Les fonctionnaires du ministère des affaies étrangères à Berlin disent adieu avec un poème (voire plus loin) à leur ancienne patronne verte et à son collègue vert à la tête du ministère de l’économie. Bref : ils sont contents d’être débarassés des énergumènes verts.
13.1.2026 von Harald Neuber - Ein satirisches Gedicht im Auswärtigen Amt sorgt für Aufregung – dabei war Undiplomatie unter Baerbock Regierungsprogramm. Eine Analyse über Ken, Barbie und die Kunst der Selbstironie
Baerbock, Habeck: Schon 2019 machte sie der Gedanke an Macht ernst.
Baerbock, Habeck: Schon 2019 machte sie der Gedanke an Macht ernst.Imago
Es gibt Momente, in denen sich ein Ministerium selbst entlarvt. Nicht durch Skandale, nicht durch Fehlentscheidungen, sondern durch die Art, wie es auf Kritik reagiert. Das Auswärtige Amt hat in dieser Woche einen solchen Moment erlebt – und er ist von einer Ironie, die selbst einem geübten Satiriker die Schamesröte ins Gesicht treiben könnte.
In der Mitarbeiterzeitschrift internAA (Ausgabe 1/26) erschien ein satirisches Gedicht mit dem Titel „Ken & Barbie“. Insider lasen es sofort als Anspielung auf die ehemalige Außenministerin Annalena Baerbock und den ehemaligen Vizekanzler Robert Habeck. Was folgte, war bemerkenswert: Das Gedicht wurde gelöscht, aus dem Netz entfernt, ein Sprecher des Hauses erklärte kleinlaut: „Uns ist ein Fehler passiert.“
Baerbock und Habeck verspottet: Satirisches Gedicht im Auswärtigen Amt sorgt für Eklat
Baerbock und Habeck verspottet: Satirisches Gedicht im Auswärtigen Amt sorgt für Eklat Von Harald Neuber
Ein Fehler? Das Auswärtige Amt, jenes Haus, das unter Annalena Baerbock die „wertegeleitete Außenpolitik“ zum Markenkern erhob, jenes Ministerium, das auf Twitter republikanische Politiker mit dem Verweis auf „Hunde und Katzen“ verspottete, jenes Amt, dessen Chefin den russischen Außenminister öffentlich der Lüge bezichtigte und chinesische Diplomaten mit Vorlesungen über Menschenrechte traktierte – dieses Amt findet ein internes Gedicht über seine ehemalige Führung so unerträglich, dass es zur Zensur greift?
Die Empfindlichkeit der Unempfindlichen
Man muss sich die Chronologie vor Augen führen, um das Ausmaß der Absurdität zu ermessen. Im September 2024 postete das Auswärtige Amt auf X einen Tweet, der Donald Trumps Behauptung über Migranten, die angeblich Haustiere äßen, mit einem Foto von Außenamts-Hund und -Katze kommentierte. „They’re safe here in the Foreign Office“, hieß es da launig. Die diplomatische Gepflogenheit, sich nicht in den Wahlkampf anderer Länder einzumischen? Offenbar ein Relikt aus der Zeit, als Diplomatie noch etwas mit Zurückhaltung zu tun hatte.
Im September 2023 standen Baerbock und Habeck gemeinsam im Weltsaal des Auswärtigen Amtes vor versammelten deutschen Diplomaten. Der Spiegel schilderte die Szene in einer Ausführlichkeit, die an Realsatire grenzte: Habeck, so der Bericht, habe den Anwesenden erklärt, er wolle ihnen nun etwas sagen, das sie sich merken sollten. Dann habe er innegehalten und angekündigt: „Es ist etwas Großes, was ich hier gerade sage.“
Die Reaktion der Diplomaten? Der Spiegel beschrieb sie als eine Mischung aus Höflichkeit und ungläubigem Staunen. Hier stand ein Minister, der sich selbst für so bedeutend hielt, dass er seine eigene Rede vorab als historisch einordnete. Die Beamten, geschult in der Kunst der neutralen Miene, dürften an diesem Tag ihre Ausbildung auf eine harte Probe gestellt gesehen haben.
Austeilen ja, Einstecken nein
Das Gedicht „Ken & Barbie“ ist also nicht vom Himmel gefallen. Es ist, wenn man so will, die konsequente Fortführung jener Kommunikationskultur, die Baerbock und Habeck selbst im Auswärtigen Amt etabliert haben. Nur dass diesmal sie die Zielscheibe sind – und nicht mehr die, die den Pfeil abschießen.
Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: Bis September 2024 hatte Robert Habeck 805 Strafanträge wegen Beleidigung gestellt, Annalena Baerbock 514. Zum Vergleich: Bundeskanzler Olaf Scholz stellte keinen einzigen. Die FDP-Minister Marco Buschmann und Bettina Stark-Watzinger kamen zusammen auf 50.
Man kann diese Zahlen unterschiedlich interpretieren. Die wohlwollende Lesart: Habeck und Baerbock sind besonders exponiert und werden deshalb besonders oft angefeindet. Die weniger wohlwollende: Hier regieren Politiker, die zwar gerne austeilen, aber das Einstecken nie gelernt haben.
Der Fall des bayerischen Rentners, der Habeck auf X als „Schwachkopf professional“ bezeichnete – gestaltet wie das Logo der Kosmetikmarke Schwarzkopf –, wurde zum Symbol dieser Empfindlichkeit. Eine Hausdurchsuchung im Morgengrauen, zwei Polizeibeamte, ein beschlagnahmtes Tablet. Wegen eines Wortspiels, das ein Gericht später als zulässige Meinungsäußerung einstufte.
Der Unternehmer vom Tegernsee
Ähnlich erging es dem Unternehmer Michael Much aus Gmund am Tegernsee. Er hatte zwei Plakate an seinen Zaun gehängt: eines mit Habecks Zitat über Insolvenzen („Unternehmen werden nicht insolvent, sondern hören nur auf zu produzieren“) und der Unterzeile „Kann Robert Habeck überhaupt bis drei zählen?“. Das zweite zeigte die Grünen-Spitze in satirischer Überzeichnung – Baerbock als trotziges Kind, Habeck mit leeren Hosentaschen, Ricarda Lang als Dampfwalze.
Die Staatsanwaltschaft beantragte einen Strafbefehl über 6.000 Euro. Die Darstellung Langs sei „entmenschlichend“, argumentierte sie. Das Amtsgericht Miesbach sah das anders: Freispruch. Es handele sich um zulässige Meinungsäußerung und „Machtkritik“. Politiker müssten mehr hinnehmen als Normalbürger.
Annalena Baerbock soll die Strafanzeige gestellt haben. Dieselbe Baerbock, die in ihrer Amtszeit keine Gelegenheit ausließ, anderen Staatschefs die Leviten zu lesen. Die Wladimir Putin einen Kriegsverbrecher nannte (was er nach Ansicht von Völkerrechtlern ist), die Xi Jinping über Menschenrechte belehrte (was ihr gutes Recht ist), die aber offenbar nicht ertragen kann, wenn ein bayerischer Unternehmer sie als trotziges Kind karikiert.
Helmut Kohl und die Birne
Es gab einmal eine Zeit, in der deutsche Spitzenpolitiker Spott als Berufsrisiko betrachteten. Helmut Kohl wurde 16 Jahre lang als „Birne“ verspottet – er ließ die Karikaturen sammeln. Joschka Fischer rief 1984 dem Bundestagspräsidenten „Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch“ zu – und wurde zum Außenminister. Die Grünen von damals verstanden sich als Partei, die den Mächtigen auf die Füße trat. Die Grünen von heute treten mit der Wicht des repressiven Staates zurück, wenn jemand ihnen auf die Füße tritt.
Der Paragraf 188 StGB, der seit 2021 einen besonderen Schutz für Personen des politischen Lebens vorsieht, sollte laut Gesetzesbegründung eine „Vergiftung des politischen Klimas“ verhindern. Das Gegenteil ist eingetreten. Die Flut von Strafanzeigen hat das Klima nicht entgiftet, sondern das Vertrauen in die politische Klasse weiter untergraben. Wer jeden Kritiker verklagt, erweckt nicht den Eindruck von Stärke, sondern von Dünnhäutigkeit.
Die Zerrissenheit der Republik
Das Gedicht im Auswärtigen Amt ist gelöscht, aber die Fragen, die es aufwirft, bleiben. Warum darf ein Ministerium auf Twitter ausländische Politiker verspotten, aber kein internes Gedicht über die eigene Ex-Chefin veröffentlichen? Warum darf eine Außenministerin andere Staatschefs öffentlich der Lüge bezichtigen, aber ein Rentner darf sie nicht als trotziges Kind karikieren?
Die Antwort liegt in einer Asymmetrie, die das politische Deutschland seit Jahren prägt: Es gibt Satire, die als mutig gilt, und Satire, die als Hetze verfolgt wird. Die Unterscheidung verläuft nicht entlang der Frage, ob etwas witzig oder geschmacklos ist, sondern entlang der Frage, wen es trifft.
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Jan Böhmermann darf den türkischen Präsidenten in einem Schmähgedicht als „Ziegenficker“ bezeichnen – und wird dafür gefeiert. Ein bayerischer Unternehmer darf Ricarda Lang nicht als Dampfwalze zeichnen – und bekommt Besuch von der Polizei. Die Gerichte haben in beiden Fällen am Ende für die Meinungsfreiheit entschieden. Aber der Weg dorthin sagt viel über den Zustand der Debattenkultur.
Ein Ministerium auf der Suche nach sich selbst
Das Auswärtige Amt steht heute vor einem Neuanfang. Unter Minister Johann Wadephul (CDU) wird die „feministische Außenpolitik“ zu den Akten gelegt, der Ton gegenüber Verbündeten wird wieder verbindlicher, die Tweets werden wieder langweiliger. Das ist, je nach Perspektive, ein Verlust oder eine Erleichterung.
Das Gedicht „Ken & Barbie“ war vielleicht tatsächlich ein Fehler – aber nicht, weil es erschienen ist, sondern weil es gelöscht wurde. Ein Ministerium, das vier Jahre lang die wertegeleitete Außenpolitik gepredigt hat, hätte den Mut haben können, auch interne Satire als Teil dieser Werte zu begreifen. Stattdessen hat es demonstriert, dass die Meinungsfreiheit dort endet, wo die eigene Empfindlichkeit beginnt.
Annalena Baerbock hat einmal gesagt, sie wolle eine Außenpolitik machen, die „nicht nur Interessen, sondern auch Werte“ vertritt. Das Gedicht im „internAA“ war ein Test, ob diese Werte auch dann gelten, wenn sie unbequem werden. Das Auswärtige Amt hat den Test nicht bestanden.
Redaktionelle Anmerkung 1: In einer ersten Version dieses Artikels wurde die wertegeleitete Außenpolitik von Annalena Baerbock als „satiregeleitete Wertepolitik“ bezeichnet. Die Berliner Zeitung entschuldigt sich für diesen Lapsus und bittet Frau Baerbock darum, nicht verklagt zu werden.
Redaktionelle Anmerkung 2: Hier das Gedicht in voller Länge.
Ken & Barbie
Heizung aus,
Pullover an,
selbst gestrickt,
von Mann zu Mann.
Die Außenwelten,
feministisch gedacht,
die Welt zu retten,
doch nicht jeder, hat gelacht.
Ein Kinderschreck im Höhenflug,
Politik, ganz wie ein schlechtes Buch,
ein Land, das sucht, das strebt,
fragt sich, wohin der Weg nun geht.
Mit Hochglanzschminke um die Welt,
das Haar, immer perfekt gewellt,
Hochglanzreden, ohne Geschick,
hatte die Menschen, nicht mehr im Blick.
Die Wurzeln einst so tief im Grund,
doch Wandel kam, die Zeit war bunt,
Ein grüner Baum der Frieden trug,
verlor den Pfad, den einst er schlug.
Sein Schritt eilt voraus,
bloß nicht nach Haus,
der Abstieg zum Schluss,
Philosophie, im Außen Ausschuss.
Und sie, die Heimat verlässt,
auf zum Big Apple, welch ein Fest,
ein Job ergaunert, ganz elegant,
das Volk frohlockt, nun ist sie verbannt.
So ziehen sie weiter,
die beiden, so heiter,
wir winken ihnen zu,
nun haben wir Ruh.