• Zum Tod von Reinhard Strecker : Der unbequeme Aufdecker
    https://taz.de/Zum-Tod-von-Reinhard-Strecker/!6203548

    Reinhard Strecker als Student der FU Berlin 1959  Foto : Privatarchiv Strecker

    Il y a quatre catégories d’Allemands et leur descendants. Les criminels nazis, la vaste majorité qui a collaboré, ceux qui n’ont pas accepté de participer aux crimes nazis et quelques résistants. Ce grand antifasciste vient de nous quitter.

    11.8.2026 von Peter Nowak - Als Student jagte Reinhard Strecker ehemaligen NS-Richtern hinterher – und stieß damit auf heftigen Widerstand. Nun ist er mit 95 Jahren gestorben.
    Reinhard Strecker

    In den vergangenen Jahren wurde es stiller um Reinhard Strecker. Dabei verfolgte er bis ins hohe Alter mit Sorge den Aufschwung neuer rechter Bewegungen. Als „Pionier der NS-Aufarbeitung“ kämpfte er jahrzehntelang gegen die alten Nazis in westdeutschen Institutionen.

    Als Jugendlicher verließ Strecker Deutschland mit dem festen Vorsatz, nie in das Nachkriegsdeutschland der Adenauer-Ära zurückzukehren, das die NS-Verbrechen totschwieg. Auf Drängen seiner Eltern kehrte er in den 1950er-Jahren doch in die BRD zurück. Bald erkannte er, dass er selbst handeln musste. „Wenn ich in Deutschland bleiben sollte, musste sich das Land ändern. Dass man mit den alten Verbrechern die Demokratie aufbauen konnte, hielt ich für idiotisch“, sagt Strecker im Gespräch mit der Deutschen Welle im Jahr 2019.

    An der Freien Universität Berlin, wo er Sprachwissenschaften studierte, fand Strecker Gleichgesinnte. Gemeinsam untersuchten sie die personellen Kontinuitäten ehemaliger Nazijuristen in der westdeutschen Justiz. Ihre Recherchen mündeten in die Ausstellung „Ungesühnte Nazijustiz“, die Anfang der 1960er-Jahre für großes Aufsehen und heftige Anfeindungen sorgte. Strecker und seine Mitstreiter wurden als Handlanger Ostberlins diffamiert, weil sie auch Dokumente aus DDR-Archiven nutzten.

    Die SPD, deren Mitglied Strecker war, distanzierte sich von der Ausstellung. In München verbot die Polizei die öffentliche Werbung dafür. In Westberlin versuchte der Senat vergeblich, die Galerie Springer am Kurfürstendamm unter Druck zu setzen, die Ausstellung abzusagen. Diese Repressionen trugen dazu bei, dass die Ausstellung und ihr Inhalt auch international bekannt wurden.
    Die FU Berlin änderte ihre Sichtweise später

    Strecker und seine Mit­strei­te­r*in­nen erreichten ihr Ziel: Die ungesühnten NS-Verbrechen wurden öffentlich diskutiert. Mit Unterstützung des Sozialistischen Deutschen Studentenbunds (SDS) erstatteten sie mit Verweis auf die von ihnen gesammelten Dokumente Anzeigen gegen NS-Täter und ermutigten Opfer, ebenfalls juristisch gegen ihre Peiniger vorzugehen.

    Erst später erhielt Strecker in Deutschland Anerkennung für seine Arbeit. So erhielt er 2015 das Bundesverdienstkreuz. Zu seinem 85. Geburtstag organisierten die Landeszentrale für politische Bildung Berlin, der Verein Forum Justizgeschichte und das Zentrum der TU Berlin eine gemeinsame Veranstaltung. Der Historiker Michael Kohlstruck schrieb im Begleittext, Strecker habe mit der Ausstellung „Ungesühnte Nazijustiz“ erstmals die personellen Kontinuitäten zwischen NS-Regime und Bundesrepublik offengelegt und damit einen wichtigen Beitrag zum historischen Lernen geleistet. Vor wenigen Wochen verlieh ihm die Freie Universität Berlin die goldene Ehrennadel und korrigierte damit ihre Entscheidung von 1960, der Ausstellung keine Räume zur Verfügung zu stellen.

    Am 2. August starb Reinhard Strecker im Alter von 95 Jahren in Berlin.

    #Allemagne #nazis #antifascistes

  • „Was können wir konkret tun, um Ihnen zu helfen, mehr Russen zu töten ?“
    https://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/was-k%C3%B6nnen-wir-konkret-tun-um-ihnen-zu-helfen-mehr-russen-zu-t%C3%B6ten/ar-AA29MtkL
    und
    https://www.berliner-zeitung.de/article/was-koennen-wir-konkret-tun-um-ihnen-zu-helfen-mehr-russen-zu-toete

    Le journaliste qui a demandé au président ukrainien, comment "nous pouvons aider l’Ukraine à tuer plus de Russes" représente l’élite des médias allemands. Son grand père représentait l’élite aussi, il a été juge militaire et nazi proche d’Adolf Hitler.

    Pas grave, on ne lui en veut pas, car ce journaliste est aussi russophobe que les descendants des simples soldats qui on tué du Russe avant 1945. Nous sommes un peuple d’assassins racistes et russophobes. Et alors ? Vos bougnoules sont nos Iwans. On s’en fout. Patron, encore un schnaps pour tous et ensuite un cognac s.v.p, !

    Il est grand temps de regarder encore une fois Ascenseur pour l’échafaud pour mieux comprendre l’amitié franco-allemande.

    10.8.2026 von Thomas Fasbender

    „Was können wir konkret tun, um Ihnen zu helfen, mehr Russen zu töten?“

    Wie kann es sein, dass ein deutscher Journalist und langjähriger Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung dem ukrainischen Präsidenten in aller Öffentlichkeit die Frage stellt: „Was können wir Europäer konkret tun, um Ihnen zu helfen, mehr Russen zu töten?“?

    Hat es damit zu tun, dass sein Großvater, Militärrichter und Offizier im Wehrmachtsführungsstab, mehrfach an Adolf Hitlers Mittagstisch saß? Eine unverdaute Familiengeschichte, würgende Erbschuld, die endlich und unverhofft Gelegenheit erhält, sich in selbstgerechter Empörung über den russischen Angriffskrieg zu entladen?

    Dass der Journalist unmittelbar nach seiner Frage hinzufügt, er meine „nur“ russische Soldaten, macht die Sache nicht besser. Im Gegenteil. Da ist etwas herausgerutscht, etwas tief, sehr tief Verborgenes, das nicht hätte herausrutschen sollen.

    Die Rede ist von dem FAZ-Auslandskorrespondenten Michael Martens, der seit 2019 von Wien aus über den europäischen Südosten berichtet. Sein Großvater war der 1904 geborene Hans-Hermann Martens, Jurist, SA- und NSDAP-Mitglied, 1936 mit Hitlers eigener Unterschrift zum Staatsanwalt ernannt. Der Enkel hat ihm 2024 einen ebenfalls in der FAZ erschienenen, sehr berührenden Text gewidmet.

    Martens’ Frage an Wolodymyr Selenskyj, geäußert anlässlich einer Pressekonferenz mit dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic in Belgrad, lässt sich anders als psychologisierend nicht beantworten. Die Verhaltensbiologie weiß, dass nicht nur Tiere eine natürliche Hemmung besitzen, Artgenossen zu töten. Die Militärpsychologie weiß es noch viel besser. Seit der Antike werden Soldaten durch sture Konditionierung darauf trainiert, ihresgleichen umzubringen.Distanzwaffen erleichtern den Akt. Eine Kanone abzufeuern, erfordert weniger Überwindung, als ein Bajonett in den Leib des Gegners zu stechen. Noch niedriger ist die Hemmschwelle, wenn ein anderer sticht, am besten ein unbekannter, fremder Soldat. Ein Ukrainer.

    Wenn nicht mehr auf dem Spiel steht als der fromme Wunsch, der Ukrainer möge beim Töten möglichst erfolgreich sein.

    „Was können wir Europäer konkret tun, um Ihnen zu helfen, mehr Russen zu töten?“ Logisch, dass Martens nicht „wir Deutsche“ sagt. Da wirkt das Tabu noch. Die Vergangenheitsbewältigung. Für uns Deutsche gilt „Nie wieder“. Als Europäer sieht das schon anders aus. Da darf man wünschen.Und dem Wünschen sind keine Grenzen gesetzt. Wer in die anonymen Abgründe des Internets taucht, stößt auf Todeswünsche und Russenhass jenseits aller Rationalität. Exemplarisch ist die Zehntausende Konten umfassende Fraktion der „Nafo-Fellas“ – an deren Hass gemessen spiegelt Martens’ Frage den Geist von Klosterfrauen.

    Wahrscheinlich ist er kein Russenhasser; ich würde ihm das keineswegs unterstellen. Es geht um ganz anderes. Der 1973 geborene Enkel weiß: Ähnlich Tausenden anderen wurde der Großvater viel zu milde bestraft, nämlich gar nicht. In der Bundesrepublik wurde er Senatspräsident. „Wie viele Todesurteile gegen ergriffene Deserteure mein Großvater gefällt hat, weiß ich nicht“, schrieb der Enkel vor zwei Jahren. Sein Blick in die Vergangenheit ist mit dem Gefühl von ungerechter Milde assoziiert – das darf sich nicht wiederholen.

    Der Ruf nach Strafe für Russland und die Russen befriedigt dieses ungestillte Bedürfnis nach Sühne für die eigene, kollektive und in Martens’ Fall familiäre Schuld. Der Gerechtigkeitsfrust aus der eigenen, deutschen Geschichte wird auf eine andere, die russische Geschichte projiziert.

    Martens ist kein Einzelfall. Unsere moralische Katastrophe ist präsent, egal wie verdrängt oder relativiert (Fliegenschiss). Ein Gegengift ist die selbstermächtigende, aktivierende moralische Überlegenheit, sind Wut und Empörung angesichts der Verfehlungen Dritter. Sie reißen uns aus dem Teufelskreis der eigenen Scham, der unterdrückten Schuld. Mit seinem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg, Goliath gegen David, brachial und rücksichtslos, bietet Russland die Steilvorlage. Putins Krieg verspricht Entlastung durch Empörung.

    Indem Russland in solchem Maß zum Täter wird, schreit es nach der Bestrafung, die unseren Vorfahren erspart blieb. Wenn Deutsche im Netz „Putin nach Den Haag“ rufen, Reparationen und jahrzehntelange Ächtung fordern, folgen sie (auch) diesem Reflex. Erst recht, wenn sie sich viele tote Russen wünschen – und seien es „nur“ russische Soldaten.Russland soll büßen, die eigene Schuld und unsere ungesühnte gleich mit. Vielleicht in anderer Diktion, aber nicht minder scharf fordern das auch die „Falken“ unter den Journalisten und Politikern. Einmal auf der richtigen Seite der Geschichte stehen; das hebt die Stimmung. Nach mehr als acht Jahrzehnten rehabilitiert Putin die moralische Symmetrie. Nicht dass jemand auf die Idee kommt, wir könnten ihm für seinen Krieg dankbar sein.

    Ascenseur pour l’échafaud
    https://fr.wikipedia.org/wiki/Ascenseur_pour_l%27%C3%A9chafaud

    #Allemagne #nazis #Russie #guerre #russophobie #spychologie

  • Euthanasiemorde in Sachsen : Das Archiv erinnert sich, wenn Familien es nicht tun
    https://www.berliner-zeitung.de/article/euthanasiemorde-in-sachsen-das-archiv-erinnert-sich-wenn-familien-e

    Cet article sur l’euthanasie sozs le natibal-socialisme contient une hypothèse intéressante : l’antifascisme officie de l’état socialuste allemandl aurait empeché l’identification de crimes et criminels nazis. L’état capitaliste allemand, l’héritier det successeur officiel du troisième Reiich aurait posé lrs questions essentielles sur son histoire et permis au familles, d’éclaircir la la collaboration et les méfaits de leurs ancêtrs.

    Je pense que c’est faux. Bien au contraire la RFA a été construite sous direction et dans l’intérêts des mazis survivants et de leurs alliés impérialistes, alors qu’en DDR/RDA les combattants antifascistes ont été au pouvoir après la victoire de l’Union des républiques socialistes soviétiques sur les fascistes allemands et leurs collaborateurs.

    La « Aufarbeitung » du nazisme a été une question morale à l’Ouest capitaliste et une histoire de solides faits à l’Est socialiste. La RDA et l’URSS ont puni et mis hios état de nuire tous les nazis qu’ils ont pu arrêter pendant qu’à l’Ouest les criminels fascistes et leurs collabirateurs ont continué à prospérer. tous, même les membres de l’’élite nazie. Les vainquers occidentaux de la guerre avaient besoin d’eux et du pays sous leur contrôle comme rempart contre le communisme.

    L’état socualiste allemand a mis fin au pouvoir des forces fascistes et au capitalisme , la base matérielle du fascisme, alors que l’état capitaliste allemand n’a même pas pu condamner les pires criminels de guerre.

    24.7.2026 von Martyra Peng - Über eine Datenbank, eine Patientenakte und das, was ostdeutsche Familien nicht fragen wollten.

    Dies ist ein Open-Source-Beitrag. Die Ostdeutsche Allgemeine und die Berliner Zeitung geben allen Interessierten die Möglichkeit, Texte mit inhaltlicher Relevanz und professionellen Qualitätsstandards anzubieten.

    Jetzt gibt es eine Datenbank. Mit und ohne Paywall. Man gibt den Namen der Großmutter ein, des Großvaters, des Urgroßvaters. Die NSDAP-Mitgliederdateien – digitalisiert, durchsuchbar. Viele suchen gerade.

    Ich habe anders gesucht. Nicht in Mitgliederlisten. Sondern in Patientenakten. Im Staatsarchiv Leipzig. In einer Doktorarbeit über die Euthanasiemorde in Sachsen, die ich fand, weil ich nicht aufgehört habe zu fragen. Was ich fand, war kein Parteibuch. Es war eine Patientenakte. Und eine Geschichte, die meine Familie seit Jahrzehnten falsch erzählt hatte.

    Mein Urgroßvater hieß Otto Kertscher. Geboren 1878 in Chemnitz. Sohn eines Arbeiters. Sechsunddreißig Jahre alt, als der Krieg ihn holte. Vierzig, als er zurückkam – mit zitternden Händen, Augen, die das Licht fürchteten, einer Lunge, die das Gas bei Ypern nie vergessen hat. 38 Mark Rente im Monat. Für vier Jahre Westfront. Er sammelte Zigarettenstummel von der Straße. Das war sein Vergehen.

    Am 14. März 1941 kamen zwei Männer in grauen Kitteln. Otto nahm seine dunkle Brille vom Tisch, setzte sie auf, und ging mit ihnen. Er sah sich nicht noch einmal um.

    Die Patientenakte liegt im Staatsarchiv Leipzig. Sie ist ein erschütterndes Dokument. Otto fleht darin das Anstaltspersonal an, gehen zu dürfen. In seinen eigenen Worten, auf vergilbtem Papier. Ein Mann, der kämpft. Der nicht aufgibt. Der weiß, dass er weg muss.

    Foto

    Gedenk-und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen Euthanasiemorde in der Tiergartenstraße in Berlin © Reiner Zensen/Imago

    Die Akte vermerkt auch Besuche. Frau und Tochter. Regelmäßig. Dieselbe Tochter, die das Einweisungsformular ausgefüllt hatte, besuchte ihren Vater in der Anstalt. Sie brauchten seine Rente. Ohne die 38 Mark kamen sie nicht durch den Winter. Das ist keine Geschichte über Ideologie. Das ist eine Geschichte über Armut. Über das, was Armut mit Menschen macht.

    Das Wort auf dem Formular lautete: Belastung.

    Sie schrieb es über ihren eigenen Vater. Den Mann mit den zitternden Händen. Der Stummel von der Straße aufhob, weil sonst nichts da war. Der eine Lunge hatte, die noch immer brannte, seit Ypern 1917. Was wir heute PTBS nennen würden, hieß damals Schwäche. Schwäche war eine Wahl – das hatte die Gruppenführerin gesagt. Das stand in ihrem Heft. Sie zog einen Stift aus der Schublade. Schrieb: Belastung.

    Das Wort kam leicht. Es hatte sich über Jahre geformt, Schicht für Schicht.

    Irgendwann zwischen 1941 und 1945 starb Otto Kertscher in Waldheim, in Arnsdorf oder in Großschweidnitz bei Löbau. Ermordet im Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten.

    Das genaue Datum geben die Archive nicht her. Die Geschichte, die meine Familie danach erzählte, war eine andere. Die Russen hätten ihn umgebracht. Diese Geschichte saß fest – so fest, dass die Erzählerin selbst irgendwann daran glaubte. Die Russen-These war bequemer als das Formular.

    Jetzt, wo viele Deutsche in Datenbanken suchen, lohnt es sich, über einen spezifisch ostdeutschen Mechanismus nachzudenken.

    Im Westen gab es die Auschwitz-Prozesse. Den Eichmann-Prozess. „Holocaust“ im Fernsehen, 1979. Die Frage „Was hat Opa gemacht?“ wurde gestellt. Zögerlich, unvollständig, manchmal erst in der dritten Generation. Aber sie wurde gestellt.

    Im Osten gab es einen anderen Weg. Die DDR war der antifaschistische Staat. Nicht als Metapher – als Staatsdoktrin. Wer im Osten lebte, stand per Definition auf der richtigen Seite der Geschichte. NS-Vergangenheit war ein westdeutsches Problem. Man musste nicht fragen, was Opa gemacht hatte. Der Staat hatte es bereits beantwortet: Nichts. Ihr seid die Guten. Diese Entbindung hatte Konsequenzen.

    NS-Täter, die im Osten blieben, konnten sich hinter dem Staatsnarrativ einrichten. Familien wurden von der Frage entbunden, bevor sie gestellt wurde. Das Schweigen wurde institutionalisiert – nicht durch Anordnung, sondern durch Überflüssigmachen.

    Meine Familie stammte aus Sachsen. Aus Freiberg. Sie floh noch vor dem Mauerbau in den Westen. Die Muster reisten mit.

    Das Wort Belastung hat eine lange Reise gemacht. Es stand 1941 auf einem Formular. Staatsarchiv Leipzig, Bestand Großschweidnitz. Jahrzehnte später tauchte es in anderen Mündern auf, über andere Körper, in anderen Kontexten. Es reiste durch Generationen wie ein Erbstück, das niemand bewusst weitergegeben hat. Es kam einfach mit. Eingepackt ins Schweigen.

    Ich war zehn, als ich es zum ersten Mal hörte. Eine Drei in Mathematik. Meine Großmutter väterlicherseits saß mir gegenüber. Ich wusste damals nicht, dass das Wort eine Geschichte hatte. Dass es sechsunddreißig Jahre zuvor über einen Mann geschrieben worden war, der Stummel von der Straße sammelte und nicht schlafen konnte, weil seine Lunge noch immer brannte.

    Ich war in Großschweidnitz. Das Mahnmal ist klein. Fast versteckt hinter Büschen. Ein Stein: Den Opfern der Euthanasie 1940–1945. Keine Namen. Nur diese kollektive Formel für Tausende, die alle ihren eigenen Namen hatten, ihre eigenen Hände, ihre eigenen Gründe, warum sie auf einem Formular landeten. Ich zündete eine Zigarette an. Legte sie auf den Boden vor dem Stein. Wie er es getan hätte.

    Die NSDAP-Datenbank ist ein Werkzeug. Die Patientenakten in den Staatsarchiven sind ein anderes. Was man dort findet, ist nicht immer das, was man gesucht hat.

    Manchmal findet man das Gegenteil: nicht den Täter, sondern das Opfer. Nicht die Mitgliedschaft, sondern das Formular. Nicht die Ideologie, sondern die Armut, die ein Wort produziert hat, das Generationen überlebt. Das Archiv erinnert sich, wenn Familien es nicht tun.

    Meine Familie hatte entschieden, zu vergessen. Die Russen-These war fester als die Wahrheit. Fester als Transportlisten. Fester als eine Patientenakte, in der ein Mann fleht, gehen zu dürfen – und in der vermerkt ist, dass die Tochter ihn besucht hat. Regelmäßig. Solange die Rente kam. Danach kam die Geschichte von den Russen.

    Schweigen schützt die Täter. Nicht die Opfer.

    Otto Kertscher. Geboren in Chemnitz. Sohn eines Webers. Gestorben 1945, allein, achtzig Kilometer von Chemnitz entfernt. Ich kenne deinen Namen. Ich habe eine Zigarette für dich niedergelegt. Ich schweige nicht.

    Martyra Peng ist Politikwissenschaftlerin und Zukunftsforscherin und schreibt als freie Autorin. Sie war langjährige Chefredakteurin des Erotik-Magazins Kaufmich und bringt unter anderem Erfahrungen aus der Sexarbeitsbranche in ihre Arbeit ein. Als Buchautorin und Bloggerin (futurevibes.substack.com) hat sie mehrere Bücher veröffentlicht, darunter die Romane „Workuta“ und „Die unsichtbare Frau“, die Memoirs „Kohle“ und „Der Magnolienbaum“ sowie das Sachbuch „Sexwork 3.0“.

    Transparenzhinweis: Die Autorin verwendet ein Pseudonym, der wahre Name ist der Redaktion bekannt.

    #Allemagne #histoire #nazis #iatrocratie #euthanasie

  • Nous profitons de l’été pendant lequel nous sommes un peu moins actives et actifs pour proposer un petit voyage quotidien au cœur de la « bibliothèque » de la plateforme collective de visionscarto.net

    Après Les réflexions de Vincent Capdepuy (géohistorien), nous laissons la parole à Attila Bátorfy (information designer, journaliste de données, enseignant et chercheur en études des médias à l’université Eötvös Loránd de Budapest). Depuis des années, il partage ses remarquables découvertes graphiques et cartographiques sur son site Le cabinet des curiosités (https://attilabatorfy.substack.com). Il nous montre, à travers ce texte et ces images, la puissance effrayante de la « cartographie à l’usage des fascistes »

    Jour 3 :
    Quand les fascistes font des graphiques
    https://www.visionscarto.net/les-fascistes-font-des-graphiques
    #propagande #Nazis #histoire #sgm #manipulations #sémiologie #cartographie

    par Attila Bátorfy

    « Cette contribution est une exploration des représentations visuelles produites par une Allemagne nazifiée qui « exploitait » la puissance de ce mécanisme de communication. Ces figures associaient propagande militaire, sociale et culturelle par le biais de visuels inventifs et effrayants, qui travestissaient la réalité en profondeur et au profit de la propagande nazie. L’auteur nous présente ici une sélection de ces images, essentiellement parues dans le magazine Signal entre 1940 et 1944, et nous invite à rester vigilant·es face à ces illustrations au design spectaculaires, dont l’objectif était de véhiculer les idéaux fascistes dans une Europe largement dominée par l’Allemagne. »

  • L"histoire tragique de la fondatrice du parti communiste austro-allemand qui a dénoncé ses frères au comité des activités antiaméricaines
    https://de.wikipedia.org/wiki/Ruth_Fischer

    Après la mort de son conjoint en exile à Cuba l’ancienne militante ultra-gauche se mue en ardente anticommuniste.Sa défection et son ancienne collaboration provisoire avec Trotzky permettent au stalinistes de dénoncer le fondateur de l’armée rouge comme traitre anticommuniste.

    Ruth Fischer ging von einer Ermordung Maslows durch den sowjetischen Geheimdienst aus und begann nun ihren Feldzug gegen die Stalinisten. Ab 1944 gab sie das Nachrichtenbulletin The Network heraus, in dem sie über stalinistische Aktivitäten verschiedener Art berichtete. 1945 erhielt sie an der Universität Cambridge einen Forschungsauftrag zur Geschichte des Kommunismus. 1948 erschien ihr Buch Stalin and German Communism. Unter dem Decknamen Alice Miller war sie eine der Schlüsselfiguren der Geheimdienstorganisation „The Pond“.

    Dem Komitee für unamerikanische Aktivitäten (HUAC), einem Ausschuss des Repräsentantenhauses, gegenüber bestätigte Ruth Fischer die Tätigkeit ihres Bruders Gerhart für KPD, Komintern und GPU und bezeichnete ihn als mitschuldig am Tode von Hugo Eberlein und Nikolai Bucharin. Ihren Bruder Hanns bezeichnete sie als „Kommunisten im philosophischen Sinn“. Bei der Verhandlung gegen Gerhart war sie Hauptzeugin der Anklage. In der Folge kam Gerhart Eisler in Haft, Hanns Eisler wurde ausgewiesen.

    Sous le nom Elfriede Gohlke elle figure sur la première liste de personnes déchues de la nationalité allemande par les nazis.

    .

    SISTER ELFRIEDE EISLER, now known as Ruth Fischer, testifies against her brother at Un-American hearings, calls him the “perfect terrorist type.” Formerly a Communist, she makes career of exposing Stalinist activities in U.S.

    The Lessons of the German Events, Pamphlet published by the Communist International in 1924

    Télécharger https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/6a/The_Lessons_of_the_German_Events_%281924%29.djvu


    Stolperstein Andreasberger Straße 9, Berlin-Britz
    https://www.openstreetmap.org/node/12957128974


    en 1924

    Arkadi Maslow
    https://de.wikipedia.org/wiki/Arkadi_Maslow

    #communisme #antifascisme #histoire #nazis #USA #anticommunise #Berlin #Britz #Andreasberger_Staße #parti_communiste #komintern

  • „Totaler Wahnsinn“ : Hitler-Bunker in Berlin soll für Wohnungen weichen
    https://www.morgenpost.de/berlin/article412435051/totaler-wahnsinn-hitler-bunker-in-berlin-soll-fuer-wohnungen-weichen.html

    On s’approche du trou d’été craint par les journaleux de bas étage comme par leurs patrons avides de recttes publicitaire. Alors on sort l’arme miracle, il faut un beau titre avec la chaîne de langue "Adolf Hitler". Là c’est raté, il n’y a pas d’Adolf. Bof, " Hitler-Bunker" fera l’affaire surtout quand on veut attirer les férus de nazis du Royaume Uni à la recherche d’un "kick" à Berlin.

    Pourtant quand on sort les armes miracle on devrait se souvenir que le plan n’a pas marché la première fois, alors ...

    30.6.2026 von Funke Mediengruppe - Berlin. Der letzte noch erhaltene Vorkriegsbunker des NS-Regierungsviertels in Berlin soll abgerissen werden. Dagegen regt sich Widerstand.

    Unter einer unscheinbaren Brache in Berlin-Mitte liegen die letzten baulichen Spuren von Hitlers einstiger Machtzentrale verborgen: Auf dem Gelände der früheren Neuen Reichskanzlei existiert noch ein Bunker. Nun soll auch dieses Relikt verschwinden, denn auf dem Areal sind Wohnungen und Büros geplant. Nicht nur Denkmalschützer sehen die Pläne kritisch. „Eine der letzten Spuren der NS-Machtzentrale abzureißen, das ist heutzutage totaler Wahnsinn“, sagt Dietmar Arnold, Vorstandsvorsitzender des Vereins Berliner Unterwelten, der sich mit dem Verein für den Erhalt des Bunkers einsetzt.
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    Berlins Bausenator Christian Gaebler (SPD) spricht sich gegen einen Erhalt aus. Der „B.Z.“ sagte er: „Wir stehen dem Neubau von Wohnungen nicht im Wege, um einen Bunker zu erhalten, der dann womöglich noch zum Wallfahrtsort wird.“

    Der Verein findet diese Position nicht nachvollziehbar. „Das ist nur ein vorgeschobenes Argument. Der Verein Berliner Unterwelten zeigt seit Jahren erfolgreich, wie man sich mit solchen Gebäuden auseinandersetzen kann, ohne sie gleich abzureißen“, erklärt Arnold. Für Berlin sei der Abriss des letzten authentischen Restes der Neuen Reichskanzlei „oberpeinlich“, findet er.

    Letzter erhaltener Vorkriegsbunker des NS-Regierungsviertels

    Aus Sicht des Landesdenkmalamtes ist der Bunker von „umfassender historischer und wissenschaftlicher Bedeutung“, wie Sebastian Heber erklärt, der Abteilungsleiter für Bodendenkmalpflege ist. Der Bunker stelle den letzten bauzeitlichen Rest der Neuen Reichskanzlei dar und sei zudem der letzte noch erhaltene Vorkriegsbunker des Berliner NS-Regierungsviertels. Aufgrund einer Weisung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sei der Bunker jedoch nicht als Denkmal ausgewiesen worden.

    Der Landesdenkmalrat, ein Expertengremium, sprach sich im vergangenen Jahr dafür aus, den Erhaltungszustand und eine Eintragung des Bunkers in die Denkmalliste zu prüfen. „Die Neue Reichskanzlei war Planungs- und Ausgangsort des Zweiten Weltkrieges und steht symbolhaft auch für das katastrophale Ende des NS-Regimes“, heißt es in einer Empfehlung des Gremiums vom März 2025.

    Das Gremium findet, dass der Bunker einen wichtigen historischen Zeugniswert hat. Die Bedeutung solcher Objekte für künftige Generationen sei in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen. Gerade in Zeiten des digitalen Missbrauchs, des Sterbens der letzten Zeitzeugen und einer teilweisen Relativierung der NS-Verbrechen erscheine es umso wichtiger, materielle und eindeutige Spuren zu erhalten.

    Laut Arnold sind noch 1.200 Quadratmeter der Bunkeranlage erhalten, die Wände und Decke seien jeweils 1,70 Meter stark. Diese ließen sich sogar überbauen, ohne sie abzureißen. Nun solle etwa der halbe Bunker abgerissen werden, damit Wohnungen und Büros entstehen könnten. „Wenn man den Bunker zur Hälfte wegsägt oder wegbaggert, geht die Stabilität verloren. Dann macht es keinen Sinn, noch etwas zu erhalten“, kritisiert Arnold. Er plädiert dafür, dort eine Ausstellung zum Kriegsende zu errichten und erinnert an das berühmte Kapitulationsfoto von General Helmuth Weidling, als dieser am 6. Mai 1945 den Bunker verließ.
    Hitlers Symbol seines Herrschaftsanspruchs

    Die Neue Reichskanzlei war laut Deutschem Historischen Museum Berlin ein monumentaler Regierungs- und Repräsentationsbau des NS-Regimes in Berlin, den Adolf Hitler als architektonisches Symbol seines Herrschaftsanspruchs errichten ließ. Nach Plänen von Albert Speer wurde das Gebäude ab 1934 in der Voßstraße gebaut und in nur rund zwölf Monaten bis Januar 1939 weitgehend fertiggestellt, nachdem zuvor ganze Straßenzüge abgerissen worden waren. 1945 wurde die Kanzlei von der Roten Armee eingenommen und ab 1949 abgerissen.

    Laut dem Bericht der „B.Z.“ soll auf dem Gelände ein siebengeschossiges Gebäude mit 66 Wohnungen, aber auch ein Bürogebäude mit sechs Geschossen errichtet werden. Aus Sicht von Arnold werden dies aber „keine der bezahlbaren Wohnungen sein, die in Berlin gebraucht werden“.

    Der Bunker war nur einer von vielen verschiedenen Bunkern im ehemaligen NS-Regierungsviertel rund um die Wilhelmstraße. Arnold betont, dass es sich dabei nicht um den berühmten „Führerbunker“ handelt, in dem Adolf Hitler und Eva Braun Selbstmord begingen. Dieser Bunker wurde im April 1944 fertiggestellt, an seiner Stelle in der Gertrud-Kolmar-Straße in Berlin-Mitte befindet sich heute ein Parkplatz. 2006 stellte der Verein Berliner Unterwelten dort eine Informationstafel zur Geschichte des „Führerbunkers“ auf.

    #Berlin #urbanisme #nazis #Mitte

  • Vernichtungskrieg (I) : „Der russische Magen ist dehnbar“ – Vor 85 Jahren überfiel Hitlers Wehrmacht die Sowjetunion
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=152331

    On dit que la première victime des guerrse serait la vérité. Soit, mais souvent le langage est victime avant elle. Leo Ensel discute l’emploi du terme "guerre d’extermination" comme expression de propagande.

    En Allemagne nous vivons avec deux mensonges qui constituent la raison d’état de la structure politique qui est le successeur de l’état allemand nazi.

    D’abord on nous fait croire en l’identite de l’état juif en Palestine avec tous les juifs du monde entier. C’est évidemment faux.

    Puis on nous élève dans le mensonge du génocide des juifs d’Europe comme le plus important génocide et du plus grand crime de l’histoire humaine. Pourtant ce crime de nos parents et grand parents est comme le train qui peut en cacher d’autres. On essaye de nous faire oublier les vingt sept millions de slaves, voire trente millions ou plus quand on compte aussi les victimes polonaises, assassinés afin de créer à l’Est de l’espace pour le peuple allemand.

    On a tué quatre fois et demi le nombre de personnes de race (définition nazie) slave que de personnes de race (toute aussi imaginaire) juive. Le crime crime raciste n’est qu’un seul et unique sur le sol européen, mais le pouvoir allemand d’aujourd’hui en fait disparaître dans un tour de magie les trois quarts des victimes.

    Notre raision d’état devrait se fonder sur la paix avec les descendants des victimes et la quête du pardon pour l’ensemble des crimes commis par les nazie et les sujets de l’empereur, la première et la deuxième guerre mondiale n’étant que deux épisodes de la même lutte impérialiste pour l’Europe orientale dont la troisième campagne vient de commencer il y a environ dix ans.

    En 1989 l’impérialisme occidental.a eu raison des régimes populaires défenseurs de la paix entre les peuples. Les tentatives de récupération des terres soviétiques par les méthodes commerciales ayant échouées les impérialistes retournent vers ce qui leur paraît le plus rentable et ce qu’ils savent faire le mieux.

    Les médias entre les mains des puissants nous servent la propagande qui doit nous convaincre de soutenir leurs sales affaires.

    20.6.2026 von Leo Ensel - 85 Jahre nach dem Überfall Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion nimmt die Orwell‘sche Sprachverdrehung hierzulande mittlerweile atemberaubende Züge an. Nach dem „Vernichtungskrieg“, den der „zweite Hitler“ im Kreml seit über vier Jahren angeblich gegen die Ukraine führt, wird nun auch noch größenwahnsinnig eine „bedingungslose Kapitulation Russlands“, eine „Stunde Null“ mit anschließendem Kriegsverbrecherprozess eingefordert. Höchste Zeit, die Maßstäbe wieder richtigzustellen: Ein veritabler Vernichtungskrieg war Hitlers Krieg gegen die Sowjetunion, der von Anfang an als solcher geplant war. Fast 27 Millionen Sowjetbürger fielen ihm zum Opfer.

    Je länger der russische Krieg gegen die Ukraine – bei westlicher Totalverweigerung in Sachen Diplomatie – andauert; je dramatischer die Gefahr wächst, dass dieser Krieg sich noch auf Mitteleuropa ausweiten und im Worst Case zu einem Flächenbrand, einem (am Ende nuklearen) dritten Weltkrieg eskalieren könnte, desto schriller überschlagen sich hierzulande Medien und Politik in Ton und Wortwahl.

    Es begann mit dem „Vernichtungskrieg“ Russlands gegen die Ukraine, mit dem bereits sechs Tage (!) nach Kriegsbeginn als Avantgardist eigner Art Norbert Röttgen glänzte. (Friedrich Merz und der damalige Kanzler Olaf Scholz zogen spätestens Ende März bzw. Anfang Mai 2022 nach.) „Hitler-Vergleiche“ werden – siehe Milošević und Saddam Hussein – hier eh gerne aus dem Zylinder gezaubert: Der russische Präsident verfügt da zwar über kein Alleinstellungsmerkmal, stellt jedoch die aktuelle Reinkarnation dar. Einer Marie-Agnes Strack-Zimmermann allerdings blieb es vorbehalten, im März 2025 unwidersprochen zu verkünden, der „Mörder und Killer“ im Kreml habe (wörtlich) „Hunderte von Millionen Menschen unter die Erde gebracht“. Eine vorläufige Klimax scheint nun mit Roderich Kiesewetters größenwahnsinniger Forderung nach einer „bedingungslosen Kapitulation Russlands“, einer „Stunde Null“, inclusive eines (subkutan eingeforderten) neuen „Nürnberger Prozesses“ erreicht.

    Immer unabweisbarer drängt sich der Eindruck auf, dass der Ukrainekrieg für eine zunehmende Zahl von Spitzenpolitikern und -journalisten einen willkommenen Anlass bietet, Deutschland nicht nur ein für alle Male zu exkulpieren, sondern sich bei dieser Gelegenheit auch noch für die Niederlage im Zweiten Weltkrieg zu rächen und dessen Ergebnisse endgültig zu revidieren. – Höchste Zeit, die Maßstäbe wieder zurechtzurücken und sich den brutalsten Krieg der Weltgeschichte in seinen Einzelheiten nochmals intensiv vor Augen zu führen!

    „Der russische Magen ist dehnbar“

    „Armut, Hunger und Genügsamkeit erträgt der russische Mensch schon seit Jahrhunderten. Sein Magen ist dehnbar, daher kein falsches Mitleid.“

    Dies schrieben nicht etwa Hitler, Himmler oder Goebbels. Der Satz stammt von Herbert Backe, Staatssekretär im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Er findet sich in einem als „Gelbe Mappe“ bezeichneten Papier, das Görings Ernährungsbeauftragter genau drei Wochen vor dem Überfall auf die Sowjetunion unter dem Rubrum „Geheime Kommandosache“ über 10.000 Landwirtschaftsführern im ‚Reich‘ zukommen ließ. Die gesamte künftige Besatzungspolitik des riesigen zu erobernden Raums im Osten solle unter dem obersten Prinzip „Was nützt es Deutschland?“ stehen. Bereits einen Monat zuvor, am 2. Mai 1941, hatte es in einer Sitzung von Staatssekretären und führenden Offizieren der Wehrmacht geheißen: „Der Krieg ist nur zu führen, wenn die gesamte Wehrmacht im dritten Kriegsjahr aus Russland ernährt wird. Hierbei werden zweifellos zig Millionen Menschen verhungern, wenn das für uns Notwendige aus dem Lande herausgeholt wird.“

    Der Überfall als ‚Kriegsnotwendigkeit‘

    Im zweiten Jahr des von ihnen entfesselten Krieges hatten die deutschen Aggressoren sich in eine Sackgasse manövriert. Trotz erfolgreicher Blitzkriege gegen Polen, Dänemark, Norwegen, die Niederlande, Belgien und Frankreich war es Hitlers Wehrmacht nicht gelungen, England in die Knie zu zwingen. Der kriegsentscheidende Sieg an der Westfront war damit in weite Ferne gerückt. Nach wie vor konnte die britische Schlachtflotte mittels Seeblockade Deutschland in existenzielle Bedrohung bringen.

    Schon zu Friedenszeiten war das Deutsche Reich nicht in der Lage gewesen, sich aus den Erträgen der eigenen Landwirtschaft zureichend zu ernähren. Wie der Historiker Götz Aly in seinem viel beachteten Band „Hitlers Volksstaat“ herausgearbeitet hat, „gelang es der NS-Führung auch mit äußerstem Kräfteaufwand allenfalls, 83 Prozent der eigenen notwendigen Lebensmittel im Inland produzieren zu lassen. In jedem Fall blieben Einfuhren – insbesondere von Pflanzenfett und Futtergetreide – notwendig, um die Bevölkerung ausreichend zu versorgen. Die Mobilisierung der Streitkräfte führte zwangsläufig zum Mangel an Kunstdünger, für den derselbe Stickstoff gebraucht wurde wie für die Pulverproduktion; ferner fehlte es bald an Männern, Pferden, Traktoren, neuen Maschinen und Treibstoff.“ All diese Importgüter, und nicht zuletzt das kriegsnotwendige Erdöl, waren unter den Bedingungen der britischen Seeblockade zu schwer erreichbarer Mangelware geworden.

    Was Hitler in „Mein Kampf“ unter dem Stichwort „Lebensraum im Osten“ noch eher vage als ideologisches Fernziel angedeutet hatte – die Eroberung der Sowjetunion bis zum Ural sowie die Vertreibung, Versklavung und Ermordung der dortigen Bevölkerung – und was er noch am 11. August 1939 gegenüber dem Schweizer Völkerbundkommissar Carl Jacob Burckhardt so formuliert hatte: „Alles was ich unternehme, ist gegen Russland gerichtet; wenn der Westen zu dumm und zu blind ist, um dies zu begreifen, werde ich gezwungen sein, mich mit den Russen zu verständigen, den Westen zu schlagen, und dann nach seiner Niederlage mich mit meinen versammelten Kräften gegen die Sowjetunion zu wenden. Ich brauche die Ukraine, damit man uns nicht wieder wie im letzten Krieg aushungern kann.“ – dies wurde nun im Frühjahr 1941 aus der Perspektive der Täter zur dringenden „Kriegsnotwendigkeit“.

    „Sie starben, damit Deutschland lebe“

    Hitlers letzter Satz bringt das Trauma der Nazis auf den Punkt: Eine aus Hunger, Mangelernährung und Kriegsmüdigkeit geborene Revolution der eigenen Bevölkerung gegen das Regime, wie im November 1918, sollte um jeden Preis – sprich: auf Kosten der sowjetischen Bevölkerung – verhindert werden. Oder mit den späteren Worten Görings vom 24. August 1942: „Bevor das deutsche Volk in eine Hungerkatastrophe kommt, sind die besetzten Gebiete und ihre Bevölkerung dem Hunger auszuliefern.“ Am 8. November des Vorjahres hatte er vom „größten Sterben seit dem Dreißigjährigen Kriege“ gesprochen. Sein Kollege, der Reichsführer SS Heinrich Himmler, gab bereits Mitte Juni 1941, eine Woche vor dem Überfall, bei einem Treffen mit hohen SS-Führern auf der Wewelsburg als Planziel eine „Dezimierung der sowjetischen Bevölkerung um 30 Millionen Menschen“ vor.

    Am 22. Juni 1941 fiel die Wehrmacht mit rund drei Millionen Soldaten und 625.000 Pferden in die Sowjetunion ein, wo sie anfangs gegen eine sich zäh verteidigende, aber schlecht organisierte Rote Armee – Stalin hatte sie zuvor der meisten ihrer führenden Köpfe beraubt – weite Geländegewinne verzeichnen konnte und bei den großen Kesselschlachten Hunderttausende sowjetische Soldaten in Gefangenschaft nahm. Um die Bevölkerung im ‚Reich‘ zu entlasten, hatte die Wehrmacht die Devise, sich „aus dem Lande“ zu ernähren. Hitlers allgemeine Anweisung „Es kommt darauf an, den riesenhaften Kuchen handgerecht zu zerlegen, damit wir ihn erstens beherrschen, zweitens verwalten, drittens ausbeuten können. Der Riesenraum im Osten muss zunächst schnellstmöglichst befriedet werden, am besten dadurch, daß man Jeden, der nur schief schaut, totschießt“, war von Verwaltung und Wehrmacht bereits in konkrete Pläne für die Besatzungspolitik operationalisiert worden.

    Die Bevölkerungs- und Ernährungsspezialisten aus der Verwaltung teilten den sowjetischen Raum westlich des Urals in sogenannte „Überschuss-“ und „Zuschussgebiete“ ein. Geplant war, die fruchtbaren „Überschussgebiete“, die sie im Schwarzerdegebiet, der Ukraine und im Kaukasus ausmachten, von den nördlich gelegenen „Zuschussgebieten“ hermetisch abzuriegeln und die Bevölkerung dem Hungertod preiszugeben. In den „Wirtschaftspolitischen Richtlinien für Wirtschaftsorganisation Ost, Gruppe Landwirtschaft“ vom 23. Mai 1941 las sich das so: „Die Bevölkerung dieser Gebiete, insbesondere die Bevölkerung der Städte, wird größter Hungersnot entgegensehen müssen. Viele 10 Millionen von Menschen werden in diesem Gebiet überflüssig und werden sterben oder nach Sibirien auswandern [ein Euphemismus für brutale Vertreibung; L.E.] müssen.“

    In der Realität erwies sich dieser Plan jedoch über weite Strecken als schwer praktikabel, da die deutsche Besatzungsmacht sich außerstande sah, die hungerbedingten Wanderungsbewegungen zu unterbinden. Punktuell konnte er allerdings durchaus – und im Sinne der deutschen Aggressoren infernalisch erfolgreich – umgesetzt werden: Dies gilt insbesondere, ein klarer Verstoß gegen das damals geltende Kriegsvölkerrecht, für die sowjetischen Kriegsgefangenen, von denen 3,3 Millionen (d.h. 57,9 Prozent) in deutschem Gewahrsam an Hunger, Entkräftung und Seuchen elendig verreckten. (Dass die auf diese Weise ermordeten sowjetischen Kriegsgefangenen – ihr Tod war von vorneherein „als Kriegsnotwendigkeit“ einkalkuliert – nach den europäischen Juden die zweitgrößte Opfergruppe der Nationalsozialisten darstellen, ist nach wie vor im deutschen Bewusstsein nicht angemessen präsent.)

    Durchsetzen ließ sich der Plan ebenfalls bei der um die 500 Tage dauernden hermetischen Einschließung von Leningrad – das später wie Moskau und die anderen großen Städte „dem Erdboden gleichgemacht“ werden sollte –, die 900.000 bis eine Million Opfer forderte. Andere Städte wie Charkow glichen aufgrund der rigiden Requirierungen durch die Besatzer und der Abriegelung der Stadt zeitweise einem Hungerghetto. In der Ukraine und auf der Krim wurden ganze Regionen zu „Kahlfraßzonen“, in denen keinerlei Lebensmittel oder andere verwertbare Güter mehr vorhanden waren.

    Kurz: Das zynische Epitaph des Völkischen Beobachters vom 4. Februar 1943 für die gefallenen deutschen Stalingradkämpfer „Sie starben, damit Deutschland lebe“ trifft zu hundert Prozent zu, wenn man es auf die Millionen Sowjetbürger bezieht, die zugunsten der Deutschen in Wehrmacht und ‚Reich‘ Hungers sterben mussten.

    Vernichtungskrieg (II) : „Jeden totschießen, der nur schief schaut“ – Vor 85 Jahren überfiel Hitler-Deutschland die Sowjetunion
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=152643

    22.6.2026 von Leo Ensel. - 85 Jahre nach dem Überfall Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion nimmt die Orwell‘sche Sprachverdrehung hierzulande mittlerweile atemberaubende Züge an. Nach dem „Vernichtungskrieg“, den der „zweite Hitler“ im Kreml seit über vier Jahren angeblich gegen die Ukraine führt, wird nun auch noch ungeniert eine „bedingungslose Kapitulation Russlands“, eine „Stunde Null“ mit anschließendem Kriegsverbrecherprozess eingefordert. Höchste Zeit, die Maßstäbe wieder richtigzustellen: Ein veritabler Vernichtungskrieg war Hitlers Krieg gegen die Sowjetunion, der von Anfang an als solcher geplant war. Fast 27 Millionen Sowjetbürger fielen ihm zum Opfer.

    Seit Beginn des russischen Kriegs gegen die Ukraine wurde in Kiew immer wieder erklärt – und von den deutschen Leitmedien bis heute begierig aufgegriffen –, Russland führe einen „Vernichtungskrieg“ gegen die Ukraine. In einem Land, in dem bei gefühlt jeder dritten öffentlichen Debatte ein unzulässiger „Hitler-Vergleich“ oder eine „Relativierung des Holocaust“ dingfest gemacht wird, überrascht die Gedankenlosigkeit, mit der dieser Begriff seitdem fast überall nachgeplappert wird. Den Vorwurf einer Relativierung der deutschen Verbrechen im Krieg gegen die Sowjetunion hat man in diesem Zusammenhang jedenfalls noch nirgends vernommen. Wenn aber jemals ein Krieg die Bezeichnung „Vernichtungskrieg“ verdient hat, dann der, den Wehrmacht und SS zwischen 1941 und 1944 auf dem Territorium der Sowjetunion führten.

    Verbrecherische Befehle und Massenmord

    Die Wehrmacht leistete hier keineswegs, wie später in der Nachkriegszeit suggeriert, höchstens widerwillig ‚Dienst nach Vorschrift‘. Bereits Hitlers Anweisung, jeden totzuschießen, „der nur schief schaue“, war von ihr schon vor dem Überfall auf die Sowjetunion ‚proaktiv‘ in verbrecherische Befehle gegossen worden.

    Mit dem am 13. Mai 1941 vom Oberkommando der Wehrmacht (OKW) verfügten „Kriegsgerichtsbarkeitserlass“ wurde u.a. der Verfolgungszwang für „Handlungen, die Angehörige der Wehrmacht gegen feindliche Zivilpersonen begehen“, aufgehoben. Dies sollte auch dann gelten, „wenn die Tat ein militärisches Verbrechen oder Vergehen ist“. Damit wurde den deutschen Soldaten de facto ein Freibrief erteilt und die sowjetische Zivilbevölkerung schutzlos der Willkür lokaler Befehlshaber ausgeliefert. Nur wenige Wochen später, am 6. Juni 1941, erließ das OKW den „Kommissarbefehl“. Die politischen Kommissare galten als die ideologischen Funktionäre innerhalb der Roten Armee und wurden nicht als Soldaten anerkannt. Sie sollten im Kampf oder sofort „nach durchgeführter Absonderung“ getötet werden.

    Mit beiden Befehlen setzte die Wehrmachtsführung – in voller Kenntnis der verbrecherischen Folgen ihrer Anordnungen – wesentliche Bestandteile des damals geltenden Kriegsvölkerrechts außer Kraft, das eine Reihe von international anerkannten Grundsätzen, vor allem zum Schutze der Zivilbevölkerung und Kriegsgefangenen, enthielt. Damit schuf die Führung der Wehrmacht die wesentlichen Voraussetzungen für einen bis dahin präzedenzlosen Rassen- und Vernichtungskrieg, vor allem gegen die jüdische Bevölkerung.

    Genozide und Wüstenzonen

    Der systematische Massenmord an den europäischen Juden begann auf dem Gebiet der Sowjetunion. Anfängliche punktuelle brutalste antijüdische Pogrome der lokalen Bevölkerung, vor allem in Litauen, Lettland und der Westukraine – von der SS „Selbstreinigungsaktionen“ genannt –, denen die als Besatzungsmacht verantwortliche Wehrmacht tatenlos zusah, wurden rasch abgelöst von systematischen Erschießungen durch die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD. Beschränkte man sich anfangs ‚nur‘ auf jüdische Männer im wehrfähigen Alter, so wurden spätestens ab August 1941 ganze jüdische Gemeinden durch Massenerschießungen ausgerottet. In jedem kleineren weißrussischen oder ukrainischen Ort war die Opferzahl mindestens vierstellig. Schätzungen zufolge ermordeten die deutschen Besatzer zwischen 2,5 und 2,6 Millionen sowjetische Juden. Die Wehrmacht leistete nicht selten logistische Unterstützung.

    Ähnlich gestaltete sich die mörderische Zusammenarbeit zwischen Wehrmacht, SS und Ordnungspolizei im Rahmen des Anti-Partisanenkampfes, wo zwischen 1942 und 1943, vor allem auf dem Gebiet Weißrusslands, ganze Landstriche in „Wüstenzonen“ verwandelt wurden. Tausende von Dörfern wurden niedergebrannt, Hunderte von ihnen samt der Bevölkerung, die man zuvor in die Dorfscheune oder Kirche gesperrt hatte. Allein für Belarus, das mit mehr als einem Viertel seiner Bevölkerung den prozentual größten Blutzoll zahlen musste, belaufen sich die Schätzungen auf 300.000 bis 350.000 getötete Menschen. (Wer sich von den Gräueltaten einen Eindruck verschaffen will, sollte die weißrussische Gedenkstätte Chatyn, den „Friedhof der Dörfer“, besuchen oder, wenn er es ertragen kann, sich den Film „Komm und sieh/ Иди и смотри“ von Elen Klimow aus dem Jahre 1985 ansehen.)

    Bei ihrem erzwungenen Rückzug hinterließen die deutschen Truppen eine Spur der Verwüstung. Ziel der deutschen Führung war es nun, nur „verbrannte Erde“ zurückzulassen. Alles, was irgendwie lebenswichtig war, sollte zerstört werden: Industrieanlagen, Bergwerke, Wasser- und Elektrizitätswerke, Brücken, Dämme, Schleusen, das Schienennetz, Landmaschinen, Mühlen, Molkereien, die Ernte auf den Feldern, ebenso Transportmittel und Vorräte aller Art, soweit man sie nicht abtransportieren konnte. Die arbeitsfähige Zivilbevölkerung wurde zwangsevakuiert, oft unter grauenhaften Bedingungen. Der schnelle sowjetische Vormarsch verhinderte, dass dies überall im angestrebten Umfang geschah.

    Zieht man eine Bilanz dieses barbarischsten aller Kriege und stellt man die Zahl der toten Sowjetbürger, fast 27 Millionen, den ursprünglich anvisierten 30 Millionen gegenüber, so muss man zynisch konstatieren, dass die Besatzer ihr national-sozialistisches Planziel annähernd erreicht haben.

    Umso größer das Wunder – jeder, der dort hinreist, wird das bestätigen –, dass in den Bevölkerungen der am schlimmsten betroffenen Länder Belarus, der Ukraine und Russland keinerlei Hass auf die Deutschen herrscht. (Jedenfalls war das bis vor Kurzem noch so …) Dies ist eine zivilisatorische Vorleistung ohnegleichen, die in Deutschland noch immer nicht zur Kenntnis genommen, geschweige denn angemessen gewürdigt wird!

    Nachkriegsamnesie …

    Auf dem Gebiet der alten Bundesrepublik, wo der Verfasser dieses Essays geboren wurde, verhinderte der aufkommende Kalte Krieg mit dem erneuerten Feindbild „Sowjetunion“ jahrzehntelang die Beschäftigung mit den beispiellosen Gräueltaten, die die deutschen Besatzer dort verübt hatten. Direkte menschliche Kontakte zwischen den Bevölkerungen beider Länder verhinderte auf Seiten des Westens der Eiserne Vorhang. (Und heute, anno 2026, sind wir, was Russland und Belarus angeht, wieder in derselben Situation.) Manche Kriegsgefangene brachten immerhin den Satz „Der Russe an sich ist gut!“ mit nach Hause. Die verantwortlichen Massenmörder, sofern sie überlebt hatten, zogen sich meist unauffällig in ein bürgerliches Leben zurück, die wenigsten von ihnen wurden juristisch belangt.

    In den Fünfzigerjahren erschien eine ganze Rechtfertigungsliteratur ehemaliger Wehrmachtsgeneräle unter dem Motto: „Ohne Hitlers idiotische Kriegsführung hätten wir den Krieg doch noch gewonnen!“ Als die Verbrechen der SS-Einsatzgruppen nicht mehr zu leugnen waren, hielt man umso hartnäckiger am Bild der „sauberen Wehrmacht“ fest. Dies war psychohygienisch umso erforderlicher, als die 18 Millionen Wehrmachtssoldaten ja einen repräsentativen Querschnitt der deutschen Bevölkerung darstellten. Grundsätzlich ins Wanken gebracht wurde diese Legende erst durch die beiden Wanderausstellungen des Hamburger Instituts für Sozialforschung „Verbrechen der Wehrmacht“ (1995-1999 sowie in überarbeiteter Form 2001-2004), die über einen langen Zeitraum massiven – nicht nur publizistischen – Gegenwind ernteten.

    Selbst, dass es sich beim Krieg gegen die Sowjetunion um keinen Krieg im herkömmlichen Sinne handelte, sondern um einen Vernichtungskrieg, in dem die Regeln des damals geltenden Kriegsvölkerrechts von Beginn an willkürlich außer Kraft gesetzt worden waren, war jahrzehntelang überhaupt nicht und ist heute bestenfalls rudimentär im Bewusstsein der Deutschen verankert. (Und genau dieser Begriff degeneriert nun durch zunehmend inflationären Gebrauch ausgerechnet in umgekehrter Richtung zur beliebig verwendbaren Floskel oder Kampfformel!) Entsprechend gering ausgeprägt ist nach wie vor die Empathie für das Leiden der Menschen in Russland und Belarus während der deutschen Besatzung. (Bezogen auf die Ukraine wird das nun anders – aus durchsichtigen Gründen, versteht sich!)

    Wirkliche Verständigungsversuche fanden in Westdeutschland bis zur Wiedervereinigung nur spärlich und eher ‚von unten‘ statt: Unter anderem in ersten interkonfessionellen Kontakten – die evangelischen Kirchen Deutschlands veröffentlichten ‚schon‘ Ende der Achtzigerjahre eine Denkschrift „Versöhnung und Frieden mit den Völkern der Sowjetunion“ –, später ab den Neunzigerjahren von Mensch zu Mensch in den deutsch-russischen Städtepartnerschaften, dem Deutsch-Russischen Forum oder einer Reihe von Einzelinitiativen wie zum Beispiel der deutsch-russischen Initiative „Musik für den Frieden – Mузыка ради Mира“.

    … und aktuelle Behinderungen

    All diese Kontakte – sollten sie überhaupt noch existieren – sind seit dem 24. Februar 2022 von deutscher Seite einer starken Belastungsprobe ausgesetzt. Reisen via Bahn, Bus oder Flugzeug direkt nach Russland oder Weißrussland sind durch das Sanktionsregime gecancelt und nur noch über zeitaufwändige und kostspielige Umwege (wie Belgrad, Istanbul, Baku) möglich. Westliche Kreditkarten funktionieren in Russland aus denselben Gründen ebenfalls nicht mehr. Die entsprechend großen Bargeldsummen, die nun mitgenommen werden müssen, sollte man vor dem Grenzübertritt alle in Dollar umtauschen, in Euro können sie sonst von den EU-Behörden konfisziert werden. Visa für russische Staatsbürger werden, wenn überhaupt, nur noch in seltenen Ausnahmefällen ausgestellt.

    Und über 80 Jahre nach Kriegsende wird auch das offizielle Gedenken (so es denn noch stattfindet) im politischen und Mediendiskurs durch eine neue geopolitische Instrumentalisierung überlagert, bei der nun die gefallenen Soldaten Russlands, Weißrusslands und der Ukraine gegeneinander in Stellung gebracht werden: Das noch von Annalena Baerbock geführte Auswärtige Amt riet zum 8./9. Mai vergangenen Jahres – angeblich aus Sorge vor „russischer und belarussischer Propaganda“ – in einer „Handreichung an Länder, Kommunen und Gedenkstätten des Bundes“ davon ab, die Teilnahme von Vertretern von Russland und Belarus bei Gedenkveranstaltungen zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges zuzulassen und empfahl, ihnen gegebenenfalls den Zugang zu den Mahnmalen zu verwehren. Der Bundestag schließlich schloss sie auch noch von der zentralen Gedenkfeier aus. (Im Grunde alles nicht weiter tragisch, schließlich sind Russen, laut einer Florence Gaub, ja eh „keine Europäer“!)

    … und neuer deutscher Größenwahn

    Aber das alles reicht noch lange nicht: Der aktuelle Kanzler verspricht vollmundig, das Land zur „größten konventionellen Militärmacht Europas“ hochzurüsten und der Chef der deutschen Luftwaffe, Generalleutnant Holger Neumann, der es offenbar schon gar nicht mehr erwarten kann, tönt just eine Woche vor dem 85. Jahrestag des Überfalls im vertrauten Sound: „Wir sind bereit, heute Nacht gegen Russland zu kämpfen!“ Konkrete Ziele für „verheerende Luftschläge auf russischem Territorium“: die Exklave Kaliningrad, die Militärflotte am Schwarzen Meer sowie die Atomwaffenstützpunkte auf der Kola-Halbinsel. (Alles natürlich nur im Falle eines „russischen Angriffs auf NATO-Gebiet“.)

    Vergangenheitsbewältigung im auf „Kriegstüchtigkeit“ gegen Russland getrimmten Deutschland dreieinhalb Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung.

    #URSS #Allemagne #guerre #nazis #histoire #génocide

  • Lügen, Angst und Massenmord : Wo heute die Nato steht, begann der Nazi-Krieg im Osten
    https://www.berliner-zeitung.de/article/luegen-angst-und-massenmord-wo-heute-die-nato-steht-begann-der-nazi

    L’OTAN occupe aujourd’hui les positions de la Wehrmacht au moment de l’attaque impérialiste allemande contre l’Union Soviétique. La guerre que nous prépare aujourd’hui le bloc impérialiste occidental tuera davantage de Russes que les 27 à 30 millions de victimes des nazis et soldats allemands.

    Pourquoi ? D’abord à cause de l’escalade nucléaire prévisible, puis à cause de la « logique des marchés ». Il faudra un projet au volume plus grand que celui de SpaxeX pour absorber les pertes suite à l’écroulement des contes de fées spatiales du patron.

    Les habitants de l’Europe occidentale et des autres continents ne seront pas épargnée

    Est-ce que cette grande guerre arrivera-t-elle ? On ne le sait pas, mais il faudra élever la voix contre l’armement de notre côté et pour la paix afin de changer la certitude en possibilité.

    Cet article donne le meilleur argument pour la paix. Les Russes ne nous haïssent pas bien au contraire. Ils ont fait preuve de leur grande humanité.

    17.6.2026 von Frank Schumann - 85 Jahre nach dem Überfall auf die Sowjetunion stehen heute deutsche Nato-Soldaten vor der Grenze Russlands und leisten einen „Beitrag zur Abschreckung“.

    Vor wenigen Tagen, am 6. Juni, wurde meine Mutter 100. Sie war also 15, als Deutschland und seine Verbündeten am 22. Juni 1941 die Sowjetunion überfielen. Sie lebte damals im ostpreußischen Trakehnen. In dem Gestüt, das als das bedeutendste des Deutschen Reiches galt, wurden seit 1732 Pferde für die Kavallerie gezüchtet. Ihr Vater arbeitete dort, seine Vorfahren waren aus Litauen eingewandert.

    Etwa vierhundert Kilometer südlich von Trakehnen lag Brest. Gegründet vor etwa tausend Jahren im Kiewer Rus, zeitweise mal litauisch, mal polnisch besetzt, seit 1795 gehörte Brest zum russischen Zarenreich. Zur Sicherung seiner Westgrenze errichteten die Russen dort eine gewaltige Festung, mit vier Quadratkilometern Ausdehnung die größte im russischen Reich des 19. Jahrhunderts. Entworfen hatte sie übrigens Karl Iwanowitsch Oppermann, ein russischer Militäringenieur deutscher Herkunft.
    Bollwerk gegen den Ansturm aus dem Westen

    In dieser Festung von Brest-Litowsk wurde am 3. März 1918 das Ende des Ersten Weltkrieges an der Ostfront besiegelt. Um Frieden zu bekommen, gab Sowjetrussland ein Viertel seines Territoriums in Europa her. Fast anderthalb Millionen Quadratkilometer und sechzig Millionen Menschen, dazu noch sechs Milliarden Goldmark als Entschädigung für deutsche Unternehmen.

    Bundeswehr übt den Krieg an der Nato-Ostgrenze: Panzerübung verschärft Spannungen nahe Belarus
    Bundeswehr übt den Krieg an der Nato-Ostgrenze: Panzerübung verschärft Spannungen nahe Belarus

    Im September 1939, als sich die deutsche Wehrmacht auf den Weg gen Osten machte, rückte die Rote Armee gen Westen vor – bis hin zu jener Linie, die 1919 in Versailles vom britischen Außenminister Curzon als Grenze zwischen Polen und der Sowjetunion markiert, aber damals von beiden Seiten nicht akzeptiert worden war. Im Oktober 1939 wurde Brest am Bug erneut Grenzstadt und die Festung Bollwerk gegen den erwarteten Ansturm aus dem Westen.

    An jenem 22. Juni 1941 befanden sich etwa 9000 Rotarmisten in der Festung, am jenseitigen Ufer des Grenzflusses lagen etwa doppelt so viele deutsche Soldaten.

    Die 45. Infanterie-Division hatte Befehl, die Festung im Handstreich zu nehmen. Der Handstreich misslang. Die Russen setzten sich mutig zur Wehr. 32 Tage nach dem Überfall wurde der letzte Verteidiger der Festung, ein Major Pjotr M. Gawrilow, gefangengenommen.

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    Der Veteran Major Pjotr M. Gawrilow (M.) verteidigte die Festung Brest-Litowsk. Hier bei der Parade zum 30. Jahrestag der Befreiung am 9. Mai 1975 in Moskau © imago

    Anfang 1980 wurde ich als Geschichtsredakteur der Tageszeitung Junge Welt nach Brest geschickt. Ich sollte zum 35. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus etwas über die Heldenfestung schreiben, zu der die Gedenkstätte einige Jahre zuvor erklärt worden war. Also setzte ich mich in die Bahn, ich hatte auch einen Fotografen dabei.

    Die Schatten der Toten

    Gawrilow war im Vorjahr 78-jährig verstorben und neben seinen Kameraden in Brest bestattet worden. Nach dem Krieg hatte er in Sibirien ein Lager für japanische Kriegsgefangene geleitet, 1957 war er als Held der Sowjetunion geehrt worden. Es fanden sich aber andere interessante Gesprächspartner, und es gab viel zu entdecken.

    Die Festung: ein weitläufiges Areal mit Mauerresten und imposanten Mahnmalen, dominiert von einer gewaltigen Betonnadel, gleichsam ein überlanges Bajonett. Beeindruckend das Cholmer Tor mit seinen Zinnen und Erkern aus rotem Backstein. Die Ziegel: zernarbt von den Kugeln und den Granaten der Angreifer, zerschunden und zermahlen, aber standhaft. Ich konnte furchtlos durch das Tor schreiten. In den Katakomben waren Schatten von Menschen zu sehen. Stehende, Liegende, Hockende, verbrannt und verdampft in der Glut deutscher Flammenwerfer. Ihre Körper hatten verhindert, dass die Oberfläche der Ziegelwand hinter ihnen geschmolzen und glasiert war wie die übrige Fläche.

    Im Friedensmuseum von Hiroshima sah ich Gleiches: Steine, in die der Lichtblitz der Atombombe Silhouetten menschlicher Körper eingebrannt hatte. Und das vier Jahre nach Brest. Die gleichen Bilder, die gleiche Barbarei, die gleiche Idiotie.

    Zur Gegenwart komme ich noch.

    Ich schrieb also für die Zeitung über meine Wahrnehmungen und über die Stadt Brest. Sie zählte damals, als wir Deutschen 1941 über sie kamen, vielleicht 50.000 Bewohner. Zwei Drittel davon waren Juden. Brest war seinerzeit eines der größten kulturellen Zentren des Judentums. Noch bevor in Deutschland die Synagogen brannten, gab es dort antijüdische Ausschreitungen – Mitte der 30er-Jahre, als Brest polnisch war, mehr als 100. Im Mai 1937 starben bei einem Pogrom viele Menschen, 1500 jüdische Geschäfte wurden von polnischen Nachbarn heimgesucht, zerstört und geplündert, Werkstätten und Wohnhäuser angezündet.

    Gestapo-Terror

    Und als 1941 Brest von der Wehrmacht genommen war, rückte das Polizei-Bataillon 307 ein und massakrierte etwa 4000 Juden. Der ersten Welle folgte eine Einheit der faschistischen Sicherheitspolizei, einer Bande aus Gestapo und Kriminalpolizisten. Ihrem Terror fielen von Juli bis September 1941 in Brest fast 9000 Menschen zum Opfer.

    Drei Jahre später, im Juli 1944, wurde Brest von der Roten Armee befreit.

    Das von den Nazis dort eingerichtete Ghetto war schon lange liquidiert, das heißt deren Insassen ermordet. Die meisten starben in Bronnaja Gora. Wir wissen so gut wie nichts über diese Mordstätte bei Brest, die schon bald nach dem deutschen Überfall unweit einer Bahnstation eingerichtet worden war. Es gab keine Überlebenden und kaum deutsche Quellen. Historiker vermuten, dass dort mehr als 50.000 Menschen erschossen wurden, darunter vermutlich 15.000 bis 20.000 Juden aus Brest.

    Daran erinnern einige Denkmale am Ort des Verbrechens. Auf Russisch, Hebräisch, Jiddisch und Englisch heißt es da: „Im Gedenken an die mehr als 50.000 sowjetischen Bürger und Bürger aus Ländern Westeuropas, größtenteils jüdischer Nationalität, die in den Jahren des Großen Vaterländischen Krieges 1941–1945 bestialisch von den Faschisten ermordet wurden.“

    Das ganze Drama begann am 30. Januar 1933, als der NSDAP – der Alternative zur bürgerlich-parlamentarischen Republik – die Regierungsgewalt übergeben wurde. Und am 22. Juni 1941 wurde mit dem Überfall auf die Sowjetunion der imperialistische Wille vollstreckt, Raum und Rohstoffe im Osten zu erobern. Der „Kreuzzug gegen den jüdischen Bolschewismus“, das Unternehmen Barbarossa, begann mit über drei Millionen Soldaten, die auf breiter Front von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer die sowjetische Grenze überschritten. Bei diesem deutschen Eroberungs- und Vernichtungskrieg halfen die europäischen Staaten Italien, Finnland, Ungarn, Rumänien, Kroatien, Slowakei und sogenannte Freiwillige aus Norwegen, Belgien, Spanien und den Niederlanden. Die deutsche Propaganda log und behauptete, es handele sich um einen Präventivkrieg.
    Die Lüge von der sowjetischen Invasion

    Am 27. Juni wurde nämlich verbreitet, die sowjetische Armee habe zum Angriff auf Europa bereitgestanden, und am 29. Juni meldete Berlin, dass die deutschen Truppen in den sowjetischen Aufmarsch hineingestoßen seien. In einer Sondermeldung am gleichen Tag hieß es, wahrscheinlich sei es gerade noch in letzter Minute gelungen, den mitteleuropäischen Raum vor einer sowjetischen Invasion zu bewahren. „Das deutsche Volk ist seinen tapferen Soldaten wahrhaft zu tiefstem Dank verpflichtet.“

    Am Tag des Überfalls fand im Berliner Olympiastadion das Endspiel um die deutsche Fußballmeisterschaft statt. Das Spiel wurde für die Wochenschau gefilmt. Deren erste Ausgabe nach dem 22. Juni begann nicht etwa mit Bildern vom neuen Krieg im Osten, sondern von diesem Fußballspiel.

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    Übung der Litauen-Brigade in Litauen. © Kay Nietfeld

    Meine Mutter, die heute Hundertjährige, verließ Ende 1944 Ostpreußen mit den Trakehnern, den zwei- und den vierbeinigen. Sie strandeten in Graditz bei Torgau, einem anderen preußischen Gestüt. Im Morgengrauen des 25. April 1945 flohen die Graditzer vor der heranrückenden Front. Sie passierten die Brücke über der Elbe, die flog unmittelbar hinter ihnen in die Luft. Deutsche Durchhaltekrieger hatten sie gesprengt. Am Nachmittag lagen sich Russen und Amerikaner auf den Trümmern in den Armen. (Die später wieder errichtete Brücke ließ Sachsens Ministerpräsident Kurt Biedenkopf in einer heimlichen Nacht- und Nebelaktion am 16. April 1994 gegen den Mehrheitswillen der Bevölkerung sprengen. Das Denkmal der Begegnung aber steht noch immer.)

    Krankenbesuch vom Rotarmisten

    Irgendwann kehrten meine Mutter und die anderen nach Graditz zurück. Von den dort stationierten Rotarmisten kam oft ein junger Bursche zu ihnen. Irgendein Iwan oder Sascha oder Kolja, keine Ahnung. Er kam ohne Arg, ohne böse Absicht. Seine Geschichte kannte niemand, er sprach nicht Deutsch und die Familie kein Russisch. Er sei ein lieber Kerl gewesen, anhänglich. Die Mutter meiner Mutter, eine resolute, praktische Frau Mitte vierzig, wusch ihm die Kragenbinden und die Uniform, setzte Flicken und stopfte Löcher, und er revanchierte sich für die mütterliche Fürsorge mit Essbarem.

    Eines Tages war „Muttr“ weg, was ihn sichtlich verstörte. „Hospital“, sagten die anderen.

    Später erzählte meine Oma diese Geschichte wieder und wieder. Sie lag mit einer Gallenkolik im Torgauer Krankenhaus, ein Saal mit 20 und mehr Betten. Plötzlich flog die Tür auf und ein Russe mit Waffe rückte ein. Geschrei aus den Betten, die Frauen fürchteten sich vor dem, was nun passieren würde. War ja kein Geheimnis. Doch der Soldat schritt davon unbeeindruckt durch den Gang und musterte die Patientinnen.

    Ganz hinten entdeckte er „Muttr“. Die lag blass im Bett, mit einem Schlauch im Mund und konnte nur mit den Augen sprechen. Der junge Russe blickte sie bang an, hilflos, ratlos. Dann griff er in seine Hosentasche und förderte einen schmutzigen, unansehnlichen Zuckerklumpen ins Freie. Und den reichte er ihr. Was für ein absurdes Angebot – und was für eine anrührende menschliche Geste. Er wollte Gutes tun, helfen, Mitgefühl zeigen. Wie viel Leid hatten diese Russen durch unsere Landsleute an Leid und Bitterkeit erfahren müssen. Und wie gingen sie danach mit uns um …

    Trakehnen heißt heute Jasnaja Poljana und hat die Nato als Nachbarn, die Grenze zu Polen und Litauen ist keine 30 Kilometer fern. Panzer mit dem Balkenkreuz zerfurchen litauischen Boden, 5000 deutsche Soldaten leisten dort dauerhaft einen „Beitrag zur Abschreckung“. Diese Litauen-Brigade, so der deutsche Verteidigungsminister, sei „das Leuchtturmprojekt der Zeitenwende“. Da kann einem nur schwarz vor Augen werden, wenn man die Geschichte kennt.

    Frank Schumann ist Verleger des 1990 gegründeten Verlages Edition Ost, gelernter Spezialglasfacharbeiter und Diplom-Journalist. Drei Jahre fuhr er zur See und war, Australien ausgenommen, auch auf allen Kontinenten unterwegs. Meist publiziert er unter seinem Namen, aber gern auch unter einem seiner fünf Pseudonyme.

    Dieser Text ist eine Rede, die Frank Schumann bei der Veranstaltung „Dankbarkeit, die ein Leben lang währt“ am 18. Juni im Theater Ost hält. Anlass ist der 85. Jahrestag des Überfalls der Wehrmacht auf die Sowjetunion. Karten und Informationen unter www.theater-ost.de

    #OTAN #Rusdie #capitalisme #impérialisme #nazis #génocide #guerre #paix

  • La Russie en 1839, Volume I by marquis de Astolphe Custine
    https://lesmendiants.fr/static/adolphe_de_custine_russie_en1839.html
    Voici l’image des Russes et de la Russie que défend le Merz de service quand il parle aux Ukrainiens. Il est difficile de prendre une position plus réactionnaire que celle d’un noble anti-républicain de l’époque de la Seconde Restauration et de la monarchie de Juillet .

    Bref, derrière un facade de bonhomie le Russe est capable du pire, voici l’essence se son âme quand il en a une, etc.

    Astolphe Louis Léonor, marquis de Custine
    https://fr.wikipedia.org/wiki/Astolphe_de_Custine

    Source : https://gutenberg.org/ebooks/25755

    L’édition anglaise
    https://archive.org/details/russiatranslated1934cust/page/n5/mode/2up

    A propos de Merz et de l’Ukraine
    https://overton-magazin.de/hintergrund/kultur/die-barbaren-sind-wieder-da

    #Allemagne #France #Russie #Ukraine #histoire #nazis #massacre

  • Craig Mokhiber sur X :
    https://x.com/CraigMokhiber/status/2061468055662678223

    On 20 February 1939, thousands of Nazi supporters rallied in New York City, waving German flags and Nazi symbols, and cheering Nazi speakers, as a Nazi genocide raged in Europe.

    On 31 May 2026, thousands of Zionist supporters rallied in New York City, waving Israeli flags and Zionist symbols, and cheering Zionist speakers, as a Zionist genocide rages in Palestine.

    If you can condemn the former, but not the latter, it’s time to consider your own racist complicity in the Holocaust of our time.

  • À propos du sionisme chrétien - Börries Albrecht Conon August Heinrich Freiherr von Münchhausen (20. 3.1874 16.3.1945)
    https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%B6rries_von_M%C3%BCnchhausen_(Schriftsteller)


    Schloss Windischleuba (von 1880 bis 1945 im Besitz der Familie Münchhausen)

    Ce poète de génie complètement oublié figure sur la Gottbegnadeten-Liste de Goebbels. Le personnage est un exemple pour les origines communes et la collaboration entre nazis et sionistes. Une histoire de dingues pas si folle.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Gottbegnadeten-Liste

    Verhältnis zum Zionismus


    Juda (1900)

    1899 befreundete sich Münchhausen mit dem jüdischen Künstler Ephraim Moses Lilien, der ihm anbot, seine Balladen zu Themen der Bibel zu illustrieren. Liliens Kreis von Rabbinern und Zionisten, so Münchhausen 1922, habe ihn zur Sonderausgabe Juda angeregt. Diese erschien im Dezember 1900. Die Balladen darin behandeln Figuren des Tanach als Helden wie in germanischer oder griechischer Mythologie, nicht sozial deklassierte, verfolgte, ermordete Juden der Geschichte Europas. Münchhausens damaliger christlicher Zionismus deckte sich mit dem Interesse des deutschen Adels, Juden weiter Zugang zu Offiziersberufen und höheren Justizämtern zu verwehren und sie auszubürgern. Darum hatte Kaiser Wilhelm II. bei seiner Palästinareise 1898 dem Führer des politischen Zionismus Theodor Herzl ein deutsches Protektorat in Palästina für ausreisewillige deutsche Juden in Aussicht gestellt.

    Juda erreichte bis 1922 mehrere Auflagen, wurde in viele Sprachen übersetzt und erschloss dem Autor neue Leser. Die zionistische Zeitschrift Die Welt warb fortan für seine Schriften. Im Gegenzug warb Münchhausen bei Lesungen für den Zionismus, den er als Beweis für eine mutige „Aristokratie der Juden“ ansah. Sein Werk wurde in vielen jüdischen Familien zur Bar Mitzwa verschenkt. Es verschaffte Lilien genug Einkommen, um den „Jüdischen Verlag“ und die Demokratisch-Zionistische Fraktion zu gründen, die jüdische Nationalkultur erneuern wollte.[14]

    In Juda vertrat Münchhausen einen programmatischen Philosemitismus, der die Ansiedlung von Juden in Palästina vorbehaltlos bejahte. In den Anfangszeilen reklamiert der Sprecher, er werde dem „geächtet Volk“ der Juden „die Stege aus Haß und Hohn zu deiner Jugend Glück“ zeigen und ihm unter der Losung „Zurück!“ die Wege weisen. Dies spiegelte in poetischer Form eine philosemitische Sicht auf den Zionismus und sein Nachdenken über die Möglichkeiten, dessen Ziele zu erreichen. Dabei grenzte er sich vom jüdischen Kollektiv ab und stellte sich ihm als „des Predigers Stimme in der Wüste“ (Jes 40,3 EU) wie ein Prophet gegenüber. In der Auswahl und Abfolge biblischer Figuren gaben seine Balladen negativen Episoden der jüdischen Geschichte eine positive Deutungsmöglichkeit.

    Zionistische Rezensenten, etwa Theodor Zlocisti,[15] begrüßten das Werk Juda daher durchweg als poetische Vorwegnahme ihrer politischen Hoffnungen. Sie lobten Münchhausens Sympathie für das Judentum und Unterstützung des Zionismus als beispielhaft und erklärten sie aus seiner Beschäftigung mit biblischen Stoffen oder aus einer allgemeinen Sehnsucht nach dem Fremden. Manche fragten jedoch auch, wieweit er sein poetisches Versprechen, Juden den Weg zu ihrem Glück zu zeigen, auch praktiziere.[16] Der Kulturzionist Martin Buber beschrieb Münchhausen in der Welt als deutschen Dichter, der die „jüdische Volksseele“ für tot und „entartet“ gehalten, dann aber durch Lilien Verständnis für sie entwickelt habe. Buber widersprach jedoch deutlich der Losung „Zurück!“: Rückkehr in eine poetische Vergangenheit sei nicht das Ziel der Zionisten, sondern eine neue Zukunft des Judentums.[17] Juda wurde ein Kerntext des deutschen kulturellen Zionismus.[18] Diese Balladen beeinflussten den jungen Stefan Zweig, der sie vermutlich durch Lilien in Berlin kennenlernte. Zweig war ab 1900 einige Jahre mit Münchhausen befreundet.[19]

    Morris Rosenfelds Lieder des Ghetto, von Lilien illustriert, beschrieben den Arbeitsalltag verarmter Juden in Osteuropa. Münchhausen begriff das Werk als Konkurrenz zu Juda und schrieb 1902 einen Verriss: Dichter und Zeichner seien ihm „völlig fremd, wo sich die sozialen Gedanken demokratisieren“. Er kenne das Judentum nur als stolz und aristokratisch, nicht als proletarisch und sozialdemokratisch. Er unterstellte dem Autor „Unkenntnis“ und beschrieb ihn mit antisemitischen Klischees als „heimatlos“ und „geschlagen mit dem ganz großen Fluche seiner Rasse“. Im Gedicht Mein Kind fand er Geldgier schon bei jüdischen Kindern. Liliens Bilder von Arbeitsgeräten, ausgebeuteten und hungernden Menschen seien „verunglückt“ und „verfehlt“. Durch diese Bilder zögen die proletarischen Lieder wie „Fürstenkinder“ ins Land, um dem verarmten Autor Einkünfte zu verschaffen. Er empfahl das Werk nur gebildeten Juden, als es schon in mehrere Sprachen Osteuropas übersetzt worden war und dort auch andere Leser fand.

    Münchhausens Sympathie für den Zionismus war rassistisch und sozialdarwinistisch begründet: Er schätzte nur Juden, die wie er an eine „jüdische Rasse“ glaubten. Laut Gronemann beschrieb er diese als „ältesten Adel der Welt“ neben dem „Schwertadel“, zu dem er sich zählte, und dem „Kaufmannsadel“, etwa der Fugger. Besonders im Judentum habe eine Auslese der Stärksten und Widerstandsfähigsten stattgefunden, indem die jahrhundertelange Judenverfolgung die Schwachen „ausgemerzt“ habe. Laut der Welt nannte er Zionismus „das Erwachen eines stolzen Adelsbewusstseins eines Edelvolkes“, das allerdings durch die vielen (auch jüdischen) „Plebejer“ keine Realisierungschance habe. 1904 lehnte er „die ihr Wesen und ihren Stamm verleugnenden Grossstadtjuden“ ab. Ursprünglich sei das Judentum durch „Anwendung des rein aristokratischen Grundgedankens“ groß geworden: „Menschenzüchtung durch Reinhalten der Rasse, Züchtung von gewissen, erstrebten Eigenschaften durch Verbindung von zwei Familien, bei denen diese Eigenschaften schon länger lebendig sind“. Darin glichen Juden dem Adel. Das habe ihn „bei diesem Volke immer so besonders angezogen, das mutige Verfechten dieser seiner Eigenart“.

    Wegen dieser Ansichten fand Gronemann Münchhausens „Werdegang vom Sänger jüdischer Kraft und jüdischer Helden zum deutschvölkischen Barden“ begreiflich: „Er schätzte das alte Judentum und die in der Tradition verwurzelten Abkommen der alten Makkabäer. Er verabscheute das Assimilantentum und begriff nicht, wie ein Jude etwa sich anders denn als Aristokrat fühlen konnte.“[20]

    Auch andere antisemitische Schriftsteller wie Julius Langbehn und Houston Stewart Chamberlain teilten damals Münchhausens Haltung: Sie bewunderten tief religiöse, konservative Juden, die ihre Religion mit einer Identität als eigenem „Volk“ gleichsetzten, und lehnten „moderne“, emanzipierte, individualistische und darum „wurzellose“ Juden ab. Sie sahen deren Kosmopolitismus und Anpassungsbereitschaft als gefährliches Unterminieren („Zersetzung“) der „rassischen“ Integrität und „völkischen“ Solidarität ihrer Gesellschaft. Laut dem Sprachwissenschaftler und Kulturhistoriker Lionel Gossman war die Berufung auf jüdische Zeugen und Quellen ein bei diesen Antisemiten beliebter rhetorischer Trick.[21]

    So bekannte Münchhausen sich 1930 nach den ersten großen Wahlerfolgen der NSDAP gegenüber Gronemann offen als Antisemit: „Sie sind Davidsternler, ich bin gewiß kein Hakenkreuzler, aber doch werden Sie begreifen, daß es mir als deutschem Schriftsteller peinlich ist, wenn in der deutschen Literatur Juden eine führende Stellung innehaben, aber das könnte noch angehen. Was für mich schlechthin unerträglich ist, ist daß sie diese Stellung zu Recht innehaben.“

    #nazis #philosemitisme #sionisme #histoire #antisemitisme #noblesse

  • Samedi 1 juin 1940, journée du nazi opportuniste
    https://de.wikipedia.org/wiki/Norbert_Schultze

    La carte du parti NSDAP du compositeur de quelques chansons populaires de l’époque sombre porte la même date comme les cartes de milliers d’autres nazis, le 1 juin 1940.

    Später äußerte er: „Wissen Sie, ich war damals im besten Soldatenalter. So um die 30. Für mich war die Alternative: komponieren oder krepieren. Da habe ich mich für das Erstere entschieden.“
    ...
    Im August 1944 wurde Schultze in die Gottbegnadeten-Liste aufgenommen, was ihn vor dem Kriegsdienst bewahrte, aber zur Kulturpropaganda verpflichtete.

    Explication : Le nombre de membres du parti nazi augmenta de 850.000 début 1933 à 5,3 millions en 1939 puis à 10,17 millions en 1945 sur une population de 79 millions. Plusieurs moratoires de l’acceptatiom de nouveaux membres furent l’origime de vagues d’entrées qu’on retrouve dans les archives.

    Er beantragte am 23. Februar 1940 die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. Juni desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 7.623.939).

    Mitglieder-Aufnahmesperre der NSDAP
    https://de.wikipedia.org/wiki/Mitglieder-Aufnahmesperre_der_NSDAP

    Am 19. April 1933 führte die NSDAP eine Aufnahmesperre für Neumitglieder ein, um des Ansturms von Aufnahmeanträgen nach ihrer Machtergreifung am 30. Januar 1933 Herr zu werden. Diese Sperre wurde erst am 20. April 1937 gelockert und am 10. Mai 1939 vollständig aufgehoben.
    ...
    Erneute und endgültige Aufnahmesperre ab 1942

    Am 2. Februar 1942 wurde eine erneute Aufnahmesperre verkündet, die im Wesentlichen nur noch den Jahrgängen von HJ und BDM die Aufnahme in die Partei gestattete und bis Kriegsende in Kraft blieb.

    1945 belief sich die Zahl der vergebenen Mitgliedsnummern auf ca. 10,17 Millionen von etwa 79 Millionen Einwohnern (13 %).

    Les compositions de Norbert Schultze

    Titel des Komponisten (Auswahl)

    Ich möchte so sein wie du mich willst
    Bomben auf Engelland
    Panzer rollen in Afrika vor
    Von Finnland bis zum Schwarzen Meer
    Lied der Panzergruppe Kleist
    Lili Marleen
    Nimm mich (uns) mit, Kapitän, auf die Reise (hier stammt auch der Text von Norbert Schultze und Fritz Graßhoff)
    Kleine weiße Möwe
    Ach ich hab in meinem Herzen darinnen
    Oh signorina-rina-rina
    Trippel-trappel Pony
    Die kleine Tempelglocke aus Neu-Delhi, für Bass und Klavier (1959) (Text: Walter Rothenburg)[9]

    Bühnenwerke (Auswahl)

    Schwarzer Peter, Märchenoper, 1936 in Hamburg uraufgeführt
    Das kalte Herz, Märchenoper, 1943
    Struwwelpeter, Ballett, 1937
    Max und Moritz, Ballett, 1938, an der Hamburger Staatsoper gespielt
    Maria im Walde, Oper, 1940
    Peter der Dritte, Oper, 1964
    Prinzessin auf der Erbse, Märchen mit Musik
    Das tapfere Schneiderlein, Oper, 1980
    Schneekönigin, Märchen mit Musik
    Schneewittchen, Oper, 1981
    Regen in Paris, Operette, 1957
    Käpt’n Bye-Bye, Musical, 1950

    Filmmusik (Auswahl)

    1939: Feuertaufe
    1939: Gold in New Frisco
    1939: Renate im Quartett
    1940: Aus erster Ehe
    1940: Frau nach Maß
    1940: Bismarck
    1941: Ich klage an
    1941: Kampfgeschwader Lützow
    1942: Der Fall Rainer
    1943: Symphonie eines Lebens
    1943/44: Eine kleine Sommermelodie (UA: 1982)
    1943/45: Kolberg
    1944: Die Affäre Roedern
    1944/49: Die Nacht der Zwölf
    1945: Das Leben geht weiter
    1949: 12 Herzen für Charly
    1950: Es kommt ein Tag
    1952: Der Tag vor der Hochzeit
    1953: Käpt’n Bay-Bay
    1953: Nur nicht aufregen
    1953: Zwerg Nase
    1953: Das tanzende Herz
    1953: Geliebtes Leben
    1954: Ein Leben für Do
    1954: Rittmeister Wronski
    1954: Unternehmen Edelweiß
    1955: Die Mädels vom Immenhof
    1955: Der fröhliche Wanderer
    1955: Oberarzt Dr. Solm
    1955: Mamitschka
    1955: Roman einer Siebzehnjährigen
    1955: Das Sandmännchen
    1956: Max und Moritz
    1956: Was die Schwalbe sang
    1956: … wie einst Lili Marleen
    1957: Aufruhr im Schlaraffenland
    1957: Die Freundin meines Mannes
    1957: Jede Nacht in einem anderen Bett
    1958: Das Mädchen Rosemarie
    1958: U 47 – Kapitänleutnant Prien
    1958: Ist Mama nicht fabelhaft?
    1958: Es war die erste Liebe
    1960: Der Gauner und der liebe Gott
    1960: Soldatensender Calais
    1960: Stefanie in Rio
    1963: Moral 63
    1976: Rosemaries Tochter

    La chanson Lili Marleen à elle toute seule a rendu millionaire Norbert Schulze (26.1.1911 - 14.10.2002).

    #Allemagne #histoire #nazis #administration #politique #musique #artistes

  • Ne rien admettre tant qu’on n’est pas touché personnellement [LettrInfo 26-XVII] - Éditions Agone
    https://agone.org/ne-rien-dadmettre-tant-quon-nest-pas-touche-personnellement-lettrinfo-26-xvii

    Ne pas admettre les choses tant qu’elles ne nous touchent pas personnellement. C’est ainsi que le président du Pen Club autrichien, lui-même juif, déclare qu’il n’a rien à reprocher (personnellement) aux nazis et qu’on ne lui a jamais rien demandé sur sa judéité, répétant qu’il n’a jamais été importuné par les nazis et que c’est leur faire un bien mauvais procès d’intention que de les suspecter de visées aussi horribles que les interdictions professionnelles, les camps de concentration et les tortures.

    Ce qui semble avoir initialement profité au nazisme est moins le fait que la population ait été tenue à l’écart qu’elle ait été intégrée dans une orchestration du mensonge ; elle a favorisé son installation au pouvoir avant de refouler et de dénier sa participation.

    #Karl_Kraus #nazisme #fascisme #histoire

    • Le président du PEN club autrichien est alors Felix Salten. Il aurait dit ça dans le contexte du congrès international du PEN de Dubrovnik (alors Raguse) de 1933.
      C’est d’autant plus triste que son Bambi de 1923 est aujourd’hui lu comme un livre sur l’antisémitisme (où les cerfs sont les juifs, les scènes de chasse des pogroms, etc.) et que ses livres ont été interdits et brûlés par les nazis quelques années plus tard, lui-même devant fuir l’Autriche en 1938.
      À ce congrès de 1933 se pose la question aux clubs des différents pays de condamner le régime nazi, qui envoie 3 écrivains sympathisants. Salten s’y serait distingué par son soutien au club allemand :

      In 1933, the Vienna Club was irreconcilably split between its liberal authors and those that subscribed to the völkisch ideology, who in addition to Urbanitzky also included Felix Salten. It is more than likely (though I have not been able to find any information to this effect in any article or report) that the two delegations that voted against PEN’s Constitutive Resolution were the Germans and the Austrians, something that was particularly serious in the latter case, as this was still five years prior to the country’s annexation by the Third Reich. Following this unexpected capitulation to Nazi principles by its president, the Vienna Centre convened a meeting on 28 June 1933, at which it approved a declaration in protest against the “subjugation of individual spirit” and fiercely condemned the events of the German Spring. The declaration was signed by 25 members in favor, while 15 members voted against. The people who signed this “anti-German” manifesto in Vienna could be directly said to make up the list of 25 authors that the National Socialist newspaper Deutschösterreichische Tages-Zeitung called “ninety per cent Jews”, which can be read as a “shortlist of authors forced into exile in 1938” (Bores and Hanuschek, 2014: 492). Nevertheless, it was the Austrian PEN in exile that, thanks to the efforts of Paul Frischauer, who was also present in Dubrovnik in 1933, succeeded in converting PEN International into a “relief organization” that coordinated assistance for writers in danger.

      https://www.taylorfrancis.com/chapters/oa-edit/10.4324/9780429299407-7/1933-dubrovnik-pen-congress-deal-present-already-history-simona-%C5%A
      Les propos de Salten rapportés par Kraus sont assez proches de ceux de l’écrivaine Hollandaise Jo van Ammers-Küller rapportés dans le même article sur ce congrès de 1933 :

      "[...] I am Jewish. But it has never been held against me. I have tried with all my might for a reconciliation, because the future of the PEN Club lies in its non-political character. I have done it although I am a Jew. This is the end of the Pen Club” ( Matan, 1993 : 130–131). After the war, Ammers-Küller’s work was banned because of her support for the Nazi occupation, but she was nevertheless not pursued by the authorities and soon returned to the commercial market, though she never regained the fame she had enjoyed before the war.

      En lisant sa notice Wikipedia, Salten n’a semble-t-il jamais eu de ligne politique très claire :

      Il ne savait pas s’il devait se retirer dans la culture de salon ou choisir l’engagement public.

      https://fr.wikipedia.org/wiki/Felix_Salten
      C’était un ami de jeunesse de Kraus.

  • Linkspartei und Antizionismus : Antisemitismus vergessen
    https://taz.de/Linkspartei-und-Antizionismus/!6182262


    „Die Versunkene Bibliothek“ des Künstlers Micha Ullman auf dem Bebelplatz in Berlin erinnert an die Bücherbrennung der Nazis 1933   Foto : Rolf Zöllner/imago

    Le journal TAZ est connu pour sa ligne anti-laïciste. Ce commentaire y ajoute le philosemitisme obsessionnei typique pour la gauche bien pensante qui nie le caractère impérialiste de l’état capitaliste allemand et trouve son bonheur dans la distanciation symbolique des méfaits de ses grand parents nazis.

    Avec les sionistes chrétiens états-uniens, qui oeuvrent pour la déstruction de l’humanié de laquelle les croyants s’élèveront comme êtres bénis ce sont les philosemites allemands qui croient en la mission historique d’Israël qui pacifie le proche orient comme leurs arrière grand parents on cru en la pacification de l’ennemi héréditaire d’outre Rhin.

    Quand le parti Die Linke commémore la censure nazie comme première étape de la persécution et la guerre totale sans évoquer l’antisemitisme sur chaque bout de papier disponible, cela est "pénible" pour les amis inconditionnels de l’état d’Israël.

    Ces idéologues de pacotille ne comprennent pas qu’ils font le travail des nazis historiques et modernes. La menace nazie concerne d’abord les auteurs et personnes qui ne sont pas juifs du tout.

    La première cible des nazis furent leurs adversaires communistes et socialistes puis les handicapés et infirmes qualifiés de trop chers pour les laisser vivre

    Reprenons l’argument juif fallacieux du TAZ :Pour les nazis les juifs firent partie des groupes qui par leurs gènes malsains constituèrent une menace pour la santé du peuple allemand. Chaque national-socialiste dut lutter pour la santé génétique des Allemands ariens et contre l’a propagation épidémieque des mauvais gènes qu’ils soient communistes, asociaux, juifs ou nègres. Pour les nazis tout fut génétique et héréditaire.

    On n’extermina pas les juifs simplement par antisemitisme mais parce que la science médicale et généique l’imposa. La menace juive exigea une attention particulière à cause de la confusion des gènes juifs et ariens déjà introduits. Les membres des races inférieures faciles à identifier ne constituèrent pas de problème. Le problème juif fut perçu comme particulier à cause de la proximité des juifs et des ariens. La lutte scientifique nazie consista alors dans l’identification et la séparation des juifs des populations européennes génétiquement saines.

    Vu d’aujourd’hui il n’y a rien de scientifique dans ces idées et pratiques, mais â l’époque on rencointra des idéologies, affirmations scientifiques et pratiques meurtrières également aux États Unis et dans l’empire colonial britannique.

    L’antisemitisme nazi et l’assassinat de population juives entières furent motivés et justifiés par les idées médicales et mis en pratique par les médecins du Reich. L’antisemitisme ne fut qu’une vielle mauvaise tradition alimentée par les classes au pouvoir qui entra dans l’idéologie nazie parce qu’elle fut assez simpliste pour les esprits sans formation médicale scientifique. La raison et le véritable moteur du crime du vingtième siècle furent l ’idéologie médicale et épidémiologique en particulier.

    L’antisemitisme du vingtiême siècle est moderne et scientifique. Il n’a en commun avec l’antisemitisme féodal que sa cible. Sa justification religieuse fut remplacée par la pensée scientifique médicale et darwiniste guidée par la logique de l’efficacité capitaliste qui s’étend à tous les groupes de personnes.

    Quand on situe aujourd’hui le sort des juifs au centre de son antifascisme on nuit à la mémoire de la plupart des groupes visés par la fureur exterminatrice nazie et on manipule la compréhension du monde présent afin de justifier chaque acte juif comme légitime défense. Le philosemitisme n’est que le revers de l’antisemitisme et partage son caractère inhumain. QED

    30.5.2026 von Ulrich Gutmair - In Berlin macht die Linkspartei eine Gedenkveranstaltung zur NS-Bücherverbrennung. Aber warum fehlen im Ankündigungstext entscheidende Begriffe?

    A m 10. Mai lud die Linke in Berlin dazu ein, auf den Bebelplatz zu kommen. „Lesen gegen das Vergessen“ hieß die Veranstaltung. Gemeinsam wolle man an die Bücherverbrennungen von 1933 erinnern und „ein Zeichen gegen Hass, Rassismus und das Vergessen“ setzen. Die Co-Vorsitzende der Linken, Ines Schwerdtner, teilte auf ihrem Instagram-Account mit: „Wir erinnern an Schriftstellerinnen und Schriftsteller, deren Bücher am 10. Mai 1933 in 22 deutschen Universitätsstädten verbrannt wurden.“ Auch Schwerdtner versprach noch einmal: „Wir werden nicht vergessen!“

    Vergessen wurde in der Ankündigung allerdings der Hinweis, dass die Mehrheit dieser Schriftstellerinnen und Schriftsteller jüdisch war. Die nationalsozialistische Propaganda begründete die Bücherverbrennungen so: „Der jüdische Geist, wie er sich in der Welthetze in seiner ganzen Hemmungslosigkeit offenbart, und wie er bereits im deutschen Schrifttum seinen Niederschlag gefunden hat, muss aus diesem ausgemerzt werden.“
    Illustration einer Ausgabe der wochentaz mit dem Titel „Egal war gestern“

    wochentaz

    Dieser Text erschien zuerst in der wochentaz, unserer Wochenzeitung von links!

    In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und natürlich im Abo.

    Die sogenannte „Gesamtaktion gegen den jüdischen Zersetzungsgeist“ im Frühjahr 1933 folgte einem klar und deutlich formulierten Programm, für das es einen Begriff gibt, den sich deutsche Judenhasser bereits im 19. Jahrhundert selbst gegeben hatten: Dieser Begriff heißt Antisemitismus. Auch er bleibt in der Ankündigung der Linken unerwähnt. Seit der Einführung der Politik der „Blutreinheit“ im Spanien des 15. Jahrhunderts hat der Hass auf Juden eine rassistische Komponente. Antisemitismus ist trotzdem keine bloße Unterkategorie von Rassismus.
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    Semantische Verschiebungen

    Das lässt sich im Fall der Bücherverbrennung schon daran erkennen, dass bei Weitem nicht alle der Autorinnen und Autoren, deren Bücher von eifrigen deutschen Studierenden auf den Scheiterhaufen geworfen wurden, Juden waren. Den Nazis reichte, dass sie moderne Literatur produzierten, um sie unter dem Begriff des „jüdischen Zersetzungsgeistes“ zu subsumieren. Linke sollten das wissen.

    Wir sind geneigt, das Ausüben von Macht mit großen Gesten zu verbinden. Kleine semantische Verschiebungen aber weisen manchmal deutlicher als laute Parolen auf strategische Justierungen in Apparaten hin, die ihre Macht sichern oder vergrößern wollen.

    In Berlin wird im September gewählt. Der antizionistische Flügel hat auch innerhalb der Berliner Linken seine Macht ausgebaut. Wer den Kampf gegen den Zionismus für die vornehmste Aufgabe der deutschen Linken und Israel für ein neokoloniales Projekt weißer Überlegenheit hält, muss den Antisemitismus wohl vergessen. Dann aber sollte man auf pathetische Aufrufe „gegen das Vergessen“ verzichten. Weil dann wird’s peinlich.

    Ulrich Gutmair, Kulturredakteur

    Kulturredakteur der taz. Hat Geschichte und Publizistik studiert. Aktuelles Buch: „’Wir sind die Türken von morgen’. Neue Welle, neues Deutschland“. (Tropen/Klett-Cotta 2023).

    #Allemagne #antisemitisme #philosemitisme #nazis #iatrocratie

  • Auf den Spuren der deutschen Besatzer
    https://overton-magazin.de/hintergrund/politik/auf-den-spuren-der-deutschen-besatzer

    Konstantinowka, Brücke über den Kriwoj Torez (April 1942). (Copyright: Nachfahren Dr. Victor Becker)

    L’occupation allemande du Donbas , témoignage de survivants

    29.5.2026 von Leo Ensel - Ein Besuch im Donbass (Donezk, Bachmut und Konstantinowka, Mai 2005).

    In der vergangenen Folge hatte unser Autor über die Recherche der Kriegsroute seines Großvaters berichtet. Vor genau 21 Jahren, im Mai 2005 fuhr er in den Donbass, um die einzelnen Orte zu besichtigen und sich mit Veteranen zu treffen. Die Reise führte ihn auch nach Bachmut (Artjomowsk) und in das aktuell erbittert umkämpfte Konstantinowka (Kostjantynivka). Später, im April 2018, verfasste er darüber einen Essay, den wir aus Gründen der Aktualität hier nochmals unverändert veröffentlichen .

    Im Mai 2005 flog ich zum ersten Mal nach Kiew. Wie so oft war es das Goethe-Institut, das mich eingeladen hatte, ein interkulturelles Training, dieses Mal mit ukrainischen Deutschlehrerinnen durchzuführen. Da ich im Jahr zuvor intensiv zur Kriegsroute meines Großvaters recherchiert hatte, die ihn vom Juni 1941 bis Juli 1943 quer durch die Ukraine über den Donbass in den Kaukasus und dann auf die Tamanhalbinsel am Asowschen Meer führte, wollte ich die Gelegenheit unbedingt nutzen, auch in den Donbass zu fahren, wo mein Großvater von November 1941 bis Juli 1942 in den Städten Konstantinowka und Artjomowsk (beide 80 Kilometer nördlich von Donezk) ein Armeelazarett geleitet hatte.

    Mein sentimentaler Traum: Genau dort, wo mein Großvater im II. Weltkrieg als Soldat sein musste, interkulturelle Trainings durchzuführen und Menschen kennenzulernen, die mir bei den Recherchen vor Ort und beim Kontakteknüpfen mit Veteranen behilflich sein könnten. Mit Seminaren in den genannten Städten klappte es zwar nicht, weil das Goethe-Institut dort keine Partnerorganisationen hatte, dafür machte es das Kiewer Goethe-Institut aber möglich, dass ich Seminare in Donezk und Gorlowka (ukrainisch: Horliwka, 40 Kilometer südlich der beiden Städte) – wo mein Großvater ebenfalls zeitweise gewesen war – durchführen konnte. Ich vertraute fest auf das Prinzip „Ich kenn jemand, der kennt jemand“, das im postsowjetischen Raum ja so gut funktioniert. Irgendwie würde ich über meine Seminare schon eine Person kennenlernen, die mich nach Artjomowsk (heute wieder, wie bis 1924: Bachmut) und Konstantinowka (ukr.: Kostjantynivka) bringen, vielleicht sogar aus einem der Orte stammen würde.

    Kiew im Song-Contest-Fieber

    Kiew im Mai. Überall blühten die Kastanienbäume, an den Straßenrändern verkauften die ukrainischen Babuschkas Flieder und Maiglöckchen, die Stadt war im European Song Contest-Fieber. Im Jahr zuvor hatte die Ukraine den Wettbewerb gewonnen, nun wurde er in Kiew ausgetragen. Auf dem Maidan, dem Kreschtschatik und dem Andreassteig herrschte ein buntes Durcheinander von Ständen mit Devotionalien der Orangen Revolution, Orden, ausrangierten Uniformen und anderen Militaria von Wehrmacht und Roter Armee und einem Büchertisch mit sämtlichen Klassikern der antisemitischen Literatur, von den „Weisen von Zion“ bis zu Hitlers „Mein Kampf“ auf Russisch und Deutsch – gedruckt in Moskau.

    Mein einwöchiges Seminar verlief wie im postsowjetischen Raum üblich. Die Germanistinnen waren hochmotiviert, die präsentierten Deutschlandbilder genau wie in Russland, Belarus und Kasachstan, die Arbeit machte uns allen großen Spass. Nahezu alle Teilnehmerinnen sympathisierten mit der Orangen Revolution, einige hatten sich an den Maidan-Demonstrationen ein halbes Jahr zuvor aktiv beteiligt, eine gewisse Ernüchterung war allerdings bereits spürbar.

    Am Sonntag, den 22. Mai bestieg ich um 19 Uhr den Zug nach Donezk.

    Donbass: Eine andere Welt

    Als ich am nächsten Morgen um 7 Uhr 750 Kilometer weiter östlich in Donezk ankam, fand ich mich in einer anderen Welt wieder. Schon um diese Uhrzeit war es sehr heiß. Bereits auf dem weiten Weg ins Zentrum sah ich die ersten Терриконов, die großen Abraumhalden vom Kohleabbau, die mitten in der Stadt an vielen Orten anzutreffen sind und im Stadtbild wie in der ganzen Region charakteristische Akzente setzen. Donezk, 1,1 Millionen Einwohner, Hauptstadt des Donbass, dem Zentrum der Schwerindustrie in der Ostukraine und 150 Jahre jung. Keimzelle der Stadt war eine Siedlung um eine metallurgische Fabrik, die 1869 von dem Walliser John Hughes gegründet wurde – daher auch der russifizierte Name, den die Stadt bis zum Jahre 1924 trug: Jusowka. Zwischen 1924 und 1961, also auch zur Zeit der deutschen Besatzung, führte sie den Namen Stalino. Stadt und Umland, das wusste ich, hatten während des Krieges fürchterlich gelitten. Nach der Befreiung Anfang September 1943 waren im Gebiet Stalino Massengräber mit insgesamt über 300.000 Menschen – Zivilisten und sowjetischen Kriegsgefangenen – gefunden worden, die von den deutschen Besatzern erschossen, erhängt, im Gas erstickt oder lebendig die Förderschächte hinabgestoßen worden waren oder in den Lagern (vor allem sowjetische Kriegsgefangene) an Hunger, Kälte, Entkräftung und Seuchen gestorben waren. Wie überall hatten die Deutschen tausende Juden erschossen oder mit Gaswagen ermordet. Große Teile der jüngeren Bevölkerung waren als Zwangsarbeiter „ins Reich“ deportiert worden, der vor Ort verbliebene vorwiegend ältere Teil hungerte fast zwei Jahre lang, da die 17. Armee, die das Gebiet mit 250.000 Mann und 65.000 Pferden besetzt hielt, sich „aus dem Lande“ ernähren sollte, um die Lebensmittelversorgung „im Reich“ nicht zu belasten. Nach Ende der Kampfhandlungen war die Stadt fast vollständig zerstört.

    Es war mein Geburtstag. Ich wurde 51 und es ging mir sehr ans Herz, als ich mir klarmachte, dass im Februar 1942 mein Großvater 80 Kilometer weiter nördlich in Konstantinowka unter gänzlich anderen Umständen ebenfalls 51 Jahre alt geworden war. Ich war einfach nur dankbar, dass ich niemals Krieg erleben und im Donbass nicht als Besatzer sein musste, sondern mich hier mit meinen Fähigkeiten nützlich machen konnte und vielleicht sogar mit den vielen Fotos meines Großvaters, die er in Konstatinowka und Artjomowsk aufgenommen hatte, noch einen späten Beitrag zur Versöhnung mit den Menschen vor Ort leisten könnte.

    Wir fuhren vorbei an einer neuerbauten orthodoxen Kirche, die breiten Straßen und großen Gebäude, viele von ihnen im Stalinstil der Fünfziger Jahre, waren überraschend gut in Schuss. Ich sah – womit ich gerade in dieser Gegend nicht gerechnet hatte – viele großzügig angelegte Grünanlagen, zwei große künstliche Seen, die das Stadtzentrum einrahmten, und meine Begleiterin klärte mich auf, dass Donezk nicht nur Stadt der Schwerindustrie, sondern auch die „Stadt der Millionen Rosen“ sei. Das erinnerte mich an Lipezk in der Schwarzerderegion: Kurort und ebenfalls Zentrum der Schwerindustrie – solch abenteuerliche Kombinationen gab es nur in der Sowjetunion! Nach einigen Tagen im Donbass konnte ich den Stolz der Donezker auf die „Millionen Rosen“, von denen man in der Tat viele im Stadtzentrum bewundern konnte, besser verstehen. Alles war in mühevoller Arbeit der Steppe abgerungen worden.

    Die ehemalige Sowjetunion ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und nach meinem Seminar in Donezk hatte ich, wie erhofft, zwei Frauen gefunden, die mir weiterhelfen konnten: Marina wollte mit mir nach Artjomowsk fahren und Lilija stammte sogar aus Konstantinowka! Dazu hatte man mir zum Geburtstag eine Flasche Krimsekt aus der Artjomowsker Sektkellerei geschenkt. Bereits einen Tag später war ich in der Stadt, in der mein Großvater vom 19. Dezember 1941 bis zum 12. Januar 1942 ein Kriegslazarett geleitet hatte.

    Die Mauer der Tränen

    Hügelige Steppenlandschaft mit Terrikonen und Datschas auf der staubigen Strecke von Donezk über Gorlowka nach Artjomowsk, einer Stadt, die aufgrund der nahegelegenen Gips- und Salzstollen lange vom Salzhandel gelebt hatte. Das Krankenhausgebäude, in dem mein Großvater gearbeitet hatte, war schnell gefunden. Aber im Heimatmuseum, wo ich der Leiterin eine CD mit Fotos übergab, die mein Großvater während der Besatzungszeit von der Stadt aufgenommen hatte, erlebte ich einen Schock. Ich sah ein Plakat mit folgendem Aufdruck in russischer Sprache:

    „Mittwoch, den 07.01.1942

    Aufruf an die Juden der Stadt Bachmut

    Aus Gründen einer isolierten Unterbringung haben sich alle Juden der Stadt Bachmut, Männer und Frauen aller Altersgruppen, am Freitag, dem 9. Januar um 8.00 Uhr morgens im Raum des ehemaligen Eisenbahn-NKWD-Gebäudes im Park einzufinden.
    Jede Person darf Gepäck bis zu 10 kg und auch Lebensmittelvorräte für acht Tage dabeihaben.
    Am oben erwähnten Sammelpunkt sind Wohnungsschlüssel mit Angaben des Namens und der Adresse (Straße und Hausnummer) des Wohnungsbesitzers abzugeben.

    Eintritt in leere jüdische Wohnungen und Mitnahme von irgendwelchen Gegenständen aus diesen Wohnungen durch Zivilisten ist als Plünderung anzusehen und wird mit dem Tode bestraft.

    Nichtbeachtung dieser Anordnung, insbesondere unpünktliches Erscheinen oder Abwesenheit am angegebenen Sammelort wird aufs Strengste bestraft.
    Juden, die irgendwo angestellt sind, haben zu kündigen.

    Der Bürgermeister“


    Mauer der Tränen, Foto: Leo Ensel

    Die Leiterin des Heimatmuseums erzählte mir den weiteren Verlauf der Ereignisse: Zwischen dem 9. und 12. Januar 1942 wurden circa 3.000 Juden aus der Stadt von Mitgliedern der Einsatzgruppe C unter logistischer Mithilfe der 17. Armee in einen Stollen eines ehemaligen Gips-Bergwerks nahe der Stadt verfrachtet und dort 50–70 Meter unter der Erde bei lebendigem Leibe eingemauert. Um die Aktion zu vertuschen, wurden die Wände des Stollens abgesprengt. Im September 1943, nach der Befreiung der Stadt durch die Rote Armee, wurden nach einigem Suchen die Leichen entdeckt und geborgen. Da die Leichen aufgrund der ungewöhnlichen Klimaverhältnisse im Stollen (permanente Temperatur von +12°–14° sowie eine Luftfeuchtigkeit von 88–90 %) nicht verwest, sondern mumifiziert waren, konnte eine Reihe von ihnen identifiziert werden. Die Umstände der Ermordung der Artjomowsker Juden waren nach dem Kriege Gegenstand der Nürnberger Prozesse.

    9.-12. Januar 1942. Das war genau während der Zeit, als mein Großvater in Artjomowsk das Kriegslazarett geleitet hatte. Schwer vorstellbar, dass er davon nichts mitbekommen hätte!

    Aber die Geschichte geht noch weiter: Es stellte sich nämlich heraus, dass genau die klimatischen Bedingungen, die die Mumifizierung der Leichen bewirkt hatten, zugleich ideale Bedingungen für die Herstellung von Sekt sind. Im Jahre 1950 wurde daher in demselben Bergwerk eine Fabrik für den Krimsekt „Artjomowskoje“ eingerichtet. Genau der Sekt, den man mir einen Tag zuvor zum Geburtstag geschenkt hatte!

    Als ich drei Tage danach nochmals nach Artjomowsk fuhr, besichtigte ich auch die Sektfabrik und ließ mich durch die tief unter der Erde gelegenen Salzstollen führen. Die Leiterin der Besichtigung erzählte von sich aus die gesamte Geschichte und führte uns auch zu dem entsprechenden Ort, zur „Mauer der Tränen“, aus der aus bislang ungeklärten Gründen immer wieder Wassertropfen hervorquillen. Dort hatte man eine kleine Gedenkstelle mit eingelassenen Skulpturen, Blumen und Leuchten eingerichtet, die entfernt an eine Seitenkapelle erinnert.

    Meinen spontanen Vorsatz, niemals wieder „Artjomowskoje“ zu trinken, habe ich nicht eingehalten. Aber jedes Mal denke ich zuvor an die „Mauer der Tränen“.

    „Erfrorene Füße sind erfrorene Füße!“

    Es war mein vierter Tag im Donbass, als ich mit der Elektritschka vom Eisenbahnknotenpunkt Donezk-Makejewka in die Industriestadt Konstantinowka fuhr, wo mein Großvater fast ein halbes Jahr lang ein Armeelazarett geleitet hatte. Dieser Zeitraum war nicht nur durch seine Tagesnotizen, sondern auch mit über 50 Fotos gut dokumentiert, die neben dem Lazarettalltag auch die Stadt selbst und auch einige Frauen aus der lokalen Bevölkerung zeigten, die von den Deutschen für die Arbeit im Lazarett dienstverpflichtet worden waren. Ich wollte diesmal nicht nur Orte verifizieren, sondern mich vor allem mit Veteranen treffen, um von ihnen zu erfahren, wie sie die Zeit der deutschen Besatzung erlebt hatten. Lilija, die ich am Montag in Donezk kennengelernt hatte, hatte das typisch sowjetische Improvisationskunststück fertiggebracht, innerhalb kürzester Zeit in ihrer Heimatstadt alles zu organisieren.

    Klopfenden Herzens betrat ich mit Lilija den kleinen Raum der Veteranen in der Stadtverwaltung von Konstantinowka. Dort saßen etwa zehn ältere Frauen, fast alle über 70 und ein sehr vitaler gleichaltriger Mann, die mich gespannt anschauten. Die Lokalzeitung hatte eine Journalistin geschickt, die eifrig mitschrieb. Ich erzählte den Menschen, dass ich ihnen guten Gewissens sagen könne, dass mein Großvater als bekennender Katholik und Leiter eines katholischen Krankenhauses kein Faschist war. Er ging dem Regime gegenüber soweit es ging auf Distanz und wurde einmal sogar von der Gestapo vorgeladen, weil er versucht hatte, seine jüdischen Ärztekollegen solange wie möglich am Krankenhaus zu halten. Nach dem Krieg hatte er mit viel Wärme über die Menschen in der Sowjetunion gesprochen und dabei auch zwei medizinische Mitarbeiterinnen aus Konstantinowka namentlich erwähnt.

    Aber natürlich war er ein Okkupant – wenn auch ein Okkupant wider Willen. Auch er habe, wie alle deutschen Besatzer, ihnen das Essen weggegessen. Ich könne ihnen anhand seiner Tagesnotizen sogar noch sagen, was er Weihnachten 1941 im Donbass verspeist habe: Schweinebraten, „Pute und mächtige Weihnachtsstollen“! Ich fragte die Veteraninnen, was sie denn während der Okkupationszeit gegessen hätten. Die Alten schauten mich an wie ein Auto: „Was wir gegessen haben? – Gras und verfaulte Kartoffeln haben wir gegessen!“

    Ich zeigte ihnen Fotos meines Großvaters aus den verschiedenen Phasen seines Lebens – und als wir beim Alter von 65, 70 Jahren angekommen waren, da ging auf einmal in den Gesichtern der Babuschkas die Sonne auf: „Was für ein sympathischer Mann!“

    Natürlich erregten die Fotos von Konstantinowka während der Besatzungszeit größtes Interesse. „Das sind die ersten Fotos unserer Stadt aus der Zeit der Besatzung! Wir hatten bis jetzt keine!“ Ich wollte gerne einige Orte verifizieren und zeigte ihnen Fotos des Armeelazaretts. Die alten Menschen erkannten es sofort: „Наша, наша, наша!! Наша хирургия!“ („Unsere Chirurgie!“). Die deutschen Besatzer hatten sich mit ihrem Lazarett in der Chirurgie des Städtischen Krankenhauses einquartiert. Alle fingen sofort an zu rätseln, wer wohl die abgebildeten lokalen medizinischen Mitarbeiterinnen meines Großvaters gewesen sein könnten. Als es an die Fotos vom Lazarettalltag ging, warnte ich die Veteraninnen: „Ich kann Ihnen die Fotos zeigen. Darunter sind auch Fotos von erfrorenen Füßen. Aber ich muss Ihnen sagen, dass dies natürlich Fotos von erfrorenen Füßen der deutschen Besatzer sind! Wollen Sie sie dennoch sehen?“ – Die Antwort der ukrainischen Babuschkas aus dem Donbass: „Erfrorene Füße sind erfrorene Füße!“ Ich hätte sie küssen können.

    Es war wie immer: Von Hass keine Spur! Dafür die Erleichterung, ja fast Dankbarkeit, dass sich endlich, endlich mal jemand aus dem Land der Besatzer für ihre Erfahrungen interessierte! Immer wieder wurde betont, die deutschen Ärzte im Krankenhaus hätten auch Menschen aus der lokalen Bevölkerung behandelt. Ich schenkte den Veteranen zum Abschied eine CD mit allen Fotos. Sie verabschiedeten mich mit viel Wärme und überreichten mir im Gegenzug das Gedenkbuch für die Opfer ihres Oblasts (Regierungsbezirks).

    Mein Besuch hatte ein Echo in der Lokalpresse. Der Artikel der Journalistin enthielt einen Aufruf an die alten Menschen, Erfahrungsberichte aus der Okkupationszeit zu verfassen und an die Lokalzeitung zu senden. Einige Wochen später erschienen, illustriert mit Fotos meines Großvaters vom Besatzungsalltag in Konstantinowka, vier Berichte, von denen ich zwei auszugsweise zitiere.

    „22 Monate Hunger, Erniedrigungen und Angst

    In den ersten Kriegsjahren ist mein Mann an die Front gegangen. Seitdem habe ich ihn nicht

    mehr gesehen. Dieser Verlust und 22 lange Monate der Besatzung – das war das Schrecklichste in meinem Leben. Die Fenster unseres Hauses gingen auf die zentrale Straße, die Krasnaja. Ich habe gesehen, wie durch diese Straße fast jeden Tag Leute getrieben wurden. Zuerst waren das unsere Kriegsgefangenen: ins KZ oder zum Erschießen. Später wurden die Arbeiter und die Jugend zum Bahnhof getrieben, wo auf sie die Güterwaggons nach Deutschland warteten. Wer aus der Reihe herauslief, wurde an Ort und Stelle erschossen. Bis jetzt höre ich noch das schauerliche Geschrei einer Frau in meinen Ohren, deren Bruder vor ihren Augen erschossen wurde.

    Um nicht „Ostarbeiter“ zu werden, kratzte ich mir und den Kindern Füße und Beine auf und rieb sie danach mit Knoblauch ein, damit sie anschwollen. So haben das damals viele gemacht: Die Deutschen glaubten, es sei eine Infektion und schickten diese Leute nicht zur Deportation.

    Nicht weit von uns befand sich die Gestapo. Es gab keinen Tag, an dem nicht eine Person dorthin zur Vernehmung geführt wurde. Nur sehr wenige kamen von dort wieder heraus. Es sei denn, dass sie in den gedeckten Planwagen außerhalb der Stadt zum Erschießen hinausgefahren wurden. Dieses Los traf auch sehr viele Arbeiter unserer Glasfabrik. Ich wohnte ständig in Angst und wartete, dass ich einmal abgeholt würde.

    Die Erinnerungen an diese Ereignisse lassen mich noch bis jetzt nachts nicht einschlafen. Und an etwas Gutes kann ich mich nicht erinnern.
    A.F. Buljanskaja

    Sie hatten auch Kinder

    Ich war damals drei Jahre alt. Ich erinnere mich selbst nicht, aber mein älterer Bruder hat mir folgendes erzählt: Unsere Mutter ließ uns für lange Wochen allein und ging in die Dörfer, um Kleidung gegen Essen zu tauschen. Einmal gab es im Hause kein Brot und kein Zwieback mehr und die Mutter war noch nicht zurückgekehrt. Wir aßen schon drei Tage lang nichts, ich weinte ständig und mein Bruder konnte es nicht mehr ertragen. Da führte er mich an den Zaun des deutschen Lazaretts, das sich in der Schule Nr. 1 befand. Zu Hause erschrak er: Er kehrte zurück – aber ich war nicht mehr da! Bis zum Abend stand er vor dem Zaum, er wurde vertrieben und versteckte sich in der Hoffnung, dass ich irgendwo in der Nähe umherschlendern und mich sehen lasse würde. Sonst würde die Mutter ihn „töten“!

    Als es zu dämmern begann, öffnete sich die Zauntür und ein Deutscher kam mit einem Laib Brot in den Händen und führte mich hinaus. Der Saum meines Hemdchens war vollgestopft mit Gebäck und Bonbons. Dem Bruder wurde befohlen, mich morgen wieder hinzuführen. Soviel er verstanden hat, hat es den im Lazarett behandelten Fritzen gefallen, mit dem aufgedunsenen Kind, das rosafarbige Wangen hatte, zu spielen – viele von ihnen hatten doch zu Hause auch Kinder.

    Später tauchte bei mir noch ein „Freund“ auf – aus der Brotwarenfabrik gegenüber dem Lazarett. Er hieß Paul und immer wenn er durch das Fenster mich sah, hatte er für uns ein Viertel und manchmal die Hälfte eines heißen Brotes. Ich selbst kann mich schon daran erinnern. Besonders Paul als einmal nicht hinauskam. Wir standen mit dem Bruder und warteten. Plötzlich wurde „unser“ Deutscher in Handschellen hinausgeführt und man begann ihn in das gedeckte Fahrzeug hineinzustoßen. Ich lief zu ihm und er rief: „Lebe wohl, Edward!“ Das Fahrzeug fuhr weg. Und ich fiel auf den Weg hin und weinte lange.
    Karpunov“

    Nachtrag [April 2018]

    Während der ganzen Woche meines damaligen Aufenhalts im Donbass habe ich keinen einzigen Menschen getroffen, der für die Orange Revolution gewesen wäre. Alle zeigten sich deutlich reserviert gegenüber die „Kiewern“ und den Menschen im Westen des Landes. Und es schwangen, deutlich vernehmbar, Kränkungen mit: „Die haben uns während der Wahlkämpfe Быдло (Hornochsen) genannt!“ Mir wurde klar, dass eine ganze Region hier völlig anders ‚tickt‘ – am ehesten vielleicht vergleichbar mit den Bayern in Deutschland.

    Gorlowka gehört jetzt zur selbsternannten Donezker Volksrepublik. Konstantinowka war zeitweise von den Rebellen besetzt, wurde aber im Sommer 2014 von Truppen der Kiewer Zentralgewalt zurückerobert. Artjomowsk heißt seit 2016 wieder Bachmut und ist jetzt ein Vorposten der ukrainischen Armee. Die Eisenbahnlinie Donezk-Konstantinowka wurde gekappt. Eine Busfahrt, die mehrere Grenzposten passieren muss, dauert jetzt acht Stunden.

    Nachtrag Mai 2026

    Die Oblaste Donezk und Lugansk wurden am 30. September 2022 von Russland annektiert. Die russische Armee rückt nach wie vor im Millimetertempo Richtung Westen vor, um unter anderem den Donezker Oblast vollständig zu erobern. Der – mittlerweile sprichwörtliche – „Fleischwolf Bachmut“ ist eine komplette Trümmerwüste, die ehemalige Sektfabrik in den Gips-Stollen ein improvisiertes russisches Militärkrankenhaus (inclusive orthodoxer Kapelle) und um Konstantinowka (Kostjantynivka) wird seit über einem Jahr erbittert gekämpft: Das Rathaus, in dem ich mich vor 21 Jahren mit den Veteranen getroffen hatte, wurde im Oktober 2024 von einer Rakete getroffen und brannte völlig aus. Lilija, die damals das Treffen organisiert hatte, schrieb mir am 26. Mai 2026, dem Jahrestag dieses Treffens: „In Konstantinowka gibt es kein einziges Gebäude, das nicht zerstört oder beschädigt wurde – sowohl Hoch- als auch Privathäuser.“

    Dieser Artikel erschien bereits 2020 auf der Website ostexperte.de.
    https://ostexperte.de/auf-den-spuren-der-deutschen-besatzer-besuch-im-donbass

    Leo Ensel

    Dr. Leo Ensel („Look at the other side!“) ist Konfliktforscher und interkultureller Trainer mit Schwerpunkt „Postsowjetischer Raum und Mittel-/Ost-Europa“. Veröffentlichungen zu den Themen „Angst und atomare Aufrüstung“, zur Sozialpsychologie der Wiedervereinigung sowie Studien über die Deutschlandbilder im postsowjetischen Raum. Im Neuen West-Ost-Konflikt gilt sein Hauptanliegen der Überwindung falscher Narrative, der Deeskalation und der Rekonstruktion des Vertrauens. – Der Autor legt Wert auf seine Unabhängigheit. Er fühlt sich ausschließlich den genannten Themen und keinem nationalen Narrativ verpflichtet.

    #Allemagne #Ukraine #guerre #nazis #histoire

  • Ukraine würdigt NS-Kollaborateur – Selenskyj spricht von einem „Helden“
    https://www.berliner-zeitung.de/article/zwischen-nationalmythos-und-ns-vergangenheit-selenskyj-wuerdigt-ns-

    Never Mind the Bollocks, Here’s the Real Nazis - ah ce sacré Zelensky est le dernier vrai punk avec plus de morts sur la conscience que tous les squelettes qu’il invite chez soi. Il fallait un homme de son acabit pour s’opposer à l’autre héro slave, surtout parce que celui-ci a l’avantage stratégique de parler l’allemand. Nous sommes fiers des amis qui nous acceptent avec notre fardeau historique de la défaite contre les méchants communistes !

    28.5.2026 von Vassiliki Mantziou - Staatsakt in Kiew sorgt für weltweite Empörung: Präsident Selenskyj bettet den früheren OUN-Führer Andrij Melnyk um. Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem kritisiert die Ehrung scharf.

    Mehr als 60 Jahre nach seinem Tod wurde der „Nationalheld“ Andrij Melnyk in der Ukraine beigesetzt. Gemeinsam mit seiner Frau Sofia wurde der frühere Führer der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) am Montag im Rahmen einer Staatszeremonie auf dem Nationalen Militärfriedhof bei Kiew bestattet. Präsident Wolodymyr Selenskyj und Ex-Präsident Viktor Juschtschenko nahmen persönlich an dem Festakt teil.

    Dabei würdigte Selenskyj den Nationalisten als „Helden“ und Vorbild für die Ukraine. „Heute sehen wir alle, dass die ukrainische Idee das überwinden kann, was einst völlig unüberwindbar schien“, sagte er laut Euronews mit Blick auf den ukrainischen Unabhängigkeitskampf gegen die Sowjetunion.

    Doch die Ehrung sorgt international für Empörung. Denn Melnyk und die OUN kollaborierten im Zweiten Weltkrieg mit NS-Deutschland. Sie verübten Pogrome, bewachten Ghettos und Teile der OUN waren am Massaker von Babyn Jar beteiligt – einem der größten Massenmorde des Holocausts, bei dem 1941 über 33.000 Juden erschossen wurden.

    Kritik aus Israel und den eigenen Reihen

    Besonders scharfe Kritik kommt deshalb aus Israel. Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem erklärte, die Ehrung untergrabe die moralische Integrität des Holocaust-Gedenkens. Auch das israelische Außenministerium äußerte sich kritisch. Die ukrainisch-jüdische Holocaust-Forscherin Marta Havryshko sprach auf X von einer „Demütigung für alle, die einst glaubten, dass ‚Nie Wieder‘ in der heutigen Ukraine noch eine Bedeutung habe.“

    Zusätzliche Empörung löste die Teilnahme des rechtsradikalen Asow-Bataillons an der Zeremonie aus. Die Einheit verherrlicht offen Teile der OUN sowie die Waffen-SS-Division „Galizien“. Besonders brisant: Selenskyj selbst ist Jude, Teile seiner Familie wurden im Holocaust ermordet.

    Kritik kommt auch aus den eigenen Reihen. Selenskyjs früherer Berater Oleksij Arestowytsch warnte, das von Selenskyj geplante Pantheon drohe zur „ideologischen Presse“ zu werden. Ein Abgeordneter aus Selenskyjs eigener Partei bemängelte die Prioritätensetzung: Während Millionen Ukrainer ihre Familien seit Jahren nicht sehen könnten, kümmere sich die Regierung um Gräber.

    Das geplante Pantheon der Ukraine

    Die Umbettung Melnyks ist Teil eines größeren politischen Projekts. Die ukrainische Regierung plant ein nationales „Pantheon herausragender Ukrainer“ – eine zentrale Gedenkstätte für historische Persönlichkeiten, die aus Sicht Kiews für die ukrainische Staatlichkeit und Unabhängigkeit gekämpft haben. Selenskyj erklärte, die Ukraine müsse jene Menschen ehren, „die für die Freiheit und den Staat der Ukraine gekämpft haben“.

    Geplant sind laut ukrainischen Behörden bis zu 1000 Umbettungen aus 21 Ländern. Als nächste könnten die Überreste des OUN-Gründers Jewhen Konowalez aus Rotterdam sowie des Nationalistenführers Stepan Bandera aus München in die Ukraine überführt werden.

    Marta Havryshko warnte auf X, in der Ukraine bestimme militanter ethnischer Nationalismus zunehmend die Erinnerungspolitik und nationale Identität – ein Land, das gleichzeitig behaupte, für Freiheit und Demokratie zu kämpfen.

    Auch in Deutschland wird die Ehrung diskutiert. Berlin und die EU überweisen der Ukraine milliardenschwere Hilfspakete – zuletzt forderte Außenminister Wadephul zusätzliche 90 Milliarden Euro. Kritiker wie die ehemalige Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen werfen der Bundesregierung vor, die Unterstützung fortzusetzen, ohne die Ehrung eines Nazi-Kollaborateurs durch die ukrainische Staatsführung zu thematisieren.

    #Ukraine #fascisme #nazis #wtf

  • #anthropologie de la grande #ville
    https://laviedesidees.fr/Anthropologie-de-la-grande-ville

    Berlin est devenue, à partir du XIXe siècle, une très grande ville, qui a modifié en profondeur l’expérience de ses habitants et les manières de vivre, et que les Nazis, une fois au pouvoir, se sont efforcés de soumettre.

    #Histoire #nazisme

  • Johann Chapoutot - Une histoire bien connue - Bertolt Brecht : La résistible ascension d’Arturo Ui
    13 mai 2026 - librairie mollat
    https://www.youtube.com/watch?v=PQEGh_nVZd8

    L’accession au pouvoir n’est pas une fatalité démocratique, mais le résultat d’une compromission des élites.

    Johann Chapoutot présente « Une histoire bien connue », qui précède la nouvelle édition de « La résistible ascension d’Arturo Ui » de Bertolt Brecht, traduite par Alexandre Plateau, aux éditions de l’Arche. Entretien avec Nicolas Patin.

    • #théâtre #fascisme #nazisme #Allemagne #histoire #révue

      2026-05-13 — 55 min.

      l’intro chez youtube :

      Retrouvez le #livre : www.mollat.com

      L’historien Johann Chapoutot présente son essai accompagnant une nouvelle édition de l’œuvre de Bertolt Brecht. Cet entretien explore les mécanismes réels de l’arrivée du nazisme au pouvoir en Allemagne dans les années 1930, loin de la légende d’une victoire purement électorale.

      Johann Chapoutot déconstruit le mythe d’une ascension démocratique inéluctable. Il souligne que le pouvoir a été offert par une clique de dirigeants conservateurs — tels que Paul von Hindenburg ou Franz von Papen — mus par des intérêts personnels et financiers triviaux. La discussion met en lumière la clairvoyance de Bertolt Brecht qui, dès 1941, transposait cette tragédie dans le milieu du #banditisme, révélant la médiocrité des acteurs politiques de l’époque.

      L’échange aborde également la #sociologie du vote. Contrairement aux idées reçues, ce ne sont pas les classes ouvrières qui ont porté ce mouvement, mais une #bourgeoisie patrimoniale hantée par la peur du déclassement et du communisme. Johann Chapoutot fait le lien avec ses travaux sur l’irresponsabilité des élites et justifie l’usage de l’analogie historique pour éclairer les fragilités des #démocraties contemporaines face aux tentations du #libéralisme_autoritaire.

      0:00 Introduction
      1:13 L’œuvre de Bertolt Brecht : une parabole du banditisme politique
      3:04 Dialogue entre recherche historique et création théâtrale
      4:45 Les racines de Bertolt Brecht et son rapport au politique
      8:09 Le mythe de l’accession « légale » au pouvoir en 1933
      10:52 L’alliance entre l’extrême centre et l’extrême droite
      15:34 Médiocrité et intérêts privés des élites conservatrices
      26:40 Du présidentialisme à l’état d’urgence permanent
      31:35 La chute électorale des radicaux avant janvier 1933
      41:15 Sociologie du vote et basculement des secteurs sociaux
      48:42 L’analogie historique comme outil de compréhension du présent

    • Justement vendredi Chapoutot était attendu ici en dédicace à la Comédie du livre, le salon du livre de #Montpellier. Je suis passé plusieurs fois devant son stand, mais il n’est jamais venu (du coup par déception tout son fan club de l’Hérault a viré nazi). En revanche il était bien le soir en « table ronde » au Gazette café.

      Initialement j’ai convaincu mes gamins d’y aller ensemble, parce que Chapoutot tout de même (« c’est qui ? », apparemment mes enfants et moi on n’a pas le même internet). Mais quand j’ai vu le sujet – Brecht (« c’est qui ? ») –, finalement on n’y pas allés parce que pour eux c’est un peu costaud. La libraire le lendemain m’a confirmé que oui, c’était très bien, mais vraiment c’était costaud.

      Sinon le lendemain au stand d’à côté, avec Mecton on a discuté avec Olivier Mannoni, l’auteur de Traduire Hitler, et ça tombait bien vues nos nouvelles opinions politiques de déçus du chapoutisme.

  • Im Tagesspiegel vor 80 Jahren : Nazis raus aus Oper und Bezirksamt
    https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/geschichte/im-tagesspiegel-vor-80-jahren-nazis-raus-aus-oper-und-bezirksamt-155367

    Nous vivons à tous les égards dans une société sous domination des héritiers du régime nazi et de leurs alliés impérialistes américains. Tout le monde le sait et publie toujours des articles à ce sujet comme si cela y changeait quelque chose.

    Les grandes lignes de la politique nationale n’ont pas beaucoup changé depuis 1914. Notre ennemi principal est toujours slave et veut nos terres en Bessarabie pour sa Nouvelle Russie. A la fin on trouvera bien une solution du problème Russe. En route pour troisième tentative.

    Voici un exemple de « Vergangenheitsbewältigung » du journal bourgeois Tagesspiegel . Cette publication fait partie du monopole d’opinion qui prépare la prochaine guerre contre la Russie.

    22.5.2026 von Markus Hesselmann - Ein Jahr nach Kriegsende schrieb unsere Zeitung über ganz konkrete „Entnazifizierung“ oder „Denazifizierung“ in Berlin – und deren Ausbleiben. Eine neue Folge der historischen Kolumne.

    Man könne ja auf diese Fachleute nicht verzichten: Diese jahrzehntelang, teils bis heute vorgebrachte Entschuldigung für das Versanden der „Entnazifizierung“ wollte unsere Zeitung frühzeitig abräumen.

    Wie denn mit Nazifunktionären, Parteibonzen und Parteigenossen, Mitmachern und Mitläufern umzugehen sei und umgegangen wird, das war vor 80 Jahren Thema vieler Berichte, Analysen und Kommentare sowie nicht zuletzt des „Demokratischen Forums“ mit Zuschriften der Leserinnen und Leser.

    „Die Staatsoper wäre nicht mehr leistungsfähig, wenn alle diese Kräfte entlassen würden?“ Am 22. Mai 1946 stellte der Tagesspiegel diese Frage rhetorisch-präventiv, aber offensichtlich auch schon aus Erfahrung. Die Antwort: „Ein solches Argument kann niemals anerkannt werden.“ (Wir zitieren in dieser historischen Kolumne wie immer in der damaligen Rechtschreibung.)

    Will man im Bild bleiben, dann war eine Kultur-Kanone größten Kalibers zuvor schon von den Alliierten „entlassen“ worden: Über Wilhelm Furtwängler, der in Nazi-Deutschland geblieben war und von Goebbels’ und Görings Gnaden die Berliner Philharmoniker geleitet und an der Berliner Staatsoper dirigiert hatte, war von den Alliierten fürs Erste ein Auftrittsverbot verhängt worden.

    Mit der Begründung, die Deutschen zur Demokratie zu erziehen, trieben die Alliierten die „Entnazifizierung“, oder synonym damals auch „Denazifizierung“, in der direkten Nachkriegszeit mit Anordnungen und Direktiven voran. Im heutigen Wissen darum, wie dann in Deutschland tatsächlich „entnazifiziert“ wurde, wirkt deren Wortlaut, hier dokumentiert im Tagesspiegel, fast surreal strikt.

    Anordnung der Alliierten Kommandantur Berlin, im Wortlaut dokumentiert im Tagesspiegel vom 9. März 1946.
    Entnazifizierungs-Anordnung im Tagesspiegel vom 9. März 1946 auf der Berlin-Seite

    Auch der Stardirigent machte von der Möglichkeit Gebrauch, sich vor einer Entnazifizierungskommission einer „Reinigung“ zu unterziehen, wie es der Tagesspiegel ausdrückte, allerdings selbst in Anführungszeichen. Vorschnellen Rehabilitierungsmeldungen über Furtwängler war unsere Zeitung im Juni 1946 noch entgegengetreten.

    Im Dezember desselben Jahres folgte die „Entlastung“ samt ausführlich zitierter Begründung, derzufolge Furtwängler zwar „mit dem Gewicht seiner künstlerischen Bedeutung den kulturellen Interessen des Dritten Reiches diente“, er aber „selbst weder äußere noch innere Bindungen zu der NSDAP oder einer ihrer Gliederungen hatte und in vielen Fällen Verfolgten Hilfe gewährte“.

    Maßgeblich dafür, eine „Entnazifizierung“ auszusprechen oder zu verweigern, war demnach, ob jemand Parteigänger oder Sympathisant war. Als weniger wichtig erschien, wie es dem NS-Regime half, wenn jemand sein Können und seine Prominenz in dessen Dienst stellte.

    Natürlich beschränkte sich die frühe, später dann ohnehin kaum mehr weiterverfolgte „Denazifizierung“ nicht auf die Kultur.

    Quer durch die Branchen gab es auf der Berlin-Seite Artikel im Stil von Gerichtsreportagen – „Ideale und Beweise“ (Einsprüche von Ärzten), „Gesinnung vor dem Richtertisch“ (Versuche, in der Wirtschaft wieder Fuß zu fassen) – wie auch nachrichtliche Berichte mit vielen Zahlen („Die Säuberung der Polizei“) .

    Die bezirklich organisierte Entnazifizierung betraf auch die Bezirksämter selbst. Hier ein Beispiel aus Wedding, ein erstes Resümee. Mit befürchtetem Personalmangel und protokolliertem Desinteresse klingen zwei Dauerthemen an.

    Die eigene Branche darf bei alldem nicht unerwähnt bleiben, durchaus kritisch auch im Tagesspiegel. So leitete Peter Wyden, der als Jugendlicher 1937 mit seinen Eltern vor antisemitischer Verfolgung aus Berlin nach New York geflohen war und sich nun in seiner Heimatstadt als US-Militärangehöriger am Wiederaufbau der Presse beteiligte, das weitverbreitete Mitmachen und Mitlaufen deutscher Journalisten auch historisch ab.

    Dass vielen „das Handwerk gelegt“ wurde, lässt sich laut der Studie „Journalismus im Dritten Reich“ von Norbert Frei und Johannes Schmitz am ehesten über exponierte Nazi-Ideologen unter den Medienschaffenden sagen.

    „Berufsverbot erhielten allenfalls jene, die als ausgesprochene Parteijournalisten bekannt waren und/oder einen Rang in der SS bekleideten“, schreiben die beiden Forscher in ihrem Standardwerk.

    So tauchten Journalisten, deren propagandistisches Wirken bis 1945 offensichtlich gewesen und im Tagesspiegel sogar vielfach dokumentiert worden war, bald darauf wieder in hohen bis höchsten Positionen auf. Auch beim Tagesspiegel selbst, dazu bald mehr in dieser Kolumne.

    #Allemagne #nazis #revanchisme #impérialisme #nationalisme #dénazification

  • Beisetzung der RAF-Terroristin : Die vielen Beerdigungen der Ulrike Meinhof
    https://taz.de/Todestag-von-Ulrike-Meinhof/!6178619


    Flieder auf dem Sarg : Beisetzung von Ulrike Meinhof am 15. Mai 1976   Foto : dpa/picture alliance

    Il y a cinquante ans nous avons enterré notre camarade Ulrike . Sans avoir jamais partagé sa ligne politique nous l’avons repecté pour sa droiture et parce que elle luttait contre notre ennemi commun. Seulement les vieux nazis et leurs successeurs ne partagaient pas cette attitude. Trois ans aprés son enterrememt naquit le journal TAZ qui devait continuer la lutte contre les fascistes et les ravageurs impérialistes du monde.

    Aujourd’hui Ulrike n’est plus qu’une terroriste pour le journal qui a changé de camp. Il est déjà mort comme le système qui s’apprête à entraîner dans l’abîme de la guerre la génération qu’on espérait pouvoir protéger contre les nouveaux fascistes.

    Peut-être Ulrike avait raison. On ne le saura jamais. Nous, les socialistes opposés aux actions militantes d’avant-garde, nous avions tort. Les ennemis des classes populaires font toujours preuve d’absence totale de scrupules. Il continuent à torturer et assassiner avec un pragmatisme digne des tortionnaires nazis. Nous par contre nous voulons toujours nous comporter en êtres humains. Nous acceptons que parfois c’est une erreur.

    P.S. Vous avez bien regardé la photo ? On se dirait sur la scène de la société du spectacle.

    14.5.2026 von Londa Valja Rathgeb - Vor 50 Jahren wurde Meinhof beigesetzt, ihr Gehirn erst 25 Jahre später. In der Zwischenzeit versuchten Männer zu ergründen, was in ihrem Kopf vor sich ging.

    Auf dem Friedhof in Berlin-Mariendorf stehen 4.000 Menschen und tragen Deutschlands bekannteste Terroristin in einem schweren Eichensarg zu Grabe. Neben dickbäuchigen Männern in schwarzen Anzügen stehen langhaarige Möchtegern-Revolutionäre, JournalistInnen klettern auf Grabsteine und halten schwere Kameras und Mikrofone in die Luft.

    Es ist der 15. Mai 1976, die Birken rauschen und der Flieder auf dem Sarg leuchtet lila und weiß. Die Familie hatte um Spenden statt Blumen gebeten, trotzdem liegt das Grab übersät mit Tulpen und Vergissmeinnicht (und, wie die späteren Biografie-AutorInnen nicht müde werden zu schreiben, unzähligen Zigarettenstummeln) da.

    „Was Ulrike Meinhof umgebracht hat, waren die deutschen Verhältnisse“, sagt der Verleger Klaus Wagenbach an dem noch offenen Grab. Der danach sprechende Theologe wird mehr oder minder bei seiner Rede mundtot gebuht. Dann tritt diese seltsame Gesellschaft aus Schaulustigen und Trauernden einen 15 Kilometer langen Marsch an – Gespräche nach einer Beerdigung, die die Bild-Zeitung als „Gegröle und Geheule“ beschreibt, die Beerdigung sei eine „Demonstration des Hasses und des Terrors“, oder, so kann man es ja auch immer nennen, „der linksradikalen Verbrüderung“ gewesen. Zeitungen wie die Süddeutsche sehen das etwas anders, es sei doch alles recht friedlich verlaufen, man stand beisammen und hörte den Reden zu oder sang Wolf Biermann-Lieder.

    Einen Tag vor dieser sagenumwogenden Trauerfeier hatten zwei Unbekannte noch versucht, den Leichnam zu stehlen, zumindest seien sie in die Kapelle eingebrochen, in der Meinhof aufgebahrt lag. Einen Friedhof zu finden, der diese RAF-Gründerin unter die Erde bringt, schien auch nicht sonderlich leicht gewesen zu sein. Jetzt wird das unscheinbare Grab 3 A-012-019 nach wie vor mit frischen Blumen geschmückt, zum Beispiel vom Jugendbuch-Star Alois Prinz, der versucht (nach eifrig beschriebenen 300 Biografie-Seiten) einen Abschluss zu finden.

    Es muss schwer sein, sich in den unzähligen Dokumenten, Briefen und Artikeln zurechtzufinden, eine Frau zu porträtieren, die einerseits als Deutschlands größte linksradikale Terroristin galt und andererseits als Märtyrerin zu Grabe getragen wurde (der Dichter Erich Fried erklärte sie zur größten deutschen Frau seit Rosa Luxemburg).

    Ein zerschnittenes Gehirn

    Ulrike Meinhof also, das Hirn der RAF, die einzig Intellektuelle neben dem Comic-lesenden Baader-Macker und der ihm ergebenen Shoppingqueen Ensslin – Raspe und die drei M, Mahler, Möller und Meins, lassen wir einmal außen vor. Um ihr Hirn soll es, und das nicht im übertragenen Sinne, auch gehen. Und um die Tatsache, dass Meinhof nicht nur einmal zu Grabe getragen wurde. Es gab in den Zweitausendern noch eine zweite, private Beerdigung, in der Meinhofs eingeäschertes und davor in unzählige Scheiben zerschnittenes und seziertes Gehirn beigesetzt wurde.

    Am Ende bleibt: Ein ausgeräumtes Neurologielabor und ein (nun) vollständiges Grab, vor dem Meinhofs Zwillingskinder Bettina und Regine Röhl stehen. Sie wollten es privat halten, ohne Fotos und den 4.000 anderen, die bestimmt noch ein zweites Mal in das abgelegene Mariendorf gefahren wären. Die Odyssee des Meinhof-Gehirns sei nun beendet, schreibt Der Spiegel 2002.

    Aber warum das Ganze? Konnte man einer Frau nicht genauso wie dem Fotzen grölenden Baader zutrauen, sich radikal zu politisieren? Waffen zu benutzen? Sicher, es ist keine Kleinigkeit, Pistolen des Kalibers neun Millimeter, eine Maschinenpistole, zwei selbst gefertigte Handgranaten, eine etwa viereinhalb Kilogramm schwere Bombe und zahlreiche gefüllte Magazine und diverse Munition mit sich herumzuschleppen (mit diesem Arsenal nahm man sie 1972 in Langenhagen bei Hannover fest). Und trotzdem, man (und die Betonung liegt hierbei wirklich auf dem „man“) forschte noch viele Jahre nach den möglichen Gründen für Meinhofs Entscheidung, in die Illegalität zu gehen und vor allem ihre Kinder zurückzulassen (Manon Garcia schreibt passend dazu in Die Zeit – wohlgemerkt 2026 und nicht 1970: „In Frankreich ist eher wichtig, dass Frauen sexy sind, in Deutschland, dass sie gute Mütter sind. In Frankreich stehen Frauen daher stärker unter Druck, sich ansprechend zu kleiden. In Deutschland wird von Frauen, wenn sie Mutter werden, erwartet, dass sie aufhören, Individuen zu sein und die Bedürfnisse ihrer Familie immer an erste Stelle setzen. Nur jeder vierte Deutsche findet eine Vollzeitbeschäftigung von Müttern mit Kindern unter drei Jahren für angemessen.“)

    Ganz zu schweigen also von einem geplanten Waisenheimaufenthalt in Jordanien, vor dem der Spiegel-Redakteur Stefan Aust die beiden Töchter Meinhofs gerettet hat. Dass eine Frau schreibt: „Der Typ in Uniform ist ein Schwein, das ist kein Mensch … wir haben nicht mit ihm zu reden, und natürlich kann geschossen werden.“ – Das schien den Männern der Neunzigerjahre ein Rätsel zu sein.
    Das Fahndungsplakat hing überall

    Wenn man versucht, Erklärungen für Meinhofs Gewaltbereitschaft zu finden, stößt man in ihrer Biografie schnell auf einen monatelangen Krankenhausaufenthalt, bei dem ihr, unter Vollnarkose, ein Blutschwamm, den man fälschlicherweise für einen Tumor hielt, mit Silberklammern abgeklemmt wurde (ihn herauszuschneiden, war zu risikoreich).

    Danach sei sie wohl immer mehr zu einer „Anderen“ geworden. Also ein bisschen à la: vom Protestantenmädchen, das sich durch schnelle Karriere eine Villa in Blankenese kauft und Champagnerbesäufnisse auf Sylt mit der gesamten intellektuellen Hamburger Elite veranstaltet, zu: MORDVERSUCH in Berlin. 10.000 DM BELOHNUNG. Ulrike Meinhof (geschiedene Röhl). Personenbeschreibung: 35 Jahre alt, 165 cm groß, schlank, längliches Gesicht, langes mittelbraunes Haar, braune Augen. – Das Fahndungsplakat, das kurz nach der Baader-Befreiung 1970 überall hing.

    Zwei Jahre und vier Morde sowie 54 Mordversuche später wurde Meinhof festgenommen. Obwohl sich die Beamten nicht so sicher waren, ob es sich bei dieser abgemagerten Frau mit kurzen Haaren und schwarzem Röckchen wirklich um die gefürchtete Ulrike Meinhof handelte. Um Licht ins Dunkle zu bringen, ließ man sie (gegen ihren Willen) röntgen, erst auf diesen Radiografien, auf denen die Silberklammern sichtbar sind, war man sich sicher, die richtige Terroristin gefasst zu haben.

    Im Gefängnis, in dem sie sich, vor Stammheim, in der viel diskutierten Isolationshaft befand (bevor sie sich in den Wetthungerstreit mit Baader, Enslin und Meins – der daran starb – begab), wurde mehrfach ein Psychologe in ihre Zelle geschickt, den sie aber unter lautem Protest wieder hinauswarf. Es galt, ihre Zurechnungsfähigkeit festzustellen, aufgrund der Hirnoperation natürlich und dem dadurch entstandenen „Persönlichkeitsbruch“.

    1973 wurde schließlich diskutiert, Frau Meinhof erneut neurologisch zu untersuchen. Es sollten ein Szintigramm erstellt und weitere, eventuelle Zwangseingriffe durchgeführt werden, um Frau Meinhof den Kopf quasi wieder richtig herum auf die Schultern zu setzen. Dagegen sprach eine Klage von dreißig Universitätsärzten, die freundlicherweise darauf hinwiesen, dass ein solcher Eingriff bei fehlender akuter Gesundheitsgefahr gesetzeswidrig sei.

    Steuerung der Affekte

    Der Prozess in Stammheim fand also statt, trotz geistig ungeklärter Zustände und mal mit, mal ohne die abgemagerte Angeklagte. Ab dem 9. Mai 1976 dann ganz ohne Ulrike Meinhof, die um 7.34 Uhr tot aufgefunden wurde. Der Gerichtsmediziner und ironischerweise vormalige SS-Unterscharführer Hans-Jürgen Mallach gab bei der Obduktion Suizid an und vermachte dem Neuropathologen Jürgen Peiffer das Gehirn der 41-Jährigen.

    Dieser verschleppte es an die Universität Tübingen und stellte auch gleich einen Hirnschaden im Bereich der für die Steuerung der Emotionen und Affekte verantwortlichen Amygdala fest, der 1962 bei der Operation an dem Blutschwamm entstanden war. Dieser Bericht blieb allerdings unveröffentlicht. Das Hirn Meinhofs wiederum lag von da an in Scheiben geschnitten in einem Kunststoffbeutel in der Asservatenkammer unter der Nummer ES154/76. 26 Jahre später kommt es zu einem grandiosen Zufall: Bernhard Bogerts entdeckt bei einem Mehrfachmörder ähnliche Schäden und Peiffer gibt den schwierigen Rabenmutter- und Terroristinnen-Fall erleichtert ab.

    Der Spiegel-Redakteur Jürgen Dahlkamp hat diese ja wirklich fachneurologische Angelegenheit in einem Artikel, der 2002 unter dem Titel: „Das Gehirn des Terrors“ erschien, zusammengefasst: „So viel ist jetzt schon klar: Die Terroristin hatte einen Hirnschaden und war wohl nur vermindert schuldfähig.“

    Bogerts legte, so der Spiegel-Redakteur, die schon zerteilten Gehirnstücke in einen Paraffinblock ein und zog dann mit einem Präzisionshobel weitere Schichten ab. 400-mal soll er so das Hirn Stück für Stück auseinandergehobelt haben – wobei jede einzelne Schicht 20 Mikromillimeter dünn war. Diese Scheiben färbte er dann ein: Nervenzellen blau und Nervenfasern schwarz. In 37 Grad warmer Gelatine eingelegt, können diese zerschnittenen, gefärbten Lappen nun unter den Objektträger. Und was sieht man? Schäden nahe dem Mandelkern – der Schädelbasis, in der die „Abteilung der Emotionen“ liegt, also die, Wortlaut Dahlkamp: „Urinstinkte“.

    Diesen Schaden führt Bogerts zurück auf die Silberklammern, die Frau Meinhof in ein „pathologisches Ausmaß der Aggressivität“ wortwörtlich gedrückt hätten.
    „Es explodiert einem der Kopf“

    „Es gab für Ulrike Marie Meinhof keine Flucht mehr, keine Therapie, und ihren Dämon hatten sie mit ihr zusammen eingesperrt“, schreibt Der Spiegel – und knüpft damit interpretatorisch siegessicher an Meinhofs Tagebucheintrag aus der Isolationshaft an: „Das Gefühl, es explodiert einem der Kopf. Das Gefühl, die Schädeldecke müsste eigentlich zerreißen, abplatzen. Das Gefühl, es würde einem das Rückenmark ins Gehirn gepresst … Rasende Aggressivität, für die es kein Ventil gibt. Das ist das Schlimmste.“

    Die Einzige, die diesem Männerwahn der weiblichen Zerstückelung ein Ende bereitete, war Meinhofs Tochter Bettina Röhl. Sie zeigte Bogerts wegen Störung der Totenruhe an und dem illegalen Umgang mit sterblichen Überresten und forderte die Rückgabe von dem, was von ihrer Mutter übriggeblieben war. Die Ethikkommission der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg verbot Bogerts daraufhin, weiter an dem Gehirn zu forschen und seine bisherigen Ergebnisse dazu zu veröffentlichen. Am 16. Dezember 2002 wurde Ulrike Meinhofs Silberklammer-Gehirn eingeäschert und drei Tage später beigesetzt. Der Toten wurde ihr Kopf zurückgegeben und das Grab ein für alle Mal geschlossen.

    Für reichlich Stoff – Bühnenstoff – bietet sich die ganze Angelegenheit aber trotz Totenruhe an. Die deutsche Dramatikerin Dea Loher findet in dieser Zwangspathologisierung (lassen wir einmal außen vor, inwiefern Silberklammern Einfluss auf den Mandelkern und die menschlichen Urinstinkte haben) eine Sprache, die sie der Meinhof-Figur „Maria“ in dem Theaterstück „Leviathan“ zuweisen kann. Da heißt es dann:

    „MARIE: Die Silberklammer, die in meinem Hirn verwächst, sie holt den Schmerz in meinen Schädel, nicht ein Tumor, wie sie es behaupten werden. Sicherlich, damit ein Irresein leicht einzusehen sei und gelten möge billig als Entschuldigung für das, was ich getan habe oder noch tun werde oder sogar nur gerne tun würde.“

    Und Elfriede Jelinek schreibt, passend zu dem männlichen Psychoterror, in ihren Notizen für das Stück „Ulrike Maria Stuart“: „Die Frau ist eben nicht in der gleichen Weise in der Welt wie der Mann (…), wenn Frauen Geschichte machen wollen.“
    Drei Millionen Dollar

    Anders als diese beiden Dramatikerinnen verkauft der Künstler Gerhard Richter seine Ulrike Meinhof im Gemäldezyklus 1995 für drei Millionen Dollar an das New Yorker Museum of Modern Art.

    Auch hier wird Meinhof als schizophrene Persönlichkeit abgebildet: Einmal in dem „Jugendbildnis“ (67 × 62 cm, Werkverzeichnis: 672-1), das im Vergleich zu den anderen Gemälden in seinen Konturen am erkennbarsten ist, und in dem der Kunsthistoriker Hubertus Butin meint, eine „eklatante Harmlosigkeit“ zu erkennen. Und einmal in die „Tote“ (62 × 67 cm, Werkverzeichnis: 667/1-3), das, wie der Titel nahelegt, die suizidierte Meinhof abbildet, dieses Mal aber in seinen Grautönen verwischt. Butin folgert daraus mit Kennerblick: „die unaufhebbare und trostlose Faktizität des Totseins“ – nicht in jedem steckt eine Jelinek.

    Meinhof wiederum scheint keine Totenruhe zu finden, trotz vollständigem Leichnam. Der Kontrast: Protestantenmädchen und Terroristin der ersten RAF-Generation sorgt für schweres Kopfzerbrechen, ob auf Projektoren, Theaterbühnen oder MoMA-Ausstellungen.

    #lutte_des_classes #obsèques #Berlin #impérialisme #histoire #nazis #iatrocratie

  • Protektorat Böhmen und Mähren
    https://ome-lexikon.uni-oldenburg.de/regionen/protektorat-boehmen-und-maehren

    1. Toponymie

    Deutsche Bezeichnung

    Protektorat Böhmen und Mähren
    Anderssprachige Bezeichnung

    tschech. Protektorát Čechy a Morava; tschech. (Spottname) „Protentokrát“ [„für dieses Mal“, „bis auf Weiteres“]
    Etymologie

    Der üblichen Definition nach ist ein Protektorat ein teilsouveränes staatliches Territorium, dessen auswärtige Vertretung und Landesverteidigung einem anderen Staat durch einen völkerrechtlichen Vertrag unterstellt sind. Als Vorbild für die Gestaltung des Protektorats Böhmen und Mähren galt der Vertrag von La Marsa vom 8. Juni 1883, in dem das Protektorat Frankreichs im Rahmen seiner Kolonialherrschaft über Tunesien verankert wurde.

    2. Geographie

    Lage

    Das Protektorat Böhmen und Mähren entstand durch ‚Führererlass‘ vom 16. März 1939 auf dem vom nationalsozialistischen Deutschland am Vortag besetzten Gebiet der Tschechoslowakei, die bereits am 30. September 1938 durch das Münchner Abkommen um ihre mehrheitlich von deutscher Bevölkerung bewohnten Grenzgebiete reduziert worden war. Es umfasste eine Fläche von 49.363 Quadratkilometern. Die Grenzen des Protektorats entsprachen den schon in München auf der Basis einer angeblichen Sprachgrenze getroffenen Bestimmungen – orientierten sich also weder an der geographischen Gestaltung der Landschaft noch an wirtschaftlichen oder militärischen Kriterien.

    3. Geschichte und Kultur

    Gebräuchliche Symbolik

    Die Symbolik des dem Reich untergeordneten staatlichen Gebildes bezog sich auf die der zerstörten Tschechoslowakei: die Fahne hatte drei Streifen in Weiß, Rot und Blau, im Wappen wurde der böhmische Löwe mit dem Adlerweibchen in den Farben der Fahne kombiniert.
    Zeitgeschichte

    Die Besetzung der verbliebenen Tschecho-Slowakischen Republik (die Slowakei hatte sich einen Tag zuvor für unabhängig erklärt) fand bis auf kleine Ausnahmen kampflos statt. Das Territorium war nach der Abtretung der Grenzfestungskette an Deutschland infolge des Münchner Abkommens kaum noch zu verteidigen. Die entscheidende Macht in dem besetzten Gebiet wurde von Reichskanzler Adolf Hitler in die Hände des ‚Reichsprotektors’ gelegt, bei dessen Amt auch die Zentralstelle der deutschen Staatspolizei errichtet wurde. .

    Gleich nach der organisatorisch gut vorbereiteten Besetzung startete die Gestapo das „Unternehmen Gitter“ mit dem Ziel, kommunistische und sozialdemokratische Funktionäre, politische Emigranten aus Deutschland und einige berühmte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und der Kunstszene als Geiseln zu internieren. In dem „Unternehmen Albrecht I.“ wurde Anfang September diese präventive Verhaftungspraxis weiterentwickelt, um die tschechische Gesellschaft einzuschüchtern und vor Widerstand gegen die Besatzungsmacht abzuschrecken. So war es seit Ende April zu einer Reihe von großen, durch historische Jahrestage (etwa den Todestag von Jan Hus) ausgelöste bzw. durch die Kirche organisierte Massenversammlungen mit zehntausenden von Bürgern gekommen, die einen nationaltschechischen, teils offen antideutschen Charakter besaßen.

    Besonders große Demonstrationen fanden am 28. Oktober 1939, dem Jahrestag der Gründung der Tschecho-Slowakischen Republik, statt. Den Massendemonstrationen im Zentrum von Prag/Praha begegnete die deutsche Polizei mit dem Einsatz von Schusswaffen. Der Begräbniszug für den erschossenen Studenten Jan Opletal (1915–1939) wurde am 17. November zum Anlass für neue – von der deutschen Polizei verbotene und gleichzeitig durch Studenten der deutschen Hochschulen gezielt provozierte – tschechische Studentendemonstrationen. Die schon im Vorfeld vorbereitete Reaktion des Besatzungsregimes war hart: In den Nachtstunden wurden neun leitende Funktionäre aller beteiligten Studentenvereine verhaftet und erschossen, eine umfangreich Verhaftungsaktion in Prag, Brünn/Brno und Pribram/Příbram mündete in den Transport von 1.300 Studenten in das Konzentrationslager Sachsenhausen-Oranienburg, wo sie mehrere Jahre interniert blieben. Am nächsten Tag wurde die Entscheidung Hitlers verkündet, zur Strafe die tschechischen Hochschulen für drei Jahre zu schließen. Die Tatsache, dass deren Gebäude mit der gesamten Ausstattung sogleich den deutschen Hochschulen übergeben wurden, deutete an, dass diese Schließung von Dauer sein sollte.

    Eine Steigerung des Terrors im Protektorat brachte der Wechsel in der Person des höchsten Repräsentanten des Deutschen Reiches in Prag: Am 27. September 1941 übernahm Reinhard Heydrich (1904–1942) die Funktion des (stellvertretenden) Reichsprotektors. In einer Geheimrede informierte er die führenden deutschen Amtsvertreter über das Konzept der geplanten Vernichtung des tschechischen Volkes nach dem Kriegsende. Seit seinem Amtsantritt ging Heydrich offensiv gegen resistentes Verhalten der tschechischen Protektoratsregierung und besonders gegen den tschechischen Widerstand vor. Er erklärte den Ausnahmezustand, verhängte das Standrecht, startete eine Verhaftungswelle, von der u. a. der Ministerpräsident der Protektoratsregierung, General Alois Eliáš (1890–1942) betroffen war, und ordnete Erschießungen von Angehörigen der tschechischen Eliten an.

    Mit Heydrich verschärfte sich auch die Lage der Juden im Protektorat dramatisch. Nachdem aus der barocken Festungsstadt Theresienstadt/Terezín alle Einwohner ausgesiedelt worden waren, traf am 24. November 1941 das erste jüdische Aufbaukommando ein, um hier ein riesiges Ghetto für die Juden aus ganz Mitteleuropa zu errichten. Insgesamt kamen 139.517 Juden – davon 73.468 aus dem Protektorat – nach Theresienstadt. 33.521 von ihnen starben hier, 87.000 wurden in die Vernichtungslager im Osten weitertransportiert.

    Durch eine Kombination von Terror und sozialen Versprechungen zugunsten der Arbeiter versuchte Heydrich die Leistung der kriegswichtigen Wirtschaft des Protektorats zu steigern. Er initiierte einen anfangs noch vermeintlich „freiwilligen“, später aber offen erzwungenen Arbeitseinsatz von Tschechen im Deutschen Reich. Insgesamt waren 640.000 Tschechen davon betroffen, 6.000 von ihnen kamen dabei ums Leben, 60.000 starben unmittelbar nach ihrer Rückkehr an den Folgen der Zwangsarbeit.

    Die größte Repressionswelle erreichte das Protektorat nach dem gelungenen Attentat auf Heydrich am 27. Mai 1942 durch Fallschirmagenten der tschechoslowakischen Auslandsarmee, die im tschechischen Netzwerk des Widerstands Unterstützung und Unterschlupf fanden, bis sie infolge eines Verrats von der Gestapo entdeckt wurden und im Kampf starben. In der sog. „Heydrichiade“,der Vergeltungsaktion für das Attentat, wurden im Rahmen des Sonderrechts im Juni und Juli 1942 viele der bisher verhafteten Geiseln, Vertreter der tschechischen Eliten, Mitglieder des Widerstandes, Familienmitglieder von Exilsoldaten sowie sämtliche Einwohner der Dörfer Lidice und Ležáky und Hunderte Bürger, welche für eine „Bejahung des Attentates“ verhaftet wurden, ohne Gerichtsverfahren hingerichtet. Insgesamt rechnet man mit 1.585 erschossenen Tschechen im Protektorat und mit weiteren Hinrichtungen in den Konzentrationslagern. Die Gesamtzahl der Opfer liegt bei etwa 5.000. Die größte Mordaktion an tschechischen Bürgern fand am 8. März 1944 in Auschwitz statt, als in einer Nacht 5.000 tschechische Juden des so genannten „Familienlagers“ vergast wurden.

    Das nahende Kriegsende führte zahlreiche deutsche Flüchtlinge, sog. „Nationalgäste“, vor allem aus Schlesien, in das Protektorat sowie eine Reihe von Todesmärschen von Häftlingen aufgelöster Konzentrationslager, die hier teilweise exekutiert wurden. Nach der schweren Schlacht um Ostrau/Ostrava und nach der Eroberung von Brünn durch die Rote Armee am 26. April 1945 wurde der „Böhmische Kessel“ (Česká kotlina) für 900.000 Soldaten der Armeegruppe Mitte des Feldmarschalls Ferdinand Schörner (1892–1973) als „Festung“ ausgebaut. Zwischen dem 25. April und dem 6. Mai wurde Westböhmen inklusive Pilsen/Plzeň durch die US-Army befreit. Eine zu optimistische Einschätzung der Situation führte zu einer Reihe von lokalen tschechischen Aufständen in Ostböhmen und im Elbegebiet. Sie wurden brutal niedergeschlagen. Am 5. Mai begann spontan und in der Anfangsphase noch unorganisiert der Prager Aufstand, dessen Leitung die der Tschechische Nationalrat (Česká národní rada) unter dem Vorsitz von Albert Pražák (1880–1956) übernahm. Der Militärbefehlshaber der Aufständischen war General Karel Kutlvašr (1895–1961). Die Kämpfe mit der Armee und den Verbänden der Waffen-SS dauerten bis zum 8. Mai. Die Wehrmacht kapitulierte und erhielt vom Tschechischen Nationalrat freien Abzug in die amerikanische Gefangenschaft. Letzte SS-Stützpunkte liquidierte die Rote Armee, deren Panzereinheiten Prag am 9. Mai 1945 erreichten.
    Verwaltung

    Oberster Repräsentant des Protektorates war der Staatspräsident. Der vorherige Präsident der territorial bereits reduzierten Tschechoslowakei Emil Hácha (1872–1945) blieb auch nach der Besatzung in seiner Funktion und behielt dieses Amt in der ganzen Protektoratszeit bis zum 8. Mai 1945. Er war von der Gunst Hitlers bzw. des Reichsprotektors als seines Vertreters abhängig. Die von dem Staatspräsidenten ernannte Protektoratsregierung musste vom Reichsprotektor bestätigt werden, der zudem das Recht besaß, alle Gesetze, Erlasse und Gerichtsurteilemit seinem Veto zu belegen. Die tschechoslowakische Verfassung blieb formell in Kraft, das Parlament wurde aber aufgelöst, wie auch alle politischen Parteien. Die Protektoratsregierung, die auf der Basis des Ermächtigungsgesetzes Nr. 330/1938 agierte, das durch Erlass des Reichsprotektors vom 12. Dezember 1940 für zeitlich begrenzt erklärt wurde, durfte keine Gesetze, sondern nur Regierungserlasse verabschieden. Auch diese konnten vom Reichsprotektor verändert, mit einem Veto belegt oder durch eigene Erlasse ersetzt werden.

    Der erste Reichsprotektor in Prag war Konstantin von Neurath (1873–1956), der in dieser Funktion de facto bis zum Sommer 1941, formell bis zum Jahre 1943 verblieb. Der SS-Obergruppenführer und Polizeigeneral Reinhard Heydrich übernahm am 27. September 1941 als stellvertretender Reichsprotektor faktisch dessen Position. Nach dem Tode Heydrichs wurde SS-Oberst-Gruppenführer und Oberster Befehlshaber der Ordnungspolizei Kurt Daluege (1897–1946) als sein Nachfolger nach Prag geschickt, um jeden Widerstand im Protektorat zu brechen. Eine für das Schicksal der besetzten Gesellschaft eigentlich noch wichtigere Rolle spielte der Staatssekretär im Amt des Reichsprotektors und Befehlshaber der Polizei, SS-Gruppenführer Karl Hermann Frank (1898–1946), seit den 1930er Jahren eine Leitfigur der sudetendeutschen Nationalsozialisten. Im August 1943 wurde er zum Deutschen Staatsminister für Böhmen und Mähren ernannt. Dadurch wurde die gleichzeitig nur formell mit dem im Deutschen Reich entmachteten früheren Reichsinnenminister Wilhelm Frick (1877–1946) besetzte Funktion des Reichsprotektors de facto beiseitegeschoben und bis zum Kriegsende alle Macht in Franks Händen konzentriert.

    Die Protektoratsregierung wurde erst mit einigem zeitlichen Abstand nach der deutschen Besetzung konstituiert. Bis zum 27. April 1939 regierte unter dem neuen Namen noch die letzte tschechoslowakische Regierung unter dem Agrarier Rudolf Beran (1887–1954) weiter. Die erste vom Staatspräsidenten neu ernannte Regierung des Protektorats leitete bis zu seiner Verhaftung am 28. September 1941 Alois Eliáš, den dann bis zum 19. Januar 1942 Justizminister Jaroslav Krejčí (1892–1956) vertrat. Krejčí dirigierte auch die weitere, auf Initiative Heydrichs eingesetzte Regierung, die bis zum 19. Januar 1945 tätig war. In dieser Regierung wurde das neu geschaffene Ministerium für Arbeit und Wirtschaft einem Reichsdeutschen, dem SS-Brigadeführer Walter Bertsch (1900–1952), anvertraut. Die Arbeitssprache der Regierung wurde Deutsch, so dass Bertsch ihre Tätigkeit kontrollieren konnte. Zu seinen Hauptaufgaben gehörte die Organisation des tschechischen Arbeitseinsatzes im Deutschen Reich. Die letzte Protektoratsregierung leitete seit dem 19. Januar 1945 der bisherige Innenminister und Stellvertreter des Ministerpräsidenten, Richard Bienert (1881–1949); Krejčí blieb sein Stellvertreter.

    Im Rahmen dieser dualen Regierungsstruktur bemühte sich die tschechische Exekutive, die in den inneren Angelegenheiten (Justiz, Inneres, Finanzen, Öffentliche Arbeiten, Landwirtschaft, Handel, Gesundheit und Erziehung) mit weitreichenden Vollmachten ausgestattet war, besonders in den ersten Jahren der Okkupation, aber auch später, systematisch zugunsten der eigenen Gesellschaft zu wirken und sogar mit politischen Widerstandsgruppen zu kooperieren. Sie stand mit der Londoner Exilregierung in Verbindung und wirkte beschützend für die tschechische Bevölkerung. Tatsächlich konnte die Regierung den NS-Terror, der in anderen besetzten Gebieten im Osten Europas dramatisch eskalierte, abmildern und für die Gesellschaft relativ lange mehr oder weniger erträgliche Lebensbedingungen im Alltag sicherstellen. Die Gestapo besaß jedoch von den oppositionellen Aktivitäten der Regierung und den konservativ-nationalistischen tschechischen Eliten so weit Kenntnis, dass sie nach der Ankunft Heydrichs ihre Netze schnell und tiefgreifend zerschlagen konnte. Trotzdem war die Lage im Protektorat allgemein eher mit der Situation der besetzten Länder West- und Nordeuropas vergleichbar als mit der von Polen, Jugoslawien oder der Ukraine, die zu Schauplätzen von Völkermorden wurden.
    Bevölkerung

    1939 lebten 7,38 Mio. Einwohner im Protektorat. Infolge des Münchner Abkommens waren die meisten Einwohner des neuen Gebildes Tschechen. Nur 240.000 Menschen (3,25 Prozent) gehörten zur deutschsprachigen Minderheit. Die meisten deutschsprachiger Protektoratsbürger wohnten in den größeren städtischen Zentren (besonders in Prag, Brünn, Iglau/Jihlava, Olmütz/Olomouc), auf dem Lande besonders in der Gegend um Iglau.

    Zur deutschen Minderheit wurden bis zum Erlass einer Serie von Vorschriften des Reichsprotektors vom 21. Juni 1939 auch die deutschsprachigen Juden gezählt. Nach amtlichen deutschen Angaben und Definition der Nürnberger Gesetze lebten im Protektorat insgesamt 118.310 Juden (davon 88 Prozent praktizierende). Nur etwa 30.000 gelang bis Ende 1940 die legale oder illegale Ausreise.
    Wirtschaft

    Die böhmisch-deutschen Wirtschaftsverflechtungen waren traditionell eng. Nach der Besatzung vergrößerte sich die deutsche Rolle in der Ökonomie des Protektorats wesentlich. Deutsche Banken und die Großindustrie, allerdings auch kleinere von Nationalsozialisten geführte Unternehmen profitierten von der „Arisierung“ jüdischen Eigentums und übernahmen Betriebe von Emigranten oder von wegen Untergrundarbeit verhafteten Bürgern. Seit September 1940 gehörte das Protektorat zum Zollgebiet des Deutschen Reiches. Nach Schätzungen verzehnfachte sich der deutsche Kapitalanteil im Protektorat zwischen 1939 und 1945.

    Seit März 1939 wurden in vielen Betrieben deutsche Treuhänder eingesetzt. Die wichtigsten Firmen der Schwer- und Rüstungsindustrie (z. B. die Eisenwerke Vitkovitz und Poldi Kladno, die Pilsener Škoda-Werke und die Waffenfabrik Zbrojovka Brno) standen unter Reichskontrolle. Viele große Firmen blieben zwar formell selbständig, hatten aber durch Reichsbeteiligungen und die Eingliederung in Rüstungsprojekte jegliche Entscheidungsfreiheit verloren. Eine Zwangskonzentration der Leicht- und Lebensmittelindustrie ermöglichte es, viele tschechische Betriebe in Nebenbetriebe kriegswichtiger Rüstungskonzerne umzuwandeln. Der erste Schritt in diese Richtung erfolgte Anfang 1942 noch unter Heydrich, der zweite nach Erklärung des ‚totalen Krieges‘ 1943.

    Seit Kriegsbeginn musste das Protektorat eine „Kriegssteuer“ an das Deutsche Reich zahlen – sie belief sich anfangs auf drei Milliarden Protektoratskronen jährlich, 1944 bereits auf 12 Milliarden.
    Militärgeschichte

    Die Armee der ehemaligen Tschechoslowakei wurde nach der Besatzung aufgelöst. Ihre Waffen und Magazine übernahm die deutsche Wehrmacht. Die Protektoratsregierung behielt eine Regierungstruppe (Vládní vojsko) mit 6.000 Soldaten und Offizieren aus den Reihen ehemaliger Berufssoldaten. Aufgabe der schwach ausgerüsteten Regierungstruppe war offiziell die Sicherung der inneren Ordnung im Protektorat. Angesichts der Unberechenbarkeit und Kooperationsunwilligkeit dieser Truppe wurden 5.000 Soldaten und Offiziere auf Initiative Franks im Mai 1944 zum Wachdienst und Kampf gegen Partisanen nach Norditalien geschickt. Dort desertierten 800 Soldaten, die übrigen wurden im Oktober 1944 entwaffnet und zum Arbeitseinsatz in die Alpen verbracht. Das in Prag belassene Bataillon der Burgwache kämpfte im Prager Aufstand auf Seiten der Aufständischen.

    Militärisch ungleich wichtiger waren die tschechoslowakischen Exilarmeen in Großbritannien und in der Sowjetunion. Seit 1944 entstanden im Protektoratsgebiet auch größere Partisanengruppen und -verbände. Schon bei Besatzungsbeginn hatten sich mehrere – politisch differenzierte – Untergrundorganisationen formiert. Sie hatten politische, nachrichtendienstliche und auf Sabotage ausgerichtete Ziele, zu denen in der letzten Kriegsphase auch die Vorbereitung eines größeren Aufstandes gehörte. Die erste derartige Organisation, die „Politische Zentrale“ (Politické ústředí), entstand bereits nach dem Münchner Abkommen und wurde schon 1940 durch die Gestapo vollständig vernichtet. Der „Petitionsausschuss - Wir bleiben treu“ (Petiční výbor věrni zůstaneme, PVVZ) war sozialistisch orientiert, die Obrana národa (Nationalverteidigung) vereinigte ehemalige Berufssoldaten. Zu Jahresbeginn 1940 entstand das Ústřední vedení odboje domácího (UVOD, Zentralleitung des Heimatwiderstandes) als Koordinierungsorgan des westlich orientierten Widerstandes. Ein weiteres Netzwerk des kommunistischen Widerstandes konstituierte sich seit dem deutschen Überfall auf die UdSSR. Ein Problem war die nur begrenzte Fähigkeit dieser und vieler weiterer kleinerer Gruppen, eine wirksame Abwehraufklärung zu betreiben, so dass die Gestapo gegen sie vorgehen konnte.
    Gesellschaft

    Sämtliche politischen Parteien wurden nach der Besetzung aufgelöst. Auf Initiative des Staatspräsidenten entstand am 6. April 1939 die ausschließlich Männern vorbehaltene Einheitspartei „Nationale Gemeinschaft“ (Národní souručenství) als einzige erlaubte Partei, in der über 97 Prozent der erwachsenen Männer zusammengeschlossen wurden. Ihre Aufgabe war lediglich die Unterstützung des Präsidenten und der Protektoratsregierung. Nach anfänglichen Versuchen, diese Organisation als Basis für den Widerstand zu nutzen, ersetzten die Besatzer 1941 die gesamte Leitung durch Kollaborateure. Die Partei, der auch die Presse unterstellt wurde, wurde am 15. Januar 1943 aufgelöst bzw. weiter in eine kulturelle Propaganda-Organisation umgewandelt. Die Kollaboration mit dem NS-Regime war ähnlich wie in westeuropäischen Ländern: Nach Kriegsende fanden etwa 10.000 Gerichtsprozesse gegen Bürger auf der Basis der Dekrete des tschechoslowakischen Exil-Präsidenten Edvard Beneš statt. 740 Kollaborateure wurden hingerichtet; dies ist im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung die höchste Quote in Europa.

    Die Gesellschaft hatte mit der kriegsüblichen Not zu kämpfen. Bereits im September 1939 wurden Lebensmittelrationen eingeführt: Lebensmittelkarten mit der Bezeichnung „D“ garantierten den Deutschen die höchsten Zuteilungen. Die Nahrungsrationen, zu deren Bezug die mit „T“ für Tschechen gekennzeichneten Karten berechtigten, lagen deutlich niedriger. Die geringste Zuteilung erhielten die Juden, deren Karten mit „J“ markiert waren. Dass die D- und T-Karten 1941 vereinigt wurden, war Bestandteil von Heydrichs Werbung für eine Erhöhung der Arbeitsleistung unter der tschechischen Bevölkerung. Weitere Karten gab es seit Ende 1939 für Bekleidung. Die Landwirte bekamen gekürzte Rationen und mussten vorgeschriebene Produktabgaben für festgelegte Preise liefern. Eine Konsequenz dieser Maßnahmen war die Entstehung eines zwar drakonisch verfolgten, aber dennoch florierenden Schwarzmarktes.

    Unter schlimmsten Umständen lebten die Juden, die seit dem Münchner Abkommen von 1938 Schritt für Schritt aus der Mehrheitsgesellschaft ausgegrenzt wurden. Die Ausschließung der Juden aus dem öffentlichen Raum und Leben verschärfte sich radikal nach Heydrichs Antritt. Vielen Tschechen, die trotz aller Erlasse weiter mit Juden kommunizierten, bei ihnen einkauften oder sich von jüdischen Ärzten behandeln ließen, drohten hohe Strafen.

    In der tschechischen Gesellschaft verschärfte sich besonders die Lage der jungen Bildungsschichten: Auf Initiative des Reichsprotektors wurde seit 1942 die Zahl der tschechischen Mittelschulen systematisch reduziert. Dies hatte zur Folge, dass die Zahl von 85.000 Mittelschülern im Jahr 1939 auf 35.000 im Jahr 1944 zurückging. Die Schließung der Hochschulen ging mit der Zuweisung Tausender Abiturienten in die Industrie oder in den „Totaleinsatz“ im Deutschen Reich einher.
    Religions- und Kirchengeschichte

    Die dominierende Konfession im Protektorat war die katholische, obwohl sich auch die früher Tschechoslowakische (Církev československá), im Protektorat dann sich Böhmisch-mährisch (Církev českomoravská) nennende protestantische Kirche mit etwa 800.000 Mitgliedern behauptete. Als Hauptaufgabe wies das NS-Regime den christlichen Kirchen die Ausstellung der Ariernachweise bzw. der Nachweise verschiedener Grade jüdischer Abstammung entsprechend der Nürnberger Rassegesetze zu, die sich auf die Angaben der Kirchenmatrikel stützten. Diskriminiert und in späteren Phasen der Verfolgung in die Lager deportiert wurden auch die nach den Nürnberger Gesetzen als ‚Mischlinge’ Bezeichneten sowie die christlichen Ehepartner der als jüdisch eingestuften Bürger, die sich nicht scheiden ließen.

    Reichsprotektor Heydrich ließ am 29. September 1941 alle Synagogen und jüdischen Gebetsräume als „Versammlungsstellen der destruktiven Kräfte“ schließen. Die jüdischen Gemeinden wurden nach und nach aufgelöst, die meisten der 88.000 registrierten Juden, denen eine Ausreise nicht gelungen war, schrittweise in Prag konzentriert und dann seit dem 16. Oktober 1941 in Transporten entweder direkt in die Vernichtungslager im Osten oder seit 1942 nach Theresienstadt als Zwischenstation deportiert. Das Eigentum der Gemeinden wurde konfisziert und in den vom Reichsprotektor gegründeten Auswanderungsfonds für Böhmen und Mähren überführt. Die historisch oder kunsthistorisch wertvollen Gegenstände (Bücher, Devotionalien usw.) wurden im Prager Jüdischen Museum deponiert und katalogisiert, als Exponate für ein künftiges „Museum einer ausgestorbenen Rasse“.
    Kultur

    Die Kultur gewann im Protektorat symbolische Bedeutung, als letzte Bastion der tschechischen Nation. Das nationalsozialistische Protektoratsregime eliminierte in hohem Maße – wenn auch wenigerkonsequent als in Deutschland – avantgardistische Kultur, die in der Zwischenkriegszeit in der Tschechoslowakei floriert hatte. Die Gesellschaft wandte sich während der Zeit der deutschen Fremdherrschaft massenhaft und demonstrativ den romantischen und realistischen Autoren und Werken der Zeit der „nationalen Wiedergeburt“ der Tschechen im 19. Jahrhundert zu. Die deutsch-tschechische Konkurrenz auf dem Feld der Massenkultur wurde mindestens bis zum Beginn des ‚totalen Krieges‘ im Sommer 1943 und der damit verbundenen amtlichen Eliminierung der meisten Kulturaktivitäten eines der wichtigsten und von beiden Seiten auch so bewerteten Gebiete der Resistenz, da sie tschechische Aktivitäten in der Besatzungssituation in besonderer Weise stimulierte.
    4. Diskussionen/Kontroversen

    Nach wie vor gibt es in Tschechien kaum Diskussionen über die Protektoratszeit. Nach der langjährigen kommunistischen Vorgabe, nach der „das ganze Volk im Widerstand“ war, wurde nach 1989 die Frage der tschechischen Kollaboration mit dem NS-Regime gestellt. Teilweise fiel die Beurteilung eher versöhnlich aus und war auf eine Teilrehabilitierung der tschechischen Repräsentanten des Protektorates (Eliáš, Hácha) ausgerichtet, die nach dem Krieg und besonders nach der kommunistischen Machtübernahme von 1948 geächtet worden waren. Positiv hervorgehoben wurden darüberhinaus die bislang verschwiegenen oder diffamierten Protagonisten des nichtkommunistischen Widerstandes. Bei der notwendigen Debatte über antisemitisches und rassistisches Verhalten eines größeren Teiles der Protektoratsgesellschaft gegenüber Juden und Roma droht immer wieder die Relativierung dieser Erscheinungen durch den Verweis auf den Holocaust und den Terror gegen die Gesamtgesellschaft. International vergleichende Debatten finden bislang kaum statt.

    5. Bibliographische Hinweise

    Literatur

    Detlef Brandes: Die Tschechen unter deutschem Protektorat. 2 Bde. München 1969, 1975.
    Detlef Brandes: „Umvolkung, Umsiedlung, rassische Bestandsaufnahme“. NS-„Volkstumspolitik“ in den böhmischen Ländern. München 2012 (Veröffentlichungen des Collegium Carolinum 125).
    Chad Bryant: Prague in Black. Nazi Rule and Czech Nationalism. Cambridge 2007.
    Jan Gebhart, Jan Kuklík: Velké dějiny zemí Koruny české [Große Geschichte der Böhmischen Länder]. Bd. XVa/b: 1938–1945. Praha, Litomyšl 2006/2007.
    Monika Glettler, Alena Míšková, Lubomír Lipták (Hg.): Geteilt, besetzt, beherrscht: die Tschechoslowakei 1938–1945: Reichsgau Sudetenland, Protektorat Böhmen und Mähren, Slowakei. Essen 2004 (Veröffentlichungen der Dt.-Tschech. u. Dt.-Slowak. Historikerkommision 11; Veröffentlichungen zur Kultur und Geschichte im östlichen Europa 25).
    Drahomír Jančík, Eduard Kubů: „Arizace" a arizátoři: drobný a střední židovský majetek v úvěrech Kreditanstalt der Deutschen 1939–45 [Arisierung und Arisierer: das kleine und das mittlere jüdische Eigentum in den Krediten der Kreditanstalt der Deutschen 1939–45]. Praha 2005.
    Miroslav Kárný, Jaroslava Milotová, Margita Kárná: Deutsche Politik im Protektorat Böhmen und Mähren unter Reinhard Heydrich 1941–1942. Berlin 1997 (Nationalsozialistische Besatzungpolitik in Europa 1939–1945 2).
    Stanislav Kokoška: Prag im Mai 1945. Die Geschichte eines Aufstandes. Göttingen 2009 (Berichte und Studien 55).
    Helena Krejčová: Židé v Protektorátu. Hlášení Židovské náboženské obce v roce 1942. Dokumenty [Die Juden im Protektorat Böhmen und Mähren. Berichte der Jüdischen Kultusgemeinde im Jahre 1942. Dokumente]. Praha 1997 (Historia Nova 11).
    René Küpper: Karl Hermann Frank (1898-1946). Politische Biographie eines sudetendeutschen Nationalsozialisten. München 2010 (Veröffentlichungen des Collegium Carolinum 119).
    Andrea Löw (Bearb.): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945. Bd. 3: Deutsches Reich und Protektorat Böhmen und Mähren. September 1939–September 1941. München 2012.
    Pavel Maršálek: Pod ochranou hákového kříže. Nacistický okupační režim v českých zemích 1939–1945 [Unter dem Protektorat des Hakenkreuzes. Die nationalsozialistische Besatzung Tschechiens 1939–1945]. Praha 2012.
    Volker Mohn: NS-Kulturpolitik im Protektorat Böhmen und Mähren. Konzepte, Praktiken, Reaktionen. Essen 2014 (Veröffentlichungen zur Kultur und Geschichte im östlichen Europa 45).
    Tomáš Pasák: JUDr. Emil Hácha: 1938–1945. Praha 1997.
    Tomáš Pasák: Pod ochranou říše [Unter dem Reichsprotektorat]. Praha 1998.
    Livia Rothkirchen: The Jews of Bohemia and Moravia. Facing the Holocaust. Lincoln, Jerusalem 2006.
    Vojtěch Šustek: Atentát na Reinharda Heydricha a druhé stanné právo na území tzv. protektorátu Čechy a Morava: edice historických dokumentů [Attentat auf Reinhard Heydrich und das zweite Standrecht auf dem Gebiet des so genannten Protektorats Böhmen und Mähren. Editon historischer Dokumente], 2 Bde. Praha 2012/2014 (Documenta Pragensia: Monographia 26).

    Weblink

    www.herder-institut.de/digitale-angebote/dokumente-und-materialien/themenmodule/quelle/1950/details.html (Edition des Herder-Instituts: „Erlaß des Führers und Reichskanzlers über das Protektorat Böhmen und Mähren. Vom 16. März 1939.“)

    Zitation

    Jiří Pešek: Protektorat Böhmen und Mähren. In: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, 2018. URL: ome-lexikon.uni-oldenburg.de/p32580 (Stand 02.10.2023).

    #impérialisme #nazis #histoire #Tchéquie #occupation

  • Confessions Of A Nazi Spy
    https://archive.org/download/confessions-of-a-nazi-spy-1939/Confessions%20Of%20A%20Nazi%20Spy%201939.mp4

    https://en.wikipedia.org/wiki/Confessions_of_a_Nazi_Spy

    Directed by Anatole Litvak
    Screenplay by Milton Krims, John Wexley
    Based on Nazi Spies in America , 1939 book by Leon G. Turrou
    Newspaper Articles, 1938-9 stories in The New York Post by Leon G. Turrou, David G. Wittels

    Produced by Hal B. Wallis, Jack L. Warner
    Robert Lord
    Starring Edward G. Robinson, Francis Lederer, George Sanders, Paul Lukas
    Narrated by John Deering
    Cinematography Sol Polito, Ernest Haller (uncredited)
    Edited by Owen Marks
    Music by Max Steiner
    Distributed by Warner Bros. Pictures
    Release date May 6, 1939
    Running time 104 minutes
    Country United States
    Language English
    Budget $1.5 Million

    The film stars Edward G. Robinson, Francis Lederer, George Sanders, Paul Lukas, and a large cast of German actors, including some who had emigrated from their country after the rise of Adolf Hitler. Many of the German actors who appeared in the film changed their names for fear of reprisals against relatives still living in Germany.[3] Harry, Albert, and Jack Warner, who then owned Warner Bros, were Jewish.[4]

    The film’s story is based on a series of articles by FBI officer Leon G. Turrou, recounting his investigation of Nazi spy rings in the United States. Parts of the film are drawn from the Rumrich spy case, the first major international espionage case in American history.

    #USA #cinéma #nazis #propagande

    • Lois de Nuremberg

      https://fr.wikipedia.org/wiki/Lois_de_Nuremberg

      Les lois de Nuremberg[a] sont trois textes adoptés par le Reichstag à l’initiative d’Adolf Hitler, lors d’une session du parlement tenue à Nuremberg à l’occasion du septième congrès annuel du Parti nazi, le 15 septembre 1935 :

      – la Reichsflaggengesetz (loi sur le drapeau du Reich) ;
      – la Reichsbürgergesetz (loi sur la citoyenneté du Reich) ;
      - la Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre (loi sur la protection du sang allemand et de l’honneur allemand).

    • Nürnberger Gesetze [Rassengesetz]

      https://de.wikipedia.org/wiki/N%C3%BCrnberger_Gesetze

      [...]

      Am 12. September, dem dritten Tag des Parteitags, kündigte Reichsärzteführer Gerhard Wagner überraschend an, der nationalsozialistische Staat werde in Kürze durch ein „Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes“ die weitere Vermischung von Juden und „Ariern“ verhindern.[6] Adolf Hitler erweiterte den Auftrag und ließ umgehend über den Reichsinnenminister Wilhelm Frick den Abteilungsleiter Wilhelm Stuckart und den Leiter des „Staatsangehörigkeitsreferates“ im Reichsinnenministerium, Bernhard Lösener, und andere Verwaltungsfachleute entsprechende Gesetzesentwürfe ausarbeiten.[7] Da einige von ihnen aus Berlin anreisen mussten, konnte sich die Arbeitsgruppe erst am folgenden Abend in Nürnberg konstituieren. Wegen des Zeitdrucks verzichteten die zuständigen Minister auf Vorgaben und überließen es den Ministerialbeamten, Gesetzentwürfe auszuarbeiten.

      Wagner, der sich in Nürnberg ständig bei Hitler aufhielt, wollte eine Zwangsscheidung von „Mischehen“ und Heiratsverbot auch für „Vierteljuden“ einführen, während die Ministerialbürokraten auf Schwierigkeiten bei der praktischen Umsetzung hinwiesen. Hitler selbst entschied sich schließlich für den milderen Gesetzentwurf; er konnte sich damit als gemäßigter Staatsmann darstellen, der seine Partei im Griff habe, und er vermied voraussehbare Konflikte mit der katholischen Kirche.

      [...]

  • How Socialist were the National Socialists? Part 1

    via https://diaspora.psyco.fr/p/12468768

    https://www.unpopularfront.news/p/how-socialist-were-the-national-socialists

    #politics #fascism #nazism

    Not much, actually.

    As Robert Paxton argues in his The Anatomy of Fascism, Nazism and fascism in general do not have the same relationship to ideas as socialism or liberalism:

    The role programs and doctrine play in it is, on closer inspection, fundamentally unlike the role they play in conservatism, liberalism, and socialism. Fascism does not rest explicitly upon an elaborated philosophical system, but rather upon popular feelings about master races, their unjust lot, and their rightful predominance over inferior people. It has not been given intellectual underpinnings by any system builder, like Marx, or by any major critical intelligence, like Mill, Burke, or Tocqueville.

    In a way utterly unlike the classical “isms,” the rightness of fascism does not depend on the truth of any of the propositions advanced in its name. Fascism is “true” insofar as it helps fulfill the destiny of a chosen race or people or blood, locked with other peoples in a Darwinian struggle, and not in the light of some abstract and universal reason. The first fascists were entirely frank about this.

  • 60 Millionen Dollar gesammelt und nichts geliefert : 600.000 Fans warten auf ihr Trump-Handy
    https://www.tagesspiegel.de/internationales/60-millionen-dollar-gesammelt-und-nichts-geliefert-600000-fans-warten-a

    Voici encore une variation sur le thème connu par le 18 brumaire du type avec la barbe. Les nazis historiques ont dévalisé les naïfs avec la promesse d’un produit nouveau, innovant et hors de prix jusqu’à leur arrivée qu’ils n’ont jamais livré, la famille Trump résussit le même coup avec la promesse d’un produit qu’on trouve partout pour peu cher qui coute la peau des fesses quand on l’achête chez eux. Le téléphone mobile Trump est à la Volkswagen ce que le train phantôme est au train en direction d’Auschwitz.


    Cadeau d’anniversaire ...

    Qu’on s’amuse un peu tant que le vieux n’a pas encore répéré le bouton qui en finit avec l’humanité. Bande d ’ignobles !

    13.5.2026 von Helena Wittlich - 100 Dollar Anzahlung und eine Lieferung bis August 2025 – das versprachen die Präsidentensöhne Eric und Donald Trump Junior. Doch Käufer des Trump-Phones warten bis heute auf ihre Geräte.

    Man stelle sich vor: 600.000 Trump-Fans freuen sich auf ein neues, goldenes Smartphone mit amerikanischer Flagge auf der Rückseite. Und dann passiert … nichts.

    Im Juni 2025 verkündeten die Söhne des Präsidenten, Eric und Donald Trump Junior, im New Yorker Trump Tower, dass sie ein neues Smartphone herausbringen werden. „Stolz amerikanisch“ sollte es sein. Entworfen als patriotische Alternative zu Apple und Samsung. Der Preis: 499 Dollar.

    Mit einer Anzahlung von 100 Dollar kam man auf die Warteliste. Rund 60 Millionen Dollar sammelten die Trump-Söhne für das Projekt. Fast ein Jahr später hat keiner das Gerät bekommen. Klingt nach Betrug, oder?

    Das „T1 Phone“ sollte ursprünglich im August 2025 ausgeliefert werden. Dann im Herbst. Dann irgendwann später. Der offizielle Liefertermin wurde mehrfach verschoben, bis es schlicht keinen mehr gab.

    Frühe Werbebilder zeigten ein Gerät, das zunächst einem iPhone, dann einem Samsung ähnelte. Es sollte mit dem Tarif von Trump Mobile kompatibel sein – für 47,45 US-Dollar pro Monat, in Anspielung auf Donald Trumps Präsidentschaften.

    Versprochen wurden ein stabiles 5G-Netz, unbegrenzte Gesprächsminuten, SMS und Datenvolumen, Telemedizin-Dienste und Pannenhilfe sowie weltweite Auslandsgespräche.

    Das ursprüngliche Versprechen, das Telefon werde ausschließlich in den USA hergestellt, verschwand still und leise kurz nach der Ankündigung. Geblieben ist die Formulierung, es sei „mit amerikanischen Werten im Sinn entworfen“. Was immer das heutzutage bedeuten mag.
    Demokratische Abgeordnete forderten Untersuchung

    Zwar hat es im März zumindest die entsprechenden Zertifizierungen erhalten, die jedes Smartphone benötigt, bevor es in Nordamerika verkauft werden darf. Doch seit April befindet sich auf der Website von Trump Mobile ein bemerkenswerter Satz im Kleingedruckten: „No Guarantee of Release, Delivery or Timing“, heißt es da. Und weiter: Das Unternehmen garantiere nicht, dass das Gerät jemals kommerziell auf den Markt komme.

    Die Zweifel am Erscheinen des Gerätes sind nicht neu. Schon im Januar 2026 forderten Senatorin Elizabeth Warren aus Massachusetts und zehn weitere Demokraten aus House und Senate die Handelsbehörde FTC in einem Brief auf, Trump Mobile wegen möglicher Verstöße gegen das Verbraucherschutzrecht zu untersuchen.

    Konkret ging es um sogenannte Bait-and-Switch-Taktiken, bei denen zunächst ein teures Produkt versprochen, dann ein billiges verkauft wird, einschließlich irreführender Werbung mit dem „Made in USA“-Versprechen.

    Die Abgeordneten fragten auch, ob die FTC mit dem Weißen Haus über das Projekt gesprochen habe – ein unverhohlener Hinweis auf mangelnde Unabhängigkeit der Behörde.

    „Die Reaktion der FTC auf mögliche Verstöße durch Trump Mobile wird ein entscheidender Test für ihre Unabhängigkeit sein“, heißt es in dem Schreiben. Auch Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom meldete sich zu Wort und bezeichnete das T1-Projekt schlicht als „FRAUD“, also Schwindel.

    Bisher ist nichts passiert. Es wird sogar weiter für einen Platz auf der Warteliste geworben – immerhin mit dem Hinweis, dass die Anzahlung auf Wunsch erstattet werden könne.

    Unter dem einzigen Video auf dem Social-Media-Profil von „Trumpmobile“ häufen sich inzwischen die Kommentare. Viele Käufer möchten einfach nur wissen: „Wo bleibt mein Handy?“

    Encore une farce
    https://www.youtube.com/watch?v=DElRqo8u1vQ

    Nouvelle Vague

    ... et la tragédie initiale
    https://www.youtube.com/watch?v=l7TWLxCIgwE

    The Dead Kennedys

    Too Drunk To Fuck

    #USA #wtf #escrocs #nazis #Volkswagen #téléphone_mobile