Nach fehlgeschlagener Hinrichtung in Tennessee : Christa Pike war an Beatmungsgerät angeschlossen – Zustand weiter kritisch
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C’est simplement horrible et rappele le sort des milliers de condamnés dans le monde. L’abolition de la peine de mort est le premier critère pour qualifier une société comme civilisée. Les autres sont des tentatives d’organisation sociale inaccomplies.
2.10.2026 - Am Mittwoch sollte Christa Pike nach drei Jahrzehnten im Todestrakt hingerichtet werden – doch der Versuch schlug fehl. Nun kämpft das Krankenhauspersonal um ihr Leben.
Die im US-Bundesstaat Tennessee zum Tode verurteilte Mörderin Christa Pike war nach ihrer gescheiterten Hinrichtung am Donnerstagabend (Ortszeit) bewusstlos und an ein Beatmungsgerät angeschlossen. Das berichten mehrere US-Medien unter Berufung auf lokale Gerichtsdokumente vom Freitag.
Die „New York Times“ etwa zitierte aus den Dokumenten, dass Pike laut ihrer Anwälte mit Stand Donnerstagabend bewusstlos, intubiert und an ein Beatmungsgerät angeschlossen in einem Krankenhaus in Nashville gelegen habe. Die 50-Jährige hatte am Mittwoch (Ortszeit) zwei Hinrichtungsversuche per Giftspritze überlebt.
Pikes Gesundheitszustand ist demnach weiter kritisch. Das Krankenhauspersonal arbeite daran, das Leben von Pike zu retten und das injizierte Pentobarbital aus ihrem Körper zu entfernen, zitierte die „New York Times“ die Anwälte.
Trump: „Interessante Situation“
Auch US-Präsident Donald Trump äußerte sich vor Journalisten zu der Hinrichtung. Von einem Reporter auf den Vorfall angesprochen, sagte der US-Republikaner: „Das war eine interessante Situation.“
Er sagte weiter: „Das war eine Hinrichtung, bei der die Medikamente nicht ganz gewirkt haben.“ Für weitere Auskünfte darüber, ob die Vollstreckung der Todesstrafe für Pike künftig weiterhin umgesetzt werden soll oder nicht, verwies Trump den Reporter an die zuständigen Behörden in Tennessee.
Danach richtete sich Trump an einen neben ihm stehenden Mann, der nach Angaben des US-Präsidenten „ein großartiger Arzt“ sei und die Vorgänge sicherlich „besser erklären kann, als jeder andere“. Trump ergänzte: „Wie kann so etwas passieren? So etwas sollte eigentlich nicht allzu schwierig sein, oder?“
Pikes Verteidigung fordert Aufhebung der Todesstrafe
Pikes Anwalt Randy Spivey zufolge gebe es bislang keine genaue Prognose für ihren Gesundheitszustand. Welche gesundheitlichen Folgen sie davontragen könnte, sei demnach bislang ebenfalls unklar.
Die Verteidigung forderte Tennessees Gouverneur Bill Lee auf, die Todesstrafe der Verurteilten aufzuheben und sie stattdessen lebenslang in Haft zu lassen. Lee wiederum reagierte zunächst, indem er nach dem Vorfall alle weiteren Hinrichtungen für den Rest des Jahres aussetzen wollte und eine umfassende Untersuchung durch eine externe Stelle anordnete.
So schildern Anwesende die fehlgeschlagene Hinrichtung
Die Anwälte berichteten von zahlreichen Problemen während der versuchten Hinrichtung. Demnach dauerte es etwa eine Stunde, die intravenösen Zugänge zu legen. Allein an Pikes linkem Arm habe er sieben Einstiche gezählt, so Spivey. Eine der verwendeten Nadeln sei beim Herausziehen offenbar verbogen gewesen.
Während der Verabreichung der Medikamente habe sich ihr rechter Arm zunehmend violett verfärbt. Inzwischen gebe es nach Angaben der Verteidigung Blasen und Verbrennungen rund um die Einstichstellen.
Ir_gendwann fragte sie die Vollzugsbeamten noch, ob sie sich denn so fühlen solle. Kim Chandler, anwesende Journalistin_
Spivey sagte zudem, er habe Pike nach der ersten Verabreichung noch sprechen und singen gehört. Die Anwälte kritisierten auch mangelnde Transparenz während des Ablaufs: Der Vorhang zum Zeugenraum sei über längere Zeit geschlossen gewesen, Informationen seien nur verzögert weitergegeben worden. Erst viel zu spät habe man erfahren, dass ein Krankenwagen unterwegs sei.
Die Verteidigung prüft nach eigenen Angaben weitere rechtliche Schritte. Zunächst solle sich Pike jedoch erholen und selbst mitentscheiden können, wie weiter vorgegangen werde. „Was gestern Abend passiert ist, war nicht nur ineffizient, sondern grausam und qualvoll“, sagte Spivey.
Pike soll nach zweiter Spritze geschnarcht haben
Christa Pike wäre die erste Frau seit mehr als 200 Jahren gewesen, die in Tennessee hingerichtet worden wäre. „Um 20.26 Uhr berichteten Zeugen der Hinrichtung, dass die Vollstrecker beide Spritzen mit den tödlichen Chemikalien injiziert hätten und Pike noch am Leben sei und schnarche“, heißt es in Gerichtsunterlagen.
Pikes Anwälte kritisierten den Ablauf der Hinrichtung scharf. Zu den Problemen hätten „geplatzte Venen und minderwertiges Pentobarbital“ gehört. Zudem sei nach dem Hinrichtungsversuch keine medizinische Notversorgung verfügbar gewesen.
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Christa Pike bei einem Gerichtstermin am 4. Dezember 2007 in Knoxville, Tennessee. © REUTERS/J. Miles Cary
„Es sieht so aus, als sei das nicht so abgelaufen, wie es hätte ablaufen sollen“, sagte der Journalist John North vom Sender WBIR, der bei der Exekution als Zeuge zugegen war.
Die Journalistin Kim Chandler von der Nachrichtenagentur Associated Press sagte dem Sender CBS News, dass Pike zu Beginn der versuchten Hinrichtung bei Bewusstsein war. „Irgendwann fragte sie die Vollzugsbeamten noch, ob sie sich denn so fühlen solle.“ Nachdem sich die Vorhänge der Todeskammer schlossen, sei zu hören gewesen, wie Pike „laut schnarchte“.
Die Reporterin Catherine Sweeney vom Fernsehsender WPLN berichtete, sie habe von Pike „fast eine Stunde lang sehr laute Atemgeräusche“ gehört. Die anwesenden Medienvertreter seien dann aufgefordert worden, den Bereich zu verlassen.
Die Mutter des Mordopfers, die die Hinrichtung befürwortet hatte, war ebenfalls anwesend. „Es war Chaos“, sagte sie dem Sender NBC. Dem Gouverneur und der Generalstaatsanwaltschaft Tennessee warf die Mutter Versagen vor: „Sie haben es vergeigt“ („They fucked up“).
Scharfe Kritik kam von der Non-Profit-Organisation Death Penalty Information Center (DPIC), die die Praxis kritisch begleitet: „Dieser Vorfall ist der schlimmste, den wir je erlebt haben, und mit keiner anderen verpfuschten Hinrichtung der Neuzeit zu vergleichen“, sagte der DPIC-Direktor Robin Maher der „New York Times“. „Es gibt keinen Präzedenzfall.“
30.09.2026, USA, Nashville: Rettungsfahrzeuge treffen bei der Hochsicherheitsanstalt Riverbend ein, nachdem die Hinrichtung von Christa Pike angehalten wurde. Foto: George Walker IV
Weshalb wurde Christa Pike verurteilt?
Pike war 1996 für den Mord an einer damals 19-jährigen Mitschülerin zum Tode verurteilt worden. Sie selbst war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. 1995 hatten drei Teenager das Opfer in einem abgelegenen Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville gefoltert und getötet.
Die Anwälte der heute 50-Jährigen forderten eine Begnadigung, weil sie die Tat im Alter von nur 18 Jahren beging und als Opfer langjährigen sexuellen Missbrauchs unter psychischen Problemen litt.
Ein US-Bundesgericht in Tennessee hatte am Mittwoch die Hinrichtung kurzfristig ausgesetzt. Das Berufungsgericht sprach von einem „kurzen Aufschub“, bis alle Argumente für und gegen die Exekution der 50-Jährigen geprüft seien.
Kurze Zeit später hatte das Oberste Gericht der USA den Weg für die zuvor aufgeschobene Hinrichtung frei gemacht. Die Anordnung des US-Berufungsgerichts vom 30. September werde aufgehoben, verfügte der Supreme Court am Mittwoch.
UN-Kommissar Türk fordert Gnade für Christa Pike
Auch UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk forderte Gnade für die 50‑Jährige. „Die Todesstrafe hat in keiner Gesellschaft einen Platz“, schrieb er auf X.
Er sei zudem grundsätzlich „besorgt über den Anstieg der Hinrichtungen“ in den USA. Ihre Zahl ist seit dem erneuten Amtsantritt von Präsident Donald Trump Anfang 2025 sprunghaft gestiegen. Dieser hatte dazu aufgerufen, die Kapitalstrafe häufiger zu verhängen. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des DPIC 47 Menschen hingerichtet, der höchste Stand seit 2009. In diesem Jahr waren es bereits 28.
D_ieser Vorfall ist der schlimmste, den wir je erlebt haben, und mit keiner anderen verpfuschten Hinrichtung der Neuzeit zu vergleichen. Robin Maher, Direktor der Non-Profit-Organisation Death Penalty Information Center (DPIC)_
Das UN-Menschenrechtsbüro erklärte zudem: „Der Fall von Christa Pike macht eine Vielzahl von Gründen deutlich, warum die Todesstrafe abgeschafft werden sollte. Das anhaltende körperliche und seelische Leiden durch mehrere gescheiterte Hinrichtungsversuche ist verabscheuungswürdig und grausam.“
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erklärte, Pikes Fall zeige abermals, „dass es keine humane Hinrichtungsmethode gibt“. Die Todesstrafe müsse überall abgeschafft werden, forderte die Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, Julia Duchrow.
Immer wieder Komplikationen bei Hinrichtungen
Komplikationen wie im Falle Pikes sind bei Hinrichtungen in den USA traurige Realität. Laut einer Untersuchung des DPIC verlief 2022 mehr als ein Drittel aller Hinrichtungen „sichtbar problematisch“ oder nahm übermäßig viel Zeit in Anspruch. Bei einem Fall in Alabama brauchten die Henker drei Stunden, um den intravenösen Zugang zu legen – es war die längste Hinrichtung in der US‑Geschichte.
Als Reaktion auf die gescheiterte Hinrichtung kündigte der republikanische Gouverneur Bill Lee an, die letzte für dieses Jahr geplante Vollstreckung einer Todesstrafe auszusetzen. Lee erklärte laut dem US-Radiosender NPR, er habe eine „umfassende Untersuchung durch eine unabhängige Stelle“ angeordnet, „um genau zu ermitteln, was vorgefallen ist“. Unklar ist noch, ob Pike zu einem späteren Zeitpunkt erneut hingerichtet werden soll. Das Todesurteil besteht formell weiter.
Pike war nach Angaben der offiziellen Webseite der Regierung von Tennessee die einzige Frau, die derzeit im Todestrakt des US-Bundesstaates eine Strafe verbüßte. Sie ist laut der Forschungseinrichtung Cornell Center on the Death Penalty Worldwide die erste Frau seit 1819, die in Tennessee hingerichtet werden sollte.
Seit der Wiederzulassung der Todesstrafe in den USA im Jahr 1976 wurden landesweit 1683 Menschen hingerichtet, darunter 18 Frauen. Zuletzt hatte Tennessee im Mai die geplante Hinrichtung eines Mannes abgebrochen, weil keine geeignete Vene für die Giftspritze gefunden werden konnte.
Die EU erließ Exportverbote für Hinrichtungsmedikamente
Die Europäische Union lehnt die Todesstrafe strikt ab und hat Exportverbote für Medikamente erlassen, die bei Hinrichtungen in den Vereinigten Staaten zum Einsatz kommen. Auch mehrere US-Pharmaunternehmen schränkten die Abgabe ihrer Produkte an Gefängnisbehörden ein. Dies führte mehrfach zur Verschiebung von Tötungen.
Die Hinrichtung per Giftspritze ist in dem Land die mittlerweile verbreitetste Methode zur Vollstreckung der Todesstrafe. Dabei wird der Verurteilte in der Regel zunächst sediert, anschließend wird ein Muskelrelaxans injiziert, das die Atemmuskulatur lähmt. Zuletzt soll die Gabe von Kaliumchlorid schließlich zum Herzstillstand führen.
Die Behörden in Tennessee verwendeten bei Christa Pike hingegen nur das Medikament Pentobarbital. Henker verabreichten Pike zwei Dosen des stark wirksamen Barbiturats, das sie töten sollte – und letztlich fehlschlug. (doe, mira mit Agenturen)

















