• « Avec la réforme, les #Retraites de demain ne seront pas suffisantes pour maintenir son niveau de vie »
    https://www.bastamag.net/Reforme-des-retraites-systeme-a-points-penibilite-age-de-depart-duree-de-c

    La réforme des retraites voulu par Emmanuel Macron fait basculer le système par répartition vers un système individualisé, à points. Chacun vivra dans l’illusion qu’il reste maître du niveau de sa future pension, mais exercer un métier pénible ou précaire, connaître des périodes de chômage, se retrouver en invalidité sont autant de facteur qui feront baisser les points accumulés. Entretien avec l’économiste Michaël Zemmour. Basta ! : Cette réforme, et le passage à un système à points, sera-t-elle plus (...) #Décrypter

    / #Luttes_sociales, Quel avenir pour nos protections sociales ?, #Entretiens, Retraites, #Inégalités, A la (...)

    #Quel_avenir_pour_nos_protections_sociales_ ?

  • Où va Le Monde ?
    https://labrique.net/index.php/thematiques/lutte-des-classes/1095-ou-va-le-monde

    https://labrique.net/images/numeros/numéro58/gilets_jaunes_commerce.png

    Pas besoin d’une rhétorique aiguisée pour chercher à convaincre de la menace que font peser les Gilets jaunes sur le pays. Quand il s’agit de défendre l’ordre établi, Le Monde, sacro-saint quotidien de référence, n’hésite pas à s’adonner aux pratiques journalistiques de bas étage : le micro-trottoir sélectif. On a cru à la parodie en lisant l’article publié le 12 janvier intitulé « À Lille, les gilets jaunes n’emmerdent pas les bonnes personnes ».

    #En_vedette #Lutte_des_classes

  • Urbane Kämpfe - Peter Nowak
    https://peter-nowak-journalist.de/2019/10/02/urbane-kaempfe

    Google, Facebook, Uber: Das Buch von Katja Schwaller nimmt die Aus­beu­tungs­ver­hält­nisse der Kon­zerne unter die Lupe, die das neue kapi­ta­lis­tische Akku­mu­la­ti­ons­modell prägen und beschreibt Wider­stands­formen. Die Autorin lebte in Zürich und so ist auch der Euro­p­allee ein Kapitel gewidmet.

    Kürzlich hat das Par­lament des US-Bun­des­staat Kali­fornien ein Gesetz beschlossen, das den Beschäf­tigten der Fahr­dienst­leister Uber und Lyft ein Recht auf Min­destlohn und weitere Sozi­al­leis­tungen garan­tiert. Es ist auch ein Erfolg einer wach­senden Pro­test­be­wegung in den USA, die sich gegen Kon­zerne wie Google, Facebook und Uber richtet. Die Jour­na­listin Katja Schwaller hat ein Buch her­aus­geben, das über diese .…

    .…. «urbanen Kämpfe in der San Fran­cisco Bay Area» infor­miert.

    Die Welt der Armut

    In 15 Bei­trägen und Inter­views wird sehr anschaulich beschrieben, welche gra­vie­renden Umwäl­zungen der Arbeits- und Lebens­be­din­gungen vieler Men­schen mit dem Auf­stieg der Gig-Öko­nomie ver­bunden sind. Der Soziologe Chris Herring beschreibt die Kri­mi­na­li­sierung von Obdach­losen durch eine mit­tel­stän­dische Bevöl­kerung, die sofort die Polizei alar­miert, wenn sie einen ver­meintlich Woh­nungs­losen sehen. «Obdach­lo­sigkeit ist in der San Fran­cisco Bay all­ge­gen­wärtig. Rund 20000 Men­schen schlafen in der Metro­po­len­region jede Nacht unter Brücken, in Haus­ein­gängen in Autos oder Not­über­nach­tungen», wird die Welt der Armut und Not beschrieben, die oft und gerne über­sehen wird, wenn über das Silicon- Valley berichtet wird. Diese Obdach­lo­sigkeit in den Städten ist ein neueres Phä­nomen.« Erst in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren traten erstmals Szenen auf, wie wir sie in San Fran­cisco nur zu gut kennen: riesige Zelt­städte unter Auto­bahn­brücken und in Wohn­vierteln, lange Schlangen vor Sup­pen­küchen und Tau­sende, die von Sup­pen­küchen und von Essen­s­tafeln abhängig sind», beschreibt Chris Herring eine Ent­wicklung im glo­balen Kapi­ta­lismus. Die Armut ist wieder Teil des Alltags und auch längst in fast allen euro­päi­schen Metro­polen ein­ge­zogen.

    Der Berg gewöhn­licher Arbeit

    Der Wirt­schafts­geo­graph Richard Walker widerlegt den Silicon-Valley-Mythos von den saube- ren, gut bezahlten Arbeits­plätzen. Das treffe nur für einen kleinen Teil der Tech­niker zu. Walker richtet seinen Blick auf die vielen «ungla­muo­rösen Jobs in den Maschi­nen­hallen, Lager­hallen, Küchen und Last­wagen», ohne die die Tech-Industrie nicht funk- tio­nieren würde. «Die Tech-Industrie ist viel­leicht die Spitze der modernen indus­tri­ellen Ent­wicklung, Inno­vation und Pro­fi­ta­bi­lität. Doch sie beruht immer noch auf einen ganzen Berg weniger qua­li­fi­zierter, gewöhn­licher Arbeit», schreibt Walker am Schluss eines auf­schluss­reichen Auf­satzes. Damit wider­spricht er auch Uber-Pro­pa­ganda, wie sie der süd­afri­ka­nische Poli­tik­wis­sen­schaftler und asso­zi­iertes Mit­glied des Ein­stein-Zen­trums in Digitale Zukunft in Berlin Ayad al-Ani in einem Interview mit der links­li­be­ralen Wochen­zeitung Jungle World ver­breitet. Dort sti­li­siert er die Crowdworker*innen als Gruppe von Individualist*innen, die Gewerk­schaften zur juris­ti­schen Beratung akzep­tieren, aber auf Kon­zepte gewerk­schaft­licher Gegen­macht nicht ansprechbar sind. Dabei müsste es gerade darum gehen, aus den vielen indi­vi­duell aus­ge­beu­teten Beschäf­tigten durch kon­krete Kämpfe und Bil­dungs­arbeit eine neue Klas- se mit gemein­samen Inter­essen und Kampf­ak­tionen zu formen. Dafür gibt es genügend Anre­gungen.

    Von San Fran­cisco in Euro­pa­allee

    In meh­reren Kapiteln werden unter­schied­liche Pro­test­formen gegen Google, Uber und Co. vor­ge­stellt. Dazu gehört die Blo­ckade von Google-Bussen, in denen die gut­be­zahlte Schicht der Beschäf­tigten von ihren Lofts zu ihren Arbeits­plätzen trans­por­tiert werden. Die Her­aus­ge­berin des Buches Katja Schwaller hat lange in der Schweiz gelebt, das Buch wurde auch von der Schweizer Kul­tur­stiftung Pro Hel­vetia finan­ziell gefördert. Wich­tiger ist, dass Schwaller in der Ein­leitung Bezüge zur Schweiz herstellt:«DieBayAreamag in gewisser Weise das Labo­ra­torium der High-Tech- Industrie aus dem Silicon Valley sein. Doch Letztere ist eine globale Ope­ration: Von den iphone-Fabriken im chi­ne­si­schen Shenzhen zu den Berg­bau­minen im Kongo, von den Ama­zon­ver­ar­bei­tungs­zentren in Vir­ginia zum gigan­ti­schen Google-Campus in San Jose, von der geplanten Smart City in Toronto bis zur Startup-Szene in Berlin oder der Euro­pa­allee in Zürich».

    Über die schreibt die Schweizer Künst­lerin Romy Rüegger einen kurzen Beitrag im Buch. Dort ist sie auf die Ver­än­de­rungen ein­ge­gangen, die der Züricher Bou­levard durch den Zuzug von Google erfahren hat. «Die feh­lenden Bäume in der Euro­pa­allee sind ersetzt durch unter­ir­dische Stränge, Strom­kabel und Daten­lei­tungen». Vor allem aber sind die Grund­stücks­preise rund um den Züricher Haupt­bahnhof nach Angaben des Vereins Neugass um 89 Prozent gestiegen. Ruegger erwähnt aber auch, dass das zivil­ge­sell­schaft­liche Enga­gement Spuren hin­ter­lassen hat. «Unter Druck der Öffent­lichkeit und mit Verweis auf die 30-Prozent- Klausel für genos­sen­schaft­liches Wohnen, welche die Stadt Zürich erreichen soll, wurde von Initia­tiven aus der Bevöl­kerung ein Teil der noch unbe­bauten Bahn­hofs­ein­falls­schneisen mitt­ler­weile für genossen- schaft­liches Bauen ein­ge­fordert». Es wird zu beobach- ten sein, ob solche Pro­jekte mehr sind als ein ökolo- gisches Män­telchen, dass sich Kon­zerne wie Google gerne umhängen, um sich als die freund­li­chere, öko- logi­schere Variante des Kapi­ta­lismus anzu­preisen.

    Erfolg ist möglich

    Die im Buch vor­ge­stellten Wider­stands­formen gegen Uber, Google und Co. zeigen, dass man auch Er- folg haben kann, wenn man sich auf die Koope­ra­tions- und Dia­log­an­gebote dieser Kon­zerne nicht ein­lässt.

    Eryn McElroy stellt ein Map­ping­projekt vor, auf denen Orte der Ver­drängung auf­ge­führt sind. Darüber berichtete McElroy 2017 in Berlin auf einer Ver­an­staltung Ber­liner Anti-Google-Kam­pagne. Mitt­ler­weile ist der geplante Google-Campus in Berlin-Kreuzberg für einige Jahre ver­schoben worden. Davon handelt der letzte Beitrag des Buches. Die Ber­liner Anti-Google- Aktivist*nnen haben von ihren Freund*nnen in den USA gelernt, dass nicht Ver­hand­lungen mit den Konzern sondern Wider­stand Erfolge bringen. McElory beschreibt, wie sich in den urbanen Kämpfen ver­schiedene Wider­stands­formen zusam­men­ge­funden haben. Betrieb­liche Kämpfe gegen eine Kün­digung mit Stadt­teil­in­itia­tiven, die sich gegen die Gen­tri­fi­zierung wehrten.

    Das Buch ist aber vor allem deshalb so wichtig, weil die Aus­beu­tungs­ver­hält­nisse der Kon­zerne unter die Lupe nimmt, die das neue kapi­ta­lis­tische Akku­mu­la­ti­ons­modell prägen werden. Auch die durchaus begrüs­sens­werte Bewegung gegen die alte for­dis­tische Auto­mo­bil­in­dustrie läuft Gefahr, am Ende Uber, Google und Co. in die Hände zu spielen, wenn sie keine klar anti­ka­pi­ta­lis­tische Per­spektive ent­wi­ckelt. Konzernsprecher*innen von Uber reden in höchsten Tönen von der Ver­schrottung der alten Auto­mo­bil­in­dustrie und bieten ihre Pro­dukte als Alter­native an. Aber die gesamte app-basierte Öko­nomie ist weder öko­lo­gisch noch frei von Aus­beutung. Es wäre über­haupt nichts gewonnen, wenn auf den For­dismus der Ube­rismus folgt. Daher wird im Buch der Wider­stand des 21. Jahr­hun­derts beschrieben.

    #mondialisation #uberisation #lutte_des_classes #capitalisme #syndicalisme #logement #travail #USA #San_Francisco

  • Le rail, un nouveau France Télécom
    https://labrique.net/index.php/thematiques/lutte-des-classes/1063-le-rail-un-nouveau-france-telecom

    https://labrique.net/images/numeros/Numéro_59/Deuil_collectif.jpg

    Un an après le grand mouvement de grève de l’an dernier à la SNCF, où en est-on ? Rappel : 2018, la SNCF se mobilise contre la loi ferroviaire du gouvernement Philippe, qui prépare la privatisation de l’entreprise. Les centrales syndicales, toutes mobilisées, font le choix discuté de la grève perlée : deux jours de grève tous les cinq jours. L’idée ? Tenir, ne pas se mettre à dos l’opinion publique (ou son expression supposée par les médias dominants), tirer les leçons des échecs précédents. Après un départ radical et convaincu, le mouvement s’essouffle pourtant, malgré plusieurs appels à reconduire la grève jour après jour. Aujourd’hui, la lutte redémarre. Pourquoi maintenant ? Que s’est-il passé entretemps (...)

    #En_vedette #Lutte_des_classes

  • Pride (2014) : retours croisés sur une #convergence_des_luttes
    http://www.lecinemaestpolitique.fr/pride-2014-regards-croises

    Pride, film indépendant sorti en 2014 est une comédie qui se veut grand public et fut effectivement un succès remarqué et récompensé. Nous vous proposons ici deux textes avec deux points de vue complémentaires pour revenir en analyse sur ce film. Divergences dans la convergence par Noëlle Dupuy Pride raconte l’histoire « vraie » de la rencontre […]

    #Brèves #Cinéma #grève #lgbt #lutte_des_classes #queer

  • Bienvenue au lycée professionnel (2/4) : Un monde du travail en miniature
    https://www.franceculture.fr/emissions/lsd-la-serie-documentaire/bienvenue-au-lycee-professionnel-24-un-monde-du-travail-en-miniature
    LSD, la série documentaire par Perrine Kervran - france culture

    En 1986, pendant la loi « 2 laquais » je ne sais plus très bien où j’étais mais pas dans la rue. Déjà en 85, j’étouffais et je suis parti droper dans le sud , en Ariège. Un vrai vent de liberté, j’en avais besoin car encore marqué par l’apprentissage, l’armée me déclarait inapte, réformé P4 alors que je n’avais pas encore gobé mon premier acide. Comme quoi, inutile de s’imbiber de Lysergik Säure Diethylamid pour jouer au crétin.

    2 liens de cette émission :
    Le travail, l’école et la production des normes de genre. Filles et garçons en apprentissage (en France) Prisca Kergoat
    https://www.cairn.info/revue-nouvelles-questions-feministes-2014-1-page-16.htm

    Les Lascars du LEP électronique 1986
    https://www.youtube.com/watch?v=n28JP8Nfjp4

    « Les lascars du LEP électronique » est un film sur le mouvement étudiant et lycéen contre le projet de loi Devaquet de 1986. Ce film a été réalisé à la fin de cette année 86 par un groupe de lycéens qui développe alors une critique du mouvement auquel ils ont eux-mêmes participés : critique de l’insuffisance des revendications étudiantes, critique des orgas politiques, avec une critique sociale plus globale.

    + de texte sous la video
    #enseignement_professionnel #apprentissage #travail #critique_du_travail #lutte_des_classes

  • Le rail, un nouveau France Télécom
    http://labrique.net/index.php/thematiques/lutte-des-classes/1063-le-rail-un-nouveau-france-telecom

    http://labrique.net/images/numeros/Numéro_59/Deuil_collectif.jpg

    Un an après le grand mouvement de grève de l’an dernier à la SNCF, où en est-on ? Rappel : 2018, la SNCF se mobilise contre la loi ferroviaire du gouvernement Philippe, qui prépare la privatisation de l’entreprise. Les centrales syndicales, toutes mobilisées, font le choix discuté de la grève perlée : deux jours de grève tous les cinq jours. L’idée ? Tenir, ne pas se mettre à dos l’opinion publique (ou son expression supposée par les médias dominants), tirer les leçons des échecs précédents. Après un départ radical et convaincu, le mouvement s’essouffle pourtant, malgré plusieurs appels à reconduire la grève jour après jour. Aujourd’hui, la lutte redémarre. Pourquoi maintenant ? Que s’est-il passé entretemps (...)

    #En_vedette #Lutte_des_classes

  • Qu’est ce qui est jaune et qui surprend ?
    http://labrique.net/index.php/thematiques/lutte-des-classes/1066-qu-est-ce-qui-est-jaune-et-qui-surprend

    Le mouvement des gilets jaunes nous questionne au sein de la rédac’. Dès le début du mouvement, les critiques tournent en boucle : ces gilets jaunes ne se mobiliseraient que pour leurs bagnoles, contre les taxes, bref, pour leur pouvoir d’achat sans autre considération politique et sociale. On entend aussi que c’est un mouvement de fachos, de petits patrons. Alors, on a mis le nez dedans, AG, blocage de ronds-points, papotes et discutes avec des gilets jaunes. Retour sur un mois de mobilisations à travers des épisodes vécus par la rédac’, à Lille et aux alentours. Morceaux choisis.

    #En_vedette #Lutte_des_classes

  • Le Biplan ferme
    http://labrique.net/index.php/thematiques/lutte-des-classes/1077-le-biplan-ferme

    http://labrique.net/images/numeros/numéro58/Biplan.png

    Ahhh, le malheur des déserts culturels s’abat une fois de plus sur Lille ! Le Biplan a fermé ses portes le week-end du 24 février après 20 ans d’existence, en organisant pour la dernière fois des concerts et des spectacles pensés pour être à l’image du lieu, connu pour sa programmation théâtrale et musicale. Son fonctionnement unique dans le paysage culturel lillois s’inscrivait à mi-chemin entre la salle de spectacle et le café-concert.

    #En_vedette #Lutte_des_classes

  • Le maillon jaune
    http://labrique.net/index.php/thematiques/lutte-des-classes/1061-le-maillon-jaune

    http://labrique.net/images/numeros/Numéro_59/champagne_gilet_jaune.jpg

    Dans mes souvenirs d’enfance, le mois de mai était un mois fleuri, de retrouvailles en famille ; un mois de gaieté, un mois senteur muguet. Ce n’étaient pas tant les bouquets que nous nous échangions pour fêter l’entrée dans ce mois finalement comme les autres, mais surtout les repas entre cousin.es, la cohésion familiale que créait ce jour sans travail. Le soleil était le seul jaune que je percevais alors, bien loin de l’équipement qui servirait à des travaux ingrats, ou bien du merveilleux bout de tissu qui allait glorifier les luttes à venir et que je porterai avec fierté.

    #En_vedette #Lutte_des_classes

  • L’assemblée populaire des Gilets jaunes de Lille
    http://labrique.net/index.php/thematiques/lutte-des-classes/1064-l-assemblee-populaire-des-gilets-jaunes-de-lille

    http://labrique.net/images/numeros/Numéro_59/a_voté.jpg

    Entre les innombrables groupes affinitaires, l’occupation sauvage des rond-points et la multiplication des A.G, la révolte des Gilets Jaunes s’organise de manière extrêmement mouvante dans la région. Cette recomposition permanente du mouvement peut apparaître comme une difficulté à sa structuration. Mais elle permet aussi de survivre aux différents conflits internes, à la répression et -plus généralement- à l’usure du temps.

    #En_vedette #Lutte_des_classes

  • La possibilité du fascisme
    http://labrique.net/index.php/thematiques/lutte-des-classes/1068-la-possibilite-du-fascisme

    http://labrique.net/images/numeros/Numéro_59/ordre_règne.jpg

    Au sortir de la guerre, Georges Orwell écrivait : « lorsque les fascistes reviendront, ils auront le parapluie bien roulé sous le bras et le chapeau melon. » Autrement dit, si vous guettez le retour des fascistes, ne vous fatiguez pas les yeux à scruter l’apparition de moustaches ou de costumes en cuir, ni à tendre l’oreille, attentifs au bruit des bottes sur le pavé, cherchez plutôt du côté des respectables. C’est en tout cas ce que conclut Ugo Palheta, sociologue à l’Université de Lille et auteur du récent ouvrage La possibilité du fascisme : France, la trajectoire du désastre.

    #En_vedette #Lutte_des_classes

  • 13.06.2019 : Das ganz andere (Tageszeitung junge Welt)
    https://www.jungewelt.de/artikel/356476.raf-und-co-das-ganz-andere.html
    C’est une analyse politique d’un ancien membre de la Rote Armee Fraktion . Il est rare de pouvoir lire le point de vue de ces militants qui ne sont que des « terroristes » pour les médias majoritaires. C’est moins bête que bien des pamphlets des années ’70 et ’80.

    13.06.2019, von Karl-Heinz Dellwo

    Die RAF und andere bewaffnete Gruppen waren für die Linke in Westdeutschland eine Zeitlang von großer Bedeutung. Beerdigung der RAF-Mitglieder Wolfgang Beer und Juliane Plambeck am 1. August 1980 auf dem Dornhaldenfriedhof in Stuttgart

    Karl-Heinz Dellwo (Jg. 1952) war Mitglied der Rote Armee Fraktion. Er ist Verleger des ­Laika-Verlags in Hamburg. Wir dokumentieren im folgenden einen leicht gekürzten Vortrag, den Karl-Heinz Dellwo am 1. Juni auf Einladung der Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken – Weser-Ems im Ostpassagen-Kino in Leipzig gehalten hat. (jW)

    Nächstes Jahr, am 14. Mai, jährt sich zum 50. Mal die Befreiung von Andreas Baader, ein Ereignis, das in der Geschichtsschreibung als offizielle Gründung der Rote Armee Fraktion (RAF) gilt. Können wir heute davon sprechen, dass die RAF Geschichte ist, es also auch eine Geschichtsschreibung gibt, die sie in ihrer Zeit betrachtet und auch bewertet?

    1970, im Gründungsjahr der RAF, wurde ich 18 Jahre alt. Gut 50 Jahre zurück lag damals die Novemberrevolution. Ein Ereignis, unendlich weit weg. Dazwischen lagen die Weimarer Zeit, die Nazizeit, der Zweite Weltkrieg, die Restaurationsperiode der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft, die Kommunistenverfolgung und der Kalte Krieg, die Entpolitisierung der inneren Klassenkämpfe auf den Zustand ökonomischer Verteilungsfragen, die Revolution in Kuba, die Kolonialverbrechen in Afrika und der antikoloniale Kampf dagegen, der Vietnamkrieg, und endlich der Aufbruch in jener Zeit, die wir mit der Chiffre »’68« bezeichnen und den wir als unseren betrachten.

    Ohne Geschichte

    Wir fanden uns ohne tradierte Geschichte wieder. Die Geschichtsschreibung der revolutionären Linken war zerstört, fragmentiert, in das Vergessen-Sein hinabgedrückt worden. Ich bin mit 19 Jahren ein paar Monate zur See gefahren und traf auf dem Schiff einen älteren Mann, der mir, als wir alleine waren, erzählte, dass er KPD-Mitglied war und dafür später eine Zeitlang im Gefängnis saß – wohlgemerkt: in der BRD. Als ich ihn später in einem größeren Kreis darauf ansprach, zuckte er zusammen und erklärte mir hinterher, ich solle ihn bloß nicht in der Öffentlichkeit auf diese Vergangenheit ansprechen. Die Vergangenheit war für ihn verloren und tabuisiert.

    Mit dem Sieg der Nazis begann die Zerschlagung letzte systemoppositioneller Positionen in der Gesellschaft, etwas, das durch das Bündnis kaisertreuer und rechtsnationaler Militärs und der sich durch Kriegsbeteiligung am Ersten Weltkrieg korrumpierten Sozialdemokratie mit ihren Noskes und Eberts damals schon in Gang gesetzt war.

    Der restaurierte Kapitalismus nach 1945 mit seiner von außen erzwungenen neuen Bürgerlichkeit – die ist kein Verdienst der deutschen Eliten, sie wurde ihnen durch die Alliierten diktiert – und den darin bruchlos integrierten Nazis, hat an dieser Vernichtung, an diesem alten Klassenhass der Nazis und der mit ihnen verbündeten Bourgeoisie angesetzt, sie beibehalten und vollendet: Dafür steht das KPD-Verbot 1956. Man bekommt heute noch Atemnot, wenn man sieht, wie die in die BRD übergewechselten Verbrecher aus der Nazizeit in der bundesdeutschen Justiz und Polizei, in Bundesnachrichtendienst und Verfassungsschutz oder in den Medien weiterhin die Kommunisten verfolgen und sanktionieren konnten.

    Wir, die wir in dieser Zeit aufgewachsen sind, waren also in gewisser Weise geschichtslos. Nicht, dass man uns keine Geschichte anhing. Es wurde dauernd versucht, Kommunismus und Sozialismus als das Schlimmste auf der Welt zu vermitteln. Aber wir hatten von unserer Seite her keine Klassenkampfgeschichte mehr. Wir hatten nur noch die Geschichte der sich restaurierenden bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft, und die war einfach nur verlogen.

    Wir wussten wenig. Aber das lag nicht an uns. Wir mussten die Wahrheit über die Verhältnisse selber suchen. Von denen, die das System verteidigten, wurde alles verschleiert. Wir wussten zuerst intuitiv, dann aber als Begriff, dass die Arbeiterbewegung mit ihren alten Klassenkampfformen offenkundig eine historische Niederlage erlitten hatte, mit der verheerenden Folge, dass zwölf Jahre lang das reine Verbrechen in Europa wüten konnte. Wir wussten, dass der Realsozialismus ein erstarrter Klassenkampf war, dass der emanzipatorische Impetus, der mit jeder Revolution verbunden ist, natürlich auch mit der Oktoberrevolution in Russland (die beim Aufbau einer Staatlichkeit, nachholend war, denn der Zarismus hatte in Russland eine völlig veraltete Staats- und Gesellschaftsstruktur hinterlassen), in der Verteidigung gegen eine von außen angreifende internationale Konterrevolution geopfert worden war. Wir mussten also den Klassenkampf neu erfinden. Aus der Vergangenheit war kein Mut zu ziehen.

    Und irgendwie ahnten wir, dass die Zeit reif war für einen Bruch mit den bisherigen Verhältnissen. Schlagartig wurde einem klar, wo man hingehörte und wohin nicht. Man gehörte zu denen, die alles verändern wollten, und nicht zu denen, die, wenn vielleicht auch reformiert, das alte fortsetzen wollten. Plötzlich war die Vorstellung einer anderen Welt konkret, sie war da, und sie war befreiend, ein neues Atmen, ein Zerfetzen des Nebels der Gewohnheiten, und sie brachte die notwendigen Tugenden für den Aufbruch mit: Unerschrockenheit, Mut und Übermut, völliger Verlust der Angst vor Autoritäten und Traditionen, Selbstsicherheit und Selbstvertrauen gegenüber einer Welt, die nicht die unsere war.

    Selbstverständliche Gewalt

    Und wir haben natürlich nach den Gründen der Niederlage des alten Klassenkampfes gefragt. Ich bin 1973 in Hamburg für ein Jahr ins Gefängnis gekommen als Hausbesetzer. Wir hatten ein Haus besetzt mit der expliziten Absicht, etwas Grundsätzliches gegen den Kapitalismus zu machen. Grundsätzlich bedeutete für uns, dass wir einen Raum kämpfend erobern, in dem jedes kapitalistische Prinzip gebrochen ist, das der Verwertung, das der Degradierung des Menschen zum Objekt, das mit der bürgerlichen Gesellschaft verbundene System aus Schuld und Sühne, Fehler und Bestrafung, Anpassung und Unterwerfung. Der Staat in Gestalt der von der SPD geführten Stadt Hamburg hat das auch so gesehen und einen militärischen Einsatz gegen uns befohlen: Die Räumung war der erste Einsatz eines Mobilen Einsatzkommandos (MEK), und während der Räumung wurde scharf geschossen. Ich war ein Jahr lang im Gefängnis, vollständig isoliert und habe viel durchgemacht, aber auch viel gelesen, darunter das Buch von Max Hoelz: »Vom weißen Kreuz zur roten Fahne«. Vor dem Hintergrund unserer unmittelbaren eigenen Erfahrung, dass auf unsere Hausbesetzung reagiert wurde, als hätten wir einen bewaffneten Angriff auf den Staat durchgeführt, mit Gefängnis, Totalisolation, der Gewalt im Vollzug mit seinen ganzen Zurichtungsversuchen, fand ich die Prozessrede von Max Hoelz Ende der 1920er Jahre, in der er selbstkritisch bemerkte, dass die Linke immer zu harmlos ist, dass sie Mühe mit den revolutionären Kampfformen hat, treffend für unsere Situation. Wir wussten lange vorher, auf was wir stoßen würden und haben es dennoch verdrängt und anders gehandelt. Wir, die wir nach der Hausbesetzung ins Gefängnis kamen, waren wegen Banalitäten hart verurteilt worden, und ich zählte zu denen, die daraus den Schluss zogen, dass unser Kampf ein wirklicher sein muss.

    Jahre zuvor hat es den Schuss auf Benno Ohnesorg gegeben, eine von der Justiz dann gedeckte staatliche Exekution, ein Jahr später das Attentat auf Rudi Dutschke, ideologisch vorbereitet und mitinitiiert von den Medien des Springer-Konzerns und der Deutschen Nationalzeitung, aber auch von der rechten Berliner SPD-Fraktion unter dem Regierenden Bürgermeister Klaus Schütz.

    Um uns herum war eine herrschende Klasse, die wie selbstverständlich Gewalt einsetzte und dabei die Unterstützung einer altnazistisch geprägten Mehrheitsgesellschaft hatte, die gewalterprobt war, die jahrelang im Krieg Mord und Terror gegen andere Völker, gegen Juden, Kommunisten, Roma und Sinti, Homosexuelle und andere, die nicht in ihr Weltbild passten, geübt hatte und von dieser Sozialisation auch nicht mehr weg kam. Die gesamte Gesellschaft war gewalttätig aufgeladen. Ich erinnere immer wieder daran, dass 1970 in Konstanz der Facharbeiter Hans Obser einen 17jährigen Auszubildenden auf einer Parkbank mit einem Bolzenschussgerät tötete, weil er ihn für einen Gammler hielt. Er wurde dafür von einer verständigen Justiz zu tatsächlich nur drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, gewiss nicht, weil man die Tat billigen wollte, offensichtlich aber, weil man sie verstehen konnte.

    Die Erzählung von der »Demokratie in der BRD« ist eine Lüge. Der Form nach mag das stimmen, vom Inhalt her nicht, und deswegen konnte der »Wirtschaftswunderminister« und spätere Bundeskanzler Ludwig Erhard auch die Ständeordnung einer »formierten Gesellschaftsordnung« propagieren. Angela Merkel toppte das später mit dem Begriff der »marktkonformen Demokratie«.

    Von dieser Gesellschaft wollte man kein Teil sein und nichts mit ihr gemein haben. Von ihr wollte man getrennt sein und eigene Wege gehen. Diese Trennung war nur möglich als Bruch, als eine Haltung, die sich gegen das Ganze stellte. Denn nicht nur die Mentalität der Mehrheitsgesellschaft war für uns falsch. Das ganze Konstrukt einer kapitalistisch verfassten Gesellschaft war für uns falsch und bedrohlich.

    Wenn wir an die Zeit damals denken, dann haben wir nicht nur die Haltung der altnazistisch geprägten Mehrheitsgesellschaft vor uns. Wir haben es auch mit einer Zeit zu tun, in der das Kapital in eine Verwertungskrise geraten war und zu einer Modernisierung ansetzte. Die Verwertungskrise war offenkundig. Die »soziale Marktwirtschaft« war ökonomisch an eine Grenze gekommen. Nachdem die Deutschen so fanatisiert waren, dass sie ihrem Führer bis zum letzten Tag folgten und mit aller Gewalt niedergerungen werden mussten, war auch das Land zerstört, und in der Tat brauchte man zur Aufhebung dieser Zerstörung Massen an Arbeitskräften. Wenn man heute wieder alles zerstören würde, käme man morgen auch für eine längere Zeit wieder zur Vollbeschäftigung zurück. Aber dieser Wiederaufbau, international auch aus politischen Gründen gegen den Realsozialismus mitfinanziert, war Mitte der 1960er Jahre abgeschlossen, und damit trat auch in der BRD die Normalität der kapitalistischen Produktion und ihrer Krisenzyklen wieder in den Vordergrund, der Zwang zur Senkung der Produktionskosten und damit zur Abschaffung von Arbeitskraft.

    Auf diese Mitte der 1960er Jahre auftretende Krise reagierte das Kapital mit Ausweitung der Ausbeutungsbereiche. Damals begann das, was heute allumfassende Realität im Kapitalismus ist: Auch das private Leben wurde der Verwertung unterworfen. Heute sind alle Lebensbereiche dem Prinzip der Produktion und des Konsums unterworfen. Heute scheint es keine Welt mehr zu geben, in der das Prinzip der Verwertung von Natur und Leben nicht dominierend ist.

    Diese Kombination aus reaktionärer Gesellschaftlichkeit und Übergreifen der Verwertung auf die bisher vom Kapital noch nicht der Verwertung unterworfenen Lebensbereiche machte die Besonderheit der BRD in der westlichen Welt in den 1960er Jahren aus und ist, neben den internationalen Geschehnissen, für die der Vietnamkrieg pars pro toto steht, der Hintergrund, auf dem sich hier die Revolte vollzog, die 1968 ihren Höhepunkt erreichte.
    Ohne Arbeiter

    Und hier können wir dann über den bewaffneten Kampf sprechen. Was unter »1968« gefasst wird, war nach der Oktoberrevolution, der zweite, weltweit relevante politische Einbruch von links in die Welt des Kapitals und beinhaltete im Kern die Vorstellung, das gesamte Leben zu ändern. Das macht jenes »’68« so radikal. Wir erkannten die Welt um uns herum als eine, die wir nicht mehr wollten, und plötzlich tauchte eine andere auf, nicht als Traum oder Utopie, sondern als konkrete Möglichkeit. Einem solchen geschichtlichen Moment, als das Fenster zu einem anderen Leben in gewisser Weise einen schmalen Spalt geöffnet war, musste man folgen. Man musste versuchen, das Fenster völlig aufzustoßen. Das war eine wesentliche soziale Triebkraft. Insoweit ist ’68 eine wirkliche Revolte gewesen.

    Ihre später hervortretende Schwäche war, dass die hergestellte und ersehnte Gegengesellschaftlichkeit über die Änderungen im Überbau des Systems nicht hinaus kam. Die Französische Revolution war möglich, als das Bürgertum mit seinen Manufakturen die gesellschaftliche Produktion in der Hand hatte und den unnütz gewordenen Adel politisch entmachten konnte. Die 68er-Bewegung kam an die Produktionssphäre nicht heran. Dazu fehlte eine politisch bewusste Arbeiterklasse. Deswegen wurde die 68er-Bewegung nicht wirkliche Gegengesellschaft, sondern stellte Gegengesellschaftlichkeit nur im Bereich des Überbaus her. Damit war sie mittelfristig integrierbar. Denn im Überbau lässt sich zwar die Vermittlung des Kapitalismus verändern, aber nicht sein Prinzip. Auf diesem Wege wurde die Haltung nach und nach weniger radikal, die Hoffnung aber blieb noch lange. Nur fand diese Hoffnung keinen realen Ausdruck mehr in der eigenen alltäglichen Praxis. Die Erschütterung des Kulturellen, die die 68er-Revolte einleitete und die sich auf den Straßen dann irgendwann totlief, führte auf Neben- und Fluchtwege. So entstanden die Ideen des »Marsches durch die Institutionen«, so entstanden die K-Gruppen, so entstanden kulturelle Basisinitiativen mit antiautoritären Kinder- und Jugendgruppen, die im Bereich der Erziehung und Bildung den Ansatz für eine völlig andere zukünftige Gesellschaft sahen. Die Frauenbewegung kam auf. Und es bildeten sich die bewaffneten Gruppen.

    unterschieden sich von allen anderen. Sie verweigerten jede Zusammenarbeit und jede Integration, und sie negierten alle Versuche, sie zu kaufen. Sie bestanden darauf, dass der Kapitalismus ein vernichtendes System ist und gestürzt werden musste. Ihre Praxis war nicht auf später ausgerichtet, sondern auf den Aufbau von sofortiger Gegenmacht.

    Es ist in Wirklichkeit nicht die Bewaffnung, die den bewaffneten Gruppen vorgeworfen wird und die bis heute dazu führt, dass sie im öffentlichen Raum tabuisiert werden. Was ihnen vorgeworfen wird, ist ihre soziale und politische Intransigenz, ihr bedingungsloser Einsatz für den Sturz des kapitalistischen Systems, gegen den jeder Integrationsversuch aussichtslos war und scheitern musste. Es ist der Versuch dieser Gruppen, ein »Außen« herzustellen, ein »Anderes«, das die Gesetze und Regeln der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft nicht anerkennt, sondern etwas Neues schaffen will, das auf seiten des Systems dazu führt, eine andere Art von Krieg auszulösen. Denn das »Außen« und das »Andere« sind untrennbar verbunden mit der Frage nach dem Sinn der bestehenden »Normalität« und der Möglichkeit von Gegenmacht und Gegen­souveränität, um eine andere, kapitalismusfreie Welt zu schaffen.
    Stellvertreterfunktion

    Man kann »’68« auch als einen revolutionären Aufbruch verstehen, der abgebrochen wurde. Dieser Abbruch war für viele, für die ’68 mit der Hoffnung auf das Ende des Kapitalismus verbunden war, etwas Unerträgliches. Hier liegt der Grund, warum die bewaffneten Gruppen noch über lange Jahre hinweg als Teil der eigenen linken Geschichte begriffen wurden. Sie haben stellvertretend für eine oder zwei Generationen die Möglichkeit der Revolution oder eben ihre Unmöglichkeit in dieser Zeit praktisch erfahrbar gemacht.

    Was waren die bewaffneten Gruppen, was die RAF, die Bewegung 2. Juni, die Roten Brigaden? Ich kann, aus einer historisierenden Sichtweise, keinen Sinn darin erkennen, sie über ihre Aktionsgeschichte zu definieren. Manche Aktionen waren gut, manche politisch oder sozial sinnvoll, manche sozial und politisch falsch. Wie überall im Leben reiht sich auch hier das Richtige ans Falsche oder umgekehrt. Und, zurückkehrend auf das eingangs erwähnte: Es gab keine praktische Erfahrung. Die Erfahrung musste erst gemacht werden. Es musste und muss eine neue Form – und ein neuer Inhalt – des revolutionären Widerstands und Kampfes her.

    Der Kapitalismus zwingt uns eine falsche Existenz auf, er lehrt uns, dass seine Produktions- und Konsumtionsweise alternativlos sei, dass seine Höhle, in der das Leben des Menschen eingefangen ist, dessen ausschließlich mögliche Existenzweise ist.

    Der Kommunismus – und der Sozialismus auf dem Weg dahin – sprach in seiner alten Form davon, dass die Höhle ein Ort der bleibenden Unkenntnis, Unfreiheit und Ausweglosigkeit ist. Er wollte die Menschheit mittels des Klassenkampfes aus dieser Höhle herausführen. Aber damit verbunden waren auch Vorstellungen einer linearen Entwicklung des technologischen Fortschritts, der Glaube, dass die Technik den Menschen vom Reich der Not befreien könne. In dieser Hinsicht wies der Kommunismus Verwandtschaft mit seinem Feind Kapitalismus auf. Heute wissen wir, dass die lineare Fortschreibung technisch-wissenschaftlicher Erkenntnisse das Reich der Not möglicherweise eher vergrößert als verkleinert.

    Slavoj Zizek hat in einem Vortrag mit dem Titel »Mut zur Hoffnungslosigkeit« vor eineinhalb Jahren im Schauspielhaus in Hamburg auf das Höhlengleichnis von Platon hingewiesen und meinte, dass bewaffnete Gruppen wie die RAF vielleicht die historische Aufgabe angenommen hätten, die Menschen aus der Höhle, in der sie festsitzen, zu vertreiben und zur Freiheit zu zwingen. Das Produktive am Höhlengleichnis ist, auf eine Welt hinzuweisen, die außerhalb der Höhle liegt. Wir erinnern uns alle an Francis Fukuyama, der nach dem Zusammenbruch des Realsozialismus vom alternativlosen »Ende der Geschichte« sprach.

    Ich möchte im Kontext der bewaffneten Gruppen noch einen anderen Gedanken aufgreifen. Den des »Deus ex machina«, des Gottes aus der Maschine im griechischen Theater, wo die Götter in einer Art von Flugmaschine auf die Bühne hinabschweben und nach ihren eigenen Gesetzen alles ändern.

    Beides, das Heraustreiben aus der Höhle und das Ändern der Spielregeln und damit die Herrschaft der Menschheit über Ort und Zeit sind Attribute einer wirklichen Revolution, die sich mit allem, was der Mensch hat, gegen jene falsche Welt stellt, in der er nichts anderes ist als das Objekt niederträchtiger Verhältnisse.
    Außerhalb der herrschenden Logik

    Mir ist es inzwischen völlig egal, ob man einzelne Aktionen der bewaffneten Gruppen herausgreift, um sie moralisch zu verurteilen. Mag sein, ich sprach schon davon, dass manches falsch und manche Niederlage auch verdient war. Aber das Zentrale an den bewaffneten Gruppen war, dass sie von einer anderen Welt wussten, dass sie sinnlich von ihr erfasst waren, und dass sie wussten, dass der Kampf um das ganze Leben geht. Nur das allein gab die Kraft, alles durchzustehen und bei aller Gewalt des Systems nichts im Leben zu vermissen. Jeder Kampf, der nicht das Leben aller berührt, wird emanzipatorisch unfruchtbar bleiben.

    Was immer sie auch falsch gemacht haben, die bewaffneten Gruppen wollten den Bruch mit dem Bestehenden, sie wollten nicht innerhalb der herrschenden Logik eine Lösung suchen, sondern außerhalb und gegen sie. Ich halte das für ein Verdienst.

    Und weil dieses Problem für alle, die grundsätzlich am falschen Leben etwas ändern wollen, die diese demütigende Existenz als Produktions- und Konsummonade nicht hinnehmen wollen, weiter existiert, kann heute offensichtlich immer noch nicht über die RAF oder die anderen bewaffneten Gruppe diskutiert werden. Hier herrschen das Tabu und die dumme Distanzierung. Die Regeln sollen nicht verändert werden. Der Mensch soll in der Höhle bleiben.

    #Allemagne #gauche #RAF #répression #lutte_des_classes

  • Après les gilets jaunes : Emmanuel Todd, François Boulo, Raquel Garrido et Antoine Cargoet débattent sur la question

    https://www.youtube.com/watch?time_continue=4207&v=Up8BWJY28bA

    Excellent !
    Vers la 38 minute, Emmanuel Todd commence à se déchainer.
    ¨Mais il n’y a pas que lui _

    Source : Le Vent Se Lève, son Université d’été ! des 28-29 juin 2019

    Cette seconde édition, baptisée « L’Histoire recommence » comprenait huit conférences au cours desquelles sont venus débattre une vingtaine d’intervenants.
    Elle s’est déroulé dans l’amphithéâtre Richelieu situé au 17 rue de la Sorbonne, en plein cœur du quartier latin.

    #RIC #GiletsJaunes #Gilets_Jaunes #Démocratie #EnMarche Le retour de la #Lutte_des_Classes

  • Revivre Lip pour armer le combat social
    http://labrique.net/index.php/thematiques/lutte-des-classes/1043-revivre-lip-pour-armer-le-combat-social

    http://labrique.net/images/numeros/numéro57/Dessin_scop_LIP_v1.jpg

    Guillaume Gourgues est maître de conférences en science politique à Lyon 2. Ses travaux portent sur les conflits du travail et les politiques macro-économiques. Il revient pour La Brique sur son dernier ouvrage « Pourquoi ont-ils tué Lip ? » co-écrit avec Claude Neuschwander (Éditions Raisons d’Agir) qui retrace la mobilisation des ouvriers de l’entreprise d’horlogerie Lip de Besançon en 1973 et l’affrontement politique qu’elle a provoqué.

    #En_vedette #Lutte_des_classes

  • À corde et à cri
    http://labrique.net/index.php/thematiques/lutte-des-classes/1051-a-corde-et-a-cri

    http://labrique.net/images/numeros/numéro58/daddy.jpg

    Il aura fallu 7 années avant que s’ouvre le procès des entreprises responsables de la mort de Vincent Dequin et Arthur Bertelli. Tous deux cordistes, tous deux victimes de leur travail, engloutis au fond d’un silo à sucre. Le 11 janvier 2019, les deux sociétés mises en cause dans le drame ont comparu devant le tribunal correctionnel de Reims. Elles ont été reconnues coupables d’homicides involontaires et de manquements aux obligations de sécurité. Pour les Cordistes, constitué.es en collectif, c’est le début d’une reconnaissance de la dangerosité de leur métier.

    #En_vedette #Lutte_des_classes

  • 05.01.2019: »Macrons Politik hat Klassenkampf reaktiviert« (Tageszeitung junge Welt)
    https://www.jungewelt.de/artikel/346625.kapitalismus-macrons-politik-hat-klassenkampf-reaktiviert.html

    Gespräch mit Luc Rouban. Über den Protest der »Gelbwesten« in Frankreich, neoliberale »Reformen« des Präsidenten und die Enttäuschung seiner Wähler
    Interview: Hansgeorg Hermann

    »Macron warnt die Leute, er sagt ›Ich oder das Chaos‹ und schafft sich den Gegner, den er braucht, um zu existieren«: Der französische Präsident äußert sich im Fernsehen zu den »Gelbwesten« (10. Dezember 2018)
    Luc Rouban, 60 Jahre alt, ist Direktor am Forschungszentrum für Politische Wissenschaften (­Cevipof) in Paris. Sein Büro, ein bescheidener Raum in einem alten Gemäuer an der Rue de l’Université, liegt nur einen Steinwurf von der Assemblée nationale entfernt. Dort, im französischen Parlament, nickt eine absolute Mehrheit seit 18 Monaten ab, was sich Präsident Emmanuel Macron an streng neoliberaler Wirtschafts- und Finanzpolitik ausgedacht hat. Rouban hat eine scharfe Analyse dieser Politik jüngst in dem kleinen Band »Le Paradoxe du macronisme« veröffentlicht.

    »Il Gattopardo«, der einzige Roman des Schriftstellers Giuseppe Tomasi di Lampedusa, beleuchtet die Zeit der italienischen Bürgerrevolution Mitte des 18. Jahrhunderts. Einer der Protagonisten der Geschichte, der junge Tancredi Falconeri, sagt im Dialog mit seinem Onkel, dem Großfürsten Don Fabrizio, den wohl wichtigsten Satz des Buches: »Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, dann müssen wir alles ändern.« Ist das ein Spruch, der auch die neoliberale »Reformpolitik« des französischen Präsidenten Emmanuel Macron beschreibt?

    Eine gute Frage, die keine leichte Antwort zulässt. Macrons Absichten sind zu komplex. Aber im großen und ganzen würde ich sagen: Ja, Tancredis Einschätzung beschreibt seine Politik recht gut. Macron hat sich das – vielleicht eher unbewusst – zur Direktive gemacht. Wir hatten nie eine solch geschlossene, von der Oberklasse dominierte Politik wie unter ihm. Seine Entourage ist die klassischste Elite, die sich jemals um einen Präsidenten geschart hat, ein absolut elitäres Korps. Macron und seine Leute kommen nicht nur aus dem kulturellen Establishment, sondern auch aus der institutionellen Führungsschicht. Sie entspringen der Kaderschule, der École nationale d’administration (ENA). Von den Absolventen der ENA gehen jeweils 15 eines Jahrgangs per Order in die staatliche Finanzinspektion, eine ungeheuer mächtige Institution in Frankreich, in der auch Macron gedient hat, bevor er als Bankier ins Private wechselte. Sie sind eine Elite, die nach dem Staatsdienst als Generaldirektoren in den großen Unternehmen wiederzufinden sind. Sie handeln und denken mit einer Logik, die man auch in anderen korporell organisierten Institutionen findet. Das Projekt ENA, 1945 von Charles de Gaulle gegründet, hat sich nie geändert, es beruht auf einer monarchischen Hierarchie, die in Konkurrenz zur politischen Klasse steht. Wir haben auf der einen Seite den Präsidenten …

    Eine Konzentration der politischen Macht an der Spitze?

    Eine Konzentration der Macht an der Spitze, das heißt beim Präsidenten und seinem Gefolge im Élysée-Palast und, schon deutlich geringer, bei seinem Premierminister und dessen Kabinett, und auf der anderen Seite die Vertreter der staatlichen »Haute fonction«, die hohen Funktionäre. Die im Élysée und im Hôtel Matignon (Sitz des Premiers, jW) versammelte Führungsschicht versucht unter Macron die hohen Funktionäre dem politischen Mandat zu unterwerfen. Man will – seit Margaret Thatcher und Ronald Reagan – der hohen Administration die Macht nehmen und sie privatisieren. Ein neoliberales politisches Projekt, das funktioniert hat. Allerdings mit der Konsequenz, dass das Ethos der Funktionäre, ihre Treue gegenüber Recht und Regeln des Staatswesens, nach und nach ausgeschlossen wurde. Macron ist von jungen Leuten umgeben, die aus dem privaten Sektor kommen, eine »ungesunde Kumpanei«, wie das der Präfekt von Paris neulich ziemlich deutlich genannt hat.

    Hat Macron 2016 im Wahlkampf nicht versprochen, mit der ENA-Herrlichkeit und den elitären politisch-wirtschaftlichen Bruderschaften aufzuräumen?

    Das hat er schnell wieder fallenlassen – es hat sich absolut nichts geändert. Insofern ist Ihre erste Frage, ob Tancredi Falconeris Satz auch von Macron stammen könnte, mit einem Ja zu beantworten.

    Wer ist Macron? Wir wissen, dass er als überzeugter Katholik eine von Jesuiten geleitete Privatschule besucht hat, an der seine spätere Ehefrau als Lehrerin unterrichtete – auch sie eine strenge Katholikin, die unter anderem die Abtreibung ablehnt. Wir wissen, dass er bei der Rothschild-Bank als Investmentbanker arbeitete und als Vermittler von großen Unternehmensfusionen Millionär wurde, bevor er unter dem sozialdemokratischen Präsidenten François Hollande Wirtschafts- und Industrieminister wurde. Spielt sein Katholizismus eine Rolle in der gegenwärtigen Politik?

    Ich sehe ihn nicht als Vertreter eines rechtskonservativen Katholizismus, das wäre sein gescheiterter Konkurrent François Fillon gewesen. Macron ist nicht der Typ, der in der tief katholischen Provinz seine Wähler eingesammelt hat. Er wurde von der sozialdemokratischen Linken gewählt, die von Hollande enttäuscht war. Der Parti Socialiste, kurz: PS, ist in Frankreich eher linksorientiert – was heute genau Macrons Problem ist. Diese sozialdemokratische Linke definiert sich über eine Art kulturellen Liberalismus, eine soziale Toleranz, die sich bei den rechten Katholiken nicht findet. Nein, seinen Sieg schuldet Macron den Sozialliberalen.

    Frankreichs größte Gewerkschaft, die eher christlich-sozialdemokratisch strukturierte CFDT, und ihr Generalsekretär Laurent Berger suchten ja zunächst die Nähe Macrons.

    Hier ist der Unterschied Macrons zu seinem Vorgänger Hollande. Berger und seine Leute hätten Macron eigentlich einiges durchgehen lassen – die Abschaffung der Vermögensteuer, die den Bossen zugestandene Autonomie bei Entlassungen und Einstellungsverträgen. Aber es fehlte die Belohnung für diese Toleranz gegenüber Macron. Der Präsident hat die Gewerkschaften von Verhandlungen über seine »Reformen« ausgeschlossen. Er sagt: Ich höre zu – aber ich mache anschließend, was ich will. Das war nicht nur ein heftiger Schlag gegen die andere große Gewerkschaft, die CGT unter Philippe Martinez, sondern letztlich auch gegen die CFDT und Berger, das war reiner Thatcherismus. Und zudem erneut eine Riesenenttäuschung für die sozialdemokratische Linke. Macron hat seinen Förderer Hollande und dessen sozialdemokratischen Weg verraten. Hollande dachte an eine »modernisierte Sozialdemokratie«, an »ökonomischen Realismus«, den Macron entwickeln sollte.

    Es stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, wer eigentlich Macrons Wahlkampf finanziert hat. Er hatte keinen Parteiapparat zur Hand, keine Büros, keine Stützpunkte. Und woher kam das Geld für die teuren Wahlveranstaltungen?

    Es gibt bis heute keine belastbaren Informationen. Immerhin kam er ja von der Bank Rothschild, er hatte mittlere und kleine lokale Gründer auf seiner Seite, er kannte viele ehemalige hohe Funktionäre, die ins Private gewechselt waren, er hatte sicher ein gutes Adressbuch. Und es war eine prima Idee, die modernen elektronischen Kommunikationsmittel einzusetzen. Aber woher das Geld kam? Keine Ahnung.

    Und er hatte plötzlich Verbündete im Wahlkampf, mit denen er zu Beginn nicht unbedingt rechnen konnte.

    Sie sprechen von François Bayrou, dem Führer der französischen Liberalen, dem Mouvement Démocrate, kurz: Modem. Der hatte Macron in der Tat noch am 7. September 2016 niedergemacht. »Das wird nicht funktionieren«, sagte er im Fernsehen, »Macron ist ein Hologramm.« Wenig später waren wir in der alten Welt angekommen, die der junge Herr Kandidat eigentlich verlassen wollte: Macron und Bayrou trafen sich in einem Lokal und einigten sich. Das ist die alte Bistropolitik, bei der man sich Wahlkreise zuschustert und den einen oder anderen Ministerposten. Die traditionellen Anhänger Bayrous haben anschließend für Macron gestimmt, Bayrou selbst wurde Justizminister – Macron hat sie alle enttäuscht. Ein Rückfall in Zeiten der Dritten Republik (1870–1940, jW).

    Wer sind Macrons Wähler?

    Nicht die Jungen. Es waren in erster Linie die Älteren und Alten, die Rentner. Aber alles Leute aus den sozial höherstehenden Schichten. Oft angezogen von Macrons vermeintlich kulturellem Liberalismus – er stellt sich ja gerne als Philosoph vor, der seinem Meister Paul Ricœur zur Hand ging, als intimer Kenner der Literatur und so weiter. Es handelte sich auf jeden Fall um das in seiner Entscheidungsfindung unsicherste Wahlvolk aller Zeiten. Das hat übrigens eine der größten Untersuchungen ergeben, die je in Frankreich zum Wahlverhalten der Bevölkerung gemacht wurde. Macron ist ein Präsident aus Mangel an anderen Möglichkeiten. Wir hatten eine riesige Mehrheit von Wählern, die nicht überzeugt waren. Der Kandidat der Sozialdemokraten, Benoît Hamon, war nicht glaubwürdig und wurde vollkommen von Jean-Luc Mélenchon in den Schatten gestellt, mit dem er zudem kein Bündnis eingehen wollte, weil Mélenchon seinen Wählern eine neue, eine Sechste Republik mit reduzierter Macht des Präsidenten, versprach. Macron gab sich sehr proeuropäisch, was die Franzosen in ihrer Mehrheit sind.

    Und er erklärte, er wolle – weder rechts noch links – die alten Gräben zuschaufeln und das System ändern. Was ist davon geblieben?

    Die von ihm sofort nach dem Erfolg in Szene gesetzte Erzählung vom großen Sieg über die alte Lagermentalität ist falsch. Die Spaltung zwischen Rechten und Linken ist tiefer geworden, die Bekehrung der Franzosen zum ökonomischen Liberalismus findet nicht statt und wird nie stattfinden, weil diese Franzosen das nie wollten, Macrons »neuer Franzose des 21. Jahrhunderts« ist bisher nicht zu sehen. Macron ist ein guter Spieler mit schlechten Spielern als Gegnern. Der Parti Socialiste ist abgeschrieben, schachmatt. Ich will Ihnen eines sagen: Macron hat gezeigt, dass er kein Kandidat der Erneuerung ist, er ist in Wirklichkeit ein Populist. Sein Duktus ist absolut populistisch. Er sagt den Leuten: Ich bin gegen das System, wir sind die Träger des Neuen, die Fahnenträger sozusagen. Dieses Versprechen – »wir werden euch aus der jetzigen Situation befreien« – ist reiner Populismus. Da haben Sie Ihren Giuseppe Tomasi, das ist Lampedusa. Und er geht sogar weiter. Er warnt die Leute, er sagt »Ich oder das Chaos«, und schafft sich den Gegner, den er braucht, um zu existieren.

    Die »Gelbwesten« sind seine eigene Kreation?

    Er hat den Klassenkampf reaktiviert. Die »Gelbwesten« sind allerdings ein Gegner, den er nicht einteilen kann in links, rechts, Mitte oder sonst irgendwie, sie haben keinen Sprecher, keinen Führer. Er hat hier die direkte Konfrontation mit dem Volk, dessen Attacke sich daher umgekehrt auch nur auf ihn persönlich konzentriert.

    Macrons politische Bewegung »La République en marche«, kurz: LREM, er selbst will sie ja nicht als Partei bezeichnen, hat die absolute Mehrheit in der Nationalversammlung. Wer sind die Abgeordneten, die ihm dort seine einsamen Entscheidungen abnicken?

    Es ist vor allem die provinzielle Bourgeoisie, die für ihn im Parlament sitzt.

    Sie haben in einem Essay die »Feminisation élitiste« beschrieben, die Macrons Mehrheit in der Nationalversammlung charakterisiere: viele weibliche Abgeordnete, mehr als die anderen Fraktionen, allerdings fast ausschließlich aus der Oberschicht.

    So ist es. Wir haben vor allem private Chefs, Leiterinnen kleiner Unternehmen in der Provinz, Rechtsanwälte, Finanzberater, alte Zentristen, die vorher noch nie ein Mandat hatten. Leute, die bei Gemeindewahlen nicht erfolgreich waren, weil sie beispielsweise im Parteiapparat des Parti Socialiste nicht weiterkamen. Die haben bei Macron Karriere gemacht. Natürlich sind die bereit, allem zuzustimmen, was aus dem Élysée kommt – es gibt für sie ja keinen Weg zurück, weil sie ihre alten Parteien, den PS, die Republikaner oder Modem, verraten haben. Sie müssen mit Macron gewinnen oder fallen. Dort verrät er seine Anhänger: Leuten, die von ihm fasziniert waren, drückt er nun seinen »vertikalen« Führungsstil auf und begründet das damit, dass er als Präsident »einen historischen Moment« inkarniere. Er weiß, dass es Nachfrage nach Autorität gibt, natürlich – da haben wir wieder den Populismus. Und er weiß ja, dass seine Wählerschaft in sich nicht stabil ist.

    Nach vier Wochen des Kampfs gegen die »Gelbwesten« verteilte Macron kleine Geschenke und kündigte eine »große nationale Debatte« an, die am Ende darüber entscheiden soll, ob es künftig das von den »Gelbwesten« verlangte Bürgerreferendum gibt. Ist das ein neuer oder ein alter Macron?

    Macron versucht, sich noch einmal neu zu erfinden und kehrt – vorläufig – zum Horizontalen zurück. Aber die große Debatte? Was soll das sein? Eine Debatte, die alles klären soll, auch die Ungerechtigkeit, die soziale Deklassierung? Macron hat sich von allen entfernt, die ihn gewählt haben, von den Rentnern beispielsweise oder auch von all jenen, die in der Provinz festsitzen und von allem abgeschnitten sind. Keine Bürgermeister, keine Post, keine Schule, kein Kaufladen, keine öffentlichen Transporte. Und die Ortsvorsteher, die es noch gibt, haben längst ihre Kompetenzen verloren. Sie haben keine Rechte, sie verfügen über keine Finanzierung, sie haben keine Strukturen zur Hand. Der Staat macht uns zum schlichten Agenten ohne Entscheidungsbefugnis, nicht erst Macron exekutiert die Strukturen, aber er hat vor, das zu vertiefen. Wir sprechen von einer, wie ich es nenne, territorialen Katastrophe. Das soll die große Debatte alles lösen? Ich habe nicht das Gefühl, dass wir am Ende dieser Debatte sehr viel schlauer sein werden.

    Die etwas kleinere Debatte mit den Gewerkschaften hat Macron ja abgelehnt. Jetzt ruft er sie zu Hilfe, weil ihm die »Gelbwesten« keinen Sprecher zur Verfügung stellen. Braucht er sie, weil sie vermitteln sollen?

    Natürlich. Leute wie Martinez, aber auch Berger, da bin ich sicher, werden jetzt gebraucht. Aber, auch das ist sicher, die werden nun ihre Forderungen stellen, und er wird sich wieder auf die etwas kleineren Geschäfte mit den Syndikaten einstellen müssen. Auf Steuerfragen, auf Gerechtigkeit, auf Dezentralisierung der Macht. Es zeigt sich, wir kommen hier wieder auf Lampedusa zurück, dass Macron nicht wirklich ein Projekt hatte. Wenn er nun entschiede, dass er die lokale Ebene stärken will, dann wäre das eine gute Antwort an die »Gelbwesten«. Auch wenn es in Zukunft ein Bürgerreferendum für die grundsätzlichen Entscheidungen in diesem Land gäbe, entkommen wir ja nicht dem repräsentativen System.

    Universitäten und Schulen klagen über eine »Reform« Macrons, mit deren Hilfe den Kindern nicht so sehr die allgemeine Bildung und das gesellschaftliche Wissen beigebracht, sondern die Ausbildung mehr und mehr den Bedürfnissen der Unternehmer angepasst werden soll. Was geht da vor?

    Bürgerliche Eliten schicken ihre Nachkommen in die besten Wirtschaftsschulen, damit sie dort auf hohe Posten im kapitalistischen Betrieb vorbereitet werden. Die Ausbildung der Kinder und Heranwachsenden ist in der Tat nicht politisch oder kulturell geprägt, sondern erfolgt mit dem Ziel, privates Management großzuziehen, eine Evolution der Strategie des Finanzkapitalismus. Sie soll erlauben, zunächst hohe Funktionäre mit garantiertem Dienstwagen zu werden, das ist Ziel der ENA-Ausbildung; die Wirtschaftsschule in London oder Paris – nach der ENA – erlaubt es den Sprösslingen, sofort an die Spitze eines Unternehmens zu kommen. Der Vorsprung der Eliten bleibt und wird immer wieder erneuert. Es geht bei der Ausbildung darum, die Instrumente des Herrschens zur Verfügung zu stellen.

    Was wird Macron am Ende seiner Amtszeit sein? Pariser Zeitungen schrieben nach dem Höhepunkt des »Gelbwesten«-Protests bereits über den »Anfang vom Ende des Mandats Macron«. Wird er der tragische Held sein in einem bürgerlichen Trauerspiel? Der Mann, der Frankreich und Europa verändern wollte, dessen Traum dasselbe Volk zerstörte, das ihn wählte?

    Macron ist insofern eine traurige Figur, als es ihm offensichtlich in der Tat schwerfällt, die soziale Frage zu begreifen. Er ist nicht der tragische Held, weil es nicht um ihn, sondern um die tägliche Tragödie der Vergessenen dieses Landes geht, um die alltägliche Dimension des Tragischen. Macron ist Kriegsherr, aber er hat keinen Militärdienst gemacht, der ihm vielleicht hätte zeigen können, was es bedeutet, im Krieg zu handeln. Macron hat keine Kinder, an deren täglichen Leben er die Folgen seiner Sozialpolitik studieren könnte – Macron hat ein riesiges Handicap. Er und wir leben in verschiedenen Welten, in Parallelwelten, die der Finanzkapitalismus geschaffen hat. Seine wichtigste Beziehung ist die zur Macht, nicht die zur Alltäglichkeit des Lebens. Wir beobachten in ihm die Andersartigkeit der wirtschaftlichen Macht, der Dirigenten. Macron ist kalt und spielt gerne den Intellektuellen. Er bringt einen verhängnisvollen Paternalismus, eine Vormundschaft, die wir nicht brauchen.

    #France #politique #lutte_des_classes #Macron #auf_deutsch

  • #Begaudeau
    #bourgeois

    https://www.brain-magazine.fr/article/brainorama/52245-Francois-Begaudeau-Les-bourgeois-votent-a-99-ces-cons-la

    Si la #bourgeoisie de gauche n’est pas nouvelle, la nouveauté, c’est peut-être d’avoir Macron qui fait une politique très libérale mais qui parvient à flatter les valeurs de cette gauche. Tu dis dans le livre : « Au-delà de la violence sociale, c’est le coulis de framboise qui est obscène ».
    C’est quantitatif. Macron est un accélérateur. D’où les réactions. Ce qu’a fait le PS pendant 30 ans, c’est-à-dire entériner une #politique_libérale avec un coulis de cool, quelques mesures sociales pour la forme, Macron le fait encore plus. Une politique encore plus libérale et un coulis de cool encore plus épais. Donc il crée un cocktail d’#exaspération encore plus fort.

    Ce coulis encore plus épais, c’est faire comme si les gens aujourd’hui n’avaient pas intégré les codes de la communication, qu’ils n’avaient pas accès à internet.
    Il faut lui donner raison. Certains ont vu bien avant par qui il était financé, qui le mettait au pouvoir. Mais que tout un tas de centre-gauchistes soient tombés dans le panneau alors que tout démontrait l’inverse, ça, ça me sidère. Surtout, il ne fallait pas voter Le Pen ou Mélenchon ; ça laisse une marge étroite. Je dis que ça a bien marché à l’époque, mais ça va aussi très bien remarcher. Parce que la bourgeoisie, il faut lui reconnaître ça, est hyper-soudée autour de lui. Et comme il a besoin de 25% pour être élu... ben, il les a. Parce qu’on parle toujours de l’hyper-abstention des classes populaires, mais on ne parle jamais de l’#hyper-vote des bourgeois. Ces cons-là votent à 99% !

    On parle alors de #populisme, comme si le racisme ne pouvait être que le fait du peuple.
    Oui, alors que la chronique de l’Histoire nous prouve l’inverse.

    [...]

    Pendant 30 ou 40 ans, il n’y a pas eu de vraie violence sociale, alors que c’est l’arme du prolétariat. Là, la violence, en plus légitimée par Macron qui accorde des choses seulement face à la violence, fait son retour. Est-ce que le prolétariat retrouve ses armes ?
    Je suis partagé. On était nombreux à s’enthousiasmer de ce mouvement. Là-dessus, je suis plutôt content. Mais ça reste très peu de gens. En plus, il s’éteint. Et puis il est vérolé par tout un tas de blaireaux ! Il y a deux mois, j’étais enthousiaste. Là, c’est en train de finir en quenouille. Et non pas en quenelle... Quoique, remarque… Mais c’est vrai que depuis 20 ans, les classes populaires ne s’engagent pas dans un mouvement puissant.

    Parce qu’on ne leur laisse pas la place, ou parce qu’elles ne la prennent pas ?
    Déjà, parce qu’elles n’ont pas le temps pour ça. Moi, je manifeste, mais j’ai le temps. Le prolo, c’est celui à qui le réel s’impose. Le grand ennemi du prolo, c’est l’atomisation du travail. Avant, les sites des usines étaient le lieu de réunion des ouvriers. Pas besoin de sites pour se retrouver, le #capitalisme en livrait comme de l’or en barre. Ford l’avait compris en se demandant s’il n’avait pas fait une énorme connerie. Là, avec l’immense fragmentation du travail, chacun est dans son coin. Et je ne parle même pas des délocalisations.

    On n’a pas forcément conscience d’être bourgeois. Les classes populaires ne sont plus structurées. La lutte des classes ne peut plus avoir lieu ?
    La #lutte_des_classes n’a rien à voir avec la lutte en tant que telle. La lutte des classes a lieu au moment où je te parle. C’est la violence du capitalisme. Mais je dois préciser quelque chose. Mon livre dit que le bourgeois excelle à se cacher à lui-même. Mais ce n’est pas vrai. C’est ce que dit l’excellent bouquin de Ruffin qui sort demain – et que j’ai lu en exclusivité mondiale (rires) : que c’est une classe qui a bien conscience d’elle-même. C’est aussi ce que disent les Pinçon-Charlot. C’est une classe très, très solidaire. En revanche, quand on dit aux bourgeois que leurs goûts sont bourgeois, que leurs styles de vie sont bourgeois... alors là, ils n’aiment pas. Structurellement, le capitalisme a besoin de la #solidarité_bourgeoise. Les capitalistes doivent se renforcer les uns les autres. Quand on y pense, un banquier qui prête de l’argent à une grande entreprise, parce qu’il sait qu’elle le lui rendra, d’une façon ou d’une autre, c’est juste de la solidarité bourgeoise.

  • Lille, capitale de la ségrégation
    http://labrique.net/index.php/thematiques/lutte-des-classes/1040-lille-capitale-de-la-segregation

    http://labrique.net/images/numeros/numéro57/segregation1.jpg

    Un record. Avec 44% d’élèves scolarisé.es dans l’enseignement privé, de la maternelle à l’université, la métropole lilloise détient rien moins que le record de France en la matière, doublant la moyenne nationale qui s’élève à 22%. Dans des communes, comme Beaucamps-Ligny et Bondues, plus de 85% des élèves étudient dans des écoles privées. Des établissements privés à Roubaix, Tourcoing, Marcq, scolarisent plus de 2000 élèves qui se massent à l’abri des classes populaires. Comment expliquer ce phénomène ? Levons le voile, chiffres à l’appui, sur la réalité de cette ségrégation scolaire, particulièrement vivace dans la métropole.

    #En_vedette #Lutte_des_classes

  • Le social dégradé... mais le social déchaîné
    http://labrique.net/index.php/thematiques/lutte-des-classes/1035-le-social-degrade-mais-le-social-dechaine

    http://labrique.net/images/numeros/numéro57/Social_Lecerf.jpg

    Le secteur de l’action sociale, à force d’être méprisé et de se faire matraquer, a fini par se soulever. Les graves défaillances de la protection de l’enfance sont à l’origine de la colère des salarié.es. Grèves, actions, manifestations et une journée nationale de mobilisations dont Lille a été l’épicentre. Cette contestation inédite par son ampleur et par ses soutiens ne demande qu’à continuer de s’étendre.

    #En_vedette #Lutte_des_classes

  • Ce que Marx dirait des gilets jaunes - Didier LAPEYRONNIE, Sociologue - 27 décembre 2018
    https://www.liberation.fr/debats/2018/12/27/ce-que-marx-dirait-des-gilets-jaunes_1699758

    Les gilets jaunes s’inscrivent dans une longue tradition de #mouvements_populaires, tels qu’on les connaît depuis le People Party, les Narodniki ou les paysans parcellaires du XIXe siècle. Des « moments du peuple » qui n’annoncent rien mais exacerbent l’urgence à retrouver les chemins de la #lutte_des_classes.

    Tribune. Les gilets jaunes sont un objet non identifié. Leur mouvement n’a pas de précédent récent. S’il est original en France, il est d’une grande banalité dans la période actuelle et s’inscrit dans une tradition vieille de plus de deux siècles de mouvements qui surgissent dans des conjonctures mêlant des changements économiques brutaux à l’effondrement du système politique.

    Le mouvement uni deux symboles. Le gilet jaune, tenue de ceux qui sont au bord de la route, les perdants de l’#économie globalisée. Immobilisés, ils bloquent les ronds-points et détruisent les accès payants. Les invisibles deviennent visibles. Le drapeau français ensuite, qui flotte sur les ronds-points, est brandi dans les manifestations, porté sur le gilet, auquel s’ajoute la Marseillaise, chantée sans arrêt, y compris devant les cordons de police. Le gilet et le drapeau symbolisent les six caractéristiques du mouvement.

    1. Ils définissent le « #peuple » auquel se réfèrent les manifestants, peuple très divers mais uni par une même expérience des difficultés sociales.

    2. Face à l’#injustice, l’indignation est moins sociale que morale. Elle fabrique un peuple « en colère » comme beaucoup l’écrivent sur leur gilet : leur situation est due à la trahison des élites « corrompues » qui se « gavent » et sont prêtes à « vendre » le pays. Le « peuple » veut procéder à l’exclusion de l’#élite et la punir.

    3. Le rejet moral débouche sur l’appel à une souveraineté populaire directe qui se fait entendre de plus en plus fort au fur et à mesure que le mouvement dure, se traduisant par une hostilité aux corps intermédiaires et aux #médias et surtout aux parlementaires. Ni de droite, ni de gauche, l’essentiel est le face-à-face direct avec le Président dont on appelle à la démission.

    4. Le mouvement est incapable de se structurer, de se donner des porte-parole ou d’accepter une négociation : ce serait trahison et corruption. Entre l’injustice ressentie et l’appel au peuple, il n’y a pas de cadre politique permettant de s’organiser ou de construire des #revendications agrégeant les multiples demandes. Peu substantiel, le mouvement est facilement manipulable par des #idéologies plus consistantes, ouvert aux rumeurs et sensible aux théories « complotistes ».

    5. L’ensemble prend la forme d’une volonté de revenir dans le passé, non dans une logique réactionnaire, mais pour y retrouver les équilibres sociaux et politiques assurant un avenir plus juste pour les « petits », leur permettant de reprendre la route.

    6. Entre l’appel au peuple et les demandes diverses, il n’y a rien d’autre que des sentiments de la colère et un immense ressentiment. La violence en est l’aboutissement : elle maintient l’intégrité du mouvement. Elle est un court-circuit : elle fait entrer au cœur du système ceux qui sont #dehors. Elle est la seule #stratégie politique possible « pour se faire entendre ».

    Les gilets jaunes s’inscrivent dans la longue tradition des mouvements populaires, tels qu’on les connaît depuis le People Party ou les Narodniki au XIXe siècle jusqu’au Tea Party. Ils en sont un avatar presque ordinaire. Ils diffèrent sur une dimension : ces mouvements ont été teintés d’une forte #xénophobie, parfois de #racisme, mêlés à l’hostilité aux #pauvres qui bénéficient d’#aides_sociales. Ces thèmes ont été présents, mais ils sont restés mineurs.

    La crise de la représentation

    Marx a fait l’analyse la plus solide de ces mouvements, les expliquant par l’association des changements économiques, des difficultés sociales et de la crise de la représentation. Il n’y a presque rien à changer à son analyse. En 1848, les paysans parcellaires étaient confrontés à de profonds changements économiques mettant en cause leur existence. Comme les gilets jaunes manifestant dans Paris en petits groupes dispersés, leur #isolement ne leur permettait pas de se constituer comme une catégorie unie apte à se défendre. Leurs intérêts les opposaient aux autres groupes sociaux, mais les conditions de leur existence les séparaient les uns des autres. Il n’existait pas de #liens entre eux, aucune organisation, aucune #identité. Incapables de se représenter, ils devaient être représentés, écrit Marx, et ils attendaient des représentants et de l’Etat qu’ils les protègent contre les autres classes et surtout contre les changements, afin de leur redonner leur « splendeur d’antan ». Leur influence trouvait son expression dans la « subordination de la société au pouvoir exécutif », au politique. Marx était violemment hostile à ce type de mouvement, rejetant son #économie_morale et la volonté de « retour en arrière » comme l’appel au peuple et la #philosophie_de_la_misère.

    Il y voyait le vecteur de la prise de pouvoir de Bonaparte, le principal soutien d’un #régime_autoritaire et fort et une forme de révolte « primitive », marquant la fin d’un monde tout en faisant obstacle à une nouvelle lutte de classes. Comme les paysans parcellaires, les gilets jaunes sont le produit de la désintégration sociale et de l’injustice brutale produites par des changements économiques qui les laissent à l’écart et du vide dans lequel l’effondrement du système politique les a placés, en particulier la disparition de la Gauche dont il ne subsiste plus que des fragments caricaturaux. Ils sont le produit d’un « moment », moment du « peuple », inauguré lors de la dernière élection présidentielle, et qui peut durer de longues décennies comme nous le rappellent les paysans parcellaires dont la participation au #plébiscite a précipité l’effondrement de la démocratie : il a fallu attendre près d’un demi-siècle pour que les luttes des classes s’affirment par la construction d’un mouvement ouvrier et d’une Gauche politique. Les gilets jaunes n’annoncent rien mais leur mouvement populaire exacerbe l’urgence qu’il y a aujourd’hui de sortir de ce « moment du peuple » en refondant la démocratie représentative en retrouvant les chemins de la lutte des classes.

    Que les #précaires puissent guère tabler sur la grande usine comme lieu d’agrégation n’en fait pas pour autant des paysans parcellaires. Le sociologue enrégimente Marx pour mieux s’autoriser de « leçons de l’histoire ».

    #histoire #analyse #débat

  • Analyse. « Ce mouvement est l’expression même de la lutte des classes » | L’Humanité
    https://www.humanite.fr/analyse-ce-mouvement-est-lexpression-meme-de-la-lutte-des-classes-665224

    [...] Vos travaux de recherche portent en partie sur les classes populaires. Le mouvement des #gilets_jaunes remet-il à l’ordre du jour cette notion de #lutte_des_classes ?

    OLIVIER MASCLET En France, ce que désigne la notion de « #classes_populaires », c’est le vaste continent des employés et des ouvriers. Un Français actif sur deux est un ouvrier ou un employé. Ça fait du monde : environ 14 millions de personnes, chiffre auquel il faut ajouter les retraités qui sont, majoritairement, d’anciens ouvriers et employés qui vivent aujourd’hui avec des pensions modestes. Rien d’étonnant donc à ce qu’ils endossent eux aussi le gilet jaune. En sociologie, on définit ces classes populaires par le cumul de trois caractéristiques : faiblesse des ressources économiques, petitesse du statut social, distance au capital culturel.

    La lutte des classes n’a d’une certaine façon jamais cessé, mais les sociologues la conçoivent d’une autre façon que les marxistes purs et durs. Pour eux, il s’agit d’un affrontement entre deux blocs, possédants d’un côté, prolétaires de l’autre. Bien sûr, il existe toujours des prolétaires ou des travailleurs d’exécution dont la seule richesse est leur force de travail, mais il existe aussi plusieurs autres classes sociales, et la classe des travailleurs du bas de l’échelle salariale est elle-même très ­hétérogène, en tout cas « sur le papier », c’est-à-dire quand on regarde comment les ressources économiques et culturelles, pour ne parler que de celles-ci, sont distribuées. Pour les sociologues pour qui la notion de classe sociale conserve sa pertinence, dont je suis, la lutte des classes n’est pas réductible à un affrontement bloc contre bloc. Elle est multiple parce qu’elle oppose des classes et des fractions de classes nombreuses et parce qu’elle prend des formes différentes dans les différents champs. Il y a toujours dans notre pays des dynamiques très fortement inégalitaires, qui font le bonheur des plus aisés au plan économique et culturel, et qui aggravent le sort des plus modestes. Le mouvement des gilets jaunes ne remet pas à l’ordre du jour la lutte des classes. Il en est l’expression même.

    Au-delà de la fracture sociale, peut-on parler d’une fracture culturelle ?

    OLIVIER MASCLET Oui, c’est évident. Cette fracture se fait sentir dans la perception que toute une partie des Français a des gilets jaunes. Les journaux comme le Monde, l’Humanité ou Libération font accéder à des points de vue qui soutiennent le mouvement ou au moins cherchent à le comprendre. Mais ailleurs, en particulier sur la Toile, beaucoup d’avis le condamnent. Les gilets jaunes sont décrits comme des beaufs, des pollueurs, des accros à la bagnole, des racistes qui livrent les sans-papiers à la police… Le mépris envers les « petites gens » est gigantesque. Et ce mépris est loin d’être le seul fait des gens de droite ou d’odieux réactionnaires. On trouve aussi des gens de gauche qui ne se reconnaissent pas vraiment dans ce mouvement, qui ont du mal à se solidariser avec les gilets jaunes, qui ne savent pas vraiment qui ils sont, qui voient en eux la menace de l’extrême droite. Des années 1950 aux années 1970, la classe ouvrière était alors un groupe dominé, mais qui inquiétait par son nombre et sa capacité de mobilisation et que les #intellectuels et artistes soutenaient. Elle était au centre de tous les discours et de toutes les attentions politiques et intellectuelles. Aujourd’hui, les travailleurs du bas de l’échelle ont perdu cette centralité et ils ne sont plus tellement soutenus par les #artistes et les intellectuels. Il n’y a plus vraiment de contre-discours opposé au mépris.

  • « Gilets jaunes » : « Pour la gauche, l’antifascisme ne doit pas être une option », Sarah Kilani, médecin hospitalier, militante écologiste et membre du Comité Syrie-Europe après Alep ; Thomas Moreau, urbaniste, militant antifasciste, communiste libertaire et membre du collectif Agitations autonomes.
    https://www.lemonde.fr/idees/article/2018/12/15/sarah-kilani-et-thomas-moreau-l-antifascisme-n-est-pas-une-option_5398007_32

    Si la gauche peut appuyer le pôle progressiste des « #gilets_jaunes », elle se doit de critiquer ses éléments d’extrême droite, estiment deux militants écologiste et antifasciste dans une tribune au « Monde ».

    Tribune. N’émergeant pas directement des formes traditionnelles de contestation, le mouvement des « gilets jaunes » déboussole la gauche. Entre soutien inconditionnel et mépris affiché, toutes les positions envers la mobilisation se déclinent. Chacun accole sa #grille_de_lecture, s’appuyant sur les éléments fascisants (agressions homophobes, racistes, complotisme à propos du traité de Marrakech…) ou sur les #blocages efficaces (Amazon, dépôts pétroliers, le fabricant de lacrymogène Alsetex) pour valider sa thèse. Et pour cause : le mouvement est labile, changeant selon les espaces géographiques et sociologiques, variant d’un barrage à l’autre, d’un jour sur l’autre. Il a aussi sa dynamique interne.

    D’interclassiste, il évolue de plus en plus vers des bases prolétariennes par l’implication de militants de gauche, de #syndicalistes, du comité pour Adama [association créée après la mort d’Adama Traoré, lors de son interpellation en 2016 par les gendarmes du Val-d’Oise]. Face à ce phénomène protéiforme de colère sociale fourre-tout dont la nature réelle reste difficile à définir, mais justifiée par les bas salaires, le creusement des inégalités et, aussi, la crise institutionnelle instaurée par un exécutif qui a longtemps méprisé les corps intermédiaires et les classes subalternes, il est plus que légitime que la #gauche se soit posé la question de sa participation. Celle-ci se doit cependant dans tous les cas de rester d’une très grande fermeté à l’égard de l’extrême droite et des revendications qui lui sont propres.

    Très souvent décriés par cette gauche, ce sont pourtant les antifascistes qui ont avant tout évacué du mouvement, à plusieurs reprises, des militants fascisants, pendant que d’autres ont choisi une complaisance silencieuse devenue douteuse ; voire énoncent la possibilité de nouer des alliances sur le terrain avec eux. Ainsi, #Eric_Hazan dans un entretien à Mediapart, le 7 décembre, affirmait que la présence de l’extrême droite « ne [le] gênait pas », et de poursuivre « les ennemis de mes ennemis ne sont pas vraiment mes amis, mais un peu quand même ».

    Discours conciliant

    On peut s’étonner qu’une telle déclaration ne fasse pas un tollé général et qu’elle soit passée relativement inaperçue. La Ve République et ses structures économiques ont beau évoluer apparemment inexorablement vers un étatisme autoritaire et une dé-démocratisation, nous ne pouvons faire preuve d’un tel relativisme et affirmer qu’elle est un ennemi équivalent ou voire plus fondamental que l’extrême droite. La normalisation de ce discours conciliant avec les diverses expressions racistes n’est-elle pas la preuve d’une crise des représentations politiques de la gauche et de l’anticapitalisme ?

    Derrière le signifiant vide du gilet jaune se mobilisant contre la figure repoussoir d’Emmanuel Macron, on retrouve certes des militants habituels qui, face aux échecs politiques et syndicaux accumulés de ces dernières années, cèdent aux sirènes du « mouvementisme » et du « bougisme » aveugles à la première mobilisation collective venue sous prétexte qu’il se passe « quelque chose ». Mais c’est bien par ailleurs l’hégémonie du mythe populiste – populisme « dégagiste » fantasmant un peuple capable de s’unir malgré ses divergences pour renverser les élites — comme moteur de complaisance qu’il faut remettre en question.

    Une bonne partie de la gauche est passée avec armes et bagages de la théorie critique, de l’analyse des structures et de la stratégie de la #lutte_des_classes dans le camp du populisme, ayant comme stratégie politique et discursive l’opposition d’« un peuple » naturalisé (demos ou ethnos) contre les parasites du haut (les banques, l’élite), mais aussi parfois du bas (les assistés, les immigrés d’aujourd’hui et d’hier) « profitant de la redistribution ». Ce discours devenu hégémonique, imposant de taire les désaccords, considérés dès lors comme secondaires, entre les composantes du « peuple » – notamment sur les questions du racisme, de l’immigration, du féminisme et de l’homophobie – au nom de l’union stratégique, semble mettre en échec désormais le seul rempart qui permettait jusque-là d’éviter que « les extrêmes se rejoignent » : l’antifascisme.

    Critique intransigeante

    Ce refus du collectif pour ce rassemblement d’individus nus face à l’Etat et son appareil répressif, tout comme l’oscillation constante entre « révolution nationale » et sociale sont à combattre. L’implication du mouvement social semble changer actuellement : le centre de gravité des « gilets jaunes » évolue avec, peut-être, à la clé, un retour d’une base classiste organisée contre celle d’un populisme de gauche confus (type Mouvement 5 Etoiles) ; une logique d’action directe de blocage de la production et de la distribution l’emportant sur celle de la représentation.

    Si une partie de la gauche veut appuyer le pôle progressiste de ce mouvement, elle ne peut en aucun cas se passer de formuler une critique intransigeante de ce qu’il contient de revendications nationalistes et d’éléments d’extrême droite. Pour cela, il faut donc en terminer avec le dangereux mythe populiste, ennemi fondamental et historique de l’indispensable antifascisme. Car ici, l’ennemi de mon ennemi ne saurait en aucun cas, en aucune circonstance, être mon ami. Si tant est que l’extrême droite soit vraiment l’ennemi du capitalisme et de la dé-démocratisation, rien n’étant moins sûr. Pour beaucoup d’acteurs associatifs, syndicaux, politiques, institutionnels, nous sommes à la croisée des chemins : union des populismes ou union des énergies anticapitalistes, barbarie ou socialisme.

    • Ce serait bien que le monde définisse ce qu’est pour lui la gauche.

      #Lille la ville de #martine_aubry (gauche).

      Vendredi soir, froid de canard, pluies verglaçantes. Des trains bloqués, 100 000 foyers sans électricité.
      Les #SDF restent dehors, le plan grand froid n’a pas encore été initialisé par la ville, entre autres. Echange de balles avec la préfecture, pour passer le temps.
      La ville de Lille consacre toutes ses ressources financières à l’élection de #Miss_France.

      Ecologie, toujours à Lille, c’est la guerre contre les opposants à la bétonisation. Guerre violente.

      gauche dans le gouvernement macron, combien de ministres anciennement ou toujours #PS ?

      On aurait bien besoin de médecin hospitalier dans le département, et de militants écologistes dans la métropole.

      Drôles de zigs, celles et ceux qui publient des lettres ouvertes dans l’#immonde, surtout quand ils veulent sauver la #gauche caviar qui s’engraisse, omniprésente.

  • ver.di – Botanischer Garten
    https://bb.verdi.de/presse/pressemitteilungen/++co++6a946e3e-f308-11e8-abe4-525400b665de


    A Berlin une lutte acharnée oppose les employés du grand jardin botanique aux managers de la Freie Universität . Après la conclusion d’un accord qui garantit à tous les employés du jardin botanique de continuer leur travail dans le jardin, les gestionnaires de l’université ordonnent aux techniciens de travailler dans d’autres instituts situées hors du jardin. Par cette violation du contrat la direction cherche évidemment à briser l’unité des équipes qui ont accumulé une grande expérience de lutte.

    28.11.2018 - ver.di fordert Einhaltung des Interessensausgleichs am Botanischen Garten

    Nur wenige Monate nach dem Betriebsübergang verstößt die Freie Universität Berlin gegen die mühsam verhandelten Vereinbarungen im Interessenausgleich und gegen den Kuratoriumsbeschluss im Bereich der Technik. Obwohl dort festgelegt wird, dass alle Techniker auch weiterhin überwiegend am Botanischen Garten eingesetzt werden müssen, wurden jetzt 2 der 8 Techniker gegen ihren Willen zum 01.11.2018 dauerhaft aus dem Betriebsbereich Botanischer Garten abgezogen und angewiesen, ihre Arbeit an anderen Standorten aufzunehmen. Im heftigen Widerspruch zu diesem Vorgehen stehen die Vereinbarungen im Interessenausgleich mit dem Betriebsrat als auch der Beschluss des Kuratoriums Nr. 281/2017, Punkt 4 vom 15.12.2017. ver.di fordert das Kuratorium der Freien Universität und damit auch den Wissenschaftssenat auf, dafür zu sorgen, dass die zwei zugehörigen Beschlüsse eingehalten werden und die Techniker wieder mit Arbeiten an der ZE BGBM betraut werden.

    ver.di kritisierte schon in 2017 die Ausgliederung des Technikservice aus dem Garten an die Freie Universität Berlin (siehe Pressemitteilungen vom 13.12.2017 und 22.12.2017). Zwar konnte die Eingliederung des Technikservice in die ZE BGBM nicht erreicht werden, dafür wurde ein überwiegender Einsatz der einzelnen Techniker des Technikservice im Botanischen Garten und Museum gemäß dem Beschluss des Kuratoriums der Freien Universität vom 15.12.2017 im Interessenausgleich festgeschrieben. Begründet wurde das auch damit, dass die vom Senat bereit gestellten Mittel für den Aufwuchs der Löhne der Beschäftigten der Betriebsgesellschaft im Hochschulvertrag über einen Sondertatbestand geregelt wurden und in der Zentraleinrichtung Botanischer Garten und Botanisches Museum verbleiben sollten.

    „Die Vereinbarung ist eindeutig“, so Jana Seppelt, zuständige Gewerkschaftssekretärin. „Sie besagt nicht – wie die Kanzlerin der FU, Frau Bör mittlerweile verlauten lässt –, dass nur die überwiegende Anzahl der Beschäftigten des Technikservice mit Tätigkeiten im Botanischen Garten und das Botanische Museum betraut werden muss, während der Rest irgendwo außerhalb an der FU eingesetzt werden kann. Die Vereinbarung besagt vielmehr, dass jeder einzelne Beschäftigte des Technikservice auch nach dem 01.01.2018 überwiegend mit Tätigkeiten für den Botanischen Garten zu betrauen ist. Nur diese Lesart wird dem Wortlaut und dem Geist der Vereinbarung gerecht.“

    Das Kuratorium der Freien Universität wird sich am kommenden Freitag, den 30.11.2018 mit dem Konflikt befassen. Die Kuratoriumssitzung ist öffentlich und findet im Clubhaus der Freien Universität in der Goethestraße 49, 14163 Berlin, statt. ver.di hat die Kollegen im Bereich Technik und Unterstützer/innen zur Teilnahme an der Sitzung aufgerufen.

    Für Rückfragen:
    Jana Seppelt, ver.di Berlin-Brandenburg, Fachbereich Bildung, Wissenschaft und Forschung
    mobil: 0151 / 15 94 88 42, Mail: jana.seppelt@verdi.de

    ver.di – Bildung,Wissenschaft,Forschung Berlin-Brandenburg
    https://biwifo-bb.verdi.de/ueber-uns

    Forscher, Studierende, Mitarbeiter der Studentenwerke, Bibliothekarinnen, Archivare, Beschäftigte der Hochschulen – sie alle sind in diesem Fachbereich organisiert.

    Jardin botanique et musée botanique de Berlin-Dahlem
    https://fr.wikipedia.org/wiki/Jardin_botanique_et_mus%C3%A9e_botanique_de_Berlin-Dahlem

    BGBM - Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin
    https://www.bgbm.org

    #Berlin #Freie_Universität #jardin_botanique #lutte_des_classes

  • High score, low pay : why the gig economy loves gamification | Business | The Guardian
    https://www.theguardian.com/business/2018/nov/20/high-score-low-pay-gamification-lyft-uber-drivers-ride-hailing-gig-econ

    Using ratings, competitions and bonuses to incentivise workers isn’t new – but as I found when I became a Lyft driver, the gig economy is taking it to another level.

    Every week, it sends its drivers a personalised “Weekly Feedback Summary”. This includes passenger comments from the previous week’s rides and a freshly calculated driver rating. It also contains a bar graph showing how a driver’s current rating “stacks up” against previous weeks, and tells them whether they have been “flagged” for cleanliness, friendliness, navigation or safety.

    At first, I looked forward to my summaries; for the most part, they were a welcome boost to my self-esteem. My rating consistently fluctuated between 4.89 stars and 4.96 stars, and the comments said things like: “Good driver, positive attitude” and “Thanks for getting me to the airport on time!!” There was the occasional critique, such as “She weird”, or just “Attitude”, but overall, the comments served as a kind of positive reinforcement mechanism. I felt good knowing that I was helping people and that people liked me.

    But one week, after completing what felt like a million rides, I opened my feedback summary to discover that my rating had plummeted from a 4.91 (“Awesome”) to a 4.79 (“OK”), without comment. Stunned, I combed through my ride history trying to recall any unusual interactions or disgruntled passengers. Nothing. What happened? What did I do? I felt sick to my stomach.

    Because driver ratings are calculated using your last 100 passenger reviews, one logical solution is to crowd out the old, bad ratings with new, presumably better ratings as fast as humanly possible. And that is exactly what I did.

    In a certain sense, Kalanick is right. Unlike employees in a spatially fixed worksite (the factory, the office, the distribution centre), rideshare drivers are technically free to choose when they work, where they work and for how long. They are liberated from the constraining rhythms of conventional employment or shift work. But that apparent freedom poses a unique challenge to the platforms’ need to provide reliable, “on demand” service to their riders – and so a driver’s freedom has to be aggressively, if subtly, managed. One of the main ways these companies have sought to do this is through the use of gamification.

    Simply defined, gamification is the use of game elements – point-scoring, levels, competition with others, measurable evidence of accomplishment, ratings and rules of play – in non-game contexts. Games deliver an instantaneous, visceral experience of success and reward, and they are increasingly used in the workplace to promote emotional engagement with the work process, to increase workers’ psychological investment in completing otherwise uninspiring tasks, and to influence, or “nudge”, workers’ behaviour. This is what my weekly feedback summary, my starred ratings and other gamified features of the Lyft app did.

    There is a growing body of evidence to suggest that gamifying business operations has real, quantifiable effects. Target, the US-based retail giant, reports that gamifying its in-store checkout process has resulted in lower customer wait times and shorter lines. During checkout, a cashier’s screen flashes green if items are scanned at an “optimum rate”. If the cashier goes too slowly, the screen flashes red. Scores are logged and cashiers are expected to maintain an 88% green rating. In online communities for Target employees, cashiers compare scores, share techniques, and bemoan the game’s most challenging obstacles.
    Advertisement

    But colour-coding checkout screens is a pretty rudimental kind of gamification. In the world of ride-hailing work, where almost the entirety of one’s activity is prompted and guided by screen – and where everything can be measured, logged and analysed – there are few limitations on what can be gamified.

    Every Sunday morning, I receive an algorithmically generated “challenge” from Lyft that goes something like this: “Complete 34 rides between the hours of 5am on Monday and 5am on Sunday to receive a $63 bonus.” I scroll down, concerned about the declining value of my bonuses, which once hovered around $100-$220 per week, but have now dropped to less than half that.

    “Click here to accept this challenge.” I tap the screen to accept. Now, whenever I log into driver mode, a stat meter will appear showing my progress: only 21 more rides before I hit my first bonus.

    In addition to enticing drivers to show up when and where demand hits, one of the main goals of this gamification is worker retention. According to Uber, 50% of drivers stop using the application within their first two months, and a recent report from the Institute of Transportation Studies at the University of California in Davis suggests that just 4% of ride-hail drivers make it past their first year.

    Before Lyft rolled out weekly ride challenges, there was the “Power Driver Bonus”, a weekly challenge that required drivers to complete a set number of regular rides. I sometimes worked more than 50 hours per week trying to secure my PDB, which often meant driving in unsafe conditions, at irregular hours and accepting nearly every ride request, including those that felt potentially dangerous (I am thinking specifically of an extremely drunk and visibly agitated late-night passenger).

    Of course, this was largely motivated by a real need for a boost in my weekly earnings. But, in addition to a hope that I would somehow transcend Lyft’s crappy economics, the intensity with which I pursued my PDBs was also the result of what Burawoy observed four decades ago: a bizarre desire to beat the game.

    Former Google “design ethicist” Tristan Harris has also described how the “pull-to-refresh” mechanism used in most social media feeds mimics the clever architecture of a slot machine: users never know when they are going to experience gratification – a dozen new likes or retweets – but they know that gratification will eventually come. This unpredictability is addictive: behavioural psychologists have long understood that gambling uses variable reinforcement schedules – unpredictable intervals of uncertainty, anticipation and feedback – to condition players into playing just one more round.

    It is not uncommon to hear ride-hailing drivers compare even the mundane act of operating their vehicles to the immersive and addictive experience of playing a video game or a slot machine. In an article published by the Financial Times, long-time driver Herb Croakley put it perfectly: “It gets to a point where the app sort of takes over your motor functions in a way. It becomes almost like a hypnotic experience. You can talk to drivers and you’ll hear them say things like, I just drove a bunch of Uber pools for two hours, I probably picked up 30–40 people and I have no idea where I went. In that state, they are literally just listening to the sounds [of the driver’s apps]. Stopping when they said stop, pick up when they say pick up, turn when they say turn. You get into a rhythm of that, and you begin to feel almost like an android.”

    In their foundational text Algorithmic Labor and Information Asymmetries: A Case Study of Uber’s Drivers, Alex Rosenblat and Luke Stark write: “Uber’s self-proclaimed role as a connective intermediary belies the important employment structures and hierarchies that emerge through its software and interface design.” “Algorithmic management” is the term Rosenblat and Stark use to describe the mechanisms through which Uber and Lyft drivers are directed. To be clear, there is no singular algorithm. Rather, there are a number of algorithms operating and interacting with one another at any given moment. Taken together, they produce a seamless system of automatic decision-making that requires very little human intervention.

    For many on-demand platforms, algorithmic management has completely replaced the decision-making roles previously occupied by shift supervisors, foremen and middle- to upper- level management. Uber actually refers to its algorithms as “decision engines”. These “decision engines” track, log and crunch millions of metrics every day, from ride frequency to the harshness with which individual drivers brake. It then uses these analytics to deliver gamified prompts perfectly matched to drivers’ data profiles.

    To increase the prospect of surge pricing, drivers in online forums regularly propose deliberate, coordinated, mass “log-offs” with the expectation that a sudden drop in available drivers will “trick” the algorithm into generating higher surges. I have never seen one work, but the authors of a recently published paper say that mass log-offs are occasionally successful.

    Viewed from another angle, though, mass log-offs can be understood as good, old-fashioned work stoppages. The temporary and purposeful cessation of work as a form of protest is the core of strike action, and remains the sharpest weapon workers have to fight exploitation. But the ability to log-off en masse has not assumed a particularly emancipatory function.

    After weeks of driving like a maniac in order to restore my higher-than-average driver rating, I managed to raise it back up to a 4.93. Although it felt great, it is almost shameful and astonishing to admit that one’s rating, so long as it stays above 4.6, has no actual bearing on anything other than your sense of self-worth. You do not receive a weekly bonus for being a highly rated driver. Your rate of pay does not increase for being a highly rated driver. In fact, I was losing money trying to flatter customers with candy and keep my car scrupulously clean. And yet, I wanted to be a highly rated driver.
    How much is an hour worth? The war over the minimum wage
    Read more

    And this is the thing that is so brilliant and awful about the gamification of Lyft and Uber: it preys on our desire to be of service, to be liked, to be good. On weeks that I am rated highly, I am more motivated to drive. On weeks that I am rated poorly, I am more motivated to drive. It works on me, even though I know better. To date, I have completed more than 2,200 rides.

    #Lyft #Uber #Travail #Psychologie_comportementale #Gamification #Néo_management #Lutte_des_classes