• »Gesundheit ist ein Menschenrecht« – aber wer zahlt dafür?
    https://www.nd-aktuell.de/artikel/1201429.obdachlosigkeit-gesundheit-ist-ein-menschenrecht-n-aber-wer-zahlt

    28.7.2026 von David Rojas Kienzle -Arztmobil und Stadtambulanz versorgen täglich Wohnungslose in Berlin – doch die Finanzierung der wichtigen Arbeit steht auf wackligen Beinen.

    Olaf Schüßler leitet das Arztmobil der Caritas. Das Kunstwerk im Hintergrund zeigt Omar, der 30 Jahre auf der Straße lebte.

    Foto: Caritas/Ksenia Yanko

    Eigentlich findet in der Levetzowstraße im Berliner Stadtteil Moabit eine Presseveranstaltung der Berliner Caritas und der Berliner Stadtmission statt. Die beiden Organisationen stellen die Arbeit des Arztmobils und der mobilen Straßenambulanz vor und bekommen feierlich eine Spende über 21 000 Euro des Pharmaunternehmens Bayer übergeben. Aber einer der Experten für die Arbeit ist kurzzeitig nicht ansprechbar. Ein Mann benötigt Unterstützung und Olaf Schüßler, Leiter des Caritas-Arztmobils, überprüft seinen Blutzucker, während der Rest der Anwesenden Interviews gibt.

    Die Konsultation ist eine von 1800, die das Arztmobil der Caritas jedes Jahr macht. Der Kleinbus ist an vier Tagen die Woche unterwegs und bietet an verschiedenen Orten der Stadt medizinische Versorgung an, vor allem für Obdachlose. »Wir machen keine Notfallmedizin«, erklärt Schüßler gegenüber »nd« im Gespräch. Das Arztmobil bietet hausärztliche Versorgung für Menschen, die es selber nicht in eine Praxis schaffen oder keine Krankenversicherung haben. Der niedrigschwellige Zugang ist zentral in der Arbeit. Patient*innen dürfen in allen Zuständen kommen. »Und wenn sie uns mal anbrüllen, dann ist das eben so«, sagt Schüßler. »Man braucht manchmal ein dickes Fell, aber wir sind eben alle Überzeugungstäter.«

    Schüßler selbst ist kein Arzt, sondern Sozialarbeiter und Rettungssanitäter. Aber bei den Fahrten sind immer ausgebildete Mediziner*innen dabei – alle ehrenamtlich. Angestellt sind für die Arbeit Sozialarbeiter*innen und »wirklich überzeugte Krankenschwestern«, wie Schüßler sagt. Neben der medizinischen Versorgung – oft geht es dabei um normale Probleme, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Atemwegserkrankungen, sehr häufig aber auch um Wundversorgung – können die Sozialarbeiter*innen über die Arbeit mit dem Mobil eine Beziehung zu den wohnungslosen Menschen aufbauen. »Das ist eine sehr intime Arbeit. Das bedeutet, dass wir einen Zugang haben, den andere Sozialarbeitende nicht haben«, sagt Schüßler. Das sei die Basis, um die Menschen wieder ins Regelsystem zu bringen.

    Dass die mobile ärztliche Versorgung ein wichtiger Teil der Unterstützungsarbeit für Wohnungslose ist, bestätigt auch Elfriede Brüning gegenüber »nd«. Sie leitet die Zentrale Beratungsstelle für Wohnungslose von der Berliner Stadtmission und der Caritas. Soziale Arbeit komme bei Wohnungslosen oft nicht so gut an. Deswegen sei der andere Zugang so wichtig. Mindestens genauso wichtig: Mit den mobilen Angeboten können Menschen erreicht werden, die es sonst nicht zu Beratungsstellen schaffen. »Wir bekommen öfters Anrufe von Bürger*innen, die wahrnehmen, dass Menschen auf der Straße Hilfe benötigen«, sagt Brüning. Dann könne man die mobilen Teams zu den Menschen schicken.

    Während das Arztmobil tagsüber unterwegs ist, fährt die mobile Straßenambulanz der Stadtmission abends und nachts. Gerhard Groß ist ehrenamtlicher Fahrer. »Auch Obdachlose haben ihren Tagesablauf«, sagt er zu »nd«. Wer auf der Straße lebt, muss sich um vieles kümmern: Behördengänge, Essen besorgen und vieles mehr. Deswegen ist es wichtig, auch abends Hilfe anzubieten. Ein weiterer Unterschied zum Arztmobil: Die Ambulanz fährt gezielt Menschen an. »Wir haben schon bestimmte Klienten auf dem Zettel«, sagt Groß. Dabei kommt Menschen wie ihm, der regelmäßig unterwegs ist, eine wichtige Rolle zu. Denn die Ärzte, die ehrenamtlich fahren, machen das meist nur ein- bis zweimal im Monat. »Die verlassen sich darauf, dass wir wissen, wo wir hinmüssen«, sagt Groß.

    »Man braucht manchmal ein dickes Fell, aber wir sind eben alle Überzeugungstäter.«
    Olaf Schüßler Leiter des Arztmobils

    Die Arbeit ist nicht immer einfach. »Manchmal gibt es Situationen, wo man kurz vorm Verzweifeln ist«, sagt Groß. Etwa wenn Menschen Wunden haben, die einfach nicht verheilen und dann eine Amputation droht. Außerdem seien die Wege, bis man jemanden vermitteln könne, »unendlich lang«. Groß berichtet von einem Mann, der in Kreuzberg dauerhaft auf der Straße lebt und der dringend eine Unterbringung braucht. »Das dauert dann aber manchmal Wochen und Monate.« Dazu komme, dass sich viele Menschen auf der Straße nicht um sich selbst kümmern könnten – wegen Drogenproblemen oder psychosozialen Problemen. Das führe dazu, »dass Leute sich nicht aufraffen«, so der Ehrenamtliche. »Deswegen ist Konstanz so wichtig.« Ärzt*innen könnten das nicht. »Da baut sich nicht so ein Kontakt auf.«

    Die wichtige Arbeit, die das Arztmobil, die Ambulanz und die zentrale Beratungsstelle leisten, findet allerdings unter Bedingungen statt, die immer schwerer werden. Die Beratungsstelle musste einen Sprechstundentermin streichen, weil die Finanzierung fehlt, wie Elfriede Brüning berichtet. Und auch das Arztmobil ist mittlerweile an vier statt fünf Tagen unterwegs, berichtet Olaf Schüßler. Zwar gebe es eine Finanzierung durch das Landesamt für Gesundheit, aber allein um den Betrieb des Arztmobils aufrechtzuerhalten, müssen Caritas und Stadtmission jedes Jahr einen mittleren fünfstelligen Betrag an Spenden einwerben.

    Und die Situation wird nicht besser. Aktuell gibt es geschätzt 65 000 Wohnungslose in der Hauptstadt. Dabei würden sehr viele, die sich selber helfen würden, nicht einmal in der Statistik auftauchen, sagt Elfriede Brüning. Alle Prognosen gehen davon aus, dass diese Zahl bis 2030 massiv steigen wird, obwohl sich Berlin eigentlich das utopische Ziel gegeben hat, bis dahin Obdachlosigkeit zu überwinden. »Ich weiß nicht, wie wir das schaffen wollen, wenn wir nicht Geld in die Hand nehmen«, sagt die Leiterin der Beratungsstelle.

    Olaf Schüßler sagt, er wünsche sich auch vor dem Hintergrund der zunehmenden Wohnungslosigkeit finanzielle Sicherheit für die Arbeit mit dem Arztmobil. Dieses sei eigentlich eine Ergänzung zum normalen Gesundheitssystem. »Wenn es uns nicht gäbe, wären die Rettungsstellen noch stärker überlastet«, sagt er. Man wolle aber langfristig, dass der Staat sich nicht aus der Verantwortung ziehe. Denn: »Gesundheit ist ein Menschenrecht.«

    #Berlin #sdf #iatrocratie

  • Bierverbot am Bahnsteig, Sekt im Abteil : Die bittere Wahrheit hinter dem Bahn-Plan
    https://www.berliner-zeitung.de/article/bierverbot-am-s-bahnsteig-sekt-im-abteil-die-bittere-wahrheit-hinte

    La chasse aux pauvres continue. Le propriétaire privé des gares allemandes Deutsche Bahn y iinterdit la consommation d’alcool . La mesure concerne uniquement les plus pauvres qui vivent et dorment dans ces lieux publiques. Dans les bars et restaurants des gares et trains on continuera à vendre de l’alcool.

    21.7.2021 vom Oliver Weinlein - Die Deutsche Bahn plant ein Alkoholverbot an 5400 Bahnhöfen. Warum die Regel vor allem Obdachlose verdrängt und soziale Probleme nicht löst.

    Im Bordbistro des ICE wird auch künftig Sekt ausgeschenkt. Auf dem Bahnsteig davor kostet die geöffnete Bierdose bald einen Platzverweis. Das ist die Logik des Alkoholverbots, das die Deutsche Bahn nun auf alle 5400 Bahnhöfe ausweiten will – bis spätestens 15. Oktober 2026, in Berlin ab 1. September am Hauptbahnhof und in Gesundbrunnen.

    Der Anlass ist ernst. Nach dem brutalen Angriff auf einen Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Bahn bei einer eskalierten Ticketkontrolle zieht Bahnchefin Evelyn Palla die Notbremse. Gut ein Drittel aller Gewalttaten an Bahnhöfen geschieht laut Bundespolizei unter Alkoholeinfluss.

    Wer abends am Gleis wartet, während nebenan eine Wodkaflasche kreist, kennt das mulmige Gefühl. Frauen kennen es besser als Männer.

    Und das Verbot ist kein Papiertiger, jedenfalls nicht überall. An den rund 30 Bahnhöfen, wo es bereits gilt, darunter Köln, München und Hamburg, meldet die Bahn weniger Gewaltdelikte, auch weniger Müll. Wer das Verbot pauschal als Symbolpolitik abtut, macht es sich zu einfach.
    Wer hier eigentlich verschwinden soll

    Trotzdem lohnt ein genauer Blick auf die Zielgruppe. Der Fan mit dem Wegbier steigt in seinen Zug und ist weg. Getroffen wird, wer nicht wegfahren kann: Menschen, die ihre Tage und Nächte am Bahnhof verbringen, weil sie keine Wohnung haben. Für sie ist er einer der letzten öffentlichen Orte mit Dach und Wärme.

    Dass die Gastronomie ausgenommen bleibt, entlarvt den Plan. Wer sich den Prosecco im Sitzen leisten kann, darf weitertrinken. Verboten wird der Alkohol der Armen.
    Ausgewichen ist nicht verschwunden

    „Verdrängung löst keine Probleme“, hält die Berliner Caritas dagegen. Die Bahnhofsmission am Ostbahnhof, wo das Verbot seit Mai als Modellversuch läuft, beschreibt aus der Praxis, was dann passiert: Wer vom Bahnsteig verwiesen wird, zieht ein paar Hundert Meter weiter – in den nächsten Park oder hinunter in den U-Bahnhof, wo die BVG-Hausordnung gilt und die neue Regel ins Leere läuft.

    Das Elend wird verschoben, dorthin, wo keine Bahnhofsmission mehr hinschaut. Genau darin liegt der Denkfehler: Die Leute müssen von der Straße – nicht bloß aus dem Blickfeld der Touristen und Reisenden.
    Ein Schild ist billiger als Hilfe

    Was stattdessen nötig wäre, haben die Sozialverbände längst aufgeschrieben: aufsuchende Sozialarbeit auch nachts, dazu Suchtberatung direkt am Bahnhof statt drei Ämter weiter. Das kostet Geld. Ein Schild mit durchgestrichener Bierflasche kostet fast nichts. Deshalb hängt bald das Schild.

    Ob es mehr wird als ein Schild, bezweifelt ausgerechnet die Gewerkschaft der Polizei: Bei der aktuellen Personallage sei eine konsequente Durchsetzung kaum machbar.

    An neuralgischen Orten kann ein Verbot ein sinnvoller Baustein sein. Als Antwort auf Wohnungslosigkeit und Sucht ist es ein Offenbarungseid. Wenn im Oktober das letzte Schild hängt, sind die Bahnhöfe aufgeräumter. Wie viele Menschen dann noch draußen schlafen, steht auf keinem Schild.

    #Allemagne #alcool.#sdf #gares #prohibition #pauvreté

  • Il y a des phrases qui, à elles seules, disent l’essentiel d’une époque. « La pauvreté n’est pas un crime » : ce n’est pas un simple slogan. C’est, mot pour mot, ce qu’ont martelé la Ligue des droits de l’Homme, la FEANTSA, la FIDH et la Fondation pour le Logement des Défavorisés dans leur communiqué commun au lendemain de la décision unanime du Comité européen des droits sociaux (CDES) condamnant la France pour ses arrêtés antimendicité. Ce n’est pas un reproche entre amis, ni une pétition de plus. C’est une décision de droit international, rendue à l’unanimité par 13 experts indépendants du Conseil de l’Europe. Et pourtant, la France continue. Les maires renouvellent leurs arrêtés, les préfets ne bougent pas, et dans les rues de nos villes, les bancs continuent de se hérisser d’accoudoirs centraux pensés, d’abord et avant tout, pour qu’un être humain épuisé ne puisse pas s’y allonger.

    https://dubasque.org/la-pauvrete-nest-pas-un-crime

    #précarité_SDF_violence

  • Obdachlosigkeit: Eine Frau macht Berlins Unsichtbare seit Jahren wieder sichtbar
    https://www.berliner-zeitung.de/article/eine-frau-die-berlins-unsichtbare-seit-jahren-wieder-deutlich-sicht

    Rendre visibles les SDF de Berlin

    29.5.2026 von Paul Zinken - Die Zahlen sind sehr nüchtern. Über 53.000 wohnungslose Menschen lebten zum Stichtag 31.01.2025 in Berlin in einer Unterkunft. 6000 Menschen hatten 2024 keine.

    Berlin hat viele Geräusche. Die S-Bahn auf den Brücken. Die Sirenen in der Nacht. Das Klirren von Flaschen am Bahnhof. Und dann gibt es dieses andere Geräusch: Papier. Briefe vom Vermieter. Mahnungen. Räumungsklagen. Behördenpost. Für manche Menschen beginnt Wohnungslosigkeit nicht im Schlafsack, sondern mit einem Umschlag im Briefkasten.

    Susanne Gerull kommt nicht aus der akademischen Glasvitrine. Sie war Sozialarbeiterin, ist Wissenschaftlerin. „Manche Fragen lassen sich aber auch heute nicht mit beruflichem Alltagswissen beantworten“, ist sie überzeugt. Später wurde genau daraus ihre wissenschaftliche Spur: Mietschulden, Prävention, soziale Wohnhilfe, Wohnungslosigkeit. Armut, sagt sie sinngemäß, sei nicht nur ein Mangel an Geld, sondern eine politische Frage. Soziale Ungleichheit beruhe auch auf Strukturen, die „politisch gewollt“ seien.

    Immer mehr sind von Wohnungslosigkeit betroffen

    Deutschlandweit waren zum Stichtag 31. Januar 2025 rund 474.700 Menschen wegen Wohnungslosigkeit untergebracht – acht Prozent mehr als im Vorjahr. 41 Prozent der gemeldeten untergebrachten Menschen waren jünger als 25 Jahre. Nicht enthalten sind dabei jene, die auf der Straße schlafen oder verdeckt wohnungslos sind, also etwa bei Bekannten unterkommen.

    Gerulls Arbeit beginnt genau an dieser statistischen Lücke. Wer ist sichtbar? Wer verschwindet? Wer wird gezählt – und wer bleibt draußen vor der Zahl?
    Eine schlechte Zahl kann politisch gefährlich werden

    Als Berlin seine obdachlosen Menschen zählen wollte, war Gerull wissenschaftlich beteiligt. Später, als eine weitere Zählung verschoben wurde, zeigte sie sich enttäuscht. Doch wegen zu weniger Freiwilliger habe sie selbst zur Verschiebung geraten. Eine berlinweite Zählung ergebe so „methodisch keinen Sinn mehr“.

    Das klingt trocken, aber es ist der Kern ihres Denkens: Nicht jede Zahl ist besser als keine Zahl. Eine schlechte Zahl kann politisch gefährlich sein, weil sie Genauigkeit vortäuscht. Eine Stadt, die ihre Ärmsten zählt, muss wissen, wie schnell sie sie wieder übersieht.

    Menschen dürfen nicht unsichtbar gemacht werden

    In einer wissenschaftlichen Einordnung zur „Nacht der Solidarität“ schrieb Gerull, verdeckte Wohnungslosigkeit lasse sich nicht einfach erfassen. Das dürfe aber nicht dazu führen, auf der Straße lebende Menschen „unsichtbar“ zu machen.

    Dieses Wort bleibt hängen: unsichtbar.

    Unsichtbar ist der Mann, der morgens um sechs seine Decke zusammenrollt, bevor die Stadt wach wird. Unsichtbar ist die Frau, die bei einem Bekannten schläft, weil sie Angst vor der Notunterkunft hat. Unsichtbar ist das Kind, das in einem Wohnheim groß wird und nach außen so tun soll, als sei alles normal.

    Geschichtlicher Querverweis

    Gerull hat Wohnungslosigkeit nie als Randthema behandelt. In einem Beitrag für die Bundeszentrale für politische Bildung schrieb sie, wohnungslose Menschen würden weiterhin „ausgegrenzt, stigmatisiert“ und teils in ihrer Existenz bedroht. Sie erinnert auch an die historische Gewaltgeschichte: Im Nationalsozialismus wurden als „asozial“ verfolgte Menschen kriminalisiert, deportiert, ermordet; die Stigmatisierung wohnungsloser Menschen hat tiefe historische Wurzeln.

    Der moderne Blick ist oft nur scheinbar milder. Mal gelten Wohnungslose als Opfer, mal als Störung. Mal friert die Stadt mit ihnen, mal will sie sie aus Parks, Bahnhöfen und Hauseingängen entfernen. Gerull beschreibt diesen Mechanismus hart: Aus einem sozialen Problem werde ein „ordnungs- und strafrechtliches Problem“.

    Dann kommt Housing First. Zuerst kommt die Wohnung

    Der Ansatz ist einfach und radikal zugleich: Erst die Wohnung. Dann die Hilfe. Nicht erst Abstinenz, Therapie, Wohlverhalten, Stufenplan. Nicht erst beweisen, dass man „wohnfähig“ ist. Sondern ein eigener Mietvertrag – und danach freiwillige, begleitende Unterstützung.

    Gerull evaluierte unter anderem das Berliner Modellprojekt „Housing First Berlin“. Das Ergebnis: Während der Modellprojektlaufzeit wurden 40 Menschen mit Wohnraum versorgt. 42 Mietverträge wurden unterschrieben. Die Wohnstabilität lag nach drei Jahren bei 97,3 Prozent. Der Bericht bewertet diese Quote als außerordentlich hoch, auch im internationalen Vergleich.
    „Ein Tropfen auf dem heißen Stein“

    Mittlerweile gibt es sechs Träger in der Stadt, die an mehreren Standorten solche Angebote anbieten. „Das ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, weiß auch die Expertin. „Aber ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.“ Die Politik sei nun verstärkt gefordert.

    Die positiven Zahlen sind mehr als Statistik. Sie widersprechen einem alten Vorurteil: dass wohnungslose Menschen erst lange geformt, geprüft, diszipliniert werden müssten, bevor sie wohnen können. Housing First dreht die Logik um: Wer schlafen kann, kann Termine wahrnehmen. Wer eine Tür abschließen kann, kann Kraft sammeln. Wer eine Adresse hat, existiert wieder im System.

    Ein Umdenken ist erforderlich

    Ein langer Weg, der Geduld und Geld braucht. Und ein Umdenken in der Struktur der Verwaltung erfordert. „Wenn es um Wohnungslosigkeit und deren Bekämpfung geht, sind viele Behörden gefordert“, lautet das Fazit von Gerull. Aber anstatt die Kräfte zu bündeln, „macht jeder sein Ding“. So werde beim Thema Wohnungslosigkeit immer auf die Senatsverwaltung für Soziales verwiesen. „Doch Wohnungslosigkeit ist kein ausschließlich soziales Problem“, erklärt sie. Die anderen Ressorts wie Bauen, Gesundheit, Jugend und Familie müssten auch eingebunden werden. „Ohne bezahlbaren Wohnraum nutzt die beste sozialarbeiterische Unterstützung nichts.“

    Statistik
    178.000 Wohnungslose zum Jahresbeginn in Unterkünften

    Doch Berlin ist nicht nur Housing First. Berlin ist auch ASOG.

    ASOG-Unterkünfte sind ordnungsrechtliche Unterbringungen – eigentlich Notlösungen, gedacht gegen die unmittelbare Gefahr, obdachlos auf der Straße zu stehen. Gerull leitete 2023/2024 mit Studierenden eine Studie über die Lebenssituation wohnungsloser Menschen in Berliner ASOG-Unterkünften. Grundlage waren 23 Interviews; Teile des Forschungsprozesses wurden durch wohnungslose Menschen selbst wissenschaftlich begleitet. Ziel war unter anderem die Entwicklung sozialer Mindeststandards.

    Unbequeme Ergebnisse

    Die Ergebnisse sind unbequem. In einer zusammenfassenden Darstellung der Studie heißt es: Formal würden Mindeststandards oft eingehalten, menschenwürdiges Wohnen werde aber durch unzumutbare sanitäre Zustände, fehlende Privatsphäre und lange Aufenthaltsdauern erschwert. Ein Satz aus der Studie lautet: „Das Leiden unter diesen Wohnbedingungen steigt“ mit zunehmender Dauer.

    Darin liegt die ganze Berliner Härte: Die Stadt bringt Menschen unter – und lässt sie dann manchmal Jahre in einem Provisorium hängen. „Ein Unding“, sagt die Expertin. Ein Bett sei kein Zuhause. Ein Wohnheim keine Wohnung. Eine Notlösung keine Lebensperspektive.

    Studie fordert Änderungen

    Die ASOG-Studie fordert unter anderem Einzelzimmer als Regelfall für Alleinstehende, Internetzugang, verbindliche Besuchsregeln, Mitspracherechte, verpflichtende soziale Unterstützung, Schutzkonzepte für vulnerable Gruppen und regelmäßige unangemeldete Kontrollen.

    Die neue Lebenslagenuntersuchung, ebenfalls unter Gerulls Projektleitung, verschärft den Befund. Die Diakonie fasst eine zentrale Erkenntnis so zusammen: „Je unsicherer die Unterkunftssituation“, desto unsicherer fühlten sich die Menschen insgesamt. Die Studie unter rund 900 wohnungslosen Erwachsenen, die von diakonischen Einrichtungen in Deutschland unterstützt werden, zeigt: 21,4 Prozent befanden sich in einer äußerst prekären Wohn- oder Unterkunftssituation, 13 Prozent lebten ganz ohne Obdach auf der Straße.

    Dr. Jens Rannenberg vom Evangelischen Bundesfachverband Existenzsicherung und Teilhabe formuliert daraus eine politische Forderung: Das „Recht auf Wohnen“ müsse als staatliche Verpflichtung anerkannt werden.

    Zahlreiche offene Fragen

    Das ist die eigentliche Streitfrage: Ist Wohnen Fürsorge oder Recht? Ist Wohnungslosigkeit ein persönliches Drama oder ein politisches Versagen? Ist Hilfe ein Schlafplatz im Winter oder eine Wohnung mit Schlüssel, Beratung und Schutz?

    Gerull steht in dieser Debatte für eine nüchterne Empörung. Sie dramatisiert nicht billig. Sie zählt. Sie fragt. Sie evaluiert. Sie widerspricht. Denn hinter jeder Zahl steht ein Mensch, der irgendwann einmal eine Tür hatte.

    Vielleicht ist das ihre wichtigste Botschaft: Man darf Menschen nicht erst dann sehen, wenn sie am sichtbarsten unten angekommen sind.

    Wohnungslosigkeit beginnt früher. Und genau dort müsste eine Stadt handeln: bei Mietschulden, Räumungsklagen, fehlender Beratung, fehlenden Wohnungen, schlechten Unterkünften, überforderten Ämtern, Armut, Scham und Stigma. „Wir brauchen einen Masterplan, Geld für die Wohnungssuche, einen geschützten Wohnungsmarkt, eine Anpassung der entsprechenden Gesetze, eine Änderung der Eigenbedarfskündigung“, lauten einige ihrer Forderungen.

    Susanne Gerull hat Berlin über Jahre einen Spiegel hingehalten. Darin sieht man keine abstrakte „Problemgruppe“. Man sieht Menschen ohne sichere Tür. Menschen, die oft nicht laut sind, sondern müde. Menschen, die nicht nur verwaltet werden wollen.

    Man sieht eine Stadt, die sich entscheiden muss, ob sie Armut zählt – oder bekämpft. Und dafür sucht Gerull auch künftig Mitstreiter.

    #Berlin #social #SDF #sans_abri #pauvreté #misère #misérables

  • Vom Bau auf die Straße : Wie Robert aus Budapest am Alex ums Überleben kämpft
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/vom-bau-auf-die-strasse-wie-robert-aus-budapest-am-alex-ums-ueberle

    Personne sait combien de mendians SDF vivent à Berlin. C’est l’histoire de l’un parmi eux. L’article parle implicitement du désarroi du journaliste qui ne sait que raconter ce qu’il apprend dans une brève rencontre.

    17.3.2026 von André Beinke - Robert kommt von Ungarn nach Berlin, um Arbeit zu finden. Heute kniet der 55-Jährige jeden Tag am Alex und hofft auf Kleingeld, Kaffee oder etwas zu essen.

    Robert kniet auf dem harten Pflaster vor dem Bahnhof Alexanderplatz in der Sonne und hält die Hand auf. Drei 50-Cent-Stücke liegen an diesem Vormittag drin. Mehr nicht. Seit Stunden ist er hier. Noch nicht mal ein paar Euro, sagt er, ein Kaffee vielleicht, etwas zu essen – viel mehr komme oft nicht zusammen.

    „Heute noch nicht so viel“, sagt Robert mit eigenen Worten. Seit 6 Uhr morgens sei er da. „Keine drei Stunden“, sagt er und schaut kurz auf, während Menschen mit Coffee to go, Einkaufstaschen und eiligen Schritten an ihm vorbeiziehen.

    Robert ist 55, kommt aus Ungarn und lebt seit etwa einem halben Jahr auf Berlins Straßen. Vielleicht auch schon länger. Am Alexanderplatz gehört er zu den Menschen, an denen viele vorbeigehen, obwohl ihn hier längst jeder kennt. Robert spricht niemanden an, ist nicht laut, will sich nicht aufdrängen. Er kniet einfach da, ruhig, die Hand nach vorn gestreckt. In seinem Gesicht liegt eine Traurigkeit, die man kaum übersehen kann.

    Wie die Leute auf ihn reagieren?

    „Mal so, mal so“, sagt er. Manche gäben etwas. Viele gingen vorbei.

    Warum ausgerechnet hier? Robert hebt leicht die Schultern. „Warum denn nicht?“ Am Alex, wo jeden Tag Tausende Menschen vorbeikommen, ist die Chance wenigstens größer, dass wer stehen bleibt. Ein paar Cent. Ein belegtes Brötchen. Ein warmer Kaffee. Für Robert ist das keine Nebensache, sondern die Frage, wie dieser Tag endet.

    Robert will arbeiten

    Dabei war sein Leben einmal ein anderes. Er habe in einer Autowerkstatt gearbeitet, sagt er, später auf dem Bau. Einer, der anpackt. Einer, der lieber mit den Händen arbeitet, als um Hilfe zu bitten. Was er sich wünschen würde? Die Antwort kommt sofort: „Mit Autos. Egal. Baustelle, Auto, irgendwas praktisch.“ Hauptsache Arbeit. Hauptsache wieder ein geregelter Tag.

    Robert kommt aus der Nähe von Budapest nach Berlin, weil er glaubte, dass es hier noch eine Chance für ihn geben könnte. Ein neuer Anfang, ein Job, ein bisschen Halt. „Ich dachte, hier kann ich vielleicht eher etwas verdienen“, sagt er. Stattdessen verbringt er seine Tage am Alexanderplatz und zählt Kleingeld.

    Berlin wirkt oft wie ein Ort, an dem man noch einmal von vorn anfangen kann. Für Menschen wie Robert zeigt die Stadt jedoch schnell ihre harte Seite: Sie ist teuer, anonym und überfordert. Anfang 2024 lebten in Berlin nach Senatsangaben rund 6032 Menschen ohne Unterkunft auf der Straße oder in Behelfsunterkünften, zusätzlich waren 47.260 wohnungslose Menschen untergebracht. Bis zum 31. Januar 2025 stieg allein die Zahl der untergebrachten Wohnungslosen auf 53.610.

    Robert sagt, er habe auch beim Jobcenter vorgesprochen. Viel gebracht habe das nicht. „Bla, bla, bla“, sagt er und winkt ab. Man habe sich nicht richtig verstanden. Dabei spricht er besser Deutsch, als es dieser Satz vermuten lässt. „Ich verstehe schon sehr gut, aber rede nicht gut Deutsch“, sagt er. Gelernt habe er die Sprache vor vielen Jahren in Ungarn.

    Rechtlich ist seine Lage kompliziert. Als EU-Bürger dürfte Robert sich grundsätzlich auch ohne Meldeadresse in Berlin arbeitssuchend melden, wenn hier sein gewöhnlicher Aufenthalt ist. Doch beim Bürgergeld gibt es für EU-Bürger enge Grenzen: Wer sich in Deutschland nur zur Arbeitssuche aufhält und keinen Arbeitnehmerstatus hat, kann von Leistungen nach dem SGB II ausgeschlossen sein.

    Genau das könnte erklären, warum ein Termin beim Amt für jemanden wie Robert schnell in viel Papier, viel Gerede und am Ende womöglich in gar kein Geld mündet. Dazu kommt: Wer auf der Straße lebt, hat oft keine feste Postadresse, keine stabile Erreichbarkeit und kaum Kraft für Fristen, Nachweise und wiederholte Vorsprachen – auch wenn eine Postadresse nach der Rechtsprechung nicht zwingend Voraussetzung für Leistungen ist.
    Sehnsucht nach Budapest – aber „scheiß Politik“

    Morgens sitzt oder kniet Robert am Alex. Abends schläft er nach eigenen Angaben auf einer Bank in einem Park in der Nähe. Ob er dort sicher sei? Robert antwortet knapp. Ein langes Klagen ist seine Sache nicht. Was er sonst noch mache? „Nichts“, sagt er und zuckt mit den Schultern.

    In Ungarn habe er zwei Kinder, erzählt er. Kontakt zu ihnen habe er nicht mehr. Dann sagt er noch einen Satz über seine Heimatstadt, der hängen bleibt: „Budapest schön, aber arbeiten … scheiß Politik.“ Viel erklärt er dazu nicht.

    In Ungarn wurde 2018 ein Gesetz wirksam, das das dauerhafte Leben im öffentlichen Raum verbietet. Menschenrechtsorganisationen und die UN kritisierten den Kurs scharf; die Regierung verteidigte ihn damals mit dem Argument, so Leben zu retten und Menschen in Unterkünfte zu bringen. Reuters beschrieb das Gesetz als Verbot für Obdachlose, auf der Straße zu schlafen.

    Am 12. April 2026 wählt Ungarn ein neues Parlament. Ministerpräsident Viktor Orbán, seit 2010 an der Macht, steht dabei unter deutlich größerem Druck als bei früheren Wahlen.

    Doch wer glaubt, Berlin sei für Männer wie Robert automatisch die bessere Stadt, macht es sich einfach. Hier ist Obdachlosigkeit nicht kriminalisiert wie in Ungarn. Aber gelöst ist das Problem deshalb auch nicht. Die Stadt zählt Tausende Menschen ohne Unterkunft, Hilfssysteme arbeiten am Limit, und selbst dort, wo es formell Ansprüche gibt, bleiben viele in der Praxis draußen: wegen Sprache, wegen Papieren, wegen Krankheit, wegen Scham, wegen Überforderung.

    Foto
    Ein Obdachloser schläft auf einer Bank am Bahnhof Alexanderplatz.Emmanuele Contini/imago

    Die Stadt rauscht an ihm vorbei

    Robert sagt all das nicht in diesen Worten. Er sagt nur Sätze wie:
    „Mal so, mal so.“
    „Warum denn nicht?“
    „Mit Autos. Egal.“
    Und: „Ich verstehe schon sehr gut, aber rede nicht gut Deutsch.“

    Sätze eines Mannes, dessen Leben auf ein paar Bedürfnisse zusammengeschrumpft ist: etwas Geld, etwas zu essen, irgendwo schlafen, vielleicht doch noch einmal Arbeit. Während die Stadt an ihm vorbeirauscht, kniet Robert weiter am Alexanderplatz und wartet darauf, dass wenigstens einer stehen bleibt.

    #Berlin #SDF

  • Les #chtites #maisons_solidaires, des tiny houses pour lutter contre le #mal-logement

    Des citoyens avec l’envie d’aider les sans-abri ont créé une association il y a 8 ans à #Lille. Le concept ? En louant leur chambre d’amis à des touristes, ils financent des tiny houses, des petites maisons destinées à accueillir des personnes sans logement. Pour accélérer leur action, l’#association a lancé une campagne de financement participatif.

    En 2018, un groupe de citoyens frustrés de ne pas pouvoir partager ses chambres d’amis avec des personnes sans logement a l’idée de les proposer à des touristes. L’argent récolté avec ces locations sert à financer de petits logements, des « tiny houses ». Il y en a déjà cinq sur la métropole lilloise, à #Saint-Maurice-Pellevoisin, habitées par des personnes en difficulté ou d’autres faisant le choix de vivre sobrement. Une #mixité_sociale pour favoriser aussi l’insertion.

    L’argent, le nerf de la guerre

    Une tiny house à fabriquer coûte environ 40 000 euros. L’association Les #chtites_maisons_solidaires a donc lancé une campagne de #financement_participatif de 60 000 euros, ce qui permettrait aussi de financer deux salariés : une spécialisée en urbanisme et le deuxième qui participe à la construction des logements. « On reçoit des loyers et on finance des jobs qui font du bien à la planète ! », lâche Christophe Thomas, président de l’association.

    Les deux prochaines petites maisons devraient être installées à #Lambersart. Dans le concept de l’association, elles seront louées à des touristes le temps d’être rentabilisées avant d’être loués à loyer très réduit à des personnes sans logement.

    "On commence par les louer à des touristes. On estime qu’il faut sept ans pour que la « tiny » soit payée. Tous les dons raccourcissent cette durée", complète enthousiaste Christophe Thomas. L’association s’est choisi un slogan : « Votre aventure, leur avenir ».
    Des appels aux dons

    L’association ne manque pas de projet pour récolter un peu d’argent. Une tiny house a été installée à Ambleteuse, dans le Pas-de-Calais pour récolter des fonds et, bientôt, un camping-car sera loué sur des Tiers-lieux de la région pour héberger des vacanciers.

    Christophe Thomas lance un appel à « l’hôte solidaire qui voudrait rejoindre notre équipe, le locataire bienfaiteur qui cherche une nuit insolite sur la Côte d’Opale ou sur les tiers lieux des Hauts-de-France... Ou, tout simplement, un donateur qui veut aider notre action ».

    Tout don ou mécénat permet à l’association de faire grandir son ambition : créer de l’habitat léger, écologique et adapté aux sans-abri.

    https://france3-regions.franceinfo.fr/hauts-de-france/nord-0/lille/les-chtites-maisons-solidaires-des-tiny-houses-pour-lutte
    #tiny_house #logement #solidarité #sans-abrisme #SDF #tourisme #tourisme_solidaire

  • #Siria, le forze governative s’impadroniscono del nord-est curdo
    https://radioblackout.org/2026/01/siria-le-forze-governative-simpadroniscono-del-nord-est-curdo

    L’esercito siriano avanza nel territorio controllato dai #curdi . Le Forze Democratiche Siriane (SDF) accusano le forze siriane di violare l’accordo di ritiro, attacando città chiave e giacimenti petroliferi. Gli Stati Uniti hanno esortato le truppe siriane a interrompere l’avanzata attraverso il territorio controllato dai curdi nel nord della Siria, mentre continuano degli scontri con […]

    #L'informazione_di_Blackout #pkk #sdf
    https://radioblackout.org/wp-content/uploads/2026/01/INFO-19012026-MURAT.mp3

  • La strage invisibile della popolazione homeless in Italia. E l’approccio che può fare la differenza

    I dati del monitoraggio dell’Osservatorio della Federazione italiana organismi per le persone senza dimora (fio.PSD) confermano il trend degli ultimi anni: nel 2025 in Italia più di 400 persone senza dimora sono morte in strada. “Per contrastare questo fenomeno strutturale è necessario potenziare i servizi di bassa soglia e puntare con decisione sull’#Housing_first”, sottolinea Caterina Cortese, ricercatrice di fio.PSD.

    (#paywall)

    https://altreconomia.it/la-strage-invisibile-della-popolazione-homeless-in-italia-e-lapproccio-
    #Italie #SDF #sans-abrisme #décès #morts #sans-abri #chiffres #statistiques

  • Il muro di gomma di Trieste: 200 richiedenti asilo costretti dalla burocrazia al gelo del Porto

    La nuova strategia della deterrenza del Viminale si maschera dietro lungaggini e inefficienze amministrative. Per chi arriva è sempre più difficile presentare richiesta d’asilo, i tempi ormai si sono allargati a dismisura. Da mesi in centinaia sono costretti a vivere nei magazzini del #Porto_Vecchio.

    Felpe, magliette, coperte appese a una ringhiera. Odore di legna bagnata. Un filo di fumo. Sulla banchina, cose e persone stese ad asciugare. Dopo due giorni di bora è tornato il sole a Trieste. E c’è una comunità nascosta, resa volutamente invisibile, che viene fuori a cercare calore e conforto che un pallido sole regala. A pochi minuti da piazza dell’Unità, dai caffè con nostalgie asburgiche e dai locali acchiappaturisti, a pochi passi dalle vie dello shopping, da Comune, grandi banche e prefettura, si sono centinaia di persone costrette a vivere accampate nei magazzini del Porto Vecchio di Trieste.

    La polvere sotto il tappeto

    Richiedenti asilo e aspiranti tali arrivati dopo mesi di di viaggio lungo la rotta balcanica, dublinanti espulsi dal Nord Europa e rispediti in Italia, Paese primo ingresso che di loro si è disinteressata e adesso di nuovo li abbandona, marginali, homeless, transitanti. Uomini e ragazzi per lo più, tutti obbligati dall’inadempienza istituzionale a dormire all’addiaccio, a sopravvivere grazie alle reti di solidarietà che a Trieste sono macchina che funziona, nascosti come polvere sotto il tappeto. Sono 180-200, fra cui almeno un’ottantina di persone che hanno già presentato richiesta asilo, più di cinquanta che non riescono a farsi ricevere per farlo. I numeri li ha messi in fila Ics, Consorzio internazionale di solidarietà, una delle realtà pioniere dell’accoglienza diffusa a Trieste e in Italia, “ma siamo consapevoli”, dicono gli operatori che regolarmente tentano di restituire nome e diritti a quei fantasmi, “che si tratta di cifre approssimate per difetto e sempre in evoluzione”.

    La frontiera rinnovata

    Tutti avrebbero diritto a formalizzare l’istanza e ricevere accoglienza, per legge dovrebbero passare non più di tre giorni per l’avvio della procedura, ma in realtà c’è da affrontare un calvario di mesi di tentativi. Identica attesa a cui è obbligato chi, dopo innumerevoli appuntamenti cancellati, giornate e giornate passate fuori dalle questure, riesce finalmente a presentare la richiesta, ma dall’accoglienza – che non è gentile concessione, ma obbligo di legge – rimane fuori comunque.

    Perché i posti non ci sono, perché nessuno, salvo le associazioni, informa i diretti interessati che ne avrebbero diritto, perché c’è un nuovo, efficacissimo muro di gomma, che negli ultimi mesi è stato tirato su a Nord Est, nel triangolo fra Trieste, Gorizia e la frontiera. Quella che non dovrebbe esserci, ma dal 2023, per decisione del Viminale, è tornata e, a dispetto delle rassicurazioni in senso contrario del ministro Tajani, di recente è stata rinnovata nell’assai costosa scenografia dei valichi Fernetti e Rabuiese, con camionette, sbarre e check-point da Guerra fredda, tornati su metà della carreggiata. In uscita, non c’è alcun controllo. “Una costosa sceneggiata”, l’ha definita il centrosinistra locale.

    Flussi ininterrotti e rotta sempre più violenta

    Basta allontanarsi pochi chilometri, arrivare ai valichi secondari, percorrere i sentieri del Carso, per accorgersi che il passaggio non si è mai interrotto. È solo molto più costoso, difficile, pericoloso, organizzato. Dove un tempo c’erano – e neanche sempre – i passeurs (facilitatori dell’attraversament), adesso sono arrivati i trafficanti. “Da quando nell’ottobre 2023 i controlli sono stati ripristinati, non solo fra Italia e Slovenia, ma a cascata lungo altre frontiere attraversate dalla rotta, ad aumentare sono stati soprattutto i servizi offerti dagli smugglers (trafficanti organizzati, ndr) e il controllo anche violento che esercitano sulle persone" – spiega Alessandro Papes di IRC, international rescue committee, che insieme alla Diaconia valdese raccoglie dati sugli ingressi a Trieste in base alle persone fisicamente incontrate. "I passaggi sono diventati quindi sempre più invisibili e veloci”. Anche perché gli smugglers si adeguano ai controlli, modificano i percorsi e i punti di ingresso, li moltiplicano. “Ad esempio, abbiamo la percezione che sempre più persone in questo momento puntino su Gorizia. Lì però non c’è una rete che permetta un reale monitoraggio”. E allora tocca incrociare i dati sugli ingressi in Slovenia e quelli registrati in strada a Trieste, il più delle volte in piazza Libertà e al centro diurno, cuori dell’accoglienza civica in città.

    Fra Frontex e la realtà

    Una contrazione c’è stata – di circa il 34%, dato assai lontano dal 60% calcolato da Frontex nei primi sei mesi del 2025 - e sulla rotta si viaggia comunque. Afghani per lo più, inclusi nuclei familiari allargati con due o più generazioni che si mettono in cammino. “Quest’anno ne abbiamo incontrati quasi tremila, tra cui una quarantina di famiglie, e un totale di 703 minori”. Turchi, curdi, bengalesi e pakistani, sempre più nepalesi, fra cui un piccolo esercito di donne sole, ancor più esposte degli uomini alle crescenti angherie e vessazioni che si registrano su una rotta solo più invisibile.

    Campi ufficiali come Bihac, in Bosnia, sono tappa sempre più rara, mentre squat, capannoni, ruderi diventano prigioni informali, teatro di violenze sempre più organizzate e sistematiche. Torture e pestaggi in videocall per estorcere ai familiari di chi transita ulteriore denaro non sono più eccezione, ma norma. “Diversi report”, aggiunge Papes”, attestano l’utilizzo e il trattenimento sempre più frequenti in posti informali e abbandonati, sia da parte degli smugglers, sia da parte di alcune polizie di frontiera”.

    Il confine in città

    Il vero muro oggi è in città, dove la nuova strategia della deterrenza si maschera da lassismo amministrativo. È ormai diffusa in Italia, con code che si allungano per giorni e notti davanti agli uffici delle Questure, tanto da costringere gli avvocati di diverse città a diffide, class action e altre iniziative legali. Tra Trieste e Gorizia, con talvolta anche Monfalcone a giocare di sponda, la forma è quella di un cinico ping pong.

    “A Trieste mi hanno detto che se voglio presentare domanda devo prima fare far aggiustare il telefono, non si può, l’ho fatto vedere, ma loro mi hanno mandato via lo stesso”. Una barba sottile che non riesce a invecchiare il viso scavato, quasi divorato da due occhi enormi, Ahmed si guarda attorno perso, mentre Ghulam, pakistano anche lui, mostra uno smartphone nuovissimo. “L’ho preso perché sapevo che solo così avrei potuto vedere la mia famiglia, ma mi hanno detto che è troppo nuovo, quindi non va bene perché non ci sono dati da controllare”. È da tempo ormai che i telefoni sono diventati parte della procedura di controllo.

    Da un anno ormai, basta una ricerca che riguardi un’altra città, una posizione fissata su Google Maps, una foto per essere mandati via e invitati a presentarsi altrove. “È una prassi totalmente illegittima”, dice Gianfranco Schiavone, fra i fondatori di Ics. “La presentazione della richiesta asilo è un diritto, un telefono rotto, troppo vecchio, troppo nuovo o delle ricerche on line non possono essere ostative”. E neanche l’avere o meno il passaporto.

    Il girone dantesco dei passaporti

    Faisal non aveva il tempo di chiederlo, aspettare mesi, né poteva permettersi il lusso di far sapere alle autorità di avere intenzione di fuggire dal Pakistan. “Lavoravo per una Ong che si occupa di diritti delle donne pashtun, ma la nostra attività non era gradita”. Raid negli uffici, minacce, pestaggi. “Ho mandato mia moglie e le mie figlie in campagna e sono partito”. Iran, Turchia, Grecia, poi la traversata lenta dei Balcani, a Trieste è arrivato a inizio ottobre. “Ci ho messo quasi tre settimane a farmi ricevere in questura, ho spiegato di non avere il passaporto e mi hanno detto di presentare una denuncia di smarrimento, pena l’impossibilità di chiedere asilo. Ho chiesto di farla lì, ma mi hanno detto che non si non si poteva”.

    Pur perplesso, lui ci ha provato davvero. Ha girato per commissariati e stazioni dei carabinieri e tutti hanno – comprensibilmente – allargato le braccia. “Sono tornato in questura e mi hanno nuovamente mandato via”. Non è un ragazzino Faisal, ha più di cinquant’anni e di notte nei magazzini non c’è coperta che protegga da gelo e umido. Fra la documentazione che tiene ordinata in una cartellina di plastica ci sono anche diversi certificati medici che raccontano come il freddo stia lentamente compromettendo polmoni e bronchi. Ma deve continuare a dormire all’addiaccio. Senza formalizzazione della domanda, o invito per presentarla in accoglienza non si entra.

    “Non ti hanno fatto la foto, vero?”, gli chiede un ragazzo accanto a lui. E non si riferisce al fotosegnalamento, che della procedura è prassi. “Molte persone raccontano che in questura esiste una chat informale in cui circolano le foto di quelli che vengono considerati troppo insistenti. Quando li vedono in fila, li mandano via senza neanche dar loro il tempo di parlare”, dice uno dei mediatori al Centro diurno.

    Richieste illegittime, respingimenti e burocrazia creativa

    Per chi a Trieste passa per fermarsi o per restare, il Centro diurno è l’unico posto – interamente gestito dalle associazioni – in cui, durante il giorno, chi ha bisogno possa trovare riparo, vestiti asciutti, docce, medici per una visita, operatori per informazioni, supporto, assistenza, volontari per una parola di conforto, un tè, dei biscotti, corsi di italiano. E in cui quotidianamente arrivano sconfitti tutti quelli che inutilmente sono rimasti per ore al gelo davanti alla questura in attesa di poter presentare la domanda.

    “Non abbiamo numeri precisi perché le autorità preposte si sono sempre rifiutati di darceli, ma calcoliamo che quotidianamente venga permesso a meno di una decina di persone di entrare in Questura per provare a presentare richiesta d’asilo. Meno della metà ci riescono”, spiega Schiavone, che quotidianamente aggiorna la lista delle persone per cui è necessario mandare una pec di sollecito alla questura. “Ma ormai neanche questo basta, quindi stiamo pensando ad altre iniziative legali”.

    Nel caso di S.R, di cui per questioni di sicurezza si indicano solo le iniziali, è stato necessario chiamare in causa il tribunale di Trieste. Ventitré anni, nepalese, R. è arrivato in Europa legalmente, con un permesso di soggiorno temporaneo in Croazia, da lì si è spostato in Italia, dove ancora prima della scadenza dei suoi documenti, ha presentato richiesta d’asilo. Ma autonomamente – e senza alcun riferimento di legge che lo giustifichi – la Questura ha deciso che non poteva farlo e gli ha intimato di rientrare in Croazia entro sette giorni, pena l’espulsione “con destinazione fuori dal territorio dell’Unione Europea”. Un provvedimento che anche il tribunale ha ritenuto fin troppo creativo, tanto da intimare alla questura con provvedimento urgente di formalizzare immediatamente la richiesta d’asilo di R., così come le pratiche necessarie per l’inserimento in accoglienza. Quando mostra orgoglioso il suo modello C3 fresco di stampa, il verbale con cui viene formalizzata la richiesta asilo che poi toccherà alla commissione territoriale valutare, gli occhi gli brillano. “Adesso basta dormire al freddo”.

    Il silenzioso esodo dei nepalesi

    Ma è uno dei fortunati. Soprattutto fra i nepalesi, che da almeno due anni scappano da un sistema divorato dalla corruzione, sempre più iniquo, dove la casta di nascita è una condanna. Talvolta, anche a morte. La stessa che spesso affronta chi si ribella. A settembre, un’ondata di proteste è costata la morte a più di ottanta manifestanti. L’Italia non considera il Nepal un Paese sicuro, eppure “il 95 per cento delle richieste di protezione internazionale, tra cui quelle di donne, viene rigettato”, spiega la psicologa Enkeleida Saraci, che si occupa di donne in situazioni di vulnerabilità.

    Del circuito di tratta che coinvolge le nepalesi si sa ancora poco, secondo i primi dati sembra orientato sia allo sfruttamento lavorativo che sessuale, ma di certo ci sono decine di donne che subiscono sistematici abusi. “Incidenti”, li chiamano, senza scendere troppo nei dettagli. Eppure per loro anche la sola presentazione della domanda d’asilo è una lotteria.

    Dopo mesi di inutili tentativi, molti provano a bussare alla Questura di Gorizia. Dove la strategia è diversa, ma l’esito è identico.
    La burocrazia levantina di Gorizia

    “Guarda qui, sette volte mi hanno detto di tornare. E sette volte mi hanno rinviato ad altra data”. Sul foglio che mostra Dinesh ci sono sette date cancellate e poi un’altra, che promette un appuntamento fra un mese per formalizzare finalmente la domanda d’asilo. Ne sono passati già due da quando è arrivato in Italia, almeno cinque da quando è atterrato in Romania con un visto e la certezza di avere un lavoro. Così gli avevano assicurato i dipendenti dell’agenzia a cui si era rivolto, indebitandosi pur di avere una prospettiva.

    “In Nepal per chi come me è di una casta bassa non c’è futuro. Anche se abbiamo finito le scuole non troviamo lavoro, siamo costretti alla fame o arrangiarci. La corruzione sta divorando il Paese”. Lui voleva di più, per questo ha creduto a chi – a caro prezzo – gli ha promesso che in Romania avrebbe trovato alloggio, impiego e salario degno. Ma all’arrivo non c’era nulla di tutto ciò. “Per giorni ho dormito in strada. Poi ho incontrato un connazionale, mi ha detto che cercavano persone in un cantiere e siamo andati lì. Ci pagavano qualcosa, ma la polizia ha fatto un controllo e ci hanno mandati via”. Anche Abinash ha un percorso simile alle spalle e un identico elenco di scarabocchi e rinvii sul foglio che la Questura gli ha rilasciato per invitarlo a presentarsi per la formalizzazione della domanda d’asilo. L’ultima volta – l’ottava – ha chiesto agli agenti di indicare una data certa, gli è stato detto che sarebbe stato possibile solo in caso di rinuncia all’accoglienza. Un ricatto che la procedura non prevede, né concepisce, ma l’informativa legale prevista per legge il più delle volte rimane sulla carta.
    I fantasmi del Porto Vecchio

    Che arrivino in Serbia, Croazia o Romania il copione è identico, la truffa anche. E lungo tutto il viaggio alla ricerca di un posto sicuro, identiche le forme di sfruttamento. “Io – dice, mentre gli altri con lui annuiscono – voglio solo un posto in cui vivere e lavorare in pace”. Ma per adesso sono solo fantasmi, costretti a vivere negli stanzoni dei magazzini del Porto Vecchio.

    Nessuno li usa più da decenni, sono stati progressivamente abbandonati quando tutte le attività sono state spostate al Porto Nuovo, verso Muggia. Ma le strutture sono rimaste sostanzialmente integre. Il freddo è meno intenso rispetto all’esterno, i vetri alle finestre – miracolosamente quasi tutti integri – proteggono dalla bora, che però testarda entra da porte divelte e infissi bucati. Non c’è acqua, né luce, come non c’è nel magazzino occupato dai pakistani, a circa sei palazzoni di distanza. O in quello degli afghani, poco lontano. Scappano dai talebani, sarebbero rifugiati naturali, eppure anche loro faticano addirittura a chiedere asilo. Ci si divide per nazionalità, un fuoco alimentato da pezzi di truciolato diventa cucina per cuocere il pane e riscaldare le ossa. La notte cala rapida. E domani sarà tempo di provare ancora, aspettare ancora, insistere ancora nel chiedere aiuto.

    https://www.repubblica.it/cronaca/2025/11/30/news/trieste_200_richiedenti_asilo_porto_vecchio-425012474
    #Trieste #frontière_sud-alpine #migrations #réfugiés #Italie #asile #SDF #hébergement #sans-abris #sans-abrisme #réfugiés_népalais #route_des_Balkans #frontières #dissuasion

  • Le crepe del “modello Saluzzo” dove i braccianti non diventano cittadini

    Nella località cuneese l’intervento istituzionale ha fatto sì che venissero superati gli insediamenti informali. Il sistema di accoglienza è efficace per le aziende ma non per chi vuole restare sul territorio. E il Pnrr è un’occasione persa

    Sembra una domenica come le altre, passeggiando nel verde del parco Gullino di Saluzzo (CN). Dei bambini giocano su scivoli e giostrine, nella parte più riparata alcuni ragazzi fanno un piccolo mercato. Qualche minima mercanzia, esposta anche per fermarsi a chiacchierare in quello che è l’unico spazio comune a disposizione dei lavoratori stagionali della zona, il comparto agricolo della frutta del cuneese. A guardarsi intorno adesso viene difficile pensare che fino a inizio settembre su questo stesso prato c’erano un centinaio di persone a dormire su sacchi a pelo e giacigli improvvisati di cartone. Come Odeh e Mamadou, un signore di 65 anni tornato da tempo a lavorare nelle campagne dopo la chiusura delle fabbriche.

    I due quest’estate rischiavano di dormire per strada nonostante Saluzzo sia il Comune capofila di una rete di accoglienza diffusa piuttosto strutturata che coinvolge tra gli altri la prefettura di Cuneo, la Regione Piemonte e dodici Comuni, per un totale di 246 posti letto. “Non sono sufficienti perché la stagione è molto lunga. La diffusione della rete consente di non avere grandi assembramenti ma non di eliminarli completamente -commenta il sindaco di Saluzzo Franco Demaria-. Restano i lavoratori marginali che lavorano pochi giorni e solo nei picchi della raccolta”.

    Come dire: non è niente in confronto a situazioni che si verificano in altre zone o rispetto al passato, quando in paese sorgeva un accampamento informale fatto di tende, legno e lamiere con dentro oltre cinquecento persone. O quando nel 2018 il Comune aveva adibito una ex caserma a centro di accoglienza, ribattezzata ironicamente “Guantanamo” dai lavoratori migranti. È però qualcosa su cui riflettere quando si parla di “modello Saluzzo” perché nonostante gli sforzi portati avanti e le risorse investite non si arriva a coprire il fabbisogno di abitazioni dei tanti lavoratori che accorrono nella piana.

    La stagione nel cosiddetto marchesato parte a maggio con i piccoli frutti, poi la pesca, il picco estivo con la raccolta della mela cuneese e si spinge fino a novembre con le varietà di mela invernali. Stagione lunga, anche se intervallata, e con condizioni di lavoro sostanzialmente buone, con paghe che oscillano tra i sette e gli otto euro all’ora, al netto delle tante giornate non registrate in busta paga. Fattori che attirano sul territorio più di diecimila lavoratori stagionali, oltre tremila da Paesi dell’Africa subsahariana, con 12mila contratti registrati nel raggio di 20 chilometri. Il problema principale per tutti è la casa, non disponibile o offerta a prezzi fuori mercato. L’unica soluzione proposta sono le accoglienze diffuse, organizzate seguendo i “flussi di lavoro”, vero punto di forza di questo modello per alcuni mentre nodo del problema secondo altri. Si accede durante i periodi di raccolta se si è già in possesso di un contratto di lavoro, ma senza poter prendere la residenza necessaria al rinnovo del permesso di soggiorno e utile per la nomina di un medico di base.

    Per i servizi socio-sanitari molti, oltre 300 solo quest’anno, si rivolgono all’ambulatorio della Caritas peraltro non riconosciuto dall’Asl regionale e non in grado di rilasciare prescrizioni. L’ottica è quella del workfare, impostato sul conteggio delle braccia utili in azienda a cui fornire un riparo, un sistema di intermediazione con le aziende e poco più. In cambio il lavoratore paga un contributo di 1,50 euro al giorno, l’azienda che lo recluta quattro. “Tanti soldi -racconta Omar, un lavoratore burkinabé che dorme nella ‘diffusa’ di Saluzzo- in stanza siamo in tre, se li conti sono cinquecento euro, si potrebbe prendere una casa vera”. Non è una questione di comodo per uno che da otto anni ritorna a lavorare qui.

    “Certo che mi lamento: la cucina ha pochi fuochi, si aspetta per mangiare fino a mezzanotte e non si riposa abbastanza per andare nei campi alle quattro e mezzo del mattino. Ma non ci sono case altrimenti mi fermerei pure qui”. Lui è uno dei “fortunati”, perché i 40 posti forniti da Saluzzo sono all’interno dell’ex casa del custode del cimitero, in posizione periferica ma non troppo. Sessanta invece sono a Cuneo, lontani quaranta minuti in macchina e gli altri 88 in campi container, di cui 39 a Lagnasco, installati tra il cimitero e un’azienda. All’interno di vari edifici restano 46 posti sparsi tra altri tre Comuni, in zone lontane dagli abitati, di solito in corrispondenza di cimiteri o di caselli ferroviari. Lo si potrebbe chiamare “cinismo istituzionale”, considerando che in realtà l’accoglienza organizzata coinvolge almeno altri 984 lavoratori, ospitati direttamente all’interno delle aziende, solitamente le più grandi, in container noleggiati o cascine a uso agricolo che in deroga, una volta risistemate, possono ospitare i braccianti.

    “Dal nostro punto di vista una cosa ottima e ben fatta -commenta Davide Giraudo della Flai Cgil di Saluzzo- perché sappiamo dove sono i lavoratori e come vengono trattati”. La realtà è che non ci sono strumenti per controllare le accoglienze fornite dai datori di lavoro, finanziate in parte anche con fondi pubblici e il cosiddetto modello Saluzzo si regge in pratica sull’ospitalità in azienda. Mentre gli esclusi dal sistema si arrangiano come possono, si sistemano al parco Gullino, oppure si rivolgono alla Caritas che mette a disposizione 24 posti in dormitorio e altri 18 in container. Si poteva agire diversamente con i circa 1,7 milioni di euro di fondi dedicati dal Piano nazionale di ripresa e resilienza (Pnrr) alla fuoriuscita dagli insediamenti irregolari, di cui Saluzzo e i Comuni firmatari del protocollo sono tra i pochi fortunati beneficiari. Ma i soldi verranno utilizzati per aggiungere sei posti in più all’edificio attuale nella stessa Saluzzo, confermare i dieci posti attivati quest’anno in via sperimentale a Revello (CN) e aumentare di ulteriori 36 posti gli attuali campi container. L’impressione è che tutti vogliano i lavoratori ma nessuno i migranti.

    “C’è un fortissimo disagio abitativo, le case mancano, il mercato è molto chiuso e discriminatorio. Noi abbiamo faticato tantissimo a trovare degli alloggi, ci abbiamo messo un anno a trovare questo posto a Revello”, racconta Giovanni D’ambrosio, referente di Mediterranean Hope. È uno dei motivi che ha spinto la Ong attiva anche nella piana di Rosarno ad aprire il suo ostello: “Vogliamo fornire una stabilità, anche se temporanea, a persone che spesso sono protagoniste di una migrazione circolare”. Ma l’incapacità dell’accoglienza istituzionale di coprire tutto il fabbisogno non è l’unico problema. “Le persone non sono legittimate a fermarsi sul territorio, anzi in qualche modo sono incentivate ad andarsene, il tipo di approccio pubblico è sempre quello dell’invisibilizzazione, del fatto che loro non possono immaginarsi di stare sul territorio perché una volta che finisce la stagione se ne devono andare”.

    Tra coloro che cercano di cambiare la situazione ci sono anche alcuni giovani che, attraverso l’associazione Makala, hanno adibito un’abitazione a luogo di ospitalità per sette persone finanziandola con piccoli corsi ed eventi aperti al territorio. “Chi si ferma da noi ha un anno di tempo per capire come restare qui”, raccontano. Anche se si tratta di una goccia nel mare il loro esempio è tanto più prezioso perché nato in maniera spontanea da persone che, guardandosi intorno, hanno colto meglio delle istituzioni qual è il problema principale del modello: il territorio resta impermeabile e chi arriva non ha il tempo di ambientarsi perché deve andar via. Il marchesato è così una terra di confine che si mantiene sulla linea tra ciò che è dovuto e ciò che è necessario a tutti per vivere. Non è una questione di cortesia: se ci si occupa davvero di fornire ai lavoratori luoghi dove andare a dormire non si può basare un modello di accoglienza sul calcolo della forza lavoro. Così si considerano i lavoratori migranti come pura componente essenziale al riprodursi dell’attività aziendale e non come persone depositarie di sogni, bisogni e aspirazioni che vanno al di là di una paga e un tetto sulla testa.

    https://altreconomia.it/le-crepe-del-modello-saluzzo-dove-i-braccianti-non-diventano-cittadini
    #exploitation #agriculture
    #Italie #migrations #travail #Pinerolo #main-d'oeuvre #caporalato #hébergement #logement #SDF #sans-abris #modello_Saluzzo #modèle_Saluzzo #parco_Gullino_di_Saluzzo #parco_Gullino #fruits #pommes

    voir aussi:
    Blueberries. Cronache dalle piantagioni saluzzesi
    https://seenthis.net/messages/1011769

  • « Un nouveau record effroyable » : plus de 900 SDF décédés l’an dernier en France, dont des enfants | Le Télégramme
    https://www.letelegramme.fr/france/un-nouveau-record-effroyable-plus-de-900-sdf-decedes-lan-dernier-en-fra


    Plus de 900 personnes sans domicile fixe sont décédées en France l’an dernier, selon le collectif Les morts de la rue.
    EPA/Teresa Suarez

    Un chiffre d’une ampleur inédite : plus de 900 personnes sans domicile fixe sont décédées en France l’an dernier. Un décompte publié par le collectif Les morts de la rue.

    Les plus jeunes n’avaient que quelques jours, la plus âgée 93 ans : plus de 900 personnes sans domicile fixe sont décédées en France l’an dernier, un chiffre d’une ampleur inédite qui s’explique à la fois par une hausse du sans-abrisme et par un recensement associatif plus efficace.

    912 décès dénombrés
    « Tous les indicateurs sont au rouge, il y a urgence à se mobiliser », alerte auprès de l’AFP Adèle Lenormand, membre du collectif Les morts de la rue, qui a publié jeudi son décompte actualisé du nombre de personnes sans domicile fixe décédées en 2024. Des hommes, des femmes mais aussi des enfants : 912 décès ont été dénombrés, soit « un nouveau record effroyable », depuis le premier recensement de 2012. À titre de comparaison, à la même période l’an dernier, le collectif avait comptabilisé 735 morts pour 2023.

    « Plus de signalements »
    La hausse constatée est liée en partie à « l’augmentation du nombre de personnes sans domicile fixe », mais aussi au fait que le collectif reçoit plus de signalements de la part des particuliers, d’associations et de structures d’accompagnement social, explique Adèle Lenormand, qui a coordonné l’enquête.

    Ces personnes SDF sont décédées de manière « prématurée » : à 47,7 ans en moyenne, soit un écart d’espérance de vie de 32 ans avec la population générale. Un âge moyen en recul. Il s’agit en majorité d’hommes (82 %) mais la part de femmes (13 %) est « en hausse, reflétant une féminisation du sans-abrisme », selon le collectif.

    4 % des décès concernent des moins de 15 ans
    Fait « inquiétant », 4 % des décès concernent des moins de 15 ans, soit « un doublement par rapport à la période 2012-2023 ». « C’est lié à la progression du nombre de familles dans la rue », précise Adèle Lenormand. Les plus jeunes personnes décédées recensées sont, selon elle, des bébés de quelques jours à peine. À l’inverse, la personne la plus âgée avait 93 ans. « On observe une progression du nombre de personnes vieillissantes sans domicile fixe », détaille Mme Lenormand. « Depuis l’an dernier, des personnes âgées se retrouvent à la rue pour la première fois à la suite d’une expulsion ».

    Face à cette tragédie, l’urgence est double : protéger les plus vulnérables et réformer en profondeur les politiques publiques
    Une partie des personnes décédées en 2024 vivaient dans la rue au moment de leur mort, d’autres étaient hébergées, dans des structures d’urgence ou de soins. Dans de nombreux cas, la cause du décès reste inconnue (40 %). Pour 17 %, il s’agit d’une mort violente (noyade, agression, suicide). L’Île-de-France concentre 37 % des décès et la région Hauts-de-France enregistre un doublement (163 décès), « notamment survenus lors de traversées de la Manche ».

    Action publique
    « Face à cette tragédie, l’urgence est double : protéger les plus vulnérables et réformer en profondeur les politiques publiques pour que le droit au logement convenable devienne enfin une réalité », soulignent dans un communiqué Les morts de la rue, qui avaient organisé en mai à Paris une cérémonie d’hommage aux disparus.

    Pour l’heure, l’action des pouvoirs publics est largement insuffisante aux yeux des associations. En février, une vingtaine d’entre elles ont déposé devant le tribunal administratif de Paris deux recours contre l’État pour « carence fautive » dans la lutte contre le mal-logement et le sans-abrisme.

    L’État ne remplit pas « correctement » sa mission en matière de politique d’hébergement des personnes sans-abri, avait aussi estimé l’an dernier la Cour des comptes. Le président Emmanuel Macron avait fait la promesse selon laquelle personne ne devait dormir à la rue d’ici à la fin de son premier quinquennat.

    Estimation mise à jour dans un an
    Il est difficile de connaître précisément le nombre de personnes sans domicile fixe en France : elles seraient environ 350 000, dont 20 000 à la rue, selon la Fondation pour le Logement (ex-Fondation Abbé Pierre). La dernière évaluation officielle de l’Institut national de la statistique, qui remonte à 2012, estimait leur nombre à 143 000. L’Insee devrait dévoiler fin 2026 les résultats d’une enquête pour mettre à jour cette estimation.

  • ‘Migrants in their own land’: climate displacement at Europe’s external borders
    https://wearesolomon.com/mag/focus-area/migration/migrants-in-their-own-land-climate-displacement-at-europes-external-bo

    When record-breaking floods hit central Greece in 2023, entire villages were uprooted. Some of those left houseless remain in the refugee camp where they were relocated — a stark glimpse of Europe’s new reality, where climate disasters are displacing citizens alongside migrants.

  • « Je voudrais un toit pour mon fils » : le nombre d’enfants à la rue avant la rentrée atteint un nouveau record
    https://www.lemonde.fr/societe/article/2025/08/28/je-voudrais-un-toit-pour-mon-fils-le-nombre-d-enfants-a-la-rue-avant-la-rent

    Le 7ᵉ baromètre « #enfants à la rue », publié jeudi 28 août par l’Unicef France et par la Fédération des acteurs de la solidarité (FAS), révèle que 2 159 mineurs ont été laissés sans solution d’#hébergement au soir du 18 août, après que leur famille a réussi à joindre le #115. Leur nombre a progressé de 6 % en un an, de 30 % depuis 2022 – quand le ministre du #logement de l’époque avait promis qu’il n’y aurait plus d’enfant à la rue – et de 133 % depuis 2020.

    Parmi les mineurs décomptés, 503 ont moins de 3 ans – 38 % de plus qu’en 2022. Et ces données n’incluent pas les familles qui n’arrivent pas à joindre le 115 – le numéro est sans cesse saturé – ni celles qui n’essaient pas ou plus, faute de chance d’être hébergées. Les #mineurs_non_accompagnés ne sont pas non plus pris en compte. En mars 2024, la coordination nationale jeunes exilé.es en danger en a recensé 1 067, refusés ou en recours de minorité, contraints de vivre dans la rue.

    « Ces chiffres sont accablants. Le grand public n’imagine pas que dans un pays riche tel que le nôtre, il puisse y avoir des enfants à la rue. Mais, malgré nos alertes répétées, ils sont de plus en plus nombreux et des enfants en meurent – au moins 31 en 2024, selon le recensement effectué par le Collectif des morts de la rue », s’indigne la présidente de l’Unicef France, Adeline Hazan, qui exhorte à un « sursaut politique ».

    La progression du nombre d’enfants à la rue s’explique par une accumulation de facteurs : la crise du logement s’est intensifiée, avec notamment une baisse des créations et des attributions de logements sociaux. La forte inflation a contribué à l’augmentation de la #pauvreté. Les #expulsions locatives, facilitées par la loi Kasbarian-Bergé de 2023, ont flambé. Les obtentions et renouvellements de titres de séjour ont, quant à eux, diminué. Tout cela a créé du sans-abrisme, d’une part, et empêché des personnes de quitter l’hébergement d’urgence, d’autre part. Or celui-ci est resté stable, avec 203 000 places, un niveau record atteint durant la crise sanitaire liée au Covid-19.

    Le dispositif sature et l’Etat respecte de moins en moins le code de l’action sociale et des familles, qui lui enjoint d’héberger de façon inconditionnelle et continue les personnes sans abri en situation de détresse. Il a fixé aux associations qui gèrent le 115 des critères de priorisation, souvent assortis de durées de prise en charge.

    [...]

    L’Ile-de-France concentre le plus grand nombre d’enfants laissés sans hébergement après appel au 115. Mais cet indicateur ne permet pas de rendre compte de la situation très dégradée dans les territoires ultramarins, particulièrement à La Réunion et à Mayotte, victime du cyclone Chido fin 2024, où une récente loi autorise l’Etat à déroger à l’obligation d’héberger les personnes dont il détruit l’habitat précaire.

  • Bald 100.000 Wohnungslose in Berlin ? Uns doch egal
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=137140

    Bienttôt les injustices sociales en Allemagne et les autres pays capitalistes d’Europe auront craché 100.000 SDF dans rues de Berlin. Les partis politiques des gouvernements fédéraux et municipaux ne proposent pas de solution à la misère programmée.

    8.8.2025 von Rainer Balcerowiak - Der Berliner CDU/SPD-Senat geht davon aus, dass die Zahl der erfassten Wohnungslosen in Berlin bis zum Ende des Jahrzehnts von derzeit 55.656 auf rund 86.000 steigen wird. Zählt man Flüchtlinge mit einem Bleiberecht dazu, die derzeit mangels Wohnraums in Gemeinschaftsunterkünften oder Erstaufnahmestellen untergebracht sind, dann steigt der Unterbringungsbedarf sogar auf rund 114.000 Menschen. Das geht aus der Antwort der zuständigen Senatsverwaltung auf eine Anfrage des Abgeordneten Taylan Kurt (Grüne) hervor, die Mitte Juli veröffentlicht wurde. Von Rainer Balcerowiak.

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    Doch selbst diese Horrorzahlen spiegeln die tatsächliche Größenordnung der Wohnungslosigkeit nur eingeschränkt wider. Denn vollständig erfasst werden nur die diejenigen Betroffenen, die in irgendeiner Form behördlich registriert und untergebracht werden, sei es in Trägerwohnungen, Obdachlosenheimen, Hostels oder dauerhaften Notunterbringungen. Zwar rechnet der Senat bei seinen Zahlen auch informell bei Freunden oder Bekannten ohne Vertragsstatus untergekommene Betroffene sowie Obdachlose dazu, die ganz oder überwiegend auf der Straße leben, doch gerade in diesen beiden Segmenten gibt es riesige Grauzonen bis hin zu illegalen Miet- und Untermietverhältnissen, die keine Wohnsitzanmeldung ermöglichen und faktisch von einem Tag zum anderen beendet werden können. Das betrifft in Berlin auch viele Studenten.

    Wohnungslosigkeit wird in der Stadt vor allem als harte Obdachlosigkeit wahrgenommen, wobei die Schätzungen der Anzahl der Betroffenen weit auseinandergehen und zwischen 6.000 bis 10.000 liegen. Vor allem in innerstädtischen Gebieten begegnet man immer häufiger Menschen, die alleine oder in Gruppen auf der Straße leben – mit Schlafsäcken, provisorischen Zelten und oft einem Einkaufswagen mit den verbliebenen Habseligkeiten. Man sieht sie direkt auf Straßen und Plätzen, in Hauseingängen und Unterführungen, in Parks und U-Bahnhöfen. Viele von ihnen – geschätzt werden bis zu zwei Drittel – sind gestrandete Wanderarbeiter aus Ost- und Südosteuropa, die von behördlichen und anderen Hilfsangeboten kaum oder überhaupt nicht erreicht werden. Gestiegen ist aber auch die Zahl der obdachlosen Kinder und Jugendlichen.

    Dramatischer Wohnungsmangel soll nur verwaltet werden

    Aber diese extreme Form der Wohnungslosigkeit ist „nur“ die deutlich sichtbare Spitze des Eisbergs, während die anderen „geregelten“ oder informellen Formen in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen werden. Der „Einstieg“ in die Wohnungslosigkeit ist in Berlin in den vergangenen Jahren sozusagen immer niedrigschwelliger geworden und beginnt oft mit dem Verlust der Wohnung durch Kündigung wegen Mietschulden oder auch wegen – oftmals vorgetäuschten – Eigenbedarfs des Besitzers. Auch Durchschnittsverdiener haben in Berlin so gut wie keine Chance auf eine neue, bezahlbare Wohnung, für die wenigen entsprechenden Angebote gibt es nicht selten 300 und mehr Bewerber. Und wer vermietet schon seine Wohnung an jemanden, der zuvor Mietschulden hatte. Zwar gibt es ein sogenanntes „geschütztes Marktsegment“ für von Wohnungslosigkeit bedrohte oder bereits wohnungslose Menschen, aber das umfasst einer Kooperationsvereinbarung zwischen dem Senat und den landeseigenen Wohnungsunternehmen zufolge lediglich 1.350 Wohnungen pro Jahr – angesichts von schon jetzt 55.600 Wohnungslosen mit deutlich steigender Tendenz ein eher homöopathisches Angebot.

    Was den Betroffenen bleibt, ist das Ausweichen auf prekäre, informelle und oftmals nur temporäre Unterkünfte, die Inanspruchnahme behördlicher Unterbringungen unter teilweise katastrophalen Bedingungen oder der Absturz in die harte Obdachlosigkeit mit oftmals dramatischen Folgen für die physische und psychische Verfassung. Das alles weiß der Berliner Senat natürlich, doch außer seit über einem Jahrzehnt in steter Regelmäßigkeit veröffentlichten Phantasieplänen zur stufenweisen „Überwindung der Wohnungslosigkeit“ kam und kommt da nichts. Auch in der Antwort auf die Anfrage des Abgeordneten Taylan Kurt kamen da nur ein paar warme Worte und marktübliches Bürokraten-Blabla. Verwiesen wurde auf „aktuelle Vorhaben zur Stärkung des Regelsystems der Wohnungsnotfallhilfe“. So würde die „gesamtstädtische Steuerung der Unterbringung vorangetrieben, deren zentrales Ziel es ist, eine bedarfsgerechte und qualitätsgesicherte Unterbringung für alle von Wohnungslosigkeit bedrohten oder betroffenen Personen zu gewährleisten“. Wichtig sei auch eine „gelingende Präventionsarbeit durch die bezirklichen Sozialen Wohnhilfen bei der Weiterentwicklung hin zu Fachstellen, der Digitalisierung und bei der Sicherstellung einheitlicher Qualitätsstandards in der Präventionsarbeit“.

    Zudem habe man „die niedrigschwelligen Hilfen für wohnungslose Menschen in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut. So konnten Angebote wie Notübernachtungen, Beratung und Straßensozialarbeit ausgeweitet werden“, denn „Wohnungs- und Obdachlosigkeit zu überwinden ist eine der großen sozial- und wohnungspolitischen Herausforderungen der kommenden Jahre“. Immerhin räumt man ein, dass die sozialpolitischen Maßnahmen wohl nicht reichen: „Größtes Hindernis bei der Überwindung der Wohnungslosigkeit ist der eklatante Mangel an bezahlbarem Wohnraum.“ Und generell setze man auch auf die Bundesregierung, die mit ihrem Nationalen Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit (NAPW) „eine größere Verantwortung bei der Überwindung der Wohnungs- und Obdachlosigkeit übernommen hat“.

    „Housing First“ wäre eine Alternative

    Als besonders zynisch kann man wohl ein spezielles Eigenlob des Senats einstufen: „Housing First“ wird in Berlin seit 2018 kontinuierlich ausgebaut und soll in die Hilfen nach §§ 67 ff. SGB XII integriert werden (was immer das heißen mag). In der Tat ist „Housing First“ ein seit vielen Jahren erprobtes und erfolgreiches Konzept zur Überwindung von Wohnungslosigkeit. Bei „Housing First“ rückt regulärer Wohnraum an die erste Stelle – ein entscheidender Unterschied zum derzeit meist praktizierten System. Darin müssen Betroffene oft ihre „Wohnfähigkeit“ zunächst unter Beweis stellen, die Zurverfügungstellung von regulärem, unbefristetem Wohnraum ist an die Erfüllung von Auflagen und Wohlverhalten gekoppelt.

    Bei „Housing First“ besteht von Anfang an ein normales, unbefristetes Mietverhältnis mit allen Rechten, Pflichten und Regeln. Wohnbegleitende Hilfen werden aktiv angeboten: Betroffene werden dazu ermutigt, Probleme mit Unterstützung anzugehen, aber nicht dazu verpflichtet. Dort, wo Housing First bereits praktiziert wird, sind die Ergebnisse überzeugend – etwa in Helsinki, wo mit Hilfe dieses Konzeptes die Obdachlosigkeit inzwischen fast vollständig überwunden werden konnte. Und Berlin so, wo „Housing First“ laut Senat „seit 2018 kontinuierlich ausgebaut wird“? Bis zum heutigen Tag wurden weniger als 250 Wohnungen über verschiedene Träger nach diesem System belegt.

    Aber offensichtlich hat sich der Berliner Senat längst damit abgefunden, dass die Zahl der Wohnungslosen (also nicht nur der Obdachlosen) weiter rasant steigen wird. Und es wird auch nichts Nennenswertes unternommen, um in den entfesselten Wohnungsmarkt einzugreifen. In keiner anderen deutschen Großstadt sind die Mieten in den vergangenen Jahren so stark gestiegen wie in Berlin. Die selbst gesteckten Neubauziele im Bereich bezahlbarer Wohnraum sind wenig ambitioniert und werden dennoch regelmäßig krachend verfehlt. Natürlich liegt die Verantwortung in vielen Bereichen bei der Bundesregierung, etwa bei der Mietenregulierung. Aber dennoch hätte das Land etliche Stellschrauben, um da einzugreifen. Viele dieser Punkte wurden in den letzten Monaten (in unterschiedlicher Gewichtung) auch von den Oppositionsparteien Grüne und Linke aufgegriffen, die entsprechende Gesetzentwürfe in der Pipeline haben.

    Einige der dringend notwendigen und im Prinzip auch möglichen Interventionen im Sinne von Mietern und Wohnungslosen seien an dieser Stelle mal zusammengefasst.

    Im Neubau braucht es ein umfassendes kommunales Wohnungsprogramm, in unmittelbarer öffentlicher Trägerschaft – also weder in Form von Fördermitteln für „Sozialwohnungen“, die dann nach 15 bis 20 Jahren aus der Mietpreis- und Belegungsbindung fallen, noch über landeseigene Wirtschaftsunternehmen, die ihre Investitionen in den Neubau aus ihren Erlösen auch aus den Bestandsmieten finanzieren müssen. Neubau muss als Teil der öffentlichen sozialen Daseinsvorsorge verstanden und dem Markt so weit wie möglich entzogen werden.
    Im Bestand müssen spekulativer Leerstand, Zweckentfremdung und illegale Mietpreisüberhöhung endlich konsequent erfasst und bekämpft werden. Das seit vielen Jahren versprochene Wohnungskataster wäre ein erster notwendiger Schritt in diese Richtung. Der erfolgreiche Volksentscheid zur Vergesellschaftung großer privater Wohnungskonzerne muss endlich umgesetzt werden, um diese Wohnungen in kommunale Bewirtschaftung zu überführen.
    Zur Überwindung der Obdach- bzw. Wohnungslosigkeit muss das Land deutlich mehr Belegungsrechte für betroffene und gefährdete Personen wahrnehmen können, auch bei privaten Vermietern (gab es in Westberlin früher mal).
    „Housing First“ muss raus aus der Bonsai-Nische und zum Kernelement der Überwindung (und auch Verhinderung) von Obdachlosigkeit werden.

    #Allemagne #Berlin #pauvres #SDF #capitalisme

  • www.berliner-zeitung.de
    Die Armut erreicht in Berlin neue Dimensionen : Die Zahl der Wohnungslosen verdoppelt sich
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/die-armut-erreicht-neue-dimensionen-in-berlin-die-zahl-der-wohnungs

    L’explosion des loyers, le chômage et laauvaise situation siciale dans les pays de l’Est sont à l’origine du nombre croissant de personnes sans domicile fixe ou sans domicile du tout qu’on rencontre à Berlin.

    En trois ans leur nombre a augmenté de 29.000 à 55.000 dont 6000 à 10.000 dorment à la rue. La sénatrice des affaires sociales Kizitepe dévéloppe le projet housing first pour en finir avec cette situation insupportable.

    30.7.2025 von Jens Blankennagel, Katharina Heflik - Eigentlich wollte der Senat die Obdachlosigkeit bis 2030 abschaffen. Doch dann sollen in Berlin so viele Menschen ohne Wohnung sein, wie sonst in einer Großstadt leben.

    An diesem Morgen warten genau sechs Menschen in der Schlange vor der Wäscherei der Stadtmission. Sie sind sehr geduldig, obwohl es schon ziemlich warm ist an diesem Morgen und eine grelle Sonne auf sie herabscheint. Die sechs Menschen haben Zeit, denn sie sind obdachlos. Aber sie nehmen sich auch Zeit, denn sie haben ein wichtiges Tagesziel. In großen Taschen haben sie schmutzige Kleidung dabei, die sie waschen lassen wollen – kostenlos.

    Sie warten, dass in dem Flachbau auf dem Gelände der Stadtmission in Moabit endlich Martin und Maria fertig werden, oder Nikolaus und Bertha oder Elisabeth, Käthe und Klara – so lauten jene Vornamen, die groß an den sieben Waschmaschinen stehen. Die Stadtmission ist eine evangelische Hilfsorganisation, und da sind die Waschmaschinen nach Heiligen benannt. Die Wäscherei ist eines von vielen Angeboten der Stadtmission, die vor allem den Ärmsten der Armen hilft.

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    Die morgendliche Schlange vor der Kleiderkammer der Berliner StadtmissionThomas Meyer/OSTKREUZ

    Die sechs Leute in der Schlange gehören zur „Spitze des Eisbergs“ des sozialen Elends in der Hauptstadt: Als Obdachlose sind sie die Sichtbaren in der immer größer werdenden Gruppe der Armen. Obdachlose gibt es geschätzt 6000 bis 10.000. Aber da ist noch eine viel größere Gruppe: die Wohnungslosen.

    „Die Zahl der Wohnungslosen geht seit Jahren durch die Decke“, sagt Taylan Kurt, der sozialpolitische Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus. In Berlin leben derzeit 55.000 – Tendenz massiv steigend. Vor drei Jahren waren es noch 29.000. Die Zahl hat sich damit in kurzer Zeit verdoppelt und soll bis 2030 noch mal um knapp 50 Prozent steigen. „Das ist keine Randgruppe mehr“, sagt Taylan Kurt. Er hat die Anfrage gestellt, zu der die Senatsverwaltung für Arbeit und Soziales die aktuelle Prognosen herausgegeben hat.

    Die Begriffe obdachlos und wohnungslos klingen sehr ähnlich, doch es gibt Unterschiede. Obdachlose haben fast alles verloren: ihre Wohnung, ihre Familie, ihren Job. Sie fallen auf, egal, ob sie ruhig auf einer Parkbank schlafen oder laut und betrunken in einen U-Bahnhof herumbrüllen.

    Die andere Gruppe wird meist übersehen: Die Wohnungslosen sind die unsichtbaren Armen dieser Stadt. Sie haben ihre eigene Wohnung verloren, finden aber Unterschlupf bei anderen, nächtigen für ein paar Tage oder Wochen bei Verwandten oder Freunden. Einige Frauen prostituieren sich auch für eine Übernachtung – es gibt immer Männer, die die Not anderer ausnutzen. Das erklärte Ziel der Politik auch in Berlin ist, dass nicht noch mehr Leute von Wohnungslosen zu Obdachlosen werden.

    Eine dieser Wohnungslosen ist Karolina, die bei der Stadtmission in der Wäschekammer hilft. „Ich habe vor einiger Zeit meine Wohnung verloren und bin nun immer auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz.“ Sie ist 36 Jahre alt, stammt aus Polen und ist seit drei Jahren in Deutschland. Sie erzählt, dass viele Obdachlose aus Polen, der Ukraine und Russland nach Berlin kommen, weil sie hier nicht so hart von der Polizei verfolgt werden und ins Gefängnis müssen.

    Sie kam nicht als Obdachlose, sondern wegen der Liebe und arbeitete als Altenpflegerin. Doch dann habe ihre Freundin sie verlassen, sie landete auf der Straße, wurde bestohlen, musste ins Krankenhaus. Von der Kleiderkammer hörte sie von Obdachlosen und arbeitet nun seit ein paar Monaten hier. „Derzeit lebe ich wieder auf der Straße“, sagt sie. Die Grenze zwischen Wohnungslosigkeit und Obdachlosigkeit ist fließend. „Mein Ziel ist, eine Wohnung zu finden, aber das ist schwer.“ Sie erzählt, dass nun im Sommer wieder mehr arme Menschen nach Berlin kommen. „Man merkt in den Parks, dass es mehr werden.“

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    In der Kleiderkammer: Gesucht werden vor allem Schuhe, aber auch Unterwäsche, die nicht so oft gespendet wird.Thomas Meyer/OSTKREUZ

    Bis 2030 soll die Zahl der Wohnungslosen in Berlin auf fast 86.000 steigen. Das steht in der Antwort der Senatsverwaltung auf die Anfrage von Taylan Kurt. Die Verwaltung hat den Unterbringungsbedarf der Bezirke ermitteln lassen und kommt rechnerisch auf eine sehr genaue Zahl: 85.657. Dazu gehören auch 11.500 sogenannte Statusgewandelte, also Flüchtlinge, deren Asylverfahren abgeschlossen sein wird und die ohne Wohnung hier leben.

    Dazu kommen aber noch all jene Flüchtlinge, für die das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten zuständig ist und deren Asylverfahren dann noch laufen. Werden die noch dazugezählt, prognostiziert der Senat für 2030 einen Unterbringungsbedarf von 114.564 Menschen.

    In Deutschland gilt eine Kommune ab 100.000 Einwohner als Großstadt. Das heißt: Berlin könnte in fünf Jahren mit der Aufgabe konfrontiert sein, dass die Bevölkerung einer kleinen Großstadt gar keine Wohnung hat. Das Jahr 2030 ist auch im Koalitionsvertrag des schwarz-roten Senats aufgeführt: Für 2030 hatte sich der Senat eigentlich das Ziel gesetzt, die Wohnungs- und Obdachlosigkeit in der Stadt zu beenden.

    „Das ist ein hehres Ziel“, sagt Taylan Kurt. „Aber der Senat tut alles, um das nicht umzusetzen. Er handelt einfach nicht.“ Kurt kritisiert besonders Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD): „Unter der aktuellen Sozialsenatorin ist der Prozess zum Erliegen gekommen.“

    Auf dem Gelände der Stadtmission steht Jürgen in einem Raum der Kleiderkammer. Jürgen ist 59 Jahre alt und der Herr der sieben Waschmaschinen mit den Namen der Heiligen. Er ist ein großer, schlanker Mann, der gern laut lacht. Vielleicht, weil das Leben der Menschen hier so ernst ist. Er sagt: „Die Arbeit mit den Leuten ist erstaunlich angenehm, besser jedenfalls als befürchtet, als wir hier angefangen haben.“

    Es gebe viele Klischees über ihre Kunden, sagt er. „Aber die kommen freundlich zu uns und gehen mit einem ganz breiten Lächeln wieder weg, wenn sie ihre Tasche mit sauberer Kleidung zurück haben.“ Davor hat er in einer Obdachlosenunterkunft in einem stillgelegten Hotel gearbeitet. Jetzt kann er nicht mehr weiterreden. Käthe ist fertig; Jürgen öffnet die Tür und packt die frisch gewaschene Wäsche in den Trockner.

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    Herr der Waschmaschinen: Jürgen arbeitet in der Wäscherei, er lehnt an der Waschmaschine namens Käthe.Thomas Meyer/OSTKREUZ

    In der Kleiderkammer werden vor allem frische T-Shirts gebraucht und Unterwäsche. Das sind Dinge, die nicht so oft gespendet werden. Die Leute bekommen hier auch Seife, Zahnbürsten, Rasierer, Deo, Tampons oder Brillen. „Das Problem ist: Von den Leuten auf der Straße sind 80 Prozent Männer, 20 Prozent sind Frauen“, sagt Barbara Breuer, die Sprecherin der Stadtmission. „Aber die Zahlen bei den Spenden sind genau umgekehrt.“ Das sollten all jene Berliner bedenken, die Kleidung spenden. Eine weitere Bitte: keine grellen Farben. „Die meisten auf der Straße wollen gedeckte Farben, denn sie wollen nicht auffallen“, sagt Barbara Breuer. „Sie wollen nicht in Neonfarben leuchten wie eine Ampel.“

    Der Senat will die Obdachlosigkeit weiterhin beenden

    In der Antwort auf die Nachfrage der Berliner Zeitung geht die Senatsverwaltung für Arbeit und Soziales nicht auf die extrem hohen Zahlen der Prognose ein, sondern teilt mit: Das Ziel gelte weiter, „die Wohnungs- und Obdachlosigkeit bis 2030 zu beenden und den betroffenen Menschen eine menschenwürdige Perspektive zu sichern“.

    Dann werden Beispiele von Maßnahmen aufgezählt, etwa das Housing-First-Programm, bei dem Menschen ohne Bleibe neue Wohnungen „ohne jegliche Vorbedingungen“ bekommen. Es gebe auch das Programm des „Geschützen Marktsegmentes“, bei dem pro Jahr mehr als 1000 Haushalte, denen gekündigt wurde, mit neuem Wohnraum versorgt werden. Auch soll die Aufklärung und die Prävention verstärkt werden, die Straßensozialarbeit, die Kältehilfe. Aufgezählt werden auch Einzelprojekte für Suchtkranke, für Flüchtlinge oder obdachlose Frauen.

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    Sauber: In der Kleiderkammer sind alle Dinge sauber. Es riecht besser als in vielen Secondhand-Läden.Thomas Meyer/OSTKREUZ

    Es ist ein breites Spektrum an wichtigen Einzelmaßnahmen, die ganz sicher hier und da einigen Hundert Menschen helfen können. Doch die Prognose spricht von 85.000 Wohnungslosen im Jahr 2030. Die Sozial-Senatsverwaltung verweist darauf, dass sie das Problem nicht allein lösen kann: „Größtes Hindernis bei der Beendigung der Wohnungslosigkeit ist allerdings der weiterhin eklatante Mangel an bezahlbarem Wohnraum.“

    Taylan Kurt von den Grünen hat drei Hauptforderungen: Der Senat müsse sich ehrlich machen und seine Pläne endlich der Realität anpassen. „Wir laufen seit Jahren der Entwicklung hinterher“, sagt er und fordert, dass in Berlin mehr gebaut werden muss und mehr Zwangsräumungen verhindert werden müssen.

    Ähnliche Forderungen kommen von der Linke-Fraktion. Sprecher Thomas Barthel sagt: „Personen mit niedrigen Einkommen droht zunehmend der Wohnungsverlust, weil sie die Miete nicht mehr zahlen können.“ Gerade jene, die bereits psychosoziale Probleme hätten, landeten nach einer Wohnungskündigung immer häufiger auf der Straße. Auch die Bilanz von Thomas Barthel ist hart: „Der Senat hat bisher keine Strategie gefunden, um die strukturell bedingte Wohnungskrise zu bekämpfen.“

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    Die Sprecherin: Barbara Breuer ist für die Kommunikation der Berliner Stadtmission zuständig.Thomas Meyer/OSTKREUZ

    Je später der Morgen in der Stadtmission ist, umso länger die Schlange vor der Wäscherei. Die sieben Waschmaschinen rotieren weiter im Dauerbetrieb, die Trockner surren. Die Leute müssen zwei Stunden warten, dann bekommen sie ihre Wäsche frischgewaschen und trocken zurück.

    Karolina, die Polin, die selbst keine Wohnung hat, nimmt die nächste Frau aus der Schlange in Empfang. Auf einem Tablet checkt sie, ob der Name der Frau bereits im System registriert ist. Ist er nicht. Also trägt sie ihn ein. Dann gibt die Frau ihre Sachen zum Waschen ab und darf sich neue Kleidung aus der Kleiderkammer aussuchen.

    „Obdachlose Menschen dürfen einmal pro Woche kommen“, sagt Sprecherin Barbara Breuer. Wer nur als bedürftig eingestuft ist, also noch eine Wohnung hat, aber vielleicht keine Waschmaschine mehr, darf einmal pro Monat kommen. Auf dem weiten Feld der Armut sind die Grenzen fließend, aber auch bei den Helfern muss es klare Regeln geben, denn die Ressourcen sind begrenzt.
    Lachende Jugendliche laufen übers Gelände

    Barbara Breuer sagt: „Es gibt immer mehr Bedürftige in Berlin, auch immer mehr Obdachlose.“ Das sei überall an den Essenausgaben zu sehen oder an Kleiderkammern, wo auch Rentner anstehen oder Bürgergeldempfänger, die noch eine Wohnung haben, sich aber vieles nicht leisten können. „Als ich hier vor mehr als fünf Jahren angefangen habe, kamen zu unserer Kleiderkammer bis zu 120 Leute pro Tag“, sagt sie. „Nun sind es bis zu 180.“

    Barbara Breuer steht mitten auf dem Gelände, eine Gruppe Jugendlicher läuft scherzend und lachend an ihr vorbei. Sie wohnen weiter hinten auf dem weitläufigen Areal im Jugendgästehaus, eine Art Jugendherberge für Schüler auf Klassenfahrt. „Wir finden es gut, dass Jugendliche hier wohnen“, sagt sie. „So sehen sie mal die andere Seite von Berlin, die andere Seite der coolen Partystadt – nämlich die Armut und das Elend dieser Stadt.“

    #Berlin #Sdf #logement #social

  • Abriendo Fronteras a Calais, l’ultima frontiera

    Non ci sono prati a Calais. Ogni fazzoletto di erba è stato coperto con grossi massi bianchi. Neppure i parchi pubblici sono stati risparmiati. Lo hanno fatto per impedire ai migranti di accamparsi. Hanno voluto togliere loro anche lo spazio per sistemare un sacco a pelo e passarci una notte. I sociologi francesi lo chiamano “arredo a vocazione disciplinare“, è di fatto un arredo urbano anti-povero e prolifera in tante città specialmente di frontiera, anche italiane.

    Calais è l’ultima frontiera per le persone migranti dirette nel Regno Unito. Una frontiera dove la Francia, di fatto, fa da «barriera preventiva», come i Paesi di transito balcanici lo fanno per l’Europa.

    https://www.meltingpot.org/2025/07/abriendo-fronteras-a-calais-lultima-frontiera

    #mobilier_urbain #urban_matter #villes #architecture_défensive #SDF #sans-abri #architecture_du_mépris #architecture_hostile #migrations #asile #réfugiés #anti-migrants #France #pierres

    –—
    Ajouté à la métaliste sur le mobilier anti-urbain :
    https://seenthis.net/messages/732278

  • Menschenrecht medizinische Behandlung: So arbeiten ehrenamtliche Ärzte in Berlin
    https://www.berliner-zeitung.de/gesundheit-oekologie/menschen-ohne-krankenversicherung-maden-fielen-aus-den-wunden-li.23

    20.5.2025 von Christian Schwager - Tausende Obdachlose sind auf ehrenamtliches Personal in besonderen Praxen angewiesen. Die Politik will das ändern – ab 2028, wenn Geld dafür da ist.

    Ein Mann ohne Namen. Jedenfalls kennt ihn niemand in der Praxis am Stralauer Platz. Dem dort beschäftigten medizinischen Personal fällt der Mann seit zwei Jahren im Umfeld des nahen Ostbahnhofs auf. Die Haare ungepflegt, die Kleidung zerfetzt, er trägt keine Schuhe, hat geschwollene Füße. Die Mitarbeiter haben ihn mehrmals angesprochen, doch er ist nicht in der Lage, das Angebot anzunehmen. Er müsste Wartezeit in Kauf nehmen, denn die Praxis hält mit dem ständig wachsenden Bedarf nicht mit.

    Christin Recknagel kann die Entwicklung in Zahlen fassen. Sie leitet die Einrichtung für medizinische und zahnmedizinische Versorgung am Stralauer Platz und sagt: „2016 hatten wir 642 Patienten und insgesamt 1800 Behandlungsfälle. 2023 waren es 4700 Patienten und 8700 Fälle.“ So steht es auch in den Gesundheitsberichten für beide Jahre. Allein für diese Praxis.

    Mindestens 55.000 Menschen in Berlin haben keine eigene Wohnung, kommen mal hier, mal dort unter. Mehr als 6000 sind obdachlos. Das Leben auf der Straße macht krank. Der namenlose Mann ist ein Beispiel dafür. Eine medizinische Behandlung fällt in Deutschland zwar unter die Menschenrechte, doch immer mehr rutschen hierzulande durch das Netz der Daseinsvorsorge. Dabei haben in Berlin nicht nur Wohnungslose und Obdachlose das Problem, auch andere verfügen nicht über eine Krankenversicherung.

    „Immer mehr Menschen haben psychische Probleme“, sagt Christin Recknagel. „Sie haben zwar Anspruch auf eine Krankenversicherung, schaffen es aber nicht, ihn wahrzunehmen.“ Das ist die eine große Gruppe von Patienten, mit denen sie es in Recknagels Praxis zu tun haben. Eine andere: „Es gibt in der Stadt sehr viele Menschen aus der EU, die von Arbeitsausbeutung betroffen sind. Sie steigen aus diesem System aus, werden obdachlos, verbleiben auf der Straße.“

    Ohne Einrichtungen wie jene am Stralauer Platz wäre die Situation für die Betroffenen noch dramatischer, folgenschwerer, vielleicht sogar tödlich; öfter als ohnehin schon. Es gibt einige solcher Einrichtungen in der Metropole, allerdings nicht genug. Allein 2023 registrierte der Gesundheitsbericht 33.000 Konsultationen, elf Prozent mehr als im Vorjahr. Knapp 10.000 Patienten wurden registriert. 2024 dürfte erneut ein Plus zu verzeichnen gewesen sein. Das Angebot reicht dafür längst nicht mehr aus. Wie so oft im finanziell klammen Berlin mangelt es am erforderlichen Geld.

    Allein für ihre Praxis geht Christin Recknagel von 60.000 Euro aus, die im Budget fehlen. „Die müssen wir selbst aufbringen.“ Träger ist die Gebewo Soziale Dienste, die zum Diakonischen Werk Berlin gehört. Ohne ehrenamtlichen Einsatz von Ärzten, Zahnärzten und Pflegekräften ließe sich der Betrieb nicht aufrechterhalten. Das ist nicht nur am Stralauer Platz so.

    Insgesamt basiert das System der medizinischen Versorgung von Menschen ohne Krankenversicherung in der Hauptstadt auf einem freiwilligen Lohnverzicht von Personal. Die Politik verlässt sich darauf, dass Ehrenamtliche das Problem schon lösen werden. Die Gesundheitssenatorin Ina Czyborra findet die Situation inakzeptabel, stellt auch Besserung in Aussicht. Sie verweist auf ein Konzept, das erarbeitet wurde: Gesundheitszentren sollen entstehen. „Angeboten werden soll eine Basisversorgung von allgemeinmedizinischen und gynäkologischen Angeboten über die Zahnmedizin bis zur psychologischen Beratung“, sagt die SPD-Politikerin.

    Angsträume im Bahnhof Alexanderplatz

    Wie diese Zentren finanziert werden sollen, ist allerdings unklar. Laut der Senatorin lässt sich eine mögliche Summe erst im Doppelhaushalt 2028/2029 festschreiben. Was bis dahin mit der stetig steigenden Zahl Bedürftiger geschehen soll, kann Czyborra nicht sagen. Sie kalkuliert mit einem einstelligen Millionenbetrag, der aufgebracht werden müsste. Allerdings gibt sie zu bedenken: „Die Kommunen sind überfordert. Die finanzielle Situation hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch verschlechtert.“ Sie fordert deshalb: „Wir brauchen andere gesetzliche Voraussetzungen dafür, dass auch nicht krankenversicherte Menschen medizinisch versorgt werden können.“ Gesetze im Bund und für die EU insgesamt.

    Was es bedeutet, dass es bisher keine zufriedenstellende Lösung gibt, erlebt Marc Schreiner immer wieder. Der Geschäftsführer der Berliner Krankenhausgesellschaft (BKG) läuft regelmäßig bei Schichten in Rettungsstellen von Kliniken mit. Zuletzt vor drei Wochen, als in einer dieser Rettungsstellen ein orientierungsloser, verwahrloster Mann vorstellig wurde. „Er war völlig verkotet. Maden fielen aus seinen offenen Wunden“, berichtet Schreiner. Die Belegschaft musste den Mann vom Dreck befreien, ihm neue Kleidung beschaffen und Essen besorgen. Er verließ die Rettungsstelle, wurde nicht stationär aufgenommen.

    Dies sei meist der Fall, sagt Schreiner. Auf den Kosten würden die Krankenhäuser sitzen bleiben. Die jeweiligen Berliner Bezirke müssten laut Gesetz dafür geradestehen. „Sie tun es aber in den seltensten Fällen“, sagt Schreiner. Auch hier komme ein Millionenbetrag zusammen, der von Einrichtungen aufgebracht werde, die dazu nicht verpflichtet seien, es aber im Interesse der Patienten trotzdem täten, erklärt der BKG-Manager.

    Die größte Rolle in der gesundheitlichen Versorgung von Menschen ohne Krankenversicherung spielen die ärztliche und die pflegerische Behandlung. Doch ebenso gefragt sind die Ausgabe von Kleidung und Sozialarbeit. Lukas, 31, ist so ein Fall, der Unterstützung in sozialen Belangen dringend benötigt. Er wurde in Berlin geboren, wanderte im Alter von neun Jahren mit den Eltern nach Italien aus. Irgendwann erhielt er die Diagnose Diabetes, eine Persönlichkeitsstörung wurde festgestellt, er ist auf einem Auge blind. Zu 75 Prozent schwerbehindert, bekam er eine Invalidenrente, Bürgergeld, eine Wohnung. Als diese Leistungen in Italien durch eine Gesetzesänderung 2023 wegfielen, kehrte er nach Berlin zurück.

    Lukas ist wohnungslos, lebt bei einer Bekannten, bemüht sich seit Monaten um Sozialhilfe und eine Krankenversicherung, bisher ohne Erfolg. Insulin ist für den Diabetiker lebenswichtig, er benötigt außerdem psychiatrische Behandlung. Das erledigt nun eine Einrichtung in Zehlendorf namens open.med-Ambulanz.

    Insulin zählt Kay-Gerrit Venske zu den Arzneimitteln, die nicht ausreichend zur Verfügung stehen. Venske ist bei der Caritas in Berlin unter anderem für die Wohnungslosenhilfe verantwortlich und erklärt, dass jeder Träger für die medizinische Versorgung von Menschen ohne Dach über dem Kopf und ohne Krankenversicherung auf Spenden angewiesen sei. Auch er betont die Bedeutung der Ehrenamtlichen, ohne die das System längst kollabiert wäre. Bei der Caritas haben sie überschlagen, wie viel dieses Ehrenamt in Euro wert wäre: 450.000 Euro im Jahr. „Das ist sehr gut investiertes Geld.“ Kai-Gerrit Venske hofft, dass sich diese Ansicht bald durchsetzt.

    #Berlin #sdf #iatrocratie

  • « Je suis fier d’avoir donné à manger » : un employé d’aéroport licencié pour avoir offert des sandwichs invendus à des SDF
    https://france3-regions.francetvinfo.fr/provence-alpes-cote-d-azur/bouches-du-rhone/marseille/je-suis-fier-d-avoir-donne-a-manger-un-employe-d-aeropo
    https://france3-regions.francetvinfo.fr/image/ekAXiGRfHgEixXiJMTuCqV-THKQ/930x620/regions/2025/04/12/maxstockfr268791-67fa89f8849fb872251797.jpg
    Les sandwiches, bientôt périmés, étaient donnés à des SDF mais aussi à des femmes de ménages et des agents de sécurité. • © Patrick Lefevre / MAXPPP

    Terminal 1, Sabri était garçon de comptoir-limonadier. Pendant 30 ans, il remplissait un chariot avec des invendus alimentaires de Starbuck et Prêt-à-manger. Il allait ensuite à la rencontre des SDF de l’aéroport et leur offrait cette nourriture destinée à être jetée, les dates de péremption étant très proches.

    80 SDF dans tout l’aéroport

    "Je commençais par les SDF, on les connaît tous. Il y en a qui sont là depuis plus de 20 ans. Je connais une femme adorable, d’une grande dignité qui ne demande jamais rien, même pas un verre d’eau. Une autre lave son linge ici et puis l’étend". Ils sont des dizaines à Marseille-Provence, 80 dans tout l’aéroport selon Sabri.

    La distribution des invendus s’étend ensuite aux femmes de ménage et aux agents de sécurité. Sabri raconte que les femmes de ménage sont celles de l’aéroport, "elles nettoyaient chez nous en échange de nourriture". Il dit qu’il ne s’est jamais caché, que tout se passait dans la plus grande transparence, sous les caméras de vidéosurveillance. "Ma direction était au courant, le directeur opérationnel de l’aéroport aussi" affirme-t-il. "Il y avait une surproduction, mon supérieur me disait que c’était bien comme ça, de continuer. Sinon, il était obligé de sortir de l’enceinte de l’aéroport pour jeter dans des poubelles spéciales, ça a un coût".

  • Quand l’association #Utopia_56 pirate #Google_Maps pour rendre visible les « invisibles » !

    La fin de la #trêve_hivernale est un moment d’angoisse pour toutes celles et ceux qui vivent dans la précarité, l’association Utopia 56 révèle son opération de #piratage de Google Maps en incarnant virtuellement les déplacés de la rue.

    L’avantage des premiers jours du mois d’avril, nous sortons de la météo, c’est le soleil qui envahit nos cœurs et rayonne sur nos rues, un souffle de chaleur pour les bien lotis et un vent d’angoisse pour les personnes précaires qui doivent affronter la fin de la trêve hivernale. L’association Utopia 56 a choisi ce changement de saison pour révéler son opération de communication autour du piratage de Google Maps, le système de #cartographie du gafam.

    L’été dernier en marge de l’organisation des #jeux_Olympiques où il fallait aux yeux du monde offrir une ville prête à accueillir les grands anneaux de la compétition et ses valeurs de partage, des milliers de personnes ont été déplacées vers d’autres villes pour faire place nette. Ces images de sans papiers, de réfugiés, de travailleurs immigrés sommés de rentés de force dans des cars des forces de l’ordre sont assez violentes à regarder et de nombreuses association comme Médecins du monde ou Emmaüs ont dénoncé un « #nettoyage_social ». Mais la fête était trop belle, et l’opinion a focalisé son attention sur l’appel du podium loin du revers de la médaille.

    Utopia a donc décidé d’investir le champ du cyber espace en créant sur Google Maps des #pins rouge vous savez comme ceux qui désignent un restaurant, une boutique ou un hôtel. Sur la carte interactive ont débarqué des dizaines de nouveaux lieux, « chez Dom », « chez Daouda », « chez Jean Pierre », « chez Roberto », « chez Moussa », ces #espaces_fictifs représentent les personnes déplacées à l’endroit où elle vivait ou survivait. Sur le Pins, l’internaute peut cliquer et obtenir des informations sur la situation de précarité de la personne et Utopia renvoie vers ses actions.

    Pendant plusieurs mois dans l’ombre du géant mondial, ces pins ont rendu les invisibles visibles et l’association revendique 500 000 vues depuis les JO. De nombreux touristes ont donc du comprendre que « chez Ismaël » n’est pas le dernier endroit parisien à la mode pour boire un cocktail mais le nom d’un sans papier que personne ne veut voir.

    Google Maps repère la technique et supprime tout !

    La firme américaine a tout de même fini par repérer ce gentil piratage de ses fonctionnalités et elle a supprimé tous les pins. Ce grand nettoyage de printemps n’a pas découragé Utopia qui poursuit aujourd’hui cette stratégie de sensibilisation en jouant sur le délai de réactivité très variable de la plateforme. Récemment ce sont de nombreux pins qui se sont ajoutés du côté de la Gaieté lyrique pour décrire la violence des expulsions de mineurs isolés.

    Ce qui est assez déroutant dans cette action de visibilisation de la précarité c’est notre regard, enfin le mien mais j’imagine que vous pourrez vous reconnaître. J’avoue détourner souvent les yeux lorsque je passe physiquement à côté d’une personne à la rue, pris par le temps ou plus exactement par la fausse urgence de la vie et là un petit badge rouge virtuel m’a touché…Comme si j’accordais plus d’importance à un pixel sur une carte numérique qu’à un humain sur le bitume.

    Utopia a réussi sa démarche de sensibilisation en utilisant la virtualité désincarnée du numérique pour mieux pointer la déshumanisation de nos sociétés connectées.

    https://www.radiofrance.fr/franceculture/podcasts/un-monde-connecte/quand-l-association-utopia-56-pirate-google-maps-pour-rendre-visible-les

    #visibilisation #in/visibilité #sans-abrisme #sans-abris #SDF #visibilité #cartographie #JO #toponymie #toponymie_migrante

    Est-ce qu’il y a des seenthisien·nes (@seenthis) qui ont fait des captures d’écran de ce piratage et qui pourraient les partager ici ??

    @visionscarto

    • #Cartographie_collaborative du mobilier urbain hostile : organiser une collecte de groupe

      Certain-es appellent cela un “mapathon”, d’autres une “sortie de terrain” : récolter en groupe des données géolocalisées, les traiter rapidement, les ajouter à une base de données collective puis en faire des cartes simples est une manière efficace et motivante d’initier certains publics à la cartographie. L’idée est la suivante : amener des néophytes, dans le cadre d’un projet de groupe, à réaliser une carte en passant par toutes les étapes, de la collecte des données géolocalisées à l’édition de la carte, en passant par la création, la gestion de la base de données et le traitement des données dans un logiciel de SIG.

      C’est ce qu’ont fait, par exemple, les élèves géographes de 1ère année à l’ENS de Lyon sur les inscriptions et affiches murales dans le centre de Lyon (https://geoconfluences.ens-lyon.fr/informations-scientifiques/a-la-une/carte-a-la-une/epicollect).

      D’autres exemples existent, comme ces cartes réalisées autour de projets menés à l’UPEC, pour lesquels les relevés de terrain ont été réalisés en partie par des cohortes d’étudiant-es de L1 géographie dans le cadre d’un cours d’initiation à la cartographie, coordonné par Juliette Morel.

      Dans le cadre du projet de recherche sur la fabrique urbaine de l’indésirabilité, financé par la Défenseure des droits, nous avons créé une application de cartographie collaborative, visant à recenser le mobilier urbain dissuasif, hostile ou révélant des usages et usager-es indésirables (j’en parle ici). Je vous propose ici un tutoriel pour réaliser quelques cartes simples à partir de relevés de terrain sur le mobilier dissuasif, par exemple dans le cadre d’un module d’initiation à la cartographie de terrain. Ce tutoriel s’adresse aux enseignant-es du secondaires comme du supérieur, ainsi qu’aux collectifs militants qui souhaiteraient nous aider.

      Le recensement des dispositifs anti-indésirables peut se faire directement sur la carte en ligne, depuis chez soi, via l’onglet “Ajouter un élément”. Toutefois, il est possible, dans le cadre d’une sortie de terrain avec des élèves ou étudiant-es, ou simplement par envie de participer à la complétion de la carte en groupe constitué, de récolter les données “en masse” et en groupe, depuis son téléphone portable. Nous proposons pour cela d’utiliser l’application Epicollect5, développée par des chercheurs-ses de l’université de Cambridge et spécialement adaptée à la collecte de données géolocalisées sur le terrain. Les relevés du groupe, réalisés grâce aux smartphones sur le terrain, peuvent être exportés dans un fichier au format CSV ou JSON, puis importés dans un SIG pour réaliser des cartes à partir des données récoltées par le groupe. Vous pouvez ensuite nous envoyer le fichier pour que l’on ajoute les données que votre groupe a récoltées à la carte générale.

      1. Créer un groupe Epicollect5

      Après avoir créé un compte sur le site Epicollect5, il vous faudra créer un projet en cliquant sur “Create Project” en haut. Ensuite, il faudra prendre le temps de recopier le formulaire qui vous permettra de récolter des données compatibles avec les catégories de notre carte collaborative (catégorisation du mobilier, photo, géolocalisation, etc.). Voici le questionnaire :

      Pour ne pas faire d’erreur et pour ne pas perdre de temps à recopier le formulaire catégorie par catégorie, nous disposons aussi d’un groupe “témoin” qu’il est possible de cloner et sur lequel nous pouvons vous donner les droits d’administration. Pour cela, il suffit de m’écrire (milan.bonte@univ-lille.fr) et de me donner le nom et l’adresse mail associés à votre profil Epicollect. Vous deviendrez ainsi administrateur-rice d’un groupe muni d’un formulaire déjà opérationnel.

      Si vous ne travaillez pas en groupe mais que vous souhaitez utiliser Epicollect5 au quotidien, plutôt que l’interface de la carte collaborative, vous pouvez également m’écrire pour rejoindre un groupe pré-existant.

      2. Relever des dispositifs

      Une fois que votre groupe est créé et muni de son formulaire, vous pouvez sortir référencer des dispositifs. Il faut télécharger l’application Epicollect5 sur son téléphone, puis chaque contributeur-rice doit rejoindre le groupe que vous avez créé. Une fois sur le groupe, vous pouvez référencer les dispositifs que vous croisez sur le terrain en cliquant sur “Ajouter une entrée”. Le formulaire permet d’ajouter la localisation du téléphone et de prendre une photo, directement via l’application. Après avoir référencé des dispositifs, il faut bien synchroniser ses données et ses photos (petit nuage en haut à droite) pour qu’elles soient partagées avec les autres membres du projet.

      Vous pouvez utiliser un groupe Epicollect5 dans le cadre d’une sortie de terrain, pour collecter collectivement des données géolocalisées. Vous pouvez aussi rejoindre l’un des groupes associés au projet pour collecter des dispositifs au cours de vos déplacements quotidiens : c’est ce que nous faisons au sein du Collectif de Recherche sur l’Indésirabilité, qui porte le projet. L’application Epicollect5 est spécifiquement adaptée aux relevés de terrain.

      3. Exporter le fichier

      Une fois les relevés effectués, vous pouvez exporter vos données en format CSV ou JSON. Il suffit de se connecter à votre compte Epicollect5 sur un ordinateur, de cliquer sur “View Data” pour afficher le tableur contenant les données, puis sur “Download” pour le télécharger.

      Cela vous permet de télécharger un fichier CSV dans lequel sont contenues l’ensemble des données récoltées, ainsi que les photos, la latitude et la longitude de chaque dispositif. Voilà ce que ça donne :

      Voici, si besoin, un tuto pour importer un fichier CSV dans Excel. Notez que cette étape vous permet de visualiser votre fichier mais n’est pas nécessaire pour la suite.

      Une fois que vous avez ce fichier, n’oubliez pas de nous l’envoyer pour que nous puissions ajouter vos contributions à la carte générale !

      De votre côté, vous pouvez l’utiliser pour faire quelques cartes, si vous le souhaitez, avec votre groupe (par exemple, dans le cadre d’un module d’initiation à la cartographie ou aux relevés de terrain).

      4. Importer les données dans QGis pour réaliser quelques cartes

      Pour importer le fichier CSV dans QGis, vous ouvrez le gestionnaire des sources de données (ci-dessous), puis choisissez l’onglet “Texte délimité”.

      Vous choisissez ensuite votre fichier, indiquez que les informations sont séparées grâce à des virgules, avec encodage UTF8 (vous pouvez vérifier que l’aperçu de la table en bas de la fenêtre se charge bien avec des colonnes bien séparées les unes des autres). Vous indiquez la variable contenant la latitude, la longitude, puis importez votre fichier.

      Pour vous aider à vous repérer dans l’espace, vous pouvez utiliser un fond Open Street Map. J’aime bien les afficher en nuances de gris pour bien mettre en lumière les figurés ponctuels par-dessus (menu Propriétés > Symbologie).

      Vous pouvez ensuite décider de représenter l’un ou l’autre des types de dispositif grâce à des sélections attributaires – par exemple, seulement les assises, ou encore seulement les dispositifs manquants ou disparus (absence de bancs, suppression de bancs, etc.). Vous pouvez également classer les dispositifs par type et leur assigner une forme ou une couleur en fonction (sélections et symbologie).

      Si vous faites des relevés de grande ampleur dans une ville ou un quartier, vous pouvez aussi les compter par entité administrative (Vecteur > Compter les points dans les polygones). Cela rajoute un champ correspondant au nombre de dispositifs dans chaque entité administrative, ce qui vous permet d’en cartographier, par exemple, la densité en aplats de couleurs, ou simplement le nombre en cercles proportionnels.

      N’oubliez-pas de nous envoyer votre fichier CSV pour que vos relevés de terrain soient ajoutés à la carte collaborative ! Nous vous en remercions beaucoup par avance : la légitimité de ce projet repose principalement sur le nombre et la densité des collaborations.

      Vous pouvez m’écrire (milan.bonte@univ-lille.fr) ou contacter le CRI (Collectif de Recherche sur l’Indésirabilité – projetDDDindesirabilite@proton.me) pour toute question, remarque ou besoin de support.

      Bonne collecte !

      https://betonplumes.hypotheses.org/697

  • Friedrichshain: Wer wirklich in einer Berliner Notunterkunft für Obdachlose schläft
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/friedrichshain-wer-wirklich-in-einer-berliner-notunterkunft-fuer-ob

    In der Notübernachtung in Friedrichshain kommen unterschiedliche Menschen zusammen. Markus Wächter/Berliner Zeitung

    A Berlin la perte du domicile fixe n’est plus seulement le sort des plus pauvres. Un moment de faiblesse suffit pour être transformé en victime de propriétaires d’appartements sans scrupules. La couche moyenne vit désormais sous la menace constante de pedre tout ce qui constitue une vie „normale“.

    4.2.2025 von Stella Tringali - In einer Notunterkunft schlafen die Ärmsten der Armen in Berlin. Jeder kann dort landen. Ein Besuch am alten Containerbahnhof in Friedrichshain.

    Berliner stellen sich Obdachlose oft so vor: in einem Schlafsack unter der Brücke, mit zerzaustem Haar, Nadel im Arm oder Erbrochenem um den Mund. Doch ist es nicht das Bild, das sich in der Notunterkunft am Containerbahnhof der Berliner Stadtmission zeigt. Dort, in der warmen, aufgeräumten Traglufthalle, sitzen Menschen, die aussehen wie ein Student in einem hippen Friedrichshainer Café oder der freundliche Opa im Rollstuhl in der U-Bahn. Vereint sitzen sie auf Bierbänken, schlürfen ihr Chili con Carne. Manche spielen Tischtennis, klatschen sich ab oder sitzen am Laptop, haben Kopfhörer in den Ohren. Von der Kuppel hängt noch ein Herrnhuter Stern von Weihnachten, an den Wänden hängen Zeichnungen, die obdachlose Menschen zeigen. Auf einem dunklen Sofa liegt ein Mann und spielt auf seinem Handy.

    Es wirkt beinahe wie in einem Hostel hier am Containerbahnhof hinter dem Ring-Center. Doch sind diese Menschen dort eben keine Touristen. Sie sind obdachlos. Am Tag sind sie auf den Straßen, in den U-Bahnhöfen oder in den Shoppingcentern der Hauptstadt unterwegs. Um 5.30 Uhr werden sie geweckt und zwei Stunden später müssen sie wieder auf die Straße. Viele stehen um 19.30 Uhr wieder in der Warteschlange, um kostenfrei in einem Vierbettzimmer unterzukommen. Während der ersten Stunde können sich nur diejenigen registrieren, die am Vorabend eine Reservierungsmarke haben.

    Danach können sich neue Gäste anmelden und ihr Gepäck abgeben. Der Schichtleiter schaut nach, ob die Menschen Läuse oder Krätze haben. Außerdem werden Taschen nach Alkohol, Drogen und Waffen durchsucht. Anders als in anderen Notunterkünften müssen die Gäste der Berliner Stadtmission nicht nüchtern sein und können auch ihre Haustiere mitbringen. Für schwere Alkoholiker ist es mitunter lebensgefährlich, über Nacht nüchtern zu sein. „Es darf aber niemand in unseren Einrichtungen konsumieren“, sagt Barbara Breuer von der Stadtmission. „Denn wir wollen hier keine wilden Partys.“

    Neuköllnerin: So schlitterte sie in die Obdachlosigkeit

    Dort in Friedrichshain können obdachlose Menschen sich jede Nacht in 70 Betten vor der Kälte schützen. Das ist ein neues Konzept, denn vor Mai letzten Jahres waren jeden Winter noch 120 Betten verfügbar. Warum also weniger Plätze, obwohl sie dringend benötigt werden? Der Grund: Diese Unterkunft beherbergt nun zwar weniger Menschen, soll diesen aber den Start in ein neues Leben ermöglichen. Finanziert wird das Projekt durch die Senatsverwaltung für Soziales im Rahmen des Integrierten Sozialprogramms (ISP). So bietet die Unterkunft ihren Gästen schwerpunktmäßig das gesamte Jahr über sozialpädagogische Beratung an. „Die führt hoffentlich bei vielen dazu, sie nachhaltig zurück ins Hilfesystem und in ein unabhängiges Leben zu vermitteln“, erklärt Barbara Breuer.

    Wenn früher während der Wintersaison täglich neue Menschen zur sicheren und warmen Übernachtung in der Traglufthalle kamen, konnte nur selten erfolgreiche Sozialarbeit stattfinden. „Bei 70 obdachlosen Gästen, die auch länger in der Halle verweilen dürfen, können wir etwas an der Lebenslage verändern, sofern sie das wollen“, sagt Barbara Breuer. Dafür haben sie erst einmal zehn Tage Zeit. Wer im Beratungsprozess ist, darf länger bleiben. Gemeinsam mit einer Sozialarbeiterin können sie dann die ersten Schritte planen. Viele benötigen Hilfe bei Anträgen zur Rentenversicherung, Suchtmittelabhängige werden zum Entzug ermutigt. Aber auch Kostenübernahmen für Wohnheimgruppen zu bekommen, ist nicht einfach, aber nötig, um in Projekte wie Housing First vermittelt werden zu können. Wer hier mitmacht, kann auch den Aufenthalt verlängern.

    „Ich bin durch Behördenwillkür aus meiner Wohnung vertrieben worden“, sagt Suzana Lamprecht. Die Frau mit dem langem, dunklen Haar setzt den Löffel an und schlürft den roten Eintopf. Dann holt sie ihr Smartphone aus der Jackentasche und sucht nach einem Bild. Ein Foto ihres Klingelschilds an der Wohnung in Berlin-Buckow, aus der sie im April mit „Polizei und Gerichtsvollzieher“ geworfen wurde. Vorher habe sie die Miete gemindert, weil kein Warmwasser mehr geflossen sei. Die gebürtige Serbin, die mehrfach betont, seit 50 Jahren Deutsche zu sein, erzählt, dass sie lange als Sozialassistentin in Neukölln gearbeitet habe. Sie sagt, sie habe durch die Ex-Klienten gelernt, dass sie kein Einzelfall sei. Drei Kinder habe sie in der Wohnung großgezogen. In der Notunterkunft teilt sie sich ein Zimmer mit einer Ukrainerin.

    Den Schlüssel für den Briefkasten habe sie noch immer, aber eben nicht für die Wohnung, erklärt sie. Das Schloss wurde ausgetauscht. Seit Dezember schläft sie nun hier. Tagsüber verbringt sie die Zeit in Shoppingcentern. Sie trinke nicht, konsumiere nicht, randaliere nicht. Deshalb falle sie in den Einkaufszentren nicht auf. Aber: „Das Leben ist teurer, ein Kaffee oder eine Brezel auswärts zu essen, kostet jeden Tag sehr viel Geld“, sagt Suzana Lamprecht. Sie hat jetzt gegen die Räumung geklagt. „Ich wünsche mir, dass jemand mal für mich aufsteht.“

    Insgesamt betreibt die Berliner Stadtmission drei Notunterkünfte für obdachlose Menschen in Berlin. Knapp ein Drittel der Gäste sind deutsche Staatsbürger. In der Saison 2023/2024 wurden in diesen Unterkünften 50.306 Übernachtungen gezählt. In kalten Nächten sind die Notunterkünfte stark überbelegt. Diese Notunterkunft am Containerbahnhof ist die einzige in Berlin, die zumindest barrierearm ist. Barrierefreie Unterkünfte gebe es nicht, sagt Barbara Breuer. Dabei wurden in der vergangenen Saison 74 Rollstuhl fahrende oder anders mobilitätseingeschränkte Gäste allein in den Unterkünften der Stadtmission gezählt. Auf der Straße leben weitaus mehr. Sie fallen durch das Raster. Und mit den zur Verfügung stehenden Mitteln kann ihnen nicht ausreichend geholfen und auf ihre Bedürfnisse eingegangen werden.

    Darum opfern Berliner ihre Zeit für die Menschen in Not

    Noch bevor die Gäste eintreffen, werden die Aufgaben verteilt. Wer sitzt bei der Registrierung, wer steht in der Küche? Es gibt Festangestellte und ehrenamtlich Engagierte, ohne die die Notübernachtung nicht betrieben werden könnte. Paula Kurz gehört zum sogenannten Medi-Team. Schon während ihres Medizinstudiums an der Charité hat sie sich neben Studium und Nebenjob zusätzlich ehrenamtlich am Containerbahnhof engagiert und die Gäste medizinisch versorgt.

    „Oft sind das Schnitt- oder Platzwunden, die sich viele auf der Straße zuziehen“, sagt die auf Innere Medizin spezialisierte Ärztin. In dem Behandlungsraum steht auch ein Ultraschallgerät, weil die Menschen häufig mit Schmerzen im Bauchbereich zu kämpfen haben, sagt sie. Doch es ist kein Ehrenamt mit großen Erfolgserlebnissen: „Es gibt viele regelmäßige Besucher, bei denen es keine gesundheitlichen Fortschritte gibt“, sagt sie.

    Während Paula Kurz einen Patienten verarztet, schnippelt Jana am Essensausgabetresen die Tomaten für den Salat. Hinter einer Scheibe liegen belegte Brote, einfache Schrippen, Salate und Salami, außerdem gibt es jeden Abend ein frisch gekochtes, warmes Eintopfgericht. Das wird vom Kältebus aus der Lehrter Straße angeliefert. Jana arbeitet im Marketing, und ist ehrenamtlich hier, für einen Abend alle zwei Wochen. Wieso investieren Berliner ihre Freizeit in dieses Projekt? „Ich habe zu Schulzeiten bei der Tafel gearbeitet, und ich wollte hier auch mithelfen und anpacken“, sagt Jana. Sie wohne in Friedrichshain und für sie ist die Unterkunft nicht weit entfernt. „Ich werde durch die Arbeit dankbar für mein Leben. Davon will ich etwas zurückgeben.“

    Ein 30-jähriger Mann holt sich eine Schüssel Eintopf bei Jana ab. Dann setzt er sich mit einem älteren Mann an die Bierbänke. Sie sprechen und lachen. Der jüngere ist ausgebildeter Verwaltungsfachmann, hat dann sein Abitur für beruflich Qualifizierte gemacht und war bis zuletzt Student für Sportwissenschaften und Deutsch auf Lehramt in Berlin. Der gebürtige Bielefelder jobbte nebenbei und lebte in einer WG des Studentenwerks, für die er eine Immatrikulationsbescheinigung einreichen musste. Durch hohe Schulden im dreistelligen Bereich bei der Krankenkasse habe er den Studienplatz samt Zimmer verloren. Tagsüber verbringt er die meiste Zeit in Friedrichshain, ist „hier und da“, sagt er. Er möchte nicht seinen vollständigen Namen sagen, wie viele.

    Obwohl die meisten gern zusammensitzen, gehen sie dann auch getrennte Wege. Eine schick gekleidete Frau sprüht sich im Badezimmer noch ein wenig Parfüm auf die Handgelenke. Dann geht sie in ihr Zimmer im Frauenbereich und schließt die Tür. Sie ist Russin, hat mit ihrem Mann in Zehlendorf gelebt. Als er starb, konnte sie alleine die Miete für die Wohnung nicht mehr bezahlen. Einem anderen Gast wurde der Ausweis geklaut. Er arbeitet auf dem Bau und findet in Berlin keine günstige Wohnung. In der Notunterkunft der Berliner Stadtmission sind sie gleich: Sie alle sind Menschen, die dasselbe Essen bekommen, sich in gespendeten Handtüchern abtrocknen und in baugleichen Betten schlafen. Bis sie morgens wieder geweckt werden und wieder ohne Obdach auf der Straße stehen.

    #Berlin #Friedrichshain #logement #sdf

  • #Ventimiglia : frontiera dimenticata

    La frontiera di Ventimiglia è una cartina di tornasole del sistema italiano ed europeo di accoglienza. Da dieci anni i controlli sono diventati pressanti e avvengono su base razziale. E i migranti che restano bloccati spesso finiscono in accampamenti di fortuna, in cui la dignità umana è gravemente violata.
    “Ventimiglia, frontiera dimenticata” ha raccolto le voci di alcune associazioni - Caritas Intemelia, Diaconia Valdese, WeWorld e No Name Kitchen - che cercano di dare risposte a bisogni primari, adattandosi a un contesto in continuo cambiamento e a nuove leggi che restringono i diritti delle persone migranti.

    https://www.youtube.com/watch?app=desktop&v=TmS2MDJ_-9w&embeds_referring_euri=https%3A%2F%2Fwww.car


    #Vintimille #reportage #frontière_sud-alpine #Alpes_Maritimes #Italie #France #migrations #réfugiés #PAD #frontières #encampement #SDF #sans-abris #femmes #traite_d'êtres_humains #militarisation_des_frontières #militarisation #contrôles_au_faciès #contrôles_frontaliers

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    #mémoriel aux personnes décédées à la frontière (à partir de la min 9’18) :

  • À Lyon, l’État refuse d’héberger des femmes exilées enceintes ou avec des bébés, en toute illégalité
    https://disclose.ngo/fr/article/a-lyon-letat-refuse-dheberger-des-femmes-exilees-enceintes-ou-avec-des-beb

    Malades, enceintes ou avec des enfants en bas âge… À Lyon, plus de 460 femmes en demande d’asile sont laissées à la rue par l’État depuis 2023. Au mépris de la loi, l’administration ignore les signalements des travailleurs sociaux et les appels à l’aide répétés de ces femmes vulnérables, révèle Disclose, documents confidentiels à l’appui. Lire l’article

  • Via il Papa e Mattarella, a Trieste i migranti tornano a dormire all’addiaccio. E il prefetto scopre la Bora: “Moduli Onu inutili”

    Dopo anni di inerzia istituzionale e migliaia di richiedenti asilo all’addiaccio nonostante la legge imponga la loro accoglienza, lo scorso giungo era stata annunciata la soluzione. La 50a edizione delle Settimane sociali dei cattolici italiani si sarebbe tenuta a Trieste, dal 3 al 7 luglio, alla presenza del Capo dello Stato, Sergio Mattarella, e di Papa Francesco, che aveva annunciato di voler incontrare i richiedenti accampati nel famigerato Silos, il fatiscente edificio accanto alla stazione cittadina, di proprietà della Coop, già magazzino portuale ai tempi dell’Impero austroungarico. Per evitare che il pontefice mostrasse al mondo il degrado che il Comune denunciava pur senza muovere un dito, il sindaco Roberto Dipiazza decise di firmare l’ordinanza di sgombero del Silos dove i migranti della rotta balcanica accampavano da anni tra fango, topi, freddo e immondizia. L’alternativa? L’ampliamento di una struttura esistente grazie ai moduli abitativi forniti dalle Nazioni Unite, da installare esternamente, e un “elevato turnover” con trasferimenti più assidui e costanti verso le altre regioni. La farsa – è già tempo di chiamarla così – è durata appena un mese. Già ad agosto, infatti, i trasferimenti sono tornati a diradarsi, mentre l’ampliamento dei posti tardava ad arrivare e, dopo l’iniziale trasferimento delle persone sgomberate dal Silos, i nuovi arrivati ricominciavano a finire sulla strada.

    Oggi, mercoledì 18 settembre, a Trieste ci sono 125 richiedenti asilo in mezzo alla strada, comprese famiglie con bambini piccolissimi. Per anni si sono accampati nel rudere del Silos, spesso restandoci per mesi. Il Comune lo ha sempre chiamato “degrado”, negando soluzioni che, a detta del sindaco, attirerebbero altri migranti. Il flusso in arrivo a Trieste dalla rotta balcanica è in calo, in linea con i numeri dell’anno scorso. Costante anche la volontà di due terzi dei migranti di voler proseguire, per lo più verso altri Paesi europei, lasciando la città già a poche ore dall’arrivo. Secondo il rapporto “Vite abbandonate”, i numeri non possono considerarsi quelli di un’emergenza, vista la media di 5 richieste d’asilo presentate al giorno in una città di 200 mila abitanti. Complice il rallentamento dei trasferimenti dei richiedenti verso altre regioni, nel 2023 si sono contate anche 500 persone lasciate contemporaneamente all’addiaccio. Ma l’imminente visita di Mattarella e del Papa sblocca la situazione. Lo scetticismo non manca, visto che i nuovi posti in località Campo Sacro sono ancora tutti da realizzare e dal cilindro non è uscito che un pugno di container targati Onu. Si lascia passare luglio e intanto la piazza antistante la stazione, quella piazza della Libertà ribattezzata Piazza del mondo dai volontari presenti quotidianamente, si riempie di attivisti e scout venuti da ogni parte d’Italia per incontrare i migranti, richiedenti o transitanti che fossero. Poi il repentino calo delle temperature e le piogge di settembre, un doloroso bagno di realtà: i posti non ci sono e i richiedenti in strada sono di nuovo tanti, ora al freddo. Il punto lo ha fatto la prefettura di Trieste lunedì scorso, convocando sindaco, volontari e associazioni cittadine. E svelando finalmente il mistero dei container dell’Onu, arrivati già ai primi di luglio e mai installati. La ragione? Un evento imponderabile: le raffiche di Bora. Tanto che qualcuno tra i presenti alla riunione si è chiesto se non sia più sciocco chi i moduli li ha inviati o chi se li è fatti mandare per poi accorgersi, a mesi di distanza, che erano inservibili perché potevano ribaltarsi. Flop a parte, di soluzioni per i richiedenti nemmeno l’ombra. Anzi, prefettura e comune si sono limitati a chiederne ad associazioni e volontari. “Non è forse questa la vostra missione?”, è stato detto loro chiedendo di trovare soluzioni indipendenti e autogestite. In altre parole, senza contributi pubblici. Quanto ai transitanti, gli stranieri intenzionati a proseguire il viaggio, la linea è quella dura di sempre: non esistono.

    Assente alla riunione nonostante le promesse, il sindaco Dipiazza è intanto ripartito con le accuse ai volontari che in piazza Libertà distribuiscono cibo, cure, coperte e sacchi a pelo a chi la Bora si prepara ad affrontarla in mezzo a una strada. Dipiazza è da sempre convinto che un pasto caldo e una coperta termica costituiscano un pull factor, cioè una calamita che spinge i migranti a mettersi in viaggio. Come se chi parte dalla Siria o dall’Afghanistan fosse mosso dalla prospettiva di un piatto di minestra offerto davanti alla stazione di Trieste. Così il primo cittadino si guarda bene dal fornire servizi igienici e chiude anche il sottopassaggio davanti alla stazione, unico riparo dalle intemperie. “La Regione Fvg ha elargito oltre un miliardo di contributi nell’ultimo assestamento di bilancio. Non un solo euro è andato per questo dramma che si svolge ogni giorno a Trieste. Invece di vergognarsi delle condizioni in cui queste persone sono costrette a vivere a Trieste – ha scritto il consigliere regionale di Open Sinistra Fvg Furio Honsell – si spendono soldi per sprangare sottopassaggi: restiamo umani”. Un appello che il meteo costringe a tradurre molto concretamente. L’associazione Linea d’Ombra, in piazza da anni per curare i piedi piagati dalla rotta balcanica e a volte le ferite inferte dalle polizie di confine, in queste ore chiede di contribuire con giubbotti e sacchi a pelo trasportabili. Sulla pagina Facebook di Lorena Fornasir, fondatrice dell’associazione, le immagini recenti assomigliano di nuovo a quelle degli anni passati. “Procedere, oltre che con i trasferimenti, con più posti a Campo Sacro, e facendo in modo che le associazioni non vadano più in quella piazza a portare loro di tutto e di più”, ha rilanciato il sindaco Dipiazza. Fornasir ribatte: “Indegne dichiarazioni di chi ha chiuso i due unici gabinetti, di chi abbandona in strada neonati, madri, famiglie transitanti, profughi già identificati che non riescono a entrare in accoglienza, profughi che la questura rimanda di giorno in giorno, di settimana in settimana. Questo è lo scandalo, la vergogna, l’indegnità. Abbiamo salvato delle vite. Curiamo i feriti, li ricopriamo a causa del freddo, li sfamiamo grazie a una rete di comunità, associazioni, persone solidali di tutta Italia. Trieste è stata la vetrina dello scandalo del Silos, continua ad esserlo per lo scandalo dell’abbandono in strada”.

    https://www.ilfattoquotidiano.it/2024/09/19/via-il-papa-e-mattarella-a-trieste-i-migranti-tornano-a-dormire-alladdiaccio-e-il-prefetto-scopre-la-bora-moduli-onu-inutili/7698412

    #Trieste #Italie #SDF #sans-abrisme #sans-abri

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    Et un mot:
    #transitanti —> trasitants
    #mots #vocabulaire #terminologie

    –> ajouté à la métaliste sur les mots de la migration:
    https://seenthis.net/messages/414225

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    Si lascia passare luglio e intanto la piazza antistante la stazione, quella #piazza_della_Libertà ribattezzata #Piazza_del_mondo dai volontari presenti quotidianamente, si riempie di attivisti e scout venuti da ogni parte d’Italia per incontrare i migranti, richiedenti o transitanti che fossero.

    #toponymie_migrante

  • The Costs of Criminalizing the Homeless
    https://jacobin.com/2024/09/supreme-court-criminalizing-homelessness-families

    Children at a homeless encampment in San Diego, California, on Wednesday, July 31, 2024. (Carlos Moreno / Anadolu via Getty Images)

    Quand on rend responsables les pauvrrs de leur sort on ignore le fait qu’il s’agit d’un mal nécessaire et d’une conséquence immédiate du système capitaliste que subissent les pauvres. Le seul acte de solidarité utile au dela du présent serait de les convaincre de se joindre aux organisations anticapitalistes de leur classe.

    Quand on regarde les État Unis on découvre que la catastrophe sociale n’est pas seulement plus grave qu"en Europe de l’Ouest mais que ses victimes sont considérés comme par les nazis allemands. On les traite comme des sous-hommes atteints d’une maladie héréditaire.

    Voilà encore un indice qui s’ajoute au fait que la politique génocidaire nazie, pas celle contre les juifs mais contre les peuples slaves, a été conçue suivant l’exemple de la colonisation des amériques et de l’extermination de ses peuples autochtones.

    Ceci explique aussi pourquoi l’impérialisme états-unien a réussi ses projets de reconstruction des nations allemandes et japonaises. D’abord on partageait quelques idées fondamentales comme la supériorité de sa propre « race » puis les anciens ennemis temporaires devaient participer sur cette base idéologique au maintien de l’empire repris des britanniques et contribuer à son élargiissement. Cette exigence marque toujours la relation des USA avec ses partenaires.

    Aprës 1950 la pauvreté c’était pour les autres, pour les africains et les asiatiques sauf pour les japonais. Chez soi on narguait le peuple en lui promettant une vie prospère. La promesse n’a pas été respectée, même pendant cette époque révolue.

    Aujourd’hui on retourne au sources de l"exploitation sans merci et se prend le droit de laisser crever dans la rue les plus défavorisés. Parfois on ne leur laisse même pas ce droit.

    23.9.2024 by Richard Schweid - In June, the US Supreme Court voted 6-3 to allow states to ban homeless people from sleeping outside. This decision has put thousands of unhoused families in danger, exacerbating a crisis for which both political parties are to blame.

    A few years ago, I was staying at a motel in Arlington, Virginia, beside the Robert E. Lee highway, one of the principal roads leading into our nation’s capital. The motel had government approval to serve as a way station for homeless families, and to collect their rent from municipal authorities. Every night a local church sent around a van loaded with hot meals in Styrofoam cartons. The van parked in the motel’s parking lot and people came out from their rooms to collect supper for themselves and their children.

    On one side of the motel was a little slope of woods, running down to a small creek that flowed, a little further on, under a bridge across the highway. When that van parked, people materialized from out of those trees, climbing the slope in considerable numbers. A few were holding the hands of their children. Old and young, down on their luck, living by that creek as best they could. Most of them looked like they could really use that hot meal.

    I thought of them following the Trump Supreme Court’s recent 6-3 decision empowering municipalities to make sleeping outdoors, including in encampments, illegal. It provides a taste of what a Trump era’s social policy toward the unhoused would look like. Over the past fifty years, the number of families without stable housing on any given night has skyrocketed. People living in harsh conditions of extreme poverty have been a feature of our national landscape ever since the beginning of European colonization, but rarely have so many been shown such little care.

    In the early European colonies, families in extreme poverty were a fact of life. The New World was fraught with dangers: disease, accident, or death left some families unable to care for themselves. The community assisted these families one by one. As the nation’s population grew, so did the number of families requiring assistance, and public officials began to construct almshouses where the poor — children and adults — could be collectively housed. It was considerably cheaper to care for people in bulk and easier to weed out the undeserving.

    For most of the nineteenth century, those families that needed help had to accept congregate housing or none at all. Today, the choice is the same: almshouses or nothing. And in today’s almshouses — called shelters — it is not unusual to find children thrown together with mentally ill adults, just like in an eighteenth-century almshouse. Children have no choice but to sleep and wake in congregate shelter amid families not their own, and some of those families will include individuals who are truly mentally disturbed, or just plain weird. These children are at higher risk than their stably housed peers for poor health, bad grades, domestic abuse, and low self-esteem.

    On any given night, over one hundred thousand children experience homelessness with their families in the United States, according to the Department of Housing and Urban Development (HUD). “Homeless” once meant single men sleeping rough, but now it is just as likely to mean families in dire economic circumstances, who can’t afford a place to spend the night. Public shelters are often full or unsafe, leaving mothers and children who are living in extreme poverty with no other choices than to sleep in their cars, or motel rooms, or mattresses on floors, packed into small spaces with too many friends or family.

    City officials in many places, desperate to cleanse their streets of people experiencing homelessness in plain sight, made it illegal to bring them food. A multitude of cities and towns have “vehicle dwelling bans,” on their books, which make it illegal to live in your car. These laws are usually enforced in municipalities with limited shelter space for those experiencing homelessness, leaving people to fend for themselves, even those with families. In many places, people in this fix often wind up in encampments of tents and jackleg dwellings, temporary solutions that provide a sort of place to stay. In 2022, Tennessee made camping on public land a felony crime. But the court’s ruling in favor of a municipality’s right to prohibit camping on public land will further criminalize homelessness.

    What does it mean to us as a nation that somewhere in our home states, in every state, children among us are experiencing homelessness? It meant little to the first Trump administration. Budget cuts to HUD were constant and deep, with no protest from the department’s secretary, Ben Carson, a neurosurgeon with no prior experience in the field of housing. Secretary Carson often said he believes those with the will and desire can lift themselves and their families out of extreme poverty by hard work and that government subsidies discouraged a can-do attitude.

    Under a second Trump administration, this would serve as a rationale for cuts to federal funding for assistance to the unhoused. In the eighteenth-century, towns and municipalities could banish someone from their precincts, and often did so with extremely poor families so that they would not become public charges. The criminalization of homelessness allows blame to be placed solely on the shoulders of the person experiencing it, absolving the rest of us from having to provide others with basic shelter, even when those others are children.

    Family homelessness has steadily worsened under both political parties for the past quarter-century as income inequality increased, making it ever easier to fall into extreme poverty, unable to earn enough to both feed families and make mortgage or rent payments. Blame is bipartisan. Bill Clinton’s welfare reform in 1996 helped swell the rolls of the extremely poor. The 2008 recession generated a record number of families experiencing homelessness, but even in the Clinton and George W. Bush years of prosperity that preceded it, and the Barack Obama years of recovery that followed, the numbers of homeless families kept rising across the country. It is safe to posit that in a second Trump mandate, many children would live in extreme poverty and experience homelessness. These children will be affected physically and mentally in ways that may hamper them for their entire lives.

    Children who experience homelessness are likely to have higher levels of the stress hormone cortisol, which in turn can have lasting effects on both mental and physical health. Normally, this hormone is helpful, allowing individuals to respond quickly in an emergency, or when threatened, but when cortisol levels are chronically elevated it can cause permanent changes in the brain, according to experts in pediatric neurology. Many children experiencing homelessness may frequently feel unsafe and threatened, and the resulting levels of cortisol puts them at risk of having their minds and bodies permanently affected. These kids will have higher chances of failing in school, or spending time incarcerated. They are more likely to be victims of domestic abuse when children and to inflict it when they are adults.

    The best strategy for reducing the number of homeless children in our communities is rapidly rehousing families that fall into homelessness. We need to work with these families and get them into stable housing, both for their good and for our own. Studies have shown that a majority of families experiencing homelessness who are provided rent subsidies are likely to continue being able to pay the rent when the subsidies have run out, and will not experience homelessness again, according to a HUD report.

    To institute a policy of rapid rehousing, however, a community must be willing to provide rent subsidies for, say, a year, and to have a stock of decent housing with accessible rental prices. A community commitment is needed to assure that our children do not have to live in cars or motel rooms. By converting homelessness into a crime, communities can turn their collective backs on these people without feeling qualms.

    At the beginning of the twentieth century, hundreds of thousands of children as young as eight years old were putting in twelve hours a day doing hard jobs for little pay in mills and factories. Children had to work so their families could afford food and shelter. To us, only a little more than a century later, it appears coarse and brutal that parents could have sent their eight-year-olds out to work, no matter how desperate their financial situations. It is likely to seem equally coarse and brutal to Americans in the twenty-second century that we allowed millions of children to grow up with nowhere to call home.

    Richard Schweid is a journalist from Nashville who has lived many years in Barcelona. He has published a dozen books, including Invisible Nation: Homeless Families in America. His latest book is The Caring Class, which is about women in the Bronx working as home health aides for the elderly .

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