• Der Checkpoint am Morgen
    https://www.tagesspiegel.de/checkpoint/der-checkpoint-am-morgen-linke-wusste-von-antisemitischen-texten-des-ra

    Délire philosemite du jour : le journal de droite Tagesspiegel s’énerve à cause d’un rappeur solidaire de la cause palestinienne á une fête du parti Die Linke . Les élections du mois prochain favorisent les dénonciations comme antisemite de tout et chacun qu’on n’aime pas. Ce n’est pas drôle car les ultras anti-antisemites rendent difficile l’identification des véritables antisemites dangereux.

    31.8.2026
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    Es ist ein starker Satz, den Stefan Evers (CDU) am Ende eines denkwürdigen Wochenendes spricht: „Wer jüdisches Leben bedroht, greift unsere Stadt an.“ Eine Selbstverständlichkeit, sollte man meinen, doch ist sie das in Teilen Berlins keineswegs. Bei einer Wahlveranstaltung der Linken in Neukölln am Sonnabend rief der Rapper Dahabflex in einem Song zu Gewalt gegen Israel und israelische Soldaten auf. Kurz vor dem Ende der Versammlung präsentierte er den Song „Stop the Genocide“ („Stoppt den Völkermord“). Darin heißt es unter anderem „Yalla Yalla Intifada – Westbank, Palästina, Gaza“ sowie „Death to the IDF“ („Tod der israelischen Armee“). Beide Slogans wurden deutlich erkennbar und wiederholt vorgetragen. Trotzdem griff niemand ein.

    Die Spitzenkandidatin der Linken, Elif Eralp, verurteilte den Auftritt am Sonntagnachmittag „aufs Schärfste“ und forderte Aufklärung. „Aufrufe zur Gewalt und zur Tötung von Menschen sind absolut inakzeptabel“, teilte sie am Nachmittag mit. „Ich bin entsetzt, die Verantwortlichen hätten sofort intervenieren müssen.“

    Die Frage ist: Hat die Spitzenkandidatin überhaupt Einfluss auf den Bezirksverband Neukölln, der bereits in der Vergangenheit immer wieder durch Israel-Hass und Hamas-Nähe aufgefallen war? Eralps Position dazu können Sie in unserer Video-Interview-Reihe zur Wahl hier nachschauen. „Wir stehen ganz klar an der Seite jüdischer Menschen“, sagte sie dort. „Wir verteidigen das Existenzrecht Israels.“ Wie ernst sie das wirklich meint, muss sie nun beweisen.

    Klar ist: Die Linke in Neukölln wusste, wen sie da einlädt. Die Autorin Marina Renner, langjährige Bundestagsabgeordnete, frühere stellvertretende Bundesvorsitzende der Linken und anerkannte Expertin für Rechtsextremismus, hatte schon vor einem Jahr auf die Texte des Rappers hingewiesen. Entsprechende Nachrichten liegen dem Checkpoint vor. Darin heißt es: „Das wusste auch die Partei.“ Nur wollte da offenbar niemand genauer hinhören. Oder eben doch.
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    „Yalla Yalla Intifada“ : Offener Judenhass im Wahlkampf der Neuköllner Linken – Grüne zweifeln an Regierungsfähigkeit
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/yalla-yalla-intifada-offener-judenhass-im-wahlkampf-der-neukollner-link

    Voici les détails qui montrent comment l’accusation d’antisemitisme sert à faire de la propagande anti-gauche.

    30.8.2026 von Robert Kiesel - Die Linke Neukölln steht wegen israelkritischer Äußerungen im Fokus. Der Auftritt eines Rappers bringt die Partei in Erklärungsnot. „Ich bin entsetzt“, erklärt Spitzenkandidatin Elif Eralp.

    Auf einer Wahlkampfkundgebung der Linken Neukölln ist es am Samstagabend zu Gewaltaufrufen gegen den Staat Israel und Angehörige des israelischen Militärs gekommen.

    Formuliert hat die Aussagen der auf Einladung der Linken aufgetretene Rapper Dahabflex. Kurz vor dem Ende der Versammlung präsentierte er den Song „Stop the Genocide“ (Stoppt den Völkermord). Darin heißt es unter anderem „Yalla Yalla Intifada – Westbank, Palästina, Gaza“ sowie „Death to the IDF“ (Tod der israelischen Armee).

    Beide Slogans wurden von Dahabflex deutlich erkennbar und wiederholt vorgetragen. Sie gelten als klare Gewaltaufrufe gegen den Staat Israel, dessen Einwohner und Mitglieder der israelischen Streitkräfte (IDF).
    Besucher tanzen zum Israelhass

    Während des Songs tanzten zahlreiche, mehrheitlich jugendliche Besucher der Kundgebung und sangen den Text mit. Eine Palästina-Flagge wurde geschwungen, einzelne Besucher vermummten sich.

    Elif Eralp spielt dabei das Feigenblatt.

    Stefan Evers (CDU) attackiert die Linke-Spitzenkandidatin.

    Noch während des Auftritts betrat Hermann Nehls, Co-Vorsitzender der Linken Neukölln, kurzzeitig die Bühne und machte Fotos. Eine Einordnung oder Distanzierung der Textpassagen erfolgte weder durch ihn noch ein anderes Mitglied der Linken Neukölln unmittelbar im Anschluss an den Auftritt.

    Am Sonntag erklärte Nehls: „Der Song gehörte nicht zum vorher mit uns abgesprochenen künstlerischen Programm und wurde am Ende der Veranstaltung spontan aufgeführt.“ Es sei „völlig klar, dass Aufrufe zu Gewalt gegen Personen nicht gehen – weder in Liedtexten noch in anderer Form.“ Die Linke Neukölln werde den Abend „nun intern aufarbeiten“
    SPD-Spitzenkandidat Krach: „Lackmustest, wo Linke steht“

    Ebenfalls am Sonntag äußerten sich die Spitzenkandidaten von CDU, Grünen und SPD zu dem Vorfall. „Antisemitismus ist bei der Berliner Linkspartei längst kein Ausrutscher mehr, sondern Teil ihres politischen Systems. Elif Eralp spielt dabei das Feigenblatt“, erklärte Stefan Evers (CDU) mit Bezug auf die Spitzenkandidatin der Berliner Linken, die in Neukölln aber nicht anwesend war. Evers forderte Grüne und SPD auf, eine Zusammenarbeit mit der Linken auszuschließen.

    Werner Graf von den Grünen sagte: „Aufrufe zur Gewalt und die Infragestellung des Existenzrechts Israels sind niemals akzeptabel. Die Linken-Spitze um Elif Eralp muss unmissverständlich klarmachen, dass auch sie dergleichen nicht hinnimmt, schon gar nicht als Teil des Linken-Wahlkampfes. Ich erwarte hier eine klare Distanzierung. Alles andere lässt daran zweifeln, ob diese Linke in Berlin überhaupt regieren kann und will.“

    Steffen Krach, Spitzenkandidat der Berliner SPD, erklärte: „Ich finde es unerträglich, dass die Linke auf ihrer Wahlkampfveranstaltung Israelhass eine Bühne geboten hat. Ich erwarte jetzt nicht nur Worte, sondern das entschlossene Handeln, das Spitzenkandidatin Eralp selbst immer versprochen hat. Das ist jetzt der Lackmustest, wo die Linke Berlin steht.“
    Linke-Spitzenkandidatin Eralp: „Absolut inakzeptabel“

    Eralp äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht zu dem Vorfall. An ihrer Stelle erklärte Landeschefin Kerstin Wolter, sie sei „stinksauer über den Liedtext, der dort offenbar gesungen wurde“. Ein Aufruf zur Tötung von Zivilisten und Soldaten „geht gar nicht“, sagte sie und forderte von der Linke Neukölln Aufklärung und „Konsequenzen“.

    Später bezog Eralp dann doch Stellung. „Wie meine Parteivorsitzende Kerstin Wolter verurteile ich den Auftritt in Neukölln aufs Schärfste. Aufrufe zur Gewalt und zur Tötung von Menschen sind absolut inakzeptabel“, teilte sie am Nachmittag der Deutschen Presse-Agentur mit. „Ich bin entsetzt, die Verantwortlichen hätten sofort intervenieren müssen.“

    Eralp erklärte weiter: „Der Bezirksverband Neukölln hat den Sänger eingeladen, ich erwarte, dass dort aufgeklärt wird, wie es zu so einer Grenzüberschreitung kommen konnte, und dass es Konsequenzen gibt. Ich stehe klar für den Schutz von jüdischem Leben und gegen jede Form von Antisemitismus.“
    Dahabflex-Song klarer Aufruf zur Gewalt

    Der Begriff „Intifada“ heißt wörtlich „abschütteln“, bezeichnet aber vor allem die gewaltsamen und auf beiden Seiten tödlichen Aufstände der palästinensischen Bevölkerung gegen die israelische Besatzung in den Jahren 1987 bis 1993 (erste Intifada) und 2000 bis 2005 (zweite Intifada).

    Durch Attacken und Selbstmordanschläge wurden dabei mehr als 1000 Israelis getötet. Die Zahl der durch das israelische Militär getöteten Palästinenser lag um ein Vielfaches höher. Kombiniert mit dem Aufruf „Yalla“ – arabisch für „Los“ oder „Los geht’s“ – stellt die Parole einen eindeutigen Gewaltaufruf dar.
    Linke spricht von 1000 Gästen in Neukölln

    Der Auftritt des wegen seiner politischen Statements und Texte umstrittenen Rappers – Dahabflex bezieht sich etwa positiv auf die palästinensische Terrororganisation PFLP – war Teil einer Kundgebung unter dem Titel „Wütend auf den Kapitalismus“. Diese hatte der Theaterregisseur Volker Lösch gemeinsam mit der Linken organisiert.

    Neben den Auftritten von Dahabflex und der Rapperin Antifuchs gab es von Lösch moderierte Gespräche mit Kandidierenden der Linken in Neukölln und Treptow‑Köpenick. Daneben traten zahlreiche Akteure aus der Zivilgesellschaft auf, unter anderem Deborah Feldman und Matthias Lilienthal, Intendant der Berliner Volksbühne. Parteiangaben zufolge besuchten rund 1000 Menschen die Kundgebung.

    Innerhalb der Berliner Linken gilt der Neuköllner Kreisverband wegen seiner Position zum Krieg im Nahen Osten als problematisch. Immer wieder hatten Vertreter und Mandatsträger mit Israelkritik auf sich aufmerksam gemacht, den Vorwurf des Antisemitismus aber weit von sich gewiesen.

    Als besonders exponiert gelten dabei der Bürgermeisterkandidat Ahmed Abed sowie der 2025 direkt in den Bundestag gewählte Ferat Kocak. Elif Eralp, Spitzenkandidatin der Berliner Linken für die Abgeordnetenhauswahl, hatte den Vorwurf des Antisemitismus gegen Mitglieder der Partei zuletzt stets zurückgewiesen.

    #Allemagne #Berlin #Neukölln #philosemitisme

  • Obdachlosigkeit: Einmal wegfahren und zurückkommen
    https://www.jungewelt.de/artikel/524607.obdachlosigkeit-einmal-wegfahren-und-zur%C3%BCckkommen.html

    Hinter einer Tür das Schicksal von drei, vier, fünf Menschen. Manchmal auch mehr: Die Teupe in Berlin Foto: Rolf Zoellner

    Wir sind alle Bettler. Nur simd manche noch ärmer. So sind die Klassenberhältnisse. Keime Bettler sind die Besitzenden. Sie hsben traditionell das Recht, ums alles, wegzunehmen, was wir produzieren und erwirtschaften und haben sich das, was allene Mschen gehört, ebenfalls angeregnet und treiben nun einen schwumgjaften Handel mit den Schätzen der Welt.

    Wer nicht zu ihnen gehört ist im schlimmsten Fall Wohnumgs- oder ondachlos.

    20.6.2026 vin Susanne Knütter - Immer mehr Familien leben in Unterkünften für Wohnungslose – und das über Jahre. Ein Besuch in der Notunterkunft »Teupe« in Berlin-Neukölln

    Das Gebäude mehrere Stockwerke hoch, auf jeder Etage lange kahle Gänge. Links der Flure gehen Waschraum und Küche ab, darin eine Metallküchengarnitur – funktional und leicht zu reinigen. Rechts der Korridore sieben Türen, dahinter etwa 20 Quadratmeter große Zimmer mit dem Nötigsten: Betten, Schrank, Tisch, Kühlschrank. Die beige-weiß-graue Farbgebung von Türen, Boden, Wänden steht unter Denkmalschutz, so wie das ganze Haus. Als Obdachlosenasyl gebaut und 1930 eröffnet, diente »Die Teupe« in der Teupitzer Straße im Westberliner Bezirk Neukölln, von einer Unterbrechung während des Faschismus abgesehen, durchgängig als Unterkunft für in Not geratene Menschen. »Die einen sind schockiert, wenn sie herkommen. Andere sind begeistert«, sagt Meike Johannssen im Gespräch mit jW. »Je nachdem, wo sie vorher gewohnt haben, ob es für sie ein Ab- oder Aufstieg war.« Was aber alle schätzen, ist die Unterstützung und Betreuung, die sie in der Erstaufnahmeeinrichtung der Gebewo erhalten.

    Beziehungsweise erhalten haben. Anfang Juni ist der Mietvertrag ausgelaufen und wurde von dem Vermieter Kubus, einer GmbH, die in dem Gebäude selbst eine Kindertagesstätte, eine Suppenküche, Werkstätten und eine Notunterkunft unterhält, nicht verlängert. Nach gut 24 Jahren ist hier Schluss. Der Leiter, die drei Sozialarbeiter und die Erzieherin werden an anderen Stellen in der Gebewo eingesetzt. Einziger Trost ist, die Familien können bleiben. Kubus selbst wird die Erstaufnahmeeinrichtung in der Teupe übernehmen und will das Betreuungsangebot nach eigenen Angaben nicht nur erhalten, sondern ausbauen. Die Regel ist das nicht. Die meisten Obdachlosen werden gemäß Ordnungsrecht (in Berlin ASOG) untergebracht und nicht auf Grundlage des 12. Sozialgesetzbuchs (Paragraf 67). Das heißt, Kommunen sind ordnungsrechtlich verpflichtet, unfreiwillig obdachlose Menschen unterzubringen. Zwei Drittel dieser Unterbringungen werden von privat-gewerblichen Unternehmen betrieben. Meist ohne qualifiziertes Betreuungspersonal vor Ort.
    Unnötig kompliziert

    Johannssen und ihre Kollegen führen jeden Tag Gespräche. Kurz vor dem jW-Besuch hatte die Sozialarbeiterin zwei Frauen verabschiedet, die fast täglich kommen. Der einen hilft sie derzeit intensiv bei der Wohnungssuche. Denn man muss wahnsinnig schnell sein. Wohnungsangebote im geschützten Segment – also für Arme – sind in Sekundenschnelle weg. Die Mutter zweier Kinder ist seit drei Jahren in der Teupe. Vorher war sie im Frauenhaus, nachdem sie ihren Mann wegen häuslicher Gewalt verlassen hatte. Zu der ohnehin kräftezehrenden Wohnungssuche kommt ein Sorgerechtsprozess, worüber sie regelmäßig im Austausch ist mit Johannssen.

    Mit der anderen Bewohnerin hatte sich Johannssen verabredet, um einen weiteren Versuch zu starten, »endlich ›Jobcenter digital‹ zu installieren«, eine App, über die Bürgergeldbezieher »informiert bleiben«. Doch das ist »erstaunlich schwierig«, wundert sich Johannssen. »Warum machen die das so kompliziert? Wenn ich das nicht hinkriege, wie sollen das dann meine Klientinnen hinbekommen«, die zum Teil schlecht Deutsch sprechen und Schwierigkeiten haben, die Bürokratie zu verstehen. Aber auch in dem Fall ist die Jobsuche nicht die einzige Aufgabe. In den Gesprächen geht es außerdem um Kita, Schule, Arzttermine, Ergo- und Logotherapie für die Kinder und um Entlastungsgespräche für eine Mutter, die mit drei sehr aktiven Jungs in einem Zimmer wohnt. So ist die Aufteilung in aller Regel: Eine Familie, ein Zimmer.

    Von draußen dringt das Gewirr von Kinderstimmen in das Besprechungszimmer im zweiten Stock. Ganz unten im Haus ist die Kita. Und neben der Teupe gibt es weitere Unterkünfte. Insgesamt wohnen hier an die 500 Menschen auf einem gut anderthalb Fußballfelder großen Areal, in der Nähe des S-Bahnhofs Sonnenallee, zwischen den Gleisen der Berliner Ringbahn, der Laubenkolonie »Rübezahl« und dem Neuköllner Schiffahrtskanal. Neben Kubus und Gebewo stellt Vita domus Plätze bereit. Für Familien, Frauen, Alleinstehende und Paare, die zum Teil psychische Erkrankungen und Suchtprobleme haben.

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    Vollabo 2026 Mai

    In der Familieneinrichtung der Gebewo leben zur Zeit des jW-Besuchs im Mai 20 Familien (Stand 19. Juni: 90 Personen, davon 40 Kinder). Die meisten hier stammen aus Osteuropa und arbeiten in Deutschland unter prekären Bedingungen, zum Beispiel auf dem Bau. Johannssen sagt: Den typischen Obdachlosen – »alt, Mann, Alkoholiker« –, der in den 1990er Jahren den Ausschlag zur Gründung der Gebewo in Pankow gegeben hatte, gibt es nicht mehr. Es kann jeden treffen. Mehr als eine Million Wohnungslose gibt es laut der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe mittlerweile. Immer öfter sind Familien betroffen.
    Eine Romakönigin

    Eine von ihnen ist die von Natalia. Gemeinsam mit dem Bruder und ihren Eltern lebt sie in der Familienunterkunft der Teupe (bzw. inzwischen »neuen Teupe«). Ihre Mutter ist Romni, ihr Vater Rumäne. Er arbeitet in einer Schule als Reinigungskraft, erzählt Natalia im Gespräch mit jW. Vor fünf Jahren sei die Familie nach Deutschland gekommen, damit die Kinder zur Schule gehen können, es einmal besser haben. Seither leben sie in Wohnheimen. Ihre Eltern können kein Deutsch, auch nicht lesen oder schreiben, erklärt Natalia. Müssen sie zu Behörden, geht sie oder ihr Bruder mit. Sie selbst besucht die sechste Klasse. Gerade plaudern sie und ihre Eltern in der Küche mit der Zimmernachbarin. Die macht Sarmale, einen Eintopf mit kleinen Kohlrouladen. Ab und zu stapft ein fröhlicher kleiner Begleiter in die Küche, der offenbar gerade laufen gelernt hat.

    Foto: Susanne Knütter/jW 20260519_102712.jpg

    Nebeneinander und gemeinsam organisierter Alltag in der Teupe (Berlin, Mai 2026)

    Es ist eine lockere, herzlich-warme Stimmung in der ansonsten kühl anmutenden Küche. Natalia erzählt, dass sie Fußballerin werden möchte, dass im Jobcenter und Sozialamt die Übersetzung durch die Kinder nicht erwünscht ist, es eine andere aber auch nicht gäbe. Und sie erzählt von einer Unterrichtseinheit speziell zu Roma. Von ihren Klassenkameraden werde sie seither »Romakönigin« genannt – was ihr schmeichelt, denn sie ist die einzige Romni in ihrer Klasse. Was sie sich wünscht? Dass ihre Eltern gesund bleiben und sie eine Wohnung finden. Einen Wohnberechtigungsschein haben sie inzwischen. Eine Garantie für eine Wohnung ist der nicht.

    In den Sommerferien wollen sie ihre Verwandten in Rumänien besuchen. Ob sie hinterher wieder in der Teupe wohnen können, weiß sie nicht. Natalia sagt das gefasst, aber doch merklich besorgt. Das Modell der Notunterkunft sieht Abwesenheiten nicht vor. Auch wenn sie für so viele bereits zur Dauerunterkunft geworden ist. Die Einrichtung wie ihre Finanzierung sind auf kurzfristige Aufenthalte ausgelegt, erklärt Jan Wendt, der bis Juni die Einrichtung geleitet hat. Bezahlt wird pro Tag und Kopf. Deshalb müssen alle auch jeden Tag da sein. Kinder dürfen nicht woanders übernachten, außer im Rahmen von Klassenfahrten. Heimaturlaube müssen beim Bezirksamt beantragt werden. Was dieses in der Regel aber ablehnt, auch im Todesfall. Allein Krankenhausaufenthalte werden genehmigt – aber auch das nur für eine begrenzte Zeit. »Der häufigste Grund für Auszüge ist tatsächlich«, erklärt Wendt, »dass die Familien nach zwei, drei Jahren oder eben bei einem Todesfall sagen, sie müssen jetzt aber mal in die Heimat fahren, und dann das Zimmer aufgeben.« Wenn sie wiederkommen, müssen sie in der sozialen Wohnhilfe vorsprechen. Alles geht von vorn los.

    Dann erzählt Wendt von einem Projekt, das es einmal gab: Die Erzieherin ist mit den Kindern für ein oder zwei Tage an die Ostsee gefahren, was sehr gut angenommen wurde. Denn die Familien, insbesondere die Kinder, die seit Jahren in Wohnheimen leben, kennen keine Urlaube. Wenn sie weggefahren sind, dann um auszuziehen. Wegfahren und zurückzukommen – das ist das Besondere.
    Profit und Goodwill

    Und was kostet das alles? Wendt rechnet nüchtern vor: »Die Tagessätze variieren von etwa 25 Euro bis 40 Euro pro Person pro Nacht. Das wird bei einer Familie schnell sehr teuer. In der Regel kann sich das keiner leisten.« Wer Einkommen hat, muss es aufwenden, um die Unterkunftskosten mitzutragen. Aber beim niedrigsten Tagessatz ist man bei einer vierköpfigen Familie im Monat bei 3.000 Euro. Da müsste man schon ein sehr gutes Einkommen haben, um das Zimmer unabhängig vom Jobcenter oder Sozialamt bezahlen zu können. »Da das die meisten nicht sind, unterstützen wir die Familien dabei, Anträge zu stellen.« Gerade bei »Menschen mit Migrationshintergrund« haben sie die Erfahrung gemacht, dass die Bewilligung auch bis zu vier oder sechs Monate dauern kann.

    Dass Wohnraum günstiger ist als Obdachlosigkeit, ist seit langem bekannt. Bereits 1987 hatte der Deutsche Städtetag vorgerechnet, dass die Verhinderung von Wohnungsverlusten nicht nur den betroffenen Menschen zugute kommt, sondern zugleich für die Kommune der kostengünstigere Weg ist. Zur Wahrheit gehört aber auch: Wohnungslosigkeit ist lukrativ. Eine hohe Nachfrage nach Wohnraum befeuert Mietwucher und Ausbeutung. Gleichzeitig gibt es »Sozialunternehmen, die unter dem Dach von Diakonie und ähnlichen Trägern ganze Häuser kaufen – also regulären Wohnraum dem Markt entziehen –, um daraus Obdachlosenunterkünfte zu machen, in denen Menschen dann nur zeitlich befristet wohnen können«, kritisierte etwa die Wohnungslosenstiftung Anfang des Monats. Das Interesse an knappem Wohnraum ist vielseitig.

    Umgekehrt geraten Beratungsstellen, an die sich Menschen wenden können, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind, finanziell immer stärker unter Druck. Im Gegensatz zu den Notunterkünften beruhen sie nicht auf dem Ordnungsrecht und dem Recht auf Unversehrtheit. Sie sind abhängig vom Goodwill der Landesregierung. So auch bei der Gebewo. In dem Bereich, zu dem Johannssen inzwischen gewechselt ist, wurde erst kurz zuvor die Stelle einer Verwaltungskraft gestrichen.

    #Berlin #Neukölln #Notunterkunft

  • Die fünf angesagtesten Secondhand-Shops in Berlin: Hier finden Modefans echte Schätze
    https://www.berliner-zeitung.de/article/beste-secondhand-shops-berlin-10061047

    Nett wsrs noch in 2020 : HAHAYOUREUGLY Secondhand & Vintage Warschauer Strasse 76, Friedrichshain, Mon-Sat 1pm-8pm, Tel: 01512 637 88 97, www.hahayoureugly.de

    Ergänzung zu Oxfam und Humana ?

    2020 berichtete der Tip
    https://www.tip-berlin.de/english/12-of-the-best-vintage-shops-in-berlin

    4.6.2026 von Isabell Gielisch - Von hippen Neuzugängen bis zu echten Institutionen: Wir verraten, wo Berlins modische Avantgarde abseits des Massenkonsums die besten Vintage-Schätze findet.

    Berlin gilt weltweit als Hotspot für hochwertige Secondhand- und Vintage-Mode. Die deutsche Hauptstadt zieht seit jeher Kreative und Stilbewusste an, die abseits des Massenkonsums nach Individualität und Charakter suchen. Doch angesichts der enormen Dichte an Läden zwischen Kreuzberg, Prenzlauer Berg und Neukölln kann es schwerfallen, den Überblick zu behalten.

    Wo finden Modebegeisterte die besten Preise, wo die exklusivsten Designer-Raritäten und wo die geschmackvoll kuratiertesten Teile? Eine Entdeckungstour durch die Berliner Vintage-Szene zeigt, in welchen Geschäften die Modewelt der Hauptstadt tatsächlich einkauft. Dies sind fünf der angesagtesten Secondhand-Shops in Berlin, die mit echten modischen Schätzen überzeugen.

    Der Neuling: Find Yours

    Der neueste Zugang der Berliner Vintage-Szene bereichert seit dem 11. April die Berliner Secondhand-Szene. Find Yours setzt auf ein sorgfältig kuratiertes Konzept und überzeugt mit einer präzisen Auswahl an einzigartigen Fundstücken. Stilistisch bewegt sich das Sortiment hauptsächlich in den Modewelten der 2000er- und 2010er-Jahre.

    Ein Fest für die Augen ist die farbliche Sortierung: Während das für Berlin typische Schwarz eine zentrale Rolle einnimmt, bietet der Store ebenso eine ansprechende Auswahl an farbenfrohen Akzenten. Der Fokus liegt hier absichtlich nicht auf teuren Designermarken, sondern auf bezahlbarer Individualität – die Preise sind durchweg fair kalkuliert, was den Laden zu einem echten Geheimtipp für Modebegeisterte macht.

    Find Yours. Pannierstraße 28, 12047 Berlin-Neukölln . Öffnungszeiten: Mo geschlossen, Di–Fr 13–19 Uhr, Sa 12–19 Uhr.

    Die It-Girl-Adresse: Archangels

    Archangels in Prenzlauer Berg, eröffnet im Juni 2024, konzentriert sich farblich hauptsächlich auf die Nichtfarben Schwarz und Weiß. Diese minimalistische Palette tut der Vielseitigkeit des Sortiments jedoch keinen Abbruch. Angeboten wird ein anspruchsvoller Mix aus High-Fashion-Designern wie Prada, Miu Miu oder Gucci und Vintage-Teilen, dessen Bandbreite vom minimalistischen Chic der 1990er-Jahre bis hin zu expressiveren Stücken aus den 2000ern reicht.

    Das stilistische Gespür des Ladens hat sich längst über die Grenzen Berlins hinaus herumgesprochen: Model (und Stilvorbild der Gen Z) Gabbriette wurde hier schon öfter beim Einkaufen gesichtet. Ein besonderes Highlight für Schnäppchenjäger ist der begehrte Sale, der rund zweimal im Jahr stattfindet und zuverlässig für eine Schlange sorgt. Ein absoluter Anlaufpunkt für modebegeisterte Kenner, die eine monochrome, aber dennoch ausdrucksstarke Garderobe schätzen.

    Archangels Berlin. Schliemannstraße 3, 10437 Berlin-Prenzlauer Berg . Öffnungszeiten: Mo–Mi Geschlossen, Do–Fr 14–19 Uhr, Sa 12–19 Uhr.

    Paris Hilton würde Everything Garms empfehlen

    Umso farbenfroher geht es bei Everything Garms in Kreuzberg zu. Mit einem ausgesprochen bunten und vergleichsweise preisgünstigen Segment jenseits von großen Designernamen richtet sich das Geschäft gezielt an eine jüngere, trendaffine Zielgruppe. Spezialisiert auf Camisole-Tops und Flared Jeans liegt der Fokus hier klar auf den Modetrends der 2000er-Jahre.

    Der Nullerjahre-Look spiegelt sich auch im Interieur wider, das mit alten Designer-Werbeanzeigen und Magazinen aus dieser Ära dekoriert ist. Wer den unbeschwerten Popkultur-Look der Jahrtausendwende à la Paris Hilton sucht, wird in diesem Store definitiv fündig. Ein weiteres Plus für das Einkaufserlebnis: Nach getaner Shoppingarbeit lässt sich an der Kasse ein preiswerter Eiskaffee erwerben, der den Besuch entspannt abrundet.

    Everythinggarms Vintage. Dieffenbachstraße 15, 10967 Berlin-Kreuzberg . Öffnungszeiten: Mo–Sa 12–18 Uhr.

    Der Pionier: Sing Blackbird

    Als eine Art Blaupause für die moderne Berliner Vintage-Szene gilt der fein kuratierte Store Sing Blackbird. Bereits seit 2010 in der Neuköllner Sanderstraße ansässig, gehört das Geschäft zu den Pionieren seiner Art in der Hauptstadt. Drei großzügige Räume sind hier dicht bestückt mit einer anspruchsvollen Auswahl an Damenmode, sortiert nach Kleidungsart und Farben.

    Stilistisch liegt der Fokus auch hier auf den 2000er-Jahren, ergänzt durch ausgewählte Designerstücke und eine deutliche Vorliebe für die Farbe Schwarz. Ein kleinerer, separater Raum bietet zudem ein exklusives Sortiment für Herren. Die Preise bewegen sich im gehobenen Segment, was der hohen Qualität der Stücke entspricht. Wer gut erhaltene Kleidung besitzt, die zur Ästhetik des Ladens passt, kann diese vor Ort abgeben und erhält im Gegenzug einen Warengutschein für das Sortiment.

    Sing Blackbird. Sanderstraße 11, 12047 Berlin-Neukölln . Öffnungszeiten: Mo–Fr 13–19 Uhr, Sa 13–19.30 Uhr, So geschlossen.

    Laufsteg-Lieblinge: Amiata Archive

    In puncto rarer Laufsteg- und Designerstücke nimmt Amiata Archive in Kreuzberg eine absolute Spitzenposition ein. Das Konzept des Stores zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Liebe zum Detail aus: Jedes der handverlesenen Kleidungsstücke ist mit einem laminierten Foto des ursprünglichen Laufsteg-Auftritts versehen, was die modische Historie der Raritäten direkt erlebbar macht.

    Der Fokus liegt hierbei ganz klar auf italienischen Designern: MiuMiu, Prada, Dolce & Gabbana, Gucci. Passend dazu leitet sich der Name vom Monte Amiata ab, einem erloschenen Vulkan im Süden der Toskana. Ein Besuch im Store gleicht somit einer explosiven Entdeckungsreise durch die italienische High-Fashion-Geschichte, die in Berlin ihresgleichen sucht.

    Amiata Archive. Böckhstraße 13, 10967 Berlin-Kreuzberg . Öffnungszeiten: Mo–Mi geschlossen, Do–Fr 14–19 Uhr, Sa 12–19 Uhr.

    #Berlin #Neukölln #Prenzlauer_Berg #Kreuzberg
    #Mode #Handel #gebraucht

  • Neuköllner Kulturhaus bietet Bühne für Extremisten: „Radau-Antizionisten machen radikale Positionen salonfähig“
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/neukollner-projekthaus-bietet-buhne-fur-extremisten-radau-antizionisten

    Allet Terror oder wat?

    25.4.2026 von Sebastian Leber, Silvia Stieneker - In der Neuköllner „Spore“ breiten Terrorverharmloser und Szeneaktivisten ihr Weltbild aus. Nicht nur die Integrationsbeauftragte ist entsetzt.

    An einem Donnerstagabend im September in Neukölln. Auf dem Podium der „Spore Initiative“ diskutieren die Teilnehmer, ob die Gewalttaten der islamistischen Terrormiliz Hamas nicht im Grunde legal seien. Die Politikwissenschaftlerin Helga Baumgarten sagt, sie weigere sich, den Begriff Terrorismus zu verwenden. Dieser werde heute „inflationär benutzt“. Die Palästinenser hätten bei der ersten Intifada bloß einen „unbewaffneten Aufstand“ durchgeführt. Auch von Notwehr spricht sie.

    Helga Baumgarten war als Professorin an der Universität Bir Zait im Westjordanland tätig. Vom Publikum der Spore erhält die umstrittene Politikwissenschaftlerin immer wieder Beifall. Der Titel des Abends lautet: „Das Recht auf Widerstand unter Terrorverdacht“.

    Laut Selbstdarstellung geht es um Respekt und Inklusion

    Offiziell versteht sich die „Spore Initiative“ in der Neuköllner Hermannstraße als Ort für „ökologische Regeneration, gemeinschaftliche Teilhabe und Wissensaustausch“. So steht es auf der Homepage. Es gehe um Inklusion, Respekt und Solidarität. Doch statt als Hort des Respekts erscheint die Spore zunehmend als Hort von Israelhass und Antisemitismus.

    Denn Besucher berichten, diese Selbstdarstellung stehe in Widerspruch zu vielem, was sie in dem Gebäude tatsächlich erleben. Während die Proteste der radikalen israelfeindlichen Szene auf Berlins Straßen seit Anfang 2025 deutlich zurückgegangen sind, finden ihre zentralen Akteure und Vordenker in der Spore eine Bühne. Dort können sie damit rechnen, dass falsche Behauptungen nicht korrigiert werden und Sympathiebekundungen für die Hamas unwidersprochen bleiben.

    Bei der Diskussionsrunde im September sagt Helga Baumgarten, die Hamas wolle „ein freies Palästina, in dem alle Religionen und Gruppen friedlich zusammenleben können“. Auch den offenen Antisemitismus in der Gründungscharta der Hamas redet sie klein. Die Gewalt der Hamas sei Selbstverteidigung und durch das Völkerrecht gedeckt.

    Seit Frühjahr 2023 residiert die „Spore Initiative“ in einem Neubau auf einem ehemaligen Friedhofsgelände direkt neben dem Anita-Berber-Park. Das Haus an der Hermannstraße mit den modernen Glasfassaden, die die alten Friedhofsmauern und Masten des ehemaligen Flughafens Tempelhof teilweise integrieren, wurde 2025 vom Deutschen Architekturmuseum für herausragende zeitgenössische Architektur ausgezeichnet.

    United 4 Gaza Demo in Berlin Am 11.10.2025 haben sich ca. 14000 Menschen zu einer israelfeindlichen Demonstration unter dem Titel United 4 Gaza zusammengefunden. Gegen Ende der Demo gab es mehrere Festnahmen, nachdem verbotene Parolen gerufen wurden.

    _Berlin Berlin Deutschland Mitte * United 4 Gaza demonstration in Berlin On 11 10 2025 about 14000 people gathered for an anti-Israel demonstration under the title United 4 Gaza Towards the end of the demonstration there were several arrests after banned slogans were shouted , Berlin Berlin Germany center_

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    Antisraelische Proteste in Berlin. © IMAGO/Carsten Thesing

    Die Spore bietet Raum für Workshops, Diskussionen, Lesungen und Konzerte, außerdem ein Café im Erdgeschoss und einen Hörsaal. Im Eingangsbereich stehen Kinderwagen, es gibt einen Bereich zum Basteln und Spielen. Über einer Tür steht in großen Lettern: „Until Liberation“ – „Bis zur Befreiung“.

    Die Veranstaltungsreihe, in der Helga Baumgarten über die Legitimität bewaffneten Widerstands sprechen darf, nennt sich „Zeit zu reden“. Als Moderatorin fungiert meist die Journalistin Kristin Helberg. Die Runde findet regelmäßig im Auditorium der Spore statt, die Abende sind sehr gut besucht. Der jüdische Staat erscheint dann meist als Täter, antiisraelische Gewalttäter dagegen als Opfer, die von den Medien falsch dargestellt würden.

    Präsentiert werden die Abende von „Public Solidarity“, einem Medienprojekt, das die Videos der Veranstaltungen anschließend auf seine Webseite stellt. Verantwortet wird diese von Doris Ghannam, einer der wichtigsten Akteurinnen der Berliner Sektion der Boykottbewegung BDS („Boycott, Divestment and Sanctions“).

    Sobald es in der Spore um Israel und Palästina geht, prägen auffallend häufig Akteure und Narrative aus dem radikal israelfeindlichen Spektrum den Ton. Bei der „Zeit zu reden“-Veranstaltung mit Helga Baumgarten meldet sich eine Frau und stellt die rhetorische Frage, wie jemand denn bitteschön ernsthaft „die Legitimität der Hisbollah als Widerstand“ hinterfragen könne. Ein Mann erklärt, der Westen stufe die Hamas nur deshalb als Terrororganisation ein, um Palästinenser diskriminieren und in Gaza einen Völkermord legitimieren zu können. Er ruft auf, dafür zu kämpfen, dass die Hamas in Deutschland als „Befreiungsorganisation“ eingestuft wird.

    Ähnlich radikal verläuft im Oktober 2025 der Themenabend „Missverstanden, diffamiert, kriminalisiert – Palästinasolidarität in Deutschland“. Zweieinhalb Stunden lang beklagen die Podiumsteilnehmer, wie ungerecht die propalästinensischen Proteste in der Öffentlichkeit dargestellt würden. Die Bewegung sei drangsaliert, dämonisiert und entmenschlicht worden, habe „massive Repression“ und „unglaublich harte Urteile“ erlebt. In dieser Erzählung erscheint die Bundesrepublik wie ein diktatorischer Polizeistaat.

    Dass die Proteste dieser Szene maßgeblich von Extremisten organisiert wurden, wird nicht erwähnt. Die offene Verherrlichung von Terrorgruppen, die zahlreichen Gewalttaten, die Angriffe auf Pressevertreter werden großteils verschwiegen. Gewalt wird ausschließlich der Polizei zugeschrieben.

    Dafür erhalten Extremisten ein Podium. An diesem Tag ist es Qassem Massri, Mitgründer der Gruppe „Palästina Spricht“. Die Gruppe wird vom Verfassungsschutz beobachtet und als „gesichert extremistische Bestrebung“ eingestuft. Massri sagt Sätze wie: „Israel sollte auf den Leichen der Palästinenserinnen gegründet werden …“. Den Zionismus bezeichnet er als „rassistische, suprematistische, nationalistische Bewegung“, die er bis zum letzten Tag seines Lebens bekämpfen werde.

    Es ist ein Abend wie aus einem Paralleluniversum. Palästina müsse von der „deutschen Schuld“ befreit werden, heißt es. Ein Lehrer aus den Niederlanden erzählt, er sei gerade am Holocaust-Mahnmal gewesen und habe eine „israelische Delegation“ beobachtet. Daher wolle er wissen, wie stark die „Israel-Lobby“ in Deutschland sei – und wie diese „gebrochen“ werden könne.

    Es gebe „Bedarf an einer offenen, ehrlichen, differenzierten, vielleicht auch schmerzhaften Debatte zum Thema Israel und Palästina“, hatte Kristin Helberg zum Auftakt der Reihe erklärt. Man müsse „möglichst viele verschiedene Menschen zusammenbringen, um überhaupt wieder ins Gespräch zu kommen“. Doch in dem angeblich offenen Kultur- und Lernort geht es häufig nur um eine israelfeindliche Perspektive.

    Es ist eine Bühne für Terror-Apologeten, für Leute, die Gewalt als legitimes Mittel gegen jede Form von Israelsolidarität feiern. Güner Balci, Integrationsbeauftragte von Neukölln

    Gegründet wurde die Spore Initiative 2020 als Stiftung. Ihr Geldgeber ist der Unternehmer Hans Schöpflin, Erbe der Versandhausfamilie Schöpflin, die ihr Unternehmen an den Konkurrenten Quelle verkaufte. Schöpflin vermehrte sein Vermögen ab den 1980er Jahren als Risikokapitalgeber in den USA und ist heute Mäzen mehrerer Stiftungen. Seine Tochter Lisl Schöpflin und er sitzen im Stiftungsbeirat der Spore Initiative.

    Inwiefern sind die Sympathiebekundungen für Terrorgruppen, die wiederholte Dämonisierung Israels sowie die Verleugnung des Existenzrechts des jüdischen Staates mit den offiziellen Zielen der Initiative vereinbar? Der Tagesspiegel hat Hans Schöpflin angeschrieben und gefragt, ob er zu einem Interview bereit sei. Er ging nicht darauf ein.

    Auch die Nachfrage, wann ihm zum ersten Mal von Missständen berichtet wurde und was er als Gründer unternommen habe, um diese Missstände abzustellen, beantwortet Schöpflin nicht.

    Ein „Sammelbecken für Judenhass“

    Wer allerdings spricht, ist Neuköllns Integrationsbeauftragte Güner Balci. Sie beobachtet das Treiben in der Spore seit langem. Dem Tagesspiegel sagt sie, die Initiative sei ihrer Ansicht nach zu einem „Sammelbecken für Judenhass“ geworden. Was im Gewand vermeintlicher „Israelkritik“ daherkomme, entlarve sich als „Bühne für Terror-Apologeten, für Leute, die Gewalt als legitimes Mittel gegen jede Form von Israelsolidarität feiern.“

    Güner Balci spricht von einem „Schlag ins Gesicht all jener Muslime und Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, die sich mutig und vorbildlich jeder Form von Antisemitismus entgegenstellen“. Zudem handle es sich um eine „Kriegserklärung an alle Palästinenser, die sich nicht mit der mörderischen Hamas-Ideologie gemein machen wollen.“

    In der Spore, warnt Neuköllns Integrationsbeauftragte, dockten Inhalte „unverhohlen an wachsenden Judenhass in migrantischen Milieus und extremistischen Szenen an“. Es sei bestürzend zu sehen, dass ein derartiges Projekt im Herzen Neuköllns ausgerechnet von einem Mitglied einer Familie gegründet wurde, deren „Eltern- und Großelterngeneration in der Hitler-Zeit zum gehobenen NS‑Schergenkreis gehörte, der von Vertreibung, Entrechtung und Vernichtung jüdischer Nachbarn massiv profitiert hat“.

    Wie stark die Verbindungen aus der radikal israelfeindlichen Szene in die Spore reichen, zeigt auch das Personaltableau. Ein Beispiel ist Esra Gültekin, die Veranstaltungskoordinatorin. Auf der Website der Spore wird sie als „engagierte Fotojournalistin“ gepriesen.

    Das kommt nicht von ungefähr: Seit dem 7. Oktober 2023 dokumentiert Gültekin antiisraelische Proteste in Berlin, die sie allerdings ikonografisierend inszeniert. Zu ihren Motiven gehören prominente Akteure der radikal israelfeindlichen Szene und Vermummte, die mit Kufiyas oder rotem Hammer-und-Sichel-Tuch posieren, während ihnen das Licht im Hintergrund eine Art Heiligenschein zu verleihen scheint.

    Wiederholt tritt Gültekin auf Instagram als „Collab-Partner“ extremistischer Gruppierungen auf, zum Beispiel von „Young Struggle“. Bei dieser Gruppe handelt es sich laut Verfassungsschutz um eine der „aktivsten extremistischen Akteure in Bezug auf Mobilisierung, Organisation und Teilnahme an propalästinensischen Versammlungen“. Gültekin agierte auch als „Collab-Partner“ der trotzkistischen Gruppierungen „Arbeiterinnenmacht“ sowie „Sozialismus von unten“. Beide konnten bereits Vertreter aufs Spore-Podium schicken.

    Bei all dem fällt auf, wie stark in der Spore sprachlich und argumentativ daran gearbeitet wird, antisemitische Vorfälle umzudeuten oder zu relativieren. Bei der Veranstaltung zur „Palästinasolidarität in Deutschland“ erklärt eine Podiumsteilnehmerin, es würde helfen, wenn der Begriff „israelbezogener Antisemitismus“ wieder verschwände. Ein Teilnehmer lehnt den Begriff Antisemitismus an sich ab: Er spreche lieber von antijüdischem Rassismus, denn Antisemitismus sei ein europäisches rassistisches Phänomen und die Palästinenser seien ja selbst Semiten.

    Die Moderatorin Kristin Helberg berichtet an diesem Abend, wie sie selbst als Korrespondentin durch die besetzten Gebiete gereist sei und Palästinenser häufig bei Interviews gebeten habe, bestimmte Sätze zu wiederholen, aber dabei auf das Wort Jude zu verzichten. Sie habe nämlich jeweils nachgefragt und erfahren, dass die Interviewten eigentlich gar nicht die Juden an sich, sondern die israelische Armee gemeint hätten. In diesen Fällen habe sie jeweils gefragt: „Können Sie das noch mal sagen?“ So verhinderte Helberg, dass die Übersetzung antisemitisch klang.

    Foto
    Spore Initiative in der Hermannstraße
    Das Kulturhaus der „Spore Initiative“ grenzt direkt an den Anita-Berber-Park.© Tagesspiegel/Lydia Hesse

    Vom Anspruch von „Zeit zu reden“, viele Perspektiven wieder miteinander ins Gespräch zu bringen, bleibt wenig übrig, wenn Vertreter extremistischer Positionen die Diskurshoheit haben. In Medien- und Politikwissenschaft wird das Konzept der False Balance diskutiert, also die verzerrende Gleichsetzung extremer und gemäßigter Positionen in öffentlichen Debatten. Für die Spore greift selbst dieser Begriff zu kurz. Denn hier werden extreme Positionen nicht bloß neben andere gestellt, sondern treten oftmals als selbstverständlicher Ausgangspunkt auf. Sie dominieren.

    In der Spore darf der BDS-Campaigner Lucas Febraro eine Podiumsdiskussion moderieren und den BDS-Aktivisten Shir Hever zum Erfolg der Kampagne BDS befragen. In der Spore kann Merchandising mit Slogans wie „There is only one solution: Intifada Revolution“ oder „Viva viva Intifada: long live the resistance“ angeboten werden. Auch die israelfeindliche Aktivistin Greta Thunberg war bereits mehrfach zu Gast.

    Im Februar 2025 stört sich eine Podiumsteilnehmerin daran, dass Deutsche zwar die aktuelle israelische Regierung kritisieren, aber nicht den Staat. Man unterscheide ja auch nicht zwischen amerikanischem Staat und amerikanischer Regierung. „Damit müssen wir aufhören“, fordert die Teilnehmerin.

    Moderatorin Helberg übernimmt: „Und das ist genau das große Problem in Deutschland, wirklich, das ist die knifflige Frage für Deutschland. Weil wir uns mit der Staatsräson wirklich klar aussprechen für das Existenzrecht des Staates Israel als jüdischer und demokratischer Staat. Das ist das große Problem in Deutschland ...“

    Landkarten zum Ausmalen – ohne Israel

    Auch der Aktivist Salah Said ist in der Spore willkommen. Als Teilnehmer einer Podiumsdiskussion erklärt er, Israel sei eine „absolute Propagandamaschine“, die die Geschichte verfälscht habe, und betreibe eine seit 76 Jahren andauernde „ethnische Säuberung“. Es gehe ihm nicht nur um die israelische Regierung, sagt Said, sondern um die israelische Gesellschaft – um Menschen, die bis heute sagen: „Ich lebe in Israel, und das ist mein Recht.“ Said sagt dazu: „I’m sorry, it’s not!“ Auch hier brandet Applaus auf.

    Neben der polizeibekannten Aktivistin Yasemin Acar zählt Salah Said zu den wichtigsten Köpfen des Netzwerks „PA Allies“, das die radikal israelfeindlichen Proteste der vergangenen Jahre in Berlin wesentlich mitgeprägt hat.

    „PA Allies“ durfte in der Spore bereits mehrfach zum „Familienfest für Gaza und seine Kinder“ laden. Das Programm versprach „Spiele und Bastelspaß“ sowie Kinderschminken, doch Aufnahmen auf Social Media zeigen verstörende Details: Auf einem Tisch liegt Werbematerial für eine extremistische Demonstration. Kinder malen Landkarten aus, auf denen es keinen Staat Israel mehr gibt.

    Die israelfeindliche Initiative „Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ nutzt die Räume der Spore ebenfalls für Veranstaltungen. Die personell recht überschaubare Initiative, die vom deutschen Inlandsnachrichtendienst als gesichert extremistisch eingestuft wird, gibt immer wieder vor, für die gesamte jüdische Community zu sprechen. Und sie verbreitet Positionen, die Gewaltakte relativieren oder politisch legitimieren.

    Die linke und Antisemitismus-kritische Monitoringgruppe „Amit“, die das Programm der Spore über längere Zeit beobachtet hat, beschreibt einen massiven Widerspruch zwischen der offiziell propagierten ökologischen Ausrichtung und der antiisraelischen Agenda vieler Veranstaltungen: „Quantitativ steht die notorische Beschäftigung mit Israel dort in deutlichem Missverhältnis zu anderen Themen.“ In diversen Veranstaltungen werde antiisraelischer Terrorismus verherrlicht.

    In dem Gebäude fänden „dubiose NGOs mit Verbindungen zur Terrorgruppe PFLP genauso ihren Platz wie Gäste, die den Hamas-Sprecher Abu Obeida auf ihrem T-Shirt präsentieren“, sagt ein Sprecher von Amit. In Lesekreisen könne man sich die theoretischen Grundlagen des Terroristen Bassel al-Araj erarbeiten. Zahlreiche Aufnahmen, die dem Tagesspiegel vorliegen, bestätigen die Angaben. Der Amit-Sprecher sagt: „Indem Radau-Antizionisten regelmäßig in der Spore zu Gast sind, werden ihre radikalen Positionen salonfähig. Man gewöhnt sich daran.“

    #Berln #Neukölln #Hermannstraße #Palästina #Kultur

  • Aus kriegszerstörzen Gebäuden Berlins wird Trümmerschutt
    https://berlingeschichte.de/stadtentwicklung/index.html

    Infolge der gewaltigen K. in Berlin fielen 1945 (späteren Schätzungen zufolge) etwa 70 bis 90 Mill. m³ Schutt und Bruchsteine an, das entsprach etwa 15 Prozent der gesamten deutschen Trümmermenge. Mindestens 45 Mill. m³ t. lagerten in Berlin-West, mindestens 30 Mill. m³ in Berlin-Ost. Ihre Beseitigung Trümmerfrauen war die Vorbedingung für den Wiederaufbau der Stadt. Die Kosten der Enttrümmerung Enttrümmerung schätzte der Magistrat im Januar 1946 auf etwa 1,45 Mrd. RM. Es wurde eine „Trümmerbahn“ auf Schmalspurgleisen in einer Länge von 45 km angelegt. Zunächst deckte man mit dem Schutt Bombenkrater, Schützengräben, Luftschutzeinrichtungen und andere Kriegs- und Nazirelikte zu. Ein anderer Teil wurde zu Verladerampen an der Spree gefahren und per Kahn in die Provinz Brandenburg abtransportiert (Transportkosten für einen Kubikmeter auf 3 km: 2,20 DM). Vor allem aber wurden mit großen Mengen des t. künstliche Hügel aufgetürmt, begrünt und zu Erholungsparks umgestaltet.

    Der erste Berliner #Trümmerberg entstand hinter dem Ausstellungsgelände am Funkturm, zahlreiche weitere folgten. Der größte Berg aus dem t. der Stadt entstand zwischen 1950 und 1972 am Nordrand des Grunewalds nahe dem Teufelssee aus 26 Mill. m³ t. Dieser „#Teufelsberg“ ist mit 115 m über NN gemeinsam mit den Müggelbergen (Bezirk Köpenick) die höchste Erhebung Berlins. Ähnlich riesige Trümmeraufschüttungen entstanden im #Friedrichshain, wo etwa eine Million m³ t. zu zwei gewaltigen Hügeln über gesprengten ehemaligen Flakbunkern aufgehäuft wurden: dem 52 m hohen Kleinen Bunkerberg , der eine Rodelbahn erhielt und dem 78 m hohen „#Mont_Klamott“, dem Großen Bunkerberg mit Aussichtsplateau. Auch die sog. #Oderbruchkippe an der #Oderbruchstraße ziert ein 89 und 91 m hoher Doppelgipfel im heutigen #Volkspark_Prenzlauer_Berg. Weitere bekannte große Trümmerberge sind die 86 m hohe #Humboldthöhe im #Volkspark_Humboldthain, der 75 m hohe „#Insulaner“ im Bezirk #Schöneberg, die 73 m hohe #Marienhöhe im Bezirk #Tempelhof, die 70 m hohe #Rixdorfer_Höhe im #Volkspark_Hasenheide sowie die 60 m hohe #Rudower_Höhe an der Grenze zwischen #Neukölln und #Köpenick.
    Die gärtnerisch gestalteten und teilweise dicht bewaldeten Hügel ergänzen heute harmonisch die Naturlandschaft und lassen ihre Herkunft als Trümmerberge kaum noch erkennen. Sie dienen der Erholung und Freizeitbeschäftigung der Bevölkerung (u.a. als Rodelberge).

    #Berlin #Krieg #Nachkriegszeit #Geschichte #Stadtentwicklung

  • Ahmed Abed: Nominierung der Linken sorgt für scharfe Kritik
    https://www.juedische-allgemeine.de/politik/ahmed-abed-nominierung-der-linken-sorgt-fuer-scharfe-kritik

    La principale source sioniste de langue allemand à propos d’Ahmed Abed

    21.1.2026 von Imanuel Marcus - Beim Neuköllner Kreisverband der Linkspartei sei Antisemitismus kein Randphänomen mehr, sagt Remko Leemhuis, der Direktor des AJC Berlin

    In Berlin-Neukölln sorgt die Nominierung des linken Bezirksbürgermeisterkandidaten Ahmed Abed für heftige politische Auseinandersetzungen. CDU, SPD und Grüne werfen dem Rechtsanwalt Antisemitismus vor und fordern eine klare Abgrenzung von der Linken.

    Die Neuköllner Linke hatte Abed am vergangenen Samstag mit 82,1 Prozent der Stimmen zum Kandidaten für das Amt des Bezirksbürgermeisters gewählt. Der CDU-Bezirksvorsitzende Falko Liecke bezeichnete diese Entscheidung laut »Tagesspiegel« als »Angriff auf jüdisches Leben« und warf der Linken vor, »auf Hass und Hetze« zu setzen. Zugleich forderte Liecke ein klares Signal der SPD und der Grünen, jede Zusammenarbeit mit der Linken auszuschließen.

    Auch die SPD äußerte sich kritisch. Die Kreisvorsitzenden Joachim Rahmann und Derya Çağlar beschrieben die Nominierung als Ausdruck einer »besorgniserregenden Entwicklung« innerhalb der Neuköllner Linkspartei. Als Beleg nannten sie die Weigerung der Linken, Übergriffe auf die Neuköllner Kneipe »Bajszel« als antisemitisch zu verurteilen. Das Lokal ist wiederholt Ziel von Angriffen gewesen, weil es sich offen gegen Antisemitismus positioniert.
    Hausanwalt der antisemitischen Szene

    Die Grünen zeigten sich ebenfalls skeptisch, ob eine Zusammenarbeit mit der Linken künftig möglich sei. Die Co-Vorsitzenden Chris Hilmer-Benedict und Meike Berg betonten, man setze sich für »sichere Mobilität, sozial gerechten Klimaschutz und saubere Parks« ein und kämpfe für ein »offenes und gerechtes Neukölln«, in dem »Rassismus und Antisemitismus selbstverständlich keinen Platz haben«.

    Der Direktor des AJC Berlin, Remko Leemhuis, erklärte, die Tatsache, dass Ahmed Abed als Anwalt »Israelhasser und Antisemiten« vor Gericht vertrete, lasse sich in einem Rechtsstaat, in dem jede Person Anspruch auf anwaltliche Vertretung habe, zunächst nicht automatisch gegen ihn als Person wenden. »Allerdings endet diese Neutralitätsannahme dort, wo aus punktueller Mandatsübernahme faktisch mittlerweile eine dauerhafte Rolle als Hausanwalt einer klar identifizierbaren antiisraelischen und antisemitischen Szene geworden ist«, sagte Leemhuis der Jüdischen Allgemeinen. »In einem solchen Fall lässt dies den Schluss zu, dass zwischen Anwalt und Mandanten nicht nur ein berufliches, sondern auch ein politisches und ideologisches Näheverhältnis besteht.«

    Diese Vermutung wird Leemhuis zufolge durch Abeds eigenes politisches Handeln außerhalb des Gerichtssaals bestätigt: »Er lehnt seit Jahren systematisch Resolutionen gegen Antisemitismus sowie Beschlüsse zur Solidarisierung mit jüdischen Opfern ab und begründet dies regelmäßig mit angeblicher ›Einseitigkeit‹. Damit stellt er den Schutz jüdischen Lebens nicht als Selbstverständlichkeit dar, sondern als eine verhandelbare Größe.«
    Stichwortgeber auf antisemitisch aufgeladenen Demonstrationen

    Laut Leemhuis wiegt es »besonders schwer«, dass Abed »die anhaltenden antisemitischen Angriffe auf die Israelsolidarische Kneipe im Bezirk, das ›Bajszel‹, nicht einmal verbal verurteilen kann. Wer dazu nicht in der Lage oder nicht willens ist, disqualifiziert sich selbst für ein Amt, das den Anspruch erhebt, für alle Neuköllnerinnen und Neuköllner zu sprechen.«

    Vor diesem Hintergrund überrasche es kaum, dass Abed auch als Stichwortgeber auf antisemitisch aufgeladenen Demonstrationen auftrete, in deren Kontext es wiederholt zu Gewalt gegen Journalistinnen und Journalisten sowie gegen Israelis gekommen sei. »Auch hier fehlt jede erkennbare Distanzierung«, sagte Remko Leemhuis.

    »Darüber hinaus ist Abeds Nominierung Ausdruck einer langjährigen innerparteilichen Entwicklung des Kreisverbandes der Linken Neukölln«, so Leemhuis. »Er steht nicht am Anfang, sondern am Endpunkt eines politischen Prozesses, in dem der Neuköllner Landes- und Kreisverband der Linken immer offener und ungenierter zeigt, wo er politisch steht. Antisemitismus ist dabei kein Randphänomen mehr, sondern ein strukturelles Problem, das sich auch an anderen Akteuren abzeichnet und inzwischen so tief verankert ist, dass kaum noch begründete Hoffnung auf Selbstkorrektur besteht.«
    Bürgermeister Bat Yams als »Völkermörder« bezeichnet

    Auch für die Bundespartei stelle sich die Frage, wie lange sie bereit sei, einen solchen Kreisverband zu dulden – und ob sie bereit ist, den daraus entstehenden politischen, moralischen und gesellschaftlichen Schaden weiter in Kauf zu nehmen, erklärte Leemhuis. »Bedauerlicherweise deutet die derzeitige Lage auch auf Bundesebene nicht darauf hin, dass ernsthafte Konsequenzen zu erwarten sind oder ein Kurswechsel bevorsteht. Denn auch die Bundespartei hat spätestens seit dem Bundestagswahlkampf wiederholt erkennen lassen, dass sie – von wenigen Ausnahmen abgesehen – kein grundsätzliches Problem damit hat, Antisemiten und israelfeindliche Akteure in den eigenen Reihen zu dulden«, so Remko Leemhuis gegenüber dieser Zeitung.

    Kern der von vielen Seiten geäußerten Kritik sind Abeds frühere Äußerungen und Aktivitäten: Im Oktober hatte er den Bürgermeister der israelischen Partnerstadt Bat Yam, Tzvika Brot, als »Völkermörder« bezeichnet. Zudem war Abed als Redner bei Demonstrationen präsent, bei denen es zu Angriffen auf Juden und zum Verbrennen von Israelfahnen kam. Als Rechtsanwalt vertritt Abed zudem die antisemitische BDS-Bewegung, die Sanktionen und Boykottmaßnahmen gegen Israel fordert.

    Der neue Antisemitismus- und Queerbeauftragte des Bezirksamts Neukölln, Carl Chung, erklärte auf Anfrage, die Ergebnisse der demokratischen Wahl von Kandidatinnen und Kandidaten für die Bezirksverordnetenversammlung und das Bezirksamt von Neukölln durch die Parteien und Wählergemeinschaften habe er zu respektieren und nicht zu kommentieren. Er sprach sich jedoch dafür aus, »in der politischen Debatte über die Mitwirkung der Parteien an der politischen Willensbildung der bürgerschaftlichen Gemeinschaft des Bezirks nicht aus dem Blick zu verlieren, dass nicht nur nach dem Eindruck der meisten Betroffenen, sondern auch nach Maßgabe der Fallzahlen der Eingangsstatistik des Kriminalpolizeilichen Meldedienstes sowohl die LBSTIQ-feindlich als auch die antisemitisch motivierten Straftaten das größte Fallaufkommen im Bereich der vorurteilsgeleiteten Delikte in Neukölln ausmachen.«

    Sicherheit nachhaltig beeinträchtigt

    »In den letzten Jahren haben diese Straftaten – im Zusammenhang mit queerfeindlichen und antisemitischen Vorfällen unterhalb der Schwelle zur Strafbarkeit – ein Ausmaß erreicht, dass den Lebensalltag der durch diese Hasskriminalität Bedrohten prägt und nicht nur ihr Recht auf gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, sondern auch ihre Sicherheit nachhaltig beeinträchtigt«, schrieb Chung dieser Publikation. »Die massive Zunahme des offen ausgelebten Antisemitismus – insbesondere des israelbezogenen Antisemitismus – droht nicht zuletzt, die zaghafte Wiederkehr jüdischen Lebens in Neukölln zu beenden.«

    Auch Volker Beck, der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) äußerte sich: »Ahmed Abed steht nicht für Palästina-Solidarität, sondern für eine Verteufelung Israels. Mit seiner Wahl hat sich die Linke entschieden, offensiv auch um antisemitische Stimmen zu werben«, sagte er der Jüdischen Allgemeinen.

    Beck fügte hinzu: »Dieses Manöver wird den Charakter nachhaltig verändern: Um seine Kandidatur zu verteidigen, haben sich die Parteivorsitzende Ines Schwerdtner und Bundesgeschäftsführer Janis Ehling bereits um Kopf und Kragen geredet. Ehling setzte den demokratisch gewählten Bürgermeister von Neuköllns Partnerstadt Israels mit den diktatorisch regierenden Mörder-Mullahs gleich.« Becks Fazit: »Die Linke verabschiedet sich mit der offenen Übernahme von antisemitismusoffenen Kandidaten von ihrer antifaschistischen Tradition.«

    Ahmed Abed selbst antwortete nicht auf eine an den Vorstand der Linken in Neukölln geschickten Anfrage. Elif Eralp, die Spitzenkandidatin der Linken für die am 20. September anstehende Abgeordnetenhauswahl erklärte gegenüber dem »Tagesspiegel«: »Die Entscheidung über die Kandidaturen für die Wahl zu den Bezirksverordnetenversammlungen ist allein Sache des jeweiligen Bezirksverbandes«.

    „Völkermörder!“: Nach dem Linken-Eklat in Neukölln - Jetzt spricht Bat Yams Bürgermeister
    https://www.juedische-allgemeine.de/politik/voelkermoerder-nach-dem-linken-eklat-in-neukoelln-jetzt-spricht

    Tzvika Brot ist Bürgermeister von Bat Yam Foto: Municipality Bat Yam

    17.10.2025 von Detlef David Kauschke - Bat Yams Bürgermeister Tzvika Brot wurde bei einem Besuch in Berlin-Neukölln von Fraktionschef der Linkspartei als Völkermörder beschimpft. Im Interview spricht er über den Vorfall und die Zusammenarbeit zwischen deutschen und israelischen Kommunen

    Herr Brot, Sie waren zu einem zweitägigen Besuch in Berlin-Neukölln. Bei Ihrer Rede vor der Bezirksverordnetenversammlung kam es am Mittwoch zum Eklat: Der Fraktionschef der Linken, Ahmed Abed, hat Sie als »Völkermörder« beschimpft und gesagt, Sie seien nicht willkommen. Wie haben Sie das erlebt?
    Wissen Sie, ich bin Enkel von Holocaust-Überlebenden. Ich kam, um mit Bürgermeister Martin Hikel über die Zukunft, über Hoffnung und Zusammenarbeit zu sprechen. Wenn zwei Völker eine dunkle Geschichte teilen, können sie gemeinsam für eine bessere Zukunft arbeiten. Genau das wollten wir zeigen. Umso befremdlicher ist es, wenn jemand sagt, ich sei hier nicht willkommen. Der Vorsitzende der Linken-Fraktion handelt damit gegen diese Idee. Tatsächlich fühlte ich mich sehr willkommen: Die große Mehrheit der Repräsentanten des Bezirks kam zu mir und meiner Delegation, um sich für sein Verhalten zu entschuldigen. Ich sagte ihnen, sie müssten sich nicht entschuldigen – derjenige, der sich schämen sollte, ist der, der mich beschimpft hat. Trotzdem lächle ich über ihn, nicht aus Arroganz, sondern weil er mir leidtut. Wir leben in Demokratien, in Deutschland wie in Israel, und wir können über Meinungsverschiedenheiten diskutieren. Aber mit jemandem, der Gewalt unterstützt, kann man nicht reden.

    Sie haben es aber dennoch versucht.
    Der 7. Oktober hat sehr klar gemacht, wer für das Leben steht und wer für den Tod. Ich fragte den Abgeordneten, warum er die Hamas nicht verurteilt habe. Können wir uns nicht wenigstens darauf einigen, dass es falsch ist, Babys zu töten, Frauen zu vergewaltigen und Menschen lebendig zu verbrennen? Er schwieg. Die große Mehrheit der Deutschen und der freien Welt weiß, dass man mit solchen Menschen nicht diskutieren, sondern sie verurteilen muss – damit ihre Weltanschauung niemals zum Mainstream wird.

    Auch andere Bezirksverordnete, darunter die Chefin der Grünen-Fraktion, sollen den Saal verlassen haben. Linke und Grüne zusammen repräsentieren in Neukölln etwa ein Drittel aller Wähler. Besorgt Sie der Vorgang nicht?
    Es waren, wenn ich mich recht erinnere, vier Abgeordnete der Linken und eine der Grünen. Die überwiegende Mehrheit blieb. Das zeigt, dass diese lautstarke Minderheit nicht die Haltung des ganzen Parlaments repräsentiert. Ich finde: Man kann höflich bleiben und diskutieren. Wer aber Gespräch und Austausch verweigert, entscheidet sich letztlich für eine Form von Gewalt – auch ohne körperliche Angriffe. Wenn man mich »Mörder« nennt oder von »Völkermord« spricht, ist das nicht nur falsch, sondern gefährlich. Trotzdem gehe ich mit Hoffnung nach Hause, weil ich gesehen habe, dass die Mehrheit hier anders denkt. Bürgermeister Hikel und seine Koalition arbeiten für ein gutes Miteinander. Aber die Bundesregierung muss noch entschiedener handeln, damit extremistische Ansichten aus der politischen Arena verschwinden.
    Übrigens missbraucht Herr Abed das Recht, das ihm hier in Deutschland gewährt wird – das Recht, in einem demokratischen Land zu leben. Es ist schade, dass er nicht zum Parlament in Gaza reist, um zu sehen, was passieren würde, wenn er dort versuchen würde, über Frauenrechte, LGBTQ-Rechte oder Meinungsfreiheit zu sprechen. Das kann er natürlich nicht, weil solche Dinge dort nicht erlaubt sind. Ich würde mich auch freuen, wenn sich die Fraktionsvorsitzende der Grünen etwas mehr mit diesem Thema befassen würde, um mehr Professionalität in dieser wichtigen Frage zu zeigen. Was würde beispielsweise mit ihr in Gaza passieren, wenn sie dort versuchen würde, über das Programm ihrer Partei zu sprechen, wie Frauenrechte oder Meinungsfreiheit?

    Aktuell gibt es erneut Drohungen gegen die Neuköllner Kulturkneipe »Bajszel«. Sie sind mit Hamas-Symbolen und einer »Warnung für alle Zionisten in Berlin und Neukölln« aufgetaucht. Haben Sie etwas davon mitbekommen?
    Ja, ich habe die angespannte Stimmung gespürt. Meine Sicherheitskräfte ließen mich nicht einmal allein die Straße überqueren, um etwas einzukaufen. Das ist kein normales Leben. Aber das Problem liegt nicht bei uns, sondern bei denen, die Hass verbreiten und Gewalt befürworten. Manche sagen dann, Juden sollten besser zu Hause bleiben – das ist, als würde man Frauen auffordern, nicht auf die Straße zu gehen, weil sie Opfer von Übergriffen werden könnten. Das ist eine Täter-Opfer-Umkehr. Wir dürfen der Gewalt nicht weichen. Diese extremen Ansichten werden nur von einer Minderheit vertreten, aber die Mehrheit muss lauter werden und klar sagen, dass Gewalt niemals eine Lösung ist. Und ich warte immer noch darauf, auf Twitter die Verurteilungen von Herrn Abed und der Vorsitzenden der Grünen Partei bezüglich der antisemitischen Angriffe in ihrer Stadt zu lesen.

    In der Neuköllner Sonnenallee wurde am 7. Oktober 2023 und danach offen der Hamas-Terror gefeiert. Wie sehen Sie das Zusammenleben in dem Bezirk?
    Ich habe viele Muslime getroffen, die sich ausdrücklich gegen Antisemitismus und Gewalt stellen. Natürlich gibt es innerhalb dieser Gemeinschaft auch eine kleine Gruppe, die radikale Ansichten teilt. Aber sie ist in der Minderheit. Das Problem ist die schweigende Mehrheit. Wir alle – egal welcher Herkunft – müssen laut und deutlich sagen, dass Gewalt und Hass falsch sind. Schweigen bedeutet Mitverantwortung. Wenn sich die Mehrheit bekennt, ist schon die Hälfte des Problems gelöst.

    Israel ist international zunehmend isoliert. Sehen Sie dennoch eine Zukunft für die kommunalen Beziehungen?
    Ja, absolut. Natürlich gibt es international Spannungen, aber gleichzeitig erleben wir das Gegenteil: Immer mehr Länder wollen sich dem Abraham-Abkommen anschließen. Selbst Staaten wie Saudi-Arabien oder Indonesien zeigen Interesse. Das geschieht, weil Israel Stärke zeigt. Extremisten respektieren keine Schwäche, aber sie respektieren Stärke. Ich glaube, dass der aktuelle Antisemitismus auch deshalb wieder auflebt, weil manche dachten, Israel sei nach dem 7. Oktober geschwächt. Das Gegenteil ist der Fall.

    Und wie sieht es mit den Städtepartnerschaften, wie zwischen Bat Yam und Berlin-Neukölln, aus?
    Ich bin sehr optimistisch. Die Partnerschaft zwischen Bat Yam und Neukölln funktioniert hervorragend. Martin Hikel ist ein wahrer Unterstützer Israels. Er hat sich mutig dafür entschieden, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen. Neuköllns Bürgermeister und ich arbeiten seit Jahren eng zusammen. Nehmen Sie nur das Beispiel der öffentlichen Gesundheit: Während der Covid-Pandemie haben sich unsere Fachkräfte über Zoom ausgetauscht, um sich gegenseitig zu helfen und voneinander zu lernen. Und wir arbeiten im Bildungsbereich zusammen. Wir haben Umweltfragen, Jugendaustausch und vieles mehr diskutiert. Lokale Politik kann Brücken bauen, wo nationale Regierungen oft scheitern. Leider gibt es auch Städte in der Türkei, die nach Kriegsbeginn ihre Partnerschaften mit uns beendet haben. Dabei sollten gerade lokale Führungskräfte Brücken zwischen Menschen bauen. Und genau das tun wir in den Beziehungen zu Neukölln gerade, und zwar sehr erfolgreich. Ich kehre voller Hoffnung nach Hause zurück.

    Mit dem Bürgermeister von Bat Yam sprach Detlef David Kauschke.

    #Berlin #Neukölln #politique #Die_Linke #sionisme

  • „Angriff auf jüdisches Leben“ : Kritik an Linke-Kandidat Abed in Neukölln wächst
    https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/linke-in-neukoelln-unter-druck-kandidat-ahmed-abed-polarisiert-part

    Le parti Die Linke s’est arrangé avec le régime philosemite allemand et suit la ligne imposée par les instances politiques et médiatiques du pouvoir par rapport à tout sujet juif. Á Berlin-Neukölln l’élection de l’avocat Ahmed Abed comme candidat aux les élection municipales en septembre fait scandale car il.ne suit pas la pensée unique qui définit la défense de l’état d’Israël comme raison d’être de l’état allemand.

    21.1.2026 vin Jana Hermann - Streit um Linke-Kandidat in Neukölln: Vorwürfe von Antisemitismus und scharfe Kritik prägen die Schlagzeilen. Parteivorsitzende Schwerdtner spricht von einer „Kampagne“.

    In Neukölln beginnt der Bürgermeisterwahlkampf mit einem Knall: Die Linke hat Ahmed Abed, Fraktionsvorsitzender der Bezirksverordnetenversammlung, zu ihrem Kandidaten gekürt. Die Nominierung heizt eine Debatte über Antisemitismus, politische Verantwortung und die Haltung der Partei im Nahostkonflikt an.

    In diesem Konflikt äußerte sich zuletzt auch die Parteivorsitzende Ines Schwerdtner auf der Plattform X: Sie spricht von einer „Hetzkampagne gegen unseren Genossen und den Bürgermeisterkandidaten“ und sieht die Kritik an Abed offenbar als Teil eines breiteren politischen Angriffs auf den sozialen Kurs der Partei.

    Schwerdtner selbst ist seit 2024 Bundesvorsitzende der Linke und steht für einen sozialistischen und gewerkschaftsnahen Parteiflügel.
    Kritik an der israelischen Politik

    Was wird dem Kandidaten vorgeworfen? Abed ist Rechtsanwalt und seit Jahren in der Neuköllner Kommunalpolitik aktiv. Er gilt als Kritiker der israelischen Politik und ist mehrfach mit scharfen Formulierungen gegenüber israelischen Repräsentanten in Erscheinung getreten. Etwa als er im Oktober bei einem offiziellen Anlass den Bürgermeister der israelischen Partnerstadt Bat Yam im Rathaus als „Völkermörder“ bezeichnete – ein Auftritt, der parteiübergreifend Empörung auslöste.

    Diese und ähnliche Äußerungen stehen im Zentrum der Kritik, die nun von der AfD sowie von CDU, SPD und Grünen geübt wird. Der CDU-Bezirksvorsitzende Falko Liecke bezeichnete die Kandidatur Abeds als „Angriff auf jüdisches Leben“ und warnte vor einer weiteren gesellschaftlichen Spaltung. Auch Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) kritisierte die Entscheidung scharf.

    Auch medial flammt die Debatte auf: Kommentatoren wie Gunnar Schupelius von der B.Z. werfen der Neuköllner Linke vor, mit der Nominierung eine „rote Linie“ überschritten zu haben, und warnen vor möglichen Konsequenzen für das Vertrauen in demokratische Politik.

    Innerhalb der Linke hingegen gibt es parteinahe Unterstützung. Vertreter etwa aus dem Kreisverband Steglitz-Zehlendorf erklärten sich solidarisch mit Abed und betonen, er setze sich seit Jahren für soziale Gerechtigkeit und die Interessen benachteiligter Gruppen ein.
    Wessen Kampagne?

    Der Begriff „Kampagne“, den die Parteivorsitzende einbringt, dürfte weniger eine koordinierte Medienaktion beschreiben, als viel eher eine Debatte über legitime politische Positionen und deren Abgrenzung, besonders in Fragen von Antisemitismus, Nahostpolitik und dem Umgang mit symbolisch belasteten Aussagen.

    Die Partei und Sympathisanten hingegen werten jegliche kritische Berichterstattung als gezielten Versuch, die Linke und ihren Bezirkspolitiker politisch zu schwächen.

    #Berlin #Neukölln #politique #Die_Linke #philosemitisme

  • Kneipenabend unter Woken: In Neukölln darf man nur mit der richtigen Moral saufen
    https://www.berliner-zeitung.de/panorama/woker-kneipenabend-auch-als-zionist-kann-man-in-neukoelln-trinken-g

    Was für eine dumme Idee, nach dem dritten Drink über Politik reden zu wollen. Das geht nie gut aus. Immerhin fahren der Autor und Seine Daufbekanntschaften #Taxi und nicht #Uber. Ein Rest Verstand und common sens sind bei ihnen also noch vorhanden.

    6.12.2025 von Clint Lukas - Wo man früher sorglos trinken konnte, wird man heute von aufgeregten Menschen moralischen Kreuzverhören unterzogen. Selbst in der letzten Klitsche geht es ums große Ganze.

    Seit zwei Jahren gehe ich nur noch nach Neukölln, wenn es unbedingt sein muss. Das liegt in erster Linie an meiner Bequemlichkeit. Wie die meisten Menschen habe ich aber ein moralisches Wertesystem. Und kann es nur schwer ertragen, wenn diesem System etwas entgegengesetzt wird – zum Beispiel andere moralische Werte. Ich schätze, ich stehe mit diesem Problem nicht allein da.

    Nun kann ich mich jedoch an eine andere Zeit erinnern. Früher, sagen wir mal vor zehn Jahren, konnte man einfach mit anderen Menschen trinken gehen, ohne alle paar Minuten über ein Reizthema zu stolpern und deswegen in Streit zu geraten. War das nicht schön? Ist die Welt so viel komplizierter geworden?
    Riskiere doch mal wieder was!

    Neulich feierte eine Kollegin ihr 25-jähriges Berlin-Jubiläum und lud mich zu einer Party in einem Café im Schillerkiez ein. Mein Komfortzonen-Sensor schlug sofort Alarm. Doch dann dachte ich: Jetzt sei mal nicht so. Was ist aus dem furchtlosen Clint geworden, der sich früher in jede noch so dunkle Ecke getraut hat? Riskiere doch mal wieder was!

    Im besagten Café bestelle ich mir ein Bier und wage einen Rundumblick. An den Tischen sitzen Mütter mit Kinderwagen, außerdem das ein oder andere Pärchen. Sieht fast aus wie in Mitte. Dann gehe ich in den angrenzenden Raum, in dem die Party stattfindet. Das Publikum ist hier wesentlich bunter. Ein junger Mann, der gerade wild gestikulierend auf einen anderen einredet, sieht so aus, als käme er direkt aus einem revolutionären Wüsten-Trainingslager.

    Da meine Kollegin von ihren Gästen umringt ist, setze ich mich auf ein Sofa in der hintersten Ecke des Raumes. Erstmal die Lage sondieren, denke ich. Doch es dauert keine zwei Minuten, da werde ich in das erste Gespräch verwickelt. Die Einstiegsfrage dreht sich um mein Verhältnis zur Gastgeberin.

    „Und woher kennt ihr euch? Ach, das ist ja lustig. Bei mir ist es tatsächlich so, dass unsere Söhne in dieselbe Kita gegangen sind.“

    Auf die Art werde ich über die Lebensgeschichten von etlichen Partygästen unterrichtet. Ein kroatisches Paar, das Stress mit dem Vermieter hat. Ein Straßenpoet, der die letzten fünfzehn Jahre seiner Karriere rekapituliert. Eine ältere Dame mit einem Kerzenladen. Ein Besucher aus Hamburg mit einer ausgeprägten Vorliebe für Tee. Ich nehme an, es ist okay, dass sie mich alle so ungefragt volllabern. Das ist nun mal das Konzept einer Party. Interessant wird es erst, als eine etwa 55-jährige Poetry-Slammerin eine Anekdote zum Besten gibt.

    Politische Diskussionen im Kneipenumfeld

    „Neulich bin ich um zwei Uhr nachts über den Oranienplatz gegangen und hab dabei gesehen, wie so ein Typ ein ‚Death to the IDF‘-Plakat von einer Wand reißen wollte. Dem hab ich natürlich gesagt, dass er das lassen soll! Ist doch keine Art. Ich meine, diese Plakate sind ein Ausdruck des Protestes und man kann doch nicht einfach …“

    „Darf ich dich kurz unterbrechen?“, sage ich. „Ich will an der Stelle nur klarstellen, dass ich ein großer Fan der IDF bin.“

    „Das ist ein Scherz, oder?“, ruft sie entsetzt.

    „Nein. Wie kann man denn was gegen eine so gutaussehende Armee haben? Oder ihr gar den Tod wünschen? Du weißt schon, dass darin mehr Frauen dienen als irgendwo sonst auf der Welt? Kollidiert das nicht mit deinem Feminismus?“

    „Aber die töten Kinder! Außerdem ist es die mächtigste Armee, die es gibt. Da muss man doch aus Prinzip Widerstand leisten.“

    „Ich sehe, du bist Romantikerin.“

    Obwohl mich die Ansichten der guten Frau maximal triggern, beschließe ich, meinem guten Vorsatz dieses Tages treu zu bleiben. Wir gehören alle zur gleichen Menschheit. Über den Bieren und den zwanglosen Grundsatzdiskussionen wird es schließlich so spät, dass der Barkeeper die Sperrstunde ausruft. Ich ziehe mit dem Rest vom Schützenfest weiter. Das sind: Meine Kollegin und ich, eine Britin mit dem ruppigen Auftreten einer Suffragette, der Poetin, die es okay findet, jüdische Soldaten zu töten, sowie dem Tee-Enthusiasten. Wir landen im Bäreneck, wo sowohl die Barfrau als auch die wenigen Gäste von den Themen befremdet scheinen, mit denen wir so nonchalant in den Laden platzen.
    Die Kirche einfach im Dorf lassen

    „Also bist du für Genozid?“, kreischt mich der Tee-Lover an.

    „Ach, komm. Nun lass mal die Kirche im Dorf. Willst du ein Bier? Ich spendiere eine Runde.“

    Aber es hilft alles nichts. Kaum darf der Nahostkonflikt für einen Moment ruhen, beginnen meine nächtlichen Mitstreiter die Trans-Frage zu erörtern. Mit zusammengebissenen Zähnen und düsteren Blicks schießen sie ihre Argumente in den Äther. Ich kann irgendwann nicht mehr an mich halten.

    „Boah, können wir nicht über was Fröhliches reden? Es ist zwei Uhr früh an einem Montagmorgen. Wir sind alle besoffen. Wir haben keine Kontrolle über unser Leben. Lasst uns doch einfach mal Spaß haben.“

    Das ist zu viel für den Teetrinker. Wutentbrannt springt er auf.

    „Mir reicht’s!“, brüllt er. „Du verteidigst nicht nur den Terrorstaat Israel, jetzt willst du auch noch Frauen den Mund verbieten!“

    Nachdem er türenknallend verschwunden ist, herrscht kurz Ruhe. Dann räuspert sich die Britin und sagt: „Also das war jetzt auch nicht okay, dass er einfach so an unserer Stelle gesprochen hat.“

    Als ich mir noch einen Gin Tonic bestellen will, schüttelt die Barfrau den Kopf und weist zu meinen Begleiterinnen. Ich ahne, was sie meint. Zero Survival Skills. Man ist nun mal kein guter Gast, wenn man über die großen Zusammenhänge philosophiert, statt einfach zu saufen.

    Im Taxi Richtung Kreuzberg entspinnt sich folgender Dialog:

    „Also, ich lerne ja jetzt Arabisch.“

    „Cool“, sage ich. „Und warum? Bereitest du dich auf eine Reise vor?“

    „Äh, nein. Damit ich mich mit meinen Nachbarn hier in Berlin verständigen kann.“

    „Ach so. Sprechen die kein Deutsch, oder was?“

    „Nicht alle.“

    „Dann hilf ihnen doch, es zu lernen, indem du es mit ihnen sprichst.“

    „Wow, ganz schön übergriffig … Was lernst du denn für Sprachen?“

    „Na ja, das übliche halt. Französisch, Italienisch, keine Ahnung.“

    Wie es der Zufall will, haben wir sofort die Möglichkeit, unsere Street Credibility unter Beweis zu stellen. In einer der gesegneten Kneipen, die 24 Stunden geöffnet sind, werde ich von einem Jungen auf der Toilette gefragt, ob ich Koks haben will.

    „Nein, danke. Hab mein eigenes“, sage ich. Woraufhin sich der Junge als Ibrahim vorstellt und mir zu unserem Tisch folgt. Das macht ihn zur Zielscheibe für allerlei liberale Fragen nach seiner Herkunft, seinem Beruf, seiner Meinung zu Deutschland. Da er nur Französisch und ein paar Brocken Deutsch spricht, verstehe nur ich, dass er gelernter Glaser ist und aus Guinea kommt.

    „Sprichst du denn kein Arabisch?“, fragt die Suffragette und ist verwundert über sein Kopfschütteln. Immerhin kommt er doch von der Südhalbkugel.

    „C’était un plaisir“, sage ich zum Abschied, was mir eine spontane Umarmung von Ibrahim einbringt. Und obwohl ich mich für meine kolonialen Sprachkenntnisse schäme, bin ich froh, so lange durchgehalten zu haben. Denn selbst als Zionist muss man manchmal mit den Prätorianern des palästinensischen Widerstands um die Häuser ziehen. Die sich gleichzeitig für die Trans-Community, die Rechte der Frauen und die Hamas einsetzen dürfen. Man muss es nur wollen. Wir sitzen alle in einem Boot. In einem Boot Richtung Hölle.

    #Berlin #Israel #Palästina #Neukölln #Kreuzberg #Kneipe #Alkohol

  • Neue Parkzonen in Charlottenburg und Neukölln: Das müssen Anwohner und Pendler jetzt wissen
    https://www.berliner-zeitung.de/news/neue-parkzonen-ab-dezember-berlin-schafft-kostenloses-parken-in-vie

    30.11.2025 von Ronja Ackermann - Mit sieben neuen Parkzonen will die Stadt den Verkehr beruhigen und Anwohner entlasten. Die neuen Zonen gelten seit dem 1. Dezember. Die wichtigsten Informationen im Überblick.

    In Berlin ist das Parken in einigen Stadtteilen teurer geworden: Seit dem 1. Dezember 2025 haben die Bezirke Charlottenburg-Wilmersdorf und Neukölln mehrere neue Parkzonen eingeführt. In diesen Bereichen darf man sein Auto dann nur noch mit einem Bewohnerparkausweis oder mit einem gültigen Parkschein abstellen. Kostenloses Parken ist dort künftig nicht mehr möglich.

    In Charlottenburg-Wilmersdorf kommen gleich sechs neue Zonen hinzu. Sie liegen unter anderem rund um den Kurfürstendamm, den Lietzensee, den Stuttgarter Platz und in Teilen von Halensee und Wilmersdorf. Die neuen Regeln sollen dafür sorgen, dass Anwohner wieder leichter einen Parkplatz finden.

    Neue Parkzonen in Wilmersdorf, Halensee und Charlottenburg

    Zone 126: Das Gebiet wird eingegrenzt von der Paulsborner Straße im Nordwesten, der Brandenburgischen Straße im Osten, dem Hohenzollerndamm im Süden und der A100 im Südwesten.
    Zone 127: Das Gebiet wird eingegrenzt vom Kurfürstendamm im Norden, der Brandenburgischen Straße im Osten, der Paulsborner Straße im Süden und der A100 bzw. Schwarzbacher Straße im Südwesten.
    Zone 128: Das Gebiet wird eingegrenzt von der Rönnestraße im Norden, der Holtzendorffstraße bzw. Damaschkestraße bis zum Lehniner Platz im Osten, dem Kurfürstendamm bis zum Rathenauplatz im Süden (inklusive des Bereichs der Schwarzbacher Straße und Storkwinkel) und der Halenseestraße im Südwesten.
    Zone 129: Das Gebiet wird eingegrenzt von der Gervinusstraße (inklusive Bahnhofsvorplatz Stuttgarter Platz) im Norden, der Lewishamstraße im Osten, vom Kurfürstendamm (inklusive Lehniner Platz) im Süden und der Damaschkestraße im Südwesten.
    Zone 130: Das Gebiet wird eingegrenzt vom Kaiserdamm im Norden, der Kaiser-Friedrich-Straße im Osten, der Rönnestraße bzw. dem Stuttgarter Platz im Süden und der Suarezstraße bzw. Witzlebenstraße entlang des Witzlebenplatzes im Westen.
    Zone 131: Das Gebiet wird eingegrenzt vom Kaiserdamm im Norden, der Suarezstraße bzw. Witzlebenstraße entlang des Witzlebenplatzes im Osten, der Rönnestraße bzw. S-Bahntrasse im Süden und im Westen.

    Auch im Neuköllner Rollbergkiez ist Parken jetzt kostenpflichtig. Für Besucher und Pendler ist es dort besonders teuer: Eine Stunde Parken soll rund vier Euro kosten. Charlottenburg-Wilmersdorf liegt etwas darunter, etwa bei zwei Euro pro Stunde. Damit wollen die Bezirke auch verhindern, dass Autos dauerhaft in den engen Seitenstraßen stehen und alles blockieren.

    Neue Parkzone in Neukölln

    Die Parkzone 101 umfasst den Rollbergkiez. Umgrenzt ist die Parkzone im Norden von der Flughafenstraße, im Osten von der Karl-Marx-Straße, im Süden vom Mittelweg und im Westen von der Hermannstraße. An der Hermannstraße gilt die Parkzone nur auf der östlichen Straßen. An Karl-Marx-Straße sind beide Straßenseiten Teil der neuen Parkzone.

    Parkzonen: Für Anwohner gilt eine Übergangszeit

    Für Menschen, die in den betroffenen Zonen wohnen, gibt es eine Übergangszeit. Wer seinen Bewohnerparkausweis beantragt hat, ihn aber noch nicht bekommen hat, kann bis Ende Januar 2026 einfach die Bestätigung über den Antrag gut sichtbar ins Auto legen. In dieser Zeit gibt es dafür kein Knöllchen.

    Die Bezirke erklären, dass die neuen Parkzonen nötig seien, um den Verkehr in den Wohnstraßen zu beruhigen. Anwohner suchen bisher lange nach einem freien Parkplatz, was für mehr Lärm und mehr Abgase sorge. Mit den neuen Regeln soll der Parkraum besser genutzt werden. Nur Autos, die wirklich in der Gegend etwas zu erledigen haben oder dort wohnen, sollen dort stwissen

    #Berlin #Parkraumbewirtschaftung #Charlottenburg-Wilmersdorf #Neukölln

  • Anwohner im Neuköllner Schillerkiez : „Ich traue mich nachts nicht mehr aus dem Haus“
    https://www.berliner-zeitung.de/panorama/anwohner-im-neukoellner-schillerkiez-ich-traue-mich-nachts-nicht-me

    Berlin comme proie de drogues et de gentrification. Un quartier se transforme en terrain inhabitable.

    2.12.2025 von Marcus Weingärtner - Vom Vorzeigekiez zum Problemfall: Das Viertel rund um die Schillerpromenade ist zu einem Drogen- und Kriminalitäts-Hotspot geworden. Ein Anwohner berichtet von den verheerenden Zuständen.

    Timo S.* ist kein ängstlicher Typ. Der kräftige Mann aus Sachsen, 41, lebt mit seiner Freundin unweit der Neuköllner Schillerpromenade zwischen Tempelhofer Feld und Hermannstraße. Als S. von der Sonnenallee hierherzog, war der Schillerkiez ein ruhiges Viertel, das begann, sich zu gentrifizieren: Kleine Familien, Studenten, Künstler und ein großer Anteil an arabischstämmigen Ausländern teilten sich das Viertel, das nach der Schließung des Flughafens im Jahr 2008 eine Aufwertung erfuhr.

    S. lebt hier seit fünf Jahren und beobachtet seit längerem zunehmende Gewalt und Drogenkonsum an den U-Bahnhöfen Leine- und Boddinstraße, im nahe gelegenen Anita-Berber-Park und vermehrt auch direkt in seiner Straße. In seinem Treppenhaus campieren regelmäßig Junkies, konsumieren Drogen und verhalten sich aggressiv.

    „Sie laufen abends durch die Straßen und treten gegen die Haustüren, um zu sehen, wo sie reinkönnen. Man riecht es sofort, wenn sie im Treppenhaus sind, aber bis die Polizei da ist, sind sie meistens verschwunden“, erzählt S. im Interview mit der Berliner Zeitung. Wir haben ihn in einem Neuköllner Café getroffen, wo er über die Zustände in seinem Viertel redet: „Die Stadt hat uns alleingelassen“, sagt er.

    Herr S., seit wann leben Sie im Neuköllner Schillerkiez?Ich bin 2007 aus Sachsen nach Berlin gekommen und vor fünf Jahren zu meiner Freundin in den Schillerkiez gezogen, sie lebt hier seit rund zwölf Jahren. Hier war es ruhig, man bekam immer einen Parkplatz, was wichtig ist, denn ich brauche beruflich ein Auto. Mir gefiel es hier, ich kannte den Kiez ja schon länger durch meine Beziehung. Unsere Wohnung ist zwar nicht besonders groß, aber mit 500 Euro Warmmiete erschwinglich. Ich dachte, hier könnten wir gut leben.

    Davor habe ich an der Sonnenallee gelebt. Da war es mir zu laut und die Stimmung dort ist sehr, sagen wir, antideutsch. Ich wurde regelmäßig dumm angequatscht, wenn ich an Cafés auf der Sonnenallee oder der Pannierstraße vorbeilief. Der Schillerkiez war das genaue Gegenteil der Sonnenallee.

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    Drogenkonsumenten vor dem U-Bahnhof Leinestraße in Neukölln im Sommer.Emmanuele Contini/Berliner Zeitung

    Was genau meinen Sie?Es war ein ruhiges Viertel, es gab ausreichend Parkplätze, die Stimmung war friedlich. Es war einfach schön, hier zu leben. Und der Kiez war begehrt, denn der Streifen zwischen Hermannstraße und Tempelhofer Feld liegt sehr zentral. Der Schillerkiez war eine Insel, Neuköllner Arbeitermilieu, ruhig und nett. Ich habe mich hier sehr wohlgefühlt.

    Wann haben die Veränderungen begonnen, wann haben Sie aufgehört, sich in Ihrem Kiez wohlzufühlen?

    Das begann schleichend. Genau genommen hat es schon angefangen, bevor ich bei meiner Freundin eingezogen bin. Am Anfang, also so vor zehn, zwölf Jahren, sah es noch gut aus, viele Wohnungen wurden saniert und plötzlich sah man Menschen, die gut und auch teuer gekleidet schienen.

    Was noch nichts Schlechtes ist. Wann kippte das?

    Die Eröffnung des Anita-Berber-Parks hat den Kiez krass verändert. Tagsüber kann man da immer noch recht problemlos durchgehen, der Park verbindet ja die großen Straßen und das ist ganz praktisch. Aber nachts würde ich da keinen Fuß mehr reinsetzen. Im Sommer ist die Grünfläche auch nachts voller Junkies, überall liegt Müll und Alufolie, die vom Crackrauchen übrig geblieben ist. Manchmal hängen da so richtig süßliche Wolken in der Luft, der Geruch hängt auch in den U-Bahnhöfen. Man kann den Crackrauch von weitem riechen. Die Junkies mussten nicht mehr am U-Bahnhof Schönleinstraße oder Hermannstraße rumhängen, sondern konnten ungestört im Park fixen oder rauchen. Sie kaufen ihren Stoff am Bahnhof Hermannstraße und gehen dann in den Park. Oder sie schlafen in den U-Bahnhöfen, egal zu welcher Tageszeit, sie sind immer da. In der Leinestraße noch mehr als in der Boddinstraße, weil man da bei Kontrollen direkt in den Park abhauen kann.

    Der Drogenkonsum an diesen Bahnhöfen und den umliegenden Vierteln ist aber nichts Neues.Nein, aber die Art der Drogen hat sich verändert. Früher gab es Heroin-Junkies, die wollten ihre Ruhe, wenn sie drauf waren. Die Junkies, die jetzt hier rumhängen, die zwischen den Autos und im Park konsumieren, rauchen Crack oder Crystal Meth. Die sind sehr aggressiv, laut und oft bedrohlich. Sie glauben nicht, wie oft ich hier die Straßenseite wechseln muss, auch am helllichten Tag. Diese Leute sind komplett unberechenbar.

    Der Park scheint also das Hauptproblem zu sein.

    Ja, wie ich im RBB gesehen habe, ist aber nicht die Stadt verantwortlich, sondern die Autobahngesellschaft. Es gibt in diesem Park kaum Kontrollen, man sieht da selten Polizei wie im Görlitzer Park oder der Hasenheide. Die Stadt ist da fein raus, sie hat uns im Schillerkiez alleingelassen, und die Autobahngesellschaft kümmert sich nicht um den Anita-Berber-Park.

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    Vermüllt: der Anita-Berber-Park im September dieses Jahres. Der Park gehört zum Schillerkiez.Privat

    Aber müssen Sie denn durch den Park?

    Nein, würde ich auch nach 16 Uhr niemandem raten. Das Problem ist: Die Junkies verlassen den Park am Abend im Winter ja auch nicht. Oder sie konsumieren sie auf der Schillerpromenade zwischen den Autos oder stehen zu mehreren um die Laternen herum – und es werden immer mehr. Im Sommer habe ich auf dem Weg zum Bahnhof Leinestraße sicherlich fünf Junkies gesehen, die zwischen den Autos hockten und Crack rauchten oder sich eine Spritze setzten.

    Fühlen Sie sich eingeschränkt in Ihrem Alltagsleben?

    „Eingeschränkt“ ist eine hübsche Umschreibung. Hier marodieren abends Junkies durch den Kiez und treten gegen jede Haustür, um zu sehen, wo sie sich Einlass verschaffen können. Dann konsumieren sie im Treppenhaus, wo sie ungestört sind. Das höre ich von meinem Balkon aus regelmäßig, das Treten gegen die Türen, das Rumgebrüll. Auch bei uns im Haus saßen schon mehrfach Junkies. Die Tür war zwar abgeschlossen, aber das ist ein Altbau – wenn man nur lange genug dagegentritt, springt die Tür halt irgendwann auf.

    Haben Sie nicht die Polizei gerufen?

    Doch, aber bis die eingetroffen war, waren die Junkies längst verschwunden.

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    Schon kurz nach seiner Eröffnung wurde der Park zum Drogenumschlagplatz, wie dieses Foto von 2018 zeigt.dpa

    Die Bedrohung dringt aus dem öffentlichen Raum in Ihr Privatleben ein.

    So könnte man das sagen. Hier spielen sich regelmäßig die irrsten Szenen ab. Vor ein paar Wochen hat ein offensichtlich Verwirrter versucht, in eine Wohnung in einem Nachbarhaus einzudringen. Die Bewohner haben es geschafft, die Situation zu deeskalieren. Die Polizei konnte nichts tun, weil niemand Anzeige erstatten wollte. Also lieferten sich herbeigerufene Sanitäter und der Mann eine anderthalbstündige Katz-und-Maus-Jagd zwischen den Autos. Vom Balkon aus war das wie im Kino.

    Wut verboten: Oxford-Elite stellt „Rage Bait“ an den Pranger – was kommt als Nächstes?

    Wurden Sie auch schon bedroht?Ja, am Bahnhof Leinestraße sind mir Junkies hinterhergerannt, weil ich eine Sekunde zu lang in ihre Richtung geschaut habe. Das war schon bedrohlich. Man gewöhnt sich hier auch solche Schutzmechanismen an. Am Bahnhof gehe ich zum Beispiel nie im Gedränge die Treppen rauf. Zweimal schon spürte ich, wie jemand seine Hand in meine Jackentasche schob. Ich habe den dann mit dem Ellenbogen weggeboxt, aber mittlerweile halte ich Abstand.

    Was schwierig ist: Vor ein paar Wochen musste ich am U-Bahnhof Leinestraße an einer Gruppe von Junkies vorbei, die sich mit einer anderen Gruppe stritt – das waren insgesamt sicherlich 30 Leute. Aus der einen Gruppe flog plötzlich eine Flasche, die direkt vor meinen Füßen knallte. Die Glassplitter flogen bis an meine Knie. Ich habe aber nur die Wahl zwischen den Bahnhöfen Boddinstraße und Leinestraße, wenn ich nicht das Auto nehmen will.

    Sie wirken aber nicht sehr ängstlich.

    Das stimmt, aber wenn ich mal mit den Öffentlichen zur Arbeit gefahren bin, dann ist mir auf dem Nachhauseweg schon die letzte halbe Stunde mulmig. Es ist immer irgendwas, und ich fühle mich auch bedroht. Im Winter überlege ich schon dreimal, ob ich am späteren Nachmittag noch mal einkaufen gehe oder nicht. Ich gehe auch nicht mehr entspannt aus. Undenkbar, nach einem Kneipenabend ein bisschen angeschickert hier durch den Kiez zu spazieren. Ich bin hier immer auf der Hut. Und wenn ich mit dem Uber nach Hause fahre, weiß ich ja immer noch nicht, was mich im Hausflur erwartet – ob vielleicht ein paar Junkies hier pennen oder ich mit dem Messer bedroht werde.

    Unternimmt die Polizei nichts gegen diese Situation?

    Doch, seit ein paar Wochen stehen vermehrt Einsatzwagen vor einem Café in der Nähe der Leinestraße. Da wurde immer gedealt. Man konnte immer genau erkennen, wer der Dealer ist – meist ein unauffälliger Typ, der die Junkies versorgte. Der wurde alle paar Wochen ausgetauscht. Im Moment steht da natürlich keiner mehr, aber das verlagert das Problem ja nur. Ähnlich wie im Görlitzer Park, wo es auch Polizeikontrollen gibt. Dann verschwinden die Dealer und ihre Kunden eben aus dem Park in eine der Seitenstraßen, bis die Luft wieder rein ist.

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    Die Neuköllner Schillerpromenade zwischen Hermannstraße und Tempelhofer FeldErik-Jan Ouwerkerk/Senatsverwalt

    Woher wissen Sie das so genau?

    Ich habe viele Freunde, die da wohnen. Die haben mir das schon vor Jahren erzählt. Damals waren solche Zustände hier im Schillerkiez in diesem Ausmaß noch undenkbar. Und man entwickelt so eine Art Sensor. Ich bin auf der Straße übersensibel, andere Menschen nehmen das vielleicht so wahr, aber bei mir ist immer Alarm.

    Haben Sie mal überlegt, den Kiez zu verlassen?Ja, natürlich. Aber wir können uns keine Wohnung in einem anderen Bezirk leisten. Die würde mehr als dreimal so viel kosten, und meine Freundin und ich verdienen dafür einfach nicht genug. Wir müssen also bleiben. Ich kann nur hoffen, dass die Situation hier von der Stadt ernster genommen wird und sie die Autobahngesellschaft oder eben die Verantwortlichen zwingt, etwas zu tun. Wer hier lebt, der ist einer ständigen Bedrohung ausgesetzt. Ich fühle mich hier unsicher, und es kann so nicht weitergehen.

    *Timo S. möchte anonym bleiben. Die Redaktion kennt seinen richtigen Namen und seine Adresse.

    #Berlin #Neukölln #Schillerpromenade #Weisesteaße #drogues #gentrification #Uber

  • Überfallen in Neukölln: Diese Stadt ist nur noch gnadenlos
    https://www.berliner-zeitung.de/panorama/brutal-berlin-diese-staste-li.10006730

    Die Kombination aus der wachsenden Zahl sozial Deklassierter und ausgedünnter Sicherheitseinrichtungen macht Verbrechen alltäglich. Es braucht meht Eingliederung, dabei werden soziokulturellen Projekten gerade die Mittel gekürzt. Das Leben wird härter.

    21.11.2025 von Cedric Rehman - Unser Autor wurde am U-Bahnhof Boddinstraße überfallen und seines Handys beraubt. Die Kriminellen gehen damit bei Amazon auf Shoppingtour und kommen auch noch davon.

    Der Polizeibeamte nannte mich am Handy seinen „Hilfssheriff“. Es war als Ermutigung gedacht. Wir telefonierten einen ganzen Nachmittag lang alle 30 Minuten, um uns gegenseitig auf den neuesten Stand zu bringen. Ich saß über Stunden wie festgewachsen neben meinem Telefon zu Hause. Der Polizist und sein Einsatzteam lagen im Neuköllner Stadtteil Britz auf der Lauer.

    Sie wollten einen Amazon-Boten abpassen, der ein in meinem Namen bestelltes Paket an eine fremde Adresse liefern sollte. Meine Aufgabe bestand darin, immer wieder die Lieferinformationen zu aktualisieren oder auf ungewöhnliche Aktivitäten auf meinem manipulierten Konto zu achten. Ich fühlte mich wie in einem Krimi. Und damit lag ich auch nicht falsch. Ich half bei der Aufklärung eines wirklichen Kriminalfalls. Das Opfer der Straftat war ich.
    Die Gesellschaft stigmatisiert die Opfer

    Opfer. Erst nachdem mich Polizei, Behörden oder Versicherungen so bezeichneten, erschloss sich mir die Bedeutung für mein Selbstwertgefühl. Ich habe in meinem Job als Reporter Menschen interviewt, denen in Kriegsgebieten Unsägliches zugefügt wurde. Mich hat immer gestört, dass das Wort für eine Person, der Unrecht zugefügt wurde, über den Jugendjargon hinaus zu einer Beleidigung wurde. Auf Unschuldige herabzuschauen, war für mich Zeichen einer Mitgefühl und Anstand verlierenden Gesellschaft.

    Aber jetzt ertappe ich mich bei meiner Scham, Opfer zu sein. Es fühlt sich erniedrigend an, etwas zugefügt zu bekommen. Es kostet Stolz, um Hilfe zu bitten angesichts von Überforderung. Und die bohrendste aller Fragen: Wie bin ich in diese Lage gekommen?

    Es war ein bezaubernder Abend in einer Altbauwohnung in Kreuzberg. Die Gastgeberin servierte Moules-frites, Muscheln mit Pommes, wie sie in Frankreich und Belgien gegessen werden. Muscheln wollen schwimmen. Es gab Weißwein und zum Aperitif Crémant. Das Abendessen und die gemütliche Tischrunde endeten gegen zwei Uhr in der Nacht. Ich freute mich auf einen Spaziergang an der frischen Luft zur Haltestelle und verzichtete auf ein Taxi. Stattdessen setzte ich mich in die U8. Ich stieg an der Boddinstraße unweit meines Wohnorts im Schillerkiez aus. Das Handy nahm ich noch im U-Bahnhof in die Hand. Ich wollte mich mit einer Kurznachricht für die Einladung bedanken. Das war dumm.

    Der Dieb handelte schneller, als mein Verstand begreifen konnte. Eine Hand griff noch vor dem Ausgang nach meinem Handy. Ich rannte hinterher, schrie, aber der junge Mann war schneller als ich. Ich verließ die U-Bahn-Station im Schock – und bemerkte erst danach eine Leere in der Gesäßtasche. Ein zweiter Täter hatte meine Ablenkung genutzt, um mir den Geldbeutel zu stehlen. Mir wurde eiskalt.
    Die Diebe nutzen das Amazon-Konto

    Zwei Tage später – ich hatte schon Anzeige bei Polizei erstattet, einen neuen Personalausweis beantragt und mein Bankkonto gesperrt – trudelten auf meinem neuen Handy Nachrichten von Amazon über angeblich von mir bestellte Pakete ein. Mit Mühe gelang es mir, Zugang zu meinem Amazon-Konto zu bekommen. Das zweistufige Sicherheitsverfahren ist bei vielen Plattformen an ein bestimmtes Handygerät geknüpft. Es brauchte für die Nerven strapazierende Stunden in Telefon-Hotlines, um wieder die Kontrolle zu erlangen. Beim Anblick der in meinem Namen an eine fremde Adresse bestellten Waren war ich nicht sicher, ob ich weinen oder lachen sollte.

    Der oder die Täter hatten im Wert von Hunderten von Euro alles bestellt, was echte „Gangsta“ brauchen können: Sneaker, Kapuzenpullover, eine Trainingshose, eine Panzerhalskette aus Gold. Ich jubilierte, als ich auf die geänderte Adresse und Handynummer stieß. Die Täter hatten ihre Kontaktdaten hinterlassen. Wie konnten sie so dumm sein?
    Die Polizei legte sich in Britz auf die Lauer

    Ich ließ alles liegen und lief zur Polizeiwache. Danach spielte ich in meinem persönlichen „Tatort“ mit. Der Beamte im Einsatz in Britz machte es in unseren Gesprächen über die Entwicklung auf meinem Amazon-Konto spannend. Er flüsterte am Diensthandy, wenn sich ein Verdächtiger näherte. Einmal brach er das Gespräch ab. Er ließ mich hoffen auf eine Verhaftung.

    Die Polizisten hatten den Amazon-Boten mit dem angeblich von mir bestellten Paket abgepasst und über die Straftat informiert. Ein Beamter rief dann bei der auf Amazon hinterlegten Nummer an und hinterließ als angeblicher Lieferant eine Nachricht. Der Besitzer der Nummer, mutmaßlich einer der beiden Diebe, reagierte aber nicht. Und niemand tauchte bei einem Paketshop in der Nähe auf, den die Polizei als Abholort angegeben hatte. Der Einsatz wurde nach einigen Stunden abgebrochen.

    Drei am Telefon, auf Behörden oder bei der Polizei verbrachte Tage benötigte es, um den Schaden einzugrenzen. Ich stecke wegen eines an mein altes Handy gekoppelten Sicherheitsverfahrens unter anderem bei meinem Mobilfunkdienstleister in einer Sackgasse. Ich kann meine Rechnungen nicht mehr auf meiner Kundenseite einsehen. Mir graut davor, in einigen Tagen mein im Moment gesperrtes Onlinebanking mit neuen Zugangsdaten zu installieren. Immerhin kann ich meine Identität mit meinem Reisepass nachweisen und mich mit Bargeld versorgen. Immer wieder höre ich: Du bist unverletzt, was für ein Glück.

    Die Diebe haben mir mehr genommen als mein Handy und mein Geld. Als Mann, der sich mit Krafttraining fit hält, habe ich mich immer sicher gefühlt. Langsam kommen meine grauen Haare. Bin ich alt geworden und deshalb leichte Beute für Kriminelle?

    Warum habe ich kein Taxi genommen und bin nachts in Berlins Höllenlinie U8 gestiegen? Haben die Täter mir angesehen, dass ich bei dem Abendessen in Kreuzberg ein Glas zu viel getrunken hatte? Sollte ich überhaupt noch abends ausgehen?

    Berlin erscheint mir als immer gnadenloserer Ort, an dem sich Unglück ausbreitet. Menschen, oft nicht in Deutschland geboren, fallen in die Gosse und verhalten sich entsprechend. Es wird im öffentlichen Raum immer schwieriger, Gefahr oder Belästigung aus dem Weg zu gehen. Die guten Menschen der Stadt – dazu zählen Berlins Polizeibeamte, die Helfer von Rettungsdiensten und Feuerwehr – brennen aus, weil sie mit Herausforderungen überfordert sind. Ein Beamter erklärte mir nüchtern, wie schlecht die Chancen auf Aufklärung in meinem Fall stünden. Für eine Handyfahndung sei die Straftat angesichts eines in Deutschland unantastbaren Datenschutzes und hoher Kosten des Verfahrens nicht schwerwiegend genug. Vielleicht waren die Täter schlauer als gedacht.

    Ich habe ein anderes Berlin in Erinnerung. Eines, das schon immer mehr Armut kannte als andere Städte. Aber dafür hatte Berlin etwas, was anderorts oft zu kurz kommt, ein Gefühl von größerer Freiheit. Es ist längst zusammengeschnurrt zu Unbehagen über zu wenig soziale Kontrolle. Ich empfinde nach dem Raub Misstrauen, sobald ich auf die Straße trete. Im Moment geht es mir in meiner Wohnung am besten. So fühlt es sich an, Opfer zu sein.

    #Berlin #Neukölln #U-Bahn #Boddinstraße #Kriminalität

  • So lief in Berlin-Neukölln die erste Einschulung nach dem Zweiten Weltkrieg
    https://www.berliner-zeitung.de/open-source/so-lief-in-berlin-neukoelln-die-erste-einschulung-nach-dem-zweiten-

    2.11.2025 -Im Herbst 1945 begann für unseren Autor in den Trümmern Berlins der Unterricht – ohne Schultüten und Hefte, aber mit einem jungen Lehrer, der ihm noch lange in Erinnerung blieb.

    „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben“ – das Dichterwort von Hermann Hesse stand auch über dem Tag meiner Einschulung vor 80 Jahren im Oktober 1945 in Berlin-Neukölln. Nach Trümmertagen und Entbehrungen waren wir in die 21./23. Volksschule in der Weisestraße beordert worden. In beiden Teilen der Stadt – in den drei Westbezirken und im Ostteil unter sowjetischer Besatzung – begann wieder der Schulbetrieb, der eigentlich im April 1945 Einschulungen vorgesehen hatte.

    Noch war Groß-Berlin eine Verwaltungseinheit.

    Für die erste Klasse in der Weisestraße waren wir etwa 50 Jungen – Koedukation war noch fern. Es gab drei erste Klassen. Schreibgeräte, Papier und vor allem Schultüten fehlten. Einige Mütter – die Väter waren im Krieg gefallen oder befanden sich in Gefangenschaft – hatten mit viel Erfindergeist Schultütenersatz gebastelt. Bevorzugt waren weiße Kopfkissenbezüge, in die alle möglichen Dinge gefüllt wurden, auch Süßigkeiten, soweit vorhanden. Es war wohl dieselbe weiße Bettwäsche, die sie ein paar Monate zuvor an Besenstielen aus den Fenstern gehängt hatten, zum Beweis der Friedfertigkeit gegenüber den einmarschierten Rotarmisten. Jetzt war Neukölln seit Juli 1945 unter amerikanischer Besetzung, was nach Auskunft unserer Klassenlehrerin dazu führte, dass wir beim Schreiben zunächst einmal nur die Blockschrift erlernten.

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    Kinder spielen in den Trümmern von Berlin, 1947.United Archives/imago

    Sechs- und Zwölfjährige in der gleichen Klasse

    Die Altersunterschiede in unserer Klasse waren gewaltig. Was daran lag, dass viele verspätet von der „Kinderlandverschickung“ heimgekehrt oder aus den Ostgebieten oder dem Sudetenland geflüchtet waren. Die Jüngsten waren sechs, der Älteste zwölf Jahre alt. Und da die Älteren häufig dazu neigten, die Jüngeren grundlos zu verprügeln, empfahl es sich für die Kleinen, einen starken, meist älteren Begleiter an der Seite zu haben, der auf dem Schulweg eine Art Personenschutz übernahm. Das ließ sich mit kleinen Geschenken oder auch mit freundschaftlichen Gesprächen erreichen. Ich machte es mit Abgaben von meinem Pausenbrot – Nahrungsmittel waren knapp. Der zwölfjährige Alterspräsident war übrigens ein recht gemütlicher, ruhiger Schüler, der häufig im Unterricht einschlief. Er wohnte bei seiner Großmutter, die er eines Tages umbrachte, weil sie ihm das Taschengeld verweigerte.

    Soziale Nöte und Kriminalität waren nicht selten unter den Schulkameraden der ersten Nachkriegsjahre. In der Neuköllner Okerstraße wohnte eine Mutter mit 13 Kindern in zwei Zimmern. Ein Besuch dort blieb unvergesslich. Der „kleine Werner“ aus der Weisestraße brachte es mit seiner Räuberbande zu einer lokalen Berühmtheit. Mit Interesse las ich später die Berichte über seine Raubzüge in der Mittagszeitung „Der Abend“.

    Es galten die im Juni 1945 erlassenen „Richtlinien für die Wiederaufnahme des Schulbetriebs“. Am 15. Oktober 1945 waren erste Übergangslehrpläne für die Berliner Volksschulen ausgegeben worden. Von den ehemals 14.000 Lehrkräften wurden die 2474 NSDAP-Mitglieder aus dem Schuldienst entfernt. Wie der Magistrat 1946 feststellte, kehrten jedoch nur 2663 Lehrkräfte ins Lehramt zurück. Der Arbeitskräftemangel zwang hier zu wirksamen Maßnahmen der Anwerbung.

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    Kindergärtnerin spielt mit ihrer Kindergruppe vor den Ruinen des Potsdamer Stadtschlosses nahe Berlin, Deutschland 1946.Erich Andres/imago

    Gute Zensuren für eine Bernsteinkette

    Wir dümpelten in unserer ersten Klasse im Arbeiterbezirk Neukölln so dahin. Die Schulleitung kam zunächst in weibliche Hände – bis auch hier wieder ein Mann eingesetzt wurde. Unsere Klassenlehrerin Fräulein Aranowski – auf diese Anrede legte sie besonderen Wert – wurde in gute Stimmung gebracht und zu guten Zensuren bewogen, wenn die Schüler Geschenke spendierten. Aus der Weihnachtszeit 1945 ist mir eine Bernsteinkette in Erinnerung, die ein Schüler von zu Hause mitbrachte. Ansonsten waren natürlich Nahrungsmittel zentrale Gaben, darunter dicke Bündel von Brennnesseln, die in jenen Tage als Spinatersatz verwendet wurden..

    Im Laufe des Jahres 1946 schickte uns die Neuköllner Schulverwaltung einen 19-jährigen jungen Mann als Klassenlehrer, dem – offenbar zur Vorsicht – ein älterer, kriegsversehrter Kollege beigeordnet war. Für mich ist dieser Klassenlehrer namens Galla das größte pädagogische Talent, das mir je begegnet ist. Wenn ich mich um Ehrlichkeit bemühe, dann wahrscheinlich auch deshalb, weil ich von ihm das beste Zeugnis erhielt, das mir in 13 Jahren an Neuköllner Schulen zuteilwurde: Sechs Fächer, davon in drei Fächern eine Eins! Leider habe ich Herrn Galla danach nie wiedergesehen.

    Eine kleine Recherche ergab in den 60er-Jahren jedoch, dass er offenbar in der Hierarchie der Neuköllner Schulverwaltung zum Schulrat oder Ähnlichem aufgestiegen war. Ich fühlte mich in meiner überschwänglichen Einschätzung bestätigt. Da war einer, der aus der Zeit der Ruinen in die strahlenden Sphären der Bildungspolitik gelangt war.

    Alexander Kulpok ist Journalist und Autor. Er arbeitete im Sender Freies Berlin, zunächst im Jugendfunk, dann als Reporter, Redakteur, Moderator und schließlich lange als Leiter der ARD-/ZDF-Videotextredaktion .

    #Berlin #Neukölln #Schule #Geschichte

  • „Das SchwuZ funktionierte nur, wenn der Laden voll war“: Stefan Fuerst vom SchwuZ-Verein zum Ende des Clubs
    https://www.berliner-zeitung.de/kultur-vergnuegen/musik/die-erwartungen-an-eine-gute-party-haben-sich-veraendert-stefan-fue


    Les neiges d’antan - Hwær cwom mearg? Hwær cwom mago? Hwær cwom maþþumgyfa? (The Wanderer)

    Le club _Schwuz_n’aurait jamais dû quitter le quartier arc en ciel de Schöneberg.

    Stefan Hochgesand - Der SchwuZ-Verein wollte den Queer-Club auf dem Neuköllner Rollberg eigentlich noch last minute retten. Das ist nicht mehr gelungen. Ein Gespräch über Feiern, Fehler und Hoffnung.

    Nach 48 Jahren ist Schluss mit SchwuZ-ig: Berlin verliert einen seiner wichtigsten Clubs, der für viele eben sehr viel mehr als ein Club war: Safe Space, Polit-Ort, Zuhause. Der SchwuZ-Verein wollte den queeren Kult-Ort last minute aus der drohenden Insolvenz retten. Das ist leider misslungen. Am 1. November soll die letzte Party auf dem Neuköllner Rollberg steigen. Stefan Fuerst ist Vorstandsmitglied des SchwuZ-Vereins. Wir haben mit ihm gesprochen.

    Herr Fuerst, für alle, die die Struktur des SchwuZ nicht so gut kennen: Wie hängen der SchwuZ-Verein und der Club als zwei GmbHs zusammen?

    Der SchwuZ e.V. ist der Gesellschafter der GmbHs. Das ist sozusagen die „professionelle“ Struktur. Früher wurde das SchwuZ durch den Verein direkt betrieben und alle Entscheidungen fielen im Plenum. Das war durch die Weiterentwicklung und notwendige Professionalisierung der Strukturen so nicht mehr umsetzbar.

    Was unterscheidet Ihre Aufgaben als Vereinsvorstand von denen der Geschäftsführung?

    Die Aufgaben der Geschäftsführung sind bei uns nicht anders als in anderen GmbHs. Sie umfassen sowohl die strategische Steuerung der GmbHs, die operative Leitung des Tagesgeschäftes als auch die Finanz- und Ergebnisverantwortung. Die Aufgaben des Vorstandes sind in der Satzung geregelt und vergleichbar mit jenen eines Aufsichtsorgans. Einige Entscheidungen bedürfen der expliziten Zustimmung des Vorstands, zum Beispiel bei Strukturveränderungen oder bei der Aufnahme von Krediten.

    Der Club hat nun bekannt gegeben, dass schon in einer Woche Schluss ist. Dabei hatten Sie als Verein doch eine Rettungsaktion versucht, bei der auch viel aus der Community gespendet wurde. Warum ist es nicht gelungen, das SchwuZ zu retten?

    Das hat verschiedene Gründe. Die liegen zum einen sicher auch in der harten Timeline des Insolvenzprozesses, aber durchaus auch an dem hohen Kapitalbedarf. Die Übernahme des SchwuZ aus diesem Insolvenzprozess hätte auch bedeutet, dass die vorhandenen Strukturen hätten übernommen werden müssen – inklusive der Kostenrisiken, die damit verbunden sind. Ich muss es ganz kritisch anmerken: Die Strukturen des SchwuZ waren nicht krisenresistent und nicht effizient genug aufgebaut. Das SchwuZ funktionierte nur, wenn der Laden voll war. Seit Ende 2023 ist das aber nicht mehr in dem Maße gegeben wie vorher, und dafür war unser Apparat schlicht zu kostenintensiv. Bereits 2024 hätten tiefgreifende Einschnitte erfolgen müssen, die den Verwaltungsapparat verschlanken, um die Personalkosten zu reduzieren. Der eher schlanke Aufbau noch am Mehringdamm hätte da als Beispiel dienen können.

    Fatal, wenn ich behaupten würde, wir hätten alles richtig gemacht

    Was passiert nun mit dem gespendeten Geld? Wie viel genau war es eigentlich?

    Mit unserer Kampagne sind deutlich mehr als 50.000 Euro zusammengekommen. Das ist enorm und zeigt auch, dass das SchwuZ vielen Leuten etwas bedeutet. Auch die ganzen Kommentare zum Beispiel bei Instagram sind sehr berührend. Auf der Kampagnenseite haben wir skizziert, was passiert, wenn wir die Übernahme nicht schaffen. Alles Weitere wird sich in den kommenden Wochen herausstellen.

    Ist es dem SchwuZ mit seinem Programm möglicherweise nach der Pandemie nicht mehr so gut gelungen, ein junges Publikum in den Club zu locken?

    Durchaus. Ich glaube, es wäre ein fatales Signal, wenn ich behaupten würde, dass wir alles richtig gemacht haben. Mit dem Wissen von heute hätten einige programmatische Entscheidungen schon vor Jahren anders getroffen werden müssen. Aber retrospektiv ist man immer schlauer. Alle haben ihr Bestes für das SchwuZ gegeben! Die Corona-Pandemie war durchaus eine Zäsur und hat viel verändert. Nicht nur, dass einige Altersgruppen nicht mehr jeden Tag am Wochenende feiern gehen, sondern auch im Hinblick darauf, wie sie feiern und was sie erwarten.

    Wir haben gute Partyprofile, die auch explizit ein junges Publikum sehr gut erreichen, und ich glaube nicht, dass es nur an dem vermeintlich fehlenden jüngeren Publikum liegt. Die Erwartungen an eine gute Party haben sich verändert und sind deutlich diverser geworden. Die einen wollen andere Musikrichtungen, die anderen mehr unbekannte Popsongs, andere nur die Pop-Banger des Jahrzehnts. Die einen wollen noch mehr Sexpositivität, die anderen stören sich an unserem Darkroom. Wie man darauf reagiert, ist nicht trivial. Partyprofile, bei denen unsere Gäste das Gefühl haben, dass es immer dasselbe ist, können definitiv nicht die Antwort sein – doch dazu ist es in den letzten Jahren häufig gekommen.

    Viele Personen haben gerade ihr „Zuhause“ verloren

    Hat die Relevanz eines Queer-Clubs in den letzten Jahren abgenommen dadurch, dass Queers auch in den meisten anderen Berliner Clubs willkommen sind?

    Unter anderem ist das sicher ein relevanter Faktor. Die gesellschaftliche Entwicklung für die breitere Akzeptanz von Queers in Berlin war in den letzten zwei Jahrzehnten allgemein sehr positiv. Das führt natürlich zu einer größeren Auswahl von Orten, an denen man sich willkommen fühlt, auch wenn das die Relevanz und Notwendigkeit eines Queer-Clubs nicht infrage stellt. Viele Personen haben gerade ihr „Zuhause“ verloren, in dem sie vollumfänglich sein konnten, wie sie das wollen.

    Was bedeutet das Ende des SchwuZ für die queere Szene in Berlin?

    Ich glaube, das ist noch nicht absehbar. Die queere Szene in Berlin kennt kaum die Zeit ohne das SchwuZ. Es war immer da. So wie die Spätis. Was fehlt, merkt man erst, wenn man es nicht mehr hat. Es fehlt definitiv ein sicherer Hafen. Die gesellschaftlichen Entwicklungen und Errungenschaften stehen aktuell wieder verstärkt zur Debatte. Das SchwuZ gab immer Sicherheit.

    Manche sagen, das SchwuZ sei auf dem Rollberg zu groß und kommerziell geworden. Sehen Sie eine Chance, dass sich ein neues SchwuZ gründet, das wieder mehr Underground-Vibes hat, wie damals am Mehringdamm?

    Das SchwuZ hat bereits viele Krisen gemeistert und musste sich ab und zu auch neu erfinden. Was wir jetzt erleben, ist ein extremer Schock. Daraus kann aber auch etwas Neues, etwas Besseres, etwas Passenderes entstehen. Ein „neues“ SchwuZ ist durchaus im Rahmen des Machbaren. Gestatten Sie mir den Kommentar: Das SchwuZ ist nicht zu kommerziell geworden. Das SchwuZ hat jedoch aufgehört, seine Mitarbeitenden „auszubeuten“, wie es im Kulturbereich über Jahrzehnte normal war – und das ist auch abbildbar. Es hat auch immer sehr viele Partyprofile laufen lassen, die sich wirtschaftlich nicht alleine getragen hätten, aber trotzdem wichtig für die Community waren. Das SchwuZ ist eingebettet in eine GmbH. Wirtschaftliches Handeln ist notwendig für das Überleben solch eines Ortes, und dort müssen auch die Fehler der Vergangenheit gesucht werden.

    Zur Person

    Stefan Fuerst ist seit 2017 im ehrenamtlichen Vorstand des SchwuZ e.V., er war bereits am Mehringdamm als Barkeeper Teil des SchwuZ. Er begleitete die Transformation des SchwuZ vom Mehringdamm an den Rollberg und die jüngste Krise rund um die Insolvenz der SchwuZ Kulturveranstaltungs GmbH. Das SchwuZ war für den gebürtigen Thüringer kurz nach seiner Volljährigkeit eine der ersten Anlaufstationen und einer der prägendsten Orte. Unabhängig von seinem Engagement im queeren Nachtleben leitet der studierte Wirtschaftspsychologe ein Team mit dem Schwerpunkt Diversity Management einer Bundesverwaltung.

    #Berlin #Neukölln #Schöneberg #nightlifre #histoire #gauche #queer

  • Neukölln, Mitte, Prenzlauer Berg: „Hippe“ Berliner Orte, die total überbewertet sind
    https://www.berliner-zeitung.de/panorama/neukoelln-mitte-prenzlauer-berg-hippe-berliner-orte-die-total-ueber

    Reiseführerkritik. Muss wohl mal sein. Alternativen? Frag die Kutscher, also die deutsch können, die anderen kannste ja sowieso nicht fragen.

    Und ein neuer Begriff, sozusagen eine alternative Wahrheit drängt sich auf: Anstelle von Gentrifizierung sollte es Arschlochfikation heißen, das ist bodenständiger. Alles klar ?

    21.10.2025 von Sabine Röthig, Irene Hallof, Marcus Weingärtner - Was am Rosenthaler Platz oder im Reuterkiez so angesagt sein soll, versteht kein Mensch. Und es gibt noch mehr nervige Szene-Hotspots in Berlin.

    Vermeintlich hippe Gegenden großer Städte sind für Außenstehende oft eine Enttäuschung. Sei es unattraktive Architektur, wilde Vermüllung oder komische Leute – nur selten lässt sich der Hype um eine Straße oder einen Platz so richtig nachvollziehen. Gerade, wenn man um die falsche Uhrzeit vor Ort ist.

    Auch Berlin hat diese hochgejubelten Locations im Programm. Oft befinden sie sich in den Trendbezirken des inneren S-Bahnrings und werden auf lausigen Reiseportalen völlig wahllos als Geheimtipps beworben. Wir haben für Sie eine Liste mit „Insider“-Hotspots erstellt, die besonders nerven.

    Rosenthaler Platz: Das Shibuya des kleinen Mannes

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    Shabby Chic am Rosenthaler Platz: Kippen, Essensreste und der Eingang zur U8.Sabine Röthig

    Warum es das hippe Volk an den Rosenthaler Platz in Mitte zieht, hat das genau zwei Gründe. Erstens liegt er an der angesagten Torstraße. Und zweitens wegen Harry Styles. Immer, wenn der britische Popstar in Berlin weilt, geht er nämlich hier spazieren – was dem rottigen Platzes neuerdings einen gewissen Glamour-Faktor verleiht.

    Dabei ist der Rosenthaler Platz noch nicht mal ein echter Platz, sondern eine Ampelkreuzung, auf der fünf Straßen aufeinandertreffen: ein Shibuya des kleinen Mannes, wenn man so will, nur ohne Zebrastreifen und japanische Multibrandstores wie beim Original in Tokio. Stattdessen gibt es am Rosenthaler Platz teure Döner und ölige Pommes, die durch Leuchtschrift in unmoderner Typo angepriesen werden.

    Zugegeben, architektonisch schön war der Rosenthaler Platz noch nie. Kurz nach der Wende sah es hier durch die vergammelten Häuser sogar noch viel schlimmer aus. Doch was nützen die sanierten Fassaden, wenn die Mieter im Untergeschoss mit ihrem Logodesign die Optik versauen. Außerdem verkaufen sie ihr (teilweise zugegeben leckeres) Essen in Einwegverpackungen an die Billigtouristen der Hostels ringsum, und die haben bekanntlich leider selten Zeit, sich in der Fremde auf die Suche nach einem Mülleimer zu begeben. Da wird fix fallengelassen, was leergefuttert ist, um schnell den nächsten Späti zum Bierholen anzusteuern. Tja, wer will es dem Feierpersonal vom Rosenthaler Platz verübeln: Bleiben will an dieser Kreuzung eben niemand lange. Außer vielleicht, wenn Harry Styles in der Nähe ist. Sabine Röthig

    Mauerpark: Wer nicht gebucht wird, tritt hier auf

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    Alle paar Meter eine neue Band: Der Gang durch den Mauerpark ist vor allem am Sonntagen ein singender, klingender Fiebertraum. Imago

    Wer als Tourist nach Berlin kommt, der wird nach Brandenburger Tor und Reichstag auch irgendwann im Mauerpark landen. Denn wenn sämtliche gutbürgerlichen Sehenswürdigkeiten abgearbeitet sind, gönnen sich Besucher zum Runterkommen gerne mal das „authentische“ Berlin. Und dieses ist laut diverser Reiseportale im Mauerpark angeblich ganz besonders stark an Sonntagen zu spüren, denn da ist Flohmarkt.

    Dann gibt es Einblicke in ortsansässigen Haushalte, deren unbrauchbar gewordener Inhalt auf Holztischen zum Verkauf feilgeboten wird. Doch nicht nur der Handel mit ausgemistetem Plunder, sondern auch die Musik ist ein großes Thema auf dem Areal. Die sonntäglichen Verkaufsevents ziehen nämlich Musikanten aus aller Herren Kieze an, denen offizielle Auftritte bisher aus nachvollziehbaren Gründen verwehrt geblieben sind.

    Während es früher lediglich die Trommlergruppen waren, deren stundenlanges Gewummer den Sonntag untermalte, singt und fiedelt es heute aus allen Büschen. Vom DJ-Nachwuchs über Nachbars Rockband bis zur evangelischen Gitarrengruppe – man fühlt sich bisweilen wie in einem lärmenden Fiebertraum, wenn man den gepflasterten Weg zwischen Wiese und Hang entlang läuft. Dort postieren sich die Sänger und Instrumentalisten besonders gern, weil die Menschen, die mit ihren Bierpullen am Hang sitzen, dann automatisch als ihr Publikum fungieren. Ob sie wollen oder nicht.

    Als Spaziergänger schreitet man unten durch die klingenden Segmente hindurch, und alles vermischt sich zu Gedudel und Lärm. Dass Touristen das Spektakel lieben, ist kein Wunder, denn sie können ja wieder abreisen. Anwohner hingegen haben die Bambule jedes Wochenende vor der Tür. Wohl dem, der eine Datsche im Speckgürtel hat und sich am frühen Sonntagmorgen in Richtung Brandenburg aus dem Staub machen kann. Sabine Röthig

    Schönhauser, Ecke Eberswalder: Gaumenfreuden und Augengraus

    Berlintouristen auf der Suche nach kulinarischen Abenteuern werden früher oder später auf die Kreuzung Schönhauser Allee/Eberswalder Straße stoßen. Hier findet sich der „legendäre Kult-Imbiss“, die „berühmteste Würstchenbude Berlins“: Konnopke’s-Imbiß. Nebenan der „absolute Spitzenreiter der Berliner Döner-Szene“ mit dem „stadtbekannten Gemüsedöner“: Rüyam Gemüse Kebab. Lange Schlangen zu fast jeder Tages- und Nachtzeit scheinen Lonely Planet und Co. recht zu geben.

    Nun ist an Rüyams Gemüsekebab in der Tat nichts auszusetzen, und Konnopke kredenzt kredible Currywurst. Sofern man wochentags, am frühen Nachmittag und bei Nieselregen einkehrt, sind die Wartezeiten zudem überschaubar.

    Doch während der Gaumen sich freut, haben Augen, Ohren und Nasen hier zu leiden: Paletten, Bauzäune, Kabel, Einkaufswagen, Werbeaufsteller und Limebikes vermüllen den Bürgersteig, Autos, Straßen- und U-Bahnen lärmen ununterbrochen. Unter der Hochbahn kampieren Obdachlose, überall Essensreste, Abfall und Exkremente. Wer besonderes Pech hat, wird Zeuge einer Taubenfütterung: Direkt neben Konnopkes Stehtischen schüttet eine Frau säckeweise Futter unter die Hochbahn. Selbst für Vogelfreunde ist der Anblick der bodendeckenden, gräulich-wabernden Taubenmasse schwer erträglich.

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    Currywurst und Taubenfutter: Unter der U-Bahntrasse schmausen Mensch und Tier gemeinsam. Irene Hallof

    An dieser Kreuzung hat Berlin sich längst aufgegeben. Vorbei die Zeiten, in denen man die Hochbahn, den eleganten Ingenieurbau Alfred Grenanders, liebevoll „Magistratsschirm“ nannte und darunter im Sonntagsstaat spazierte. Heutzutage flaniert hier niemand, und wer bei einem Wolkenbruch notgedrungen den Weg unter dem Viadukt wählt, beeilt sich und hält dabei die Luft an.

    Und während Touristen nach dem Essen schnell wieder verschwinden können, brauchen Anwohner ein dickes Fell und ordentlich Eskapismus. Die Konnopkes haben die Hochbahnpfeiler rund um ihren Imbiss mit Figuren aus Zille’schen Zeiten verziert, die Häuser bei Rüyam versetzen einen mit Trompe-l’œil-Bemalung gleich in eine andere Stadt. Hauptsache weg! Irene Hallof

    Abgesang auf eine schöne Idee: der Reuterkiez

    Längst sind die Zeiten vorbei, in denen man sich noch damit brüsten konnte, dabei gewesen zu sein als Kreuzkölln zu einem hippen Ort gemacht wurde. Denn längst ist die Verwertungspyramide an ihrer Spitze angelangt, die Basis waren Studenten und Menschen ohne großes Einkommen, es folgten Künstler, dann kamen die Galerien und mit ihnen das Geld und die Immobilien-Agenturen. Alle zusammen haben den Kiez, genau genommen nur die Straßenzüge rund um die Weserstraße, einmal durchgentrifiziert und somit natürlich zu einer Art öden Expat-Disneyland gemacht, Americano für sieben Euro und „Cash only“ inklusive.

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    Poller-Quatsch im Reuterkiez: ein sicheres Anzeichen für ein Anfang vom Ende. www.imago-images.de

    Ein Ausweichquartier ist seit geraumer Zeit der Reuterkiez, wo es noch ein wenig rauer ist, ein weniger authentischer, sprich: dreckiger. Auch hier haben sich schon hochpreisige Bäckereien und Sterne-Lokale niedergelassen, noch aber stimmt die Mischung aus Menschen und Lebensentwürfen, bevor die Gentrifizierung auch hier voll durchschlagen wird wie in anderen Vierteln europäischer Metropolen von Hackney bis Bairro Alto.

    Und bei genauer Betrachtung ist es dann auch gar nicht so charmant zwischen Hobrecht- und Flughafenstraße, denn mittlerweile hat sich das Klima zum raueren gewandelt und wo man vor 20 Jahren noch getrost die eigene Hipness feiern konnte, so sind die Mieten auch hier rsant gestiegen. Immer öfter hört man von Übergriffen in Neukölln auf Menschen, die offenbar nicht ins heteronormative und andere Raster passen, auch im Reuterkiez. Marcus Weingärtner

    #Berlin #Mitte #Rosenthaler_Platz #Torstraße #Prenzlauer_Berg #Gesundbrunnen #Mauerpark #Bernauer_Straße #Schönhauser_Allee #Eberswalder_Straße #Neukölln #Weserstraße #Kreuzkölln #Reuterkiez #Reuterstraße #Hobrechtstraße #Flughafenstraße

    #Tourismus #Sehenswürdigkeiten #Gentrifizierung

  • Schillerkiez: Kippt die Lage im Hipsterviertel?
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/schillerkiez-kippt-die-lage-im-hipsterviertel-li.2351926
    Jaja, willkommen im Hipsterland. Heult doch oder geht einfach dahin zurück, wo ihr herkommt, in die Schweiz, die USA oder am besten nach Australien. Einfach ganz weit weg. Wir kommen bestens ohne euch aus.

    Aus dem Artikel spricht die Haltung eines Menschen, der auch wegziehen kan. Der Kleinbürger kämpft nicht. Er berichtet. Wir bleiben hier, weil wir das wollen und müssen. Für uns ist Kampf angesagt. Kannste nichts machen.


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    Klamottenecke zwischen Herrfurthstraße und Weisestraße im SchillerkiezEmmanuele Contini/Berliner Zeitung

    2.9.2025 von Cedric Rehman - Der Neuköllner Stadtteil am Tempelhofer Feld gilt als angesagt und teuer. Drogenszene und Kriminalität bestimmen aber immer mehr den Alltag.

    Eine Menschentraube sammelt sich an der U-Bahn-Station Leinestraße im Neuköllner Schillerkiez. Zwei Einsatzwagen der Polizei stehen quer zur Zufahrt von der Hermannstraße in die Leinestraße. Ein Mann presst vor dem Aldi an der Ecke Hermannstraße und Leinestraße die Hände auf seine Augen und stöhnt. Eine Polizistin redet mit ruhiger Stimme auf den Mann ein. „Können Sie die Augen öffnen? Lassen Sie mich mal sehen, ob da Glassplitter sind“, sagt sie. Der Mann wimmert nur und schüttelt den Kopf.

    Die Passanten schweigen betreten. Sie wirken nicht wie neugierige Gaffer. Sie scheinen eher entsetzt zu sein über einen Gewaltausbruch am hellichten Tag auf einem ganz alttäglichen Weg. Einige klammern sich an ihre Einkaufstaschen. Sie hatten wohl gerade den Discounter angesteuert oder verlassen, als es am Eingang zur U-Bahn-Station knallte.

    Eine junge Frau telefoniert etwas weiter die Okerstraße hinunter in Richtung Tempelhofer Feld, sie hat die Notfallnummer gewählt, spricht aufgeregt. Der Mitarbeiter eines Cafés mit Spielautomaten klärt auf. „Bei uns liegt ein Verletzter. Wir brauchen einen Krankenwagen“, sagt der Mann. Die Passantin folgt dem Mann mit dem Handy am Ohr in das Café, um sich ein Bild von den Verletzungen zu machen.

    Laut Polizei geriet eine Gruppe Männer an der Hermannstraße in Streit, nachdem einem 19-Jährigen das Handy geklaut wurde. Die Männer attackierten den jungen Mann unter anderem mit einem Baseballschläger und einer Glasflasche. Ein 42-jähriger Mann erlitt durch Schläge innere Verletzungen. Er wollte dem 19-Jährigen helfen. Die Polizei nahm zwei Männer fest.

    Einer der Verletzten ist vor seinen Verfolgern wohl in das Café an der Okerstraße geflüchtet. Ich wurde zufällig Zeuge der Szene. Ich wohne mit Unterbrechung seit vier Jahren im Schillerkiez und will nun bei einem Rundgang durch mein Quartier herausfinden, wie Späti- und Gastronomie-Mitarbeiter die Sicherheitslage in dem beliebten Viertel am Tempelhofer Feld wahrnehmen. Meine Recherche hat mehrere Anlässe.

    Das Messer sitzt locker in Berlin-Neukölln

    Ein Mann urinierte am Vortag der Schlägerei vor dem Aldi an der Kienitzer Straße in ein Blumenbeet, während ich vorbeijoggte. Der Mann fühlte sich durch den Hinweis provoziert, dass ein Blumenbeet keine öffentliche Toilette sei. Er begann zu toben, zog sein T-Shirt hoch und führte seine Hand an den Hosenbund. Dort steckte ein Messer.

    Ich legte joggend einen Zahn zu, um aus seiner Reichweite zu verschwinden, und ärgerte mich über mich selbst. Fremde zu ermahnen, kann böse schiefgehen in Berlin. Wer wegschaut, vermeidet gerade in Neukölln Probleme.

    Mitte August patrouillierten bewaffnete Polizisten mehrere Tage lang vor dem Eingang eines Wohnhauses an der Hermannstraße. Sie standen in wechselnden Schichten mit ihren Dienstwaffen im Anschlag vor der Haustür. Laut Auskunft der Polizei gab es eine Lage, die eine „Objektschutzmaßnahme“ nötig gemacht habe. In einem Chat der betroffenen Hausgemeinschaft ist von nächtlichen Schüssen vor dem Hauseingang die Rede.

    Was ist los in dem Kiez, der nach der Schließung des Flughafens Tempelhof 2008 und der Umwandlung des Flughafengeländes in das Tempelhofer Feld eine Veränderung erlebt hat, wie sie vielleicht nur in Berlin möglich war? Jahrzehntelang donnerten die Flugzeuge über die Dächer des Kiezes hinweg. Der Schillerkiez war vor 2008 in Feinstaub gepudert. Es stank nach Kerosin.

    Viele Gebäude im Schillerkiez stammen aus der Gründerzeit

    In dem Viertel lebten viele Migranten in mit Stuck verzierten Wohnungen aus der Gründerzeit. Die Wohngegend rund um die Schillerpromenade galt um 1900 herum als gehoben. Der 1923 eröffnete Flughafen vertrieb mit Ruß und Lärm die Gutbetuchten. Arbeiter bezogen nach dem Zweiten Weltkrieg das Viertel. Der Flugverkehr nahm zu, und die Anwohner konnten die Landekappen und Triebwerke der Passagiermaschinen von unten sehen.

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    U-Bahnhof Leinestrasse im Schillerkiez in BerlinEmmanuele Contini/Berliner Zeitung

    Der Schillerkiez galt in den 1990er- und Nullerjahren als schlechte Gegend. Selbst nach der Eröffnung des Tempelhofer Feldes änderten sich die Strukturen zunächst kaum. Bis 2013 gab es eine vom damaligen Quartiersmanagement ins Leben gerufene „Taskforce Okerstraße“. Sie sollte Verwahrlosung und Probleme mit einer örtlichen Trinkerszene in den Griff bekommen.

    Im Blick hatte man besonders einige Gebäude an der Okerstraße. Hier wohnten vor allem eingewanderte Familien aus Südosteuropa in prekären Verhältnissen. Geht es jetzt, zwölf Jahre später, für den Schillerkiez zurück in die Vergangenheit?

    Im Schillerkiez gibt es seit 2020 kein Quartiersmanagement mehr. Trostlose Trinkhallen verschwanden nach und nach aus den Straßen rund um den Herrfurthplatz und die Schillerpromenade. Bars und Restaurants, um die Alteingesessene mit wenig Geld nach einem Blick auf die Preise wohl eher ein Bogen machten, haben sie ersetzt. Immobilienfirmen kauften sich ein im Kiez. Die Mieten stiegen. Die Popularität des Tempelhofer Feldes zeigte schließlich Wirkung.

    Ein neues Bürgertum flaniert an Wochenenden über den Wochenmarkt rund um die Genezarethkirche. Es kombiniert ausgebeulte Lederjacken mit teuren Sonnenbrillen, bezahlt französische Käsesorten mit Kreditkarte und gönnt sich in aller Lässigkeit den ersten Spritz an sonnigen Vormittagen. Umgangssprache ist selbst unter in Deutschland Geborenen Englisch.

    Es wird von Bedienungen in vielen Lokalen gesprochen, und wer dazugehören will, zeigt gern, wie polyglott er ist, selbst wenn die Muttersprache Deutsch ist.

    Das Tempelhofer Feld zieht Erholungsuchende an

    Im Sommer pilgern nicht nur die Kiezbewohner auf das Tempelhofer Feld. Tausende Berliner und Besucher aus aller Welt machen es sich auf der Grünfläche bequem. Sie schauen Skatern zu, die auf den Start- und Landebahnen entlangsausen, als würden sie gleich abheben. Migranten, die nicht wegen ihrer guten Jobs und hohen Qualifikationen „Expats“ genannt und umworben werden, fallen im Schillerkiez kaum auf.

    Sie sitzen nicht in den hippen Cafés, sondern auf Hockern vor den Spätis oder an den Kassen der Supermärkte. Auch die Rocker aus den wilden 90ern sind im Schillerkiez kaum mehr zu sehen. Manche ältere Herren in Biker-Kluft trinken noch im Bierbaum 3 an der Schillerpromenade. Sie müssen sich den Tresen mit den hippen Zugezogenen teilen, die mal einen „Futschi“ probieren und sich dabei authentisch fühlen wollen.

    Eine unsichtbare Grenze schien den Schillerkiez entlang der Hermannstraße vom Rest des Bezirks zu trennen. Kleidungsstil, Sprache, kulinarische Vorlieben und vor allem der Geldbeutel separierten die Welten.

    Doch Neukölln weigert sich, nur die Staffage zu liefern für das urbane Lebensgefühl der Happy Few. Die Realität jenseits der Hermannstraße sickerte ein in das Bullerbü der Hipster. Wer auf einer der Kneipenterrassen am Herrfurthplatz sitzt, wird im Minutentakt angeschnorrt. In einem französischen Lokal an der Kienitzer Straße werden Austern serviert. Vorbei schleppen sich von harten Drogen und dem Leben auf der Straße gezeichnete Elendsgestalten. Manche schreien dabei wüste Beschimpfungen, als würden sie mit unsichtbaren Dämonen fechten.

    Abhängige konsumieren am U-Bahnhof Leinestraße in aller Öffentlichkeit ihren Stoff. Das träge machende Heroin wird nach Augenschein immer mehr durch das in Glaspfeifen gerauchte und Aggressionen verursachende Crack ersetzt. Wer die U8 an der Leinestraße verlässt, hält manchmal besser den Atem an. Scharf riechende Dämpfe wabern in Schwaden durch die Station.

    Der Müll verhält sich im Schillerkiez wie eine sich rasch ausbreitende Infektionskrankheit. Liegt Krempel vor einem Hauseingang, türmen sich bald ganze Berge von zerschlissener Kleidung und noch unappetitlicheren Abfällen auf dem Gehweg. Blumenbeete werden wie bereits geschildert mit menschlichen Ausscheidungen gedüngt. Zu hohen Mieten und Immobilienpreisen gibt es Verwahrlosung und eine tägliche Portion Elend in der Premiumlage am Tempelhofer Feld gratis dazu. Austern können im Schillerkiez zu kühlem Weißwein geschlürft werden. Obdachlose liegen fußläufig entfernt in Decken gehüllt im Straßendreck. Wohl bekomms!
    Späti-Betreiber an der Okerstraße fühlt sich an schlimme Zeiten erinnert

    Die Hilflosigkeit ist mit Händen zu greifen. Ein Späti-Betreiber an der Okerstraße erzählt, dass die Polizei täglich mit Blaulicht an seinem Laden vorbeibrause. Die Lage im Schillerkiez ist seinem Eindruck nach dabei, wieder zu kippen. „Es ist fast so schlimm wie früher“, sagt er.

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    Drogenabhängige im Schillerkiez im August 2025 Emmanuele Contini/Berliner Zeitung

    Die Kriminalitätsbelastung der Bezirke und Bezirksregionen Berlins wird mit der sogenannten Häufigkeitszahl (HZ) dargestellt. Sie bezieht die Zahl bekannt gewordener Fälle auf je 100.000 Einwohner. Laut Kriminalitätsatlas der Berliner Polizei betrug die Häufigkeitszahl an der Schillerpromenade 2024 14.475. Im Vorjahr lag die HZ bei 14.000. Der Schillerkiez ist auf der virtuellen Karte der Polizei rot markiert. Es geht allerdings noch tiefer ins Rote in Neukölln. Am nahe gelegenen Hermannplatz lag die HZ über 23.000.

    Ein Sprecher des Bezirksamts Neukölln betont, dass dem Bezirk die Probleme bekannt seien. Er verweist unter anderem auf den Verein Fixpunkt. Der betreibt ein Drogenkonsummobil, das auch den Anita-Berber-Park im Schillerkiez ansteuert. Die Ironie scheint niemandem aufzufallen. Die Berliner Tänzerin und Femme Fatale aus den Goldenen 20ern richtete sich mit Alkohol, Morphin und Kokain zugrunde.

    Laut Bezirksamt gehört der nach der Künstlerin benannte Park an der Hermannstraße der Autobahngesellschaft, er ist eine Ausgleichsfläche für die A100. „Durch diese Zugehörigkeit sind aber bereits grundlegend die Möglichkeiten des Bezirksamtes sehr eingeschränkt“, teilt der Sprecher mit. Grundsätzlich fehlten dem Bezirk legale Konsumräume und Notübernachtungsplätze für die Szene. Finanzielle Mittel seien dafür nicht vorhanden, erklärt er.

    In einem Drogenkonsumraum können Substanzen unter hygienischen Bedingungen und unter Aufsicht eingenommen werden. Die Drogen müssen nicht auf Spielplätzen oder in Hausfluren injiziert oder inhaliert werden. Der für das auch den Anita-Berber-Park ansteuernde Mobil zuständige Mitarbeiter von Fixpunkt will kein Gespräch über seine Arbeit im Schillerkiez führen. Es gebe zu viele Presseanfragen, teilt er mit.

    Berliner Sucht- und Drogenberatungsstellen warnten im Herbst 2024 in einem Schreiben an die Fraktionen im Berliner Abgeordnetenhaus vor einer Ausdünnung der Angebote durch finanzielle Kürzungen. Das Streichen der Mittel belaste das Gesundheits- und das Sozialsystem, erklärten unter anderem die Stiftung Sozialpädagogisches Institut Berlin Walter May (SPI), die Integrative Suchtberatung Mitte der Caritas und der Berliner Drogennotdienst. „Nicht zuletzt wird dadurch auch die öffentliche und soziale Sicherheit in der Stadt beeinträchtigt“, hieß es in dem Schreiben.

    Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen nutzt in Abstimmung mit dem Bezirk Neukölln Mittel aus dem Bund-Länder-Programm „Lebendige Zentren und Quartiere“, um den Schillerkiez weiter zu entwickeln. Unter anderem sind Neupflanzungen von Straßenbäumen als Anpassung an den Klimawandel geplant. Mehr Sicherheit und Sauberkeit im Quartier stehen bisher nicht auf der Agenda. Im Juli konnten Anwohner sich immerhin an einer Online-Umfrage zur Müllverschmutzung beteiligen.

    Die Kiezbewohner können auf ihren täglichen Wegen Not und Misere nicht mehr aus dem Weg gehen. Die Vergangenheit des früheren Brennpunktviertels kriecht in schwierigen Zeiten für Berlin und das besonders von sozialen Schieflagen geplagte Neukölln aus den Ritzen. Den Anwohnern bleibt die Erkenntnis, dass sie nicht wie auf einer Insel leben können. Läuft es überall schlecht, kann es niemandem gut gehen.

    #A100
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    #Polizei
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    #Berlin #Neukölln #Hermannstraße #Schillerpromenade #Herrfurthstraße #Weisestraße #Leinestraße #Okerstraße #Kienitzer_Straße

  • Mann im Neuköllner Körperpark erstochen: Mordkommission ermittelt, Zeugen gesucht
    https://www.berliner-zeitung.de/news/mann-im-neukoellner-koerperpark-erstochen-mordkommission-ermittelt-

    Jaja, der Körperpark in Berlin Fixdorf, da passieren schlimme Sachen mit den Fixerkörpern.

    23.6.2025 von Eva Maria Braungart - Am Sonntagnachmittag kommt es in Neukölln zu einem Streit zwischen zwei Männern. Ein 28-Jähriger wird tödlich verletzt.

    Im Körnerpark in Berlin-Neukölln ein Mann es am Sonntagnachmittag durch eine Stichwaffe tödlich verletzt worden. Wie die Berliner Polizei mitteilte, alarmierten mehrere Personen die Polizei zu dem Park. Ersten Ermittlungen zufolge soll es dort gegen 14.50 Uhr zu einem Streit zwischen zwei Männern gekommen sein.

    Dabei soll ein bislang unbekannter Tatverdächtiger einen 28-Jährigen mit einer Stichwaffe so schwer verletzt haben, dass dieser trotz Reanimation und eingeleiteter Notoperation im Krankenhaus verstarb. Die Mordkommission des Landeskriminalamts und die Staatsanwaltschaft übernahmen die weiteren Ermittlungen.

    Tötungsdelikt im Körnerpark: Polizei bittet um Mithilfe

    Die Ermittlungen, insbesondere zum konkreten Tathergang und zum Hintergrund der Tat, dauern an. Dazu bitter die Polizei die Bevölkerung um Hinweise. Mögliche Zeugen, die das Geschehen auf der Wiese neben der Brunnenanlage oder an der Brunnenanlage bis zum Fontainebecken beobachtet haben oder Foto-/Videoaufnahmen in diesem Zeitraum angefertigt haben, werden gebeten, sich an die Polizei zu wenden.

    Hinweise nimmt die 1. Mordkommission des Landeskriminalamts Berlin in der Keithstraße 30 in Tiergarten unter der Telefonnummer (030) 4664-911111, per E-Mail an LKA111-Hinweis@polizei.berlin.de, über die Internetwache oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.

    #Berlin #Neukölln #Körnerpark #Kriminalität #wtf

  • Viele liegen an der U8: Die 5 schlimmsten U-Bahnhöfe Berlins
    https://www.berliner-zeitung.de/panorama/von-kotti-bis-alexanderplatz-die-5-schlimmsten-u-bahnhoefe-berlins-
    https://www.youtube.com/watch?v=-mq1rG84uhs

    13.3.2025 von Anne Vorbringer, Marcus Weingärtner - Der Streik der BVG hatte auch ein Gutes – man konnte die U-Bahnhöfe meiden. Wir sagen, an welchen sich die Hauptstadt von ihrer besonders unangenehmen Seite zeigt.

    Die Frage nach dem schlimmsten U-Bahnhof Berlins, sie füllt ganze Reddit-Foren und Instagram-Kommentarspalten. Mit ihr beschäftigt sich die Kriminalstatistik und jeden Tag, wenn auch unbewusst, der zahlende BVG-Kunde.

    Gefahren für Leib und Leben sind das eine – und geht es nach den blanken Zahlen, so liegen die drei U-Bahnhöfe Berlins mit den meisten Straftaten im Jahr 2023, Kottbusser Tor, Alexanderplatz und Hermannplatz, allesamt an der Linie U8. Etwa 35 Prozent aller Straftaten an Berliner U-Bahnhöfen ereigneten sich auf der Strecke der U8.

    Bedrohung, Freiheitsberaubung, Körperverletzung, Raub, Nötigung, Sexualdelikte, Mord und Totschlag, es ist alles dabei. Und wie um die Statistik zu unterstreichen, ist auch das Look and Feel an vielen Stationen im mehrfachen Sinne unterirdisch. Hier unsere Top 5 der schlimmsten Berliner U-Bahnhöfe.

    1. Alexanderplatz – Come in and never find out

    Auch nach vielen Jahren in Berlin ist das unterirdische Gewirr an Treppen, Bahnsteigen, Zugängen und Abgängen am U-Bahnhof Alexanderplatz ein Mysterium. Niemals wird sich einem Menschen erschließen, wo der kürzeste Weg zum Gleis der U5 liegt – erst recht keinem ortsunkundigen Touristen. Vom Ditschbrezelduft umfangen, irren die Fahrgäste hilflos Stufen auf und ab, geraten schlimmstenfalls in die Fänge der U8 und landen am Kottbusser Tor, obwohl sie doch eigentlich nur nach Hellersdorf wollten.

    Bei Reddit wird der Alexanderplatz regelmäßig heruntergerankt, wegen der weiten Wege und der Unübersichtlichkeit sei er einfach nur furchtbar, schreiben User auf der Plattform: „Ich habe zum Beispiel jahrelang gebraucht, um herauszufinden, wo der Aufzug ist, mit dem man von draußen direkt zur U5 kommt.“

    2. Hermannplatz – Lasst alle Hoffnung weiterfahren

    Was gibt es noch zu sagen, außer: Berlin hat den Hermannplatz irgendwie aufgegeben. Tagtäglich eine saure Melange aus Armut, Drogensucht, Geschrei und Irrsinn. Eine Zeit lang gar galt das als typisch Berlin: Der Hermannplatz war eine roughe Ecke, an der man sich seiner eigenen Großstadt-Credibility versichern konnte, wenn man erst vor kurzem aus einem Dorf in Mittelfranken nach Berlin gekommen war.

    Mittlerweile ist auch dieses Portiönchen Metropolen-Charme verbraucht, der Hermannplatz nur noch ein Ort, den man meiden sollte und der höchstens noch von sich reden macht durch Pro-Palästina-Demos, Obdachlosencamps und Kaufhauskrisen.

    3. Kottbusser Tor – Berliner Unterwelten

    Sie fanden den BVG-Streik eine Zumutung? Dann empfehlen wir ein halbes Stündchen am Kottbusser Tor, jenem Ort, an dem sich mehrere U-Bahn-Linien kreuzen und der dank seiner bizarren Mischung aus Drogenkonsumenten, Alkoholikern, Hipstern, Touristen und Nachtschwärmern in seinen besten Momenten internationales Großstadtflair verströmt.

    Allerdings nur, wenn man sich vorher selbst ein ordentliches Beruhigungsmittel reingepfiffen hat. Allen anderen wünschen wir gute Fahrt und eine zügige Anbindung.

    4. Moritzplatz – Tor zur Hölle

    Hat sich der Moritzplatz oberirdisch mittlerweile neu erfunden mit dem wunderbaren Kreativ-Geschäft Modulor und einer ordentlichen Auswahl gastronomischer Betriebe, so ist der U-Bahnhof Moritzplatz gemäß seiner Lage und seiner Anmutung das Tor zur Hölle: Ein so abweisender wie zugiger Durchgang, dessen uringeschwängerter Duft selbst die hartgesottene BVG-Kundschaft schwindelig werden lässt. Wer kann, der meidet den Moritzplatz.

    Hier hat man die Stadt wahrlich sich selbst überlassen, mit dem Ergebnis, dass der U-Bahnhof Moritzplatz zu einem florierenden Umschlagplatz für Drogen aller Art heruntergekommen ist.

    5. Gesundbrunnen – Gesund ist das nicht

    „Hallöchen“, leitet eine junge Frau etwas unbedarft in einem Online-Forum ihre Frage ein. Sie sei für eine Veranstaltung auf den Zug angewiesen und habe viereinhalb Stunden Aufenthalt am Bahnhof Berlin-Gesundbrunnen. Ob sie sich denn zu vorgerückter Stunde so ganz allein dort unwohl fühlen müsste? Die Antworten wollen wir hier in ihrer bestürzenden Vielzahl nicht wiedergeben, nur so viel: Die Reisende hätte auch fragen können, ob sie mal ohne Bungee-Seil von einer Brücke springen könne.

    Der zugige Umsteigebahnhof im Norden Berlins ist nicht nur voll und wuselig, er ist auch regelmäßig auf den vorderen Rängen zu finden, wenn es um Sachbeschädigungen und andere Delikte geht. Immerhin: Es gibt einen Biomarkt und McDonald’s. Gesünder wird’s nicht.

    #Berlin #BVG #U-Bahn #Gesundbrunnen #Kreizberg #Moritzplatz #Kottbusser_Tor #Neukölln #Hermannplatz #Mitte #Alexanderplatz

  • Touristen in Berlin: Diese 5 Orte sollten Besucher meiden
    https://www.berliner-zeitung.de/panorama/tourismus-in-berlin-diese-5-orte-sollten-besucher-meiden-li.2304095

    Naja, was den nicht-ganz-so-Urberlinern aus der Redaktion so einfällt sind eigentlich total interessante, teils sogar mit echtem Charm und Schönheit ausgestattete Orte.

    Dafür ist vom Besuch der folgenden Orte ernsthaft abzuraten.

    Kategorie Touristenfalle

    – Alle Berliner Shopping Malls inklusive ehemaliges Bikini Haus und Kadewe. Wir haben über 60 davon.
    – Mauerpark und RAW sind nur etwas für drogenversessene Krawalltouristen mit Hang zum eigenen Messer.

    Kategorie Lebensgefahr durch Lamgeweile

    – Tempelhof südlich der Ringbahn
    – Reinickendorf
    – Spandau

    Kategorie „muss echt nicht sein“

    – Der neue Potsdamer Platz. Hier ist in der Tat off limit, no go zone, wirklich nicht zu empfehlen, es sei denn, man muss da durch auf dem Weg zum #Taxifilmfest oder zur #Berlinale.

    – Kaiser-Wilhelm-Platz (der verbliebene), fahr besser gleich nach Potsdam.

    5.3.2025 von Anne Vorbringer, Marcus Weingärtner, Manuel Almeida Vergara, Enno Kramer - Wo die Stadt sich selbst überlassen wurde, schickt man keinen Gast hin. Auch die Einheimischen meiden diese Orte, soweit es geht.

    Während die ITB aktuell die schönsten Urlaubs-Destinationen bewirbt, tut die deutsche Hauptstadt wenig bis gar nichts dafür, sich für den Tourismus der Zukunft fit zu machen. Im Gegenteil: Viele Gegenden wirken, als ob sich die Stadt selbst überlassen wäre.

    Wir haben fünf Orte in Berlin herausgesucht, die an zentraler Stelle exemplarisch für das Versagen der Stadt stehen. Hier würden wir keine Freunde hinschicken.

    1. Mehringplatz in Kreuzberg: verwahrloste Innenstadt

    Der Beginn der teilverwahrlosten Friedrichstraße ist zugleich ihr soziales Ende: Der Kreuzberger Teil mündet im Mehringplatz, einem Ort, der dank sämtlicher fehlgeschlagener Versuche der Aufwertung immer noch ein sozialer Brennpunkt ist und von Menschen in der Regel höchstens als Durchgang zwischen Halleschem Tor und Friedrichstraße passiert wird.

    Touristen verlaufen sich höchstens an den Mehringplatz, wenn sie die U-Bahn-Station zum Checkpoint Charlie verpasst haben und reiben sich verwundert die Augen ob der Tatsache, dass sich eine europäische Metropole in ihrem Zentrum ein derart heruntergekommenes Gebiet gönnt, das unter Milieuschutz steht, „um die Gentrifizierung infolge von aufwertenden Sanierungen zu bremsen“. Da kann man nur sagen: Glückwunsch! Damit ist trotz einiger Sanierungsarbeiten ein Zustand der Konservierung erreicht und wer sich den Mehringplatz ansieht, kann darüber sicher nur den Kopf schütteln.

    2. Hermannplatz in Neukölln: Obdachlosigkeit, Drogenkonsum, Kriminalität

    Der Klassiker. Strenggenommen ist der Hermannplatz gar kein Platz, sondern eine große Kreuzung mit Betondeckel auf dem U-Bahnhof. Und überhaupt würde niemand auf die Idee kommen, hier länger als nötig zu verweilen: Obdachlosigkeit, Drogenkonsum, Kriminalität und ein abweisendes Erscheinungsbild haben den Hermannplatz so sehr in Verruf geraten lassen, dass der Slogan „Du hast Angst vorm Hermannplatz“ auch in der deutschen Provinz noch ein Begriff ist.

    Zwar hat die Gentrifizierung auch diese Ecke im Guten wie Schlechten im Griff, angenehmer ist der Hermannplatz trotzdem nicht geworden. Wer kann, der flüchtet in die umliegenden Straßen wie die ex-hippe Weserstraße, die Karl-Marx-Straße oder die Sonnenallee, die den Hermannplatz im Gruselranking mittlerweile eindeutig abgelöst hat.

    3. Eberswalder Straße in Prenzlauer Berg: Burn-out garantiert

    Bars, Clubs und jede Menge Restaurants – eigentlich ist die Eberswalder Straße der ideale Ort für einen Freitagabend. Könnte man meinen. Doch wer öfter hier vorbeikommt, lernt die wohl unübersichtlichste Kreuzung der Stadt zu hassen. Von rechts schreien einen die Radfahrer an, von links bimmelt die Straßenbahn, aus allen Richtungen hupen Autos im Sekundentakt und von oben rattert die U2 über die Gleise.

    Wer nicht gerade auf der Suche nach einem Burn-out pünktlich zum Wochenendbeginn ist, sollte die Eberswalder nicht nur unter der Woche meiden. Denn auch wenn die Ausgehmöglichkeiten in Prenzlauer Berg hier wohl am vielfältigsten sind – spätestens, wenn man auf der Suche nach einem Späti unter der U-Bahn-Station in Richtung Norden unterwegs ist, vergeht einem der Spaß. Stichwort Taubentoilette: Nirgendwo ist der Gehweg so flächendeckend mit Kot bedeckt wie hier.

    Auch auf den Bürgersteigen entlang der Kulturbrauerei oder in Richtung Kastanienallee geht es mit der Lebensqualität steil bergab. Altes Fett, Glutamat und schlechtes Parfüm liegen in der Luft, 15-Jährige in voller Adidas-Montur, von denen man angerempelt wird. Wer hier als Touri vorbeikommt, sollte besser zusehen, dass er Land gewinnt.

    4. Alexanderplatz in Mitte: Bausünden und Dreck

    Ein Kaufhaus mit ungewisser Zukunft, eine Dauerbaustelle mit Bauzäunen und provisorischen Fußgängerpassagen, eine versiegelte, fleckige Plattenfläche, bespielt mit peinlichen, jahreszeitlich wechselnden Ramschmärkten: Der Alexanderplatz ist gerade wahrlich nicht in seiner besten Verfassung.

    Dabei könnte und müsste er das Aushängeschild dieser Stadt sein. Er atmet Geschichte, ist einer der belebtesten Orte Berlins, Ausgangs- und Umsteigepunkt, voller touristischer Highlights in unmittelbarer Nähe. Man kommt nicht um ihn herum – und würde es dennoch gern. Nicht wenige Berliner steigen lieber eine Station früher aus, um sich die U-Bahn-Labyrinthe, das Gewusel, die musizierenden Laien und den Geruch der Champignonpfanne zu ersparen.

    „Normalerweise wird ein großer Bogen um diesen Ort gemacht“, heißt es bei Tripadvisor selbst von Berlin-Besuchern. „Mal von den fiesen Bausünden und Umgestaltungen der letzten 25 Jahre, die dem Alexanderplatz das Gesicht genommen haben, abgesehen, ist es hier einfach nur der reinste Horror. Dreckig, versifft und an vielen Stellen einfach nur verkommen“, so das knallharte Touri-Urteil. Das Schlimme ist: Man kann dem kaum widersprechen.

    5. Flohmarkt im Mauerpark: Karaoke und Nepp seit ewigen Zeiten

    Wollten Sie für einen ausrangierten H&M-Pulli auch schon mal das Doppelte des Originalpreises zahlen? Haben Sie tierisch Lust, eine Dreiviertelstunde für ein Hotdog anzustehen? Interessieren Sie sich wahnsinnig für die dürftigen Sangeskünste Ihnen völlig fremder Menschen?

    Dann sind Sie im Mauerpark goldrichtig, diesem staubig-braunen Flecken Berlin, der am Wochenende zum Eldorado für Schnäppchenjäger wird – oder zumindest für solche, die sich für Schnäppchenjäger halten. Denn günstig sind die Preise auf dem Flohmarkt im Mauerpark schon lang nicht mehr; weder die für Secondhand-Klamotten und Vintage-Möbel noch jene für die begleitenden Snacks und Getränke.

    Dabei rechtfertigt das Angebot – anders als zum Beispiel auf dem wirklich gut sortierten, mit hochwertigen Antiquitäten ausgestatteten Flohmarkt am Arkonaplatz – die mitunter horrenden Preise keineswegs. Und dann auch noch das: Will man sich vom Preisschock kurz mal erholen, setzt sich also auf eine nahe Wiese oder – schlimmer noch – direkt ins Amphitheater, muss man zwangsläufig dem Freiluft-Karaoke folgen, das aus völlig unerklärlichen Gründen seit Jahren Hunderte Besucherinnen und Besucher an jedem sonnigen Sonntag anzieht. Wem’s gefällt …

    Überhaupt wird’s auf dem Flohmarkt im Mauerpark gerne mal übervoll; ein einziges Drängeln und Schieben, ein hastiges Gegrabsche nach überteuerten H&M-Pullis und dürftigen Hotdogs. Genau Ihr Ding? Dann nichts wie hin! Doch eher Lust auf einen entspannten Berlin-Aufenthalt? Dann machen Sie am Sonntag lieber einen großen Bogen um den Mauermeiden

    #Berlin
    #Mehringplatz #Kreuzberg
    #Hermannplatz #Neukölln
    #Eberswalder_Straße #Oderberger_Straße #Prenzlauer_Berg
    #Alexanderplatz #Mitte
    #Mauerpark #Bernauer_Straße

  • Berlin-Neukölln : Syrer feiern ein Freudenfest auf der Sonnenallee – „Die Revolution hat gesiegt“
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/berlin-neukoelln-syrer-feiern-ein-freudenfest-auf-der-sonnenallee-d


    Jubel auf der Weichselstraße/Ecke Sonnenallee : Die Syrer feiern den Sturz des Diktators Assad. Susanne Lenz

    Les uns font la fête, les autres préparent leur expulsion. Après la fin du règne d"Assad les chrétien-démocrates CDU et l’extrême droite AfD se prononcent pour le retour immédiat des réfugiés de Syrie.

    On confond encore cause et effet : le nombre élevé de Syriens sans ressources ni attaches à Berlin a permis aux petits et grands exploiteurs, aux patrons de bar comme à Uber, de ruiner des sercteurs entiers de l’économie locale par le dumping salarial et des prix en dessous du seuil de rentabilité pour des entreprises honnêtes.

    La droite profite des conséquences désastreuses des activités de groupes capitalistes mafieux pour surfer sur la vague de xénophobie myope.

    8.12.2024 von Susanne Lenz - Victory-Zeichen, Jubel, die Fahne der syrischen Republik: Wo, wenn nicht auf der arabischen Straße, wie die Sonnenallee auch genannt wird, begehen Berliner Syrer den Sturz Assads.

    Neukölln feiert am Sonntagabend ein Freudenfest: Mit einem Autokorso auf der Sonnenallee und den umliegenden Straßen feiern Syrer das Ende der Herrschaft des Machthabers Baschar al-Assad und dass die Rebellen die Kontrolle über die Hauptstadt Damaskus übernommen haben.
    „Damit hat niemand gerechnet“

    Überall machen Menschen das Victory-Zeichen, es wird gehupt, gejubelt, die syrische Fahne wird geschwenkt, Menschen tragen sie über den Schultern. Kinder haben sie sich auf die Wangen gemalt. Es ist nicht die aktuelle Fahne, sondern die der syrischen Republik mit den drei Sternen, deren Ära 1963 durch einen Staatsstreich der Baath-Partei endete, der Partei Assads.

    Feiernde Menschen auf dem #Hermannplatz gegen 17 Uhr. Die Polizei löste die Versammlung friedlich auf, die Menschen bewegten sich Richtung #Sonnenallee assad #syrien pic.twitter.com/Lx1ZaYIUw1
    — AlicevonLenthe (@AlicevLenthe) December 8, 2024

    „Die Revolution hat gesiegt“, sagt ein junger Mann. „Jetzt bricht die Zeit der Menschenrechte an.“ Man wolle auch die Anhänger Assads nicht vertreiben. Sie dürften weiter in ihren Häusern wohnen bleiben. „Damit hat niemand gerechnet. Als wir heute Morgen aufgewacht sind, sind wir von dieser Nachricht überrascht worden.“ Was das für ein Lied ist, das aus den geöffneten Autofenstern dringt? Es sei heute im Laufe des Tages entstanden und feiere den Sieg der Revolution. „Syrien ist frei.“

    Feiernde Menschen mit #Syrien und #Palästina Flaggen auf der #Sonnenallee Sie rufen: Wir knien vor Gott! #assad pic.twitter.com/XR497nvs8b
    — AlicevonLenthe (@AlicevLenthe) December 8, 2024

    Dass es die Sonnenallee ist, auf der gefeiert wird, ist klar. Sie hat seit einigen Jahren den Beinamen Scharia al Arab, arabische Straße, denn hier haben seit 2015 Flüchtlinge unzählige syrische Läden aufgemacht: Supermärkte, Konditoreien, Barber-Shops, Restaurants. Der Jubel jetzt ist riesig, die Polizei ist überfordert, auf der Sonnenallee ist kein Durchkommen. Angemeldet hat diesen Autokorso niemand. Es ist ein spontaner Ausbruch. Überall ruft es „Alhamdullila“, Lob sei Gott, Gott sei Dank.

    #Sonnenallee Ecke Weichselstraße: Autokorso, feiernde Menschen, gelegentliche Silvesterknaller #syrien #assad pic.twitter.com/VeZakJs78f
    — AlicevonLenthe (@AlicevLenthe) December 8, 2024

    #Allemagne #Berlin #Neukölln #Sonnenallee #Weichselstraße #Syrie #rxtrême_droite #réfugiés #expulsion

  • True-Crime-Story aus Berlin-Neukölln im Jahr 1916: Ein Menschenleben für 1,50 Mark
    https://www.berliner-zeitung.de/open-source/true-crime-story-aus-berlin-neukoelln-im-jahr-1916-ein-menschenlebe


    Diese Ansichtskarte aus dem Jahr 1914 zeigt das Neuköllner Polizeipräsidium. Bettina Müller

    Der Stadteil Neukölln gehört erst seit 1920 zu Berlins. Heute giltver als besonders typische für die neue Berliner Mischung aus Kulturen umd Nationalitäten.

    31.10.2024 von Bettina Müller - Im Herbst 1916 töten zwei Teenager auf heimtückische Art eine 53 Jahre alte Blumenarbeiterin. Doch nicht die Polizei, sondern ein Geschäftsmann fasst die Täter.

    Neukölln, am Abend des 25. September Jahr 1916. Im königlichen Polizeipräsidium in der Kaiser Friedrich-Straße 193/94 Ecke Wildenbruch-Str. 1–5 – heute heißt die Straße Sonnenallee – hat der 48 Jahre alte Leiter der Neuköllner Kriminalpolizei, Polizei-Inspektor Hermann Berlin, Dienst. Das Präsidium ist dem Berliner Polizeipräsidium unterstellt, die Neuköllner Fernsprechanlage ist zudem an die Zentrale der Berliner Polizeifernsprechanlage angebunden. An diesem Abend wird die Mordkommission zu einer Adresse am Maybachufer gerufen. Eine völlig verzweifelte Frau namens Maria Rudolphi hat ihre Schwester Anna blutüberströmt in ihrer gemeinsamen Wohnung gefunden.

    Berlin, der den Tatort als Erster zu Gesicht bekommt, sieht sich mit einem Schlachtfeld konfrontiert. Da liegt die 53-jährige, aus Brandenburg an der Havel gebürtige Anna Rudolphi, tot auf ihrem völlig blutverschmierten Bett. Getötet, so wird die Obduktion ergeben, durch einen Messerstich in den Nacken, der die Halsschlagader getroffen hat.

    Kriminalinspektor Berlin ist so ein Gemetzel eigentlich nicht gewohnt, ist die Reichshauptstadt Berlin doch eher das Zentrum der Kriminalität und Neukölln eher berüchtigt für seine Schmuggler. Und die töten selten, sondern wollen beispielsweise die vom Deutschen Reich zentralisierte Einfuhr von Fleischwaren, die nur von dazu vom Reich bestimmten Organen durchgeführt werden darf, umgehen.

    Diesmal hat Kriminalinspektor Berlin leichtes Spiel, weil sich die Täter sehr unvorsichtig benommen haben. Beide Frauen lebten zurückgezogen, waren handwerklich sehr begabt, so viel wusste man in der Nachbarschaft über sie. Schon der Vater hatte als Pantoffelmacher gearbeitet, der Großvater in Ziesar sogar eine Färberei besessen. Und während Anna künstliche Blumen hergestellt hatte, war Maria in Neukölln als Stepperin beschäftigt. Beide waren 1904 nach dem Tod ihres Vaters von Magdeburg nach Neukölln umgesiedelt.

    Die verräterische schwarze Markttasche

    Dann sagt eine Zeugin aus, dass sie zwei junge Männer gesehen habe, die – bepackt mit Taschen, darunter auch eine schwarze Markttasche – über den Hof gegangen seien. So besteht schon bald der dringende Verdacht, dass die beiden tatsächlich auch die Mörder von Anna Rudolphi gewesen sind, deren schwarze Markttasche seit ihrer Ermordung verschwunden ist. Die Tasche, die Anna Rudolphi gehört hatte, diese fleißige Blumenarbeiterin, deren Heimarbeit schlecht bezahlt wurde, weil auch weibliche Gefängnisinsassen schon mal mit der gleichen Arbeit beschäftigt wurden und somit die Preise drückten.

    Viele Frauen sind zu dieser Zeit als Heim- oder Fabrikarbeiterinnen in der Neuköllner Bekleidungsindustrie tätig, während sie um ihre Männer an der Front bangen. Sie stellen unter anderem auch kunstvoll künstliche Blumen her, mit denen die Damenwelt sich gerne schmückt. Es ist ein Knochenjob, 12- bis 13-Stunden-Tage sind keine Seltenheit, zudem das Kräuseln oder Falten des Materials – vor allem buntes Papier, aber auch Chenille oder Musselin –, welches gesundheitsschädliche Farben enthalten kann.

    Bereits 1891 war in Friedrichshagen die „Freie Vereinigung der in der Blumen- und Putzfedern-Branche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen“ gegründet worden, weil dieser prekäre Beruf schnell in den Fokus der Frauenbewegung geraten war, die beispielsweise für die als proletarisch geltenden Blumenarbeiterinnen einen Achtstundentag forderte.

    Maria Rudolphi ist sprachlos, als man ihr die mutmaßlichen Täter beschreibt. Sie kennt die Täter, sogar sehr gut. Es sind Bekannte, mit denen sie mit Anna sogar einmal kurz zusammen gewohnt haben. Es sind tatsächlich die beiden jungen Männer, die in der Nähe des Tatorts bereits aufgefallen waren. Derweil durchkämmen Kriminalpatrouillen ganz Groß-Berlin auf der Suche nach diesen beiden Tatverdächtigen, von denen sie nun die Namen und eine genaue Personenbeschreibung haben. Von den mörderischen Gebrüder Klaus, die fast noch wie Kinder wirkten, der 15-jährige Otto Klaus mit dem gedrückten Wesen, und der 17-jährige Richard Klaus, der auf Pressevertreter im Gerichtssaal einen „etwas schwachsinnigen“ Eindruck machen würde.

    Nur zwei Tage nach der Mordtat geht die Besitzerin einer Gartenlaube nahe des alten Rixdorfer Ortskerns in ihren Garten. Die Laube ist Teil einer ganzen Kolonie namens „Wild-Amerika“. Laubenkolonien wie diese haben dort bereits Tradition, entlang der Kaiser-Friedrich-Allee gibt es mehrere mit ähnlich fantasievollen Namen wie zum Beispiel „Bauer’s Ruh’“, „Storchnest“ oder „Durstighaufen“. Als die Frau ihre Datsche betreten will, bemerkt sie sofort, dass die Tür von innen verriegelt ist, während das Vorhängeschloss auf der Erde liegt. Die Vorhänge, die die Frau in der Regel immer offen hat, sind blickdicht zugezogen.

    Die Frau reagiert geistesgegenwärtig, weil sie weiß, dass sich in der Gegend zwei Raubmörder herumtreiben. Sie schließt die Tür mit dem Vorhängeschloss ab und eilt davon, um Hilfe zu holen. Die findet sich schnell in Gestalt von Ernst Mohr, dem Inhaber des gleichnamigen Neuköllner Asphalt- und Dachdeckergeschäfts.

    „Ihr seid die beiden Mörder vom Maybachufer!“

    In der Zwischenzeit haben die beiden jungen Männer die von innen verriegelte Tür wieder geöffnet. Blitzschnell wagt sich Mohr hinein und sieht sich zwei jungen Leuten gegenüber. „Ihr seid die beiden Mörder vom Maybachufer!“, schreit er sie laut an und packt dann sofort den Älteren am Schlafittchen. Der reißt sich los, es entsteht ein Tumult, als Mohr nun den Jüngeren packen will, der sich aber vehement dagegen wehrt und sich schließlich schreiend auf die Erde wirft, als ob ihn das vor der drohenden Verhaftung retten könnte.

    Erst als Mohr ihn mit Fäusten traktiert, während der Ältere mittlerweile scheinbar apathisch daneben steht und schon gar nicht mehr an Flucht denken kann, gibt der Junge schließlich auf. Mohr wiederholt noch einmal, noch anklagender: „Ihr seid die Mörder! Gebt es endlich zu!“ – bis der Ältere schließlich – belegt durch das Gerichtsprotokoll – den erlösenden Satz spricht: „Entschuldigen Sie nur, wir sind es gewesen.“

    Mohr karrt die Mörder vom Maybachufer unverzüglich zur nächsten Polizeiwache in der Elbestraße, von wo aus sie zum Neuköllner Polizeipräsidium gebracht werden. Dort sitzen sie schon bald vor ihrer Nemesis in Gestalt des Kriminalinspektors Berlin. Er erkennt sofort ihre Unsicherheit, spürt, dass der Jüngere sich dem Älteren unterordnet, weil er wesentlich intelligenter ist. So muss er nach wenigen Fragen, die er bewusst laut und streng vorträgt, nicht lange auf ein vollständiges Geständnis warten.

    Am 8. November 1916 müssen sich die Gebrüder Klaus vor dem II. Landgericht Berlin verantworten. Sie sind bereits vorbestraft, Richard zweimal wegen Diebstahls, Otto wegen Diebstahls und Unterschlagung. Daher hatte man sie in die Erziehungsanstalt nach Lichtenberg gebracht und sie dann zu der Familie Grünefeld in Paretz gegeben, wo Richard bei einem Bäckermeister und Otto bei einem Materialwarenhändler arbeitete. Bis sie beschlossen, nach Berlin zu fliehen – mit wenig Geld in der Tasche. Dort schlugen sie sich mehr schlecht als recht durch, aber auch nur, weil die beiden Schwestern Rudolphi ihnen mit dem Wenigen, was sie selber hatten, halfen.

    Erschütternde Details aus der Familiengeschichte

    Weil die beiden Angeklagten ein umfassendes Geständnis abgelegt haben, verzichtet der Gerichtshof auf einen Teil der Zeugenbefragungen und lehnt auch ein Gutachten des Sachverständigen Dr. Magnus Hirschfeld ab. Rechtsanwalt Dr. Davidsohn kann dem Vater erschütternde Details aus der Familiengeschichte entlocken, nämlich dass der Großvater der Brüder Klaus Suizid begangen hat und die Mutter schwachsinnig gewesen sei. Die geistige Schwachheit habe Richard offenbar geerbt, er habe nur eine Hilfsschule besucht.

    Tatsächlich erweisen sich die beiden vor Gericht als einerseits sehr naiv, andererseits aber auch als unfassbar gefühlskalt, was den Umgang mit anderen Menschen angeht, die ihnen wohl gesonnen waren. Die Gerichtsprotokolle belegen zudem, dass die Brüder Klaus keinerlei Reue zeigten und offenbar davon ausgegangen waren, nur eine Strafe von maximal zweieinhalb Jahre zu erhalten. Sie schildern auch den Tathergang. Wie sich Anna Rudolphi kurz umdrehte, um sich zum Ausgehen fertig zu machen. Die Brüder sich nur wortlos ansahen und wussten, was zu tun war. Wie Otto, angestachelt von seinem Bruder, schließlich mit dem Messer in den Hals der Frau stach. Die Frau, die ihnen wohl gesonnen war, die ihnen sogar aus Mitleid ein wenig Geld und Nahrungsmittel geschenkt hatte. Der sie dann einen lächerlich geringen Geldbetrag geraubt hatten. 1,50 Mark für ein Menschenleben.

    Nach Kriegsende überschlagen sich in Berlin die Ereignisse

    Am Ende werden beide zu je 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Sie verschwinden hinter Gittern und aus der Tagespresse, sodass man zunächst keinen Hinweis auf ihr weiteres Schicksal findet. Viel Zeit geht ins Land, vor allem im Jahr 1918 überschlagen sich nach Kriegsende in Berlin die Ereignisse. Und auch Anfang 1919 herrscht mit dem Spartakusaufstand in Berlin alles andere als Ruhe, was sich bis weit in den September fortsetzt, während der Gefängnisaufseher Franz Gutzeit dem Plötzenseer Standesamt am 13. September 1919 den Tod des Bäckerlehrlings Richard Klaus meldet, der an diesem Tag im Gefängnis verstorben ist. „Lungentuberkulose“ hat der Standesbeamte noch mit Bleistift im Sterberegister vermerkt. Doch da ist auch noch Otto Klaus, der zum Zeitpunkt des Todes seines Bruders immer noch in Plötzensee inhaftiert ist. Zu einem unbekannten Zeitpunkt wird er vorzeitig entlassen.

    Und dann schafft er das, was anderen ehemaligen Straftäter versagt bleibt, die Rückkehr in ein bürgerliches Leben. Am 31. Dezember 1931 heiratete der Schuhmacher Otto Paul Klaus in Berlin die Arbeiterin Gertrud Hasselbach. Über sein weiteres Leben ist nichts bekannt. Doch die große Schuld blieb. Am 12. Januar 1959 ist Otto Klaus in Braunschweig gestorben.

    Bettina Müller lebt als freie Autorin in Köln und schreibt für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften vor allem über diese Themen: Historischer True Crime; Kunst, Kultur und Literatur der Weimarer Republik; Reise; Genealogie .

    #Geschichte #Kaiserreich #Neukölln #Sonnenallee #Kaiser-Friedrich-Straße #Maybachufer #Polizei #Verbrechen #Straßenumbenennung

  • Die preußischen Innenminister der Sozialistengesetze
    https://www.steiner-verlag.de/en/Die-gemeingefaehrlichen-Bestrebungen-der-Sozialdemokratie/9783830542537

    Das tonangebende Bürgertum des Kaiserreichs dankte seinen Sozialistenverfolgern und widmete ihnen mehrere Straßennamen.

    Offizieller Titel
    Seine Exzellenz der königliche Staats- und Minister des Innern

    Der erste in der Folge hat keine Straße in Berlin sondern in Worms. OSM weiß daß „Der Name geht zurück auf das barocke Patrizierhaus Eulenburg, das einst hier stand“.

    Eulenburgstraße in Worms, zur Zeit der Sozialistengesetze Großherzogtum Hessen, heute Rheinland-Pfalz
    https://www.openstreetmap.org/way/24920754

    Botho Wendt August Graf zu Eulenburg (1878 bis 1881 )
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Botho_zu_Eulenburg


    Der Mann kann als Vollstrecker von Bismarcks Verbotsplänen der sozialistischen Parteien bezeichnet werden.

    Eulenburg war von 1878 bis 1881 als Nachfolger seines Onkels Friedrich Graf zu Eulenburg preußischer Innenminister und befasste sich insbesondere mit dem Sozialistengesetz.

    Sein Rücktritt wurde infolge eines Konflikts um die Modernisierung von Verwaltungsstrukturen erzwunden, welche die Macht der Junker gemindert hätte.

    Als er versuchte, die von seinem Vorgänger bereits geplante Verwaltungsreform voranzutreiben, kam es zum Konflikt mit Otto von Bismarck. Der Gegensatz entzündete sich an der Frage der Gemeindeverwaltung auf dem Land. Während Bismarck für die Beibehaltung der Aufsicht durch die Landräte plädierte, setzte sich zu Eulenburg in Übereinstimmung mit dem preußischen Abgeordnetenhaus für die Aufsicht durch den Kreisausschuss ein. Bismarck ließ es im Februar 1881 im Preußischen Herrenhaus zu einer offenen Konfrontation kommen. Daraufhin sah sich zu Eulenburg zum Rücktritt gezwungen.

    Robert Viktor von Puttkamer (1881 - 1888)
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Robert_Viktor_von_Puttkamer


    Der Mann erhielt keine eigene Straße, weil es sie bereits gab. Die Kreuzberger Puttkamerstraße ist seinem älteren Verwandten Eugen von Puttkamer gewidmet. Robert Viktor war der reaktionärste der während der Geltung der Sozialistengesetze amtierenden preußischen Innenminister. Seine Haltung kostete ihn letztlich den MInisterposten.

    Biographie Eugen von Puttkamer in Kauperts / Edition Luisenstadt

    Puttkamer, pommersches Adelsgeschlecht slawischen Ursprungs, dessen Stammreihe 1240 beginnt. Einige Zweige wurden in den preußischen Freiherrenstand erhoben. Ein Vertreter des Geschlechts, nach dem die Straße benannt wurde, war Puttkamer, Eugen von, * 12.10.1800 Zemlin b. Cammin (Pommern), + 17.4.1874 Lübben, Jurist.Puttkamer besuchte von 1814 bis 1817 das Friedrich-Wilhelm- Gymnasium in Berlin und studierte an den Universitäten Berlin und Heidelberg Jura. 1821 nahm er seine Tätigkeit am Berliner Stadtgericht auf, wechselte zum Berliner Kammergericht, arbeitete einige Zeit am Oberlandesgericht in Frankfurt (Oder) und kam schließlich 1830 ins preußische Finanzministerium. Danach war er in Stettin als Oberlandesgerichtsrat tätig, wirkte ab 1835 als Landrat des Kreises Randow sowie als Landschaftsrat in Vorpommern. 1839 wurde Puttkamer zum Polizeipräsidenten von Berlin ernannt. Dieses Amt übte er bis zu seiner Berufung 1847 zum Präsidenten der Regierung von Frankfurt (Oder) aus. Seit Mai 1848 leitete Puttkamer - wieder in Berlin - eine Abteilung im preußischen Innenministerium, ehe er 1851 als Oberpräsident der Provinz nach Posen wechselte. Magistrat und Stadtverordnete von Berlin hatten Putkammers Abschied vom Amt des Polizeipräsidenten zum Anlaß genommen, ihm am 27.7.1847 die Ehrenbürgerwürde zu verleihen. Teile der Bürgerschaft empfanden dies als „Akt des Servilismus, der Kriecherei und Untertänigkeit gegen Höhere und Hochgestellte“ und verwahrten sich gegen einen Mann, der sich den Berliner Bürgern gegenüber stets als „rechter Aristokrat“ gezeigt hatte. Wenn auch das Begehren die Entscheidung nicht verhindern konnte, so war es in der Geschichte der Berliner Ehrenbürgerschaft der erste öffentliche Protest gegen eine Verleihung dieser Würde.

    Wikipedia berichtet von der Feindschaft Robert Viktor von Puttkamers gegenüber der Arbeiterbewegung.

    Am 18. Juni 1881 wurde Puttkamer preußischer Innenminister und am 11. Oktober 1881 er Vizepräsident des Preußischen Staatsministeriums. In diesen Funktionen bemühte er sich vor allem, liberale Beamte aus dem Staatsdienst zu entfernen und durch konservative zu ersetzen. Zudem setzte er die Sozialistengesetze streng um, was ihm die Gegnerschaft linker und liberaler Kräfte einbrachte. Hier ist vor allem sein „Streikerlass“ vom 11. April 1886 zu nennen.

    Puttkamerstraße in Kreuzberg
    https://berlin.kauperts.de/Strassen/Puttkamerstrasse-10969-Berlin


    Der Kartenausschnitt zeigt das ehemalige Ord-C in Hausnummer 16, die heute als LABO bekannte Aufsichtsbehörde für Taxen und Mietwagen. Der Parkplatz auf den Grundstücken mit den Hausnummern 13, 14 und 15 dient auch zur Vorführung und Abnahme der Berliner Taxis.

    Name seit 15.8.1845

    OSM: Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten: Referat Fahrerlaubnisse, Personen- und Güterbeförderung
    https://www.openstreetmap.org/way/92335642

    Die Nachfolge des reaktionären von Puttkamer wurde durch eine königliche Intrige ermöglicht.

    König Friedrich III. schrieb Puttkamer Anfang Juni 1888 einen groben und beleidigenden Brief und provozierte so wie beabsichtigt dessen Rücktritt am 8. Juni 1888. Kronprinz Wilhelm schrieb am 10. Juni entrüstet an Großherzog Friedrich I. von Baden, dass es sich bei dem Brief des todkranken Vaters um ein alleiniges Werk der Kaiserin Victoria im Verbund mit freisinnigen Politikern gehandelt habe. Ministerpräsident Bismarck unternahm nichts gegen die Behandlung Puttkamers, gab sich nach außen hin aber „wütend und perplex“ und bestritt, dass die Aktion des Königs mit ihm abgesprochen gewesen war.

    Ernst Ludwig Herrfurth (1888 - 1892)
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Ernst_Ludwig_Herrfurth


    Biographie in Kauperts / Edition Luisenstadt

    Herrfurth, Ernst Ludwig, * 6.3.1830 Oberthau b. Merseburg, + 14.2.1900 Berlin, Jurist, Politiker. Herrfurth studierte Jura in Jena und Berlin. Er war dann bei der Regierung in Arnsberg angestellt. 1867 wurde er zum Regierungsrat befördert und 1873 nach Berlin in das Innenministerium berufen. Hier arbeitete er vorrangig auf den Gebieten Versicherungen, Gemeindefinanzen und Statistik. Im Jahre 1888 wurde er zum Innenminister Preußens berufen, was erhebliche Auseinandersetzungen unter den politischen Größen seiner Zeit auslöste. Er hatte bis 1892 dieses Amt inne. Herrfurth unternahm mit dem Entwurf einer Landgemeindeordnung für die sechs östlichen Provinzen Preußens den Versuch, das bis dahin ungenügende Kommunalrecht zu verbessern. Als Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses - seit 1888 - gelang es ihm 1892 schließlich, seine Gemeindeverfassung vom Parlament bestätigen zu lassen. Herrfurth setzte sich, bis zu seinem Rücktritt noch im Jahr 1892, für die Eingemeindung einiger Berliner Vororte in die Hauptstadt ein. Herrfurth wohnte (1892) Unter den Linden 73. Sein Grab befindet sich in Berlin Schöneberg auf dem Alten Kirchhof der Zwölf-Apostel-Gemeinde, Kolonnenstraße 24 - 25.

    Herrfurthstraße in Steglitz
    https://berlin.kauperts.de/Strassen/Herrfurthstrasse-12163-Berlin

    Name seit 17.7.1906
    Vorher Straße 20 a des Bebauungsplanes.

    Herrfurthstraße in Neukölln
    https://berlin.kauperts.de/Strassen/Herrfurthstrasse-12049-Berlin

    Name seit 6.3.1893
    Vorher die Straßen Nr. 157 und Nr. 159 des Bebauungsplanes.

    Herrfurthplatz in Neukölln
    https://berlin.kauperts.de/Strassen/Herrfurthplatz-12049-Berlin

    Name seit 6.3.1893
    Vorher Platz I des Bebauungsplanes.

    #Berlin #Puttkamerstraße #Kreuzberg #Herrfurthstraße #Steglitz #Neukölln #Herrfurthplatz
    #Geschichte #Antikommunismus #Kaiserreich

  • Neukölln-Komplex : Taten einer Gruppe
    https://www.jungewelt.de/artikel/483638.neuk%C3%B6lln-komplex-taten-einer-gruppe.html


    Kundgebung vor dem Amtsgericht Tiergarten bei Beginn des Prozesses im »Neukölln-Komplex« (Berlin, 29.8.2022) AdoraPress/M. Golejewski

    Pendant des années la police politique de Berlin a saboté l’enquête contre les auteurs de plusieurs attentats contre des militants de gauche. En première instance les accusés ont alors été acquitté pour manque de preuve. En ce moment on peut assister à la procédure de deuxième instance.

    13.9.2024 von Annuschka Eckhardt - Berufungsverfahren im »Neukölln-Komplex«: Verlesung des Urteils der vorherigen Instanz und Zeugenvernehmungen

    Mehr als 30mal muss die Richterin es verlesen: »Rudolf Hess – das war Mord« (sic) und »Mord verjährt nicht«. Die beiden angeklagten Neonazis Tilo P. und Sebastian T. hatten diese Sprüche über Jahre in Berlin-Neukölln gesprayt, die Buchstaben »S« in »Hess« als Sigrunen, eine Schablone mit Konterfei des Naziverbrechers Heß führten sie offenbar auch mit sich. Außerdem sollen sie Brandanschläge auf Linke verübt haben, so auf den Politiker Ferat Koçak und den Buchhändler Heinz Ostermann. Die beiden Faschisten waren vor mehr als eineinhalb Jahren vom Amtsgericht Tiergarten aus Mangel an Beweisen vom Vorwurf der Brandstiftung gegen die Autos ihrer politischen Gegner freigesprochen worden.

    Am Donnerstag begann der Berufungsprozess im sogenannten Neukölln-Komplex im Landgericht in Berlin-Moabit. Bislang sind 14 Verhandlungstage bis Ende November angesetzt. Nach Überzeugung der Generalstaatsanwaltschaft wollte das Duo Menschen einschüchtern, die sich gegen Neonazismus engagieren. Das Amtsgericht Tiergarten hatte den Angeklagten P. am 15. Dezember 2022 und den Angeklagten T. am 7. Februar 2023 in erster Instanz unter anderem vom Vorwurf der Brandstiftung aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Gleichzeitig hatte das Amtsgericht P. wegen Sachbeschädigung und Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen in mehreren Fällen zu einer Gesamtgeldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 30 Euro und T. wegen Betrugs, Sachbeschädigung, Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Bedrohung, Beleidigung und Störung des öffentlichen Friedens zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. Gegen die Urteile hatten sowohl die Generalstaatsanwaltschaft als auch die Angeklagten Berufung eingelegt. Mehr als 70 rechte Straftaten hatten die Ermittlungsbehörden seit 2013 in Neukölln gezählt. Erst im August 2021 erhob die Generalstaatsanwaltschaft Anklage.

    Die Verlesung des Urteils aus der ersten Instanz dauerte über eine Stunde. Stoisch wiederholt Richterin Susann Wettley Straßennamen, Hausnummern und Postleitzahlen von Orten im migrantisch geprägten Bezirk Neukölln, denen die Neonazis »Besuche« abgestattet hatten, um ihre faschistischen Botschaften anzubringen, Linke einzuschüchtern oder lebensbedrohliche Brandsätze zu legen. Doch darum sollte es am ersten Verhandlungstag der Berufung nicht gehen, sondern um eine Wohnung von T., für deren Miete er Geld vom Jobcenter erhielt, sie aber untervermietete. Dazu waren mehrere Zeugen geladen, unter anderem eine bulgarische Untermieterin und die angebliche Verlobte des Angeklagten, in deren Wohnung er seit 2021 offiziell gemeldet ist.

    »Es ist wirklich eine Schande, dass Herr Ostermann und ich nach fast sieben Jahren nun wieder bei diesem Prozess als Zeugen auftauchen müssen. Die Begegnung mit den Nazis, die meinen Tod und den meiner Eltern in Kauf genommen haben, ist für mich enorm retraumatisierend, kostet mich Schlaf und hält mich von wichtiger Arbeit ab«, sagte der Betroffene, Zeuge und auch Nebenkläger Koçak am Donnerstag gegenüber junge Welt. Der Tag des Anschlags und die damit einhergehenden Ängste bestimmten wieder den Alltag des Sprechers für antifaschistische Politik, Strategien gegen rechts und Klimapolitik der Fraktion Die Linke im Berliner Abgeordnetenhaus und den des Buchhändlers Ostermann. Besonders erschreckend sei, dass neben dem ehemaligen Neuköllner AfD-Vorstandsmitglied P. auch einer von »Der III. Weg« angeklagt ist, einer Gruppierung, die zuletzt mit Kampfsporttrainings für Faschisten im Berliner Raum Aufsehen erregt hatte. Gemeint ist der Angeklagte Sebastian T. »Es ist wichtig, dass endlich berücksichtigt wird, dass es hier um eine organisierte Gruppe und nicht um Einzeltäter geht, die seit Jahren Neuköllner terrorisieren«, so Koçak.

    Die Bedrohungslage scheint indes weiter vorhanden zu sein: Erst vor kurzem habe »Der III. Weg« vor Koçaks Wohnhaus eine Drohung hinterlassen haben, um ihn vor dem Prozess einzuschüchtern.

    #Allemagne #Berlin #Neukölln #justice #police_politique #extrême_droite #attentat

  • Nahost in Berlin : Das rote Dreieck in Kreuzberg und Böller in Neukölln
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/nahost-in-berlin-das-rote-dreieck-in-kreuzberg-und-boeller-in-neuko

    Le journal nous informe sur les crimes dites antisemites de la semaine à Berlin. L’auteur ne mentionne pas que ce samedi soir la police a bloqué des rues et la circulation des S-Bahn de manière que d’énormes bouchons et retards de bus et de trains se produisent jusque dans les beaux quartiers de la banlieue sud-ouest Lichterfelde/Zehlendorf . Pour un trajet qui dure normalement 20 minutes on a eu besoin d’une heure de plus. L’article nous apprend que c’était à cause d’un attroupement de jeunes immigrés arabes à Neukölln. Le périmètre des perturbations s’étendait donc à 13 kilomètres du lieu des manifestations. C’est disproportionné et absurde.

    J’anticipe avec inquiétude ce qui se passera lors de véritables problèmes et émeutes. Heureuses seront les personnes qui pourront se déplacer indépendamment des transports en commun et de la circulation automobile.

    31.8.2024 von Andreas Kopietz - In der zurückliegenden Woche ging es in Berlin wieder brutal zu. Unser Crime-Reporter zieht Bilanz. Der kriminelle Wochenrückblick.

    Kriminalität, das sind nicht nur Mord, Messerangriffe oder Handtaschenraub. Die zurückliegende kriminelle Woche wollen wir mal unter einem anderen Aspekt beleuchten – dem der politisch motivierten Kriminalität. Seit dem 7. Oktober, als die Hamas in Israel einen Massenmord verübte und den Krieg auslöste, vergeht auch in europäischen Städten kein Tag ohne antisemitische Attacken: Farbanschläge, Bedrohungen, körperliche Angriffe.

    Sonnabends und mittwochs machen Menschen in Berlin von ihrem Grundrecht Gebrauch, gegen die Politik Israels und deutsche Waffenlieferungen dorthin zu demonstrieren. Wenn es nur dabei bliebe, wäre alles bestens. Bleibt es aber nicht. Samstagabend zogen Hunderte bei einer sogenannten propalästinensischen Demo durch Mitte und brüllten „From the river to the sea“, was als Forderung zur Auslöschung des jüdischen Staates zu verstehen und daher eine verbotene Losung ist. Die Polizei stoppte den Aufzug. Polizisten wurden angegriffen, es gab weitere volksverhetzende Ausrufe. Später, am Herrmannplatz in Neukölln, rottete sich ein Mob aus vornehmlich arabischstämmigen Jugendlichen zusammen und bewarf die Polizei mit Böllern.

    In der Nacht zum Dienstag gab es einen Farbanschlag auf das Gebäude des Tagesspiegels am Askanischen Platz in Kreuzberg. Jemand hatte auf ein Rolltor das rote Hamas-Dreieck und den Spruch „German Media Kills“ gesprüht. Die Hamas markiert mit dem Dreieck ihre Feinde. Man findet es auch an Berliner Wohnhäusern mit jüdischen Bewohnern.

    Am Mittwoch sah eine Frau in der Rosenstraße in Mitte, dass dort das Denkmal beschmiert wurde. Es erinnert an den Protest hunderter Frauen gegen die Verhaftung ihrer jüdischen Ehemänner 1943. Jemand hatte die Parole „Jews are committing genocide“ auf den Sandstein gesprüht, auf Deutsch: „Juden verüben Genozid“.

    Abends gab es am Winterfeldtplatz in Schöneberg wieder eine israelfeindliche Kundgebung. Die üblichen Sprechchöre waren zu hören. Darunter uralt-linke Sprüche wie: „Deutsche Waffen, deutsches Geld, morden mit in aller Welt“ oder: „Hoch die internationale Solidarität!“ Die sind nicht verfassungsfeindlich. Hass und Volksverhetzung gehen derweil im Internet weiter.

    #Berlin #Hermannplatz #Neukölln #Steglitz-Zehlendorf #Lichterfelde #circulation_routière #manifestation #police #philosemitisme #Palestine

  • 38. Kreuzberger Viertelmarathon: Start zur Anmeldung
    https://tib1848ev.de/news/38-kreuzberger-viertelmarathon-start-zur-anmeldungitieren

    Erstellt am 29. Februar 2024

    Am Sonntag, den 1. September 2024 findet wieder unser beliebter Kreuzberger Viertelmarathon statt. Somit geht der Lauf dieses Jahr bereits in die 38. Runde (!) und wir freuen uns schon sehr darauf!

    Um Einsteiger:innen die Teilnahme zu erleichtern wird zusätzlich zu der 10,5 km langen Viertelmarathonstrecke eine 5,25 km Strecke angeboten. Und auch Kinder haben die Möglichkeit auf einer 2,5 km langen Strecke die grüne Hasenheide zu durchlaufen.

    Bunt - laut - schrill wird es auch dieses Jahr wieder! Gestartet wird vom Vereinsgelände der Turngemeinde in Berlin 1848 e.V. und führt durch das quirlige Berlin Kreuzberg. Quer durch angesagte Szeneviertel und vorbei an…

    wunderschönen Altbauten die (könnten sie reden) interessante Geschichten aus der damaligen Besetzerszene und dem einst geteilten Berlin erzählen
    dem Landwehrkanal (auf dem die Berliner:innen auch gerne mal im kalten Winter auf der zugefrorenen Fläche entlangspazieren oder sich es im Sommer in ihrem Schlauchboot gut gehen lassen)
    an Guerilla-Gärten und Streetart
    Touris, die in einer der angesagten Frühstücklocations sitzen und Hipstern, die ihre Super-Bowl mit Acaibeeren und grünem Smoothie genießen
    an Berliner Originalen, die sich beim Lieblingsbäcker die morgendlichen Schrippen holen
    dem Partyvolk, welches sich nach einer langen Nacht noch einen Absacker beim Späti genehmigt
    und noch so vielem mehr, denn in Kreuzberg ist immer etwas los – sei mit dabei und mittendrin! Lerne Kreuzberg von seiner „echten“ Seite kennen, denn die Platten und Dönerbuden gehören genauso zu Berlin wie die ehemalige Berliner Mauer oder der Checkpoint Charlie.

    Alle Infos

    Schnell sein lohnt sich, denn die ersten 100 Läufer:innen die sich bis spätestens zum 30.06.2024 anmelden, zahlen statt 28,- € nur 23,- € Startgeld!

    TiB Mitglieder erhalten bei einer Anmeldung bis zum 30.06.2024 einen Sonderpreis von 15,- € Startgeld! Ihr benötigt dazu einen Vereinsvoucher, den Ihr bei der Anmeldung eingeben müsst. Diesen fordert Ihr bitte unter events@tib1848ev.de an. Bitte beachtet, dass der Rabatt nicht nachträglich eingelöst werden kann!

    Wir freuen uns auf Euch und „halten Euch auf dem Laufenden“!

    Euer TiB Events Team

    #Berlin #Neukölln #Columbiadamm #Spart #Marathon #Freizeit

  • Loophole geschlossen: Eines der letzten Schlupflöcher
    https://taz.de/Loophole-geschlossen/!6019256


    Ein Bild aus besseren Zeiten: das Team des Loophole Foto: Adrian Bang

    https://www.openstreetmap.org/node/5838965221

    8.7.2024 von Fabian Schroer - Der alternative Kulturraum Loophole in Neukölln ist geschlossen, zumindest vorerst. Vorausgegangen waren wiederholte Beschwerden von Anwohner*innen.
    Gruppenbild im Inneren des Loophole

    Noch sieht es in der Boddinstraße 60 aus wie immer. Die mit Graffiti bemalten Rollläden des kleinen Ladens hängen schief in den Schienen. Auf den bunten Wänden kleben mehrere Schichten politischer Plakate und Infos zu Kulturveranstaltungen. Im Eingang liegt etwas Papiermüll. In einer Ecke steht, fast unscheinbar, in schwarzer Heavy-Metal-Schrift das Wort „Loophole“ geschrieben.

    Das Loophole schließt, zumindest vorerst. Am vergangenen Donnerstag hatte das Team des alternativen Neuköllner Kreativraums auf seiner Instagram-Page verkündet, dass es nun vorbei sei – nach über 15 Jahren mit Konzerten, Performances und Partys. Das Loophole gehörte zu der Sorte von Orten, wie man sie in Berlin nur noch selten findet.

    In drei staubigen Räumen bekam alles eine Bühne geboten, was nicht in den Mainstream passte – von Punk-Konzerten über Free-Jazz, Veranstaltungen des Berlin Stripper Collectives bis hin zum Filmfestival Boddinale, dem Kontrastprogramm zur Berlinale. Besonders neue Be­su­che­r*in­nen staunten über die übergroße Pantomimen-Maske an der Tür zur Tanzfläche, die kunstvoll gestalteten Wände oder das glitzernde Relief aus Spielzeug über der Bar.

    Das Ende kam nun abrupt. Mitbegründer Jan Gryczan ist Teil des Kollektivs, welches das Loop­­hole betreibt. Er schildert, wie bei einem Konzert am Mittwoch unerwartet Polizei und Ordnungsamt erschienen seien und die Veranstaltung abbrachen. „Das Team hat das als sehr einschüchternd empfunden, wir wollen ja eigentlich ein Safespace sein“, sagt er.

    Alle kommenden Veranstaltungen abgesagt

    Die Beamten hätten Team- und Bandmitglieder festgesetzt, Personalien aufgenommen und schließlich die Räume versiegelt. Sie dürften erst wieder betreten werden, wenn alle kommenden Veranstaltungen abgesagt seien. Auf eine Anfrage der taz reagierte das Ordnungsamt Neukölln bisher nicht.

    Grund für die Probleme seien laut Gryczan vor allem immer wieder Lärmbeschwerden von Nachbar*innen. Wer regelmäßig im Loophole war, weiß, dass man gerne mal vom Balkon aus einen Eimer Wasser über den Kopf geschüttet bekam, wenn man rauchend auf dem Gehsteig stand. Auch Beleidigungen und Vandalismus habe es laut den Betreibenden gegeben. Das Kollektiv habe sich zwar immer um Dialog bemüht, doch der sei mit der Zeit unmöglich geworden.

    Gryzan weiß, wovon er spricht, wenn es um den Verlust von Kulturorten in Berlin geht – mit dem LA54 in Berlin-Friedrichshain und dem Eigenreich in Prenzlauer Berg war er bereits an mehreren beteiligt. „Im Loophole haben wir die Probleme bisher immer überwunden und konnten weiterkämpfen, aber dieses Mal sieht es wirklich arg aus.“

    Mit dem Loophole würde Neukölln nicht nur einen seiner beliebtesten Underground-Veranstaltungsorte verlieren, sondern gleichzeitig einen seiner solidarischsten. An den manchmal bis zum Bersten vollen Abenden kamen Menschen verschiedenster Couleur miteinander ins Gespräch, auch die queere Community fühlte sich hier zu Hause. Das ehrenamtliche Team legt großen Wert auf Inklusion, Entscheidungen werden hierarchiefrei getroffen, Eintritts- und Getränkepreise waren moderat.

    Erhebliche Kosten für die Betreibenden

    Gerade daher führt das Nutzungsverbot nun zu erheblichen Herausforderungen für die Betreibenden. Die mehr als 3.000 Euro Miete plus laufende Kosten fallen weiterhin an, der Mietvertrag ist auf fünf Jahre vereinbart, rund 75 Veranstaltungen bis zum Jahresende müssen abgesagt werden.

    Doch etwas Hoffnung gibt es noch. Das Loophole versucht einen Weg zu finden, die Räume an der Boddinstraße wieder öffnen zu können, diesmal dann ohne Konzerte. Auf seiner Website hat das Kollektiv eine Crowdfunding-Kampagne eingerichtet, um die entstehenden Kosten zu decken, und eine Petition gestartet, um Verantwortliche bei Stadt und Behörden aufmerksam zu machen. Langfristig wird ein neuer Ort gesucht, an dem es weniger Probleme gibt. Dafür hofft das Kollektiv auf Hinweise und vor allem auf öffentliche Unterstützung.

    https://www.openstreetmap.org/node/5838965221

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    #,Berlin #Boddinstraße #Neukölln #nightclub