ dieser Aktionen war. Ein Medienstar, dem es sogar half, von vielen als idealer Schurkendarsteller angesehen zu werden. Und dieses Gesicht veränderte sich von Einsatz zu Einsatz, von einem patriotisch-pragmatischen Professional, der „nur seinen Job macht“, zu einem comicartigen Minidiktator im Nazichic-Gewand.
Von Grenzen besessen
Aus einer reichlich zerrütteten italoamerikanischen Familie stammend, zeigte sich Gregory Bovino von Kindheit an von Grenzen und Bewachungen besessen und wollte eigenen Angaben zufolge nie etwas anderes werden als einer von den Kerlen, die die Grenze der USA bewachen und gegen den „Abschaum“ verteidigen, der da unentwegt von außen hereinzuströmen drohte. Er entwickelte schließlich eine Operationstaktik der perfiden Fallenstellerei unter dem zynischen Namen „Return to Sender“, die in der Zeit von Joe Bidens Präsidentschaft als illegal erkannt wurde, und die ihn für die Trump-Administration umso nützlicher erscheinen ließ.
Bovino liebt es, aufzutreten wie ein SS-Mann in einem Trashfilm: Der Mantel, den er sich umgehängt hat, ist eine Variation des deutschen Wehrmachtsmantels M40. (Bei Gelegenheit könnte man über die Rolle des Mantels bei diktatorischen Männern nachdenken, bei Josef Stalin wie bei Donald Trump.) Unter diesem feldgrünen Mantel ist Bovino in der Regel olivgrün oder auch schon einmal schwarz gekleidet, und schwarz vermummt sind auch die Männer, die ihn stets wie eine persönliche Leibgarde umgeben. Als einziger ist bei solchen – offenbar extrem genussreichen – Auftritten sein Schädel entblößt. Er hält ihn offensichtlich für ein besonderes Zeichen seiner Überlegenheit.
Der Mantel geht bis an die Knöchel und ist eng genug geschnitten, dass er nach der Öffnung verlangt und auch einmal etwas „wehen“ darf. Darunter sehen wir das gestärkte Uniformhemd mit der straffen, schmalen schwarzen Krawatte. Stets ist er peinlich darauf bedacht, dass seine Männerentourage ihm zwar im Outfit ähnelt, nie aber die gleiche Anzahl von militärischer Semantik am Körper präsentiert. Man sieht in Bovinos Entourage niemals eine Frau und niemals eine Person of Color.
Wenn er seinen offensichtlich über alles geliebten Mantel nicht präsentieren darf, zeigt sich Gregory Bovino gern mit einem klassischen Schulterriemen mit blinkender Schnalle. Man hat Assoziationen zum Sam-Browne-Gürtel festgestellt, der seinen Namen von dem britischen General Samuel James Browne hat, der 1858 in Indien seinen linken Arm durch einen Säbelhieb verloren hatte und sich später mit dem Schulterriemen behalf, weil er vom Säbelziehen noch lange nicht genug hatte. Im vergangenen Jahrhundert wurde dieser Schulterriemen dann zum Teil des militärischen Glamours. Er muss keinen praktischen Sinn haben, er soll den Träger nur als unbeugsam zusammengehaltenen Kämpfer auszeichnen.
Eine Fantasie-Uniform
An seinem Vorbild gemessen trägt Bovino den obszön nutzlosen Schulterriemen übrigens auf der falschen Seite. Eine Deutung seiner Auftritte: Der Kerl ist in seine Nazichic-Inszenierung so verliebt, dass er nicht genug davon bekommen kann. Eine andere Deutung scheint tiefer reichend: Bovino inszeniert öffentlich die Verwandlung einer Behörde in eine paramilitärische, antikonstitutionelle und antidemokratische Organisation.
Dazu gehört, dass er sich und seine Leute zugleich militarisiert, aber von der offiziellen (konstitutionellen) Armee deutlich abgrenzt. Er hat für sich und seine Leute offensichtlich eine Art maskulinistischer Fantasieuniform entwickeln lassen, einschließlich dieser strengen, schmalen Krawatten, die nächste Assoziation zum Fascho-Chic.
Gregory Bovinos größtes Vergnügen ist es offensichtlich, mit seinen Männern auf „Patrouille“ durch die Straßen zu gehen. Es ist, als wolle man klarmachen: Es gibt da diesen mächtigen Mann im Weißen Haus in Washington, aber hier auf der Straße, da haben wir das Sagen. Das Zweitliebste von Gregory Bovino ist es, sich vor gekreuzten Fahnen in Pose zu stellen.
Das martialische Auftreten – Hyperbewaffnung und Vermummung etwa – gehört zur Inszenierung des männerbündischen Terrors wie das trumpistische, von Mussolini abgeschaute Vorrecken des Schädels bei „entschlossenem“ Senken der Mundwinkel.
Richtig gute Arbeit
Bovino gehört zu jenen MAGA-Charakteren, die auch öffentlich jenseits der Wirklichkeit in einer eigenen Erzählung leben. Als die Journalistin Dana Bash von CNN ihm die Videos von der Ermordung von Alex Pretti präsentiert, werden seine Augen starr und er wiederholt die nun offenkundige Lüge von Prettis Angriff. Ja, er behauptet: „Das war eine richtig gute Arbeit unserer Beamten“, womit er in seinem Sinne durchaus recht hat. Die Bluthundtruppe einer Diktatur muss dem Volk beweisen, dass sie über allem steht und nicht belangbar ist.
Das Verhältnis zwischen den Diktatoren und ihren Bluthunden ist stets prekär. Denn einerseits können die einen nicht ohne die anderen existieren, andrerseits müssen sie einander fürchten. Die Diktatoren müssen fürchten, dass die Bluthunde sie überleben, vielleicht sogar ermorden. Wir erinnern uns an das Schauspiel der Putin-Diktatur mit ihrer „Wagner-Truppe“.
Die Bluthunde aber müssen unter den Augen des Diktators ihre eigene Macht ausbauen, was mittlerweile vor allem auch durch eine wirtschaftliche Absicherung geschieht. Die iranischen Revolutionsgarden haben so viel wirtschaftliche Macht, durch legalen Besitz wie durch erpresserische Macht, dass sie den Sturz des Mullahregimes überleben, wenn nicht gar selbst herbeiführen könnten.
Nun also pfeift Donald Trump Gregory Bovino zurück. Der „Nachfolger“ von Bovino ist Tom Homan, der sich eines weniger glamourösen Auftretens bedient, in der Sache aber – der großen „Säuberung“ der USA und der militanten Abschottung gegen außen – mindestens so radikal ist. Auch bei ihm scheint schon die Semantik die Richtung vorzugeben. Er ist der „Border Czar“, der aus der Massenabschiebung die nationale Wiedergeburt verheißt. Aber das ist schon wieder ein anderes Kapitel in der Geschichte der US-amerikanischen Diktatur.