#schönhauser_allee

  • Machtkampf in Pankow : Die Pferdeflüsterin und der Bürgermeister
    https://www.berliner-zeitung.de/wochenende/die-pferdefluesterin-der-buergermeister-und-der-kampf-um-das-rathau
    A Berlin-Pankow le maire sortant de gauche gagne l’élection contre la candicate verte. Ses adversaires politiques et la press bourgeoise lui reprochent d’avoir profité du soutien de sa candidatur par les extrémistes de droite de l’AfD.

    6.11.2021 von Anja Reich - Am Abend, an dem sie Bürgermeisterin werden sollte, sitzt Cordelia Koch im großen Saal der Bezirksverordnetenversammlung und fühlt sich wie eine Verliererin. Es ist der 4. November 2021, sechs Wochen nach den Wahlen in Pankow, gleich wird das neue Bezirksamt gewählt. Koch, 49, Spitzenkandidatin der Grünen, hat mit ihrer Partei 24,7 Prozent der Stimmen bekommen, fünf Prozent mehr als die Linken. Aber Bürgermeisterin wird sie nicht.

    Es gibt nur einen Kandidaten an diesem Abend. Und der heißt Sören Benn. Der alte Bürgermeister hatte nach der Wahl seine Niederlage eingestanden und getwittert: „Bald anders und neu weiter.“ Nun aber ist er wieder da, als wäre nichts geschehen, sitzt im weißen Hemd und schwarzen Jackett an einem kleinen Tisch, vor sich ein paar Akten, Laptop und Maske. Um Punkt 19 Uhr fragt der Bezirksvorsteher: „Herr Benn, nehmen Sie die Kandidatur an?“

    „Ja“, antwortet Benn.
    Händeschütteln im Osten

    Kurze Zeit später steht das Wahlergebnis fest, 29 Ja-Stimmen, 24 Nein-Stimmen, zwei Enthaltungen. Benn hat gewonnen, knapp zwar, aber gleich im ersten Wahlgang. Es gibt Applaus, einen Blumenstrauß, Benn sagt, er freue sich sehr über seinen Sieg, er werte ihn als das Ergebnis seiner Arbeit. Zwei Stunden später sagt die AfD, Sören Benn habe nur mit ihren Stimmen gewonnen.

    Es ist das vorläufige Ende eines Berliner Wahlkrimis, eines Machtkampfes, bei dem es um den Bürgermeisterposten geht, um eine Klausel aus den 90ern, um den Umgang mit Stimmen von Rechten, aber auch darum, wer in Zukunft den Prenzlauer Berg bestimmt: Benn, der linke Ostdeutsche, oder die grüne Westdeutsche Koch.

    Drei Wochen zuvor, ein eiskalter Oktobermorgen im Norden von Berlin. Cordelia Koch streckt zur Begrüßung die Hand aus und erklärt gleich, warum sie das macht. Hände zu schütteln, das habe sie hier als Erstes gelernt, sagt sie. Hier, das ist Pankow, das ist der Osten. Koch kommt aus Hessen, im Westen. „Da“, sagt sie, „ist man ja eher distanziert.“

    Es ist kurz nach acht, Koch trägt Weste, Kordhosen, Gummistiefel. Als Treffpunkt hat sie einen Stall in Blankenfelde vorgeschlagen. Dort steht ihr Pferd, eine Stute namens Hexe. Das mit dem Pferd ist das Erste, was man erfährt, wenn man sich bei Politikerkollegen nach Koch erkundigt. Die Fraktionschefin der Grünen in Pankow ist noch weniger bekannt als die grüne Landeschefin Bettina Jarasch. Koch ist die Blonde mit den kurzen Haaren auf den Wahlplakaten oder „die mit dem Pferd“. Sie weiß das, sie kennt ihr Image, sie ärgert sich darüber, sie will es ändern, nun, da sie Bürgermeisterin wird. Daran glaubt sie an diesem Oktobermorgen, darauf freut sie sich. Kein Wort des Zweifelns, des Zögerns. Die grüne Wahlsiegerin wirkt wie eine Frau, die sich viel vorgenommen hat.

    In ihren Gummistiefeln läuft sie zum Hof, an Ställen und Boxen vorbei, aus denen Pferdeköpfe schauen. An der Nummer sechs bleibt sie stehen. Auch hier steht ein Pferd, es hat braunes Fell, aber es schaut nicht. Das kann es nicht. Die Augen fehlen.

    Hexe ist 28, blind und kommt aus einer Pferdeklappe aus Schleswig-Holstein, wo Tiere landen, die keiner mehr will. Der Tierarzt wollte sie anzeigen, als er Hexe das erste Mal sah, sagt Cordelia Koch. Bis er begriff, dass sie keine Schuld an ihrem Zustand hatte. Sie hat sie aufgepäppelt, über viele Jahre hinweg, bis es Hexe wieder gut ging, sie wieder Vertrauen zu Menschen hatte. Dass Cordelia Koch hier am Stadtrand in Blankenfelde wohnt, hat auch mit ihrem kranken Pferd zu tun, sagt sie.

    Koch ist selbst mit Pferden aufgewachsen, in einem kleinen Ort in Mittelhessen, ist als Kind mit ihrem Großvater ausgeritten, hatte ein Pony. Ihre Eltern sind Textileinzelhändler, besaßen Jeansgeschäfte in verschiedenen hessischen Kleinstädten. Sie selbst stand mit 14 hinterm Ladentisch und führte mit 18 das Geschäft in Wetzlar, da war sie noch in der Schule. „Die Hausaufgaben habe ich im Café gegenüber gemacht.“

    Mit 19, als Jurastudentin, übernahm sie die Filiale in Gießen, 60 Quadratmeter, vier Mitarbeiter, zwei Aushilfen. Aber sie wollte immer weg, raus aus dem Familiengeschäft, aus der Provinz, wurde Grünen-Mitglied, weil die Partei für sie „die Antithese zu Helmut Kohl war“. Ein Jahr lebte sie in Paris, vier in Beirut, heiratete einen libanesischen Architekten, ging mit ihm nach Berlin.
    Wohnung in der Hufelandstraße

    Sie fanden eine Wohnung in der Hufelandstraße. Sie kam schnell an, machte ein Referendariat an der Freien Universität, bildete Polizisten aus - er fand keine Arbeit, ging zurück nach Beirut, die Ehe wurde geschieden.

    2010 meldete sich Cordelia Koch im Kreisverband der Grünen an, wurde Fraktionsvorsitzende, 2016 kandidierte sie als Spitzenkandidatin für die Bezirksverordnetenversammlung, aber die Linken und die SPD waren stärker. Diesmal, fünf Jahre später, ahnte sie, dass es besser laufen kann, ließ sich extra für den Wahlkampf fünf Monate lang von ihrer Arbeit als Verwaltungsjuristin an der FU freistellen. Und gewann.

    Ihre politischen Gegner sagen, die Grünen hätten vor allem wegen des Bundestrends so gut abgeschnitten - und wegen der klassischen Grünen-Wählerschaft in Prenzlauer Berg. Cordelia Koch sagt: Klar, das spiele sicher eine Rolle, aber sie hätten auch durch ihre Arbeit und Konzepte überzeugt, ihren Einsatz gegen die Bebauung der Elisabeth-Aue und für die Verlängerung der U-Bahnlinie U2, die Zusammenarbeit mit einem Rotterdamer Stadtplaner am Stadtraum-2030-Projekt zur Verkehrsberuhigung.

    Im Stall in Blankenfelde mischt Cordelia Hexe jetzt eine Tablette ins Futter, bürstet das Fell, säubert die Hufe, pult Zecken aus der Haut, führt die Stute vorsichtig aus der Box. Der Spaziergang gehört zum morgendlichen Ritual. Koch braucht das, die Luft, die Natur, die „Arbeit“ mit dem Pferd, wie sie es nennt. Ein Ausgleich zu ihrer eigentlichen Arbeit als Juristin und als Fraktionsvorsitzende. Und auch ein bisschen Familienersatz.

    Cordelia Koch hat keine Kinder. Sie dachte immer, sie kann das nicht, sagt sie, wisse nicht, wie man die Bedürfnisse von so kleinen Wesen erkennt. Nun, da sie 49 ist, zu alt, um Kinder zu bekommen, weiß sie, dass sie es gekonnt hätte. Auch das hat sie durch die Arbeit mit Hexe gelernt, sagt sie.

    Cordelia Koch erzählt offen über ihr Leben und wirkt trotzdem sehr überlegt dabei. Man hat den Eindruck, sie wolle jetzt, bevor sie ihr Amt antritt, alle Fragen, alle Vorurteile über sich vom Tisch wischen. Um dann mit der Arbeit als Bürgermeisterin beginnen zu können.

    Aber kann sie?

    Auf die Frage, wie die Verhandlungen mit den anderen Parteien laufen, weicht sie aus, sagt, der Inhalt der Gespräche sei geheim, wirkt vage, unsicher. Und später, am Tag der Wahl von Sören Benn, fragt man sich: Wie lief es wirklich? Was wusste sie zu diesem Zeitpunkt? Was nicht? Hat sie, die Neue von den Grünen, die Situation falsch eingeschätzt, hat sie sich übernommen? Oder wollen alte, erfahrene Politiker einfach an ihrer Macht festhalten, mit allen Mitteln?

    Pankow ist nicht der einzige Bezirk, in dem die stärkste Partei nicht den Bürgermeister stellt. Auch in Marzahn-Hellersdorf, Steglitz-Zehlendorf und Reinickendorf ist das so. Dass es überhaupt möglich ist, hat mit einer Gesetzesänderung aus den 90er-Jahren zu tun. Damals beschloss die Große Koalition in Berlin eine neue Klausel im Bezirksverwaltungsgesetz, um PDS-Bürgermeister in den Ost-Berliner Bezirken zu verhindern. Bis dahin galt: Die Partei, die die meisten Stimmen bekommt, stellt den Bürgermeister. Nun aber steht in §35, Punkt 4, Absatz 2, „dass gemeinsame Wahlvorschläge von mehreren Fraktionen als Wahlvorschläge einer Fraktion“ gelten.

    Es ist das erste Mal, dass die Klausel in Pankow angewendet wird. Und dass ausgerechnet die PDS-Nachfolgerpartei von einem Gesetz profitiert, das gegen sie gerichtet war, ist eine Ironie der Nachwendegeschichte. Man könnte auch sagen: Der Osten schlägt zurück.

    Zwei Tage vor der Wahl im Bezirksamt sitzt ein grauhaariger Mann mit Laptop im Chagall, dem Café in der Schönhauser Allee, das immer noch aussieht wie in den 90ern - kleine Holztische, dunkle Wände, wenig Licht. Sören Benn hat es als Treffpunkt ausgesucht, er hat später einen Termin in der Nähe, sagt er. Neben ihm steht sein Rucksack, er sieht aus wie ein Tourist. Auf die Frage, wie es ihm geht, stöhnt er leise. Nicht so gut, soll das wohl heißen. Mehr will er nicht sagen zur „aktuellen Entwicklung im Kontext Bezirksamtswahl“, das hatte er vorher schon per SMS mitgeteilt, keine Kommentierung, nichts. Er ist zwar der neue Bürgermeisterkandidat, aber gewonnen hat er noch nicht.

    Über sein Leben aber will er reden: Sören Benn kommt aus Neustadt an der Dosse, einer Kleinstadt in der Prignitz. Seine Mutter war Unterstufenlehrerin, sein Vater Lehrer für Deutsch und Geografie. Seine Kindheit beschreibt er als „protestantisch, viel Disziplin, wenig Vergnügen“. Auch er wuchs mit Pferden auf, „wie jeder auf dem Dorf“. Auch er wollte immer weg „aus diesem Kaff“ und schwärmt von Potsdam, wo er eine Ausbildung zum Baufacharbeiter mit Abitur machte.

    In der DDR wollte er unbedingt ein Handwerk lernen, „nur nichts Ideologisches“, wie er sagt, wäre gerne Architekt geworden, aber dann fiel die Mauer und Benn studierte lieber Sozialpädagogik in Berlin, arbeitete für einen antirassistischen Verein mit Jugendlichen in Brandenburg zu einer Zeit, als viele im Osten ihren Halt verloren.

    Als sein Verein Pleite ging, bewarb er sich an der Schauspielschule Ernst Busch, Theater habe ihn immer schon interessiert, sagt er, wurde abgelehnt, „weil ich zu alt war“, besuchte drei Jahre lang eine private Schauspielschule, spielte ein Jahr am Theater in Brandenburg an der Havel, Molière, Urfaust, Einar Schleef. Aber dann machte auch das Brandenburger Theater dicht. Benn, der inzwischen verheiratet war und Kinder hatte, merkte: „So geht das nicht mehr weiter.“

    Er ging in die Politik, allerdings nicht zu den Grünen, die er bis zum Kosovo-Krieg gewählt hatte, sondern zu den Linken, „den einzigen, die gegen den Krieg waren“ und „gegen Hartz IV“. Er war Bürgerdeputierter, persönlicher Referent des Berliner Wirtschaftssenators Harald Wolf. 2016 unterlag er beim Rennen um das Direktmandat einem SPD-Kandidaten - aber seine Partei gewann die Wahlen in Pankow, Benn wurde Bürgermeister.

    Hört man ihm zu, stellt man fest: Die Biografien von ihm und Koch sind gar nicht so unterschiedlich. Zwei Menschen aus der Provinz, die die Grünen wählten, verschiedene Sachen und Orte ausprobiert haben und am Ende in Pankow gelandet sind. Wo sie am Donnerstagabend im spannendsten Wahlduell der Stadt ums Bürgermeisteramt konkurrierten – House of Cards in der Berliner Fröbelstraße.

    Der Francis Underwood von Pankow hat sich warmgeredet, bestellt eine Soljanka und sagt dann doch noch etwas zur „aktuellen Situation“: SPD und Linke seien aus den Koalitionsverhandlungen mit den Grünen ausgestiegen, weil sie keine gemeinsame Basis gefunden hätten. Das mit der Kandidatur sei an ihn herangetragen worden. Nein, er sei kein politischer Hasardeur, auch kein Spieler. Er mache Politik, um Ideen einzubringen, Dinge auszuprobieren. Und eigentlich sei er ja schon zwei Tage nach der Wahl durch gewesen mit dem Ergebnis. „Klar, es war schmerzhaft, sehr schmerzhaft“, sagt Sören Benn, „aber ich war 49 Jahre meines Lebens nicht Bürgermeister. Ich wäre auch einfach nur Stadtrat geworden.“

    Zwei Tage später sitzen Cordelia Koch und Sören Benn im großen Saal in der Fröbelstraße, sie ganz vorne, er ganz hinten. Sie zieht sich die kurzen blonden Haare im Nacken lang, ordnet ihre Papiere, ihre Rede. Es ist die, die sie eigentlich als neue Bürgermeisterin halten wollte. Sie hat sie mitgebracht, obwohl sie gar nicht zur Wahl steht. Falls die Wahl von Benn doch noch scheitern sollte. Er starrt in sein Laptop, knetet die Hände, vergisst auf dem Weg zur Wahlkabine, die Maske aufzusetzen, läuft zum Tisch zurück, setzt die Maske auf, geht noch einmal durch den Saal, vorbei an den Abgeordneten, die ihn gleich wählen werden - oder auch nicht.

    55 Stimmen gibt es insgesamt in der BVV, eine einfache Mehrheit reicht, um Bürgermeister zu werden. SPD und Linke kommen zusammen auf 23. Das heißt, Sören Benn kann nur gewinnen, wenn Mitglieder anderer Parteien für ihn stimmen. Aber wer könnte das sein? Die Grünen, die von ihm ausgebootet wurden, sicher nicht, CDU und FDP hatten ebenfalls erklärt, Benn nicht ihre Stimme zu geben.

    Aber vielleicht halten sich Einzelne nicht an die Vereinbarung, sagt Matthias Zarbock, Fraktionsvorsitzender der Linken. Vielleicht gibt es Enthaltungen, so viele, dass 23 am Ende doch genug sind. Er findet sogar die Anti-PDS-Klausel plötzlich gut. „Ist ja nicht rechtswidrig, steht schließlich im Gesetz.“

    Es gibt aber noch ein anderes Szenario, ein etwas unheimliches, davor haben die Grünen gewarnt: Benn wird mit den fünf Stimmen der AfD gewählt - wie Thomas Kemmerich von der FDP. Thüringer Verhältnisse in Pankow? „Niemals“, sagt Matthias Zarbock, „wir rechnen doch nicht damit, dass wir AfD-Stimmen bekommen.“

    Wirklich nicht? Das ist die Frage, die am Tag danach wohl alle, die am Abend im Saal saßen, beschäftigen wird - und wahrscheinlich noch lange darüber hinaus. Die Wahl ist geheim. Niemand kann sagen, was wirklich geschehen ist, wer für wen gestimmt hat.

    Formal läuft alles ordnungsgemäß ab. Wahl des Bezirksverordnetenvorstehers, des Stellvertreters, Wahl der Beisitzer, des Ältestenrates, des Geschäftsordnungsausschuss. Und schließlich, Tagesordnungspunkt Ö 11.1: Wahl des Bezirksbürgermeisters.

    Sören Benn läuft nach vorne, tritt hinters Mikrofon, sagt, dass er seit 30 Jahren Pankower ist, spricht von Vielfalt und Solidarität, Wohnungsbau und Verkehrswende, endet mit den gleichen Worten, mit denen er angefangen hat: „Mein Name ist Sören Benn, ich bitte um ihr Vertrauen.“

    Dann wird ausgezählt, Benns Sieg verkündet, die AfD jubelt, die Grünen beantragen eine Auszeit. Man denkt, jetzt passiert etwas, es kann nicht einfach so weitergehen, die Grünen lassen sich das nicht gefallen. Aber zurück im Saal stellt Cordelia Koch nur den Antrag, stellvertretende Bürgermeisterin zu werden. Das heißt: Sie nimmt Benns Wahl an. Es ist vorbei.

    Ihre Rede aber hält sie noch, ihre Bürgermeisterrede, spricht von ihren Zielen: Verwaltungsreform, Verkehrswende, Digitalisierung. Sagt, dass sie selbst zehn Jahre in der Verwaltung gearbeitet hat, erzählt, was sie im Libanon über die Funktion des Staates gelernt hat, bedankt sich „ohne Ironie“ für die Gespräche vor der Wahl, verspricht, beharrlich und lernfähig zu sein. Die Rede ist länger als die anderen. Nur ein paar Stellen lässt sie weg. Die, an denen sie über sich als neue Bürgermeisterin reden wollte.

    Nach fünf Stunden ist alles vorbei. Die Pankower Stadtverordneten packen ihre Sachen ein, setzen die Masken auf, verlassen den Saal. Die Linken und die Sozialdemokraten haben Grund zu feiern, auch die Grünen wollen anstoßen, trotz allem.

    AfD: Mit allen fünf Stimmen

    Der Saal ist fast leer, nur vorne links stehen noch fünf Männer zusammen, die Pankower AfD-Fraktion.

    Haben sie Sören Benn gewählt?

    „Ja“, sagen die Männer. „Mit allen fünf Stimmen.“

    Das unheimliche Szenario - ist es eingetreten? Hatten die Grünen recht? Sind die Linken der AfD in die Falle gegangen? Das Drama in Pankow, das steht fest, ist noch lange nicht zu Ende.

    Sören Benn schickt noch in derselben Nacht Nachrichten, bezeichnet die AfD als Nazis, denen man nicht glauben könne, glaubt an einen Spin, eine Verschwörung der Rechten gegen ihn, den Linken. Später gibt die Linke bekannt, es habe Nebenabsprachen zwischen SPD und CDU gegeben, um Benn zu wählen. Cordelia Koch sagt dazu nichts. Sie geht zu Hexe, ihrem Pferd, noch in der Nacht und auch am nächsten Morgen. Sie brauche das jetzt, sagt sie.

    #Berlin#Pankow #Prenzlauder-Berg #Schönhauser_Allee #politique

  • Kinos neu starten und das Colosseum retten – M – Menschen Machen Medien (ver.di)
    https://mmm.verdi.de/medienwirtschaft/kinos-neu-starten-und-das-colosseum-retten-67281

    3. JULI 2020 VON HELMA NEHRLICH - Der Neustart der Kinos unter Hygienevorgaben löst in der ersten Juliwoche vielerorts Freude aus – beim entwöhnten Publikum, bei Filmschaffenden, die endlich ihre neuen Streifen zeigen wollen, bei Verleihern und nicht zuletzt den Beschäftigten der Filmtheater. Am Berliner Traditionshaus UCI Kinowelt „Colosseum“ blieb die Wiedereröffnung wegen Insolvenz leider aus – nach fast 100 Jahren Betrieb. Stattdessen wurde diskutiert und demonstriert.

    Noch stehen Serviceinformationen auf der Webseite des „Colosseum“. Und an Corona als Totengräber glauben die 43 Beschäftigten nicht. Sie kamen am 2. Juli vor ihr geschlossenes Haus, verschenkten nachmittags symbolisch Kinokarten und echtes Popcorn, suchten das Gespräch mit Publikum, Bezirkspolitikern und Anwohnern im Prenzlauer Berg, wo das 1924 eröffnete Kino seit Generationen eine Institution ist. Filmlegende Artur Brauner kaufte es Anfang der 1990er Jahre, modernisierte und baute es aus. Das große Kino 1 mit 525 Sitzen und das Foyer stehen unter Denkmalschutz. Seit 1997 wurde das „Colosseum“ als Multiplex mit zehn Sälen und 2650 Plätzen unter der Geschäftsführung von Brauner-Sohn Sammy betrieben. 350 000 Besucher kamen 2019 ins Haus Schönhauser Allee/ Ecke Gleimstraße. Nicht nur zur Berlinale war es Festspielort, hier gab es auch Spatzen-Kino für Kita-Kinder, eine Türkische Filmwoche und Veranstaltungen wie Jugendweihen oder Firmenevents. Tempi passati?

    Hilfen nicht beansprucht

    „Wir wollen lieber heute als morgen wieder öffnen“, sagt Betriebsratsvorsitzender Martin Rathke. Doch so schnell wird das wohl nicht gehen. Als die Interessenvertretung mit dem Chef der Betreiberfirma Sammy Brauner zum Shutdown eine Betriebsvereinbarung zur Kurzarbeit unterzeichnete, wies noch nichts auf ein nahes Ende hin. Das deutete sich erst an, als Ende Mai ein vorläufiger Insolvenzverwalter von Zahlungsunfähigkeit schrieb. Seither hat die Belegschaft kein Geld mehr gesehen. Sammy Brauner stellte die Beschäftigten ab 10. Juni frei, sprach aber erst am 25. Juni mit dem Betriebsrat. Das Kino sei wegen sinkender Besucherzahlen und unter Corona-Bedingungen nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben. Die Erbengemeinschaft des im Vorjahr 100-jährig verstorbenen Filmmoguls Atze Brauner sehe die Lage aussichtslos, erklärte Brauner jr. mittlerweile auch der Presse. „Nichts davon wurde mit Zahlen unterfüttert“, kritisiert der Kino-Betriebsratsvorsitzende. Die Beschäftigten bemängeln auch, dass Corona-Soforthilfen für das „Colosseum“ gar nicht in Anspruch genommen wurden. „Wir haben rechtzeitig alle Möglichkeiten aufgelistet. Als es vom Land Berlin einen speziellen Kulturfonds mit Hilfen für Unternehmen bis 50 Mitarbeiter gab, wurde nochmals nachgestoßen – nichts“, beklagt Rathke.

    Baupläne von unbekannt

    Dafür, dass die Pandemie als Grund nur vorgeschoben wird, spreche auch anderes. Hat sich doch herausgestellt, dass ein Hamburger Immobilienkonsortium bereits im Herbst 2019 einen Bauvorbeschied für einen Campus mit modernen Büroflächen auf dem Grundstück beantragt hat. Die Genehmigung unter Beachtung denkmalgerechter Ausführung wurde Ende November vom Stadtentwicklungsamt des Bezirks Pankow in Aussicht gestellt. Doch damit, so Sammy Brauner, habe er gar nichts zu tun. Die Erbengemeinschaft verfolge mit der Immobilie, wo zusätzlich auch Gewerbe angesiedelt ist, keine Pläne.

    läne schmiedet nun dagegen die Belegschaft. Und sie sucht Verbündete, um das Aus für den 1924 eröffneten Kinostandort zu verhindern und Arbeitsplätze zu erhalten. ver.di ist im Boot. „Das Colosseum gehört zum kulturellen Erbe der Hauptstadt, es braucht unbedingt eine Chance“, sagt ver.di-Gewerkschaftssekretär Jörg Reichel und setzt darauf, dass die zuständigen Bezirkspolitiker jetzt doch wach werden und die Brauner-Erben einlenken.

    Suche nach stimmigem Konzept

    „Wir sind bereit, das Kino zu übernehmen – ob als Genossenschaft oder kommunales Kino“, erklären die Beschäftigten. Dazu brauchen sie freilich ein stimmiges Konzept. Der Standort sei allein mit dem Kino sicher nicht zu halten. Eine breitere künstlerische Nutzung im Zusammenspiel mit Gewerbe scheint dagegen eine gangbare Lösung. Zusätzliche Büroflächen brauche hier jedenfalls niemand. Die Interessenvertretung führt derzeit Gespräche, lotet Möglichkeiten aus. „Das geht nur gemeinsam mit Anwohnern und Publikum, dazu brauchen wir politische Unterstützung und das wird nicht gegen die Eigentümer gelingen“, ist der Betriebsratschef überzeugt.

    Dem Ruf „Das Colosseum muss bleiben!“ und der Einladung zu einer gemeinsamen Demo durch den Kiez sind am ausgefallenen Kinoabend jedenfalls hunderte Sympathisanten gefolgt – „mehr als wir in unseren kühnsten Träumen erhofft hatten“, freut sich der Betriebsratsvorsitzende. Es gab Gespräche und Ansprachen von Kiezvertretern aus dem Gleimviertel-Verein, die Mut machten. Bundestagsabgeordnete von SPD und Linken sagten Unterstützung zu, Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke) wiederholte seine Vorstellung von einem „Haus der Kultur- und Kreativwirtschaft“ auf dem Areal, wozu unbedingt auch ein Kino gehören müsse. Die kampfesmutigen „Collosseum“-Beschäftigten zeigten sich angesichts der breiten Solidarität schlicht überwältigt. Das Eigentliche liegt freilich noch vor ihnen…

    Die Wiederaufnahmen des Kinobetriebes nach fast vier Monaten wurde auch andernorts skeptisch gesehen, etwa bei den hauptstädtischen Programmkinos. Abstandsregeln, ausgebaute Sitze, mangelnde Auslastung werden vielen Betreibern arg zu schaffen machen. Doch es gibt auch Lichtblicke und Ideen jenseits von Autokino. Die Deutsche Bahn startet am Berliner S-Bahnhof Charlottenburg ein Sommerkino für internationale Streifen im Original mit Untertiteln. Und das „Klick“ in der nahen Windtscheidstraße ist auch zurück! Zur Wiedereröffnung des ambitionierten Kiezkinos gibt es ein ganzes Wochenende der Offenen Tür. Mit Lars Eidinger als Filmpaten des Monats.

    #Berlin #Prenzlauer_Berg #Schönhauser_Allee #Arbeit #Kino #covid-19 #Insolvenz #Gewerkschaft

  • Kinobelegschaft fordert Gespräche | labournet.tv
    https://de.labournet.tv/kinobelegschaft-fordert-gespraeche
    https://kanalb.net/media/labournet/colosseum_1_2.mp4

    Drei Mitarbeiter_innen des wegen Insolvenz geschlossenen Kinos Colosseum in Berlin sprechen über ihre Situation. Sie haben ihren Job verloren, - ohne ordentliche betriebsbedingte Kündigung und ohne Aussicht auf Abfindungen.

    Sie bezweifeln, dass das Kino tatsächlich unrentabel ist und berichten von einen positiv entschiedenen Bauvorbescheid, einem Immobilienwert von 40-50 Millionen Euro und einem Baustadtrat Kuhn, dem die Akte Colosseum einfach so „durchgerutscht“ sei.

    Die Belegschaft möchte das Kino übernehmen und in Eigenregie weiterführen.

    #Berlin #Prenzlauer_Berg #Schönhauser_Allee #travail #cinéma #covid-19 #faillite

  • „Kein Handlungsspielraum mehr“: Warum Atze Brauners Erben das Colosseum sterben lassen
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/kein-handlungsspielraum-mehr-warum-atze-brauners-erben-das-colosseum-sterben-lassen/25960352.html


    Kino Colosseum (UCI Kinowelt) Schönhauser Allee 123, 10437 Berlin-Prenzlauer Berg, Telefon +49 30 440180, https://www.uci-kinowelt.de/Berlin_Colosseum
    https://www.openstreetmap.org/way/28642449#map=19/52.54776/13.41290

    30.06.2020 Ein Interview von Alexander Fröhlich - Das Berliner Traditionskino Colosseum in Prenzlauer Berg soll schließen – es sei nicht mehr wirtschaftlich, sagt Betreiber Sammy Brauner.

    Herr Brauner, die Nachricht von der Schließung des Traditionskinos Colosseum sorgt für Entsetzen in Berlin. Warum haben Sie sich dazu entschieden?
    Dem Kino ging es schon vor Corona nicht gut. Mit Eintritt der Corona-Maßnahmen war absehbar, dass der Betrieb bald zahlungsunfähig wird. Das kam aber nicht infrage. Ich wollte nicht sehenden Auges in die Insolvenzverschleppung rutschen.

    Die Rede war immer davon, dass das Colosseum für Ihren Vater die Krönung seines Lebenswerks gewesen sei. Stimmt das?
    Nein, und offen gestanden finde ich es skandalös, dass diese vollkommen falsche Aussage seit Wochen kolportiert wird, ohne, dass sich jemand die Mühe gemacht hat, sie zu belegen.

    Mein Vater hat einmal in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ im März 2010 von der „Krönung meines Filmschaffens“ gesprochen, aber in einem völlig anderen Zusammenhang. Dieses Zitat bezog sich auf die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem, der er eine Mediathek gestiftet hat, die seinen Namen trägt. Dort laufen alle jemals von ihm produzierten Holocaust-Gedenkfilme als ewiges Mahnmal für alle Besucher der Gedenkstätte.

    Das ist ein Werk, das man mit Fug und Recht als Krönung bezeichnen darf. Glaubt irgendjemand im Ernst, dass ein Mann mit so einem Vermächtnis ein Multiplex-Kino als „Krönung seines Lebenswerks“ bezeichnen würde?

    Dennoch hat Ihr vor einem Jahr verstorbener Vater mit dem Kino ein Erbe hinterlassen. Verpflichtet das nicht zu besonderer Verantwortung?
    Das hat er. Unser Vater war aber Unternehmer durch und durch, und er wäre der Letzte gewesen, der tatenlos einer verlustreichen Geschäftstätigkeit zugeschaut hätte. Er hätte wahrscheinlich sogar schon früher die Reißleine gezogen.

    Sicher ist, dass er von uns Kindern nie verlangt hätte, unter Einsatz von persönlichen Ersparnissen den nachweisbar vollkommen unrentablen Betrieb eines Kinos fortzuführen.

    Inwieweit haben Sie Möglichkeiten ausgelotet, den Kinobetrieb doch fortzusetzen?
    Hier gibt es keinerlei Handlungsspielraum mehr. Ich habe für den Kinobetrieb Insolvenz wegen drohender Zahlungsunfähigkeit anmelden müssen. Daraufhin hat ein gerichtlich bestellter vorläufiger Insolvenzverwalter dessen wirtschaftliche Situation geprüft. Und seine Beurteilung ist eindeutig.

    Sie selbst sind Teil der Erbengemeinschaft als Eigentümer der Immobilie, die will den Pachtvertrag aufheben. Was haben Sie mit der Immobilie vor?
    Wir haben als Erbengemeinschaft keine konkreten Pläne mit der Immobilie. Die Insolvenz ist ja auch gerade erst eingetreten und das Verfahren noch nicht einmal eröffnet worden. Die Immobilie besteht außerdem ja nicht nur aus dem Kino: Darin gibt es noch Büros, Gastronomie und andere gewerbliche Nutzung.

    Im vergangenen Jahr hat nach unserer Kenntnis eine Immobilieninvestment- und Entwicklungsgesellschaft aus Hamburg für Geschäftshäuser und Einzelhandelsimmobilien einen Bauvorbescheid beantragt und erhalten. Die Überbauung der Immobilie mit Büros ist demnach zulässig. Was wissen Sie vom Bauvorbescheid, der Investmentfirma und von den Plänen für die Immobilie?
    Weder ich noch jemand aus der Erbengemeinschaft hat einen Bauvorbescheid beantragt.

    Der Vorbescheid wurde im vergangenen Jahr beantragt und erteilt. Von außen wirkt es so, als hätte es die Überlegungen zur Schließung des Kinos schon gegeben und die Coronakrise war der Anlass für die Umsetzung. Was entgegnen Sie dem?
    Zu unterstellen, wir hätten nur auf Corona gewartet, um die Immobilie zu versilbern, ist zynisch. Ich habe mir die wirtschaftlichen Schwierigkeiten doch nicht ausgedacht.

    Der vom Amtsgericht eingesetzte Insolvenzverwalter ist nach Prüfung aller vorliegenden Unterlagen eindeutig zu dem Schluss gekommen, dass eine Fortführung des Kinobetriebs unter den vorgegebenen Bedingungen wirtschaftlich nicht machbar ist. Das ist traurig, aber dem müssen wir ins Auge sehen.

    Wollen Sie die Immobilien veräußern oder selbst entwickeln lassen? Warum?
    Was mit der Immobilie passiert, die neben dem Colosseum noch eine Reihe anderer Mieter hat, kann nur die Erbengemeinschaft gemeinsam entscheiden.

    Die Mitarbeiter sind enttäuscht. Was sagen Sie ihnen?
    Das kann ich natürlich verstehen. Sie haben schließlich mit viel Einsatz das Kino in schwierigen Zeiten am Laufen gehalten. Aber auch ihnen muss klar sein, dass die wirtschaftliche Situation aussichtslos ist.

    Ich habe den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dies bei der gestrigen Betriebsratsversammlung über eineinhalb Stunden lang geschildert. Bei den jetzigen – und seit Jahren kontinuierlich sinkenden – Besucherzahlen und zusätzlich unter Corona-Bedingungen ist eine Fortführung und überhaupt der Betrieb eines Multiplex-Kinos für einen Einzelbetreiber – das Kino Colosseum gehört keiner Kinokette an – nicht mehr darstellbar. Nicht an diesem schwierigen Standort mit der Konkurrenz und dem hohen Investitionsbedarf.

    Eines muss ich allerdings auch sagen: Bei allem Verständnis für die nachvollziehbare Frustration der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – dass sich dies bei einigen in offener und heftiger Aggressivität gegen meine Person äußert, fand ich erschreckend.

    Sie wissen um die Bedeutung des Kinos für Berlin, für die Berlinale, für den Kiez. Inwiefern haben Sie das bei Ihrer Entscheidung berücksichtigt?
    Noch einmal: Die Entscheidung war zwingend, weil ein Kino an diesem Standort und unter diesen Bedingungen nicht wirtschaftlich zu betreiben ist. Dass viele jetzt, wo es zu spät ist, plötzlich die Bedeutung des Colosseums hervorheben, finde ich ehrlich gesagt bedauerlich. Die Probleme sind ja nicht neu.

    Nehmen Sie das Thema Stadtentwicklung: Die Kulturbrauerei mit einem Kino mit 1 500 Plätzen in nur 1,5 Kilometer Entfernung hat uns seit deren Eröffnung im März 2000 pro Jahr circa 350.000 Besucher gekostet. Schon dieser jährliche Verlust hat das Colosseum an den Rand des Ruins gebracht.

    Unser Vater hat damals übrigens zum Bundestagsabgeordneten Wolfgang Thierse, der das Projekt unterstützte, gesagt: „Sie haben aus einer gesunden Kuh zwei kranke Kühe gemacht.“ Rings um uns sind in den letzten Jahren reihenweise die Kinos eingegangen, das Cinestar am Potsdamer Platz, das war das Premierenkino Berlins, sowie das Imax.

    Die Entwicklung war absehbar, und sie dauert an. Und wir haben unter immer schwierigeren Bedingungen jahrelang die Fahne hochgehalten.

    Eigentum verpflichtet. In diesem Fall nicht mehr?
    Das ist ein plakativer Satz und leicht gesagt. Damit ist aber nicht gemeint, dass ein defizitärer Betrieb aufrechterhalten werden muss.

    Pankows Bezirksbürgermeister Sören Benn schlägt eine Zwischennutzung der Immobilie als Kreativ- und Kulturzentrum vor, bis es zum Umbau kommt. Was halten Sie davon?
    Ich halte diese Idee für nicht sehr realistisch. Für jede Nutzung müsste die gesamte Erbengemeinschaft zustimmen.

    Benn schlägt ferner vor, dass die Immobilie zweifach genutzt werden könnte, für die angedachten Büros, aber auch durch Teile des Kinos. Eine Mischnutzung. Für Sie verhandel- und vorstellbar?
    Ich kann nur noch mal wiederholen: Es gibt von Seiten der Erbengemeinschaft aktuell keine Pläne für das Gebäude. Davon abgesehen bestand eine Mischnutzung des Gebäudes von Anfang an.

    Im Erdgeschoss befanden sich bis vor Kurzem noch mehrere Gastronomieeinheiten. Seit 2016 ist dort Bio Company mit einem Supermarkt präsent. Das gesamte vierte und fünfte Obergeschoss besteht aus Büros.

    Eins ist aber auch klar: Der große alte Kinosaal steht unter Denkmalschutz und darf nicht baulich verändert werden. Es ist also wahrscheinlich, dass er auch künftig in irgendeiner Form für Kulturzwecke genutzt wird, zum Beispiel als Theater- oder Kinosaal. Eine andere Nutzung ist gar nicht möglich.

    Sammy Brauner, Sohn des berühmten Filmproduzenten Artur Brauner, hat bislang die Betreiberfirma des Colosseums geführt. Er ist auch Teil der Erbengemeinschaft, der das Kino gehört.

    photo de Stefan Kellner https://www.flickr.com/photos/skellner

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    #Berlin #Prenzlauer_Berg #Schönhauser_Allee #Gleimstraße #travail #cinéma #covid-19 #faillite

  • In welcher Höhle haben die germanischen Ureinwohner gelebt? | Telepolis
    https://www.heise.de/tp/features/Wir-Migranten-aus-dem-Nahen-Osten-3733606.html

    Auch jenseits germanischer Mythen gibt es keine Hinweise auf die Existenz einer deutschen Ethnie. In einer aktuellen Studie hat der Humangenetiker David Reich von der Harvard University versucht, den Gencode der Deutschen und anderer europäischer Völker entschlüsseln. Dazu hat Reich DNA und Isotope Jahrtausende alter Zahn- und Knochenfunde ausgewertet. Sein Ergebnis: Nahezu alle heutigen Europäer sind Produkt dreier Migrationswellen.

    Die ersten unserer Ahnen kamen vor rund 19.000 bis 14.000 Jahren aus dem Nahen Osten. Eine zweite Einwanderungswelle brachte vor rund 9.000 Jahren Menschen aus Anatolien nach Mitteleuropa. Zuletzt ergänzten vor rund 5.000 Jahren Migranten aus den Steppen nördlich des Schwarzen Meeres den europäischen Genpool.

    „Das ganze Konzept eines ethnischen Deutschen ist lächerlich“, sagt auch der israelische Archäologe Aren Maeir. Eine Überfremdung eines „biodeutschen“ Volkes, wie es AfD-Politiker Ralph Weber beschwört, kann es schon allein deshalb nicht geben, weil es eine deutsche Ethnie - nennt man sie nun „arische Rasse“ oder „Biodeutsche“ nie gab. Nicht vor der Flüchtlingskrise. Nicht vor den „Gastarbeitern“. Nicht einmal im Teutoburger Wald.

    Deutsche, die dennoch nicht darauf verzichten können, sich über Abstammungslinien und Gencode zu definieren, können sich aussuchen, ob sie sich auf ihre russischen, nahöstlichen oder anatolischen Migrationshintergrund berufen wollen. Oder sie wählen die einzige rassische Kategorie, die uns wirklich trennscharf von unseren Artgenossen abgrenzt: Mensch.

    #Allemagne #histoire #racisme