Das Amo Collective Berlin ist aus der Nachbarschaftsinitiative Anton-Wilhelm-Amo Straße (#NAWAS) entstanden und ein Zusammenschluss, der sich Projekten wie dem Decolonial Flânerie und dem Amo Salon widmet. Die NAWAS ist 2020 mit dem offenen Brief „Kein Rassismus vor unserer Haustür!“ entstanden, in dem Personen und Institutionen mit Verbindung zur M-Straße für eine Umbenennung der Straße aufforderten. Auf der Website amo-collective.org gibt es zusätzliche Informationen.
Die Nachbarschaftsinitiative Anton-Wilhelm-Amo-Straße (NAWAS) wurde im Juli 2020 von über 155 Wissenschaftler*innen und Institutionen gegründet, die in der ehemaligen Mohrenstraße ansässig sind und sich, gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Gruppen, für deren Umbenennung und für ein postkoloniales Umdenken in Berlin einsetzen. Der Anstoß ging vom Institut für Europäische Ethnologie (M_hrenstraße 40/41) und dessen Offenem Brief Kein Rassismus vor unserer Haustür aus. Der Brief traf auf breite Unterstützung des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung, des Centre for British Studies, des Georg-Simmel-Zentrums für Metropolenforschung, des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld sowie diverser Sonderforschungsbereiche und Forschungsgruppen der Humboldt-Universität zu Berlin, allesamt Nachbar*innen der M_hrenstraße, die seither die Nachbarschaftsinitiative bilden.
Wir freuen uns über einen großen Erfolg: Unserer Forderung nach Umbenennung wurde am 20. August 2020 von der Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Mitte zugestimmt. Ab 1.10.2021 soll die Straße amtlich Anton-Wilhelm-Amo-Straße heißen.
Die Umbenennung ermöglicht nun einen anderen Blick auf die Geschichte der brandenburgisch-preußischen Beteiligung am Versklavungshandel, mit dem auch der bisherige Straßenname verflochten ist. Statt mit ungebrochen kolonialer Blickrichtung auf diese Geschichte Bezug zu nehmen, wird mit Anton Wilhelm Amo (geb. um 1700, Todesdatum nicht gesichert) an den ersten in Deutschland tätigen Rechtsgelehrten und Philosoph afrikanischer Herkunft erinnert, der selbst im 18. Jahrhundert als versklavtes Kind an den Hof von Braunschweig-Wolfenbüttel verschleppt wurde, dann eine universitäre Ausbildung absolvieren konnte, eine seiner Disputationen zu der nach wie vor virulenten Frage der „Rechtsstellung Schwarzer Menschen in Europa“ verfasste und sich als Professor von den Universitäten Halle, Wittenberg und Jena aus mit seinem Werk an den Debatten der Aufklärung beteiligte.
Über die Umbenennung der Straße und des dazugehörigen U-Bahnhofs hinaus soll Anton Wilhelm Amo auch Namensgeber einer postkolonialen Erinnerungs- und Zukunftswerkstatt (Amo-Salon) werden, die von der Nachbarschaftsinitiative im Foyer des Hauses 40/41 geplant wird. Darüber hinaus hat die Initiative ein performatives Format des Dekolonialen Flanierens entwickelt, das im August 2020 Premiere hatte und in verschiedenen Fortsetzungen weitergeführt werden soll. Im Geiste Anton Wilhelm Amos werden dabei verschiedene Stationen seiner Straße aus einer postkolonialen Perspektive neu und mit Blick auf eine gemeinsam zu gestaltende Zukunft der Stadtgesellschaft betrachtet.