• Falsche Bewegung, 1975, Wim Wenders
    via https://diaspora.psyco.fr/p/12511819

    https://www.deutschlandfunk.de/wim-wenders-zieht-film-falsche-bewegung-vorerst-zurueck-104.html

    Das Drehbuch wurde von Peter Handke auf der Basis von Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ erstellt. - Wikipedia
    https://de.wikipedia.org/wiki/Falsche_Bewegung

    oAnth:

    Wir können, wie das aktuelle Beispiel zu verstehen gibt, davon ausgehen, dass von nun an je nach politisch-ideologischer Großwetterlage oder individueller Befindlichkeit, Bücher, Filme und alle Arten von Kunst zensiert oder dem Publikum vorenthalten werden dürfen - was als ein Warnsignal verstanden werden sollte und es hoch an der Zeit ist, einen Online-Index über „der Öffentlichkeit nicht mehr zugängliche oder zensierte Kunstwerke“ einzurichten.

    Bei Filmen und Werken, die noch zugänglich gehalten werden, wäre es m.E. geboten auszuweisen, inwieweit sie der ursprünglich vom Autor, Regisseur, Künstler freigegebene Version entsprechen, und unter welchen Bedingungen Orginalversionen zugänglich gemacht werden können. Hierzu hieße es auch einen Kommentar mitzugeben, woraus sich die jeweiligen Beweggründe für dgl. Einschränkungen unmissverständlich entnehmen lassen.

    Der Gefahr, dass sich weiße Flecken in der Kulturlandschaft herausbilden, die sich so gut wie von niemandem mehr vermuten lassen, da man es nicht für nötig hielt, zu den zurückgenommenen und nachträglich veränderten Artefakten eine Dokumentation bereit zu stellen, gilt es rechtzeitig zuvor zu kommen, denn die Prozesse des kulturellen Vergessenwerdens und qualitativ mindernden Nivellierens nehmen mit zunehmender Medien- und PR-orientierter Wahrnehmungs- und Verhaltensprägung rasant zu, ein Prozess, der sich bereits jetzt in hohem Maße bei den Entscheidungsträgern der durch den Neoliberalismus geprägten westlichen Hemisphäre in deren medial zugänglichen Äußerungen ablesen lässt und der das gesamte öffentliche Leben qualitativ auszuhölen droht.

    #Kino #Film #Kunst #Literatur #Zensur #Deutschland #CancelCulture #Biografie #Index #Nivellierung

    • cf. l’article chez franceinfo.fr ici :
      https://seenthis.net/messages/1175565

      [...]

      En 2024, dans le média RTL(Nouvelle fenêtre), Nastassja Kinski racontait des souvenirs douloureux de ce tournage « Pourquoi ne l’ont-ils pas filmée autrement ? », se demande-t-elle en racontant qu’elle pleurait après le tournage de cette scène. « Je veux confronter les responsables. Je veux des excuses pour ce qui s’est passé », exige l’actrice d’aujourd’hui 65 ans.

      Elle a tout d’abord tenté de négocier avec le réalisateur, sans l’intermédiaire d’un avocat. Sans succès. L’entourage du cinéaste fait valoir qu’il n’existe aucun droit légal à la suppression de la scène ou à la modification du film. L’avocat de Nastassja Kinski regrette que Wim Wenders soit « intouchable en Allemagne ».

      « Les sensibilités ont changé, nous vivons dans un monde complètement différent de celui d’il y a cinquante ans », a expliqué le 29 mai le réalisateur, alors qu’il recevait le Prix d’honneur de l’Académie allemande du cinéma lors du gala à Berlin.

      [...]

      #cinéma #Art #censure #Allemagne #Culture de l’annulation #biographie #index #nivellement

  • 09.02.2026 Applaus für die offiziellen Partner der 76. Berlinale
    https://www.berlinale.de/de/presse/pressemitteilungen/detail_275330.html

    Kein Uber dafür aber ...
    https://en.wikipedia.org/wiki/Dead_Men_Don%27t_Wear_Plaid
    ... notieren wir unsere #FOC (Friends of Carlotta) und #EOC (Ennemies of Carlotta) im Text der Berlinaledokumente weiter unten. Nicht alle Berlinale-Sponsoren können eindeutig einem Lager zugeordnet werden. Viele bleiben ohne Carlotta-Attribut.

    Die 76. Internationalen Filmfestspiele Berlin werden von den Hauptpartnern Armani beauty und CUPRA unterstützt. TikTok erweitert sein Engagement und wird ab 2026 gemeinsam mit Mastercard, Potsdamer Platz und Staropramen Co-Partner des Festivals. Die Medienpartner rbb und ZDF komplettieren die Ebene der Co-Partner. Auch Miraval baut die Unterstützung aus und ist ab 2026 Drittpartner.

    „Die Arbeit unseres Teams wäre ohne die großartige Unterstützung von rund 40 Partnern und Supportern, die nach wie vor an unsere Mission glauben, nicht möglich. Wir feiern daher nicht nur die Filme und Filmschaffenden, sondern auch die Partner, die die Berlinale wertschätzen und mit ihrem Engagement stärken”, kommentiert Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle.

    Die Hauptpartner

    Armani beauty

    Armani beauty unterstützt die Berlinale als Hauptpartner und offizieller Beauty-Experte. Armani beauty wird Make-up-Services für die Gäste der Berlinale anbieten, darunter auch Stars, die im Armani-Look über den Roten Teppich gehen werden. Das Berlinale-Publikum hat die Möglichkeit, sich kostenfrei im Armani beauty-Pop-up auf dem Potsdamer Platz schminken zu lassen.

    Seit über 20 Jahren verzaubert Armani beauty mit einzigartigen Texturen in Make-up-Produkten, mit innovativen Skincare-Formeln und seltenen Inhaltsstoffen in Düften. Die Kooperation mit der Berlinale unterstreicht die besondere Beziehung, die die Marke mit der Welt des Filmemachens unterhält und die auf der lebenslangen Liebe zum Kino von Giorgio Armani persönlich beruht. Armani beauty Botschafter*innen Cate Blanchett, Sydney Sweeney, Nathalie Emmanuel und Nicholas Galitzine verkörpern die intime Verbindung zwischen Kino und Beauty.

    CUPRA

    Die Automobilmarke aus Barcelona unterstützt die Berlinale erneut als Haupt- und Mobilitätspartner und stellt die Fahrzeugflotte für das Festival zur Verfügung. Filmteams, Jurymitglieder sowie Gäste werden emissionsfrei mit dem vollelektrischen SUV-Coupé CUPRA Tavascan zu Premieren und Events vorgefahren. 

    Mit ihrem Engagement in der Musik- und Festivalszene steht die junge Marke seit ihrem Launch auch außerhalb der Automobilbranche für Leidenschaft und Inspiration. Über die fortlaufende Partnerschaft mit der Berlinale setzt CUPRA neue Impulse und widmet sich verstärkt der Filmbranche. Im Rahmen der Berlinale 2025 sorgte die Marke mit der Einführung des Berlinale Shorts CUPRA Filmmaker Award für ein Highlight, das unkonventionelle filmische Stimmen fördert.

    Darüber hinaus erweitert CUPRA die Berlinale-Partnerschaft und unterstützt in Kooperation mit Berlinale Talents und Studio Babelsberg kreative Talente mit der Initiative The Dream Makers, einem Kurzfilmwettbewerb, der Filmschaffenden aus aller Welt die Möglichkeit gibt, ihre kühnsten Ideen zum Leben zu erwecken. 

    Mastercard

    Als internationales Technologieunternehmen sorgt Mastercard weltweit dafür, dass Zahlungen sicher und smart abgewickelt werden. Mastercard ist bereits seit 2015 Partner der Internationalen Filmfestspiele Berlin. Zudem unterstützt Mastercard als Co-Partner von Berlinale Talents 200 ausgewählte Kreativschaffende aus 14 verschiedenen Disziplinen der Filmbranche.

    Das weltweit einzigartige Mastercard Enablement Programme kehrt für seine sechste Ausgabe zurück, in der Berlinale Talents und Mastercard nachhaltige, kinobezogene Projekte unterstützen. Die diesjährige Jury besteht aus dem Schauspieler, Autor, Regisseur und Produzenten Lamin Leroy Gibba (Dogfriend, Black Fruit), der Regisseurin und Berlinale Talents-Alumna Mala Reinhardt (The Second Attack, Familiar Places) und Maximilian Floegel, Vice President of Marketing Communications bei Mastercard für die DACH-Region.
    Die Co-Partner
    TikTok

    Als offizieller Entertainment-Partner der 76. Internationalen Filmfestspiele Berlin bekräftigt TikTok sein fortlaufendes Engagement für die Filmkultur. Mit der Partnerschaft bietet TikTok etablierten Filmschaffenden, aufstrebenden Talenten, Kreator*innen und der globalen Community eine Bühne — und stärkt die filmische Vielfalt auf der Plattform ebenso wie vor Ort beim Festival. Über den offiziellen @berlinale-Account sowie die Hashtag-Seiten #Berlinale2026 und #WhatToWatch erhalten Filmfans unmittelbare, authentische Einblicke: vom Roten Teppich bis hinter die Kulissen. So wird das Festivalerlebnis nahbar und für alle zugänglich. 

    Weiterhin engagiert sich TikTok beim European Film Market und bei Berlinale Talents mit vielfältigen Formaten für Branche und Nachwuchs. Ein Highlight ist das Panel am 13. Februar um 17:00 Uhr im Rahmen des European Film Market, das beleuchtet, wie Film-Fandom und Community-Engagement auf TikTok den Erfolg von Filmen und Serien maßgeblich beeinflussen können.
    Potsdamer Platz

    Der Potsdamer Platz ist auch in diesem Jahr wieder Co-Partner sowie zentraler Festivalort der Berlinale. Mit Beginn des Filmfestivals verwandelt sich das Theater am Potsdamer Platz in den Berlinale Palast und das gesamte Quartier begrüßt Filmschaffende, Stars und Fans aus aller Welt. Mit The Playce bietet das Quartier Shopping und Entertainment sowie Kunst- und Kulturerlebnisse für die Besucher*innen.
    Staropramen

    Als Co-Partner unterstützt das No. 1-Bier aus Prag wieder die Berlinale bei diversen Veranstaltungen. Die Premium-Biermarke ist seit über 150 Jahren berühmt für seine Brauexpertise, welche selbst die anspruchsvollsten Biertrinker*innen der Welt begeistert. Leidenschaft und Expertise verbinden Staropramen mit der Berlinale und der Welt des Kinos. Der Berlinale HUB direkt am Roten Teppich vor dem Berlinale Palast wird von Staropramen mit einer eigenen Bar unterstützt.
    rbb

    Der rbb unterstützt die Berlinale als Medienpartner mit der Aufzeichnung der Red-Carpet-Shows am Berlinale Palast. Als Poolführer stellt der rbb die Weitergabe von TV-Bildern an die zahlreichen nationalen und internationalen Sender sicher. Darüber hinaus berichtet der Sender ausführlich im rbb (Radio/TV/Online) und in der ARD/Das Erste über die Berlinale. Die Eröffnungsgala wird zeitversetzt vom rbb übertragen.
    ZDF

    Das ZDF ist seit über 20 Jahren ein verlässlicher Partner der Internationalen Filmfestspiele Berlin. Auch im Jahr 2026 unterstützt das ZDF die Berlinale als Medienpartner und wird in seinen aktuellen und kulturellen Formaten intensiv und hintergründig über die 76. Berlinale berichten. Die Eröffnungsgala wird zeitversetzt vom ZDF-Partnersender 3sat übertragen.

    Drittpartner: Colt Technology Services, GWFF, HYGH, Miraval, Object Carpet, Pharos, Ströer

    Die Gesellschaft zur Wahrnehmung von Film- und Fernsehrechten (GWFF)

    stiftet den mit 50.000 Euro dotierten Preis Bestes Spielfilmdebüt in der Sektion Perspectives.

    Supplier: AchtBerlin, ARRI, Barco, Berlin Cuisine, Canon, ChariTea, Cinecert, CineStar, Dolby, The Feuerle Collection, Harkness Screens, Husumer Mineralbrunnen, Ilg Außenwerbung, Letterboxd, Rausgegangen, Top-IX

    Weitere Informationen zu allen Partnern der Berlinale.
    https://www.berlinale.de/de/festival/partner/alle-partner.html

    Hauptpartner
    https://www.berlinale.de/de/festival/partner/hauptpartner.html

    Armani beauty
    https://www.armanibeauty.de

    CUPRA #FOC
    https://www.cupraofficial.de

    Co-Partner
    https://www.berlinale.de/de/festival/partner/co-partner.html

    Mastercard
    https://www.mastercard.de/de-de.html

    TikTok
    https://www.tiktok.com/@berlinale
    https://www.tiktok.com/tag/berlinale2026
    https://www.tiktok.com/tag/whattowatch
    https://www.tiktok.com/@berlinale

    Potsdamer Platz
    https://www.potsdamerplatz.de/de

    Staropramen #FOC
    https://www.staropramen.com/de-DE

    rbb #FOC
    https://www.rbb24.de

    ZDF #FOC
    https://www.zdf.de

    Drittpartner
    https://www.berlinale.de/de/festival/partner/drittpartner.html#colt

    Colt Technology Services
    https://www.colt.net/de

    GWFF
    https://www.gwff.de/nachwuchsfoerderung.html

    HYGH
    https://hygh.tech

    Miraval
    https://www.miraval.com/en/home

    Object Carpet
    https://www.object-carpet.com/de

    PHAROS – The Post Group
    https://www.pharos.de/home

    Ströer
    https://www.stroeer.de

    Supplier
    https://www.berlinale.de/de/festival/partner/supplier.html

    AchtBerlin
    https://acht.berlin

    ARRI
    https://www.arri.com/en

    Barco
    https://www.barco.com/de

    Berlin Cuisine
    https://www.berlin-cuisine.com

    Canon
    https://www.canon.de

    ChariTea
    https://charitea.com

    CineStar
    https://www.cinestar.de/kino-berlin-cubix-am-alexanderplatz

    CineCert
    https://cinecert.com

    Dolby
    https://www.dolby.com/de/de/index.html

    Harkness Screens
    https://www.harkness-screens.com

    Husumer Mineralbrunnen
    https://www.husumer-mineralbrunnen.de/start

    Letterboxd
    https://letterboxd.com/berlinale_ifb
    https://letterboxd.com

    Rausgegangen GmbH
    https://rausgegangen.de/berlin

    The Feuerle Collection
    https://www.thefeuerlecollection.org/de

    TOP-IX
    https://www.top-ix.org/en/home-eng

    Kooperationspartner

    Crackers
    https://crackersberlin.com/de

    DNA Media Worldwide
    http://dnamedia.london

    Einstein Kaffee
    https://einstein-kaffee.de

    Gebrüder Fritz
    https://www.gebruederfritz.com

    #Berlin #Kino #Berlinale #2026 #Werbung #Sponsoring

  • Eine Jaffa-Orange
    https://www.arte.tv/de/videos/104909-000-A/eine-jaffa-orange
    https://arteptweb-a.akamaihd.net/am/ptweb/104000/104900/104909-000-A_SQ_0_VO-STF_09963924_MP4-2200_AMM-PTWEB-101143117

    27 Min., Verfügbar bis zum 15/06/2025

    TV-Ausstrahlung am Freitag, 30. Mai um 04:20

    Sendung vom 18/05/2025

    Mohammed, ein junger Palästinenser, sucht verzweifelt nach einem Taxi, mit dem er über einen Checkpoint zu seiner Mutter fahren kann, die auf der israelischen Seite auf ihn wartet. Der Taxifahrer Farouk zögert, da der junge Mann keinen Passierschein hat, sondern nur eine europäische Aufenthaltsgenehmigung. Der Ärger beginnt ...

    Mit

    Samer Bisharat (Mohammed)

    Kamel El Basha (Farouk)

    Regie

    Mohammed Almughanni

    Drehbuch

    Mohammed Almughanni

    Produktion

    Synecdoche

    Indeks Film Studio

    Lumisenta Film Foundation

    Produzent/-in

    David Frenkel

    Patryk Sielecki

    Marcin Malatynski

    Schnitt

    Natalia Jachec

    Musik

    Robert Logan

    Ton

    Aleksandra Landsmann

    Land

    Frankreich

    Polen

    Jahr

    2022

    #Kino #Taxifilmfest #Palästina #Israel #Film #Taxi

  • Gegen die Ubernahme der Stadt
    https://jungle.world/artikel/2025/08/taxi-filmfest-gegen-die-ubernahme-der-stadt

    29.2.2025 von Holger Heiland - Das Taxifilmfest ist nicht einfach nur ein weiteres Filmfest, sondern ein Protest für gute Arbeitsbedingungen und Arbeitsrechte von Personenbeförderern.

    Zwei Tage vor der Eröffnung der 75. Internationalen Filmfestspiele von Berlin steht Klaus Meier in der Kälte vor dem Berlinale-Palast und wartet auf seine Mitstreiter. Er ist einer der Veranstalter des 2. Taxifilmfests; bei dessen Erst­auf­lage waren während der vorigen Berlinale in Taxis Filme mit Taxibezug gezeigt worden. Nicht nur seine Mitstreiter, sondern auch die für die Filmvorführungen aufgerüsteten Großraumtaxen lassen auf sich warten.

    »Improvisation gehört dazu«, erklärt Meier der Jungle World. »Noch ist nicht alles ausdiskutiert. Etwa, ob wir Filme wieder nur in den Taxen zeigen. Das hieße, dass immer je acht Menschen eine Vorstellung besuchen können. Wir könnten die Wagen aber auch als Shuttles nutzen, um unser Publikum in einen komfortabel geheizten Kinosaal zu befördern.«

    Das Taxikultur-Team, dem neben Meier die Taxiunternehmer:innen Stephan Berndt und Irene Jaxtheimer angehören, stellt sich an den Festival­tagen bis zur Dämmerung den Fragen von Interessierten, informiert über das Programm und ihren Protest »gegen die Übernahme der Stadt durch Plattformkapitalisten und Ausbeuter«.

    »Eine angekündigte Fachkunde­prüfung als Voraussetzung für die Erteilung einer Beförderungslizenz lässt bis heute auf sich warten.« Klaus Meier, Veranstalter des Taxifilmfests

    Veranstaltungen wie die Berlinale – mit 2024 nach eigenen Angaben 329.502 verkauften Tickets eines der größten Publikumsfilmfestivals auf der Welt – sind seit langem wichtiger Teil des Stadtmarketings. Sie sollen helfen, Investoren und damit Steuereinnahmen anzulocken. Gerade deshalb stellte es für den Filmenthusiasten Meier, der neben seinem Beruf schon für das Videofilmfest (seit 1988) und die daraus entstandene Transmediale gearbeitet hat, einen Skandal dar, dass der Haupt­sponsor der Berlinale in den beiden vergangenen Jahren ausgerechnet der Vermittlungsdienstleister Uber war.

    »Das war kein gutes Zeichen, weder für das Festival noch für die Stadt. Zumal sich die Berlinale ja als dezidiert politisches Festival versteht.« Uber selbst beschäftigt keine Fahrer, sondern betreibt nur die Plattform, auf der diese ihre Dienste anbieten können. Das Geschäftsmodell führt Meier zufolge zu »Schwarzarbeit, Lohndumping und Steuerhinterziehung«. Das Unternehmen ziehe sich aus der Verantwortung und argumentiere damit, dass es nur als Vermittler auftrete, das lediglich seine App zur Verfügung stelle.

    Der RBB titelte bereits 2023 nach einer Recherche zum Uber-System: »Fahrer sind Opfer organisierter Schwarzarbeit«. Der Fachgebietsleiter der Finanzkontrolle Schwarzarbeit beim Hauptzollamt Berlin berichtete der Zeitung von Firmen, die gegründet würden, um »in großem Umfang Arbeitnehmer« als Fahrer zu beschäftigen, die dann nicht sozialversichert seien.
    Illegale Taxifahrten über Uber und Bolt

    Mitte Januar gab es in einem solchen Fall Hausdurchsuchungen in mehreren Bundesländern wegen des Verdachts der besonders schweren illegalen Beschäftigung, der besonders schweren Steuerhinterziehung und der bandenmäßigen Urkundenfälschung. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main wirft insgesamt 30 Personen vor, seit 2022 illegale Taxifahrten über Uber und Bolt angeboten zu haben.

    »Den Fahrer:innen bringt das in der Summe Unsicherheit und den Zwang, ständig zu arbeiten, um überhaupt etwas zu verdienen. Das führt oft in biographisch ausweglose Lagen«, weiß Meier aus seiner langjährigen Erfahrung als hauptberuflicher Taxifahrer. Seit er nicht mehr selbst hinterm Steuer sitzt, berät er ehemalige Kolleg:in­nen in prekären Arbeitsverhältnissen als Taxi-Soziallotse für das vom Senat geförderte Berliner Arbeitslosenzen­trum (Balz). Seit Jahren engagiert er sich zudem in der AG Taxi, einer gewerkschaftlichen Gruppe im Rahmen von Verdi Berlin, und setzt sich dafür ein, die Anliegen der gewerkschaftlich kaum organisierbaren Angestellten im Taxigewerbe zu Gehör zu bringen.

    Von den politisch Verantwortlichen fordert er beispielsweise, sich den Hamburger Senat zum Vorbild zu nehmen und durch angemessene Ordnungs- und Kontrolltätigkeit die wirtschaftliche Situation der Beschäftigten zu verbessern. In Hamburg werden kaum Uber-Fahrzeuge zugelassen. Der Senat bezweifelt die zumindest kostendeckende Betriebsführung des durch Apps vermittelten Mietwagenverkehrs. Um zugelassen zu werden, sind die Unternehmen dazu verpflichtet, einen Geschäftsplan vorzulegen.

    Mit seinen Protestaktionen war Meier bereits erfolgreich. Aus einer Plakataktion gegen Uber 2023 entstand 2024 das Taxifilmfest mit Filmen aus privaten DVD-Sammlungen. Das Festival erhielt weltweit Aufmerksamkeit. Das trug sicher mit dazu bei, dass Uber sich in diesem Jahr als Sponsor der Berlinale zurückgezogen hat.
    »Gegen-Kartographie«

    Das Taxifilmfest hat sich mittlerweile etabliert. 1.640 Filme von Filme­macher:innen aus aller Welt wurden in diesem Jahr eingereicht. Gezeigt werden davon fünf Spiel- und 59 Kurzfilme. Von grell bis experimentell dreht sich alles ums Taxifahren und seinen Beitrag zur urbanen Kultur. Einst auf Super 8 gedrehte Einblicke in die Berliner Gegenkultur der siebziger und achtziger Jahre gibt es auch – in Erstaufführung.

    Besonders stolz ist Meier auf den Workshop »Besser als die App«. Da gehe es um die Besinnung auf eigenes Wissen und Stärken, um auf Navigationssysteme bauende Beförderungsmodelle alt aussehen zu lassen. »Unter Verkehrsminister Scheuer wurde die Ortskundeprüfung abgeschafft. Dadurch sind die Fahrer:in­nen enteignet worden und die Qualität der individuellen Personenbeförderung wurde schlagartig schlechter. Eine angekündigte Fachkundeprüfung als Voraussetzung für die Erteilung einer Beförderungslizenz lässt bis heute auf sich warten.«

    Das Werkzeug, das der Workshop an die Hand gibt, heißt »Gegen-Kartographie«. Kartieren wird dabei als Praxis verstanden. In Karten, so die Überlegung, sind immer schon Interessen und damit Herrschaftsstrukturen eingeflossen und werden dadurch verfestigt. Die Gegen-Kartographie ist hingegen auf die Perspektive der Akteure ausgerichtet. Am Beispiel von Taxifahrer wären also Fragen wie die entscheidend, wie ein konkreter Platz aussieht, wo man abbiegen, sich einordnen oder parken kann. Taxifahrer:innen bietet das die Möglichkeit, ihre Interessen klar zu formulieren und ihre Rechte durchzusetzen. Eine Preisverleihung für die beim Taxifilmfest ausgezeichneten Filme gibt es natürlich auch.

    #Berlin #Mitte #Friedrichshain #Moabit #Potsdamer_Straße #Potsdamer_Platz #Alt_Stralau #Markgrafendamm #Beusselstraße #Wiclefstraße #Kultur #Kino #Film #Taxifilmfest

  • Platznot-Ausrede bei Berlinale-Eröffnungsgala: AfD muss erneut draußen bleiben
    https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/platznot-ausrede-bei-berlinale-eroeffnungsgala-afd-muss-erneut-drau

    Tja, zum Taxifilmfest wird die Bande auch nicht eingeladen. Warum wohl.

    7.2.2025 von Elmar Schütze, Kevin Gensheimer - Zur Eröffnung der Filmfestspiele am Donnerstag wird niemand von der AfD dabei sein – sie erhielten keine Einladung. Wie sind die Reaktionen?

    Die Verteilung der Einladungen für die Eröffnung der Berlinale am kommenden Donnerstag entwickelt sich auch 2025 zu einem Politikum. Doch diesmal liegen die Dinge offenbar anders als im Vorjahr, als Vertreter der AfD erst ein- und später wieder ausgeladen wurden. Die Berliner AfD sprach damals empört von einem Skandal. Dieses Jahr werden Politiker der in Teilen rechtsextremen Partei offenbar gar nicht erst eingeladen.

    Üblicherweise erhalten die Fraktionschefs sowie die medien- oder kulturpolitischen Sprecher der im Berliner Abgeordnetenhaus vertretenen Fraktionen Freikarten zur Eröffnung der Filmfestspiele. Das galt bis 2023 auch für die Vertreter der AfD. Seitdem ist alles anders.

    Recherchen der Berliner Zeitung für dieses Jahr zeigen: Die meisten Fraktionen haben erneut Einladungen erhalten. So bestätigten auf Anfrage die Fraktionen von CDU, SPD, Grünen und Linken, eingeladen worden zu sein.

    Ganz anders bei AfD-Fraktionschefin Kristin Brinker und AfD-Medienpolitiker Ronald Gläser. Beide haben bisher keine Einladung erhalten. Nach Gläsers Worten müsse das noch keine endgültige Entscheidung sein. In früheren Jahren seien Einladungen manches Mal erst wenige Tage vor dem Termin eingetroffen. Dass dies auch jetzt der Fall sein könnte, hält Gläser jedoch für unwahrscheinlich. „Wir gehen davon aus, dass wir keine kriegen werden“, sagte er der Berliner Zeitung.

    Berlinale-Ehrenkarten nur noch ohne Begleitung in diesem Jahr

    Ein Grund könnten die Platzverhältnisse sein, hieß es. So weist der CDU-Kulturpolitiker Robbin Juhnke auf die Platznot der Veranstalter in diesem Jahr hin. Schließlich seien die Verleihung des Ehrenbären – an Tilda Swinton – und die Eröffnung zusammengelegt worden. So sind Karten für dieses Jahr explizit nur „ohne Begleitung“ gültig, so Juhnke.

    Das Argument mit dem verkleinerten Kontingent könnte zu einer Aussage von Berlinale-Chefin Tricia Tuttle passen – demnach wäre es aber nur ein Teil der Wahrheit. So sagte Tuttle vor wenigen Tagen in einem Interview mit der Berliner Zeitung: „Jedes Mal, wenn wir einen Vorschlag für einen unserer hart umkämpften Plätze bekommen, überlegen wir, ob das jemand ist, der das, was die Berlinale ist und was sie tut, auch wirklich unterstützt.“

    AfD-Ausladung: Die Berlinale erleichtert den Rechten das Spiel

    AfD-Fraktionschefin Brinker macht sich ihren eigenen Reim daraus. „Es ist sicher nicht nur eine Frage des Anstands, ob die Veranstalter der Berlinale die Vorsitzende einer demokratisch ins Berliner Abgeordnetenhaus gewählte Fraktion einladen, sondern auch eine Frage des Respekts vor demokratischen Institutionen und deren Repräsentanten“, teilt sie auf Anfrage mit.

    Auf eine erste Anfrage der Berliner Zeitung zur diesjährigen Einladungspraxis hatte die Berlinale geantwortet: „Es ist gute Tradition, dass das Festival über seine Ehren- und Sondergäste informiert und sich nicht zu anderen Festivaleinladungen äußert. Wir machen unsere Einladungsliste nicht öffentlich. Was die Berlinale allen Gästen versprechen kann: Wir bieten ihnen einen inklusiven Raum, in dem unsere Werte gelebt und respektiert werden.“ Auf erneute Anfrage explizit zur AfD heißt es nun einsilbig: „Wir machen unsere Einladungsliste nicht öffentlich.“

    Zustimmung für ihre Haltung zur AfD erhält die Berlinale von der SPD. Die Medienpolitikerin Melanie Kühnemann-Grunow erinnert im Gespräch mit der Berliner Zeitung daran, dass die Berlinale „das politischste aller großen Filmfestivals“ sei. Angesichts der „Tragweite der aktuellen Diskussion“ sei die Entscheidung gegen die AfD „okay“, sagt die SPD-Abgeordnete.

    #Kino #Berlin #Politik #Berlinale

  • Programm - TAXIFILMFEST
    https://www.taxifilmfest.de/article85.html

    2. Taxifilmfest 13.-22. Februar 2025

    Am 3. Februar 2025 ist Anmeldeschluss für Filme und Videos beim Taxifilmfest.
    Fünf Tage später am 8. Februar wird hier das Festivalprogramm veröffentlicht.

    Bis dahin erfahren Sie Neues in umserem Blog.
    https://www.taxifilmfest.de/blog
    Sie können unserem Mastodon-Account folgen.
    https://berlin.social/@taxi

    Die Nachmittage des Taxifilmfest widmen wir Begegnungen und Entdeckungen in Gestalt von Workshops, Podien und Kurzfilmen. Im Abendprogramm zeigen wir die ausgewählten Vor- und Hauptfilme.

    Themen und Filme werden wir Anfang Februar vorstellen.

    #Berlin #Taxi #Kino

  • « Extérieur, nuit » : le beau film oublié sur la génération 68
    https://www.lemonde.fr/cinema/article/2010/01/23/exterieur-nuit-le-beau-film-oublie-sur-la-generation-68_1295667_3476.html

    Deutscher Verleihtitel : Die Taxifahrerin

    23.1.2010 par Jean-Luc Douin - André Dussollier, Gérard Lanvin et Christine Boisson : trois paumés dirigés par Jacques Bral. Ce long métrage ressort en salles le 27 janvier.

    On a dit et redit que Mai 68 n’avait pas engendré de films en phase avec l’époque. Dans les décennies qui suivirent, les manifs, grèves, débats, mais aussi l’empreinte laissée sur la société française ont néanmoins inspiré des oeuvres mineures, aux héros hantés par le désenchantement, le désarroi de ne pas vivre dans un monde conforme à leurs désirs, voire habités par l’espoir de bousculer les moeurs.

    Quelque peu oubliés, ces films, plus psychologiques que politiques, ont été un temps ce que l’on appelle « cultes » pour un public trop restreint. Parmi eux, Les Doigts dans la tête, de Jacques Doillon (1974), dans lequel un apprenti mécanicien s’arrêtait de travailler dès qu’il avait gagné un peu d’argent, et entraînait un ami boulanger dans une grève libertaire, avec apprentissage sexuel.

    Il y a aussi Pourquoi pas !, de Coline Serreau (1977), qui campait un ménage à trois utopique, où Sami Frey incarnait un homme au foyer bisexuel. On retrouvera trace de cette ambition de changer de vie, en 1989, dans Un monde sans pitié, où Eric Rochant dépeint la génération suivante, en perte de repères après la chute des idéologies, film qui révéla un Hippolyte Girardot immature et insoumis, à-quoi-bonniste charmeur, sans job, persuadé d’être « un nul ».

    Entre-temps, en 1980, sortit Extérieur, nuit, de Jacques Bral, qui reparaît aujourd’hui sur les écrans, avec des copies remastérisées. On y découvre un André Dussollier (Bony) jeune et fringant, à l’ironie désabusée, un Gérard Lanvin (Léo), auquel on croyait beaucoup alors, pour sa façon d’imposer un tempo blagueur. Et Christine Boisson (Cora), sa dégaine sauvage de petit mec et son regard noir, sa tache à l’oeil.

    Ces trois personnages appartiennent eux aussi à la catégorie des glandeurs. Léo et Bony se sont connus sur les barricades de 1968. Ils sont aujourd’hui chômeurs. L’un a plaqué son « boulot à la con » dans une agence de pub, l’autre alterne les jobs, quand l’urgence économique se fait pressante, et le désoeuvrement végétatif ("Je vise l’immobilité de la pierre").

    Cora, elle, est une sorte d’Arletty des années 1980, jeune femme libre et farouche, toutes griffes dehors, chauffeuse de taxi occasionnelle et amante impossible à garder dans son lit : « Je ne cherche à plaire à personne et j’me fous de c’qu’on pense de moi. Je fais c’qu’je veux ! » Sans logis, Léo se fait héberger chez Bony. Il rencontre Cora et ne peut plus se passer d’elle.

    Que nous raconte le film ? Rien d’autre que cela. Les dérives nocturnes de ces deux idéalistes aux ambitions artistiques en berne (Bony peine à écrire un roman, Léo a abdiqué ses prétentions de joueur de saxophone), et de cette nana prompte aux mouvements de karaté pour se défendre, économisant un fric pas toujours gagné dignement pour filer ailleurs, n’importe où, vers le sud.

    C’est évidemment par dérision que Léo propose à Cora de l’épouser : « On prend un appart’ dans un HLM de banlieue, on fera une flopée de gosses, tu conduis un bus, moi je donnerai des leçons de piano. » Dans leur refus des conventions, trouveront-ils un plan commun ? Pas si simple. Entre Quai des brumes et A bout de souffle, Extérieur, nuit, dont l’écrivain Jean-Patrick Manchette apprécia le ton « néovaguiste » et Michel Audiard les dialogues spontanés, déroule son style en apesanteur.

    Ce film parcourt les rues de Paris et les berges du canal Saint-Martin dans l’obscurité, file d’un bistrot à une piaule, échange des baisers en bagnole ou bavasse avec un noctambule (l’oublié Jean-Pierre Sentier, petit-bourgeois ayant décidé de « sortir de la file d’attente »).

    Pas d’histoire donc, mais des personnages livrés « sans mode d’emploi », des errances, des rencontres, un dialogue digne d’une partie de poker, du noir dehors et dans la tête, pas d’horizons. Des plans captés par Pierre-William Glenn. Une musique de Karl-Heinz Schäfer, du blues jazzy avec saxo langoureux au déchirement du tango. Et un final bercé par une voix off, façon Sautet, qui donne des nouvelles du trio quand « de l’eau a coulé sous les ponts, de l’eau de plus en plus sale et polluée ».

    #Kino #Taxi #Paris

  • Berliner Arsenal vor dem Umzug: Kino ist nicht bloß ein Ort
    https://taz.de/Berliner-Arsenal-vor-dem-Umzug/!6055366

    13.12.2024 vin Andreas Hartmann - Das Kino Arsenal beendet am Sonntag seinen Spielbetrieb am sterilen Potsdamer Platz. Anfang 2026 soll er in Wedding wiederaufgenommen werden.
    Das Bild zeigt Stefanie Schulte Strathaus, die künstlerische Leiterin des Arsenals
    Herrscherin über die Filmrollen – und vieles mehr: Stefanie Schulte Strathaus, die künstlerische Leiterin des Arsenals   Foto: Imago/Funke Foto Services

    Berlin taz | „Bitte Ruhe“ steht an der Tür des Raumes, der in gut einem Jahr als Kinosaal genutzt werden soll. Aktuell ist er noch eine Baustelle. Die Betreiber des Silent Green Kulturquartiers in Wedding lassen die Räumlichkeiten gerade umbauen für den neuen Mieter: das Kino Arsenal, das an diesem Sonntag nach 25 Jahren am Potsdamer Platz ebendort seinen Spielbetrieb beenden wird.

    Im Silent Green an der Gerichtstraße ist ein ehemaliges Krematorium. Seit 2015 finden hier Kulturveranstaltungen statt, in die Büros ist die Kreativszene eingezogen. Anfang 2026 soll auch der Kinosaal des Arsenals dazustoßen – und zwar in der denkmalgeschützten Trauerhalle. Deshalb auch die Aufforderung am Eingang, sich ruhig zu verhalten. „Die kann man eigentlich genau so da stehen lassen“, sagt Stefanie Schulte Strathaus, die künstlerische Leiterin des Arsenals.

    Das Arsenal ist freilich nicht irgendein beliebiges Berliner Kino, sondern eine ziemlich einmalige Institution, deren guter Ruf in Sachen Filmkultur weit über Berlin hinaus strahlt. Der volle Name lautet dann auch Arsenal – Institut für Film und Videokunst.

    Und Stefanie Schulte Strathaus ist verantwortlich für alles, was zu diesem Institut gehört: das Kino, die Berlinale-Sektionen „Forum“ und „Forum Expanded“, wo die eher experimentellen Filme des Festivals laufen, den Verleih und das Archiv. Letzteres befindet sich bereits seit 2015 in Räumlichkeiten des Silent Green. Schulte Strathaus zeigt es mit einigem Stolz. 10.000 analoge Filme aus aller Welt werden hier gelagert, viele davon Unikate. Ein „weltweit einmaliger Schatz“, sagt sie.
    Alles unter einem Dach

    Im Februar kommenden Jahres läuft der Mietvertrag des Arsenals am Potsdamer Platz aus. Bis dahin werden die etwa 35 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ihre Büros verlassen und in ein Haus gegenüber des Silent Greens einziehen, das ebenfalls den Betreibern des Kulturstandorts in Wedding gehört.

    „Alle und alles wird dann an einem Ort vereint sein, das macht die Arbeit einfacher und interessanter“, sagt Schulte Strathaus. Am Potsdamer Platz sei immer irgendein Teil ausgelagert gewesen. Damit sei in Wedding Schluss.

    Das Kino Arsenal ging 1970 aus einer Initiative des Vereins Freunde der Deutschen Kinemathek hervor. 30 Jahre befand es sich in Schöneberg, bevor es an den Potsdamer Platz zog. Dabei prägten Filmverrückte mit Neugier auf ein Kino aus aller Welt und allen Epochen von Beginn an das Arsenal. Bis heute haben sie nicht damit aufgehört, überraschende Filmreihen zu kuratieren und Werke weit abseits der Norm zu präsentieren.

    „Das kann Kino“, heißt folgerichtig auch das Abschiedsprogramm des Arsenals, das noch bis Sonntag läuft. Dabei soll mit Hollywood-Kultfilmen bis zu Erstlingswerken weitgehend unbekannter Filmemacher noch einmal der Beweis erbracht werden, dass Kino, so wie es sich das Arsenal vorstellt, wirklich sehr viel kann.
    Zeitlich begrenzter Mietvertrag

    Dass es das Arsenal am Potsdamer Platz nicht ewig geben würde, war von Anfang an klar, sagt Schulte Strathaus. Der Mietvertrag war auf 25 Jahre begrenzt. Eine Zeit lang habe es Überlegungen gegeben, in ein von der Deutschen Kinemathek immer noch geplantes Filmhaus zu ziehen, das auf dem Parkplatz des Gropius-Baus in Kreuzberg entstehen soll. Als sich herausstellte, dass sich die Realisierung noch Jahre hinziehen wird, sei man mit dem Silent Green ins Gespräch gekommen.

    Dieser Ort ist „aus mehreren Gründen sehr geeignet“, sagt Schulte Strathaus. Nicht nur, weil eben erstmalig Verleih, Archiv, Berlinale-Forum und Kino unter einem Dach zusammengeführt werden. Auch befinde sich das Arsenal nun in guter kultureller Nachbarschaft. So forscht das Harun-Farocki-Institut zum Werk des namensgebenden Filmemachers und das Sinema Transtopia widmet sich dem postkolonialen Kino.

    Kurzum: Es gebe dort bereits eine lebendige Filmkultur. Während der Potsdamer Platz eben doch ein sehr steriler Ort ist, an dem das Arsenal immer wie ein Fremdkörper wirkte. Andererseits heißt das auch: Der Potsdamer Platz wird durch den Auszug noch einmal ein Stück steriler.

    Als Segen erweist sich angesichts der aktuellen Berliner Sparpläne, dass das Institut seit 22 Jahren nicht mehr vom Senat, sondern vom Bund gefördert wird. Schulte Strathaus sagt, sie mache sich dennoch Sorgen. Das Silent Green wird zwar privatwirtschaftlich betrieben, hat jedoch ein eigenes Kulturprogramm und vermietet an kulturelle Einrichtungen. Die Leiterin befürchtet, dass es schon bald aus ökonomischen Gründen weniger Angebote geben könnte.
    Kino auf Reisen

    Verleih, Archiv, Berlinale-Organisation – damit wird es beim Arsenal im kommenden Jahr ganz normal weitergehen. Nur ein Kino wird es vorerst nicht mehr geben. Auch deshalb will das Arsenal auf Tournee gehen. In Berlin und anderen deutschen Städten, aber selbst in New York wird man als „Arsenal on Location“ mit Partnerorganisationen vor Ort Filmabende und -reihen kuratieren.

    „Wir wollen damit zeigen, dass Kino nicht bloß ein Ort ist, sondern auch ein Netzwerk, eine Community, eine Solidargemeinschaft von Menschen“, sagt Schulte Strathaus. Nebenbei wolle man dabei auch recherchieren, wie andere ein Kino der Gegenwart machen.

    So ganz ist das Kapitel Arsenal-Kino am Potsdamer Platz mit dem 15. Dezember ohnehin noch nicht beendet. Zur nächsten Berlinale, die Mitte Februar stattfinden wird, ist der Mietvertrag offiziell zwar bereits beendet. Man habe sich aber mit dem Vermieter geeinigt, den Saal für das Festival noch einmal anzumieten. Zum letzten Mal als Berlinale-Kino am Potsdamer Platz.

    Silent Green
    https://www.openstreetmap.org/way/645006822

    #Berlin #Mitte #Potsdamer_Straße #Wedding #Gerichtstraße #Kino

  • Berlin-Mitte: Potsdamer Platz im Niedergang – Verlust eines filmischen Kulturorts
    https://www.berliner-zeitung.de/kultur-vergnuegen/kino-streaming/berlin-mitte-potsdamer-platz-im-niedergang-verlust-eines-filmischen

    12.10.2024 von Claus Löser - Unser Autor ist der Meinung, dass wir es hier mit der bekannten Berliner Melange aus politischem Desinteresse, Kompetenzgerangel und purem Zynismus zu tun haben.

    „Irgendwo war hier doch der Potsdamer Platz ...“ – so raunte der 1933 aus Deutschland geflohene Curt Bois in Wim Wenders’ emblematischen Werk „Der Himmel über Berlin“ (1987) und tapste dazu über eine anonyme Brache. Damals konnte niemand ahnen, dass schon zwei Jahre später die Mauer fallen würde. Als dann genau hier, am 26. September 2000, das Museum für Film und Fernsehen eröffnet wurde, war nicht nur in der cineastischen Welt der Jubel groß. Hatte Curt Bois’ Suche ein gutes Ende gefunden?

    In der alten und neuen Hauptstadt Deutschlands schienen endlich die Chancen gegeben, die Narben von Krieg und deutscher Teilung heilen zu können. Dies geschah mit dem Potsdamer Platz und seinem „Filmhaus“ einerseits symbolisch-architektonisch. Gleichzeitig realisierte sich der Traum aber mithilfe der Sehnsuchtsmaschine Film auch ganz konkret. Erstmals sollte es eine kompakte Heimat für Geschichte und Gegenwart des deutschen Kinos geben. Museum, Abspiel und Ausbildung waren unter einem Dach gebündelt. Neben dem Filmmuseum zogen auch das legendäre Arsenal-Kino sowie mit der DFFB die älteste und berühmteste Filmhochschule (West-)Deutschlands in die Potsdamer Straße 2 ein. Mit der Berlinale kam im Umfeld noch alljährlich die Weihe eines international bedeutsamen Festivals hinzu.

    Das Ganze war gut gedacht. Aber es war nicht gut durchdacht. Knapp 25 Jahre später hat die kulturelle Wüste den Potsdamer Platz zurückerobert. Die jüngste Berlinale war an Traurigkeit jedenfalls kaum mehr zu überbieten. Internationale Gäste irrten durch die Betonschneisen auf der Suche nach einem Zentrum des Festivals. Es gab keins. Auf dem Mittelstreifen der Potsdamer Straßen verliert der „Boulevard der Stars“ schon länger seine Sterne, sie bröckeln einfach ab. Dass jetzt die drei wichtigsten Filminstitutionen den Standort verlassen, komplettiert das desolate Bild.

    Sowohl das Filmmuseum als auch Arsenal und DFFB ziehen noch bis Jahresende aus und werden zeitversetzt irgendwann andernorts wieder öffnen. Mit der Dreifaltigkeit von Museum, Kino und Studium ist es jedenfalls auf unabsehbare Zeit vorbei. Wie konnte es so weit kommen?

    Nachhaltig war das gesamte Projekt des Filmhauses plus Berlinale nie gedacht

    Wir haben es hier wohl mit der sattsam bekannten Berliner Melange aus politischem Desinteresse, Kompetenzgerangel und purem Zynismus zu tun. Schon längere Zeit ging von auslaufenden Mietverträgen, rasch wechselnden Eigentümern oder ungünstigen Versicherungen die Rede. Nachhaltig war das gesamte Projekt des Filmhauses plus Berlinale jedenfalls nie gedacht. Die Utopie des Filmhauses war offenbar auf Sand gebaut. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich auch, dass sich die Krise schon längst in den Gebäudekomplex und sein Umfeld eingenistet hatte. Hinzu kommen mentale Erosionen. Man denke nur an das ewige Hickhack um den Posten der Berlinale-Leitung oder an die Tatsache, dass die DFFB über Jahre hinweg keine Direktion besaß.

    Filmmuseum und Arsenal stemmen sich jedenfalls wacker gegen die Eigendynamik des Niedergangs. Sie bieten trotzige Abschiedsprogramme. Den Anfang macht die Deutsche Kinemathek als Betreiber des Filmmuseums. Die 2000 Quadratmeter umfassende Ausstellungsfläche hat noch bis zum 31. Oktober geöffnet, in der letzten Woche bei freiem Eintritt. Danach werden die Exponate für lange Zeit nicht mehr in der gegenwärtigen Großzügigkeit sichtbar sein.

    Zwar gibt es mit dem E-Werk in Berlin-Mitte ein Ausweichquartier, doch auch dieses ist nur temporär bespielbar. Etwas genauere Zukunftsaussichten hat das Arsenal-Kino. Sein Spielbetrieb wird voraussichtlich noch im Laufe des Jahres 2025 im Weddinger „Silent Green“ wieder aufgenommen. Vor der Schließung läuft das Programm noch einmal zur Höchstform auf. Danach wird das Kino unter dem Motto „Arsenal on Location“ durch Berlin und weitere Städte nomadisieren. Das passt: Kino heißt Bewegung.

    Das Museum für Film und Fernsehen am Potsdamer Platz schließt zum 1. November, vom 24. bis 31. Oktober ist der Eintritt in die Ausstellungen frei. Das Kino Arsenal hat noch bis Mitte Dezember 2024 geöffnet, es verabschiedet sich mit einem kompakten Sonderprogramm.

    #Berlin #Mitte #Potsdamer_Straße #Kino #Filmhaus #Arsenal

  • Kinostart für „Ellbogen“: Das tip-Interview zum Berlinale-Liebling
    https://www.tip-berlin.de/kino-stream/filme/ellbogen-interview-asli-oezarslan-fatma-aydemir-melia-kara


    Regisseurin Aslı Özarslan, Romanautorin Fatma Aydemir und Hauptdarstellerin Melia Kara auf dem Cover der tipBerlin-Februarausgabe zur Berlinale 2024. Foto: Harry Schnitger

    Kritik: https://www.film-rezensionen.de/2024/09/ellbogen

    30.8.2024 - Hazal, 17 Jahre alt, aus dem Wedding: Das Coming-of-Age Drama „Ellbogen“ erzählt ihre Geschichte. Der Film, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Fatma Aydemir, feierte bei der Berlinale Premiere. Am 5. September kommt er ins Kino. tipBerlin-Filmredakteurin Marit Blossey sprach mit Regisseurin Aslı Özarslan, Fatma Aydemir und Hauptdarstellerin Melia Kara über Straßencastings, Narrative von Migration und Gewalt und die Zukunft des deutschen Kinos.

    „Ellbogen“-Hauptdarstellerin Melia Kara: „Ich verstehe den Druck, der auf Hazal lastet“

    Hazal ist wütend. Zu viele Türen bleiben der Protagonistin in Aslı Özarslans Coming-of-Age-Drama „Ellbogen“ verschlossen: Morgens steckt sie ohne Perspektive in einem Kurs zur Berufsvorbereitung, mittags jobbt sie lustlos in der Bäckerei ihres Onkels, abends wird sie mit ihren Freundinnen an der Clubtür abgewiesen. Frustriert ziehen die Mädchen weiter, und was eine Party anlässlich Hazals 18. Geburtstags werden sollte, nimmt eine dramatische Wendung, als sich ihre ganze aufgestaute Wut in einer U-Bahn-Station entlädt. Kurz darauf findet Hazal sich in Istanbul wieder. Flucht – oder ein Befreiungsschlag?

    „Ellbogen“ feierte bei der Berlinale in der Sektion Generation 14plus Premiere. Wir haben Regisseurin Aslı Özarslan, Romanautorin Fatma Aydemir und Hauptdarstellerin Melia Kara bereits vor der Premiere im Februar zum Gespräch getroffen.
    Einfach mal loslassen, den Alltag vergessen und sich frei fühlen: Gar nicht so leicht für Hazal. Am Abend ihres 18. Geburtstags werden sie und ihre Freundinnen vom Türsteher eines Berliner Clubs mit dem typischen „Heute nicht“ weggeschickt. Foto: Haydar Tastan, Achtung Panda!
    Coming-of-Age in Berlin-Wedding

    tipBerlin Frau Özarslan, Sie kommen vom Dokumentarfilm, „Ellbogen“ ist Ihr erstes Feature. Wie kamen Sie zu dem Stoff?

    Aslı Özarslan Ich hatte gerade die Arbeit an meinem Dokumentarfilm „Dil Leyla“ beendet und stand in einem Buchladen. Dort blickte mich vom Cover eine selbstbewusste junge Frau an. Ich las den Titel: „Ellbogen“, und dann auch noch den Namen einer deutsch-türkischen Schriftstellerin. Das hat mich direkt interessiert. Also habe ich das Buch gelesen, und es hat mich einfach nicht losgelassen. Bisher war es bei all meinen Filmen so, dass ich, wenn ich meine Protagonistin gesehen habe, ganz tief im Bauch gespürt habe: Darüber muss ich etwas machen. Ich habe mich dann ganz naiv bei Fatma gemeldet und dachte, dass die Filmrechte sicher schon vergeben sind. Es gab tatsächlich schon einige Interessenten, aber Fatma sagte: Ich habe deinen Film gesehen, der hat mir wahnsinnig gut gefallen. Schon allein deshalb möchte ich dich treffen.

    Fatma Aydemir Ich war überrascht, dass es damals schon viel Interesse an den Filmrechten gab, bevor der Roman überhaupt rauskam. Das hat mich natürlich gefreut, aber tatsächlich hat es mir auch ein bisschen Angst gemacht, weil es eine bestimmte Art von kommerziellen Filmen gibt, mit der ich so gar nichts anfangen kann. Es war ein Zufall, dass ich Aslıs Film gerade gesehen hatte und mir deshalb sowohl ihr Name als auch ihr Film noch sehr präsent waren.

    Aslı Özarslan Wir haben uns dann getroffen und ich habe Fatma von meiner Idee erzählt, dass ich die Hauptfigur Hazal und ihre Freundinnen mit Laien besetzen möchte. Jeder Film hat seine eigene Herangehensweise und das erschien mir das Beste für dieses Projekt. Mir war es wichtig, diese ambivalente Figur mit der Protagonistin zusammen zu erzählen, nicht über sie.

    Fatma Aydemir Aslıs Idee hat mich überzeugt: Die Hauptfigur Hazal mit einer Laiendarstellerin zu besetzen, fühlte sich richtig an. Natürlich birgt das wieder andere Risiken, aber für mich war es sehr ausschlaggebend.
    Wie lassen sich Geschichten über migrantische Lebensrealitäten in Deutschland erzählen, ohne die Figuren zu exotisieren?

    tipBerlin Sie haben in Berlin nach Darsteller:innen gesucht und mit Melia Kara die Besetzung für die Hauptrolle der Hazal gefunden. Wie lief der Casting-Prozess für Sie ab, Frau Kara?

    Melia Kara Ich wurde wirklich von der Straße gecastet, als ich mit Freundinnen unterwegs war. Ich habe mich dann gemeldet und bekam eine Einladung zum E-Casting, da habe ich zwei Videos eingesandt und dann erstmal sechs Monate gar nichts gehört. Ich dachte: Okay, das war nichts, und hatte es auch irgendwann nicht mehr im Kopf. Dann kam die E-Mail: Du bist in der nächsten Runde und es ist ein Live-Casting. Ich hatte das vorher noch nie gemacht, es war super aufregend! Irgendwann hieß es, das ist jetzt das letzte Casting, wirklich. Ich glaube, eine Woche später habe ich einen Anruf von Aslı bekommen. Ich war gerade bei der Arbeit, und sie sagte: „Ich will dich gar nicht stören, ich hab nur eine kurze Frage: Nimmst du die Rolle an?“ In meinem Kopf hat es gerattert: Was, was, wirklich? Bei mir kribbelt direkt wieder alles vor Aufregung, wenn ich daran denke.

    tipBerlin Kannten Sie den Roman vorher?

    Melia Kara Nein. Aber ich habe das Buch dann mehrfach gelesen und fand es super. Es ist so authentisch geschrieben und nimmt kein Blatt vor dem Mund, alles ist so greifbar.

    Es gab Momente, in denen ich Hazal bemitleidet habe, und Momente, in denen ich sie unglaublich stark fand. Da dachte ich: Das könnte ich nie und nimmer, ich wäre schon zehnmal zusammengebrochen.
    Melia Kara

    tipBerlin Was haben Sie selbst für eine Beziehung zu Hazal?

    Melia Kara Ich bin hin- und hergerissen: Es gab Momente, in denen ich Hazal bemitleidet habe, und Momente, in denen ich sie unglaublich stark fand. Da dachte ich: Das könnte ich nie und nimmer, ich wäre schon zehnmal zusammengebrochen. Und dann gab es auch Momente, in denen ich dachte: Oh Hazal, stell dich doch nicht so an. Sie ist manchmal sehr trotzig. Natürlich strahlt sie dadurch auch Stärke aus, aber manchmal sollte sie ein bisschen mehr Hilfe annehmen. Wenn sie ihre harte Schale ein bisschen ablegen würde, dann könnte sie viel weiter kommen, denke ich.

    Aslı Özarslan Total. Aber dieses Privileg hat sie eben nicht immer.
    Verzicht auf Klischees: Mit den Jugendlichen erzählen, statt über sie

    tipBerlin Können Sie nachvollziehen, woher das kommt, dieser Trotz, diese Wut, die Hazal hat?

    Melia Kara Da spielen so viele Komponenten mit rein. Ich verstehe den Druck, der auf ihr lastet und die Familiendynamik, in der sie lebt. Sie ist so jung, rutscht durchs komplette System und keiner fängt sie auf. Natürlich fühlt man sich da hilflos. Sie hat nicht viel Spielraum, mal einen Schritt zurückzutreten und nachzudenken. Sie ist eigentlich die ganze Zeit in einem „fight or flight“-Modus.

    tipBerlin Sie sind selbst in Berlin aufgewachsen. Konnten Sie sich mit Hazals Lebensrealität im Wedding identifizieren?

    Melia Kara Ich war in meinem Leben selten im Wedding, ich komme aus Neukölln. Aber von dem, was ich gehört habe, soll es relativ ähnlich sein. Wobei ich sagen würde, dass Neukölln ein bisschen cooler ist (lacht).

    Aslı Özarslan Ich habe mich aus Prinzip dagegen entschieden, den Fokus darauf zu legen, das Milieu im Wedding als solches darzustellen. Ich wollte lieber Bilder zeigen, die man so vielleicht noch nicht gesehen hat. In erster Linie geht es um Hazal. Das ist das Wichtigste.

    Unsere Kritik zu „Ellbogen“ von der Berlinale lest ihr hier

    tipBerlin Frau Özarslan, haben Sie die Dialoge also zum Teil auch mit den Darsteller:innen gemeinsam erarbeitet?

    Aslı Özarslan Die Dialoge an sich waren gesetzt, aber trotzdem konnten die Darsteller:innen sich innerhalb dessen einbringen. Das ist ganz organisch passiert. Mit Melia und den anderen jungen Darstellerinnen haben wir lange geprobt: So waren sie in jeder Szene sicher und konnten ihre Ideen einfließen lassen. Dadurch entsteht eben keine Exotisierung, weil ich mit den jungen Leuten auf Augenhöhe erzählen konnte. Deshalb sind wir auch so nah an Hazal dran.

    tipBerlin Vielleicht schafft es das deutsche Kino ja auf diese Weise auch mal, neue Zielgruppen zu erreichen und alte Ordnungen aufzubrechen.

    Melia Kara Das ist der Traum!
    Foto: JIP Film und Verleih

    tipBerlin Hazal ist in jeder Szene zu sehen, wir erleben die Handlung durch ihre Augen. Frau Özarslan, warum war Frau Kara die richtige Besetzung für die Rolle?

    Aslı Özarslan Beim Schreiben des Drehbuchs war das die größte Herausforderung: Im Roman erleben wir alles aus Hazals Perspektive. Das mussten wir in Bilder übersetzen. Ich glaube, was mich an Melia fasziniert hat, als ich sie das erste Mal vor der Kamera gesehen habe, war so eine innere Wut, die in ihr gebrodelt hat. Hazal ist eine sehr ambivalente Figur und es war mir unglaublich wichtig, das zeigen zu können. Weil sie in jeder einzelnen Szene zu sehen ist, sollte sie auch etwas Geheimnisvolles haben, damit man sich als Zuschauer:in nicht langweilt. So ist es auch im Roman: Man bleibt die ganze Zeit ganz nah an ihr dran, will mehr wissen, kommt an sie heran und dann doch wieder nicht. Das hat Melia mir schon beim ersten Casting gezeigt. Deshalb hat sie aus Hazal im Endeffekt die Hazal gemacht, die es jetzt geworden ist.
    Menschen, die vielleicht einen ähnlichen Background haben wie Hazal, sollen mit dieser Geschichte etwas anfangen können

    tipBerlin Diese Ambivalenz, von der Sie sprechen, zeichnet die Figur auch im Roman aus. Frau Aydemir, wer ist Hazal für Sie?

    Fatma Aydemir Hazal war für mich immer wie eine beste Freundin und gleichzeitig jemand, den ich hasse. Genau deshalb ist sie so eine tolle Figur, an der man sich abarbeiten kann. Ich hatte beim Schreiben kein bestimmtes Publikum vor meinem inneren Auge, am liebsten will ich natürlich alle erreichen. Aber mein Wunsch war schon, dass Leute, die vielleicht einen ähnlichen Background haben wie Hazal, etwas mit dieser Geschichte anfangen können. Gleichzeitig besteht die Mehrheit des Publikums, das in Deutschland Romane kauft, eher aus weißen Frauen um die 50. Mir war deshalb wichtig, dass ich diese Figur ehrlich gestalte, ohne sie den Leuten zum Fraß vorzuwerfen. Gerade wenn man migrantische Geschichten oder Geschichten aus einer bestimmten Klasse erzählt, bekommt es schnell etwas Voyeuristisches. Ich war deshalb in vielen Streitgesprächen mit mir selbst, und am Ende ging es immer darum: Wie werde ich dieser Figur gerecht? Wie kann sie in all ihrer Ambivalenz und Komplexität in dieser Geschichte bestehen? Wie schaffe ich es, sie aus den Zwängen zu befreien, in denen sie steckt?

    Gerade wenn man migrantische Geschichten oder Geschichten aus einer bestimmten Klasse erzählt, bekommt es schnell etwas Voyeuristisches. Am Ende ging es immer darum: Wie werde ich dieser Figur gerecht? Wie kann sie in all ihrer Ambivalenz und Komplexität in dieser Geschichte bestehen?
    Fatma Aydemir

    tipBerlin Ein Wendepunkt in Ellbogen ist eine krasse Gewaltszene: Am Abend von Hazals 18. Geburtstag gerät sie mit ihren Freundinnen in einer U-Bahn-Station in eine Schlägerei, die dramatisch endet. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

    Fatma Aydemir Es gab diese Zeit, in der U-Bahn-Schlägereien in den Nachrichten sehr präsent waren. Ich weiß gar nicht, ob sie damals so viel häufiger vorgekommen sind als heute, oder ob das Thema einfach krass überrepräsentiert war. Ich fand das natürlich beängstigend und erschreckend, aber gleichzeitig werden solche Geschichten auch immer wieder als Vorwand genutzt, um das Narrativ weiter zu stricken, dass Migration und Gewalt im öffentlichen Raum irgendwie zusammenhängen. Als wäre diese Gewalt importiert und die deutsche Gesellschaft an sich gewaltfrei. Solche Widersprüchlichkeiten, die mit dem, ich nenne es mal „Medienphänomen“ der U-Bahn-Schlägerei zusammenhängen, haben mich schon lange beschäftigt. Die U-Bahn-Gewalteskalation ist deshalb auch ein Stück Zeitgeschichte.
    Von Berlin nach Istanbul: Politisch Verfolgte in Erdoğans Türkei

    tipBerlin Frau Kara, gibt es eine Szene, die Ihnen vom Dreh besonders in Erinnerung geblieben ist?

    Melia Kara Ich habe eine absolute Lieblingsszene. Da war ich so emotional, dass ich gar nicht mehr gemerkt habe, dass ich in einem Film spiele. Es hat sich so angefühlt, als ob mir das gerade selbst passiert. Das ist die Szene, in der wir vor einer Bar in Istanbul sitzen und Mehmet kurz verschwindet. Dann läuft ein wunderschöner Song, der wirklich live gesungen wurde, während wir gedreht haben. Ich habe die Kamera irgendwann gar nicht mehr gesehen, es war nachts, über uns hingen bunte Regenschirme. Irgendwann kommt Mehmet zurück und überreicht Hazal eine einzelne Rose. In meinem Kopf war das ein totaler Bruchmoment, in dem sie gemerkt hat: Vielleicht ist das hier nicht das Leben, das sie sich erhofft hat. Diesen Dreh habe ich auf jeden Fall sehr stark in Erinnerung. Aber auch alle Szenen, die ich mit den anderen Mädels drehen durfte. Das hat immer viel Spaß gemacht.

    In Istanbul findet Hazal Zuflucht bei Mehmet (Doğa Gürer). Doch die Begegnung der beiden verläuft anders als erhofft. Foto: JIP Film und Verleih

    tipBerlin Es gibt zum Beispiel eine ausgelassene Partyszene, es wird getrunken und es läuft „Von Party zu Party“ von SXTN. Haben Sie die Musik selbst ausgewählt?

    Aslı Özarslan Ich habe zu den Mädchen gesagt: Sucht euch doch mal einen Song aus, bei dem ihr denkt, dass ihr euch damit verbunden fühlt und Bock habt, dazu richtig Party zu machen. So haben wir entschieden, genau diesen Song für diese markante Szene zu nehmen, und ich selbst dachte: Ach, cool, der hat immer noch nicht an Aktualität verloren.

    Melia Kara Ja, das hat perfekt gepasst. Der Song hat einfach dieses Motzige und Freche. Er ist immer noch cool.
    Fatma Aydemir: „Mir war von Anfang an am wichtigsten, dass wir Hazal glauben“

    tipBerlin Nun feiert der Film auf der Berlinale seine Premiere. Was ist es für ein Gefühl?

    Melia Kara Ich versuche, keine großen Erwartungen zu haben, dann kann ich auch nicht enttäuscht werden. Am wichtigsten ist, dass solche Geschichten auch mal erzählt werden. Selbst wenn jetzt wirklich etwas Großes daraus werden sollte – das ist immer noch das Coolste daran.

    Aslı Özarslan Mit der Berlinale erfüllt sich für mich ein Traum, weil es eben auch eine Berlin-Geschichte ist. Außerdem ist die Berlinale ein sehr publikumsstarkes Festival und jede Regisseurin wünscht sich natürlich, dass viele, viele Menschen ihren Film sehen werden. Darauf freue ich mich wahnsinnig.

    Fatma Aydemir Ich freue mich total, weil ich den Film schon gesehen habe und weiß, dass er toll ist. Ich sehe die Geschichte, die ich geschrieben habe, in diesem Film, und gleichzeitig sehe ich auch etwas Eigenes darin. Das ist perfekt für eine Adaption, finde ich. Und ich sehe auch den Input, den nicht nur Aslı und Claudia [Claudia Schaefer, Anm. d. Red.] als Drehbuchautorinnen gegeben haben, sondern auch Melia in der Art und Weise, wie sie Hazal verkörpert. Denn das war mir von Anfang an am wichtigsten: dass wir Hazal glauben. Und das ist meiner Meinung nach auf jeden Fall gelungen. Insofern ist es für mich ab jetzt nur noch Party.

    Das Gespräch wurde am 12.1.2024 in Berlin geführt.

    #Berlin #Wedding #Kino #Jugend

  • „Sterben“ im Kino: „Es gruselte mich ein wenig“
    https://www.berliner-zeitung.de/open-source/sterben-im-kino-es-gruselte-mich-ein-wenig-li.2211517

    5.4.2024 von Michael Hellebrand - Der Film „Sterben“ von Matthias Glasner gewann in Berlin die Goldene Lola. Unser Autor sah das Familiendrama kürzlich im Delphi Filmpalast. Das Publikum reagierte unheimlich.

    Im Gegensatz zu früher, gehe ich heute nicht mehr allzu oft ins Kino. Immerhin bin ich inzwischen 64 Jahre alt. Eigentlich nur noch ins Delphi. Das Interieur dort ist gediegen und zollt der Geschichte dieses Hauses seinen Tribut. Und es gibt KEIN Popcorn! Schon in den frühen 1980ern war ich ein Fan der spätabendlichen Sondervorführungen von sogenannten Sandalenfilmen wie „Ben Hur“ in 70-mm-Qualität und gutem Ton. Heute ist die Vorführung voll automatisiert. So läuft das auch am Eingang: Die Eintrittskarte wird gescannt. Alles wird zu Nullen und Einsen verarbeitet. Schwarz oder Weiß. Licht oder Schatten.

    Der Film, den ich mir kürzlich im Delphi ansah, widersetzte sich dieser Entweder-oder-Logik: „Sterben“ von Matthias Glasner. Das Thema Tod steht nur anscheinend im Vordergrund, ist aber der Aufhänger für weitere, viel tieferliegende Gefühle, die oft mit großer Ambivalenz einhergehen. Und in unserer Gesellschaft deswegen gerne verdrängt werden: Wut und Angst zum Beispiel, oder Trauer.

    Ich kaufte mir eine Eintrittskarte für 6. Reihe Mitte. Während ich den Film sah, doppelte sich die Atmosphäre im Kino auf unheimliche Art und Weise mit dem Inhalt des Films. Mir fiel die zwischenmenschliche Kontaktlosigkeit plötzlich besonders auf. Jeder ist ganz bei sich und bleibt es auch gerne. Ein Gemeinschaftserlebnis will sich im Kinosessel kaum einstellen. Es ist eher wie eine Zusammenkunft von Menschen, die im Leben zwar viel erlebt haben und viel wissen, aber nun einsam und regungslos dort sitzen, wie vergessene Puppen.

    Der Film „Sterben“ zeigt, wie es ist, wenn man so einsam und allein leben und sterben muss. Die Atmosphäre im Saal war entsprechend. Mucksmäuschenstill. Die ganze Zeit. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, so betroffen waren die Menschen anscheinend. Es gruselte mich ein wenig. Die Luft war zum Schneiden.

    Das Publikum lechzte nach Erleichterung. Auch physisch.

    Noch nicht einmal bei diesen grandiosen Slapstick-Szenen beim Zahnarzt, in denen Patienten vom Behandlungsstuhl fielen oder in die Backe gebohrt bekamen, zeigte das anwesende Publikum irgendeine Regung oder lachte womöglich. Das Publikum wirkte geschockt – wie gelähmt. Und so lachte ich ganz alleine. Immerhin wurde ich nicht dafür gerügt.

    Unheimlich – fast magisch – war auch, dass just nach zwei Stunden zum ersten Mal ein frischer Wind durch das Kino wehte. Genau in der Szene, als die Tochter nach vielen Jahren wieder ihren sterbenden Vater besucht und sagt: „Ich mach mal das Fenster auf; etwas frische Luft.“ Als hätte die Klimaanlage auf den Satz reagiert.

    Das Publikum lechzte nach Erleichterung. Auch physisch. Der Film dauerte drei Stunden. Mit der Zeit wurde immer häufiger das WC aufgesucht. Ich weiß nicht, ob ich es lustig oder traurig finden soll, dass die körperlichen Bedürfnisse dieser Menschen sich in den Bildern körperlicher Gebrechlichkeit auf der Leinwand spiegelten. Wie in einem Schattenspiel, das vor der Leinwand extra für mich aufgeführt wurde, stolperten und schwankten sie geduckt zum Ausgang. Auf dem Rückweg – durch das Tageslicht wie erblindet – tasteten sie sich zurück zu ihrem Sitzplatz.

    Da hatte ich es besser. Als alter Delphi-Kenner wusste ich um die besten Plätze für ein solch langes Kino-Erlebnis. Ich konnte fast unbemerkt aufstehen, um ebenfalls die Toilette aufzusuchen. Aber nur einmal in 3 Stunden – ich wollte nicht zu viele einsame Lacher verpassen!

    Michael Hellebrand hat als Taxifahrer, Beleuchter an der Volksbühne, Filmvorführer am Zoo-Palast und Musiker gearbeitet. Bis 2023 war er Stadtführer und Rikschafahrer in Berlin. Heute ist der Lebenskünstler gemütlicher Großvater von zwei Enkelchen.

    #Berlin #Kino #Charlottenburg #Kantstraße #Taxi

  • Taxifahrer demonstrieren gegen Berlinale-Sponsor Uber
    https://www.morgenpost.de/berlin/article241696598/Taxifahrer-demonstrieren-gegen-Berlinale-Sponsor-Uber.html


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    17.2.2024 von Andreas Gandzior - Berlin. Uber stellt den Fahrdienst der Berlinale. Berliner Taxifahrer protestieren gegen den US-Fahrdienstleister mit dem „TaxiFilmFest“.

    Es ist eine Mischung aus Kulturerlebnis und Protest: das „TaxiFilmFest“, das zeitgleich zur Berlinale an der Potsdamer Straße in Mitte stattfindet. In einem Großraumtaxi zeigt Filmliebhaber und Taxifahrer Klaus Meier täglich Taxifilme. Fest steht der Termin für den Kultfilm „Taxidriver“ von Martin Scorsese am 20. Februar.

    Doch neben der Unterhaltung geht es Meier auch um den übermächtigen Konkurrenten Uber. Das US-amerikanische Dienstleistungsunternehmen bietet Online-Vermittlungsdienste zur Personenbeförderung an. „Wir wollen zeigen, wir sind da und wollen mit den Menschen ins Gespräch kommen“, sagt Meier. „Taxis sind ein wichtiger Teil des kulturellen Stadtlebens.“

    Auch in diesem Jahr ist Uber zum zweiten Mal Hauptsponsor der Berlinale. „Das Taxi als Teil des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) und der Stadtkultur ist bedroht. Die Leitung der Berlinale positioniert sich im Jahr 2024 bereits zum zweiten Mal gegen das Taxi und bietet dem größten Feind von guter Arbeit, von Taxi- und Filmkultur eine Werbefläche als Hauptsponsor“, heißt es in der Ankündigung der Berliner Versammlungsbehörde.

    Dagegen wehrt sich Meier gemeinsam mit den Unterstützern von Taxi Deutschland, Taxi-Innung, Ver.di und dem Arbeitslosenzentrum Evangelischer Kirchenkreise. Man wolle auf dem „TaxiFilmFest“ mit Filmschaffenden und dem Publikum der Berlinale ins Gespräch kommen. Die Kundgebungen, sprich das Filmfest, finden bis zum Sonntag, 25. Februar, täglich von 17 bis 22 Uhr statt.

    Berlinale: Berliner Taxifahrer laden Regisseur Martin Scorsese auf einen Kaffee ein

    Dann rollt Meier täglich den roten Teppich vor seinem Großraumtaxi aus. Aus rechtlichen Gründen darf er die Taxifilme aber nicht öffentlich zeigen. Lediglich Freunde können Platz nehmen und die Film sehen. Sein Event am Boulevard der Stars sieht der Taxi-Soziallotse als „Form des künstlerischen Protests“.

    Nach mehr als 30 Jahren im Taxigewerbe fährt er jetzt nur noch nebenberuflich, hauptberuflich kümmert sich der Taxi-Soziallotse um die Sorgen und Nöte der Angestellten und selbstständigen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Berliner Taxi- und Mietwagenbetriebe. Sein größter Wunsch wäre ein Besuch von Regisseur Martin Scorsese in seinem Taxi. „Wir feiern natürlich den Film „Taxidriver“ von Martin Scorsese“, sagt Meier der Berliner Morgenpost. „Da Scorsese auf der Berlinale mit dem Goldenen Ehrenbär ausgezeichnet wird, würden wir uns sehr freuen, wenn er auf einen kurzen Besuch und einen Kaffee bei uns am Boulevard der Stars vorbeikommen würde.“

    #Taxi #Kultur #Film #Kino #Berlin #Mitte #Potsdamer_Straße #Eichhornstraße #TaxiFilmFest #Berlinale #Boulevard_der_Stars #Journalismus #Presse #TaxiFilmFest #Medienecho

  • Berlin: Taxifahrer veranstalten Anti-Berlinale – Protest gegen Uber mit eigenem Filmfestival
    https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/berlin-taxifahrer-veranstalten-anti-berlinale-protest-gegen-uber-mi


    Klaus Meier ist ehemaliger Taxifahrer und Veranstalter des Protest-Festivals bei der Berlinale. Foto Gerd Engelsmann

    16.2.2024 von José-Luis Amsler - Erneut wird die Berlinale vom US-Mietwagenkonzern Uber gesponsert. Berliner Taxifahrer protestieren dagegen – mit einem eigenen Filmfestival.

    Während Filmstars im Blitzlichtgewitter über den roten Teppich schreiten, geht für Klaus Meier ein Stück Berlin verloren. Unweit des Berlinale-Palasts steht der 63-Jährige mit seinem Großraumtaxi. An diesem Donnerstag beginnt mit der Eröffnungsgala am Potsdamer Platz die 74. Berlinale. Hauptsponsor ist, wie schon im letzten Jahr, das US-Mietwagenunternehmen Uber. Für Meier ist das ein Skandal.
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    #pawall

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    • :-) @monolecte

      Taxifahrer veranstalten Anti-Berlinale: Protest gegen Uber mit eigenem Filmfestival

      Erneut wird die Berlinale vom US-Mietwagenkonzern Uber gesponsert. Berliner Taxifahrer protestieren dagegen – mit einem eigenen Filmfestival.

      Während Filmstars im Blitzlichtgewitter über den roten Teppich schreiten, geht für Klaus Meier ein Stück Berlin verloren. Unweit des Berlinale-Palasts steht der 63-Jährige mit seinem Großraumtaxi. An diesem Donnerstag beginnt mit der Eröffnungsgala am Potsdamer Platz die 74. Berlinale. Hauptsponsor ist, wie schon im letzten Jahr, das US-Mietwagenunternehmen Uber. Für Meier ist das ein Skandal.

      „Uber steht für die Zerstörung einer Branche, für Ausbeutung, Lohndumping und das systematische Brechen von Gesetzen“, sagt er der Berliner Zeitung am Telefon. Um auf den drohenden Niedergang des Taxigewerbes aufmerksam zu machen, will Meier während des gesamten Festivals in Sichtweite des roten Teppichs protestieren – mit einem eigenen Filmfestival.
      Taxi-Protest bei der Berlinale: „Uber zerstört Existenzen“

      Meier hatte schon im vergangenen Jahr eine kleine Demonstration gegen das Uber-Sponsoring organisiert. Mit der Partnerschaft habe sich das Festival auf die Seite eines „Zerstörers von Existenzen“ gestellt. „Das darf sich nicht wiederholen“, sagte Meier damals der Berliner Zeitung. Die Demo habe die Festivalleitung ignoriert. Anfang Dezember habe er dann erfahren, dass Uber erneut als Hauptsponsor bei der Berlinale eingeladen wird.

      Statt nun erneut mit Schildern und Parolen für das Anliegen der Taxifahrer zu streiten, setzt der 63-Jährige in diesem Jahr selbst auf die Kunst der bewegten Bilder. Das „TaxiFilmFest“ soll ein eigenständiges Festival auf vier Rädern sein, eine Gegen-Berlinale im Großraumtaxi.

      Die Idee für das Filmfest hatte Meier bei der Mitarbeit an einem Nachbarschaftsprojekt. Mit Filmen habe der gebürtige Berliner bereits seit seiner Kindheit zu tun. „Mein Vater hat während des Zweiten Weltkrieges beim Trickfilm in Babelsberg gearbeitet“, erzählt Meier am Telefon. „Ich bin quasi im Filmstudio großgeworden“. Auch mit Veranstaltungen kennt sich der ehemalige Taxifahrer aus. Mitte der Neunzigerjahre arbeitete Meier als Freischaffender für Film- und Fernsehproduktionen, organisierte das Berliner „VideoFest“ und später die „Transmediale“ mit.
      Draußen Demo, drinnen Filmfest

      Mit seinem mobilen Festival will Meier nicht nur auf die prekären Arbeitsbedingungen der Berliner Taxifahrer aufmerksam machen. Ebenso gehe es darum, ein positives Bild des Gewerbes zu vermitteln. Den Menschen „auch mal was anderes zu zeigen, als den griesgrämigen Taxifahrer, der immerzu wütend ist, weil er kein Geld mehr verdient.“ Formal handelt es sich bei dem Festival trotzdem um eine Demonstration, die auch bei der Berliner Versammlungsbehörde angemeldet ist.

      „Wir sind zwei in einem, Protest und Filmfest“, erklärt Meier. „Das Taxi hat eine harte Schale und einen weichen Kern – so wie wir Berliner halt. Draußen ist die Kundgebung mit Forderungen an die Politik. Drinnen findet das Festival unter Freunden statt.“ Auf dem Programm stehen dabei ausschließlich Filme, in denen Taxis eine wichtige Rolle spielen: „Hallo Taxi“, „Das fünfte Element“ und – natürlich – Martin Scorseses New-Hollywood-Klassiker „Taxi Driver“.

      Damit soll auch die kulturelle Bedeutung des Taxis für die Stadt hervorgehoben werden. „Das Taxi war immer schon Seismograf für die gesellschaftliche Entwicklung in Berlin“, sagt Meier. „Das ging schon in der Nachkriegszeit los. Dann gab es die Studentenbewegung und das studentische Taxi, später dann das migrantische Taxi.“ Letztlich leiste die Branche weit mehr, als nur das Fahren von Gästen von A nach B. „Taxifahrer kennen ihre Stadt, wissen in welchen Lebenssitutationen die Menschen stecken und haben immer ein offenes Ohr“, sagt Meier. All das werde durch Unternehmen wie Uber bedroht.
      Kritik gegen Uber: „Organisierte Schwarzarbeit“

      Die Liste der Vorwürfe gegen den US-Konzern ist lang. Anfang der 2010er-Jahre wurde die Mietwagen-App noch als vielversprechendes Start-Up gefeiert, dass den Personenverkehr revolutionieren sollte. Schnell häuften sich Berichte über schlechte Arbeitsbedingungen und eine aggressive Unternehmenskultur, sogar von Gewalt gegenüber Mitarbeitern war die Rede. 2022 veröffentliche die britischen Zeitung The Guardian eine Auswertung von 124.000 internen Dokumenten, laut der Uber im Zuge seiner weltweiten Expansion gezielt Gesetze gebrochen, Behörden getäuscht und Regierungen beeinflusst haben soll.

      In Deutschland gelten für den Mietwagenkonzern zwar strengere Regeln, doch auch hier steht Uber in der Kritik. In einer Recherche des RBB wird das Geschäftsmodell des Unternehmens als „organisierte Schwarzarbeit“ beschrieben. Uber selbst tritt dabei nur als Vermittler auf. Aufträge, die über die App ankommen, werden an kleinere Mietwagenfirmen weitergeleitet, die wiederum die Fahrer beschäftigen. Werden dort gesetzliche Standards missachtet, fällt das nicht auf Uber zurück.

      Kristian Ronneburg, verkehrspolitischer Sprecher der Linken im Berliner Abgeordnetenhaus, begleitet die Situation seit längerem kritisch. „Das Taxigewerbe ist durch die Öffnung des Marktes und Deregulierung seit Jahren durch unlautere Konkurrenz mit Mietwagenvermittlern wie Uber enorm unter Druck geraten“, sagte Ronneburg der Berliner Zeitung. Auch in Deutschland sei immer wieder deutlich geworden, „wie Uber offen und verdeckt Rechtsbrüche begeht“.
      „Die Menschen werden von Uber bewusst in eine Falle gelockt“

      TaxiFilmFest-Veranstalter Klaus Meier erzählt, dass es sich bei den Fahrern oft um Bürgergeldempfänger oder Geflüchtete handele, die für einen Stundenlohn von vier oder fünf Euro angestellt werden. Was für angehende Fahrer zunächst wie ein unkomplizierter Weg aussehe, unter der Hand etwas dazuzuverdienen, führe schnell in eine Sackgasse: Lange Schichten, fehlender Arbeitsschutz, keine Weiterbildungsmöglichkeiten. „Diese Menschen werden von Uber bewusst in eine Falle gelockt“, sagt Meier.

      Gerade in Berlin sollen Partnerfirmen von Uber konsequent den gesetzlichen Mindestlohn missachten. Die Fahrpreise für Kunden variieren, werden je nach Tageszeit und Nachfrage in der App bestimmt – sind aber fast immer billiger, als dieselbe Fahrt mit dem Taxi gekostet hätte. Meier ist sich sicher: „Rein rechnerisch ist es nicht möglich, dass Uber zu diesen Fahrpreisen den Mindestlohn zahlt.“

      Das bestätigt auch Kristian Ronneburg von den Linken. „Es sind bereits viele Fälle dokumentiert, bei denen Fahrerinnen und Fahrer Umsatzprovisionen bekommen, die umgerechnet auf geleistete Arbeitsstunden, unterhalb des Mindestlohns liegen“, so der Verkehrsexperte. „Dumping-Löhne führen dann wiederum zu einem Dumping-Wettbewerb und der hat ganz reale strukturelle Folgen für das Gewerbe – er macht es kaputt.“
      Uber reagiert auf Kritik: Gesetzliches Handeln hat „oberste Priorität“

      Ein Sprecher des Uber-Konzerns erklärt auf Anfrage der Berliner Zeitung, gesetzeskonformes Handeln habe für das Unternehmen „oberste Priorität“. Auch die Partnerunternehmen seien vertraglich dazu verpflichtet, sich an alle rechtlichen Vorgaben zu halten. „Sofern sie sich nicht an die Regeln halten und wir davon Kenntnis erlangen, ziehen wir entsprechende Konsequenzen, bis hin zu einer Sperrung auf unserer Plattform“, versichert der Sprecher.

      Nach Ansicht des Unternehmens hätten die Probleme der Taxibranche nicht nur mit dem gestiegenen Wettbewerb zu tun. Auch in Städten, in denen Uber gar nicht vertreten sei, leide das Taxi-Gewerbe.

      Zugleich bemühe man sich um ein partnerschaftliches Verhältnis mit der Branche. Tatsächlich arbeiten einige Taxi-Unternehmen angesichts schwindender Umsätze inzwischen mit Uber zusammen, lassen sich Aufträge über die App vermitteln. Allein in Berlin betreffe dies mehr als 1000 Fahrzeuge, erklärt der Uber-Sprecher. Durch eine Partnerschaft könnten sich Taxifahrer „zusätzliche Erlösquellen erschließen und von der hohen Nachfrage der internationalen Uber-Community profitieren“.

      Klaus Meier kritisiert diese Zusammenarbeit. Dass sich Taxifahrer aus Angst vor dem Existenzverlust mit Uber zusammentun – sich dem Unternehmen unterordnen – sei zwar nachvollziehbar, beschleunige aber nur die Übernahme des Marktes durch den Konzern. „Die begreifen nicht, dass es eine Solidarität innerhalb des Gewerbes braucht, wenn man überleben will“, so Meier.
      Mehr Wettbewerb, weniger Regeln

      Bis 2019 war der 63-Jährige noch selbst auf den Straßen Berlins unterwegs. Seit einigen Jahren kümmert sich Meier als „Taxi-Soziallotse“ um die Sorgen und Nöte seiner Kollegen. Er berät Taxifahrer in prekären Arbeitsverhältnissen, hilft bei Behördengängen, vermittelt Rechtsbeistände. „Ich helfe den Fahrern, Orientierung in schwierigen Lebenslagen zu finden“, beschreibt Meier seinen Beruf.

      Immer öfter gehe es dabei um die Folgen der Verdrängung durch Uber – die von der Bundespolitik maßgeblich vorangetrieben wurde. Tatsächlich ist der Konzern erst seit einigen Jahren in Deutschland aktiv, lange verhinderten gesetzliche Bestimmungen den Markteintritt. 2021 lockerte dann der damalige Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) das Personenbeförderungsgesetz. „Mehr Wettbewerb, weniger Regeln“, war die Devise. Erst dadurch konnten sich Uber und Co. mit ihrem Geschäftsmodell in Deutschland etablieren, sagt Meier. „Für die Taxifahrer war das eine Katastrophe“.

      Was für die Berliner Taxibranche zum existentiellen Problem wird, trifft bei den Verbrauchern bislang auf überwiegend positive Resonanz. Seit Jahren wächst die Zahl der Uber-Kunden, 2022 hatten weltweit über 130 Millionen Menschen die App installiert. Das dürfte vor allem daran liegen, dass die Fahrten mit dem Mietwagenservice deutlich günstiger sind, als die Konkurrenz – laut Angaben des Unternehmens zwischen 30 und 40 Prozent pro Fahrt. Gerade jüngere Menschen und Menschen mit geringem Einkommen wählen immer öfter die App, auch als Alternative zum ÖPNV.
      Mindestpreise für Uber-Fahrten? „Das Problem ist ein anderes“

      Aufgrund der immensen Preisunterschiede wurde 2021 die Möglichkeit einer Mindestbepreisung gesetzlich verankert. Demnach wäre es auch in Berlin möglich, eine Untergrenze für Uber- und Taxifahrten festzulegen. Dass der Senat von dieser Regelung Gebrauch machen könnte, gilt jedoch als unwahrscheinlich. „Leider gibt es bei den Genehmigungsbehörden bisher noch Unsicherheiten bezüglich der rechtssicheren Durchführung“, erklärt Linken-Politiker Kristian Ronneburg. Der Vorschlag werde vom Senat geprüft.

      Klaus Meier steht einer Mindestbepreisung kritisch gegenüber. Letztlich seien es nicht die Gesetze, die für die Verarmung des Gewerbes sorgten, sondern deren mangelhafte Durchsetzung. „Wo die Behörden darauf achten, dass Gesetze eingehalten werden, kriegt Uber keinen Fuß auf den Boden“, sagt Meier. „In Hamburg gibt es praktisch keine Uber-Fahrzeuge. Wer die Bedingungen nicht erfüllt, bekommt keine Zulassung.“ In Berlin sei das anders. Hier interessierten sich die Behörden schlichtweg nicht für die Arbeitsbedingungen der Fahrer, vermutet Meier. „In dem Moment wo der Mindestlohn in Berlin konsequent durchgesetzt werden würde, könnte Uber sein Lohndumping nicht mehr aufrechterhalten.“

      Infolge der gestiegenen Konkurrenz müssten derweil auch viele Taxifahrer unter Mindestlohn arbeiten, um mithalten zu können. „Als ich 1985 angefangen habe, konnten Taxifahrer noch gut von ihrem Beruf leben“, sagt Meier. „Heute ist das ein Armutsjob.“ Die Betriebe, die faire Löhne zahlen, würden wiederum ihre Aufträge verlieren. Meier: „Alle Taxibetriebe, die ehrlich arbeiten, stehen gerade kurz vor der Insolvenz.“
      Linken-Politiker: Kooperation mit Uber „politisch höchst fragwürdig“

      Dass die Berlinale als kulturelles Aushängeschild der Hauptstadt mit Uber zusammenarbeitet, trifft auch bei Politikern auf Kritik. Die Linke-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus fordert in einer Beschlussempfehlung von Ende Januar die Landesregierung auf, der Kooperation einen Riegel vorzuschieben.

      Kristian Ronneburg hat den Antrag mit ausgearbeitet. Dass die Berlinale als öffentlich bezuschusstes Festival ausgerechnet dem „größten und finanzstärksten Gegenspieler der Taxen“ den Vorzug gibt, sei „politisch höchst fragwürdig“, sagt Ronneburg. Laut dem Antrag seiner Fraktion soll bei der nächsten Berlinale im Jahr 2025 der Transport der Gäste „ausschließlich mit dem Berliner Taxigewerbe“ erfolgen. Dadurch entgangene Sponsorengelder sollen entweder durch andere Partner kompensiert, oder aus dem Berliner Haushalt bezahlt werden.

      Der Sprecher des Uber-Konzerns erklärt auf Nachfrage, man könne die Forderungen der Linke-Fraktion nicht nachvollziehen. „Mit unserem Engagement bei der Berlinale unterstützen wir die Kultur- und Filmszene in der Hauptstadt“, so der Sprecher.
      Berlinale sieht mögliche Partnerschaft mit Taxifahrern skeptisch

      Auch die Festivalleitung reagiert auf Nachfrage eher zurückhaltend auf den Vorschlag der Linken. „Die Berlinale arbeitet seit vielen Jahren mit unterschiedlichen Partnern beim Fahrdienst zusammen“, erklärt eine Berlinale-Sprecherin der Berliner Zeitung. Diese Partner würden nicht nicht nur die Kosten und Organisation des Fahrdienstes übernehmen, sondern auch die Fahrzeuge selbst stellen.

      Dass die Berliner Taxifahrer diese Aufgabe stemmen könnten, sei bislang nicht ersichtlich. „Eine Partnerschaft mit Taxiunternehmen würde Fahrzeuge, Lohnkosten der Fahrer, sowie alle Betriebsmittel (inkl. Sponsoring) beinhalten“, so die Sprecherin. „Ein entsprechendes tragfähiges Angebot aus dem Umfeld der Taxi-Unternehmen liegt uns nicht vor.“ Dennoch arbeite man im Hintergrund an einer Lösung, sei seit längerem mit Taxivertretern im Austausch.

      Die scharfe Kritik an den Geschäftspraktiken ihres Hauptsponsors weist die Berlinale zurück. „Wir wählen unsere Partner im Vorfeld sorgfältig aus und unterziehen sie einer Prüfung mit umfangreichen Recherchen“, so die Sprecherin. Laut geltender Rechtslage dürfe Uber in Berlin legal operieren, danach richte man sich. Zudem habe Uber der Festivalleitung „glaubwürdig versichert, dass die Geschäftspraktiken ihrer Anfangsjahre nicht mehr existieren und sie sich klar davon distanziert haben.“ Informationen verschiedener Medien, sowie der Berliner Linken, zeichnen ein anderes Bild.
      „Mit Martin Scorsese würden wir gerne mal einen Kaffee trinken“

      Wenn Klaus Meier ab Donnerstag an jedem Berlinale-Abend mit seinem Großraumtaxi in Berlin-Mitte steht, will er von all dem erstmal nichts mehr hören. Ihm gehe bei seinem „TaxiFilmFest“ darum, die Freude an dem Beruf nach außen zu tragen, trotz des ernsten Hintergrundes. Auch gegen die Berlinale hege man grundsätzlich keinen Groll. „Niemand von uns hat etwas gegen das Festival“, sagt Meier. „Ohne die Berlinale wäre unsere Stadt um einiges Ärmer. Aber dieses Sponsoring von Uber haben die wirklich nicht nötig.“

      Kommende Woche wird es dann doch nochmal politisch: Am 21. Februar soll Meier bei einer Sitzung des Mobilitätsausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus die Interessen der Taxifahrer vertreten. Auch ein Abgesandter von Uber wird dort für das Unternehmen vorsprechen. „Das wird ein Spaß“, sagt Meier lachend.

      Bevor es an diesem Abend zur Eröffnung seines Festivals geht – auf dem Programm steht ein Überraschungsfilm – muss der 63-Jährige noch einen wichtigen Anruf tätigen. „Ich wollte mich noch bei der Berlinale-Leitung melden, damit die dem Martin Scorsese mal einen netten Gruß von uns ausrichten“, sagt Meier. „Mit dem würden wir gerne mal einen Kaffee trinken und uns für seinen tollen Film bedanken. Am liebsten hier bei uns im Taxi.“

  • Berlinale: Taxifahrer von Uber-Shuttle genervt – “Wir haben alte, abgewrackte Taxen”
    https:// www.berlin-live.de /berlin/aktuelles/berlinale-taxifahrer-uber-shuttle-fahrer-protest-berlin-festival-id130220.html

    Es kommt immer wieder vor, dass Exemplare der schreibenden Zunft nicht verstehen, was sie erfahren, nicht zuhören oder derart in ihren eigenen Stimmungen und Weltbildern gefangen sind, dass sie anstelle von Berichtstattung nur Quatsch verzapfen. Dieser Artikel ist ein trauriges Beispiel für diese Art Realitätsferne.

    Vom ersten Satz bis zum letzten Wort enthält dieser Bericht ausschließlich Erfundenes, Unverstandenes und Missinterpretiertes.

    JW ist kein FoT, dafür mangelt es ihr an aufrichtigem Interesse für ihr Thema. Gehört sie auf den EoT-Zettel? Man weiß es nicht. Ist auch egal, wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr. Schade, schade, die junge Frau machte einen so netten Eindruck.

    Infos zum TaxiFilmFest gibt es in zahlreichen anderen Berichten.

    Jana Wengert - Die Berlinale startet mit ungewöhnlichem Auftakt: Weil das Filmfestival seine Gäste mit Uber anreisen ließ, gab es Ärger mit den Taxifahrern.

    Am 15. Februar 2024 feiert die diesjährige Berlinale ihren Auftakt. Und die Hauptstadt steht Kopf – zumindest was die Fans der internationalen Filmfestspiele angeht. Während die Vorfreude bei den Besuchern steigt, kommen bei den Taxifahrern der Metropole jedoch ganz andere Emotionen auf.

    Die Lenker der gelben Limousinen sind genervt – und das aus einem bestimmten Grund: Die Berlinale lässt Promi-Gäste nämlich mit dem Shuttle-Service des Unternehmens Uber anreisen anstatt auf die berühmt berüchtigte Taxe zurückzugreifen. Die Taxi-Fahrer starteten deshalb eine Protestaktion.
    Berlinale zum Trotz: Taxifahrer starten eigenes Festival

    Weil die Berlinale ihnen keine Plattform bieten wollte, entschieden sich unter anderem Unterstützer von Taxi Deutschland, Taxi-Innung, Ver.di und Co. dazu, einfach ein eigenes Festival zu starten: das „TaxiFilmFest“. Pünktlich um 17 Uhr erstrahlte dafür am Donnerstag ein hell erleuchtetes Taxi auf dem ehemaligen Boulevard der Stars. Es soll als Autokino mit wechselndem Filmangebot samt Popcorn und Getränken dienen. Wenn nichts dazwischen kommt, bis zum 25. Februar sogar täglich von den frühen Abendstunden bis 22 Uhr.
    Berlin

    Pünktlich zum Auftakt der Berlinale veranstalteten die Taxifahrer ihr eigenes „Festival“. Bild von der Autorin

    Doch mit dieser Aktion möchte man nicht nur Aufmerksamkeit erlangen und gleichzeitig Unterhaltung bieten – die Verantwortlichen erhoffen sich dadurch auch, mit Filmschaffenden und dem Publikum der Berlinale ins Gespräch zu kommen. Denn die Entscheidung, Uber als Fahrdienstleister zu wählen, lässt die Taxifahrer nicht kalt.

    Berliner Taxifahrer bedrückt: „Sind alte Männer“

    „Die Frage ist halt, warum wir uns das gefallen lassen“, fragte Danielo Baltrusch, Beauftragter der Innung des Berliner Taxigewerbes e.V. in die Runde. Eine Antwort hatte niemand. Doch mit dem „finanzstarken Unternehmen“ könne man eben nicht mithalten, wie sich im Gespräch mit BERLIN LIVE herausstellte: „Die haben ihre Limousinen, wir haben alte, abgewrackte Taxen, sind alte Männer und wenn man noch zwei Jahre wartet, sind wir als Dienstleister tot.“

    Könnte überhaupt infrage kommen, in den kommenden Jahren wieder für die Berlinale zu fahren? „Wenn man das mit Geld unterstützen würde, dürfte man auch auf der Liste stehen und Leute fahren“, vermutete Taxifahrerin Irene Jaxtheimer. Doch es muss auch einen anderen Weg geben. Bleibt zu hoffen, dass diese Lösung nicht zu spät gefunden wird.

    #Taxi #Kultur #Film #Kino #Berlin #Mitte #Potsdamer_Straße #Eichhornstraße #TaxiFilmFest #Berlinale #Boulevard_der_Stars #Journalusmus #Presse

  • Berlinale 2024 - mit spannendem (kostenlosen) Rahmenprogramm
    https://www.gratis-in-berlin.de/component/flexicontent/13-festivals/2064802-berlinale-2024-mit-spannendem-kostenlosen-rahmenprogramm

    Donnerstag 15.02.2024 bis Sonntag 25.02.2024 - Anfangszeit: :00 Uhr
    Kategorie: Festivals
    Berlinale 2024 - mit spannendem (kostenlosen) Rahmenprogram...

    Auch die Berlinale 2024 kostet zwar Eintritt, aber dabeisein lohnt sich schon wegen der Cineasten-Atmosphäre, besonderen Filme und der Live-Auftritte und Nach-Film-Gesprächsrunden mit Filmteams und Stars. Das einmalige Berliner Publikums-Filmfestival bietet traditionell aber auch immer ein spannendes kostenloses Rahmenprogramm.

    Das Taxifilmfest (Fettschrift = Link) sicher einer der spannendsten Rahmenangebote.

    Die Nordic Film Music Days mit Filmvorführungen.

    Der Manifesto Market in den Potsdamer Platz Arkaden veranstaltet am 19. und 20.2.24 Podiumsdiskussionen mit Berlinale-Künstlern

    Spannend klingt auch der Berlinale Edit-a-thon 2024

    Bei diesen außergewöhnlichen (Parallel-)Programmteilen rund um die Berlinale ist der Eintritt frei:
    ... Hier haben wir allgemeine Promi-Hot-Spots in Berlin zusammengestellt.

    Natürlich gibts auch wieder viele Berlinale Stars auf dem roten Teppich. (wir aktualisieren während Berlinale möglichst jeden Morgen). Martin Scorsese erhält Ehrenbär etc.

    Termin der Berlinale & genaues Datum 15. bis 25. Februar 2024.

    Das war letztes Jahr, wird noch gecheckt:
    – Forum Expanded: Ausstellung und Screenings im Rahmen der Berlinale im Savvy Contemporary, Gerichtstr. 35, 13347 Berlin-Wedding?
    – Berlinale Social Bus mit Impulsen, Kunst, Musik und Diskussionen in der Potsdamer Straße, gibts das noch? Gerne Kommentar.
    – Bei der Weltzeituhr am Potsdamer Platz kann man sich in einem temporären Shuttle gegen Vornanmeldung filmreif schminken lassen. gibts das noch? Gerne Kommentar.
    - die Street Food Trucks vor den Potsdamer Platz Arkaden (Joseph-von-Eichendorff-Gasse/Ecke Alte Potsdamer Straße) bieten täglich von 11 bis 22 Uhr einen außergewöhnlichen Anblick und frischgekochtes Essen in „regionaler, saisonaler und pestizidfreier“ Qualität.
    Täglicher Berlinale Nighttalk aus der XXL Bar des Cinemaxx leider nicht mehr.

    von: Andrea

    Im Einzelnen
    https://www.gratis-in-berlin.de/kino/item/2065517-taxifilmfest-parallel-zur-berlinale

    #Taxi #Kultur #Film #Kino #Berlin #Mitte #Potsdamer_Straße #Eichhornstraße #TaxiFilmFest #Berlinale #Boulevard_der_Stars #Journalismus #Presse #TaxiFilmFest #Medienecho

  • Uber ist Partner der Berlinale: Warum Taxifahrer während der Berlinale ihr eigenes Filmfest starten
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/festival-der-ausgeschlossenen-warum-taxifahrer-wahrend-der-berlinale-ih

    16.2.2024 von Marlon Saadi - Die Berlinale kooperiert seit einem Jahr mit Uber. Taxifahrer sehen darin ein weiteres Symbol für ihre Verdrängung. Aus Protest haben sie ein eigenes Filmfest organisiert.
    ...

    #Taxi #Kultur #Film #Kino #Berlin #Mitte #Potsdamer_Straße #Eichhornstraße #TaxiFilmFest #Berlinale #Boulevard_der_Stars #Journalismus #Presse #TaxiFilmFest #Medienecho

  • Taxi Berlin - Hier spricht Tiffany Taxi - Programm 88,4 MHz
    https://fr-bb.org/programm/sendung/60948.html#Taxi%20Berlin-Hier%20spricht%20Tiffany%20Taxi

    «Taxi Berlin» Hier spricht Tiffany Taxi: Taxifilmfest #92
    Donnerstag, 01. Feb 2024, 19:00 bis 20:00 Uhr
    Übers Taxifahren in Berlin und seine Nebenwirkungen. Taxi Berlin

    Geschichten und Informationen aus dem Taxi, über das Taxi und um das Taxi herum. Mit Tiffany und Gästen, mit Musik zum Taxifahren.
    88,4 MHz - Pi Radio

    https://www.txsl.de/taxifilmfest-piradio.html

    Sendetermin
    Donnerstag, 01. Feb 2024, 19:00 bis 20:00 Uhr
    88,4 MHz in Berlin
    90,7 MHz in Potsdam
    DAB+ Kanale 7D in Berlin
    DAB+ Kanale 12D in Brandenburg
    Stream : 192 kbit/s, 128 kbit/s http://ice.rosebud-media.de:8000/88vier

    #Taxi #Kultur #Film #Kino #Berlin #Mitte #Potsdamer_Straße #Eichhornstraße #TaxiFilmFest #Berlinale #Boulevard_der_Stars #Journalismus #Presse #TaxiFilmFest #Medienecho

  • TaxiFilmFest - Fiction and truth, taxi legends and reality, in film and reality.
    http://www.taxifilmfest.de/article2.html

    Visit us during the 17th Berlinale on Potsdamer Straße !
    Take part in the TaxiFilmFest Berlin !
    Organise your own TaxiFilmFest !

    Taxis and film are children of the progress of technology, of dream and reality. That’s why there are taxis in so many films. They are the starting point and turning point of stories. In some films, the taxi takes centre stage.

    The TaxiFilmFest shows the human and cultural wealth that our colleagues at the wheel create day after day. All over the world, monopolistic platforms are attacking this culture. Those involved in the TaxiFilmFest are fighting back against material and artistic impoverishment.

    The Taxi Film Festival is more than just a film event. Its contributions and workshops open up a view of the world in which we want to live, in which everyone can make a good living from their work. We strengthen the taxi as a place of encounter and culture.

    #Berlin #Taxi #Kino #SPIP

  • „Moviemento“ in Berlin: Ältestes Kino Deutschlands gerettet
    https://www.berliner-zeitung.de/news/moviemento-in-berlin-aeltestes-kino-deutschlands-bleibt-erhalten-li

    9.1.2024 von Eva Maria Braungart - Dem Kino am Kottbusser Damm drohte seit einigen Jahren das Aus. Doch nun kam die gute Nachricht: Es kann bleiben.

    Das älteste Kino Deutschlands, das „Moviemento“ auf dem Kottbusser Damm, ist gerettet. Wie das Kino in einem Beitrag auf Instagram mitteilte, konnte es die Räume in Kreuzberg selbst erwerben. Im Jahr 2019 wurde bekannt, dass der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen das Haus gekauft hatte – dem Kino drohte das Aus.

    Die Betreiber des „Moviemento“ kämpften jahrelang um den Erhalt. Eine Crowdfundingkampagne sollte das Kino retten – doch der Kaufpreis war mit über 1,8 Millionen Euro sehr hoch. Im Januar wurde schließlich bekannt, dass die Betreiber des „Moviemento“ die Räumlichkeiten erworben haben. Die symbolische Schlüsselübergabe an die Betreiber fand am Montag statt.

    Im vergangenen Jahr erhielt das „Moviemento“ bei der Verleihung des Kinoprogrammpreises einen der Hauptpreise. Die Kinomacher wurden für das beste Dokumentarfilmprogramm geehrt und konnten sich über 10.000 Euro freuen.

    Das Kino wurde im Jahr 1907 als Lichtspieltheater am Zickenplatz eröffnet. Im Jahr 1984 wurde es auf den Nahmen „Moviemento“ getauft.

    Kino Moviemento Kontakt
    https://moviemento.de/kontakt

    Kottbusser Damm 22
    10967 Berlin · Kreuzberg

    post@moviemento.de

    Kinokasse für Kartenreservierungen: 030 – 692 47 85

    Büro für Schulkino- & Gruppenvorbestellungen, Sonderveranstaltungen & Saalvermietungen: 030 – 40 98 23 63

    Kottbusser Damm
    https://m.kauperts.de/Strassen/Kottbusser-Damm-10967-Berlin

    PLZ: 10967
    Ortsteil: Nr. 1-36 Kreuzberg
    Nr. 62-104 Neukölln
    ÖPNV: Zone A Bus M41, 171, 194, 344 — U‑Bahn 7, 8 Hermannplatz ♿, U‑Bahn 8 Schönleinstraße
    Verlauf: von Kottbusser Str, Planufer und Maybachufer an der Kottbusser Brücke bis Urbanstraße und Sonnenallee am Hermannplatz Nr 1-36, zurück 62-104

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Kottbusser_Damm

    Hist. Namen: Dresdener Heerstraße, Rixdorfer Damm (1838–1874)

    #Kottbusser_Damm #Kreuzberg #Kino

  • Regina Ziegler: „Als ich nach Berlin kam, war ich wie im Rausch“
    https://www.berliner-zeitung.de/panorama/regina-ziegler-als-ich-nach-berlin-kam-war-ich-wie-im-rausch-li.215


    „Die Mitte meiden und sich am Rand wohlfühlen“: Regina Ziegler lebt in Zehlendorf. Foto Guido Werner/Ziegler Film

    30.10.2033 von Anne Vorbringer - Berlin hat rund 3,8 Millionen Einwohner, und jeder hat seinen eigenen Blick auf die Stadt. Was macht Berlin aus, wieso lebt man hier – und tut man es überhaupt gern?

    In unserer Rubrik „Fragebogen Berlin“ fragen wir bekannte Hauptstädterinnen und Hauptstädter nach ihren Lieblingsorten und nach Plätzen, die sie eher meiden. Sie verraten, wo sie gern essen, einkaufen oder spazieren gehen. Aber auch, was sie an Berlin nervt und was man hier auf keinen Fall tun sollte.

    Diesmal hat Regina Ziegler unsere Fragen beantwortet, die in diesem Jahr großes Jubiläum feiern kann. Vor 50 Jahren gründete sie Ziegler Film und wurde Deutschlands erste Produzentin. Bis heute realisierte sie rund 500 Filmprojekte und gehört damit zu den produktivsten und erfolgreichsten Produzenten des Landes.

    Für ihr neuestes Projekt arbeitete Ziegler mit dem Streaming-Riesen Amazon zusammen. Seit dem 26. Oktober läuft die Serie „Die Therapie“ exklusiv bei Prime Video. Die Buchvorlage stammt von einem anderen bekannten Berliner: dem Bestseller-Autor Sebastian Fitzek.

    1. Frau Ziegler, seit wann sind Sie schon in der Stadt?

    Eigentlich wurden meine Wurzeln in Berlin 1943 gepflanzt. Meine Mutter wohnte damals in Charlottenburg in der Röntgenstraße. Sie war mit mir hochschwanger und wurde mit meiner älteren Schwester an der Hand drei Tage und vier Nächte im Luftschutzkeller verschüttet. Als wir gerettet waren, war unsere Wohnung nicht mehr da. So trampte sie nach Allrode im Harz zu ihren Eltern und ich wurde am 8. März in Quedlinburg geboren und war der Hit des Weltfrauentages 1944. Diese Geschichte saß so tief in mir, dass ich nach dem Abitur 1964 zum Jurastudium nach Berlin zog.

    2. Welcher ist Ihr Lieblingsort in Berlin?

    Der China Club in der Behrenstraße 72, der seit vielen Jahren meinen Gästen und mir auch wegen seiner fantastischen asiatischen Küche und wegen des Restaurantmanagers Henryk Vieillard ein Genuss ist.

    3. Wo zieht es Sie hin, wenn Sie entspannen wollen?

    In mein Bett …

    4. Welche Ecken der Stadt meiden Sie?

    Als Dauer-Radiohörerin kenne ich immer aktuell die Präsenz der Klebeaktionen der Letzten Generation und kann entsprechend reagieren. Meistens gelingt es mir, dadurch stundenlange Staus zu vermeiden und zu meinen Terminen pünktlich zu sein.

    5. Ihr ultimativer Gastro-Geheimtipp?

    Das 893 Ryotei in der Kantstraße und das Ponte in der Regensburger Straße zum Dinner. Zum Lunch empfehle ich die Salumeria Rosa in der Neuen Kantstraße 25.

    6. Ihr ultimativer Shopping-Geheimtipp?

    Es gibt kleine, feine Boutiquen rund um den Savignyplatz, in denen ich mich gerne nach ausgefallenen Modellen umschaue. Und an einem Issey-Miyake-Shop kann ich nicht vorbeigehen, ohne reinzuschauen. Gott sei Dank haben wir in Berlin keinen Miyake-Laden.

    7. Der beste Stadtteil Berlins ist …

    Charlottenburg war und ist immer noch mein bevorzugter Kiez. Als ich 1964 aus Obernkirchen nach Berlin kam, war ich wie im Rausch. So viele Menschen wie an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche hatte ich noch nie gesehen. Ich mietete ein Zimmer in der Mommsenstraße 36 bei einer kinderreichen Familie. Meine Vermieterin und ihre vier Kinder nahmen mich wie ein Familienmitglied auf, und sie drückte auch ein Auge zu, wenn mein späterer Ehemann Hartmut Ziegler mal über Nacht blieb, was damals strikt verboten und deshalb sehr ungewöhnlich war und zu der Geburt von Tanja führte.
    Um mir etwas dazuzuverdienen, trug ich in Charlottenburg die Berliner Morgenpost aus und verkaufte an den Wohnungstüren Waschmaschinen. Während der ersten Jahre beim Sender Freies Berlin in der Masurenallee nutzte ich noch jeden Tag die Straßenbahn entlang der Kantstraße. Mein erster Spielfilm „Ich dachte, ich wäre tot“ lief 1974 mit großem Erfolg viele Wochen im filmkunst 66 in der Bleibtreustraße 12. Als die langjährigen Besitzer des Kinos, Rosemarie und Franz Stadler, das filmkunst 66 verkauften, haben Tanja und ich nicht lange überlegt – und uns einen Traum erfüllt.

    8. Das nervt mich am meisten an der Stadt:

    Klaus Wowereit hat mit Georgia Tornow vor vielen Jahren am Potsdamer Platz den Boulevard der Stars ins Leben gerufen. Da haben die Sterne noch gestrahlt. Meiner auch. Heute sind sie total verrottet und vergammelt. Diese Sterne sind für mich auch Sinnbild für die Filmfestspiele und deren ungewisse Zukunft.

    9. Was muss sich dringend ändern, damit Berlin lebenswert bleibt?

    Dass in Berlin keine Menschen mehr unter den Brücken schlafen müssen. Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum, wir brauchen eine nachhaltige Verbesserung der Verkehrssituation. Die Menschen müssen kurzfristiger Termine bei den Bürgerämtern bekommen. Und beim BER müssen endlich die Laufbänder und die Fahrstühle funktionieren und nicht tagelang ausfallen. Ich finde es unverständlich, dass die Lufthansa nur wenige Direktflüge aus der deutschen Hauptstadt ins Ausland anbietet. Auch das muss sich dringend ändern.
    Und aus aktuellem Anlass möchte ich hinzufügen: Eine Stadtgesellschaft hat Regelungen und Gesetze, an die sich alle halten müssen – ganz gleich, ob sie in Berlin geboren oder erst später hierhergekommen sind: Sie sind Berliner. Es gibt keinen Platz für Hass, Aggression, Gewalt, Intoleranz und Antisemitismus.

    10. Ihr Tipp an Unentschlossene: Nach Berlin ziehen oder es lieber bleiben lassen?

    Wenn, dann die Mitte meiden und sich am Rand wohlfühlen.

    11. Cooler als Berlin ist nur noch …

    Quedlinburg, weil ich da geboren bin.

    –---

    Zur Person

    Regina Ziegler kam 1944 in Quedlinburg (Sachsen-Anhalt) zur Welt. 1964 ging sie nach Berlin und arbeitete nach einer Ausbildung zur Wirtschaftsdolmetscherin zunächst als Produktionsassistentin beim SFB. 1973 gründete sie ihre eigene Firma. Gleich für ihre erste Produktion „Ich dachte, ich wäre tot“ erhielt sie mehrere Auszeichnungen. Mittlerweile haben sie und ihre Tochter Tanja (Foto) rund 500 Filme und Serien für Kino und Fernsehen produziert.

    Tanja Ziegler stieg im Jahr 2000 ins Unternehmen Ziegler Film ein und besitzt inzwischen die Mehrheit der Anteile. Regina Ziegler ist Honorarprofessorin an der Filmuniversität Babelsberg, gemeinsam mit ihrer Tochter betreibt sie das Berliner Programmkino filmkunst 66. Vom Museum of Modern Art in New York wurde sie 2006 mit einer Retrospektive geehrt. 2017 veröffentlichte sie ihre Autobiografie „Geht nicht gibt’s nicht“. Ihre neue Produktion, die sechsteilige Thriller-Serie „Die Therapie“, läuft aktuell bei Amazon Prime Video.

    #Berlin
    #Charlottenburg #Bleibtreustraße #Kantstraße #Masurenallee #Mommsenstraße #Neue_Kantstraße #Röntgenstraße #Regensburger_Straße #Savignyplatz
    #Mitte #Behrenstraße #Potsdamer_Platz
    #Wilmersdorf
    #Zehlendorf

    #Fernsegen
    #Film
    #Gastronomie
    #Kino

  • Apollo & Allegro Kinos, Steglitz, 1954 bis 1982
    http://www.allekinos.com/BERLIN%20ApolloSteglitz.htm

    Noch erzählt werden muss die Geschichte von der US-Sekte, die hier investierte, ein Kino als Tempel nutzte (und als Küche, wie wir dem folgenden Artikel entnehmen) und dann mit Gewinn weiterverkaufte. Oder ist das Haus mit Supermarkt heute etwa weiterhin eine religiöse Veranstaltung?


    Vielen Dank an Uwe Feld für das Bild und die Informationen

    Berlin - Steglitz, Bismarckstr. 68-69
    eröffnet: 24.09.1954 (Apollo) und 1958 (Allegro)
    geschlossen: 1977 (Apollo) und 28.07.1984 (Allegro)
    Sitzplätze: 660 (Apollo) + 472 (Allegro) (1958) - 618/468 (1971) - 424 (1982)
    Architekt: Hans Bielenberg
    Betreiber: Arthur Ludwig

    Das Doppelkino an einer Straßenkreuzung war mit seinem gläsernen Verbindungsgang ein schönes Beispiel von der funktionalen, aber durch Abrundungen und in Profilen eingebettete Reklameflächen auch aufgelockerter 50er-Jahre-Architektur.

    Zuerst wurde 1954 das „Apollo“ erbaut.

    Weithin sichtbares Aushängeschild und Wegweiser bei Einbruch der Dunkelheit war ein hell erleuchteter Rundvorbau aus Glas, der die Kassenhalle beherbergte. Eine besondere Note erhielt dieser Raum durch den in vielseitigen Mustern verlegten Fußboden-Gummibelag. Die gelbe Decke und die grauweißen Wände des Foyers kontrastierten mit in Form eines modernen Teppichmusters aufgeteilten Fußboden. Eine mit grauem Acellastoff abgeschlossene Garderobe, der Verkaufsstand, eine Sitzbank sowie beleuchtete Spiegel mit eingebauter Kassettendecke gaben dem Raum eine gediegene Note.

    Der Zugang zum Zuschauerraum erfolgte für Nachzügler bei Beginn der Vorstellung durch abgedeckte Lichtschleusen. Unter Verzicht auf eine kostspielige Rangkonstruktion wurde ein von der Mitte ansteigendes Hochparkett geschaffen. Breite Seitengänge und ein Reihenabstand von 90 cm boten auf Hochpolsterstühlen für diese Zeit bequeme Sitzmöglichkeiten. Ein zur Bühne abfallendes und leicht geschwungenes Holzpaneel , das den Übergang zur Cinemascope-Leinwand bildete, sowie die obere Acella-Bespannung in hellen Farben gaben zusammen mit dem himmelblauen Velour-Vorhang dem Theaterraum eine festliche Atmosphäre. Nach dem Öffnen des Hauptvorhanges lief der Acella-Stoff der Saalbespannung als Schürze und Bildvorhang weiter, so daß der Eindruck entstand, Theatersaal und Bühne seien eng verbunden.

    Für die Dekorationsarbeiten war Paul Döhler zuständig.Saalbeleuchtungskörper, Rampenbeleuchtung, Kassettendecke im Foyer und Beleuchtungskörper in der Kassenhalle waren mit Leuchtstoffröhren versehen. Ein geräumiger Vorführraum mit den erforderlichen Nebenräumen gaben der Theaterleitung die Möglichkeit, die modernsten Maschinen (B12), Schmalfilmprojektor sowie eventuell nötige zusätzliche Einbauten vorzusehen.
    Während das „Apollo“ schon 1954 vom renomierten Berliner Kinoarchitekten Hans Bielenberg erbaut wurde, ist das „Allegro“ erst 1958 hinzugefügt worden.

    Die 660 Sitze des"Apollos" stiegen allmählich nach oben an und ermöglichten von allen Sitzen eine ungehinderte Sicht auf die CinemaScope-Leinwamd. Die Projektionsanlage bestand aus Bauer B 12-Maschinen.

    Die Wände des „Allegro“-Saals waren in der unteren Hälfte in afrikanischem Holzpaneel- birnbaumhell gebeizt - ausgestattet, im oberen Teil in feuerhemmend behandelten, farbigen Akustikplatten. Die Decke aus Stuck enthielt eingebaute Leuchtkörper. Die Mittelfelder der Decke bestanden aus Soundix- und Rigipsplatten. Ein hellgrauer Velour-Vorhang schloss die Leinwand, die seitlich durch Strahler beleuchtet wurde. Eine Neuheit für Berlin war die Ornament-Projektion für Vorhang und Leinwand, die mittels eines Spezialapparates etwa Wellenlinien, Regentropfen oder Landschaftspanoramen gestattete. So wurde der ankommende Besucher immer wieder mit einem anderen Bild überrascht. - eine optische „Ouvertüre“, die schon vor dem Film für Atmosphäre sorgen sollte. Der Bodenbelag bestand aus dunkelgrauem Korklinoleum. Die Bestuhlung wies farbenfrohe Bezüge auf und hatte im Sperrsitz die damals großzügigen Sitzbreite von 54 cm. Die erleuchteten Reihenbezeichnungen wurden nach Beginn der Vorstellung ausgeschaltet.
    Das „Allegro“ war vom Programm her von Anfang an als Filmkunsttheater angelegt: schon das Allegro-Eröffnungsprogramm bot Besonderes - die Berliner Uraufführung des spanischen Films „Calabuig" B5832

    Das „Allegro“ hatte noch bis 1984 mit dem Zusatz „Haus der Filmkunst“ geöffnet und wurde anschließend als Kirchenraum genutzt..

    Auf dem Foto kann man noch links die Baulücke erkennen, wo einst das „Allegro“ stand. Auch das „Apollo“-Gebäude wurde kurze Zeit später abgerissen.

    Kleine Anmerkung: In allen Quellen und Artikeln wird 1957 als Eröffnungsjahr des „Allegro“ angegeben, der von mir zitierte Bericht aus den „Filmblättern“ erschien aber erst im Sommer 1958: Das ergibt zwei Möglichkeiten: Die Redaktion der "Filmblätter war sehr langsam, oder die angegebene Jahreszahl im Buch „Kinoarchitektur in Berlin“ stimmt nicht und bei den späteren Publikationen schrieb einer vom anderen ohne Nachprüfung ab. Ich forsche weiter...

    "Apollo" 1954 (Bildquelle der drei unteren Bilder: Filmblätter 46/54 bzw. 25/55- Köster)

    Vielen Dank an Gregor Gründer für unteren 3 Bilder (Bildrechte: Heimatarchiv Steglitz)



    Gesamtansicht der beiden Kinos und Saal „Allegro“ 1957 (Bildquelle: Filmblätter 32/1958, Köster)

    Ein kleines bischen an Erkenntnis steuert unser liebstes Käseblatt bei.

    In der Bismarckstraße stand eins der modernsten Kinos der Stadt
    https://www.berliner-woche.de/steglitz/c-kultur/in-der-bismarckstrasse-stand-eins-der-modernsten-kinos-der-stadt_a142

    14.2.2018 von Karla Rabe

    https://media04.berliner-woche.de/article/2018/02/08/5/9935_XXL.jpg?1564497245
    Bismarck-, Ecke Horst-Kohl-Straße: Dort, wo sich bis in die 1980er-Jahre das „Doppelkino“ mit Allegro und Apollo befand, steht heute ein Wohnhaus mit Supermarkt. Foto: K. Rabe

    https://media04.berliner-woche.de/article/2018/02/08/2/9932_XXL.jpg?1564497245
    Das „Doppelkino“ Apollo und Allegro in den 1960er-Jahren. Das Allegro war als „Haus der Filmkunst“ ein Kino des besonderen Films. Foto: Michael Lorenz

    https://media04.berliner-woche.de/article/2018/02/08/8/9938_XXL.jpg?1564497245
    Der beleuchtete Schriftzug des Apollo an der Bismarckstraße war weithin sichtbar. Foto: Archiv Steglitz Museum

    https://media04.berliner-woche.de/article/2018/02/08/1/9941_XXL.jpg?1564497245
    Mit seinem runden Eingangsbereich aus Glas gehörte das Kino in der Bismarckstraße zu den modernsten der Stadt.Foto: Archiv Steglitz Museum

    https://media04.berliner-woche.de/article/2018/02/08/4/9944_XXL.jpg?1564497245
    Mitte der 1980er-Jahre wurden die beiden Kinos abgerissen und Wohnhäuser errichtet. Foto: Archiv Steglitz Museum

    Dass dem besonderen und künstlerischen Film ein eigenes Haus zur Verfügung gestellt wird, war schon immer ein seltener Vorgang. Aber in Steglitz, genauer in der Bismarckstraße 69, wurde dem besonderen Film sogar extra ein Kino gebaut: Das Lichtspieltheater „allegro“. Es entstand als „Haus der Filmkunst“ im Jahr 1957.

    Errichten ließen es die Arthur-Ludwig-Theaterbetriebe gleich neben dem Apollo, das zum gleichen Unternehmen gehörte und 1954 entstand. Beide Kinos waren mit einem gläsernen Gang verbunden. Das Doppelkino befand sich an der Ecke Horst-Kohl-Straße. Der Rundvorbau aus Glas war bei Einbruch der Dunkelheit hell erleuchtet und weithin sichtbar.

    Das Allegro zählte zu den modernsten Kinos der Stadt. Mit diesem Studiokino wollte man eine breitere Besucherschicht für anspruchsvolle Filme gewinnen. Mit vielen wichtigen Filmen ist das den Arthur-Ludwig-Theaterbetrieben als Mitglied der Gilde Deutscher Filmkunst-Theater wohl auch gelungen. Fast 30 Jahre lang zog es die Cineasten aus ganz Berlin an. Schon das Eröffnungsprogramm bot etwas Besonderes. Gezeigt wurde die Berliner Uraufführung der spanisch-italienischen Filmkomödie „Calabuig“.

    Michael Lorenz hat ganz persönliche Erinnerungen an die Kintop-Zeit in der Bismarckstraße. Der 69-Jährige ist in Steglitz am Munsterdamm aufgewachsen und hat in beiden Kinos etliche Filme gesehen. Als Halbwüchsiger bevorzugte er natürlich die gängigen Kino-Erfolge im Apollo. „Das Kino war eines der edleren Sorte mit gepolsterten Sitzen“, erinnert er sich. Auch an die Filme, die er als 14- und 15-Jähriger gesehen hat, sind ihm noch gut im Gedächtnis geblieben. James Bond und Edgar Wallace-Filme zum Beispiel. Allerdings war es ihm nicht vergönnt, jeden Film anzuschauen, den er sehen wollte. Filme ab 18 waren tabu. „Es gab sehr strenge Kontrollen.“ Aber manchmal sei es ihm gelungen, sich durchzuschummeln. Da wurden Vaters viel zu großes Hemd samt Sakko ausgeliehen und die Schultern des Sakkos mit Watte ausgepolstert. Auch eine Krawatte aus Vaters Kleiderschrank musste her. „Ich habe stundenlang gebraucht, um den Knoten richtig zu binden“, sagt Lorenz lachend. Mit tiefer Stimme hat er dann die Karte gekauft. Doch das war nur die erste Hürde. „Nach dem Vorprogramm ging das Licht an und Kontrolleure kamen durch die Reihen. Da wurde so mancher wieder rauskomplementiert.“ Das war Mitte der 1950er- bis 60er-Jahre. Damals, im Zeitalter eines recht überschaubaren Fernsehprogramms, gingen die Leute noch oft ins Kino. Die zahlreichen „Lichtspieltheater“ waren gut besucht.

    15 Jahre später begann das große Sterben der kleinen Kiez-Kinos. Als 1977 das 20-jährige Jubiläum des Allegro gefeiert wurde, gab es das Apollo schon nicht mehr. Es war ein Jahr zuvor aufgegeben worden. Der Steglitzer Anzeiger schrieb damals: „… Man kann es eigentlich kaum glauben, dass dieses Theater noch besteht, wenn man um das Kinosterben bitter weiß…“ Am Jubiläumstag des Allegro wurden „Raritäten aus der Flimmerkiste“ gezeigt. „Die Besucher erleben noch einmal die Geburtsstunde des Films 1895 mit den Darstellern Greta Garbo, Hans Albers, Marlene Dietrich, Willi Forst, Adele Sandrock, Leo Slezak und vielen anderen...“, informierte der Steglitzer Anzeiger.

    1984 war auch für das Studiokino Schluss. Vor dem Abriss beider Kinos wurde das Gebäude noch als Kirchenraum genutzt. An ihrer Stelle wurden später Wohnhäuser mit Ladenflächen errichtet.

    Das „Doppelkino“ Apollo und Allegro in den 1960er-Jahren. Das Allegro war als „Haus der Filmkunst“ ein Kino des besonderen Films. | Foto: Michael Lorenz

    Bismarck-, Ecke Horst-Kohl-Straße: Dort, wo sich bis in die 1980er-Jahre das „Doppelkino“ mit Allegro und Apollo befand, steht heute ein Wohnhaus mit Supermarkt. | Foto: K. Rabe

    #Berlin #Steglitz #Bismarckstraße #Horst-Kohl-Straße #Lauenburger_Platz #Kino

  • Getöteter Taxifahrer in Berlin: Verdächtiger war bereits wegen Tötungsdelikt in Belgien flüchtig
    https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2023/04/schweigeminute-spendensammlung-fuer-getoeteten-taxifahrer-berlin.html

    11.4.2023 von P. Höppner - Im Fall des niedergestochenen Taxifahrers in Berlin-Grunewald gibt es neue Details über den mutmaßlichen Täter: Der 24-Jährige war bereits wegen eines Tötungsdelikts in Belgien auf der Flucht, die belgische Justiz hat seine Auslieferung beantragt.

    Mutmaßlicher Täter war bereits wegen Tötungsdelikt in Belgien auf Flucht
    Spendenaktion für Familie des Taxifahrers bei Film-Premiere
    Schweigeminute abgehalten
    Taxifahrer fahren mit Trauerflor am Fahrzeug

    Der Verdächtige im Fall des getöteten Taxifahrers in Berlin soll bereits wegen eines anderen Tötungsdelikts in Belgien auf der Flucht gewesen sein. Gegen den 24-Jährigen sei bei der Kölner Generalstaatsanwaltschaft ein Auslieferungsverfahren anhängig, sagte ein Behördensprecher am Dienstag.

    Ein 49-jährige Berliner Taxifahrer war am Donnerstagmorgen nach einer Messerattacke im Berliner Villenviertel Grunewald gestorben. Ein Passant hatte ihn gefunden. Zeugen versuchten noch, den Mann zu retten. Der Taxifahrer starb jedoch im Krankenhaus.

    Der Verdächtige befindet sich laut Berliner Staatsanwaltschaft seit vergangenem Samstag in Schleswig-Holstein in Untersuchungshaft. Von der Flensburger Justiz hieß es am Dienstag, der 24-Jährige sei nach einer Anordnung des Amtsgerichts Flensburg festgenommen worden. Dies erfolgte im Zusammenhang mit dem Auslieferungsverfahren, das bei der Kölner Justiz läuft, wie es hieß. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll der 24-Jährige am 4. April in Belgien seine Lebensgefährtin umgebracht haben und geflohen sein.
    Tötungsdelikt in Berlin hat Vorrang für deutsche Justiz

    Parallel ist der 24-Jährige von den Ermittlern in Berlin als Verdächtiger im Fall des getöteten Taxifahrers identifiziert worden. Die Staatsanwaltschaft Berlin will nun nach Angaben eines Sprechers einen weiteren Haftbefehl gegen den Mann beantragen, damit er nach Berlin überstellt wird.

    „Unser Verfahren wird dann in den Hintergrund treten“, erklärte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Köln. Zunächst müssten die Vorwürfe der Berliner Staatsanwaltschaft geklärt werden, bevor das Auslieferungsersuchen aus Belgien weiter geprüft werden könne.

    Schweigeminute und Spendenaktion für Taxifahrer

    Am Dienstagabend wurde im Cinema Paris eine schon länger geplante Vorführung des französischen Films „Im Taxi mit Madeleine“ zur Erinnerung an den 49-Jährigen genutzt. Unter anderem gab es eine Schweigeminute. Von Seiten des Kinos hieß es, dass knapp 200 Menschen teilnahmen.

    Es wurde dazu aufgerufen, für die Hinterbliebenen des Getöteten zu spenden. Zugesagt seien bisher 5.000 Euro vom Gustav-Hartmann-Unterstützungsverein und 20.000 Euro von der Taxistiftung-Deutschland. Das Unternehmen Taxi Berlin will nach Angaben des Geschäftsführers 5.400 Euro spenden.

    Zuvor hatte die Berliner Taxi-Innung angekündigt, der Familie des Taxifahrers mit einer Spendenaktion zu helfen. Taxifahrerinnen und Taxifahrer würden auch mit Trauerflor an ihren Fahrzeugen an das Opfer erinnern, sagte der Vorsitzende der Berliner Taxi-Innung, Leszek Nadolski, am Dienstag der rbb24 Abendschau.

    Sendung: rbb24 Inforadio, 11.04.2023, 16:00 Uhr

    #Berlin #Charlottenburg-Wilmersdorf #Grunewald #Brahmsstraße #Kurfürstendamm #Kino #Taxi #Arbeit #Kriminalität

  • Ausstellung: Wie Gott sie schuf
    https://www.tagesspiegel.de/kultur/ausstellungen/wie-gott-sie-schuf-6536686.html
    Adolf Salge ist von 1934 bis 1940 als Geschäftsführer der Mila-Lichtspiele für die Inhaberinnen M. u. H. (Martha und Hamida) Soliman

    31.03.2009 von Christian Schröder - Preußens nackte Venus: Eine Ausstellung erinnert an die Tänzerin Olga Desmond. Desmond war die erste Nackttänzerin in Preußen, sie stieg zu einer der bestbezahlten Unterhaltungskünstlerinnen und zu einer europäischen Berühmtheit auf.

    Nackttanz vor hundert Jahren: ein Skandal. Die Tänzerin Olga Desmond ist gerade einmal 17 Jahre alt, als sie am 19. Mai 1908 im Mozartsaal des Neuen Schauspielhauses am Berliner Nollendorfplatz gastiert. Ihr Auftritt vor 600 geladenen Zuschauern ist als „ein Gottesdienst der Schönheit, ein Kultus der Kunst“ angekündigt worden. Desmond, nur mit einem Diadem und einem Metallgürtel bekleidet, führt zum ersten Mal ihren „Schwertertanz“ vor. „Sie tritt auf in einem himmelblauen, seidenen Mantel“, so hat die „Frankfurter Zeitung“ das Ereignis festgehalten. „Die Musik spielt einen morgenländisch anmutenden Reigen. Plötzlich richtet sich die Desmond auf, lässt mit einem Ruck den Mantel fallen und steht auf der hellen Bühne wie die schaumgeborene Göttin. Und beginnt zwischen den blanken Schwertern zu tanzen. Badet ihre blütenweiße Schönheit in Licht und Musik. In holder Selbstverständlichkeit.“

    „Preußens nackte Venus“, unter diesem Titel wird Olga Desmond nun mit einer Ausstellung und einem Buch wiederentdeckt. Das Verborgene Museum, auf weibliche Kunst spezialisiert, präsentiert Fotos, Plakate und Zeitungstexte, die vom abenteuerlichen Leben der Tanzpionierin erzählen. Desmond war die erste Nackttänzerin in Preußen, sie stieg zu einer der bestbezahlten Unterhaltungskünstlerinnen im wilhelminischen Deutschland und zu einer europäischen Berühmtheit auf. „Sie war eine mutige Frau. Konventionen haben sie nicht interessiert. Kunst war die einzige Gottheit, für die sie lebte“, sagt Jörn E. Runge, der eine Biografie über die Desmond geschrieben und die Ausstellung kuratiert hat.

    Olga Desmond war von Karl Vanselow engagiert worden, dem Herausgeber der Zeitschrift „Die Schönheit“ und Initiator einer „Vereinigung für ideale Kultur“. Vanselow verstand sich als Lebensreformer und Aufklärer. Nacktheit stand für ihn für die Befreiung von den Zwängen der Zivilisation. Ihren Schwertertanz hatte Desmond in der geschlossenen Gesellschaft eines „Schönheits-Abends“ vorgeführt. Das schützte sie allerdings nicht vor öffentlichen Angriffen.

    Im Januar 1909 debattiert das Preußische Abgeordnetenhaus über den Fall. Der Zentrumsabgeordnete Hermann Roeren, Mitbegründer des „Kölner Männervereins zur Bekämpfung der öffentlichen Unsittlichkeit“, nennt die Desmond ein „nacktes Frauenzimmer in ihrer Schamlosigkeit“ und macht sie für „eine Verrohung und Verwilderung der Sitten“ verantwortlich. Der preußische Innenminister Friedrich von Moltke verbietet weitere Auftritte ohne Kostüm. Desmond tanzt fortan in sogenannten „Nacktkostümen“, eingehüllt in Gaze-Schleier.

    Sogar die „New York Times“ berichtete über den Skandal. Kurz vor der parlamentarischen Debatte war Olga Desmond als Nachfolgerin von Otto Reutter im Berliner „Wintergarten“ engagiert worden. Sie bekam eine Monatsgage von 6000 Reichsmark, was etwa sechs Jahresgehältern eines Arbeiters entsprach. Bessere Werbung als durch ihre Gegner hätte sie sich nicht wünschen können. „Olga Desmond beweist durch ihr gegenwärtiges Auftreten im Wintergarten, dass wahre Kunst nie unsittlich wirken kann“, versprachen Zeitungsanzeigen.

    Olga Desmond, 1890 als Tochter eines Buchdruckers im ostpreußischen Allenstein geboren und in Berlin-Kreuzberg aufgewachsen, beginnt mit 15 Jahren ein Schauspielstudium. Ihren Lebensunterhalt verdient sie als Aktmodell. Dabei lernt sie den Athleten Adolf Salge kennen, der sie in seine Varieté-Truppe „The Seldoms“ holt. Sie treten als „lebender Marmor“ auf. Nackt, mit weiß gepuderter Haut stellen sie Skulpturen nach, den „Raub der Sabinerinnen“, „Das Weib oder die Vase“ oder „Die badende Psyche“.

    Olga Desmond wird in London, St. Petersburg, Warschau, Wien und Budapest bejubelt, sie gründet eine „Schule für Körperkultur, Tanz, Gymnastik“ und bringt eine Sommersprossen-Creme und ein Schönheitsbuch auf den Markt. Als im Ersten Weltkrieg die Varieté-Theater geschlossen werden, macht sie Truppenbetreuung an der Front und beginnt, Stummfilme zu drehen. Trotzdem fühlt sie sich unverstanden. Das „Unglück meines Lebens“, klagt sie, sei es, dass sie in ganz Deutschland „keinen Saal zur Verfügung bekomme, der mir gestattet, meine Kunst in dem ganzen Ernste, wie ich sie auffasse, zu zeigen“.

    Gegen Ende der zwanziger Jahre beginnt ihr Stern zu sinken. Desmonds statuarischer Tanzstil gilt als veraltet, jüngere Tänzerinnen wie Anita Berber, Valeska Gert oder Mary Wigman machen nun Furore. Nackttänzen haftet nichts Skandalöses mehr an, sie werden inflationär. Nach 1933 brechen für die Tänzerin, die seit 1920 mit dem jüdischen Textilunternehmer Georg Piek verheiratet ist, schwere Zeiten an. Sie unternimmt einen Selbstmordversuch, er kann aus einem Konzentrationslager fliehen. Bis zu ihrem Tod 1963 schlägt sich Olga Desmond als Putzfrau in Ost-Berlin durch. Um den Lebensunterhalt aufzubessern, verkauft sie Postkarten und Andenken aus ihrer Zeit als Tänzerin.

    Das Verborgene Museum, Schlüterstraße 70, bis 29. Mai, Do und Fr 15–19, Sa und So 12–16 Uhr. – Jörn E. Runge: Olga Desmond. Preußens nackte Venus. Steffen Verlag, Friedland 2009, 180 S., 19, 95 €


    Bilder aus: https://arinevandersteur.nl/product/lebende-marmor-bildwerke-dargestellt-an-den-schonheit-abenden-in-be

    siehe auch
    https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Adolf_Salge

    GB190708573A - An Improved Process for Treating the Human Skin for Theatrical and like purposes. - Google Patents
    https://patents.google.com/patent/GB190708573A/en?inventor=Adolf+Salge

    Abstract
    8573. Salge, A., [known as Seldom.] April 12. No Patent granted (Sealing fee not paid). Making-up materials for theatrical use.-For producing a jewel-like effect in living statuary, after the skin has been coated with a mixture of zinc oxide, glycerine, alcohol, and eau de cologne, it is powdered with finely flaked mica, powdered boracic acid, or other suitable substance.
    GB190708573A

    United Kingdom
    Find Prior Art
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    Inventor
    Adolf Salge

    Worldwide applications
    1907 GB
    Application events
    Priority claimed from GB190708573T
    1907-04-12
    Application filed by Adolf Salge
    1907-05-30
    Application granted
    1907-05-30
    Publication of GB190708573A
    Status
    Expired

    Olga Desmond
    https://de.wikipedia.org/wiki/Olga_Desmond

    #Berlin #Kino #Tanz #Artistik #fkm