• Totalversagen bei der Berichterstattung über Gaza und Israel? – Teil 1
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    25.2.2026 von Maike Gosch - Ein Interview mit Fabian Goldmann zu seinem Buch „Staatsräsonfunk: Deutsche Medien und der Genozid in Gaza“
    Der Journalist Fabian Goldmann hat ein sehr interessantes Buch über das Versagen der sogenannten deutschen „Leitmedien“ in der Berichterstattung zum Gaza-Krieg geschrieben. Ähnlich wie im Standardwerk „Manufacturing Consent“ (Die Konsensfabrik) von Noam Chomsky und Edward S. Herman weist Goldmann darin die einseitige und fehlerhafte Berichterstattung nicht nur minutiös nach, sondern analysiert auch die politischen, wirtschaftlichen und ideologischen Ursachen, die ihr zugrunde liegen. Im ersten Teil des Interviews sprechen wir mit ihm über seine persönliche Motivation, darüber, warum es in Deutschland so besonders schlecht gelaufen ist und über die Bedeutung alternativer Medien. Das Gespräch führte Maike Gosch.

    Maike Gosch: Lieber Fabian Goldmann, ich würde gerne das Interview damit beginnen, etwas über Ihren beruflichen und fachlichen Hintergrund zu erfahren.

    Fabian Goldmann: Ich habe Islamwissenschaft studiert und bin während meines Studiums oft und gern durch Syrien, Israel/Palästina und andere Länder der Region gereist und habe dort irgendwann begonnen, aufzuschreiben, was ich sehe und erlebe. So bin ich Journalist geworden. Seit etwa 15 Jahren schreibe ich für alle möglichen großen und kleinen, alternativen und etablierten Medien zu den Themen Migration, Islam, Rassismus und Israel/Palästina. Deshalb kenne ich – glaube ich – unser Mediensystem auch ganz gut aus eigener Erfahrung. Seit einigen Jahren veröffentliche ich zudem regelmäßig Untersuchungen, die sich kritisch mit medialer Berichterstattung beschäftigen – etwa zu Rassismus in der Clan-Berichterstattung oder der Ausgrenzung gesellschaftlich marginalisierter Gruppen in Talkshows, Redaktionen und Rundfunkräten. All diese Erfahrungen haben mir beim Schreiben des Buches auf jeden Fall sehr geholfen.

    In Ihrem Buch „Staatsräsonfunk“ kritisieren Sie die einseitige oder verfälschende Berichterstattung über den Gaza-Krieg. Das ist ja ein Thema, das sehr vielen Leuten unter den Nägeln brennt und das sehr emotional besetzt ist, gerade in Deutschland, und entsprechend heiß diskutiert wird. Was war Ihre persönliche Motivation dafür, das Buch zu schreiben?

    Ich begleite die Berichterstattung deutscher Medien zu Israel, Palästina und generell auch zu Migration und Islam schon seit Längerem kritisch. Deshalb war es für mich nach dem 7. Oktober naheliegend, dass ich mir auch dazu die Berichterstattung kritisch anschaue. Ich bin dann schnell zu dem Ergebnis gekommen, dass die Probleme ein ganz neues Ausmaß annehmen. Jeden Tag gab es so viel zu kritisieren, dass es unmöglich war, Schritt zu halten. Gleichzeitig habe ich gesehen, dass viele Leute, die sonst einen kritischen Blick auf Medienberichterstattung werfen, plötzlich verstummt sind. Ich habe immer mehr dazu aufgeschrieben, mal in Form von journalistischen Artikeln, mal als Social-Media- oder Blogbeitrag, aber immer hatte ich das Gefühl, dem ganzen Ausmaß damit nicht gerecht zu werden. So kam ich darauf, dass die einzige Form, die dem ansatzweise gerecht wird, wäre, ein Buch zu schreiben. Das habe ich dann im letzten Jahr gemacht. Aber ehrlich gesagt: Auch das Buch zeigt trotz über 400 Seiten nur einen Ausschnitt. Ich könnte eigentlich gleich noch ein zweites und drittes schreiben, so viel gibt es im deutschen Nahost-Journalismus seit dem 7. Oktober zu kritisieren.

    Der Titel Ihres Buches lautet ja „Staatsräsonfunk“. Ist das von Ihnen als Ostdeutschem eine Anspielung auf die Berichterstattung in der DDR? Oder warum haben Sie diesen Titel gewählt?

    Der Titel spielt natürlich mit dem Klischee eines „Staatsfunks“. Viele Menschen, die zu Recht entsetzt sind über die Berichterstattung der letzten zwei Jahre, können sich dies nicht anders erklären, als dass die Berichte „von oben“ vorgegeben sein müssen. Das ist Unsinn. Mit dem Buch will ich zeigen: Eure Kritik ist berechtigt, aber die Ursachen sind komplexer. Statt einem „Staatsfunk“ ähnelt der deutsche Nahost-Journalismus eher einem „Staatsräsonfunk“ – zum einen, weil viele der Tendenzen, die wir in Deutschland seit dem 7. Oktober unter dem Label „Staatsräson“ erleben, Einfluss auf den Journalismus haben. Dazu zählte zum Beispiel die bedingungslose Solidarisierung mit Israel, die auch von vielen Medienschaffenden geteilt wird, anti-palästinensischer und anti-muslimischer Rassismus oder zunehmende Anfeindungen und Repressionen, die auch viele Journalisten treffen. Die Folge ist, dass viele Medien in ihrer selbsterklärten Rolle als Vierte Gewalt in den letzten Jahren weitgehend versagten und zur deutschen Politik der bedingungslosen Unterstützung Israels beitrugen. Auch insofern erwiesen sich deutsche Leitmedien als „Staatsräsonfunk“.

    Da sind wir schon beim Inhalt. Was sind einige der wichtigsten Erkenntnisse, die Sie selbst im Verlauf der Arbeit an dem Buch über die Berichterstattung zu Israel und Gaza in den letzten Jahren gewonnen haben?

    Am eindrücklichsten war für mich, wie weitreichend und tiefgehend der „Bias“ [Anm. d. Red.: verzerrte/einseitige Berichterstattung bzw. Voreingenommenheit] zugunsten der offiziellen israelischen Position ist. Dieser fand sich über den gesamten Untersuchungszeitraum und bei allen untersuchten Medien, egal ob Boulevard wie der BILD, öffentlich-rechtlich wie der „Tagesschau“, oder bei linken Medien wie der taz. In den ersten sieben Kapiteln des Buches messe ich Journalismus zunächst an seinen eigenen Ansprüchen. Ich schaue mir dabei an, was Journalismus eigentlich sein will, und gleiche das mit der medialen Realität ab dem 7. Oktober ab.

    Ein Kapitel dreht sich zum Beispiel um Ausgewogenheit und Perspektivenvielfalt. Hier zeigte sich, dass die Berichterstattung alles andere als ausgewogen ist. Ein paar Beispiele: In den 20-Uhr-Nachrichten der „Tagesschau“ kamen in meinem 15-monatigen Untersuchungszeitraum 136-mal israelische Politiker und Militärs zu Wort, aber nur viermal palästinensische Repräsentanten. In deutschen Tages- und Wochenzeitungen wurde Israels Botschafter in Deutschland 17-mal so oft zitiert wie sein palästinensischer Kollege. In Sendungen der öffentlichen-rechtlichen Talkshows vertraten insbesondere in den ersten Wochen teils alle Gäste eine Perspektive, die im Einklang mit jener der israelischen Regierung stand.

    In einem anderen Kapitel habe ich mir die Quellenauswahl in der Nachrichtenberichterstattung angeschaut. Und auch hier gibt es einen riesengroßen „Bias“ zugunsten offizieller israelischer Angaben. Ein Beispiel: In die Schlagzeilen von BILD, Spiegel, „Tagesschau“ und Zeit schafften es Angaben der israelischen Armee und der israelischen Regierung etwa doppelt so oft wie alle palästinensischen, libanesischen Quellen sowie internationale Organisationen und NGOs zusammen.

    Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit der Darstellung von Opfern. Auch hier fand sich eine extreme Schieflage, sowohl was die Häufigkeit als auch die Art der Berichterstattung angeht. Israelische Opfer wurden deutlich häufiger personalisiert mit Namen und Bildern dargestellt, während es palästinensische Tote meist nur als anonyme Zahlen in die Schlagzeilen schafften. Wiederum ein Beispiel: In der BILD-Zeitung standen 119 Geschichten über israelische Einzelschicksale einer einzigen Geschichte über ein palästinensisches Opfer, das Ziel israelischer Gewalt wurde, gegenüber. Aber auch in „Tagesschau“, Spiegel, Zeit und taz war die Schieflage hierbei sehr eindeutig.

    Noch deutlicher zeigte sich das Problem bei der Nutzung von Sprache. Auch diese orientiert sich sehr am offiziellen israelischen Narrativ. Formulierungen wie „Evakuierungsaufforderung“, „humanitäre Zone“ oder „Schutzzone“ werden von Medien immer wieder unkritisch übernommen, obwohl Fachleute von Beginn an darauf hinweisen, dass es sich dabei um Propaganda-Begriffe mit kaum Bezug zur Realität handelt. Israelische Gewalttaten werden sehr häufig kontextualisiert und verharmlost – etwa mit Begriffen wie „Reaktion“, „begrenzt“ oder „präzise“. Gegen Israel gerichtete Gewalt wird hingegen sehr häufig dramatisiert – etwa durch Begriffe wie „barbarisch“, „brutal“ oder „Massaker“.

    „Die Medien haben nicht nur schlecht über den Genozid in Gaza berichtet, sie haben selbst eine aktive Rolle in ihm gespielt.“

    Wichtig war mir in dem Buch auch, zu zeigen: All diese journalistischen Verfehlungen haben Folgen. Indem Medien immer wieder unkritisch die Perspektive der israelischen Armee übernommen haben, haben sie sich für deren Propaganda einspannen lassen. Zum Beispiel der Zerstörung des palästinensischen Gesundheitssystems oder der gezielten Ermordung von Medienschaffenden in Gaza gingen auch zahlreiche Berichte in deutschen Medien voraus, in denen Krankenhäuser und Journalisten als legitime Angriffsziele markiert wurden. Auch die bedingungslose Unterstützung Israels durch Deutschland wäre so vermutlich nicht möglich gewesen, wenn Medien ein akkurates Bild der Gewalt in Gaza gezeichnet hätten.

    Insofern haben Medien nicht nur schlecht über den Genozid in Gaza berichtet, sie haben selbst eine aktive Rolle in ihm gespielt. Im letzten Kapitel, Kapitel acht, spekuliere ich dann darüber, was die Ursachen hierfür sein könnten.

    Dann kommen wir doch zu den Ursachen. Ich glaube, die Frage nach dem „Warum“ bewegt viele Leute, die die Berichterstattung selbst kritisch sehen. Sie haben das ja in Ihrem Buch ausführlich analysiert. Könnten Sie hier ein paar Elemente für uns herausgreifen?

    Das ist eine Frage, die ich zum einen sehr wichtig finde. Gleichzeitig ist sie auch am schwersten zu beantworten, weil man hier – anders als beim inhaltsanalytischen Teil des Buches – nicht einfach nachzählen kann. Wichtig erscheint mir, bei der Ursachenforschung das ganze Mediensystem in den Blick zu nehmen und es sich nicht zu einfach zu machen und zu sagen, alles liegt an X oder an Y. Gerade der Umstand, dass es sehr viele verschiedene Probleme in unserer Medienlandschaft gibt, die wiederum ineinandergreifen und sich gegenseitig verstärken, ist entscheidend.

    „Warum ist das ausgerechnet in Deutschland so besonders schlecht gelaufen?“

    Wichtig war mir auch, eine Antwort auf die Frage zu finden: Warum ist das ausgerechnet in Deutschland so besonders schlecht gelaufen? Wenn man sich die Berichterstattung in anderen westlichen Ländern anschaut, dann sieht man viele ähnliche Probleme. Aber nirgends, vielleicht abgesehen von Israel selbst, scheint diese Einseitigkeit so krass zu sein wie in Deutschland. In meinem Buch biete ich verschiedene Erklärungsmöglichkeiten an. Ich nenne mal ein paar davon:

    Ich glaube, das Offensichtlichste, was sich die meisten Leute auch schon so denken können, ist eine extrem starke pro-israelische Verzerrung, die bei vielen Journalisten vorherrscht. Sie ist auch eine Folge des als historische Verantwortung verstandenen bedingungslosen Bekenntnisses zu Israel und seiner Regierung und ist ein Stück weit Teil unserer kulturellen DNA. Viele Medienschaffende sind damit groß geworden – nicht anders als der Rest der Gesellschaft auch. Das lässt sich auch in Texten oftmals sehr gut nachweisen, weil sie das ganz freimütig etwa in Leitartikeln und Kommentaren bekennen.

    Das geht häufig einher mit einem nicht weniger tief historisch verwurzeltem antiarabischen und antimuslimischen Rassismus. Ich habe das Gefühl, beide Kräfte, die sehr prägend für die deutsche und europäische Identität sind, sind in der Nahost-Berichterstattung der letzten Jahre aufeinandergetroffen und haben sich zu einer Art perfekten Sturm gebündelt. Das anscheinend grenzenlose Vertrauen vieler Journalisten in die Angaben der israelischen Armee lässt sich ein Stück weit auch damit erklären, dass diese Angaben sehr dem eigenen Weltbild entsprochen haben.

    „Woher bekommen Journalisten eigentlich Ihre Informationen?“

    Diese ideologische, kulturelle Komponente trifft auf weitere Probleme, zum Beispiel die Frage: Woher bekommen Journalisten eigentlich Ihre Informationen? Da haben wir seit Langem schon das Problem, dass Medienschaffende sich gerade im Nachrichtenjournalismus sehr auf offizielle Angaben verlassen, also auf die Angaben von politischen oder ökonomischen Eliten. Das finden wir jetzt auch in der Berichterstattung zu Gaza und Israel wieder. Diese Schieflage wirkt sich bei der Berichterstattung über Gaza noch einmal stärker aus, da Angaben, die der offiziellen Linie Israels widersprechen – zum Beispiel von NGOs oder palästinensischen Quellen – systematisch durch den israelischen Propaganda-Apparat diskreditiert wurden. Vom „He Said / She Said“-Journalismus, wie man im Englischen sagt [Anm. d. Red.: Er Sagt /Sie Sagt-Journalismus, d.h. bloßes Zitieren beider Seiten ohne journalistische Bewertung oder kritische Faktenprüfung], blieb so nur noch ein „He Said“-Journalismus übrig.

    Diesem Problem wiederum könnte man ein Stück weit begegnen, wenn es Medienhäuser gäbe, die sich nicht dieser einseitigen Berichterstattung hingeben würden und die Öffentlichkeit die Chance hätte, zur Alternative zu greifen. Da haben wir aber dann das nächste Problem in Deutschland, dass wir in den letzten Jahren eine krasse Konzentration und Kommerzialisierung des Medienmarktes erlebt haben, die viel kritisches Potenzial aufsaugt.

    Eigentlich haben wir in Deutschland sogar zwei große „Staubsauger“, die viel Potenzial für journalistische Qualität und Vielfalt vernichten: Das sind einmal die großen Medienkonzerne wie Funke, Springer, die Ippen-Gruppe oder die Madsack-Mediengruppe, die einen Großteil des Zeitungsmarktes kontrollieren. Gerade so große Konzerne haben oftmals kein besonderes Interesse an machtkritischer Berichterstattung, weil Journalismus für sie vor allem ein Investment ist und dessen Erfolg auch von guten Beziehungen zu politischen und wirtschaftlichen Eliten abhängt.

    Auf der anderen Seite haben wir speziell in Deutschland den gigantischen „Staubsauger“ des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, der wiederum starker politischer Einflussnahme ausgesetzt ist – zum Beispiel über die Rundfunkräte, die letztlich entscheiden, wer dort welche Führungsposition bekleidet.

    Diese beiden Giganten teilen den Großteil des deutschen Medienmarkts unter sich auf und lassen wenig Raum für zum Beispiel linke, alternative kritische Medien, wie wir sie zum Glück in anderen westlichen Ländern sehen, die auch ein großes Problem mit Kommerzialisierung und Konzentration haben.

    „Wir haben in deutschen Redaktionen auch ein großes Kompetenzproblem.“

    Vielleicht noch ein letzter Punkt: Wenn wir uns die einzelnen Journalisten anschauen, dann würde ich sagen, haben wir in deutschen Redaktionen auch ein großes Kompetenzproblem. Das betrifft zum einen den Nachrichtenjournalismus, bei dem ein Konstruktionsfehler zu sein scheint, dass ein Nachrichtenredakteur jeden Tag sämtliche Themen behandelt, sei es Corona oder Klima oder Gaza, je nachdem, was gerade reinkommt. Es fehlt aber auch an kultureller und politischer Durchlässigkeit in den Redaktionen. In den meisten Redaktionen, besonders in den Chefetagen, sieht es immer noch so aus: weiß, mittelalt, akademisch geprägt, ohne Migrationshintergrund.

    Das beispiellose Maß an Repressionen, Diffamierungen und Anfeindungen gegenüber den wenigen noch verbliebenen kritischen Journalisten der letzten zwei Jahre hat dieses Problem noch verschärft. Dadurch sind die wenigen kritischen Stimmen erst recht verstummt, sodass in vielen Redaktionen die pro-israelischen Überzeugungstäter noch mehr Einfluss haben.

    „Um dem Problem gerecht zu werden, muss man sich das Mediensystem im Ganzen anschauen.“

    Wir könnten noch Stunden über solche Ursachen sprechen. Wichtig ist mir, rüberzubringen, dass man es sich nicht so einfach machen und es auf eine einzelne Ursache reduzierten sollte. Um dem Problem gerecht zu werden, muss man sich das Mediensystem im Ganzen anschauen.

    Sie haben in Ihrer Analyse fast ausschließlich die Berichterstattung der etablierten Medien analysiert – sicherlich, weil es die reichweitenstärksten und einflussreichsten sind. Wie steht es mit den alternativen oder unabhängigen Medien in Deutschland? Wie haben die sich bei diesem Thema aus Ihrer Sicht geschlagen?

    Die habe ich leider nicht systematisch ausgewertet. Deshalb kann ich dazu nicht so qualifiziert etwas sagen wie zu den etablierten. Mir ist aber aufgefallen, dass die wenige kritische Berichterstattung sehr häufig am Rand oder außerhalb des etablierten Mediensystems entstanden ist, wie zum Beispiel von der jungen Welt. Sie hat zu Zeiten, in denen die großen Leitmedien fast gar nicht mehr über die tägliche Gewalt in Gaza berichtet haben, das Thema immer noch oft auf ihrer Titelseite gehabt. Ich glaube, sie hat sich auch als einzige Zeitung in der Nachrichtenberichterstattung den Völkermordvorwurf gegenüber Israel zu eigen gemacht, was ja nicht nur ein Vorwurf ist, sondern mittlerweile durch alle großen Menschenrechtsorganisationen und die führenden Genozid-Forscher und relevanten internationalen Organisationen dieser Welt sehr gut dokumentiert ist.

    Auch einzelne Influencer auf Instagram oder TikTok oder sehr kleine alternative Medien, die oft einfach nur von einzelnen Personen betrieben werden, wie zum Beispiel „Occupied News“ oder „Gaza heute“ haben regelmäßig viel kritischere und auch den Opfern gegenüber viel empathischere Berichterstattung gemacht als die großen Medienhäuser – und das mit einem Bruchteil der Ressourcen.

    Wenn man den Blick ein bisschen weitet, muss man sagen, dass in Deutschland der Einfluss und die Reichweite von solchen unabhängigen Medien einfach viel zu gering ist. In anderen Ländern lieferten kleine unabhängige Medien wie +972 in Israel oder The Intercept in den USA immer wieder großartige investigative Recherchen. Im deutschsprachigen Raum haben wir so etwas nicht. Unterm Strich war es deshalb in den letzten zwei Jahre kaum möglich, sich nur auf Deutsch wirklich umfassend und präzise zu den Ereignissen in Gaza zu informieren.

    Ende Teil 1

    Fabian Goldmann: Staatsräsonfunk: Deutsche Medien und der Genozid in Gaza, Berlin 2026, Manifest Verlag, Taschenbuch, 407 Seiten, ISBN 978-3-96156-145-2, 22 Euro.

    Wie kam es zum journalistischen Totalversagen über Gaza und Israel – Teil 2
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    26.2.2026 von Maike Gosch - Ein Interview mit Fabian Goldmann zu seinem Buch „Staatsräsonfunk“

    Im zweiten Teil des Interviews mit dem Journalisten Fabian Goldmann sprechen wir über Mut und Angst von Journalisten, den Druck, dem sie ausgesetzt sind, Parallelen zur Rolle der Journalisten in der Corona-Zeit und darüber, was Bürger gegen einseitige und unvollständige Berichterstattung der Medien überhaupt tun können. Das Gespräch führte Maike Gosch.

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    Teil 1 des Interviews finden Sie hier.

    Maike Gosch: Nach Ihren vorigen Ausführungen drängt sich der Eindruck auf, dass deutsche Journalisten nicht mutig genug sind. Würden Sie das auch so sehen?

    Fabian Goldmann: Es gibt natürlich solche und solche und zum Glück auch in Deutschland ein paar mutige Journalisten, aber für die Mehrheit trifft das sicherlich zu. Mich hat es immer wieder überrascht und erschreckt, wie wenig Journalisten es in den letzten Jahren in Deutschland gab, die den Mund aufgemacht haben und die Missstände in ihren Redaktionen benannt haben. Das haben wir bei ausländischen Medienhäusern ganz anders erlebt. In Großbritannien sind Hunderte BBC-Mitarbeiter an die Öffentlichkeit gegangen, haben gegen ihren Sender in Bezug auf die verzerrende Berichterstattung protestiert und den Rücktritt von Verantwortlichen verlangt. Dasselbe beim irischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, bei der New York Times, bei AP (Associated Press) und bei der Washington Post – auch dort gab es Offene Briefe, in denen Journalisten mit ihrem Namen in der Öffentlichkeit gegen die Missstände in ihrem Haus protestiert haben. Ich habe bis heute noch von keinem solchen Offenen Brief durch ZEIT-, taz- oder Tagesschau-Redakteure mitbekommen.

    In dem sehr interessanten Kapitel „Druck von allen Seiten“ gegen Ende des Buches berichten Sie von Gesprächen mit Journalisten und freien Mitarbeitern zu diesem Thema. Und da schreiben Sie, dass das Wort, das hierbei am häufigsten fiel, das Wort „Angst“ war – also von Journalisten, die anders berichten wollten. Sie schildern sehr eindrücklich, was für einem Druck viele Menschen ausgesetzt waren, linientreu zu berichten, und was denen passierte, die abwichen oder abweichen wollten. Inzwischen ist ja seit dem Untersuchungszeitraum im Buch ein bisschen Zeit vergangen. Haben Sie den Eindruck, dass bei den anderen Journalisten, die sich an die Linie gehalten haben, langsam eine Erkenntnis dämmert, dass sie eventuell etwas falsch gemacht haben?

    Nein, da dämmert überhaupt nichts. Zwischendurch hatte ich diese Hoffnung auch. Es gab auch immer mal Diskussionen – nicht nur im Journalismus – darüber, ob der Wind sich jetzt im Gaza-Diskurs in Deutschland dreht, z.B. als es die großen pro-palästinensischen Demonstrationen gab. Und die Hoffnung: „Jetzt ist endlich auch Die Linke auf der richtigen Seite.“ Da wurde sich darüber gefreut, wenn irgendein Politiker es geschafft hat – nach zwei Jahren –, den Begriff „Genozid“ in den Mund zu nehmen. Aber sobald das Thema wieder aus den Medien raus war, sind alle wieder verschwunden. In Berlin sind jetzt wieder jede Woche immer nur die gleichen paar 100 Leute auf der Straße und werden da weiterhin von der Polizei niedergeknüppelt – ohne Unterstützung durch Die Linke und ohne dass die Medien darüber berichten.

    Es gibt zum Glück einige Medienschaffende, und die gab es auch schon sehr früh, die sich mutig und kritisch zu Wort gemeldet haben. Bei denen ist es weitgehend aber auch geblieben. Ich habe keinerlei Hoffnung, dass sich da jetzt noch irgendwas ändern wird. Der große Druck, den es in Teilen der Öffentlichkeit gab, den es auf der Straße und in den sozialen Medien gab, ist überstanden. Wer auch nach zwei Jahren Genozid im Livestream nicht zum Umdenken gebracht wurde, der wird jetzt auch nicht mehr umdenken.

    „Von einer ehrlichen und selbstkritischen Aufarbeitung fehlt jede Spur.“

    Im Gegenteil: Ich habe den Eindruck, dass wir jetzt in der Phase sind, wo versucht wird, das irgendwie reinzuwaschen und die Geschichte der letzten zwei Jahre zu verklären. Wenn ich jetzt auf irgendwelchen Panels bin, dann beglückwünschen sich Medienvertreter gegenseitig zu ihrer guten Berichterstattung, die sie in den letzten Jahren gemacht haben. Es werden Preise verliehen an Journalisten, die vermeintlich gut berichtet haben, und dann wird vielleicht hier und da mal auf kleine Probleme eingegangen oder eingestanden, dass man hier und da vielleicht schneller hätte kritisch berichten können. Aber der Tenor ist so, dass man insgesamt in einer sehr schwierigen Zeit, mit einer sehr unklaren Informationslage und unter großem öffentlichen Druck unterm Strich einen guten Job gemacht hat. Von einer ehrlichen und selbstkritischen Aufarbeitung fehlt jede Spur.

    Das, was Sie da schildern, erinnert mich sehr an die Berichterstattung in der Corona-Zeit und den Umgang damit seitdem. Sehen Sie diese Parallelen auch?

    Dafür bin ich leider der falsche Experte. Vom Gefühl her würde ich aber sagen, dass der Vergleich passt. Mein Eindruck ist auch, dass einige der Probleme, die wir jetzt gesehen haben, sich auch so in der Corona- und Ukraine-Berichterstattung wiederfinden. Dazu zählen so eine Art Staatstreue und Obrigkeitshörigkeit im Journalismus, aber auch der sogenannte „Haltungsjournalismus“, der von einigen anscheinend so verstanden wird, dass man dem Erreichen eines vermeintlich ehrenwerten Zieles journalistische Standards wie Ausgewogenheit und Faktentreue opfern kann. Damals galt manchem Journalisten die Impflicht als solch ein Ziel, heute ist es die Solidarität mit Israel.

    Wir sollten vielleicht auch über das besondere Verhältnis und die Geschichte von Deutschland und Israel sprechen, die es vielen wahrscheinlich schwer macht, bei diesem Thema „narrativ umzusteuern“. Ich habe vor einer Weile mal einen interessanten Satz von einem deutsch-israelischen Freund gehört, der sagte: „Das Israel, welches diese deutschen Journalisten und andere Menschen in Deutschland verteidigen oder für das sie einstehen wollen, gibt es gar nicht mehr oder gab es vielleicht nie.“ Das fand ich einen interessanten Satz. Das würde bedeuten, die Menschen, die daran festhalten, haben so etwas wie eine „psychologische Anpassungsstörung“, sie haben so ein positives Bild im Kopf davon, was Israel bedeutet, und auch wenn noch so viele Fakten diesem Bild widersprechen, können sie dieses Bild nicht aufgeben oder möchten es nicht.

    Ja, auf jeden Fall. Das besondere Verhältnis zu Israel ist natürlich tief in unserer Kultur, in unserer Geschichte verwurzelt. Der Politikwissenschaftler Daniel Marwecki zeigt in seinem Buch „Germany and Israel: Whitewashing and Statebuilding“ sehr überzeugend, dass dieses besondere Verhältnis zu Israel nicht Folge einer kritischen Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte war oder eines Bemühens um Antisemitismusbekämpfung oder mehr Gerechtigkeit in der Welt, sondern Teil des Bemühens der Bundesrepublik um die Westbindung. Deutschland suchte in Form von Finanzhilfen und Rüstungslieferungen den Schulterschluss mit Israel, damit dieses im Gegenzug die Absolution für die Verbrechen der deutschen Vergangenheit lieferte. In der Medienwelt lässt sich dasselbe Muster beim Springer-Verlag beobachten. Dessen Gründer Axel Springer war vor 1945 selbst verantwortlich für antisemitische Propaganda und wandelte sich in den 60ern zum bekennenden Israel-Fan. Gleichzeitig hatte er kein Problem damit, weiter ehemalige NSDAPler in seinen Redaktionen zu beschäftigen, von rassistischen Inhalten in BILD und Co. ganz zu schweigen.

    Also dieses sehr auf Israel fokussierte und reduzierte Geschichtsverständnis, das prägt vor allem deutsche Eliten in allen gesellschaftlichen und politischen Sphären und das ist sicherlich auch einer der Hauptgründe für das Versagen der Medien. Weil, wie Sie schon sagten, dieses Weltbild sitzt so tief, dass selbst wenn Medienschaffende quasi die Fakten auf dem Tisch haben – wenn eins zu eins zu sehen ist, dass Israel das Massaker XY begangen hat, es Hunderte Seiten Genozidberichte gibt, man das alles nachlesen kann –, dann ist das trotzdem immer noch nicht stärker als dieses Weltbild; oder vielmehr als das Bild, das viele Journalisten von Israel und das Selbstbild, dass sie von sich selbst und vom Westen haben.

    Jetzt haben Sie gesagt, dass die Berichterstattung sich auch in letzter Zeit nicht zum Guten verändert hat und Sie auch wenig Selbsterkenntnis oder Selbstkritik bei den Journalisten sehen. Was glauben oder hoffen Sie dennoch, mit Ihrem Buch zu bewirken?

    Ich würde nicht sagen, dass sich nichts verändert hat. Ich würde sagen, es ist sogar mit der Zeit schlechter geworden – dahingehend, dass die Berichterstattung immer weniger geworden ist, nicht erst jetzt nach dem sogenannten „Friedensplan“, der natürlich überhaupt gar keinen Frieden gebracht hat. Das war auch schon im Sommer letzten Jahres so, als Israels Armee regelmäßig über 100 Palästinenser pro Tag tötete und es diese Verbrechen trotzdem kaum in die Schlagzeilen schafften.

    Zu Ihrer Frage, was ich hoffe: Also, zwischendurch hatte ich schon ein wenig die Hoffnung, dass, wenn man Journalisten möglichst präzise und mit vielen Fakten auf ihre Verfehlungen hinweist, sich der eine oder andere findet, der denkt: ‚Ja, stimmt. Ich mache es jetzt besser.‘ Diese Hoffnung habe ich aufgegeben.

    „Ihr seid nicht die verrückt Gewordenen, die Medien sind es.“

    Was ich jetzt damit zu erreichen hoffe, ist vor allem, die Öffentlichkeit für die Probleme zu sensibilisieren und ihr die nötigen Fakten und Argumente zu geben, um ihr unbestimmtes Gefühl, dass da irgendwas nicht stimmen kann, zu unterfüttern, ihnen zu zeigen: Ihr seid nicht die verrückt Gewordenen, die Medien sind es.

    Ich hoffe auch, dass sich mehr Leute von etablierten Medien abwenden und sich ihre Informationen woanders holen und alternative Medien unterstützen. Eine Antwort auf die Frage ‚Was läuft in Deutschland anders als in anderen westlichen Staaten?‘ ist auch die Bereitschaft, kritische alternative Medien zu unterstützen. Das liegt leider auch an den Besonderheiten unseres Mediensystems. Menschen, die jeden Monat schon dazu verpflichtet werden, 18,36 Euro für den öffentlichen Rundfunk abzutreten, sind verständlicherweise oft nicht bereit, noch mehr für weitere Medien zu bezahlen. Ohne eine Stärkung der alternativen Medien wird es aber nicht besser werden.

    Jenseits von der Unterstützung unabhängiger Medien und einem kritischeren Medienkonsum, was können Bürger oder Leser noch gegen die einseitige und propagandistische Berichterstattung der Medien, wie Sie sie herausgearbeitet haben, tun?

    Wozu ich auch lange geraten habe, ist, sich bei den zuständigen Kontrollgremien oder bei den Redaktionen selbst zu beschweren. Das habe ich mir auch für mein Buch angeschaut und kam dann zu dem Ergebnis: Das bringt eigentlich kaum etwas. Es gab Tausende Beschwerden beim Rundfunkrat und den Landesmedienanstalten, und die Fälle zum Thema Nahost, die überhaupt zur Entscheidung angenommen wurden, kann man an einer Hand abzählen. Fälle, in denen einseitige oder falsche und irreführende Berichterstattung dann tatsächlich gerügt wurden, gab es so gut wie gar keine. Rundfunkräte, Landesmedienanstalten und auch der Presserat sind selbst Teil des Problems, nicht Teil der Lösung.

    Gleichzeitig schadet es auch nicht, sich dort oder direkt bei den Redaktionen zu beschweren. Zumindest ist die Folge davon, dass die betroffenen Journalisten merken, dass Leuten ihre falsche Berichterstattung auffällt, und das allein ist schon gut – allein dieses Bewusstsein aufrechtzuerhalten, auch durch Kritik in der Öffentlichkeit und in den sozialen Medien, auch wenn es unmittelbar nichts bringt.

    „Es ist natürlich erst mal gut, wenn Leute ihre Informationen nicht mehr aus der Tagesschau bekommen.“

    Was ich auch häufig gehört habe, ist, dass Leute sagen: „Ich lese das doch eh nicht und es ist mir egal, was die berichten.“ Es ist natürlich erst mal gut, wenn Leute ihre Informationen nicht mehr aus der „Tagesschau“ bekommen. Gleichzeitig sollte man sich aber trotzdem bewusst machen, welche Macht „Tagesschau“ und BILD immer noch haben. Sie sind immer noch die mit großem Abstand reichweitenstärksten Medien und haben eine riesige Wirkung auf die Meinungsausbildung in Deutschland. Und sie beeinflussen auch diejenigen, die in den Parlamenten und in der Regierung sitzen und dort in unserem Namen die politischen Entscheidungen treffen. Von daher ist es auch weiter wichtig, die großen Medien zu kritisieren, nicht zuletzt natürlich auch die öffentlich-rechtlichen Medien, weil wir alle für sie bezahlen.

    Sie erwähnen in dem Kapitel „Druck von allen Seiten“ auch, dass es immer wieder starken Druck und Interventionen von der israelischen Botschaft in Deutschland auf Medienunternehmen bzw. auf Redaktionen gab und auch durch pro-israelische Lobbygruppen wie die Deutsch-Israelische Gesellschaft, um die Berichterstattung zu beeinflussen. Wie wichtig sind diese Akteure?

    Ja, das gibt es auf jeden Fall. Das gab es auch schon vor dem 7. Oktober. Solche Geschichten habe ich aus Redaktionen gehört. Vor allem bei den großen Leitmedien ruft immer wieder der israelische Botschafter in der Redaktion an und sagt, dass ihm diese und jene Berichterstattung nicht passt und dass das bitte geändert werden soll.

    Dem gibt natürlich nicht jedes Medium nach, aber allein dass das regelmäßig passiert und auch weithin akzeptiert wird und nicht groß skandalisiert wird, ist bedenklich. Offizielle israelische Vertreter sind auch regelmäßig an Kampagnen gegen kritische Journalisten oder Journalisten, die sie für kritisch halten, beteiligt. Da sind dann auch Tagesschau-Reporterinnen oder Spiegel-Redakteure darunter, aber auch viele andere. Ich war auch schon mal auf so einer Liste des Sprechers der israelischen Armee, „Die Top Ten der Deutschen Israelhasser“ oder so etwas.

    Der Skandal ist auch, dass solche Anfeindungen keinerlei Konsequenzen haben – weder in der deutschen Medienlandschaft, wo es wenig Solidarität gibt und wenn, dann nur gegenüber sehr bekannten Journalisten oder Journalisten der großen Medienhäuser. Für freie Journalisten und jene außerhalb des klassischen Mediensystems gibt es keine Solidarisierung durch Journalistenverbände, die ja eigentlich auch für den Schutz von Journalisten in Deutschland zuständig sind. Und es gibt auch keine Maßnahmen durch Behörden oder Politik. Wenn man das einmal damit vergleicht, wie groß die Empörung ist, wenn in anderen Ländern so etwas passiert – etwa in der Türkei oder in Russland: Wenn dort Journalisten öffentlich bedroht oder auf Listen gesetzt werden, gibt es hierzulande zu Recht viel Empörung, aber wenn das hier im eigenen Land geschieht, passiert nach wie vor so gut wie gar nichts. Das wiederum trägt zusätzlich dazu bei, dass es guter, machtkritischer Journalismus in Deutschland weiterhin sehr schwer hat.

    Vielen Dank für das Gespräch!

    #Allemagne #médias #Gaza

  • Die Furcht vor der Freizeit
    https://www.manova.news/artikel/die-furcht-vor-der-freizeit

    Herr Rottenfußer a raison, le chancelier Merz déteste le peuple. Il a raison de comparer l’idéologie du chrétien-démocrate à celle du propriétaire d’esclaves dans La Case de l’oncle Tom (1852) de Harriet Beecher Stowe qui les exploite jusqu’à leur mort prématurée. Il a raison que Merz veut établir une situalion inhumaine comme au Japon où on subit la mort du type karoshi pendant ses nombreuses heures de travail supplémentaires impayées. Pourtant Herr Rottenfuße vise mal et passe à côté de l’essentiel.

    Merz et toute la classe de possédants n’arrêteront jamais de faire pression afin de mieux nous voler . Ce faisant ils s’en prennent à notre liberté et notre vie. Ils nous envoient au casse-pipe comme ils nous forcent à trimer jusqu’à l’age de 67 ans et au dela. Les loisirs sont un privilège que les riches n’accordent qu’au riches. Les autres sous-hommes n’ont qu’à crever quand ils ne trouvent pas leur place dans le cycle de production-réproduction.

    Merz n’est pas l’ennemi qui vole notre temps libre. Merz est l’ennemi implacable qui nous sacrifie sur l’autel du capital. Merz justifie chaque acte de légitime défense. Merz est l’incarnation de l’esprit éliminatoire des camps. « ausmerzen » n’est pas un verbe. C’est un programme politique.

    Bref, Manova fait partie des sites web « alternatifs » petit-bourgeois critiques qui risquent à tout moment de tomber dans le piège de la droite du type AfD.

    2.5.2026 von Roland Rottenfußer - Der deutsche Staat versucht aus finanziellem Eigeninteresse, alle Lebensentwürfe zu delegitimieren, die nicht auf sozialversicherungspflichtige Vollzeitarbeit hinauslaufen.

    Dass sich Menschen „totgearbeitet“ haben, wird vielfach nur als Metapher oder rhetorische Übertreibung verbucht. Auf eine wachsende Anzahl von Menschen trifft dieser Begriff jedoch buchstäblich zu. Der japanische Fachbegriff dafür — in dem fernöstlichen Land gibt es offenbar besonders viele „Arbeitswütige“ — lautet karoshi. Durch die Presse ging das Schicksal der Reporterin Miwa Sado, die 2013 an ihrem Büroarbeitsplatz tot aufgefunden wurde. „Als ihr Leichnam gefunden wurde, umklammerte ihre Hand noch ihr Mobiltelefon“, schildert der Sachbuchautor James Suzman den Vorfall. Die Frau habe in den Monaten vor ihrem Herztod 159 Überstunden angesammelt. Als karo jisatsu wird im Unterschied zu karoshi der bewusst gewählte Freitod von Menschen bezeichnet, die als Folge des durch Überarbeitung verursachten Stresses aus dem Leben scheiden. Das japanische Arbeitsministerium gab für 2013 die Zahl von 190 Todesfällen an, die einem der beiden „Fachbegriffe“ zugeordnet werden konnten.

    In Deutschland werden Todesfälle, die direkt oder indirekt mit Überarbeitung zusammenhängen, nicht gezählt, und einen Begriff wie karoshi gibt es hier nicht. Man kann nur anhand von Indizien Rückschlüsse auf die Situation ziehen. So schätzt Statista in einer Analyse, dass in Deutschland etwa ein Todesfall durch Schlaganfall pro 100.000 Einwohner auf hohe Arbeitsbelastung zurückzuführen ist. Der Stressreport 2025 der Techniker Krankenkasse besagt, „dass das Stressempfinden in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist“. Die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund von Burnout ist im letzten Jahrzehnt um mehr als 70 Prozent gestiegen. Das klingt alles nicht so dramatisch. Allerdings reden wir von Zahlen, die noch aus dem „Vormerz“ stamme — der Ära vor Amtsantritt des gegenwärtigen Kanzlers.

    Die Stimmung, die vor allem innerhalb der politischen Blase im Moment Raum greift, könnte aber der Beginn einer Dynamik sein, die karoshi in sich trägt wie eine Wolke den Regen.

    Publikumsbeschimpfung als Regierungsstil

    Einen wichtigen Beitrag dazu leistet ausgerechnet Friedrich Merz, der sich derzeit geradezu als Abkanzler des eigenen Wahlvolks zu profilieren versucht. Wer von Ihnen — wie im übrigen 83 Prozent der Deutschen — unzufrieden mit „seinem“ Bundeskanzler ist und seit einem Jahr vergebens darauf hofft, dass dieser nun endlich in die Gänge kommt, der muss jetzt lernen: Diese Unzufriedenheit beruht auf Gegenseitigkeit. Merz & Co. ziehen in schnoddrigem Tonfall über ihre potenziellen Wähler her, als seien sie selbst „Souveräne der Demokratie“, die Bürger dagegen nur eine zu hart gewordene Knetmasse.

    Friedrich Merz hat aus dieser Form der Publikumsbeschimpfung eine genüsslich exekutierte Kampagne gemacht. Kaum eine Gelegenheit lässt er verstreichen, um mehr Härte, Schweiß und Leistungsbereitschaft anzumahnen. Am 19. Januar 2026 rief der Kanzler während einer Rede im Baden-Württembergischen Landtagswahlkampf aus:

    „Wohlstand! Sozialstaat! Verteidigungsfähigkeit! Meine Damen und Herren, das geht nicht mit einem Land, das im wirtschaftlichen Abschwung ist, das sich wirtschaftlich aufgibt. Mit einem Land, das nicht bereit ist, Leistungen zu erbringen.“

    Die Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit sei nicht allein eine wirtschaftspolitische Frage.

    „Das ist eine Frage an unsere Einstellung, an unsere Mentalität. Sind wir so wie unsere Eltern und unsere Großeltern bereit, in einer solchen Zeit mit solchen Herausforderungen, uns alle gemeinsam noch mal richtig ins Zeug zu legen, uns anzustrengen und richtig zu zeigen, dass wir bereit sind, etwas Außergewöhnliches zu leisten?“

    Nicht die Regierung — also auch er — sind somit schuld am Niedergang der deutschen Wirtschaft; ein unklar benanntes Kollektiv trägt dafür die Verantwortung: „wir“ — also die Bürger und Arbeitsnehmer.

    „Wir sind das Land, das sich mittlerweile leistet, mit eine der wenigsten Jahresarbeitsstunden zu arbeiten auf der ganzen Welt. […] Die Schweizerinnen und Schweizer arbeiten im Durchschnitt 200 Stunden länger im Jahr als wir. Sind die so anders als wir? Gibt’s da irgendwelche genetischen Gründe?“
    Auf dem Weg zur Work-Work-Balance

    Nun ist es ja nicht zu leugnen, dass es auch Arbeitsunlust bei Teilen des Volkes gibt und einige, die sich auf Kosten der Leistungsfähigeren irgendwie durchzuwursteln versuchen. Die Frage ist nur: Ist das ein Phänomen, das in Deutschland signifikant häufig vorkommt? Und falls ja — welche Ursachen, außer tief verwurzelten charakterlichen Defiziten bei den Deutschen, könnte es geben? Auffällig ist vor allem, dass sich Merz offenbar auf die „Work-Life-Balance“ eingeschossen hat. Aber was wäre das für ein Land, in dem die meisten Bürger ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit nicht erreichen, ja nicht einmal wünschen würden?

    Menschen mit Workaholiker-Neigung gehören meines Erachtens in Behandlung, nicht an die Werkbänke oder in die Büros.

    Es ist doch nichts natürlicher als das: Die meisten Deutschen wollen noch ein Leben außerhalb der Arbeit für Entspannung, Freizeitgestaltung, Freunde und Familie. Wenn sie dann doch arbeiten, sollte diese Tätigkeit erfüllend und Ausdruck der Werte und der Persönlichkeit des Arbeitenden sein. Was denn sonst? Eine solche Mentalität aber versuchte Friedrich Merz in den letzten Monaten kampagnenartig zu delegitimieren — so als hielte er eine Work-Work-Balance ernsthaft für eine machbare und wünschenswerte Lösung. Merz drohte den Deutschen:

    „Ein Land, das mit Work-Life-Balance und 4-Tage-Woche mehr beschäftigt ist als mit seiner Wettbewerbsfähigkeit, wird den Wohlstand, den wir heute haben, nicht erhalten können.“

    Sein Bild von den Deutschen ist bitter: Wer nicht ohnehin in der sozialen Hängematte lungert, nutzt ihm zufolge jede Gelegenheit, um sich wegen eines Wehwechens durch Krankschreibung abzuseilen.

    „Wir haben in Deutschland 14,5 Tage im Durchschnitt der Beschäftigten Krankheitstage. […] Das sind fast drei Wochen, in denen die Menschen in Deutschland aus Krankheitsgründen nicht arbeiten. Ist das wirklich richtig? Ist das wirklich notwendig?“
    Wir steigern das Bruttosozialprodukt

    Sicher gibt es Krankschreibungen, hinter denen keine ernsthafte Krankheit steckt. Aber Merz verbreitet hier die naive Annahme, viele Arbeitsstunden führten automatisch zu viel sinnvollem Output. Er suggeriert, dass Lügen von Arbeitnehmern über ihren Gesundheitszustand zu einem Massenphänomen geworden seien.

    Die Popgruppe „Geier Sturzflug“ machte sich in den 1980er-Jahren in ihrem Lied „Bruttosozialprodukt“ über eine Ära lustig, in der sich Politiker wohl ebenfalls als Antreiber ihres Wahlvolks verstanden.

    Die Krankenschwester kriegt ’n Riesenschreck.
    Schon wieder ist ein Kranker weg.
    Sie amputierten ihm sein letztes Bein.
    Und jetzt kniet er sich wieder mächtig rein.

    Wenn sich Opa am Sonntag auf sein Fahrrad schwingt
    Und heimlich in die Fabrik eindringt,
    Dann hat Oma Angst, dass er zusammenbricht,
    Denn Opa macht heute wieder Sonderschicht.
    Einer sollte besser gar nicht mehr arbeiten

    Was so eine Mentalität verkennt: Durch Arbeitsheroismus werden Krankheiten nur verschleppt, nicht geheilt. Oft besteht Ansteckungsgefahr für die Kollegen des „Helden“ — zumindest dürfte dieser sein übliches Leistungsniveau nicht erreichen können und länger brauchen, bis er vollständig genesen ist.

    In einer weiteren Passage seiner Rede beschwört Friedrich Merz die kernige Nachkriegsgeneration:

    „Unsere Eltern haben sich auch nicht beklagt, als sie vor dem Neuaufbau der Bundesrepublik Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg standen. Sie haben angepackt. Waren die damals verzweifelt? Resigniert? Haben die über Work-Life-Balance gesprochen und über 4-Tage-Woche?“

    Sie hatten damals vielleicht auch keine Politiker, die zum Verzweifeln waren. Wegen einer offenbar funktionierenden Wirtschaftspolitik entstand für viele das Gefühl eines Aufwärtssogs. Aber differenzierte Analysen sind nicht so des Kanzlers „Ding“. Pauschalverurteilungen liegen ihm mehr. Bei einer Rede beim Bundesverband Deutscher Banken im April 2026 befand Merz: „Wir haben uns ausgeruht. Wir sind ein bisschen zu bequem geworden.“ Dies kann man durchaus als eine Verhöhnung jener Werktätigen empfinden, die über Jahrzehnte fleißig gearbeitet haben, um jenen gemeinschaftlichen Wohlstand zu schaffen, die die Politikergeneration um Friedrich Merz, Lars Klingbeil und Robert Habeck jetzt dabei ist zu verspielen.

    Bei einem Deutschen wünschte man sich jedenfalls, er würde weniger oder am besten gar nicht mehr arbeiten: Friedrich Merz.

    Seine „Leistungen“ in den vergangenen 12 Monaten zeigen vor allem eines: In manchen Fällen ist Gar-nichts-Tun nicht das Schlimmste.
    Double Income — Kids in die KITA!

    Flankierend zu Merz‘ Kampagne versuchte nun auch Grünen-Chefin Franziska Brantner Familienmodelle zu delegitimieren, bei denen nicht beide Erwachsenen Vollzeit arbeiten. Das Narrativ, mit dem das Gesellschaftsmodell „Double Income — Kids in die KITA“ verkauft werden soll, lautet: Keine „Fehlanreize“ mehr und vor allem: Frauenpower. Sollte sich ein Paar darauf einigen, dass die Frau weniger arbeitet als der Mann und sich mehr für Kinder und Haushalt engagiert, wird das der etablierten Politik mittlerweile nur noch als Kniefall vor den Rollenklischees des Patriarchats interpretiert. Dabei zeigt eine einfache Überlegung, dass es sich dabei um ein Scheinargument handelt: Auch Männer können zuhause bleiben, Frauen den Hauptlebensunterhalt für die Familie verdienen. Wenn das — noch — selten vorkommt, liegt es nicht an falschen familienpolitischen Weichenstellungen, sondern an individuellen Lebensentscheidungen, die oft auch dem Bedürfnis von Frauen entgegenkommen.

    Wo sich beim „Double-Income“-Modell Lücken bei der Versorgung der Kinder auftun, hat die Politik nur eine Antwort: ein besserer Ausbau von Kitas. Das heißt: Immer mehr Kleinkinder werden in immer früherem Alter in überfüllten Einrichtungen mit überforderten Betreuern geparkt, sind dem Geschrei der Gruppe und dem Dominanzgebaren kleiner „Alpha-Tiere“ ausgesetzt. Faktisch bedeutet dies die Vertreibung der Stille und der Qualität des Alleinseins aus dem Leben von Millionen Kindern — nebst der frühen Erfahrung, den Eltern nicht allzu wichtig zu sein. Bei Franziska Brantner klingt das so: „Wir müssen endlich auch politisch handeln. Dafür sorgen, dass es gute und verlässliche Kinderbetreuung gibt, faire Löhne für alle und endlich auch keine steuerlichen Anreize mehr dafür, dass man weniger arbeitet.“

    In diesem Zuge soll das Modell der Familie als Solidargemeinschaft zerschlagen werden. Jeder und jede muss „auf eigenen Beinen stehen“, soll sich also überwiegend als Individuum und weniger als Teil eines Paares oder eine Familie empfinden. Und vor allem: Keiner der beiden Partner soll sich länger davor drücken können, jährlich tausende von Euro ans Steuersäckel abzudrücken. Schließlich haben wir es mit einem notleidenden Staat zu tun, dessen Nutzen der Bürger mehren und von dem er Schaden wenden muss.
    Jeder und jede kämpft für sich allein

    So ist es denn auch kein Zufall, dass gerade Finanzminister Lars Klingbeil die Kampagne gegen das Ehegattensplitting anführt, die derzeit in vollem Gange ist. Seine Rede am 25. März 2026 zeugte geradezu von Hass auf die Freizeit. Dieser galt in Wahrheit aber wahrscheinlich nicht der Muße selbst, sondern der Weigerung vieler, ihr gesamtes Leben dem Auffüllen der Kassen des Finanzamts zu weihen. Gemeinsame steuerlich Veranlagung von Ehepartnern mit der Folge von Steuerersparnis heißt bei Klingbeil „steuerlicher Fehlanreiz“.

    Mehr Zeit für sich selbst, für den Partner, für Kinder und Hobbys heißt „Teilzeitfalle“. In Letztere versuchte ein perfider Sozialstaat speziell Frauen zu locken. Nun will der weiße Ritter Lars die Frauen aus der Drachenhöhle ihrer Abhängigkeit von einem Geschlecht befreien, dessen Existenzberechtigung ohnehin in den Zeiten von Christian Ulmen und Jeffrey Epstein obsolet geworden ist.

    Mit vor Entsetzen geweiteten Augen beklagt Klingbeil, „dass 35 Prozent der nicht erwerbstätigen Frauen keinen finanziellen Vorteil darin sehen, überhaupt zu arbeiten.“

    Die Lösung? „Und ich will, dass das Ehegattensplitting in seiner heutigen Form für zukünftige Ehen abgeschafft wird. Eine Reform könnte zur Besetzung von zehntausenden Vollzeitstellen führen.“ Irrelevant ist für den Minister wohl die Tatsache, dass all die Vollzeitstellen für arbeitswütige Ex-Hausmütterchen in den Zeiten von KI, internationalem Konkurrenzdruck und Deindustrialisierung Deutschlands ja nicht so leicht zu schaffen sind.

    Als willkommene Ergänzung seines politischen Kurses begrüßt Klingbeil auch, dass Gesundheitsministerin Nina Warken „einen Vorschlag macht, die beitragsfreie Mitversicherung von Ehegatten in der Krankenversicherung abzuschaffen“. Dazu sagt der Minister: „Beide Reformen zusammen könnten Fehlanreize auf dem Arbeitsmarkt beseitigen. Die Unabhängigkeit und Selbstbestimmung von Frauen könnte dadurch auch gestärkt werden.“
    Regierungsamtlicher Furor gegen die Freizeit

    Aber nicht nur alle Frauen und Männer, auch sämtliche Kinder sollen in die Tretmühle ganztägiger Verpflichtungen eingeschleust werden. „Wir bauen die Betreuungsstruktur in unserem Land weiter aus. Ganztagsschulen müssen überall die Regel und nicht die Ausnahme sein.“ Vorbei mit den freien Nachmittagen, die in meiner Jugend noch Usus waren, schon heute jedoch vom Aussterben bedroht sind. Schule — und somit auch die durch Schule propagandistisch vermittelten Staatsnarrative — soll zu einem den ganzen Tagesablauf junger Menschen überwuchernden, unausweichlichen Zwang werden.

    Des Ministers Furor gegen die Freizeit und die mit dieser assoziierten Arbeitsscheu trifft konsequenter Weise auch die Sozialleistungen.

    „Fehlanreize bei den Sozialleistungen müssen weg. Mehrarbeit darf nicht bestraft werden, und es braucht gerade deshalb die beschriebene Reform der Transferentzugsraten. Mehr Arbeit muss sich immer lohnen.“

    „Fehlanreize beseitigen“ klingt harmlos, wie der gerechtfertigte Entzug unverhältnismäßig edelmütiger Vergünstigungen. Die Wahrheit ist brutaler: Der Staat will Menschen bestrafen, die relativ gesehen weniger arbeiten wollen und dafür in Absprache mit ihren Familien eine praktikable Lösung gefunden haben.

    Teilzeit kann Lebensqualität bedeuten, einen schonenderen Umgang mit den eigenen Nerven, mehr Kraft für die schönen Dinge des Lebens, Aufmerksamkeit, die den Kindern und dem Partner zugutekommt. Nicht zuletzt vielleicht auch mehr Zeit, um sich politisch zu informieren und zu engagieren — ein Szenario, das die Mächtigen offenbar fürchten wie der sprichwörtliche Teufel das Weihwasser. Ja, die wenig „geschmackssichere“ Auswahl unseres politischen Führungspersonals durch die Wähler könnte sogar die Folge der Tatsache sein, dass sie zu viel Zeit in der beruflichen Tretmühle und zu wenig zum Nachdenken aufgewendet haben. Wer Work-Life-Balance — analog zu Rechtsradikalen und zu Deep Fake Pornos — ernsthaft zu einem Feindbild aufbauen will, der will Standort-Knechte, keine mündigen Staatsbürger, die selbst wählen können, wie sie die verschiedenen „Komponenten“ in ihrem Leben mischen wollen.
    Mit dem Rollator zum Arbeitsplatz

    Nachdem Lars Klingbeil gerade so in Fahrt war, ist klar, dass in seiner Rede auch das Faulenzerkollektiv schlechthin Federn lassen musste: die Rentner. „Auch an die Rente müssen wir ran“, bestimmter er — wissend, dass seine eigenen Altersbezüge nach wenigen, eher kläglichen Jahren als Bundesminister überaus üppig ausfallen dürften. Wenn schon nicht alle Senioren kurzerhand an die Front beordert werden können, sollen sie wenigstens — wie im Lied „Bruttosozialprodukt“ — ihre morschen Knochen noch in die Fabrikhallen und die Büros schleppen.

    „Mit der Aktivrente machen wir es jetzt attraktiver, nach dem Renteneintritt weiter zu arbeiten. Aber klar ist auch: Wir werden die Frage beantworten, wie wir im Rentensystem insgesamt mehr Anreize schaffen, dass Menschen später in Rente gehen.“

    So der noch in der Blüte seiner Jahre stehende Klingbeil.

    Nach dem Renteneintritt zu arbeiten, galt früher als No-Go und geradezu als paradox. Deshalb hieß es ja „Ruhestand“: weil man eben ab einem bestimmten Alter nicht mehr arbeiten musste, jedoch seinen Teil des kollektiven Wohlstands genießen durfte, den man selbst mit erarbeitet hat. Rentner-Arbeit ist so wenig fair und zumutbar wie Kinderarbeit, wie sie als Begleiterscheinung des Frühkapitalismus in vielen Industriestädten des 19. Jahrhunderts üblich war. Lars Klingbeil will dennoch eine Umkehr des in den letzten Jahren grassierenden Trends zur Frühverrentung erzwingen. Diese war ja auch als Chance für nachrückende junge Menschen gedacht, schneller die Arbeitsplätze verdienter Greise zu übernehmen, die allzu lange an ihren Sesseln festgeklebt waren. Der Finanzminister will, „dass wir aufhören, ein frühes Ausscheiden aus dem Erwerbsleben zu fördern. Ich fände es sinnvoller, wenn wir längeres Arbeiten fördern“. Klar.
    Mehr Zwang zu nicht vorhandener Arbeit

    Die Appelle von Merz, Brantner, Klingbeil und Warken sind aus verschiedenen Gründen nicht nur inhuman, sondern auch widersinnig.

    Zunächst: Es sind nicht genügend Arbeitsplätze für alle da. Automatisierung und KI-Revolution sind Faktoren, deren Bedeutung in Zukunft eher noch steigen wird und die den Raum für menschentaugliche Arbeitsplätze weiter zusammendrängen werden. Ein weiterer Grund ist Zuwanderung, die — ob man sie aus humanen Gründen nun gut findet oder nicht — unweigerlich mit einer zunehmenden Konkurrenz um Arbeitsplätze verbunden ist. Von diesen sind im Zuge der desaströsen Corona-Politik viele vernichtet worden, aber auch infolge einer Politik der systematischen Verteuerung der für die Industrieproduktion nötigen Energie. All diese Faktoren sind politisch gewollt, oder es wurde zumindest nicht mit der erforderlichen Vehemenz gegengesteuert.

    In den kommenden Jahren werden Arbeitslose an ihrem Schicksal immer weniger schuld sein, gleichzeitig dafür aber immer erbitterter von der Politik als Sozialschmarotzer abgekanzelt werden.

    Merz „vergisst“ bei seiner Beurteilung der Arbeitsmoral der Bürger auch, die Qualität beziehungsweise Attraktivität der Jobs zu bedenken. Über- oder Unterforderung, Monotonie in Folge von Automatisierung, der Verlust des Gefühls von Sinnhaftigkeit von Arbeit sind Phänomene, für die es multifaktorielle Ursachen gibt. Weiter werden auch mögliche Fehler von Arbeitgebern in Friedrich Merz‘ „Rechnung“ ausgeblendet. Wer nur charakterliche Defizite von Arbeitnehmern als Ursachen für Arbeitslosigkeit oder Teilzeitarbeit in Betracht zieht, entlarvt sich damit als autoritärer Knochen. Gerade bei Friedrich Merz, der auch durch Abschöpfen der Erträge fremder Arbeit bei BlackRock immer oben geschwommen ist, wirkt das Bashing fleißiger, jedoch vielleicht weniger smarter Arbeitnehmer billig.
    Motivation per Schwarzer Pädagogik

    Motivation ist nicht nur eine Angelegenheit der vorhandenen oder fehlenden Fähigkeit von Mitarbeitern, „sich zusammenzureißen“. Der Staat schwächt durch seine nimmersatte Steuerpolitik und durch die Umverteilung von Millionensummen in die Taschen von Nicht-Leistungsträgern die Motivation, mehr zu arbeiten. Speist der Bürger mehr von seiner Zeit und Lebensenergie ins System ein, so bleibt ihm deshalb nicht unbedingt mehr Wohlstand und Lebensqualität — vielmehr werden die Erträge der zusätzlichen Wertschöpfung nicht selten vom Staatsapparat verschluckt oder umverteilt.

    Hinzu kommt, dass das politische Establishment in Deutschland in puncto Leistungsfähigkeit kein Vorbild ist, sodass Appelle von Merz & Co. oft eher das Gegenteil dessen bewirken, was beabsichtigt war. „Wenn so einer mir einen Rat gibt“, so könnten viele Bürger denken, „dann ist vielleicht eher das Gegenteil richtig.“

    Staat und Regierung sind nach Corona, Schuldenpaket und öffentlichem Meinungsterror nicht mehr automatisch Objekte von Solidarität und Zuneigung. Sie werden vielfach eher als Quelle von Ärgernis, Belästigung, Ausplünderung oder gar Erniedrigung wahrgenommen.

    Fast alle Kraftquellen, aus denen sich ein Aufschwung in Deutschland speisen könnte, sind somit heutzutage versiegt. Für viele reicht die Motivation nur noch, um sich „über die Runden zu retten“, und im günstigsten Fall für das „kleine Glück“.

    Vor diesem Hintergrund stimmt es besorgt, dass sich Bundeskanzler Friedrich Merz und Finanzminister Lars Klingbeil in letzter Zeit verstärkt als Antreiber der Bundesbürger inszenieren und versuchen, jede in unserer Gesellschaft bisher noch vorhandene Erwerbtätigkeitslücke mit eiserner Hand zu schließen. Schuften wie die goldene Nachkriegsgeneration, mehr Arbeitsstunden, weniger Krankheitstage, Doppelverdiener-Haushalte als Normalfall, früherer Eintritt in die Erwerbstätigkeit, spätere Rente... So ist das Menschenmaterial notwendigerweise früher verschlissen und liegt der Rentenkasse nicht so lange auf der Tasche. Sozialverträgliches Frühableben heißt der Fachbegriff.

    Simon Legree, „Besitzer“ des Protagonisten im Roman „Onkel Toms Hütte“, sieht den frühen Tod vieler seiner Sklaven eher gelassen. „Ich brauche sie auf und kaufe neue“, gab er zum Besten. Wollen Spitzenpolitiker nicht, dass wir leben? Wollen sie Biografien, die die Bezeichnung „Leben“ über das bloße Existieren, Rackern und Steuernzahlen hinaus verdienen, erschweren? Vielleicht liegt tatsächlich ein Phänomen vor, das man als „Furcht vor der Freizeit“ bezeichnen könnte. Gemeint ist die Angst der Mächtigen vor der freien Zeit ihrer Untertanen, die diese auf allerlei nicht staatsdienliche Weise nutzen könnten. Denn wer zufrieden ist, braucht weniger Ersatzbefriedigung durch Konsum. Und wer Zeit hat, denkt vielleicht mehr nach und wandelt sich auf diese Weise zu jenem Menschentyp, den Merz und Klingbeil am wenigsten gebrauchen können: dem mündigen Bürger, der kraftvoll und scharfsinnig für seine Interessen eintritt.

    #Allemagne #internet #médias #petite_bourgeoisie

  • Über das Experten-Unwesen : Wer uns im ÖRR die Welt erklärt
    https://www.berliner-zeitung.de/article/ueber-das-experten-unwesen-wer-uns-in-den-medien-die-welt-erklaert-

    A propos des « experts » dans la presse et sur les plateaux de télé et comment accéder au statut d’expert.

    Citation : Les critères qui comptent pour les responsables de la programmation dans les rédactions : il faut toujours répondre à son portable, même à la caisse d’Aldi, même quand on ne connaît pas le numéro. Même à trois heures du matin. Il faut toujours être disponible et accepter, car les demandes sont toujours de dernière minute. Et il faut savoir s’exprimer sans faux pas en quelques phrases, même avec peu de temps de préparation. Une touche d’humour, une bonne prononciation et une apparence télégénique ne font pas de mal non plus – et voilà, vous êtes l’expert né .

    4.5.2026 Alexander Teske - Schon so mancher Erklärer hat sich als Hochstapler oder Fantast entpuppt. Doch solange man eloquent formuliert und schnell liefern kann, ist erstmal alles gut.

    Bei der Tagesschau habe ich als Planer gearbeitet. Zu den Aufgaben eines Planers gehört es, Experten zu suchen. Gesprächspartner, die als Koryphäen auf ihrem Gebiet, in knappen Sätzen etwas gut erklären können. Oder einordnen. Warum Iran bombardiert wird, der Strom so teuer ist, Wale stranden, Trump Erfolg hat. Umso überraschter war ich über die Frage einer Kollegin, wonach wir eigentlich Experten einladen. Was da unsere Kriterien sind. Sie sei auf eine Veranstaltung eingeladen und solle diese Frage beantworten. Das Verblüffende: Ich wusste auch nach 21 Jahren als Planer bei MDR und NDR keine schnelle Antwort.

    Selbstreflexion unserer Arbeit war selten

    Jeder sah sich als Einzelkämpfer und hatte seine eigene Datei mit Experten. Wie und wonach er jemand aussuchte, blieb ihm überlassen. Daran musste ich denken, als ich über einen Artikel der Kollegen der „Zeit“ stolperte. Die Wochenzeitung beschäftigte sich mit Rüdiger Maas. Überschrift: „Ist Deutschlands bekanntester Generationenforscher ein Blender?“ Maas wurde als Experte und Psychologe durch fast alle deutschen Medien gereicht. Jahrelang war er einer der gefragtesten Erklärer gesellschaftlicher Trends.

    Als „Psychologe" wurde er in den Tagesthemen oder auf NDR info vorgestellt und ordnete ein, warum die AfD so gut Erstwähler erreicht. Angeblich würde das über die Eltern vererbt. Im SWR 1 wurde er als „renommierter Generationenforscher“ vorgestellt, bei Bayern 2 als „Experte für Arbeits- und Organisationspsychologie“ eingeführt und beim WDR sitzt er als „Wirtschaftspsychologe“ auf der Couch. Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk war der Experte im stets offenen Hemd ein Stammgast – im ARD-Morgenmagazin, im heute journal oder bei Markus Lanz. Wurde er als „Philosoph“ vorgestellt, widersprach er nicht.

    Firo
    Unser Autor Stephanie Steinkopf/Ostkreuz

    Vier-Tage-Woche, Generation Z, Tik-Toks-Trends – Maas konnte alles erklären. Doch eine Recherche der „Jungen Freiheit“ machte zahlreiche Ungereimtheiten in seinem Lebenslauf, seiner Forschung und seinem Institut öffentlich. Er sei kein Diplom-Psychologe, promoviert habe er in Psychologie auch nicht. Die „Zeit“ recherchierte weiter. Nun hatte Maas plötzlich in Informationswissenschaften promoviert – an der Hochschule für Bibliothekwesen in Sofia. Und die Mitarbeiter seines Instituts gaben reihenweise an, dort vor Jahren einmal ein Praktikum absolviert zu haben oder nur in Teilzeit tätig zu sein. Eine Zweigstelle in Berlin existiert unter der angegebenen Adresse nicht. Wissenschaftliche Arbeiten publizierte Maas, wenn überhaupt, in drittklassigen Publikationen, die zum Beispiel in Pakistan herausgegeben werden.

    Einen Abschluss als Philosoph hat Maas auch nicht. Nun interessierte sich auch die „FAZ“ für den Fall. Der Plagiatsjäger Stefan Weber hat schließlich aktuell in der Doktorarbeit von Maas Zitate aus Studien gefunden, die gar nicht existieren. Ein neuer Baron Münchhausen? Das ZDF hat Maas vorsorglich von seiner 500 Namen umfassenden Experten-Liste gestrichen. Interessant wäre zu erfahren, wie er dort landen konnte. Eine Frage, die sich an alle Redaktionen richtet. Und zwar ganz ohne Schaum vor dem Mund: Sie wissen ja – wer im Glashaus sitzt… Vielleicht war Rüdiger Maas so ein beliebter Gesprächspartner in deutschen Medien, weil er gesagt hat, was Journalisten gern hören?

    Doti
    Rüdiger Maas © IMAGO/teutopress GmbH

    Er vertrat Positionen wie ein Social-Media-Verbot für Jugendliche bis 18 Jahre und schrieb das Buch „Generation arbeitsunfähig – warum uns die Jungen zwingen, Arbeit und Gesellschaft jetzt neu zu denken“. Es ist der Nachfolger des Machwerks „Generation lebensunfähig“. Sein nächster Paukenschlag ist für Juni angekündigt. Kurz vor den Landtagswahlen in Ostdeutschland trägt es den Titel: „Generation rechts? Zwischen Überbehütung und Existenzangst: Warum sich junge Menschen von der politischen Mitte abwenden.“ Die „Zeit“ konstatiert: „Maas beschreibt in seinen Büchern, was viele ohnehin im Gefühl haben.“ Vielleicht sein Erfolgsgeheimnis.

    Nur in der Wissenschaft genießt Maas kein hohes Ansehen. Was ihn mit Michael Winterhoff verbindet. Auch der attestierte unserer Jugend verhätschelt zu sein, ein Opfer der Kuschelpädagogik sozusagen. Auch er schaffte es mit kruden Thesen in die erste Reihe bei Anne Will, Sandra Maischberger oder Markus Lanz. Durch seine Auftritte wurde Winterhoff bundesweit bekannt und konnte 1,4 Millionen Exemplare seiner Bücher verkaufen. Diese tragen Titel wie „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“. In der Fachwelt schüttelte man darüber nicht nur den Kopf. Winterhoff wurde von Psychologen und Pädagogen widerlegt und angegangen.

    Geipel verheimlichte Jahrelang ihre SED-Vergagenheit

    Enttarnt wurde er 2021 durch eine ARD-Dokumentation. Winterhoff war, im Gegensatz zu Maas, zudem kriminell. Das Landgericht Bonn hat den Kinderpsychiater vor kurzem zu einer Bewährungsstrafe von neun Monaten verurteilt. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass Winterhoff in sieben Fällen vorsätzliche Körperverletzung und in einem Fall fahrlässige Körperverletzung begangen hat.

    Eine von den Medien hofierte Hochstaplerin ist auch Ines Geipel. Sie verheimlichte jahrelang ihre SED-Vergangenheit, bezog Dopingopferentschädigung, obwohl sie wissentlich gedopt hat, ließ sich medienwirksam aus einer Weltrekordliste streichen, obwohl es den Weltrekord nicht gab, behauptete aus politischen Gründen nicht ins Olympiateam aufgenommen worden zu sein, obwohl es gar kein Olympiateam wegen des Boykotts der Spiele 1984 gab und gab im australischen TV an, ihr sei bei einer Blinddarm-OP die Bauchdecke zerschnitten worden, weil die Stasi von ihren Fluchtplänen erfahren habe – tatsächlich lief sie danach noch Rennen.

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    Ines Geipel © IMAGO/dts Nachrichtenagentur

    Sie erzählte, wie sie 1989 über einen Grenzabschnitt in Ungarn geflohen ist, an dem 18 Menschen ums Leben kamen – in Wahrheit war es nur einer. Trotzdem wird Geipel regelmäßig als Expertin eingeladen. Im Deutschlandfunk darf sie zum Erscheinen der OAZ erzählen, dass das „Imperium Holger Friedrich pro AfD und pro russisch sei und die DDR-Diktatur verleugne“. Dazu käme die „notorische Systemkritik und das Klagen über fehlende Meinungsfreiheit“, kurz „eine desinformierende Fabelwelt, ein hochproblematischer Ansatz“. MDR Kultur, SWR Kultur, BR und der RBB rollen ihrem neuen Buch den roten Teppich aus, welches dann folgerichtig für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert wird.

    Und erinnern Sie sich noch an Christian Pfeiffer? Auch TV-Pfeiffer oder Töpfchen-Pfeifer genannt? Er war ebenfalls nie um eine wilde Theorie verlegen. Geradezu berühmt wurde seine steile These, die Ossis wären überdurchschnittlich rechtsextrem, weil sie als Kleinkinder alle gemeinsam in den Krippen auf dem Töpfchen sitzen mussten. Pfeiffer, jahrelang Chef des kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, schaffte es damit mühelos in alle relevanten Talkshows. Er haute öfter mal einen raus. So stellte er die These in den Raum, dass Online-Killer-Spiele Kinder aggressiv machten, die heute längst widerlegt ist. Der Mutter von Sebnitz, die behauptete, ihr kleiner Sohn sei aus fremdenfeindlichen Motiven vor aller Augen von Neonazis im Freibad ertränkt worden, bescheinigt er eine hohe Glaubwürdigkeit. Kurze Zeit später stand fest: Die Mutter hatte sich alles ausgedacht.

    Geschadet hat Pfeiffer dies nie. Er kam jährlich auf über 100 Medienauftritte und erklärte mal dies, mal das, mal Ananas. Er erfüllte die Kriterien, die für die Planer in den Redaktionen relevant sind: Man muss immer an sein Handy gehen, auch bei Aldi an der Kasse, auch bei unbekannten Nummern. Auch nachts um drei Uhr. Man muss immer Zeit haben und zusagen, denn die Anfragen sind stets kurzfristig. Und man muss in knappen Sätzen unfallfrei sprechen können, auch mit wenig Vorbereitungszeit. Auch eine Prise Humor, eine gute Aussprache und ein telegenes Aussehen schaden nicht – und schon sind Sie der geborene Experte.

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    Christian Pfeiffer © Joachim Sielski via www.imago-images.de

    Natürlich müssen Sie erzählen, was in das Weltbild der Redakteure passt. Zum Beispiel, dass sich der Osten von der Demokratie verabschiedet hat. Und schon sitzen Sie wie Jana Hensel bei Markus Lanz im ZDF, bei „Hart, aber fair“ in der ARD und im „Bild“-Podcast von Paul Ronzheimer und erklären, einem Polarforscher gleich, den Ossi, das unbekannte, extremistische Wesen. Und Hensel sagt dem SWR, was man so sagen muss: Ostdeutschland brauche diese Ostdeutsche Allgemeine Zeitung nicht. Hensel verdient ihr Geld bei der Konkurrenz, der „Zeit“. (Transparenzhinweis: Die Ostdeutsche Zeitung erscheint im selben Unternehmen wie die Berliner Zeitung).

    Ein Paradebeispiel ist auch Claudia Kemfert. Für den Spiegel ist sie Deutschlands Energie-Expertin „mit den meisten Fehlprognosen“. Zudem sei sie „wendig“, weil sie ihre Ansichten regelmäßig anpasse – was für eine Wissenschaftlerin nicht gerade üblich sei. Der Focus listete Beispiele auf: 2008 sagte Kemfert massive Preissteigerungen beim Ölpreis voraus und tingelte als „200-Dollar-Kassandra“ durch die Talkshows. Der Ölpreis sackte kurz danach auf 40 Euro ab. Kemfert sprach sich früher für längere Laufzeiten von Atomkraftwerken aus. Später war sie für deren Abschaltung. 2011 waren Gaskraftwerke für sie eine „wirkliche Brückentechnologie“, elf Jahre später kritisiert sie Politiker, die auf Gas setzten.

    2010 prognostizierte sie für das Jahr 2020 eine EEG-Umlage von „etwa 3,5 Cent“ pro Kilowattstunde, es wurden dann über 6,7 Cent. 2021 sagte Kemfert: „Die Angst vor dem Blackout wird nur von Ewiggestrigen geschürt.“ Neun Monate später: „Wir müssen uns leider Gedanken über einen Blackout machen.“ Und doch sitzt Claudia Kemfert regelmäßig als Expertin vor den Kameras, hatte bis vor kurzem einen eigenen Klima-Podcast im MDR.

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    Claudia Kemfert © IMAGO/Jürgen Heinrich

    Was Sie als potenzieller Experte nicht tun dürfen: Den Korridor der geduldeten Meinungsfreiheit verlassen. So wie Werner Patzelt. Der Gründungsdekan der TU Dresden führte drei Studien zu Pegida durch. Ergebnis: Nicht nur Rechtsradikale in der Bewegung. Der CDU attestierte Patzelt eine Mitschuld am Aufstieg der AfD, da sie immer mehr nach links gerückt sei. Heute würde das kaum noch jemand bestreiten. Vor zehn Jahren hat sich Patzelt damit fast ins Abseits im öffentlich-rechtlichen Rundfunk geschossen. Der Stammgast bei Tageschau, Deutschlandfunk und MDR wird kaum noch eingeladen.

    Ein Schicksal, welches er mit Gabriele Krone-Schmalz teilt. Die einstige Moskau-Korrespondentin saß viele Jahre in zahlreichen Talkshows der ARD. Bis sie den Senderverantwortlichen zu russlandfreundliche Positionen vertrat. Auf der YouTube-Seite des MDR ist ein Interview mit ihr mit elf Millionen Ansichten das erfolgreichste Video überhaupt – es ist elf Jahre alt. Aber auch Harald Kujat wird nicht mehr eingeladen. Einst der ranghöchste Offizier der Bundeswehr und Vorsitzender des NATO-Militärausschusses, hat er nun plötzlich keine Ahnung mehr von militärischen Vorgängen – sagen die Entscheider bei ZDF, Tagesschau, RTL oder Spiegel, die seit Jahren auf ihn verzichten.

    Genauso wie auf Alice Schwarzer oder Horst Teltschik, die alle zum Inventar in deutschen Talkshows gehörten und nun keine Experten

    #médias #propagande #société_du_spectacle

  • HUMOUR, l’arme de subversion massive
    https://www.off-investigation.fr/humour-larme-de-subversion-massive

    Off Investigation consacre sa cinquième saison documentaire à une grande fresque « coup de poing » sur la censure de l’humour politique en France. Stéphane Guillon viré de France Inter en 2010. Les Guignols de l’info décapités par Vincent Bolloré en 2015, puis supprimés de Canal + en 2018. Thomas VDB et Mathieu Madénian, déprogrammés de France 2 en avril 2017, à quelques semaines de l’accession d’Emmanuel Macron à l’Elysée. Pierre-Emmanuel Barré, poussé hors de l’audiovisuel public. Florence Mendez, bâchée par Nagui. Guillaume Meurice, licencié de Radio France en 2024 après avoir qualifié le Premier ministre israélien Benyamin Netanyahou (responsable […]Lire la suite : HUMOUR, l’arme de subversion massive 

    #Médias

  • Gérard Louvin protégé par la justice ? Son neveu accuse
    https://www.off-investigation.fr/gerard-louvin-protege-par-la-justice-son-neveu-accuse

    « LOUVIN (ex-TF1) protégé par la justice ? Son neveu accuse - Entretien exclusif » | Photomontage Off Investigation EXCLUSIF : Olivier Agredano, neveu de Gérard Louvin (ancien pape du divertissement à TF1) et témoin clé de notre précédent documentaire "Sex Connection : de l’Empire TF1 au système Canal+" (1M vues), révèle à Off investigation de nouveaux faits inédits sur des agressions sexuelles qu’il aurait subies durant son enfance et l’emprise dont il aurait fait l’objet. Confronté à l’inaction de la justice (qui ne l’a jamais auditionné malgré une plainte avec constitution de partie civile déposée en 2022), Olivier Agredano affirme […]Lire la suite : Gérard Louvin protégé par la justice ? Son neveu accuse

    #Médias #Propagande,des« vilains »contre_la_démocratie-_S4 #Société #Vidéos #A

  • #Procès des #financements_libyens : #Guéant accuse, #Djouhri élude | #Mediapart

    https://www.mediapart.fr/journal/france/280426/proces-des-financements-libyens-gueant-accuse-djouhri-elude

    Il y a des #prévenus qui font bouger les lignes et d’autres qui font tout pour les figer. Au procès en appel des financements libyens, Claude Guéant, retenu chez lui pour des raisons de santé, a décidé de participer aux débats comme jamais. L’ancien préfet a fait parvenir dimanche aux parties au procès une nouvelle attestation qui contredit point par point les explications données à la cour par Nicolas Sarkozy, le 14 avril, en réponse aux questions de son avocat, Philippe Bouchez El Ghozi.

    L’ancien président aurait rencontré Claude Guéant en 2002 ? Faux. C’était bien avant, et dès 1986. Il l’aurait désigné directeur de sa campagne présidentielle début 2007 ? Non, c’était au printemps 2006, lors d’un week-end à Marrakech où il l’avait convié avec sa femme. Nicolas Sarkozy conteste lui avoir donné la moindre consigne s’agissant de la situation judiciaire du cerveau du terrorisme libyen Abdallah Senoussi ? « Là encore Nicolas Sarkozy se trompe. Je m’insurge contre son démenti et confirme ce que j’ai déclaré dans ma précédente attestation », écrit-il.

    Claude Guéant se déclare « catégorique sur l’échange » qu’il a eu avec le président d’alors, le 25 juillet 2007. « Au cours du dîner officiel, je maintiens que Nicolas Sarkozy m’a appelé pour entendre la préoccupation que venait de lui exprimer Kadhafi, à savoir son souhait de voir lever le mandat d’arrêt de Senoussi, écrit-il encore. Et c’est à ce moment-là qu’il m’a dit : “Claude, voyez cela.” » Mieux, l’ancien secrétaire général de l’Élysée à l’époque a gardé « une vue très précise de la scène ».

    Nicolas #Sarkozy et Mouammar #Kadhafi coprésidaient la soirée, et les officiels présents, installés sur une table perpendiculaire, étaient sans vis-à-vis avec eux. « Il n’y avait aucun risque que des membres de la délégation française les entendent à l’inverse de ce que dit Nicolas Sarkozy », assène Claude Guéant, qui précise en outre que lors de son « malheureux » dîner avec Senoussi, le 1er octobre 2005, le dignitaire libyen condamné à Paris avait bien évoqué sa situation judiciaire.

    « L’instruction » du président
    « Plusieurs occasions se sont forcément présentées qui rendaient [...] incontournable » le fait d’évoquer le sujet avec Nicolas Sarkozy, expose-t-il encore. « Comme le compte rendu que je n’ai pas manqué de faire à la suite de son instruction (“Claude, voyez cela”), ou encore lorsque Thierry Herzog a parlé au président du mandat qu’il avait reçu. »

    Un mot fait ici chavirer la défense de Nicolas Sarkozy comme celle de Brice Hortefeux : c’est sur « instruction » que Claude Guéant dit avoir examiné les stratégies susceptibles de faire évoluer la situation d’Abdallah Senoussi et ce, jusqu’en 2009, lorsque ce dossier a finalement été clos. 

    Brice Hortefeux et Nicolas Sarkozy sont absents, mais doivent revenir mercredi. « Nous aborderons mercredi le débat autour des pièces communiquées par M. Guéant, qui nous sont parvenues hier », annonce le président, Olivier Géron, avant d’engager l’interrogatoire du jour, celui d’Alexandre Djouhri.

    L’intermédiaire fait partie des prévenus qui planent. C’est leur façon d’échapper à la réalité du dossier. Un jeu dans lequel Alexandre Djouhri excelle. Il est ailleurs. Pour la cour, c’est complexe. Olivier Géron tente de le raccrocher aux faits, tirant un fil invisible, mais le prévenu s’échappe, glisse et passe à autre chose. Surtout, Alexandre Djouhri est de bonne humeur. Sa devise fétiche, c’est « À l’attaque ». Alors, il donne le change, il rayonne, et gratifie dès qu’il le peut l’assistance d’un immense sourire. Pour le moment.

    Son argent était ailleurs, aussi. Caché dans les comptes de deux milliardaires saoudiens, Khaled Bugshan et son cousin Ahmed Salem Bugshan. La justice soupçonne Alexandre Djouhri d’avoir utilisé ces comptes comme une chambre de compensation avec l’aide du banquier Wahib Nacer, dont il était proche, et l’assentiment des cousins.

    « Vous avez un mode de fonctionnement qui consiste à utiliser les comptes de tiers..., résume le président Géron.

    -- Non, ça n’existe pas dans mes valeurs, élude-t-il. Je ne me suis jamais substitué à un tiers. Je ne suis pas résident fiscal français. À 67 ans, bientôt 68, je n’ai jamais été condamné. J’ai le droit de vivre comme je vis !

    -- Ma question est sur un mode de fonctionnement...

    -- Je suis poursuivi pour rien du tout, c’est un traquenard qui a été démonté. »

    Alexandre Djouhri se dit en « relation d’affaires » avec Khaled Bugshan depuis 2004 dans le cadre de « contrats d’État à État » de pièces détachées destinées à la marine saoudienne, dont certains semblent liés au marché des frégates saoudiennes Sawari 2. En vertu de ces contrats, ses propres fonds étaient noyés dans ceux des Bugshan. Quand il avait « besoin de prendre tant ou tant » d’argent, il puisait dedans. 

    Pot commun
    « Donc vous utilisez le compte d’un tiers... », réagit le président. « Non, c’est un partenariat », corrige-t-il, faisant sourire les avocats des cousins Bugshan qui se sont finalement retournés contre lui. C’est « un pot » partagé avec Khaled Bugshan, « qui reçoit l’argent et [ils] en dispose[nt] », résume-t-il.

    « Quel est l’intérêt ?, questionne le président.

    -- Je suis bâti comme ça, répond Djouhri. Ça ne veut pas dire que c’est quelque chose d’illicite.

    -- C’est laisser votre argent sur des comptes qui ne sont pas à votre nom.

    -- C’est un partenariat, répète-t-il.

    -- Vous avez des documents qui en attestent ?

    -- Demandez-le à Khaled Bugshan, il est dans les sables du désert parce qu’il a peur. »

    L’intermédiaire prétend que son « partenaire » lui doit encore 48 millions d’euros restés dans leur pot commun.

    « Concrètement, vous receviez des fonds, ça marchait comment ?, demande le président.

    -- Ça marchait comme je voulais. C’était mon argent.

    -- Vous n’aviez pas la signature sur les comptes.

    -- C’est moi qui donnais les instructions.

    -- À qui ?

    -- À Khaled.

    -- Donc, Khaled Bugshan qui a 4 milliards à gérer, il prend le temps de recevoir vos ordres de virement pour vos 48 millions qu’il a sur ses comptes ? »

    Ce n’est pas idiot selon Alexandre Djouhri qui prétend que Khaled Bugshan prenait souvent l’avion avec lui. Le milliardaire venait aussi à son domicile à Genève, et c’est pourquoi des « affaires personnelles » et certains documents y ont été retrouvés. Les avocats des cousins lèvent les yeux au ciel.

    Pour ramener le prévenu aux faits, le président Géron lui donne lecture de virements reçus, en différentes devises, pour 7 millions d’euros.

    « Est-ce que vous êtes d’accord ?

    -- Moi j’ai zéro problème. Je ne connais pas les comptes. Why not ? C’était en Suisse. Vous pouvez avoir des comptes numérotés secrets.

    -- Vous avez des comptes numérotés ?

    -- C’est les us et coutumes, Monsieur le président. C’était avant la perquisition...

    -- Vous en aviez ?

    -- Je ne m’en rappelle pas. C’est la banque qui s’en occupait.

    -- Vous aviez combien dessus ?

    -- Je n’ai jamais su. Je suis comme ça, Monsieur le président, c’est sincère. Je n’ai jamais fait de comptes. »

    Le président Géron plante silencieusement ses yeux dans ceux du prévenu, et reste dessus, pensif. Sa fermeté l’emporte sur la lassitude. Il embraye. L’enquête a trouvé la comptabilité secrète tenue par le banquier Wahib Nacer. Comment se fait-il que toutes les opérations litigieuses soient marquées « AD » ? Pourquoi aucun ordre de virement d’Ahmed Salem Bugshan n’a été retrouvé ? « Vous avez cet argent qui est au chaud dans les comptes Bugshan, comment vous faites ? » « Il n’y a rien de litigieux », maintient l’intermédiaire. Tout vient du « pot ». Tout vient d’Arabie saoudite.

    Un montage stupide
    Le président rappelle les 500 000 euros eux aussi partis du « pot », du compte de Khaled Bugshan, vers celui de Siva Rajendram, un avocat malaisien, qui effectuera un virement de 500 000 euros vers le compte de Claude Guéant, en contrepartie de deux tableaux, jamais retrouvés. Pour finir dans l’achat d’un appartement par le secrétaire général de l’Élysée en 2008.

    « Vous étiez informé de l’achat de l’appartement de Claude Guéant ?, questionne le président.

    -- Jamais de la vie, répond-il. Je ne sais même pas où il habitait. J’ai été surpris qu’il habite un 75 mètres carrés en rez-de-chaussée. Je lui aurais conseillé d’acheter plus grand !

    -- Lors de la perquisition de votre domicile, on a retrouvé chez vous le RIB de départ [de Khaled Bugshan – ndlr] et celui d’arrivée [de Claude Guéant – ndlr]...

    -- Je n’ai jamais eu ce RIB de Claude Guéant. Ce RIB, ils me l’ont déposé.

    -- Qui l’aurait déposé ? Ce sont les enquêteurs suisses ? Vous avez déposé plainte ?

    -- Non. En tout cas, c’est pas moi. »

    Le président pointe un virement de 600 000 euros effectué par un compte offshore d’Alexandre Djouhri vers le compte de Khaled Bugshan, « d’où étaient partis les 500 000 euros », avec la mention « AD ».

    « Les esprits malicieux peuvent se demander si ce n’était pas le remboursement de cette somme partie deux ans avant. Vous aviez demandé à Khaled Bugshan de payer les 500 000 euros ?

    -- C’est faux. Deux ans après, je lui fais toucher 100 000 euros de plus ? Deux ans après, je vais rembourser Khaled Bugshan ? C’est pas malicieux, c’est une construction pour justifier le traquenard. »

    Alexandre Djouhri explique qu’il ne « vit pas dans la norme », mais qu’il n’a « jamais lésé personne ». Il défie « la terre entière » de prouver le contraire. 

    « Je veux bien aider un ami, mais je ne vais pas aider un ami à faire un montage aussi stupide, résume l’intermédiaire.

    -- Ce n’est pas si absurde, ça cache bien les choses, juge le président.

    -- Non. Je ne savais même pas qu’il avait acheté un appartement. »

    L’affaire de la vente de la villa Nabila à Mougins en 2008 pour 10 millions d’euros – alors qu’elle n’en valait que 2 – au Libya Africa Investment Portfolio (LAIP), un fonds souverain présidé par Bachir Saleh, est aussi un petit chef-d’œuvre d’opacité. Où l’on a retrouvé les comptes Bugshan encore, et le banquier Wahib Nacer.

    De nombreux documents et témoignages désignent Alexandre Djouhri comme le vendeur de la villa, par le biais de la société offshore Aklal BV. Mais Alexandre Djouhri prétend n’avoir fait que représenter un ami, aujourd’hui décédé, dont il n’a jamais divulgué l’identité.

    « Je n’ai jamais été mêlé à cette opération, répète aujourd’hui l’intermédiaire. Il y a deux clients et moi je ne suis pas au Crédit agricole.

    -- On peut tout soutenir devant une juridiction, avertit le président. On peut tout dire. Mais tous les éléments semblent indiquer que pendant des années vous êtes apparu comme le propriétaire de la villa. »

    Rien n’y fait.

    « Président, je vous donne ma parole. Si j’étais bénéficiaire, je vous dirais je suis bénéficiaire...

    -- Et vos initiales “AD”, encore.

    -- “AD”, c’est un code. “AD”, “AD”, “AD”, non-stop...

    -- Oui enfin “AD” quand même. Il y a des “AD” qui vous gênent plus que d’autres.

    -- Non, il n’y aucun “AD” qui me gêne », réplique-t-il avec un sourire rayonnant.

    L’interrogatoire d’Alexandre Djouhri se poursuit mardi.

  • Commission Alloncle : l’audiovisuel public sur le grill
    https://www.off-investigation.fr/commission-alloncle-audiovisuel-public-sur-le-grill

    Charles Alloncle, député de l’UPR, à Paris, en France, le 23 décembre 2025. | Photographie de Daniel Perron / Hans Lucas via l’AFP Ce lundi 27 avril, les 30 députés composant la Commission d’enquête sur "la neutralité, le financement et le fonctionnement de l’audiovisuel public" devraient décider de rendre public - ou pas - le rapport du député ciottiste Charles Alloncle. Durant six semaines, Gauthier Mesnier, réalisateur du documentaire « Macron.tv : France Télévisions au garde-à-vous », #A revisité sans concessions une mise sur le grill inédite de l’audiovisuel public qui aura duré six mois. Les dirigeants de France Télévisions et de […]Lire la suite : Commission Alloncle : l’audiovisuel public sur le grill

    #Médias #Propagande,des« vilains »contre_la_démocratie-_S4 #Vidéos

  • [Vidéo] « Splann ! » dresse le bilan breton des municipales sur « #mediapart » avec l’autrice #Juliette_Rousseau et l’universitaire #Olivier_Tonneau
    https://splann.org/video-splann-fait-le-bilan-des-municipales-sur-mediapart-avec-lautrice-julie

    Partenaire de l’émission de Mediapart, Splann ! a pu présenter ses enquêtes, dresser le bilan des municipales en #Bretagne et engager la discussion autour des imaginaires indispensables pour éviter le pire en 2027. L’article [Vidéo] « Splann ! » dresse le bilan breton des municipales sur « Mediapart » avec l’autrice Juliette Rousseau et l’universitaire Olivier Tonneau est apparu en premier sur Splann ! | ONG d’enquêtes journalistiques en Bretagne.

    #La_vie_de_« Splann !_ » #élections_municipales #gauche #présidentielle

  • Commission Alloncle : Niel était au ski !
    https://www.off-investigation.fr/commission-alloncle-niel-etait-au-ski

    Xavier Niel suit la finale du tournoi de tennis de Roland-Garros, sur le court Philippe-Chatrier à Paris, le 8 juin 2025. | Photographie de Mustafa Yalcin / Anadolu via AFP Le 26 février dernier, Xavier Niel posait un lapin à la commission d’enquête sur l’audiovisuel public. 30 minutes avant d’être auditionné, il prétextait un « empêchement urgent » et « indépendant de sa volonté » pour se désister. Il se trouvait en réalité… en vacances à Courchevel, #A appris Off investigation auprès de sources concordantes. Mais où est passé Xavier Niel ? La commission d’enquête sur l’audiovisuel public bruisse d’un mystère. Convoqué […]Lire la suite : Commission Alloncle : Niel était au ski !

    #Médias #Politique

  • Hormuz, or the Art of the US-Israeli Duo in Using Blackmail to Drag Europeans into a Proxy War in the Gulf

    via https://diaspora.psyco.fr/p/12410907

    ♲ Athénien d’Isar / oAnth - 2026-04-17 22:19:48 GMT

    I would like to add: … then one should understand that, from the perspective of the U.S. and #Israel, the purpose of blocking the Strait of Hormuz is to draw the Europeans into the hostilities through dependence—or, rather, through blackmail. We have already seen a more sophisticated strategic approach on the part of the Anglo-Americans via #NATO / #OTAN in the war in #Ukraine, namely to engange the Europeans step by step in a #proxy_war starting in 2022 through selective #disinformation, uninterrupted psychological warfare, based on #media control and steering of political careers.

    #USA #États_unis

    ♲ @jwildeboer@social.wildeboer.net:

    When oil prices fall sharply after Iran declares the strait of Hormuz to be open and Trump says his blockade still stands, you know that capitalism has decided that Iran is more relevant than the US president. We live in weird times.


    • “Iran is once again blocking the Strait of #Hormuz” (Zeit.de) and reacts in response to the blockade imposed by the U.S.

      What follows a simple logic: a scenario in the Gulf that in any way serves the interests of the U.S. and Israel while deliberately harming others mostly in Asia and Europe.

      –-------------

      So einfach geht das: ein kalkuliertes Szenario, das de facto den USA und Israel auf Kosten anderer - den Asiaten und den Europäern - in die Karten spielt.

      piaille.fr/@zeitbot@muenchen.s…

      ♲ @zeitbot@muenchen.social:

      Iran schließt Straße von Hormus wieder wegen US-Blockade

      https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-04/iran-schliesst-strasse-von-hormus-wieder-wegen-us-blockade

    • Zeit.de / 18.04.2026

      Iran macht Öffnung der Straße von Hormus rückgängig

      Wenige Stunden war die Straße von Hormus offen, nun hat der Iran sie wieder für die Schifffahrt gesperrt. Grund seien Verstöße der USA gegen geltende Vereinbarungen.

      Der Iran verhängt wieder Beschränkungen für die Schifffahrt in der Straße von Hormus. Das teilte das Hauptquartier der Streitkräfte laut der Nachrichtenagentur Fars mit. Nachdem die Islamische Republik am Freitag die Öffnung der für den Handelsverkehr wichtigen Meerenge angekündigt hatte, begründete sie die Rücknahme des Schritts am Samstag damit, dass die USA gegen die Vereinbarung zu ihrer Wiedereröffnung verstoßen hätten.

      US-Präsident Donald Trump hatte am Freitag erklärt, trotz der angekündigten Öffnung durch den Iran die US-Blockade iranischer Häfen aufrechtzuerhalten. Das⁠ traf aber auf Widerstand im Iran. Parlamentspräsident und Chefunterhändler Mohammed Bagher Ghalibaf erklärte in den sozialen Medien, die für den weltweiten Ölhandel extrem wichtige Straße von Hormus werde »nicht offen bleiben«, sollte die Blockade der USA andauern.
      Trump droht mit Ende der Waffenruhe

      Die iranische Führung hatte die Öffnung für Handelsschiffe am Freitag nach dem Inkrafttreten einer Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon bekannt gegeben.

      US-Präsident Donald Trump hatte den Schritt begrüßt und gleichzeitig die Aufrechterhaltung der US-Blockade erklärt, sie solle bis zu einem Abkommen mit dem Iran über ein endgültiges Ende der Kämpfe bestehen bleiben.
      Iran

  • Bardella en Une de « Match » Les fantômes de Bolloré ravivent la guerre entre les héritiers Arnault
    https://www.off-investigation.fr/bardella-en-une-de-match-les-fantomes-de-bollore-ravivent-la-guerr

    Antoine Arnault (à gauche), représentant de la holding familiale Agache, Bernard Arnault (à droite), PDG de LVMH, et l’homme d’affaires français Vincent Bolloré assistent au bicentenaire du Figaro, à Paris, le 13 janvier 2026. | Photographie de JULIEN DE ROSA / AFP Les héritiers de Bernard Arnault se font la guerre pour la succession à la tête de LVMH. Xavier Niel, en couple avec la fille Arnault, est en embuscade. Les boules puantes fusent de tous côtés. Et la récente Une de Paris Match, consacrée à Jordan Bardella, #A brutalement ravivé les hostilités. Plongée exclusive au sein de la famille Arnault. « Des […]Lire la suite : Bardella en Une de « Match » Les fantômes de Bolloré ravivent la guerre entre les héritiers Arnault

    #Enquêtes #Médias

  • [Direct vidéo] « Splann ! » inaugure le Festival des médias indés avec #edwy_plenel et #guillaume_meurice, le 11 avril, à 15 h 15, à #Rennes
    https://splann.org/festival-medias-indes-rennes-2026

    Le théâtre de La Paillette reçoit le premier Festival des médias indés, à Rennes. Nous aurons l’honneur de l’inaugurer, ce samedi, à partir de 15 h 15. Notre #journaliste Julie Lallouët-Geffroy échangera avec Edwy Plenel lors d’une rencontre animée par Guillaume Meurice et retransmise en direct sur cette page. L’article [Direct vidéo] « Splann ! » inaugure le Festival des médias indés avec Edwy Plenel et Guillaume Meurice, le 11 avril, à 15 h 15, à Rennes est apparu en premier sur Splann ! | ONG d’enquêtes journalistiques en Bretagne.

    #La_vie_de_« Splann !_ » #ille-et-vilaine #journal #journalisme #média #médias_indépendants #presse

  • Conspiracy Watch L’anticomplotisme au service du pouvoir politique
    https://www.off-investigation.fr/conspiracy-watch-anticomplotisme-au-service-du-pouvoir-politique

    De gauche à droite : Rudy Reichstadt, Caroline Fourest, Manuel Valls, Tristan Mendès France. | Photomontage Off Investigation ; crédits : YouTube (France info, LCI) et wikimedia commons « Qui décide aujourd’hui de ce qui est vrai ou faux ? », s’interroge Laurent Dauré, auteur de « L’Anticomplotisme officiel. Une idéologie au service de l’ordre établi » (éditions Critiques). En analysant la partialité du site Conspiracy Watch, « référence » déclarée en matière de lutte contre la désinformation, le journaliste indépendant invite à penser plus globalement cet enjeu d’ampleur et son instrumentalisation par des réseaux d’influence bien implantés. Dans les eaux troubles […]Lire la suite : Conspiracy Watch L’anticomplotisme au service du pouvoir politique

    #Médias #Société #A

  • COMMUNIQUE INTERSYNDICAL SNJ, SNJ-CGT et CFDT-Journalistes
    Mission d’information sur l’IA : non à la banalisation de l’extrême droite

    Ce jeudi 2 avril, les trois principaux syndicats français de journalistes (SNJ, SNJ-CGT et CFDT-Journalistes) n’ont pas souhaité participer à une table ronde organisée à l’Assemblée nationale, intitulée « Création, diffusion et acquisition des connaissances : comment l’intelligence artificielle transforme notre éducation et notre culture ». Cette table ronde était organisée par une mission d’information que préside un député du Rassemblement national. Le SNJ et CFDT-Journalistes ont choisi de ne pas envoyer de délégation, et les représentants du SNJ-CGT ont quitté la salle dès l’ouverture des débats.

    Le thème de cette table ronde est pourtant au cœur de nos préoccupations et de nos luttes. Non seulement l’IA bouleverse le travail des journalistes dans les rédactions, mais elle déstabilise les modèles économiques de nos entreprises. Chat GPT et ses concurrents détournent déjà les lecteurs de nos journaux et sites web vers une prétendue information produite à partir du pillage de sources éparses. Leurs technologies sont aussi utilisées pour truquer des images et des sons, générer de la désinformation, dévoiler les sources des journalistes, voire usurper leur identité. Les conséquences éditoriales, sociales et déontologiques du déploiement de l’IA dans les médias sont colossales.

    https://entreleslignesentrelesmots.wordpress.com/2026/03/25/ensemble-faisons-digue-contre-lextreme-droite/#comment-73176

    #media #extremedroite

  • Six points factuels sur l’Iran, au-delà du brouillard médiatique
    https://lvsl.fr/six-points-factuels-sur-liran-au-dela-du-brouillard-mediatique

    La #République_islamique vacillerait sous les bombes. La population iranienne attendrait une libération venue des airs. Les #Etats-Unis interviendraient pour conjurer le risque du programme nucléaire iranien. Les Israéliens n’auraient aucune visée expansionniste. Depuis le commencement de la guerre, ces éléments sont ressassés par une série d’« analystes », parfois liés aux Etats-Unis - ou au fils du « Shah » d’Iran -, qui donnent la réplique à d’authentiques experts dans les débats télévisés. Face à cette confusion entre information et #Propagande, une frange de l’opinion tend à rejeter en bloc le discours médiatique, et à idéaliser la vie ordinaire des Iraniens d’avant les bombardements - malgré l’extrême brutalité de la répression qui s’est abattue sur les manifestants en janvier 2026. (…)

    #International #Gardiens_de_la_révolution #Guerre_en_Iran #impérialisme #Iran #médias

  • Le directeur de l’information de CNews condamné pour des violences sur ses trois enfants | Mediapart
    https://www.mediapart.fr/journal/france/260126/le-directeur-de-l-information-de-cnews-condamne-pour-des-violences-sur-ses

    Pendant la procédure et lors de l’audience, le patron de l’information de CNews affirme « ne pas être violent » mais reconnaît avoir giflé l’une de ses filles et lui avoir dit un jour : « Je veux que tu disparaisses de ma vie. » Il reconnaît aussi avoir donné des douches froides à son fils pour le calmer quand il « était très agité et difficilement gérable », mais assure que c’était à l’initiative de sa compagne.

    Selon le jugement consulté par Mediapart, les trois enfants ont détaillé les violences qu’ils reprochaient à Thomas Bauder, devant les enquêteurs mais aussi lors de l’audience publique qui s’est tenue le 10 septembre 2025. « Lors de son audition devant le tribunal, Jérémy* [13 ans] maintiendra avoir subi de manière régulière des violences physiques et verbales de la part de son père, peut-on lire dans la décision. Il expliquera qu’à la moindre bêtise il était rabaissé, qu’il pouvait être insulté de “sale con” ou d’“enculé”, qu’il recevait régulièrement des gifles au visage et qu’il avait aussi subi des douches froides du temps de la vie commune. Il expliquera avoir également reçu des coups de pied dans le ventre. »

    À la barre du tribunal, Sophie*, 10 ans, « expliquera qu’elle et ses frère et sœur recevaient très régulièrement des gifles de la part de leur père, à chaque fois qu’ils allaient à son domicile ». « Elle expliquera également que son père les insultait et leur rappelait tout le temps qu’il aurait aimé qu’ils ne soient pas là. » Au procès, Sarah*, 7 ans, livrera un témoignage similaire, « expliquant que son papa la frappait et l’insultait et la rabaissait ».

    ...

    En tant que directeur de l’information de CNews, Thomas Bauder est bien une personnalité publique – ses fonctions lui ont d’ailleurs valu d’être auditionné au Parlement à plusieurs reprises. Elles l’amènent à peser sur la manière dont les « violences éducatives ordinaires » sont traitées sur la première chaîne d’information en continu de France.

    Par ailleurs, lorsqu’il s’agit de traiter des violences faites aux enfants, Mediapart s’astreint à des précautions particulières, pour préserver l’intérêt des mineur·es concerné·es. Les parents ont été dûment sollicités, de même que leurs avocat·es. Dans notre article, nous nous contentons de faire état d’une décision de justice, rendue à l’occasion d’une audience publique (en décembre 2025) ; ainsi que d’éléments débattus lors du procès lui-même (en septembre 2025), qui s’est déroulé classiquement, sans le moindre huis clos. Les trois enfants eux-mêmes ont souhaité y témoigner.

    #enfance #violence #retrogrades #bollore #medias #xdroite

  • Rima Hassan et la génération Palestine
    Chronique d’Emilie Nicolas | 1 avril 2026 | Le Devoir
    Anthropologue, l’autrice est chroniqueuse au Devoir, à Radio-Canada et à CBC.
    https://www.ledevoir.com/opinion/chroniques/968822/rima-hassan-generation-palestine

    En novembre 2024, la rapporteuse spéciale de l’ONU sur la situation des droits de l’homme dans les territoires palestiniens occupés depuis 1967, Francesca Albanese, entame une visite au Canada. Elle doit donner une série de conférences dans les universités, en plus de rencontrer des groupes de défense des droits en privé. B’nai Brith lance une campagne de dénonciation de sa venue au pays. Selon le groupe de pression pro-israélien, Albanese « défend des groupes terroristes responsables de la mort de Canadiens et d’Israéliens », et endosse « l’antisémitisme et la violence ». B’nai Brith met donc de la pression sur la direction de chacune des universités où elle doit prendre la parole pour tenter — sans succès — de faire annuler ses prises de parole. Le groupe en profite, sur ses réseaux sociaux, pour « presser le gouvernement d’empêcher les orateurs pro-terreur et antisémites d’entrer au Canada, et de reconsidérer le rôle du Canada à l’ONU, étant donné le rôle d’agences comme l’UNRWA qui encouragent l’antisémitisme ».

    J’ai eu l’occasion de rencontrer Francesca Albanese en privé à Montréal en novembre 2024. Je vous annonce formellement aujourd’hui les conclusions de mon enquête : elle ne mord pas. Assez de gens hautement plus qualifiés que moi en sont venus à la même conclusion, si bien qu’elle est pressentie pour un prix Nobel de la paix.

    Vendredi dernier, B’nai Brith célèbre. L’eurodéputée française Rima Hassan est empêchée d’entrer au Canada, après que des « informations » ont été fournies à l’agence frontalière par le groupe. Il met aussi de la pression sur l’Université Concordia pour faire annuler une conférence qui doit se tenir en virtuel, car « le Canada n’est pas une plateforme pour ceux qui justifient le terrorisme et glorifient la violence ». Or, Rima Hassan, pas plus que Francesca Albanese, ne fait l’objet d’aucun procès ou d’aucune condamnation en justice qui viendrait appuyer la grave nature des accusations lancées. Il lui est arrivé, à propos du Hamas, d’avancer que les peuples colonisés ont droit à la résistance en droit international, tout en condamnant les prises d’otages et les attaques contre les civils du 7 octobre 2023.

    À titre de chroniqueuse, j’ai été invitée à participer à un panel, mardi soir, à la suite d’une allocution que Rima Hassan a dû tenir en virtuel, sur les résistances contre l’extrême droite et le fascisme. Et nous nous sommes entretenues au téléphone pendant plus d’une heure, mardi matin. Vite comme ça, les conclusions de cette deuxième enquête, c’est que Rima Hassan ne mord pas non plus. (...)

    • Honte à la justice française qui cède aux génocidaires ! La loi Yadan n’a pas été votée mais elle s’applique déjà.

      Le député * Matthias Renault [ RN, énarque et ancien magistrat financier ] annonce saisir la procureure de la République de Paris après une publication de l’eurodéputée LFI Rima Hassan évoquant Kōzō Okamoto, membre de l’Armée rouge japonaise impliqué dans l’attentat de l’aéroport de Lod en 1972. Dans un message publié sur X, Rima Hassan citait Okamoto :
      « J’ai consacré ma jeunesse à la cause palestinienne. Tant qu’il y aura oppression, la résistance ne sera pas seulement un droit, mais un devoir. »
      Or Kōzō Okamoto est l’un des auteurs de l’attaque terroriste menée le 30 mai 1972 à l’aéroport de Lod (aujourd’hui Ben Gourion), qui a fait 26 morts et plus de 80 blessés parmi les civils.
      Dans son courrier adressé au parquet de Paris, le député [ RN ] estime que cette publication pourrait relever de l’article 421-2-5 du code pénal, qui sanctionne l’apologie publique d’actes de terrorisme, notamment lorsqu’elle est diffusée en ligne.
      📌La justice devra désormais déterminer si la publication constitue une simple citation dans un contexte politique ou une valorisation d’un auteur d’attentat terroriste.

      https://x.com/SlMONWEINBERG/status/2037553432651759893

      « Soutien à Rima Hassan. Dans son tweet, elle a simplement partagé une citation de Kōzō Okamoto. Elle n’a pas glorifié ou soutenu des actes dont il pourrait être l’auteur.
      Pendant ce temps, ceux qui soutiennent à longueur de plateaux télés le génocide à Gaza ne sont pas inquiétés. »Camille @K1000Journalist

      * Prise de positions dudit personnage :

      En janvier 2025, à la suite d’une enquête évoquant un monopole de certification halal au profit de la Grande mosquée de Paris pour des exportations vers l’Algérie, il adresse un signalement à la procureure de la République de Paris. Il s’interroge sur l’attribution d’un opérateur unique et qualifie le mécanisme de droit de douane « de fait » imposé aux exportateurs, obligatoire et payant. Il estime qu’un tel montage pourrait relever de l’extorsion et souligne la dimension de souveraineté et de sécurité liée aux circuits de financement.

      En juillet 2025, dans le cadre de la polémique liée à des messages antisémites attribués à une étudiante gazaouie accueillie en France, il interpelle les autorités sur les procédures de sélection et de « criblage » avant entrée sur le territoire. Il questionne explicitement les protocoles de sécurité ayant permis l’arrivée de la jeune femme, l’affaire conduisant le ministre des Affaires étrangères, Jean-Noël Barrot, à reconnaître une défaillance et à annoncer une enquête interne.

      En novembre 2025, en écho aux manifestations au Royaume-Uni, il affiche un drapeau français à la fenêtre son bureau de l’Assemblée nationale, ce qui suscite des discussions internes sur les règles applicables et la conduite à tenir. Le député revendique un geste de nature patriotique, tandis que l’administration de l’Assemblée « tergiverse » sur la réponse à apporter. L’épisode est présenté comme un différend de protocole et de symboles au sein de l’institution.

      En janvier 2026, il signe un amendement contre le financement par le contribuable de « structures idéologiques et militantes » citant en exemple les Rencontres trans musicales qui seraient un festival de musique d’artistes transgenres, alors que ce n’est pas le cas, et lui vaut d’être moqué dans plusieurs médias.https://www.huffingtonpost.fr/politique/article/le-depute-rn-matthias-renault-verse-dans-le-ridicule-en-essayant-d-at

    • https://www.franceinfo.fr/politique/la-france-insoumise/l-eurodeputee-lfi-rima-hassan-placee-en-garde-a-vue-pour-apologie-du-terr

      Lors de cette garde à vue, une petite quantité de drogue de synthèse a été découverte dans le sac de l’eurodéputée, rapporte par ailleurs à franceinfo une source proche du dossier. Selon cette même source, Rima Hassan a expliqué aux enquêteurs avoir acheté du CBD à Bruxelles, et que la drogue lui avait été donnée à son insu. Sa garde à vue a été étendue aux faits de « transport », « détention », « usage de stupéfiants » et « refus de se soumettre aux relevés signalétiques ».

    • Régis de Castelnau :

      Coucou les amis magistrats !
      Eh bien dites donc, quand il s’agit de faire plaisir à Netanyahu et Ben Gvir, vous faites progresser la jurisprudence. Voilà que le procureur fait mettre en garde à vue une parlementaire sans respecter son immunité issue de la Constitution. Et ce sur un signalement d’un député du RN devenu le petit télégraphiste zélé des génocidaires israéliens. On imagine que pour le remercier, Ben Gvir va lui offrir le pin’s avec le nœud coulant.
      Alors on convoque Rima Hassan, qui commet l’erreur de se rendre à la convocation, on fouille son sac (!!!!!!) et on prétend y avoir trouvé de la drogue. Et on prévient la presse. Astuce ! Comme ça on prétend qu’il y a un flagrant délit et que l’immunité parlementaire ne fonctionne pas. Décidément vous êtes créatifs quand il s’agit de complaire à Netanyahu.
      Jusqu’où allez-vous déshonorer ?

      https://x.com/R_DeCastelnau/status/2039723747750363282

    • Rima Hassan. @RimaHas
      12:40 AM · 3 avr. 2026
      https://x.com/RimaHas/status/2039835443722645981

      Je réserve l’ensemble de mes déclarations à la conférence de presse que mon avocat et moi tiendrons demain après-midi.

      Pendant toute la journée, sur la base de fuites illégales, j’ai dû subir des accusations m’imputant la possession de plusieurs drogues. Ces accusations sont totalement fausses : seule la présence de CBD a été constatée parmi mes effets personnels, ce qui est parfaitement légal et que j’utilise à des fins médicales.

      Mon avocat engagera des poursuites pour diffamation contre toute personne ayant propagé ou relayé ces fausses rumeurs.

    • Rima Hassan :

      Quelques éléments importants avant la conférence de presse de 17h :

      • C’est toutes les procédures pour lesquelles j’ai été auditionnée jusqu’à présent en audition libre qui ont été classées sans suite, 13 sur 16 au total en grande majorité des plaintes déposées par le lobby pro israélien en France ciblant mes opinions politiques sur le génocide à Gaza et la Palestine. (Plainte de Bellamy classée, appel au soulèvement à Sciences po classée, légitimité de la lutte armée à Gaza et sur l’action du Hamas classée et toutes les autres qui s’y assimilent 13 sur 16 donc ).

      • Sur les 3 procédures restantes encore ouvertes
      – celle d’hier sur la citation de Kozo Okamoto qui donnera lieu à une audience le 7 juillet ✌️
      – et les 2 auditions de ce matin (sur le one by one de l’article faisant référence aux activités du Hamas contre les milices affiliées à l’Etat islamique soutenues et financées par Israël à Gaza, plainte là aussi déposée par l’organisation juive européenne OJE et l’organisation juive française OJF, puis une plainte déposée par le collectif d’extrême droite Némésis pour un post en collab d’un collectif étudiant qui dans sa publication a relayé un tag ciblant Némésis , post qui a été supprimé par ce même collectif étudiant le même jour à ma demande).

      • Enfin sur la question de la drogue, j’avais sur moi du CBD hier en me rendant à ma garde à vue utilisé à des fins médicales, sur les 2 CBD que j’avais l’un a été testé conforme à ce qui se vend légalement, et le deuxième selon les enquêteurs contenait des traces de drogue de synthèse qui aurait été ajoutée à la résine de CBD, jai fait savoir où j’avais acheté légalement ce CBD. Des vérifications sont simplement en cours sur l’origine de ce CBD pour corroborer mes déclarations. J’ai aussi effectué un test urinaire qui a confirmé la seule présence de faible trace de THC dû à la consommation du CBD ce qui a été confirmé par le médecin. Toutes les informations qui font référence à la détention de drogues sont fausses et ont été sciemment relayées dans le seul but de me nuire dans le cadre des procédures dont je fais l’objet et je me réserve la possibilité d’engager des poursuites en ce sens.

      Merci pour tous les mots de soutien et de solidarité.

      https://x.com/RimaHas/status/2040020134287282629

    • Dans l’extrait, [ où intervient le minable Paul Larrouturu ] on comprend bien que le journaliste a imaginé sa séquence et cherche LA phrase. Peut être même que ça l’arrange que R. Hassan l’ai renvoyé à l’audience du 7 juillet, ça permet de dire dans son reportage « elle n’a pas voulu répondre ».

      Il ne porte que peut d’intérêt au fond de l’affaire, à savoir, est ce que c’est de « l’apologie du terrorisme » de citer le responsable d’un attentat dans un tweet (vrai question, intéressante, qui en plus aura permis de parler de cette histoire méconnue de Kozo Okamoto)

      Autre moment tendu : l’échange avec un journaliste de BFM qui défend la couverture de sa chaîne télé alors qu’on lui dit qu’elle a diffusé des fake news et a contribué à l’acharnement médiatique injustifié de Rima Hassan.

      C’est pas tout à fait la même dynamique : un journaliste se sent obligée de portée secours au média qui l’embauche. Alors que la vraie question c’est : BFM a été en boucle sur cette affaire, quitte à raconter de la D, parce que c’est son fond de commerce / son modèle économique.

      Tout ça c’est pas nouveau. Ce qui l’est, c’est que des différences de manière de travailler / de déontologie ont été exposées de manière crue, en public et en direct. Pour moi c’est hyper positif :
      Pour une fois, les journalistes ont montré autre chose qu’une petite corporation bourgeoise/parisienne qui se soutien coûte que coûte (j’exagère à peine).

      Les médias, les journalistes, n’ont pas la même ligne éditoriale, ne répondent pas aux mêmes exigences, ne sont pas soumis aux mêmes pressions et impératifs économiques.

      Ça veut pas dire qu’il y d’un côté les bons et de l’autre les mauvais, ça veut dire que « les journalistes » ou « les médias » ça veut pas dire grand chose, que c’est pas un ensemble homogène. Et vu la défiance (méritée) envers nous, ce genre d’épisode permet de montrer tout ça.

      Bref, force à la journaliste Khadija Toufik, soutenez la presse indépendante !
      https://x.com/Theo_Bouh/status/2040150406441914548

    • Quand sa consœur Khadija Toufik qui risque sa vie sur le terrain l’interpelle sur le génocide perpétré par Netanyahou, Paul Larrouturou la prend de haut et affiche un sourire insolent. C’est vrai qu’il y a de quoi se marrer...

      Paul Larrouturou m’a demandé, de façon arrogante, « qui je suis » lorsque je l’ai interpellé sur le génocide à Gaza, alors qu’il posait les mauvaises questions à Rima Hassan. Je suis grande reporter indépendante de terrain. J’ai couvert les crimes israéliens en Palestine et je n’ai pas vu grand monde en Cisjordanie occupée, qui est pourtant accessible contrairement à Gaza. Les grands médias doivent se remettre en question et poser les bonnes questions.
      Pourquoi personne n’évoque le terrorisme de Benyamin Netanyahou, recherché par la CPI pour crimes de guerre et crimes contre l’humanité dans un contexte d’occupation illégale au regard du droit international ? C’est tout le sujet aujourd’hui ! Les médias ont une responsabilité ! Khadija Toufik

    • « C’est ce qu’on appelle une masterclass : bravo !

      Avec l’usage pervers de la parole, il faut toujours être clair comme le fait le député ici. »
      https://www.youtube.com/watch?app=desktop&v=icSZ2jf-pbs

      Franceinfo m’invite pour parler des dépendances de nos armées vis-à-vis de l’étranger.
      Je me retrouve à commenter la garde à vue de #RimaHassan, juste après un conseiller municipal LR présenté comme « politologue ».
      Le service public mérite mieux que ce propagandisme à la CNEWS.

      Le recadrage ferme et salutaire au tout début de la vidéo de 00:00 à 02:01 ! Excellente remise en place du service public !

    • Même la barbouzerie demande du professionnalisme. C’est pourquoi il faut remercier l’amateurisme du cabinet du ministre de la Justice dont le porte-parole a téléphoné de tous côtés pour commenter le déroulement de la garde à vue de Rima Hassan. « Le Canard enchaîné » l’a entendu ! Peut-être le conseiller bavard en lisait-il le déroulement grâce à un code d’accès sur le matériel de ceux qui sur place en relevaient le contenu. Je dis sans doute. Car je n’ai pas pu le voir moi-même, quoique j’habite le quartier du commissariat où Rima Hassan a été détenue. Mais j’ai été très sensible au message sicilien que cette proximité m’adressait peut-être. J’ai dit : peut-être. Tout avait été calculé aux petits oignons par monsieur Nuñez et ses potes au ministère de la Justice. Peut-être, aussi. Patatras ! L’ivresse de l’action, le flot de l’adrénaline et hop, le dérapage ! On aurait trouvé de la drogue dans le sac de Rima ! De la drogue ! Rima Hassan « pro terroriste et camée » comme dit le subtil David Lisnard pour l’insulter sans vergogne, tout président de l’Association des maires de France qu’il est censé être encore. « Des maires » peut-être, mais pas de tous puisqu’il n’a pas eu le temps ni le réflexe de prendre contact avec ses collègues de la Seine-Saint-Denis grossièrement insultés par l’officialité médiatique. Mais revenons au sujet. Bien sûr, il n’y avait pas de drogue ni rien qui y ressemble dans le sac de Rima. Seulement un produit légal à usage médical dont Rima a aussitôt donné la facture et la carte de visite du lieu d’achat. Mais d’ailleurs imagine-t-on sérieusement qu’une personne se droguant viendrait au commissariat avec ses produits le jour d’une garde à vue ? Donc pas de drogue. Mais grâce à la fuite organisée au ministère et au circuit barbouzard de diffusion de « l’information » ce fut un déchaînement. Tous les rigolos de la presse audiovisuelle et leurs compères abrutis de haine anti-insoumise dans la presse écrite régionale se sont lâchés. Habitués à recopier les infos données par la police moyennant on ne sait quoi, ils n’ont rien vérifié, rien discuté. Bilan pour tous ces pieds nickelés : l’Arcom est saisie et les plaintes pleuvent sur les auteurs des articles diffamatoires. Il fallait en voir plus d’un se tortiller sur les plateaux de télé pour diminuer leur responsabilité et combien de chaînes de télé continuer d’afficher des bandeaux ambigus pour créer de la confusion. Quant au barbouze du ministère, c’est une première : l’inspection générale lui tombe dessus. Sans précèdent : une enquête pour un viol du secret de l’instruction. Nous savons à quel point c’est incroyable vu comment ont été traitées plus d’une d’entre nous dans des conditions identiques. La justice n’a jamais ni poursuivi une seule personne responsable de ce délit ni puni une seule fuite. Personnellement, je suis convaincu que personne ne le sera, comme d’habitude. Ce sera parfait car le ridicule dans toute cette affaire est promis à se montrer bientôt encore plus crûment.

      Je mets à la suite de ce post le relevé des « affaires » déclenchées contre Rima Hassan. Et les non-lieux qui vont avec. Treize sur seize ! Et quoique le déclenchement vienne des mêmes personnes, jamais une sanction pour abus de recours comme d’autres parmi nous en ont connu. On va voir la suite. Ni la justice ni la police ne sont acquises de la cave au grenier aux manipulateurs de tout ce harcèlement. Rappelons-le : les informations sur les manquements dans l’affaire de Lyon sont venues de la police elle-même. Les non-lieux rendus à propos des mises en cause de Rima Hassan sont des décisions de justice prises par des juges. Il ne faut pas désespérer de notre pays. Mais plus vite viendra la libération, mieux ce sera. Rendez-vous en 2027.

      L’affaire « barbouze contre Rima Hassan » ne fait que commencer. On peut promettre ici d’autres épisodes savoureux.

      Et nous n’oublions pas l’affaire de Lyon où police, justice et médias se sont bien tenus par la barbichette pour produire un récit sans rapport avec les faits. Ils ont manqué à tous leurs devoirs en laissant faire le jour de la rixe à laquelle participait Quentin Deranque et dont il est mort. Tout cela pour pouvoir coller à Rima une responsabilité dont les barbouzes savaient de façon documentée qu’elle était innocente. Et cela alors que le même ministère et celui de l’Intérieur connaissaient minute par minute la situation. Et même la photographiait. Et n’ont pas apporté assistance à personne en danger. Vous allez voir, chers lecteurs, comme la suite va être intéressante dans ce domaine aussi !

      Encore une histoire de pieds nickelés macronistes. « Non à la loi Yadan » ! Une pétition utile collecte les signatures sur le site de l’Assemblée nationale. Plus de six cent mille personnes ont déjà signé. Il s’agit de contrer le vote de la proposition de loi présentée par madame Yadan, députée des Français de l’étranger. Son texte vise à rendre obligatoire l’approbation de la politique du gouvernement israélien en assimilant toute critique de celui-ci à de l’antisémitisme. Ce texte devait être voté à la sauvette par une modification de l’ordre du jour de l’Assemblée jeudi dernier. Ce coup tordu a été démasqué par Mathilde Panot, la présidente du groupe parlementaire insoumis. En effet Yadan avait envoyé un mail à divers « amis » pour qu’ils soient présents le jour du vote alors même que celui-ci n’avait été ni décidé ni même demandé ! Le lièvre étant levé, nul ne peut plus l’arrêter. La loi a bénéficié de la conjonction de plusieurs composants caractéristiques du moment. D’abord l’indignation de savoir que quelqu’un pouvait manipuler l’ordre du jour de l’Assemblée de la veille pour le lendemain. Ensuite le dégoût suscité par la loi sur la peine de mort pour les résistants palestiniens en Israël. Enfin la nouvelle vague de crimes de guerre au Liban.

      En effet et pour ne citer que cela, il faut dire combien, au lendemain du vote de la loi raciste de la Knesset (Chambre parlementaire en Israël) sur la peine de mort réservée aux Palestiniens, nombre de parlementaires commencent à prendre la mesure de ce que représente moralement et politiquement le « soutien inconditionnel » que la loi Yadan rendrait obligatoire. Beaucoup ont déjà regretté publiquement même leur conduite passée sur le sujet et reconnu le génocide. On a vu récemment de hauts décideurs socialistes dénoncer le génocide et les autres crimes de guerre de l’armée de Netanyahu comme un tout. C’est le cas d’Olivier Faure pour ne citer que la figure du repenti la plus spectaculaire. Je crois que cette fois-ci beaucoup vont encore changer de camp. Certes leur sincérité est voisine de zéro et leur opportunisme au top niveau. Peu importe. Ce qui compte, c’est le résultat. C’est-à-dire l’isolement croissant du gouvernement Netanyahu devenu désormais quasi absolu en France. Par exemple, le groupe socialiste a retourné sa veste et décidé de ne pas voter la loi. Cela même si Guedj, Hollande et Grégoire étaient ses premiers signataires et le restent. En tous cas le texte de la pétition expose avec une grande clarté les raisons rationnelles de la signer.

      « Ce projet de loi, porté par Caroline Yadan, prétend lutter contre de nouvelles formes d’antisémitisme.

      Cependant, lorsque l’on lit l’exposé des motifs, on remarque un amalgame entre l’antisémitisme et la critique d’Israël (antisionisme). On peut lire par exemple : « Cette haine de l’État d’Israël est aujourd’hui consubstantielle à la haine des Juifs. L’appel à la destruction de cet État, parce qu’il forme un collectif de citoyens juifs, est une manière détournée de s’attaquer à la communauté juive dans son ensemble. »

      Cet amalgame opéré par Caroline Yadan n’est pas innocent. En effet, en 2025, un tribunal correctionnel a relaxé une personne accusée d’antisémitisme pour avoir soutenu la cause palestinienne. Ce même tribunal a énoncé : “La référence à Israël ou au sionisme, défini comme un mouvement politique et religieux visant à l’établissement puis à la consolidation d’un État juif en Palestine, ne peut, à elle seule, être interprétée comme visant la communauté juive dans son ensemble”.

      On peut donc craindre que ce projet de loi ne cherche à contrer ces relaxes et à obliger les juges à opérer cet amalgame entre antisémitisme et antisionisme afin de faire taire toute critique contre Israël.

      Cet amalgame est scandaleux pour trois raisons :

      – Il représente un réel danger pour la liberté d’expression, en muselant tout soutien à la cause palestinienne. Si ce projet de loi devait être voté, des slogans pacifistes comme « l’égalité et la liberté pour tous de la mer au Jourdain » pourraient faire l’objet de condamnations judiciaires. Le travail des journalistes et des chercheurs.e.s pourrait également s’en retrouver censuré.

      – Il appuie indirectement la colonisation de la Palestine par Israël, illégale au regard du droit international.

      – Il dessert la lutte contre l’antisémitisme en assimilant les Juives et les Juifs à la politique de Benjamin Netanyahou alors que nombre d’entre elleux critiquent ouvertement (et à juste titre) cette politique mortifère.

      Oui, il faut lutter contre l’antisémitisme de toutes nos forces, comme contre toutes les autres discriminations. Mais pas en muselant la liberté d’expression ni en assimilant la communauté juive à la politique de Benjamin Netanyahou.

      https://melenchon.fr/2026/04/10/meme-la-barbouzerie-demande-du-professionnalisme

    • https://www.acrimed.org/Rima-Hassan-et-la-drogue-fiasco-mediatique

      Jeudi 2 avril 2026, trop pressées de taper sur l’une de leurs cibles favorites, de nombreuses rédactions ont propagé des fausses informations à propos de la garde à vue de la députée européenne LFI Rima Hassan, distillées au goutte-à-goutte et en direct par leurs sources policières. Ce naufrage médiatique illustre à merveille la dynamique du journalisme de préfecture, enclenchée par des services « police-justice » n’ayant aucun mal à fouler au pied les principes élémentaires du journalisme, pour peu que leur source fût la police.

  • Scandale des aides à la presseComment Macron subventionne ses amis milliardaires
    https://www.off-investigation.fr/aides-a-la-pressecomment-macron-subventionne-ses-amis-milliardaire

    Sous la présidence Macron, les subventions publiques aux journaux ont pris des proportions inédites. Cette mise sous perfusion de la presse écrite se fait au mépris des principes élémentaires de transparence et d’équité. Quant aux « États généraux du droit à l’information » promis par le président, ils semblent remis aux calendes grecques. Lire la suite : Scandale des aides à la presseComment Macron subventionne ses amis milliardaires

    #Enquêtes #Médias #A

  • Méga plan social Prisma Media : les salariés menacés par les risques psychosociaux
    https://www.off-investigation.fr/mega-plan-social-prisma-media-les-salaries-menaces-par-les-risques

    Photomontage Off Investigation Le leader de la presse magazine en France, propriété du milliardaire Vincent Bolloré, prévoit de sabrer 261 postes soit environ 40 % de ses effectifs. Les représentants syndicaux de Prisma Media, qui alertent sur une « catastrophe » à venir, préparent la riposte. Ce lundi 30 mars, la nouvelle #A fait l’effet d’une bombe. La direction du groupe Prisma Media, racheté en 2021 par Vivendi (Capital, Voici, Ça m’intéresse, Télé Loisirs, Géo, etc.), a présenté aux représentants du personnel un plan de suppression de 261 postes, dont 90 journalistes. Soit 40 % de ses effectifs. C’est par visioconférence que la […]Lire la suite : Méga plan social Prisma Media : les salariés menacés par les risques psychosociaux

    #Économie #Médias

  • Polarisation extrême et militante des médias dominants, contre la gauche
    https://ricochets.cc/Polarisation-extreme-et-militante-des-medias-dominants-contre-la-gauche-91

    Quelques exemples de la croissante propagande droitiste et anti-gauche des médias dominants, militants à présent clairement pour la droite et l’extrême droite avec leurs éditorialistes et invités récurrents. Tandis que l’extrême centre fait de même et que les brutalités de nervis de droite ou d’extrême droite ne font pas la une. La pseudo neutralité des médias a toujours été une fiction, mais cette fois on voit bien que la plupart suivent une très mauvaise pente. Une semaine de (...) #Les_Articles

    / #Médias_et_expressions, Autoritarisme, régime policier, démocrature...

    #Autoritarisme,_régime_policier,_démocrature...
    https://contre-attaque.net/2026/03/26/une-semaine-de-propagande-a-la-tele-francaise
    https://contre-attaque.net/2026/03/24/a-nimes-et-nice-deux-attaques-fascistes-coup-sur-coup-contre-des-mil
    https://contre-attaque.net/2026/03/25/la-macronie-recidive-et-senfonce-dans-labyme
    https://contre-attaque.net/2026/03/29/lbd-a-saint-denis-decryptage-de-la-derniere-panique-morale-de-la-dro

  • « Politiser Loana, c’est rappeler qu’elle avait, très tôt, été abandonnée à des violences dont nous continuons de sous-estimer l’ampleur et la gravité »
    https://www.lemonde.fr/idees/article/2026/03/26/politiser-loana-c-est-rappeler-qu-elle-avait-tres-tot-ete-abandonnee-a-des-v

    Tribune

    Alice Gayraud

    Ancienne responsable du plaidoyer de la Commission indépendante sur l’inceste et les violences sexuelles faites aux enfants

    L’enfance de la candidate du « Loft », morte le 25 mars à 48 ans, avait été marquée par l’inceste, rappelle l’ancienne responsable du plaidoyer de la Ciivise Alice Gayraud, citant le journaliste Paul Sanfourche. Les 160 000 enfants victimes de violences sexuelles chaque année ont trois fois plus de risque de subir des violences tout au long de leur vie, souligne-t-elle dans une tribune au « Monde ».

    #enfance_violée
    #continuum_traumatique
    #VSS
    #loft_story
    #sexisme_institutionnel
    #M6

    • Loana, 25 ans d’humiliation en direct (ASI)

      "Loana a 23 ans. Depuis cinq ans, elle est go-go-dancer." C’est sur ce commentaire en voix off, accompagné d’un zoom-dézoom sur la poitrine de la jeune femme qui danse, que la France découvre Loana Petrucciani, plus connue sous son seul prénom, le 26 avril 2001, dans le premier épisode de Loft Story. La deuxième image est un plan de coupe sur ses fesses. Avant même de voir son visage, le programme présente à la France entière le corps de la jeune femme. Loana, pour M6 qui diffuse l’émission, c’est des seins et des fesses avant tout.

      Dans ce portrait qui dure quelques minutes, Loana raconte avoir dû travailler très tôt, dû à l’hospitalisation de sa mère, qui l’a laissée "avec tout à gérer : le loyer, les factures", à 17 ans. "Je véhicule une certaine image, grande, blonde, sexy, et paillettes et strings, puisque je travaille en boîte de nuit", résume-t-elle. "Mais en réalité, je suis très introvertie. Je suis timide, réservée, pudique." On découvre une jeune femme attachante, qui regrette de ne pas avoir pu faire des études, adore son chien, est "fidèle en amitié et idéaliste en amour", selon la voix off. Une fille sympa, un peu naïve comme on peut l’être à 23 ans, pleine d’espoir malgré un parcours déjà cabossé. Les producteurs de Loft Story, racontait le journaliste Paul Sanfourche dans notre émission dédiée à la série inspirée de l’émission, "ont tout de suite compris le potentiel de femme-objet de Loana" et étaient dès les débuts "extrêmement avides d’exploiter son image télévisuelle".

      Et son image n’a pas cessé d’être exploitée depuis. En février 2024, elle était invitée par Cyril Hanouna sur le plateau de Touche pas à mon poste, et témoignait de l’agression sexuelle qu’elle a subie. L’ancienne star du Loft, multi-traumatisée, y balbutiait sous les moqueries des chroniqueurs et les rires du public. "Viol, agressions, addictions : Loana se livre en exclusivité !" scandait le bandeau de TPMP tandis que Loana se noyait, en direct, dans ses propres mots. L’Arcom avait ensuite mis C8 en demeure pour atteinte à la dignité humaine.

      Loana Petrucciani a été retrouvée morte à 48 ans, le 25 mars 2026, seule chez elle, à Nice. Ce sont ses voisins qui ont appelé la police. Ses proches ne l’avaient pas vue depuis des jours, voire des semaines, et ne s’en étaient apparemment que peu inquiétés. Son chien a été retrouvé mort auprès d’elle. C’est dans l’isolement, les addictions et une solitude extrême que cette femme, lessivée par deux décennies de violences médiatiques, s’est éteinte.

      Le même jour, Hanouna et sa clique de charognards apprenaient la nouvelle en direct dans Tout beau tout neuf. "On apprend en direct un drame", annonçait Hanouna. "Drame épouvantable, Cyril", renchérissait Gilles Verdez. "Beaucoup d’émotions, évidemment, quand on la recevait... On est très secoués, c’est absolument tragique." Hanouna raconte une "anecdote" : "Elle m’avait appelé en me disant : « Je veux bien venir sur le plateau, mais j’ai perdu toutes mes dents. »" Il explique avoir fait intervenir "un pote dentiste en urgence", ce pour quoi elle l’a "beaucoup remercié" ensuite. Quel hommage touchant... Le chroniqueur Jordan De Luxe ajoute que "Loana était malheureusement beaucoup dans le passé, elle ne parlait que du passé." La faute à qui ? Depuis le 16 avril 2001, les médias ont refusé à Loana le droit d’être autre chose que la "go-go-dancer" de 23 ans qu’ils avaient adoré filmer et exploiter sous toutes les coutures. Et lorsqu’elle a cessé d’être cette femme-objet, on l’a rabaissée jusque dans sa mort : cette semaine, Charlie Hebdo a publié une caricature dégoulinante de sexisme, de classisme, de grossophobie et de toxicophobie. M6, la chaîne qui l’a rendue célèbre, a diffusé dans son JT les images de son corps transporté sur une civière.

      En 48 ans, Loana aura vécu vingt-trois ans d’anonymat et de galères - son enfance a été marquée par la violence et l’inceste -, deux mois de célébrité soudaine dans le Loft, et vingt-cinq ans à en payer le prix. Une vie broyée par l’humiliation patriarcale en direct.

      https://www.arretsurimages.net/chroniques/sur-le-gril/loana-25-ans-dhumiliation-en-direct

    • Coucou @inadvertance, ça me fait pas du tout marrer de voir arrêt sur images cité pour parler de patriarcat. Il y a longtemps, j’étais jeune et naïve et j’ai eu l’idée et du contenu de cette émission de télévision et de son titre et je devais m’associer à Alain Jaubert, grand pote de Schneiderman et créer une maison de production. Au lieu de cela, j’ai vu apparaitre l’émission 6 mois plus tard sans que personne ne m’y ait jamais associé, même pas crédité au générique bien évidemment. Jaubert s’est défaussé en disant que l’idée était dans l’air et m’a proposé un contrat chez TéléEurope mais j’ai été viré au bout de quelques jours parce que j’étais enceinte et que la réalisatrice m’en a voulu car elle n’arrivait pas à avoir un enfant. La direction de TéléEurope m’a menacé de ruiner ma carrière (ce qui a été fait avec succès) si j’allais porter plainte aux prudhommes (j’ai pourtant seulement été à la CGT). Voila bien l’ambiance des patriarches de mai68 qui tenaient la culture télévisuelle comme leur pré carré et suçaient les idées des jeunes femmes avant de jeter le citron. wala wala, je garde une petite dent vois tu :)

    • Aussi longtemps que l’enfance restera tenue à l’écart de l’analyse des violences patriarcales, nous continuerons de découvrir trop tard des vies ravagées avant même qu’elles ne commencent. Et de les raconter comme des tragédies individuelles.

      Dire cela, c’est refuser de faire de Loana une exception, un « destin brisé » que l’on contemple avec émotion sans en tirer la moindre conséquence politique. Car le parcours de Loana est celui de milliers de femmes. Cent soixante mille enfants sont victimes de violences sexuelles chaque année en France. Combien de ces filles deviendront, sans protection ni prise en charge, des femmes exposées à de nouvelles violences ?

      Politiser Loana, ce n’est donc pas opposer l’inceste à la téléréalité, ni minimiser la violence produite par l’exposition médiatique. C’est rappeler qu’une femme dont on dit aujourd’hui qu’elle a « mal fini » est aussi quelqu’un qui, très tôt, avait été abandonné à des violences dont nous continuons de sous-estimer l’ampleur et la gravité.

      L’enjeu politique se niche dans notre manière de dater la violence. Et dans la manière dont nous nous donnons, ou non, les moyens de la prévenir.

      https://justpaste.it/ls4c3

      #media #télévision #enfance

  • « Nous, journalistes pigistes et de médias indépendants, nous nous désolidarisons de la couverture médiatique de la guerre au Moyen-Orient » - Acrimed | Action Critique Médias
    https://www.acrimed.org/Nous-journalistes-pigistes-et-de-medias

    "Nous ne comprenons pas les choix éditoriaux concernant les invité·es convié·es à commenter ces événements. Trop souvent, les plateaux sont occupés par des intervenant·es insuffisamment qualifié·es pour analyser des situations d’une telle complexité. Couvrir ces conflits exige pourtant une connaissance fine du terrain, une maîtrise des contextes historiques et une capacité à mobiliser des analyses géopolitiques rigoureuses. Nous dénonçons également un manque criant de pluralisme. Les prises de parole de représentants israéliens sont fréquentes, parfois hégémoniques, alors même que le chef du gouvernement fait l’objet d’un mandat d’arrêt international. Dans le même temps, les représentants politiques des autres parties impliquées sont marginalisés, disqualifiés ou absents des (…)

    #journalisme

  • Le traitement médiatique des collisions tend à invisibiliser les automobilistes et à stigmatiser les cyclistes
    https://www.unil.ch/news/fr/1774286247760

    Lors de #collisions avec des #cyclistes, les #automobilistes sont souvent invisibilisé·es ou relégué·es au second plan dans les comptes-rendus #médiatiques. C’est ce que met en évidence une nouvelle étude de l’#Unil. Elle porte sur la #Suisse #romande, mais confirme une tendance #internationale.

    #selon_une_étude_récente #vélo

  • Heute-Show: Lauwarme Witze und harte Drohnen-Propaganda gegen „Putins Filialen in Deutschland“
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=140624

    15.10 2025 von: Tobias Riegel
    ...
    Satire richtet sich eigentlich gegen die Mächtigen und ihre Propaganda – nur dann „darf sie alles“, meiner Meinung nach. Billige Polemik von der großen TV-Bühne herab, zum Beispiel gegen die Kritiker der mit unseriösen Bedrohungs-Behauptungen befeuerten Militarisierung, kann dagegen auch als Hetze bezeichnet werden. Über angepasste Meinungsmache im Dienste von im Meinungskampf ohnehin schon bevorzugt behandelten Stimmen haben die NachDenkSeiten im Artikel „Jämmerliches ‘Kabarett’: TV-Satiriker schützen die Kriegspolitik” geschrieben:

    „Einige der von Bürgergebühren bezahlten TV-‚Satiriker’ haben die eigene Berufsbezeichnung nicht verstanden: Satire sollte sich eigentlich vornehmlich gegen Fehltritte von mächtigen Akteuren richten, nur dann ‚darf sie alles‘. Wer aber gemeinsam mit Regierung und großen Medien gegen die im Meinungskampf bereits schwer benachteiligte Friedensbewegung nachtritt, der macht Propaganda, keine Satire.“

    Zu dieser Meinungsmache gehören auch offene Widersprüche und Wechselbäder sowie daraus gezogene falsche Schlüsse: Nachdem in der Heute-Show unseriös die bereits auf allen Kanälen befeuerte Drohnen-Panik nochmals bestärkt wurde, erklärt Welke dann plötzlich: „Natürlich sind die Sichtungen kein Grund für Hysterie oder Panik – genau das wünscht sich Putin ja von uns.“

    #Allemagne #médias #satire