#lenné-dreieck

  • Nachruf auf Stephan Noé (Geb. 1957): Ein Untergrundaktivist - Nachrufe - Berlin - Tagesspiegel
    http://www.tagesspiegel.de/berlin/nachrufe/nachruf-auf-stephan-noe-geb-1957-ein-untergrundaktivist/13713830.html

    Seine schönste und immer wieder staunendes Raunen hervorrufende Erzählung war die vom Lenné-Dreieck anno 1988, einem Kuriosum der Mauerstadt Berlin. Der kleine Gebietszipfel auf der Westseite der Mauer am Potsdamer Platz gehörte zur DDR und sollte im Rahmen eines Gebietsaustauschs am 1. Juli 1988 in die Hoheit West-Berlins übergehen, um Platz zu schaffen für die geplante Stadtautobahn namens „Westtangente“. Die DDR sollte dafür 76 Millionen Mark bekommen.

    Dagegen protestierten Linke und Umweltschützer, sie besetzten das Gelände und gründeten eine exterritoriale Revoluzzerrepublik mit wohlwollender Duldung der Sicherheitsorgane der DDR. Die schauten, mit Gasmasken bewehrt, über die Mauer nach dem Rechten, wenn wieder ein Scharmützel aufflammte und die West-Berliner Polizei zur Klärung der Lage Tränengas einsetzte. Die Polizei massierte ihre Kräfte an der Grenze zum Dreieck, um pünktlich am Morgen des 1. Juli räumen zu können, doch bevor es losgehen sollte, verschwanden die Besetzer mit Leitern über die Mauer in den Osten, wo sie mit Lastwagen empfangen wurden.

    Wer die Aktion mit der Stasi ausgehandelt hatte, wurde nie geklärt. Noés Freunde glauben, er habe eine maßgebliche Rolle gespielt, würde ja zu ihm passen, die verrückte Aktion. Er trat schließlich auch als Sprecher der Besetzer auf. Doch Noé blieb im Westen, als die anderen in die Arme Honeckers türmten, sich bei der Stasi ein kräftigendes Frühstück servieren ließen und dann gut gelaunt in den Westen zurückfuhren. „Ich fand es einfach absurd, mich in den Schutz eines Staates zu begeben, für den die Verletzung der Menschenrechte zum Alltag gehörte“, erklärte Noé 20 Jahre später im „Spiegel“.

    #Berlin #Mauer #Besetzer #Lenné-Dreieck