• Mit Auto kollidiert: E-Scooter-Fahrer stirbt bei Unfall in Berlin-Kreuzberg
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/mit-auto-kollidiert-e-scooter-fahrer-stirbt-bei-unfall-in-berlin-kreuzb

    Ihr seid so bescheuert, euch mit diesen unkontrollierbaren Zweirädetn in den Straßenverkehr zu stürzen. Die Dinger gehören verboten, weil sie nur für den Spiel-oder Rummelplatz geeignetbsind, für Kinder und ausgebildete Artisten.

    15.7.2026 - Ein E-Scooter-Fahrer kommt bei einem Unfall an der Kreuzung Urbanstraße/Blücherstraße ums Leben. Was bisher bekannt ist.

    Bei einem Unfall in Berlin-Kreuzberg ist in der Nacht zu Mittwoch ein E-Scooter-Fahrer gestorben. Gegen 1.40 Uhr kollidierten laut einem Polizeisprecher an der Kreuzung Urbanstraße/Blücherstraße ein Auto und ein E-Scooter.

    Wie es zu dem Unfall mit einem Auto kam, war laut Polizei zunächst unklar. Demnach starb der E-Scooter-Fahrer noch vor Ort. Weitere Angaben machte die Polizei zunächst nicht.

    Laut einem Bericht der „B.Z.“ soll ein Mercedesfahrer auf der Urbanstraße in Richtung Kreuzberg gefahren sein, als es in Höhe der Blücherstraße zur Kollision kam. Der Mann habe angegeben, dass der E-Scooter-Fahrer aus dem Nichts aufgetaucht sei, berichtet die „B.Z.“. Demnach mussten der Autofahrer und zahlreiche Augenzeugen von Rettungskräften betreut werden, weil sie unter Schock standen. (Tsp, dpa)

    #Berlin #Kreuzberg #Urbanstraße #Blücherstraße #Unfall #Elektrotretroller #wtf

  • Gefallenendenkmäler
    http://www.denkmalprojekt.org/2024/kreuzberg_frdh-a-d-bergmannstr_1864_wk1_wk2_ber.html

    Dienstgrad: Premier-Lieutenant
    Name: Heinrich LOMMATZSCH
    Geburtsdatum : 29.5.1837
    Todesdatum & Ort: 8.4.1864, Düppel
    Bemerkungen: D2 Dem Andenken von… gefallen bei der Erstürmung der Düppeler Stellung als einer der Ersten auf Schanze V. Gewidmet von den Kameraden des Ingenieur-Corps

    Kreuzberg (Friedhöfe an der Bergmannstraße), Berlin

    PLZ 10961

    Zwischen dem Südstern und dem Marheinekeplatz in Berlin-Kreuzberg grenzen vier Friedhöfe aneinander. Sie werden auch als vier Friedhöfe an der Bergmannstraße bezeichnet. Die ursprünglich durch Mauern getrennten Friedhöfe sind heute durch Mauerdurchbrüche untereinander verbunden. Der Dreifaltigkeitsfriedhof II hat die Adresse Bergmannstraße 39-41, der Friedrichwerderscher Friedhof II Bergmannstraße 42-44.
    Auf Grund ihrer ineinander verschachtelten Lage, Größe und der Anzahl von privaten Einzelgedenken, Gräbern und Kriegsgräbern, werden in dieser Dokumentation der Dreifaltigkeitsfriedhof II und der Friedrichswerdersche Friedhof II zusammengefasst.
    Mindestens dreißig Soldaten des Ersten Weltkrieges und 362 Soldaten und Zivilisten, die während des Zweiten Weltkrieges ihr Leben verloren, fanden auf den beiden Friedhöfen ihre letzte Ruhestätte.
    Weitere Aufschriften an privaten Grabstellen erinnern an Kriegsopfer beider Weltkriege.

    Verlustliste: 18. u. 19. März 1848 in Berlin
    http://www.denkmalprojekt.org/2010/vl_18_u_19_maerz_1848_berlin.htm

    Die Niederschlagung der Revolution von 1848 in Berlin war eine blutige Angelegenheit. Die Verluste auf Seiten des prußischen Adels vermitteln einen EIndruck von der Intensität des Widerstands des Volks.

    #Kreuzberg #Friedhof #Bergmannstraße #Preußen #Deutsch-Dänischer_Krieg #Krieg #1848 #Revolution

  • Die fünf angesagtesten Secondhand-Shops in Berlin: Hier finden Modefans echte Schätze
    https://www.berliner-zeitung.de/article/beste-secondhand-shops-berlin-10061047

    Nett wsrs noch in 2020 : HAHAYOUREUGLY Secondhand & Vintage Warschauer Strasse 76, Friedrichshain, Mon-Sat 1pm-8pm, Tel: 01512 637 88 97, www.hahayoureugly.de

    Ergänzung zu Oxfam und Humana ?

    2020 berichtete der Tip
    https://www.tip-berlin.de/english/12-of-the-best-vintage-shops-in-berlin

    4.6.2026 von Isabell Gielisch - Von hippen Neuzugängen bis zu echten Institutionen: Wir verraten, wo Berlins modische Avantgarde abseits des Massenkonsums die besten Vintage-Schätze findet.

    Berlin gilt weltweit als Hotspot für hochwertige Secondhand- und Vintage-Mode. Die deutsche Hauptstadt zieht seit jeher Kreative und Stilbewusste an, die abseits des Massenkonsums nach Individualität und Charakter suchen. Doch angesichts der enormen Dichte an Läden zwischen Kreuzberg, Prenzlauer Berg und Neukölln kann es schwerfallen, den Überblick zu behalten.

    Wo finden Modebegeisterte die besten Preise, wo die exklusivsten Designer-Raritäten und wo die geschmackvoll kuratiertesten Teile? Eine Entdeckungstour durch die Berliner Vintage-Szene zeigt, in welchen Geschäften die Modewelt der Hauptstadt tatsächlich einkauft. Dies sind fünf der angesagtesten Secondhand-Shops in Berlin, die mit echten modischen Schätzen überzeugen.

    Der Neuling: Find Yours

    Der neueste Zugang der Berliner Vintage-Szene bereichert seit dem 11. April die Berliner Secondhand-Szene. Find Yours setzt auf ein sorgfältig kuratiertes Konzept und überzeugt mit einer präzisen Auswahl an einzigartigen Fundstücken. Stilistisch bewegt sich das Sortiment hauptsächlich in den Modewelten der 2000er- und 2010er-Jahre.

    Ein Fest für die Augen ist die farbliche Sortierung: Während das für Berlin typische Schwarz eine zentrale Rolle einnimmt, bietet der Store ebenso eine ansprechende Auswahl an farbenfrohen Akzenten. Der Fokus liegt hier absichtlich nicht auf teuren Designermarken, sondern auf bezahlbarer Individualität – die Preise sind durchweg fair kalkuliert, was den Laden zu einem echten Geheimtipp für Modebegeisterte macht.

    Find Yours. Pannierstraße 28, 12047 Berlin-Neukölln . Öffnungszeiten: Mo geschlossen, Di–Fr 13–19 Uhr, Sa 12–19 Uhr.

    Die It-Girl-Adresse: Archangels

    Archangels in Prenzlauer Berg, eröffnet im Juni 2024, konzentriert sich farblich hauptsächlich auf die Nichtfarben Schwarz und Weiß. Diese minimalistische Palette tut der Vielseitigkeit des Sortiments jedoch keinen Abbruch. Angeboten wird ein anspruchsvoller Mix aus High-Fashion-Designern wie Prada, Miu Miu oder Gucci und Vintage-Teilen, dessen Bandbreite vom minimalistischen Chic der 1990er-Jahre bis hin zu expressiveren Stücken aus den 2000ern reicht.

    Das stilistische Gespür des Ladens hat sich längst über die Grenzen Berlins hinaus herumgesprochen: Model (und Stilvorbild der Gen Z) Gabbriette wurde hier schon öfter beim Einkaufen gesichtet. Ein besonderes Highlight für Schnäppchenjäger ist der begehrte Sale, der rund zweimal im Jahr stattfindet und zuverlässig für eine Schlange sorgt. Ein absoluter Anlaufpunkt für modebegeisterte Kenner, die eine monochrome, aber dennoch ausdrucksstarke Garderobe schätzen.

    Archangels Berlin. Schliemannstraße 3, 10437 Berlin-Prenzlauer Berg . Öffnungszeiten: Mo–Mi Geschlossen, Do–Fr 14–19 Uhr, Sa 12–19 Uhr.

    Paris Hilton würde Everything Garms empfehlen

    Umso farbenfroher geht es bei Everything Garms in Kreuzberg zu. Mit einem ausgesprochen bunten und vergleichsweise preisgünstigen Segment jenseits von großen Designernamen richtet sich das Geschäft gezielt an eine jüngere, trendaffine Zielgruppe. Spezialisiert auf Camisole-Tops und Flared Jeans liegt der Fokus hier klar auf den Modetrends der 2000er-Jahre.

    Der Nullerjahre-Look spiegelt sich auch im Interieur wider, das mit alten Designer-Werbeanzeigen und Magazinen aus dieser Ära dekoriert ist. Wer den unbeschwerten Popkultur-Look der Jahrtausendwende à la Paris Hilton sucht, wird in diesem Store definitiv fündig. Ein weiteres Plus für das Einkaufserlebnis: Nach getaner Shoppingarbeit lässt sich an der Kasse ein preiswerter Eiskaffee erwerben, der den Besuch entspannt abrundet.

    Everythinggarms Vintage. Dieffenbachstraße 15, 10967 Berlin-Kreuzberg . Öffnungszeiten: Mo–Sa 12–18 Uhr.

    Der Pionier: Sing Blackbird

    Als eine Art Blaupause für die moderne Berliner Vintage-Szene gilt der fein kuratierte Store Sing Blackbird. Bereits seit 2010 in der Neuköllner Sanderstraße ansässig, gehört das Geschäft zu den Pionieren seiner Art in der Hauptstadt. Drei großzügige Räume sind hier dicht bestückt mit einer anspruchsvollen Auswahl an Damenmode, sortiert nach Kleidungsart und Farben.

    Stilistisch liegt der Fokus auch hier auf den 2000er-Jahren, ergänzt durch ausgewählte Designerstücke und eine deutliche Vorliebe für die Farbe Schwarz. Ein kleinerer, separater Raum bietet zudem ein exklusives Sortiment für Herren. Die Preise bewegen sich im gehobenen Segment, was der hohen Qualität der Stücke entspricht. Wer gut erhaltene Kleidung besitzt, die zur Ästhetik des Ladens passt, kann diese vor Ort abgeben und erhält im Gegenzug einen Warengutschein für das Sortiment.

    Sing Blackbird. Sanderstraße 11, 12047 Berlin-Neukölln . Öffnungszeiten: Mo–Fr 13–19 Uhr, Sa 13–19.30 Uhr, So geschlossen.

    Laufsteg-Lieblinge: Amiata Archive

    In puncto rarer Laufsteg- und Designerstücke nimmt Amiata Archive in Kreuzberg eine absolute Spitzenposition ein. Das Konzept des Stores zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Liebe zum Detail aus: Jedes der handverlesenen Kleidungsstücke ist mit einem laminierten Foto des ursprünglichen Laufsteg-Auftritts versehen, was die modische Historie der Raritäten direkt erlebbar macht.

    Der Fokus liegt hierbei ganz klar auf italienischen Designern: MiuMiu, Prada, Dolce & Gabbana, Gucci. Passend dazu leitet sich der Name vom Monte Amiata ab, einem erloschenen Vulkan im Süden der Toskana. Ein Besuch im Store gleicht somit einer explosiven Entdeckungsreise durch die italienische High-Fashion-Geschichte, die in Berlin ihresgleichen sucht.

    Amiata Archive. Böckhstraße 13, 10967 Berlin-Kreuzberg . Öffnungszeiten: Mo–Mi geschlossen, Do–Fr 14–19 Uhr, Sa 12–19 Uhr.

    #Berlin #Neukölln #Prenzlauer_Berg #Kreuzberg
    #Mode #Handel #gebraucht

  • Ein panischer Anruf, dann ein Schrei – warum starb Tatiana Cherchneva in ihrer Berliner Wohnung?
    https://www.berliner-zeitung.de/article/ein-panischer-anruf-dann-ein-schrei-warum-starb-tatiana-cherchneva-

    Das Berlin umd die Welt, in der diese Geschichte spielt sind ungefähr so weit entgernt vom heutigen Leben wie Ereignisse aus dem Jahr 1946. Die Welt ist kleiner geworden.

    24.5.2026 von Katrin Bischoff - Die Verbindung bricht ab – wenige Minuten später liegt Tatiana Cherchneva tot in ihrer Wohnung. Doch ihr Mörder bleibt bis heute ein Rätsel. Ein Cold Case voller Widersprüche.

    Als Tatiana Cherchneva kurz vor 18 Uhr anruft, freut sich ihr Freund Thomas S., der in der Nähe des Kreuzberger Maybachufers wohnt. Der 36-Jährige hat gekocht. Er und Tatiana wollen den Montagabend zusammen genießen.

    Doch was seine Freundin ihm sagt, hört sich nicht nach einem harmonischen Abend an, es löst Panik bei ihm aus: „Komm bitte sofort her, da ist ein Mann in meiner Wohnung“, ruft Tatiana Cherchneva aufgeregt ins Telefon. Sie wisse nicht, was für ein Mann, sagt sie auf Nachfrage. Thomas S. hört einen lauten, entsetzlich klingenden Schrei. Dann ist die Leitung tot.

    Thomas S. kann seine Freundin nicht mehr erreichen. Voller Unruhe wählt er den Polizeinotruf, bittet, sofort einen Streifenwagen in die Georg-Wilhelm-Straße in Wilmersdorf zu schicken – zur Wohnung von Tatiana Cherchneva. Seine Freundin werde bedroht, begründet er den Notfall.

    Dann sagt Thomas S., er werde auch gleich losfahren. „Aber ich bin in Kreuzberg, ich brauche wahrscheinlich ziemlich lange.“ Der Notruf wird aufgezeichnet und um 18.03 Uhr beendet. Schon zwei Minuten später fährt ein Funkwagen los, so geht es aus den Akten hervor.

    Mit Blaulicht und Martinshorn erreicht das Polizeifahrzeug um 18.15 Uhr die Wohnadresse der 31-jährigen Frau. Es ist ein fünfgeschossiger Neubaublock. Ein Nachbar öffnet den beiden Beamten die Tür des viergeschossigen Mehrfamilienhauses.

    Tatiana Cherchneva wohnt im ersten Obergeschoss. Sie reagiert weder auf das Klingeln noch auf das Klopfen der Polizisten. Eine Viertelstunde später stürmt ihr Freund Thomas S. die Treppen herauf. Er hat noch im Auto versucht, seine Freundin zu erreichen, ihr auf den Anrufbeantworter geschrien, dass sie durchhalten solle. Mit einem Schlüssel öffnet er die Wohnungstür, die nicht abgeschlossen, sondern nur ins Schloss gefallen ist.

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    Die Akten des ungelösten Mordfalls Tatiana Cherchneva liegen bei der Staatsanwaltschaft. © Maurice Weiss/Ostkreuz

    Im Flur der Wohnung sind die Teppichläufer ungewöhnlich zusammengeschoben, mehrere Aktenordner vor der Konsole auf dem Boden verstreut. Im Wohnzimmer läuft der Fernseher. Davor liegt Tatiana Cherchneva in einer Blutlache, ihr linker Schuh neben ihrem Fuß. Alles sieht so aus, als habe sie jemand dorthin geschleift.

    Tatiana Cherchneva trägt ein leichtes Sommerkleid, sie ist tot. Ihr Mörder hat ihr dreimal in den Rücken gestochen. Der Stichkanal hat eine Länge von 19 Zentimetern. Am Ende hat ihr der Täter die Kehle aufgeschlitzt. Die Mordwaffe fehlt. Nichts deutet auf eine emotionale Tat hin, bei der der Täter rasend vor Wut oder Eifersucht tötet. Es ist Montag, der 13. September 1999. Die Ermittler stehen vor einem Rätsel.

    Die Buchhalterin stammte aus Odessa

    Fast 27 Jahre später sitzt Staatsanwalt Michael Petzold, ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, vor einem großen Aktenberg, der 28 Bände umfasst. Sie beinhalten die Ermittlungsergebnisse, die Fotos und Gutachten im Fall der getöteten Ukrainerin, die bisher nicht zum Erfolg führten. Und in dem es so viele Sonderbarkeiten gibt.

    Trotz vieler Spuren und einer hohen Geldsumme, die damals zur Belohnung ausgesetzt wurde, konnte das Rätsel um den gewaltsamen Tod der jungen Frau bis heute nicht gelöst und ihr Mörder nicht gefunden werden. „Aber wir geben nicht auf“, sagt Petzold zuversichtlich. Weil Mord nicht verjährt. Und einige Spuren noch offen seien. DNA-Spuren, die an der Kleidung gefunden wurden und den Täter überführen könnten.

    Dann berichtet der Staatsanwalt, was über die Tote bekannt ist: Tatiana Cherchneva stammt aus Odessa. Dort soll sie Germanistik studiert haben. 1990 lernte sie in ihrer Heimatstadt ihren späteren Chef Kurt K. kennen, der in Berlin-Kreuzberg eine Exportfirma für Büromaschinen führte und auf Geschäftsreise war.

    Sie dolmetschte für ihn, er holte sie ein Jahr später aus der noch bestehenden Sowjetunion nach Berlin. Dort zog sie in die Wohnung in der Georg-Wilhelm-Straße in Wilmersdorf, die Kurt K. gehörte. Zwei Zimmer, Küche, Bad, Balkon. Sie fing in seiner Firma als Buchhalterin an, wollte sich später zur Finanzbuchhalterin qualifizieren. Beide wurden ein Paar.

    Kurt K. war 24 Jahre älter als Tatiana Cherchneva. Nach acht Jahren trennten sie sich, weil sie Kinder wollte, er aber krank und zeugungsunfähig war. Sie sei jung gewesen, man sei im Guten auseinandergegangen, hat Kurt K. nach dem Tod der 31-Jährigen bei der Polizei ausgesagt. Dafür spricht, dass er ihr auch nach der Trennung die Wohnung und ihr Handy weiterbezahlte. Und dass niemand aus dem Bekanntenkreis von Streitigkeiten erzählen konnte.

    „Auffällig ist, dass Tatiana Cherchneva jegliche Kontakte in ihr Heimatland komplett vermieden hat“, sagt Michael Petzold heute. Eine Ausnahme sei ihre beste Freundin Julia S. gewesen. Sie stamme aus Moskau. Fast täglich hätten die Frauen miteinander telefoniert. Manchmal stundenlang.

    Kurz vor ihrem Tod sprach sie noch mit ihrer Freundin

    So auch wenige Minuten vor dem Tod von Tatiana Cherchneva. In einem Telefonat soll sich die 31-Jährige bei ihrer Freundin darüber beschwert haben, dass ihre Spülmaschine schon wieder defekt sei. Möglich, vielleicht sogar wahrscheinlich sei, sagt Petzold, dass sich zu dieser Zeit der Mörder schon in der Wohnung des Opfers befunden habe. Denn es gebe weder Spuren eines Einbruchs noch eines Kampfes. Kannte Tatiana Cherchneva ihren Mörder? Ließ sie ihn freiwillig in die Wohnung? Hatte er gar einen Schlüssel?

    Das Opfer wird in den Akten als lebensfroh, freundlich und nett beschrieben. Tatiana Cherchneva hatte Englischunterricht genommen und Klavier gelernt. Mit dem Englischlehrer soll sie eine Affäre angefangen haben. Er galt, genauso wie Kurt K. und ein weiterer Mann, später als tatverdächtig. Aber alle Ermittlungsverfahren wurden eingestellt. Entweder weil die Tatverdächtigen kein Motiv hatten – oder ein lupenreines Alibi.

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    Michael Petzold von der Berliner Staatsanwaltschaft liest sich durch den Aktenberg. © Maurice Weiss/Ostkreuz

    Jeden Freitag, so geht es aus den Akten hervor, war Tatiana Cherchneva im Fitnessstudio, am Wochenende machte sie gern Party. Sie liebte es, auf ihrem Balkon zu sitzen und mit Bekannten am Telefon zu plaudern.

    Ihren Freund Thomas S., einen Schauspieler, lernte sie rund ein Jahr vor ihrem Tod in der Charlottenburger Kantstraße in der Diskothek Abraxas kennen, die es seit 2009 nicht mehr gibt.

    Doch offenbar hatte Tatiana Cherchneva vor, sich von Thomas S. zu trennen. Darauf deutete ein 20 Seiten langer Brief hin, der nach ihrem Tod in ihrer Wohnung gefunden wurde. Von dem Thomas S. aber nichts gewusst haben will.

    In dem Schreiben, laut Petzold ein „Schlussmachbrief“, hieß es: „Ich möchte lieben, lieben, lieben und genauso geliebt werden. (...) Wenn uns aber nun gar nichts mehr verbindet, dann ist das schlecht und wir können nicht zusammensein.“ Tatiana Cherchneva machte ihrem Freund in dem Brief Vorwürfe, nicht ehrlich zu ihr zu sein.

    Das Wochenende vor ihrem Tod verbrachte Tatiana Cherchneva mit Thomas S. in einer Pension in der Sächsischen Schweiz. „Offenbar war das Wochenende so idyllisch, dass sie sich nicht mehr trennen wollte“, sagt Petzold. Ihrer Freundin soll sie berichtet haben, der Kurzurlaub sei zu schön gewesen.

    Tatiana Cherchneva verließ grußlos ihren Arbeitsplatz

    Klar ist, dass Tatiana Cherchneva am Tag ihres Todes ihren Arbeitsplatz gegen 17 Uhr verließ – grußlos, was ungewöhnlich war für die ansonsten immer freundliche Buchhalterin. Sie fuhr wie immer über die Stadtautobahn nach Hause, traf 28 Minuten später mit ihrem grünen Nissan Micra, einem Firmenwagen, in der Tiefgarage ihres Wohnblocks ein.

    Bepackt war sie, als sie die Treppen zu ihrer Wohnung hinaufstieg: mit der Reisetasche vom Wochenende, einem Schlafsack, ihrem Lederrucksack mit den persönlichen Sachen, dem Inhalt ihres Briefkastens, dem Handy und den Schlüsseln. Das haben die Fahnder ermittelt. Durch Nachbarn wurde die 31-Jährige zu dieser Zeit nicht gesehen.

    Doch warum wurde kein Bewohner des Hauses aufmerksam auf das, was dann geschah? „Niemand hat etwas von einem Kampf in der Wohnung gehört oder gar Schreie“, sagt Petzold. Auch sei niemand nach der Tat gesehen worden, als er aus der Wohnung geeilt sei. Und das in den wenigen Minuten, bis die Polizei eintraf.

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    Tatiana Cherchneva in ihrer Wohnung. Als sie ermordet wurde, war sie 31 Jahre alt. © Maurice Weiss/Ostkreuz

    Fest steht, dass der Mörder Schränke im Ankleidezimmer durchwühlt und verschiedene Sachen von Tatiana Cherchneva mitgenommen haben muss. Es fehlten der Schlüsselbund mit den Wohnungsschlüsseln, eine Schmuckschatulle und der Rucksack mit Bargeld, Personalausweis, EC-Karte und Terminkalender.

    Das Sonderbarste an dem Fall, so erzählt es Michael Petzold, sei jedoch das Mobiltelefon gewesen, das nicht mehr bei dem Opfer gefunden werden konnte. Tatiana Cherchneva hatte es erst wenige Monate vor ihrem Tod preisgünstig in einem Telefonladen an der Friedrichstraße erworben. Nach der Tat war es ausgestellt und in der Wohnung nicht mehr zu finden.

    Doch einen Tag nach dem Mord wurde eine neue SIM-Karte in das Mobiltelefon eingelegt und das Handy eingeschaltet. 26 Stunden nach der Tat konnte es bei einer Frau geortet werden. Sie gab an, das Handy von ihrem Freund Bernd L. geschenkt bekommen zu haben.

    Der Mann erzählte den Ermittlern eine schräge Geschichte, so sagt es Staatsanwalt Petzold heute. Demnach gab er zu Protokoll, das Handy am 14. September 1999 einem Blumenhändler in einem Pub im Europa-Center abgekauft zu haben. Also einen Tag nach dem Mord.

    Drei Bier will er dem Rosenverkäufer, der sich Micha genannt habe, spendiert und den Preis für das Mobiltelefon von 100 auf 50 Mark heruntergehandelt haben. Bernd L. beschrieb den ominösen Blumenhändler damals als 30-jährigen Russen mit dunkelblonden, halblangen Haaren und einem freundlichen, lustigen Blick.

    Zudem soll „Micha“ seinen Großvater als Russlanddeutschen mit Verbindungen zum russischen Geheimdienst KGB beschrieben haben. Die Polizei fertigte ein Phantombild des geheimnisvollen „Micha“ an, doch es gab nicht einen einzigen Hinweis auf den Blumenhändler.

    Nach der Funkzellenanalyse stellte sich zudem heraus, dass Bernd L. zum Zeitpunkt des angeblichen Handykaufs nicht in dem Pub, sondern im brandenburgischen Bestensee gewesen war. „Der Mann war hochverdächtig. Aber es gab keinen Grund, warum er Tatiana Cherchneva umgebracht haben soll. Es gab keinerlei Verbindung zwischen ihm und dem Opfer“, sagt Petzold.

    Die Staatsanwaltschaft lobte damals 10.000 Mark für Hinweise aus, die zur Ergreifung des Täters führen würden. Ohne Erfolg. Kurt K., einst Liebhaber der Getöteten und ihr Chef, zählte zu den Verdächtigen. Auch weil er, wie Staatsanwalt Petzold sagt, unbedingt in die Akten der Polizei schauen wollte. K. erhöhte die Belohnung um 50.000 Euro.

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    Das Phantombild von Micha, der angeblich das Handy von Tatiana Cherchneva verkauft haben soll. © Maurice Weiss/Ostkreuz

    Mit einer Anzeige in einer Berliner Tageszeitung und Plakaten ging der Unternehmer an die Öffentlichkeit, suchte Zeugen für das Gewaltverbrechen an seiner einstigen Lebensgefährtin. „Hilfe!“, war auf den Plakaten über einem Foto von Tatiana Cherchneva in großen Lettern zu lesen. „Bitte helfen Sie uns, unseren Seelenfrieden durch die Ergreifung des Täters noch in diesem Jahrtausend zu finden“, hieß es weiter.

    „Den entscheidenden Hinweis im Fall der getöteten Tatiana Cherchneva gab und gibt es nicht“, sagt Staatsanwalt Petzold. Selbst ein Beitrag in der ZDF-Fahndungssendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ habe nicht zu dem erwünschten Durchbruch geführt.

    Michael Petzold erklärt, dass viel für ein gewisses professionelles Vorgehen spreche. Sogar die Spezialeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr hätten die Ermittler damals konsultiert, um zu klären, ob der Täter militärisches Wissen gehabt habe. „Die Einschätzung: Die Tat war schon fachmännisch ausgeführt worden – aber für das KSK doch etwas zu dilettantisch“, sagt der Staatsanwalt.

    Eine vielversprechende DNA-Spur an der Kleidung des Opfers

    War es eine Beziehungstat? War es ein Auftragsmord? Die Ermittlungen gegen Kurt K. und Bernd L. wurden im Dezember 2003 eingestellt. „Es kommt eine Auftragstat in Betracht, es kommt eine ganz andere Person als Täter infrage“, sagt Petzold. Zum Beispiel jene Person, von der Bernd L. das Handy des Opfers erworben hat. Wer das gewesen sei, ist bis heute unklar.

    Es gibt diese eine, vielversprechende DNA-Spur an der Kleidung des Opfers. Sie stimme mit keinem der Männer überein, die als tatverdächtig geführt worden seien, sagt Michael Petzold. Wegen dieser Spur und auch Zeugen, die noch immer gesucht würden, sei die Akte im März wieder „angefasst“ worden.

    Die sichergestellte DNA ist nicht in der Datenbank des Bundeskriminalamtes gespeichert. Das heißt, dass der Täter oder seine Kinder noch nie straffällig geworden sind. „Vielleicht ist er auch schon tot“, sagt Petzold.

    Aus Duckduckgo / Apple maps
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    Abraxas
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    #Berlin #Charlottenburg #Kantstraße

    #Georg-Wilhelm-Straße #Wilmersdorf

    #Kreuzberg #Maybachufer

    #Nachtleben #Verbrechen

  • Manteuffelstraße
    https://berlingeschichte.de/lexikon/frkr/m/manteuffelstrasse.htm

    Auch schon nicht mehr wahr.

    #Manteuffelstraße
    #Kreuzberg,
    beginnt an der Köpenicker Straße, führt über die Skalitzer Straße und endet am Paul-Lincke-Ufer.

    Sie heißt seit dem 22.05.1852 nach dem preußischen Ministerpräsidenten und Berliner Ehrenbürger Otto Theodor Freiherr von Manteuffel (1805–1882). Die Straße hieß früher Eisenbahnstraße, ihre Verlängerung außerhalb der Kontext: Akzisemauer (auch Zoll- und Akzisemauer)Akzisemauer zwischen Kottbusser Ufer und Skalitzer Straße (vorher Straße 4, Abt. II des Bebauungsplanes) erhielt am 11.11.1861 ebenfalls den Namen Manteuffelstraße. Unter Denkmalschutz stehen das Mietshaus mit Gewerbehof (Nr. 60/60B), dessen Vorderhäuser 1875/76 von Neander & Kühne, die Quergebäude von Walter Zander und die Remise 1891 und 1905/06 von August Jähnicke und Zander.

    Edition Luisenstadt, 2002
    Stand: 07/10/2009
    Berliner Bezirkslexikon, Friedrichshain-Kreuzberg
    www.berlingeschichte.de/Lexikon/Index.html

    #Berlin #Straßenumbenennung

  • Puttkamerstraße
    https://berlin.kauperts.de/Strassen/Puttkamerstrasse-10969-Berlin

    Das LABO in der Puttkamerstraße

    Nein, die Puttkamerstraße heißt so seit 1845 und wurde nie umbenannt. Sie verdient dennoch den Hashtag #Straßenumbenennung, weil schon ihre Widmung zu Protesten führte wie sie seitdem nur noch bei Straßenumbenennungen vorkommen.

    Postleitzahl 10969
    Ortsteil Kreuzberg
    ÖPNV Zone A Bus M29, M41 — U‑Bahn 6 Kochstr ♿ — S‑Bahn 1, 2, 25 Anhalter Bahnhof ♿
    Straßenverlauf von Wilhelmstraße bis Friedrichstraße
    Falk‑Stadtplan Planquadrat M 16

    Ehemaliger Bezirk Kreuzberg
    Name seit 15.8.1845

    Puttkamer, Eugen von, geb. 12.10.1800 Zemlin b. Cammin (Pommern), + 17.4.1874 Lübben, Jurist.

    Puttkamer, pommersches Adelsgeschlecht slawischen Ursprungs, dessen Stammreihe 1240 beginnt. Einige Zweige wurden in den preußischen Freiherrenstand erhoben. Ein Vertreter des Geschlechts, nach dem die Straße benannt wurde, war Puttkamer, Eugen von, geb. 12.10.1800 Zemlin b. Cammin (Pommern), + 17.4.1874 Lübben, Jurist.Puttkamer besuchte von 1814 bis 1817 das Friedrich-Wilhelm- Gymnasium in Berlin und studierte an den Universitäten Berlin und Heidelberg Jura. 1821 nahm er seine Tätigkeit am Berliner Stadtgericht auf, wechselte zum Berliner Kammergericht, arbeitete einige Zeit am Oberlandesgericht in Frankfurt (Oder) und kam schließlich 1830 ins preußische Finanzministerium. Danach war er in Stettin als Oberlandesgerichtsrat tätig, wirkte ab 1835 als Landrat des Kreises Randow sowie als Landschaftsrat in Vorpommern. 1839 wurde Puttkamer zum Polizeipräsidenten von Berlin ernannt. Dieses Amt übte er bis zu seiner Berufung 1847 zum Präsidenten der Regierung von Frankfurt (Oder) aus. Seit Mai 1848 leitete Puttkamer - wieder in Berlin - eine Abteilung im preußischen Innenministerium, ehe er 1851 als Oberpräsident der Provinz nach Posen wechselte. Magistrat und Stadtverordnete von Berlin hatten Putkammers Abschied vom Amt des Polizeipräsidenten zum Anlaß genommen, ihm am 27.7.1847 die Ehrenbürgerwürde zu verleihen. Teile der Bürgerschaft empfanden dies als „Akt des Servilismus, der Kriecherei und Untertänigkeit gegen Höhere und Hochgestellte“ und verwahrten sich gegen einen Mann, der sich den Berliner Bürgern gegenüber stets als „rechter Aristokrat“ gezeigt hatte. Wenn auch das Begehren die Entscheidung nicht verhindern konnte, so war es in der Geschichte der Berliner Ehrenbürgerschaft der erste öffentliche Protest gegen eine Verleihung dieser Würde .

    Puttkamer
    https://de.wikipedia.org/wiki/Puttkamer

    ?

    Puttkamer ist der Name eines Uradelsgeschlechts aus Hinterpommern, das sich in viele Linien verzweigte. Es stellte zahlreiche hohe preußische Offiziere und Staatsbeamte. Mitglieder der Familie waren und sind in Wissenschaft und Kunst tätig und dienten als Diplomaten und Offiziere der Bundesrepublik Deutschland.

    Gutshaus Wollin, von 1457 bis 1878 im Familienbesitz, Stammhaus aller heute noch lebenden Freiherren v. Puttkamer
    ...
    Als Ahnherr dieses Geschlechts wird der 1257 bis 1260 nachweisbare „subdapifer Svecza de Slauna“ (Svenzo von Schlawe) angesehen, ein in Schlawe als Untertruchsess des Herzogs Swantopolk II. von Pommerellen wirkender Palatin von Danzig namens „Swenzo“. Damit wären die Puttkamer Agnaten der Swenzonen. Diese waren ein einheimisches Ministerialengeschlecht (polnisch Święcowi), das nach dem Aussterben der pommerellischen Herzöge aus dem Haus der Samboriden 1294 in den Wirren des pommerellischen Erbfolgestreits von 1296 bis 1309 die Regierungsgeschäfte führte und in den Landen Schlawe und Stolp faktisch wie Landesherren regierte, bis 1308 der Deutsche Orden den größten Teil des Herzogtums in Besitz nahm.
    ...
    Ein Geschlechtsverband, gegründet 1859 in Köslin, bestätigt 1865 in Berlin, hält heute an verschiedenen Orten Familientage ab.
    ...
    Kaiser Wilhelm II. verlieh dem Geschlecht 1895 das Präsentationsrecht zum Preußischen Herrenhaus.

    Auf Präsentation des Verbandes des Pommerschen Geschlechts von Puttkamer saßen im Herrenhaus:

    1896–1904: Bernhard von Puttkamer (1825–1904), Generalmajor a. D. und Rittergutsbesitzer
    1905–1918: Jesco von Puttkamer (1841–1918), Regierungspräsident a. D. und Rittergutsbesitzer
    1918: Erich von Puttkamer (1845–1935)
    ...
    Güter und Herrenhäuser der Familie

    Treblin war seit dem 14. Jahrhundert bis 1945 ein Familiensitz, seit 1315/1390 Groß Nossin (bis 1840), seit 1374 auch Alt Kolziglow, in dessen Kirche 1847 Johanna von Puttkamer mit Otto von Bismarck getraut wurde. 1419 kam Lossin, 1457 Wollin an die Puttkamer. Alte Besitze waren auch Kublitz (bereits 1315 im Lehnsbesitz von Kasimir Svenzo), Krampe, Plassow, Glowitz (ab 1475 bis 1945), Jeseritz (ab 1491) und Jerskewitz. Nach den Musterrollen und Vasallen-Tabellen des 14. und 15. Jahrhunderts waren die zusammengehörigen Güter Fritzow und Raddack alte Lehen des Domstifts Cammin, die ein Zweig der Familie Puttkamer als Afterlehen trug.

    Spätestens seit Mitte des 17. Jahrhunderts war Schlackow in der Familie, ab 1854 Krolow, zu dem auch die Vorwerke Vietzke und Marsow gehörten, die bereits seit 1340 Puttkamer’sche Lehen waren und die vermutlich auf den Besitz der Swenzonen zurückgehen, ebenso wie Görshagen. Die ganze Herrschaft Schlackow wurde im Jahre 1910 an den Grafen Wilhelm von Zitzewitz verkauft.

    Im 17. Jahrhundert kamen Grünwalde, das alte Ordensschloss Pansin sowie die Güter Niemietzke, Deutsch Karstnitz und Benzin an die Puttkamer, 1699 Barnow und Reinfeld, Reinfeld B genannt. Im 18. Jahrhundert erwarb die Familie Jassen, im 19. Jahrhundert Bartin, Karzin und Nippoglense, zeitweise auch Groß-Küssow.

    Weitere Besitze waren Buckow, Görshagen, Kremerbruch, Lichtenberg (bei Königsberg), Reddies, Versin, Viartlum, Waldau, Zettin.

    Das Rittergut und Schloss Himmighausen bei Nieheim (Ostwestfalen) kam durch Regelind Antonie von Puttkamer, geb. Gräfin von Oeynhausen, in die Familie und wird von ihr bis heute bewirtschaftet.

    Die von Puttkamerschen waren aber auch eine besonders widerliche Junkerfamilie.

    Johanna von Puttkamer (1824–1894), Ehefrau von Otto von Bismarck

    Karl-Jesko von Puttkamer (1900–1981), Konteradmiral und Marineadjutant Hitlers

    Flickr kennt das Grab eines gewissen Sir George Dashwood Taubman Goldie , eines Gegenspielers von Bismarck und seinen Puttkamers.

    https://www.flickr.com/photos/12608538@N03/51577430919/in/photolist-2epFWAd-2mzHPhk-2s9oEKt-zdqesg-aBMJwo-YnaRZS-ZkBiTC-YfAscU-YTxcSS-

    Flickr

    He conceived the idea of adding to the British Empire the then little known regions of the lower and middle Niger, and for over twenty years his efforts were devoted to the realization of this conception. The method by which he determined to work was the revival of government by chartered companies within the empire, a method supposed to be buried with the British East India Company. The first step was to combine all British commercial interests in the Niger, and this he accomplished in 1879 when the United African Company was formed.

    In 1881, Goldie sought a charter from Gladstone’s government. Objections of various kinds were raised. To meet them the capital of the company (renamed the National African Company) was increased from £250,000 to £1,000,000, and great energy was displayed in founding stations on the Niger.

    At this time French traders, encouraged by Léon Gambetta, established themselves on the lower river, thus rendering it difficult for the company to obtain territorial rights; but the Frenchmen were bought out in 1884, so that at the Berlin Conference on West Africa in 1885, Goldie, present as an expert on matters relating to the river, was able to announce that on the lower Niger the British flag alone flew. Meantime the Niger coast line had been placed under British protection. Through Joseph Thomson, David McIntosh, D. W. Sargent, J. Flint, William Wallace, E. Dangerfield and numerous other agents, over 400 political treaties drawn up by Goldie were made with the chiefs of the lower Niger and the Hausa states. The scruples of the British government being overcome, a charter was at length granted (July 1886), the National African Company becoming the Royal Niger Company, with Henry Austin Bruce, 1st Baron Aberdare as governor and Goldie as vice-governor. In 1895, on Lord Aberdare’s death, Goldie became governor of the company, whose destinies he had guided throughout.

    The building up of Nigeria as a British state had to be carried on in face of further difficulties raised by French travellers with political missions, and also in face of German opposition. From 1884 to 1890, Otto von Bismarck was a persistent antagonist, and the strenuous efforts he made to secure for Germany the basin of the lower Niger and Lake Chad were even more dangerous to Goldie’s schemes of empire than the ambitions of France. Eduard Robert Flegel, who had travelled in Nigeria during 1882–1884 under the auspices of the British company, was sent out in 1885 by the newly formed German Colonial Society to secure treaties for Germany, which had established itself at Cameroon.

    After Flegel’s death in 1886, his work was continued by his companion Dr Staudinger, while Herr Hoenigsberg was despatched to stir up trouble in the occupied portions of the company’s territory, or, as he expressed it, “to burst up the charter”. He was finally arrested at Onitsha, and, after trial by the company’s supreme court at Asaba, was expelled from the country. Bismarck then sent out his nephew, Herr von Puttkamer, as German consul general to Nigeria, with orders to report on this affair, and when, this report was published in a White Book, Bismarck demanded heavy damages from the company.

    Meanwhile, Bismarck maintained constant pressure on the British government to compel the Royal Niger Company to a division of spheres of influence, whereby Great Britain would have lost a third, and the most valuable part, of the company’s territory. But he fell from power in March 1890 and, in July, following Robert Gascoyne-Cecil, 3rd Marquess of Salisbury, concluded the Heligoland–Zanzibar Treaty with Germany. The aggressive action of Germany in Nigeria entirely ceased, and the door was opened for a final settlement of the Nigeria–Cameroon frontiers.

    #Berlin #Kreuzberg #Puttlamerstraße #Geschichte #Straßenumbenennung

  • Benefizauktion : Hier können Berliner einen Picasso ersteigern
    https://www.berliner-zeitung.de/article/benefizauktion-hier-koennen-berliner-einen-picasso-ersteigern-10032

    À Berlin-Kreuzberg l’oligarchie affiche son visage humaniste. Pourtant le titre de cet article est un mensonge. Une large majorité des Berlinois dont moi est exclue de la vente aux enchères des Picassos, vous devinez pourquoi.

    En route pour l’américanisation de l’Allemagne. Elle n’est pas encore accomplie !

    27.4.2026 von Valentin Wölflmaier - „Save the Children“ lädt zur exklusiven Kunstversteigerung in die Berlinische Galerie. Ersteigert werden können unter anderem Werke von Picasso und Anselm Kiefer.

    Normalerweise ist die Berlinische Galerie ein Ort der stillen Betrachtung. Am 29. April wird es dort jedoch deutlich lebhafter zugehen. Ein Hammer wird fallen, Gebote werden durch den Raum gerufen. Die Kinderrechtsorganisation Save the Children lädt zur Benefizauktion „Art with Impact“. Der Zweck der Veranstaltung ist ein ernster, denn es geht um dringende humanitäre Hilfe für Kinder in Not. Die Namen der Kunstwelt, die dieses Anliegen unterstützen, sind entsprechend groß.

    Vorn am Pult steht an diesem Abend ein Schweizer. Simon de Pury gilt weltweit als Ausnahme-Auktionator. Kenner der Szene nennen ihn oft den „Mick Jagger der Auktionen“. Er hat in seiner langen Karriere bereits mehrere Milliarden Dollar für wohltätige Zwecke eingesammelt. Nun hebt er seinen Auktionshammer in Berlin.

    Das Angebot der Auktion ist ungewöhnlich prominent besetzt. Unter den Hammer kommen Werke von Pablo Picasso, Lotte Laserstein und Max Liebermann. Auch zeitgenössische Größen wie Anselm Kiefer, Anish Kapoor, Alicja Kwade, Ayako Rokkaku und Norbert Bisky sind mit Arbeiten vertreten. Es ist ein Querschnitt durch die Kunstgeschichte der Moderne und der Gegenwart.

    Der Erlös geht komplett an Save the Children

    Doch nicht nur bemalte Leinwände und Skulpturen suchen neue Besitzer. Es geht bei der Auktion auch um einmalige Erlebnisse. Die Bestsellerautorin Cornelia Funke lädt Höchstbietende auf ihren Hof in der Toskana ein, Reise und Unterkunft inklusive. Die viermalige Grammy-Preisträgerin und Save-the-Children-Botschafterin Anne-Sophie Mutter stiftet Konzertkarten. Ein anschließendes Meet and Greet gehört ebenfalls dazu. Die Berliner Staatsbibliothek öffnet zudem exklusiv ihre Schatzkammer für einen privaten Einblick.

    Hinter dem Glanz des Abends steht eine humanitäre Mission. Der gesamte Erlös der Versteigerung fließt in die weltweite Arbeit von Save the Children. Die Organisation gilt als die größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt. Sie leistet unter anderem Nothilfe in akuten Kriegs- und Krisengebieten.

    Die Live-Versteigerung in der Alten Jakobstraße 124–128 beginnt am Mittwoch um 19 Uhr. Wer nicht persönlich vor Ort mitbieten kann, hat dennoch Chancen. Bereits ab dem heutigen 27. April läuft parallel eine sogenannte Silent Auction im Internet. Dort kann jeder online seine Gebote abgeben. In diesem Rahmen wird beispielsweise auch eine Coachingstunde mit der Autorin Stefanie Stahl versteigert.

    Mitbieten können Sie hier: https://www.savethechildren.de/art-with-impact

    #Allemagne #Berlin #Kreuzberg #Alte_Jakobstraße #art #commerce #misère #enfants #impérialisme_culturel

  • »Warmes Licht und kühles Bier« - Berliner Zentrum Industriekultur
    https://industriekultur.berlin/erleben/fahrradrouten/warmes-licht-und-kuehles-bier

    Harte Arbeit macht durstig! Die Fahrradroute »Warmes Licht und kühles Bier« führt zu beeindruckenden Schauplätzen und Orten der Elektroindustrie und den überraschend vielen Brauereien auf dem Prenzlauer Berg. Was hat das eine mit dem anderen zu tun?
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    Werner von Siemens gründet 1847 in einer Hinterhofwerkstatt seine erste Firma. Siemens elektrotechnische Erfindungen befeuern die aufstrebende Elektroindustrie. Berlin wird zur Elektropolis. Größter Konkurrent ist die AEG, die am Humboldthain ab 1894 eine imposante Fabrikstadt errichtet. Die eindrucksvollen Bauten der Elektroindustrie verändern das Gesicht der Stadt, anfangs im Baustil des kaiserlichen Historismus, später im Stil der Neuen Sachlichkeit.

    In die pulsierende Metropole strömen Arbeiter:innen aus Pommern und Schlesien. Auch der Durst der ständig wachsenden Bevölkerung steigt. Innovative Braumeister wittern ihre Chance und brauen Bier mit neuen industriellen Methoden. Die Hanglage des Prenzlauer „Bergs“ begünstigt den Bau von Kellergewölben für die Lagerung. Mehr als ein Dutzend Brauereien entstehen alleine in diesem Stadtteil und machen die Elektropolis Berlin auch zur Brauereimetropole.

    Die Fahrradroute „Warmes Licht und kühles Bier“ ist seit Anfang 2026 beschildert. Unser Logo mit weißem Blitz auf rotem Grund weist Ihnen den Weg quer durch die Stadt.

    Stadt.
    Wegebeschaffenheit
    Wegebeschaffenheit der Radroute" class="route-info-image

    AEG-Apparatefabrik
    Ausgangspunkt der Elektroindustrie
    AEG-Apparatefabrik, roter Backsteinbau
    Fensterfront der AEG-Apparatefabrik
    Die AEG-Apparatefabrik an der Ecke Feldstraße/Ackerstraße in Berlin-Wedding. | © Berliner Unterwelten e.V., Foto: Holger Happel

    Emil Rathenau gründet 1883 die spätere „Allgemeine Elektricitäts Gesellschaft (AEG)“. In den folgenden Jahrzehnten steigt die AEG zu einem Weltkonzern der Elektrotechnik auf. Ab 1888 produziert das Unternehmen in der neuen AEG-Apparatefabrik zukunftsweisende Haushaltsgeräte und elektrotechnisches Material. Die Fassade des damaligen Neubaus an der Ackerstraße gestaltet Franz Schwechten, „Hofarchitekt“ von Kaiser Wilhelm II. Florale Verzierungen schmücken die Außenseite des Gebäudes. Eine aufgehende Sonne steht dabei symbolhaft für die aufstrebende Elektroenergie.

    Die Produktionsfläche reicht jedoch bald nicht mehr aus. Bereits 1894 kauft die AEG deswegen einen Teil des benachbarten Schlachthofgeländes. Hier am Humboldthain entsteht in den folgenden Jahren eine regelrechte Fabrikstadt der AEG. Ein Tunnel verbindet beide Standorte.

    Im Gebäude der AEG-Apparatefabrik in der Ackerstraße befindet sich inzwischen das Institut für Lebensmitteltechnologie der TU Berlin.

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    Adresse

    Ackerstraße 76
    13355 Berlin-Gesundbrunnen
    Industriekultur erleben

    Fahrradroute: Warmes Licht und kühles Bier
    Wissenswertes

    Führungen der Berliner Unterwelten e.V im AEG-Tunnel
    Die AEG-Apparatefabrik in der Denkmaldatenbank
    AEG-Humboldthain
    Imposante Fabrikstadt
    AEG-Humboldthain, Backsteingebäude mit Kran
    AEG-Humboldthain, Fassadenansicht von der Straße
    AEG-Humboldthain, Montagehalle
    AEG-Humboldthain: das weitläufige Gelände mit Gewerbe und Forschung hat seinen industriellen Charme erhalten. | © GSG Berlin

    Motoren, Maschinen, Eisenbahnmaterial und elektrische Geräte: die AEG-Humboldthain produziert von 1894 bis in die 1980er Jahre.

    1894 muss das schnelle wachsende Unternehmen AEG neue Flächen für die Produktion schaffen. Unweit der AEG-Apparatefabrik in der Ackerstraße entsteht daher nach und nach eine imposante Fabrikstadt am Humboldthain. Die Architektur der beiden Standorte unterscheidet sich jedoch deutlich. Die Fassade der Apparatefabrik schmücken florale Elemente und aufwendige Verzierungen. Am neuen Standort Humboldthain setzen Architekten wie Peter Behrens hingegen auf eine neue Architektursprache. Besonders beeindruckend ist die monumentale Montagehalle für Großmaschinen im Stil der Neuen Sachlichkeit. Ohne Ornamente, stattdessen mit strengen und klaren Formen, repräsentiert die Architektur der Montagehalle die industrielle Produktion im Inneren.

    1984 schließt der Standort AEG-Humboldthain und etliche Gebäude werden abgerissen. Das „Beamtentor“, gestaltet von Franz Schwechten, ist der ehemalige Eingang zum Gelände. Heute etwas verloren zwischen Neubauten in der Brunnenstraße 107 a, ziert das Denkmal ein Zahnrad als Symbol der Industrie. In den verbliebenen denkmalgeschützten Fabrikgebäuden sind u.a. ein Gründerzentrum, Medienunternehmen und die TU Berlin untergebracht. Noch immer verbindet ein Tunnel die Standorte Apparatefabrik und Humboldthain miteinander. Touren durch den AEG-Tunnel bietet inzwischen der Berliner Unterwelten e.V. an.

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    Adresse

    Brunnenstraße, Gustav-Meyer-Allee, Voltastraße, Hussitenstraße
    13355 Berlin-Gesundbrunnen
    Kontakt

    rent@amplifier.berlin
    Tel.: 030 84853855
    www.amplifier.berlin/
    Industriekultur erleben

    Fahrradroute: Warmes Licht und kühles Bier
    Wissenswertes

    „AEG-Humboldthain“ in der Denkmaldatenbank
    „AEG-Humboldthain“ bei VisitBerlin
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    Produktion damals und heute
    AEG-Tunnel
    Deutschlands ältester U-Bahntunnel
    Spärlich beleuchteter runder Tunnel mit Backsteinwänden
    Produktion von Munition im AEG-Tunnel
    Gebäude und Kran auf AEG Hof Humboldthain
    AEG-Tunnel mit Schienen und Treppen
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    Schon 1894 entstand der AEG-Tunnel zu Versuchszwecken. | © Berliner Unterwelten e.V., Foto: Holger Happel

    Der AEG-Tunnel gilt als Vorläufer der Berliner U-Bahn. Ende des 19. Jahrhunderts werden die Straßen immer voller. Deshalb entbrennt in Berlin ein Wettstreit um neue Verkehrsmittel. Die AEG baut 1894 einen Tunnel nach dem Vorbild der Londoner U-Bahn, der ersten U-Bahn der Welt. Die 295 m lange Versuchsstrecke verbindet die Fabrikstandorte der AEG in der Ackerstraße und am Humboldthain. Arbeiterinnen und Arbeiter fahren mit elektrischen Zügen von A nach B und auch schwere Güter werden so transportiert. Dieser Versuchstunnel gilt heute als erster U-Bahn-Tunnel Deutschlands.

    Den Zuschlag für den U-Bahnbau erhält allerdings Siemens mit dem preiswerteren Konzept einer Hochbahn. Ab 1902 rollen in Berlin die ersten Züge. Der AEG-Tunnel ist betriebsintern und zu Testzwecken weiterhin in Betrieb. Im Ersten Weltkrieg nutzt die AEG den Tunnel als Produktionsstandort für Munition, im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzraum für die Werksangehörigen. Anfang der 1980er-Jahre werden die AEG-Fabriken am Humboldthain nach und nach geschlossen. 1984 ist endgültig Schluss, in der Folgezeit werden Teile der ehemaligen Fabrikstadt abgerissen. Der Tunnel steht zeitweilig unter Wasser.

    Die verbliebenen Gebäude sind heute denkmalgeschützt. Neues Leben ist eingezogen, beispielsweise ein Gründerzentrum, Gewerbebetriebe und Medienunternehmen. Dem Berliner Unterwelten e. V. gelingt es ab 2016, den Tunnel instand zu setzen und das historische Gleisbett freizulegen. Seitdem steigen Besucherinnen und Besucher bei geführten Touren hinab in den „ersten U-Bahntunnel Deutschlands“.

    Ein Meilenstein der Berliner Industriegeschichte widmet sich der Entstehung des Berliner Nahverkehrs.

    Adresse

    Voltastraße 5-6
    (Hof neben Treppe 12.1)
    13355 Berlin-Gesundbrunnen
    Kontakt

    Tel.: 030/49 91 05-17
    info@berliner-unterwelten.de
    www.berliner-unterwelten.de
    Anfahrt

    U-Bahn: U8 (Haltestelle Voltastraße)
    Öffnungszeiten

    Nur im Rahmen einer Führung zugänglich.
    Eintritt

    17,00 €

    Termine und Tickets im Online-Shop erhältlich, kein Ticketverkauf vor Ort.

    tickets.berliner-unterwelten.de
    Führungen

    Öffentliche Führungen nur für Personen ab 14 Jahren.
    Festes Schuhwerk ist notwendig, warme Kleidung wird empfohlen.

    www.berliner-unterwelten.de/fuehrungen/oeffentliche-fuehrungen/der-aeg-tunnel
    Barrierefreiheit

    Nicht barrierefrei zugänglich
    Industriekultur erleben

    Schauplätze
    Fahrradroute: Warmes Licht und kühles Bier
    Mitmachangebot: Erwachsene
    Wissenswertes

    AEG am Humboldthain in der Denkmaldatenbank
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    Krieg und FriedenTransport und Verkehr
    Brauerei Groterjan
    Malzbier und Jugendstil
    Außenansicht der Brauerei Groterjan in Prenzlauer Berg
    Villa der Brauerei Groterjan, Fassadenansicht
    Heute wird die ehemalige Brauerei Groterjan gewerblich genutzt. | © bzi, Foto: Anja Liebau

    Malzbierspezialitäten sind Ende des 19. Jahrhunderts das Kerngeschäft der kleinen Brauerei Groterjan in Berlin-Prenzlauer Berg. Der Braumeister Christoph Groterjan lässt sich 1894 das Rezept dafür patentieren. Malzbier gehört zu den obergärigen Bieren, wie auch die Berliner Weiße. Diese Biere lassen sich damals nicht lange lagern, weil sie schnell verderben. Anders als die untergärigen Biere, die Bairischen Biere. Sie lassen sich gut lagern und industriell herstellen, wie beispielsweise in der Pfefferberg-Brauerei.

    Zum Brauereibetrieb bei Groterjan gehört ab 1897 ein typischer Berliner Festsaal mit Kegelbahn sowie ein Biergarten. Dort, auf dem Gelände einer ehemaligen Eisengießerei nah an der Schönhauser Allee, ist Platz für 1.500 Gäste. Der Schank- und Gaststättenbetrieb soll den Bierkonsum in der Brauerei Groterjan ankurbeln und für Umsatz sorgen.

    In unmittelbarer Nachbarschaft, in der Milastraße 1, errichtet der Braumeister 1907 seine architektonisch ambitionierte Villa als Wohn- und Verwaltungsgebäude. Bereits ein Jahr später geht der Gaststättenbetrieb in Konkurs. 1927 ziehen die „Mila-Lichtspiele“ dort ein, von 1966 bis 1990 probt dann die „Volksbühne“ am Rosa-Luxemburg-Platz in dem freien Saalbau.

    Die Groterjan Brauerei fusioniert 1914 mit der Weißbierbrauerei Gebhardt AG und zieht im selben Jahr an deren Standort in Wedding um – denn dieses Grundstück lässt sich noch erweitern. In den alten Brauereigebäuden in Prenzlauer Berg produziert zuerst eine Schokoladen-, dann eine Brotfabrik. 1961 geht die Brauerei Groterjan in der Schultheiss-Gruppe auf, 1978 wird letztmalig Groterjan abgefüllt.

    Nach einer umfassenden Sanierung in den 1990er-Jahren gibt es auf dem alten Brauereigelände in der Milastraße unter anderem ein Möbelgeschäft. In der ehemaligen Villa Groterjan empfängt heute ein Restaurant seine Gäste.
    Adresse

    Milastraße 1–4
    10437 Berlin-Prenzlauer Berg
    Industriekultur erleben

    Fahrradroute: Warmes Licht und kühles Bier
    Wissenswertes

    Die Brauerei Groterjan bei Zeitreisen
    Die Brauerei Groterjan in der Denkmaldatenbank
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    Bier und Brot
    Deutsches Technikmuseum
    Mensch und Technik
    Beleuchtete Buchstaben vor Technik Museum
    Oldtimer in Ausstellung Mensch in Fahrt
    Backsteingebäude im Park des Technikmuseums
    Mädchen beim Papierschöpfen im Technikmuseum Berlin
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    Der große Schriftzug „Technik Museum“ weist den Weg in die Ladestraße. | © SDTB, Foto: Henning Hattendorf

    Wie entsteht Papier? Was ist eine Setzmaschine? Und warum braucht man Unterseekabel für ein funktionierendes Internet? Ein Besuch im Deutschen Technikmuseum ist eine Entdeckungsreise durch die Kulturgeschichte der Technik. Schauvorführungen, Mitmach-Angebote und die Experimentierstationen im Science Center Spectrum machen den Museumstag zum Erlebnis. Wer dann eine Pause braucht, stärkt sich in einem der Museumscafés in historischem Ambiente.

    Darüber hinaus ist der Museumspark des Deutschen Technikmuseums zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert. Überwachsene Gleisanlagen, zwei Ringlokschuppen mit Drehscheiben und ein weithin sichtbarer Wasserturm erinnern an das ehemalige Bahnbetriebswerk Anhalter Bahnhof. Laut, betriebsam und der Himmel voller Dampf – so sieht das Gelände um 1900 aus. Das Areal gehört damals zu einem der größten Verkehrsknotenpunkte Berlins. Als „Landschaft aus Eisen und Stahl“ beschreibt der Schriftsteller Joseph Roth 1924 das Gebiet um den U-Bahnhof Gleisdreieck. Im Zweiten Weltkrieg werden jedoch viele Gebäude und Anlagen zerstört. Nach dem Krieg folgt die Teilung der Stadt und der in West-Berlin gelegene Anhalter Bahnhof versinkt schließlich in einen Dornröschenschlaf.

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    Adresse

    Trebbiner Str. 9
    10963 Berlin
    Kontakt

    Tel.: 030/43 97 34-0
    Mail an: info@technikmuseum.berlin
    www.technikmuseum.berlin
    Anfahrt

    U-Bahn: U1, U3, U7 (Haltestelle Möckernbrücke), U1, U2, U3 (Haltestelle Gleisdreieck)
    S-Bahn: S1, S2, S25, S26 (Haltestelle Anhalter Bahnhof)
    Öffnungszeiten

    Di. bis Fr.: 9.00 bis 17.30 Uhr
    Sa., So. und Feiertage: 10.00 bis 18.00 Uhr
    Montag geschlossen
    Eintritt

    Online-Ticket:
    15 € | ermäßigt 9 €

    Ticket vor Ort:
    17 € | ermäßigt 11 €

    Bis 18 Jahre kostenfrei und
    jeden Freitag ab 13 Uhr frei für alle.
    Führungen

    Sa., So. und mit Anmeldung
    Täglich Vorführungen
    Barrierefreiheit

    Eingeschränkt
    www.technikmuseum.berlin/besuch/barrierefreiheit
    ERIH-Mitglied

    Deutsches Technikmuseum bei ERIH
    Industriekultur erleben

    Schauplätze
    Fahrradroute: Eisenbahn und Landebahn
    Fahrradroute: Innovation und Eleganz
    Fahrradroute: Warmes Licht und kühles Bier
    Mitmachangebot: Erwachsene
    Mitmachangebot: Kinder und Familien
    Mitmachangebot: Schulen
    Wissenswertes

    Bahnbetriebswerk Anhalter Bahnhof in der Denkmaldatenbank
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    Produktion damals und heuteTransport und Verkehr
    E-WERK Berlin
    Umspannwerk und Techno-Club
    Schaltwarte im Hof des E-Werk aus rotem Backstein
    Halle im E-Werk
    Der heute als E-Werk bekannte Gebäudekomplex hat schon einige Nutzungs- und Umbauphasen erlebt. | © Foto: Andreas Muhs

    Das heute als E-WERK bekannte Gebäude hat in seiner über 100-jährigen Geschichte einige Nutzungs- und Umbauphasen erlebt. Bereits kurz nach dem Bau platzt das Kraftwerk aus allen Nähten. 1885 an der Mauerstraße in Mitte erbaut ist es das Zweite seiner Art in Berlin. Das erste Kraftwerk entsteht nur ein Jahr zuvor am Gendarmenmarkt.

    Berlin ist Ende des 19. Jahrhunderts eine wachsende Stadt. Der stetig steigende Stromverbrauch erfordert neue Lösungen. Um Strom speichern zu können, kommt 1898 ein fünfgeschossiges Speichergebäude dazu. Erst die neue Drehstromtechnik erlaubt es, Strom am Stadtrand zu erzeugen und fast verlustfrei in die Stadt zu leiten. Das Kraftwerk in der Mauerstraße wird um ein Umspannwerk ergänzt. Dieses spannt den hochgespannten Strom aus den Fernleitungen auf niedrigere Voltzahlen um. Der Architekt Hans Heinrich Müller verbindet beim Umbau des Werkes zwischen 1924 und 1928 Funktionalität und Ästhetik. Die neue zentrale Schaltwarte im Hof ist stilprägend. Sie ist rund und in der Höhe gestaffelt.

    Das Mitte der 1980er-Jahre stillgelegte Gelände erlebt nach der Wende seine Wiederentdeckung. Der Ort ist damals unter dem Namen „E-Werk“ als Techno-Club weit über Berlins Grenzen bekannt. Nach jahrelanger Sanierung öffnet das Gelände 2006 wieder. Bis 2024 dient das ewerk als Eventlocation, Wohn- und Arbeitsstätte. Seit 2025 ist das E-WERK ein exklusiver Bürostandort. Eine kleine Gleichrichterstation übernimmt auch heute noch teilweise die Stromversorgung der U-Bahn.

    Seit Anfang 2026 nutzt die „Stiftung Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen“ das E-Werk als temporäres Zwischenquartier. Mit »Screentime« verwandelt die Kinemathek die historische Halle in einen großflächig inszenierten Medienraum. Gezeigt werden dort experimentelle Ausstellungen, kuratierte Filmreihen, Produktionen aus dem Fernseharchiv sowie das Festival Film Restored.

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    Adresse

    Mauerstr. 78-80
    10117 Berlin-Mitte
    Kontakt

    www.e-werk.berlin/
    Industriekultur erleben

    Fahrradroute: Warmes Licht und kühles Bier
    Wissenswertes

    Umspannwerk Buchhändlerhof in der Denkmaldatenbank
    E-WERK Berlin bei Wikipedia
    Programm „Screentime"“ der Deutschen Kinemathek
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    Strom und Energie
    Gasometer Fichtestraße (Fichtebunker)
    Der letzte seiner Art
    Eingang zum runden Fichtebunker und Gasometer Fichtestraße
    Türen mit Schatten im Fichtebunker Fichtestraße
    Treppe und Registratur im Fichtebunker Fichtestraße
    Nummern an der Wand im Fichtebunker Fichtestraße
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    Die Fassade des ehemaligen Gasometers Fichtestraße hat sich im letzten Jahrhundert kaum verändert. | © bzi, Foto: Florian Rizek

    Der Gasometer Fichtestraße ist der älteste Gasbehälter, der in Berlin erhalten ist. Eine Erkundung durch das Innere des runden Backsteinbaus führt Neugierige in die Zeit der Industrialisierung Berlins und auf eine Reise durch 200 Jahre Stadtgeschichte.

    1826 erhellen die ersten Gaslaternen das nächtliche Berlin. In den folgenden 20 Jahren baut ein Londoner Unternehmen die Straßenbeleuchtung stetig aus. Mitte des 19. Jahrhunderts übernimmt die Stadt die öffentliche Beleuchtung. Gas findet zunehmend auch in Privathaushalten Verwendung, deshalb steigt die Zahl der Gasanschlüsse auch mit der wachsenden Bevölkerung. Die städtischen Gaswerke Berlins entwickeln sich zum größten Gasversorger Europas. Die Gasanstalten produzieren kontinuierlich Gas, die Abnahme durch die Verbraucher aber schwankt. Deshalb müssen ausreichend Speicherbehälter zur Verfügung stehen. Auf freiem Feld entstehen in der Nähe der Hasenheide dazu ab 1874 vier nahezu baugleiche Gasbehälter aus Backstein. Der erhaltene Gasometer in der Fichtestraße entsteht 1883/84. Gleichzeitig beginnt die Elektrifizierung Berlins, deshalb verliert der Gasspeicher schon in den 1930er-Jahren seine Funktion.

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    Adresse

    Fichtestraße 6
    10967 Berlin-Kreuzberg
    Kontakt

    Tel.: 030/49 91 05-17
    info@berliner-unterwelten.de
    www.berliner-unterwelten.de
    Anfahrt

    U-Bahn: U7 (Haltestelle Südstern)
    Bus: M41 (Haltestelle Körtestraße)
    Öffnungszeiten

    Nur im Rahmen einer Führung zugänglich.
    Eintritt

    17 €, ermäßigt 13 €.
    Termine und Tickets im Online-Shop erhältlich, kein Ticketverkauf vor Ort.

    tickets.berliner-unterwelten.de
    Führungen

    Die öffentlichen Führungen sind nicht für Kinder unter 7 Jahren geeignet.
    Festes Schuhwerk ist notwendig, warme Kleidung wird empfohlen.

    www.berliner-unterwelten.de/fuehrungen/oeffentliche-fuehrungen/fichtebunker-kreuzberg
    Barrierefreiheit

    nicht barrierefrei zugänglich
    ERIH-Mitglied

    Gasometer Fichtestraße bei ERIH
    Industriekultur erleben

    Schauplätze
    Fahrradroute: Warmes Licht und kühles Bier
    Mitmachangebot: Erwachsene
    Mitmachangebot: Schulen
    Wissenswertes

    Der Gasometer Fichtestraße in der Denkmaldatenbank
    Der Gasometer Fichtestraße bei Wikipedia
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    Krieg und FriedenStrom und Energie
    Historischer Hafen Berlin
    Berlin ist aus dem Kahn gebaut
    Historischer Hafen Berlin-Brandenburg
    Ausstellung im Schiff Historischer Hafen Fischerinsel
    Dampfschiff im Historischen Hafen Fischerinsel mit Fernsehturm
    Dampfschiff Restaurant im Historischen Hafen Fischerinsel
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    Im Historischen Hafen ist anfassen erlaubt, aber es könnte ölige Finger geben. | © Berlin-Brandenburgische Schifffahrts-gesellschaft e.V. Historischer Hafen

    Während eines Spaziergangs entlang der Fischerinsel in Berlin-Mitte stoßen Flaneure auf ein maritimes Kleinod. Zwischen der Mühlendammschleuse und dem Märkischen Museum befindet sich der Historische Hafen Berlin. Alte Dampfschlepper, historische Maßkähne und typische Fahrgastschiffe des 20. Jahrhunderts liegen hier vor Anker.

    Bereits im Mittelalter gibt es im historischen Zentrum Berlins erste Anlegestellen für den Warenverkehr. 1298 beurkundet der brandenburgische Landesherr Markgraf Otto V. schließlich die Erhebung eines Berliner Zolls, den Schifffahrtsverkehr und den Hafenbetrieb. Auch in den darauf folgenden Jahrhunderten bleiben die Wasserstraßen die wichtigsten Verkehrswege für den Waren- und Gütertransport. Mit Dampfschleppern und Maßkähnen kommen Anfang des 20. Jahrhunderts auch die so dringend benötigten Ziegel für den Wohnungsbau aus Brandenburg nach Berlin. Kohle aus der Lausitz und aus Schlesien sorgt für Wärme und Strom.

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    Adresse

    Märkisches Ufer
    10179 Berlin-Mitte
    Kontakt

    hafenmeister@historischer-hafen-berlin.de
    www.historischer-hafen-berlin.de
    Anfahrt

    U-Bahn: U2 (Haltestelle Märkisches Museum)
    S-Bahn: S3, S5, S7, S9 (Haltestelle Jannowitzbrücke)
    Eintritt

    Eintritt frei, Spenden willkommen
    Führungen

    Nach Vereinbarung
    Barrierefreiheit

    Nein
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    ja
    Industriekultur erleben

    Geheimtipps
    Fahrradroute: Warmes Licht und kühles Bier
    Wissenswertes

    Der historische Hafen bei Wikipedia
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    Transport und Verkehr
    Hochbahnanlage Schönhauser Allee
    Vom Magistratsschirm zum Viadukt
    Hochbahn der U-Bahnlinie U2, Schönhauser Allee
    Hochbahn mit U-Bahn an der Schönhauser Allee
    Die U-Bahnstation Eberswalder Straße an der Linie U2. | © tic, Foto: Friedel Kantaut etc.

    Kurios: An der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg fährt die U-Bahn als oberirdische Hochbahn auf einem Viadukt. Um technische Probleme beim Bau von Tunneln unter der Spree und Häuserzeilen zu vermeiden, entscheidet sich der Magistrat von Berlin 1913 nicht für eine Untergrundbahn, sondern für die preiswertere Hochbahn. Diese Hochbahn auf Stelzen verläuft parallel zur Straße und schafft eine weitere Verkehrsebene.

    Das technisch elegante Werk des U-Bahn-Architekten Alfred Grenander trägt damals den Spitznamen „Magistratsschirm“. Die Hochbahn über der Schönhauser Allee ist wie ein aufgespannter Schirm, unter dem die Berlinerinnen und Berliner wettergeschützt flanieren können. Proteste wegen Erschütterungen in den Häusern, Geschäftsschädigung, Lärmbelästigung und Fahrpreiserhöhungen sorgen anfangs für Unmut. Inzwischen steht die Berliner Hochbahn unter Denkmalschutz und ist aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken.
    Adresse

    von U-Bhf. Schönhauser Allee bis U-Bhf. Eberswalder Straße
    Industriekultur erleben

    Fahrradroute: Warmes Licht und kühles Bier
    Wissenswertes

    Die Hochbahnanlage in der Denkmaldatenbank
    Die U-Bahnlinie U2 bei Wikipedia
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    Transport und Verkehr
    Höfe am Südstern
    Kreuzberger Mischung
    Höfe am Südstern mit Fassadengestaltung
    Die asymmetrische, malerische Fassade fügt sich gut in den stark begrünten Straßenzug an der Hasenheide ein. | © bzi, Foto: Anja Liebau, 2021

    Zu Beginn des 20. Jahrhunderts strömen Menschen aus dem gesamten Deutschen Reich in die Hauptstadt Berlin, auf der Suche nach Arbeit. Die Stadt muss schnell neuen Wohnraum schaffen und stampft blockweise Häuser aus dem Boden. Eine Bauweise um 1900 ist die „Kreuzberger Mischung “, d. h. im Haus wird gewohnt und gearbeitet. Ein Beispiel für diese Mischnutzung sind die Höfe am Südstern.

    Das Gebäude hat zur Straßenseite hin eine prunkvolle Fassade, weil im Vorderhaus die Mittelklasse wohnt. Die repräsentativen Wohnungen haben oftmals eine winzige Mädchenkammer und einen Dienstbotenaufgang. Im Hinterhaus wiederum siedelt sich Gewerbe an. Es ist keine Seltenheit, dass in den Hinterhöfen auch Pferde- und Kuhställe untergebracht sind. Die Kühe versorgen die Bewohnerinnen und Bewohner der Höfe mit frischer Milch. Ein Kühlsystem gibt es zu der damaligen Zeit nicht.

    In den „Höfen am Südstern“ ist in einem der Seitenflügel der alte Pferdestall noch erhalten. Heute sind die Gewerbehöfe eine renommierte Adresse für Firmen aller Art.
    Adresse

    Hasenheide 54
    10967 Berlin-Kreuzberg
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    Fahrradroute: Warmes Licht und kühles Bier
    Wissenswertes

    Höfe am Südstern in der Denkmaldatenbank
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    Produktion damals und heute
    Kraftwerk Berlin und Heizkraftwerk Mitte
    Energieversorgung im Wohngebiet
    Kraftwerk Mitte an der Spree
    Große Halle, Party im Kraftwerk Berlin
    Der Gebäudekomplex des Kraftwerks Mitte liegt direkt an der Spree. | © bzi, Foto: Florian Rizek

    Mit dem Bau der Berliner Mauer 1961 benötigt die Hauptstadt der DDR eine eigene, gesicherte Energieversorgung. Das Heizkraftwerk Berlin-Mitte geht noch im gleichen Jahr in Betrieb und ist lange Zeit das wichtigste Kraftwerk Ostberlins. Neben den umliegenden Wohnungen erhalten auch der Alexanderplatz, die Charité und das Staatsratsgebäude der DDR Wärme und Elektrizität. 1996 löst ein benachbarter Neubau das alte Kraftwerk ab. Anschließend steht es einige Jahre lang leer. 2006 zieht im südlichen Trakt der legendäre Techno-Club „Tresor“ ein. Der Club befand sich zuvor im Tresorraum des ehemaligen Kaufhauses Wertheim am Leipziger Platz.

    Der riesige Komplex mit zahlreichen Erweiterungsbauten dient heute noch zum Teil der Energieerzeugung. Seit 2010 bietet das „Kraftwerk Berlin“ mit seiner 100 Meter langen Turbinenhalle Raum für Ausstellungen und Veranstaltungen. Mit ihrer mächtigen Erscheinung prägen das alte und neue Kraftwerk Mitte noch heute die umgebende Stadtlandschaft an der Spree.
    Adresse

    Köpenicker Straße 70
    10179 Berlin-Mitte
    Kontakt

    www.kraftwerkberlin.de
    contact@kraftwerkberlin.de
    Tel.: 030 2300 5100
    Industriekultur erleben

    Fahrradroute: Warmes Licht und kühles Bier
    Wissenswertes

    Website der Eventlocation Kraftwerk Berlin
    Das Heizkraftwerk Mitte bei Wikipedia
    Das Kraftwerk Berlin bei Wikipedia
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    Strom und Energie
    KulturBrauerei
    Kühles Bier aus tiefen Kellern
    Hof der KulturBrauerei mit Museum
    Turm der Kulturbrauerei an Straßenecke
    Infos auf Smartphone bei der KulturBrauerei
    Gang im Keller der KulturBrauerei
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    Die Schrift an den Gebäuden verrät, wo einst Garage, Ställe und Umkleidekabinen untergebracht waren. | © bzi, Foto: Katharina Hornscheidt

    Von der U-Bahnstation Eberswalder Straße in Prenzlauer Berg strömen Nachtschwärmer in die KulturBrauerei. Schon von weitem tönen tiefe Bässe aus den verschiedenen Clubs auf dem 25.000 m² Areal. In der Nacht und auch am Tag ist die KulturBrauerei ein Ort zum Essen, Trinken und Tanzen. Das Museum zum Alltag in der DDR, ein Kino und ein Fahrradverleih runden das kulturelle Angebot ab.

    1853 übernimmt Jobst Schultheiss eine bayrische Bierbrauerei und den dazugehörigen Lagerkeller in der Schönhauser Allee. Er gibt dem Unternehmen seinen Namen und wird schließlich zu einem der erfolgreichsten Bierbrauer in Berlin. Als Richard Roesicke die Brauerei 1864 übernimmt, behält er nicht nur den Braumeister, sondern auch den eingeführten Namen der Brauerei bei. Durch den Zusammenschluss mit weiteren Unternehmen entwickelt sich die Schultheiss-Brauerei schließlich zur größten Brauerei Deutschlands.

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    Adresse

    Schönhauser Allee 36
    10435 Berlin-Prenzlauer Berg
    Kontakt

    Tel.: 030/44 35 21 70
    info@tic-berlin.de
    www.kulturbrauerei.de
    Anfahrt

    U-Bahn: U2 (Haltestelle Eberswalder Straße o. Senefelderplatz)
    Tram: M1, M10, M12 (Haltestelle Eberswalder Straße)
    Nachtbus: N52 (Haltestelle Eberswalder Straße)
    Öffnungszeiten

    Gelände rund um die Uhr zugänglich
    Touristeninfo (Sudhaus, Haus 2):
    Di. bis So. 12:00 bis 17:30 Uhr (Öffnungszeiten können saisonal abweichen)
    Eintritt

    Gelände frei zugänglich
    Kultureinrichtungen siehe Website

    Führungen

    Kostenloses Guidesystem für mobile Endgeräte
    Führungen auf Anfrage, kostenpflichtig
    berlinonbike.de/alle-touren/kulturbrauerei-fuhrung/
    Barrierefreiheit

    Eingeschränkt
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    KulturBrauerei bei ERIH
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    Schauplätze
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    Mitmachangebot: Erwachsene
    Mitmachangebot: Schulen
    Wissenswertes

    Schultheiß-Brauerei in der Denkmaldatenbank
    KulturBrauerei bei Wikipedia
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    Bier und Brot
    Museum für Kommunikation Berlin
    Von Rauchzeichen, Rohrpost und Robotern
    Ausstellung im Museum für Kommunikation mit Kindern und Tablet
    Museum für Kommunikation bei Nacht
    Roboter im Museum für Kommunikation
    Schwarz-weiß Foto, Lichthof im Reichspostmuseum um 1912
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    Im Museum finden verschiedene Workshops u.a. für Kinder und Familien statt. | © Museum für Kommunikation Berlin, Foto: Michael Ehrhart

    Die Begrüßung im Museum für Kommunikation Berlin fällt überraschend aus: In der imposanten Eingangshalle heißen freundliche Roboter die Besucherinnen und Besucher willkommen. Dieses Museum ist ein Ort, an dem sich Menschen (und Roboter) begegnen, austauschen und unterhalten. Der Name des Museums ist dabei Programm. Schließlich geht es um bedeutende Fragen unserer Zeit:
    Wie hat sich der Umgang mit Zeichen, Codes und Medien im Laufe der Zeit verändert?
    Wie prägen neue Formen der Kommunikation unser privates und öffentliches Leben?
    Welche Zukunftsperspektiven gibt es für unsere Informationsgesellschaft?

    Kommunikation prägt schließlich schon immer das Leben der Menschen. Beginnend beim Rauchzeichen bis hin zum heutigen Smartphone – die umfangreiche Sammlung des Museums spiegelt unsere vielfältigen Formen von Kommunikation wieder. 1872 eröffnet das Museum als erstes Postmuseum der Welt. In der Schatzkammer befinden sich besondere Raritäten und kostbarste Exponate. Dazu gehören das erste „Telephon“ von Johann Philipp Reis und die wohl berühmtesten Briefmarken: die Blaue und die Rote Mauritius.

    Interaktion ist im Museum für Kommunikation Berlin ausdrücklich erwünscht. So laden beispielsweise eine funktionsfähige Rohrpostanlage und ein Green-Screen-Studio zum Ausprobieren ein.

    Der Rundfunkgeschichte ist ein Meilenstein der Berliner Industriekultur gewidmet.
    Adresse

    Leipziger Straße 16
    10117 Berlin-Mitte
    Kontakt

    Tel.: 030-20 29 40
    mfk-berlin@mspt.de
    www.mfk-berlin.de
    Anfahrt

    U-Bahn: U2 (Haltestelle Anton-Wilhelm-Amo-Straße o. Stadtmitte), U6 (Haltestelle Stadtmitte)
    Bus: M48, 265 (Haltestelle U Stadtmitte/Leipziger Straße), 200 (Haltestelle Anton-Wilhelm-Amo-Straße)
    Öffnungszeiten

    Di. bis Fr.: 9:00 bis 17:00 Uhr
    Sa./So./Feiertag: 10:00 bis 18:00 Uhr
    Jeder 3. Mi. im Monat: 9:00 bis 20:00 Uhr
    Geschl. am 01.01., Ostermontag, Pfingstmontag, 24., 25. u. 31.12.
    Eintritt

    Erwachsene 8,00 €, ermäßigt 4,00 €,
    Eintritt frei unter 18 Jahren.
    Führungen

    Führungen mit verschiedenen Schwerpunkten siehe Website, Anmeldung meist direkt vor Ort.
    Barrierefreiheit

    eingeschränkt
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    Das Museum für Kommunikation Berlin bei ERIH
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    Wissenswertes

    Das Reichspostamt in der Denkmaldatenbank
    Das Museum für Kommunikation bei Wikipedia
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    Kommunikation und Medien
    Pfefferberg-Brauerei
    Braukunst vor den Toren der Stadt
    Moderne Gebäude neben alten Backstein-Bauten am Pfefferberg
    Eingang der Brauerei Pfefferberg an der Schönhauser Allee
    Rotes Backsteingebäude am Pfefferberg, Eingang von AEDES
    Bäume auf der Terrasse am Pfefferberg
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    Die Christinenstraße bietet den besten Blick auf die moderne Architektur neben historischen Brauereigebäuden. | © bzi, Foto: Anja Liebau

    An der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg liegt der Pfefferberg. Das Plateau mit Biergarten und Terrassencafé unter Bäumen überrascht viele Besucherinnen und Besucher. Niedrige Grundstückspreise und die erhöhte Lage im Norden der Stadt bieten Mitte des 19. Jahrhunderts beste Voraussetzungen für den Bau von Brauereien mit großen Kühlkellern. So beginnt auch die industrielle Karriere des Pfefferbergs.

    Namensgeber für das Areal an der Schönhauser Allee ist Joseph Pfeffer. Der bayerische Braumeister ist einer der ersten, der die untergärige Brauart nach Berlin bringt und ab 1841 an dem damals noch vor den Stadtgrenzen gelegenen Ort eine eigene Brauerei errichtet. Das so gebraute Bier ist länger lagerfähig und eignet sich deshalb besonders gut für die industrielle Produktion. Bis 1921 bestimmen deshalb Hopfen, Malz und Hefe das Geschehen der Pfefferberg-Brauerei.

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    Adresse

    Schönhauser Allee 176
    Christinenstr. 18/19
    10119 Berlin-Prenzlauer Berg
    Kontakt

    info@stiftung-pfefferwerk.org
    Tel.: 030/44383 376
    www.stiftung-pfefferwerk.org
    www.pfefferberg.de
    Anfahrt

    U-Bahn: U2 (Haltestelle Senefelderplatz)
    Öffnungszeiten

    Areal frei zugänglich | Anlieger siehe Website
    Führungen

    Auf Anfrage
    Barrierefreiheit

    Barrierefrei bis auf den Projektraum Meinblau
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    Pfefferberg bei ERIH
    Industriekultur erleben

    Schauplätze
    Fahrradroute: Warmes Licht und kühles Bier
    Mitmachangebot: Erwachsene
    Mitmachangebot: Schulen
    Wissenswertes

    Zum Pfefferberg bei der Stiftung Pfefferwerk
    Die Brauerei Pfefferberg in der Denkmaldatenbank
    Der Pfefferberg bei Wikipedia
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    Bier und BrotProduktion damals und heute
    Portikus Anhalter Bahnhof
    Tor zum Süden
    Ruine des Portikus, Anhalter Bahnhofs
    Anhalter Bahnhof mit Vorplatz 1927
    Der Portikus ist der sichtbare Rest des Anhalter Bahnhofs. | © bzi, Foto: Nico Kupfer

    Am Askanischen Platz ragt eine beeindruckende Wand mit Rundbögen aus Backsteinen in die Höhe. Bis vor 70 Jahren gelangten Reisende durch diesen Portikus hindurch in eine gigantische Bahnhofshalle. Er ist der letzte Überrest der 34 Meter hohen und 170 Meter langen Halle des Anhalter Bahnhofs, fertiggestellt 1880. Ein Hallendach aus Glas überspannt frei und ohne jede Stütze die Gleise. Schnaufende Dampflokomotiven fahren ein und hüllen dadurch den Bahnsteig in beißenden Rauch. Ende des 19. Jahrhunderts herrscht geschäftiges Treiben vor und im Anhalter Bahnhof. Reisende kommen entweder mit Kutschen oder zu Fuß, um ihre Fahrt mit der Eisenbahn anzutreten. Die ersten Züge fahren nach Leipzig, Frankfurt und München. Der „Anhalter“ wird zum Tor des Südens. Vom Berliner Kopfbahnhof fahren Eisenbahnen nach Nizza, Athen und Neapel. Südlich vom Personenbahnhof erstreckt sich das große Gelände des Anhalter Güterbahnhofs. In der ehemaligen Ladestraße sitzt heute unter anderem das Deutsche Technikmuseum.

    Der Ausbau des Schienennetzes erfordert jedoch auch die Übermittlung von Informationen über Zugfahrten und Störungen. Die im Bahndamm verlegte Telegrafenlinie ist einer der ersten Aufträge der „Telegraphenbauanstalt Siemens & Halske“, die ihren Gründungsort in Sichtweite des Bahnhofs hat.

    Im Regime der Nationalsozialisten wandelt sich der Anhalter Bahnhof von einem Sehnsuchts- zu einem Schreckensort. Wie einige andere Bahnhöfe ist auch der Anhalter ab 1942 Startpunkt für Deportationen in Konzentrations- und Vernichtungslager. Die Sonderwaggons mit Deportierten werden an fahrplanmäßige Züge nach Dresden oder Prag angehängt. Von dort aus fahren die Züge weiter, zum Beispiel in das Konzentrationslager Theresienstadt. Seit 2021 befindet sich gegenüber der Ruine des Anhalter Bahnhofs am Askanischen Platz das Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung.

    Das monumentale Bahnhofs-Gebäude von Architekt Franz Schwechten übersteht den Zweiten Weltkrieg nur mit erheblichen Schäden. Der Zugverkehr ist nur noch eingeschränkt möglich. Die Teilung Berlins führt 1952 schließlich zur Einstellung des Personenverkehrs. Aufgrund von Einsturzgefahr beschließt der Senat die Sprengung. Das Gebäude erweist sich jedoch als widerstandsfähig. Drei Jahre lang versuchen sich Abrissfirmen am Bahnhof. Schließlich bleibt allein der Portikus als Überrest des Tors zum Süden erhalten

    Das Areal rund um Anhalter Bahnhof und Gleisdreieck ist Thema eines Forschungsprojektes des Berliner Zentrum Industriekultur (bzi). Gleisdreieck Online verknüpft Geodaten und historisches Material zu einer umfangreichen Karte: Eine Spurensuche durch zwei Jahrhunderte Eisenbahngeschichte.

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    Adresse

    Askanischer Platz 6-7
    10963 Berlin-Kreuzberg
    Industriekultur erleben

    Fahrradroute: Warmes Licht und kühles Bier
    Wissenswertes

    Die Eisenbahn-Ausstellung im Deutschen Technikmuseum
    Der Portikus des Anhalter Bahnhofs in der Denkmaldatenbank
    Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung
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    Transport und Verkehr
    Siemens Gründungsort
    Erfindergeist im Hinterhof
    Siemens Gründungsort ist heute die Hotelkette Mövenpick
    Siemens Gründungsort Siemenshaus
    Siemens Gründungsort
    Siemens Gründungsort Verwaltung
    In der Siemens-Repräsentanz von 1915 residiert heute die Hotelkette Mövenpick. | © bzi, Foto: Nico Kupfer

    Was für Steve Jobs und Apple eine Garage ist, ist für Siemens eine kleine Hinterhaus-Werkstatt. Die „Telegraphenbauanstalt Siemens & Halske“ begründet 1847 die über 100-jährige Entwicklung von SIEMENS zu einem weltweit agierenden Industriekonzern. Im Hin­ter­haus der Schöneberger Straße 33 baut die Firma ihre ers­ten Telegrafen. Die Ver­wal­tung befindet sich ab 1901 neben dem Anhal­ter Bahnhof, am Aska­ni­schen Platz, unweit des Gründungsorts. Zwei Jahrzehnte zuvor hatte Sie­mens & Halske die Signal­tech­nik für den Bahnhof gestellt. Heute sitzt an der gleichen Adresse die Zeitung „Der Tagesspiegel“.

    Ende des 19. Jahrhunderts zieht die Hauptverwaltung schließlich in die neu gegründete Siemensstadt in Berlin-Spandau. Die repräsentative Adresse in der Nähe des Regierungsviertels möchte das Unternehmen allerdings behalten. Daher entsteht an diesem Standort 1915 die neue Siemens-Repräsentanz, in der heute die Hotelkette Mövenpick residiert.

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    Adresse

    Siemens Gründungsort
    Schöneberger Str. 33

    Siemenshauptverwaltung
    Askanischer Platz 3

    Siemenshaus
    Schöneberger Str. 3
    alle 10963 Berlin-Kreuzberg
    Industriekultur erleben

    Fahrradroute: Warmes Licht und kühles Bier
    Wissenswertes

    Die Anfänge von Siemens auf der Unternehmenswebsite
    Siemens bei Wikipedia
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    Forschung und Innovation
    Umspannwerk Humboldt
    Eine Marienburg für Berlin
    Umspannwerk Humboldt, Torbogen
    Vogelperspektive auf das Umspannwerk Humboldt, Gebäude aus rotem Backstein
    Das Eingangsportal des Umspannwerks Humboldt in Berlin-Prenzlauer Berg. | © tic, Foto: Friedel Kantaut etc.

    1925 begeistert sich der Hausarchitekt der „Bewag“, Hans Heinrich Müller für die Marienburg, den größten gotischen Backsteinbau Europas in der inzwischen polnischen Stadt Malbork. Müller greift architektonische Stilmittel dieser mittelalterlichen Burg im Umspannwerk Humboldt auf. Das Eingangsportal des Umspannwerks in Berlin-Prenzlauer Berg zieren Spitzbögen. Zwei Brücken verbinden die mittig im Innenhof liegende Warte mit den Werkshallen. Ein Türmchen befindet sich im Innenhof des Umspannwerks.

    Viele Bauten von Müller, die ebenfalls in den 1920er-Jahren entstanden sind, greifen diese Detailverliebtheit auf. Inzwischen sind die großflächigen Räume des ehemaligen Umspannwerks in gewerblicher Nutzung.

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    Adresse

    Kopenhagener Straße 58 – 63
    10437 Berlin-Prenzlauer Berg
    Industriekultur erleben

    Fahrradroute: Warmes Licht und kühles Bier
    Wissenswertes

    Das Umspannwerk Humboldt in der Denkmaldatenbank
    Das Umspannwerk Humboldt bei Wikipedia
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    Strom und Energie
    Umspannwerk Scharnhorst
    Beobachtungsposten für Straßenbeleuchtung
    Umspannwerk Scharnhorst, Backsteinbau mit Fenstern
    Umspannwerk Scharnhorst
    Das Umspannwerk Scharnhorst, heute bekannt als „Vattenfall-Haus”. | © Foto: Stefan Joseph Müller

    Dieses Umspannwerk hat eine Besonderheit: Seit 1927 lässt sich in 25 Metern Höhe von der verglasten Lichtwarte aus die Straßenbeleuchtung überwachen. Allabendlich entscheidet bis in die 1940er-Jahre ein Mitarbeiter über den richtigen Zeitpunkt zum Einschalten der Straßenlaternen. Mit einem Knopfdruck schaltet sich das Licht in den umliegenden Bezirken ein.

    Der Hausarchitekt des ehemaligen Berliner Stromversorgers „Bewag“, Hans Heinrich Müller, entwickelt die moderne Architektur des Umspannwerks. Seine Gebäude verehren die Elektrizität fast wie ein Heiligtum. Seine „Kathedralen der Elektrizität“ repräsentieren dadurch die Bedeutung der Umspannwerke für die rasante Stadt- und Industrieentwicklung Berlins. Inzwischen ist das Umspannwerk nach seinem derzeitigen Nutzer benannt: „Vattenfall-Haus”. Es beherbergt Verwaltung und Kundenservice des Stromkonzerns.
    Adresse

    Sellerstraße 16–26
    13353 Berlin-Wedding
    Industriekultur erleben

    Fahrradroute: Warmes Licht und kühles Bier
    Wissenswertes

    Das Umspannwerk Scharnhorst in der Denkmaldatenbank
    Das Umspannwerk Scharnhorst bei Wikipedia
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    Strom und Energie

    #Berlin #Kreuzberg #Mitte #Wedding #Sehenswürdigkeiten #Fahrradtour #Tourismus

  • Platz wird umbenannt: Blücherplatz in Berlin-Kreuzberg wird zu Eva-Mamlok-Platz
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/platz-wird-umbenannt-blucherplatz-in-berlin-kreuzberg-wird-zu-eva-mamlo

    Bezirksverordnetenversammlungen sind wie kleinbürgerliche Häuslebauer, irgendwas muss immer an- oder umgebaut werden, und am Ende kommt immer eine Verschlimmbesserung heraus. Noch eine Straßenumbenennung gibt dem Leben der Verordneten den Anschen von Sinn.

    Für irgendwas muss man ja Aufwandsentschädigung und Sitzungsheld kassieren. Auch so ein Ausschuss mitsamt dem Bezirksamtsapparat, den er kontrollieren soll, will nicht in untätiger Sinnlosigkeit scheitern. Alle wollen liefern. Also weg mit dem Preußengeneral, her mit der Widerstandsdame.

    Das ist gut gemacht und schlecht gedacht, aber Denken ist ja bekanntlich Glückssache. Diesmal haben die Bezirksverorneten in der Denklotterie eine Niete gezogen. Einfach das nächste Los kauf, möchte man ihnen zurufen. Ihr kriegt es gratis und von mir noch Taschengeld dazu. Vielleicht ist ja ein pädophiler Jugendamtsleiter euer Hauptgewinn, der ganz dicke Plüschbär, den ihr als Kinder immer gewinnen wolltet und nie erwischt habt.

    Taxi wünscht Euch Glück, dann kann es vielleicht glückliche Fahrgäst vom Rathaus nach Hause fahren. Wobei, wir sind ja in Friedrichshsin Kreuzberg, da fahren alle Fahrrad und Uber. Auch egal. Wir machen das alles ja nur zum Spaß.

    23.4.2026 - Ein Platz in Kreuzberg soll einen neuen Namen bekommen – den der jüdischen Widerstandskämpferin Eva Mamlok. Die Umbenennung gilt allerdings nicht ab sofort.

    Der Blücherplatz am Halleschen Tor in Berlin-Kreuzberg soll künftig nach einer jüdischen Widerstandskämpferin Eva-Mamlok-Platz heißen. Bis Ende des Jahres soll der Platz umbenannt werden, wie das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg mitteilte. Die Umbenennung findet demnach erst nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus Ende September statt. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet.

    Eva Mamlok war eine jüdische Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus, die in Kreuzberg aufwuchs. 1944 starb sie im Konzentrationslager Stutthof. Stolpersteine in der Neuenburger Straße erinnern an sie und ihre Familie.

    Der bisherige Namensgeber des Platzes, Gebhard Leberecht von Blücher, war ein preußischer Generalfeldmarschall, der eine bedeutende Rolle in den Befreiungskriegen gegen Napoleon spielte.

    Die Umbenennung geht auf einen Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung aus dem vergangenen Juni zurück. In dem Antrag zur Umbenennung heißt es, dass der Platz nicht mehr den Namen eines Feldherrn der Befreiungskriege gegen Napoleon tragen, sondern dort eine Persönlichkeit des weiblichen und jüdischen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus geehrt werden solle. Zudem sei Blücher mit der mehrspurigen, eineinhalb Kilometer langen Blücherstraße bereits im Bezirk prominent vertreten. (dpa)

    #Berlin #Kreuzberg #Blücherplatz #Eva-Mamlok-Platz #Straßenumbenennung #Politik #Zeitgeist #Geschichte

  • JustMusic
    https://www.justmusic.de

    Mit großem Bedauern mussten wir JustMusic am 18.03.2024 schließen.

    Unser Kerngeschäft verlagerte sich zunehmend zu wenigen Online-Giganten, mit weitaus vorteilhafteren Kostenstrukturen. Diese entfachten einen Preisdruck, dem wir als Großstadt-Einzelhändler mit Vollsortiment und den damit verbundenen Personal- und Betriebskosten nicht mehr standhalten konnten. Anders als die Online-Giganten konnten wir die stetig sinkenden Margen nicht durch massenhaften Umsatz kompensieren.

    Auch im lokalen Musikfachhandel war der akute Fachkräftemangel längst offensichtlich und erschwerte ein effektives Ausschöpfen der prinzipiellen Vorteile gegenüber der Online-Konkurrenz. Diesen und andere Faktoren konnten wir nicht beeinflussen, u.a. die angeordneten Ladenschließungen und Auflagen zur Pandemie, die Inflation, die stark gestiegenen Betriebskosten oder die rückläufige Nachfrage am Luxusgut „Musikinstrument“ in wirtschaftlich unsicheren Zeiten.

    Nach langjährigem Aufbäumen, den internen Umstrukturierungen während und nach der Pandemie mit den damit verbundenen Schließungen der Filialen in Hamburg, München und Dortmund, sowie der Piano Galerie in Wilmersdorf, sahen wir keine weitere Möglichkeit mehr, den Negativtrend umzukehren.

    Mit JustMusic verabschiedete sich nicht nur ein weiteres Kaufhaus aus der Hauptstadt, sondern ein Treffpunkt für Musiker und Musikbegeisterte, ein Stück Tradition & Kultur.

    An alle unsere Kunden und Freunde des Hauses geht ein herzliches Dankeschön für ihre Treue und für ihr Interesse. Ebenfalls bedanken wir uns bei allen aktuellen und ehemaligen Kolleginnen und Kollegen für ihren Einsatz und ihre Loyalität über die Jahrzehnte.

    Wichtige Informationen zu Service und Reparaturen:

    Ab dem 18.03.2024 können wir Reparaturen nicht mehr entgegennehmen. Bereits eingegangene oder bearbeitete Serviceanfragen werden selbstverständlich zu Ende gebracht und bereits eingegangene Gewährleistungsfälle bearbeitet. Die gesetzlichen Vorgaben zur Garantie stehen dabei unverändert im Fokus.

    Wichtige Angaben für Serviceanfragen:

    Auch nach dem 18.03.2024 kommen wir natürlich unseren gesetzlichen Verpflichtungen aus Gewährleistungsansprüchen sowie berechtigten Ansprüchen aus unserer freiwilligen Justmusic-Garantie nach! Wir nehmen jedoch keine Reparaturen mehr an, die außerhalb unserer Gewährleistungs/-Garantieverpflichtung liegen.

    Bereits aufgegebene und eingesendete oder abgegebene Gewährleistungs-/Garantiefälle werden durch unseren Service und Partner natürlich auch weiterhin bearbeitet. Ihr werdet nach Fertigstellung kontaktiert und erhaltet Euer Instrument/Produkt nach Terminvereinbarung ausgehändigt oder zugesandt.

    Für alle Fragen zu Servicefällen und Reparaturen, schreibt uns bitte eine E-Mail an service@justmusic.de unter Angabe der Servicefallnummer oder Reparaturauftragsnummer.

    ✔️ Eine Rechnungskopie des gekauften Produkts bzw. Instruments
    ✔️ Eine konkrete Mangel-/ Fehlerbeschreibung
    ✔️ Die Angabe der Seriennummer des Produkts
    ✔️ Eure Kontaktdaten sowie eine Telefonnummer, sodass wir mit Euch ggf. Rücksprache halten können

    Wir bitten um Verständnis, dass eine persönliche Beanstandung oder Abgabe von Reparaturgegenständen an unserem Standort ab 18.03.2024 aus logistischen Gründen nicht möglich ist.

    Für alle anderen Anliegen wendet Euch bitte an info@justmusic.de.

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    #Berlin #Kreuzberg #Oranienstraße #Wirtschaft #Handel #Konzentrationsprozeß #Gentrifizierung

  • Kneipenabend unter Woken: In Neukölln darf man nur mit der richtigen Moral saufen
    https://www.berliner-zeitung.de/panorama/woker-kneipenabend-auch-als-zionist-kann-man-in-neukoelln-trinken-g

    Was für eine dumme Idee, nach dem dritten Drink über Politik reden zu wollen. Das geht nie gut aus. Immerhin fahren der Autor und Seine Daufbekanntschaften #Taxi und nicht #Uber. Ein Rest Verstand und common sens sind bei ihnen also noch vorhanden.

    6.12.2025 von Clint Lukas - Wo man früher sorglos trinken konnte, wird man heute von aufgeregten Menschen moralischen Kreuzverhören unterzogen. Selbst in der letzten Klitsche geht es ums große Ganze.

    Seit zwei Jahren gehe ich nur noch nach Neukölln, wenn es unbedingt sein muss. Das liegt in erster Linie an meiner Bequemlichkeit. Wie die meisten Menschen habe ich aber ein moralisches Wertesystem. Und kann es nur schwer ertragen, wenn diesem System etwas entgegengesetzt wird – zum Beispiel andere moralische Werte. Ich schätze, ich stehe mit diesem Problem nicht allein da.

    Nun kann ich mich jedoch an eine andere Zeit erinnern. Früher, sagen wir mal vor zehn Jahren, konnte man einfach mit anderen Menschen trinken gehen, ohne alle paar Minuten über ein Reizthema zu stolpern und deswegen in Streit zu geraten. War das nicht schön? Ist die Welt so viel komplizierter geworden?
    Riskiere doch mal wieder was!

    Neulich feierte eine Kollegin ihr 25-jähriges Berlin-Jubiläum und lud mich zu einer Party in einem Café im Schillerkiez ein. Mein Komfortzonen-Sensor schlug sofort Alarm. Doch dann dachte ich: Jetzt sei mal nicht so. Was ist aus dem furchtlosen Clint geworden, der sich früher in jede noch so dunkle Ecke getraut hat? Riskiere doch mal wieder was!

    Im besagten Café bestelle ich mir ein Bier und wage einen Rundumblick. An den Tischen sitzen Mütter mit Kinderwagen, außerdem das ein oder andere Pärchen. Sieht fast aus wie in Mitte. Dann gehe ich in den angrenzenden Raum, in dem die Party stattfindet. Das Publikum ist hier wesentlich bunter. Ein junger Mann, der gerade wild gestikulierend auf einen anderen einredet, sieht so aus, als käme er direkt aus einem revolutionären Wüsten-Trainingslager.

    Da meine Kollegin von ihren Gästen umringt ist, setze ich mich auf ein Sofa in der hintersten Ecke des Raumes. Erstmal die Lage sondieren, denke ich. Doch es dauert keine zwei Minuten, da werde ich in das erste Gespräch verwickelt. Die Einstiegsfrage dreht sich um mein Verhältnis zur Gastgeberin.

    „Und woher kennt ihr euch? Ach, das ist ja lustig. Bei mir ist es tatsächlich so, dass unsere Söhne in dieselbe Kita gegangen sind.“

    Auf die Art werde ich über die Lebensgeschichten von etlichen Partygästen unterrichtet. Ein kroatisches Paar, das Stress mit dem Vermieter hat. Ein Straßenpoet, der die letzten fünfzehn Jahre seiner Karriere rekapituliert. Eine ältere Dame mit einem Kerzenladen. Ein Besucher aus Hamburg mit einer ausgeprägten Vorliebe für Tee. Ich nehme an, es ist okay, dass sie mich alle so ungefragt volllabern. Das ist nun mal das Konzept einer Party. Interessant wird es erst, als eine etwa 55-jährige Poetry-Slammerin eine Anekdote zum Besten gibt.

    Politische Diskussionen im Kneipenumfeld

    „Neulich bin ich um zwei Uhr nachts über den Oranienplatz gegangen und hab dabei gesehen, wie so ein Typ ein ‚Death to the IDF‘-Plakat von einer Wand reißen wollte. Dem hab ich natürlich gesagt, dass er das lassen soll! Ist doch keine Art. Ich meine, diese Plakate sind ein Ausdruck des Protestes und man kann doch nicht einfach …“

    „Darf ich dich kurz unterbrechen?“, sage ich. „Ich will an der Stelle nur klarstellen, dass ich ein großer Fan der IDF bin.“

    „Das ist ein Scherz, oder?“, ruft sie entsetzt.

    „Nein. Wie kann man denn was gegen eine so gutaussehende Armee haben? Oder ihr gar den Tod wünschen? Du weißt schon, dass darin mehr Frauen dienen als irgendwo sonst auf der Welt? Kollidiert das nicht mit deinem Feminismus?“

    „Aber die töten Kinder! Außerdem ist es die mächtigste Armee, die es gibt. Da muss man doch aus Prinzip Widerstand leisten.“

    „Ich sehe, du bist Romantikerin.“

    Obwohl mich die Ansichten der guten Frau maximal triggern, beschließe ich, meinem guten Vorsatz dieses Tages treu zu bleiben. Wir gehören alle zur gleichen Menschheit. Über den Bieren und den zwanglosen Grundsatzdiskussionen wird es schließlich so spät, dass der Barkeeper die Sperrstunde ausruft. Ich ziehe mit dem Rest vom Schützenfest weiter. Das sind: Meine Kollegin und ich, eine Britin mit dem ruppigen Auftreten einer Suffragette, der Poetin, die es okay findet, jüdische Soldaten zu töten, sowie dem Tee-Enthusiasten. Wir landen im Bäreneck, wo sowohl die Barfrau als auch die wenigen Gäste von den Themen befremdet scheinen, mit denen wir so nonchalant in den Laden platzen.
    Die Kirche einfach im Dorf lassen

    „Also bist du für Genozid?“, kreischt mich der Tee-Lover an.

    „Ach, komm. Nun lass mal die Kirche im Dorf. Willst du ein Bier? Ich spendiere eine Runde.“

    Aber es hilft alles nichts. Kaum darf der Nahostkonflikt für einen Moment ruhen, beginnen meine nächtlichen Mitstreiter die Trans-Frage zu erörtern. Mit zusammengebissenen Zähnen und düsteren Blicks schießen sie ihre Argumente in den Äther. Ich kann irgendwann nicht mehr an mich halten.

    „Boah, können wir nicht über was Fröhliches reden? Es ist zwei Uhr früh an einem Montagmorgen. Wir sind alle besoffen. Wir haben keine Kontrolle über unser Leben. Lasst uns doch einfach mal Spaß haben.“

    Das ist zu viel für den Teetrinker. Wutentbrannt springt er auf.

    „Mir reicht’s!“, brüllt er. „Du verteidigst nicht nur den Terrorstaat Israel, jetzt willst du auch noch Frauen den Mund verbieten!“

    Nachdem er türenknallend verschwunden ist, herrscht kurz Ruhe. Dann räuspert sich die Britin und sagt: „Also das war jetzt auch nicht okay, dass er einfach so an unserer Stelle gesprochen hat.“

    Als ich mir noch einen Gin Tonic bestellen will, schüttelt die Barfrau den Kopf und weist zu meinen Begleiterinnen. Ich ahne, was sie meint. Zero Survival Skills. Man ist nun mal kein guter Gast, wenn man über die großen Zusammenhänge philosophiert, statt einfach zu saufen.

    Im Taxi Richtung Kreuzberg entspinnt sich folgender Dialog:

    „Also, ich lerne ja jetzt Arabisch.“

    „Cool“, sage ich. „Und warum? Bereitest du dich auf eine Reise vor?“

    „Äh, nein. Damit ich mich mit meinen Nachbarn hier in Berlin verständigen kann.“

    „Ach so. Sprechen die kein Deutsch, oder was?“

    „Nicht alle.“

    „Dann hilf ihnen doch, es zu lernen, indem du es mit ihnen sprichst.“

    „Wow, ganz schön übergriffig … Was lernst du denn für Sprachen?“

    „Na ja, das übliche halt. Französisch, Italienisch, keine Ahnung.“

    Wie es der Zufall will, haben wir sofort die Möglichkeit, unsere Street Credibility unter Beweis zu stellen. In einer der gesegneten Kneipen, die 24 Stunden geöffnet sind, werde ich von einem Jungen auf der Toilette gefragt, ob ich Koks haben will.

    „Nein, danke. Hab mein eigenes“, sage ich. Woraufhin sich der Junge als Ibrahim vorstellt und mir zu unserem Tisch folgt. Das macht ihn zur Zielscheibe für allerlei liberale Fragen nach seiner Herkunft, seinem Beruf, seiner Meinung zu Deutschland. Da er nur Französisch und ein paar Brocken Deutsch spricht, verstehe nur ich, dass er gelernter Glaser ist und aus Guinea kommt.

    „Sprichst du denn kein Arabisch?“, fragt die Suffragette und ist verwundert über sein Kopfschütteln. Immerhin kommt er doch von der Südhalbkugel.

    „C’était un plaisir“, sage ich zum Abschied, was mir eine spontane Umarmung von Ibrahim einbringt. Und obwohl ich mich für meine kolonialen Sprachkenntnisse schäme, bin ich froh, so lange durchgehalten zu haben. Denn selbst als Zionist muss man manchmal mit den Prätorianern des palästinensischen Widerstands um die Häuser ziehen. Die sich gleichzeitig für die Trans-Community, die Rechte der Frauen und die Hamas einsetzen dürfen. Man muss es nur wollen. Wir sitzen alle in einem Boot. In einem Boot Richtung Hölle.

    #Berlin #Israel #Palästina #Neukölln #Kreuzberg #Kneipe #Alkohol

  • Kreuzberg ehrt erste Rabbinerin der Welt: Regina-Jonas-Straße kommt noch dieses Jahr
    https://www.berliner-zeitung.de/news/kreuzberg-ehrt-erste-rabbinerin-der-welt-regina-jonas-strasse-kommt

    25.10.2025 von Oliver Weinhold - Nach Jahren der Verzögerung steht es fest: Die Kohlfurter Straße in Kreuzberg wird in Regina-Jonas-Straße umbenannt – zu Ehren der ersten Rabbinerin der Welt.

    Nach langem Hin und Her steht fest: In Berlin-Kreuzberg wird eine Straße nach der von den Nazis ermordeten Rabbinerin Regina Jonas benannt. Wie der RBB berichtet, soll die formelle Umbenennung der bisherigen Kohlfurter Straße noch in diesem Jahr erfolgen – eine Einweihung im Dezember gilt als wahrscheinlich.

    Die Planungen laufen bereits seit Monaten. Eine ursprünglich für den 19. September geplante Feier war kurzfristig abgesagt worden, nachdem mehrere Widersprüche gegen die Entscheidung eingegangen waren. Diese Frist ist nun abgelaufen, Klagen wurden keine eingereicht. „Da keine Klagen gegen die Umbenennung eingegangen sind, wird die formelle Umbenennung derzeit erneut vorbereitet“, teilte das Bezirksamt mit.
    Einweihung im Dezember geplant

    Im nächsten Schritt sollen die Anwohnenden informiert und die Veröffentlichung im Amtsblatt vorbereitet werden. Danach werden die neuen Straßenschilder angebracht, die alten bleiben zunächst noch sichtbar. Jonas (1902–1944) gilt als erste ordinierte Rabbinerin der Welt. Bereits in ihrer Abschlussarbeit hatte sie sich mit der Frage befasst, ob Frauen das rabbinische Amt ausüben dürfen.

    Die Berlinerin arbeitete später in mehreren liberalen Synagogen und im Jüdischen Krankenhaus, bevor sie 1942 nach Theresienstadt und 1944 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde. Der Beschluss zur Umbenennung wurde bereits im Dezember 2023 gefasst und im Mai 2024 bestätigt.

    #Berlin #Kreuzberg #Kohlfurter_Straße #Regina-Jonas-Straße #Straßenbenennumg #Schlesien #Philosemitismus

  • Alfred Eisenstaedt
    https://www.icp.org/browse/archive/constituents/alfred-eisenstaedt

    Born in Dirschau (now Poland), Alfred Eisenstaedt studied at the University of Berlin and served in the German army during World War I. After the war, while employed as a button and belt salesman in Berlin, he taught himself photography and worked as a freelance photojournalist. In 1929, he received his first assignment that would launch his professional career—the Nobel Prize ceremony in Stockholm. From 1929 to 1935 he was a full-time photojournalist for the Pacific and Atlantic Picture Agency, later part of the Associated Press, and contributed to the Berliner Illustrierte Zeitung and other picture magazines in Berlin and Paris. In 1935, he came to the United States, where he freelanced for Harper’s Bazaar, Vogue, Town and Country, and other publications. In 1936, Henry Luce hired him, along with Margaret Bourke-White, Peter Stackpole, and Thomas McAvoy as one of four staff photographers for the new LIFE magazine. Eisenstaedt remained at LIFE for the next 40 years and was active as a photojournalist into his eighties. In 1988, he was honored with ICP’s Infinity Master of Photography Award.

    Eisenstaedt was among those Europeans who pioneered the use of the 35-millimeter camera in photojournalism as they brought their knowledge to American publications after World War I. He was also among the earliest devotees of available-light photography. Unlike many photojournalists in the postwar period, he was not associated with a particular kind of event or geographic area: he was a generalist. As such, he was a favorite among editors, not only for his quick eye, but also for his ability in making good photographs of any situation or event. His nonjudgmental but acutely perceptive eye and his facility with composition have made his photographs memorable documents of his era both historically and aesthetically.

    Dr. Goebbels in Geneva in 1933

    Dr. Joseph Goebbels, Hitler’s Minister of Propaganda at the fifteenth session of the League of Nations, Geneva

    German delegation to the 15th League of Nations Assembly, Geneva, Switzerland

    Fathers with newborn babies about to be baptized, Neukölln Hospital, Neukölln, 1931

    School for midwives being taught new devolpments in medicine, Neukölln Hospital, Neukölln

    Unter den Linden, Berlin. American and German flags at half-mast following Hindenburg’s death, 1934

    Hindenburg’s funeral, Tannenberg


    Max Schmeling, world heavy-weight champion, Scharmutzelsee, 1931

    Wilhelm Furtwängler conducting the Berlin Philharmonic in Beethoven’s Fifth Symphony, Berlin, 1932

    Luis Trenker, Alpine skier and film actor, Davos, Switzerland, 1932

    Grunewaldsee, Berlin, 1933

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    Robert Oppenheimer, director of the Institute of Advanced Study, discussing theory of matter in terms of space with Albert Einstein, Princeton, New Jersey, 1947

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    East German soldier photographing color guard opposite Tomb of the Unknown Soldier, West Berlin, 1979

    Changing of the guard, Tomb of the Unknown Soldier, East Berlin, 1979

    Anhalterbahnhof, West Berlin, 1979

    Israel Week promotion, Ka De We department store, West Berlin, 1979

    Günter Grass, West Berlin, 1979

    Pergamon Altar, Pergamon Museum, East Berlin

    Site of the bunker where Hitler died, seen from Otto Grotewohlstrasse, East Berlin, 1979

    Leninplatz, East Berlin,/1979

    Watchtower manned by East German guards and television tower, photographed from West Berlin

    Luckauerstrasse, West Berlin, 1979

    Memorial to Bernd Lunser, who died in October 1961, West Berlin, 1979

    Statue, HallischesTor, Kreuzberg, West Berlin

    Neue Staatsbibliotek, West Berlin

    Salambo Night Club, Kurfürsterdam, 130, West Berlin

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    1952

    #histoire #photographie #presse #Berlin #Taxi #Friedenau #Niedstraße

  • Pascal Meiser über Traditionen: „Ströbele wäre bei uns mehr als willkommen“
    https://taz.de/Pascal-Meiser-ueber-Traditionen/!6119269

    Noch so einer, der pwrsönlich virankommt aber politisch trotz aller guten Ansätze nichts erreicht. Kein Wunder, so ist das mit den politischen Parteien, die taugen nur als Stützen des Systems Als llnke Opposition richtest du dabei wenigstens nixht so viel Schaden an wie durch Regierumgs-"Beteiligungen".

    25.10.2025 von Daniel Bax - Pascal Meiser sitzt für die Linken im Bundestag. Der Kreuzberger hat den Wahlkreis gewonnen, den der Grüne Hans-Christian Ströbele bekannt gemacht hat.

    taz: Herr Meiser, Sind Sie der Erbe von Hans-Christian Ströbele?

    Pascal Meiser: Objektiv gesehen bin ich das wohl ein wenig jetzt, da ich in seinem ehemaligen Wahlkreis das Direktmandat geholt habe. Das ehrt mich natürlich. Aber es wäre unangemessen, mich selbst zum Erben auszurufen. Ich bin in einer anderen Partei, zu einer anderen Zeit gewählt worden, und so richtig vererbt oder gar geschenkt wurde uns das alles ja auch nicht gerade …

    taz: Hans-Christian Ströbele war gegen Aufrüstung und Krieg, für die Freigabe von Hanf, für eine Vermögensteuer und dafür, den Verfassungsschutz abzuschaffen. Wäre er damit heute nicht eher bei der Linken als bei den Grünen zu Hause?

    Meiser: Es wäre anmaßend, darüber zu spekulieren. Hans-Christian Ströbele war, mit seiner Klarheit und Konsequenz, eine ganz eigene Figur, ein Solitär. Es gibt viele Linke, mich eingeschlossen, die ihn sehr geschätzt haben, auch wenn selbst er unter der rot-grünen Regierung ein paar schwierige Entscheidungen mitgetragen hat. Seine guten Ergebnisse verdankten sich ja am Ende der Tatsache, dass ihn auch viele Linke gewählt haben, und vieles von dem, wofür er stand, ist in der Tat heute sicher bei uns gut, wenn nicht sogar am besten aufgehoben. Und natürlich wäre Hans-Christian Ströbele bei uns heute mehr als willkommen und würde mit offenen Armen begrüßt.

    taz: Für die Grünen war der Verlust ihres Direktmandats in diesem Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg-Prenzlauer Berg Ost, über Jahrzehnte eine Hochburg für sie, ein Schock: Berlins Grünen-Chef Philmon Ghirmai sprach von einem „herben Schlag“, Jürgen Trittin sah schon das „Ende von Kreuzberg“ heraufdämmern. Zu Recht?

    Meiser: Symbolisch ist das für die Grünen sicher eine herbe Niederlage. Aber nüchtern betrachtet, ist das Ergebnis für sie eigentlich gar nicht so dramatisch. Meine Gegenkandidatin hat mit über 30 Prozent ein Ergebnis erzielt, mit dem sie in vielen anderen innerstädtischen Wahlkreisen in Berlin oder in anderen Großstädten gewonnen hätte. Nur haben wir als Linke in diesem Wahlkreis dieses Mal selbst so ein krass gutes Ergebnis erzielt. Deswegen ist auch die mediale Wahrnehmung von der Niederlage der Grünen etwas verkürzt. Denn dass es uns gelungen ist, 35 Prozent der Erststimmen einzufahren, ging nur zum Teil zulasten der Grünen, und dass es uns selbst gelungen ist, so viele unterschiedliche Leute von uns und mir zu überzeugen, ist ja die eigentlich spannende Geschichte.

    taz: Trotzdem ist die Symbolik groß: Die Grünen gewinnen Direktmandate in bürgerlichen Stadtteilen, aber verlieren ihre einstige Hochburg in Kreuzberg. Sie rücken in die besserverdienende Mitte, aber verlieren Teile ihres ehemaligen Stammmilieus.

    Meiser: Natürlich gibt es diese Verschiebung. Nicht wenige ehemaligen Grünen-Wählerinnen und -Wähler haben angesichts des Kurses der Ampelregierung und der Annäherung der Grünen an eine CDU, die zunehmend nach rechts rückt, nicht mehr mitgemacht. Die wollen dann lieber eine klare, kompromisslose linke Opposition.

    Ich gehöre ganz sicher nicht zu denen, die die Grünen zum größten Problem der Republik stilisieren

    taz: Ströbeles Nachfolgerin Canan Bayram, die 2017 und 2021 zwei Mal das Direktmandat gewonnen hat, trat jetzt nicht mehr an. Sie könne den Leuten nicht mehr sagen, wofür die Grünen eigentlich stehen – so begründete sie ihren Rückzug. Ein Symptom?

    Meiser: Ich habe diese internen Auseinandersetzungen bei den Grünen natürlich zur Kenntnis genommen, aber bewusst öffentlich nie groß kommentiert. Und ich gehöre ganz sicher nicht zu denen, die die Grünen zum größten Problem der Republik stilisieren. Aber die Grünen haben in der Ampel in unterschiedlichen Bereichen einfach sehr große Fehler gemacht. Das spiegelt sich dann logischerweise in solchen Aussagen und in solchen Absetzbewegungen wider.

    taz: Sie haben sich im Wahlkampf dagegen entschieden, Unterstützung von außerhalb des Bezirks zu mobilisieren. Warum?

    Meiser: Wir haben darüber natürlich bei uns im Wahlkreis diskutiert. Aber das hätte ich doch ein wenig übertrieben gefunden. Ich muss mich nicht bedeutender machen, als ich bin. Umso stolzer bin ich, dass wir das alles aus eigener Kraft heraus geschafft, mit unseren eigenen Leuten in Friedrichshain-Kreuzberg und in Prenzlauer Berg.

    taz: Für die Linke waren die Mieten ein zentrales Thema. Kam Ihnen das zugute?

    Meiser: Dass die Partei insgesamt im Wahlkampf so stark auf dieses Thema gesetzt hat, hat uns natürlich sehr geholfen. Das ist eine kluge Entscheidung gewesen, weil sie einen Nerv getroffen hat. Und es deckt sich mit meiner Überzeugung, dass es unsere DNA als Linke ist, immer die soziale Frage in den Mittelpunkt zu stellen und an der Seite der Leute mit einem kleinen Geldbeutel zu stehen. Was uns natürlich nicht davon abhält, auch Kämpfe um Anerkennung und Gleichberechtigung oder für den Klimaschutz zu unterstützen.

    taz: In Berlin ist der Mietendeckel, den der rot-rot-grüne Senat 2020 eingeführt hat, allerdings vor dem Bundesverfassungsgericht gescheitert.

    Meiser: Auch wenn das Projekt am Schluss vom Gericht gekippt wurde, hat das unserer Glaubwürdigkeit nach meiner Wahrnehmung nicht geschadet. Im Gegenteil. Die meisten Leute finden es gut, dass wir es zumindest versucht haben. Und: Wir haben es geschafft, uns auch im Bundestag als die stärkste Stimme der Mieterinnen und Mieter aufzustellen. Das reicht von Ansätzen wie einem verbesserten Kündigungsschutz bei Eigenbedarf bis hin zu Forderungen nach einem bundesweiten Mietendeckel und zur Frage, wie der soziale Wohnungsbau der Zukunft aussehen soll. Zugleich standen wir vor Ort immer an der Seite der Mieterinnen und Mieter, die sich wehren. Und das vergessen die Leute nicht.

    taz: Wie ist die Lage auf dem Wohnungsmarkt in Kreuzberg?

    Meiser: Die Mieten steigen und steigen. Das ist für sich genommen schon ein großes Problem. Doch was mir gerade am meisten Sorgen macht, ist die Umwandlung in Eigentumswohnungen. Wir haben da eine tickende Zeitbombe, weil schon richtig viel umgewandelt worden ist. Bei mir melden sich zunehmend Mieterinnen und Mieter, bei denen die besonderen Kündigungsschutzfristen nach der Umwandlung einer Mietwohnung in eine Eigentumswohnung auslaufen und die mitkriegen, dass ihre Wohnungen zum Verkauf inseriert werden. Das ist ganz sicher kein Arme-Leute-Problem. Das sorgt für blanke Panik bis weit in ein Milieu hinein, das überdurchschnittlich verdient. Ein weiteres Problem ist die Zweckentfremdung von Wohnraum für Ferienwohnungen und dass es trotz Wohnungsnot immer wieder sogar Leerstand gibt. Es existieren hier leider noch immer zu viele rechtliche Schlupflöcher, auch wenn die Behörden in Friedrichshain-Kreuzberg schon vergleichsweise konsequent dagegen vorgehen. Aber da muss in ganz Berlin noch viel konsequenter durchgegriffen werden.

    taz: Sie stammen ursprünglich aus dem Saarland. Wie sind Sie aufgewachsen?

    Meiser: Meine Großväter waren beide noch Bergleute. Mein Großvater väterlicherseits, den ich selbst persönlich gar nicht mehr kennengelernt habe, kam während der Nazizeit ins Zuchthaus, nachdem er gegen den Anschluss des Saarlands an Nazi-Deutschland gekämpft hatte, danach nach Frankreich ins Exil gegangen war und später wie viele andere auch vom Vichy-Regime ins Deutsche Reich zurückgeschickt wurde. Er hatte großes Glück, dass es ihn am Ende nicht noch schlimmer traf. Aber das hat natürlich trotzdem die ganze Familie meines Vaters geprägt. Meine Eltern konnten dann als jeweils Erste in ihren Familien studieren, mein Vater auf dem zweiten Bildungsweg, und ich hatte das große Glück, insgesamt in einem Elternhaus groß zu werden, wo immer klar war, dass das Herz links schlägt.

    taz: In Ihrer alten Heimat verfolgt man Ihren Werdegang immer noch aufmerksam. Die Lokalpresse berichtet regelmäßig über Sie.

    Meiser: Ja, das ist wirklich total faszinierend. Schon als ich 2017 das erste Mal in den Bundestag eingezogen bin, widmete mir die Saarbrücker Zeitung ein eigenes Porträt. Auch jetzt hat sie sich wieder gemeldet und gleich nach der Wahl einen umfangreichen Beitrag über meinen Erfolg gemacht. Dabei lebe ich schon mehr als die Hälfte meines Lebens in Kreuzberg. Aber da kann man nichts machen, der Regionalstolz der Saarländer ist eben sehr ausgeprägt.

    taz: Wie blicken Sie heute auf Ihre alte Heimat?

    Meiser: Auch wenn ich nicht mehr so oft da bin, habe ich zum Saarland immer noch einen sehr positiven Bezug. Ich komme vom Dorf, und ja, ich weiß, viele fliehen aus ihren Dörfern, weil sie da als Linke oder auch anderweitig sehr schlechte Erfahrungen gemacht haben. Ich selbst hatte schon recht früh lange Haare, etwas, für das man damals noch oft komisch beäugt wurde als Mann, und es war auch kein Geheimnis, dass ich irgendwie links bin. Aber ich hatte zum Glück deshalb nie wirklich Probleme. Und vielleicht hat das ja mit dazu beigetragen, dass ich das Dorf, in dem ich groß geworden bin, bis heute noch so mag.

    taz: Seit wann leben Sie in Kreuzberg?

    Meiser: Seit 1998. Ich landete damals durch Zufall über einen Freund in einer WG, und nach einem kurzen Abstecher nach Prenzlauer Berg wohne ich seit 1999 durchgängig in Kreuzberg. Man könnte auch sagen: Ich komme vom Dorf und lebe jetzt wieder in einem Dorf. Denn auch wenn das für Außenstehende komisch klingen mag: für mich hat der Teil in Kreuzberg, in dem ich lebe, irgendwie auch immer etwas von einem großen Dorf.

    taz: Ihr Wahlkreis ist sehr heterogen: Kreuzberg ist migrantisch geprägt, Friedrichshain proletarisch und Prenzlauer Berg eher bürgerlich. Wie bringen Sie das alles unter einen Hut?

    Meiser: Als ich 2007 in die Linke eingestiegen bin, war das auch bei uns in der Partei so: da lagen zwischen Kreuzberg und Friedrichshain Welten, aber auch zwischen Jungen und Alten, zwischen Menschen mit Migrationshintergrund und jenen mit Ostbiografien, aber auch zwischen Hartz-IV-Beziehern und gutverdienenden Gewerkschaftssekretären. Als Vorsitzender der Linken in unserem Bezirk habe ich dann über viele Jahre daran gearbeitet, dass die Leute miteinander reden statt übereinander. Das alles habe ich dann auch in meiner Rolle als Abgeordneter fortzuführen versucht, und ich versuche bis heute alle, die hier leben, mit ihren Unterschiedlichkeiten ernst zu nehmen und die gemeinsamen Interessen und Anliegen nach vorne zu stellen.

    taz: Nochmal Stichwort Kreuzberg: Wie sprechen Sie Wähler mit Migrationshintergrund an?

    Meiser: Auch hier gilt für mich vor allem: gut zuhören, um zu verstehen, was wen tatsächlich umtreibt. Auch dafür sind Haustürgespräche manchmal sehr hilfreich. Da kommen schon sehr unterschiedliche Sachen zum Vorschein. Nicht immer ist es dabei ja so, dass die Diskriminierung aufgrund der eigenen Migrationsgeschichte oder Religion das Thema Nummer eins ist. Oft wird erst mal einfach nur über die grüne Verkehrspolitik geflucht. Und vielen, die hier schon seit Jahren leben, brennen die Vermüllung, die Sicherheitslage und der zunehmende Drogenkonsum unter den Nägeln, weil die Kieze, in denen sie wohnen, davon besonders betroffen sind. Das heißt aber auch: Wenn wir als Linke für diese Leute da sein wollen, dann müssen wir das auch ernst nehmen und darauf Antworten haben.

    taz: Sie sind im Bundestag Sprecher für Arbeitspolitik und Arbeitsrecht sowie für Gewerkschaftspolitik für die Linke. Warum ist das Ihr Thema geworden?

    Meiser: Das hat mit meiner Biografie und meinen politischen Überzeugungen zu tun. Ich habe bereits während meines Studiums, begonnen, mich auch gewerkschaftlich zu engagieren, kurz nach der Gründung der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bin ich dort eingetreten und habe dann in Berlin und Brandenburg, etwas später dann auch bundesweit Verdi-Studierendenstrukturen mit aufgebaut. Diese gewerkschaftliche Orientierung hat mich bis heute nicht mehr losgelassen. Auch weil ich davon überzeugt bin, dass der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit weiter zentral für unsere Gesellschaft ist.

    taz: In Ihrer Freizeit spielen Sie im Verein Fußball. Wo?

    Meiser: Beim Kreuzberger Verein FSV Hansa 07. Ich spiele da in unserer Ü40-Mannschaft in der Landesliga. Da geht’s auch noch um ein bisschen mehr als einfach nur ein bisschen Kicken. Nur schaffe ich es leider nicht mehr jede Woche zum Training oder zum Spiel. Aber ich versuche, es mir so weit wie möglich immer einzurichten. Solange die Knochen und Gelenke mitmachen, will ich da nicht darauf verzichten. Dafür ist meine Leidenschaft einfach noch zu groß.

    taz: Was ist die „Freie Sportvereinigung“ Hansa 07 für ein Verein?

    Meiser: Als ich Anfang der 2000er Jahre dort anfinge, war das so ein kleiner Kiezverein. Seitdem ist er stark gewachsen. Heute hat er eine der größten Jugendabteilungen in Berlin, und die erste Männermannschaft spielt inzwischen in der zweithöchsten Berliner Liga. Der Verein engagiert sich zugleich gegen Rassismus oder auch gegen Homophobie im Fußball. Seit den neunziger Jahren tragen alle Spielerinnen und Spieler den Slogan „Catenaccio gegen Rassismus“ auf der Brust ihrer Trikots. Also genau der richtige Verein für mich.

    taz: Ein Traditionsverein mit einer Jugendabteilung, die stark angewachsen ist: das trifft auch auf Ihre Partei zu.

    Meiser: Schöner Vergleich. Es ist wirklich toll, dass so viele neue Menschen in unsere Partei strömen. Die Geschwindigkeit ist aber natürlich extrem, und alle bringen unterschiedliche Perspektiven und Interessen mit. Wir sind daher gut beraten, gut aufzupassen, dass daraus nicht neue Konflikte entstehen. Ich bin auch nicht dafür, dass jetzt in einer Art Kulturrevolution alles hinweggefegt wird, was über die Jahre gut in unserer Partei gelaufen ist. Es war ja nicht alles schlecht bei uns. Entsprechend lautet die Aufgabe jetzt Konsolidierung, nicht Disruption.

    taz: Sie haben ab 2010 für die Linke im Berliner Karl-Liebknecht-Haus gearbeitet und sitzen seit 2017 mit kurzer Unterbrechung im Bundestag. Dort gelten Sie als Teamplayer. Ist das ein Kompliment?

    Meiser: Ich kann mit dieser Zuschreibung gut leben. Gerade bei uns in der Partei, wo es viele Konflikte gab und sicher auch in Zukunft geben wird, stellt sich immer wieder die Frage: Stellt man das Gemeinsame nach vorne oder das Trennende? Ich war immer dafür, das Gemeinsame nach vorne zu stellen und nicht jeden Dissens, den es gibt, nach außen tragen. Das bringt dann natürlich auch den großen Nachteil mit sich, dass das für die meisten Journalistinnen und Journalisten eher langweilig ist. Auch innerparteilich sammelst du natürlich nicht so schnell große Fangruppen, wenn du moderierend und differenzierend unterwegs bist, statt zu polarisieren. Und über die sozialen Medien müssen wir gar nicht reden – die funktionieren ja nach dem gleichen Prinzip.

    taz: „Ein trockener Typ mit sperrigen Themen“, schrieb Die Zeit über Sie. Sind Sie zu leise?

    Meiser: Wer mich von Streikkundgebungen oder von Häuserkampfdemos kennt, der wird sich vermutlich wundern, wenn er so was über mich liest. Denn wenn es um die Interessen der Leute geht, die nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren sind und die unter die Räder zu drohen kommen, dann verspüre ich meist so viel Wut, dass ich auch ganz schön laut werde. Vielleicht also: nach innen ruhig und ausgleichend, nach außen laut und wütend? – Wenn ich das weiterhin hinbekomme, ohne schizophren zu werden, bin ich in jedem Fall zufrieden.

    Pascal Meiser

    Der Mensch

    Pascal Meiser, Jahrgang 1975, wuchs im Saarland auf und lebt seit 1999 in Berlin-Kreuzberg. Der Linken-Politiker ist Diplom-Politologe und ausgebildeter Gewerkschaftssekretär und errang bei der Bundestagswahl im Februar 2025 das Direktmandat im Berliner Wahlkreis 82. In seiner Fraktion ist er Sprecher für Arbeitspolitik, Arbeitsrecht und Gewerkschaftspolitik.

    Der Wahlkreis

    Der Berliner Wahlkreis 82 mit dem sperrigen Namen „Friedrichshain-Kreuzberg-Prenzlauer Berg-Ost“ ist der flächenmäßig kleinste Bundestagswahlkreis der Republik und existiert in dieser Form seit 2002. Neben dem legendären Stadtteil Kreuzberg schließt er den ehemals Ostberliner Bezirk Friedrichshain sowie den Ostteil des Bezirks Prenzlauer Berg ein. Der Wahlkreis war lange Zeit fest mit dem Namen Hans-Christian Ströbele verbunden. Der Rechtsanwalt und Mitbegründer der taz holte dort 2002 das erste Direktmandat für die Grünen und verteidigte es drei Male – zum Teil mit Rekordergebnissen von über 40 Prozent. Seine Nachfolgerin, die Rechtsanwältin Canan Bayram, trat 2017 in seine großen Fußstapfen und holte ebenfalls zweimal das Direktmandat. Der Verlust des Direktmandats in ihrer einstigen Hochburg war für die Grünen ein Schock – und ein Symptom. Mehr dazu steht im Buch „Die neue Lust auf Links“ (Goldmann) von Daniel Bax, das im November erscheinen wird.

    #Berlin #Politik #Die_Linke #Kreuzberg #Friedrichshain

  • Unterlassungsklage gegen Aktivisten: Kritik darf sein
    https://taz.de/Unterlassungsklage-gegen-Aktivisten/!6124123

    26.10.2025 von Clara Dünkler - Die „Urbane Mitte“-Investorin verliert Unterlassungsklage: Das Gericht entscheidet für die Meinungsfreiheit von Aktivist Matthias Bauer.

    taz | Das Urteil ist gesprochen: Die Aussagen von Gleisdreieck-Aktivist Matthias Bauer auf seinem Blog sind aus Sicht des Landgerichts II Berlin von der Meinungsfreiheit gedeckt. Damit wies das Gericht die Unterlassungsklage der luxemburgischen Fondsgesellschaft Urbane Mitte Besitz zurück, die gegen das Mitglied der Bür­ge­r:in­nen­in­itia­ti­ve Gleisdreieck wegen eines Blogeintrages vorgegangen war.

    „Wir sind doch erleichtert und freuen uns, dass das Gericht für die Meinungsfreiheit entschieden hat – gegen die Angriffe der Investoren“, teilt Bauer nach dem Urteilsspruch in einer Pressemitteilung mit. Seit Jahren kritisiert die Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck das umstrittene Bauvorhaben „Urbane Mitte“, an dem das Unternehmen Urbane Mitte Besitz als Investorin beteiligt ist. Die Bebauungspläne sehen vor, sieben Hochhäuser von bis zu 90 Metern am Gleisdreieck Park zu errichten. Dabei sind hauptsächlich Büro- und Gewerbeflächen geplant.

    Hintergrund des Verfahrens ist ein Eintrag, den Bauer 2024 auf dem Blog der Bür­ge­r:in­nen­in­itia­ti­ve veröffentlichte. Das luxemburgische Unternehmen sah ihr Persönlichkeitsrecht angegriffen und ging gegen fünf der hier genannten Kritikpunkte vor. Für das Gericht überwog in allen angegangenen Aspekten das Recht Bauers auf Meinungsäußerung.

    Es ist nicht das einzige Verfahren, das die Urbane Mitte Besitz zurzeit führt. Auch gegen die Bür­ge­r:in­nen­in­itia­ti­ve selbst bemüht die Investorin eine Unterlassungsklage. Das Parallelverfahren ist bis auf einen Punkt identisch mit dem aktuellen Fall und findet voraussichtlich am 9. Dezember ebenfalls vor dem Landgericht Berlin statt.

    Einschüchterungstaktik

    Aus Perspektive der Ak­ti­vis­t:in­nen wolle das Unternehmen die Bü­ge­r:in­nen­in­itia­ti­ve einschüchtern, Kosten für sie verursachen und ihr Zeit und Energie stehlen, so Bauer in der Pressermittlung. Es handele sich bei dem Verfahren um sogenannte SLAPP-Klagen (englisch: „strategic lawsuit against public participation“). Der Ausdruck bezeichnet Klagen, deren Ziel es ist, Kri­ti­ke­r:in­nen zum Schweigen zu bringen. Hauptsächlich durch den Aufbau von finanziellem und zeitlichen Druck. Bereits bei der Verhandlung vor dem Landgericht Mitte Oktober wies der Anwalt des Unternehmens diesen Vorwurf zurück.

    Obwohl Bauer und die Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck erst einmal aufatmen können, überstanden ist es wohl noch nicht. Bereits im Vorfeld kündigte der Anwalt der Urbanen Mitte Besitz an, vor dem Kammergericht in Berufung zu gehen, falls die Klage abgewiesen werden sollte.

    #Berlin #Kreuzberg #Gleisdreieck #Stadtentwicklung

  • Ein Kohlehändler über Beharrlichkeit: „Ich bleibe bis zum Schluss“
    https://taz.de/Ich-bleibe-bis-zum-Schluss-Dirk-Koegler-ist-einer-der-letzten-Kohlehaendler-in-Berlin/!6116958


    „Der letzte Mohikaner“, so nennt sich Dirk Kögler selbst. So viele Kohlenhändler gibt es ja wirklich nicht mehr Foto: Dagmar Morath

    21.10.2025 von Karlotta Ehrenberg - Wer in Berlin Kohle braucht, ruft bei Dirk Kögler an. Der Kreuzberger hat sie im Angebot. Er ist einer der letzten Kohlehändler in der Stadt.

    Wenn Dirk Kögler die Bestellungen in seiner Kreuzberger Brennstoffhandlung am Festnetztelefon entgegennimmt, kommt die Rechenmaschine zum Einsatz. Namen und Adressen werden säuberlich mit Kuli auf einem Block notiert. Obwohl er dick angezogen ist – der Allesbrenner in der Ecke ist aus –, sieht man dem stämmigen Mann die körperliche Arbeit an. Er hat Kohlenstaub auf Gesicht und Händen – vor der Nachmittagsschicht im Büro wurde ausgeliefert. Kögler zündet sich eine Zigarette an.

    Dirk Kögler: Bin gerade erst rein. Heute Morgen hat sich ein Fahrer krankgemeldet, da mussten wir mit zwei statt mit drei Lkws fahren. Normalerweise schleppe ich ja nicht mehr mit, aber heute musste ich mit ran. Mit vier Leuten haben wir knapp 180 Zentner weggemacht. Braunkohle-Briketts vor allem, aus der Lausitz, das meiste die Treppen hoch bis in die Wohnungen. Die jungen Leute wollen heute nicht mehr schleppen, und die Alten schaffen es nicht mehr.

    taz: 180 Zentner, das sind also 9 Tonnen. Ist das normal für einen Tag?

    Kögler: Heutzutage ja. Früher haben wir 15 bis 20 Tonnen geschafft. Als ich Kind war, haben wir aber auch nur hier im Karree gearbeitet, ganze Häuser und Straßenzüge haben wir beliefert. Nach der Wende waren auch Großkunden dabei, ein Krankenhaus zum Beispiel. Heute liefern wir in das ganze Berliner Stadtgebiet. Auch das Kohlenlager ist weit weg, in Britz, da müssen wir morgens alles aufladen. Bis vor ein paar Jahren habe ich meinen Lkw hier vor der Tür geparkt und darauf Kohlen zwischengelagert, das geht jetzt nicht mehr – Parkraumbewirtschaftung. Das Hauptproblem ist aber, dass wir nicht mehr Auto fahren können. Überall sind diese Poller, zur Verkehrsberuhigung. Neulich haben wir eine Dreiviertelstunde gebraucht, um zum Abladen in eine Straße zu kommen. Und dann stehen überall die Paketlieferanten rum. Und das Ordnungsamt verteilt Strafen. Das macht alles keinen Spaß mehr.

    Im Interview: Dirk Kögler

    Der Mensch

    Dirk Kögler, Jahrgang 1969, lebt seit seiner Geburt in Berlin-Kreuzberg, wo er in seiner Brennstoffhandlung eben auch noch Kohle im Angebot hat. Das Büro und ein kleiner Direktverkauf befinden sich in der Körtestraße 18. Auf einem der vielen Fotos an der Wand ist Kögler mit Frank Zander zu sehen. Der Sänger bat den Kohlenhändler um ein Bild mit „einem der letzten Berliner Originale“.

    Die Kohle

    Schwarzer Popel gehörte zum Berliner Winter lange Zeit genauso fest dazu wie der dauergraue Himmel. Damit ist schon seit einer Weile Schluss. Laut des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg lag die Zahl der Wohnungen mit Ofenheizung im Jahr 2022 bei nur 1,7 Prozent. Da darin auch elek­trisch betriebene Nachtspeicherheizungen enthalten sind, ist der Anteil der Kohleöfen also noch geringer.

    taz: Früher gehörten mit Kohlen beladene Lkws zum Berliner Stadtbild dazu.

    Kögler: Ja. In den 70er Jahren waren wir in Westberlin 970 Kohlenhandlungen.

    taz: Neben Ihnen findet Google nur noch „Holz-Kohle“ in dieser Gegend. Das ist jetzt aber eine Bar …

    Kögler: Soweit ich weiß, gibt es in ganz Berlin nur noch den Teiche, den Engelke und mich. Die Alten haben alle dichtgemacht, da kam keiner mehr nach. Ich bin der einzige, der weitergemacht hat.

    taz: Und auch Sie sind schon vier Jahrzehnte dabei. Geht das nicht auf den Rücken?

    Kögler: Nee, Rücken haben Kohlenträger meistens nicht. Wir haben alle mit 15, 16 angefangen, da baut sich genug Muskulatur um die Wirbelsäule auf. Das Problem sind die Gelenke, die gehen mit der Zeit kaputt. Deswegen muss ich mich beim Tragen jetzt ein bisschen bremsen.

    taz: Sie haben die Kohlenhandlung von Ihren Eltern übernommen.

    Kögler: Ja. Ich führe das Geschäft nun schon in der vierten Generation, mein Uropa mütterlicherseits hat das Geschäft gegründet. Wir sind alle in Kreuzberg geboren und waren alle in der Kohle, auch die Cousins und Cousinen. Es gab den Laden in der Nostitzstraße und dann den hier in der Körtestraße, seit 1907, glaube ich.
    Kohlenhändler Dirk Kögler.
    Schleppen gehört zum Geschäft Foto: Dagmar Morath

    taz: Der Laden heißt noch nach Ihrem Vater.

    Kögler: Ja, er ist 2020 gestorben. Ich hab ihn hier im Büro auf dem Boden gefunden. Jetzt bin ich der Letzte. Sonst gibt es nur noch den Onkel. Der hat früher immer gekotzt, wenn er mit dem Alten mit musste. Mir hat das gefallen. Schon mit drei haben sie mich mit auf Tour geschickt, wahrscheinlich, damit sie mich unter Kontrolle haben. Mein Opa hat viel erzählt, und erlebt hat man unterwegs auch immer was. Und zur Senatsreserve zu fahren war auch immer schön.

    taz: Was ist Senatsreserve?

    Kögler: Westberlin hatte damals stadteigene Lager, falls mal eine Blockade kommt. Das waren riesige Kohlenberge auf verschiedenen Plätzen, verteilt über die Stadt. Auf die mussten wir zugreifen, wenn nichts aus der DDR kam. Von dort kriegten wir die Kohle ja, da gab es ein Abkommen. Und wenn die drüben im Oktober die Güterwaggons für die Kartoffel- oder Rübenernte brauchten, dann kam hier nichts mehr an, und wir mussten zur Reserve. Da haben sich alle Kohlenarbeiter getroffen, und es wurde viel gequatscht. Das fand ich toll.

    taz: Trotzdem haben Sie in den 80er Jahren erst mal einen anderen Beruf gelernt.

    wochentaz

    Dieser Text stammt aus der wochentaz. Unserer Wochenzeitung von links! In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und natürlich im Abo.

    Kögler: Ich hab sogar Abitur gemacht. Meine Mutter wollte, dass ich zur Bank gehe oder zur Versicherung. In den 80er Jahren sah es ja auch so aus, als ob bald Schluss ist mit Kohle, immer mehr Häuser waren saniert. Zwar gab es ein Gesetz, das vorschrieb, dass mindestens eine Feuerstelle pro Wohnung erhalten bleibt, insgesamt wurden es aber weniger. Ich hab dann eine Ausbildung als Speditionskaufmann gemacht. Aber dann fiel die Mauer, und hier im Geschäft war tierisch was los.

    taz: Ohne den neuen Markt in Ostberlin wären Sie nicht in das Geschäft eingestiegen?

    Kögler: Richtig, ich bin ein Wendeopfer (lacht). Nee, ich hab mich darüber gefreut. Ich hab ja schon vorher beim Tragen geholfen und ich mochte die Arbeit.

    taz: Was genau mochten Sie daran?

    Kögler: Den Umgang mit der Kundschaft. Heute kommen 98 Prozent übers Telefon, bei meiner Oma hat vielleicht einmal die Woche das Telefon geklingelt, da kamen alle hier rein und haben persönlich bestellt. So eine Straße war wie ein Dorf. Die Leute haben hier ein Leben lang gewohnt, die kannte man schon aus der Schule. Auch die Leute aus den Geschäften wohnten hier alle, die Kassiererin von Reichelt hast du an Heiligabend in der Kirche getroffen. An jeder Ecke wurde man begrüßt, mit jedem Kunden wurde kurz gequatscht. Klar, manchmal konnte das auch lästig werden. Zum Beispiel die Vertriebenen. Deren Geschichten konnte ich irgendwann nicht mehr hören.

    taz: Wieso?

    Kögler: Jedes Mal, wenn ich dahin bin, haben die von Königsberg und Schlesien und so erzählt, dann wurde das Fotoalbum ausgepackt und geflennt. Die wussten, im Winter haben wir keine Zeit dafür und haben dann extra im Frühjahr bestellt. Tja, und dann musste man sich setzen und Fotos anschauen.

    taz: Was für ein Extraservice!

    Kögler: Normal. Wir haben den alten Leuten auch die Asche runtergetragen oder die Mülltüte. In der Coronazeit hat mich ein Kunde gebeten, ihm Klopapier mitzubringen. Der war deswegen schon dreimal vergeblich die Treppen runter. Hab ich natürlich gemacht.

    taz: Die Bevölkerung dieser Stadt hat sich schon sehr verändert.

    Kögler: Ja, richtige Berliner gibt es hier eigentlich nicht mehr. Die kommen aus Hamburg und München, bleiben 2,3 Jahre und ziehen dann weiter. Früher hatte ich Kunden, da hab ich die Kinder aufwachsen sehen. Und die mich natürlich auch.

    taz: Sind die neuen Ber­li­ne­r:in­nen auch anders drauf?

    Kögler: Ja, das merk ich schon bei der Bestellung. Irgendwann hab ich eine E-Mail gekriegt, da stand drin: Ich bestelle 3 Tonnen zu dem und dem Tag. Wie stellt der sich das vor?! Ich muss doch meine Touren planen, außerdem weiß ich doch gar nicht, ob ich an dem Tag genug Platz auf dem Lkw hab. Auch hab ich mittlerweile fast Angst, den Leuten zu sagen, dass ich um acht komme, vor zehn steht ja kaum einer auf. Einer hat mich mal gefragt: Liefern Sie auch nach 22 Uhr?

    taz: Das ist die Lieferando-Bestell-Mentalität.

    Kögler: Ja, genau. Die wollen alles immer sofort. Die lagern auch nicht mehr ein. Früher haben die alten Leute noch vor dem Urlaub eingekellert, das war noch die Mentalität aus dem Krieg, so nach dem Motto: Frieren ist schlimmer als hungern. Da ging es also im Juni schon wieder los. Heute hab ich bis September nichts zu tun. Viele werden auch erst wach, wenn es plötzlich kalt wird. Dann kommt der ganze Stress auf einmal.

    taz: Und was machen Sie dann in den Sommermonaten?

    Kögler: Ich fahre Pflanzen aus. Früher habe ich auch eine Weile auf dem Bau beim Abriss gearbeitet, aber das war nichts für mich, immer an einem Ort sein, immer mit denselben Leuten. Ich komme gern rum.

    taz: Haben Sie da nie überlegt, aus Berlin weg und in die Welt zu gehen?

    Kögler: Nein, nie. Als ich zwanzig war, fiel ja auch die Mauer, da kam die Welt hierher! Da war was los. Nicht nur im Geschäft, sondern überhaupt. Für eine Weile war das wie ein rechtsfreier Raum hier, da konnte man alles tun. Überall war Fete angesagt.

    taz: Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Tour nach Ostberlin?

    Kögler: Nein. Viele Ostberliner waren aber froh, dass sie jetzt woanders bestellen konnten. Einige Kohlenhändler im Osten waren ja wie der liebe Gott, der über das begehrte Gut entscheidet. Die haben ihre Kunden richtig schlecht behandelt. Tja, und das hat sich dann gerächt. Das hat mir mein Vater schon beigebracht: Behandele die Leute anständig, sonst bleiben sie weg. Deswegen habe ich 2022, als die große Energiekrise war, auch niemanden extra bedient. Da haben alle Kunden das Gleiche gekriegt.

    taz: Bleiben wir noch etwas in der Wendezeit. Neben vielen neuen Kunden brachte der Mauerfall ja auch Konkurrenten, oder?

    Kögler: Ja, aber die hatten kein Personal mehr. So ein DDR-Kohlenarbeiter hat 33 Ost-Pfennig gekriegt für den Zentner, mit in den Kriechkeller krabbeln und in die Kästen stecken und so. Eine Straße weiter hat der Kohlenarbeiter aber eine Mark West gekriegt und musste dafür nur Kohlen reinbringen. Zack, da waren die Arbeiter weg.

    taz: Wie lang hat der Boom im Kohlengeschäft gedauert?

    Kögler: Kurz. Innerhalb von vier bis fünf Jahren haben die im Osten alle Öfen rausgekloppt. Das ging viel schneller als in Westberlin.

    Mein Opa hat schon immer gesagt: Mit der Kohle ist es bald vorbei. Das war in den Sieb­ziger­jahren. Jetzt ist 2025, und ich und mein Onkel sind immer noch da!

    taz: Der Gedanke, dass es mit dem Geschäft bald Schluss sein könnte, hat Sie also immer begleitet.

    Kögler: Mein Opa hat schon immer gesagt: Mit der Kohle ist es bald vorbei. Das war in den Siebzigerjahren. Jetzt ist 2025, und ich und mein Onkel sind immer noch da! Und die Alten gucken uns von oben zu. (lacht) – Nee, ich halte es wie meine Eltern: Alles ohne Angst, nichts ohne Sorgen. Zur Not geh ich wieder Lkw fahren.

    taz: Der politische Wandel bedroht Ihr Geschäft ja nicht nur, er feuert es auch manchmal an.

    Kögler: Ja. Als der Krieg in der Ukraine losging, haben die Leute hier bis zur Ecke gestanden. Jeder, der noch einen Ofen hatte, wollte Kohlen im Keller haben. Für den Fall, dass die Russen das Gas abdrehen.

    taz: Bei einer so hohen Nachfrage kann man den Preis kräftig erhöhen …

    Kögler: Das mache ich grundsätzlich nicht. Die Kohle ist ja schon so viel teurer geworden, das ist ja an den Gaspreis gekoppelt. Wenn ich heute zu den Leuten komme, dann sind die Fenster vor Kälte beschlagen, die heizen oft nur noch ein Zimmer. Früher in den Siebzigern, da haben mir die Leute im Unterhemd aufgemacht.

    taz: Ihre Preispolitik geht also auch auf den Anstandsappell Ihres Vaters zurück. Was haben die Eltern Ihnen sonst noch mitgegeben?

    Kögler: Zum Beispiel, dass, wenn jemand eine andere Meinung hat, du den zwar doof finden kannst, dem wird aber nichts getan. Leben und leben lassen, so haben sie mich erzogen. Und so lebe ich bis heute. Und deswegen verstehe ich auch nicht, dass die da alle aneinander geraten und rumwüten.

    taz: Sie spielen auf die oft angeheizte Stimmung in den gesellschaftlichen Debatten an. Bekommen Sie die in Ihrem Alltag zu spüren? Gibt es etwa Leute, die Sie dafür anpöbeln, dass Sie trotz des Klimawandels noch Kohle verkaufen?

    Kögler: Nein, so was hört man eher hinten rum.

    taz: Auf meine Anfrage hin haben Sie aber gezögert, ob Sie bei diesem Interview mitmachen wollen.

    Kögler: Ja. Ich will nicht, dass einer auf die Idee kommt, meinen Laden oder den Lkw anzuzünden. So was ist einem Bekannten passiert. Dem haben sie zwei Betonmischer angezündet.

    taz: Es sind nicht nur Aktivisten, die meinen, dass mit der Kohle endlich Schluss sein muss. Auch Politik und Wissenschaft fordern das. Können Sie das verstehen?

    Kögler: Ich bin kein Freund davon, alles radikal zu machen. So wie früher, radikal die Straßenbahn weg. Oder die Güterzüge. Ich hab die Kohle immer mit der Eisenbahn bekommen, dann haben sie die Schienen rausgeholt. Jetzt kriege ich sie mit Lkws. Das ist doch auch nicht umweltfreundlich. Und dann heißt es, Gas ist besser als Kohle, und sie bauen so was wie diesen LNG-Terminal. Die ganze Erde bebt, die Robben sind alle weg, alles versaut. Das ist doch Mist.

    taz: Als „letzter Mohikaner“ im Kohlengeschäft haben Sie sich inzwischen einen richtigen Namen gemacht.

    Kögler: Ja, über mich wurde schon so einiges geschrieben. Am Schlimmsten war ein Artikel, in dem behauptet wurde, dass Schluss ist mit der Kohle. Das hat mich fast Kunden gekostet, weil die alle dachten, dass ich aufhöre.

    taz: Wird hier der Ofen im Kohlenhandel denn nicht bald aus sein?

    Kögler: Das Geschäft wird immer weniger, aber noch läuft es. Und ich bleibe bis zum Schluss.

    #Berlin #Kreuzberg #Körtestraße #Energie #Arbeit #Kohle

  • „Dieses Auto gehörte zum Kiez wie ein Baum“: Professor muss Protest-Oldtimer in Kreuzberg nach acht Jahren umparken
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/friedrichshain-kreuzberg/dieses-auto-gehorte-zum-kiez-wie-ein-baum-professor-muss-protest-oldtim

    Ein Monument gegen den Fortschrittswahn, egal ob grün oder schwarz oder rot, könnte man denken. Es ist aber nicht so. Diese Auto ist Wissenschaft.

    3.10.2025 von Robert Klages - Seit 50 Jahren ist er im Kiez, seit acht Jahren steht er auf demselben Parkplatz: Ein Kult-Opel ist zum Protestmobil gegen grüne Verkehrspolitik geworden. Er findet sich sogar in einer Stasi-Akte.

    „Dann wollen wir mal schauen, ob er noch anspringt“, lacht Hanns-Lüdecke Rodewald. Der ehemalige Professor für Fahrzeugtechnik muss seinen Wagen nach rund acht Jahren umparken. Seit 2017 steht er vor dem Café „Zazza“ in der Schönleinstraße, Berlin-Kreuzberg.

    Doch die Straße soll zur autofreien Zone und mit Pollern abgesperrt werden. Daher muss Rodewald seinen 1956er Opel Olympia entfernen, bevor es das Ordnungsamt tut.

    Der Wagen ist sein wissenschaftliches Langzeitprojekt. Der Professor untersucht, wie lange man ein Auto fahrtüchtig halten kann, wenn man nur die notwendigsten Reparaturen unternimmt. 1977 wurde es zuletzt gewaschen. „Aber Waschen war in Kreuzberg schon immer uncool“, ruft Rodewald aus dem Auto, steckt jetzt den Schlüssel ins Zündschloss.

    Dass immer mehr Parkplätze im Kiez wegfallen, findet Rodewald gar nicht gut. Seit über 50 Jahren parkt er im Kiez. Auf dem Stellplatz vor dem Café ist das Mobil kult geworden.

    So sah der Open kurz nach dem Kauf im Jahre 1976 aus. ©umparken

    Rodewald dreht den Schlüssel herum, der Motor stottert. Was sagen Anwohnende, der Besitzer des Cafés sowie der von den Grünen regierte Bezirk zu seinem Projekt? Das Auto jedenfalls soll den Kiez nicht verlassen und wieder dort stehen, wo es zum Fall der Berliner Mauer geparkt hat. Ob dieser Stellplatz noch frei ist?

    Stress mit den Behörden gab es oft. Doch der Opel ist fahrtüchtig und hat TÜV. Nur das zählt. Der Wagen darf auf dem kostenlosen öffentlichen Parkplatz stehen, solange er möchte und eine Plakette hat. Viele Passant:innen denken, das Auto gehöre zum Café direkt dahinter. Tourist:innen machen Fotos. In der Nachbarschaft ist bekannt, wem das Auto gehört.

    _Anwohnerin Helga Hartmann fordert, dass der Wagen bleiben kann. © Robert Klages

    „Der Wagen muss bleiben“, fordert Helga Hartmann. Die Anwohnerin kommt mit dem E-Rollstuhl vorbei. Sie habe schon einen Antrag beim Abgeordnetenhaus gestellt. Auch Selcuk Demir will den Wagen am liebsten an Ort und Stelle behalten. Seine Kund:innen würden das interessant finden, erzählt der Café-Inhaber und bringt Rodewald einen schwarzen Tee. Wie immer in den letzten Jahren mit Hafermilch und exakt 3,22 Minuten Ziehzeit.

    „Das Auto ist hier eingewurzelt wie ein Baum, ist eins mit dem Café geworden.“ Demir sei traurig und die Umbaumaßnahmen findet er sinnlos. Es habe immer gut geklappt hier im Kiez, man brauche keine Fahrradstraße.

    Selcuk Demir, Inhaber vom Café „Zaza“. © Robert Klages

    50 Meter der Straße sollen für den Durchgangsverkehr durch Poller mit Schranken abgesperrt werden. Parkplätze fallen weg, dafür kommen grüne Wiesen, eine Station für E-Gefährte und Fahrradbügel. „Wir verbessern die Verkehrssicherheit und das Radnetz“, verteidigt Verkehrsstadträtin Annika Gerold (Grüne) die Maßnahmen. „Es gibt mehr Lebensqualität für die Anwohnenden.“

    Ein Blick ins Innere des Autos.© Robert Klages

    Rodewald dreht den Schlüssel nochmal herum. Diesmal springt der Wagen an. „Ich habe nicht dran gezweifelt“, freut er sich. Ungefähr zweimal im Jahr hatte er sein Auto bewegt: zum TÜV und zu Oldtimer-Treffen. Wenn er wegfuhr, hielt seine Frau mit ihrem Auto den Parkplatz vor dem Café besetzt.

    Blick auf den Oldtimer vom Café „Zaza“ aus. © Robert Klages

    Nur noch 30 Exemplare dieser Sorte gibt es. 1977 wollte Rodewald seinen Liebling mal verkaufen, doch dem potenziellen Abnehmer waren die 500 Mark zu viel. In den 90er Jahren stufte ihn die Polizei als „Vollwrack“ ein, aber Rodewald konnte TÜV und Fahrbarkeit nachweisen. Ein Gesetz, das Auto zu putzen, gibt es nicht.

    Rodewalds Opel 1977 vor der Berliner Mauer am Potsdamer Platz. © privat

    Später wurde der Kiez zur Umweltzone. Eine Zeit lang fuhr Rodewald seinen Opel auf dem Anhänger weg und wieder her. Eine Umweltplakette hat er bis heute nicht, auch kein Oldtimer-Kennzeichen. Aber eine Sondergenehmigung vom Amt, da er sein Gefährt als Objekt für seine Studien und für die Universität benötige. Rodewald hat das Amt überzeugen können, das ist schon einige Jahre her, die Genehmigung gilt für zwei Jahre, wurde immer wieder verlängert und ist hinter der Windschutzscheibe platziert.

    Abfahrt für Rodewalds Opel. © Robert Klages

    Rodewald selbst hat Bachelorarbeiten zu seinem Wagen an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin betreut. 2012 fuhr mal ein Leihwagen in den parkenden Opel hinein. Der Unfallverursacher war der Meinung, es habe „keine Schadensvergrößerung“ gegeben, doch ein Gutachter schätzte den Wert auf 19.000 Euro, der dann bezahlt werden musste.

    Auch in Rodewalds Stasiakte hat der Opel einen Eintrag, als ein „Wagen mit geringem Zeitwert“. Rodewald lebte in West-Berlin, ein Freund von ihm wurde beschattet.

    Rodewald dreht eine Runde, wendet den Opel neben den laufenden Bauarbeiten für die neuen Grünflächen. Das Auto seiner Frau hält ihm einen Stellplatz frei im Kiez. Genau dort, wo er 1989 bei der Eröffnung der Mauer gestanden hat. Doch dann entdeckt Rodewald einen besseren Stellplatz, direkt gegenüber vom Café Zaza. Als ein Auto ausparkt, fährt er in die Lücke. Womöglich muss er auch dort bald den Platz räumen, der Bezirk will den Kiez weiter umgestalten.

    Nun parkt der Wagen direkt gegenüber vom Café Zaza

    „Verkehrsberuhigte Zonen finde ich öde“, sagt Rodewald aus dem Auto heraus. „Ich finde Kieze mit Autos lebendiger und spannender.“ Als er weg ist, kommt ein Arbeiter und sperrt den Parkplatz ab.

    #Berlin #Kreuzberg #Schönleimstraße #Verkehr

  • Bezirksamt Kreuzberg zahlt Wasserrechnung für hunderte Mieter – und warnt vor Strategie
    https://www.berliner-zeitung.de/news/bezirksamt-kreuzberg-zahlt-wasserrechnung-fuer-hunderte-mieter-und-

    Les locataires d’une ancienne HLM proche de la Potsdamer Platz risquent la coupure d’eau parce que le propriétire de l’immeuble ne verse pas l’acompte mensuel à la société d’eau municipale . Ce manquement fait partie de sa stratégie pour vider l’immeuble de ses locataires. Désormais la mairie de l’arrondissement versera l’acompte mensuel et essaiera de récupérer la somme auprès du propriétaire.

    https://geohack.toolforge.org/geohack.php?pagename=Liste_der_Stra%C3%9Fen_und_Pl%C3%A4tze_in_Be

    Gebäudekomplex Terrassenhaus am Hafenplatz
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Geb%C3%A4udekomplex_Terrassenhaus_am_Hafenplatz

    29.9.2025 von khe - Hunderten Mietern in Kreuzberg droht eine Sperrung der Wasserlieferung – trotz Abschlagszahlungen. Der Eigentümer soll die Wasserrechnungen monatelang nicht beglichen haben.

    Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hat angekündigt, die Wasserrechnung für hunderte Mieterinnen und Mieter zu begleichen. Das Bezirksamt sei von den Berliner Wasserbetrieben (BWB) informiert worden, dass dem gesamten Gebäudekomplex der Eigentümergesellschaften am Hafenplatzkomplex die Sperrung der Wasserlieferung droht. Grund dafür sei eine ausstehende Rechnung im oberen sechsstelligen Bereich.

    „Obwohl die Eigentümergesellschaften regelmäßige Wasserabschlagszahlungen von den Mietenden über die Mietnebenkosten erhalten, verwenden sie diese augenscheinlich seit vielen Monaten nicht mehr, um die Kosten für die Wasserversorgung zu begleichen“, teilte das Bezirksamt mit. „Möglicherweise handelt es sich um eine Entmietungsstrategie.“

    Bezirk übernimmt Abschläge ab November

    Neben hunderten privaten Mieterinnen und Mietern befindet sich dort auch eine große Geflüchtetenunterkunft mit etwa 600 Bewohnerinnen und Bewohnern. Würde das Wasser abgestellt, müssten sie dem Bezirksamt zufolge alle in Notunterkünfte gebracht werden. Damit es dazu nicht kommt, habe der Bezirk den Wasserbetrieben angeboten, die Zahlungen ab November zu übernehmen.

    „Das Bezirksamt sieht mit Empörung und Erschrecken auf diese Geschäftspraxis der Eigentümergesellschaften“, sagte Florian Schmidt (Grüne), Bezirksstadtrat für Bauen und Stadtentwicklung, laut der Mitteilung. „Dieser konkrete Fall ist in seiner enormen Dimension zwar einzigartig, aber es gibt weitere Immobilien mit Eigentümer*innen, deren Vorgehen nur durch sehr personalintensive Verfahren begegnet werden kann.“

    Das Bezirksamt werde nun prüfen, wie die Mieterinnen und Mieter die Abschlagszahlungen künftig direkt an die Wasserbetriebe leisten können statt an die Eigentümergesellschaft. „Es darf dabei nicht zu Kündigungen wegen Mietrückständen kommen, die Teil der Strategie sein könnten, welche hinter dem Ausbleiben der Zahlungen an die Wasserbetriebe stehen könnte“, teilte das Bezirksamt mit. „Durch die Kürzungen des Senats und die dem Stadtentwicklungsamt zur Verfügung stehenden Personalkapazitäten kann solchen Machenschaften nur schwer Einhalt geboten werden“, sagte Bezirksstadtrat Schmidt.

    #Berlin #Kreuzberg #Hafenplatz #logement #immobilier #spéculation #capitalisme #urbanisme

  • Straßenumbenennung in Kreuzberg: Fräulein Rabbiner Jonas
    https://taz.de/Strassenumbenennung-in-Kreuzberg/!6110306

    Openstreetmap 2025

    Fillkommen im Lande der Vielosemiten möchte man jubeln, wenn sich wieder eine altehrwürdige Berliner Straße politisch korrekt umbenennt. So sind sie diese Straßen. Hitlerfreunds Massenmörder-Hindenburgdamm bleibt, Kohlfurt muss wech. War wohl zu deutsch, um sich bei diesem Bezirksamt wohlzufühlen, und hat in seiner Verzweiflung eine Lorenzsche Übersprunghandlung begangen.

    Jedenfalls sind zeitgeistige Straßenumbenennungen immer eine beliebte aber nie eine gute Idee. Kreuzberg verliert ein Stückchen Kreuzbergtypisches (Schlesisches Tor, schon mal gehört ?) und wird ein bischen beliebiger. Was hatte das Frollein Jonas mit dem Kotti zu tun, bitte sehr?

    Regina Jonas im Ornat der Rabbinerin   Foto: Centrum Judaicum

    Im Ernst, wäre ich Diagnostiker würde ich die Aktion als Tic der BVV Friedrichshain-Kreuzberg (welche Parteien haben da nochmal das Sagen ?) beschreiben, ein politisches Tourette-Syndrom das unheilbar und nicht ansteckend nur durch Abwahl der Befallenen der restlichen Menschheit als Freakshow erspart werden kann. Aber die BVV spiegelt ja auch nur den Zustand ihrer Wähler mit und ohne Gender-Dysphorie wieder. So ist das in der Demokratie.

    Ältere Zeiten waren auch gut zeitgeistig, wie die Straßennamengeschichte zeigt. Kohlfurt war zuvor Britz und nebenan Ohlau war vorher Grünau. Am 31.8.1949, drei Monate nach Besiegelung der deutschen Teilung durch die Gründung der Bundesrepublik Deutschland, mitten in der Berlin-Blockade, wurden aus Berliner Ortsteilen verlorene Ostgebietsstädte. Revanchismus war Zeitgeist und Bolleberlin hoffte inniglich, den verlustigen Kram wiederzuholen, wenn erst einmal der Russe besiegt wäre. Jetzt musste halt der Ami ran. Hat beim ersten Mal nich jeklappt, aber kannja noch wern, sagte sich der als Mitläufer Entnazifizierte.

    Das ist alles nicht richtig schlimm, es ist nur dumm, was bekanntlich den Dummen nicht wehtut, sonst würden sie die ganze Zeit schreien.

    So it goes .

    Geschichte — Kohlfurter Straße
    https://m.kauperts.de/Strassen/Kohlfurter-Strasse-10999-Berlin

    Alter Bezirk Kreuzberg
    Alte Namen Britzer Straße (1862-1949)
    Name seit 31.8.1949
    Info

    Kohlfurt, Landgemeinde in der früheren Provinz Niederschlesien, Regierungsbezirk Liegnitz, Kreis Görlitz; heute Wegliniec, Woiwodschaft Dolnoslaskie (Niederschlesien, Hauptstadt Wroclaw), Kreis Zgorzelec, Polen.

    Kohlfurt, Landgemeinde in der früheren Provinz Niederschlesien, Regierungsbezirk Liegnitz, Kreis Görlitz; heute Wegliniec, Woiwodschaft Dolnoslaskie (Niederschlesien, Hauptstadt Wroclaw), Kreis Zgorzelec, Polen, an der Kleinen Tschirna. Seit 1945 gehört Wegliniec zu Polen. Die Gemeinde hat eine Oberförsterei, eine Eisenbahnwerkstatt und Braunkohlenindustrie. In der Gemeinde liegt das gleichnamige Dorf mit einer Glashütte.

    Es folgt der TAZ Bericht

    17.9.2025 von Klaus Hillenbrand - Eine Straße soll den Namen der in Auschwitz ermordeten Regina Jonas bekommen. Die erste Rabbinerin der Welt wurde 1903 im Scheunenviertel geboren.

    Berlin taz | Lustig“ und „patent“ sei sie gewesen, dazu habe sie gerne gelacht und sich im Unterricht gar nicht streng verhalten, erinnerten sich ehemalige Schülerinnen. Als eine „unvergessbar schöne Person“ mit einer „tiefen, angenehmen Stimme“, die ganz in ihrem Beruf aufgegangen sei, behielt eine der Unterrichteten Regina Jonas in Erinnerung. Andere meinten, Jonas sei eine „exzentrische“ Person gewesen, die ihre Garderobe vernachlässigt, ja geradezu unelegant gewirkt habe. Wieder andere hatten sie als vergeistigte, in Gedanken versunkene Frau in Erinnerung. Und, unerhört, sie habe während des Unterrichts gar ihre Pausenbrote verputzt.

    Auch wenn die Bruchstücke über ihr Leben vor 90 Jahren ein widersprüchliches Bild abgeben, eines steht fest: Regina Jonas war keine angepasste Frau. Sie kämpfte in den 1930er Jahren für die Gleichberechtigung von Frau und Mann, auch im Judentum. Diese Frau hatte ihren eigenen Kopf, und den setzte sie auch gegen starke Widerstände durch. Nur so konnte Regina Jonas gelingen, das zu werden, was vor ihr weltweit noch nie eine Frau erreicht hatte: eine Rabbinerin, allenthalben unter den Jüdinnen und Juden in Berlin „Fräulein Rabbiner Jonas“ tituliert.

    Wer künftig in Kreuzberg von der Kottbusser Brücke in Richtung Wassertorplatz läuft, radelt oder mit dem Auto fährt, wird hoffentlich schon bald das Vergnügen haben, dabei die Regina-Jonas-Straße zu benutzen, die aktuell noch Kohlfurter Straße heißt. Ursprünglich sollte in dieser Woche die Umbenennung in Kraft treten. Doch das Bezirksamt hat mehrere Widersprüche gegen die Umbenennung erhalten. Die Angelegenheit verzögert sich also. Der Name Kohlfurt erinnert an eine Kleinstadt in Schlesien, die seit rund 80 Jahren den Namen Węgliniec trägt und in Polen liegt. Der Name ist also veraltet. Gar nicht veraltet ist Regina Jonas, der heute schon mit einer Gedenktafel an der Krausnickstraße 6 gedacht wird. Wer war diese Frau?

    Geboren wurde Jonas zwar nicht in Kreuzberg, aber auch nicht allzu weit entfernt, nämlich in Mitte, genauer: am Rand des Scheunenviertels. Das war vor 120 Jahren, ähnlich wie heute Kreuzberg, eine Gegend, in der sich bevorzugt Einwanderer niederließen. Nur waren es keine Türken oder Menschen aus arabischen Ländern, sondern Juden, die vor bitterer Armut und blutigen Pogromen aus Russland geflohen waren. Das vernachlässigte Scheunenviertel war oft ihre erste Adresse im deutschen Kaiserreich. Hier erblickte Regina am 3. August 1903 in der heutigen Torstraße 102 das Licht der Welt.

    Ein Mädchen als Rabbiner?

    Sie wuchs in einem wenig begüterten, aber streng jüdisch-orthodoxem Heim auf, wo die Speisen koscher waren, die Feiertage eingehalten wurden, Mutter Sara die Schabbatkerzen anzündete und der Vater Wolf das Morgengebet sprach. Sei es, dass der Vater sie früh in jüdischen Dingen unterrichtete, sei es, dass sie von anderer Stelle die Religion in sich einsog: Regina fiel früh für ihre Begeisterung für das Jüdische auf. Schon als Mädchen sprach sie davon, später einmal Rabbinerin werden zu wollen.

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    Der Berufsstand befand sich seit Jahrhunderten fest in männlicher Hand

    Nun bedeutet das Wort „Rabbiner“ nicht mehr als „Lehrer“, einer der die jüdischen Regeln und Gesetze weiter trägt. Der Berufsstand befand sich allerdings seit Jahrhunderten fest in männlicher Hand. Noch nie hatte eine Frau vor einer jüdischen Gemeinde predigen dürfen, weder in Deutschland noch anderswo auf der Welt. Für Regina Jonas war das kein Grund, ihren Berufswunsch zu ändern.

    Im 19. Jahrhundert war jungen Frauen der Besuch eines Gymnasiums oder gar ein Studium in Preußen unmöglich gewesen. Das sah in der Weimarer Republik schon anders aus. Regina Jonas machte 1923 Abitur und belegte anschließend eine Pädagogikklasse, deren Abschluss es ihr erlaubte, an Mädchen-Gymnasien – Lyzeen genannt – zu unterrichten. Das war für sie aber nur die Eintrittskarte zum Studium an der berühmten Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. Sie war dort eine von 27 Studentinnen gegenüber 155 männlichen Kommilitonen.

    Ihre Abschlussarbeit aus dem Jahr 1930 trug den Titel „Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden?“ Selbstverständlich beantwortete Jonas diese Frage mit einem klaren Ja – sie war der Überzeugung, dass die jüdischen Religionsgesetze die Gleichberechtigung implizieren, auch bei den religiösen Lehrern. Jonas erhielt ein gutes Zeugnis, aber keine Ordination als Rabbinerin. Ihr neuer Hochschullehrer – der alte war verstorben – hielt gar nichts von der Idee, dass es Rabinerinnen geben könnte.
    Lehren, nicht predigen

    So kam es, dass Regina Jonas fortan an jüdischen Religionsschulen in Berlin unterrichtete, aber keine Predigt in einer Synagoge halten konnte. Die Religionsschulen waren freiwillige Einrichtungen für jüdische Kinder, deren Eltern Wert auf einen vertiefenden Religionsunterricht legten. Aus dieser Zeit stammen auch die eingangs erwähnten Zitate ihrer Schülerinnen. Von 1933 an, als die Nazis die Macht in Deutschland erobert hatten, strömten immer mehr jüdische Kinder in die Religionsschulen, die sich zu einem Ort der Vorbereitung auf eine spätere Emigration entwickelten.

    Aufgegeben hatte Jonas ihren Berufswunsch nicht, nur aufgeschoben. Im Jahr 1935 erklärte sich der liberale Rabbinerverband endlich zur Ordination von Jonas bereit. „Gott möge sie stützen und ihr beistehen und mit ihr sein auf allen ihren Wegen“, heißt es in ihren Rabbinatsdiplom.

    Viele liberal eingestellten Rabbiner gratulierten, darunter auch Leo Baeck. Doch es gab auch Widerstand. Vor allem aber erhielt die erste Rabbinerin der Welt keine Anstellung als solche und musste sich mit Vorträgen begnügen. Erst zwei Jahre später bekam sie von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin den Auftrag zur seelsorgerischen Betreuung in Sozialstationen, also etwa dem Jüdischen Krankenhaus. Bald predigte sie immer häufiger auch in einer der Synagogen. Darunter befand sich wohl auch die Synagoge am heutigen Fraenkelufer, nur wenige Schritte von der Straße entfernt, die den Namen von Regina Jonas tragen soll.

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    Jonas predigte wohl auch in der Synagoge am Fraenkelufer

    Mehr und mehr Jüdinnen und Juden flüchteten vor dem wachsenden Antisemitismus der Nazis in die Emigration. Nach der Pogromnacht im November 1938 versuchten Zehntausende Deutschland zu verlassen. Doch kaum ein Staat war zur Aufnahme bereit. Regina Jonas schrieb im Dezember 1938 an den kurz zuvor nach Jerusalem emigrierten Religionsphilosophen Martin Buber, auch sie wolle nach Palästina gehen und dort als Rabbinerin arbeiten. Doch einstweilen blieb Jonas in Deutschland und predigte bald im ganzen Land in Gemeinden, die keinen Rabbiner mehr besaßen.

    „Selbstlose hingebungsvolle Liebe“

    Im Herbst 1941 begannen die Deportationen in den Osten. Regina Jonas musste als Zwangsarbeiterin in einer Kartonagefabrik arbeiten, half aber weiter bei den Andachten der Gemeinde und sprach den Verfolgten Mut zu. Ihr älterer Bruder Abraham wurde am 1. Oktober 1941 in das Ghetto Lodz deportiert. Er starb im Folgejahr im Vernichtungslager Chelmno. Sie selbst musste zusammen mit ihrer Mutter Sara am 5. November 1942 einen Zug aus Berlin ins Ghetto Theresienstadt besteigen. Auch dort hielt sie noch Predigten und hielt an ihrer Vorstellung einer Gleichberechtigung von Mann und Frau fest.

    In einem Vortrag, deren Text sich im Archiv der Gedenkstätte Theresienstadt erhalten hat, sagte sie: „Von Gott gesegnet sein heißt, wohin man tritt, in jeder Lebenslage Segen, Güte, Treue spenden. Demut vor Gott, selbstlose hingebungsvolle Liebe zu seinen Geschöpfen erhalten die Welt. Diese Grundpfeiler der Welt zu errichten, war und ist Israels Aufgabe – Mann und Frau, Frau und Mann, haben diese Pflicht in gleicher jüdischer Treue übernommen.“
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    Am 12. Oktober 1944 ist Regina Jonas von Theresienstadt in das Vernichtungslager ­Auschwitz verschleppt worden. Dort wurde sie ermordet. Regina Jonas wurde 41 Jahre alt.

    N.B. Als 1947 der Nazi-Thielsch zum Onkel Fraenkeldoktor wurde, war das völlig in Ordnung. Der T. musste weg. Hätten die Hitleristen mal das Kottbusser Ufer beibehalten, hätte man nicht fraenkeln müssen. So geht das mit den zeitgeistigen Namen.

    Berlingeschichte: Thielschufer
    https://berlingeschichte.de/strassen/bez06h/t159.htm

    Grieben 1939, 1:18.000, in berliner-stadtplansammlung.de

    Name ab: 20.5.1937
    Name bis: 31.7.1947
    Namen (früher/später): Kohlenufer (1849-1894), Luisenufer (1894-1937), Kottbusser Ufer (1894-1937), Fraenkelufer (ab 1947)

    Namenserläuterung
    Thielsch, Hermann, * 30.1.1911, † 9.9.1931, Berlin, Autoschlosser, Anhänger der NS-Bewegung.
    Der SA-Mann ist offensichtlich bei Auseinandersetzungen im Jahr 1931 ums Leben gekommen. 1937 wurden das Luisenufer und das Kottbusser Ufer in Thielschufer umbenannt. Die Umbenennung in Fraenkelufer wurde am 31. Juli 1947 amtlich bestätigt.
    aktueller Name: Fraenkelufer

    Exhibition, Fair and Travellors’ Office of the City of Berlin, 1929, 1:25.000, in landkartenarchiv.de

    Kleiner Spielvorschlag:
    Finde auf der Griebenkarte alle Straßen, die von den Nazis um- und später rück- oder erneut umbenannt worden sind.
    Wie wär’s ?
    Ergebnisse bitte in die Kommentare. Keine Lust? Was solls, kann warten, es gibt noch viel mehr davon.

    #Berlin #Kreuzberg #Kohlfurter_Straße #Regina-Jonas-Straße #Straßenbenennumg #Schlesien #Philosemitismus

  • Hässliche grässliche Heimat: Ankommen an der Admiralbrücke
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/haessliche-graessliche-heimat-ein-sommertag-an-der-admiralbruecke-l

    Es ist noch kein Roth vom Himmel gefallen und dieser Kritzelkünsler ist auch keiner, nicht mal Berliner, sonst wüßte er, dass die Admiralbrücke mitten in Kreuzberg und überhaupt nicht im Grenzbereich mit Neukölln liegt. Kann man mal sehen, wie das Kreizkölln-Feeling die Wahrnehmung prägt, aber nein, Gräfekiez ist Kreuzberg nicht Neukölln.

    Die beiden ehemaligen Arbeiterbezirke treffen eine Brücke weiter aufeinander. Kottbusser Tor, Straße und Brücke Kreizberg, Kotzbusser Damm, Maybachufer, Ankerklause Neukölln. Zickenplatz wieder Kreuzberg. So geht Grenze, merkt nur keiner ohne Mauer.

    Karte zum Thema
    https://www.openstreetmap.org/relation/55765

    „Von Berlinern für Berliner“ ist ein hehrer Anspruch der Berliner Zeitung. Latte etwas hoch angesetzt, klappt so nicht. Trotzdem, wer es zwei Jahre in der Stadt ausgehalten hat, soll.sich ruhig „Berliner“ schimpfen, gekauft. Zum Profiberliner reicht das nicht, fehlt wohl die harte Bullevardschule in der Axel-Springer-Straße. Da lernt Volontärchen knallig lügen, aber gekonnt. BLZ-Schule reicht nur zum Vertun aus Versehen. Schade.

    Die aufgesetzte „Bolleberliner Art“ hört sich schon ganz ähnlich an, einfach noch zwansich Jährchen üben, das schleift sich ab.

    24.8.2024 von Lukas - Im Grenzbereich zwischen Kreuzberg und Neukölln: Seit Jahren strapazieren zahlreiche Feierwütige die Nerven der Anwohner an der Admiralbrücke.

    Ich war gerade für eine Woche in Frankreich: Elsass, Lothringen, Champagne, Paris. Als Deutscher beziehungsweise Berliner fühlte ich mich sehr fremd. Sämtliche Züge fuhren dort pünktlich auf die Minute, die Städte bestanden nicht zur Hälfte aus Baustellen und ich wurde nicht an jeder Straßenecke von einem betrunkenen Borderliner angeschrien. Ein Kulturschock!

    Nach dem Rückflug dauert es zum Glück nicht lange, bis ich mich wieder akklimatisieren kann. Denn bereits auf dem Heimweg vom Flughafen strande ich wegen eines Polizeieinsatzes am Ostkreuz. Als nach geschlagenen fünfundzwanzig Minuten endlich eine Ringbahn kommt, ist sie so überfüllt, dass ich nicht einsteigen kann. Bei solchen Dingen ist auf Berlin Verlass. Allerdings fühle ich mich noch immer entrückt. Sieben Tage unter gutgekleideten, lebensfrohen Menschen schüttelt man nicht einfach so von sich ab. Ich muss noch tiefer hinabtauchen in den Dreck, um mich wieder vollends zuhause fühlen zu können.

    Zu diesem Zweck nutze ich den Freitagabend und fahre mit der U8 zur Schönleinstraße, in den Grenzbereich zwischen Kreuzberg und Neukölln, das Land der Hipster. Sobald ich auf dem Kottbusser Damm unterwegs bin, fühle ich mich wie vor zwanzig Jahren, als ich gerade frisch nach Berlin kam und auch nicht dazugehörte. Am Planufer folge ich zwangsläufig einem Pärchen, das sich beim Gehen aneinanderschmiegt. Sie in Dr. Martens und Oversize-Dress, er mit winziger Turnhose, hochgezogenen Tennissocken und bunter Trainingsjacke – man denkt unwillkürlich an George Michael in den 80ern. Er trinkt Club Mate, sie Sterni. Da weiß ich dann, dass ich wirklich wieder zuhause bin.

    Zigaretten sucht man vergeblich

    An meinem Ziel ist bereits viel los. Die Admiralbrücke ist nicht nur die älteste Eisenbrücke, die sich über den Landwehrkanal spannt, sondern aufgrund ihres breiten, verkehrsberuhigten Mittelstreifens auch ein beliebter Treffpunkt zum abendlichen Abhängen. Bereits jetzt gegen 18 Uhr sitzen dort an die sechzig Menschen auf den breiten Betonpollern und entlang der Geländer. Sie tragen Sonnenbrillen, fast jeder von ihnen saugt an einem elektronischen Rauchgerät. Zigaretten, wie sie von den Barbaren in Wien und Paris geraucht werden, sucht man vergeblich. Die vorherrschenden Getränke sind die bereits genannten, ergänzt durch bauchige Flaschen von Hellem und Radler – was ja ebenso absurde Geschmacksverirrungen sind.

    Ich lehne mich an eine Steinbrüstung und beobachte einen etwas abgerissenen Jungen, der sich schlurfend einer Gruppe von sportlichen Zwanzigjährigen nähert. Auch in ihrer Runde kreisen Sterni-Flaschen. Man fragt sich, warum die sich ausgerechnet für diese öde Punker-Plörre entschieden haben. Vermutlich gilt es als chic, auf diese Art mit dem Pöbel zu kokettieren. Als der Junge nach etwas Kleingeld fragt, schauen sie betreten zu Boden oder schütteln den Kopf.

    Zu meiner Rechten bietet sich ein erfreulicherer Anblick. Dort hantieren zwei Leute mit Hochleistungsmagneten, die sie an lange Seile gebunden haben. Auf die Art fischen sie Metallschrott aus dem Kanal. Auf ihrem Haufen liegen bereits diverse Fahrradteile sowie ein massives Wagengestell. Ich muss mir nicht die Mühe machen, sie zu ihrer originellen Tätigkeit zu befragen, denn sie werden bereits von einem Haufen Ghettokids belagert.

    „Ey, warum machst du das?“

    „Um das Metall auf dem Schrottplatz zu verkaufen.“

    „Bist du arm oder was? Du bist doch Deutscher.“

    „Ich bin nicht arm. Es macht einfach Spaß. Außerdem tun wir damit was für die Umwelt.“

    Die Gören lauschen seinen Worten mit großen Augen, zwei von ihnen helfen bereits dabei, einen schweren Terrassenstuhl aus dem Modder zu ziehen. Auf ihre Frage, ob die beiden schon einmal Gold gefunden hätten, schüttelt einer lächelnd den Kopf. Zu neunzig Prozent besteht seine Beute aus Kronkorken und leeren Lachgaskartuschen. Berliner Gold sozusagen.

    Warum gehen die jungen Berliner nicht einfach in Kneipen?

    Die Abendsonne bricht sich grell auf dem Wasser. Vorm Urban-Klinikum liegen Menschen im Gras. Hier und da zuckelt ein Schlauchboot vorüber. Der Kanal stinkt. Höchste Zeit, selbst mal ein Bier zu trinken. Im nahen Späti kostet ein kleines Pils sage und schreibe drei Euro. Solche Preis kenne ich längst aus Mitte, sie können mich nicht schockieren. Wohl aber stelle ich mir die Frage, warum die jungen Berliner nicht einfach wieder in Kneipen gehen. Dort ist es nicht teurer, und man wird sogar bedient. Oder ist das das Problem? Wollen die nachfolgenden Generationen ihr Bier lieber selber schleppen, um sich nicht so weiß und privilegiert zu fühlen? Jedenfalls soll sich niemand mehr über das Kneipensterben beschweren, der, statt die Gastro zu unterstützen, lieber vorm teuren Späti im Straßenstaub sitzt.

    Immerhin scheint sich auch die ansässige Pizzeria „Il Casolare“ eines rauschenden Umsatzes zu erfreuen. Die Anzahl der Menschen, die mit Pizzakartons zur Brücke schlendern, übersteigt fast die der Terrassengäste. An jedem Pfeiler hängen zwei riesige Plastiksäcke, um die Berge anfallenden Papiermülls zu fassen. Auch hier könnte man boshaft werden. Wen kümmert schon die vielbeschworene Nachhaltigkeit, wenn man statt auf einer gemütlichen Terrasse zwanzig Meter weiter auf dem Pflaster einer befahrenen Brücke sitzen kann?

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    Die Admiralbrücke als „Kult-Ort“ des wilden Berliner Straßenlebens. Benjamin Pritzkuleit/Berliner Zeitung

    Vielleicht liegt es am Mythos. Schließlich wird die Brücke sogar in einigen Reiseführern als Hotspot erwähnt. Als „Kult-Ort“ des wilden Berliner Straßenlebens. Natürlich kommen dadurch Touristen aus aller Herren Länder angeschlappt. Dass so etwas für die ansässige Bevölkerung zur Belastung werden kann, hat sich früh gezeigt. Wegen des ständigen Lärms wurde eine Betroffenen-Initiative gegründet, schon seit 2010 gilt auf der Brücke ab 22 Uhr eine Sperrstunde.

    Ich postiere mich vor einem der Häuser am Fraenkelufer und warte, bis jemand herauskommt. Der Erste, den ich auf diese Art stelle, will jedoch nicht mit der Presse sprechen. Dies teilt er mir in seinem saftigsten Vokabular mit, offenbar freut er sich, so unverhofft mit dem Feind zusammenzutreffen. Dit is Berlin. Als etwas mitteilungsfreudiger erweist sich eine Anwohnerin, die eine Weile später mit dem Fahrrad heranradelt.

    „Seit gut 25 Jahren wohne ich hier“, antwortet sie auf meine Frage. „Und nein, mich stört die Brücke eigentlich nicht. Klar, es kann schon mal laut werden, und wenn du jetzt kleine Kinder hast zum Beispiel, die dann nicht schlafen können, ist das bestimmt nicht so prickelnd. Aber ich wohne ja in der Großstadt, weil ich gern Leben um mich herum habe.“

    Ein Blick entlang der Hausfassaden zeigt, dass offene Fenster oder Balkontüren keine Ausnahme sind. Anscheinend gibt es also einige Leute, die den Geräuschpegel nicht als Belästigung empfinden. Und das, obwohl in eben diesem Moment die erste Singer-Songwriterin ihre Gitarre auspackt. Sie schmettert gefällige Cover-Versionen von „Knockin’ On Heaven’s Door“ und „Where Is My Mind“ in den Äther, während am gegenüberliegenden Geländer zwei Frauen ein pinkfarbenes Transparent gegen Femizid auf dem Boden ausbreiten. Hin und wieder rollen schwarze Benz-Limousinen mit getönten Scheiben durch dieses Ensemble. Die Herumsitzenden machen ihnen schwerfällig Platz.
    Man braucht das Böse, um das Gute zu schätzen

    Ich merke, wie mich dieser Ort wieder erdet. Wer braucht schon Paris, wenn er hier sämtliche Abstufungen des menschlichen Daseins beobachten kann? Verwöhnte Twens, die mit Kopfhörern vor einer Straßenmusikerin sitzen, ohne mit der Wimper zu zucken. Ein alter Mann, der mit seinem Gehstock in einer Mülltonne nach Flaschenpfand stochert. Ein anderer Mann, der die Sache etwas effizienter angeht, und gleich einen Einkaufswagen als Ablage für die Sterni-Flaschen auf der Brücke postiert hat. Im Abseits lümmelt ein ergrauter Hippie mit seiner Gitarre. Er wirkt wie ein alter Hase im Showgeschäft, als wäre das hier sein Stammplatz zum Spielen. Lächelnd lauscht er seiner Kollegin und nickt mit dem Kopf zum Takt. Musiker sind nun mal von allen Künstlern die am wenigsten missgünstigen.

    Ich bin froh, dass ich hergekommen bin. Denn am Ende ist es immer beruhigend, das zu bekommen, was man erwartet. Ob man nun im Tropical Islands sitzt oder hier: Alle sind tätowiert, Unterschiede gibt es höchstens bei der Wahl der Motive. Während dort noch Arschgeweih und die Köpfe von Wölfen und Adlern aufleuchten, zählt man hier auf geometrische Ornamentik und Kinderzeichnungen. Trotz einer Auswahl der besten Getränke der Welt schlürft das Volk voller Selbsthass seine pseudoproletarischen Signature Drinks.

    Und wie es das Böse braucht, um das Gute zu schätzen, bin ich dankbar für meine hässliche, grässliche Heimat. Denn nur durch sie finde ich zu mir selbst und kann die Schönheit der übrigen Welt erkennen.

    #Berlin #Kreuzberg #Admiralstraße #Fraenkelufer #Planufer #Grimmstraße #Böckhstraße #Admiralbrücke #Gräfekiez #Tourismus

  • Görlitzer Park in Kreuzberg: Polizei muss AfD-Politiker vor aggressiven Pöblern schützen
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/was-geschieht-wenn-zwei-afd-abgeordnete-einen-ausflug-in-den-goerli

    Wir fahrn alle, wir retten jeden, sogar AfD Abgeordnete.

    1.7.2025 von Andreas Kopietz - AfD-Politiker wollten sich im Görlitzer Park einen Eindruck der Lage vor Ort verschaffen. Hunderte Gegendemonstranten wollten das verhindern, Polizisten mussten eingreifen.

    Was passiert, wenn zwei AfD-Abgeordnete einen Spaziergang im Görlitzer Park unternehmen, das konnten interessierte Bürger in Berlin am Dienstag sehen. Die Pressestelle der AfD-Fraktion im Abgeordnetenhaus hatte an die Medien eine Einladung verschickt: „Die stellvertretenden Vorsitzenden und fachpolitischen Sprecher der AfD-Hauptstadtfraktion für Inneres sowie für Umwelt, Thorsten Weiß und Alexander Bertram, werden am kommenden Dienstag gemeinsam eine Begehung des Görlitzer Parks unternehmen.“ Weiter heißt es: „Dabei wollen sie sich aus erster Hand ein Bild sowohl von der Kriminalitätslage als auch vom Zustand der Natur und der Sauberkeit des Parks machen.“

    Stattdessen bekamen sie ein Bild von der politischen Lage in Kreuzberg. Denn wenige Stunden, nachdem die AfD die Einladung verschickt hatte, stand der Termin schon auf der linksextremen Seite Indymedia: Dienstag, 1. Juli 2025, 10 Uhr, Parkeingang Skalitzer Straße. Dabei hieß es doch in der Presseeinladung: „Aus Sicherheitsgründen bitten wir Sie, den Termin dieser Begehung nicht vorab zu kommunizieren.“ Jemand hat aber. Hat das die AfD bewusst einkalkuliert, um Aufmerksamkeit zu erzielen?

    Und so haben sich an diesem Arbeitstag schon vor 10 Uhr mehrere Hundert Menschen am Parkeingang eingefunden, darunter Politikerinnen der Grünen und der Linkspartei. „Alle gegen Nazis und alle gegen den Zaun!“, wird gesungen. Denn man ist auch dagegen, dass der Senat den 14 Hektar großen Park umzäunt, um ihn nachts abzuschließen. Das Absperren des Parks soll gegen den Drogenhandel helfen und gegen die damit einhergehende überbordende Kriminalität.

    Rufe der Demonstranten: „Ganz Berlin hasst die AfD“

    Und weil der Görlitzer Park seit Jahren als Drogenumschlagplatz in den Schlagzeilen ist und für viele sinnbildlich für die Verwahrlosung oder gar den Niedergang Berlins steht, hat auch die AfD dieses Thema entdeckt. Auch die ist Gegner des Zauns und fordert stattdessen hartes Durchgreifen und Zäune an den Grenzens statt um Parks. Bei diesem Rundgang wollen die Abgeordneten Weiß und Bertram das Positionspapier der AfD-Hauptstadtfraktion mit dem Titel „Görlitzer Park – Schandfleck eines kapitulierenden Staates“ vorstellen.

    Der Redner bei der Anti-Demo bezeichnet Weiß als „Stadthalter Höckes“, der den rechtsradikalen „Flügel“ der Partei mit aufgebaut habe. Die Demonstranten halten Transparente hoch: „Nazis aus dem Kiez jagen“.

    Dann warnt die Rednerin auch vor einem „Nazi-YouTuber“ namens Weichreite, der ebenfalls vor Ort sei und mit dem man auf keinen Fall reden dürfe: „Der steht da hinten, hat ’nen Käppi auf und längere Haare!“ Der Youtuber „Weichreite“, offensichtlich ziemlich schmerzfrei, hält für seine 193.000 Abonnenten einfach mit seinem iPhone drauf.

    In der Zwischenzeit betreten Weiß und Bertram den Park durch einen anderen Eingang an der Görlitzer, Ecke Lübbener Straße. Die Polizei hat ihnen dazu geraten. Doch das nützt nicht viel. Sofort läuft auch dort eine Menge zusammen und ruft „Nazis raus!“ Ein rohes Ei klatscht vor den Füßen von Thorsten Weiß auf, eine Plasteflasche fliegt. Jemand versucht mit seinem E-Bike, den Weg zu blockieren und wird unsanft von Polizisten zur Seite geschoben.

    Die Ordnungshüter setzen nun ihre Helme auf. „Ganz Berlin hasst die AfD!“, schallt der Sprechchor. Das ist durchaus eine kühne Behauptung: Bei der Bundestagswahl holte die Partei in Berlin 15,2 Prozent der Stimmen und in dem Kreuzberger Wahlbezirk, wo der Görlitzer Park liegt, sind es auch 3,8 Prozent.

    Polizisten haben Protestler unterschätzt

    Was sich hier entwickelt, ist ein Spießrutenlauf, den die beiden Abgeordneten mit versteinerter Miene absolvieren, während die behelmten Polizisten ihnen den Weg freischubsen. Ein Mann bespuckt die beiden Politiker. Er wird festgenommen. Die Polizisten sind nervös: Sie hatten das Protestpotenzial wohl unterschätzt.

    Und irgendwie erinnert das Geschehen an die „Begehung“, die Berlins Regierender CDU-Bürgermeister Kai Wegner im vergangenen Jahr durchführte, gewissermaßen als moralische Vorbereitung für das Zaunprojekt. Im Januar hatte ihn dort ebenfalls ein Pulk bedrängt, und die Polizisten mussten den Weg freischubsen. Auch damals hieß es: „Ganz Berlin hasst die CDU“. Und es hieß: „Nazis raus!“. Alles Nazis eben.

    Der Rundgang der beiden AfD-Herren endet bereits nach zwölf Minuten am benachbarten Parkausgang. Die beiden schlüpfen an den Polizisten vorbei, die dermaßen angespannt sind, dass sie vergessen haben, wie der bundeseinheitliche Presseausweis aussieht: „Ja, was soll mir das jetzt sagen?“, motzt Dienstnummer 037(..) einen Journalisten an.

    Vorn am Haupteingang freut sich der Redner: „Herzlichen Glückwunsch an Kreuzberg! Kreuzberg ist jetzt nazifrei!“
    Politiker von Demonstranten eingekesselt

    Die AfD ist in Richtung Oppelner Straße entkommen – und wird schon wieder eingekesselt. An der Ecke Skalitzer stehen die beiden Abgeordneten nun, umringt von behelmten Polizisten und schimpfenden Kreuzbergern. Eine Frau kreischt den YouTuber „Weichreite“ an, er solle sich verpissen und haut ihm die Kamera ins Gesicht. Weiß und Bertram wollen ein Taxi anhalten. Doch dem Fahrer ist das offenbar nicht geheuer. Er lehnt ab und gibt Gas. So geht das hier noch eine ganze Weile. Auch ein zweites Taxi nimmt die beiden nicht mit. Ein Mannschaftstransporter der Polizei könnte die Politiker mitnehmen. Doch das geht aus Versicherungsgründen nicht.

    Also zieht der bizarre Trupp los zum U-Bahnhof Schlesisches Tor. Polizisten machen die Eingänge dicht, die Pöbler müssen draußen bleiben. Die behelmten Beamten halten die Tür der stehenden U-Bahn auf, damit sich die beiden AfD-Leute dort hineinretten können. Auch „Weichreite“ kommt mit. Er will hier nicht allein zurückbleiben. Draußen steigen die ersten Antifaschisten auf ihre Räder und rasen der Bahn hinterher.

    „Wir haben mit Protest gerechnet, aber ich hätte nicht 300 Leute erwartet, schon gar nicht um diese Tageszeit“, sagt Thorsten Weiß später. „Was haben wir denn gemacht? Wir sind zwei Parlamentarier, die durch diesen Park gegangen sind.“ Ein Bild von der realen Kriminalitätslage bekam er nicht. Aber die Provokation, die Weiß als „Stilmittel der Politik“ bezeichnet, ist ihm gelungen.

    An der U-Bahn-Endhaltestelle Warschauer Straße haben die ersten Protestierer auf Fahrrädern die beiden AfD-Leute eingeholt. Doch dieses Mal können sie ein Taxi stoppen, das sie sicher ins Abgeordnetenhaus bringt.

    #Kreuzberg #Görlitzer_Straße #Lübbener_Straße #Oppelner_Straße #Warschauer_Straße
    #Schlesisches_Tor #Görlitzer_Park #AfD #U-Bahn #Taxi

  • Gefahr für Leib und Leben: Das sind Berlins gefährlichste Kreuzungen
    https://www.berliner-zeitung.de/panorama/wie-ein-spiel-aus-squid-game-berlin-und-seine-gefaehrlichsten-kreuz

    Genau, bleibt bloß weg und überlasst den Könnern das Feld. Damit sind natürlich nicht die Post-Ortskundeprüfung-mäßigen Typen gemeint wie der „Kollege“ der gerade einen jungen Mann auf der Clayallee totgefahren und sich dann verdrückt hat.

    28.6.2025 von Anne Vorbringer, Marcus Weingärtner, Enno Kramer, Manuel Almeida Vergara - Unfälle, Geschrei und Gefahr: Einige Kreuzungen in Berlin sind eine Bedrohung für Leib und Leben. Wir sagen, um welche Straßenecken man lieber einen Bogen macht.

    Wirre Verkehrsführung, knappe Grünphasen, heilloses Durcheinander: Berlins Kreuzungen sind – wollte man es positiv ausdrücken – zuweilen recht komplex. Manche von ihnen rauben den Verkehrsteilnehmern den letzten Nerv, stellen eine Gefahr für Leib und Leben dar.

    Zunächst ein Blick auf die offizielle Statistik. Der ADAC hat vor ein paar Monaten die unfallträchtigsten Kreuzungen der Stadt untersucht und dafür Zahlen aus der Polizeistatistik ausgewertet. Dabei kam heraus: Besonders besorgniserregend sind die Vorfälle am Schlesischen Tor, Innsbrucker Platz, Hauptbahnhof und Alexanderplatz, wo es in den vergangenen Jahren zu vielen schweren Unfällen gekommen ist.

    Mit Abstand vorn liegt der Bereich rund ums Schlesische Tor in Kreuzberg: Im Bereich Bevern-, Oberbaum-, Oppelner, Schlesische, Skalitzer und Köpenicker Straße gab es im Jahr 2024 ganze 230 Unfälle mit Beteiligung von Autos. Aber auch anderswo müssen besonders Fußgänger und Radfahrer mit allem rechnen, wie unsere Beispiele zeigen.

    1. Berliner Allee/Ecke alle: Wahnsinn in Weißensee

    Der gesamte Berliner Nordosten ist ein verkehrspolitisches Desaster. Zu viele Autos, zu viele Menschen, zu wenig Platz. Wer einmal im Berufsverkehr in Pankow über die Romain-Rolland-Straße gefahren ist, möchte seinen Wagen auf der Stelle verschrotten. Leider steht der Bus im gleichen Stau, und auch zu Fuß oder mit dem Rad ist es nicht besser. Siehe Berliner Allee, wo sich seit Jahr und Tag nichts an der Situation bessert.

    Welche Kreuzung hier die schlimmste ist? Suchen Sie sich eine aus; Sie werden immer richtig liegen. Der Abschnitt im Weißenseer Ortskern hat zwei Autofahrstreifen je Richtung, zwei Tramgleise, zwei Gehwege – aber keinen Radweg. Also müssen die Radler zwischen donnernden Schwerlastern, Bussen, Straßenbahnen und Pkw zusehen, dass sie nicht unter die Räder kommen.

    Fußgängern ergeht es nicht besser: Wer jemals mit einem Kleinkind an der Hand versucht hat, an der Ecke Indira-Gandhi-Straße über die Fahrbahn zu kommen, der weiß, wie gefährlich man hier lebt. Anne Vorbringer

    2. Vor der Volksbühne in Mitte: Kraken-Kreuzung aus der Hölle

    Vor der Volksbühne gibt es eine Kreuzung, die sich wie ein Spiel aus der koreanischen Killer-Serie Squid Game ausnimmt: Wer’s nicht schnell genug schafft, der bezahlt mit dem Leben: Rosa-Luxemburg-, Weydinger- und Hirtenstraße bilden hier ein quasi unüberschaubares Dreieck des Todes.

    Man muss sich viermal um die eigene Achse drehen, um sich auch nur einen kleinen Überblick über den von allen Seiten heranpreschenden Verkehr zu machen. Hinzu kommen zackig abbiegende Radfahrer, brüllende LKW-Lenker und dazu natürlich noch alles, was so dazugehört, sprich: Flüche, Beleidigungen und Schmähgesänge.

    Das schwächste Glied ist wie immer der Fußgänger, der nur im wahrsten Sinne des Worte die Beine in die Hand nehmen kann, um so schnell wie möglich die Straße zu überqueren - keine Ampel, kein Zebrastreifen, rein gar nichts wurde hier unternommen, um ihn zu schützen, hier zählt allein die Darwinsche Überlebenstheorie Survival of the fittest, beziehungsweise Survival of the fastet. Marcus Weingärtner

    3. Alexanderstraße/Otto-Braun-Straße: In diesem Spiel gibt’s nur Verlierer

    Als Autofahrer hat man’s in Berlin ohnehin schwer. Überall gibt’s Stau, nirgendwo genügend Parkplätze, ständig wird man von allen Seiten angeblafft – von Radfahrerinnen, von Fußgängern, von anderen Autofahrerinnen und Autofahrern. „Road Rage“ nennt sich das Phänomen der angestauten Aggressionen, die sich im Straßenverkehr so richtig Bahn brechen.

    Nirgends passiert das in Berlin öfter als an der Kreuzung Alexanderstraße/Otto-Braun-Straße, diesem Sinnbild der sinnfreien Straßenplanung: Wer aus Richtung Münzstraße kommt und rechts Richtung Alexa abbiegen will, muss sich auf einen gefährlichen Eiertanz einstellen: Vier Spuren hat die Straße hier, die Rechtsabbiegerspur wird von den anderen Fahrbahnen allerdings durch einen Radweg abgeschnitten.

    Bedeutet in der harten Realität des Berliner Straßenverkehrs: Wer die Spur wechseln will, muss erstmal Dutzende Radfahrerinnen und Radfahrer vorbeiziehen lassen, während hinten die Autofahrenden, die geradeaus weiter düsen wollen, schon nervös hupen. Will man wiederum die Leute im Auto beruhigen und zieht zügig rüber nach rechts, klingeln und brüllen die Radlerinnen und Radler, die gerade aus weiterwollen. Ein gefährliches Spiel, in dem man es niemandem recht machen kann. Am besten, man meidet diese Katastrophen-Kreuzung ganz. Manuel Almeida Vergara

    4. Bersarinplatz in Friedrichshain: Klingelingeling hier kommt die Eisenbahn

    Als routinierter Autofahrer ist man im Berliner Verkehrsgewusel auf viele Situationen vorbereitet: Beim Rechtsabbiegen hält man Ausschau nach Fahrradfahrern von hinten, beim Linksabbiegen achtet man auf den gesamten Gegenverkehr. Am Bersarinplatz in Friedrichshain ist das nicht so einfach. Gerade für Ortsunkundige lauert hier eine Gefahr, mit der nur die wenigsten rechnen.

    Wer vom Frankfurter Tor in Richtung Prenzlauer Berg fährt, hat es vielleicht schon einmal erlebt. Man fährt neben der Tramlinie 21 in den Kreisel, huscht gerade noch so über die gelbe Ampel und muss dann plötzlich stark bremsen. Die Tram bimmelt, als gäbe es kein Morgen mehr, und biegt dann selbstverständlich über beide Fahrspuren in den Weidenweg ein. Den Autofahrer warnt lediglich ein Vorfahrtsschild. Keine Ampel, keine Schranke. Um Haaresbreite lässt sich meist noch die Karambolage vermeiden.

    Hinzu kommt, dass die Petersburger Straße seit einigen Monaten bis zur Landsberger Allee nur noch einseitig befahrbar ist und sich langsam aber sicher zur nervtötenden Dauerbaustelle entwickelt. Statt der neuen Streckenführung zu folgen, stellen unsichere Autofahrer hier also noch die Umleitung in den Gegenverkehr infrage: Plötzlich bremsen sie stark – und ehe man sich versieht, hängt man im Kofferraum des Vordermanns. Dass sich am Bersarinplatz nicht öfter das Blech biegt, grenzt an ein Wunder. Enno Kramer

    #Berlin
    #Kreuzberg #Schlesisches_Tor
    #Schöneberg #Innsbrucker_Platz #Hauptbahnhof #Alexanderplatz
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    #Verkehr #Kreuzung #Unfall

  • Neue Luxus-Lofts im Bergmannkiez – Anwohner schlagen Alarm: „Jetzt wird das so ein Reichen-Viertel“
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/neue-luxus-lofts-im-bergmannkiez-anwohner-schlagen-alarm-jetzt-wird

    Skandal, ieh wie gemein, jetzt haben die Bewohner der Südseiten-Dachgeschosse in der Fidicinstraße keinen Blick mehr aufs Tempelhofer Feld . Das heißt wohl Gentri-Gentrifiizerung wenn die gutsituierten Einundsechziger über die Ankunft der neuen Reichen meckern.

    Das Viertel zwischen Bergmannstraße und Columbiadamm war schon im den 1980ern für. Kleinverdiener unerreichbar. In den Siebzigern gab es hier noch Volksgefângnisse, die Sache war noch nicht entschieden. Über die Jahre wurde dann der letzte Rest Berliner Volk weggestorben oder rauskomplimentiert. Was sich da jetzt beschwert ist Klein- und Wutbürgertum.

    Das ist nicht mehr unser Berlin, von wegen. Unser Berlin habt ihr schon mit der Zerschlagung der zweiten Hausbesetzerbewegung aus dem Bergmannkiez weggelummert.

    6.6.2025 von Yoko Rödel - Mitten im Bergmannkiez sollen auf dem Areal Neue Bockbrauerei mehr als 200 neue Wohnungen entstehen – doch leisten können sich die wohl nur wenige.

    Auf dem Gelände der ehemaligen Bockbrauerei in Kreuzberg nimmt ein neues Stadtquartier immer konkretere Züge an. Entwickelt von der Bauwert AG, sollen dort neben Wohnungen, Büros und Gastronomie künftig auch Künstler mehrere Ateliers beziehen und so den Kreuzberg-typischen kreativen Flair ins Viertel bringen. Das klingt nach einem vielversprechenden Nutzungsmix, der den Charakter des Kiezes bereichern könnte. Dementsprechend groß war der Andrang beim Richtfest am Donnerstag.

    „Mitten in Kreuzberg entsteht ein vielfältiges Quartier, das dringend benötigten Wohnraum schafft“, sagte Finanzsenator Stefan Evers (CDU). „Hier entsteht ein einzigartiger Mix aus Kultur- und Gewerbeflächen sowie modernen Arbeitswelten.“

    Auch Innensenatorin Iris Spranger (SPD) lobte das Vorhaben und befürwortet außerdem, dass mehrere Wohnungen landeseigenen Bediensteten vorbehalten bleiben: „Gerade für Polizei, Feuerwehr und andere Landesbedienstete ist bezahlbarer Wohnraum in zentraler Lage essenziell. Dieses Projekt trägt dazu bei.“

    Ehrengäste des Richtfestes im neuen Kreuzberger Quarziert Neue Bockbrauerei (v.l.n.r.): Polier Dennis Duda, Polizeipräsidentin Dr. Barbara Slowik Meisel, Tatjana Adams, Birgit Möhring, Staatssekretär Wolfgang Schyrocki, Karin Klingen, Alf Aleithe, Senatorin Iris Spranger, Frank Kulawig, Michael Staudinger, Daniel J. Herrmann, Prof. Petra Kahlfeldt, Sergej Tchoban, Dr. Jürgen Leibfried, Senator Stefan Evers. Foto Maren Schulz / Bauwert AG

    Jürgen Leibfried, Vorstand der Bauwert AG, zeigte sich stolz über den Baufortschritt: „Wir realisieren hier eines der wenigen großen Neubauprojekte in Kreuzberg – mit Wohnungen, Büros und Kulturflächen. So sichern wir Vielfalt und Qualität für den Standort.“ Architekt Frank Kulawig ergänzte: „Unser Ziel ist eine echte Kreuzberger Mischung – ein Quartier, das Alt und Neu verbindet und Raum für unterschiedliche Nutzungen bietet.“

    Günstiger Wohnraum für Landesbedienstete

    Insgesamt sollen auf dem Gelände mehr als 200 neue Wohnungen entstehen – davon 75 im geförderten Segment. 25 dieser Wohnungen sind Bediensteten des Landes Berlin vorbehalten. Der Anteil tatsächlich frei verfügbarer Sozialwohnungen liegt damit bei lediglich rund 22 Prozent.

    Aus Sicht von Stadtentwicklungsexperten und Initiativen reicht dieser Anteil jedoch nicht aus, um die fortschreitende soziale Entmischung des einstigen Kreativbezirks Kreuzberg aufzuhalten.

    Auch die Bürgerinitiative „Kiez aktiv: Bockbrauerei“ äußerte sich kritisch zu den Entwicklungen. Bereits 2016 hatte sich die Initiative gegründet, um den Erhalt des Kleingewerbes und eine gemeinwohlorientierte Entwicklung des Areals zu fordern. Das Neubauprojekt sehen die Aktivisten als problematisch an. Sie befürchten eine Verdrängung der Kreativen.

    Neue Büros für Berliner Beamte

    Hinzu kommt, dass auch die Berliner Verwaltung einen nicht unerheblichen Teil des Gebiets für sich beansprucht: Insgesamt 10.500 Quadratmeter Bürofläche hat das Land Berlin erworben: Dort sollen künftig die Senatskanzlei und der Berliner Rechnungshof untergebracht werden.

    Man freue sich auf den neuen Standort, betonte Rechnungshofpräsidentin Karin Klingen beim Richtfest. Durch den Umzug werde die genutzte Verwaltungsfläche um 25 Prozent reduziert und die internen Abläufe dank moderner Arbeitsumgebungen deutlich verbessert.

    Dass sich ausgerechnet die öffentliche Hand einen so großen Flächenanteil im Quartier sichert, sorgt indes für Irritationen. Die Initiative „Wem gehört Kreuzberg“ bemängelt, dass bereits zahlreiche Kultur- und Gewerbestandorte verdrängt wurden und der Staat sich im hochpreisigen Segment „breitmachen“ würde.

    So soll das neue Quartier einmal aussehen. Kritiker sehen darin vor allem ein Signal an zahlungskräftige Käufer – und befürchten, dass die soziale Durchmischung des Quartiers in eine gefährliche Schieflage gerät.

    So soll das neue Quartier einmal aussehen. Kritiker sehen darin vor allem ein Signal an zahlungskräftige Käufer – und befürchten, dass die soziale Durchmischung des Quartiers in eine gefährliche Schieflage gerät.Schulz/BAUWERT AG

    Luxus-Loft zum Spitzenpreis – Verbände schlagen Alarm

    Abzüglich der Wohnungen im gemeinwohlorientierten Segment und der Verwaltungsflächen sind rund 130 Eigentumswohnungen auf dem freien Markt verfügbar. Laut aktueller Marktdaten bewegen sich die Preise pro Wohnung zwischen 648.000 und 1,179 Millionen Euro. Das entspricht einem Quadratmeterpreis von bis zu 10.000 Euro.

    Auf den Immobilienportalen werden die Objekte als Luxus-Lofts im High-End-Segment beworben – ein „erstklassiges Zuhause“ für den stilvollen Berliner, wie es heißt. Das Interieur ist entsprechend exklusiv: Projektbilder zeigen gediegene Foyers in Naturstein, die Wohnungen verfügen über Echtholzparkett, Fußbodenheizung und atemberaubende Ausblicke auf das Tempelhofer Feld.

    Die Mieterinitiative Bergmannkiez zeigt sich alarmiert: „Solche Prestigeprojekte verschärfen den Druck auf die Mieten im gesamten Kiez weiter“, sagt Ulrike Fuchs von der Initiative. „Wenn so viele Eigentumswohnungen zu Höchstpreisen vermarktet werden und nur ein kleines Kontingent an gefördertem Wohnraum entsteht, bleibt von sozialer Mischung nicht viel übrig.“

    „Das ist nicht mehr unser Kiez“

    Dass so viele Wohnungen im High-End-Segment entstehen, der Staat inzwischen gezielt Wohnungen für eigene Beschäftigte ankauft und sich Büroflächen in Premiumlagen sichert, sorgt auch bei Anwohnern für Unmut.

    Zwei Kreuzberger, die nur einen Steinwurf vom ehemaligen Brauereigelände entfernt wohnen, äußern sich im Gespräch mit der Berliner Zeitung irritiert. „Wir haben so etwas schon geahnt“, sagt die Kreativschaffende Maria H., die seit über dreißig Jahren im Kiez lebt. „Es ist einfach traurig, was hier passiert. Das ist nicht mehr unser Kiez.“

    Rentner Klaus B., geboren und aufgewachsen in Kreuzberg, findet deutliche Worte: „Das hier war einmal ein Ort für Kreative – und jetzt wird das so ein Reichen-Viertel.“ Für beide steht das neue Quartier exemplarisch für eine Stadtentwicklung, bei der die Mitte der Gesellschaft zunehmend verdrängt werde. „Es wird ja immer davon gesprochen, dass man sozialen Wohnraum schaffen will“, so der Berliner. „Ob das am Ende gelingt? Ich weiß es nicht. Ich hoffe es.“

    #Berlin #Kreuzberg #Fidicinstraße #Gentrifizierung

  • »Kuchenkaiser-Haus« in Kreuzberg: Kaiser wird Genossenschaft
    https://www.nd-aktuell.de/artikel/1191534.stadtentwicklung-in-berlin-kuchenkaiser-haus-in-kreuzberg-kaiser-

    Jetzt in der Hand einer Genossenschaft: Das Kuchenkaiser-Haus in Kreuzberg Foto: IMAGO/Funke Foto Services

    27.5.2025 von Rojas Kienzle - Das »Kuchenkaiser-Haus« am Kreuzberger Oranienplatz wird von der Genossenschaft Selbstbau eG gekauft

    Eine Ende ohne Schrecken können die Bewohner*innen des »Kuchenkaiser-Hauses« in Kreuzberg vermelden. Das Haus mit 26 Wohnungen am Oranienplatz in Kreuzberg, das Eingänge sowohl vom Leuschnerdamm 43 als auch von der Naunynstraße 46 hat, wird von der Genossenschaft Selbstbau eG gekauft. Das teilte das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg am Dienstag mit.

    Möglich wurde der Kauf des Hauses durch Fördermittel der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung im Rahmen der Genossenschaftsförderung. Wie Bausenator Christian Gaebler (SPD) mitteilt »im bundesweiten Vergleich ein einzigartiges Instrument«. Er freue sich sehr, dass man den Ankauf durch die Selbstbau eG habe unterstützen können, so Gaebler weiter. »Das sichert Wohnraum zu sozialverträglichen Mieten und gibt den Menschen so dauerhaft Sicherheit in ihrem bezahlbaren Zuhause.« Wie der Bezirk mitteilt, werden dort für 40 Jahre belegungsgebundene Wohnungen mit gedeckelten Mieten gesichert.

    Seinen Namen trägt das Hause, weil im Erdgeschoss für über 100 Jahre das traditionsreiche »Café Kuchenkaiser« seine Räumlichkeiten hatte. Der ursprüngliche Besitzer Ulrich Fluss war 2023 überraschend gestorben und hatte es an eine Gruppe von Freund*innen vererbt.

    Fluss, der sich gegenüber den Mieter*innen ironisch »euer Mithai Uli« nannte, war, wie die Mieter*innen auf ihrer Homepage schreiben, an einer guten Hausgemeinschaft interessiert. »Für ihn war es nicht wichtig, möglichst viel Geld einzunehmen und dadurch eventuell seine Mieter*innen zu verlieren«, erzählen die Bewohner*innen. Die Hausgemeinschaft organisierte sich schnell. Sie wandte sich mit der Idee, das Haus ins Eigentum einer Genossenschaft zu überführen, an die Arbeits- und Koordinierungsstruktur Gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung (AKS Gemeinwohl), eine vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg geförderte Schnittstelle zwischen Verwaltung und Zivilgesellschaft. Diese unterstützte die Hausgemeinschaft in ihrem Vorhaben.

    Der Kauf wäre allerdings fast gescheitert. Die Mieter*innen brachten zwar zehn Prozent der Kaufsumme auf. Damit die Selbstbau eG den Kaufpreis stemmen konnte, ohne dass dies für weitere finanzielle Belastungen der Mieter*innen sorgt, war aber eine Förderung aus Landesmitteln nötig. Der im März 2024 gestellte Antrag dafür blieb lange unbearbeitet. Die Erbengemeinschaft stellte eine Frist für eine Förderzusage bis zum 31. Januar 2025, die zum Stichtag mit der Ankündigung einer Zusage beantwortet wurde.

    »Nach zwei Jahren hoffen, bangen, stolpern, wieder aufstehen, sind wir am Ziel angekommen: Unser Einsatz hat sich gelohnt! Unser Haus ist gerettet, dem freien Markt abgetrotzt im sicheren Hafen der Genossenschaft gelandet«, sagt Mieterin Ursula Schröder. Auch Peter Weber, Vorstand der Selbstbau eG, freut sich, dass die Genossenschaft das Haus an diesem »geschichtsträchtigen Ort« habe erwerben können.

    »Jeder gemeinwohlorientierte Ankauf zeigt, dass kooperative Stadtentwicklung möglich ist und die Verwertungsspirale durchbrochen werden kann«, sagt Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne). Wenn es nach ihm geht, könnte das Beispiel Schule machen: »Ich lade Hausgemeinschaften ein, sich an das Bezirksamt und die von uns geförderte AKS Gemeinwohl zu wenden, wenn ihnen ein ähnlicher Weg vorschwebt.«

    #Berlin #Kreuzberg #Oranienplatz #Leuschnerdamm #Naunynstraße #Immobilien #Genossenschaft

  • Verstoß gegen Fördervorgaben : Berlin fordert 400.000 Euro von Friedrichshainer Frauenzentrum zurück
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/verstoss-gegen-fordervorgaben-berlin-fordert-400000-euro-von-friedrichs

    A Berlin-Kreuzberg l’identification offcielle de l’antisionisme avec l’antisemitisme mène à fermeture d’un centre social de jeune filles. Ses gérantes s’étaient prononcés contre le génocide à Gaza hors de leur travail pour l’association qui gère le centre subventionné par la ville.

    En ce qui concerne la défense de l’Israel la position du parti de gauche Die Linke est la même comme celle du SPD et des partis ouvertement de droite.

    Dans le contexte présent de philosemitisme fanatique les politiciens qui décident sur l’attribution des fonds sont unanimes que des personnes affichant de telles opinions ne doivent pas travailler avec les enfants.

    Nous sommes témoins de l’introduction d’un nouveau Berufsverbot qui ne touche pas seulement les fonctionnaire d’état comme dans les années 1970 ff. Dans une approche totalitaire l’état allemand d’aujourd’hui persécute toute personne dissédente par l’exclusion de l’emploi en menaçant son employeur de ne plus le payer.

    30.4.2025 Alexander Fröhlich, Robert Klages - Erst Antisemitismusvorwürfe, dann bekam das Frauenzentrum „Frieda“ einen Förderstopp, nun fordert die Sozialverwaltung Geld zurück. Die Mädchenzentren „Phantalisa“ und „Alia“ eröffnen mit neuen Trägern.

    Grüne und Linke verteidigten den Verein Frieda lange und vehement – trotz antisemitischer Äußerungen von Geschäftsführung und Mitarbeitern.

    Die Berliner Senatssozialverwaltung fordert nun insgesamt mehr als 400.000 Euro vom Verein zurück. „Nach aktuellem Stand der Prüfungen sieht der Senat sich veranlasst, Zuwendungsmittel aus 2023 und 2024 zurückzufordern“, teilte die Senatsverwaltung dem Kreuzberger CDU-Abgeordneten Timur Husein zu dessen Anfrage mit. „Derzeit läuft das Anhörungsverfahren, in dem der Träger Gelegenheit zur Stellungnahme hat.“

    Allein für das Jahr 2023 werden 336.457 Euro zurückgefordert, die für das Frieda-Beratungszentrum geflossen sind. Für 2024 will die Senatsverwaltung knapp 65.000 Euro zurück, die für die ersten beiden Monate geflossen sind. Bei weiteren 8000 Euro für ein Projekt zur Kinderbetreuung in Notunterkünften im Jahr 2023 läuft die Prüfung noch.

    Richtigerweise geht der Senat gegen diesen antisemitischen Verein vor. - Timur Husein, CDU-Abgeordneter

    „Richtigerweise geht der Senat gegen diesen antisemitischen Verein vor“, sagte Husein dem Tagesspiegel. „Wenn sich die Mitarbeiter dieses Frauenvereins auf gewalttätigen antisemitischen Demonstrationen tummeln, dann ist das ihre Sache. Aber sie dürfen nicht mit Steuergeldern direkt oder indirekt unterstützt werden.“

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    Rechtssicherer wäre allerdings eine Demokratieklausel in der Landeshaushaltsordnung, sagte der CDU-Politiker. Eine solche Klausel verböte es, Gelder an extremistische oder antisemitische Vereine auszugeben. Die schwarz-rote Koalition diskutiert seit einem Jahr auf Druck der CDU über eine solche Lösung, kam bislang aber nicht zu einem Ergebnis.

    Im Mai 2023 hatte die von Cansel Kiziltepe (SPD) geführte Senatssozialverwaltung begonnen, die Verwendung der Fördermittel des Vereins Frieda zu prüfen. Ein Jahr später verhängte das Ressort einen Förderstopp für den über Jahrzehnte anerkannten Verein Frieda-Frauenzentrum, wie der Tagesspiegel exklusiv berichtete.

    Das Frieda-Frauenzentrum habe „wiederholt über längere Zeit seine Mitteilungs- und Nachweispflichten gegenüber der Senatsverwaltung nicht oder nur mit erheblichem zeitlichen Verzug erfüllt“, teilte das Ressort im Juni 2024 mit. Daher bestünden erhebliche Bedenken, ob das Fördergeld „zweckorientiert“ genutzt wurde. Das Angebot des Vereins entspreche nicht den im Finanzierungsplan dargestellten Kosten. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sei nicht mehr möglich. Es fehle die gesetzlich vorgeschriebene Zuverlässigkeit.

    Zugleich wurde damals eine Tiefenprüfung angeordnet, bis zum Jahr 2015 zurück wird der Umgang mit dem Steuergeld untersucht. Dabei geht es um 2,13 Millionen Euro, mit dieser Summe wurde das Frieda-Beratungszentrum von 2015 bis 2022 gefördert. Bei weiteren 500.000 Euro aus diesen Jahren hatte die Senatsverwaltung nichts zu beanstanden.

    Diese Gelder waren für offene sozialen Angebote, das Frauenzentrum, Beratungsangeboten zu Stalking, Deutschkurse mit Kinderbetreuung und Kinderbetreuung in Notunterkünften. Ob das Bezirksamt die seit 2015 gezahlte Förderung von 2,5 Millionen Euro für die beiden Mädchenzentren Phantalisa und Alia prüft oder sogar zurückfordert, teilte der Senat nicht mit.

    Leitende Mitarbeiter verbreiteten Israelhass und fanden den Hamas-Terror legitim

    Allein das Budget aus Landesgeld für das Frauenzentrum im Jahr 2023 sollte zum Großteil für Personal fließen. Es ging um sechs Stellen für Rechtsberatung, psychosoziale Beratung, Arbeitslosenberatung, Berufsberatung sowie die Begleitung und Beratung von Frauen, die von Stalking, Cyberstalking und digitaler Gewalt betroffen sind.

    Leitenden Mitgliedern war im vergangenen Jahr vorgeworfen worden, sie hätten sich antisemitisch und antizionistisch geäußert sowie an gewaltsamen propalästinensischen Demonstrationen teilgenommen. Eine Chefin verbreitete zudem in den sozialen Medien antisemitische Aussagen und legitimierte den Terror der islamistischen Hamas gegen Israel. Jugendstadtrat Max Kindler (CDU) hat deshalb die Verträge für die beiden Mädchenzentren gekündigt.

    Das Vertragsziel, nämlich Demokratiebildung und der Abbau menschenverachtender Einstellungen, könne mit dem Verein „nicht (mehr) umgesetzt werden“, hatte Kindler erklärt. Die Einhaltung des Neutralitätsgebots der Pädagogen mit Mädchen und Frauen sei nicht mehr gegeben. Die Arbeit erfolge nicht mehr ausschließlich auf Grundlage der freiheitlich-demokratischen Grundordnung unter Beachtung der Menschenwürde.

    Auf Druck von Grünen und Linken im Jugendhilfeausschuss des Bezirks musste Kindler einen neuen Vertrag aufsetzen. Damit der Verein für die Mädchenzentren vom Bezirk weiter Geld erhält, sollte er sich von Antisemitismus und Versuchen distanzieren, Israel das Existenzrecht abzusprechen. In einer Erklärung sprach der Verein dann aber nur vom „Existenzrecht der von der Völkergemeinschaft anerkannten Staaten“, von Israel kein Wort.
    Mädchenzentren öffnen wieder

    Schon das ging einigen Mitarbeitern zu weit, dem Bezirksamt reichte das nicht aus, der Mehrheit im Jugendhilfeausschuss aber sehr wohl. Auf dessen Druck wurden neue Verträge für die Mädchenzentren aufgesetzt. Doch wegen des Förderstopps des Senats und angeblich wegen fehlenden Personals kündigte der Verein die Verträge bald wieder auf.

    Das Bezirksamt eröffnete dann ein „jugendhilfespezifisches Interessenbekundungsverfahren“ für den Betrieb der beiden Mädchenzentren und meldete am Montag, das Phantalisa habe bereits am 8. März die Arbeit wieder aufgenommen. Neuer Träger ist der Bund der Pfadfinderinnen & Pfadfinder e.V. (BdP), Landesverband Berlin.

    Das Alia wird am 17. Mai wiedereröffnen, wie das Bezirksamt dem Tagesspiegel mitteilte. Neuer Träger ist die „Gesellschaft für Sport und Jugendsozialarbeit“, (GSJ) Berlin. „Beide Träger haben ihrerseits neue Teams für die Mädchenprojekte zusammengestellt“, sagt Stadtrat Kindler auf Nachfrage.

    „Phantalisa wird sich zu einem Ort entwickeln, der Raum für die verschiedenen Lebensrealitäten der Besucherinnen bietet und bei der Entwicklung der Angebote an die Interessen der Mädchen und jungen Frauen anknüpft“, sagte Stadtrat Kindler.

    #Allemagne #Berlin #Kreuzberg #Berufsverbot #philosemitisme