• Dante en dompteur d’ours
    https://laviedesidees.fr/Potesta-Dante-en-conclave

    Exilée à Avignon, inféodée au roi de France, la papauté semble au début du XIVe siècle abandonner Rome. Dans une Italie désertée par l’autorité de l’Église, refusant les fausses prophéties, Dante s’imagine en nouveau Jérémie.

    #Histoire #Moyen_Âge #Eglise #pape

  • Qu’est-ce qu’un classique de sciences sociales ?
    https://laviedesidees.fr/Qu-est-ce-qu-un-classique-de-sciences-sociales

    Paru en 1924, Les Rois thaumaturges de #Marc_Bloch est devenu une référence, un classique. Comment se construit une œuvre canonique, partagée et reconnue comme essentielle dans un champ ? Quels sont les ressorts de la longévité scientifique ?

    #Histoire #Moyen_Âge
    https://laviedesidees.fr/IMG/pdf/20260515_lamy-2.pdf

  • La leçon de la pandémie
    https://laviedesidees.fr/La-lecon-de-la-pandemie

    Catastrophe démographique sans équivalent, la Peste noire a bouleversé les équilibres économiques, sociaux et culturels de l’Europe au XIVe siècle. Longtemps pensée comme une césure majeure, elle apparaît désormais comme révélateur des structures, limites et résistances des sociétés médiévales.

    #Histoire #Moyen_Âge #pandémie
    https://laviedesidees.fr/IMG/pdf/20260511_pandemiefr.pdf

  • Bilder aus der deutschen Vergangenheit,
    Gustav Freytag, 1816-1895
    https://archive.org/details/bilderausderdeu01freygoog/page/n8/mode/1up

    Ici Gustav Freytag décrit le fond de commerce des chevaliers, les

    éléments incorporels (c’est-à-dire les éléments qui n’ont pas d’existence matérielle) et les éléments corporels (c’est-à-dire les éléments qui ont une existence matérielle).

    définition suivant
    https://fiches-droit.com/fonds-de-commerce

    L’écrivain allemand
    https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Freytag

    à ne pas confondre avec le #cartographe autrichien du même nom
    https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Freytag_(Kartograf)

    D’autres sources :

    https://projekt-gutenberg.org/authors/gustav-freytag/books/gustav-freytag-bilder-aus-der-deutschen-vergangenheit

    .DE
    https://www.gustavfreytag.de/index.php/originaltexte/3-bilder-aus-der-deutschen-vergangenheit-einleitung-band-1

    .ORG
    https://gustav-freytag.org/index.php/originaltexte/71-bilder-aus-der-deutschen-vergangenheit-band-2-anfang

    Les chevaliers suivant Gustav Freytag

    Das Rittertum im 13. Jahrhundert - Teil 2

    Durch Tamburieren, Flötieren und Pfeifen wurde der zweite Teil des Turniers, der Schwertkampf, eingeleitet. Er galt mit gutem Grund für weniger vornehm und wurde bei eleganten Turnieren der Frauenritter wohl ganz weggelassen. Aber es war belustigend für starke Fäuste und den Beutesuchenden die beste Zeit, ihr Glück zu machen. Denn jetzt galt es, nur Gefangene zu gewinnen. Die Scharen ordneten sich dazu aufs Neue, die Knappen legten ihren Rittern das Turnierschwert ohne Spitze in die Hand, und wieder begann das Durchreiten. Aber der Schwertkampf Gepanzerter vom Ross im Getümmel war nicht geeignet, besondere Kunst zu zeigen; man suchte den Helmschmuck des Gegners und seinen Holzschild in Späne zu zerhauen, den Kopf desselben durch Schwertschläge zu betäuben, ihm durch Ringen vom Ross das Schwert aus der Hand zu winden, den Helm vom Haupte zu würgen, endlich den Zaum zu entreißen. Es war auch nicht Kampf des einen gegen einen, man suchte in Masse zu umdrängen und die Opfer abzuschneiden. Der Waffenlose wurde, während er mit Armen und Beinen um sich schlug, von dem Sieger am Zaum fortgezogen. Wer so »gezäumt« war und gezerrt wurde, der durfte, wie vornehm er sein mochte, von dem Sieger und dem Knappen desselben starke Schläge erhalten. Die Knappen führten in den Schranken keine Waffen, wohl aber schon um 1250 einen Knüttel, und es war ihr besonderes Recht, den Gezäumten mit seinem Ross durch Hiebe aus den Schranken und zu dem Stand ihres Herrn zu treiben. Die Freunde des Gezäumten durften ihn innerhalb der Schranken, wahrscheinlich nur solange er den Helm trug, wieder befreien, wo also nicht schneller Zwang entführte, erhob sich um den Sieger ein neues Getümmel. Und dieser Kampf um die Gefangenen ballte große Haufen zusammen und schuf das wildeste Drängen, Geschrei und Kampfwut.

    War das Ende des Turniers verkündet und durch die Spielleute ausgeblasen, so musste der Streit sofort aufhören. Dann wurde der Dank an die verteilt, welche sich nach Meinung von Preisrichtern am besten gehalten; der Ruhm wurde gemessen nach der Zahl der Durchritte, der verstochenen Speere und der geworfenen und gefangenen Ritter. Wer aber gefangen war, schlich traurig zu den Juden, denn Ross und Rüstung waren seinem Gegner verfallen, und er musste dem Pfandleiher Schmuck versetzen und Bürgen stellen, um die behandelte Auslösungssumme zu erhalten. Zuweilen löste der Veranstalter des Turniers alle Gefangenen beider Parteien. Dem Vornehmen geziemte, seine Gefangenen niedrig zu schätzen, er entließ den armen Landfahrer, der sich durch seinen Schild ernährte, wohl ganz ohne Lösegeld oder schenkte gar alles Lösegeld den armen Groiern. Das tat die fürstliche Milde des Richard Löwenherz, und die Großmut erhob den Ruhm dieses seligen Helden über alle Edlen. Achtzehn Rosse und Rüstungen schlug er aus einem Turnier heraus, und alles überließ er den Rufern und Wappenschauern an den Schranken. Da wurde mancher glücklich.

    Leider war dieser ritterliche Sinn nicht immer vorhanden, ja es ist ersichtlich, dass die Turniere auch deshalb so massenhafte Teilnahme fanden, weil sie von Habgierigen als Spekulation behandelt wurden. Und man sah im Turnierkampf sehr wohl, wohin das Trachten des Einzelnen ging, und unterschied solche, die um Ehre und Lob kämpften, und andere, die als Dienstmannen einer erwählten Herrin, als »Frauenritter«, sich erweisen wollten; diese trugen gern ein Zeichen geheimer Huld an Helm oder Rüstung: Schleier, Band, Fessel, sie waren zumeist Speerkämpfer und zählten die gebrochenen Lanzen und die Unfälle ihrer Gegner. Aber neben ihnen stachen und schlugen harte Gesellen, welche ihrer Faust und der Stärke ihrer Pferde vertrauend in das Turnier nur wegen der Beute zogen; und solchen war die eiserne Strenge heilsam, mit welcher der Turnierbrauch aufrechterhalten wurde.

    Die Zahl der Turnierkämpfer muss zuweilen sehr groß gewesen sein. Bei dem Turnier zu Neuenburg, welches am 31. Mai 1227 von Ulrich von Liechtenstein veranlasst wurde, waren 250 Ritter nur in vier Scharen aufgeteilt, das aber war ein kleines Turnier; in der erdachten Beschreibung des Turniers von Nantes kämpfen 4000 Ritter, im Engelhard des Konrad von Würzburg 2000 Ritter, und diese Anzahl scheint im 13. Jahrhundert auch in Wirklichkeit nicht selten gewesen zu sein. Noch zum Jahr 1360 zählt die Limburger Chronik bei dem Turnier von Nürnberg 1000 Anwesende in verbundenen und gekrönten Helmen, d. h. wirkliche ritterliche Kämpfer usw. Zuweilen turnierte im 12. Jahrhundert der höchste Adel allein an besonderem Tage, so 1184 bei dem erwähnten Fest Friedrich Rotbarts zu Mainz, überhaupt dem größten Fest, welches in Deutschland jemals gefeiert wurde. Dies vornehme Turnier hatte nur 20 Teilnehmer und war nur Speerkampf.

    Ein solcher Massenkampf phantastisch geschmückter Kämpfer, von denen jeder für den Speerstich doch Raum zum Anlauf bedurfte, muss ein weites Feld gefordert haben und schwer übersehbar gewesen sein. Er versammelte eine ungeheure Menschenmenge und regte den leidenschaftlichen Anteil der Zeitgenossen auf wie kein anderes Ereignis, mehr als eine Schlacht. Immer wurden der Frühlingsglanz des Mai, das frische Grün des Grundes, die Blüten am Baum und auf der Wiese als zugehörig mitempfunden. Darüber entzückte die Spannkraft von Mann und Ross, die heftigen Bewegungen, der unaufhörliche Wechsel leidenschaftlich bewegter Gruppen, Speerkrach und Schwertklang, das Wiehern und Schnauben der Rosse, welche die Aufregung der Reiter teilten, die Rufe der Ritter und Knappen und der Beamten des Turniers – sperâ, sper, wîchâ, wich, hurtâ hurt, slahâ slach, stich und stich, jarâ! urrà burrà, wurrawei! (Speer her, weiche, drauf, schlag, stich, hurra!) – Dazu unaufhörliche Erfolge und Unglücksfälle, die Gestalten und Rüstungen erlauchter Herren, bekannte und berüchtigte Reiter der Landschaft, die Tribüne mit geschmückten Frauen, die bunten Farben und Stoffe, Malerei und neue Erfindungen an Waffenkleidern und Pferdedecken, zuletzt die Menge zusammengelaufenen Volks – [...] sinnbetörende Bilder für Kämpfende und Zuschauer. [...]

    Sämtliche Ritterspiele forderten große Kraft und Übung. Die Ausdauer, welche Virtuosen dabei entwickelten, war außerordentlich. Der Liechtensteiner verstach einmal an einem Tage in der Tjost fünfzig Speere und ritt ein andermal zwölf Stunden im Turnier. Am meisten litten Hände und Arme, sie waren am Abend von den Stößen und der Erschütterung durch Brechen der Speere und Ruck der Schilde geschwollen, blau und mit Blut unterlaufen, ebenso die Knie übel zerstoßen. Bei alledem fällt auf, dass die Kämpfer bei der Tjost nicht häufiger verwundet und vom Ross gesetzt werden. Durch etwa 300 Speere, welche der Liechtensteiner in vier Wochen versticht, werden sechs Gegner vom Pferd geworfen, einige leicht verwundet, er selbst erhält nur zweimal leichte Verletzungen. Unsere Herrenreiten mit Hindernissen geben fast mehr Unfälle. – Die Turniere waren allerdings viel wilder und gefährlicher, im Gewühl vom Ross zu stürzen, brachte manchem wackeren Mann den Tod oder langes Siechtum, und kaum ein Turnier mag ohne mehrere schwere Unfälle vergangen sein. Aber daraus wurde wenig gemacht, wenn der Verunglückte nicht eben ein großer Fürst war.

    Diese Spiele blieben seit den Kreuzzügen die elegante Leidenschaft des Standes. Wer irgend auf höfische Sitte Anspruch machte, hatte Kenntnis davon, auch wer den Turnierring nicht betreten durfte, gebrauchte wenigstens mit Behagen die fremden Ausdrücke des Sports, vor anderen der wandernde Spielmann, der darin so gut Bescheid wissen musste wie der Knappe eines Edlen.

    Nun gab es allerdings auch unter den rittermäßigen Leuten »Träge«, welche sich verlagen und ein ruhmloses Leben in Ruhe allem Tjostieren vorzogen. Selten aus frommer Beschaulichkeit. Zu den wenigen guten Lehren, welche dem deutschen Ritter von den Romanen gekommen waren, gehörte Mäßigkeit in Speise und Trank. Die höfische Zucht weigerte der Völlerei, dem alten Laster der Deutschen, wenigstens für einige Zeit die Verklärung durch Vers und Spruch, die Dichter der guten Minnesängerzeit sangen überhaupt keine Trinklieder. Dennoch war auch in ihren Tagen das Land nicht arm an starkem Schwelgen und Schlunden, die sich gegen die Vorwürfe höfischer Genossen behaglich entschuldigten. »Ich streite nicht um eure Zucht, ihr tut ganz recht, sie ist stattlich und ehrenvoll; aber mein Leben ist auch gut, es verkürzt mir die Zeit. Ich habe nicht Jagdhunde, nicht Windspiele und Falken, ich habe auch nicht so viel Rosse, dass ich zum Turnier und Ritterstreit reiten könnte, ich weiß keine Frauen, die mich gern sehen wollten, ich habe auch kein so schönes Ritterkleid, dass ich damit durchs Land prangen möchte. Soll ich nackend zu Tanze gehen? Es ist wahr, mein Leben ist arm an Ehre, aber ich gebe es nicht um das eure. Dass ich mir oft einen Rausch trinke, macht mir die allergrößte Freude.« Diese Art von Käuzen hat keiner Periode unserer Vergangenheit gefehlt, sie saßen als tatenlose Zänker unter den Bauern und Bürgern und schnallten die rostige Rüstung nur an, um einmal der zornigen Hauswirtin ein Rind oder ein Stück Tuch in das Haus zu schaffen. Ihre ausgebildete Trinklust galt in der guten Zeit des Rittertums für eine veraltete Unart. Aber sie erlebten die Freude, dass bald anspruchsvolle Standesgenossen in wüstem Becherturnier eine Ehre suchten, welche das Knie weniger scheuerte als die Ehren des Turnierplatzes.

    Doch auch auf die höfischen Turniergenossen legte sich ein Fluch, welcher jeden trifft, der friedliche Arbeit verachtet. Und es war eine besondere Strafe, dass dieser Fluch sie zuerst gerade da schlug, wo sie am stolzesten waren, in ihrer Waffentüchtigkeit. Seit die Ausbildung des reisigen Mannes für Sport und Turf der Stechbahn Hauptsache wird, ist seine Brauchbarkeit im Kriege auffällig verringert. Dieselbe Zeit, welche den gepanzerten Reiter mit einer Ehre und Poesie umgibt, die ihn hoch über seinen Ahnherrn, den Bauer, ja über seinen Nachbar, den Bürger, erheben will, bereitet ihm in den Schlachten eine Niederlage nach der andern. Die Horden der Mongolen, die leichten Reiter der Ungarn erdrücken seine Haufen, bald schwingt der nackte Bauer und Bürger bei Morgarten, Laufen, Sempach siegreich seine Hellebarde gegen ihn, endlich auch der böhmische Landmann seine Holzkeule. Wir sehen wohl, wie das kam. Die Bewaffnung des Ritters wurde durch die Turnierspiele unpraktischer. Erst unmittelbar vor der Schlacht konnte er seine schwere Rüstung anlegen, auch seine Rosse mussten bis zu der Aktion geschont werden, der Beginn jedes Treffens forderte große Vorbereitung, der Verfolgung fehlte die Behendigkeit. Ein Ritterheer mochte günstige Entscheidung herbeiführen, wenn es einmal mit gleich geschulter höfischer Schar zusammenstieß. Es war unbehilflich gegenüber einem Kriegsvolk, welches behendere Bewaffnung hatte und nicht besondere Ehre darin fand, in rechter Tjost à travers einzubrechen. Dazu kam, dass die Übungen mit dem Speer und Turnierschwert an einen Kampf mit gewissen Rücksichten gewöhnten, sie machten freien Raum für den Anlauf nötig oder ein langes Schlagen auf die eiserne Rüstung und ein Ringen mit dem Feinde, sie waren durchweg Zweikämpfe oder willkürliches Aussuchen eines Gegners. Der Ritter wendete den Brauch und Ehrgeiz der Tjost und des Turniers immer auf die Schlacht an; Speere an den Feinden zu verstechen, ihren Haufen in übermütiger Hurt zu durchreiten, oder den Feind beim Zaum zu fassen und Ross und Rüstung sorglich aus der Schlacht in Sicherheit zu bringen, das wurde ihm Hauptsache. Friedrich von Österreich wurde im Jahr 1246 von den Ungarn hinterrücks überfallen, weil er sie wie eine feindliche Turnierschar ansah, die erst auf ein gegebenes Zeichen losbrechen werde, und unterdes vor der Front seinen Haufen sorglos ermahnte. Jeder einzelne erprobte Ritter war vielleicht mehreren Kriegern zu Fuß überlegen, aber seine ganze kriegerische Ausbildung war auf die Virtuositäten des Einzelkampfes berechnet, je stärker die Massenwirkung des Krieges, desto geringer wurde seine eigene Leistung. Nicht die Erfindung der gegossenen Büchse und des Handrohrs hat die reisige Kavallerie des Mittelalters überwunden, sie ist gerade durch ihre eigentümliche rittermäßige Ausbildung verdorben worden, weder bei Schweizern noch bei Dithmarschen war es das Pulver, welches die stolze Schar der Gepanzerten fällte.

    Auch die ritterliche Gesinnung, welche in den Kämpfern leben sollte, vermochte sich in einer rauen Wirklichkeit nicht lange zu behaupten, und schon in der Zeit Wolframs von Eschenbach machte ein Teil der Edlen und eine Mehrheit ihrer Ritter die Mode des artigen Stechens zwar mit, zumal wenn ein Gewinn zu hoffen war, aber ihr Tagesleben verlief in ganz anderen Interessen. Selbsthilfe und Gewalttat waren allgemein, und Raub auf der Landstraße, das alte Laster der reisigen Dienstleute, wucherte in der Zeit ritterlicher Virtuositäten so arg wie nur je. Seit den ersten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts werden die gemeinschädlichen Laster der Ritter als ein unerträgliches Leiden des Landes beklagt. Und die Vornehmsten galten nur zu oft für die Beschützer dieses Unwesens. Wer eine Fehde ansagte und seine Forderung durch Krieg durchsetzte, den er mit erwähltem Gegner auf eigene Hand führte, übte noch ehrlichen Ritterbrauch; aber jede Art von Untreue, Wortbruch, tückischem Überfall wurde allgemein, und derselbe Ritter, der geladen von seinem Herrn stattlich zum Turnier zog und am Hof desselben höfisch zu tanzen und zu essen wusste, lebte oft auf seiner Burg mit harten Speergesellen als Räuber und ritt als Schacher in der Dämmerung zum Waldesdickicht, dort auf arme Reisende zu lauern, ja er brach ohne jeden Vorwand bei hellem Tag in die benachbarten Dörfer, zündete Gehöfte an, trieb die Herden weg, tötete und verstümmelte die Bewohner.

    Dies war die Kehrseite der stolzen Hingabe an Waffenwerk und eine Kriegerehre, welche ihre Befriedigung nur im Kampf und in den Erfolgen des Turnierrings suchte. Mancher hochgesinnte Minnesänger fühlte vor seinem Ende die Schwere des Fluches, der sich auf das Leben seines Standes gelegt hatte, und er sah noch, wie der üble Teufel viele in das Höllenfeuer riss, welche er selbst für die Lieblinge der hohen Frau Ehre erklärt hatte. Kaum einer hatte sich so behaglich die wirkliche Welt zu einem ritterlichen Rosengarten umgeträumt, der mit seidener Schnur und bunten Speeren abgegrenzt war, als Ulrich von Liechtenstein. Er hatte sein Sommerleben verstochen und versungen; auch nachdem er seine vornehme Herrin wegen schnöder Behandlung, die sie ihm zugeteilt, verließ, hatte er eine andere gefunden, die gefälliger war, und er besang ihren Mund und weißen Leib als Sachverständiger, während er bei seiner Hausfrau saß und seine Kinder in Zucht unterrichtete. Doch auch er sollte gewalttätig an den deutschen Winter gemahnt werden, und da sein Leben in die Jahre fällt, wo sich alte und neue Zeit feindlich scheiden, so darf hier aus demselben Buch, aus welchem früher seine ritterliche Huldigung mitgeteilt wurde, auch eine kurze Anekdote nicht verschwiegen werden, welche weit andere Zustände seiner späteren Lebensjahre erkennen lässt. Leider ist sein Bericht gerade für das, was wir darin suchen, ziemlich dürftig. Ulrich erzählt in seinem Frauendienst (nach Lachmann S. 537) Folgendes:

    In dieser Zeit – es war am 26. August 1248 – widerfuhr mir ein unbilliges Ungemach von zweien, die ich hier nennen will; der eine hieß Herr Pilgerin von Kars, der war mein Erbsasse, der hatte mir oft gedient, auch ich war ihm hold und oft in meinem Hause in seiner Gesellschaft froh gewesen. Der andere hieß Weinold, er war mir auch aufrichtig lieb, ein übergroßer Mann, mit dem ich viel Scherz trieb, sein Leib war ungestalt, sein Mund voran mit schlauen Reden, aber sein Herz barg weiß Gott geheime Untreue. Es war am dritten Tage nach St. Bartholomäus um Mittag, ich lag nach dem Bad in meiner Kammer, da kamen diese zwei nach Frauenburg an mein Tor. Mein Gesinde hieß sie Gott willkommen; sie dankten artig mit freundlicher Gebärde, und Herr Pilgerin sprach: ›Sagt an, was schafft mein Herr?‹ Die Meinen versetzten: ›Der Herr hat sich schlafen gelegt.‹ Er sprach: ›Das ist eine große Trägheit, geht zu ihm, bittet ihn aufzustehen, ich wünsche ihn bald zu sprechen.‹ Mein Kämmerer kam zu mir und sagte mir das, ich stand willig auf, ging zu ihnen und empfing sie herzlich, hatte mir Hosen, leinenes Unterkleid, Kürse (Pelzweste) und Mantel angezogen. Ich umfing beide und sprach: ›Vielliebe Freunde, seid mir Gott willkommen‹, nahm sie bei der Hand und führte sie auf eine schöne Bank unter einem Söller. Mich freundlich zu erweisen, ließ ich zu trinken hinbringen und fragte: ›Wollt ihr etwas essen?‹ – ›Wer fragt, der will nichts geben‹, versetzte Herr Pilgerin. Man brachte uns Speise, Met und Wein, wir aßen und waren froh.

    Da begann Herr Pilgerin: ›Herr, wollt Ihr nicht heut zur Nacht etwas mit dem Falken beizen?‹ – ›Nein, ich will es diesmal wegen des Bades lassen.‹ Da sprach der ungetreue Mann: ›Nehmt den Falken um meinetwillen, ich werde Euch dafür verbunden sein. Wir haben zwei Sperber mit uns gebracht und dachten hier zu beizen.‹ Da sprach ich: ›Freund, geschieht euch mit dem Falken ein Gefallen, so reite ich sogleich mit euch.‹ Ich ließ also meinen Leuten kundtun, daß sie Vogelhunde und Federspiele auf das Feld führten. So sandte ich die Meinen von mir und wenige blieben bei mir zurück. Auch diese trieb Herr Pilgerin fast alle fort, sandte den einen dahin, den andern dorthin. Als ich allein bei ihnen saß, da winkte er seinen Knappen, von denen zwei bereitstanden und zu meinem Turm traten. Weinold aber und Herr Pilgerin fuhren auf, zückten Messer, fielen beide auf mich und stachen mir mit den Messern drei Wunden. Die Kürse und den Mantel wand mir Herr Pilgerin um den Hals und zog mich zu meinem Turm. Ich rief kläglich laut: ›O weh, o weh, was hab’ ich Euch getan? Um Gott, laßt mich am Leben!‹

    Es hatten diese zwei Männer ihre Knechte beim Tor gelassen, jetzt unterstanden sie sich, in das Haus zu dringen, und was man von meinen Leuten darin fand, herauszutreiben. Mein Weib lief zu mir und schrie: ›O weh, was soll das sein?‹ Die zwei ungetreuen Männer sprachen: ›Wollt Ihr Eure Ehre behalten, Frau, so geht sogleich vor das Tor, dort findet Ihr Eure Leute, und macht Euch fort von uns. Wir wollen ihn und all sein Gut haben, oder es muß sein letzter Tag sein.‹ Die Gute sah mich mit Tränen an; ich sprach: ›Geht schnell hinaus, wenn Euch Eure Ehre lieb ist, und bleibt nicht länger bei mir.‹ Da ging sie mit meinen Kindern auf das Tor zu. ›Frau, laßt uns Euren Sohn hier‹, sprach zu ihr Herr Pilgerin, nahm ihr das Kind von der Hand, und was er bei den Frauen von Kleidern und Kleinoden sah, das nahm er ihnen alles gegen Rittersitte, und trieb sie so vor das Tor; mein Sohn blieb bei mir zurück.

    Mein Weib und mein Gesinde schieden gezwungen, sie fuhren im Jammer dahin den geraden Weg nach Liechtenstein. Schnell wurde die Märe überall in der Gegend bekannt, von meinen Freunden waren in kurzem wohl drittehalb hundert oder mehr bereit. Meine Freunde von Judenburg waren schnell auf und kamen nach Frauenburg. Ich sah es ungern, denn es schaffte mir fast den Tod. Da sie an die Burg herankamen, nahm mich Herr Pilgerin, führte mich zu einem Söller und sprach: ›Wollt Ihr das Leben behalten, so heißt diese von hinnen fahren.‹ Er band mir ein Seil um den Hals und rief: ›Ich hänge Euch sogleich über dem Söller ihnen gegenüber auf, damit sie die Lust zu stürmen verlieren. Ich fürchte sie alle nicht mehr als ein Ei.‹ Kläglich laut schrie ich den Bekannten zu: ›Was wollt ihr? Ihr seid töricht, wollt ihr mich töten? Ihr könnt mich auf die Art nicht erlösen von diesem großen Unglück. Kommt ihr näher, so bin ich tot, und ihm könnt ihr doch nichts schaden.‹ So drohte ich, so bat ich, bis sie von dannen fuhren und mich gefangen zurückließen. In der Tat litt ich große Not, man drohte mir oft, ich müßte sterben, sobald es Tag würde. Als der nächste Tag anbrach, bereitete ich mich zum Tode; ich suchte nach, ob in dem Turm, wo ich gefangen lag, etwas von Brot zu finden wäre; ich fand ein Brosamen, das hob ich weinend auf, kniete nieder und klagte dem, der in alle Herzen sieht und dem man nichts verhehlen kann, meine Sünde, nahm dann weinend das Brot als seinen Leib, wie Brauch ist, und empfahl ihm meine Seele.

    Da trat Herr Pilgerin zu mir ein, er war gerüstet, mich zu töten. ›Und wollt Ihr länger atmen, so sagt, was Ihr uns geben wollt.‹ Ich sprach: ›Ich gebe Euch alles, was ich habe und was ich je gewinnen mag.‹ – Wie feindselig mir der Treulose war, die Lösung half, daß ich gerettet wurde; er dachte: ich nehme sein Gut und tue dann doch noch meinen Willen an ihm. Er befahl, mich an eine unmäßig große Kette zu schmieden, und fürwahr, darin ward mir mancher Tag lang. In dieser Not riet mir mein Herz, meiner Frau ein Lied zu singen. Manchem dünkte wunderlich, daß ich Neues sang, während ich in solchen Nöten lag, ich aber wollte die nicht vergessen, die ich zur Herrin meines Lebens gemacht hatte.

    Ich lag gefangen ein ganzes Jahr und drei Wochen. Ich litt viel Ungemach, oft war mir der Tod nahe; oft hätte er mich beinahe erschlagen, mit Messer und Schwert drang der heftige Mann oft auf mich ein.

    Endlich ward Graf Meinhard von Görz uns vom Kaiser als Herr in das Steierland gesandt. Als dem ehrliebenden Mann meine Gefangenschaft berichtet wurde, war es ihm von Herzen leid; der Wackere kam mit vielen Herren nach Frauenburg geritten, er machte mich ledig, ich mußte als Pfand des Vertrages dort lassen meine zwei Söhne und zwei Kinder (die Töchter). Später löste ich meine Burg wieder ein, mit welchen Kosten, das will ich verschweigen und lieber von Fröhlichem sprechen. Als ich der Gefahr entledigt war, wurde ich wieder, wie ich früher gewesen, ich hatte viel Gut verloren; was mehr, ich gewann meinen Frohsinn zurück. Ich sang neue Lieder, aber die rechte Freude war krank in Steier und auch in Österreich, alle lebten traurig, die Reichen waren schlechtgesinnt, sie taten einander Leides und dachten nur an Raub, der Frauendienst lag darnieder, auch die Jungen verschwendeten lästerlich ihr Gut, Rauben war ihre stete Gewohnheit, ihr Leben verlief übel.

    Soweit der Bericht des Liechtensteiners. Er sagt leider nicht, was seinen untreuen Mann zu der Missetat gestachelt hat. Erwägt man, wie ein alter Gönner Ulrichs, der Graf Görz, die Sache mit einem Vergleich endet und dem Übeltäter eine starke Abfindungssumme gewährt, so möchte man meinen, dass die Gefangenschaft Ulrichs noch einen anderen Grund hatte als die Raubsucht seines treulosen Vasallen und einiger Spießgesellen. Aber die Erzähler des Mittelalters verstehen ausbündig die Kunst, das zu verschweigen, was ihnen ungemütlich ist. Dafür gönnt uns Ulrich das Lied, das er im Kerker seines eigenen Turmes, in Eisen geschmiedet, an seine vertraute Herrin dichtet, während sein Sohn in den Händen des Todfeindes ist und sein Weib mit den übrigen Kindern bei seiner Sippe das Flüchtlingsbrot verzehren muss. Er blieb der höfische Frauenritter bis zu seinem Ende. Der tieferen Natur Walthers von der Vogelweide wurde der Schmerz nicht erspart, dass ihm sein früheres Leben schal und inhaltslos erschien.

    Unter den ersten Habsburgern, unter Ludwig dem Bayer und den Luxemburgern ging den Rittern in harten Jahrzehnten vieles von der höfischen Bildung verloren, Sprache und Sitte wurden bäurischer und roher, in kleinen Fehden und Wegelagereien vertat sich ihr kriegerischer Mut. Öfter muss im Folgenden die Rede sein von der Einwirkung, welche die Ritter auf alte und neue Landschaften der Deutschen ausübten.

    In Rüstung und Reiterbrauch kam Neues auf. Die Rüstung wurde massiger, einzeln erscheinen die Schienen. Schon Ulrich von Liechtenstein hatte in späteren Jahren eine Brustplatte über sein Eisenhemd gelegt, gegen Mitte des Jahrhunderts fing man an, auch das Ritterroß mit Eisen zu bedecken. Aber die Schienen kamen wieder einmal aus der Mode, um 1350 wurden plötzlich die alten Schuppenpanzer und Eisenhauben modisch, und 1389 warfen die Ritter gar auf kurze Zeit ihren Schild beiseite. – Bei Tjost und Turnier häuften sich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts die Unglücksfälle, vergeblich mühte sich die Kirche, die Turniere zu verbieten; damals scheint der Gebrauch einer Speerspitze ohne Widerhalt – das Scharfrennen – aufgekommen zu sein. Diese Unsitte blieb deutsche Eigentümlichkeit, auch der furiose Anlauf in gestrecktem Galopp galt bis ans Ende des 15. Jahrhunderts als deutscher Brauch.

    Die Ritterwürde selbst verlor schnell an Bedeutung. Sie wurde reichlich ausgeteilt, von König Rudolf und Ludwig dem Bayer gern an Städter; auch Bischöfe schlugen zu Rittern, z. B. 1298 der Bischof von Straßburg, und sein Ritterschlag erschien besonders ansprechend, denn er trug den neuen Rittern dreifaches Gewand von kostbarem Stoff ein. Sogar ein Zwerg im Gefolge König Rudolfs und des Bischofs von Basel wurde mit dem Schwertgurt geschmückt und stolzierte als Ritter Konrad im Gesinde. Der Hohenstaufe Friedrich II. hatte zuerst einmal durch Brief den Rittergurt erteilt, unter den Luxemburgern geschah dies häufig bereits um Geld.

    Wichtiger war eine andere Veränderung. Die Privilegien der Ritterschaft waren in den Kreuzzügen und den Römerfahrten des 12. Jahrhunderts eine persönliche Ehre des schwergepanzerten Reiters, welche Freigeborenen wie Unfreien erteilt wurde, wenn letztere durch die Gunst ihres Herrn instand gesetzt waren, mit Reiterschild zu dienen. Damals war es eine aristokratische Bestimmung in dem Ordensstatut der Templer und hundert Jahre später der Marianer, dass nur Freigeborene in ihre geistlichen Orden treten durften. Denn dadurch waren – dem Statut nach – nicht die freien Stadtbewohner, wohl aber die meisten Dienstmannen und ihre Söhne ausgeschlossen. Die herkömmliche Ausstattung des Reiters für den Kriegsdienst aber war ein Lehngut oder Hofgut, das ihn in den Stand setzte, Roß und Knecht zu halten. Diese Lehngüter wurden allmählich erblicher Besitz der begabten Familien. Da geschah es, dass Ritterwürde und Lehnbesitz sich nicht decken wollten. Einmal wurde der Zudrang zum Rittertum im 12. Jahrhundert groß, bei jeder Heerfahrt hatten König und Edle das Interesse, die Zahl der Ritter zu steigern, es entstand ein Ritterproletariat, welches den Kaisern, die selbst Ehre der Ritterschaft hochhielten, ebenso lästig war als den friedlichen Arbeitern des Landes. Und wieder auf den erblichen Lehngütern saßen auch Träge und Rohe, welche Rittersitte nicht übten, und wenn ein Lehngut erledigt war, kamen die Herren in Versuchung, dasselbe an nützliche Leute zu geben, die bis dahin dem Ritterorden nicht zugehört hatten. Daher bemühten sich die Hohenstaufen, zuerst Pfaffen- und Bauernsöhne von Ritterschaften auszuschließen (1187), dann unter Friedrich II. die Erteilung eines freien Lehnguts von rittermäßiger Geburt durch Vater und Großvater abhängig zu machen.

    Niemand hat Adel, als wer nach Lehnrecht rittermäßige Leute zu Mannen haben darf. Ritter und Knechte sind im Dienst der Edlen, man gibt ihnen nicht den Beinamen edel, sondern gestrenge. Wer von seinen Eltern wacker und ehelich geboren ist und selbst nicht unehrlich geworden, der kann durch Erwerb eines Lehngutes, das ihm ein Edler oder Fürst gibt, zum Ritterschild kommen, wenn ihm sein Herr oder Fürst den verleihen will.

    Jetzt aber hatte der Ritterorden keine große Geltung, Räuber und Diebe haben ihm Ehre und Wert genommen, auch sind viele nicht auf richtigem Wege in den Orden gekommen.

    In früheren Zeiten wurde man Ritter durch den Schlag eines Herrn, darauf ging der Knappe in die Kirche und wurde unter der Messe in den Orden aufgenommen von einem Priester, der ihm sein Schwert, seinen Ritterschmuck und Sporen segnete, dabei schwor er einen Eid, daß er ein Verfechter der heiligen Christenheit sein wolle, das Reich nach geschriebenem Kaiserrecht vor Schaden behüten, Witwen und Waisen beschirmen, Ketzern und ungläubigen Heiden schädlich sein. Darum legte ihm der Priester an seine Hand den goldenen Fingerring und mahnte ihn dabei zur Treue gegen Gott. Dann war ihm als Ritterrecht gesetzt, daß er auf der Straße nicht ohne Diener oder Knecht gehen durfte.

    Niemand sollte nach Recht zum Ritter schlagen, als wer selbst ein Edler ist, von dem man Lehn empfangen darf, und selbst ein frommer Ritter. In unserer Zeit aber werden viele zu Rittern auf einem Wege, der ihnen keine Ehre gibt; diese trauen sich nicht in ein Turnier zu reiten.

    Denn jetzt gibt es dreierlei Ritter, erstens solche, die weder Ehre noch Gut haben, sie sind Wegelagerer und ehrlos. Die zweiten haben zwar Lehngut von den Edlen, aber obwohl ihre Güter frei sind, so nähren sie sich doch nur von Raub und anderen unehrlichen Sachen, sind Kuhritter und entehren Klosternonnen. Kommen sie zu einem Turnier gezogen, so werden sie vielleicht sehr geschlagen von frommen Rittern und Knechten, die von ihren Klostertaten gehört haben. Sie tragen Gold und schöne Kleider, aber sie mögen sich ihrer schämen, denn sie halten Diebe und Mörder, mit denen sie den Raub teilen. Auch wenn sie jemand eine Fehde vorher ansagen, so rennen sie schon in das Feld, während der Brief noch unterwegs ist, und bevor der andere den Fehdebrief gelesen hat, haben sie schon die Kuh gegessen. Nur die sind wahre Ritter, die für ihre Fürsten um gerechte Sache und zu gemeinem Nutzen gegen des Landes Feinde streiten oder die zum Heiligen Grab ziehen und sich dort zu Rittern weihen lassen. Nicht mit dem Sack dient der Ritter wie Bürger und Bauer, sondern mit seines Leibes Stärke folgt er dem Herrn in saurer Arbeit.

    Zur Ritterschaft gehören sieben besondere Ehren. Zuerst das Schwert, welches durch Ritterschlag zugeteilt wird; zweitens ein goldener Fingerring mit einem Edelstein, der an den Goldfinger gesteckt wird; drittens ein frommer Knecht, der dem Ritter beständig aufwartet und ihm sein Schwert nachträgt, denn dem Ritter ziemt nicht, das Schwert selbst zu tragen wie ein Büttel. Viertens ist sein Recht, Gold an seinem Leib und eine goldene Spange an seinem Gewand zu tragen, fünftens ein buntes Kleid von mehrerlei Farben. Sechstens führt er den Ehrennamen Herr, den er nicht seiner Herkunft verdankt (nicht von sîme geslechte), sondern der eigenen Tüchtigkeit, und endlich hat er das Vorrecht, daß man nach Tisch Wasser über seine Hand gieße und ihm ein reines Handtuch reiche.

    Ein richtiges Wappenschild muß Silber oder Gold im Feld oder Bild weisen; fehlt eines der beiden, so ist es kein Wappen. Goldenes Metall gilt mehr als silbernes. Zwei gute Farben gehören zum Feld und Bild; je mehr ein Schild Farben hat, desto minder wird das Wappen geachtet, je weniger Bilder darin stehen, desto adliger ist es usw.

    Ein Ritter soll sich begnügen an den Einnahmen, die ihm sein Erbe bringt, und was ihm Gott beschert im Dienst oder an Sold und Gold, Silber und Geschenken. Wird ihm das zu wenig, so darf er freilich kein Handwerk treiben; es kann auch nicht jeder zu Hofe kommen oder ein Fürstenamt erhalten. Da ist ihm erlaubt, sich mit einem andern zu gesellen, der Handlung treibt und aus fremdem Land Güter bringt; in diesen Gütern soll er seinen Anteil am Geschäft nehmen, soweit er sie im Hause gebraucht. Ferner darf er Pferdehandel und -zucht treiben. Er darf Handarbeit nicht üben, aber wohl seine Pferde beschlagen und die kranken mit Arznei heilen. Bei seiner Ernte darf er in der Scheune das Getreide einbansen helfen, bei der Feldarbeit darf er auf seinem Roß eggen; Pfeile, Bolzen, Köcher darf er verfertigen, sein Geschütz zurechtmachen und Büchsen gießen. Auch um seine Viehzucht darf er sorgen, um Rinder, Schafe und Schweine.

    Will ein Ritter seinem Feind Schaden tun, so soll er offen zu Werke gehen und seine Ehre dadurch behüten, daß er ihm drei ganze Tage vorher die Fehde anzeigt. Hat er seines Feindes Erbe in Besitz genommen und ihn gefangen, so soll er ihn nicht in Grund verderben, sondern er soll ihn so schätzen, daß das Erbe die Schätzung ertragen kann; ist er ehrbar, so entlasse er den Gefangenen gegen Gelöbnis. Niemand soll man so schätzen, daß er zum Bettler wird. Wer das tut, wird ehrlos und einem Räuber gleich geachtet.

    Einem guten Ritter steht es wohl an, wenn er lesen und schreiben kann; ist er gelehrt und kunstvoll, so wird es sein Glück.

    Ein vollkommener Mann soll siebenerlei Behendigkeit haben. Er soll verstehen reiten, schnell auf- und absitzen, traben und rennen, umwenden und im Reiten etwas von der Erde aufheben. Zum zweiten soll er schwimmen und tauchen, zum dritten schießen mit Armbrust, Büchse und Bogen, zum vierten klettern an Leitern, Stange und Seil, zum fünften gut turnieren, stechen und tjostieren, zum sechsten ringen, parieren und fechten mit der linken Hand wie mit der rechten und weit springen, zum siebenten wohl aufwarten bei Tisch, tanzen und hofieren und das Brettspiel verstehen.

    Jedermann wird der Meinung sein, daß der Bauer sich besser dazu eignet, ein Wappen zu tragen, als ein anderer Handwerksmann, auch wenn dieser größer, stärker und reicher ist. Denn der Bauer ist von Jugend auf gewöhnt an harte Arbeit, an Sonnenhitze und die Kost von Wasser und Brot, wenig schlafen und viel wachen, im Harnisch Tag und Nacht, mit Mühe heben und tragen.

    Denn Adel wird dem ersten Ahnherrn nicht angeboren, er steigt auf und fällt. Der eigene Mann kann durch die Hand des Herrn freigegeben werden und dann, selbst wenn er nicht ein Freigut erwirbt, als frommer Zinsbauer leben. Seine Kinder ziehen in die Stadt, mehren das Gut im Schutz der Stadtfreiheit, und wieder ihre Kinder reiten in einem Herrenhof und treten in den Dienst eines Edlen, und sind sie brauchbar bei Fechten und Streiten, so belehnt sie ihr Herr mit einem Freigut, das ihm durch den Tod der Besitzer zufällt. So werden sie Mannen eines edlen Herrn. Und halten sich wieder ihre Kinder tüchtig, so werden diese zu Rittern geschlagen. Erlangt der Ritter aber Schlösser, und wird er ein wohlhabender und fester Mann, so wird er mit allen seinen Kindern edel gemacht. Jetzt kann er Mannlehen verleihen und selbst rittermäßige Leute halten; entziehen diese sich nicht ihrem Dienst und helfen sie ihm in seinen Kriegen, so wird wieder sein Sohn ein Graf des Reiches. Gewinnt dieser das Ansehen eines großen Herrn, erwirbt er das Land eines Fürsten oder belehnt ihn der König damit, so wird er gefürstet, und stirbt der König oder Kaiser, so kann ihm Gott die Ehre bescheren, daß er an seiner Statt geküret wird. Manneswert und Kraft gewinnt, sorgloses Vergeuden wirft nieder.

    So frei und groß war noch um das Jahr 1400 die Ansicht über die Bewegung deutscher Volkskraft im Staat!

    #Allemagne #histoire #Moyen_Âge #chevaliers #économie_politique

  • Mahomet au prisme des sciences historiques
    https://laviedesidees.fr/Amir-Moezzi-Tolan-Mahomet-historiens

    Qui se cache derrière les noms « Mahomet » ou « Muhammad » ? Dans une vaste étude pluridisciplinaire, les auteurs du Mahomet des historiens sondent la diversité des traditions et la complexité de l’ancrage culturel et linguistique du fondateur de l’islam.

    #islam #Histoire #religion #Moyen_Âge
    https://laviedesidees.fr/IMG/pdf/20260323_mahomet.pdf

  • Les vertus de la sincérité
    https://laviedesidees.fr/Les-vertus-de-la-sincerite

    L’idée moderne de #tolérance n’a pu émerger que parce qu’au #Moyen_Âge, des théologiens ont avancé l’idée que la conviction sincère ne pouvait être sanctionnée et que le salut ne dépendait pas de la possession de la vérité.

    #Histoire #laïcité
    https://laviedesidees.fr/IMG/pdf/20260304_tolerance.pdf

  • #Archéologie #terres_noires #Chute_empire_romain #moyen_âge

    Nous vivons sur une strate inexpliquée (enquête archéologique) - YouTube
    https://www.youtube.com/watch?v=Ee87D_hBdcI

    La chaîne survit grâce à vos dons. Pour le prix d’un café, vous pouvez m’aider sur https://fr.tipeee.com/thomas-laurent

    Sources : https://docs.google.com/document/d/1F...

    Illustré par Victor Rocher (instagram : lippu_moqueur)
    Miniatures par double pouce (instagram : double_pouce)
    Merci à ‪@PasseportPourHier‬ et ‪@Hydreauxmilletetes‬ pour leur relecture du script
    Merci à ‪@JulienLaurentfr‬ / ‪@JulienLaurent2‬ pour les conseils techniques et les retours

    Chapitres
    00:00 Une énigme archéologique
    01:18 Un trou dans l’histoire
    03:45 La fin ?
    06:25 Premier cas
    10:03 Deuxième cas
    14:44 Troisième cas
    17:58 Lumière sur les terres noires
    22:57 La fin des terres noires
    24:24 outro

  • Trouveresses, ménestrelles et jongleresses
    https://laviedesidees.fr/Trouveresses-menestrelles-et-jongleresses

    Au #Moyen_Âge, les #femmes ne se contentent pas d’écouter la #musique : elles la chantent, la composent, la copient et la transmettent. Derrière le silence des sources, entre cloîtres et cours affleure une vie musicale insoupçonnée. Un foisonnement de pratiques aujourd’hui rendu à la lumière.

    #Arts
    https://laviedesidees.fr/IMG/pdf/20250904_musiciennes.pdf

  • Actuel Moyen Âge / X – Combien de temps un ouvrier médiéval travaillait-il, par jour, par semaine, par an ?
    https://x.com/AgeMoyen/status/1930523245536518409

    Combien de temps un ouvrier médiéval travaillait-il, par jour, par semaine, par an ? Comment s’organisait une journée de travail ? Un document fascinant de la cathédrale de Rouen permet de répondre à ces questions. Un thread ⬇️

    Thread by AgeMoyen – Thread Reader App
    https://threadreaderapp.com/thread/1930523245536518409.html

  • Punir par la honte
    https://laviedesidees.fr/d-Artagnan-Le-Pilori-au-Moyen-Age

    Le pilori a longtemps été considéré comme une peine typiquement médiévale avec toutes les connotations négatives traditionnelles. À l’aune d’une lecture anthropologique, la condamnation au pilori apparaît comme un outil et surtout un rituel, permettant à la société urbaine de se reconstituer.

    #Histoire #ville #Moyen_Âge #justice #Double_Une

  • Quand l’image ne servait pas à représenter
    https://laviedesidees.fr/Quand-l-image-ne-servait-pas-a-representer

    Dans un essai à la forme composite, Jean-Claude Schmitt poursuit son étude des images médiévales, une étude aussi sémantique et historique que plastique sur la manière dont l’Occident médiéval pense l’image et parfois pense par l’image.

    #Histoire #image #Moyen_Âge #Double_Une

  • Notre-Dame de la Cité
    https://laviedesidees.fr/Notre-Dame-de-la-Cite

    La réouverture de Notre-Dame marque le terme de sa restauration, cinq ans après l’incendie qui a révélé la passion des Français pour la cathédrale parisienne. Au fil des siècles, celle-ci n’a cessé d’interagir avec la ville et avec une société qui en est venue à s’identifier à elle.

    #Histoire #religion #Moyen_Âge #Eglise #patrimoine #monument
    https://laviedesidees.fr/IMG/pdf/20241206_notredame.pdf

  • The First French Revolution Happened During the Middle Ages - An interview with Justine Firnhaber-Baker
    https://jacobin.com/2024/09/jacquerie-france-revolt-middle-ages


    Etching of the Jacquerie in Beauvaisis, France, in May–June, 1358

    9.3.2024 Interview by Daniel Finn - Four centuries before the storming of the Bastille, the French peasantry rose up in a great revolt known as the Jacquerie. France’s ruling class drowned the revolt in blood and demonized all those who took part in it.

    If you think about the French revolutionary tradition, you’re most likely to picture the storming of the Bastille and the overthrow of the monarchy. But that wasn’t the first time there was a major uprising against the established order in France.

    In the second half of the fourteenth century, there was a popular revolt known as the Jacquerie, which terrified the French ruling class. They drowned the revolt in blood and set about demonizing the peasants who took part in it. It was only in the wake of a successful revolution four centuries later that historians began taking a fresh look at the Jacquerie.

    Justine Firnhaber-Baker is a professor of history at the University of St Andrews and the author of The Jacquerie of 1358: A French Peasants’ Revolt, the first major study of the Jacquerie since the nineteenth century. This is an edited transcript from Jacobin Radio’s Long Reads podcast. You can listen to the interview here.

    Daniel Finn

    What was the nature of the political system and the wider social order in France during the fourteenth century?

    Justine Firnhaber-Baker

    Politically, there was a centralized system in the sense that you had a king and royal government. By the mid-fourteenth century, when the Jacquerie happened, there was an elaborate bureaucracy supporting a central royal government at all levels. But the power structure was also decentralized, because local and regional lordships were very important.

    When we talk about medieval lords, we are talking about people who had jurisdiction and fiscal rights over a particular territory. We used to think about the royal government and the lords as opposing forces, with a zero-sum game between them: as royal power increased, lordly power must have decreased.

    But increasingly, we are coming to understand that these two levels of power actually worked together. The crown was not interested in getting rid of the lords, and the lords saw many advantages in cooperating with royal government. I should also say, for clarification, that the lords included the clergy: bishops, monasteries, and nunneries, with properties where they exercised lordship in the same way as lay lords.

    Connected with that was the social order. In the Middle Ages, a very popular way of thinking about the social order was that it was divided into three orders. The first order was the clergy — those who prayed; the second order was the nobles — those who fought; and the third order consisted of everybody else — those who worked.

    There was an idea that this division was based on a social contract: those who worked gave over the fruits of their labor to those who prayed in exchange for intercession with God and to those who fought in exchange for protection. Those first two orders of clerics and nobles often also held positions of lordship as well as having that social status.

    Daniel Finn

    What impact did the Black Death have on French society in the fourteenth century?

    Justine Firnhaber-Baker

    It’s hard to overstate the impact. The Black Death reached France in the winter of 1348, and estimates of mortality range from about 30 percent to about 60 percent. We are now fairly comfortable in saying that it was probably on the higher end of that scale, around 50 percent. You can imagine the impact of losing half your population in such a short period of time.

    The first wave of plague took about two years to run its course. Losing that amount of the population in that amount of time was incredibly disturbing in the short term. It interrupted the first phase of the Hundred Years’ War, which had been going on since 1338. For a couple of years after 1348, there was a truce during the plague.

    The longer-term impacts were even more profound. One of the important effects was that it halved the tax base. The crown and the lords were getting their money from the workers, and there were now many fewer of them around. If you were going to continue paying for warfare, which was increasingly expensive in the mid-fourteenth century, you were going to have to push your taxpayers even harder.

    There was also a social impact because of the way that social and political elites hoarded resources. A simplistic way to think about the Black Death and the economy is that the population was reduced but the resources stayed the same, so everybody was better off. In practice, it didn’t work that way.

    We did see some absolute improvement in everybody’s quality of life, but relative inequality probably increased. Although there should have been more resources available, in practice, those resources weren’t shared out equally because of the way taxation and labor laws were enacted and also because land market worked in a way that privileged noble ownership over ownership by commoners.

    Daniel Finn

    How did the Anglo-French conflict that became known to historians as the Hundred Years’ War affect the people of France?

    Justine Firnhaber-Baker

    You’re right to qualify it in that way, because “Hundred Years’ War” is a term that was only applied to it much later, from the nineteenth century. At the time, people obviously didn’t know that it was going to last for a hundred years. It was part of an ongoing conflict between England and France that can be traced back to the thirteenth century if not before.

    If we focus on the two decades after 1338, which is when we conventionally date the beginning of the Hundred Years’ War, the conflict had been much more intense than anything that French people were used to living through before. Although it was a war between England and France, it was mostly waged on French soil.

    One major way that the war affected the people of France was through the greater frequency of violence that they experienced. For the most part, warfare in the Middle Ages was not waged in the form of pitched battles between opposing armies. It largely took the form of raiding on the open countryside against noncombatants.

    Many French commoners suffered the effects of the war as victims, but they also had a new experience of military violence as perpetrators. There was a militarization of society as a whole during the Hundred Years’ War because commoners were increasingly called up to fight in the royal army.

    As infantry became more important to medieval armies in the fourteenth century, meaning that you had many more commoners in the army than in previous centuries, that shift had logistical effects. Commoners developed the capability to fight. They possessed weapons, armor, and leadership skills, which also had a social and psychological effect. They realized that the nobles were supposed to be the fighters, but now the workers were fighting, too, and might even be better at it than the nobles.

    At this point, the war had been going very badly for the French army, with the king and the nobles in charge of its command structures. Two years before the Jacquerie in 1356, there was a major battle at Poitiers, where the French king was taken captive by the English forces and brought to London. They demanded a huge ransom for him, and the realm fell into a period of political conflict and chaos because he left the dauphin, his eighteen-year-old son Charles, in charge.

    By the time the Jacquerie broke out two years later, the dauphin had lost control of Paris and much of northern France to a bourgeois rebellion led by the head of the Parisian merchants. This bourgeois rebellion started out in partnership with the dauphin, but soon they entered into conflict with him over their desire to reform the governing structures of the realm. They also clashed with the dauphin’s noble supporters, who objected to their efforts to control the army and tax the nobles at the same rate (at least) as the commoners.

    By the winter of 1358, the bourgeois rebellion and the dauphin were engaged in a very serious, violent conflict. The leader of the rebellion had two of the army’s noble marshals murdered in front of the dauphin in his bedroom, at which point the split became irreconcilable.

    The dauphin withdrew from Paris and started making plans with his noble supporters to retake the city by force. They garrisoned a couple of big castles on two of the three major rivers supplying Paris with food. It was at that moment, with the dauphin and his noble supporters staring down at Paris while Paris was not sure what to do next, that the Jacquerie began.

    Daniel Finn

    When did the Jacquerie itself begin, and was it a spontaneous event or something that had been planned in advance?

    Justine Firnhaber-Baker

    It was a bit of both. The first incident, which took place on May 28, 1358, was certainly not spontaneous. The sources all agree that the rebels first assembled from several different villages, and then went to a town on the River Oise — the one river that the dauphin had not blockaded — where they attacked nine noblemen.

    This target was carefully chosen. The noblemen were led by a knight by the name of Raoul de Clermont-Nesle, who was related to one of those noble marshals that the bourgeois rebels had killed in front of the dauphin several months earlier. The motivation becomes quite clear once you know what the local geography looks like.

    I went there and I walked around the area, thinking, “Why here?” At first glance, the town looks like a random place to have chosen. But they were trying to prevent Raoul de Clermont-Nesle, the eight noblemen accompanying him, and probably a number of troops as well from crossing the river there and garrisoning a castle a little way up the river. That would have allowed them to block the Oise in the same way that the dauphin and his noble supporters were blocking the other two rivers.

    That first incident looks to have been planned, and it clearly had connections with the bourgeois rebellion in Paris, although I don’t think that the first incident was planned by those in Paris, because it seems to have taken them by surprise. I think that the commoners and the peasants were doing this off their own back, because we know that people in the countryside had a very good idea of what was happening in Paris, and many of them approved of it. What they understood about what was happening there was that in Paris, they killed noblemen — specifically these marshals who had been killed in front of the dauphin.

    That first incident looks to have been carefully targeted as a military, strategic attack. What grew out of that, in some ways organically, was linked to it but distinct. The revolt that unfolded afterward began at a second assembly held in the aftermath of the first attack. That was the point at which the peasants chose a leader, a captain called Guillaume Calle.

    It looks as if Guillaume Calle and the men around him (perhaps some of the women as well) had a plan. But that doesn’t necessarily mean that the plan was in the minds of everyone who later joined the Jacquerie. It’s important to remember that it was not a single movement. It was made up of thousands — perhaps tens of thousands — of people who had different ideas about what they were doing. They weren’t all in contact with one another, and their ideas and objectives changed over the course of the six to eight weeks that the revolt unfolded.

    Daniel Finn

    As the revolt spread, becoming a convergence of many different revolts, as you point out, how did the rebels organize themselves, and what were some of the key demands that they put forward?

    Justine Firnhaber-Baker

    Guillaume Calle, who they elected after the first incident, was known as the general captain of the countryside — the captain of the area around the city of Beauvais, which was the Jacquerie’s heartland. Calle seems to have had some top lieutenants who rode with him, gave him advice, and were available to bring messages to other areas involved in the Jacquerie.

    Underneath that top level, you had a layer of village captains. There is some evidence that each village had its captain and that the captain also had a subordinate, so there was probably a captain and a lieutenant in each village. There was a sort of hierarchy with two levels — though not a very strict hierarchy. We have a lot of evidence that people could just go and talk to Calle, and that they did not necessarily always do what he told them to do.

    It was a grassroots movement, because Calle was chosen from the bottom up rather than being imposed upon the movement. Those village captains were mostly chosen by their own villages. That was a strength of the revolt, but it also led to a tug of war over authority.

    There was a sense in which leaders would say, “I am the captain, we should pursue my objectives,” but the rank and file would reply, “We made you our captain so that you would do the things we want to do.” There was a degree of push and pull there.

    When it comes to some revolts in medieval Europe, we know a lot about specific demands because the rebels left behind a list of them. However, we don’t have anything like that for the Jacquerie. We know that at one point, there were written documents being passed back and forth, with letters sent to cities that the Jacques wanted to be involved in the revolt and so on. But none of that material survived, whether by accident or design, so we are left to discern their motives in a couple of different ways.

    One way is by looking at what chroniclers from the time had to say. The chronicles say that when the Jacques articulated a motive in words, it was to destroy the nobles, who were not defending the realm and the peasants as they were supposed to but rather taking all of their possessions.

    It was a criticism based on the social contract of the three orders. The peasants were supposed to hand over their produce because the nobles protected them, but in this case the nobles weren’t protecting them. They were also losing the Hundred Years’ War very badly, so they didn’t deserve their noble status and the luxury goods that came with it.

    I should say here that the name of the revolt itself came from the name given to the common-born soldiers: “Jacques Bonhomme” was originally a derisory nickname, but the common-born soldiers had taken it up with pride. Some of the rebels called themselves Jacques Bonhomme with a certain sense that they could be in charge of the kingdom now since they were better at warfare than the nobles. There might also have been an overlap between the men in the army who were called Jacques Bonhomme and the men who were in leadership positions during the revolt.

    That’s what the chronicles say, and it makes a lot of sense, but you also need to be somewhat critical, because that motive is the one ascribed to all peasant revolts in the Middle Ages. It made the revolts intelligible to elites in terms of the social theory of the three orders that they embraced. It’s not surprising that they embraced the theory, since it was very helpful to them. It provided an explanation for why they could take the fruits of peasant labor.

    To the extent that this explanation allowed criticism of the nobility to come through, it was not criticism of the unequal social order itself. It was merely that the nobles were not fulfilling their part of the bargain. If they went back to fulfilling it, then it would be fine for them to extract surplus from the peasantry.

    The other way we can examine what the Jacques were looking for and why is to extrapolate motives from their actions. The chroniclers focus on the Jacques killing nobles. But if we look at what they actually did, except for the first incident where they killed nine noblemen, they didn’t kill people all that often. Those nine nobles on that single day constitute a third of the identifiable nobles that we know to have been killed during the revolt.

    What the Jacques focused their violence on was destroying noble fortresses and houses. There are three points to consider here. First of all, we can see that as a form of support for Paris — a diversionary tactic, moving the nobles away from the army that the dauphin was gathering to attack Paris.

    He wanted to gather the army to the south of Paris, but the Jacquerie broke out to the north of the city, so it drew some of the forces allied to the dauphin back toward the north and delayed the attack on Paris. There were also moments when the Jacques joined with the Parisian militia who tried to recapture one of the river fortresses that the dauphin was occupying.

    However, a lot of the violence by the Jacques seems to have been much more social than military or political. This is the second thing to consider. They focused on the noble fortresses and houses because of the way those buildings advertised the social status of the nobles and their excessive wealth. It’s important to note that some of the structures nobles referred to as castles in the mid-fourteenth century had derisory military capabilities — they were really just buildings for the display of wealth and status.

    It’s also important to note that they were attacking nobles, not lords. The Jacquerie was not an anti-seigneurial revolt. They didn’t attack their own lords, which is very interesting. We can tell that lordship per se, as opposed to nobility, was not the target because none of the clerical lordships were attacked. Bishops and monasteries owned extensive lordships, yet they were not targets at all.

    The third point is that there is an interesting way in which the anti-noble animus of the Jacquerie overlapped with the Parisian motivation, because Paris was the great enemy of the dauphin and the dauphin’s supporters were the nobles. There is a way in which we can think about the revolt not merely as an anti-noble revolt, but also as an anti-royal revolt, or at least a revolt against the Valois dynasty, because of how closely intertwined the nobles were with the dauphin and the royal state.

    Daniel Finn

    Was there support for the revolts in the towns and cities of what was then urban France?

    Justine Firnhaber-Baker

    Yes, absolutely. I’ve talked a lot about Paris, but there were a number of other provincial cities in northern and eastern France like Amiens, Beauvais, Caen, and Senlis. There was a clear distinction between cities and the countryside in this period. Cities were distinguished in particular by the possession of walls, and because their political status was somewhat different, they were more involved in the politics of the realm. They were called upon to go to the assemblies of the three estates in a way that country dwellers were not.

    At the same time, there was a lot of interpenetration between town and countryside. Town dwellers would own estates in the countryside, and people from the country would come into the cities all the time for work, commerce, entertainment, and administrative business.

    When the revolt broke out on May 28, extending at least until the middle of June, the towns were at first quite supportive. They opened up their gates and allowed the Jacques in, putting out tables with wine and food to refresh them on their way. Citizens and even town militias joined in the attacks on nearby castles and manners. This was part of their preexisting alliance with the bourgeois rebellion in Paris.

    Again, we can see that interpenetration of the Parisian rebellion, which was related but distinct, with the Jacquerie. But with the exception of Senlis, all of these cities abandoned the Jacquerie when things started to go pear-shaped around the middle of June. This was a fatal problem for the Jacques because the city walls were the only defensive architecture available to them. They needed to be able to retreat behind those walls.

    The other form of defensive architecture would have been the castles, but the Jacques had been destroying the castles rather than occupying them. In any case, the rebels were composed of very large groups, so few castles would have been able to accommodate that many people. When the cities closed their gates and said, “We don’t want to be a part of this anymore,” the Jacques were left on the open fields to face noble armies, and they were slaughtered.

    Daniel Finn

    Could you tell us in a little more detail about how the military events of the Jacquerie unfolded and how it was eventually defeated?

    Justine Firnhaber-Baker

    From the outbreak on May 28 to June 10, the Jacques were effectively masters of the countryside. They attacked more than a hundred castles. By June 5, the Parisian militia marched out to join the Jacquerie. Again, I don’t think the Parisians were the originators of the revolt, but they were ready to join forces with the Jacques.

    By June 9, there were Jacquerie forces across the countryside north of Paris, probably extending toward an area of the country called Picardy, almost up to Belgium. In the east of the countryside, you had a combined army of Jacques and Parisians who were heading to a castle at Meaux, a city that controlled the River Marne flowing into Paris. Their intention was to attack that castle and bring it under Parisian control.

    On June 10, the combined army attacked the castle at Meaux, and they were destroyed. They were slaughtered like pigs in the streets of Meaux because of the castle’s defensive architecture. They were hoping to overwhelm it with numbers, but the design of the castle meant that it could be defended by a very small number of men.

    Probably on the same day, north of Paris, there was a big Jacquerie army led by Guillaume Calle facing off against a noble army led by Charles, who was the king of the Spanish country of Navarre. Charles also had some claim to the French throne, and he was a major Norman lord, which is why he was there. In addition, this noble army included a lot of Englishmen.

    The army led by Charles completely overwhelmed the Jacques, and in a very dishonorable way. Charles had sent a messenger to Guillaume Calle and said, “I would like to parlay.” This was entirely normal on the eve of battle. But when Calle went to meet the king of Navarre, he was seized and beheaded, probably along with some of his captains. The nobles then attacked the leaderless Jacquerie army and destroyed them.

    This all happened on June 10, which you will often see given as the date for the end of the Jacquerie, although it continued for another six weeks afterward, well into July and even beyond that point in some places. However, we can see the beginning of a counterinsurgency from June 10, which we call the Counter-Jacquerie. Many of the nobles who had been hiding out got their courage back and started to take revenge.

    In the east of the country, the dauphin was leading a campaign of nobles who were taking vengeance more or less at will. In the west, it was Charles, the king of Navarre. Originally, the Jacques had thought that Charles might help them, because he was allied with the Parisians, but that turned out not to be the case. The Jacques did fight back, so it wasn’t simply a question of the tables being turned. But after June 10, a social revolt of non-nobles against the nobility became a social war between nobles and non-nobles.

    We can say that the Jacquerie was definitely spent by the end of July. There was a countercoup in Paris on July 31, and the leader of the bourgeois rebellion was killed. The dauphin reentered Paris and ordered the spectacular execution of the remaining prominent rebels, but then he drew a line under it all and began issuing pardons for anyone involved in the bourgeois rebellion, the Jacquerie, or the noble effort to suppress it afterward.

    I would say that moment marks the end of the Jacquerie. You still had scattered echoes in different parts of the kingdom, but they were not really linked to the original movement — they were imitations of it. You also had conflicts that were later referred to as being part of the Jacquerie because of when they took place rather than because they actually formed part of the revolt.

    Daniel Finn

    Did the revolt leave behind any tangible legacy for France after its defeat?

    Justine Firnhaber-Baker

    For a few decades, yes, it did. We can trace the legacy of the revolts through lawsuits, mainly between those who were damaged in the revolt or its noble suppression and those who they held responsible for the damage. A wonderful thing about legal documents, particularly medieval ones, is that they often tell you great stories about everything that led up to the lawsuit and all the bad blood that affected its course.

    It’s clear that many people did not accept the idea of drawing a line under these events — they were still angry. There were non-nobles being killed decades after the revolt because of their association with it, and lawsuits that went on for thirty years. There were also physical reminders of the revolt. We know from later inventories of noble holdings that even by the turn of the fifteenth century, there were still buildings listed as ruined because of the “time of the commotions,” which is what they called the Jacquerie.

    For a while, “jacquerie” became a word that was used as an insult. It was a coinage of the mid-fourteenth century, and the revolt was referred to as the Jacquerie at the time. But a few decades later, it was the sort of thing that a person might say after getting into a fight in a tavern: “You are just a waste of space — go off to your jacquerie.”

    By the end of the fourteenth century, the memory had faded. In northern France, you didn’t see another major peasant rebellion for a very long time. The cities, particularly Paris, rose again and again, and most urban rebellions in medieval Europe would have had some kind of rural counterpart, but that didn’t happen in northern France.

    I wonder if that might have been a legacy of the fourteenth-century revolt in its own way. People in the cities might have said, “The last time the countryside was involved, we lost control, so we’re going to avoid that in future.” But apart from its inclusion in one of the most popular chronicles of the Middle Ages, there wasn’t much memory of the revolt until the end of the eighteenth century.

    Daniel Finn

    How has the Jacquerie been remembered and interpreted by historians over the course of subsequent centuries?

    Justine Firnhaber-Baker

    As I said, it was forgotten for a long time. We see the word “jacquerie” first reappear in English as well as in French at the end of the eighteenth century, around the time of the French Revolution. That was when historians started to become interested in the common people in a way they never had been before. It was very much a reflection of what was happening in their own time period, as they started looking for the seeds of 1789 in the much earlier medieval rebellions.

    The first book on the Jacquerie — and indeed the last one until my own book was published in 2021 — appeared in 1859. That was partly a legacy of social and political movements of the nineteenth century. It was also related to the professionalization of history and the discovery of new sources, particularly legal sources, which allowed the author Siméon Luce to write a much broader history of the revolt.

    Luce’s book was based on those legal documents, as well as the very stereotypical accounts that we get from the chronicles. It argued that the Jacquerie was organized, political, and linked to the Parisian revolt. But soon there was a reaction against that interpretation, arguing that it couldn’t possibly have been like that, because the peasants were rude, uneducated, drunken louts, incapable of planning, let alone organized political action that was coordinated with a great city like Paris.

    This rival interpretation presented the Jacquerie as a spontaneous eruption of peasant hatred that was completely irrational. There was no planning — it just exploded. Those two schools of thought have continued to frame discussion of the revolt. Everyone who writes about it takes one side or the other.

    A recent book on the Hundred Years’ War, for example, says that the Jacquerie was the result of peasants being brutalized by war: in their fog, they could no longer distinguish friends from foe — the only enemy was a nobleman. My book definitely comes down much more on the side of arguing that the Jacquerie was organized, political, and linked to the Parisian revolt. But one of the things I wanted to emphasize was that this was a heterogeneous movement.

    I don’t think any of the people involved in the Jacquerie were stupid or incapable of planning; there’s also no evidence that they were drunk. But the revolt wasn’t all about the specific military and political aims of Paris. A lot of it was much more organic and much more critical of nobility from an economic, social, and even aesthetic standpoint than it was about the conflict between the noble party and the bourgeois party in Paris.

    #Frsnce #histoire #moyen_age #révolte #jacquerie #lutte_des_classes #tiers_état #église #clergé #noblesse

  • La vie sociale des saints
    https://laviedesidees.fr/Dominique-Barthelemy-Miracles-de-l-an-mil

    Longtemps perçu comme un temps de violences débridées, l’an mil connaît en réalité ses mécanismes propres de régulation et de négociation. Parmi ceux-ci, le rôle de contrôle social exercé par les saints et leurs reliques, peut se lire comme un vaste récit de soutien au système féodal.

    #Histoire #religion #Moyen_Âge #Double_Une
    https://laviedesidees.fr/IMG/pdf/20240912_saints.pdf

  • Les affects médiévaux
    https://laviedesidees.fr/Regine-Le-Jan-Amis-ou-ennemis

    Appuyant son #anthropologie historique sur un riche corpus textuel, Régine Le Jan entreprend l’exploration des relations interpersonnelles au haut #Moyen_Âge, y voyant une spécificité socio-politique de l’Occident latin.

    #Histoire #société_civile #affectivité #Double_Une
    https://laviedesidees.fr/IMG/pdf/20240912_affects.pdf

  • La scandinavie au-delà des vikings
    https://laviedesidees.fr/La-scandinavie-au-dela-des-vikings

    Entre ressources naturelles spécifiques, ouverture vers le large et développement d’une société hiérarchisée, la période qui précède l’âge viking fait partie des plus méconnues de l’histoire de la Scandinavie et doit être relue dans la perspective complète du premier millénaire de notre ère.

    #Histoire #Moyen_Âge
    https://laviedesidees.fr/IMG/pdf/20240905_scandinaves.pdf

  • Les adelphes au haut Moyen Âge
    https://laviedesidees.fr/Justine-Audebrand-Freres-soeurs-Europe-haut-Moyen-Age

    Les historiens de la #famille ont déjà exploré les relations conjugales et filiales, mais on en sait moins sur les adelphes, c’est-à-dire les frères et les sœurs. À une époque où la conception de l’adelphie est flexible, cette relation encouragée par les parents s’entretient pourtant toute la vie.

    #Histoire #Moyen_Âge
    https://laviedesidees.fr/IMG/pdf/20240826_adelphes.pdf

  • Le #commerce en Méditerranée avant les marchands italiens
    https://laviedesidees.fr/Le-commerce-en-Mediterranee-avant-les-marchands-italiens

    En croisant sources écrites et #archéologie, Chris Wickham propose un tableau comparé de la #Méditerranée du Xe au XIIe siècle, et en termine définitivement avec le mythe des marchands italiens ouvrant au commerce une mer endormie.

    #Histoire #Moyen_Âge
    https://laviedesidees.fr/IMG/pdf/20240624_commerce.pdf

  • Charles Martel face aux sources
    https://laviedesidees.fr/Philippe-Senac-L-autre-bataille-de-Poitiers

    Au sein de l’imaginaire collectif, la bataille de Poitiers est souvent considérée comme un moment clé de l’histoire de France. En s’appuyant sur de nouvelles sources, notamment arabes, Ph. Sénac relativise l’importance de cet évènement - et plus généralement de la « dictature de l’événement ».

    #islam #Histoire #Moyen_Âge #guerre
    https://laviedesidees.fr/IMG/pdf/20240603_martel.pdf

  • Quand commence le capitalisme ? De la société féodale eu monde de l’Economie : conférence de Jérôme Baschet (Vidéo de présentation du livre)
    http://www.palim-psao.fr/2024/05/quand-commence-le-capitalisme-de-la-societe-feodale-eu-monde-de-l-economi

    Le livre est sorti ! Présentation résumé d’1H :

    https://www.youtube.com/watch?v=1_rl7oNzPyA

    #Jérôme_Baschet #Histoire #capitalisme #colonialisme #moyen_âge #économie

  • Réformer entre #conservatisme et révolution
    https://laviedesidees.fr/Marie-Dejoux-Reformatio

    Papes, rois et autres conciles : le #Moyen_Âge serait « réformateur ». Alors que les discours contemporains sont saturés de « réformes », un livre collectif s’interroge sur le sens et la rareté du mot en Occident entre le XIIIe et le XVe siècle.

    #Histoire #Eglise #réforme
    https://laviedesidees.fr/IMG/pdf/20240417_reforme.pdf

  • La féodalité latine en Palestine
    https://laviedesidees.fr/Florian-Besson-Les-Seigneurs-Terre-sainte

    L’installation des croisés en Palestine au XIe siècle donne naissance à un monde original : une féodalité orientale née de bricolages multiples entre différentes cultures politiques, au sein de laquelle les seigneurs manient les armes, l’argent et les mots, dans une perpétuelle compétition. À propos de : Florian Besson, Les Seigneurs de la Terre sainte. Pratiques du pouvoir en Orient latin (1097-1230), Classiques Garnier

    #Histoire #Moyen_Âge #Moyen-Orient
    https://laviedesidees.fr/IMG/pdf/20240404-carraz.pdf