• Uber-Unternehmer warnt: „So viele Taxis wie früher wird es in Berlin nie wieder geben“
    https://www.berliner-zeitung.de/article/uber-unternehmer-warnt-so-viele-taxis-wie-frueher-wird-es-in-berlin

    „Die Menschen sagen: Moment mal, ist das Taxifahren nicht zu teuer geworden?“ Thomas Mohnke aus Berlin ist Co-Vorsitzender des Bundesverbandes wirfahren und Chef der SafeDriver Group. © Emmanuele Contini/Berliner Zeitung

    Vorbereitet von langer Hand findet die nächste Etappe der Monopolisierung des Taxi- und Mietwagenmarktes in ganz Deutschland statt. Wo Uber keine Mietwagen auf die Straße bringen darf, weil die gegenüber der Aufsichtsbehörde kein rechtskonformes Geschäft darstellen können, wird kurzerhand die Taxivermittlumg gekauft. Ziel ist immer Uber-Kontrolle, das perfekte Monopol taxi-artiger Beförderung.

    In Berlin ist die Lage komplizierter, denn hier sträubt sich ein lokaler Taxi-Vermittlumgs-Monopolist gegen sein Verschwinden. Die letzte Berliner Taxizentrale ist Teil eines Umternehmens, das seit 1989 alle anderen Vermittlungszentralen aufgekauft hat. Zu Mauer- und Nach-Mauer-Zeiten hatten Kunden und Taxibetriebe die Wahl zwischen Innungs- und Ackermann-Funk, Würfel und Eier waren weiteren Vermittlungszentralen und Funksymbole zur Unterscheidung der Taxis am Halteplatz. Dazu kommen nach 1990 immer wieder kleine Vermittlungs-Startups, die schnell wieder verschwinden.

    Jetzt bereitet Uber den nächsten Schritt auf dem Weg zum deutschlandweiten Monopol vor.. Der Komprador des Weltmonopolisten erledigt die häppchenweise Übernahme des gesamten Taxi- und Mietwagenmarkts. Dabei gilt : Im Westen nichts neues. So ist das Kapital. Es will Monopol werden umd Extraprofite einstreichen.

    Auf dem Weg zum Monopol verschmelzen Taxi und Uber-artige Beförderungsangebote. Die.ehrlichen Taxiunternehmen haben der Konkurrenz von kiminellen Ausbeutern, staatlich alimentierten Betrügern und ihrem illegalem Preis- und Lohndumping nichts entgegenzusetzen.

    Wenn die Markteroberung wie in Ffm nicht schnell genug klappt, wird die Taxenvermittlung gekauft. Dabei bleibt man flexibel. So wird in Berlin die Organisierte Kriminalität vorgeschickt und die Taxibetriebe mit deren Kapital übernommen.

    Das Uber-Geschäftsmidell beruht auf in Rackets verborgener extremer Ausbeutung. Bis zu 30 und mehr Prozent Provision für Uber und seinen Komprador können nur mittels extremer, illegaler Niedriglöhne erwirtschaftet werden. Die Fahrer an der Basis des Rackets komplettieren ihre Hungerlöhne mit ergaunerten Jobcenter-Subventionen, die Fuhrunternehmen deklarieren Löhne und Gewinne nur zu Teil oder überhaupt nicht, der Komprador organisiert und verschleiert die Geschäfte vor Ort, und der Mutterkonzern befreit die Profite in weltweiten Finanzstrukturen jenseits nationaler Zuständigkeiten und Hebesätze.

    Das System ist noch nicht perfekt. In Berlin wurde die lokale mittelstândische Vermittlungsfirma noch nicht kooptiert oder aus dem Weg geräumt. Sie präsentiert sich als Stimme und Bollwerk des Berliner Taxigewerbes, was von vielen kleinen Unternehmern gern geglaubt wird.

    Man kann sie nur warnen. Non olet, irgendwann macht Uber auch dem Besitzer von Taxi Berlin ein Angebot, dass er nicht ablehnen kann.

    Es ist ein fataler Irrtum, „Taxuzentralen“, die Auftragsvermittler, mit dem Taxigewerbe und seinen vielen kleinen Betrieben zu identifizieren. Das traf nur in der ersten Enteicklungsphase nsch Einführung des Personenbeförderungsgedetz im Jahr 1961 zu. Berliner Taxiunternehmen gründeten die WBT (Wirtschaftsgrnissenschaft Berliner Taxibesitzer e.G., betrieben die Txivermittlung „Innungsfunk“ und earen über ihrdn Vorditzenden Heinz Peter tief mit Westberliner Politik und Gesellschaft verwoben.

    Seitdem haben sich Taxivermittlungen von den Fuhrbetrieben emanzipiert und völlig gegensätzliche Interessen entwickelt. Alle Beteiligtdn wollen Einnahmen, Umsatz, aber seit Wegdall der Kontrolle über das Vermittlungsgeschäft durch die Taxiunternehmen wird um die Anteile gefeilscht und gestritten, die bei Vermittlung und Taxibetrieben ankommen. Uber hat das Verhältnis komplett gekippt und die totale Kontrolle übernommen. Aufteilung der Umsätze, Zuweisung der Aufträge, Kundenkommunikation, Fahrtstrecke und Regeln der Fahrhastbeförderung sind nicht mehr Sache der Fahrer und Taxiunternehmen. . Sie sind heute abhängige Anhängsel, Erfüllungsgehilfen des Vermittlers.

    Darum geht es

    Aus dieser Machtposition sägt Uber am Ast der öffentlichen Daseinsvorsorge. Deren Privatisierung ist das strategisches Ziel der Uber, Tesla, Goigle-Alphabet., Amazon und Konsorten. Es geht um die totale private Kontrolle unseres Lebens und der Gesellschaft. Die Übernahme einer Taxizentrale in der deutschen Bankenmetropole ist dabei ein kleiner aber bemerkenswerter Schritt.

    Washington und das Silicon Valley führen Krieg gegen uns alle. Die Antwort Deutschlands sollte selbstbewusst, klar und politisch sein.

    9.8.2026 von Peter Neumann - Er kaufte gerade eine Taxizentrale – und sagt trotzdem einen drastischen Rückgang voraus. Thomas Mohnke erklärt, warum Taxis nur mit völlig neuen Angeboten überleben können.

    So schön kann Taxifahren sein. Mit schwerem Gepäck verreisen? Kein Problem: Gegen einen Aufpreis holt der Taxifahrer die Koffer im dritten Stock an der Wohnungstür ab. Abends vom S-Bahnhof nach Hause? Natürlich per Taxi: Mit dem Deutschlandticket gibt es Rabatt.

    „Ich glaube nicht, dass wir in zehn Jahren noch rund 50.000 Taxis in Deutschland haben werden. Auch in Berlin wird die Zahl der Taxis stark zurückgehen“, sagt Thomas Mohnke. Doch wenn sich die Taxibranche modernisiert, könne sie überleben, meint er.

    Dass Mohnke über Taxis nachdenkt, macht manch einen misstrauisch. Der 68 Jahre alte Berliner gilt in der gebeutelten Branche als Erzfeind. Schließlich repräsentiert er als Generalunternehmer von Uber die Hauptkonkurrenz der Taxibranche. Doch der Mobilitätsexperte kennt den Wirtschaftszweig gut. Jetzt besitzt er sogar selber eine Taxizentrale.

    Im Gespräch mit der Berliner Zeitung zieht Thomas Mohnke eine nüchterne Bilanz, wie es um Uber, Taxi & Co. steht. Und wagt den Blick in eine Zukunft, die für klassische Taxiunternehmen ungemütlich werden könnte.

    Er ist mit beiden Seiten der Personenbeförderung vertraut wie kaum ein anderer in Deutschland. Mohnke begann seine Karriere als Taxifahrer in Berlin, baute Taxiflotten auf und erkannte früh das Potenzial digitaler Vermittlungsplattformen wie Uber. Per App einen Mietwagen mit Fahrer bestellen: Das gehört heute für immer mehr Menschen zum Alltag. Er kennt den Verkehr aber auch aus einer anderen Perspektive: als Radfahrer von seiner Wohnung nach Kreuzberg ins Chef-Büro.

    In Berlin ist die Zahl der Taxikonzessionen von März 2025 bis März 2026 von 5680 auf 6941 gestiegen. Inzwischen sind es rund 7000. Die Zahl der Mietwagen sank von 2335 auf 1656. © imago

    Thomas Mohnke ist Co-Vorsitzender des Bundesverbands wirfahren, der die Interessen App-vermittelter Mietwagenunternehmen vertritt, sowie Chef der SafeDriver Group. „Ich betreibe rund 200 Taxis hier in Berlin sowie ungefähr 500 Mietwagen in ganz Deutschland verteilt. In den relevanten Großstädten habe ich je eine eigene Flotte.“ Als Uber-Generalunternehmer gibt er Aufträge auch an andere Betriebe weiter.

    Vor kurzem machte Mohnke mit einem Firmenkauf branchenintern Schlagzeilen: „Im Juni habe ich in Frankfurt am Main die Taxizentrale erworben“, bestätigt er. Die Aufregung kann er nicht verstehen. „Für mich persönlich ist die Trennung zwischen Taxi und Mietwagen längst aufgehoben. Entscheidend ist: Fahrgäste möchten möglichst einfach von A nach B gelangen, und wir müssen das ermöglichen.“

    Dass es keine starren Grenzen zwischen Taxis und Mietwagen mehr gibt, sieht Mohnke auch an seinem Verband. Dort sind immer mehr Firmen vertreten, die beide Fahrzeugarten betreiben. Innerhalb von drei Jahren wuchs ihr Anteil von null auf knapp unter 20 Prozent.

    Stubenhocker: Das ist der gemeinsame Feind der Branche

    „Taxi und Mietwagen besitzen einen gemeinsamen Feind“, erklärt Thomas Mohnke. „Das sind Angebote für ‚Stubenhocker‘: Videokonferenzen, Homeoffice-Strukturen, Essenslieferdienste und Streaming-Dienste, die mich davon abhalten, ins Kino oder Theater zu gehen.“ Nicht zu vergessen: Die Zahl der Geschäftsreisen geht zurück.

    Unterm Strich ist die Nachfrage nach Taxifahrten um 20 bis 30 Prozent gesunken. „Für die Taxibranche ist das eine Katastrophe.“ Das liege nicht (nur) an der Konkurrenz. Obwohl es in Hamburg keine plattformvermittelten Mietwagen für Uber & Co. gibt, sank die Nachfrage auch dort. In der Freien und Hansestadt fanden 2019 noch rund 12,7 Millionen Taxifahrten statt. Heute sind es lediglich noch 9,5 Millionen.

    Um die Entwicklung zu verstehen, müsse man die Preisentwicklung betrachten. In den vergangenen Jahren seien die Taxitarife in Deutschland überproportional stärker gestiegen als die Lebenshaltungskosten. „Köln ist nach London die zweitteuerste Taxistadt in Europa. Aber ich glaube nicht, dass sich das rechtfertigen lässt“, meint Thomas Mohnke. „Die Menschen sagen: Moment mal, ist das Taxifahren nicht zu teuer geworden?“

    Uber warnt vor Preiserhöhung und plant neues Angebot für Berlins Außenbezirke
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    Umfrage: Niemand hält Taxifahrpreise für angemessen

    Als sein Unternehmen in Frankfurt am Main etwas mehr als tausend Bürger befragen ließ, gab eine Hälfte zu Protokoll: Taxifahrten sind teuer. „Die andere Hälfte sagte sogar, dass Taxifahrten zu teuer sind. Niemand hielt die Taxifahrpreise für angemessen. Wenn der Preis nicht zum Angebot passt, dann sagt der Konsument: Njet!“

    Thomas Mohnkes Schlussfolgerung lautet: „Wenn man das Preisniveau halten will, muss die Leistung besser werden. Sonst wird die Branche nicht überleben.“ Ob ein Kunde einen hohen Preis zahlt, hänge davon ab, wieviel Qualität und welcher Service geboten werden.

    Beispiel Fahrzeuge: „Mercedes garantiert in Taximodellen einen Türöffnungswinkel von 85 Grad. Das erleichtert den vielen älteren Fahrgästen das bequeme Ein- und Aussteigen. Angesichts der demografischen Entwicklung ist das ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Dagegen hat ein Serienfahrzeug nur 70 Grad. Da bleibt man hängen.“

    Beispiel Hilfe und Unterstützung: Vor allem älteren Kunden ist wichtig, dass jemand sie von der Wohnungstür bis zum Check-in-Schalter im Flughafen begleitet und Koffer trägt.

    Ein paar Klicks, und der Wagen ist da. App-basierte Plattformen wie Uber und Bolt haben ihren Marktanteil erhöht. In der Hauptstadt-Region kommen die Wagen der Subunternehmen meist aus dem Umland, etwa aus dem Landkreis Teltow-Fläming. © Sebastian Gollnow/dpa

    „Taxibetreiber müssen Tür-zu-Tür-Dienstleistungen anbieten, die per App gebucht werden können“, folgert Mohnke. „Viele ältere Menschen sind gut situiert und reisen auch gern. Neun von zehn Befragten in Frankfurt signalisierten eine erhöhte Zahlungsbereitschaft, wenn der Taxifahrer garantiert den Gepäckservice übernimmt.“

    Zwei weitere Beispiele: „Sie können derzeit kein Taxi auf Stundenbasis buchen. Das muss aber möglich sein.“ Und: „Ich halte es für falsch, dass Taxis in Berlin und anderswo ausschließlich in Hell-Elfenbein lackiert werden dürfen.“ Fahrgäste müssten wie in Baden-Württemberg die Möglichkeit haben, in gedeckter Farbe vorzufahren, sagt Mohnke.

    „Das Taxigewerbe muss aufhören, sich auf Transporte von A nach B zu beschränken und sich sonst um nichts zu kümmern. Es muss Assistenz und Unterstützung anbieten“, bilanziert er. „Mobilität beginnt vor dem Einsteigen und hört mit dem Aussteigen nicht auf. Die Zukunft des Taxis liegt darin, komplette Dienstleistungsketten zu entwickeln.“

    Was der Fahrdienst Bolt jetzt in Berlin vorhat: „Die Nachfrage ist riesengroß“
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    Warum BVG und Taxibranche mehr kooperieren sollten

    Er habe die Taxizentrale Taxi Frankfurt auch deshalb gekauft, weil er ein Forschungs- und Entwicklungslabor haben möchte. „Bisher kommen aus der Taxibranche keine Ideen für die Zukunft, keine Vorschläge. Also mache ich mich jetzt selbst an die Arbeit.“

    „Die Ergänzungsleistungen, von denen ich eben gesprochen habe, möchte ich in Frankfurt am Main in den nächsten Jahren erproben“, kündigt Thomas Mohnke an. Die Stadt wird modern geführt, die Genehmigungsbehörde ist Vorschlägen gegenüber aufgeschlossen. Darum habe er sich für Frankfurt und nicht für Berlin entschieden. Auch auch Berlin sei eingeladen, solche Komplettpakete zu ermöglichen.

    Thomas Mohnke spricht ein weiteres Thema an. Er würde gern wissen, warum die Personenbeförderungsbranche nicht stärker mit Bus- sowie Bahnbetreibern kooperiert – und umgekehrt.

    Platz für sechs Personen, rollstuhlgerecht, einfacher Zugang für Senioren und Menschen mit Gehbehinderungen: London-Taxis sind legendär. In Berlin steuert Taxifahrer Serkan Demir ein solches Fahrzeug durch den Verkehr. © Paulina Hildesheim

    „Warum bemüht sich die Taxibranche nicht darum, dass Taxis über das Deutschlandticket in den Nahverkehr einbezogen werden?“, meint er. „Warum bekommt ein Fahrgast, der abends von der Haltestelle nach Hause möchte, keinen Rabatt auf den Taxifahrpreis? Schon ein Euro Nachlass wäre ein Signal und würde Taxis neue Kunden verschaffen. Dafür sind die Verkehrsverbünde da. Warum diskutieren sie das nicht?“

    Digitale Vertriebssysteme, wie sie die BVG für Berlin vorbereitet, ließen sich auch in Taxis nutzen. Wie in der Bahn checken sich die Fahrgäste ein, indem sie ihre Chipkarte oder das Handy vor einen Scanner halten. Beim Aussteigen checken sie auf demselben Weg wieder aus. Der beste Preis wird automatisch abgebucht. Mit so einem System ließen sich kombinierte Fahrten Nahverkehr/Taxi tarifieren, sagt Mohnke.

    Das sei ebenfalls ein Thema, über das Taxiverbände mit dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) reden sollten, schlägt er vor. „Das ist die Zukunft. Alles andere ist Nostalgie. In Frankfurt am Main will ich Click & Pay einführen und testen.“

    Warum Fahrten mit Uber & Co. in Berlin deutlich teurer werden sollen
    Warum Fahrten mit Uber & Co. in Berlin deutlich teurer werden sollen
    Warum Mietwagen höhere Stundenumsätze erzielen

    Thomas Mohnkes Botschaft ist klar: Die Taxibranche muss sich bewegen. Dort wird argumentiert: Ohne Steuerhinterziehung und Sozialversicherungsbetrug könnten die App-Fahrdienste die Taxifahrpreise nicht so weit unterbieten. Mehr Kontrolle sei nötig.

    Die Effizienz sei dort größer, entgegnet Mohnke. Er rechnet vor: „Ein Taxi macht im Schnitt pro Stunde eine Fahrt. Mit diesem einen Auftrag muss der Betreiber alle Kosten einspielen. Dagegen sind es bei einem Mietwagen im Schnitt mehr als zwei Fahrten pro Stunde. Deshalb können Mietwagen höhere Umsätze erzielen. Meist gibt es nach jedem Auftrag sofort einen Folgeauftrag.“

    Die von der Stadt München kürzlich errechneten Stundenumsätze decken sich mit Zahlen seiner Branche, kommentiert er. „Der Betrieb von Mietwagen ist für den Unternehmer auskömmlich. Er kann Löhne, Sozialabgaben und Fahrzeuge bezahlen und auch Gewinne erzielen.“

    Mindesttarife für Uber & Co.: Senat prüft seit 2021

    Natürlich gebe es in allen Branchen Akteure, die sich nicht an Regeln halten. Übrigens auch beim Taxi. „Aber von ihnen auf eine ganze Branche zu schließen, ist nicht zulässig. Es trifft auch nicht zu.“

    Eine aktuelle Forderung der Taxiverbände lautet: Für den Verkehr mit Mietwagen sollten die Städte Mindestfahrpreise festlegen. Auch in Berlin, wo sich der Senat seit 2021 mit diesem Thema befasst. Wenn der Preisabstand zum Taxi schrumpft, diene das einem fairen Wettbewerb, schütze das Taxigewerbe und sichere Arbeitsstandards, heißt es.

    Mohnke kontert: „Wir halten Mindestpreise für vollkommen unsinnig. Sie bringen keinen zusätzlichen Fahrgast ins Taxi, treffen aber die Unternehmen, ihre Mitarbeiter und die Bürger vor Ort. Ein gesetzliches Instrument, das nur dem Schutz des Taxigewerbes dient, ist unzulässig. Das hat der Europäische Gerichtshof entschieden.“

    Einfach die Bankkarte an das Gerät halten, und das Ticket wird in einer Cloud hinterlegt. Die Visualisierung zeigt, wie ein Validator in der BVG aussehen könnte. Solche Scanner könnte es aber auch in Taxis geben, sagt Thomas Mohnke .

    Einfach die Bankkarte an das Gerät halten, und das Ticket wird in einer Cloud hinterlegt. Die Visualisierung zeigt, wie ein Validator in der BVG aussehen könnte. Solche Scanner könnte es aber auch in Taxis geben, sagt Thomas Mohnke. © Visualisierung: BVG

    Rund 400 Genehmigungsgebiete gebe es in Deutschland. Doch erst fünf Städte hätten sich entschieden, Mindestpreise festzusetzen. „In allen Städten klagen betroffene Unternehmen gegen die entsprechenden Verordnungen“, berichtete Mohnke. Zuletzt hat das Verwaltungsgericht Köln in einem Eilbeschluss die entsprechende Verordnung gekippt.

    „Es ist das alte Lied, dass Mietwagen angeblich effizienter eingesetzt werden. Doch so alt wie dieses Lied ist, so falsch ist es auch“, entgegnet Hermann Waldner, Geschäftsführer von Taxi Berlin.

    Er bleibt bei seiner Kritik: „Die angebliche Effizienz ist mit unterdurchschnittlicher Bezahlung der Fahrer oder täglichen Verstößen gegen das Personenbeförderungsgesetz erkauft.“ Mindestfahrpreise für Mietwagen seien ein „Gewinn für alle ehrlichen Steuerzahler, nicht nur für die Mobilitätsbranche“, unterstreicht der Taxi-Berlin-Chef.

    „Mit Qualität und Service wird unsere Branche überleben“

    Was Qualität und Service anbelangt: „Das Taxi ist eine Branche, die schon immer mit der Zeit gegangen ist. Bei Serviceangeboten ist noch Luft nach oben“, meint Waldner. „Ich kann mir vorstellen, dass man sein Kino-Ticket oder eine Reservierung im Restaurant über taxi.eu buchen kann. Das wird kommen.“ Taxifahrer und Taxifahrerinnen könnten allerdings „nicht alles bewältigen“, gibt er zu bedenken.

    Zwar sei die Zahl der Taxis in Berlin wieder gestiegen, bestätigt Thomas Mohnke. Etwas mehr als 7000 Konzessionen sind derzeit vergeben. Doch sie werde wieder sinken, erwartet er. „So viele Taxis wie früher wird es in Berlin nie wieder geben.“ Ende 2018 waren es knapp 8400.

    Die britische Hauptstadt sei ein Beispiel dafür, dass das Gewerbe dennoch bestehen kann. „London hat nur noch 15.000 Taxis, aber 120.000 Mietwagen. Warum verdienen dort Taxis trotzdem rund um die Uhr Geld? Weil Kunden sagen: Taxifahren ist zwar teuer, aber die Beförderungsqualität ist adäquat. Die Fahrzeuge sind optimal.“

    „Mit Qualität und Service wird unsere Branche überleben“, sagt Thomas Mohnke. Das wird auch der Trend zum fahrerlosen Betrieb nicht ändern. „Ein autonomes Auto packt mir nicht den Koffer in den Kofferraum.“

    #Berlin #Taxi #Monopolisierung #Taxivermittlung #Uber #Kapitalismus

  • Wie man eine #Wirtschaft trotz der auswegslosen Krisenlage immer no...
    https://diaspora.psyco.fr/p/12466047

    Wie man eine #Wirtschaft trotz der auswegslosen Krisenlage immer noch auch Wachstum aufbauen kann ist mir ein Rätsel? 😱🤯🤮

    Siehe: https://www1.wdr.de/wirtschaft/iran-konflikt-wirtschaft-sorgen-konjunktur-100.html

    Wir können sehr froh sein wenn wir kein negatives Wachstum dieses Jahr haben. „Negatives Wachstum“ ist #Neusprech für Wachstum über alles ohne geht es nicht. Dabei wäre sinnvolle Schrumpfung und Konsumverzicht sinnvoll für das Klima und die Zukunft. Ewiges Wachstum ist nicht nur unmöglich sondern auch unser Untergang!

    #wirtschaft #politik #zukunft #krise #Menschheit #Ressourcen #Problem #ethik #Emissionen #klima #umwelt #Zivilisation #Kapitalismus #Demokratie

    • [...]

      Haim drohte damit, eine ebenso hohe Summe zu investieren, um den Journalisten „fertigzumachen“. Die Angreifer untermauerten ihre Drohungen mit Details über Fabians Wohnviertel und seine Familie. Der Vorfall unterstreicht die wachsende Gefahr durch unregulierte Prognosemärkte: Wenn zweistellige Millionenbeträge auf dem Spiel stehen, wird die unabhängige Berichterstattung für die Akteure zu einem finanziellen Hindernis, das sie mit kriminellen Mitteln aus dem Weg zu räumen versuchen.

  • Karsten Klingbeil ist tot: Der Tausendsassa
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/der-tausendsassa-3742900.

    Was für ein Bespiel fürs Dazugehören. Erst Villa weg, dann Villa wieder da, man muss nur wissen, wie es geht und energisch handeln. Hart entscheiden sowieso.

    Der weise Kapitalist zieht sich irgendwann aus der Geldmaschine zurück und kultiviert das kulturelle Bewusstsein seiner Klasse. So, genau so funktioniert die sprichwörtlicje kulturelle Hegemonie. Schön dass wir das an diesem Exemplar so gut zeigen können.

    Wir wünschen Dir dasselbe wie allen Angehörigen Deiner Klasse :
    Ruhe sanft.
    Danke, dass Du uns in Frieden lässt.

    24.7.2016 von Christoph Stollowsky - Karsten Klingbeil war Baulöwe und Bildhauer. Nun ist der überzeugte Berliner mit 91 Jahren gestorben.

    Kann ein Mensch überhaupt in einem einzigen Leben so viele verschiedene Berufe ausüben und einem solchen Strauß von Leidenschaften nachgehen? Karsten Klingbeil hat es geschafft. Er war einst Berlins größter Baulöwe, aber auch ein international anerkannter Bildhauer. Er führte studentische Unternehmungen und einen großen Zeitungsvertrieb, gründete als begeisterter Hobby-Meereskundler Schauaquarien, war Mäzen des Museumsdorfes Düppel und Herr großer Sammlungen, die er in seinen Vitrinen akribisch vervollkommnete: Hunderte Krebse in allen Formen und Farben, die die Evolution hervorgebracht hat, Insekten, Schiffsmodelle, Spielzeugloks, Orden. Sogar als Käferforscher engagierte er sich, weshalb der seltene afrikanische Käfer „Fornasinius klingbeili“ nach ihm benannt ist. Am 1. Juli dieses Jahres ist Karsten Klingbeil, wie erst jetzt bekannt wurde, im Alter von 91 Jahren gestorben.

    Der Vater des am 8. März 1925 geborenen Tausendsassas und überzeugten Berliners war ein hoher Bahnbeamter und zeitweise Chef der damaligen Berliner S-Bahn. Standesgemäß wohnte die Familie in einer herrschaftlichen Villa am Kleinen Wannsee. Stundenlang war der Junge dort mit dem Paddelboot unterwegs und entdeckte seine Liebe zu den Lebewesen im Wasser. Zugleich lernte er bereits als Schüler bei den Berliner Künstlern Max Esser und Renée Sintenis das Handwerk der Bildhauerei. Mit 18 wurde Klingbeil dann zur Panzerabwehr eingezogen, geriet in sowjetische Kriegsgefangenschaft und kehrte erst nach zweieinhalb Jahren in die Heimat zurück.

    Gut 150 Bauprojekte

    Anfangs versuchte er nun von der Bildhauerei zu leben, aber das brachte nicht genug ein. Klingbeil verkaufte nebenher Zeitungen, vertiefte sein Kunststudium, belegte zusätzlich Biologie, gründete schließlich den studentischen Jobvermittlungsdienst TUSMA (Telefoniere, und Studenten machen alles), den es bis heute gibt. Aber es hielt ihn dort nicht, er machte nun seine Erfahrungen als „Zeitungsjunge“ zum Beruf, gründete einen Zeitungsvertrieb, schrieb aber nebenher auch Bücher über Aquarienpflege und historische Verdienstorden. Als sein neues Unternehmen gut lief, riet ihm der Steuerberater: „Bauen Sie ein Haus wegen der Abschreibungen.“

    Er ließ es nicht bei einem, errichtete in den 1970er und 80er Jahren gut 150 Bauprojekte mit mehr als 1000 Wohnungen in Berlin und Westdeutschland und avancierte in dieser Zeit zum Chef und Namensgeber der von ihm gegründeten „Klingbeil-Gruppe“, dem damals größten Bau- und Wohnungsunternehmen Berlins. Ende der 70er Jahre kaufte die Gruppe beispielsweise den maroden legendären Berliner Sportpalast an der Potsdamer Straße und errichtete an dessen Stelle den architektonisch heftig umstrittenen „Sozialpalast“ (Pallasseum).

    Mit 60 zog Klingbeil einen geschäftlichen Schlussstrich, verkaufte seine Firma und kehrte zu seiner wahren Berufung zurück: der Bildhauerei. Im geliebten Atelier in seiner Villa am Wannsee schuf er viele Plastiken, so die Helga-Hahnemann-Gedenkbüste im Friedrichstadtpalast – und erhielt etliche künstlerische Ehrungen.

    Die letzten zwölf Jahre seines Lebens verbrachte er nach schwerer Krankheit im Rollstuhl, versorgt von seiner Frau Ulla Klingbeil, sie ist in Berlin seit vielen Jahren als Charity-Lady bekannt. 1972 haben die beiden geheiratet, zuvor war Ulla zehn Jahre lang Karstens Chefsekretärin. Das Paar hat zwei Kinder – und er wiederholte im hohen Alter bei jedem Interview diesen Satz: „Sie ist das Beste, was mir im Leben passiert ist.“

    #Berlin #Westberlin #Kapitalismus #Immobilirn #Bauwirtschaft #Kunst

    • Baulöwe Klingbeil: Appetit aufs Scheunenviertel
      https://taz.de/Bauloewe-Klingbeil-Appetit-aufs-Scheunenviertel/!1779090

      23.2.1990 - Der größte Berliner Baukonzern, die Klingbeil-Gruppe, plant für 150 Millionen Ostmark ein zweistöckiges Bürohochhaus am Rande des historischen Scheunenviertels / Die AnwohnerInnen wurden von den Ostberliner Behörden nur zögerlich informiert

      Einen schönen Happen Hauptstadt hat der größte Westberliner Baulöwe jetzt abgebissen: Ein zwölfstöckiges Bürohochhaus am Rande des historischen Ostberliner Scheunenviertels wird derzeit von westlichen Architekten geplant - finanziert von einer Tochtergesellschaft der Klingbeil-Gruppe.

      Während die Anwohner derzeit brav mit bescheidenen Mitteln ihre verfallenen Häuser instandsetzen, denken die potenten Investoren aus dem Westen in ganz anderen Kategorien: Von 150 Millionen Ostmark für das sogenannte „Kontorhaus Berlin“ am S-Bahnhof Marx-Engels-Platz (früher Börse) war am Runden Tisch des Bezirks Mitte die Rede. Es wird dann auf einer Fläche von 5.000 Quadratmetern den Hackeschen Markt zwischen Friedrichstraße und Alexanderplatz überragen. Die Wohnhäuser an dieser Stelle wurden in den letzten Jahren abgerissen. Eine GmbH mit westlichen und östlichen Gesellschaftern sei bereits gegründet.

      Nach Auskunft der Bürgerinitiative „Spandauer Vorstadt“ hat diese Vorverträge mit der Grundstücksverwalterin, der Kommunalen Wohnungs-Verwaltung (KWV) Berlin-Mitte für das denkmalgeschützte vierstöckige Eckhaus Rosenthaler Straße 10 bekommen. Daran wird das künftige Kontorhaus angrenzen. Die West-Berliner Architektengemeinschaft Bassenge/Puhan -Schulz/Heinrich/Schreiber fertigte mehrere Entwürfe an. Zwei Ladengeschosse seien geplant, erklärte Architekt Bassenge auf Anfrage, darüber lägen Büroräume, die für Firmen oder Verwaltungen geeignet seien, und zu „Kostenmieten“ vergeben würden. Diese dürften sich vermutlich bei 20 Mark (West) pro Quadratmeter einpendeln. Die denkmalgeschützte Rosenthaler Straße 10 ist „die Zitrone, die der Investor mitschlucken muß, denn man weiß nicht, wie sich die Instandsetzung rechnet“, sorgt sich Bassenge. Bis jetzt allerdings, betont er, verhandele man noch nicht, man führe nur Gespräche mit dem Rat des Bezirks.

      Derzeit sei die Gegend auch noch Wohngebiet, deshalb brauche man eine andere planungsrechtliche Grundlage. „Aber nicht so ein quälend langes Verfahren wie im Westen“, sagte Bassenge. Man habe die Entwürfe in Form von Gipsmodellen und Zeichnungen dem Bezirk zur Verfügung gestellt, damit sich die Bürger informieren können. Wann der Bau fertig sei, könne er nicht sagen, meinte der Architekt zur taz. Potentielle Rechtsträger für die Baufinanzierung seien die Deutsche Bank und die Intertec GmbH, ein Tochterunternehmen der Klingbeil-Gruppe. „Ein milliardenschweres Baukonsortium amerikanischen Ausmaßes“, meint Architekt Wulf Eichstädt von der Westberliner Unterstützergruppe. Weder von der Bezirksverwaltung Berlin-Mitte noch von der Klingbeil -Tochter Intertec war eine Stellungnahme zu erhalten.

      Die Bürger wurden von den Behörden bisher nur zögerlich informiert. „Angefangen hat das schon im Oktober“, meinte BI -Sprecher Miottke. Da tauchten westliche Vermessungstrupps auf, fotografierten die Rosenthaler Straße 10 und befragten die noch verbliebenen Bewohner und den Apotheker. „Soviel Elan ist man im Osten gar nicht gewöhnt“, meint Miottke. Deshalb wurde man mißtrauisch und begann, der Sache auf den Grund zu gehen. Erst nach langem Hin und Her mit der Verwaltung kam die Geschichte ans Licht.

      esch

  • Gunnar Schupelius: Jetzt reicht‘s! Verdi erpresst uns alle
    https://www.bz-berlin.de/meinung/kolumne/kolumne-mein-aerger/verdi-3

    26. März 2025: Verdi zwang die BVG zu 20 Prozent mehr Lohn. Effektvoll setzten Gewerkschafter Pyrotechnik ein und zündeten offene Feuer vor Betriebshöfen an Foto: Michael Ukas/dpa

    Das muss jetzt mal sein. In seine BZ-Kolumne „Mein Ärger“ hetzt ein „Gunnar Schupelius“ mit Auslassungen und Tatsachenverdrehung gegen die berechtigten Forderjngen der BVG-Beschäftigten.

    Wie üblich in der rektionären Propaganda werden die arbeitenden Menschen und ihre Sorgen, Nöte umd Befürgnisse nicht erwähnt. Es ist „Verdi“, der Apparat, der Moloch, der „uns alle erpresst“. Das ist natürlich Doppelblödsinn, denn es wird niemand erpresst sondern eine Belegschaft nimmt den Rest des Streikrechts war, dass ihr die Klassenjustuz alter Nazieichter gelassen hat.

    Dann geht es nicht gegen „uns alle“ . Gegner der arbeitenden Menschen ist die Chefetage eines kapitalistischen Privatunternehmens in städtischem Besitz, das seinen Arbeiterinnen und Arbeitern zu wenig bezahlt, um sich eine neue Wohnung leisten zu können. Egal ob Kinder dazukommen oder das Haus verlassen, umziehen geht nicht.. Das müssten die Löhne hergeben umd werden es auch bei eimem erfolgreichen Tarifabschluss nicht.

    Die Gewerkschaftsmitgliefer der BVG streiken für uns alle. Sie sind eine der letzten Belegschaften, die das noch kann. Ihr Erfolg macht auch dort Druck, wo die Mehrheit zu blöde ist, um zu begreifen, dass sie nur im Kollektiv erfolgreich für ihre Würde und ihr Einkommen kämpfen kann.

    Die Forderungen der BVG-Beschäftigten können nicht zu hoch sein. Wünschen wir ihnen Erfolg und zeigen uns solidarisch mit ihnen.

    1.2.2026 von Gunnar Schupelius – Die Gewerkschaft fordert 150 Millionen Euro pro Jahr. Der Steuerzahler bekommt die Rechnung.

    Vor einem Jahr zwang Verdi die BVG mit fünf Warnstreiks zu einer Lohnerhöhung von 15 Prozent für alle Mitarbeiter und 20 Prozent für die Fahrer. Das kostet den Steuerzahler 140 Millionen Euro pro Jahr, denn die BVG kann das Geld nur über Zuschüsse des Senats aufbringen.

    Jetzt verlangen die Verdi-Bosse 33 Tage Urlaub pro Jahr (aktuell 30), 1000 Euro Urlaubsgeld (aktuell 500) und die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich (aktuell 36,5 bis 37,5 Stunden). Das würde den Steuerzahler zusätzlich noch einmal 150 Millionen Euro pro Jahr kosten.
    Verdi nutzt ängstliche Politiker aus

    Warum sind die Verdi-Aktivisten, die am Montag streiken, so dreist, so frech, so unverschämt? Weil sie wissen, dass die Politiker im Wahljahr ängstlich sind und gegenüber Lohnforderungen schwach werden. Also kann man sie jagen. Und also ist es kein Streik bei der BVG, sondern eine Erpressung der ganzen Stadt und ihrer Einwohner.

    Die Verdi-Streiker sind der Welt entrückt. Sie wähnen sich in einem Kampf für die Unterdrückten und Ausgebeuteten. Aber bei der BVG gibt es keine Unterdrückten und Ausgebeuteten. Da arbeiten die wahrscheinlich bestbezahlten Busfahrer der Welt.

    Verdi schießt sich ins eigene Knie: Jeder, der noch bei Verstand ist, weiß, dass diese Forderungen und diese Streiks nicht gerechtfertigt sind. Jeder sieht, dass Verdi ausgerechnet da streikt, wo die Bedingungen am besten sind: im öffentlichen Dienst.

    Warum? Weil viele Privatunternehmen aufgrund der hohen Lohnforderungen das Tarifgebiet längst verlassen haben. Wenn Verdi so weitermacht, wird auch die BVG aus dem Tarifgebiet aussteigen müssen. Dann sinken die Löhne um 20 Prozent. Wollt ihr das, ihr Busfahrer und Lokführer, die ihr am Montag wieder alles lahmlegt? Wohl kaum.

    #Berlin #BVG #Ver.di #Streik #ÖPNV #Gewerkschaft #Kapitalismus

  • Tesla in Grünheide: Steht die Gigafactory vor dem Aus?
    https://www.telepolis.de/article/Tesla-in-Gruenheide-Steht-die-Gigafactory-vor-dem-Aus-11140830.html?seite=


    Luftbildaufnahme der Tesla Gigafactory in Grünheide (Bild: Aerovista Luchtfotografie / Shutterstock.com)

    14.1.2026 von Bernd Müller - Verkäufe eingebrochen, Gewerkschaftsstreit eskaliert: Teslas deutsches Werk kämpft ums Überleben. Was bedeutet das für die Region?

    Verkäufe eingebrochen, Gewerkschaftsstreit eskaliert: Teslas deutsches Werk kämpft ums Überleben. Was bedeutet das für die Region?

    „Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass Elon, dass unser Board sich für den Ausbau der Fabrik entscheiden würde, wenn die Wahl mehrheitlich Richtung IG Metall ausfällt.“ Diese Worte von Werksleiter André Thierig, die laut Handelsblatt kürzlich bei einer internen Veranstaltung gesprochen wurden, lassen aufhorchen.

    Knapp vier Jahre nach der feierlichen Eröffnung durch Elon Musk scheint die Zukunft der Gigafactory Grünheide – und damit auch die Zukunft der Region – auf der Kippe zu stehen.
    Warum die Rechnung nicht mehr aufgeht

    Die ursprüngliche Idee hinter dem Werk in Grünheide war einfach: Damals verkaufte Tesla so viele Autos in Europa, dass die Produktion vor Ort sinnvoll erschien. Geringere Logistikkosten, weniger Importe aus Shanghai und Fremont und Zollvorteile – Faktoren, die überzeugen konnten.

    Doch diese Logik funktioniert nur bei ausreichendem Absatz – und hier sieht es inzwischen düster aus. Die Verkaufszahlen haben sich in eine Richtung entwickelt, die das gesamte Geschäftsmodell des Standorts infrage stellt.
    Der Absatzeinbruch in Zahlen

    Die Daten für 2025 zeichnen ein negatives Bild für Tesla in Europa:

    EU-weit: Die Tesla-Verkäufe brachen um rund 40 Prozent ein.
    Deutschland: Der Absatz sank um fast 50 Prozent.
    Gesamtvolumen Europa: Nur etwa 235.000 Teslas wurden 2025 verkauft – inklusive der aus China importierten Model 3 und einer Handvoll Model S/X aus den USA.

    Laut dem Europäischen Automobilherstellerverband sanken die Tesla-Neuzulassungen von Januar bis November 2025 um 28 Prozent, berichtet Bloomberg. Gleichzeitig legten batterieelektrische Fahrzeuge branchenweit um 27 Prozent zu. Tesla verliert also massiv Anteile in einem wachsenden Markt.

    In einzelnen Ländern fällt der Einbruch noch drastischer aus. In Frankreich, Schweden und Dänemark brach der Absatz laut Berichten um rund die Hälfte ein, so das Handelsblatt. Weder der Start des überarbeiteten Models Y noch eine günstigere Variante des Fahrzeugs konnte den Abwärtstrend stoppen.
    Weniger Verkäufe als vor der Gigafactory

    Besonders alarmierend ist ein Vergleich mit der Zeit vor dem Produktionsstart in Grünheide. Im Jahr 2022, als Tesla noch vollständig auf Importe angewiesen war, um den europäischen Markt zu beliefern, wurden regelmäßig mehr Fahrzeuge verkauft als heute. Die aktuellen Verkaufszahlen liegen also unter dem Niveau der „Import-Ära“, wie es bei Electrek heißt.

    Damit entfällt der zentrale Grund für die enormen Fixkosten einer deutschen Fabrik. Die Gigafactory Berlin hat Teslas Position auf dem europäischen Kontinent kaum gestärkt – sie ist vielmehr zur finanziellen Last geworden.
    Deutschland: BYD überholt Tesla

    Ein weiteres Warnsignal kommt vom Kraftfahrt-Bundesamt. Die aktuellen Zulassungszahlen zeigen: Der chinesische Hersteller BYD hat Tesla auf dem deutschen Markt erstmals überholt. Im vergangenen Jahr kamen 23.306 BYD-Fahrzeuge neu auf die Straße, während Tesla nur 19.390 Neuzulassungen verzeichnete.

    Die Entwicklung der beiden Marken könnte gegensätzlicher kaum sein:

    BYD: Steigerung der Zulassungen um mehr als 700 Prozent, Marktanteil jetzt 0,8 Prozent.
    Tesla: Einbruch um fast die Hälfte, Marktanteil nur noch 0,7 Prozent.

    Im Dezember lag BYD sogar bei mehr als dem Doppelten der Tesla-Zulassungen.
    Weltweite Schwäche bestätigt den Trend

    Der Rückgang beim Absatz in Europa ist kein isoliertes Phänomen. Weltweit wurden weniger Fahrzeuge ausgeliefert: 2025 ging ihre Zahl um neun Prozent zurück im Vergleich zum Vorjahr. Damit aber nicht genug: Es war das zweite Jahr in Folge mit rückläufigen Zahlen. Erstmals wurde Tesla auf Jahresbasis von BYD bei den Auslieferungen reiner Elektrofahrzeuge überholt.

    In China, dem weltweit größten Markt für Elektrofahrzeuge, befand sich Tesla während eines Großteils des Jahres 2025 im Rückgang. Die Lieferungen aus dem Werk in Shanghai sanken laut der China Passenger Car Association, so berichtet Bloomberg, in acht der ersten elf Monate im Vergleich zum Vorjahr.

    Teilweise war der Rückgang auf die Umstellung des Model Y zurückzuführen, da Tesla die Produktion in allen Montagewerken unterbrach, um die Fertigungslinien umzurüsten. Doch auch nach der Umstellung erholten sich die Zahlen nicht wie erhofft.
    Warum Tesla gegen die Konkurrenz verliert

    BYD bietet eine wesentlich größere Produktpalette als Tesla, und die meisten Fahrzeuge sind günstiger als Model Y und Model 3. Ein Auto unter 30.000 US-Dollar gilt seit langem als Schlüssel für weiteres Wachstum – doch Tesla liefert es nicht.

    Statt eines wirklich neuen, erschwinglichen Fahrzeugs brachte Tesla „erschwinglichere“ Varianten auf den Markt: abgespeckte Versionen des Model 3 und Model Y mit Einstiegspreisen um 40.000 US-Dollar. Das reicht nicht, um preisbewusste Käufer zu überzeugen.
    Die Kapazitätsfrage in Grünheide

    Das Werk in Brandenburg ist auf hohe Stückzahlen ausgelegt. Die Fabrik kann jährlich mehr als 375.000 Model Y produzieren, theoretisch sogar 500.000 Fahrzeuge. Aktuell sind es laut Handelsblatt nur etwa 5.000 pro Woche – hochgerechnet 240.000 im Jahr.

    Die einst angekündigte Kapazitätserweiterung auf eine Million Fahrzeuge pro Jahr erscheint inzwischen vollkommen unrealistisch. „Wir werden nicht mehrere Milliarden für den Ausbau der Fabrik in die Hand nehmen, ohne dass die Signale ganz klar sind, dass das vom Markt auch abgefragt wird“, hatte Werksleiter Thierig laut Handelsblatt bereits im August 2024 erklärt.

    Die Fläche für eine Erweiterung ist längst gerodet, die Genehmigung liegt vor. Man könne „jederzeit mit den Bauarbeiten beginnen“, so Thierig weiter. Doch die Marktsignale fehlen.
    Der Machtkampf mit der Gewerkschaft

    Vor den Betriebsratswahlen im Februar 2026 eskalieren die Spannungen zwischen Management und IG Metall. Werksleiter Thierig hat eine klare Warnung ausgesprochen: Die Forderung nach einer 35-Stunden-Woche sei „eine rote Linie, darüber werden wir nie verhandeln. Da leidet die Produktivität dieses Standorts massiv.“

    Bei der letzten Betriebsratswahl im März 2024 gewann die IG Metall mit ihrer Vorschlagsliste 16 Sitze und wurde größte Einzelfraktion. Vier andere Listen errangen zusammen 23 Sitze und bilden seitdem eine Front gegen die Gewerkschaftsvertreter. Eine Mehrheit für die IG Metall im Februar 2026 erscheint möglich.

    Thierig verweist laut Handelsblatt auf den internen Wettbewerb mit Werken in den USA und China. „Wenn wir hier am Standort nicht weiter so wettbewerbsfähig produzieren können, wie wir das aktuell tun, würde man sicherlich genau draufschauen, wo man strategisch in Zukunft investiert.“

    Konzernchef Musk gibt sich ohnehin offen gewerkschaftsfeindlich. Bei einem Besuch in Grünheide warnte er seine Mitarbeiter vor dem Einfluss der IG Metall, die er für eine Handlangerin der deutschen Konkurrenz hält.
    Gewerkschaft als Sündenbock?

    Kritiker sehen in der Konfrontation jedoch ein mögliches Ablenkungsmanöver. Branchenbeobachter Fred Lambert von Electrek formuliert es so: „Das sieht nach einer Falle aus.“

    Seine Analyse: Mathematisch sei Giga Berlin bereits ein finanzielles Desaster. Unter normalen Umständen wäre die Schließung oder drastische Verkleinerung einer brandneuen Fabrik ein demütigendes Eingeständnis des Scheiterns. „Aber was wäre, wenn man jemand anderem die Schuld dafür geben könnte?“

    Indem Tesla die „rote Linie“ mit der IG Metall zieht, positioniere sich das Unternehmen so, dass es einen Gewerkschaftssieg als Sündenbock nutzen könne. So könnte Elon Musk eine mögliche Schließung nicht als Nachfrageproblem darstellen, sondern als Problem „aufgeweckter Gewerkschaften“ – und gleichzeitig eine Botschaft an die übrigen Tesla-Mitarbeiter weltweit senden, so Lambert weiter.
    Was das für die Region bedeutet

    Für die Beschäftigten und die Region Brandenburg bleibt die Lage angespannt. Die möglichen Szenarien:

    Kurzfristig: Tesla investierte 2025 nach eigenen Angaben einen „substanziellen dreistelligen Millionenbetrag“ in Automatisierung und den Anlauf neuer Modelle. Das deutet auf Fortführung hin.
    Mittelfristig: Ein ausbleibender Ausbau oder eine Verkleinerung des Werks hätte direkte Auswirkungen auf tausende Arbeitsplätze in der Region.
    Langfristig: Eine komplette Schließung wird von Beobachtern als „wenig wahrscheinlich, aber möglich“ eingestuft, heißt es bei Focus Online.

    Thierig selbst versucht zu beruhigen. „Ihr hört es immer wieder: Absatz schlecht. Autos verkaufen sich nicht. Tesla in der Krise“, sagte er vor der Belegschaft. Aber wenn man auf die Statistiken schaue, dann sehe es immer noch so aus: „Wir dominieren den Elektroautomarkt in Europa“.

    Mit anderen Worten: Die Arbeitsplätze in Grünheide sind sicher.

    Ob das so bleibt, wird sich allerdings zeigen müssen, denn die Konkurrenz holt mit schnellen Schritten auf.

    #Brandenburg #Industrie #Kapitalismus #Arbeit

  • Ein Antifaschismus, der sich ausschliesslich an Nazis abarbeitet, kann den Faschismus nicht verhindern.

    via https://diasp.eu/p/17774922

    Vom antikolonialen Antifaschismus zur universellen Befreiung: Das Werk von Frantz Fanon bleibt politisch aktuell. (Von Vanessa E. Thompson und Raul Zelik)

    https://www.woz.ch/2529/fanon-heute/die-strukturelle-natur-der-gewalt/!QS7MKDXJEM7Z

    #politik #antifaschismus #antikolonialismus #kapitalismus #fanon

    • vgl. zu Frantz Fanons Aktualität

      im aktuellen Kontext der in den westlichem Gesellschaften um sich greifenden Refaschisierung einhergehend mit unverholen neokolonialen Destabilisierungsstrategien, für die in Koordination mit dem Dollar-zentrierten Weltwährungssytem zum praktizierten angloamerikanischen Hegemonialanspruch eine x-beliebige monopolare Begründung geliefert wird, den Artikel auf Telepolis.de vom 27.07.25:

      https://seenthis.net/messages/1128001

  • #kapitano (Linux Antivirus Scanner) Developer Abandons Ship
    https://www.omgubuntu.co.uk/2025/07/kapitano-linux-antivirus-abandoned-by-dev

    Kapitano, a Linux virus scanning app using #ClamAV has been discontinued by its developer due to all-too-common factor in open source development: bad faith. You’re reading Kapitano (Linux Antivirus Scanner) Developer Abandons Ship, a blog post from OMG! Ubuntu. Do not reproduce elsewhere without permission.

    #News #Graveyard

  • #kapitano is a New GTK #ClamAV Frontend for Linux
    https://www.omgubuntu.co.uk/2025/06/kapitano-linux-clamav-antivirus-scanner

    Kapitano is a ClamAV frontend for Linux that scans files for malware, ideal if you want to check Windows files safely on the Ubuntu desktop. You’re reading Kapitano is a New GTK ClamAV Frontend for Linux, a blog post from OMG! Ubuntu. Do not reproduce elsewhere without permission.

    #News #security

  • Berkshire Hathaway Wants to Stiff Makeup Poisoning Victims
    https://jacobin.com/2025/03/makeup-asbestos-lawsuit-berkshire-hathaway

    19.3.2025 by Helen Santoro - Warren Buffett’s conglomerate, Berkshire Hathaway, profited off sale of a makeup ingredient that has been linked to cancer. The company is using fancy legal footwork to try to get out of paying remuneration to its victims.

    Juliet Gray never thought her makeup could harm her. But after years of regularly applying powders, eye shadow, and blush, Gray was diagnosed with peritoneal mesothelioma, an aggressive, incurable form of cancer. She can’t be certain what led to the disease, but for decades, scientists have known the cancer’s primary cause is long-term exposure to asbestos — a common contaminant in talc, one of the main ingredients in well-known cosmetic brands.

    Like thousands of others, Gray is suing Whittaker, Clark, & Daniels, a longtime talc supplier for cosmetic companies like Revlon, Maybelline, and L’Oréal, alleging it exposed her to harmful levels of asbestos without her knowledge. But two years ago, the company filed for bankruptcy, placing all these lawsuits on hold. Company executives claimed in a filing they had “dissipating finite assets,” with only $80 million “cash-on-hand” and did “not have access to any other funding.”

    But these claims ignore the fact that Whittaker, Clark, & Daniels’s assets and liabilities are owned by a subsidiary of Berkshire Hathaway, billionaire Warren Buffett’s multinational conglomerate that holds trillions of dollars in assets.

    In 2007, three years after Whittaker, Clark, & Daniels ceased talc operations amid mounting health concerns, a Berkshire Hathaway subsidiary purchased the company’s equity with the goal of profiting from its remaining assets, which included cash and insurance policies. But in 2023, as the “deluge” of asbestos lawsuits continued to climb, the former talc supplier filed for bankruptcy — a legal maneuver known as the Texas two-step in which giant corporations use bankruptcy courts to shield themselves from legal liabilities.

    Last August, a New Jersey bankruptcy judge upheld Whittaker, Clark, & Daniels’s bankruptcy. This decision is now being appealed to the Third Circuit, but if sustained, critics say it could set a precedent allowing financially stable companies to evade personal injury lawsuits by turning to bankruptcy court and avoiding full accountability for the harm they cause.

    Meanwhile, the former talc supplier, asbestos lawsuit claimants, and other parties are engaged in settlement negotiations. During a recent court hearing on the matter, Berkshire Hathaway representatives claimed bankruptcy was never part of the plan when they purchased the talc supplier. But it turns out executives were working for years to downplay connections between the trillion-dollar company and Whittaker, Clark, & Daniels’s asbestos liabilities.

    “For obvious reasons, various litigations, I try not to let people know of Berkshire’s involvement and would appreciate if you could do the same,” the president of Whittaker, Clark, & Daniels noted to a colleague in a 2008 email, according to court transcripts from the bankruptcy case reviewed by the Lever.

    Despite these maneuvers, mesothelioma victims and their lawyers say that just like Berkshire Hathaway was able to profit from these toxic talc assets, they are also liable for their damage.

    “Berkshire Hathaway’s massively wealthy insurance affiliates are obligated to pay claims in the tort system brought by people poisoned to death by Whitaker, Clark, & Daniels’s asbestos-contaminated talc,” said Clay Thompson, Gray’s attorney and a partner at Maune Raichle Hartley French & Mudd, the largest law firm dedicated to representing mesothelioma victims. “This is wrong; [it] is plainly unconstitutional.”

    Berkshire Hathaway and Whittaker, Clark, & Daniels did not respond to requests for comment. As part of its bankruptcy proceedings, Whittaker, Clark, & Daniels proposed a $535 million settlement to pay for all current and future talc claims — an amount that one attorney representing talc claimants described as “a smack in the face” to the thousand-plus plaintiffs who have suits pending against the company over the alleged health risks of its talc.

    That includes Gray — who had no idea of the potential risks of the products she was putting on her skin or breathing in the air.

    “I just wish that I had known — that the science hadn’t been hidden from me,” said Gray, who lives in St Louis, Missouri, with her husband and ten-year-old son. “It was known that [these products] were contaminated. I just feel really betrayed by that realization.”
    Decades of Concealment

    By the time Gray was born in 1974, the dangers of asbestos-contaminated talc were well documented.

    Talc is a moisture-absorbing mineral mined from clay deposits, ground into a powder, and used in many personal care products like baby powder, blush, and eye shadow. When mined, it is often found in very close proximity to asbestos — a mineral made up of microscopic fibers that once inhaled can get stuck in the lungs and lead to inflammation, scarring, and cancer.

    Suspicions that asbestos was present in mined talc date back to 1898, and by the mid-1960s, talc miners were identified as being at a higher risk for lung cancer. In the following decade, researchers confirmed both the common presence of asbestos in talc and an association between talc and ovarian and uterine cancers.

    Regardless of the evidence, companies including Whittaker, Clark, & Daniels continued to distribute talc to a wide swath of industries, asserting since 1976 that their talc is asbestos-free.

    In actuality, talc mining and manufacturing companies spent years cherry-picking which asbestos data they sent to regulators at the Food and Drug Administration and disputing how the agency measured asbestos, said Sam Iola, a partner with Texas-based Iola Gross Forbes-King & Bollinger, which specializes in asbestos litigation.

    The Cosmetic, Toiletry, and Fragrance Association, today known as the Personal Care Products Council, which represents major companies in the cosmetic industry, went as far as to implement its own test in 1976 for measuring asbestos in talc that was far less stringent than government standards. The industry group also pressured the government to redefine asbestos minerals, deliberately excluding those found in cosmetic talc products.
    A Long-Term Investment Strategy

    Regardless of these wins by the cosmetic industry, asbestos lawsuits continued to mount, and in 2004, after 114 years in business, Whittaker, Clark, & Daniels ceased distributing talc. That year, another chemical manufacturer, Brenntag North America, absorbed the company’s operational assets into its various umbrella companies. Three years later, a subsidiary of Berkshire Hathaway purchased the defunct company’s equity, which included its legal liabilities for the asbestos lawsuits — part of the corporation’s acquisition of billions of dollars worth of asbestos liabilities.

    Taking on these liabilities may appear like a risky endeavor, but it was part of an investment strategy. The plan was to carefully invest Whittaker, Clark, & Daniels’ assets, including its cash on hand and insurance policies, so that the resulting profits “exceeded the liabilities” Berkshire Hathaway expected the company “would incur over the coming decades,” according to a bankruptcy court filing.

    Apparently, part of this plan involved limiting the cost of asbestos lawsuits whenever possible. Such operations were “driven by the target numbers,” a former claims executive of a Berkshire subsidiary said under oath during a lawsuit over the company’s activities. The executive was told by higher-ups to “find a way to avoid paying [asbestos claims].”

    Over the years, Berkshire Hathaway has faced dozens of lawsuits alleging that “Berkshire-owned companies wrongfully delay or deny compensation to cancer victims and others to boost Berkshire’s profits,” according to a 2013 investigation by Scripps News.

    But by 2011, the company found itself facing an increasing number of lawsuits alleging tainted cosmetic talc had caused mesothelioma, eventually racking up $300 million in claim bills. In 2023, following a $29 million verdict in South Carolina for a woman who claimed she developed cancer at thirty-five from contaminated talc products, Whittaker, Clark, & Daniels filed for bankruptcy.

    Berkshire Hathaway’s subsidiary “did not foresee the emergence of mass tort litigation over cosmetic talc,” according to a corporate court filing. “No one did.”
    “They Just Don’t Want to”

    However, Clay Thompson and other attorneys argue that Whittaker, Clark, & Daniels, and by extension Berkshire Hathaway, are using bankruptcy court and the Texas two-step strategy to avoid paying victims their fair due. The controversial legal tactic allows financially sound corporations facing significant lawsuits to reincorporate in Texas and use a state law to create subsidiaries into which they dump their liabilities. This new company then quickly files for bankruptcy, shielding the original company from legal responsibilities.

    Thompson called Berkshire Hathaway’s version of the maneuver with Whittaker, Clark, & Daniels a “time release” Texas Two-Step, since it acquired the talc supplier and its liabilities years ago and the company filed for bankruptcy once the cost of those liabilities eclipsed the profits Berkshire Hathaway was gleaning from the company.

    In a recent hearing, Thompson argued the move was a misuse of bankruptcy law, which is meant for companies in actual financial distress.

    “When [Whittaker, Clark, & Daniels] files for bankruptcy in April 2023, they come into your courtroom and what they tell you is that [Whittaker, Clark, & Daniels] is a melting ice cube,” Thompson said. “They’re trying to resolve the claims the best they can, but . . . they don’t have any money.”

    Due to a complicated chain of legal protections built into its ownership contracts, the Berkshire Hathaway subsidiary that acquired Whittaker, Clark, & Daniels’s equity in 2007 is ultimately responsible for covering the former talc supplier’s liabilities.

    This subsidiary is not in financial distress and can pay all of Whittaker, Clark, & Daniels’s liabilities “for the foreseeable future,” Thompson said. “They certainly can. They just don’t want to.”

    Instead, as part of its bankruptcy proceedings, the former talc distributor has proposed a $535 million settlement to cover payments for all current and future talc injury claimants.

    Plaintiff lawyers have balked at the proposal — but attorneys for Whittaker, Clark, & Daniels say it’s the plaintiffs’ best option. Otherwise, plaintiffs would be left to “pursue [claims] individually in state court actions for years,” said Jeffrey Zeiger, a lawyer at Kirkland & Ellis who represented Whittaker, Clark, & Daniels. “Some will win, but many will lose.”

    Left unsaid is the fact that plaintiffs would lose their chance to tell their stories to a jury of their peers and possibly receive a larger pot of money. Additionally, according to court transcripts, these settlement negotiations did not include any advocates representing the talc victims and instead took place solely between Whittaker, Clark, & Daniels, and Berkshire Hathaway.

    “What we have here is . . . [Whittaker, Clark, & Daniels] and its insurance company parent getting together and deciding amongst themselves how much they should pay their tort victims,” said Matthew Kutcher, a partner at Cooley law firm who represented talc claimants. “That’s extraordinary.”
    “You Have Killed People”

    Berkshire Hathaway isn’t the only company using the Texas two-step strategy to avoid claim payouts to victims.

    Other corporations accused of manipulating the bankruptcy system include the Atlanta-based manufacturer Georgia-Pacific, which used asbestos in its products like drywall and joint compound for decades and has subsequently faced more than 60,000 legal claims. The company created a subsidiary called Bestwall, LLC, which was then saddled with all of Georgia-Pacific’s asbestos liabilities and filed for bankruptcy in 2017.

    Lori Knapp’s father, Ed Chapman, was diagnosed with mesothelioma in 2018 after years of working with products sold by Georgia-Pacific as a drywall contractor in Florida. Chapman was unable to sue over his asbestos exposure because of the bankruptcy.

    “So many of his friends in this industry died from the same disease,” said Knapp. “Georgia-Pacific — and they can call it Bestwall, LLC all they want, it’s Georgia-Pacific — is not a bankrupt company. . . . You have killed people and need to be held accountable for your actions.”

    Chapman died two years after his diagnosis. Last year, Georgia-Pacific paid about $1.8 billion in dividends to its parent company, the oil and gas conglomerate Koch Industries, according to court filings.

    Stories like these make lawsuits against these companies so vital, said Gray, one of the plaintiffs suing Whittaker, Clark, & Daniels over her mesothelioma diagnosis.

    Gray is waiting to hear the bankruptcy judge’s ruling on the company’s proposed settlement, with the hopes that it will be shot down so that plaintiffs can proceed to a jury trial. All parties involved in this litigation are awaiting the decision by the Third Circuit Court of Appeals regarding the company’s bankruptcy status — anticipating what message that will send to companies interested in offloading their legal liabilities.

    “I hope the Third Circuit dismisses this bankruptcy after the hearing in April,” Thompson said.

    Gray is also waiting to learn what her future holds. “If I had not pushed it and just said these are just menopausal symptoms or premenopausal symptoms and pushed it off for ten more years, the cancer would have grown,” said Gray. “I don’t know if I found it soon enough.”

    #Kapitalismus #Kapitalgesrllschaft #Justiz #Haftung #Recht #Ausbeutung #Krsnkheit #Krebs #Kosmetik

  • Stuttgart ist nicht Berlin - Es geht um Luis - Der Untergang der Mittelschicht
    https://www.txsl.de/filmkritik_es_geht_um_luis.html

    22.1.2015 - Gestern waren wir im Kino. Ein Taxifilm spielt in Stuttgart. Da lebt man im Luxus, aber es ist auch nicht besser als in Berlin.

    Es geht um Luis [1] heißt der neue Film von Lucia Chiarla [2] . Der ist so sehenswert wie außergewöhnlich. Dem Ensemble gelingt es, einen abstrakten, menschlich schwierigen Stoff fassbar zu machen. Das ist berührend und anregend.

    Alle Eltern kennen das mittlerweile: Ein Kind wird gemobbt, andere sind Täter und die Schule verhindert eine Lösung. Aber sehen wir uns die Konstellation vom Beginn her an.

    Eine minimalistische Konstellation

    Wir lernen drei Familienmitglieder kennen, die sich um den zehnjährigen Luis kümmern. Mutter ist Architektin in prekärer Stellung, Vater Taxifahrer, die Schwiegermutter und Oma pensionierte Lehrerin.

    Alle sind abhängig von Herrschern, denen sie sich freiwillig unterordnen, [3] dem Taxiboss, dem Chef des Architekturbüros und der Schule, die weiterhin Gedanken- und Gefühlswelt der Oma beherrscht.

    Luis bleibt abstrakt, wir hören von ihm ein Gedicht, sehen Schularbeiten und amtliche Dokumente. Manchmal telefoniert er oder textet mit seinen Eltern.

    Luis Problem ist zunächst ein Rucksack, für den ihn Mitschüler hänseln und verprügeln, bis er zurückschlägt. Nach und nach entdecken wir, wie Überlastung und Überforderung die Figuren dazu bringen, einander zu vernachlässigen, Verantwortung zurückzuweisen, sich zu bekriegen und so ihre Lage immer weiter zu verschlimmern. Anläufe zu Lösungen, sogar ein Über seinen Schatten springen und alle Liebe der Welt kommen zu spät und vermögen nichts gegen die Verhältnisse.

    Antagonisten

    Luis Schulleiter setzt sich nicht für ihn ein sondern versucht den Problemfall an eine andere Schule abzuschieben. Die Lehrer-Oma hat dem nur Worthülsen aus der achtundsechziger Studentenzeit entgegenzusetzen. Sie ist so tief in das Schulsystem verstrickt, dass sie an den Verhältnissen verzweifelt, unfähig den folgenden Generationen praktische Hinweise zum Meistern der Institution zu geben.

    Der Taxichef bedroht seine Angestellten mit Entlassung, „wer nicht fährt fliegt raus“, und nötigt sie zu überlangen Wochenendschichten. Ihn selber bedrücken die sinkenden Umsätze verursacht durch eine „Taxiapp“ in der man unschwer den Uber-Konzern erkennt. Im Grunde menschlich begibt er sich mit der Mutter auf die Suche nach seinem verschollenen Angestellten, unfähig zu mehr als dieser symbolischen Geste.

    Der Leiter des Architekturbüros nötigt die Mutter zu endlosen Überstunden. Sein Projekt muss fertig werden. Die junge Architektin lässt sich in der Hoffnung auf eine feste Anstellung als Projektleiterin darauf ein. Luis ist bei der Großmutter und hält per Telefon Kontakt zu seinen immerzu arbeitende Eltern.

    Das Grauen

    Keine Figur ist zu selbst erdachten Entscheidungen fähig, alle lassen sich von den übermächtigen Verhältnissen antreiben. [4]

    Der Film und seine Figuren fühlen sich an wie ein Anti-Theorem. [5] Die prekarisierte Mittelschicht Stuttgarts kennt keine Atempause, nicht einmal an einem einzigen besonderen Tag [6] .

    Wir sind so

    Die Schicksale sind uns vertraut. Wir kennen das. Selten jedoch werden sie so klar gezeigt, menschlich und mit den wesentlichen Hintergründen. Die Lösungen? Der Film schlägt keine vor, denn sie liegen auf der Hand. Wo scheinbar übermächtige Kräfte wirken helfen nur Unabhängigkeit [7] und Entschlusskraft. Einmal erlangt verjagen sie die Furcht. [8]
    Was ist nun mit Stuttgart und Berlin ?

    Im FIlm beobachten wir die Stuttgarter Mittelschicht beim Kampf um ihre Existenz. In Berlin gedreht bliebe dem Film davon allein der Kampf ums nackte Überleben. Lang ist es her, dass typische Berliner Taxi- und MIetwagenfahrerinnen oder -fahrer zur Mittelschicht gehörten.

    Seit uns die Aufsichtsbehörde genaue Zahlen vorenthält können wir den Anteil der Taxifahrer mit eigenem Wagen nur vermuten, er bewegte sich zuletzt bei etwas über 1000, also 20 Prozent von knapp über 5000 Taxis. Das ist unsere „Mittelschicht“, die oft für weniger als den gesetzlichen Mindestlohn arbeitet. Den abhängig beschäftigten Fahrerinnen und Fahrer geht es nicht besser. Sie akzeptieren das durch unbeschränkte Vergabe von Konzessionen und den Einbruch von Uber erzwungene Lohndumping, weil sie um ihren Arbeitsplatz fürchten.

    Taxizukunft ?

    Das ist ein riesiges Problem, weil kultivierte, humorvolle Taxifahrer wie im Film nicht mehr nachwachsen. Wenn jeder andere Job besser bezahlt ist als die anstrengende, verantwortungsvolle und gefährliche Arbeit des Taxifahrers, bewerben sich nur noch orientierungslose Menschen ohne jede „gesellschaftliche Teilhabe“, wie es im Behördensprech heisst.

    Die Folge sind schlechte Behandlung der Fahrgäste, sinkende Qualität der Taxis und abgrundtief frustrierte Menschen am Lenkrad. Die fühlen sich von allen verlassen, von den Kollegen, vielleicht sogar von Freunden, die ihnen nicht helfen können, vom Chef und von Staat sowieso. Über Gewerkschaften, Solidarität wissen sie nichts. Man nennt es Verelendung. Stuttgart ist noch weit davon entfernt, eine im Vergleich heile Welt.

    Fazit

    Deshalb lohnt es sich, „Es geht um Luis“ anzusehen. Der Film macht keine Hoffnung. Dann wäre er verlogen. Er bringt einen auf Gedanken. Gut so.

    Ab morgen, Donnerstag 23.1.2025 im Kino. Hingehen oder bei Taxifilmfest ansehen !

    –-----

    [1] Team und Besetzung bei Wikipedia
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Es_gRegisseurin
    https://www.luciachiarla.com

    [2] Lucia Chiarla Autorin, Schauspielerin, Regisseurin

    [3] Étienne de La Boétie hat bereits 1574 in seinem Discours de la servitude volontaire (Von der freiwilligen Knechtschaft) gezeigt, dass Unterwerfung und Knechtschaft nie vollständig erzwungen sind sondern letzten Endes auf eigenen Entscheidungen der Unterjochten beruhen.
    https://www.projekt-gutenberg.org/boetie/knechtsc/knechtsc.html

    [4] Es geht um Luis ist auch eine Reise in die Abgründe der Seele, wo das Grauen herrscht, das Joseph Conrad in Heart of Darkness und Francis Ford Coopla in Apocalypse Now beschreiben. Es ist uns nur alles viel näher und nicht so riesig wie in den Klassikern.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Herz_der_Finsternis
    https://de.wikipedia.org/wiki/Apocalypse_Now#Kurtz_oder:_Das_Grauen

    [5] Teorema – Geometrie der Liebe von Pier Paolo Pasolini aus dem Jahr 1968. Als Pasolini vor 57 Jahren die Bourgeoisie grandios an ihrer sexuellen Befreiung scheitern ließ, blieb zumindest die Arbeiterklasse als Träger der Hoffnung.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Teorema_%E2%80%93_Geometrie_der_Liebe

    [6] Ein besonderer Tag von Ettore Scola aus dem Jahr 1977
    Der Film spielt in der italienischen Hauptstadt Rom. Es ist der 6. Mai 1938, Staatsbesuch Hitlers bei Mussolini in Rom . In einem Appartementkomplex lebt das Ehepaar Emanuele und Antonietta mit seinen sechs Kindern. Emanuele, der wie seine Frau ein Anhänger der Faschisten ist, geht mit den Kindern in die Stadt, um der Parade beizuwohnen. Antonietta bleibt zu Hause, um den Haushalt zu machen; ihr entfliegt der von der Familie geliebte Beo. Antonietta bemerkt, dass in der Wohnung gegenüber, vor der sich der Vogel niedergelassen hat, ein Mann sitzt, und klingelt dort. Gabriele – der kurz davor war, sich eine Kugel in den Kopf zu schießen – hilft Antonietta, den Beo wieder einzufangen.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Ein_besonderer_Tag

    [7] Zum Begriff der Verlassenheit im Sinne von Unabhängigkeit siehe Der Existenzialismus ist ein Humanismus von Jean-Paul Sartre, 1946
    https://de.wikipedia.org/wiki/L%E2%80%99existentialisme_est_un_humanisme#5._Der_Mensch_ist_Verlassen

    [8] Noch einmal Étienne de La Boétie : „Man stelle fünfzigtausend bewaffnete Männer auf eine Seite und ebenso viele auf die andere; man ordne sie zur Schlacht; sie sollen handgemein werden: die einen sollen freie Männer sein, die für ihre Freiheit kämpfen, die andern sollen ausziehen, um sie ihnen zu rauben: welchen von beiden wird vermutungsweise der Sieg in Aussicht zu stellen sein?

    Welche, meint man, werden tapferer in den Kampf gehen? Diejenigen, die zum Lohne für Ihre Mühen die Aufrechterhaltung ihrer Freiheit erhoffen, oder diejenigen, die für die Streiche, die sie versetzen oder empfangen, keinen andern Preis erwarten können, als die Knechtschaft der andern? Die einen haben immer das Glück ihres bisherigen Lebens, die Erwartung ähnlichen Wohlstands in der Zukunft vor Augen; es kommt ihnen nicht so sehr zu Sinn, was sie in der kurzen Spanne einer Schlacht durchzumachen, wie was sie, ihre Kinder und all ihre Nachkommenschaft für immer zu ertragen haben.

    Die andern haben zu ihrer Erkühnung nur ein kleines Quentchen Begehrlichkeit, das sich gegen die Gefahr verblendet, das aber nicht so gar glühend sein kann, vielmehr mit dem kleinsten Blutstropfen, der aus ihren Wunden fließt, erlöschen muß.“

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    #Taxi #Uber #Plattformkapitalismus #Stuttgart #Film #Kapitalkomzentration #Behördenversanen #Kleinbürgertum #Mittelschicht

  • Wolfgang Zimmer: Nobel-Friseur in Berlin-Mitte gibt auf und erklärt schonungslos warum
    https://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft-verantwortung/wolfgang-zimmer-nobel-friseur-in-berlin-mitte-gibt-auf-und-erklaert

    Bei diesem Mann konntest du wochenlang zwölf Stunden am Tag malochen. Arbeitszeitgesetz? Für Looser. Jetzt macht er dicht. Ausbeutung von Menschen lohnt sich nicht mehr. Immobilien- und Finanzkapital sind die Bringer.

    Mittelständlers Beschreibung von ungeliebten Bewerbern gibt Auskunft zur Frage, wie man heute als Handwerker, als Arbeiter über die Runden kommt. Ein Mix aus mies bezahltem Job für die Krankenversicherung kombiniert mit Stütze und Schwarzarbeit sind nötig, um von einfachen Tätigkeiten leben zu können.

    Das Ergebnis von fünfzig Jahren Liberalismus, zunächst noch rheinisch dann mit Neo-Präfix ist niederschmetternd. Eine zerstörte Gesellschaft. Top oder Flop, kämpf dich nach oben oder geh unter bei dem Versuch. So sieht es aus für alle, die nicht mit dem berühmten goldenen Löffel im Mund geboren wurden.

    Das muss sich ändern, das müssen wir ändern, noch bevor das Menetekel VW die restlichen guten Jobs bei Industrie und Verwaltung trifft. Gelingt das nicht, wird das Kapital in Krieg und Faschismus flüchten. Es hat schon angefangen.

    14.12.2024 von Michael Maier - Die Kunden rennen ihm die Tür ein. Trotzdem schließt Wolfgang Zimmer seinen Friseur-Salon. Immer neue Hürden und Fehler der Politik machen das Arbeiten sinnlos.

    Wir treffen Wolfgang Zimmer in seinem hellen Friseursalon in einem Dachgeschoss in den Rosenhöfen. Die Räume haben noch das Flair der großen Aufbruchszeit in Berlin-Mitte. Alle wollten hier sein, es war eine Mischung aus Unfertigem und individuellen Visionen. Das ist heute alles vorbei, die Ernüchterung ist groß. Denn die verheerende politische und wirtschaftliche Entwicklung hat gerade die engagierten und erfolgreichen mittelständischen Unternehmen schwer getroffen. In einem Land, in dem der Bundeswirtschaftsminister nicht weiß, was eine Insolvenz ist, geben immer mehr Unternehmen auf.

    Wolfgang Zimmer ist einer der international anerkanntesten Friseure. Er hat prominente Namen in seiner Kundenkartei: Politiker, Schauspieler, Filmstars und Topmodels wie Sharon Stone, Eva Padberg, Claudia Schiffer und Linda Evangelista. Vor einigen Jahren gewann er den von L’Oreal gestifteten „Friseur-Oscar“. Neben seiner Arbeit für die Promis ist Zimmer immer mit beiden Füßen auf dem Boden geblieben: Über tausend ganz normale Kunden und Kundinnen bedient er, jede und jeden mit demselben Respekt, als kämen sie alle aus Hollywood. Doch nun ist Schluss. In ungewöhnlich klaren Worten analysiert Zimmer, warum er seinen Laden dichtmacht. „Eine Ära geht zu Ende“, sagt eine Kundin am Tresen. Im Hintergrund läuft Wellness-Musik. Es gibt Espresso und einen Kuchen, der nach Wehmut schmeckt.

    Herr Zimmer, wie lange sind Sie in Ihrem Gewerbe tätig?

    Ich bin seit 48 Jahren immer im Beruf, davon über 36 Jahre selbstständig. Viele Kunden sagen, jetzt geht eine Ära zu Ende. Aber das ist nicht ganz richtig. Ich gebe einen Teil meines Berufes ab. Ich werde kein Geschäft mehr haben, wo ich Kunden bediene. Es geht für mich im artistischen Bereich weiter, wo ich schon vorher gearbeitet habe. Ich arbeite für Fotoproduktionen, mache Haarkonzepte für die Fashion Week oder Filmproduktionen. Ich darf seit über 22 Jahren die Berlinale begleiten und bin für das Styling vieler ausländischer Gäste verantwortlich. Ich betreue einige Designer in Mailand und gebe Seminare für Friseure und habe an der Universität der Künste Kurse für Mode- und Trendentwicklung gegeben. Es wird mir also nicht langweilig.

    Sie haben hier in den Berliner Rosenhöfen bei den Hackeschen Höfen sehr erfolgreich gearbeitet. Mit welchen Erwartungen waren Sie nach Mitte gekommen, und wie stellt es sich heute dar?

    Ich bin vor 22 Jahren von der West-City nach Mitte gegangen, weil ich am Puls der Zeit sein wollte. Für mich war Mitte wie SoHo in New York. Ich habe es nie bereut, es war eine tolle Zeit! Viele Einzelkämpfer haben die Ärmel hochgekrempelt, es war nicht alles perfekt, aber jeder hat angepackt. Heute werden die Einzelkämpfer rausgedrängt. Wir sehen nur noch Ketten, wie überall.

    Warum geben Sie das Geschäft auf?

    Zuerst: Die Miete wird sich drastisch erhöhen. Mein Mietvertrag läuft Ende des Jahres aus. Man kann die geforderte Miete nicht mehr mit Haareschneiden erwirtschaften. Der Staat macht es uns Mittelständlern und Kleinhandwerkern nicht sehr einfach. Es werden uns immer weitere Kosten aufgedrückt, die wir nicht ohne weiteres an unsere Kunden weitergeben können. Wenn ich „nur“ Haare schneiden dürfte und mich darauf konzentrieren könnte, wäre die Welt in Ordnung. Aber wir werden heute über bürokratische Hürden gejagt und müssen uns an Datenschutzverordnungen, geänderten Gesetzgebungen, Feuerschutz, Gesundheitsschutzmaßnahmen, Berufsgenossenschaft, Innung, Handwerkskammer abarbeiten. Die ganzen Betriebskosten wie zum Beispiel Energiekosten oder Beiträge zu Krankenkassen sind gewaltig gestiegen.

    Durch den demografischen Wandel und die Lustlosigkeit vieler Menschen, sich nicht durch Arbeit und persönliches Engagement in die Gesellschaft einzubringen, steigt der Druck auf die noch arbeitende Bevölkerung immer weiter. Ich habe mich nie gefragt, was kann der Staat für mich tun, sondern hatte immer die Einstellung: Was kann ich für dieses Land tun? Diese Grundeinstellung scheint immer mehr verloren zu gehen. Der Mittelstand ist in der Defensive und kann das irgendwann nicht mehr tragen.

    Einzelkämpfer wie ich in Berlin-Mitte werden es immer schwerer haben. Ich bin jetzt in Berlin-Mitte, vorher war ich 15 Jahre im Westen, in einer Altbauetage. Ich bin sehr dankbar für die Zeit, ich habe immer meinen persönlichen und beruflichen Traum leben dürfen. Ich habe immer gemacht, was ich wollte. Ich jammere nie, packe Sachen an, sage mir oft: Jetzt erst recht! Heute habe ich mit meiner Lebenserfahrung den Entschluss gefasst, so nicht mehr weiterarbeiten zu wollen. Das hat keinen Sinn. Ich möchte allen meinen Kunden danke sagen, für die jahrelange Treue und für das mir und meinem Team entgegengebrachte Vertrauen.

    Ein großer Dank gilt meinen Mitarbeitern, die mir immer zur Seite gestanden haben. Der Weg hin zu der Entscheidung aufzuhören ist mir sehr schwergefallen. Aber jetzt fühle ich mich frei und wohl damit.

    Sie geben das Geschäft auf, weil die Kosten so gestiegen sind, dass Sie es trotz der massiven Nachfrage bei den Kunden nicht mehr wirtschaftlich führen können?

    Ja. Bisher waren die Rahmenbedingungen für mich in Ordnung. Jetzt steigt die Miete aber unverhältnismäßig hoch an. Im Gewerbebereich kann jeder Vermieter das nehmen, was er haben möchte. Kleine, mittelständische Geschäfte werden so aus den Zentren der Stadt verdrängt. Ich habe das Gefühl, dass es vielen Vermietern egal ist, ob Ladenflächen leer stehen oder nicht. Wenn die Läden dann leer stehen, wird es als Verlust abgeschrieben, es zahlt also der Steuerzahler. Dazu kommen alle anderen Kosten, die drastisch gestiegen sind: Lebensmittel, Energie, Handwerker.

    Wenn die Politik die Leute nicht mitnimmt und ihnen erklärt, wie es weitergeht, dann verlieren die Menschen das Vertrauen in den Staat. Es wird nicht erklärt, wofür Geld ausgegeben wird oder wofür auch nicht. Wir haben einen riesengroßen Vertrauensbruch. Arbeit muss sich wieder lohnen.

    Welche Erfahrungen haben Sie im Personalbereich?

    Ich habe in den vergangenen Jahren sehr viele Bewerbungsgespräche geführt mit Leuten, die bei mir anfangen wollten. Es gibt Bewerber, die Power haben und arbeiten wollen. Aber es gibt auch Menschen, die sagen mir im Bewerbungsgespräch: „Herr Zimmer, eines muss ich Ihnen sagen: Im Monat bin ich zwei Tage im Durchschnitt krank.“ Ich frage dann, haben Sie eine chronische Krankheit, dann sagte mir der Bewerber: „Nein, das steht mir doch zu, ich zahle ja Krankenkassenbeiträge.“ Oder ein anderer sagte: „Ich möchte nur ein Jahr arbeiten, weil danach möchte ich mich gerne wieder ein halbes Jahr arbeitslos melden.“ Das wird einfach so gesagt!

    Wie oft haben Sie das erlebt?

    Das habe ich öfter erlebt. Bewerber sagen auch, dass ihnen die Öffnungszeiten nicht gefallen. Ein Friseur sagte zu mir: „Ich habe nur Lust, zwischen 11 und 17 Uhr zu arbeiten.“ Oder: „Ich will nur zwei, drei Tage arbeiten, den Rest mache ich schwarz und habe dann mehr Geld, als würde ich normal arbeiten.“ Die Hürde, das auch ganz offen zu sagen, ist heute sehr niedrig. Und es gibt auch viele, die den Staat ausnutzen. Es wird ihnen so leicht gemacht, dass sie sagen: „Es steht mir doch zu.“ Immer weniger Leute wollen Verantwortung für sich selbst tragen. Immer mehr Menschen wollen für weniger Arbeit mehr Geld bekommen. Das funktioniert nicht. Es gibt aber zum Glück noch viele, die nehmen die Herausforderungen an.

    Haben Sie diese Veränderung über Jahre beobachtet?

    Ja. Ich habe in den ersten 20 Jahren meiner Friseurlaufbahn mit vielen Mitarbeitern zusammenarbeiten dürfen, von denen keiner das Unternehmen verlassen hat. Die Gesellschaft hat sich sehr stark verändert. Es ist gut, dass die Menschen mehr Freizeit haben wollen – wenn es finanzierbar ist. Auch Freizeit kostet Geld. Es ist toll, wenn ein Staat solidarisch ist. Wir alle arbeiten gerne für Menschen mit, die geistig und körperlich beeinträchtigt sind oder in Not geraten. Aber ich habe keinen Bock, für Leute mitzuarbeiten, die unser Sozialsystem ausnutzen. Der Staat macht das schon. Wer ist der Staat? Wir alle sind der Staat.

    Sie haben viele Leute im Lauf der Jahre ausgebildet. Hat sich die Einstellung zum Arbeiten an sich, zum Beruf geändert?

    Ich würde es nicht verallgemeinern. Ich habe sehr viele Friseure ausbilden dürfen. Einige von ihnen zählen heute zu den besten der Stadt. Aber man kann sehen, wie es sich verändert hat: In früheren Jahren hatten wir sechs bis acht Berufsschulklassen jedes Semester. Heute sind es nur noch halb so viele. Die jungen Menschen haben zum Teil keine Lust mehr, eine Ausbildung anzufangen, wo sie acht Stunden oder mehr arbeiten müssen, vielleicht sogar samstags, wenn andere freihaben. Ich hatte das Glück, mit Menschen zu arbeiten, die zuverlässig sind und Spaß an ihrem Job haben und deshalb von anderen Kollegen gerne genommen wurden. Einige machen sich jetzt selbstständig. Keiner wird auf der Straße stehen.

    Auch über meinen großen Kundenstamm habe ich mir viele Gedanken gemacht. Ich habe meine ehemaligen Mitarbeiter, die heute selbstständig sind, angerufen. Alle haben gesagt, das finden wir toll. Aber einige haben gesagt, wir würden deine Kunden gerne übernehmen, aber wir haben nicht das Personal dazu. So ist es mir auch gegangen: Ich hätte auf einen Schlag fünf, sechs Friseure einstellen können. Aber man bekommt kein Personal. Viele meiner Kollegen sagen: Wir könnten viel mehr Kunden annehmen, aber es fehlen die Mitarbeiter. Und das sind Chefs, die rund um die Uhr arbeiten.

    War Corona ein Einschnitt?

    Der Staat hat geholfen. Dafür möchte ich danken. Das Problem: Mein Geschäft war einmal sechs Wochen, einmal sieben Wochen geschlossen. Wir wussten nicht, wann wir wieder öffnen können. Da war ein furchtbares Gefühl. Wir konnten dem Personal nicht sagen, wie es weitergeht. Ich habe den Mitarbeitern das Kurzarbeitergeld auf 100 Prozent aufgestockt. Die Ungewissheit, wie lange können wir finanziell durchhalten – das war das Schlimmste.

    Sie mussten auf Ihre Reserven zurückgreifen?

    Ja klar. Ich habe den Vermieter gefragt, ob er mir entgegenkommen kann. Er hat gesagt, er kann mir die Miete zwei oder drei Wochen stunden. Das hilft natürlich gar nicht. Ich glaube, in dieser Zeit hat ein Umdenken begonnen. Ich weiß es nicht, aber plötzlich haben die Leute gesagt, ich möchte mehr Zeit für mich haben. Das war auch in der Gastronomie so: Wo sind die Menschen, die vor Corona dort gearbeitet haben?

    Sie mussten Kredite aufnehmen?

    Die IBB hat uns geholfen, das war positiv. Wir haben einen zinslosen Kredit bekommen. Aber den mussten wir natürlich zurückzahlen. Das ist kein geschenktes Geld. Wir mussten hart arbeiten. Meine Mitarbeiter, die immer hinter mir gestanden haben, haben sechs Tage die Woche, zwölf Stunden am Tag gearbeitet – da sage ich: Hut ab! Viele Unternehmer konnten die Kredite nicht zurückzahlen.

    Sie sind ja eher ein 1968er, ein Linksliberaler. Als Selbstständiger haben Sie gelernt, dass das Geld irgendwo herkommen muss. Glauben zu viele Leute, dass das Geld auf den Bäumen wächst?

    Ich finde, es soll allen gutgehen – aber jemand, der viel tut, soll auch viel profitieren. Wir brauchen weniger Steuern und gute Rahmenbedingungen, um erfolgreich wirtschaften zu können. Der Staat ist außerdem ein schlechtes Vorbild. Er lebt zum großen Teil von Schulden. Wir leisten uns ein System, das nicht mehr tragbar ist.

    Sie haben einen super Laden, es gibt genug Kunden, die gerne für Ihre Arbeit zahlen – also eigentlich der wirtschaftliche Idealfall. Trotzdem machen Sie Schluss.

    Mir fehlt die Kraft, um mich auf die veränderten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einzustellen. Ich habe das Glück, diese Entscheidung aus freien Stücken treffen zu können, und freue mich auf die neuen Herausforderungen.

    So spricht der von Ereignissen Getriebene. Ein Kleinbürgee versteht nicht, was die Stunde geschlagen hat. Er ist wie ein Frosch im Brunnen, der sich mit Wasser füllt. Er sieht nicht die Quelle und versteht nur, dass er bald keinen Dreckklumpen zum Ausruhen mehr haben wird. Seine Perspektive beschrânkt sich auf einen winzigen Ausschnitt des Himmels. Dafür kennt er alle Mitbewiohner des Schlamms, in dem er sitzt, nur zu genau.

    Wählt der Mann AfD? Vermutlich noch nicht, denn die ganz Rechten sind im hippen Fashion-Business noch nicht en vogue , zu konservativ, zu viel Provinz, zu unkultiviert. Aber was nicht ist, kann ja noch werden bei den Gottbegnadeten.

    #Berlin #Mitte #Rosenthaler_Straße #Gentrifizierung #Ausbeutung #Arbeit #Handwerk #Kapitalismus #Kleinbürgertum #Berlinale

  • Krankenfahrten-Anbieter Qrago kooperiert mit Free Now
    https://taxi-times.com/krankenfahrten-anbieter-qrago-kooperiert-mit-free-now

    Da hat wohl jemand den berühmten Zug der Zeit verpasst. Wenn Taxis als Krankenbeförderer ausfallen, übernehmen die Mietwagenbetriebe. An sich könnte das egal sein, hätte das nicht weitere Lohndrückerei bis zur Unterschreitung des gesetzlichen Mindestlohns zur Folge.

    Dafür gibt es zwei Gründe :

    – Wenn die prinzipiell illegal mit Lohndumping agierenden Betriebe der Mietwagenbranche ins Spiel kommen, können diese ihre wahrem Umsätze und Fahrer-Arbeitszeiten noch besser verschleiern als bei reinem Uber-Auftragsbetrieb.

    – Mit ihren Dumpinglöhnen runieren diese Betriebe die Taxibranche. Wenn der nun ein wichtiges Standbein wegbricht, werden die verbleibenden regelkonformen Normalarbeitspätze der Branche noch stärker gefährdet als bislang.

    So läuft das schon einige Jahre nicht nur in der Taxi- und Mietwagenbranche. Die Entwicklung war absehbar. FreeNow machte Anstalten, sich aus der Konkurrenz mit dem vollständig rechtswidrigen Uber-System zurückzuziehen, und musste ein neues Tätigkeitsfeld finden, in dem durch Vermittlungstätigkeit Gewinn gemacht werden kann. Als deutsches Unternehmen mit den staatsnahen Systemen gut vertraut hat der Konzern Kontakte und eine passend zugeschnittene Infrastruktur aufgebaut. Jetzt verspricht er Klinken und Kassen niedrigere Kosten als bei der Zusammenarbeit mit regionalen Taxiverbänden und -vermittlungen.

    Auf Seiten der medizinischen Ausstattung stößt das Bestreben der Krankenversicherungen, jeden Cent aus Dienstleistern herauszuquetschen, regelmäßig auf gut organisierten Widerstand von Gewerkschaften, Ärzteverbänden und Klinikonzernen. Die zersplitterte Taxibranche hingegen erweist sich erneut als unfähig, ihrer Konkurrenz etwas entgegenzusetzen.

    Gut für FreeNow, schlecht für alle Kolleginnen und Kollegen am Steuer. Wie immer wird der Kampf auf ihrem Rücken ausgetragen.

    Sinnvolle Regulierung müsste immer die Pflicht zur Zahlung von Tariflöhnen durch alle Wettbewerber beinhalten, und die rücksichtslose Ausbeutung der schutzlosen Arbeitnehmer zum Ziel haben.

    Sozialpartner, die frei Konditionen verhandeln könnten, gibt es in der Taxi- Und Mietwagenbranche schon lange nicht mehr. Staatliche Maßnahmen zur Echtzeit-Kontrolle der Mindestlohn-Zahlung sind erforderlich. Das hört sich komplizierter an, als es ist. Die Zuständigen sollten einfach mal miteinander ins Gespräch kommen.

    21.8.2024 von Jürgen Hartmann - Die Zahl der Krankenhäuser, die bei Taxibetrieben und Zentralen für ihre Patienten Fahrten bestellen, nimmt ab. Klinken nutzen zunehmend die Vermittlungsplattform Qrago. Der Anbieter hat eine Kooperation mit Free Now verkündet und zeigt damit den Taxizentralen die kalte Schulter.

    Der Stuttgarter Vermittler für Krankenfahrten Qrago ist eine digitale Plattform für Krankenfahrten aller Art, ob sitzend, liegend oder im Rollstuhl, in verschiedensten Fahrzeugen. Das Geschäftsmodell: Aufträge automatisiert weitergeben und für jede vermittelte Fahrt vom Leistungserbringer eine Provision kassieren – ähnlich agieren bekanntlich Uber, Bolt und Free Now. Mit letzterem hat Qrago nun eine Kooperation vereinbart. Das klingt für die Taxibranche nicht zwingend negativ, denn nach dem angekündigten Rückzug aus dem Geschäft mit dem illegalen taxigleichen Verkehr mit Mietwagen vermittelt Free Now seine Touren nun wieder verstärkt an die Taxiflotte.

    Mit der nun verkündeten „strategischen Partnerschaft für medizinische Taxifahrten“ will Free Now ab sofort im großen Stil Taxifahrten für den Gesundheitssektor vermitteln. Für eine „verbesserte Patientenversorgung“ integriert die Firma Qrago, die sich laut eigener Darstellung auf Mobilität und Logistik im Gesundheitswesen spezialisiert hat, die Taxivermittlung von Free Now, um einen „schnellen und zuverlässigen Patiententransport“ zu ermöglichen.

    Das Unternehmen mit der Eigenschreibweise „QRaGo“ ist 2019 gegründet worden und hat seinen Fokus auf die Bestellung, Überwachung und Dokumentation von Transportaufträgen gerichtet. Es kooperiert mit über 150 medizinischen Einrichtungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Seine Vermittlungsplattform „ermöglicht eine einfache und effiziente Fahrtenbestellung und ist damit der größte Anbieter von Mobilitätsleistungen im deutschen Gesundheitswesen“, wobei nicht nur Personenbeförderungen von sitzenden oder liegenden Patienten und solchen im Rollstuhl oder Tragestuhl vermittelt werden, sondern auch Transporte von Medikamenten, Labormaterialien und medizinischen Geräten.

    Der Vorteil, den Qrago seinen Kunden unter dem Strich bietet: Das Krankenhauspersonal muss beispielsweise bei einer sogenannten Entlassungsfahrt, bei der ein Patient bei Beendigung seines Aufenthaltes nach Hause befördert wird, nur noch eine App bedienen und nicht unter mehreren Fahrdiensten (meist telefonisch) den passenden Beförderer bestellen. „Wieder jemand, der sich dazwischenklemmt und einen Euro netto pro Auftrag bekommt, angeblich für eine DSGVO-konforme Vermittlung“ kommentiert Christian Hess, Geschäftsführer des Münchner IsarFunks.

    Qrago hat vor einiger Zeit schon Kontakt mit diversen Taxizentralen aufgenommen und eine Integration in die App vorgeschlagen – ebenso wie man das auch einzelnen taxibetrieben anbietet. „Wir konnten einen Mehrwert für uns nicht erkennen“, sagt dazu Christian Hess. Andere Taxizentralen haben durchaus Interesse an einer Anbindung der App an das Taxi-Vermittlungssystem gezeigt und sind auch schon tätig geworden. Die Tatsache, dass Qrago nun aber jenen Taxizentralen die kalte Schulter zeigt und stattdessen mit Free Now kooperiert, stößt dort auf Kritik. Thomas Kroker beispielsweise, Vorstand der Taxi München eG, bestätigt auf Nachfrage von Taxi Times, dass Qrago dem bundesdeutschen Taxigewerbe große Sorgen mache, insbesondere den Zentralen. „Wo früher der Pförtner auf’s Autobooking gedrückt hat, drückt er jetzt auf Qrago. Die kassieren kräftig mit, wir Zentralen bezahlen pro Auftrag, damit wir diese Aufträge nicht verlieren. Wir haben viel investiert in die Software-Anbindung, zigtausende Euro für die Schnittstellen-Entwicklung bezahlt, Manpower reingesteckt usw., in wöchentlichen Videocalls zur Abstimmung und zur Aufnahme des Echtbetriebs einen Termin nach dem anderen gemacht, und jetzt drehen sie uns die kalte Schulter zu.“ Man habe von der Kooperation mit Free Now nur durch die Presse erfahren, bestätigt Kroker – wie auch Ferdi Akcaglar, Vorstand der Taxi Augsburg eG, der sich ebenfalls mit Qrago schon länger im Austausch befindet.

    Genau hier wird aber auch das Dilemma sichtbar: Anstatt mit mehreren Taxizentralen und deren unterschiedlichen Vorstellungen zu verhandeln, hat Qrago mit Free Now einen Partner gefunden, der bundesweite Verfügbarkeiten verspricht (auch wenn beispielsweise im oben erwähnten Augsburg eine Bedienung mangels verfügbarer Free-Now-Taxipartner nicht gewährleistet sein dürfte).

    Dieser Wunsch nach nur einem An- und Abrechnungspartner, der eine flächendeckende Bedienung garantiert, erinnert an die Deutsche Bahn, die ihre Fahrten auch nur mehr mit einem Unternehmen digitalisiert abrechnet.

    Bei der Bahn ist dieser Partner allerdings der Bundesverband Taxi und Mietwagen, und die Umsetzung erfolgt über eine Zusammenarbeit zwischen den großen Taxizentralen und deren Apps.

    Insofern macht die jetzt zwischen Qrago und Free Now verkündete Kooperation deutlich, wo der Weg hinführt: Um Großkunden wie in diesem Falle Krankenhäuser nicht zu verlieren, müssen Taxizentralen unter einer gemeinsamen Dachmarke auftreten. Was mit der Bahn möglich ist, muss auch mit Qrago möglich sein. Der Wettlauf um solche Großkunden hat begonnen und Free Now im Falle von Qrago einen ersten Punktsieg errungen. jh/ar

    #Deutschland #Taxi #Kapitalkonzentration #Privatisierung

  • An introduction to the parasite economy
    http://www.gorling.se/files/texts/04_AV_Goerling.pdf

    20 Jahre später : Die Parasiten haben die Welt übernommen. Nur ein kleines Dorf leistet beharrlich Widerstand ...

    This paper gives an introduction to a number of immoral business-models that have been established as a part of the Internet-economy. It discusses how breaking into computers has become a viable business model for corporations and how the Internet-underground is challenging our view of what a company is. The paper tries to group a number of similar business models such as spyware, adware, viruses, spam etc. under a common term, parasites, and discuss how they are a part of viable business-models rather than merely an annoyance to the computer users.

    Die „Résistance“.
    https://degooglisons-internet.org/fr

    #Internet #disruption #Uber #platform_economy #Kapitalismus #computervirus #Erpressung

  • Eine Bauhütte, die nicht baut: Berlin setzt auf Marktversagen
    https://www.nd-aktuell.de/artikel/1181424.landeseigene-betriebe-eine-bauhuette-die-nicht-baut-berlin-setzt-


    Holzmodule, wie hier von der österreichischen Firma Kaufmann Bausysteme, wird es aus landeseigener Produktion in Berlin nicht geben.

    Tja, ein bischen Rotgrün könnte Berlin schon gebrauchen.

    12.4.2024 von Nicolas Šustr - Berliner Senat beerdigt bei der Holzbauhütte Tegel Ambitionen für Einstieg in kommunale Bauwirtschaft

    »Sie wollen also gar nicht bauen, bauen, bauen. Sondern diskursiv arbeiten. Sonst wird ja so getan, als ob es andersherum wäre.« Das sagt Linke-Stadtentwicklungspolitikerin Katalin Gennburg aus dem Abgeordnetenhaus zu »nd« als Reaktion auf die Bestätigung von Tegel Projekt, dass die seit Jahren vorgesehene Holzbauhütte keine Module für das auf dem ehemaligen Flughafengelände geplante Schumacher-Quartier fertigen soll.

    »Vom Plan, eine eigene Fertigung für das Schumacher-Quartier auf dem Gelände zu installieren, sind wir abgerückt«, erklärt die Tegel Projekt GmbH auf Anfrage von »nd«. Zum einen sei »dies nicht im Sinne wichtiger Partner« gewesen, zudem seien »mittlerweile mehrere holzverarbeitende Betriebe in Brandenburg niedergelassen«, damit gebe es »keinen Bedarf mehr für eine solche Ansiedlung vor Ort«. Die wichtigen Partner sind die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften, die »ihren Generalübernehmer jeweils gerne unabhängig voneinander selber auswählen möchten«.

    Die übrigen Planungen bezüglich der »Futr Hut« genannten Holzbauhütte haben laut Tegel Projekt weiterhin Bestand. Sie sei vor allem »als kooperativer Denk- und Experimentierraum für die Bauwende konzipiert«, in dem Fachleute aus Forschung, Architektur und Planung, aus Holz- und Bauwirtschaft, Komponentenherstellung und Digitalisierung sowie viele andere mehr »an der Entwicklung innovativer nachhaltiger Bau- und Werkstoffe sowie Fertigungsprozesse arbeiten«.

    »Ich glaube, in der Lage sind wir nicht, dass wir jetzt eine staatliche Wohnungsbaueinheit brauchen«, bekräftigte am Montag Bausenator Christian Gaebler (SPD) im Stadtentwicklungsausschuss des Abgeordnetenhauses die Haltung. Das Problem der Landes-Wohnungsbaugesellschaften seien »die Preise, die sich aber jetzt nicht daran festmachen, dass sich irgendjemand da große Gewinne einstreicht, sondern dass einfach die Kosten auch für Material und Logistik entsprechend gestiegen sind und übrigens auch die Kosten für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter«.

    Katalin Gennburg bestreitet das. »Die Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel und die Kapazitäten sind Voraussetzungen für ein funktionierendes kommunales Wohnungsbauprogramm«, sagt sie. Das gehe los bei eigenen Planungskapazitäten und weiter mit Bauhütten oder auch Recyclinghöfen für Baustoffe. Die private Bauwirtschaft nutze ihre Kapazitäten für das Produkt, das am lukrativsten sei, so die Linke-Politikerin. »Ein öffentliches Fertigteilwerk kann aber entscheiden: Ich fertige keine Bauteile für Luxusbalkons, sondern Module für den gemeinnützigen Wohnungsbau«, nennt sie ein Beispiel.

    Die Ziele der Holzbauhütte waren ehrgeizig. In der 2020 vorgelegten Potenzialanalyse »Bauhütte 4.0 – Innovations- und Produktionsstandort für den urbanen Holzbau« kamen Forschende des Fraunhofer-Instituts für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik sowie der Technischen Universität Berlin zu dem Schluss, dass so »die Grundlage für das effiziente Bauen mit Holz in urbanem Maßstab« gelegt werden könnte.

    Zum damaligen Zeitpunkt war der Holzbau 10 bis 15 Prozent teurer als konventionelle Baumethoden. Mit der Bauhütte sollte »ein System etabliert werden, mit dem mittelfristig um 20 bis 25 Prozent günstiger gebaut werden kann als bei konventioneller Bauweise«, wie es bei der Vorstellung der Analyse hieß. Dabei werden gleichzeitig 80 Prozent klimaschädliche Emissionen eingespart. »Der Name Bauhütte 4.0 bezieht sich auf die Idee der Dombauhütte, die auch prägender Gedanke des Bauhauses war. Der Geist der interdisziplinären Ideenschmiede von damals soll in ihr fortleben: Abermals kommen in der Bauhütte 4.0 kluge, kreative Köpfe zusammen, um auf neuen Wegen qualitatives Bauen durch industrielle Fertigung erschwinglich zu machen«, erklärte Tegel Projekt 2020.

    »Wir sind in Alarmbereitschaft, denn die Bauhütte war ein wesentlicher Beitrag, um die Bauwirtschaft in Berlin zukunftsfähig zu machen. Es ist inakzeptabel, wenn die Holzbauhütte aus privatem Profitinteresse abgewickelt wird«, sagt Katalin Gennburg.

    Schon lange vor den infolge der Corona-Pandemie und des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine explodierten Materialkosten beklagten die Landes-Wohnungsunternehmen, entweder gar keine Angebote auf Ausschreibungen zu bekommen oder nur zu stark überhöhten Preisen. Doch selbst mitten in der größten privatwirtschaftlichen Baukrise seit Langem sacken die Fertigstellungen der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften massiv ab. Wurden 2022 noch fast 6000 Wohneinheiten von ihnen fertiggestellt, waren es 2023 nur noch knapp 4600; für das laufende Jahr werden nur noch 4100 neue kommunale Wohnungen erwartet.

    Vor 100 Jahren sprangen Gewerkschaften und öffentliche Hand nicht nur in Berlin, sondern beispielsweise auch in Wien in die Bresche, die das dramatische Versagen des gewinnorientierten Sektors in der sozialen Wohnraumversorgung hinterlassen hatte. Da die private Bauwirtschaft mit Verweigerungen und Preisabsprachen die öffentlichen und gemeinnützigen Bauprojekte auszubremsen versuchte, reagierten Sozialdemokratie und Gewerkschaft mit dem Aufbau einer sozialen Bauwirtschaft.

    2018 forderte der Stadtsoziologe Andrej Holm eine zeitgemäße Wiederauflage des Konzepts Bauhütte, um den öffentlichen Bau in Schwung zu bringen. In ihrer Klausur in Rheinsberg machte sich die Linksfraktion des Berliner Abgeordnetenhauses im gleichen Jahr den Ansatz zu eigen. Gemeinsam mit den Grünen wurde schließlich als erster Anlauf die Holzbauhütte auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel auf den Weg gebracht. Doch das Thema Fertigung von Modulen hat sich bekanntlich inzwischen erledigt.

    Ein von der Linksfraktion 2019 ausgearbeiteter Antrag mit dem Titel »Landeseigene Baukapazität aufbauen!« scheiterte am innerkoalitionären Veto der SPD. Die Grünen-Fraktion hatte nach längeren internen Diskussionen und zahlreichen Änderungen dem Prüfauftrag zum Aufbau eines landeseigenen Baubetriebs schließlich ihre Zustimmung erteilt, unter anderem mit der Begründung, dass auch viele Private sich »verstärkt Baukompetenzen und Planungskapazitäten in ihre Unternehmen aufgrund des Fachkräftemangels« holten. Doch die SPD blieb bei ihrem Nein.

    »Zwischen Linken und Grünen war die Holzbauhütte ein Gemeinschaftsprojekt. Ökologisches Bauen ist ein zutiefst grünes Thema. Über die Systemfrage ist es ein linkes Thema«, sagt Katalin Gennburg. Die Bauhütte sollte in ihren Augen insgesamt die Möglichkeit bieten, nachhaltiges und ökologisches Bauen auch mit weiteren alternativen Baustoffen wie Stroh, Hanf oder Lehm voranzubringen. »Soziale Bauträger wie beim Haus der Statistik oder beim Dragonerareal müssten mit eingefasst werden. Die Erkenntnisse, wie man solche Projekte eigentlich realisieren kann, müssten auch in Verwaltungswissen überführt werden«, so die Abgeordnete.

    »Der Umbau der Landes-Wohnungsunternehmen (LWU) ist allerdings eine zwingende Voraussetzung dafür, dass eine Bauhütte ein Erfolg werden kann«, sagt Gennburg. Hier herrscht weitgehend Einigkeit zwischen Linke und Grünen. Denn wie in der Sitzung des Bauausschusses deutlich wurde, war es die Gesobau, die darauf beharrte, ihren Auftragnehmer für den Wohnungsbau im Tegeler Schumacher-Quartier selber auszusuchen. Die Linke-Politikerin spricht in diesem Zusammenhang von einem »Baufilz« von Landeseigenen und einer überschaubaren Anzahl von Projektentwicklern, die den Löwenanteil des kommunalen Neubaus errichten.

    »Zur Erfüllung der ehrgeizigen Neubauziele muss die Neubaufähigkeit der landeseigenen Wohnungsunternehmen durch einen gemeinsamen deutlichen Ausbau ihrer Planungs- und Baukapazitäten verbessert werden«, darauf hatten sich die beiden Parteien in den Koalitionsverhandlungen 2021 bereits geeinigt. Dafür sollte bis Mitte 2022 eine »rechtsfähige Anstalt öffentlichen Rechts« gegründet werden. »Sie unterstützt die Unternehmen bei der Nutzung von Synergien, übernimmt den Aufbau einer gemeinsamen Bau- und Planungskapazität, richtet ein betriebswirtschaftliches Controlling ein und koordiniert die Vorbereitung der Aufsichtsratssitzungen«, hieß es zu den konkreten Aufgaben. Bis Ende 2023 sollte »ein umsetzungsorientiertes Konzept zur besseren Zusammenarbeit der LWU bis hin zur eventuellen Bildung einer Holding« entwickelt werden. Doch die SPD lehnte strikt ab.

    »Wir haben durchdekliniert, was Linke-Baupolitik sein könnte. Nur wenn man diese Messlatte anlegt, kann man ernsthaft in Koalitionsverhandlungen gehen, die nicht bloße Farbenspiele sind«, sagt Katalin Gennburg. »Wir brauchen starken kommunalen Einfluss bei dem, was am längsten währt: Immobilien.«

    #Berlin #Tegel #Stadtentwicklung #Kapitalismus #SPD

  • Einsturzgefahr: Wohnhaus in Schöneberger Goltzstraße evakuiert, mehrere Straßen gesperrt
    https://www.berliner-zeitung.de/news/wegen-einsturzgefahr-wohnhaus-in-schoeneberg-grunewaldstrasse-evaku

    Hier ist die Rede vom Haus Goltz-Grunewald, nordöstliche Ecke. Goltzstraße 1 / Grunewaldstraße 16.

    Alles privat, jeder ist für sich selbst verantwortlich und so braucht der Immobilienkonzern, dem das unbewohnbare Haus gehört, offenbar keinem Mieter eine Ersatzwohnung zu stellen. So ist das in Berlin, hier könnse überhöhte Mieten für Bruchbuden kassiern ohne irgeneine Verantwortung zu übernehmen.

    Wetten, dass hier in zwei oder drei Jahren ein schicker Neubau mit superteuren Eigentumswohnungen steht !

    10.4.2024 von Sophie Barkey, Elizabeth Rushton, Verena Zistler - Ein Haus an der Kreuzung von Grunewaldstraße und Goltzstraße droht zu kollabieren. Der Bereich um das Gebäude ist abgesperrt – darunter verläuft eine U-Bahnlinie.

    Mehrere Anwohner in Schöneberg haben am Mittwoch ihre Wohnungen verlassen, weil ihr Haus in der Goltzstraße, Ecke Grunewaldstraße, einzustürzen droht. Das bestätigte die Berliner Feuerwehr auf Anfrage der Berliner Zeitung. Ein Einsatzleiter hatte dort am Mittag die Lage geprüft. Weil das Gebäude jedoch auf einem privaten Grundstück steht und die öffentliche Sicherheit und Ordnung nicht gefährdet sei, wurde die Zuständigkeit an das Bezirksamt und Bauamt weitergegeben. Das Gebäude weist sichtbare Risse in der Fassade auf, die Kreuzung ist gesperrt. Mehrere Schaulustige hatten sich dort nach Angaben einer Reporterin versammelt. Auch die Polizei war vor Ort.

    Bauarbeiter hatten laut einem Polizisten vor Ort am Mittwochmorgen bei den Sanierungsarbeiten im Erdgeschoss festgestellt, dass offenbar „alles marode“ war und sollen dann gemeldet haben, dass die Sicherheit des Eckteils des Hauses nicht mehr zweifelsfrei gegeben sei. Das Haus wurde schließlich evakuiert, nachdem auch ein Statiker das Haus begutachtet hatte.

    Wie der Polizist weiter sagte, werde das Haus nun zunächst gesichert, bis eine Baufachfirma feststellen kann, ob womöglich der Eckteil des Hauses abgerissen werden müsse. Erst nach der Bewertung einer Fachfirma soll klar werden, wann die Anwohner zurück in ihre Wohnungen können. Bis dann würden die meisten von ihnen bei Verwandten unterkommen, so der Polizist weiter.

    Nach Angaben des Hauseigentümers können neun Mieter zunächst ihre Wohnungen nicht nutzen. Sie würden in Ersatzunterkünften untergebracht, falls sie nicht bei Freunden oder Verwandten unterkommen könnten, teilte die Heimstaden Germany GmbH auf Anfrage mit. „Einen Zeitraum zu nennen, wie lange die Wohnungen nicht genutzt werden können, ist aktuell leider nicht möglich“, hieß es.

    Anwohner erfuhren am Vormittag von Evakuierung

    Von den Evakuierungen betroffen ist auch das junge Paar Ella und Claus (Namen von der Redaktion geändert). Die beiden wohnen seit sechs Jahren im betroffenen Haus. Erst am Mittwoch um 11 Uhr wurden sie von ihrem Vermieter informiert, dass die Sicherheit des Hauses gerade geprüft werde – da hieß es ihnen zufolge noch, sie sollten erstmal zu Hause bleiben. „Wir gehen davon aus, dass das nur eine Vorsichtsmaßnahme ist“, sagt Ella. Die Polizei hat sich dann gegen 17.30 Uhr bei den Einwohnern gemeldet, mit dem Evakuierungsbefehl und der Empfehlung für ein bis zwei Wochen einzupacken.

    „Hoffentlich werden wir aber viel schneller wieder zu Hause sein – wir drücken uns einfach die Daumen“, sagt Claus. Bis dann wird das Paar bei Freunden in Schöneberg übernachten, Claus hat auch Verwandte in Berlin. Ihre Wohnung befindet sich nicht im betroffenen Eckteil des Hauses, sondern im Gebäude daneben in der Grunewaldstraße, ihre Wohnung grenzt allerdings an den betroffenen Eckteil an. In ihrer Wohnung habe es nichts gegeben, das bei dem Paar Sorge ausgelöst hätte, so Ella. „Diese Risse und die bröckelige Fassade waren schon länger so“, sagt sie. „Das Haus ist einfach super alt – das wissen halt alle.“

    Heimstaden sind statische Probleme am Wohnhaus schon länger bekannt

    Nach Angaben von Heimstaden sind tatsächlich schon seit Längerem statische Probleme an dem Gebäude bekannt. Die Ursache dafür habe bislang nicht geklärt werden können, hieß es. Bereits seit Dezember 2023 werde ein sogenanntes Rissmonitoring durchgeführt, bei dem Veränderungen der auffälligen Risse im Mauerwerk beobachtet und dokumentiert würden, teilte das Unternehmen mit.

    Für das Ladenlokal in dem Eckhaus gebe es seit dem 3. April Sicherungsmaßnahmen. Zudem sei das Fundament untersucht worden. Bei einer erneuten Überprüfung habe dann der beauftragte Statiker am (heutigen) Mittwoch eine Ausdehnung der Risse entdeckt. „Danach haben wir unmittelbar die Bauaufsicht in Kenntnis gesetzt, die eine Teil-Sperrung des Gebäudes (Erkerbereich/Eckhaus) und Teile der Grunewaldstraße angeordnet hat“, teilte das Unternehmen weiter mit.

    Die zuständige Bezirksstadträtin Eva Majewski (CDU) zeigte sich erstaunt darüber, dass dem Unternehmen offensichtlich schon länger Probleme bekannt sind. „Ich höre das jetzt das erste Mal, dass das offensichtlich seit Jahren bekannt ist“, sagte Majewski in der RBB-Abendschau.

    U7 verläuft unter dem einsturzgefährdeten Haus: Geschwindigkeit verringert

    Unter dem Gebäude verläuft nach Informationen der Berliner Zeitung auch die U-Bahnlinie 7 der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Die Bahnen fahren daher als Vorsichtsmaßnahme derzeit mit deutlich verringerter Geschwindigkeit zwischen den naheliegenden U-Bahnhöfen Kleistpark und Eisenacher Straße, teilte ein BVG-Sprecher mit. Außerdem wird der Nachtbus N7 zunächst umgeleitet, andere Busse fahren dort nicht.

    Nach Informationen von vor Ort war am späten Nachmittag ein großer Bereich rund um das einsturzgefährdete Gebäude für Autos, Fußgänger und Radfahrende gesperrt. Betroffen ist die gesamte Kreuzung Grunewaldstraße/Goltzstraße/Akazienstraße. Wie die Berliner Verkehrsinformationszentrale auf Twitter-Nachfolger X am Mittag mitteilte, war auch die Hauptstraße von den Sperrungen betroffen. Eigentümer und Bezirksamt beraten nun über das weitere Vorgehen. Autofahrer müssen in dem Bereich weiterhin mit Behinderungen rechnen.

    #Berlin #Schöneberg #Goltzstraße #Grunewaldstraße #Immobilien #Wohnen #Kapitalismus

  • Quand les montagnes « vibrent ». Une lecture du livre « Lisière » de Kapka Kassabova
    https://www.visionscarto.net/quand-les-montagnes-vibrent

    C’est au cours d’un voyage dans sa Bulgarie natale que l’écrivaine Kapka Kassabova nous accompagne dans son livre Lisière. Elle y accomplit un périple à cheval entre la Bulgarie, la Turquie et la Grèce, dans les régions montagneuses de la Thrace et des Rhodopes. De la mer Noire aux monts Pirin, en passant par la ville d’Edirne ou par des villages presque abandonnés, Kassabova rencontre des hommes et des femmes qui vivent de, avec ou contre la frontière et la montagne dans leur quotidien, (...) Billets

    #Billets_

    • #LISIÈRE. Voyage aux confins de l’Europe

      Quand #Kapka_Kassabova retourne en #Bulgarie, son pays natal, pour la première fois depuis vingt-cinq ans, c’est à la frontière avec la #Turquie et la Grèce qu’elle se rend. Une zone inaccessible lorsqu’elle était enfant et que la guerre froide battait son plein, un carrefour qui grouillait de militaires et d’espions.
      Au gré de son voyage, l’autrice découvre les lieux qui furent dominés par des forces successives, de l’Empire ottoman au régime soviétique, et baignés de mythes et de légendes. Son livre est peuplé de magnifiques portraits de contrebandiers, chasseurs de trésors, botanistes et gardes-frontières, et aussi de migrants.
      Lisière est à la fois le récit d’une immersion dans les coulisses de l’Histoire, un regard neuf sur la crise migratoire en Europe et une plongée au coeur de géographies intimes. Il se situe à mi-chemin entre les oeuvres de Ryszard Kapuscinski et de Svetalana Alexievitch.

      https://www.editions-marchialy.fr/livre/lisiere
      #livre #frontières

  • Démystifier les conneries sur l’IA – Une #Interview
    https://framablog.org/2023/02/22/demystifier-les-conneries-sur-lia-une-interview

    Cet article a été publié à l’origine par THE #Markup, il a été traduit et republié selon les termes de la licence Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivatives Démystifier le buzz autour de l’IA Un entretien avec Arvind #Narayanan par JULIA #Angwin Si … Lire la suite­­

    #Communs_culturels #Traductions #AI #Bullshit #chatGPT #CNET #Dall-E #IA #Intelligence_articielle #JuliaAngwin #Kapoor #Meta #openAI

  • Linke Hausprojekte in Berlin : Geräumte Träume
    https://taz.de/Linke-Hausprojekte-in-Berlin/!5894992

    26.11.2022 von Marie Frank, Erik Peter - Ausgerechnet unter einer rot-rot-grünen Regierung wurden zahlreiche linke Projekte geräumt. Welche Zukunft haben Freiräume in der Stadt?

    Aus berlin, 26.11.2022, 16:46 Uhr

    Die Fenster und die Tür zur einstigen Neuköllner Kiezkneipe Syndikat sind verbarrikadiert. Seit mehr als zwei Jahren, seit der durch viel Protest begleiteten polizeilichen Räumung im August 2020, hat sich hier nichts getan. Außer für die Nach­ba­r*in­nen oben drüber im Haus. Die beschweren sich inzwischen häufiger über den Gestank, der aus den vor sich hin schimmelnden ehemaligen Kneipenräumen aufsteigt, weiß der einstige Betreiber und Wirt Christian, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen will, zu berichten.

    Im November 2019, als sich schon abzeichnete, dass für Berlins alternative Infrastruktur schwierige Zeiten anbrechen würden, trat die Initiative „Kein Haus weniger“ auf den Plan. 200 Projekte und ehemals besetzte Häuser und mehr als 100 Prominente überwiegend aus dem Kulturbereich schlossen sich zusammen, um sich dem Ausverkauf der Stadt entgegenzustellen. Sie schrieben: Ohne seine alternativen Haus- und Kulturprojekte wäre Berlin „sozial, politisch und kulturell um vieles ärmer“.

    Doch es nützte alles nichts. Das Syndikat machte im darauffolgenden Sommer nur den Anfang. Ihm folgten die Räumungen des queerfeministischen Hausprojekts Liebig34 in Friedrichshain im Oktober 2020, der Kreuzberger Kneipe Meuterei im März und des Köpi-Wagenplatzes in Mitte im Oktober vergangenen Jahres. Unmittelbar davor musste auch der selbstverwaltete Jugendclub Potse seine angestammten Räume in Schöneberg verlassen.

    wochentaz

    Dieser Text stammt aus der wochentaz. Unserer Wochenzeitung von links! In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und natürlich im Abo.

    „Rein rechtlich mögen die Räumungen vollkommen korrekt sein, aber an sich stimmt irgendwas am System nicht“, sagt Christian heute im Rückblick. Immerhin waren das Syndikat und die Meuterei mehr als nur Kneipen, in denen das Bier trotz gentrifizierter Innenstadtlage noch bezahlbar war. Es waren für die Nachbarschaft auch wichtige Orte für Vernetzung, Austausch, politische Organisierung und soziales Miteinander.
    Ein Mann steht vor einem Haus mit verammeltem Fenster

    Ausgeräumt: Christian vor der nun leer stehenden Kiezkneipe Syndikat Foto: André Wunstorf

    Gemein ist allen Räumungen, dass sie für private Eigentümer durchgeführt wurden – und auf großen Protest stießen. Jeweils mehr als 2.000 Po­li­zis­t*in­nen wurden bei den Räumungen der langjährigen linken Symbolprojekte eingesetzt – entstandene Kosten für die Steu­er­zah­le­r*in­nen jeweils im siebenstelligen Bereich.
    Der neue Leerstand

    Obwohl inzwischen doch reichlich Zeit vergangenen ist, steht heute nicht nur das Syndikat leer, sondern auch die Meuterei und der ehemalige Wagenplatz auf dem Gelände des autonomen Wohn- und Kulturprojekts Köpi. 20 Jahre lang lebten hier mitten in Berlin rund 40 Menschen in kleinen Bauwagen ihren Traum vom alternativen Leben jenseits von bürgerlichen Konventionen. Als kleines Dorf mit vielen verschiedenen Kulturen und Sprachen, in dem sich alle gegenseitig helfen und voneinander lernen, bezeichnen die Be­woh­ne­r*in­nen ihr einstiges Zuhause.

    Eine von ihnen ist Mollie. Fünf Jahre lang hat die junge Frau auf dem Köpi-Wagenplatz gewohnt – bis dieser geräumt wurde. „Wir waren wie eine große internationale Familie“, sagt sie der taz. Mit dem Leben in einer normalen Wohnung könne man das nicht vergleichen. „Du hattest deinen eigenen Raum und hast gleichzeitig in einer großen Community gelebt, die sich gegenseitig hilft, Konzerte organisiert und sich in unterschiedlichen Kollektiven organisiert.“ Freiräume wie der Wagenplatz bedeuten für sie vor allem eins: eine andere Art zu Leben, kollektiv, selbstverwaltet und solidarisch.

    Dass dieser Raum nun verloren ist, ist für sie ein schwerer Verlust. „Am schlimmsten ist für mich, dass unsere Familie getrennt wurde“, sagt Mollie. Zwar haben viele Wagenplätze den ehemaligen Be­woh­ne­r*in­nen einen Platz angeboten, auch Mollie ist in einem untergekommen. Allerdings hat kaum einer der rund 20 Berliner Wagenplätze eine langfristige, vertraglich gesicherte Bleibeperspektive.

    Vom Köpi-Wagenplatz ist nur eine große Baugrube geblieben, verborgen hinter einem mit Stacheldraht gesicherten Bauzaun. Der Security-Mitarbeiter, der je­de*n misstrauisch beäugt, der*­die sich dem Gelände nähert, bewacht hier jedoch kein Bauprojekt, sondern eine Brache. Bagger oder andere Baustellenwerkzeuge sind nicht zu sehen.

    Bezirk und Eigentümer sind sich uneins darüber, ob die Baugenehmigung noch gültig ist. Die Bauaufsicht sieht diese jedenfalls seit Ende November 2021 wegen des „nicht erfolgten realen Baubeginns“ als erloschen an – also seit nur sechs Wochen nach der Räumung. Der Besitzer, die Sanus AG, hinter der der umstrittene Immobilieninvestor Siegfried Nehls steht, will das Gelände laut taz-Informationen verkaufen. Die Sanus AG dementiert das.
    Spekulieren auf Wertsteigerung

    Sollte ein Verkauf gelingen, würde sich Nehls sein Immobilienpoker vergolden lassen – schließlich dürfte sich der Grundstückswert wesentlich gesteigert haben, seit die widerständigen Be­woh­ne­r*in­nen weg sind. Die hatten schon vor der Räumung spekulativen Leerstand prophezeit. „Wir haben das erwartet, aber es ist trotzdem enttäuschend. So eine Verschwendung“, sagt Mollie über das brachliegende Gelände, das einst ihr Zuhause war.

    Einige Kilometer entfernt befindet sich die Friedrichshainer Liebigstraße. 30 Jahre lang bot hier das feministische Hausprojekt Liebig34 einen sicheren Rückzugsort für Frauen*. Zwar steht das Gebäude im Gegensatz zu den anderen geräumten Projekten nicht leer, dafür verfällt es seit zwei Jahren zusehends. Die Zustände im Haus gelten als katastrophal: kaputte Rohre, nicht funktionierende Heizungen, Müllberge im Hinterhof, überteuerte Mietverträge. Mittlerweile hat sich wegen der Mängel auch die Bau- und Wohnungsaufsicht eingeschaltet, wie eine Sprecherin des Bezirksamts auf taz-Anfrage mitteilte.
    Eine Frau mit umgehängtem Protestplakat

    Gegen den Ausverkauf: bei einer Demo für den Erhalt von linken Projekten im März 2021 Foto: Stefan Boness/Ipon

    Wie auch in vielen anderen seiner rund 50 Immobilien in Friedrichshain soll der Besitzer, der umstrittene Immobilienunternehmer Gijora Padovicz, auch hier die Not von geflüchteten Menschen auf dem angespannten Wohnungsmarkt der Hauptstadt systematisch ausnutzen. Das System ist dabei weder neu noch beispiellos: Für heruntergekommene Wohnungen wird der Höchstbetrag verlangt, den das Jobcenter oder Landesamt für Flüchtlinge übernimmt. Für die Vermittlung sollen zudem teils vierstellige Summen fließen. Die Be­woh­ne­r*in­nen des benachbarten linksradikalen Hausprojekts Rigaer94 vermuten, dass Padovicz auf diese Weise noch ordentlich Profit aus dem Gebäude schlagen will, bevor er es in teure Eigentums- oder Luxusmietwohnungen umwandelt. Für sie ist die Räumung der Liebig34 – ebenso wie die Angriffe auf das eigene Hausprojekt – der Versuch, den Widerstand gegen Gentrifizierung im Kiez zu brechen.

    Was die Eigentümer mit den umkämpften Objekten vorhatten, spielte für die Unterstützung des Staates bei der Vollstreckung der Räumungstitel keine Rolle. Dass jedoch in den vergangenen zwei Jahren ausgerechnet unter einer rot-rot-grünen Landesregierung zahlreiche linke Projekte zerstört wurden, um die Profitinteressen privater Im­mo­bi­li­en­be­sit­ze­r*in­nen durchzusetzen, gilt in der außerparlamentarischen Linken als schwerer Verrat. Insbesondere Ver­tre­te­r*in­nen der Linkspartei zeigten sich zwar solidarisch, betonten jedoch immer wieder ihre Machtlosigkeit angesichts der gerichtlich angeordneten Räumungstitel.
    Häuser dem Markt entziehen

    Moritz Heusinger ist seit vielen Jahrzehnten Anwalt für linke Projekte, auch die Liebig34 gehörte zu seinen Klient*innen. „Bei Häusern in Privatbesitz hat das Land nicht so große Einflussmöglichkeiten“, sagt er zur taz. Machtlos sei es allerdings nicht. „Der Staat kann zum einen als Kaufinteressent auftreten und so die Häuser dem Markt entziehen.“ Auch könne das Land Anreize für Eigentümer setzen, um diese zu Zugeständnissen zu bewegen. Dies war etwa in den 90er Jahren der Fall, als an Runden Tischen die Legalisierung von rund 100 besetzten Häusern verhandelt wurde.

    Berliner Häuserkampf

    Besetzte Häuser gehören in Berlin seit den 70er Jahren zum Stadtbild dazu. Während sich in Westberlin Be­woh­ne­r*in­nen mit Besetzungen gegen den systematischen Abriss von Altbauten wehrten und An­ar­chist*in­nen, Künst­le­r*in­nen und Hippies alternative Lebensformen erprobten, war in Ostberlin die Praxis des „Schwarzwohnens“ zwar weniger sichtbar, aber durchaus verbreitet: Allein in Prenzlauer Berg gab es vor der Wende Hunderte besetzte Wohnungen.

    1980/81 kam es in Westberlin zu einer großen Besetzungswelle. Innerhalb weniger Monate wurden rund 160 Häuser besetzt. Die In­stand­be­set­ze­r*in­nen erfuhren dabei viel Unterstützung in der Bevölkerung. Der Senat reagierte mit Repression: Bis 1984 wurde fast die Hälfte der Häuser gewaltsam von der Polizei geräumt. Die Be­woh­ne­r*in­nen leisteten militanten Widerstand und es kam zu regelrechten Straßenschlachten.

    Zu einer weiteren großen Besetzungswelle kam es dann 1990 nach der Wende, bei der rund 120 Häuser besetzt wurden. Das durch den Zusammenbruch der DDR entstandene machtpolitische Vakuum bot im Osten der Stadt gute Voraussetzungen, sich leer stehende Räume anzueignen. In Mitte, Friedrichshain und Prenzlauer Berg entstanden zahlreiche Haus- und Kulturprojekte. Einen Wendepunkt markierte die Räumung von zwölf besetzten Häusern in der Mainzer Straße im November 1990, die zu einer Straßenschlacht mit zahlreichen Verletzten eskalierte.

    In beiden Besetzungswellen gab es immer wieder Bemühungen, die Häuser zu legalisieren. In den 80er Jahren wurden die Verhandlungen durch die immer wieder stattfindenden Räumungen zwar erschwert, dennoch konnten bis 1984 rund 100 Häuser durch Miet- oder Kaufverträge „vertragsbefriedet“ werden. In den 90er Jahren war die Bewegung stark in verhandlungsbereite Be­set­ze­r*in­nen und Nicht­ver­hand­le­r*in­nen gespalten. Nach der Räumung der Mainzer Straße orientierte sich dann die Mehrheit an Verhandlungslösungen. An runden Tischen konnten rund zwei Drittel der Häuser Nutzungsvereinbarungen abschließen.

    Seit den 90ern kommt es nur noch vereinzelt zu Besetzungen. Das änderte sich zwischenzeitlich im Zuge der Mie­te­r*in­nen­pro­tes­te, die Wohnungen wurden jedoch schnell geräumt.

    Heusinger konnte damals für viele Projekte dauerhafte Miet- und Pachtverträge zu günstigen Konditionen rausholen. Eines dieser Projekte ist die ehemals besetzte Brunnenstraße 6/7 in Mitte. Nachdem Ende der 90er Jahre ein Immobilienunternehmer den Gebäudekomplex übernahm und die rund 100 Be­woh­ne­r*in­nen rausklagen wollte, konnten an einem runden Tisch mit Senat und Bezirk Mietverträge verhandelt werden. Dies war laut Heusinger auch deshalb möglich, weil der Senat als Anreiz die Sanierung des Hauses finanziell unterstützte. Auch im nahe gelegenen Kultur- und Wohnprojekt Schokoladen konnte 2012 noch vor dem Räumungstermin eine Einigung erzielt werden, indem der Senat dem Eigentümer im Tausch ein anderes Grundstück in der Straße vermachte. Beide Hausprojekte gibt es nach wie vor und haben eine langfristige Perspektive.

    Das Hauptproblem sieht Heusinger darin, dass das Land Berlin jahrelang zu Schleuderpreisen Grundstücke verkauft hat – die es heute für ein Vielfaches des Verkaufspreises zurückzukaufen versucht. Die Bereitstellung von Ersatzgrundstücken sei dadurch zwar schwieriger geworden, es bleibe jedoch der Hebel des Bauplanungsrechts. „Man könnte sagen, du verkaufst mir das Grundstück, dafür bekommst du woanders eine Bauerlaubnis“, so der Rechtsanwalt.

    Auch das Hausprojekt Liebig34 befand sich auf einem der verscherbelten Grundstücke. Als es dann vom neuen Eigentümer rausgeschmissen wurde, habe sich der Senat weggeduckt, kritisiert Heusinger. „Im Fall der Liebig34 wurde politisch nichts unternommen, um es zu retten.“ Beim Köpi-Wagenplatz war das anders: Die städtische Wohnungsbaugesellschaft Howoge verhandelte bis zum Schluss intensiv mit dem Eigentümer, um das Areal zu erwerben. Als dann jedoch die Räumung anstand, hatte der Eigentümer kein Interesse mehr an einer Einigung.

    Statt an sozialen Maßstäben orientiert sich Stadtpolitik heute vor allem an privatrechtlichen und ökonomischen Kriterien. „Stadtpolitik wird von Eigentümern definiert“, meint der Stadtsoziologe Andrej Holm

    Auch hier sieht Heusinger politischen Handlungsspielraum: „Man muss die polizeiliche Unterstützung für Gerichtsvollzieher nicht so schnell gewähren, sondern kann die Räumung hinauszögern.“ Und so Verhandlungen in letzter Minute ermöglichen. Dazu fehle in der SPD-geführten Innenverwaltung jedoch der politische Wille. „Der Wind hat sich für politische Projekte verschärft“, beobachtet der erfahrene Anwalt. Nicht nur würden in Berlin immer mehr langjährige Projekte verschwinden, auch Neubesetzungen würden gnadenlos geräumt. Tatsächlich wurden in den vergangenen Jahren so gut wie alle Besetzungen gemäß der Berliner Linie – Hausbesetzungen innerhalb von 24 Stunden räumen zu lassen – innerhalb kürzester Zeit von der Polizei beendet.

    Der Stadtsoziologe Andrej Holm sieht in der Räumung der zahlreichen Projekte ein „über die Jahre aufgebautes Versagen“. In den 90er Jahren habe man vereinbart, dass Hausprojekte und andere alternative Freiräume zu Berlin dazu gehören und ihre Legalisierung auf den Weg gebracht. Über die Jahre habe sich der Senat dann aus seiner Verantwortung zurückgezogen und es versäumt, ihre Existenz zu sichern. Heute fühle sich die Landesregierung nicht mehr an die Vereinbarung gebunden und verstecke sich hinter Gerichtsurteilen, kritisiert Holm, der 2016/17 selbst kurzzeitig Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen der rot-rot-grünen Berliner Landesregierung war.

    Mittlerweile sind die Spielräume für linke Freiräume und nachbarschaftliche Begegnung angesichts des steigenden Preisdrucks immer enger geworden. Dabei seien diese für die Gesellschaft wichtig, sagt Holm. „Es sind Möglichkeiten zur Selbstverwaltung und Selbstgestaltung alternativer Lebensstile jenseits des Konformitätsdrucks.“ Daran sollte auch die Berliner Landesregierung ein Interesse haben. „Die Stadt muss für alle da sein und allen Entfaltungsmöglichkeiten bieten.“ Der Kiezcharakter, der die Hauptstadt vielerorts noch ausmacht und durch eine Mischung an vielfältigen Lebensstilen geprägt ist, gehe verloren, wenn einem Teil dieser Vielfalt die Räume genommen werden.

    Statt an sozialen Maßstäben orientiert sich Stadtpolitik heute vor allem an privatrechtlichen und ökonomischen Kriterien. „Stadtpolitik wird von Eigentümern definiert“, meint Holm. Die Konsequenz sei eine Einschränkung von Entfaltungsmöglichkeiten: „Ökonomische Rationalität kann soziale und kulturelle Vielfalt niemals abbilden“, so Holm. Der Druck durch immobilienwirtschaftliche Profitinteressen werde in Berlin und anderen Städten in absehbarer Zeit jedoch nicht abnehmen – im Gegenteil. Durch die steigenden Zinsen seien Eigentümer noch stärker als bisher gezwungen, ihre Gewinne aus den Immobilien selbst zu erzielen, also durch Mieterhöhungen. Dadurch könnten weitere unkommerzielle Projekte verdrängt werden.

    Gleichzeitig werde der Wunsch nach subkulturellen Freiräumen nicht verschwinden, meint der Stadtsoziologe. Holm glaubt daher, dass es immer wieder neue Initiativen geben wird, die sich leer stehende Räume aneignen – die es in Berlin nach wie vor gibt. Ein Beispiel dafür ist die Habersaathstraße 40-48: In dem jahrelang leerstehenden Gebäudekomplex wurde nach Besetzung ein Hausprojekt für rund 50 Obdachlose geschaffen, das nach Verhandlungen zwischen Bezirk und Eigentümern seit einem Jahr geduldet wird.

    Was also kann Berlin tun, um solche Projekte zu schützen und die Stadt nicht privaten Immobilienunternehmen zu überlassen? Zuallererst brauche es einen „Artenschutz für bestehende Projekte“, sagt Holm. Und eine Politik, die die Entstehung neuer Freiräume als wichtigen Impuls für die Stadtpolitik begreift und diese unterstützt – statt sie als Störung zu begreifen.

    #Berlin #Köpenicker_Straße #Mitte #Hausbesetzung #Stadtentwicklumg #Miete #Kultur #Wohnen #Immobilien #Kapitalismus

  • Kapitalozän - Zeitschrift Luxemburg
    https://zeitschrift-luxemburg.de/ausgaben/kapitalozaen

    Face à la crise planétaire l’idéologie bourgeoise a pondu le terme #Anthropocène pour nous faire croire que toi et moi sommes responsables pour le dérèglement catastrophique du climat qui menace l’espèce humaine et toute la vie sur terre. C’est simplement faux car ce n’est pas notre existence qui en est la cause. Pour désigner le coupable il faudrait employer le terme #Capitalocène, car ce sont les intérêts du capital et les membres de la classe dominatrice qui ont poussé le monde entier dans l’abîme de la catastrpophe écologique. La revue Luxemburg consacre son dernier numéro à la discussion du Capitalocène .

    Disponible gratuitement en ligne comme PDF et en HTML

    Krieg, Erderwärmung, Inflation: Eine Krise jagt die nächste. Doch sie lösen einander nicht ab, sondern verstärken sich wechselseitig. Wie lässt sich eine Zeit auf den Begriff bringen, die sich selbst überschlägt? Führt der Katastrophenkapitalismus über kurz oder lang zum ökologischen Kollaps? Es ist die kapitalgetriebene Aneignung und Verwertung der Natur, die uns all das eingebrockt hat. Wir leben im #KAPITALOZÄN

    Inhalt

    Kannibalismus des Kapitals
    Welche Strategie braucht die Klimabewegung?
    Kommunismus und Katastrophe
    Streiken fürs Gemeinwohl
    Grüner Kolonialismus und globale Solidarität
    Kalter Krieg in der Heißzeit?
    An der Grenze des Weißseins

    #capitalisme #écologie #catastrophe_climatique #rrchauffement_de_la_terre

  • Linus Torvalds: Linux succeeded thanks to selfishness and trust
    https://www.bbc.com/news/technology-18419231

    Vor zehn Jahren sprach der Erfinder des heute als Linux bekannten Betriebssystems über die Gründe für den enormen Erfolg seines Projekts. Der BBC Reporter und Thorvalds sind sich einig darin, dass mephistophelischer Eigennutz kombiniert mit gegenseitigem Vertrauen der beteiligten Entwickler, von weiblichen „contributors“ ist nicht die Rede und braucht es grammatikalisch betrachtet im Englischen auch nicht, zwei wichtige und widersprüchliche Faktoren für den Siegeszug des freien Betriebssystems sind.

    Wir finden hier Hinweise darauf, wie eine besser als im Taxigewerbe organisierte #verteilte_Arbeit aussehen kann. Auch der Hinweis auf den #Arbeitsvertrag von Thorvalds und seiner Stiftung ist eine interessante Anregung für die Entwicklung neuartiger, menschenwürdiger Arbeitsverhältnisse. Bei genauem Hinschauen zeigt sich, dass die im Titel beschworene Selbstsucht nur unter kapitalistischen Bedingungen eine solche ist.

    Ein erhellendes Interview, das Kernfragen der Bewegung für freie Software berührt.

    13.6.2012 by Leo Kelion - Linus Torvalds developed Linux in 1991 while at the University of Helsinki, Finland. He became a US citizen in 2010.

    Linux creator Linus Torvalds has won the Millennium Technology Prize and an accompanying cheque for 600,000 euros ($756,000; £486,000) from the Technology Academy of Finland.

    He was nominated for the award in recognition of the fact he had created the original Linux operating system and has continued to decide what modifications should be made to the Linux kernel - the code that lets software and hardware work together.

    Today a variety of Linux-based systems power much of the world’s computer servers, set-top boxes, smartphones, tablets, network routers, PCs and supercomputers.

    Ahead of the announcement Mr Torvalds gave a rare interview to the BBC.

    When you posted about the original system kernel on Usenet in 1991 what did you think would happen to it?

    I think your question assumes a level of planning that simply didn’t really exist. It wasn’t so much about me having any particular expectations of what would happen when I made the original kernel sources available: a lot of the impetus for releasing it was simply a kind of “hey, look at what I’ve done”.

    I was definitely not expecting people to help me with the project, but I was hoping for some feedback about what I’d done, and looking for ideas of what else people would think was a good idea.

    The success of Linux is in large part due to its open source nature. Why do you think people have been willing to give up so much time without financial reward?

    In many ways, I actually think the real idea of open source is for it to allow everybody to be “selfish”, not about trying to get everybody to contribute to some common good.

    In other words, I do not see open source as some big goody-goody “let’s all sing kumbaya around the campfire and make the world a better place”. No, open source only really works if everybody is contributing for their own selfish reasons.

    Now, those selfish reasons by no means need to be about “financial reward”, though.

    The early “selfish” reasons to do Linux tended to be centred about just the pleasure of tinkering. That was why I did it - programming was my hobby - passion, really - and learning how to control the hardware was my own selfish goal. And it turned out that I was not all that alone in that.

    Big universities with computer science departments had people who were interested in the same kinds of things.

    And most people like that may not be crazy enough to start writing their own operating system from scratch, but there were certainly people around who found this kind of tinkering with hardware interesting, and who were interested enough to start playing around with the system and making suggestions on improvements, and eventually even making those improvements themselves and sending them back to me.

    And the copyright protected those kinds of people. If you’re a person who is interested in operating systems, and you see this project that does this, you don’t want to get involved if you feel like your contributions would be somehow “taken advantage of”, but with the GPLv2 [licence], that simply was never an issue.

    The fundamental property of the GPLv2 is a very simple “tit-for-tat” model: I’ll give you my improvements, if you promise to give your improvements back.

    It’s a fundamentally fair licence, and you don’t have to worry about somebody else then coming along and taking advantage of your work.

    And the thing that then seemed to surprise people, is that that notion of “fairness” actually scales very well.

    Sure, a lot of companies were initially fairly leery about a licence that they weren’t all that used to, and sometimes doubly so because some portions of the free software camp had been very vocally anti-commercial and expected companies to overnight turn everything into free software.

    But really, the whole “tit-for-tat” model isn’t just fair on an individual scale, it’s fair on a company scale, and it’s fair on a global scale.

    Once people and companies got over their hang-ups - renaming it “open source” and just making it clear that this was not some kind of anti-commercial endeavour definitely helped - things just kind of exploded.

    And the thing is, if your competition doesn’t put in the same kind of effort that you do, then they can’t reap the same kinds of rewards you can: if they don’t contribute, they don’t get to control the direction of the project, and they won’t have the same kind of knowledge and understanding of it that you do.

    So there really are big advantages to being actively involved - you can’t just coast along on somebody else’s work.

    7,800 developers across 80 countries contributed to the last version of the Linux kernel. But as it becomes more complex is there a danger it become less accessible for new people to get involved?

    So the kernel has definitely grown more complex, and certain core areas in particular are things that a new developer should absolutely not expect to just come in and start messing around with.

    People get very nervous when somebody they don’t see as having a solid track record starts sending patches to core - and complex - code like the VM subsystem.

    So it’s absolutely much harder to become a core developer today than it was 15 years ago.

    At the same time, I do think it’s pretty easy to get into kernel development if you don’t go for the most complex and central parts first. The fact that I do a kernel release roughly every three months, and each of those releases generally have over 1,000 people involved in it, says that we certainly aren’t lacking for contributors.

    You have previously mentioned that you can’t check that all the code that gets submitted will work across all hardware - how big an issue is trust in an open source project like this?

    Oh, trust is the most important thing. And it’s a two-way street.

    It’s not just that I can trust some sub-lieutenant to do the right thing, it’s that they in turn can trust me to be impartial and do the right thing.

    We certainly don’t always agree, and sometimes the arguments can get quite heated, but at the end of the day, you may not even always like each other, if you can at least trust that people aren’t trying to screw you over.

    And this trust issue is why I didn’t want to ever work for a commercial Linux company, for example.

    I simply do not want people to have even the appearance of bias - I want people to be able to trust that I’m impartial not only because they’ve seen me maintain the kernel over the years, but because they know that I simply don’t have any incentives where I might want to support one Linux company over another.

    These days, I do work full-time on Linux, and I’m paid to do it, but that didn’t happen until I felt comfortable that there was a way that could be pretty obviously neutral, through a industry non-profit that doesn’t really sell Linux itself.

    And even then, in order to allay all fears, we actually made sure that my contract explicitly says that my employment does not mean that the Linux Foundation can tell me what to do.

    So exactly because I think these kinds of trust issues are so important, I have one of the oddest employment contracts you’ve ever heard of.

    It’s basically one paragraph talking about what I’m supposed to do - it basically boils down to the fact that everything I do has to be open source - and the rest of the contract is about all the ways that the company I work for cannot influence me.

    “Trust” is not about some kind of absolute neutrality, or anything like that, but it’s about a certain level of predictability and about knowing that you won’t be shafted.

    Linux is popular in many areas of computing including smartphones and servers, but it has never had quite the same breakthrough on desktops - do you think it will ever happen?

    So I think that in order to make it in a consumer market, you really do need to be pre-installed. And as Android has shown, Linux really can be very much a consumer product. So it’s not that the consumer market itself would necessarily be a fundamentally hard nut to crack, but the “you need to come preinstalled” thing is a big thing.

    And on the laptop and desktop market, we just haven’t ever had any company making that kind of play. And don’t get me wrong - it’s not an easy play to make.

    That said, I wouldn’t dismiss it either. The whole “ubiquitous web browser” thing has made that kind of consumer play be more realistic, and I think that Google’s Chrome push (Chromebox and Chromebooks) is clearly aiming towards that.

    So I’m still hopeful. For me, Linux on the desktop is where I started, and Linux on the desktop is literally what I still use today primarily - although I obviously do have other Linux devices, including an Android phone - so I’d personally really love for it to take over in that market too.

    But I guess that in the meantime I can’t really complain about the successes in other markets.

    Steve Ballmer once described Linux as a “cancer”, but in recent months we’ve heard that Microsoft is running its Skype division off Linux boxes, and it’s now offering a Linux-based version of its Azure cloud service - does this give you satisfaction?

    Well, let’s say that I’m relieved that Microsoft seems to have at least to some degree stopped seeing Linux as the enemy. The whole “cancer” and “un-American” thing was really pretty embarrassing.

    The recent launch of the Raspberry Pi, running on Linux, has attracted a lot of attention. Are you hopeful it will inspire another generation of programmers who can contribute to the Linux kernel?

    So I personally come from a “tinkering with computers” background, and yes, as a result I find things like Raspberry Pi to be an important thing: trying to make it possible for a wider group of people to tinker with computers and just playing around.

    And making the computers cheap enough that you really can not only afford the hardware at a big scale, but perhaps more important, also “afford failure”.

    By that I mean that I suspect a lot of them will go to kids who play with them a bit, but then decide that they just can’t care.

    But that’s OK. If it’s cheap enough, you can afford to have a lot of “don’t cares” if then every once in a while you end up triggering even a fairly rare “do care” case.

    So I actually think that if you make these kinds of platforms cheap enough - really “throw-away cheap” in a sense - the fact that you can be wasteful can be a good thing, if it means that you will reach a few kids you wouldn’t otherwise have reached.

    You work from home - how hard is it to avoid being distracted by family life and focusing on what must be very abstract concepts?

    Oh, I’m sure it can be hard for some people. It’s never been a problem for me.
    Linus Torvalds in front of computers
    Image caption,
    Mr Torvalds works on the Linux kernel in his office at home in Oregon

    I’ve always tended to find computers fascinating, often to the point where I just go off and do my own thing and am not very social.

    Having a family doesn’t seem to have made that character trait really any different.

    I’ll happily sit in front of the computer the whole day, and if the kids distract me when I’m in the middle of something, a certain amount of cursing might happen.

    In other words: what could be seen as a socially debilitating failure of character can certainly work to your advantage too.

    .

    #Linux #FLOSS #Software #Arbeit #Kapitalismus #open_source #USA

  • Sowjet-Panzer im Berliner Tiergarten: Sogar Diepgen will, dass sie bleiben
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/sowjet-panzer-im-berliner-tiergarten-sogar-diepgen-will-dass-sie-bl

    Bis in die Puppen. Berliner Ausdruck.

    Ein recht blondes Mädel aus Wilmersdorf will die Erinnerung an den Sieg über Krieg und Militarismus, den Beginn von fünfzig Jahren Frieden in Europa, schleifen. Wir sind wieder wer, denkt sich Klein Stefanie, wir machen Deutschland wieder groß, das Ding kann weg.

    Die Berliner CDU ist auch in Kriegszeiten die Vereinigung von geistig und moralisch Armen. Die prügeln den sowjetischen Sack und meinen den russischen Esel. Egal ob Rotarmist mit T34, Marx und Engels in Mitte oder Thälmann am alten Gaswerk, der antikommunistische Erklärbär statuiert an ihnen ein Exempel. Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen, lästerten wir schon als Knirpse über die kleinen Schullhofkrieger.

    Dummdeutschland kündigt gerade Russland die noch mit Gorbatschow geschlossene Abmachung über die Ehrung unserer Befreier und erklärt seine Freundschaft nur den Völkern der ehemaligen Sowjetunion, die NATO-Volk sein wollen. Echte Russen sind brutale Dämonen und faschistische Ukrainer edle Helden. Die kämpfen für unsere Werte, hört man. Es ist alles so einfach für Orientierungslose, die keinen Stadtplan lesen können.

    Dabei macht seine Lage, der Ort seiner Errichtung die eigentliche Botschaft des Sowjetischen Ehrenmals im Tiergarten aus. Sein Standort symbolisiert den Willen der Sowjetmacht, ein für allemal Schluß zu machen mit Krieg und Fürstenherrschaft. Es überschreibt den Stadtplaneintrag der ehemaligen Siegesallee, Symbol der Hohenzollernherrschaft.

    Diese Fürstenfamilie bereitete 60 Jahre lang mit einen Krieg nach dem anderen ihre Herrschaft über ganz Deutschland vor. Im Jahr 1871 degradierte sie dann alle souveränen Fürsten Deutschlands zu bloßen Titelträgern. Die Hohenzollernkaiser herrschten im Dienste des siegreichen Großkapitals. Thyssen, Krupp und Stinnes wurden die wahren Herrscher im Kaiserreich, eine neuartigen Kombination aus deep state und Biedermeier. Zu ihren Gunsten modernisierte der preußische Kaiserkönig seinen Militärstaat mit Panzerkreuzern und U-Booten, für ihren Imperialismus forderte er einen Platz an der Sonne.

    Als volkstümliche Legitimation baute sich Familie Hohenzollern eine fiktive Ahnenreihe in den Lennéschen Nationalpark vor dem Brandenburger Tor. Das war im Jahr 1901. Es dauerte nicht lange und die Allee aus 32 Herrscherstatuen wurde von der Berliner Schnauze zur „Puppenallee“ gemacht. Am 11. November 1945 wurde sie aus dem Stadtplan gestrichen, das sowjetische Ehrenmal nahm ihren Platz an der Charlottenburger Chaussee ein.

    Der preußische Militarismus ist tot, spricht das sowjetische Ehrenmal, wir haben ihn endgültig besiegt.
    Dummdeutschland antwortet: Militarismus? Klar, bei die Russen. Aber doch nicht wir hier .

    Sowjetisches Ehrenmal (Tiergarten) – Wikipedia
    https://de.wikipedia.org/wiki/Sowjetisches_Ehrenmal_(Tiergarten)

    Siegesallee
    https://de.wikipedia.org/wiki/Siegesallee

    Historischer Plan der Siegesallee mit der Siegessäule als nördlichen und dem Rolandbrunnen als südlichen Abschluss, an der Kreuzung mit der damaligen Charlottenburger Chaussee wurde das Sowjetische Ehrenmal errichtet

    Text des Artikels in der Berliner Zeitung

    20.4.2022 von Elmar Schütze - Eine CDU-Politikerin fordert, dass wegen des Ukraine-Kriegs die Panzer vom Mahnmal in Tiergarten verschwinden. Noch findet sie dafür wenig Mitstreiter

    Berlin - Sie stehen mitten in Berlin. Sie stehen für den Sieg der Roten Armee über die Wehrmacht, für die Befreiung Deutschlands und Europas vom Nationalsozialismus. Doch jetzt herrscht Krieg, russische Panzer zerstören die Ukraine. Sollen, ja, müssen nun die Panzer am Sowjetischen Ehrenmal in Tiergarten entfernt werden? Es ist ein Vorschlag der Berliner CDU-Abgeordneten Stefanie Bung, die damit eine Debatte ausgelöst hat.

    An diesem ziemlich kalten Aprilvormittag strahlt das Sowjetische Ehrenmal wenige Hundert Meter vom Brandenburger Tor in der Sonne. An der Frontseite sind jede Menge kyrillische Lettern zu sehen. An einer Seitenmauer steht in goldfarbenen Buchstaben: „Ewiger Ruhm den Helden, die in den Kämpfen mit den deutsch-faschistischen Eindringlingen für die Freiheit und Unabhängigkeit der Sowjetunion fielen.“ Zur Straße des 17. Juni hin flankieren zwei Panzer und zwei Kanonen, die in der Schlacht um Berlin im Einsatz gewesen sein sollen, den Zugang zum Mahnmal.

    Die Statuen seien Symbole der Kriegsführung des Putin-Regimes
    Stefanie Bung ist gebürtige Berlinerin, Wilmersdorferin, wie sie betont. Seit Jahrzehnten engagiert sie sich in der CDU. Sie saß schon einmal im Abgeordnetenhaus, arbeitete danach als selbstständige Projektmanagerin im Bereich Stadtentwicklung. Nach der Wahl vorigen Herbst kehrte sie zurück ins Berliner Landesparlament. Sie ist 42 Jahre alt.

    Für die Abgeordnete ist klar: „Deutschland und Berlin stehen in der Verantwortung, der Toten der Weltkriege zu gedenken und das Andenken an die vielen Gefallenen und Vertriebenen präsent zu halten.“ Die Rote Armee habe einen wesentlichen Beitrag zur Befreiung vom Naziregime geleistet. „Und wir vergessen nicht, dass es zu wesentlichen Teilen Soldaten aus der Ukraine und Belarus waren, die Berlin vom Nationalsozialismus befreit haben.“ Heute jedoch stünden die Geschütze nicht mehr nur für die Befreiung vom Nazi-Faschismus durch die Sowjetunion, sondern sie würden „zu Symbolen der aggressiven und territoriale Grenzen und Menschenleben missachtenden Kriegsführung des Putin-Regimes“.

    Aus Bungs Sicht sollen die Berliner Mahnmale der gefallenen Soldaten und des unendlichen Leids gedenken, das Kriege über die Menschen bringen. Von diesen Stätten gehe die Mahnung „Nie wieder Krieg“ aus. Deshalb: „Diese Panzer haben in der Berliner Erinnerungslandschaft, unserer Gesellschaft und im Regierungsviertel keinen Platz und müssen aus dem Berliner Stadtbild entfernt werden.“

    Sie wolle ihren Vorschlag mit ihrer Fraktion beraten und den Senat auffordern, sich beim Bund dafür einzusetzen, die Geschütze und Panzer zu entfernen.

    Es sieht so aus, als müsste Stefanie Bung noch Mitstreiter für die Idee finden. Bisher erfährt sie vor allem Ablehnung.

    Berlins Umweltsenatorin Bettina Jarasch (Grüne) jedenfalls findet, dass das Ehrenmal so bleiben soll, wie es ist. „Hier geht es um das Gedenken der Toten des Zweiten Weltkriegs, in dem aufseiten der Roten Armee Soldaten vieler Nationalitäten der Sowjetunion, darunter etliche russische und ukrainische, im Kampf gegen das Naziregime starben“, sagt sie. „Dieses Gedenken bleibt bedeutsam, auch in seiner historischen Gestalt.“

    Diepgen ist gegen einen Umbau

    Und auch Eberhard Diepgen, langjähriger Regierender Bürgermeister von Berlin, ist gegen einen Umbau. Angesichts der Bilder von den russischen Angriffen seien „Vorbehalte gegen die sowjetischen Panzer am Denkmal in der Mitte Berlins emotional verständlich“, sagte der CDU-Politiker im Gespräch mit der Berliner Zeitung. „Die Emotionen dürfen aber nicht zu unvernünftigen Ergebnissen führen“, so der 80-Jährige.

    „An der Befreiung von den Nazis 1945 und der Erinnerung daran ändern die Ereignisse 75 Jahre danach und die aktuelle russische Politik nichts“, sagte Diepgen. „Russische Panzer haben auch Konzentrationslager befreit.“ Er mahnte: „Bei Vernunft und Augenmaß kann das nur heißen: Hände weg von Geschichtsklitterung.“

    Das Ehrenmal ist eines der wenigen Beispiele für eine funktionierende Zusammenarbeit der vier Siegermächte über die Jahrzehnte. Das Ehrenmal wurde im November 1945 mit einer Parade der alliierten Truppen eingeweiht. Obwohl es sich im Westteil der Stadt befand, wurde das Ehrenmal durch sowjetische Soldaten bewacht. Die Briten, in deren Sektor das Mahnmal stand, garantierten die Sicherheit.

    Die Berliner hatten nicht mitzureden. Das bedeutete jedoch nicht, dass es zu allen Zeiten unumstritten war. Nach dem Mauerbau im Jahr 1961 riegelten die Briten das Gelände ab und schützten es vor wütenden Demonstranten. 1970 schoss ein Mann auf einen Wachsoldaten und verletzte ihn schwer.

    Doch West-Berliner Stadtgesellschaft und Politik reagierten auch subtiler auf das vor allem von manchen Konservativen als Provokation empfundene Heldengedenken der sozialistischen Weltmacht. Noch im Mai 1989 wurde auf Initiative eines Vorstands der Deutschen Bank auf dem Mittelstreifen der Straße des 17. Juni „Der Rufer“ aufgestellt, eine Skulptur des Bildhauers Gerhard Marcks. „Der Rufer“ blickt und ruft nach Osten Richtung Brandenburger Tor.

    Nach offizieller Lesart unterstützte das Denkmal Ronald Reagans „Tear down this wall!“-Rede zwei Jahre zuvor. Dass aber „Der Rufer“ direkt gegenüber dem sowjetischen Ehrenmal aufgestellt wurde, empfindet nicht nur Eberhard Diepgen wenn schon nicht als Kommentar, so doch „als Ergänzung“ zum Mahnmal. „Es war natürlich kein Zufall, dass der ‚Rufer‘ genau dort aufgestellt wurde“, sagt der damals wichtigste CDU-Politiker West-Berlins.

    Ein halbes Jahr später fiel die Mauer, im Jahr darauf wurde die deutsche Einheit vollendet. Im Dezember 1990 zogen die Ehrenwachen der Sowjetarmee vom Ehrenmal ab, die Anlage wurde an die Stadt Berlin übergeben. Und Deutschland verpflichtete sich in Vereinbarungen mit Russland, diese und andere Kriegsgräberstätten zu erhalten.

    Straße des 17. Juni 31-152 in Berlin - KAUPERTS
    https://berlin.kauperts.de/Strassen/Strasse-des-17-Juni-10557-10623-10785-Berlin

    Am 13.7.1953 wurde die Charlottenburger Chaussee zwischen Brandenburger Tor und S-Bahnhof Tiergarten in Straße des 17. Juni umbenannt. Am 3.11.1953 bekam auch die auf Charlottenburger Gebiet liegende Berliner Straße zwischen S-Bahnhof Tiergarten und Ernst-Reuter-Platz diesen Namen.

    Aktiengesellschaft für Lokomotivbau Hohenzollern, ein Beispiel für die Durchdringung der Hohenzollernherrschaft mit Strukturen des Großkapitals. Leider sagt der Wikipediaartikel wenig zu den genauen Eigentumsverhältnissen des Industriebetriebs.
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Aktiengesellschaft_f%C3%BCr_Lokomotivbau_Hohenzollern


    In den Hohenzollerschen Lokomotivfabriken wurden bis zuletzt Lokomotiven der Baureihe 80 hergestellt.

    #Deutschland #Berlin #Wilmersdorf #Tiergarten #Straße_des_17_Juni #UDSSR #Charlottenburger_Chaussee #Geschichte #Krieg #Kaiserreich #Kapitalismus #Feudalismus #Rote_Armee

  • Workers Have Been Fighting Automation Ever Since Capitalism Began
    https://jacobinmag.com/2022/04/automation-capitalism-technology-glassblowers-craftsmen-workers

    8.4.2022 by Alison Kowalski - The history of capitalism is one of constant revolution in the way goods are produced, transported, and sold. Every turn of the wheel has dramatic implications for workers who may find their bargaining power and livelihoods dissolving virtually overnight. The shift away from coal as an energy source left mining communities high and dry; the use of standardized shipping containers helped employers to break the strength of dockers’ unions.

    It’s hard now to imagine a world without cheap, mass-produced glass bottles. Anyone who visits a supermarket or a grocery store will see shelves groaning with them. But the story of how they came to be so ubiquitous and unremarkable is also a story of how capitalists use new technology to gain control over their workers. At a time when the shadow of automation hangs over so many workers, this is a very modern tale.

    Before plastic was an option, before Tetra Paks and pop-top cans, one of the best ways to store liquid was in glass bottles. Since antiquity, people had used them to preserve olive oil and wine. In nineteenth-century America, glass bottles were a choice container for commercial writing ink, shoe polish, and whiskey.

    Demand for bottles skyrocketed in the late 1800s after railroads stretched across the country, allowing for unprecedented distribution of goods. The market flooded with branded and patented products, from Coca-Cola to Dr Shoop’s Cough Remedy. To maximize sales, all these competing sodas and snake oils had to be bottled by the thousands and shipped around the nation.

    However, these bottles weren’t made by the massive iron, steam-spewing machines we might associate with the industrial era. They were made by hand with the same techniques used by artisans in ancient Rome, requiring simple tools, dexterous hands, strong muscles, and powerful lungs.

    First, a metal blowpipe was dipped into a furnace to gather a precise amount of molten glass. Next, a mold was closed over the glass gob and air was blown into the pipe, inflating the gob to fill the mold. Finally, the mouth of the bottle was shaped using hand tools.

    The process may sound simple enough. In reality, however, it was no mean feat to maneuver a long unwieldy pipe unbalanced by a red-hot blob on the move, quickly coaxing it into shape without ever actually touching it. In nineteenth-century America, glassblowers were so skilled and so hard to come by that entrepreneurs sent agents to Europe to scout talent and lure them overseas.

    These sought-after workers were some of the highest-paid artisans in the United States, earning as much as two-thirds more than other skilled artisans. In the 1890s, bottle blowers commonly earned well over $100 a month — the equivalent of over $3,000 today.

    The high cost and limited supply of glassblowers irked entrepreneurs who were eager to fulfill the ever-growing demand for glass bottles. With automation pervading all sorts of industries, from agriculture to newspaper publishing, the obvious remedy was some sort of machine that could reduce labor and increase output. Despite efforts to mechanize the glassblower’s work, and progress made in fits and starts, no machine found commercial success or destabilized the centuries-old hand traditions in the nineteenth century.

    At the beginning of the twentieth century, in Toledo, Ohio, Michael J. Owens patented a machine that changed glass-bottle production forever. A first-generation Irish American, Owens had begun working in the glass industry as a child laborer at the age of ten, shoveling coal into the furnace. At fifteen, he worked his way out of the unskilled ranks to become a glassblower.

    By the time he was in his thirties, in the 1890s, he had climbed a long ladder and landed a position as factory superintendent at the Libbey Glass Company. Shortly thereafter, with financial backing from his boss Edward Drummond Libbey, Owens tackled the problem troubling glass entrepreneurs.

    After years of trial and error, in 1903 Owens unveiled what would become the first commercially successful automatic bottle-making machine. In the following decades, he introduced a series of newer models, each reducing labor and increasing productivity, and went on to make millions of dollars.

    The largest of the Owens machines was more than sixteen feet wide and weighed more than seventeen elephants. A cylindrical agglomeration of pipes, pumps, and levers, it rotated above a pool of molten glass. Fifteen radial arms pumped down to dip into the pool and suck up just enough glass to make a single bottle. Each arm then rapidly blew a bottle to shape with a series of molds and compressed air.

    The machines Owens patented ran twenty-four hours a day, requiring only a modicum of low-wage labor, and no artisans. They transformed the industry. A single one could produce as many bottles as fifty glass workers.

    In 1905, before the machines infiltrated the industry, there were nine thousand glass bottle artisans in the United States. By 1917, the number had dwindled to two thousand, at which point Owens machines made half of all glass containers in the country. By 1920, they had displaced most bottle artisans, forcing them into jobs classified as unskilled. Among the unskilled ranks were operators of Owens machines, who worked longer hours and earned two-thirds less a day than glassblowers.

    It’s tempting to accuse the machines of obliterating the craft of bottle making. Before we jump to that conclusion, we need to think about what we mean when we use the word “craft,” and why we lament the loss of handwork at the expense of mechanization. In the modern sense of the word, craft typically implies a degree of freedom, creativity, and autonomy. You might think of a craftsperson as someone who has a say in what they make, what it looks like, and how they make it.

    Glass bottle artisans had none of these allowances, even before machines entered the workshop. Glassblowers worked in teams because the work was nearly impossible to do alone. Before 1870, a team usually consisted of one skilled artisan and two boy assistants. Thereafter, to increase productivity, employers divided labor so that three skilled artisans and three or four boys made a single bottle together.

    The boys were used for the unskilled tasks, like opening and closing the molds, carrying finished bottles to a cooling area, and cleaning blowpipes. Workers made the same products day after day. In a ten-hour shift, a team of six made up to 2,880 identical beer bottles.

    Handling hot viscous glass was dangerous work, done in the sweltering heat of furnaces exceeding two thousand degrees Fahrenheit. The real experience of these glass workers lacks the romance we might associate with artisanal labor.

    Nonetheless, throughout the nineteenth century, glassblowers were able to maintain relatively high wages and a say in how they worked because their skills were so valuable and rare. Organized labor played a key role in this, with unions fighting to counter the perpetual push by employers to lower costs, increase output, and gain ever greater control over production. Before their work was automated, glassblowers had power if not the upper hand in their relationship with their employers.

    There is a confounding twist in the biography of Michael J. Owens himself. He had been one of the most forceful leaders in a national glass union before rising to white-collar ranks. The machines he patented irrevocably wrested control from those he had previously fought alongside.

    For the glassblowers who managed to keep their positions in the decades after the Owens machines disrupted hand production, circumstances deteriorated. Unions accepted lower wages year after year in a desperate effort to maintain a small foothold in the industry. Glass workers also gave up the long-held custom of “summer stop,” when glass factories shut down for the two hottest months of the year because work conditions were intolerable.

    Mechanization, in the hands of Owens, made the skills of bottle artisans obsolete, robbing them of their value and leverage in a capitalist economy. Well before the hand was up against the machine, the worker was up against the capitalist. Automation tipped the scale.

    Most writers who have recounted the history of glass bottle making in the United States have not been concerned with the workers or the idea of craft. Since the early twentieth century, accounts have largely focused on Michael J. Owens, praising him for revolutionizing glass bottle production.

    Recent popular history books (and some academic ones) still portray him as a brilliant inventor and a self-made man. Despite being born into poverty, the story goes, Owens picked himself up by his bootstraps, worked hard, and took advantage of the fruits of industrial capitalism. It’s the stuff of American Dreams.

    The tale has been told on local public television in Ken Burns–style documentary shorts and on the website of an Ohio community college named after Owens. His legacy also lives on through the business he founded in 1903 to license the rights to his bottle machines. The company is still around today, now called O-I (short for Owens-Illinois, the company’s name as of 1929), and is headquartered just outside Toledo.

    The corporation’s reach has only grown since Owens was at the helm. A Fortune 500 company, O-I is the world’s largest manufacturer of glass containers. To make our wine bottles and jam jars, the company employs 26,500 people in twenty-three countries across four continents. O-I’s sprawl around the globe has carried with it the Owens tale, promoted as the company’s origin story throughout the O-I website and YouTube channel.

    This version of the story is more myth than history. Economic historian Warren Scoville offered a more measured account seventy-five years ago in his book Revolution in Glassmaking. Scoville’s research showed that Owens was the one who managed to procure capital to fund engineering experiments and then fabricate and patent the machine, but the machine itself was a group effort.

    His background as a glassblower was critical, giving him the material knowledge necessary to translate handwork into machine work. But the knowledge of the engineers with whom he collaborated was equally vital. Typically, Owens would come up with a vague idea and leave it to his engineering team to see if his vision could be worked out.

    On top of this, the first automatic machine Owens patented, the one that is memorialized for igniting the revolution, relied on three recent inventions developed by other people. The novel thing about his patent was that it brought these earlier innovations together into a single automated machine.

    It was also novel that he patented it. US patent law is premised on and fosters the myth of the lone inventor, according to legal scholar Mark A. Lemley. The law assumes that inventions are the products of individuals: a patent is filed by and awarded to one person, who then controls who is allowed to use the technology, and collects profits made off it. That person is also the one who goes down in the annals as the inventor.

    In defiance of this legal logic, innovation tends to be both collaborative and incremental. The vast majority of significant modern inventions have been the result of teams working together to take a critical step that stood on the shoulders of previous developments. Usually, the inventions we remember as revolutionary are the ones that made an emerging technology practical and commercially viable.

    Such was the case with Owens and his bottle machines. He secured his place in popular history and made his millions by obtaining patents, thereby legally controlling who could use the technology. US law empowered Owens to monopolize bottle production.

    According to the Owens myth, not only was he a scrappy genius, but his machines helped put an end to child labor in the glass industry. The notion of machines as labor liberators is flawed in multiple ways. His machines — the ones that changed the industry — first and foremost replaced the highly skilled and highly paid glassblowers. These artisans were the real problem for capitalists, not the low-wage, unskilled assistants.

    Labor historian Timothy Messer-Kruse has shown that the early Owens machines relied on more child laborers than had been the case for hand production. In the 1910s, the number of child laborers in the glass industry began to go down, but not necessarily because of mechanization. Rather, these declining numbers correlate with the introduction of Progressive Era child labor laws. The glass industry was an obvious target for Progressive reformers because it employed three times more children than the average industry.

    In fact, Owens was a vocal supporter of child labor. In 1922, he told The American Magazine:

    Young or old, work doesn’t hurt anybody. . . . One of the greatest evils of modern life is the growing habit of regarding work as an affliction. When I was a youngster, boys wanted to work. . . . In the factory, I went through all the jobs which boys performed; and I enjoyed every bit of the experience. . . . The hard work I did as a boy never injured me.

    Rather than being a beneficent industrialist who cared about the well-being of his workers, Owens had long prioritized productivity and profit over such considerations. In the early 1890s, shortly after his promotion to factory superintendent at Libbey Glass, his mold boys (the child workers who opened and closed the molds) went on strike. Instead of negotiating with them, Owens enlisted a blacksmith to develop a tool that could replace them. This was his first foray into mechanization, after which he soon set his sights on automating the artisans’ work.

    Eliminating children from a workforce, whether they were displaced by laws or machines, did not address the reason those boys had to work in the first place. When the children lost their jobs, they didn’t take home a severance package that could buy their families food, shelter, and clothing.

    Michael J. Owens is by no means a household name like Andrew Carnegie, Thomas Edison, or other figures mythologized as benevolent capitalists, self-made industrialists, or lone inventors. But cities all over the country have their own equivalents of Owens — Great Men believed to have brought wealth and renown locally while contributing toward the greater march of technological and social progress.

    Those who perpetuate the Owens myth today — corporate mouthpieces, writers, historians, archivists, and educators — can’t resist giving us a hero. The message they relay, however, is not the only one preserved in the history of glass bottles. A closer look at what remains from the past makes it plain that Owens was able to overpower and overshadow artisans, laborers, and engineers not because he worked harder or was more intelligent than them, but because capitalism enabled him to do so.

    About the Author

    Alison Kowalski is a historian who studies design and material culture from the late nineteenth century to present day.

    #USA #Kapitalismus #Lohn #Profit #Produktivität #Arbeitslosigkeit #Wissenschaft #Fortschritt #Technologie #Disruption

  • Benzinpreis Schockdoktrin revisited
    https://en.wikipedia.org/wiki/The_Shock_Doctrine

    Kein aktueller Link dieses Mal sondern eine Überlegung: Wie wäre es, wenn die Benzinsubventionen und anderen „Erleichterungen“ welche die deutsche Bundesregierung angesichts der Kriegs- und Spekulationsexzesse ausreicht, Teil des üblichen Drehbuchs wären, mit dem unerwünschtes Volk ausgekehrt und große Investitionen für noch größere Profite vorbereitet werden?

    Die geplanten Rüstungsausgaben in Höhe von 100 Milliarden Euro sprechen eine deutliche Sprache.

    Naomi Klein hat das bereits im Jahr 2007 in The Shock Doctrine, The Rise of Disaster Capitalism am Beispiel der Überschwemmung von New Orleans in #Louisiana, #USA beschrieben.

    Die Zerstörung des Taxigewerbes muss auch in diesem Zusammenhang betrachtet werden.

    Blank Is Beautiful, THREE DECADES OF ERASING AND REMAKING THE WORLD
    ...
    The news racing around the shelter that day was that Richard Baker , a prominent Republican congressman from this city, had told a group of lobbyists, “We finally cleaned up public housing in New Orleans. We couldn’t do it, but God did .”

    Joseph Canizaro, one of New Orleans’ wealthiest developers, had just expressed a similar sentiment: “I think we have a clean sheet to start again. And with that clean sheet we have some very big opportunities.”

    All that week the Louisiana State Legislature in Baton Rouge had been crawling with corporate lobbyists helping to lock in those big opportunities: lower taxes, fewer regulations, cheaper workers and a “smaller, safer city”—which in practice meant plans to level the public housing projects and replace them with condos. Hearing all the talk of “fresh starts” and “clean sheets,” you could almost forget the toxic stew of rubble, chemical outflows and human remains just a few miles down the highway.

    Over at the shelter, Jamar could think of nothing else. “I really don’t see it as cleaning up the city. What I see is that a lot of people got killed uptown. People who shouldn’t have died.”

    He was speaking quietly, but an older man in line in front of us overheard and whipped around. “What is wrong with these people in Baton Rouge? This isn’t an opportunity. It’s a goddamned tragedy. Are they blind?”

    Richard Baker verrät seine, in Kapitalkreisen weit verbreitete, Wahrnehmung der unsichtbaren Hand : Es ist die Hand Gottes, die für ein gut bestelltes, fruchtbares Feld sorgt, alle Schädlinge ausmerzt und Dollarblumen aus den faulenden Kadavern seiner Opfer sprießen läßt.

    Arme Menschen fragen, wie Gott millionenfache Schicksalsschläge zulassen kann. Millionär Richard Baker gibt ihnen die aufrichtige wie unbarmherzige Antwort. Gott ist der Herrschergott, der Gott seiner Klasse.

    Die aktuelle SPD-Bürgermeisterin Berlins steht mit oder ohne religiöse Begründung für exakt diese Politik: Mehr bauen, mehr teure, profitable Wohnungen, eine besser gekehrte, saubere, von ihren dreckigen Armen befreite Stadt.

    Richard Baker
    https://en.wikipedia.org/wiki/Richard_Baker_(American_politician)#Hurricane_Katrina

    Richard Baker Net Worth
    https://wallmine.com/people/20180/richard-a-baker

    The estimated Net Worth of Richard A. Baker is at least $7.03 Million dollars as of 31 October 2019. Mr. Baker owns over 50,000 units of Retail Opportunity Investments Corp stock worth over $5,192,955 and over the last 11 years he sold ROIC stock worth over $933,000. In addition, he makes $903,717 as Non-Executive Chairman of the Board at Retail Opportunity Investments Corp.

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