• Drogenlieferdienste in Berlin: Dealer im Promokrieg
    https://taz.de/Drogenlieferdienste-in-Berlin/!6198414

    Überall in Berlin finden sich QR-Codes mit Kontakten zu Drogenlieferdiensten. Mittlerweile landen sogar Probe-Goodies in Briefkästen von Mietshäusern

    Normal-Berlin ist überlagert von einer Schicht aus ultraliberalen Szenen, in denen das Recht des Stärkeren gilt, freier Markt für alle und alles. Die offiziell gewählte liberale Stadtregierung liefert die Grundlagen, solange sie noch kann. Ihre Bedeutung schwindet mit jefer Sparrumde, die weitere Gesellschftsmitglieder in die Bettlerfreiheit entläßt. Die Zahl der Privilegierten Normalarbeitsverhältnisse mit 38-Stundenwoche, Tarifvertrag und Betriebsrat schrumpft. Kokstaxi wird zum neuen „Normal“.

    23.7.2023 von Jonas Wahmkow - Donnerstagmorgen, grauer Himmel, graue Stimmung. Vor dem Gang zur Arbeit noch ein kurzer Blick in den Briefkasten. Eine bunte Postkarte purzelt heraus. Das Motiv ist ein KI-generierter Fiebertraum: das Brandenburger Tor in psychedelischen Regenbogenfarben, dahinter gleich drei Fernsehtürme. Darauf in schnörkeliger Schrift eine Telefonnummer und das, worum es eigentlich geht: Coke, Weed, Hasch, Ketamin, Amphetamin. 24/7 Delivery in ganz Berlin, verspricht die Postkarte, auf die erste Bestellung gibt es 10 Euro Rabatt.

    Drogenlieferdienste haben sich in Berlin mittlerweile zur dominierenden Vertriebsform für Suchtmittel etabliert. Die Konkurrenz ist mittlerweile so groß, dass Anbieter immer offensiver um Kunden werben.

    An der Warschauer Straße, einer der beliebtesten Partymeilen Berlins, lässt sich die Evolution des Berliner Drogenbusinesses live miterleben. Die unerwartete Post im Briefkasten ist da nur der Gipfel des Eisbergs, oder besser gesagt, Schneebergs.

    Bis zur Pandemie dominierten die klassischen Straßendealer, die sowohl Par­ty­gän­ge­r:in­nen als auch Be­woh­ne­r:in­nen offensiv ansprachen: „Hey, brauchst du was?“ Wer keinen Stammdealer hatte oder ein Touri war, konnte hier eine Knolle Gras schlechter Qualität zu noch schlechterem Kurs kaufen.
    Innovationsmotor Pandemie

    Während der Pandemie brach dieses Geschäftsmodell zusammen, dafür kamen die ersten Telegram-Lieferdienste auf. Nach wenigen Stunden kamen die Dealer mit dem Auto vorgefahren, meistens ein Mietwagen. Kurz einsteigen, eine Runde um den Block fahren, Übergabe, aussteigen.

    Die Kontakte wurden zunächst nur in klandestinen Gruppen geteilt, in die nur aufgenommen wurde, wer jemanden kannte, der jemanden kannte. Teilweise musste man sich mit Ausweis und Videochat verifizieren.

    Von solchen Vorsichtsmaßnahmen haben die Dealer sich längst verabschiedet. Allgegenwärtig sind mittlerweile auch Sticker mit QR-Codes, die auf eine Whatsapp-Nummer verweisen. Sie kleben an Ampeln, Fahrradständern und Bartoiletten. Nur ab und an wird mal ein Kurier hochgenommen, die Hintermänner preisen das mit ein.

    Die klassischen Ansprachen gibt es auch wieder, nur wird meist diskret eine Visitenkarte angeboten. Manchmal ist auch eine Knolle Gras dabei, sozusagen ein Goodie, das von der Qualität überzeugen soll.

    Drogen im Briefkasten

    Anfang Juni warnte die Berliner Polizei auf Instagram sogar davor, dass solche Testportionen samt Flyer in Briefkästen gelandet sind. Als Beweis posteten die Beamten ein Foto einer üppig mit Pillen, Pulvern und Kapseln ausgestatteten Drogen-Baggy. Promotionen wie diese dürften allein schon aus Kostengründen die Ausnahme sein.

    Das offensive Drogenmarketing ist für Anwohnende ein leichtes Ärgernis. Für Kon­su­men­t:in­nen ist es einfach nur bequem. Nach außen nährt es den Mythos der Partyhauptstadt Berlin, in der alles geht und toleriert wird.

    Doch für Menschen mit Suchterkrankungen können die kleinen QR-Codes extrem belastend sein. Viele ehemalige Abhängige vermeiden bewusst Kontexte, in denen konsumiert wird, wechseln nicht selten ihren gesamten Freundeskreis. Jede Konfrontation mit dem verlockenden Stoff könnte einen Rückfall bedeuten. Doch was tun, wenn die ganze Stadt zum Konsum auffordert?

    #Liberalismus #Kriminalität #Bettler

  • Mehr Angriffe auf Obdachlose: Berlin verzeichnet die meisten Fälle bundesweit
    https://www.berliner-zeitung.de/article/gewalt-gegen-obdachlose-berlin-10091346

    13.6.2026 von Maximilian Eichgrün - Die Zahl der Straftaten gegen obdachlose Menschen ist im Jahr 2025 deutlich gestiegen. Besonders viele Fälle wurden in Berlin registriert.

    Die Zahl der Straftaten gegen obdachlose Menschen in Deutschland ist im vergangenen Jahr um knapp 17 Prozent auf 2563 Fälle gestiegen. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linken hervor. Über die Zahlen hatte zunächst die Düsseldorfer Rheinische Post berichtet.
    Berlin trauriger Spitzenreiter – Wenig Aufklärung

    Die meisten Fälle wurden demnach in Berlin erfasst. Dort wurden 592 Straftaten gegen Obdachlose registriert, gefolgt von Bayern mit 492 und Nordrhein-Westfalen mit 310 Fällen. Mehr als 2000 Taten richteten sich bundesweit gegen obdachlose Männer, in gut 500 Fällen waren Frauen betroffen. Bei gewalttätigen Angriffen wurden den Angaben zufolge neun obdachlose Menschen getötet. In Berlin gibt es den Zahlen des Sozialberichts 2025 aus dem April zufolge 8400 Obdachlose und über 39.000 untergebrachte Wohnungslose, wobei in den Zahlen auch Flüchtlinge geführt werden.

    Aus den Antworten des Ministeriums, die dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegen, geht zudem hervor, dass die Aufklärungsquote bei Straftaten gegen Obdachlose niedriger ausfällt als sonst üblich. Bei Gewaltkriminalität gegen diese Gruppe lag sie 2024 bei 66,5 Prozent. Insgesamt betrug der Anteil aufgeklärter Fälle in der Polizeilichen Kriminalstatistik 77,5 Prozent.
    Hohe Dunkelziffer denkbar

    Die Linken-Bundestagsabgeordnete und Sprecherin für Soziales Wohnen, Sahra Mirow, sagte der Rheinischen Post: „Wir erleben auf unseren Straßen derzeit eine beispiellose Gewalteskalation gegen wohnungslose Menschen.“ Die mehr als 2500 polizeilich erfassten Straftaten bildeten dabei nur die Spitze des Eisbergs.

    Aufgrund einer geringen Anzeigebereitschaft der Betroffenen sowie ungenauer Erfassungskriterien und Definitionen aufseiten der Behörden sei von einer erheblichen Dunkelziffer und weitaus höheren Fallzahlen auszugehen, so Mirow weiter.

    #Obdachlosigkeit #Kriminalität

  • Keine Spur von Höhenangst: Die ersten Fassadenkletterer Berlins
    https://www.berliner-zeitung.de/open-source/keine-spur-von-hoehenangst-die-ersten-fassadenkletterer-berlins-li.

    5.3.2026 von Bettina Müller - Bei ihren Raubzügen über den Dächern Berlins spielten die Gebrüder Kaßner in den 1920er-Jahren ein gefährliches Spiel. Und es endete tragisch.

    Es war eine hochgradig gefährliche Klettertour, die eine große Körperbeherrschung und noch größeren Mut erforderte: Hausvorsprünge, Spaliere, Pfeiler, Bäume, Regenrinnen und Blitzableiter dienten dem Vorwärtskommen an der Hauswand. Es waren jedoch keine Akrobaten, die der Unterhaltung des Publikums dienten, sondern Verbrecher. Die Fassadenkletterer waren geboren und wollten vor allem eins: Beute machen.

    Im Laufe der 1920er-Jahre wurde daraus der gefährlich verniedlichte „Klettermax“ oder auch „Das Gespenst von Berlin“. Die Lage wurde zunehmend unübersichtlicher, weil immer mehr Verbrecher die Häuserwände fluteten. Aber wer war das Original-Klettermäxchen, das von funkelnden Juwelen träumte, die es aber nicht selbst erarbeiten wollte? Ein historischer Pressebericht gibt heute die Antwort: „Die Gebrüder Kaßner waren die ersten, die die Fassadenkletterei in größtem Stil betrieben.“

    Oktober 1918. Während in Berlin Wilhelm II. nur kurz vor seiner Abdankung steht, die am 9. November 1918 bekannt gegeben werden wird, klettert Paul Kaßner eines Abends an der Fassade des Eden-Hotels hoch und verschafft sich durch ein offenes Fenster Zugang zu einem der Zimmer. Pech für ihn, dass er dabei von einem Rechtsanwalt überrascht wird, der den Eindringling kurzerhand überwältigt, mit Bettlaken fesselt und ihn verschnürt wie ein Paket der Polizei übergibt. Drei Monate Gefängnis sind das Ergebnis dieses gescheiterten Einbruchs, der keinerlei abschreckende Wirkung auf den Verbrecher hat.

    Paul Kaßner ist 18 Jahre alt und gebürtig aus Berlin, während sein älterer Bruder Wilhelm 1895 in Neu-Levin im Oberbarnim das Licht der Welt erblickte. Beide haben sich auf das Fassadenklettern spezialisiert und leben von den „Einkünften“ aus diesen lebensgefährlichen Raubzügen. Nach Abzug einer beträchtlichen Geldsumme für den Hehler, versteht sich. Das ärgert sie sehr, aber ändern können sie es nicht.

    Foto
    Ihren zweiten Raubzug begehen die Brüder Kaßner im Hotel Adlon.GRANGER Historical Picture/imago

    Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei

    Nur vier Monate nach dem Eden-Coup wiederholt Paul Kaßner das kriminelle Muster, diesmal in der Nacht zum 17. Februar 1919 an der Fassade des Adlon-Hotels, das dem Kletterer für seine „Arbeit“ sehr praktische Rillen im Sandsteinbau bietet. Er erleichtert dabei den Großindustriellen Stinnes um viel Bargeld und flieht.

    Doch die Berliner Kriminalpolizei kennt ihren „Pappenheimer“ mittlerweile nur zu gut und so lehnen sie sich beruhigt in ihren Bürostühlen zurück, weil sie wissen, dass er ihnen irgendwann in die Falle gehen wird. So auch diesmal: Am 26. April 1919 wird Paul Kaßner zu einem Jahr und sechs Monaten Haft verurteilt.

    Seine „Karriere“ als gewerbsmäßiger Einbrecher beendet er natürlich nicht. Zu verlockend sind die Reichtümer, die in den Hotelzimmern auf ihn warten, zu ehrgeizig ist der Kletterer, der immer höher hinauswill, am liebsten bis in die Wolken. Sein Bruder Willi ist ihm offenbar ebenbürtig, auch er kann es nicht lassen und trägt dabei stets einen Revolver mit sich. Wenn sie gerade nicht klettern, verstecken sie sich in den düsteren Schlupfwinkeln der Großstadt, wo sie von ihren „Bräuten“ mit Essen versorgt werden. Und aus denen sie sofort fliehen und weiterziehen, wenn die Polizei ihnen mal wieder auf den Fersen ist.

    November 1925: Die Kaßner-Brüder bewegen sich nach wie vor in diesen dubiosen Kreisen der Kletterspezialisten. Paul Kaßner ist kurz zuvor aus der Strafanstalt Luckau entwichen, als Willi Kaßner sein Waterloo an einer Berliner Hotelfassade erlebt – in Form eines widerspenstigen Schweizer Hotelgastes namens Hollinger, der mit seiner Frau im Hotel Kaiserhof abgestiegen ist. Noch am selben Abend ihrer Ankunft kommt es zum Tumult.

    Hollinger ist im Bad, da hört er seine Frau im Schlafzimmer panisch schreien. Ohne zu zögern stürzt er in das Zimmer und sieht sich einem schwarz maskierten Mann gegenüber, der keine Schuhe trägt und mit seinem Revolver auf ihn zielt.

    Der furchtlose Hollinger wirft sich auf den Eindringling. Beide ringen miteinander, bis Kaßner Hollinger schließlich mit dem Revolverkolben ins Gesicht schlägt, was aber nicht die erwünschte besänftigende Wirkung hat. Der vor Wut rasende Hollinger revanchiert sich, indem er den Verbrecher in den Schwitzkasten nimmt und ihn dann in Richtung Fenster zerrt.

    Pech für Kaßner, dass es offensteht. Hollinger hebt zuerst die Beine und dann den Oberkörper des Mannes hoch und legt so den ganzen Verbrecher auf der Fensterbank ab – ein lauter Schrei ertönt und dann befindet sich nur noch ein Mann im Zimmer.

    Von der Charité bis zum Altar

    Kaßner überlebt mit mehreren Knochenbrüchen auf dem Asphalt, sodass Kommissar Werneburg, der Spezialist für Raubüberfälle im Polizeipräsidium, ihn zunächst in die Charité einweisen lassen muss. Aber auch dieses einschneidende Erlebnis und die Demütigung läutern Kaßner nicht, und sie halten ihn schon gar nicht davon ab, sich nach seiner Genesung im Dunkel der Nacht wieder neue Fassaden zu suchen. Er will klettern, muss klettern, um zu überleben, auch wenn die Gefahr sein ständiger Begleiter ist. Das Klettern ist auch zur unwiderstehlichen Sucht geworden.

    Anderthalb Jahre später sorgt er erneut für Polizeieinsätze. Im Mai 1927 findet im Norden der Stadt im Hause eines Gastwirts eine Verlobungsfeier statt. Der Sekt fließt in Strömen, dann wird die Harmonie jäh gestört, als aus unbekannten Gründen eine Prügelei eskaliert, sodass die Polizei anrücken muss. Doch auf dem Polizeirevier kommt der zukünftige Bräutigam der Gastwirtstochter gar nicht an. Und dann müssen die Beamten der ahnungslosen jungen Frau auch noch mitteilen, dass sie sich ausgerechnet mit dem „König der Fassadenkletterer“, Paul Kaßner, verlobt hatte, der sich ihr gegenüber unter falschem Namen als Kaufmann präsentiert hatte.

    Auch das Verlobungsgeschenk, eine Diamantenbrosche, musste sie wieder abgeben – sie stammte aus einem der Raubzüge Kaßners. Kurze Zeit später wird Kaßner in der Nähe des Stettiner Bahnhofs bei einer Prügelei festgenommen.

    Auch die letzte Phase der Weimarer Zeit wird für die Kaßners zu einem munteren Potpourri an Festnahmen, Gefängnisstrafen – und erneuten Ausbrüchen beider Brüder. Die Fassadenkletterer waren da schon längst in die Unterhaltungskultur der Stadt eingegangen: Ihre Abenteuer wurden in Gedichten, Romanen, Theaterstücken und sogar in Filmen aufgegriffen.

    Im April 1928 gelingt Paul Kaßner die Flucht aus einem streng bewachten Gefangenentransport gen Plötzensee. Seine neu gewonnene Freiheit nutzt er dann, um sich ausgiebig zu betrinken, wonach er schließlich besinnungslos an der Ecke Unter den Linden/Friedrichstraße von einem Polizeibeamten aufgegriffen wird. Die Gerichtsverhandlung im September des Jahres offenbart schließlich einen nahezu typischen Lebenslauf so mancher Berliner Verbrecher dieser Zeit: Der Vater war Trinker, die Jugend trostlos, von mehreren Geschwistern überlebten nur Paul und Willi. Die ersten Taschendiebstähle begingen sie im Alter von 13 Jahren, dann folgte die Fürsorgeanstalt und schließlich irgendwann das Zuchthaus.

    Der Bann war gebrochen und der Verbrecher geboren, der diesem ewigen Kreislauf nichts entgegensetzen konnte oder wollte. Als „guten Jungen“, der jedoch „leicht erregbar und krankhaft veranlagt“ sei, beschrieb ihn seine Mutter; als „jähzornigen Psychopathen, der unbeherrscht seinen Trieben folgt und auch von hohen Strafen nicht abgeschreckt wird“, der Gerichtsmediziner Medizinalrat Dr. Münich. Münich kam auch zu dem Ergebnis, dass der § 51 Reichsstrafgesetzbuch (RStrGB), der über die Zurechnungsfähigkeit der Angeklagten entschied, nicht zur Anwendung kommen könne. Paul Kaßner wurde somit zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, was – der Leser ahnt es schon – auch wieder keinerlei abschreckende Wirkung hatte.

    Ein schnelles Ende

    Doch wie lange kann ein Mensch auf diese Art und Weise leben? Was macht er, wenn er älter und vor allem unbeweglicher wird? Für die Gebrüder Kaßner sollte sich diese Frage nicht mehr stellen. In der Nacht zum 2. Juni 1933 erschoss die Dresdener Polizei einen Diamantenhändler in der Walpurgisstraße, der dort Edelsteine zum Verkauf angeboten hatte. Es war Willi Kaßner, den ein Polizeibeamter zur Rede gestellt hatte.

    Willi Kaßner hatte keine Sekunde gezögert und seine Waffe gezogen, mit tödlichem Ausgang: einem Schuss in seinen Kopf. Und so hieß es diesmal in der standesamtlichen Sterbeurkunde: Das Landeskriminalamt Dresden zeigte an, dass „Wilhelm Hermann Friedrich Kaßner, ohne Beruf, 38 Jahre alt, Wohnort unbekannt, geboren zu Beauregard, Kreis Oberbarnim, Familienstand unbekannt, zu Dresden auf dem Fußweg vor dem Grundstück Walpurgisstraße 4 am ersten Juni des Jahres tausendneunhundertdreiunddreißig nachmittags um elfeinhalb Uhr verstorben sei“.

    Paul Kaßner sollte seinen Bruder nur vier Jahre überleben. Zunächst geriet er als „Gewohnheitsverbrecher“ in den Fokus der Nationalsozialisten. Im Juni 1934 wurde er im schlesischen Brieg von einem Schöffengericht zu Sicherheitsverwahrung verurteilt und nach Berlin abtransportiert. Dort wurde Paul Kaßner „am 19. Februar 1937 in der Alexanderstraße 10 tot aufgefunden“. Es war die Adresse des Untersuchungsgefängnisses im Berliner Polizeipräsidium.

    Beauregard, Wriezen
    https://www.openstreetmap.org/node/766701333#map=9/52.550/13.889

    #Berlin #Geschichte #Kriminalität #Nazis #Berufsverbrecher #Eimbrecher

  • Großeinsatz in Hakenfelde: Mann im Drogenrausch bedroht Feuerwehrleute mit Pistole
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/grosseinsatz-in-hakenfelde-mann-im-drogenrausch-bedroht-feuerwehrle

    In #Hakenfelde willst Du nicht tot übern Zaun hängen. Wenn Scheiße dann wenigstens nicht langweilig. In Gesundbrunnen, Kreuzkölln oder zur Not Schöneberg-Nord ist wenigstens was los. In H. brauchst Du Drogen allein um die Ödnis ertragen zu können. „Erschießen“ von Ideal wäre als Soundtrack noch zu aufregend für die Schlafstadt.

    https://www.youtube.com/watch?v=rkiZoNr6_cw

    2.3.2026 vin Andreas Kopietz - Die Feuerwehr wurde zu einer verletzten Frau gerufen. Dann ging der Peiniger auf die Retter los.

    Es bleibt nicht mehr bei Pöbeleien und Beleidigungen: Am Sonntag wurden in Berlin-Spandau zwei Feuerwehrleute der Wache Spandau-Nord bedroht – nach Informationen der Berliner Zeitung mit einer Schusswaffe.

    Am frühen Morgen war die Besatzung des Rettungswagens (RTW) zu einer verletzten Frau in den Paula-Hirschfeld-Steig in Hakenfelde gerufen worden. Die 17-Jährige hatte eine Kopfplatzwunde erlitten. Als die beiden Sanitäter sie versorgen wollten, bedrohte der unter Drogeneinfluss stehende 19-jährige Lebensgefährte der jungen Frau die beiden Retter mit einer Pistole.

    Ein Feuerwehrsprecher bestätigte auf Anfrage den Vorfall am Montag: Aufgrund einer verletzten Person in einer Wohnung sei ein RTW gerufen worden. Vor Ort seien sie mit einer Waffe bedroht worden, sagte der Sprecher. Die Besatzung habe sich daraufhin zunächst zurückgezogen und die Polizei alarmiert.

    Angreifer hatte offenbar eine Partydroge intus

    Die kam nach Angaben von Zeugen mit einem größeren Aufgebot, weil zunächst vermutet wurde, dass der Mann dem Clan-Milieu angehörte, was sich aber nicht bestätigte. Polizisten nahmen den 19-jährigen Aggressor in Gewahrsam. Sie stellten bei ihm eine Schreckschusspistole sicher.

    Die verletzte 17-Jährige wurde vom zuerst alarmierten RTW zur Behandlung ebenfalls in eine Klinik transportiert, wo sie stationär aufgenommen wurde. Der aggressive Mann kam unter Polizeibegleitung in eine psychiatrische Klinik. Dem Vernehmen nach hatte er die Droge 3-MMC konsumiert. Die Designerdroge wird vor allem in der Partyszene benutzt und wirkt aufputschend und euphorisierend.

    Die von der Bedrohung betroffene Rettungswagenbesatzung wurde nach Angaben des Feuerwehrsprechers von einem Einsatznachsorgeteam der Berliner Feuerwehr betreut. Eine Polizeisprecherin bestätigte auf Anfrage, dass die Polizei wegen häuslicher Gewalt alarmiert worden sei. Gegen den 19-Jährigen wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung eingeleitet.

    Für das Jahr 2024 wurden in Berlin insgesamt 1925 tätliche Angriffe auf Einsatzkräfte, einschließlich Polizei, gemeldet. Allein bei der Berliner Feuerwehr gab es im Jahr 2024 rund 121 gezielte Angriffe. Diese Zahlen steigen von Jahr zu Jahr.

    #Berlin #Spandau #Kriminalität

  • Organisierte Kriminalität in Berlin: SPD und CDU sind wohl schon im Wahlkampfmodus
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/organisierte-kriminalitaet-in-berlin-spd-und-cdu-sind-wohl-schon-im

    Und wo bleibt die Sonderstastanwaltschaft für Ermittlungen gehen die Uber-organisierte Keiminalität? Der Schaden, den diese Banden anrichten ist um ein vielfaches größer als alle Ballermänner zusammen verursachen können. Die Uber-Gangster zerstören angeführt von den Spitzdn eimes US Weltkonzerns den Kern unseres Zusamnenlebens indem sie mit Schwarzarbeit und illegaler Monopolbildung die Lebensverhältnisse von 99 Prozent der Mitglieder unserer Gesellschaft angreifen.

    25.2.2026 von Andreas Kopietz - Polizeichefin Slowik sorgt mit ihrer Aussage zu den täglichen Schießereien in der Hauptstadt für Verwunderung. Nun meldet sich die Staatsanwaltschaft.

    Wie schlimm steht es um die sogenannte Organisierte Kriminalität in Berlin? In letzter Zeit ist die Berliner Luft ziemlich bleihaltig. Fast jeden Tag wurde im vergangenen Jahr scharf geschossen. Auch in den ersten zwei Monaten dieses Jahres sitzen Pistole und Revolver recht locker.

    Jedoch war den Worten von Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik in dieser Woche zu entnehmen, dass nur ein Teil der Schussabgaben von Tätern stamme, die „organisierten Strukturen“ angehören. Der weitaus größere Teil, so musste man ihr Statement im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses interpretieren, schießt einfach so um sich. Weil die Kriminellen es können, weil scharfe Schusswaffen weit verbreitet sind.

    Slowik beharrte darauf: „Wir haben keine konkreten Hinweise auf einen Bandenkrieg in dieser Stadt wie in Chicago in den 30er-Jahren.“ Und sie kritisierte die Medien und warf ihnen vor, vieles zu vermischen und zu übertreiben.

    Lukrative Einnahmequellen für Organisierte Kriminalität

    Das verwundert manchen. Nicht nur, weil Barbara Slowiks Behörde im November die „Besondere Aufbauorganisation Ferrum“ gründete. Die Sondereinheit soll die ständigen Schüsse aufklären – vor allem jene, die im Zusammenhang mit Schutzgelderpressungen stehen. Erst in der vergangenen Woche beschlagnahmten Fahnder der „BAO Ferrum“ (Ferrum, lat. für Eisen) in zwei Lokalen in Gesundbrunnen fünf scharfe Waffen.

    Für Verwunderung sorgte Slowik, weil sie Mitte Januar noch der Deutschen Presse-Agentur gesagt hatte, es gehe zum einen um Revierkämpfe im Bereich der Drogenkriminalität. Wiederholte Schussabgaben auf Geschäfte und Häuser bezeichnete sie als gewaltbetonte Bedrohung und Erpressung erfolgreicher Geschäftsleute. „Letztlich geht es in beiden Fällen um die lukrativsten Einnahmequellen für die Organisierte Kriminalität.“

    Nun aber führt die Polizeichefin die vielen Schießereien vor allem auf „die hohe Verfügbarkeit von Schusswaffen zurück“. Dies sei das Kernthema.
    Nun auch noch die Ermittlungsgruppe „Telum“

    Das klingt aus Sicht mancher ihrer Mitarbeiter verharmlosend. Soll das heißen: Wir haben die Lage im Griff? Die SPD-Innensenatorin hat die Lage im Griff?

    Am Dienstag, einen Tag nachdem Slowiks Feststellung die Runde machte, verschickte dann die Berliner Staatsanwaltschaft – deren Dienstherrin eine Politikerin von der CDU ist – eine Pressemitteilung: „Anlässlich der seit dem vergangenen Jahr im gesamten Stadtgebiet begangenen Straftaten zum Nachteil türkisch-kurdischer Gewerbetreibender, insbesondere der Schussabgaben auf ihre Lokale durch mutmaßlich türkisch-kurdische Mitglieder der organisierten Kriminalität (OK), hat die Polizei Berlin im Rahmen der eigens hierfür gegründeten BAO Ferrum intensive Ermittlungen geführt, die bereits zu ersten Ermittlungserfolgen geführt haben“, heißt es in der Erklärung.

    Und weiter heißt es: „In jüngster Vergangenheit kam es zu weiteren vergleichbaren Straftaten. Die Zahl entsprechender Verfahren bei der Staatsanwaltschaft steigt an.“ Deshalb habe die Leiterin der Staatsanwaltschaft Berlin entschieden, personelle Ressourcen zu verlagern, um den Bereich für die OK-Bekämpfung zu verstärken. Innerhalb der für das Kriminalitätsphänomen zuständigen OK-Spezialabteilung werde damit die Ermittlungsgruppe „Telum“ (lat. für Geschoss) gegründet.

    GdP: Polizisten sollen nicht für den Papierkorb arbeiten

    „Die BAO Ferrum arbeitet gut und viel, und das muss bei uns gespiegelt werden“, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Für den Anfang bestehe die neue Ermittlungsgruppe aus drei Staatsanwälten. Die Zahl könne bei Bedarf aufgestockt werden.

    Zur Frage, ob hier vielleicht schon Wahlkampf im Spiel sein könnte, wie etwa innerhalb der Gewerkschaft der Polizei (GdP) geargwöhnt wird, möchte sich der Sprecher der Staatsanwaltschaft nicht äußern.

    Die GdP jedenfalls begrüßte in einer am Dienstag verschickten Erklärung den Aufbau der Ermittlungsgruppe „Telum“ bei der Staatsanwaltschaft als „wichtigen Schritt“ zur behördenübergreifenden Zusammenarbeit im Kampf gegen die Organisierte Kriminalität. Gerade in diesem Bereich sei es wichtig, einen ganzheitlichen Ansatz zu wählen, um die Ermittlungen im Bereich Schwerstkriminalität voranzubringen: „Insofern ist es gut für die Zusammenarbeit, dass auch die Staatsanwaltschaft Expertise bündelt, damit unsere Kollegen am Ende nicht für den Papierkorb arbeiten.“

    #Berlin #Kriminalität #Verwaltung

  • Per Haftbefehl Gesuchter war mit Familie unterwegs: Berliner Polizei findet Tausende Euro als Münzen in Kinderwagen versteckt
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/per-haftbefehl-gesuchter-war-mit-familie-unterwegs-berliner-polizei-fin

    Automatenknacker ist ein harter Job, aber es kommt was zusammen. Als Karriereoption taugt er dennoch nicht, dazu ist das Gewicht der Beute pro Euro einfach zu hoch.

    Lob dem Papiergeld. Noch mehr Zaster lässt sich nur mit virtueller Knete auf Bankkonten machen. Merke : Verbrechen lont sich, nur sollte es nicht zu schwer sei, wortwörtlich in Kilogramm gemessen, natürlich.

    11.2.2026 - Ein alltägliches Bild: Ein Mann und eine Frau sind mit Kindern und einem Kinderwagen unterwegs. Doch Polizisten sind misstrauisch – zu Recht.

    Polizisten haben in Berlin-Marienfelde eine mutmaßliche Diebesgruppe gestellt, die mit einem Kinderwagen voller Geldmünzen unterwegs gewesen ist. Sie soll zuvor mehrere Spielautomaten aufgebrochen haben, wie die Polizei bei WhatsApp mitteilte.

    Nach den Angaben war ein Mann, nach dem mit einem europäischen Haftbefehl gesucht wird, mit einer Frau und zwei Kindern am Montagabend unterwegs. Sie fielen Zivilbeamten der Polizei auf. Neben den Münzen in dem Kinderwagen stellten die Polizisten weitere in der Kleidung der Kinder fest, wie es hieß. Zudem stießen die Beamten auf gefälschte Ausweise, ein Pfefferspray und zwei Schraubenzieher.

    „Unsere Kollegen hatten dann die tolle Aufgabe, das Geld zu zählen“, hieß es von der Polizei. Welche Summe sichergestellt wurde, gab die Polizei noch nicht an, nannte aber als Mindestsumme 2.842 Euro. (dpa)

    #Berlin #Kriminalität

  • Einsatz von KI, mehr Razzien und Verbundeinsätze: Berliner CDU will den Kampf gegen Organisierte Kriminalität weiter verstärken
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/einsatz-von-ki-mehr-razzien-und-verbundeinsatze-berliner-cdu-will-den-k

    16.11.2025 - Bei Organisierter Kriminalität geht es oft um Drogen, Waffen oder Menschenhandel - aber auch Mietwagen und Spielautomaten. Die CDU will den Druck auf Netzwerke erhöhen.

    Die Berliner CDU will den Kampf gegen Organisierte Kriminalität weiter verstärken. Dafür hat der Landesvorstand der Partei bei einer Klausurtagung in Magdeburg ein Papier mit zehn Maßnahmen beschlossen, wie eine Sprecherin mitteilte. Zuvor hatte die „Welt“ unter Berufung auf den Zehn-Punkte-Plan berichtet.

    Das Sofortprogramm geht auf eine Vorlage von Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) zurück, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Ziel ist, kriminellen Netzwerken die finanziellen Grundlagen zu entziehen, Ermittlungen zu beschleunigen und Einflussnahme auf Justizverfahren zu erschweren. „Wir sind entschlossen, den Sumpf der Organisierten Kriminalität in unserer Stadt trockenzulegen“, sagte CDU-Generalsekretärin Ottilie Klein der dpa.

    Dabei dürften nicht nur die Täter ins Visier genommen werden, sondern auch Netzwerke und Strukturen, die im Hintergrund kriminelle Handlungen ermöglichten. „Das heißt, wir müssen Kriminalität dort angreifen, wo sie entsteht – in den Grauzonen der Wirtschaft und in der Schattenwelt der Finanzströme“, heißt es in dem Papier.
    Mehr Durchsuchungen im Gefängnis

    Geplant sind unter anderem der Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei Finanzermittlungen und eine Erlaubnispflicht für Autovermietungen mit Zuverlässigkeitsprüfung. In Gefängnissen soll es mehr Durchsuchungen mit Drogen- und Datenträgerspürhunden geben, damit Straftäter nicht aus der Haft weiter agieren.

    Eine Schlüsselrolle im Kampf gegen Organisierte Kriminalität nehmen aus Sicht der CDU sogenannte Verbundeinsätze ein, bei denen Polizei, Justizverwaltung, Ordnungsämter der Bezirke und Staatsanwaltschaft gemeinsam vorgehen. In diesem Jahr gab es mehrere solcher Einsätze, beispielsweise im April, als mehr als 400 Polizisten 80 Orte in Berlin durchsuchten und Spielautomaten beschlagnahmten. Durch solche Einsätze wurden nach CDU-Angaben 620.000 Euro an illegalen Erträgen gesichert, weitere 3,5 Millionen Euro stehen zur Einziehung an.

    Clans im Fokus

    Mit ihren Maßnahmen nimmt die CDU weiter Clans in den Fokus. Der Begriff Clankriminalität ist umstritten, weil er nach Ansicht von Kritikern Menschen mit Migrationshintergrund alleine aufgrund ihrer Familienzugehörigkeit und Herkunft stigmatisiert und diskriminiert. Die CDU verweist jedoch auf Erkenntnisse von Sicherheitsbehörden: Aktuelle Lageberichte und Erkenntnisse belegten „alarmierende Verbindungen zwischen Clanmitgliedern und islamistischen Gruppierungen“.

    Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) begrüßte den CDU-Plan. „Die Organisierte Kriminalität ist wie eine Hydra, die immer mehr Geschäftsfelder für sich erkennt, global agiert und sich schnell an die gesetzlichen Rahmen anpasst“, teilte der Berliner GdP-Landeschef Stephan Weh mit. „Am Ende des Tages geht es um Einfluss, vor allem aber um Geld, und genau da müssen wir ran.“

    Die GdP erneuerte auch ihre Forderung nach Bargeldobergrenzen. Man müsse Geldwäsche endlich effektiver verfolgen können. „KI kann dabei helfen, eine Reduzierung der Möglichkeiten, mit Bargeld zu hantieren, sowieso“, sagte Weh. (Tsp, dpa)

    #Berlin #Kriminalität #organisierte_Kriminalität

  • Fahrdienste: Land will Druck auf illegale Mietwagenfirmen erhöhen
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/fahrdienste-land-will-druck-auf-illegale-mietwagenfirmen-erhohen-148335

    13.11.2025 - Gefälschte Zulassungen und steigende Anträge: Brandenburg will schärfer gegen illegale Praktiken im Mietwagengewerbe vorgehen.

    Das Verkehrsministerium in Brandenburg will angesichts illegaler Strukturen im Mietenwagengewerbe den Druck auf „schwarze Schafe“ erhöhen. Es gebe Gespräche mit Mietwagen-Plattformen wie etwa Uber und Bolt, sagte Verkehrsminister Detlef Tabbert (BSW) im Verkehrsausschuss des Landtags in Potsdam. Man wolle sich abstimmen, um gemeinsam „schwarze Schafe“ aus dem Markt zu drängen. „Wir werden den Druck erhöhen“, sagte Tabbert.

    Landkreise in Brandenburg beklagen illegale Geschäftspraktiken von Mietwagenfirmen und fordern das Land zum raschen Handeln auf. Es geht um eine Standortverlagerung von Mietwagenunternehmen aus Berlin in umliegende Regionen in Brandenburg, obwohl die Fahrzeuge dennoch meist auf den Straßen der Hauptstadt unterwegs sein sollen.
    Gefälschte Unterlagen

    Es gibt Kritik, dass gesetzliche Auflagen nicht erfüllt und auch gefälschte Unterlagen vorgelegt werden. Die für die Genehmigungen im Fahrdienstgewerbe zuständigen Landkreise beklagen, dass die Zahl der Anträge auf Zulassung von Fahrzeugen spürbar gestiegen ist.

    Seit dem Sommer arbeite die Landesregierung mit Nachdruck an dem Thema, sagte der Minister. Die nächste Arbeitsberatung dazu sei am 3. Dezember geplant.
    Austausch mit Berlin soll intensiviert werden

    Eines der großen Probleme sei, dass bei Bolt, Uber und Freenow gefälschte Zulassungen vorgelegt würden, sagte der Abteilungsleiter im Verkehrsministerium, Hartwig Rolf. Künftig soll der Datenaustausch zwischen den Landkreisen und dem in Berlin zuständigen Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (Labo) verbessert werden, wie das Ministerium ankündigte. Zudem sei eine Fortbildung für brandenburgische Genehmigungsbehörden angedacht.
    Berliner Senat ließ bereits Hunderte Autos entfernen

    Uber und Bolt betreiben keine eigenen Flotten, sondern vermitteln Fahrten auf ihren Plattformen an Mietwagenunternehmen. Für sie gilt, dass sie nach jeder gebuchten Fahrt eigentlich wieder zum Unternehmenssitz zurückfahren müssen und unterwegs keine Fahrgäste aufnehmen dürfen, es sei denn, eine weitere Fahrt wird gebucht. Weil sie ihre Preise der Nachfrage anpassen können, sind sie häufig günstiger als herkömmliche Taxis.

    Der Berliner Senat hatte in der Vergangenheit den gesamten Fahrzeugbestand auf den Mietwagenplattformen Uber, Freenow und Bolt überprüft und Hunderte Autos entfernt. Grund für die Sperrung der Fahrzeuge waren demnach fehlende, abgelaufene oder falsche Genehmigungen.

    #Brandenburg #Kriminalität #Mietwagen #Uber

  • Justizminister folgen Berlins Vorschlag : Härterer Kampf gegen die Autovermieter der Clans und Banden
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/justizminister-folgen-berlins-vorschlag-harterer-kampf-gegen-die-autove

    8.11.2025 von Alexander Fröhlich Wer Autos vermieten will, soll von den Behörden stärker durchleuchtet werden. Berlins Justizsenatorin legt für den Kampf gegen das Geschäft mit Fluchtwagen, Kokstaxis, Autorennen und Protzfahrten einen Plan vor.

    Erfolg für Berlin im Kampf gegen die organisierte Kriminalität bei der Justizministerkonferenz in Leipzig: Am Freitag hat das Gremium auf Vorschlag von Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) ein härteres Vorgehen im Bereich der Autovermieter beschlossen. Wer Autos vermieten will, soll künftig durchleuchtet, der Markt für gewerbliche Autovermieter stärker reguliert werden.

    Grund für den Antrag Berlins sind Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden, dass immer mehr Autovermieter direkt und indirekt Verbindungen zur Organisierten Kriminalität aufweisen. Auch Clanangehörige fallen immer wieder damit auf, dass sie gezielt Autovermietungen betrieben, um die Fahrzeuge für schwere Straftaten zu benutzen.

    Dazu zählen Geldautomatensprengungen, Raubüberfälle auf Geldtransporter, Blitzeinbrüche, Drogenkuriere, das Einschleusen von Ausländern, aber auch illegale Autorennen, die teils mit schweren Unfällen enden. Regelmäßig fallen Ermittlern Clan-Sprösslinge auf, die eigentlich Sozialleistungen bekommen und sich trotzdem Luxuswagen ausleihen – etwa für Protzfahrten. Nach Erkenntnissen der Polizei werden einige Unternehmen inzwischen als systemrelevant für das Milieu eingestuft.

    Das Landeskriminalamt (LKA) stellte bei einer Sonderauswertung fest, dass von den 2000 Berliner Autovermietungen mit rund 60.000 Fahrzeugen rund 60 Firmen mit ihren rund 2200 Autos Verbindungen zur Clankriminalität haben. Vor zwei Jahren waren es 40 verdächtige Vermieter.

    Ohne präventive Überprüfung der Anbieter können auch kriminelle Akteure Fahrzeuge bereitstellen. Felor Badenberg (CDU), Senatorin für Justiz und Verbraucherschutz

    Doch bislang fehlt den Behörden das nötige Werkzeug, um kriminelle Geschäfte bei der Autovermietung bereits von Beginn an im Keim zu ersticken. „Ein zentrales Problem ist, dass der Zugang zum Mietwagenmarkt nach wie vor weitgehend unreguliert bleibt“, sagte Justizsenatorin Badenberg dem Tagesspiegel. „Ohne präventive Überprüfung der Anbieter können auch kriminelle Akteure Fahrzeuge bereitstellen.“

    Rechtliche Vorgaben, dass Autovermieter ihr Geschäft von den Behörden genehmigen lassen müssen, fehlen. Bislang reicht es, die Vermietung anzumelden. Es gibt keine Zuverlässigkeitsprüfung. Auch sind Vermieter nicht wie Banken oder Versicherer verpflichtet, Hinweise auf Geldwäsche zu melden oder ihre Geschäfte umfassend zu dokumentieren. Einige Vermieter verschleiern daher ihre Strukturen bis ins Ausland. Auch Leasingfirmen, die Verträge mit Vermietern machen, erleiden dadurch Verluste.
    Niederländische Banden weichen auf deutsche Anbieter aus

    „Deshalb ist eine Erlaubnispflicht für Autovermietungen dringend notwendig, um sicherzustellen, dass nur zuverlässige Anbieter tätig werden“, sagte Badenberg. „So verhindern wir, dass Mietfahrzeuge weiterhin für kriminelle Zwecke missbraucht werden und erschweren den Zugang zu den Mitteln der Organisierten Kriminalität.“

    Felor Badenberg (CDU), Berlins Senatorin für Justiz und Verbraucherschutz, hat den Kampf gegen die organisierte Kriminalität zu ihren Schwerpunkten erklärt. © dpa/Sebastian Gollnow

    Die Justizminister der Länder drängen nun darauf, dass eine gewerberechtliche Erlaubnispflicht für Autovermietungen eingeführt wird. Mit den bisherigen Mitteln, wie einem Gewerbeverbot, sei das Problem nicht mehr in den Griff zu bekommen, hieß es. Denn inzwischen greifen wegen der laxen Regeln in Deutschland sogar niederländische Banden, von Automatensprengern bis zur bewaffneten Drogenmafia, wegen der strengeren Vorgaben im Nachbarland auf deutsche Mietwagen zurück.

    Die Justizminister wollen, dass bei fehlender Zuverlässigkeit und ohne Nachweis des Versicherungsschutzes derlei Vermieter gar nicht erst zugelassen werden. Wer bereits wegen Straftaten verurteilt wurde, soll kein Auto vermieten dürfen. Abfragen zu Straftaten, beim Gewerbezentralregister und beim LKA sollen zum Standard werden.
    Autovermieter als Dienstleister für Banden

    Die Ermittler haben bislang große Probleme in dem Bereich. Sie gehen davon aus, dass dubiose Vermieter genau wissen, dass ihre Autos für Straftaten genutzt werden. Die Ermittler sprechen vom Phänomen „Crime as a service“ – also Kriminalitätsdienstleistung.

    Einige Autovermieter haben Ermittlern zufolge teils einzig die Aufgabe, ihre Dienste Kriminellen anzubieten oder allein zum Zweck der Geldwäsche. Weit verzweigte Strukturen führen häufig dazu, dass Ermittler nicht feststellen können, wer einen Mietwagen, der als Fluchtauto genutzt wird, gefahren hat.

    Beute aus Straftaten fließt in Autovermietungen

    Oft setzen Kriminelle für ihre Firmen Strohmänner als Geschäftsführer ein, nicht selten mittellose Personen aus dem Ausland, um Eigentumsverhältnisse zu verschleiern. Häufig werden auch Firmennamen gewechselt, Scheinadressen genutzt und Betriebsstätten erfunden.

    Hinzu kommen mehr Betrugsstraftaten. Vermieter versichern ihre Autos als Privat- und nicht als Mietwagen und sparen so bei den Kosten für die Versicherer. Die Firmen werden teils auch für Geldwäsche genutzt. Mit Beute aus Straftaten und Erlösen aus kriminellen Geschäften werden teurer geleast und ebenfalls mit schmutzigem Geld angemietet.

    Das Berliner LKA hat trotz der Ermittlungsprobleme beim Einschreiten gegen die Geschäfte solcher Vermieter deutschlandweit eine Vorreiterrolle. Derzeit läuft unter Führung des Berliner LKA nun für zwei Jahre ein europaweites Projekt namens „Rent“.

    Mit dabei sind die europäische Polizeibehörde Europol, die Niederlande, Italien und Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen, Bayern und Niedersachsen, aber auch die Versicherungswirtschaft. Eine Million Euro fließen dafür von der Europäischen Union.

    #Berlin #Kriminalität #organisierte_Kriminalität #Mietwagen #Autovermietung

  • Spuren führen ins Clan-Milieu: Berlin geht gegen Vermieter von Luxusautos und Fluchtwagen vor
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/spuren-fuhren-ins-clan-milieu-berlin-geht-gegen-vermieter-von-luxusauto

    22.10.2025 von Alexander Fröhlich - Fluchtwagen, Kokstaxis, Autorennen und Protzfahrten: Das Landeskriminalamt führt ein europaweites Projekt gegen kriminelle Autovermieter an. Deren Zahl in Berlin steigt.

    Das Berliner Landeskriminalamt (LKA) verschärft den Kampf gegen dubiose Autovermietungen. Bei einer Sonderanalyse stellten die Experten des LKA im vergangenen Jahr Spuren ins Clan-Milieu fest. Demnach haben von den 2000 Berliner Autovermietungen mit rund 60.000 Fahrzeugen rund 60 Firmen mit ihren rund 2200 Autos Verbindungen zur Clankriminalität. Vor zwei Jahren waren es 40 verdächtige Vermieter.

    Berlin hat laut Senatsinnenverwaltung beim Einschreiten gegen die Geschäfte solcher Vermieter eine Vorreiterrolle. Deshalb leitet das LKA nun für zwei Jahre ein europaweites Projekt namens „Rent“. Mit dabei sind die europäische Polizeibehörde Europol, die Niederlande, Italien und Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen, Bayern und Niedersachsen, aber auch die Versicherungswirtschaft. Eine Million Euro fließen dafür von der Europäischen Union.

    Autos dienen als Rennfahrzeuge, Koks-Taxis und Fluchtwagen

    Oft sind es teure und PS-starke Autos nobler Marken. Überwiegend junge Männer, die bei den großen Vermieterketten solche Wagen gar nicht erst bekämen, kommen nur über kleine Anbieter an die Fahrzeuge heran.

    Ermittlern fallen regelmäßig Clan-Sprösslinge auf, die eigentlich Sozialleistungen bekommen und sich trotzdem Luxuswagen ausleihen. Sei es, um zu protzen, denn die Wagen dienen auch als Herrschaftssymbol und sichern im Milieu Anerkennung. Oder aber für sogenannte Profilierungsfahrten, also Autorennen. Nicht selten kommt es zu schweren Unfällen.

    Obendrein vermieten einige Anbieter ihre Wagen gezielt an Kriminelle – als Fluchtwagen für Einbrüche, Raub, Überfälle auf Geldtransporter oder Kokstaxi-Fahrten. Die Ermittler sprechen vom Phänomen „Crime as a service“ – also Kriminalitätsdienstleistung.

    Einige Autovermieter hätten teils einzig die Aufgabe, ihre Dienste Kriminellen anzubieten oder allein zum Zweck der Geldwäsche. Weit verzweigte Strukturen führen häufig dazu, dass Ermittler nicht einmal feststellen können, wer einen Mietwagen, der als Fluchtauto genutzt wird, gefahren hat.
    Durchsuchungen bei bekannter Großfamilie in Neukölln

    Gegen einen der 60 verdächtigen Vermieter sind Staatsanwaltschaft und Polizei bereits vorgegangen. Im Januar durchsuchten Ermittler in Süd-Neukölln eine Firma, vier Männer stehen unter Verdacht. Der Kopf der Bande ist Mitglied der berüchtigten arabischen Großfamilie Miri. Es geht um Versicherungsbetrug, Krediterschleichung, Sozialleistungsbetrug und Geldwäsche.

    Die Männer sollen die Autos als Privatwagen versichert haben, was deutlich günstiger war als Mietwagen. Um 45.000 Euro sollen sie damit die Versicherung betrogen haben. Die Ersparnis soll in weitere Autos geflossen sein.

    Zudem soll weitere Beute aus Straftaten in die Firma gewaschen worden sein. Bei der Razzia fanden die Ermittler auch ein Koks-Taxi. Auch Drogen wurden gefunden und ein Vermögen von 250.000 Euro beschlagnahmt. Durch Betrug sollen sie sich auch Kredite in Höhe von 400.000 Euro erschlichen haben.
    Berlins Innensenatorin will gegen organisierte Kriminalität vorgehen

    Innensenatorin Iris Spranger (SPD) bezeichnete das vom LKA initiierte Projekt als wichtigen Baustein im Kampf gegen Clankriminalität. Damit solle die organisierte Kriminalität an ihrer empfindlichsten Stelle getroffen werden: bei Geld, Status und Prestige.

    Spranger erhofft sich davon einen wichtigen Schlag gegen Geldwäsche und Versicherungsbetrug. „Außerdem steigern wir dadurch die Sicherheit auf den Berliner Straßen“, sagte die Innensenatorin. Gerade die Wagen der dubiosen Autovermieter fielen durch aggressives Verhalten der Fahrer, Raserei und fehlender Rücksichtnahme auf. Die schwächsten Verkehrsteilnehmer, Fußgänger, Familien, Kinder und Senioren, müssten davor geschützt werden, sagte Spranger.

    Die Ermittler setzen darauf, mit dem Projekt die Strukturen auszuleuchten. Die Niederlande etwa sind dabei, weil dort bereits härter vorgegangen wird gegen kriminelle Vermieter. Zudem beklagen sich die Behörden dort, dass etwa Banden, die gewerbsmäßig Geldautomaten sprengen, inzwischen auf deutsche Vermieter für ihre Tatfahrzeuge zurückgreifen.

    Auch das Bundesinnenministerium ist Teil des Projekts. Die Senatsinnenverwaltung will neue rechtliche Vorgaben anstoßen, etwa dass Autovermieter sich ihr Geschäft von den Behörden genehmigen lassen müssen. Bislang reicht es, die Vermietung anzumelden. Auch sind Vermieter nicht wie Banken oder Versicherer verpflichtet, Hinweise auf Geldwäsche zu melden. Angestrebt wird auch eine Regulierung des Markts. So könnten neue Vorgaben zur Dokumentation der Geschäfte kommen. Einige Vermieter verschleiern ihre Strukturen bis in Ausland. Auch Leasingfirmen erleiden dadurch Verluste.

    #Berlin #Kriminalität #organisierte_Kriminalität #Mietwagen #Autovermietung

  • Organisierte Kriminalität: Berlin federführend bei Projekt gegen illegale Autovermieter
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/organisierte-kriminalitat-berlin-federfuhrend-bei-projekt-gegen-illegal

    22.10.2025 - Verdächtige Mietwagen, Geldwäsc22.10.2025 - Verdächtige Mietwagen, Geldwäsche, tödliche Unfälle: Wie Berlin mit einer Million Euro und Gesetzesverschärfungen gegen illegale Autovermietungen vorgehen will.

    Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) hat ein entschlossenes Vorgehen gegen illegale Autovermietungen angekündigt. Dazu leitet das Berliner Landeskriminalamt (LKA) das entsprechende europaweite Projekt „Rent“ (englisch für Miete), wie die Innenverwaltung mitteilte.

    Daran nehmen unter anderem das Bundeskriminalamt (BKA), die Niederlande, Europol, die Landeskriminalämter von Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bremen, Bayern, Brandenburg, das Bundesinnenministerium sowie die Gesamtverbände der Versicherungswirtschaft und Autovermieter teil. Zuvor hatten mehrere Berliner Medien über das Thema berichtet.
    Eine Million Euro Fördermittel kommen von der EU

    Für das Projekt steht den Angaben zufolge aus EU-Fördermitteln eine Million Euro zur Verfügung. Es soll zunächst zwei Jahre laufen. Unter anderem ist ein Rechtsgutachten geplant, das klären soll, welche Gesetzesverschärfungen oder Gesetze notwendig sind.

    Es soll außerdem die Strukturen europaweit analysieren, ein Lagebild erstellen, Erkenntnisse über verdächtige Autovermietungen zusammenführen und weitere Bekämpfungsansätze entwickeln.

    „In Berlin gibt es circa 2.000 Autovermietungen mit 60.000 Kraftfahrzeugen. Davon haben rund 60 Autovermietungen Verbindungen zur Clankriminalität“, sagte Spranger. „Deshalb haben wir das Projekt „Rent“ federführend über das LKA Berlin initiiert, um die Organisierte Kriminalität an ihren empfindlichsten Stellen treffen: Geld, Status und Prestige.“
    Spranger hofft auf mehr Sicherheit

    Wenn es gelinge, dem Geschäftsmodell dieser verdächtigen Autovermietungen mit ihren rund 2.200 Autos in Berlin den Nährboden zu entziehen, sei dies ein wirksamer Schlag gegen Geldwäsche und Versicherungsbetrug.

    „Außerdem steigern wir dadurch die Sicherheit auf den Berliner Straßen“, sagte Spranger. „Denn gerade diese Fahrzeuge fallen im täglichen Straßenverkehr mit aggressivem Fahrverhalten, Geschwindigkeitsübertretungen und fehlender Rücksichtnahme gegenüber anderen negativ auf.“ Sie seien häufig in schwere, teilweise tödliche Verkehrsunfälle verwickelt.

    Regeln und Gesetze müssten durchgesetzt und befolgt werden, um gerade die schwächsten Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger, Familien, Kinder und Senioren zu schützen, so die Innensenatorin. „Nach meiner Überzeugung kann nur so das Vertrauen in den handlungsfähigen Staat gestärkt werden. Auf Berliner Straßen gelten Recht und Gesetz und nicht das Recht des Stärkeren.“

    he, tödliche Unfälle: Wie Berlin mit einer Million Euro und Gesetzesverschärfungen gegen illegale Autovermietungen vorgehen will.

    Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) hat ein entschlossenes Vorgehen gegen illegale Autovermietungen angekündigt. Dazu leitet das Berliner Landeskriminalamt (LKA) das entsprechende europaweite Projekt „Rent“ (englisch für Miete), wie die Innenverwaltung mitteilte.

    Daran nehmen unter anderem das Bundeskriminalamt (BKA), die Niederlande, Europol, die Landeskriminalämter von Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bremen, Bayern, Brandenburg, das Bundesinnenministerium sowie die Gesamtverbände der Versicherungswirtschaft und Autovermieter teil. Zuvor hatten mehrere Berliner Medien über das Thema berichtet.
    Eine Million Euro Fördermittel kommen von der EU

    Für das Projekt steht den Angaben zufolge aus EU-Fördermitteln eine Million Euro zur Verfügung. Es soll zunächst zwei Jahre laufen. Unter anderem ist ein Rechtsgutachten geplant, das klären soll, welche Gesetzesverschärfungen oder Gesetze notwendig sind.

    Es soll außerdem die Strukturen europaweit analysieren, ein Lagebild erstellen, Erkenntnisse über verdächtige Autovermietungen zusammenführen und weitere Bekämpfungsansätze entwickeln.

    „In Berlin gibt es circa 2.000 Autovermietungen mit 60.000 Kraftfahrzeugen. Davon haben rund 60 Autovermietungen Verbindungen zur Clankriminalität“, sagte Spranger. „Deshalb haben wir das Projekt „Rent“ federführend über das LKA Berlin initiiert, um die Organisierte Kriminalität an ihren empfindlichsten Stellen treffen: Geld, Status und Prestige.“
    Spranger hofft auf mehr Sicherheit

    Wenn es gelinge, dem Geschäftsmodell dieser verdächtigen Autovermietungen mit ihren rund 2.200 Autos in Berlin den Nährboden zu entziehen, sei dies ein wirksamer Schlag gegen Geldwäsche und Versicherungsbetrug.

    „Außerdem steigern wir dadurch die Sicherheit auf den Berliner Straßen“, sagte Spranger. „Denn gerade diese Fahrzeuge fallen im täglichen Straßenverkehr mit aggressivem Fahrverhalten, Geschwindigkeitsübertretungen und fehlender Rücksichtnahme gegenüber anderen negativ auf.“ Sie seien häufig in schwere, teilweise tödliche Verkehrsunfälle verwickelt.

    Regeln und Gesetze müssten durchgesetzt und befolgt werden, um gerade die schwächsten Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger, Familien, Kinder und Senioren zu schützen, so die Innensenatorin. „Nach meiner Überzeugung kann nur so das Vertrauen in den handlungsfähigen Staat gestärkt werden. Auf Berliner Straßen gelten Recht und Gesetz und nicht das Recht des Stärkeren.“

    #Berlin #Kriminalität #organisierte_Kriminalität #Mietwagen #Autovermietung

  • Überfallen in Neukölln: Diese Stadt ist nur noch gnadenlos
    https://www.berliner-zeitung.de/panorama/brutal-berlin-diese-staste-li.10006730

    Die Kombination aus der wachsenden Zahl sozial Deklassierter und ausgedünnter Sicherheitseinrichtungen macht Verbrechen alltäglich. Es braucht meht Eingliederung, dabei werden soziokulturellen Projekten gerade die Mittel gekürzt. Das Leben wird härter.

    21.11.2025 von Cedric Rehman - Unser Autor wurde am U-Bahnhof Boddinstraße überfallen und seines Handys beraubt. Die Kriminellen gehen damit bei Amazon auf Shoppingtour und kommen auch noch davon.

    Der Polizeibeamte nannte mich am Handy seinen „Hilfssheriff“. Es war als Ermutigung gedacht. Wir telefonierten einen ganzen Nachmittag lang alle 30 Minuten, um uns gegenseitig auf den neuesten Stand zu bringen. Ich saß über Stunden wie festgewachsen neben meinem Telefon zu Hause. Der Polizist und sein Einsatzteam lagen im Neuköllner Stadtteil Britz auf der Lauer.

    Sie wollten einen Amazon-Boten abpassen, der ein in meinem Namen bestelltes Paket an eine fremde Adresse liefern sollte. Meine Aufgabe bestand darin, immer wieder die Lieferinformationen zu aktualisieren oder auf ungewöhnliche Aktivitäten auf meinem manipulierten Konto zu achten. Ich fühlte mich wie in einem Krimi. Und damit lag ich auch nicht falsch. Ich half bei der Aufklärung eines wirklichen Kriminalfalls. Das Opfer der Straftat war ich.
    Die Gesellschaft stigmatisiert die Opfer

    Opfer. Erst nachdem mich Polizei, Behörden oder Versicherungen so bezeichneten, erschloss sich mir die Bedeutung für mein Selbstwertgefühl. Ich habe in meinem Job als Reporter Menschen interviewt, denen in Kriegsgebieten Unsägliches zugefügt wurde. Mich hat immer gestört, dass das Wort für eine Person, der Unrecht zugefügt wurde, über den Jugendjargon hinaus zu einer Beleidigung wurde. Auf Unschuldige herabzuschauen, war für mich Zeichen einer Mitgefühl und Anstand verlierenden Gesellschaft.

    Aber jetzt ertappe ich mich bei meiner Scham, Opfer zu sein. Es fühlt sich erniedrigend an, etwas zugefügt zu bekommen. Es kostet Stolz, um Hilfe zu bitten angesichts von Überforderung. Und die bohrendste aller Fragen: Wie bin ich in diese Lage gekommen?

    Es war ein bezaubernder Abend in einer Altbauwohnung in Kreuzberg. Die Gastgeberin servierte Moules-frites, Muscheln mit Pommes, wie sie in Frankreich und Belgien gegessen werden. Muscheln wollen schwimmen. Es gab Weißwein und zum Aperitif Crémant. Das Abendessen und die gemütliche Tischrunde endeten gegen zwei Uhr in der Nacht. Ich freute mich auf einen Spaziergang an der frischen Luft zur Haltestelle und verzichtete auf ein Taxi. Stattdessen setzte ich mich in die U8. Ich stieg an der Boddinstraße unweit meines Wohnorts im Schillerkiez aus. Das Handy nahm ich noch im U-Bahnhof in die Hand. Ich wollte mich mit einer Kurznachricht für die Einladung bedanken. Das war dumm.

    Der Dieb handelte schneller, als mein Verstand begreifen konnte. Eine Hand griff noch vor dem Ausgang nach meinem Handy. Ich rannte hinterher, schrie, aber der junge Mann war schneller als ich. Ich verließ die U-Bahn-Station im Schock – und bemerkte erst danach eine Leere in der Gesäßtasche. Ein zweiter Täter hatte meine Ablenkung genutzt, um mir den Geldbeutel zu stehlen. Mir wurde eiskalt.
    Die Diebe nutzen das Amazon-Konto

    Zwei Tage später – ich hatte schon Anzeige bei Polizei erstattet, einen neuen Personalausweis beantragt und mein Bankkonto gesperrt – trudelten auf meinem neuen Handy Nachrichten von Amazon über angeblich von mir bestellte Pakete ein. Mit Mühe gelang es mir, Zugang zu meinem Amazon-Konto zu bekommen. Das zweistufige Sicherheitsverfahren ist bei vielen Plattformen an ein bestimmtes Handygerät geknüpft. Es brauchte für die Nerven strapazierende Stunden in Telefon-Hotlines, um wieder die Kontrolle zu erlangen. Beim Anblick der in meinem Namen an eine fremde Adresse bestellten Waren war ich nicht sicher, ob ich weinen oder lachen sollte.

    Der oder die Täter hatten im Wert von Hunderten von Euro alles bestellt, was echte „Gangsta“ brauchen können: Sneaker, Kapuzenpullover, eine Trainingshose, eine Panzerhalskette aus Gold. Ich jubilierte, als ich auf die geänderte Adresse und Handynummer stieß. Die Täter hatten ihre Kontaktdaten hinterlassen. Wie konnten sie so dumm sein?
    Die Polizei legte sich in Britz auf die Lauer

    Ich ließ alles liegen und lief zur Polizeiwache. Danach spielte ich in meinem persönlichen „Tatort“ mit. Der Beamte im Einsatz in Britz machte es in unseren Gesprächen über die Entwicklung auf meinem Amazon-Konto spannend. Er flüsterte am Diensthandy, wenn sich ein Verdächtiger näherte. Einmal brach er das Gespräch ab. Er ließ mich hoffen auf eine Verhaftung.

    Die Polizisten hatten den Amazon-Boten mit dem angeblich von mir bestellten Paket abgepasst und über die Straftat informiert. Ein Beamter rief dann bei der auf Amazon hinterlegten Nummer an und hinterließ als angeblicher Lieferant eine Nachricht. Der Besitzer der Nummer, mutmaßlich einer der beiden Diebe, reagierte aber nicht. Und niemand tauchte bei einem Paketshop in der Nähe auf, den die Polizei als Abholort angegeben hatte. Der Einsatz wurde nach einigen Stunden abgebrochen.

    Drei am Telefon, auf Behörden oder bei der Polizei verbrachte Tage benötigte es, um den Schaden einzugrenzen. Ich stecke wegen eines an mein altes Handy gekoppelten Sicherheitsverfahrens unter anderem bei meinem Mobilfunkdienstleister in einer Sackgasse. Ich kann meine Rechnungen nicht mehr auf meiner Kundenseite einsehen. Mir graut davor, in einigen Tagen mein im Moment gesperrtes Onlinebanking mit neuen Zugangsdaten zu installieren. Immerhin kann ich meine Identität mit meinem Reisepass nachweisen und mich mit Bargeld versorgen. Immer wieder höre ich: Du bist unverletzt, was für ein Glück.

    Die Diebe haben mir mehr genommen als mein Handy und mein Geld. Als Mann, der sich mit Krafttraining fit hält, habe ich mich immer sicher gefühlt. Langsam kommen meine grauen Haare. Bin ich alt geworden und deshalb leichte Beute für Kriminelle?

    Warum habe ich kein Taxi genommen und bin nachts in Berlins Höllenlinie U8 gestiegen? Haben die Täter mir angesehen, dass ich bei dem Abendessen in Kreuzberg ein Glas zu viel getrunken hatte? Sollte ich überhaupt noch abends ausgehen?

    Berlin erscheint mir als immer gnadenloserer Ort, an dem sich Unglück ausbreitet. Menschen, oft nicht in Deutschland geboren, fallen in die Gosse und verhalten sich entsprechend. Es wird im öffentlichen Raum immer schwieriger, Gefahr oder Belästigung aus dem Weg zu gehen. Die guten Menschen der Stadt – dazu zählen Berlins Polizeibeamte, die Helfer von Rettungsdiensten und Feuerwehr – brennen aus, weil sie mit Herausforderungen überfordert sind. Ein Beamter erklärte mir nüchtern, wie schlecht die Chancen auf Aufklärung in meinem Fall stünden. Für eine Handyfahndung sei die Straftat angesichts eines in Deutschland unantastbaren Datenschutzes und hoher Kosten des Verfahrens nicht schwerwiegend genug. Vielleicht waren die Täter schlauer als gedacht.

    Ich habe ein anderes Berlin in Erinnerung. Eines, das schon immer mehr Armut kannte als andere Städte. Aber dafür hatte Berlin etwas, was anderorts oft zu kurz kommt, ein Gefühl von größerer Freiheit. Es ist längst zusammengeschnurrt zu Unbehagen über zu wenig soziale Kontrolle. Ich empfinde nach dem Raub Misstrauen, sobald ich auf die Straße trete. Im Moment geht es mir in meiner Wohnung am besten. So fühlt es sich an, Opfer zu sein.

    #Berlin #Neukölln #U-Bahn #Boddinstraße #Kriminalität

  • Brandbrief der Ordnungsämter: „Berlin faktisch ohne funktionierende Gewerbeaufsicht“
    https://www.berliner-zeitung.de/news/brandbrief-der-ordnungsaemter-berlin-faktisch-ohne-funktionierende-

    Die Berliner Polizei macht ihrem Ruf alle Ehre: Wo sie gebraucht wird, ist sie nicht, und wo sie fehl am Platze ist, tritt sie massiv auf. Die Kriminellen freuts, alle anderen fühlen sich ans New York der Siebziger erinnert. Jest noch ein bischen Korruption und das Bild ist perfekt. Für Kutscher eröffnen sich ganz neue Geschäftsmodelle.

    24.10.2025 - In Teilen Berlins haben sich nach Ansicht der Ordnungsämter Strukturen entwickelt, „die sich offenkundig nicht mehr an geltendes Recht gebunden fühlen“. Sie fordern den Senat zum Handeln auf.

    Die zwölf Berliner Ordnungsämter haben sich in einem Brandbrief an den Senat gewandt und eine Neuorganisation der Gewerbeaufsicht gefordert. „Das Land Berlin verfügt derzeit faktisch über keine funktionierende Gewerbeüberwachung mehr – mit gravierenden Folgen für Rechtsstaat, Sicherheit und fairen Wettbewerb“, schrieb die Amtsleiterin in Charlottenburg-Wilmersdorf, Kerstin Klimsch, im Namen ihrer Kollegen in den anderen Bezirken. „Ohne eine handlungsfähige Gewerbeüberwachung riskiert Berlin, als Ort wahrgenommen zu werden, an dem Gesetze keine praktische Wirkung mehr entfalten und Wirtschaftskriminalität faktisch folgenlos bleibt“, warnt Klimsch weiter.

    Strukturen und Aufgabenverteilung zwischen Bezirken und Polizei sind nach Einschätzung der Ordnungsämter nicht mehr zeitgemäß, die Personalausstattung nicht ausreichend. In etlichen Bereichen fänden schon länger keine oder zu wenige Kontrollen statt. Der Senat sei aufgerufen, die im Rahmen eines Projekts zur Neuorganisation empfohlenen Weichenstellungen mit hoher Priorität umzusetzen.

    Bezirke: „Bereits Strukturen etabliert, die sich offenkundig nicht mehr an geltendes Recht gebunden fühlen“

    Aufgaben der Gewerbeaufsicht werden von Ordnungsämtern und Polizei erfüllt. Die bezirklichen Ämter sind etwa für die Genehmigung von Reisebüros, Restaurants, Spielautomaten, Firmen aller Art, Messen oder Märkten zuständig. Die Überwachung, ob die Regeln eingehalten werden, und die Verfolgung von Verstößen obliegt der Polizei. Ein LKA 33 genanntes Dezernat des Landeskriminalamtes hat dabei etwa Gaststätten, Spielhallen, Wettbüros, Bordelle, Makler, Pfandleiher oder das Sicherheitsgewerbe im Blick.

    In dem Schreiben der Ordnungsämter heißt es nun: „Seit Jahren ist das Landeskriminalamt personell nicht mehr in der Lage, die gesetzlichen Aufgaben der Gewerbeüberwachung effektiv wahrzunehmen.“ Der dortige Gewerbeaußendienst existiere praktisch nicht mehr. „Das führt dazu, dass sich in Teilen dieser Stadt bereits Strukturen etabliert haben, die sich offenkundig nicht mehr an geltendes Recht gebunden fühlen. Wenn der Staat in diesem Bereich dauerhaft nicht präsent ist, entstehen Räume, in denen rechtsstaatliche Grundsätze keine Geltung mehr haben.“

    Die Ordnungsämter schlagen vor, auch die Zuständigkeit für die Gewerbeüberwachung zeitnah in ihren Bereich und den des Landesamts für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (Labo) zu verlagern. Gleichzeitig müsse der Senat die erforderlichen, auskömmlich finanzierten Stellen bereitstellen.

    Polizei sieht Optimierungsbedarf

    Die Polizei zeigte Verständnis für die Wahrnehmung der Bezirke und räumte ein, dass die Summe der überwachten Gewerbegebiete rückläufig sei. Stattdessen würden „über Bezirksgrenzen hinweg Überwachungsschwerpunkte hinsichtlich bestimmter Gewerbearten oder -betreiber gesetzt“. Dies entzieht sich laut Polizei der Wahrnehmung der einzelnen Bezirksämter, sodass für die einzelnen Bezirke nachvollziehbar der Anschein eines Defizits vorhanden sei. Gleichwohl erkannten alle beteiligten Stellen – auch die Polizei – einen Optimierungsbedarf, wie die Behörde weiter mitteilte.

    Die Senatskanzlei befasst sich nach Angaben von Sprecher Michael Ginsburg „bereits seit geraumer Zeit“ mit einem Projekt, „in dem Vorschläge für eine Neuaufstellung der Gewerbeüberwachung erarbeitet und Aufgabenverlagerungen vorgeschlagen“ werden. Weiter hieß es, dass die Senatskanzlei das Schreiben der Bezirke zum Anlass genommen habe, „das Thema auf die Tagesordnung des nächsten Lenkungskreises Ordnungsämter zu setzen“. Dieser tage Mitte November unter Leitung der Staatssekretärin Martina Klement.

    #Berlin #Wirtschaft #Politik #Verwaltung #Kriminalität

  • Berlin: Raubüberfälle in Bus und Bahn – warum Männer häufiger als Frauen betroffen sind
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/berlin-raubueberfaelle-in-bus-und-bahn-warum-maenner-haeufiger-als-

    Wie sieht die Uber-Statistik in Sachen Sicherheit aus? Und was ist mit schrägen Gestalten am Steuer von Taxis? Durch die Abschaffung der Ortskundeprüfung und der Vernichtung der Taxischulen machen sich Uber-Fahrer auch in Taxis breit.

    Das Taxi ist mit Sicherheit immer noch das sicherste Verkehrsmittel des ÖPNV. Damit das so bleibt, müssen die Fahrer qualifiziert und nur die besten für die verantwortungsvolle Arbeit im Taxi zugelassen werden.

    31.7.2024 von Carola Tunk - Viele Berliner fühlen sich im ÖPNV nicht mehr sicher. Vor allem Männer werden Opfer von Raubüberfällen.

    Immer wieder werden in Berliner Bussen, Bahnen und Bahnhöfen Menschen ausgeraubt. Wie die Polizei mitteilt, wurden im vergangenen Jahr 650 Menschen im Berliner ÖPNV Opfer eines Raubes. Dabei ist auffällig: Meistens waren es Männer, die gezwungen wurden, Geld, Handy oder Schmuck herauszugeben. Frauen wurden seltener ausgeraubt.

    Auf Anfrage teilt die Behörde mit: Unter den 650 Raubopfern waren 100 Frauen. Der Großteil der Betroffenen bei dieser Art von Straftaten im ÖPNV waren also Männer. Woran das liegt, bleibt unklar. Gemessen am Fahrgastaufkommen ist das Risiko, Opfer einer Straftat in einem öffentlichen Verkehrsmittel zu werden, jedoch gering.
    Kriminalitätszahlen in S- und U-Bahn seit 2019 rückläufig

    Derzeit suchen die Beamten beispielsweise nach einem Mann, der einen anderen in Neukölln mit einem Messer bedroht haben soll. Der Tatverdächtige soll am Mittwoch, dem 15. November 2023, gegen 21.55 Uhr auf dem Bahnsteig des U-Bahnhofs Boddinstraße in Neukölln einen Mann mit einem Messer in der Hand verfolgt haben.

    Anschließend soll er ihn an der Jacke gegriffen und bedroht haben, bis der Flüchtende schließlich einen Gegenstand fallen ließ. Der Unbekannte ließ dann von dem Mann ab, hob den Gegenstand auf und flüchtete mit der U-Bahn in Richtung Hermannstraße.

    Viele Berliner fühlen sich an den Haltestellen dieser Stadt zunehmend unsicher. Allerdings zeigen Zahlen der Polizei aus dem vergangenen Jahr, dass dem nicht so ist. „Die Kriminalität an Berliner Bahnhöfen ist seit 2019 insgesamt rückläufig“, teilte Staatssekretärin Silke Karcher (Grüne) auf eine Anfrage des CDU-Abgeordneten Danny Freymark hin mit.

    Sommerbaustellen bei der S-Bahn: Diese wichtige Strecke wird ab Mittwoch in Berlin gesperrt

    Im Jahr 2019 wurden den polizeilichen Daten zufolge insgesamt 31.777 Delikte in S- und U-Bahnhöfen registriert. Die Corona-Pandemie führte dazu, dass die Zahl im Jahr 2020 auf 26.508 sank. Im Jahr darauf ging die Kriminalität noch weiter zurück, 23.570 Straftaten wurden damals bearbeitet. Im vergangenen Jahr, als sich das Leben normalisierte, nahmen sie wieder leicht zu.

    Trotzdem lagen sie 2022 „insgesamt unter dem Vorpandemieniveau“, so eine Senatspolitikerin. Die Polizei registrierte 23.836 Straftaten in Berliner U- und S-Bahnhöfen – ein Rückgang um ein Viertsind

    #Berlin #BVG #Taxi #ÖPNV #Kriminalität #Sicherheit

    • von oAnth nach einem ganz offensichtlich sich irritiert zeigenden Kommentar:

      Ich hätte eine entsprechende Meldung, die sich eindeutig verschlagwortet zur Thematik des Tier und Artenschutz äußert, bestimmt nicht so kritisch kommentiert - wenn aber dergleichen zusammenhangslos zwischen politisch und menschenrechtlich höchst brissanten Nachrichten - jedenfalls in meiner Timeline - auftaucht, fühle ich mich seltsam irritiert. Über den illegalen #Tierhandel sollte als eine sehr wohl berichtenswerte Problematik m.E. nicht emotionalisierend, schon gar nicht vom DLF in solch plakativer Form, berichtet werden, da ich es als nicht hilfreich erachte, wenn die komplexe Thematik betreffs Ländern wie Brasilien unkommentiert in Verbindung gebracht und dabei der Eindruck vermittelt wird, als fühle man sich befugt, dem #Globalen_Süden jederzeit auf die Finger zu schauen. M.M.n. handelt es sich bei dieser herablassenden Herangehensweise um ein Erbe kolonialen #Superioritätsdenkens, das sich nicht nur kontraproduktiv in der Angelegenheit der #Kriminalitätsbekämpfung, des Tier und Artenschutzes, sondern grundsätzlich im Rahmen eines globalen Verständnisses zum #Klima- und #Umweltschutz erweist. Mit einer sich mittlerweile multiglobal ausrichtenden Weltordnung lässt sich eine solch von überkommenen Vorstellungen geprägte Art der #Berichterstattung nicht vereinbaren.

  • Frauen betäubt und vergewaltigt? Weitere Anklagen gegen Marvin S. vor Berliner Landgericht
    https://www.berliner-zeitung.de/news/frauen-betaeubt-und-vergewaltigt-weitere-anklagen-gegen-marvin-s-vo

    #Steglitz

    Eva Maria Braungart, Jannik Läkamp - Der 38-Jährige wurde im April unter anderem wegen Vergewaltigung und Körperverletzung schuldig gesprochen. Im Prozess kamen neue Vorwürfe ans Licht. Nun gibt es weitere Anklagen.

    Erst vor einigen Wochen wurde der 38-Jährige wegen der brutalen Vergewaltigung einer Abiturientin zu einer Haftstrafe verurteilt. Er hatte mit der jungen Frau harte Drogen genommen, mit denen sie nicht umgehen konnte. Als sie bewusstlos war, missbrauchte und misshandelte er sie, beschmierte ihren Körper mit erniedrigenden Wörtern. Davon ist das Gericht überzeugt. Die Tat filmte er mit seinem Handy und dem des Opfers. Die Auswertung seines Mobiltelefons brachte die Ermittler auf einen fürchterlichen Verdacht.

    Hat Marvin S. noch weitere Vergewaltigungen begangen? Aufnahmen auf dem Gerät legen das nahe. Nun hat das Berliner Landgericht zwei weitere Anklagen gegen Marvin S. zugelassen. Wie eine Sprecherin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte, soll darüber ab dem 2. Oktober verhandelt werden.

    Konkret geht es um vier Taten zulasten von zwei Frauen. Die mutmaßlichen Opfer sollen ebenfalls bewusstlos gewesen ein. Eine Tat soll sich im Februar 2020 zugetragen haben, die anderen drei in der Zeit von März bis Juni 2021. Die Anklage lautet auf Vergewaltigung wehrloser Personen. Der 38-Jährige soll auch diese Vorfälle mit seinem Handy aufgezeichnet haben. Das Gericht hat bislang elf Prozesstage bis Ende November geplant. Kommt es zur Verurteilung, strebt die Berliner Staatsanwaltschaft eine Sicherungsverwahrung für den Mann an.
    Weitere Vorwürfe gegen Marvin S. wurden erst im Prozess bekannt

    Der 38-Jährige war Mitte Juli wegen der Vergewaltigung einer bewusstlosen Abiturientin zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Auch der fahrlässigen Körperverletzung, Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs und Besitzes von Kinderpornografie wurde er schuldig gesprochen. Die Ermittler hatten bei einer Durchsuchung Kinderpornografie im Umfang von 33 Stunden in seiner Wohnung gefunden.

    Marvin S. wurde zu einer Gefängnisstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt. Nach Überzeugung des Gerichts hatte er im April 2022 die damals 20-Jährige in seiner Steglitzer Wohnung zum Konsum von verschiedenen Drogen animiert und ihren desolaten Zustand ausgenutzt, um einseitig sexuelle Handlungen vorzunehmen. Stunden später wurde die junge Frau ins Krankenhaus eingeliefert, nahezu leblos. Eine Notärztin hatte sie zwölf Minuten reanimieren müssen. Fünf Tage lang lag die Abiturientin im Koma, sie leidet bis heute unter den Langzeitfolgen.

    Was genau passierte, war lange unklar. Das Opfer hat aufgrund einer retrograden Amnesie keine Erinnerung an die Nacht, die sie traumatisiert hat. S. schwieg lange. Doch einige Videos und Fotos, die S. mit seinem und dem Handy seines Opfers machte, gaben Aufschluss. Eines von ihnen zeigt augenscheinlich einvernehmlichen Sex. Andere zeigen, wie sich S. an einer kognitiv stark eingeschränkten oder bewusstlosen B. vergeht, sie missbraucht und misshandelt. Das Gericht sah es daher als erwiesen an, dass Marvin S. die Schülerin vergewaltigt hat, als sie nicht mehr Herrin ihrer Sinne war. Die junge Frau war bereits stark betrunken gewesen, als sie den Täter an einer Bushaltestelle kenngelernt hatte. In seiner Wohnung nahm sie mit S. zusammen – offenbar ohne Zwang, aber ohne das Risiko zu kennen – Heroin und Crack.

    Das Gericht sprach von einem „verstörenden Tatbild“. Der Angeklagte hatte im Prozess erklärt, sexuelle Handlungen seien einvernehmlich gewesen. Das hielt das Gericht für nicht glaubwürdig. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

    Das Opfer, Nebenklägerin im Verfahren, hat laut Gerichtssprecherin Rechtsmittel eingelegt. Die neuen Vorwürfe wurden erst während des ersten Prozesses bekannt, als das Gericht das Handy des Angeklagten auswerten ließ. Der 38-Jährige wurde in der Folge im April 2025 im Gerichtssaal festgenommen und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft.

    #Berlin #Kriminalität

  • Als der Dreifachmörder Oswald Trenkler die Berliner in Angst und Schrecken versetzte
    https://www.berliner-zeitung.de/open-source/als-der-dreifachmoerder-oswald-trenkler-die-berliner-in-angst-und-s

    Die Autorin kriegt am Ende den Moralischen, aber sonst ist die Geschichte gut - man erfährt etwas über die Zustände bei der Berliner Polizei vor der „Zentralen Mordinspektion“ des Ernst Gennat.

    23.7.2025 von Bettina Müller - Er war ein Mann, der nichts zu verlieren hatte: Als Oswald Trenkler im Jahr 1912 eine ganze Familie ermordete, stand er selbst bereits mit einem Fuß im Grab.

    Die Berliner Kriminalstatistik ist eine Lektüre des Grauens, damals – 1912 betrug die Zahl der aufgefundenen Leichen Erwachsener 226 – wie heute: 2024 mussten insgesamt 117 Menschen ihr Leben lassen. Nicht ablesbar war 1912, dass jemand in Serie gemordet oder aber gleich drei Menschen auf einmal erschlagen hatte – und das innerhalb einer Stunde. Bis Oswald Trenkler, der schwindsüchtige Schlossergeselle aus Klein-Schönau in Sachsen, die Berliner eines Besseren belehrte. Ein Täter, der – so die einhellige Meinung der Presse – „weit über die Reichshauptstadt Berlin hinaus allgemeines Aufsehen“ erregte. Denn Oswald Trenkler, dieser geistig nicht gesunde Täter, hatte 1912 tatsächlich innerhalb einer Stunde die gesamte Familie Schulze aus der Alten Jakobstraße 94/95 mit einem Schlageisen dahingemetzelt. Wie hatte es zu diesem Dreifachmord der von der Presse so viel zitierten „Bestie in Menschengestalt“ kommen können?

    Oswald Trenkler, Sohn eines „braven und in seinem Heimatort sehr geachteten Mannes“, ist ein schmächtiger und blasser kleiner Mann. Ein Entlassungsschein aus dem Gefängnis – auch enthalten in einer Kriminalakte des Polizeiamtes der Stadt Leipzig – zeugt von seinem ungesunden Äußeren. Der ledige 1883 in Klein-Schönau in Sachsen geborene Schlossergeselle ist demnach bereits Anfang 1899 wegen schweren Diebstahls vom Landgericht Bautzen zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt worden, und das im Alter von 15 Jahren. Noch im selben Jahr ist er rückfällig geworden, ebenso 1901 und 1904.

    Doch die Strafen werden nie von einer Läuterung gekrönt, im Gegenteil. Was genau er sich 1904 hat zuschulden kommen lassen, geht aus der Akte nicht hervor. Es muss jedoch gravierend gewesen sein, weil er für diese Straftat vom Königlichen Landgericht Dresden zu sechs Jahren Freiheitsentzug verurteilt wurde, die Strafe aber nicht im Gefängnis absitzen musste, sondern in einem für die Gefangenen von den Bedingungen her noch strengeren Zuchthaus.
    Ziellos, verarmt und todkrank

    30. Dezember 1910. Während viele Menschen gut gelaunt dem Jahresausklang entgegensehen, wird Trenkler aus dem Zuchthaus Waldheim entlassen. Da steht er nun mit seinen wenigen Habseligkeiten und weiß nicht so recht, wohin mit sich. Er ist mittlerweile nicht „nur“ ein Dieb, sondern auch ein Betrüger, so viel weiß man bereits. Aber er ist auch schwer krank, weil er sich in Waldheim die Tuberkulose eingefangen hat. Und die ist gnadenlos und wird aus ihm schnell ein blutspuckendes Wrack machen, dessen Lebenszeit in der Folge rasant abnimmt. Der Mann hat nichts mehr zu verlieren. Das rechtfertigt jedoch nicht im Geringsten, was sich über ein Jahr später ereignen wird, als Trenkler sich entschließt, nach Berlin zu gehen.

    Man weiß nicht, wie Trenkler seine Zeit bis zu jenem schicksalsträchtigen Januartag des Jahres 1912 verbracht hat. Wann er sich letzten Endes dazu entschied, einen Raub zu begehen, angeblich, um eine teure, aber eigentlich sinnlose Kur zu finanzieren. Die Morde will er nicht geplant haben. Und auch sonst war später vor Gericht von Demut im Schatten des Damoklesschwertes Tuberkulose bei ihm rein gar nichts zu erkennen.

    Seine Wahl fällt auf die Familie Schulze in der Alten Jakobstraße. August Schulze, das Oberhaupt der Familie, kennt er flüchtig. Der 50-jährige Schulze hat dort einen kleinen Laden, an den sich eine kleine Wohnung anschließt, der ihm, seiner Frau Anna und der 18-jährigen Tochter Margarete ein Zuhause bietet, das in Wirklichkeit aber schon lange keins mehr ist. Immer öfter bekommen Nachbarn Streitigkeiten des Ehepaars mit und wissen auch, dass Schulze „Damenbekanntschaften zweideutiger Art“ pflegt.

    17. Januar 1912. Es ist ein Mittwoch, an dem es bei Schulzes mal wieder laut wird. Die Nachbarn kennen das und kümmern sich nicht weiter darum. Sie ahnen nicht, dass es sich bei dem Lärm diesmal um einen Kampf um Leben und Tod handelt.

    Trenkler hat sich durch eine Seitentür in die Wohnung geschlichen und als erstes die Tochter attackiert. Im Todeskampf reißt sie noch den Ofen von der Wand. Als nächstes erschlägt er die Mutter und zieht dann die beiden Frauenkörper in die Eckwinkel der Stube.

    Als der ahnungslose August Schulze aus dem Schwimmbad nach Hause kommt, lauert sein Mörder bereits im Schrank auf ihn. In dem Moment, in dem der Hausherr die Stube betritt, weicht er entsetzt zurück. Überall Blut, und da! Frau und Tochter liegen regungslos auf der Erde. Er wird vielleicht noch kurz einen eisigen Windhauch in seinem Rücken verspürt haben, mit Sicherheit aber einen wahnsinnigen Schmerz, als Trenkler hinter ihm aus dem Schrank stürzt und ihm ohne zu zögern mit dem schon blutbefleckten Eisen auf den Schädel schlägt. Schulze ist längst bewusstlos zu Boden gesunken, da drischt Trenkler wie ein Wahnsinniger immer noch auf ihn ein.

    „Schreckenstat eines geisteskranken Juweliers“?

    Außerhalb des Ladens geht das Leben in Berlin seinen Gang. Es ist erst Mittagszeit, Trenkler hat tatsächlich am helllichten Tag gemordet. Mindestens eine Stunde lang hat er regelrecht gemetzelt und die Wohnung durchwühlt. Und das alles ungeachtet der Tatsache, dass jeden Augenblick jemand den Juwelierladen hätte betreten können. Dann verlässt Trenkler mit seiner Beute den Laden und schaut nicht mehr zurück.

    Der Berliner Kriminalpolizei bietet sich ein grauenhaftes Bild. Zunächst vermuten die Beamten eine Familientragödie, sodass das Berliner Tageblatt noch am selben Tag in der Abendausgabe fälschlicherweise von der „Familientragödie in der Alten Jakobstraße“ berichtet, die die „Schreckenstat eines geisteskranken Juweliers“ gewesen sei. Die aufgebrachte und zugleich verängstigte Bevölkerung wähnt sich erleichtert in Sicherheit, doch die ist nur von sehr kurzer Dauer, als bekannt wird, dass die gesamte Familie Schulze Opfer eines noch unbekannten Raubmörders geworden ist.

    Am 23. Januar 1912 werden die drei Toten unter großem Andrang auf dem alten Luisenstadtkirchhof in der Bergmannstraße beerdigt. Der Friedhof wird sogar von 10 bis 12 Uhr geschlossen, damit Angehörige und Freunde sich in aller Ruhe von den Toten verabschieden können. Die Verunsicherung ist riesig, der Druck auf die Kriminalpolizei zunehmend. Trenkler ist derweil mit seiner Beute nach Sachsen geflohen. Die Liste der gestohlenen Preziosen ist ellenlang – doch Trenkler denkt wohlweislich zunächst gar nicht daran, die Sachen zu verhökern, um sich nicht in Gefahr zu bringen.
    Ein Händler kommt Trenkler auf die Schliche

    Schließlich geraten drei junge Männer in den Fokus der Ermittlungen. Sie sind einem Omnibusschaffner aufgefallen, weil sie ihre Fahrkarten am Tattag mit blutigen Geldstücken bezahlt haben und zudem Blutflecken auf Hosen und Stiefeln hatten. Doch die Verdächtigen entpuppen sich als unbescholtene Fahrstuhlführer und der Schaffner als ein Mann mit zu viel Fantasie.

    Vier lange Wochen arbeitet die Polizei auf Hochtouren und das ohne Erfolg. Bis Trenkler einen Fehler begeht, der der letzte in seinem Leben wird. Als er in Dresden den Versuch macht, einem Althändler einige wenige Schmuckstücke zu verhökern, vergleicht der sie sofort mit einer Liste, die er – und andere Trödler im ganzen Land – von der Berliner Kriminalpolizei bekommen hat. Das Spiel ist aus für Oswald Trenkler! Für diesen merkwürdig gleichgültigen Täter, dem es, so der Eindruck von Prozessbeobachtern, offenbar völlig egal war, was er getan hatte.

    Ein kurzes Leugnen im Verhörraum, dann sieht der Mörder ein, dass es keinen Zweck hat: Er gesteht. Schließlich legt er auch vor Gericht Rechenschaft über sein verpfuschtes Leben ab, an dem ausschließlich er Schuld hat, niemand anders sonst. Er erzählt, dass er von Schwindsucht geplagt wird, die ihn bald dahinraffen wird, weil er bereits im Endstadium ist. Doch drei Leben für eins, diese Rechnung darf für die Justiz nicht aufgehen. Der Prozess wird für Trenkler zur Qual. Er ist so gut wie tot, spuckt ganze Näpfe mit Blut voll, die Verhandlung muss mehrmals vertagt werden und kann schließlich gar nicht mehr zu Ende gebracht werden. Am 26. Februar 1913 verstirbt Oswald Trenkler in seiner Zelle in Alt-Moabit.

    „Drum stopfe dir die Ohren zu wie ich. Und laß dein innerstes Gelüsten los, Das ist der Todgeweihten letztes Recht“, hieß es im Nibelungenlied aus dem Mund des Mörders Hagen von Tronje, der mit einem ähnlichen Mordrausch wie Trenkler endete. Doch Letzterer war keine Sagengestalt. Er war ein Mensch aus Fleisch und Blut. Und dieser Mann, der in seinen Träumen stets „furchtbare Bilder“ vor sich gehabt hatte, der von Mord, Stechen, Schießen fantasierte, was „in seinen Gedanken lebte und ihn nicht schlafen ließ“, hatte sich ab einem gewissen Punkt unwiderruflich für seinen ganz persönlichen Weg in die Hölle entschieden. Und dabei wollte er andere mitnehmen, sich auch an der Gesellschaft rächen, die ihm in seinen Augen übel mitgespielt hatte.

    Es war in gewisser Weise für den Täter auch eine gefährliche Gemengelage. Eine ungünstige genetische Veranlagung, Folgen einer möglichen Haftpsychose und das Damoklesschwert der Tuberkulose – all das hatte den bereits angeschlagenen geistigen Zustand dieses Täters verschlimmert und ihn in der Folge noch gnadenloser werden lassen. Aus einem Dieb war so ein Dreifachmörder geworden.

    Hätte man damit rechnen können? Wohl kaum. Zumindest gab es nach seinem Aufenthalt in Waldheim erste Anzeichen für eine bevorstehende Krise, die dann aber zum Amoklauf mit Blutrausch eskalierte – zum Beispiel heftige Erregungs- und Rauschzustände mit Schaum vor dem Mund. Doch ohne Intervention von Polizei, Justiz und Ärzten konnte nichts und niemand mehr diesen Täter, der „immer wilder“ geworden war, aufhalten. Schon gar nicht die Rechtsprechung. August, Margarete und Anna Schulze hatten das mit ihrem Leben bezahlen müssen.

    Bettina Müller lebt als freie Autorin in Köln und schreibt für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften, vor allem historisches True Crime, über Kunst, Kultur und Literatur der Weimarer Republik, Reise und Genealogie. Im Herbst erscheint im Berliner Ammian-Verlag ihr Buch „Die Masseuse mit der Hundepeitsche“ (Zwölf historische Kriminalfälle aus Berlin und Umgebung).

    #Berlin #Kaiserreich #Geschichte #Kriminalität

  • Mann im Neuköllner Körperpark erstochen: Mordkommission ermittelt, Zeugen gesucht
    https://www.berliner-zeitung.de/news/mann-im-neukoellner-koerperpark-erstochen-mordkommission-ermittelt-

    Jaja, der Körperpark in Berlin Fixdorf, da passieren schlimme Sachen mit den Fixerkörpern.

    23.6.2025 von Eva Maria Braungart - Am Sonntagnachmittag kommt es in Neukölln zu einem Streit zwischen zwei Männern. Ein 28-Jähriger wird tödlich verletzt.

    Im Körnerpark in Berlin-Neukölln ein Mann es am Sonntagnachmittag durch eine Stichwaffe tödlich verletzt worden. Wie die Berliner Polizei mitteilte, alarmierten mehrere Personen die Polizei zu dem Park. Ersten Ermittlungen zufolge soll es dort gegen 14.50 Uhr zu einem Streit zwischen zwei Männern gekommen sein.

    Dabei soll ein bislang unbekannter Tatverdächtiger einen 28-Jährigen mit einer Stichwaffe so schwer verletzt haben, dass dieser trotz Reanimation und eingeleiteter Notoperation im Krankenhaus verstarb. Die Mordkommission des Landeskriminalamts und die Staatsanwaltschaft übernahmen die weiteren Ermittlungen.

    Tötungsdelikt im Körnerpark: Polizei bittet um Mithilfe

    Die Ermittlungen, insbesondere zum konkreten Tathergang und zum Hintergrund der Tat, dauern an. Dazu bitter die Polizei die Bevölkerung um Hinweise. Mögliche Zeugen, die das Geschehen auf der Wiese neben der Brunnenanlage oder an der Brunnenanlage bis zum Fontainebecken beobachtet haben oder Foto-/Videoaufnahmen in diesem Zeitraum angefertigt haben, werden gebeten, sich an die Polizei zu wenden.

    Hinweise nimmt die 1. Mordkommission des Landeskriminalamts Berlin in der Keithstraße 30 in Tiergarten unter der Telefonnummer (030) 4664-911111, per E-Mail an LKA111-Hinweis@polizei.berlin.de, über die Internetwache oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.

    #Berlin #Neukölln #Körnerpark #Kriminalität #wtf

  • Schüsse vorm Hilton in Mitte: Mann verletzt, Polizei ermittelt
    https://www.berliner-zeitung.de/news/schuesse-vorm-hilton-in-mitte-mann-verletzt-polizei-ermittelt-li.23

    Scheißgegend ist mittlerweile überall. Da steckt System hinter. Alles Vorbereitung. Mit Absicht. Kommt der Tag, wenn der Putin kommt. Hyperschallraketen. Die stecken alle unter einer Decke. Holzauge bleib wachsam.

    20.4.2025 von Eva Maria Braungart / Morris Pudwell - Unbekannte schießen der Nacht zu Sonntag auf einen 22-Jährigen. Anschließend flüchten sie. Die Polizei ermittelt zu den Hintergründen.

    Ein Mann ist in der Nacht zu Sonntag in der Mohrenstraße/Charlottenstraße in Berlin-Mitte durch Schüsse an einer Hand verletzt worden. Wie die Berliner Polizei mitteilte, befand sich der 22-Jährige gegen 4.45 Uhr an der Straßenecke, als ein bislang unbekannter Mann eine Schusswaffe gezogen und mehrmals auf ihn geschossen haben soll.

    Daraufhin soll der mutmaßliche Schütze die Waffe an seinen Begleiter übergeben haben. Auch dieser soll mehrfach auf den 22-Jährigen geschossen haben. Anschließend flüchteten die beiden Tatverdächtigen. Durch die Schüsse wurde ein geparkter Carsharing-Wagen beschädigt.

    Vor den Schüssen soll es zu einem Streit in einem Club in der Mohrenstraße gekommen sein, an dem der 22-Jährige und die Tatverdächtigen beteiligt gewesen sein sollen. In der Straße, in der sich die Schüsse ereigneten, befindet sich der Club Bricks und das Hilton-Hotel. Der Verletzte wurde in ein Krankenhaus gebracht und wird dort operiert. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen zu den Tatverdächtigen und Hintergründen der schweren Körperverletzung übernommen.

    Heute früh wurde gegen 4:45 Uhr in der Mohrenstr./Charlottenstr. in #Mitte ein Mann durch Schüsse an einer Hand verletzt. Zuvor soll es zwischen weiteren Personen und ihm einen Streit gegeben haben. Der Verletzte wurde in ein Krankenhaus gebracht und wird dort operiert. Zu den… pic.twitter.com/exnNtquZEI
    — Polizei Berlin (@polizeiberlin) April 20, 2025

    #Mohrenstraße #Charlottenstraße #Berlin #Mitte #Gendarmenmarkt #Schießerei #Kriminalität #wtf

  • Alexanderplatz, Kottbuser Tor, Görlitzer Park: Gefährliche Orte in Berlin 2024
    https://www.berliner-zeitung.de/news/das-sind-die-gefaehrlichsten-orte-in-berlin-li.2273690

    Na dann los, jagen wir dem braven Bürger mal ein bischen Angst ein. Das verkauft sich, das verleiht Authentizität. Bei genauem Hinsejen versteht man, dass die „Gefahren“ Ursachen haben und so gut wie überhaupt niemand betreffen, der sich bewußt durch die Stadt bewegt. Kellereinbrüche in der Rigaer, wie kommt das wohl?

    Interessiert sich eigentlich noch jemand für die alteingesessenen Gangster und Gangs aus Zehlendorf und Grunewald? Die kriegen heute Hauptstadtzuwachs aus Ost und West, je nach politischer Großwetterlage.

    19.11.2024 von Kathrin Merz - Raub, Körperverletzung, Diebstähle: In Berlin gibt es sieben Orte, an denen besonders viele Straftaten begangen werden.

    Sieben sogenannte kriminalitätsbelastete Orte gibt es in Berlin. Das sind Plätze oder Straßen, an denen besonders viele Straftaten wie beispielsweise Überfälle, Körperverletzungen oder Diebstähle begangen werden. Die Senatsinnenverwaltung listet in einer Antwort auf eine Anfrage des Linken-Angeordneten Niklas Schrader die kriminalitätsbelasteten Orte und die Straftaten, die dort begangen werden, auf.

    Das sind die gefährlichsten Orte in Berlin 2024:

    Alexanderplatz
    Görlitzer Park/Wrangelkiez
    Hermannplatz/Donaukiez
    Hermannstraße/Bahnhof Neukölln
    Kottbusser Tor
    Rigaer Straße
    Warschauer Brücke

    Die Senatsinnenverwaltung vergleicht in der Antwort die Zahl der begangenen Straftaten an diesen Orten im Jahr 2023 und im Zeitraum vom 1. Januar bis 20. Oktober 2024. Demnach gab es am Alexanderplatz im vergangenen Jahr insgesamt 6896, in diesem Jahr bislang 5280 Straftaten. Ladendiebstahl ist dabei nach wie vor das häufigste Delikt (2482 Fälle im Jahr 2023, 1949 Taten 2024), gefolgt von anderen Diebstählen und einfacher Körperverletzung (569 Fälle im Jahr 2023, 482 Fälle bisher im Jahr 2024). Gefährliche oder schwere Körperverletzung „auf Straßen, Wegen und Plätzen“, führt die Innenverwaltung gesondert auf (214 Taten 2023, 166 Taten 2024). Gesunken ist die Zahl der Drogenstraftaten, was vermutlich auf die Cannabis-Legalisierung zurückzuführen ist. Wurden am Alex im Jahr 2023 noch 404 Drogendelikte erfasst, waren es im Jahr 2024 bislang nur 131. Gesunken ist auch die Zahl der Taschendiebstähle: 2023 waren es noch 540, aktuell sind es 367.

    Im Bereich Görlitzer Park/Wrangelkiez wurden 2023 insgesamt 5967 Straftaten erfasst, in diesem Jahr bislang 4427. Drogendelikte werden hier am häufigsten begangen (1436 im Jahr 2023, 663 bisher im Jahr 2024), gefolgt von Diebstählen, Körperverletzungs- und Raubstraftaten. Für den Görlitzer Park wie auch das Kottbusser Tor will Berlin nun „zeitnah“ Messer-Verbotszonen einrichten.

    Zugenommen haben hier die Diebstähle an bzw. aus Fahrzeugen: Waren es 438 im gesamten Jahr 2023, so sind es in diesem Jahr bereits 541.

    Verbotszone Görlitzer Park: Beschlagnahmt die Polizei am Grillplatz das Messer?
    Hermannstraße/Bahnhof Neukölln: Mehr gefährliche Körperverletzungen

    Im Bereich Hermannstraße/Bahnhof Neukölln ist die Zahl der gefährlichen bzw. schweren Körperverletzungen auf Straßen, Wegen und Plätzen deutlich gestiegen. Bereits 80 dieser Delikte wurden in diesem Jahr registriert, im gesamten Jahr 2023 gab es 63 solcher Taten. Insgesamt wurden an diesem kriminalitätsbelasteten Ort dieses Jahr 3581 Straftaten festgestellt, 2023 waren es 4653.

    Auch am Kottbusser Tor, das ebenfalls Messerverbotszone werden soll, ist die Zahl der gefährlichen bzw. schweren Körperverletzungen auf Straßen, Wegen und Plätzen gestiegen. 99 Delikte wurden in diesem Jahr erfasst, im gesamten Jahr 2023 waren es 76. Auch Raubstraftaten haben hier zugenommen. 84 wurden in diesem Jahr registriert, das sind jetzt schon zehn mehr als im ganzen vergangenen Jahr. Die Zahl der Straftaten insgesamt hat sich am Kottbusser Tor allerdings kaum verändert.

    An der Rigaer Straße in Friedrichshain ist die Zahl der Kellereinbrüche nach oben geschossen: Dieses Jahr wurden bereits 43 registriert, im ganzen vergangenen Jahr waren es nur 19. Die Zahl der Sachbeschädigungen hat sich dafür halbiert (2023: 115 Taten, 2024: 51). An der Warschauer Straße ist vor allem eine Zunahme von Straftaten wie Nötigung, Bedrohung oder Freiheitsberaubung zu beobachten: Wurden 2023 noch 62 solcher Delikte registriert, waren es in diesem Jahr bereits 179.

    #Berlin #Alexanderplatz
    #Görlitzer Park
    #Hermannplatz #Donaustraße
    #Hermannstraße #Bahnhof_Neukölln
    #Kottbusser_Tor
    #Rigaer_Straße
    #Warschauer_Brücke
    #Kriminalität

  • Handel mit Kokain - Interpol: Wachsende Bedrohung durch organsierte Drogenkriminalität in Europa

    via https://diasp.eu/p/17171426

    https://www.deutschlandfunk.de/interpol-wachsende-bedrohung-durch-organsierte-drogenkriminalitaet-i

    Der scheidende deutsche Generalsekretär von #Interpol, Stock, hat vor einer wachsenden Bedrohung durch die organsierte #Drogen-#Kriminalität in Europa gewarnt. Handel mit #Kokain - Interpol: Wachsende Bedrohung durch organsierte Drogenkriminalität in Europa

  • Berliner Kriminalfall: Unheimlicher Mord in der Stehbierhalle in Rosenthal
    https://www.berliner-zeitung.de/open-source/berliner-kriminalfall-unheimlicher-mord-in-der-stehbierhalle-in-ros

    26.8.2024 vin Bettina Müller - Im Januar 1918 wird Ella Hoffmann brutal ermordet. Ihr Mörder spricht von einer „unheimlichen Macht“. Doch auch er stirbt später unter grausamen Umständen.

    Rosenthal bei Berlin im Januar 1918. In der Blankenfelderstraße betreibt Ella Hoffmann eine kleine Stehbierhalle. Hallen wie diese sind in Berlin längst eine Institution. 1877 hatte der Gastwirt Julius Kühne in der Niederwallstraße 20 zum ersten Mal in Deutschland ein Stehbierhaus eröffnet, das eine willkommene Anlaufstelle für Arbeiter war, die eine schnelle Stärkung für kleines Geld benötigten – Brötchen kosteten zehn Pfennig, ebenso das Glas Bier.

    Es sind zumeist dieselben Leute, die diese Gaststätte in Rosenthal bevölkern. Unter anderem strömt das weibliche Personal des benachbarten Straßenbahnhofs nach Dienstschluss in die Stehbierhalle, aber auch Soldaten aus dem Vereinslazarett Nordend. Fremde verirren sich nur selten in diese Gegend.

    Die Pächterin, die 34-jährige Ella Hoffmann, wird von ihren Stammgästen nur „die schöne Ella“ genannt. Sie ist kein Kind von Traurigkeit, sie lacht und flirtet gerne und wagt schon mal das ein oder andere Tänzchen mit einem ihrer Gäste, während jemand in die Tasten des alten Klaviers in der Ecke haut. Dann vergisst sie ihren Kummer darüber, dass sie ihren Ehemann, den Schlächter Hugo Hoffmann, der im Feld ist, schon so lange nicht mehr gesehen hat. Es ist zudem kein Geheimnis, dass sie ab und an Männerbekanntschaften in der Kneipe übernachten lässt. Ihr aktueller Freund ist ein gewisser Peter, den es an diesem Abend wieder in die Stehbierhalle gezogen hat, um mit Ella zu turteln.

    Niemand ahnt, dass dieser Stammgast ein Mörder ist

    Der Mann am Tisch gleich neben der Theke hat seine Ohren ausgefahren und schimpft innerlich auf Peter. Ein späterer Briefwechsel mit dem Mann, der ihn vor Gericht bringen wird, zeigt allerdings: es ist nicht die Eifersucht, die ihn ärgert – solche Gefühlsregungen sind ihm fremd –, sondern die Tatsache, dass er in Ellas Gunst nicht mehr an erster Stelle steht. Und dann hat dieser Peter sie noch mit billigem Schmuck überhäuft, woraufhin sie ganz stolz durch den Raum getänzelt war. Karl Paulus stiert versonnen in sein Bierglas. Keiner ahnt, wie sehr es in ihm brodelt. Er versteht es, sich zu beherrschen, nicht aufzufallen. Noch ist er der stets freundliche, aber doch irgendwie eigenartige Stammgast. Und niemand ahnt, dass dieser Stammgast ein Mörder ist.

    An diesem Abend des 25. Januars 1918 schließt Ella wie immer die Stehbierhalle ab. Vielleicht denkt sie noch kurz an ihre Eltern, die in Stargard in Pommern leben, und die sie schon lange nicht mehr gesehen hat. Der Vater ist bereits pensioniert, hat sein Leben lang als Bahnbeamter gearbeitet. Gedanken einer Frau, die den ganzen Tag Menschen um sich herum hat, aber im Grunde wahrscheinlich einsam ist, wenn sie alle weg sind. Die Stehbierhalle ist dabei nicht nur ihr Arbeitsplatz, sie übernachtet dort manchmal, wenn es mal wieder sehr spät geworden ist. Ihr Schlafplatz ist durch einen einfachen Vorhang vom Schankraum abgetrennt.

    Ella will sich gerade hinlegen, da klopft es an der Tür. Es ist Karl Paulus, der Einlass begehrt. Und Ella öffnet ihrem Mörder die Tür. Er fängt sofort Streit an, macht ihr Vorwürfe wegen diesem Peter, dann will er sein Geld zurückhaben, das er Ella für eine Reparatur vorgestreckt hat. Doch die will jetzt einfach nur schlafen und ihre Ruhe haben. Als Paulus merkt, dass es keinen Zweck hat, länger auf die Frau einzureden, stürzt er hektisch aus der Stehbierhalle und kann so gerade noch die anderen Gäste auf dem Weg zur Straßenbahn erreichen. Mit Frau Segers, die eine wichtige Zeugin sein wird, steigt er in die Straßenbahn, die in Pankow endet.

    Längst liegt die Stehbierhalle im Dunkeln. Die Stammgäste sind schon lange weg. Und der Stammgast Karl Paulus?

    Schneider sei er von Beruf, hat er allen erzählt, als er vor Monaten zum ersten Mal das Lokal betrat. Was er jedoch verschwiegen hatte: Er hat bereits das Gefängnis und das Zuchthaus von innen gesehen.

    Ella schläft bereits den Schlaf der Gerechten, Träume hat sie vermutlich schon lange nicht mehr. Sie ahnt nicht, dass Paulus gar nicht nach Hause gefahren ist und stattdessen in der Dunkelheit durch die Straßen schleicht, getrieben von einer „unheimlichen Macht“, wie er es später beschreiben würde. Wie in Trance führen ihn seine Schritte zurück zu ihr, zu Ella. Dieser Peter soll sie nicht bekommen!

    Ein halb geöffnetes Fenster ist seine Chance, leise steigt er ein, eine kleine schemenhafte Gestalt, die auch die Gaslaterne auf der Straße nicht mehr erhellen kann. Auf Zehenspitzen schleicht Paulus durch den Raum, bis er vor der schlafenden Ella steht.

    Dann hebt Paulus einen Hammer, den er in der Küche gefunden hat, und schlägt zu, einmal, zweimal und noch einmal, bis die Frau in Unmengen von Blut liegt und nur noch röcheln kann. Bevor der Mörder flieht, packt er noch hektisch Geld, Speck, Seife, Zigaretten, Tabak und eine Flasche Schnaps in seinen Rucksack.

    Die „unheimliche Macht“ sorgt dafür, dass Ella am nächsten Morgen im Krankenhaus Nordend stirbt, nachdem der Schneider Ortel, der für Ella ein Kleid nähen sollte, am nächsten Morgen in aller Frühe vergeblich an ihre Tür geklopft und dann besorgt Hilfe geholt hatte.

    Die Ermittler tappen ein halbes Jahr lang im Dunkeln

    Die Polizeibehörden von Pankow und Niederschönhausen sind für die Ermittlungen zuständig. Sie überprüfen auch den großen Bekanntenkreis von Ella Hoffmann, jedoch ohne Erfolg. Nach einem halben Jahr sind die Beamten mit ihrem Latein am Ende, und so kommt die Berliner Kriminalpolizei ins Spiel. Der Kriminalbeamte Otto Trettin wird damit betraut, den Fall zu lösen. Trettin ist erst 27 Jahre alt und noch nicht lange im Dienst der Kriminalpolizei. Der 1891 in Scheune im Kreis Randow in Pommern geborene Mann ist auf Umwegen – über ein erfolgreiches Theologiestudium mit Stipendium – zum Kriminaldienst gestoßen. Der Mordfall Ella Hoffmann wird der Beginn einer langen Karriere, zunächst im Bereich der Einbruchsermittlungen und dann in der Raubmordabteilung. Trettin hat im Fall Ella Hoffmann instinktiv sofort einen Verdacht.

    Als er Karl Paulus zum ersten Mal gegenübertritt, ist er sich sicher, dass das der Täter sein muss. Streng befragt, knickt der Mann tatsächlich ein und gesteht, dass er die Ella Hoffmann erschlagen habe. Zum Verhängnis ist ihm vor allem sein konstruiertes Alibi geworden, das auch von seiner Zimmerwirtin bestätigt worden war. Messerscharf hatte Trettin, der über eine hervorragende Ortskenntnis verfügte, den Schwachpunkt des Alibis erkannt, nämlich dass Paulus den Weg von Pankow bis zu seiner in einem nicht benachbarten Stadtteil gelegenen Unterkunft nicht bis halb 2 Uhr nachts hätte schaffen können. Das Alibi des „kleinen geschmeidigen Kerls mit den schwarzen unsteten Augen“, wie er Paulus 1934 in einem Kapitel seines Buches „Kriminalfälle“ beschreibt, war somit hinfällig. Und auch die Wirtin gab ihre Lüge zu und bestätigte, dass Paulus tatsächlich erst gegen Morgen nach Hause gekommen sei.

    Die Tür der Zelle des Untersuchungsgefängnisses schließt sich. Paulus ist allein mit seinen Gedanken. Aus dem Knast heraus korrespondiert er schon bald mit Trettin. Offenbar ist es ihm ein Bedürfnis, nicht nur als simple Mordbestie in die Berliner Kriminalgeschichte einzugehen, sondern auch einen Einblick in sein Seelenleben zu geben.

    „Die Welt verlangt Bedauern, Lachen, Weinen, gut, machen wirs. Fühlen tue ich bei allem nichts. Knacks, tack, und die Gedanken rasen weiter“. Gedanken eines Mörders, dem klar war, dass er sich nicht von seiner großen Schuld reinwaschen konnte. Denn Karl Paulus hatte nicht nur Ella Hoffmann getötet, wie Trettin feststellen musste. Der Mann, bei dem man Reue und Empathie vergeblich suchte, hatte bereits 1913 eine grausame Mordtat begangen.

    Arbeitslos und völlig verarmt hatte er zusammen mit seiner Ehefrau Marie-Luise, die er am 7. Dezember 1912 geehelicht hatte, erweiterten Suizid begehen wollen. Mit ihrem Baby, das zu Hause in einem Pappkarton schlafen musste, weil es keine Möbel gab. Da hatten sie gestanden, er und seine Ehefrau mit dem Kind im Arm. Dann muss Paulus im letzten Moment der Mut verlassen haben. Er schubste seine Frau mit dem Kind ins Wasser und stand ungerührt am Landungssteg in unmittelbarer Nähe des Freibades Wannsee und sah zu, wie sie ertranken.

    „Schützende Mauern, strenge Vorschriften und stetige Überwachung“

    Dennoch benutzte Paulus sein verfehltes Leben und seine marode Psyche nicht als Entschuldigung für seine Mordtaten, eine gewisse Selbsterkenntnis war ihm geblieben. Er hatte nämlich auch gemerkt, dass nur ein Leben mit klaren Regeln – „schützende Mauern, strenge Vorschriften und stetige Überwachung“, wie er schrieb – also ohne jegliche Eigenverantwortung – ihn davor hätte schützen können, weitere Straftaten welcher Art auch immer zu begehen. Bereits seine Kindheit und Jugend hatte er in diversen Erziehungsanstalten verbracht.

    Am 6. Mai 1919 wurde Karl Paulus vom Schwurgericht III in Berlin wegen zweifachen Mordes zweimal zum Tode verurteilt. Das unnatürliche Ableben seiner Ehefrau war eine „Tötung auf ausdrückliches Verlangen“ und zählte somit nicht als Mord. Die im Juli 1918 eingelegte Revision war bereits vom Reichsgericht verworfen worden. Am 28. August 1919 wurde das Todesurteil vom Reichsgericht bestätigt, später jedoch im Zuge neuer Regierungsverhältnisse in lebenslängliches Zuchthaus umgewandelt. Paulus verschwand nun völlig vom Radar.

    1933 lebte Paulus noch, doch für die Nationalsozialisten war er als „Gewohnheitsverbrecher“ nur „Ungeziefer“, das es nicht verdient hatte zu atmen. Menschen wie er wurden oft als billige Arbeitskräfte missbraucht, ihr qualvoller Tod im Konzentrationslager gerne in Kauf genommen.

    „Ich wüsste dem keinen Dank, der mich heute freiließe, denn was soll ich da?“, schrieb Karl Paulus auch an Trettin. 25 Jahre später wurde Karl Paulus am 8. Februar 1944 im Konzentrationslager Dora-Mittelbau in Thüringen ermordet. Er war Häftling Nr. 1873.

    Bettina Müller ist freie Autorin (u. a. von „Dandys, Diebe, Delinquenten“ (Elsengold) und arbeitet derzeit an einem weiteren Buch über historische Berliner Kriminalfälle.

    https://m.kauperts.de/Bezirke/Pankow/Ortsteile/Rosenthal

    https://m.kauperts.de/Strassen/Blankenfelder-Strasse-13127-Berlin

    #Berlin #Rosenthal #1918 #Blankenfelder_Straße #Geschichte #Kriminalität #Mord #Femizid

  • Bluttat im Wald: Wie ein Mörder vor mehr als 100 Jahren ganz Berlin in Atem hielt
    https://www.berliner-zeitung.de/open-source/bluttat-im-wald-wie-ein-moerder-vor-mehr-als-100-jahren-ganz-berlin

    29.7.2024 von Bettina Müller - Ein gerissener Verbrecher trickste die Berliner Polizei und Öffentlichkeit aus. Am Ende machte er einen entscheidenden Fehler.

    Die Berliner Kriminalgeschichte der 1920er-Jahre ist undenkbar ohne diejenigen Kommissare, die sich dazu berufen fühlten, ihre Erlebnisse in mitunter spannenden Büchern zu veröffentlichen. So auch Kriminalrat Otto Trettin, der 1934 zusammen mit Erich Liebermann von Sonnenberg das Buch „Kriminalfälle“ verfasste. Für Erich Liebermann von Sonnenberg gab es einen ganz besonderen Fall, der ihn nie losgelassen hat, was er im Buch auch freimütig bekannte.

    Der Täter Rudolf Hennig scheint für ihn und die Berliner Kriminalpolizei eine Art Nemesis gewesen zu sein. Hennig hatte den arbeitslosen Kellner August Giernoth unter dem Vorwand, ihm gegen eine Kaution eine Stelle verschaffen zu wollen, am 5. Dezember 1905 in den Glienicker Forst gelockt, um ihn erst zu berauben und dann zu erschießen.

    Als „Oberinspektor Reimann aus Potsdam“ hatte er sich dem Mann vorgestellt, der sich so gefreut hatte, endlich wieder eine Aussicht auf Arbeit zu haben. Das hatte ihn unvorsichtig werden lassen. Beschwingt hatte er sich von der Berliner Andreasstraße, wo er bei seinem Bruder Fritz wohnte, zu dem vereinbarten Treffpunkt auf den Weg gemacht. Er sollte als Leiche zurückkehren.

    Der Glienicker Forst ist zu dem Zeitpunkt, an dem sich die beiden Männer treffen, noch menschenleer. Vermeintlich kommt es zu einer Einigung. Hennig hat Giernoth eine Stellung in einem Restaurant ganz in der Nähe versprochen. „Es wird Ihnen dort gefallen“, raunt er ihm erst noch zu und jagt ihm dann eiskalt zwei Kugeln in die Schläfe. Danach sucht er mit Giernoths Sparbuch das Weite. Was für ein trauriges Ende für den erst 21-jährigen Mann aus Jacobsdorf im oberschlesischen Kreis Kreuzburg, der sich in Berlin ein besseres Leben erhofft hatte.

    Hennig eilt nach Berlin, um das Sparkassenbuch in der Friedrichstraße bei einem Geldvermittler zu verpfänden. Ein Fehler, denn die Unterschrift auf dem Wechsel sowie ein hartnäckiger Polizeibeamter im Polizeipräsidium werden ihm zum Verhängnis.

    Als Tage später ein Brief an den toten August Giernoth bei seinem Bruder Fritz Giernoth ankommt und der Absender, ein Berliner Bankier, ihn darin auffordert, den Wechsel unverzüglich einzulösen, weil das Geld sonst von dem verpfändeten Sparbuch abgehoben werden würde, fliegt der Schwindel auf. Fritz Giernoth eilt sofort zu dem Bankier und muss dann erkennen, dass die Unterschrift auf dem Wechsel gar nicht die seines Bruders ist. Und auch die Personenbeschreibung passt überhaupt nicht zu ihm. Die Kriminalpolizei, die anfangs Tötung von eigener Hand vermutete, weiß nun, dass sie falschlag. August Giernoth wurde ermordet.

    In mühevoller Kleinarbeit vergleicht nun ein Polizeibeamter die Unterschrift auf dem Wechsel mit Schriftproben aus den tonnenschweren Verbrecheralben. Äußerst stolz wird dann dem sehr interessierten Berliner Publikum gemeldet, dass der vorbestrafte Lederarbeiter Karl Rudolf Hennig derjenige ist, der das Sparkassenbuch geraubt und wohl auch August Giernoth erschossen hat.

    Wo steckt der Mörder?

    Tatsächlich haben die Beamten es mit einem notorischen Verbrecher zu tun, der bereits im zarten Alter von 16 Jahren auffällig geworden war. Vermutlich war er schon gar nicht mehr in der Lage, auf den Pfad der Tugend zurückzukehren, zumal es kaum Hilfestellung für entlassene Strafgefangene gab, die dann zumeist auf sich gestellt waren und nicht selten wieder rückfällig wurden. Und so haben sie es schon wieder mit diesem Kerl zu tun. Wenn sie doch nur wüssten, wo er ist, dann hätte das Drama endlich ein Ende und das Publikum und vor allem die Presse würden endlich Ruhe geben! Wo ist der Verbrecher?

    Wo ist Rudolf Hennig?

    Es folgt das volle Fahndungsprogramm, alle Berliner Zeitungen berichten, eine Belohnung von 500 Mark wird ausgesetzt. Tagelang wird in allen Ecken und Winkeln des Landes nach Hennig gesucht. Erst als ein Hausbesitzer die Polizei auf einen in seinen Augen seltsamen „Kaufmann Hein“ aufmerksam macht, kommt man dem Verbrecher auf die Spur, denn der angebliche Kaufmann ist tatsächlich Rudolf Hennig. Eine ganze Polizeiarmada rückt an, umstellt das Haus, riegelt die Straßen ab, um den Verbrecher dingfest zu machen.

    Doch als die Polizei vor seiner Tür steht, bleibt Hennig gelassen, spielt den freundlichen Kaufmann, der sehr gerne dazu bereit ist, der Polizei zur Wache in der Choriner Straße zu folgen. „Man tut doch, was man kann, um zu helfen, nicht wahr?“, säuselt Hennig und folgt den Beamten. Doch auf der Treppe vor der Wache dreht Hennig sich plötzlich um, schlägt den Beamten hinter ihm mit einer Waffe zu Boden und stürzt dann auf die Straße.

    Seine Flucht führt ihn schließlich in das Haus Schönhauser Allee 28, verfolgt von den Polizeibeamten. Der Flüchtige hetzt bis zum obersten Stock und schießt von dort schließlich zweimal auf seine Verfolger, verfehlt sie aber. Dann tritt er auf das Brett des Gangfensters und springt unter Lebensgefahr – den tiefen Abgrund unter sich im Auge – über 1,5 Meter Zwischenraum hinweg bis zu dem Absatz eines offenen Treppenflurfensters des benachbarten Hauses in der Treskowstraße 14; die Straße wird man 1952 in Knaakstraße umbenennen. Dort geht es weiter nach oben, immer weiter, bis er eine offene Bodenfensterluke vor sich sieht, hindurchklettert und so bis zum Dach des Nebenhauses gelangt.
    Flucht über die Dächer Berlins

    Tumulte auf der Straße, eine große Menschenansammlung verfolgt gebannt die abenteuerliche Verbrecherjagd, alle Hälse recken sich, um ja nichts zu verpassen. Fast schwerelos tänzelt Hennig schließlich über Firste und schmale Simse, von Dach zu Dach, während die Schutzleute immer größere Mühe haben, die aufgebrachte Menschenmenge in Schach zu halten. Die letzte Sichtung Hennigs ist schließlich noch immer auf einem Dach, dann geht ein kollektives Raunen durch die Menge, als er auf einmal wie vom Erdboden verschluckt ist. Hennig hat die Polizei düpiert. Die Menschen sind gerade dabei, sich vor Lachen auszuschütten, da setzt Hennig noch einen drauf und dupliziert die Schmach an Ort und Stelle.

    Um aus dem Haus zu gelangen, muss er nur irgendwie den Kordon der Schutzmannposten davor umgehen. In aller Seelenruhe betritt er die im Erdgeschoss des Hauses gelegene Schuhmacherwerkstatt – seine Schuhe hat er kurz vorher im Treppenhaus abgestreift – und bittet den Meister, sie neu zu besohlen. Der ahnungslose Mann, der nichts von dem Tumult mitbekommen hat, tut wie geheißen. Hinter dem Rücken des werkelnden Mannes schlüpft Hennig blitzschnell in ein paar Filzpantoffeln, setzt sich des Meisters grüne Schirmmütze auf und schlurft dann in gebückter Haltung durch den Hausflur an den diversen Beamten vorbei in die Freiheit!

    Das ganze Land ist erneut auf der Jagd nach diesem Hennig, alle Polizeibehörden des Deutschen Reiches werden alarmiert und mit der Beschreibung und dem Bild des Gesuchten versorgt. Geschlagene acht Tage dauert die Suche. Kinder spielen „Hennig und der Schutzmann“ auf der Straße. Zahlreiche harmlose Männer werden denunziert oder sogar verprügelt, weil sie Ähnlichkeit mit Hennig haben. Mittlerweile lockt eine Belohnung von 3000 Mark. Hennig hier, Hennig dort, und da hinten und da oben sowieso, während Hennig längst nach Stettin geflohen ist. Und das wird sein Waterloo.

    Am 14. März 1906 stiehlt er dort ein Fahrrad, das einem Beamten der Stettiner Wach- und Schließgesellschaft gehört, der dem Dieb sofort hinterherhechtet, ihn dingfest macht und der Polizei übergeben kann. Groß ist das Erstaunen, als die Beamten merken, wen sie da vor sich haben: Rudolf Hennig! Den ereilt das in diesem Fall vorgegebene Schicksal: stille Stunden im Untersuchungsgefängnis.

    Mörderzelle in Berlin-Moabit

    Am 30. April 1906 wird Hennig, den man in der Zwischenzeit in der Mörderzelle in Moabit untergebracht hat, weil es in Potsdam gar keine gibt, von sechs Beamten nach Potsdam gebracht. Hennig ist auffallend ruhig, seine Gesichtsfarbe bleich. Die Flut an Zeitungsmeldungen hat das öffentliche Interesse am Prozess ins Unendliche steigen lassen. Es zeichnet auch ein entlarvendes Bild der Gesellschaft, dass etliche Damen dem Prozess beiwohnen und dafür sogar „Eintrittskarten“ erwerben. Für den Angeklagten geht es vor Gericht um sein nacktes Überleben.

    Hennig kämpft und greift schließlich zu seinem letzten Strohhalm, dem juristischen Grundsatz „in dubio pro reo“ (im Zweifel für den Angeklagten) in der Gestalt seines angeblichen Freundes Franz, den er auf dem Weg zu Giernoth getroffen haben will. Er sei der Mörder. Doch „Franz“ ist ein Phantom, das sich nicht ermitteln lässt. Das Gegenteil kann man Hennig allerdings auch nicht beweisen. Am Ende nützt ihm das herzlich wenig, ebenso wie seine Eloquenz, die er nicht mehr sinnvoll einsetzen kann, weil ihn die Gesellschaft nicht lässt.

    Der juristische Grundsatz, der bei anderen Menschen eher gelten gelassen wird, wird ihm, dem „Gewohnheitsverbrecher“ verweigert. Die Geschworenen sind hundertprozentig von seiner Schuld überzeugt. Hennig wird somit zum Tode verurteilt, die Todesstrafe soll in Plötzensee durch den Magdeburger Scharfrichter Gröpler mit dem Handbeil vollstreckt werden. „Wie ein wildes Tier“, schreibt Liebermann von Sonnenberg, habe Hennig geschrien, als man ihn um halb 8 Uhr morgens über den Flur und den Gang durch eine kleine Pforte auf den Hof führte, wo Gröpler ihn bereits erwartete.

    Ein Blick auf den Richtblock neben ihm, und Hennig kreischt in Panik: „Was wollt ihr denn von mir?“ Ein letztes Aufbäumen des Verzweifelten in Todesangst, der, als der Erste Staatsanwalt ihm das Urteil verlesen hat, schließlich ermattet resigniert und sich widerstandslos auf den Richtblock legen lässt. Endlich kann dem Regenten die Nachricht von der erfolgreichen Hinrichtung überbracht werden. Seine Reaktion darauf ist nicht überliefert.

    Bettina Müller ist Autorin, weitere spannende historische Kriminalfälle aus Berlin hat sie in ihrem Buch „Dandys, Diebe, Delinquenten“ (Elsengold) versammelt.

    #Berlin
    #Geschichte #Kriminalität

  • Prozess in Berlin: Taxifahrer gibt zu, schlafende Studentin vergewaltigt zu haben
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/prozess-in-berlin-taxifahrer-gibt-zu-schlafende-studentin-vergewalt


    Taxi oder nicht Taxi, das ist die Frage. Seit wann vetmittelt Bolt Taxis?

    18.7.2024 von Katrin Bischoff - 20-jährige Schwedin wollte nach einem Barbesuch mit Freunden nur sicher nach Hause. Deswegen rief sie sich über die Bolt-App ein Fahrzeug – mit verheerenden Folgen.

    Der angeklagte Taxifahrer Gyunnay K. hat die Tat eingeräumt.Pressefoto Wagner

    Ein Albtraum: Eine junge Studentin aus Schweden bestellt sich über den Fahrdienstleister Bolt ein Taxi, um nachts nach einem Barbesuch mit Freunden nach Hause gebracht zu werden. Doch anstatt sicher von Berlin-Mitte nach Neukölln zu gelangen, wird die 20-Jährige von dem Fahrer des Mietwagens vergewaltigt.

    #Berlin #Uber #Bolt #Kriminalität #Vergewslrigumg

  • Uber und Co: Kriminelle Netzwerke bei Mietwagenunternehmen
    https://www.nd-aktuell.de/artikel/1183805.verkehrspolitik-uber-und-co-kriminelle-netzwerke-bei-mietwagenunt

    17.7.2024 David Rojas Kienzle - Mietwagenunternehmen werden ins Ausland verkauft und so Steuerprüfungen und Strafermittlungen erschwert

    Je mehr bekannt wird über Mietwagenfirmen, die für die Fahrdienstleister Uber, Bolt und Freenow tätig sind, desto mehr zeigt sich, dass kriminelle Machenschaften in der Branche gang und gäbe sind. Wie Recherchen des Senders RBB ergeben haben, werden dort vermutlich systematisch Steuern und Sozialabgaben hinterzogen.

    Mindestens 61 Unternehmen sollen ein System von »Firmenbestattungen« genutzt haben. Firmen sollen von derselben Notarin angemeldet und nach zwei bis drei Jahren abgemeldet und nach Bulgarien verkauft worden sein. Laut RBB sollen die Firmen um die 1300 Autos im Einsatz gehabt haben – gut ein Viertel aller vorhandenen Mietwagen. In der Regel werden neu gegründete Unternehmen erst nach 18 bis 24 Monaten von Steuerprüfern unter die Lupe genommen. Werden sie vorher ins Ausland verkauft, haben die Finanzämter kaum eine Handhabe.

    Auch Strafermittlungen gestalten sich schwierig, da mit dem Verkauf ins Ausland Geschäftsunterlagen, Kassenbücher und Überweisungsbelege zu den neuen Eigentümer*innen wandern. Die betreffenden Firmen haben den Recherchen zufolge nicht nur unglaubwürdig niedrige Umsätze angegeben, sondern auch kaum Personalkosten. Es wurden also vermutlich nicht nur Steuern hinterzogen, sondern auch Sozialabgaben nicht gezahlt.

    Eine Sprecherin der Senatsverkehrsverwaltung teilt »nd« mit, dass das Problem mit den Mietwagenfirmen bekannt sei. Insofern hätten die Rechercheergebnisse nicht überrascht. Es seien bereits 1600 illegale Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen worden und es gebe eine Arbeitsgruppe in der Verwaltung, die sich nur mit diesem Thema beschäftige. In dem Moment, in dem bekannt sei, dass Steuern hinterzogen werden, könne man die Genehmigung entziehen. Allerdings könne man aus rechtsstaatlichen Erwägungen nicht einfach auf Verdacht handeln. Gemeldete Mietwagenfirmen würden von den Plattformen gesperrt und es gebe eine Vereinbarung, dass Firmen nur unter bestimmten Voraussetzungen für die Plattformen fahren dürften.

    »Wir haben es hier mit einem kriminellen Netzwerk zu tun«, sagt der SPD-Abgeordnete Tino Schopf. Ihn störe am meisten, dass alle betroffenen 1300 Fahrzeuge eine Genehmigung vom zuständigen Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (Labo) hatten. Schopf hatte bereits 2023 Akteneinsicht genommen. Dabei war herausgekommen, dass viele Unternehmen niemals eine Genehmigung hätten erhalten dürfen.

    Dass es mittlerweile eine hochkarätig besetzte Arbeitsgruppe gebe, sei richtig und das erkenne er auch an, sagt Schopf. »Man muss dann aber auch das Richtige tun. Alles steht und fällt mit der Qualität der Antragsbearbeitung.« Da müsse man viel genauer hinschauen und vor allem die rechtlichen Standards einhalten. Da in der Vergangenheit so große Fehler passiert seien fordert Schopf eine personelle, fachliche und konzeptionelle Erneuerung bei der Behörde. »Die Senatsverwaltung und auch das Labo müssen sich die Frage gefallen lassen, warum man das so lange schleifen lassen hat.«

    Da in der Vergangenheit so große Fehler passiert seien, fordert Schopf eine personelle, fachliche und konzeptionelle Erneuerung bei der Behörde. Von den Machenschaften der Unternehmen seien ja auch die Berliner Steuerzahler betroffen, merkt Schopf an. »Und das alles, weil eine Behörde viele Jahre geschlampt hat. Was muss noch alles passieren, damit die zuständige Senatsverwaltung endlich handelt? Mit einem Flickenteppich an Maßnahmen wird es jedenfalls nicht gelingen diesen kriminellen Sumpf trockenzulegen!«

    #Berlin #Uber #Kriminalität