Aktivisten blockieren Rheinmetall-Fabrik in Wedding
▻https://www.nd-aktuell.de/artikel/1201013.antimilitarismus-aktivisten-blockieren-rheinmetall-fabrik-in-wedd
Die Demo am Samstag konnten wir uns nicht entgehen lassen. Immerhin haben uns Uber und der Fahrdienst der Bundeswehr Abgeordnete des Bundestags als Fahrgäste abspenstig gemacht.
9.7.2026 vin Salim Nasereddeen - Am frühen Donnerstagmorgen herrscht angespannte Stimmung im Berliner Norden. Zahlreiche Polizeifahrzeuge pirschen durch Straßen des Stadtteils Wedding rund um den S-Bahnhof Humboldthain. Nahe dem Fabrikgelände des ehemaligen Pierburg-Werkes sind Polizisten postiert und sehen sich nach verdächtig scheinenden Personengruppen um.
Seit Monaten schon kommt es hier zu Akten des zivilen Ungehorsams und verschiedenen Protesten. Der Rüstungskonzern Rheinmetall ist dabei, die Fabrik, die bisher Autoteile produzierte, auf Waffenproduktion umzustellen. Die bundesweit anwachsende Bewegung gegen Kriegsvorbereitungen und Militarisierung findet hier einen entscheidenden Angriffspunkt, der sowohl symbolisch als auch materiell den neuen Kurs der »Zeitenwende« verkörpert. Erstmals seit 1945 sollen in der deutschen Hauptstadt Waffen produziert werden, Munition und Panzerteile. Dagegen regt sich Widerstand.
Schon Ende Mai hat das Berliner Bündnis gegen Waffenindustrie zu Aktionstagen gegen Rheinmetall aufgerufen, die offiziell an diesem Freitag beginnen sollen. Doch der aufsehenerregende Auftakt für das Protestwochenende kam schon einen Tag zuvor. Etwa 50 Aktivist*innen beteiligten sich am Donnerstag an Blockaden, die das Ziel verfolgten, die Waffenproduktion mitten in Berlin-Wedding zu stören. Die Aktionsformen waren dabei vielfältig und kreativ. Am nächsten an das Haupttor der Fabrik heran schaffte es eine Gruppe von Aktivist*innen, der sich Musiker*innen der Gruppe Lebenslaute angeschlossen hatten. Über eine Stunde lang spielte das Orchester hier ein Konzert und es wurden inmitten einer Straßenblockade Protestlieder gesungen, wobei sich die Beteiligten hinsetzten, einhakten und so den Zugang zum Gelände versperrten.
Weitere Aktivist*innen, die sich dieser Blockade anschließen wollten, wurden von der Polizei mit roher Gewalt aufgehalten. Auf zahlreichen Videos ist zu sehen, wie Polizisten mehrere Personen brutal zu Boden stoßen, mit Schmerzgriffen packen und zusammenpferchen.
Es gibt aber noch Blockaden auf den umliegenden Zufahrtsstraßen. In der Umgebung haben sich Mitstreiter*innen der Gruppe Peacefully against Genocide (Friedlich gegen Völkermord) am Boden festgeklebt und andere haben sich mit einem Banner »Hier gehen Kinder neben einer Waffenfabrik in die Schule« von einer Brücke abgeseilt. Gemeint ist mit dem Namen der Gruppe speziell der Völkermord im palästinensischen Gaza, der durch deutsche Waffenlieferungen an Israel ermöglicht worden sein soll.
Im Rahmen der Aktionstage der Initiative Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion soll in der Nähe der Fabrik ein Protestzelt aufgeschlagen werden. Der mit der Aufrüstung verbundene Sozialabbau wird ebenfalls in den Blick genommen. Oscar vom Bündnis erzählt »nd«, dass für das Wochenende auch Aktionen vor der nahegelegenen Arbeitsagentur geplant seien. Während bei Sozialleistungen, aber auch im Gesundheitswesen zurzeit enorme Einsparungen geplant seien, wolle die Bundesregierung erneut Milliardensummen in Kriegsvorbereitung und Aufrüstung stecken. »Jeder dritte Euro« solle laut Haushaltsplan in diesen Bereich fließen, erklärt eine Aktivistin bei einer spontan angemeldeten Kundgebung im Umfeld der Blockade am Fabriktor. Gegen Ende der Aktionen kommt es erneut zu Polizeigewalt. Nachdem die Einsatzkräfte die Blockade brutal aufgelöst hatten, brachten sie die Aktivist*innen zu der Kundgebung. Doch auch dort werden wieder Menschen festgenommen.
An der Aktion am Donnerstagmorgen beteiligt war die bundesweite Initiative »Rheinmetall entwaffnen!«. Seit 2018 organisiert sie großangelegte Protestcamps an Orten der deutschen Rüstungsproduktion. Diese Camps haben zum Aufschwung der antimilitaristischen Bewegung beigetragen. Dieses Jahr organisiert »Rheinmetall entwaffnen!« gleich zwei Aktionen, in Köln und in Hamburg. Vom 1. bis 6. September findet in Köln wieder ein Protestcamp statt. Vom 24. bis zum 26. September sind in Hamburg Aktionstage gegen das Nato-Manöver »Red Storm Charlie« geplant.






