• Weitere Umbenennung: Diesen Namen könnte die Dorotheenstraße bald tragen
    https://www.berliner-zeitung.de/news/dorotheenstrasse-soll-nach-holocaust-gedenkstaette-yad-vashem-benan

    Alles neu macht der Mai. Aus Kohlfurt wurde Regina Jonas, also warum nicht mal andersrum und aus der Frau ’nen Ort machen. Logik, Sinn und Verstand hat das Ganze aus Berlner Perspektive nicht, aber das ist den rechten Philosemiten im Bundestag egal. Die basteln weiter an der Verwandlung Berlins in ein kontextbefreites Symbol provinzieller Kleingeistigkeit.

    Macht nix, genau so wurde Berlin immer wieder bis auf die Grundmauern zerstört und eine Generation später unverdrossen wieder aufgebaut.

    Der Preis dafür, Hauptstadt ganz Deutschlands zu sein fällt höher aus, als es sich die meisten vorstellen konnten.

    18.12.2025 von Kai Kleinwächter - Eine Kommission des Bundestags spricht sich dafür aus, einen Teil der Dorotheenstraße umzubenennen. Die neue Yad-Vashem-Straße käme frühestens im Mai 2026.

    Die Baukommission des Bundestags hat sich für die Umbenennung eines Teilstücks der Dorotheenstraße in Berlin-Mitte ausgesprochen. Der Abschnitt soll einem Bericht von Table Media zufolge in Yad-Vashem-Straße umbenannt werden. Es handelt sich dabei um einen Abschnitt in unmittelbarer Nähe des Reichstagsgebäudes. Die Umbenennung kann demnach frühestens im Mai 2026 erfolgen.

    Die israelische Yad-Vashem-Gedenkstätte ist einer der wichtigsten Erinnerungsorte an den Holocaust. Aus Sicht der Baukommission wäre der neue Name ein Ausdruck des Bekenntnisses zu historischer Verantwortung und Erinnerungskultur in Deutschland.
    Von Dorothea zu Clara Zetkin zu Yad Vashem

    Die jetzige Umbenennung steht in einer langen Tradition politischer Namensgebungen dieser Straße. Im Jahr 1822, nach dem Ende der napoleonischen Kriege und dem Beginn des Aufstiegs Preußens, wurde diese nach Dorothea von Brandenburg benannt. Sie war die Ehefrau des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges.

    Für die DDR war die prominente Erinnerung an die brandenburgisch-preußische Geschichte nicht akzeptabel. Sie benannte die Straße nach der Frauenrechtlerin und dem Gründungsmitglied der KPD Clara Zetkin um. Nach der deutschen Einheit lehnten konservative Kreise bis hinauf zum damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) eine Kommunistin als Namensgeberin ab. 1995 erhielt die Straße ihren ursprünglichen Namen zurück. Die Grünen, PDS, linke SPD-Mitglieder und Frauenverbände sprachen sich damals vehement dagegen aus.

    Einflussreiche Kreise mit CDU-Verbindung setzten sich ein

    Für die jetzige Initiative setzten sich wohl politisch bestens vernetzte Prominente ein. So sprachen sich Medienberichten zufolge vor allem der Direktor von Yad Vashem, Dani Dayan, und der Vorsitzende des deutschen Vereins „Freundeskreis Yad Vashem“, Kai Diekmann, für den neuen Namen aus.

    Laut Politico trugen die prominenten und konservativen Befürworter ihren Wunsch nicht nur an Kai Wegner (CDU), Regierender Bürgermeister von Berlin, sondern auch an Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) heran. Letztere ist Mitglied des Ältestenrates, der die Umbenennung jetzt empfohlen hat.

    #Berlin #Mitte #Dorothernstraße #Straßenumbenennung #Philosemitismus #Politik #Stadtentwicklung #Geschichte

  • Kreuzberg ehrt erste Rabbinerin der Welt: Regina-Jonas-Straße kommt noch dieses Jahr
    https://www.berliner-zeitung.de/news/kreuzberg-ehrt-erste-rabbinerin-der-welt-regina-jonas-strasse-kommt

    25.10.2025 von Oliver Weinhold - Nach Jahren der Verzögerung steht es fest: Die Kohlfurter Straße in Kreuzberg wird in Regina-Jonas-Straße umbenannt – zu Ehren der ersten Rabbinerin der Welt.

    Nach langem Hin und Her steht fest: In Berlin-Kreuzberg wird eine Straße nach der von den Nazis ermordeten Rabbinerin Regina Jonas benannt. Wie der RBB berichtet, soll die formelle Umbenennung der bisherigen Kohlfurter Straße noch in diesem Jahr erfolgen – eine Einweihung im Dezember gilt als wahrscheinlich.

    Die Planungen laufen bereits seit Monaten. Eine ursprünglich für den 19. September geplante Feier war kurzfristig abgesagt worden, nachdem mehrere Widersprüche gegen die Entscheidung eingegangen waren. Diese Frist ist nun abgelaufen, Klagen wurden keine eingereicht. „Da keine Klagen gegen die Umbenennung eingegangen sind, wird die formelle Umbenennung derzeit erneut vorbereitet“, teilte das Bezirksamt mit.
    Einweihung im Dezember geplant

    Im nächsten Schritt sollen die Anwohnenden informiert und die Veröffentlichung im Amtsblatt vorbereitet werden. Danach werden die neuen Straßenschilder angebracht, die alten bleiben zunächst noch sichtbar. Jonas (1902–1944) gilt als erste ordinierte Rabbinerin der Welt. Bereits in ihrer Abschlussarbeit hatte sie sich mit der Frage befasst, ob Frauen das rabbinische Amt ausüben dürfen.

    Die Berlinerin arbeitete später in mehreren liberalen Synagogen und im Jüdischen Krankenhaus, bevor sie 1942 nach Theresienstadt und 1944 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde. Der Beschluss zur Umbenennung wurde bereits im Dezember 2023 gefasst und im Mai 2024 bestätigt.

    #Berlin #Kreuzberg #Kohlfurter_Straße #Regina-Jonas-Straße #Straßenbenennumg #Schlesien #Philosemitismus

  • Straßenumbenennung in Kreuzberg: Fräulein Rabbiner Jonas
    https://taz.de/Strassenumbenennung-in-Kreuzberg/!6110306

    Openstreetmap 2025

    Fillkommen im Lande der Vielosemiten möchte man jubeln, wenn sich wieder eine altehrwürdige Berliner Straße politisch korrekt umbenennt. So sind sie diese Straßen. Hitlerfreunds Massenmörder-Hindenburgdamm bleibt, Kohlfurt muss wech. War wohl zu deutsch, um sich bei diesem Bezirksamt wohlzufühlen, und hat in seiner Verzweiflung eine Lorenzsche Übersprunghandlung begangen.

    Jedenfalls sind zeitgeistige Straßenumbenennungen immer eine beliebte aber nie eine gute Idee. Kreuzberg verliert ein Stückchen Kreuzbergtypisches (Schlesisches Tor, schon mal gehört ?) und wird ein bischen beliebiger. Was hatte das Frollein Jonas mit dem Kotti zu tun, bitte sehr?

    Regina Jonas im Ornat der Rabbinerin   Foto: Centrum Judaicum

    Im Ernst, wäre ich Diagnostiker würde ich die Aktion als Tic der BVV Friedrichshain-Kreuzberg (welche Parteien haben da nochmal das Sagen ?) beschreiben, ein politisches Tourette-Syndrom das unheilbar und nicht ansteckend nur durch Abwahl der Befallenen der restlichen Menschheit als Freakshow erspart werden kann. Aber die BVV spiegelt ja auch nur den Zustand ihrer Wähler mit und ohne Gender-Dysphorie wieder. So ist das in der Demokratie.

    Ältere Zeiten waren auch gut zeitgeistig, wie die Straßennamengeschichte zeigt. Kohlfurt war zuvor Britz und nebenan Ohlau war vorher Grünau. Am 31.8.1949, drei Monate nach Besiegelung der deutschen Teilung durch die Gründung der Bundesrepublik Deutschland, mitten in der Berlin-Blockade, wurden aus Berliner Ortsteilen verlorene Ostgebietsstädte. Revanchismus war Zeitgeist und Bolleberlin hoffte inniglich, den verlustigen Kram wiederzuholen, wenn erst einmal der Russe besiegt wäre. Jetzt musste halt der Ami ran. Hat beim ersten Mal nich jeklappt, aber kannja noch wern, sagte sich der als Mitläufer Entnazifizierte.

    Das ist alles nicht richtig schlimm, es ist nur dumm, was bekanntlich den Dummen nicht wehtut, sonst würden sie die ganze Zeit schreien.

    So it goes .

    Geschichte — Kohlfurter Straße
    https://m.kauperts.de/Strassen/Kohlfurter-Strasse-10999-Berlin

    Alter Bezirk Kreuzberg
    Alte Namen Britzer Straße (1862-1949)
    Name seit 31.8.1949
    Info

    Kohlfurt, Landgemeinde in der früheren Provinz Niederschlesien, Regierungsbezirk Liegnitz, Kreis Görlitz; heute Wegliniec, Woiwodschaft Dolnoslaskie (Niederschlesien, Hauptstadt Wroclaw), Kreis Zgorzelec, Polen.

    Kohlfurt, Landgemeinde in der früheren Provinz Niederschlesien, Regierungsbezirk Liegnitz, Kreis Görlitz; heute Wegliniec, Woiwodschaft Dolnoslaskie (Niederschlesien, Hauptstadt Wroclaw), Kreis Zgorzelec, Polen, an der Kleinen Tschirna. Seit 1945 gehört Wegliniec zu Polen. Die Gemeinde hat eine Oberförsterei, eine Eisenbahnwerkstatt und Braunkohlenindustrie. In der Gemeinde liegt das gleichnamige Dorf mit einer Glashütte.

    Es folgt der TAZ Bericht

    17.9.2025 von Klaus Hillenbrand - Eine Straße soll den Namen der in Auschwitz ermordeten Regina Jonas bekommen. Die erste Rabbinerin der Welt wurde 1903 im Scheunenviertel geboren.

    Berlin taz | Lustig“ und „patent“ sei sie gewesen, dazu habe sie gerne gelacht und sich im Unterricht gar nicht streng verhalten, erinnerten sich ehemalige Schülerinnen. Als eine „unvergessbar schöne Person“ mit einer „tiefen, angenehmen Stimme“, die ganz in ihrem Beruf aufgegangen sei, behielt eine der Unterrichteten Regina Jonas in Erinnerung. Andere meinten, Jonas sei eine „exzentrische“ Person gewesen, die ihre Garderobe vernachlässigt, ja geradezu unelegant gewirkt habe. Wieder andere hatten sie als vergeistigte, in Gedanken versunkene Frau in Erinnerung. Und, unerhört, sie habe während des Unterrichts gar ihre Pausenbrote verputzt.

    Auch wenn die Bruchstücke über ihr Leben vor 90 Jahren ein widersprüchliches Bild abgeben, eines steht fest: Regina Jonas war keine angepasste Frau. Sie kämpfte in den 1930er Jahren für die Gleichberechtigung von Frau und Mann, auch im Judentum. Diese Frau hatte ihren eigenen Kopf, und den setzte sie auch gegen starke Widerstände durch. Nur so konnte Regina Jonas gelingen, das zu werden, was vor ihr weltweit noch nie eine Frau erreicht hatte: eine Rabbinerin, allenthalben unter den Jüdinnen und Juden in Berlin „Fräulein Rabbiner Jonas“ tituliert.

    Wer künftig in Kreuzberg von der Kottbusser Brücke in Richtung Wassertorplatz läuft, radelt oder mit dem Auto fährt, wird hoffentlich schon bald das Vergnügen haben, dabei die Regina-Jonas-Straße zu benutzen, die aktuell noch Kohlfurter Straße heißt. Ursprünglich sollte in dieser Woche die Umbenennung in Kraft treten. Doch das Bezirksamt hat mehrere Widersprüche gegen die Umbenennung erhalten. Die Angelegenheit verzögert sich also. Der Name Kohlfurt erinnert an eine Kleinstadt in Schlesien, die seit rund 80 Jahren den Namen Węgliniec trägt und in Polen liegt. Der Name ist also veraltet. Gar nicht veraltet ist Regina Jonas, der heute schon mit einer Gedenktafel an der Krausnickstraße 6 gedacht wird. Wer war diese Frau?

    Geboren wurde Jonas zwar nicht in Kreuzberg, aber auch nicht allzu weit entfernt, nämlich in Mitte, genauer: am Rand des Scheunenviertels. Das war vor 120 Jahren, ähnlich wie heute Kreuzberg, eine Gegend, in der sich bevorzugt Einwanderer niederließen. Nur waren es keine Türken oder Menschen aus arabischen Ländern, sondern Juden, die vor bitterer Armut und blutigen Pogromen aus Russland geflohen waren. Das vernachlässigte Scheunenviertel war oft ihre erste Adresse im deutschen Kaiserreich. Hier erblickte Regina am 3. August 1903 in der heutigen Torstraße 102 das Licht der Welt.

    Ein Mädchen als Rabbiner?

    Sie wuchs in einem wenig begüterten, aber streng jüdisch-orthodoxem Heim auf, wo die Speisen koscher waren, die Feiertage eingehalten wurden, Mutter Sara die Schabbatkerzen anzündete und der Vater Wolf das Morgengebet sprach. Sei es, dass der Vater sie früh in jüdischen Dingen unterrichtete, sei es, dass sie von anderer Stelle die Religion in sich einsog: Regina fiel früh für ihre Begeisterung für das Jüdische auf. Schon als Mädchen sprach sie davon, später einmal Rabbinerin werden zu wollen.

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    Der Berufsstand befand sich seit Jahrhunderten fest in männlicher Hand

    Nun bedeutet das Wort „Rabbiner“ nicht mehr als „Lehrer“, einer der die jüdischen Regeln und Gesetze weiter trägt. Der Berufsstand befand sich allerdings seit Jahrhunderten fest in männlicher Hand. Noch nie hatte eine Frau vor einer jüdischen Gemeinde predigen dürfen, weder in Deutschland noch anderswo auf der Welt. Für Regina Jonas war das kein Grund, ihren Berufswunsch zu ändern.

    Im 19. Jahrhundert war jungen Frauen der Besuch eines Gymnasiums oder gar ein Studium in Preußen unmöglich gewesen. Das sah in der Weimarer Republik schon anders aus. Regina Jonas machte 1923 Abitur und belegte anschließend eine Pädagogikklasse, deren Abschluss es ihr erlaubte, an Mädchen-Gymnasien – Lyzeen genannt – zu unterrichten. Das war für sie aber nur die Eintrittskarte zum Studium an der berühmten Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. Sie war dort eine von 27 Studentinnen gegenüber 155 männlichen Kommilitonen.

    Ihre Abschlussarbeit aus dem Jahr 1930 trug den Titel „Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden?“ Selbstverständlich beantwortete Jonas diese Frage mit einem klaren Ja – sie war der Überzeugung, dass die jüdischen Religionsgesetze die Gleichberechtigung implizieren, auch bei den religiösen Lehrern. Jonas erhielt ein gutes Zeugnis, aber keine Ordination als Rabbinerin. Ihr neuer Hochschullehrer – der alte war verstorben – hielt gar nichts von der Idee, dass es Rabinerinnen geben könnte.
    Lehren, nicht predigen

    So kam es, dass Regina Jonas fortan an jüdischen Religionsschulen in Berlin unterrichtete, aber keine Predigt in einer Synagoge halten konnte. Die Religionsschulen waren freiwillige Einrichtungen für jüdische Kinder, deren Eltern Wert auf einen vertiefenden Religionsunterricht legten. Aus dieser Zeit stammen auch die eingangs erwähnten Zitate ihrer Schülerinnen. Von 1933 an, als die Nazis die Macht in Deutschland erobert hatten, strömten immer mehr jüdische Kinder in die Religionsschulen, die sich zu einem Ort der Vorbereitung auf eine spätere Emigration entwickelten.

    Aufgegeben hatte Jonas ihren Berufswunsch nicht, nur aufgeschoben. Im Jahr 1935 erklärte sich der liberale Rabbinerverband endlich zur Ordination von Jonas bereit. „Gott möge sie stützen und ihr beistehen und mit ihr sein auf allen ihren Wegen“, heißt es in ihren Rabbinatsdiplom.

    Viele liberal eingestellten Rabbiner gratulierten, darunter auch Leo Baeck. Doch es gab auch Widerstand. Vor allem aber erhielt die erste Rabbinerin der Welt keine Anstellung als solche und musste sich mit Vorträgen begnügen. Erst zwei Jahre später bekam sie von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin den Auftrag zur seelsorgerischen Betreuung in Sozialstationen, also etwa dem Jüdischen Krankenhaus. Bald predigte sie immer häufiger auch in einer der Synagogen. Darunter befand sich wohl auch die Synagoge am heutigen Fraenkelufer, nur wenige Schritte von der Straße entfernt, die den Namen von Regina Jonas tragen soll.

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    Jonas predigte wohl auch in der Synagoge am Fraenkelufer

    Mehr und mehr Jüdinnen und Juden flüchteten vor dem wachsenden Antisemitismus der Nazis in die Emigration. Nach der Pogromnacht im November 1938 versuchten Zehntausende Deutschland zu verlassen. Doch kaum ein Staat war zur Aufnahme bereit. Regina Jonas schrieb im Dezember 1938 an den kurz zuvor nach Jerusalem emigrierten Religionsphilosophen Martin Buber, auch sie wolle nach Palästina gehen und dort als Rabbinerin arbeiten. Doch einstweilen blieb Jonas in Deutschland und predigte bald im ganzen Land in Gemeinden, die keinen Rabbiner mehr besaßen.

    „Selbstlose hingebungsvolle Liebe“

    Im Herbst 1941 begannen die Deportationen in den Osten. Regina Jonas musste als Zwangsarbeiterin in einer Kartonagefabrik arbeiten, half aber weiter bei den Andachten der Gemeinde und sprach den Verfolgten Mut zu. Ihr älterer Bruder Abraham wurde am 1. Oktober 1941 in das Ghetto Lodz deportiert. Er starb im Folgejahr im Vernichtungslager Chelmno. Sie selbst musste zusammen mit ihrer Mutter Sara am 5. November 1942 einen Zug aus Berlin ins Ghetto Theresienstadt besteigen. Auch dort hielt sie noch Predigten und hielt an ihrer Vorstellung einer Gleichberechtigung von Mann und Frau fest.

    In einem Vortrag, deren Text sich im Archiv der Gedenkstätte Theresienstadt erhalten hat, sagte sie: „Von Gott gesegnet sein heißt, wohin man tritt, in jeder Lebenslage Segen, Güte, Treue spenden. Demut vor Gott, selbstlose hingebungsvolle Liebe zu seinen Geschöpfen erhalten die Welt. Diese Grundpfeiler der Welt zu errichten, war und ist Israels Aufgabe – Mann und Frau, Frau und Mann, haben diese Pflicht in gleicher jüdischer Treue übernommen.“
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    Am 12. Oktober 1944 ist Regina Jonas von Theresienstadt in das Vernichtungslager ­Auschwitz verschleppt worden. Dort wurde sie ermordet. Regina Jonas wurde 41 Jahre alt.

    N.B. Als 1947 der Nazi-Thielsch zum Onkel Fraenkeldoktor wurde, war das völlig in Ordnung. Der T. musste weg. Hätten die Hitleristen mal das Kottbusser Ufer beibehalten, hätte man nicht fraenkeln müssen. So geht das mit den zeitgeistigen Namen.

    Berlingeschichte: Thielschufer
    https://berlingeschichte.de/strassen/bez06h/t159.htm

    Grieben 1939, 1:18.000, in berliner-stadtplansammlung.de

    Name ab: 20.5.1937
    Name bis: 31.7.1947
    Namen (früher/später): Kohlenufer (1849-1894), Luisenufer (1894-1937), Kottbusser Ufer (1894-1937), Fraenkelufer (ab 1947)

    Namenserläuterung
    Thielsch, Hermann, * 30.1.1911, † 9.9.1931, Berlin, Autoschlosser, Anhänger der NS-Bewegung.
    Der SA-Mann ist offensichtlich bei Auseinandersetzungen im Jahr 1931 ums Leben gekommen. 1937 wurden das Luisenufer und das Kottbusser Ufer in Thielschufer umbenannt. Die Umbenennung in Fraenkelufer wurde am 31. Juli 1947 amtlich bestätigt.
    aktueller Name: Fraenkelufer

    Exhibition, Fair and Travellors’ Office of the City of Berlin, 1929, 1:25.000, in landkartenarchiv.de

    Kleiner Spielvorschlag:
    Finde auf der Griebenkarte alle Straßen, die von den Nazis um- und später rück- oder erneut umbenannt worden sind.
    Wie wär’s ?
    Ergebnisse bitte in die Kommentare. Keine Lust? Was solls, kann warten, es gibt noch viel mehr davon.

    #Berlin #Kreuzberg #Kohlfurter_Straße #Regina-Jonas-Straße #Straßenbenennumg #Schlesien #Philosemitismus

  • Wegen Antisemitismus: In Berlin sollten mindestens 100 Straßen umbenannt werden
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/wegen-antisemitismus-in-berlin-sollten-mindestens-100-strassen-umbe

    Bald ist Schluss und so macht der Ansprechpartner für Antisemitismus-Fragen beim Land Berlin Samuel Salzborn nochmal ordentlich Reklame für sein Projekt Straßenumbenennung. Das Problem dabei: Bis zur Beseitigung des Nazireichs durch die Rote und die US-Armee waren die meisten entscheidenden Figuren Deutschlands irgendwo Antsemiten. Bei genauem Hinsehen und wenn man das unbefingt will, findet man deshalb zu fast allen Namenspatronen unserer Straßen Antisemitisches. Sogar Karl Marx wurde in letzter Zeit von fanatischen Philosemiten des Antisemitismus beschuldigt.

    Zum Glück ist die Verankerung in und Abhängigkeit von den geschichtsbewusstseinsbefreiten grünen und linken Milieus in der kommenden Regierungskoalition nicht so stark ausgeprägt wie bei Bündnis 90 / die Grünen und der Berliner Linkspartei. Die Sache wird deshalb vermutlich ruhiger angegangen werden und die Verdrängung der deutschen Geschichte aus dem Berliner Stadtplan weniger absurde Formen annehmen als unter R2G.
    Alles hat halt Vor- und Nachteile.

    30.3.2023 von Antonia Valencia - Der Senat für Justiz gibt den aktuellen Stand der Debatte bekannt – und empfiehlt bei rund 100 zu handeln. Und was ist mit der Martin-Luther-Straße? Umbenennen?

    Langwierig könnten sie werden, die Diskussionen, sagt Samuel Salzborn. Aber er sieht auch denen gelassen entgegen. Aufarbeitung und kontroverse Debatten bräuchten eben Zeit. Dann wird der Ansprechpartner für Antisemitismus-Fragen beim Land Berlin ungewöhnlich scharf: „Die Auseinandersetzung mit Antisemitismus hat viel mit Selbstkritikfähigkeit zu tun, welche oft nicht leichtfalle.“ Zudem sei sie jahrzehntelang in Deutschland „verschlafen“ worden.

    Samuel Salzborn hat am Mittwoch zu einer Pressekonferenz in die Räume des Senats für Justiz, Vielfalt und Antidiskriminierung geladen, um noch einmal über Straßennahmen mit antisemitischen Bezügen zu diskutieren. An einem glänzenden runden Holztisch unter einem imposanten Kronleuchter sitzt Urte Evert ihm zur Seite, Leiterin des Stadtgeschichtlichen Museums Spandau. Beide verweisen zunächst auf ein Dossier, das schon im Dezember 2021 vorgelegt wurde. Das hatte 290 Straßen und Plätze in Berlin identifiziert, deren Namensgeber Antisemiten waren oder antisemitische Haltungen zeigten.

    Autor des Dossiers ist der Leipziger Politikwissenschaftler Felix Sassmannshausen. Sein Dossier regt zu weiterer Recherche an und bietet drei verschiedene Handlungsempfehlungen: 1. weitere Forschung, 2. Kontextualisierung, 3. Umbenennung der Straße oder des Platzes. Kontextualisierung bedeutet, dass Infotafeln vor Ort den Kontext deutlich machen. Das kann auch digital geschehen, Evert nennt beispielsweise die „Berlin History App“, eine Art digitaler Stadtführer. In etwa 100 Fällen empfiehlt der Autor eine Umbenennung der Straßen und Plätze.

    Berlin hat inzwischen einige Übung im Neuschöpfen und Umbenennen von Straßen nach berühmten Verstorbenen. Seit 1997 gibt es den Marlene-Dietrich-Platz am Potsdamer Platz, die Axel-Springer-Straße wird seit 2008 von der Rudi-Dutschke-Straße durchkreuzt und erst vor wenigen Monaten wurde der Rio-Reiser-Platz in Kreuzberg nach dem Sänger benannt, der in demselben Stadtteil gelebt hatte. Die heißesten Debatten um Berliner Straßennahmen betrafen zuletzt auch U-Bahn-Stationen: Die Mohrenstraße (Straße und U-Bahnhof) sollten erst nach dem russischen Komponisten Michail Glinka benannt werden. Aufgrund von Antisemitismusvorwürfen gegen Glinka wurde letztlich der afrodeutsche Philosoph Anton-Wilhelm-Amo erwählt.

    Oft gehen den Umbenennungen langjährige Diskussionen voraus, so wie jetzt wieder beim Vorschlag, den Großen Stern im Tiergarten nach Helmut Kohl zu benennen. Bis der Beschluss gefasst wurde, sagt Evert, die Kinkelstraße in Spandau im Jahr 2002 wieder Jüdenstraße zu nennen, seien siebzehn Jahre vergangen. Sie bekräftigt: „Langjährige Debatten sind das, was ich an Demokratie so toll finde.“ Alle hätten schließlich die Kraft, den öffentlichen Raum mitgestalten zu können.
    Kann noch eine Straße nach Martin Luther benannt sein?

    Ähnliche Diskussionen entbrannten um den U-Bahnhof Onkel-Toms-Hütte in Zehlendorf, benannt nach einem berühmten Roman aus dem Jahr 1852. Der Profi-Basketballer Moses Pölking fühlte sich durch den „entmenschlichenden“ Namen diskriminiert und startete eine Petition. Aber war der Roman nicht gegen Rassismus?

    Die Debatte um die Umbenennung von Straßen sei aber nicht neu. „Seit der Gründung von Großberlin hat es immer Debatten um Straßennahmen gegeben“, betont Urte Evert. Vor allem nach 1945 kam es zu vielen Umbenennungen. „Wir können alle froh sein, dass der Adolf-Hitler-Platz nicht mehr existiert“, so Evert. Er ist heute nach Theodor Heuß benannt. „Durch die Umbenennungen entsteht keinesfalls Geschichtsvergessenheit“, sagt sie, „vielmehr wird die Geschichte durch die Diskussion bekannter.“

    Eleganter ging die Umbenennung der zwei Straßen vonstatten, die auch in der Pressekonferenz von Salzborn und Evert genannt wurden: der Elkartsweg in Spandau heißt nun Erna-Koschwitz-Weg und der Maerckerweg in Lankwitz heißt Maria-Rimkus-Weg. Es gab ein paar Gegendemonstranten, aber insgesamt ist es still geworden um diese Straßen. Weitere Umbenennungen, die bereits als beschlossen gelten, nennt Salzborn gegen Ende der Konferenz: die Treitschkestraße in Steglitz und die Robert-Rössle-Straße in Buch. „Und es laufen viele weitere Prüfverfahren.“

    Zusammen mit dem Aktiven Museum Faschismus und Widerstand in Berlin e.V. entwickeln derzeit Stadtmuseen mehrerer Bezirke das Projekt „(Um)Benennen. Zur Geschichte der Straßennamen in den Berliner Bezirken“. Verschiedenen Ausstellungen sollen einladen, sich mit den vielen Straßenumbenennungen in der Geschichte Berlins und den damit einhergehenden gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen auseinanderzusetzen.

    Nicht nur deshalb komme laut Salzborn die Diskussion um Straßennahmen „bundesweit intensiver in Gang“. Besonders kontrovers ist aktuell die Debatte um die Martin-Luther-Straße, die sich ausgerechnet in unmittelbarer Nähe der Senatsverwaltung für Justiz, Vielfalt und Antidiskriminierung befindet. Salzborn hält Luther in Anbetracht seiner Judenfeindlichkeit für „hochproblematisch“. Er verstehe aber auch die evangelische Perspektive. Es gäbe „stark auseinanderliegende Grundpositionen“. Er schließt versöhnlich wie nebulös: „Eine Annäherung ist jedoch möglich.“

    #Berlin #Martin-Luther-Straße #Karl-Marx-Straße #Karl-Marx-Allee #Straßenumbenennung #Politik #Antisemitismus #Philosemitismus