• Gülen-Bewegung : Die »Goldene Generation« 
    https://www.nd-aktuell.de/artikel/1154829.guelen-bewegung-die-goldene-generation.html

    23.7.2021 von Stefanie Schoene - Yasin lebte in Nordrhein-Westfalen und war gerade mal 13, als die jungen Männer ihn einluden, zu ihnen ins Lichthaus zu kommen. Er fühlte sich gesehen und wertgeschätzt. Dass das Lichthaus ein Wohnheim der Gülen-Bewegung war, die Vorsteher ihm dort drei Jahre später seine erste Liebe zerstören und ihm fast das Abitur vermasseln sollten, konnte er nicht ahnen.

    Heute ist er 32, Ingenieur und Chef eines Unternehmens mit 29 Mitarbeitern. Außenstehenden hat er seine Jugenderfahrungen in dieser tief muslimischen Gemeinschaft noch nicht erzählt. Mit Sorge beobachtet der Rheinländer, wie Deutschland zu einem neuen Schwerpunkt der Bewegung wird. »Die verfolgten Gülen-Anhänger sollten Asyl bekommen. Aber die Deutschen sollten auch verstehen, wie diese abgeschottete Cemaat inmitten der deutschen Gesellschaft funktioniert und dass sie nicht ist, was sie vorgibt zu sein«, erklärt er.

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    »Cemaats« - islamisch-sufische Gemeinden - sind Unterorganisationen und Reste der einst mächtigen Bruderschaften des Osmanischen Reiches. Über fünf Jahrhunderte nah am Ohr des Sultans wurden sie mit der Kulturrevolution Atatürks enteignet, verboten, ihre Scheichs hingerichtet. Doch die Orden und Cemaats waren fest verwurzelt. Vor allem in der Landbevölkerung fanden Führer wie Scheich Said Nursi (1877-1960), Gründer der Nurcu-(Licht-)Bewegung, oder dessen Schüler Fethullah Gülen (geboren 1941), Anhänger, die die streng konservative, auf die Nachahmung des Propheten konzentrierte Nachwuchsbildung weiterführten. Vor allem ab den 80er Jahren eroberten sie sich als »Kulturvereine« ihren Platz in Politik und Öffentlichkeit zurück. Einer 2018 veröffentlichten Studie der Bildungswissenschaftlerin Esergül Balci zufolge sind in der Türkei heute 30 Bruderschaften mit 400 Unterorganisationen aktiv. Seit der Arbeitsmigration der 70er Jahre haben zahlreiche Zentren und Kulturvereine - wenig beachtet von der Öffentlichkeit - auch in der deutschen Vereinslandschaft Ableger gegründet. Die Turkologin Ursula Spuler-Stegemann identifizierte in einer Studie Ende der 90er Jahre 17 verschiedene Cemaats in Deutschland. Gemeinsam ist ihnen ein konservativer, mitunter auch revolutionärer Islam, sittenstrenge Geschlechtertrennung, sektenartige interne Strukturen und eine Verehrung ihrer jeweiligen Oberhäupter als Erneuerer des Islam oder Endzeiterlöser.

    Während die meisten Cemaats - darunter auch die Süleyman-Hilmi-Tunahan-Gemeinde mit ihrem Verband Islamischer Kulturzentren - in Deutschland Moscheen und religiöse Wohnheime gründeten, baute Gülen mit langem Atem eine Art Religionsmarkt auf, um die »Goldene Generation« für die Welt und die Zukunft zu erziehen: Konzerne aus vielen Industriebranchen; Akademiker, Journalisten, Juristen schlossen sich ihm an, bauten in Asien, Europa, Afrika und Amerika innerhalb von 40 Jahren Unternehmen und insgesamt 1000 Schulen samt Internaten auf. Sieben Millionen Anhänger soll die Bewegung vor 2016 allein in der Türkei gehabt haben, zehn Millionen weltweit.

    Auch Yasin sollte Teil der »Goldenen Generation« werden. Sein Bericht zeigt eine abgeschottete Welt mitten in Deutschland, die nicht dem auf Dialogdinners und Preisverleihungen präsentierten Hochglanzimage entspricht. Er durchlebte Druck, Mobbing und interne Kontrolle, Machtmissbrauch und Personenkult. Noch heute, sagt er, vergehe kein Tag, an dem er nicht ernüchtert an die Enttäuschungen und seelischen Belastungen dieser Zeit zurückdenkt.
    Fethullah Gülen ist Prediger und Gründer der Gülen-Bewegung, die die Türkei als Terrororganisation ansieht. Er steht in der Tradition Scheich Said Nursis, 1878–1960 (unten), des Gründers der Nurcu-Gemeinde. Von ihr spaltete Gülen in den 1970ern seine eigene Bewegung ab.

    Fethullah Gülen ist Prediger und Gründer der Gülen-Bewegung, die die Türkei als Terrororganisation ansieht. Er steht in der Tradition Scheich Said Nursis, 1878–1960 (unten), des Gründers der Nurcu-Gemeinde. Von ihr spaltete Gülen in den 1970ern seine eigene Bewegung ab.

    Foto: Stiftung Dialog und Bildung
    Personenkult um Fethullah Gülen

    Erst ging er zur Nachhilfe ins Lichthaus. Die Großeltern, bei denen er aufwuchs, fanden das gut. Bildung war wichtig, und die »Abis« (große Brüder) vermittelten ein moralisch integres, muslimisches Umfeld. Die Anrede Abi und Abla (große Schwester) stehen im Türkischen sowohl für Verwandtschaftsverhältnisse als auch für Respekt, Anerkennung und - vor allem in religiösen Kontexten - Gehorsam gegenüber der Autorität der Älteren.

    Als er zu Beginn der Oberstufe ganz einzog, trugen die Abis Yasin auf, Buch zu führen über die täglichen Gebete, die Fastentage, seine Koranlektüre und die Gülen-Predigten, die er hörte. Auch am Aboverkauf der Zeitung »Zaman«, dem Sprachrohr der Bewegung, musste er sich beteiligen. Muslimischsein gehört zu seiner Identität, aber der Personenkult um Gülen kam ihm schon damals lächerlich vor. »Wir schauten seine Predigtvideos. Krümmte er sich zusammen, sagten die Abis, das sei ein Beweis, dass der Prophet in ihn fahre und er also mit dem Propheten in direkter Verbindung steht«, erinnert er sich. Auch den Befehl zum Schlafentzug kaufte er den Studenten-Abis seiner WG nicht ab. Sie sollten nur noch vier Stunden schlafen, um mehr Zeit für »Hizmet« und den Aboverkauf zu haben. »Hizmet« bedeutet Dienst und ist die Selbstbezeichnung der Gülen-Bewegung. »Die erzählten uns, Gülen hätte aus den USA angerufen und die Anweisung erteilt«, so der Ingenieur. Seit 1999 lebt Gülen nicht mehr in der Türkei. Er floh vor der türkischen Justiz, die ihn der Unterwanderung und des geplanten Staatsumsturzes beschuldigte, in die USA. Dort gründete er die »Stiftung Goldene Generation«. Er lebt mit seinen engsten Gefährten und einer wechselnden Anzahl von Studenten auf einem Gelände namens »Golden Generation Camp« in Saylorsborough, Pennsylvania.

    Serdar wohnte bis 2006 in derselben Stadt wie Yasin. Er studierte in Gummersbach, war für den jüngeren Yasin ein Abi und baute sogar eines der fünf Lichthäuser in ihrer Stadt mit auf. Der 38-Jährige schaut heute mit Scham zurück. »Wir haben die Kinder und die Familien ausgenutzt, auch finanziell«, sagt er und wundert sich über die Unterstützung, die die Bewegung heute in Deutschland genießt. »Die Geschlechtertrennung in der Cemaat ist extrem. Wir hatten nie Kontakt zu Frauen, uns wurde erzählt, sie seien an allem Schlechten schuld, zum Beispiel an unseren Albträumen. Dagegen gab es morgens extra Gebete«, berichtet er. Sechs Jahre war er im Rheinland aktiv für die Bewegung, ging 2006 in die Türkei, wo er heute promoviert.
    Die zerstörte große Jugendliebe
    Scheich Said Nursi

    Scheich Said Nursi

    Foto: wikicommons

    Er erinnert sich daran, dass Yasin mit 16 begann, sich heimlich mit der Tochter eines Autohändlers zu treffen. Yasin übertrat mit der Beziehung gleich mehrere Verbote. Die strenge Geschlechtertrennung war das eine. Doch ihr Vater war auch noch der wichtigste Sponsor der Bewegung in der Region. Yasin wurde überwacht, bedrängt, sogar Familie und Freunde wurden bespitzelt, bis herauskam, wer das Mädchen war. Die Abis zwangen ihn zur Trennung, sogar zu einem Umzug nach Wuppertal samt neuem Lichthaus. »Es war sehr schlimm. Ich hatte ihnen seit meinem 13. Lebensjahr vertraut, und dann gingen sie auf mich los. Einer der Abis wollte mich sogar verprügeln, aber ich habe mich gewehrt«, erzählt Yasin. Das Mädchen sei in die Türkei gebracht worden, sagt er. Er selbst musste infolge der psychischen Belastungen einen Schuljahrgang wiederholen.

    Der Mann, der die Hand gegen ihn erhob, lebt noch in der Stadt. Bei einem Telefongespräch erklärt er, nicht mehr in der Bewegung zu sein. Er sei nur »Zaman«-Journalist gewesen. An die Vorfälle im Lichthaus und den Schlafentzug könne er sich nicht erinnern.

    Serdar jedoch bestätigt Yasins Geschichte und erklärt, das Verhältnis der Anhänger zu anderen Menschen sei immer ein taktisches. »Sie begegnen dir als freundliche Menschen. Sie legen sich auf den Boden, damit du auf ihrer Matratze schlafen kannst. Erst später folgen Kontrolle, Verbote und Gehorsam.« Auch die Erziehung folgte einem einfachen Schema: Wer unter der Woche die meisten Koran- und Gülen-Texte las, viele Abos der »Zaman« verkaufte und das islamische Pflichtenheft füllte, erhielt ein Geschenk. Auch Serdar sollte für eine bestandene Klausur belohnt werden. Ein älterer Mitbewohner habe ihm ein Glas gezeigt. »Es hieß, Hocaefendi (Lehrmeister, Anm. d. Red.), also Gülen persönlich, habe daraus getrunken, und wenn ich meine Lippen auf den Abdruck seiner Lippen setzte und dreimal Richtung Mekka schluckte, würden meine Lippen in der Hölle nicht verbrennen.« Er muss darüber heute noch lachen.

    Geheiratet wird in der Bewegung meist endogam, also intern. Zwar bestreitet dies der Deutschland-Sprecher, Ercan Karakoyun, in einem Gespräch mit der Autorin 2017. Aber es kann vermutet werden, dass auch heute noch Ehepartnerinnen strategisch vermittelt werden. So berichtet ein Pädagoge in einem Gespräch mit »nd«, ein 16-jähriges Mädchen habe befürchtet, durch die Vermittlung eines Imams innerhalb des örtlichen Gülen-Netzwerks verheiratet zu werden, und sei Rat suchend zu ihm gekommen.

    In Serdars Lichthaus suchten die Abis sich eine Frau aus einem »Katalog« aus. Die Studenten der Stadt kamen, stellten sich hintereinander auf, um aus diesem Buch, in denen Frauen nach Moral, Charakter und Familienhintergrund aufgelistet waren, zu wählen. Als Serdar in den Sohbet-Gesprächskreisen und islamischen Schura-Versammlungen der Region seine Kritik verschärfte, erhielt er für diese Runden ein Sprechverbot. »Jemand, der angeblich einen interreligiösen Dialog führt, seinen eigenen jungen Leuten aber einen Maulkorb erteilt - der ist generell wenig vertrauenswürdig«, findet Serdar.

    Lichthäuser und Wohnheime sind zentrale Orte, um junge Menschen zu sozialisieren. »Die Studenten in den Lichthäusern bauen die nächste Generation der Bewegung auf«, erklärt Kristina Mashimi gegenüber »nd«. Dem dienten auch die informellen Sohbet, die nach Geschlechtern getrennt abgehalten werden. »Sowohl vertrauensvolle Beziehungen als auch Autorität spielen hier eine große Rolle«, sagt die Berliner Kulturanthropologin.

    Lesen Sie auch: Selahaddin Gülen, Neffe des Chefs der Gülen-Bewegung, wurde entführt

    Strenge interne Restriktionen

    Dass die Gülen-Bewegung zwar öffentlich Transparenz beteuert, gerade ihre interne Hierarchie und Jugendarbeit jedoch abschottet, hat auch sie erlebt. Mashimi untersuchte zwischen 2013 und 2015 elf Gülen-Schulen in Tansania. »Es hieß, alles sei transparent. Doch erst nach eineinhalb Jahren bekam ich mit, dass in den Schulen nachmittags religiöse Treffen für Oberstufenschülerinnen stattfanden, in denen Gülen-Videos diskutiert wurden«, berichtet sie. »Diese Formen der Geheimhaltung sind durchaus charakteristisch für die Bewegung.«

    Die »Goldene Generation« wird vor allem über die Implementierung der moralischen Konzepte Gülens geformt. Die schließen nicht nur den klassisch-islamischen Verhaltenskodex, sondern auch die unbedingte Loyalität und Aufopferungsbereitschaft für die Cemaat ein, wie der Islamwissenschaftler Florian Volm erklärt. Wer da abweiche oder Reformen wolle, wende sich gegen göttlich legitimierte Pflichten, gegen Gülen selbst und bedrohe die Gemeinschaft, schreibt er in seiner 2018 erschienenen Dissertation zur Gülen-Bewegung. Im Gegensatz zur westlichen Geistesgeschichte, die den Menschen mit der Aufklärung als ein von Gott unabhängiges Subjekt akzeptierte, das auch von Gott losgelöst vernunftgeleitet handeln kann, bleibe der Mensch bei Gülen - klassisch islamisch - vor allem ein »Diener Gottes«. »Diese Überbetonung von Moral, wenn sie sich nicht am Menschen, sondern an der sakralen Schrift orientiert, kann einen totalitären Aspekt gesellschaftlicher Kontrolle offenbaren und entsprechend genutzt werden«, erklärt Islamwissenschaftler Volm. Sein Fazit: Nach außen demonstriere die Bewegung Akzeptanz für religiöse Überzeugungen, sexuelle Orientierungen oder auch für Frauen ohne Kopftuch. Nach innen jedoch greifen »ausschließlich islamische Verhaltensregeln, die restriktiv eingefordert werden«.

    Seit dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei, an dem sich Mitglieder der Gülen-Bewegung maßgeblich beteiligt haben sollen, ist die Bewegung einer gnadenlosen Verfolgung ausgesetzt. Nach Angaben des türkischen Innenministeriums wurden bisher gegen 500 000 Menschen der so bezeichneten »Fethullahistischen Terrororganisation« Ermittlungen eingeleitet, 38 000 Anhänger sitzen zum großen Teil rechtswidrig in Haft. Wer kann, flieht. In den sozialen Medien stapeln sich Berichte von Betroffenen über Folter, in Haft verstorbenen Angehörigen, über dramatische Szenen der Flucht. Ziel derer, die es raus schaffen, ist meist Deutschland.

    Wie viele in den letzten fünf Jahren hier angekommen sind, kann nur grob geschätzt werden. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge führt keine Statistik zu Asylgründen. Doch die freiwillige Angabe zur »Volkszugehörigkeit« bei der Antragstellung in Verbindung mit der Anerkennungsquote gibt Hinweise. Insgesamt stellten zwischen 2016 und Dezember 2020 rund 44 000 türkische Staatsbürger einen Asylantrag. Rund die Hälfte gab an, »kurdischer Volkszugehörigkeit« zu sein. Ihre Anerkennungsquote lag lediglich im niedrigen zweistelligen Bereich. Die andere Hälfte kreuzte bei der freiwilligen Angabe an, »türkisch« zu sein. Diese Gruppe erhielt in allen Bundesländern zu etwa 80 Prozent eine Anerkennung. Es liegt nahe, dass die Mehrheit von ihnen Gülen-Anhänger sind.

    10 900 der türkischen Staatsbürger wurden Nordrhein-Westfalen zugewiesen, darunter 6520 mit »türkischer Volkszugehörigkeit«. Nur in ihrer Gruppe sprang die Anerkennungsquote von zehn Prozent 2016 auf 82 Prozent im Jahr 2017 - und blieb auf diesem Niveau. Die Antragsteller mit »kurdischer Volkszugehörigkeit« hingegen wurden im Durchschnitt nur zu 20 Prozent anerkannt.

    Nordrhein-Westfalen ist schon lange ein Hotspot der deutschen Gülen-Bewegung. Eine Auswertung zahlreicher Twitteraccounts von offenbar Geflohenen mit Sympathie für die Bewegung zeigt: Die im Bundesland vorhandenen Gülen-Strukturen stehen bereit, beantragen zügig Zertifikate für Integrationskurse und legen niedrigschwellige Deutschkurse und andere Begegnungsformate auf. Mehr als 60 Einzelorganisationen sind hier aktiv. Nie in den vergangenen 30 Jahren erklärten sie sich öffentlich als Netzwerk oder wurden als ein solches identifiziert. Mancher, der auf die Zusammenhänge hinwies, handelte sich Unterlassungsklagen ein. Erst im letzten Jahr tauchten die Vereine gesammelt auf der Webseite des Düsseldorfer Verbands engagierte Zivilgesellschaft (VEZ) auf. Dieser existiert seit 2014 und bezeichnet sich - anders als seine Mitgliedsvereine - als »Hizmet-nah«.
    Ministerien und Behörden als Geldgeber

    Behörden, das zeigen Recherchen, erkennen die Zusammengehörigkeit nicht; nd-Anfragen beim nordrhein-westfälischen Sozialministerium, den Landesjugendämtern und Regierungsbezirken wurden zunächst abgetan. Es handle sich nur um eine »vermutete Zugehörigkeit«, schrieb das Sozialministerium und lehnte Angaben zu geförderten Projekten ab. Erst ein Hinweis auf das Pressegesetz fördert Zahlen zutage: Über den Landschaftsverband Rheinland und den Landschaftsverband Lippe genehmigte das Sozialministerium Gülen-Vereinen für Projekte im Jugend- und Flüchtlingsbereich 2019 und 2020 rund 1,8 Millionen Euro. Hinzu kommt eine Million aus den fünf Regierungsbezirken. Die Förderungen für Kindergärten, die vier Privatschulstandorte und offizielle BAMF-Integrationskurse sind hier noch nicht eingerechnet.

    Im Ruhrgebiet ist das Netzwerk besonders verwurzelt. Der Rheinische Dialog- und Bildungsverein (RDuB) betreibt in Duisburg-Hamborn seit 2016 die private Kant-Berufsfachschule. Für deren Betrieb erhält der Träger 340.000 Euro pro Jahr. Der Bürgermeister von Hamborn lobt die Schule und erklärt, sie erhöhe die Identifikation mit dem Stadtteil. Die Gülen-Verbindungen der Schule erwähnt er nicht, sie sind auch nicht leicht zu erkennen. Bei einer Recherche vor Ort erklärte im vergangenen Jahr Schulleiter Hartmut Feldwisch, man habe nichts mit einem religiösen Netzwerk zu tun. Doch er berichtete von Kooperationen mit dem House of One in Berlin: Dessen Imam vom Gülen-nahen »Forum Dialog« habe Workshops an der Kant-Schule geleitet. Auch eine Exkursion zu diesem christlich-jüdisch-islamischen Gebetsort sei geplant gewesen.

    Yusuf Ordueri ist laut Webseite Geschäftsführer der Kant-Schule. Er ist seit Jahren in Hannover und Köln für die Bewegung aktiv. 2007 beantragte die CDU-Bezirksfraktion Buchholz-Kleefeld, ihn als Vorsitzenden des deutsch-türkischen Vereins für Integration und Bildung (VIB) in den Stadtbezirksrat einzuladen, um das »Deutsch-türkische Gymnasium« (mittlerweile Leinetalschulen) in Hannover vorzustellen, dessen Trägerverein der VIB ist. In Köln war Ordueri laut Handeslregister bis 2013 Geschäftsführer des Trägervereins der dortigen Gülen-Schulen. Auf der Seite des VEZ erscheint er bis heute als Kassenwart. Inzwischen ist er laut Handelsregister Geschäftsführer einer weiteren, 2020 neu eingetragenen, gemeinnützigen GmbH: der »RBD Rheinische Bildungsakademie Duisburg«. Ordueri will am Tag des nd-Besuchs vor Ort nicht mit der Presse reden, tut es aber dann doch. Die Gülen-Bewegung habe mit der Arbeit in Duisburg nichts zu tun, sagt er.

    In der Akquise von Steuergeld ist der RDuB sehr erfolgreich, das zeigen Auflistungen des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR). 145.000 Euro flossen in den letzten beiden Jahren für Jugendprojekte. Auch Geld für Fernreisen gab es: 2019 fand eine Exkursion unter dem Titel »Hilfsbereite Jugend NRW« statt. Als pädagogische Ziele werden auf der Vereinswebsite »Einfühlungsvermögen in andere Lebensstile, Sensibilisierung, Aufklärung, Toleranz, Respekt und Anerkennung neuer Kulturen« angegeben. Ziel war Nigeria, Kooperationspartner die Nile-University. Auf Fragen zu der Reise gibt es aus Duisburg keinerlei Antwort.

    Laut LVR wurde die Exkursion mit 18.200 Euro bezuschusst. Sechs Jugendliche und zwei Betreuer nahmen teil. Das Netzwerk in Nigeria zählt zu den wohlhabendsten der Gülen-Bewegung in Afrika, auch die 2009 gegründete Nile-University mit ihren 3500 Studenten gehört dazu. Geleitet wird sie von einem türkischen Wirtschaftsprofessor, der zuvor in den Gülen-Universitäten der Türkei Karriere machte. Neben der Nile-University zählen zehn Schulen, Unternehmerverbände, ein Krankenhaus, Reiseagenturen und die Ufuk-Dialogstiftung dazu. Auf der Website der Universität sind im November 2019 Bilder von sechs jungen Männern zu sehen, die als »Studenten der Universität Duisburg Essen« vorgestellt werden. Die Frage, ob Mädchen an der Reise teilnahmen, wird vom RDuB nicht beantwortet.

    Weitere Jugendfahrten zur Pflege ihrer internationalen Kontakte mithilfe der öffentlichen Hand planten Gülen-Vereine aus Siegen, Witten, Langenfeld und Leverkusen. Ihre Anträge wurden für 2019 und 2020 genehmigt. Ziele: Tansania, Äthiopien, Mosambik, Ägypten und Bosnien. Gesamtförderung: 135.600 Euro. In all diesen Ländern ist das Netzwerk stark vertreten, auch die fünf Kooperationspartner, die die Vereine in ihren Anträgen nannten, gehören dazu.
    Vorerst keine Neuaufnahmen mehr

    Inhaltlich passende Programme hat auch der Paritätische Wohlfahrtsverband Nordrhein-Westfalen zu bieten. Neun Gülen-Vereine gehören zu den Mitgliedern. Doch jetzt scheint es im Verband Debatten zu geben. Als im letzten Jahr ein Verein aus Düren die Aufnahme beantragte, wurde er abgelehnt. Landesgeschäftsführer Christian Woltering erklärt auf Anfrage, der Verband diskutiere derzeit »intensiv« die Mitgliedschaft Gülennaher Vereine: »Aktuell werden keine Organisationen aus dem Gülen-Spektrum in den Paritätischen NRW neu aufgenommen.«

    Der Verein Erziehung und Bildung ohne Grenzen (EBG) aus Essen bewarb sich 2017 mit einem Projekt zur Prävention von Islamismus beim Bundesfamilienministerium. 180.000 Euro flossen. Die mit Projektende veröffentlichte »Handreichung zur Jugendarbeit« beinhaltet Passagen, die Michael Kiefer, Islamwissenschaftler und Präventionsexperte, als »eindeutig islamistisch« bezeichnet. Auch Musa Bağraç, Religionspädagoge und Vorsitzender des Verbandes der Islamlehrer/innen e.V., urteilt: »Hier wird der Islam als unveränderlich oder sogar als Lebensentwurf für alle Lebensbereiche angesehen. Das ist ein integrationshemmendes, fast salafistisches Religionsverständnis.« Dass Demokratie als »vergänglich«, der Islam aber als »ewig gültiges« System vermittelt wird, beurteilt auf nd-Anfrage auch das Bundesfamilienministerium als »problematisch«. Ein weiterer Förderantrag des Vereins wurde abgelehnt.

    In Berlin hingegen läuft es. Bund und Land steigen beim House of One groß ein - ein jüdisch-christlich-muslimischer Gebetsort, an dem als einziger muslimischer Partner ein Dialog-Verband der Gülen-Bewegung beteiligt ist. Zehn Millionen Euro kommen von der Bundesregierung, weitere zehn vom Land Berlin. Bayram Balci, ein anerkannter französischer Politologe, der seit Ende der 90er Jahre weltweit zum Gülen-Netzwerk forscht, ist entsetzt. »Die Bewegung ist zwar nicht militant, aber sie ist im Kern eine Sekte. Sie hat eine islamistische Agenda, die sie nicht offenlegt, und beansprucht eine Alleinvertretung für den Islam. Sie ist kein Kooperationspartner für Regierungen«, sagt der Direktor des Französischen Instituts für anatolische Studien in Istanbul. Dass Deutschland seit zwei Jahren auch Jugendauslandsreisen der Anhänger finanziert, findet er »peinlich«.

    In dem weltweit tobenden Konflikt zwischen dem türkischen Staat und der Gülen-Bewegung ist auch der afrikanische Kontinent eine Frontlinie. Erst in diesem Sommer entführte der türkische Geheimdienst in Kenia einen Verwandten des Predigers Gülen in die Türkei. Und in Äthiopien stehen jetzt deutsche Gülen-Unternehmer dem türkischen Staat gegenüber. Der Berliner Verein Eventus Bildung übernahm laut türkischen Medien 2018 die fünf »Intellectual Schools« in Äthiopien. Aktuell bereiten diese sich auf den Status »deutsche Auslandsschule« vor, die Bewerbung beim Auswärtigen Amt laufe, meldet die Schulwebsite. Balci warnt, es wäre ein strategischer Fehler, der Schule diesen Status zu verleihen. Das Auswärtige Amt würde damit eine Partei in einem internationalen Konflikt stärken und ein Sicherheitsproblem innerhalb und außerhalb Deutschlands verschärfen.

    #religion #sectes #Turqie #Allemagne

  • Extinction Rebellion - Inneneinsichten einer ökopopulistischen Sekte | Telepolis
    https://www.heise.de/tp/features/Extinction-Rebellion-Inneneinsichten-einer-oekopopulistischen-Sekte-4701351.ht

    11. April 2020 Christian Ganzer - Extinction Rebellion ist weder radikal, noch basisdemokratisch oder offen für Kritik - Ein Erfahrungsbericht

    Extinction Rebellion (XR) gilt als radikale, basisdemokratische und für Kritik und Veränderung offene Bewegung. Mein mehrmonatiges Eintauchen in die „Rebellion“ ergab ein durchwachsenes und doch eindeutiges Bild: Radikal? Mitnichten. Basisdemokratisch? So basisdemokratisch, wie eine in der Retorte geschaffene und einem sakrosankten Katechismus verpflichtete Bewegung voller unausgesprochener Hierarchien eben sein kann. Offen für Kritik? Eher im Gegenteil. Ein Ketzerprozess bereitete meinem Experiment ein vorzeitiges Ende.
    Intro

    Auf der Suche nach Möglichkeiten, mich in der Klimabewegung zu engagieren, stieß ich auf „Extinction Rebellion“. Im Sommer 2019 trug ich mich in die Mailingliste der Leipziger Gruppe ein. Als ich zu einer Aktion anlässlich des „Earth Overshoot Day“ eingeladen wurde, ging ich hin. Am Treffpunkt fand ich eine Gruppe von etwa fünfzehn Leuten, die vorhatten, Kreuzungen zu besetzen. Dabei wurde das Wort „Besetzung“ hier anders verstanden, als ich es aus der Vergangenheit kannte: Mit einem Transparent und vielen Fahnen ausgestattet wollte man die Kreuzung bei „grün“ betreten - und wieder verlassen, sobald die Fußgängerampel wieder auf „rot“ umsprang.

    Die AutofahrerInnen, vor denen sich unser kleines Spektakel abspielte, hatten keinerlei Nachteil davon. Dennoch wurden Flugblätter mit der großen Überschrift „Sorry!“ verteilt, in denen man sich für die Unannehmlichkeiten entschuldigte. Bei einem kleinen Zug durch die Leipziger Innenstadt rief eine XR-Aktivistin immer wieder ins Megaphon: „Wir leben über unsere Verhältnisse!“

    Kurze Zeit später wurde ich zu einem Kennenlernplenum ("Onboarding") eingeladen. Eine große Runde überwiegend junger Leute, im Schnitt wohl ein Vierteljahrhundert jünger als ich, saß im Café-Raum eines Hausprojektes im Leipziger Westen zusammen. Die „DNA“ von Extinction Rebellion wurde erklärt, Nachfragen beantwortet. Meine beiden Fragen schienen allerdings nicht gut ins Konzept zu passen:

    Erste Frage: Ob die 3. Forderung nach Einrichtung einer Bürgerversammlung, die Beschlüsse über die nötigen Maßnahmen zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2025 treffen soll, nicht im Widerspruch zum postulierten Zeitmangel stehe. Wenn zunächst die Demokratie durch die verfassungsrechtliche Implementierung einer Bürgerversammlung umgebaut werden soll und letztere sich dann konstituieren, sich anschließend informieren, sodann diskutieren und Beschlüsse fassen soll, würde bis 2025 wohl kein Gramm CO2 eingespart werden. Versammlungsleiter Rolf* war offensichtlich zum ersten Mal mit diesem Widerspruch konfrontiert und ließ sich lediglich ein „Das könnte man so sehen“ entlocken.

    Die zweite Frage zielte auf die Gründe für das Prinzip der Gewaltfreiheit ab, ich wollte etwas über das Mindset der Bewegung erfahren. Rolf* antwortete in etwas aggressivem Tonfall mit den Worten: „Weil 95% der gewalttätigen revolutionären Bewegungen zum Faschismus geführt haben.“ Dagegen seien gewaltfreie Bewegungen wie die Gandhis und Martin Luther Kings erfolgreich gewesen. Auf meinen Protest, so einen Unsinn solle er einem Historiker - denn ein solcher bin ich nun mal - bitte nicht erzählen, ergriff eine andere Aktivistin das Wort und sprach von wissenschaftlichen Studien, die belegt hätten, dass die Erfolgswahrscheinlichkeit von gewaltfreien Bewegungen höher sei.

    Obwohl mich die Vorstellung irritierte, die Mittel der politischen Auseinandersetzung würden nicht mehr nach Situation, Ethik und Zielen, sondern nach Wahrscheinlichkeitsberechnungen gewählt, blieb ich bis zum Ende des inzwischen in das Leipzig-Plenum übergegangenen Treffens. Mir fiel auf, dass es keinerlei inhaltliche Auseinandersetzungen gab - es wurde ausführlich über technische Lösungen für Kommunikationswege und Aktionen gesprochen, aber nicht über Politik.

    Der Sommer ging vorüber. Kurz vor der großspurig angekündigten „Berlin-Blockade“, deren Auswirkungen von der Berliner Verkehrsleitstelle nicht bemerkt werden sollten, ging ich auf ein Infotreffen. Im Anschluß kam ich mit Franz* ins Gespräch, einem Aktivisten aus der lokalen Führungsriege von XR. Er versicherte mir, dass die Bewegung flexibler sei, als es meinem Eindruck entsprach. Da nach meinen Beobachtungen bei Extinction Rebellion eine Wagenburgmentalität vorherrschte, die die Bewegung gegen Kritik von außen immunisierte, beschloss ich den Versuch zu unternehmen, Diskussionen von innen anzustoßen. Ich wurde Teil der Bewegung. Schon bald merkte ich, dass die Probleme größer sind, als ich zuvor wahrgenommen hatte.
    Erfahrungen

    In den Monaten, die ich bei XR verbracht habe, habe ich eine Menge netter, offener Leute getroffen. Viele positionierten sich im weitesten Sinne irgendwie links. Deutlich waren aber auch esoterische Tendenzen und ein deutlicher Hang zur Emotionalisierung von Politik und Diskurs. Bei XR-Leipzig sind Personen über 30 selten, Personen über 40 noch seltener. Soweit ich es beurteilen kann, nahmen bis auf einen Mann aus einem europäischen Nachbarland keine Menschen mit Migrationshintergrund an den Plena teil (nicht überraschend, dass der Leipziger Mattermost-Kanal „People of Color“ fast keine Mitglieder hat - und dort auch nichts gepostet wird; ebenso wie im LGBTQIA+-Kanal). Frauen stellen in der Regel rund zwei Drittel der Anwesenden. Fast alle studierten.

    Im Herbst 2019 waren die Leipzig-Plena so groß geworden, dass die drei Stadtteilgruppen West, Ost und Süd geschaffen wurden. Die konstituierende Sitzung des Ost-Plenums, die in den Räumen eines linken Hausprojektes stattfand, stellte den Beginn meiner aktiven Beteiligung an XR dar. Unter einer an der Wand hängenden Fahne der Antifaschistischen Aktion wurde darüber diskutiert, wie die Plena ablaufen sollten. Vor dem Hintergrund der bei XR vorherrschenden politischen und theoretischen Inhaltsleere schlug ich vor, bei jedem Plenum Zeit für inhaltliche Auseinandersetzungen einzuplanen. Wie aus der Pistole geschossen antwortete jemand, dies müsse aber zeitlich begrenzt werden. Um zuverlässig für regelmäßigen Input zu sorgen, gründete ich später mit zwei Gleichgesinnten einen entsprechenden Arbeitskreis.

    Problematisch stellte sich die Raumsituation dar: man bräuchte repräsentablere Räumlichkeiten für Treffen, da XR gezielt Personen aus der bürgerlichen Mitte ansprechen wolle. Plena, bei denen man auf dem Fußboden und unter Antifa-Symbolen sitzen muss, könnten in dieser Hinsicht kontraproduktiv wirken.

    Meine Beteiligung an XR bestand im Wesentlichen darin, aufklärerische Positionen und Denkweisen einzubringen, eine „Immunisierung“ gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus voranzubringen, esoterische und emotionalisierende Ansätze zu problematisieren. An Aktionen unter XR-Fahne wollte ich mich nicht beteiligen, solange den Erklärungen gegen Roger Hallams Holocaust-Relativierungen keine Taten gefolgt waren.

    Hallam ist der wohl prominenteste Gründer von XR und galt intern als Chefstratege. Er hatte in einem ZEIT-Interview den Holocaust als „just another fuckery in human history“ bezeichnet und gesagt, der Holocaust werde in Deutschland überbewertet. Dies war nicht die erste und nicht die letzte holocaustrelativierende Aussage des Mannes, der wie kein anderer weltweit als Sprecher der Bewegung wahrgenommen wurde. XR Deutschland und einige Ortsgruppen distanzierten sich von den Aussagen, andere hielten dies nicht für nötig. Anstelle eines Ausschlusses Hallams aus der Bewegung begann eine monatelange Mediation, die zum jetzigen Zeitpunkt von manchen Beteiligten als gescheitert angesehen wird, aber nicht zu einem Abschluss gebracht wurde.
    Dezentralität & Angst

    Eigentlich müsste jeder Text über XR mit dem Hinweis beginnen, dass XR zuallererst dezentral ist, verallgemeinernde Aussagen daher nicht zu treffen seien. Viele AktivistInnen haben XR als dezentralem Verbund erfahren, was vieles von der Kritik, wie sie beispielsweise Jutta Ditfurth an XR vorgebracht hat, bei Mitgliedern der Bewegung ins Leere laufen lässt.

    Die Reaktionen lauten in der Regel: Es mag ja sein, dass es die kritisierten Erscheinungen gebe, aber das seien Einzelstimmen, Einzelfälle, Einzelpersonen, Einzelmeinungen. Nicht einmal der XR-Bundespressesprecher Tino Pfaff könne wirklich für die ganze Bewegung sprechen, sondern spräche eigentlich nur für sich, sagte dieser in einem Interview. Und doch tritt Extinction Rebellion als eine weltweite Bewegung auf, mit einem Programm, einem Symbol und einer immer gleichen Kostüm-Show, den „Red Rebels“ - die Pantomime ohne jedes Narrativ betreiben.

    Auch der Ablauf von Plena und sogar Telefonkonferenzen folgt weitgehend dem gleichen Muster. So stehen am Anfang und am Ende jeweils eine „Check-in“- und eine „Check-out“-Runde, bei der alle Anwesenden ihre Befindlichkeit mitteilen.

    Besonders in einem Ziel - vielleicht dem einzigen, das wirklich zählt- ist man sich weltweit einig: Wachstum! Anders als beispielsweise Fridays for Future oder Ende Gelände pflegt XR eine Rekrutierungskultur. Inhalte sind bei weitem nicht so wichtig wie Masse.
    Angst

    Auch könnte man jeden Text über XR mit „Am Anfang ist die Angst“ überschreiben. Wenn XR-AktivistInnen öffentlich oder bewegungsöffentlich in mobilisierender Mission auftreten, sprechen sie häufig vor allem von Angst und darüber, wie berechtigt diese Angst sei. Selbst von „rationaler Angst“ ist da schon mal die Rede.1 Bei genauerem Hinsehen erscheint das alles als ziemlich Ich-bezogene, so ist die Rede von Angst vor dem Verlust von Erstweltmittelstandsprivilegien (Ersparnisse, Karriere, Kleinfamilie)2.

    Angst ist ein schlechter Ratgeber und selten eine zureichende Basis für Entscheidungen und Handlungen. Ohne positiven Streif am Horizont macht Angst vor allem aber auch gefügig, etwa gegenüber jemandem, der einen Plan hat, wie der prophezeite Untergang abzuwenden ist. Andauernde Angst macht führertauglich oder besser gesagt: macht es leichter, sich einem Guru oder Führer, der „die Lösung“ kennt und einen von der Angst erlöst, unterzuordnen.

    Dauerhaft kultivierte Angst führt auch zu einer Haltung, bei der der Zweck die Mittel heiligt: Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Malthusianismus, Kooperation mit Nazis - alles notfalls legitimiert durch die dystopische Angst vor dem Untergang, legitimiert durch das Apokalyptische. Angst macht auch Eile und Opferbereitschaft, was seit je gut mit Irrationalismus und Esoterik zusammengeht, denn „wir haben keine Zeit für Diskussionen“ - manche werden aber bereit sein, sich den kruden Vorstellungen Roger Hallams von der Notwendigkeit von Opfern zu unterwerfen.
    Inhaltsleere & mangelnde politische Bildung

    Zu meinen ersten Eindrücken von XR gehörte auch eine erstaunliche Inhaltsleere. Mit der 2. Forderung, die Welt solle bis 2025 klimaneutral wirtschaften, wirkt die Bewegung auf den ersten Blick zwar sehr radikal - aber die Forderung ist so offenkundig unrealistisch, dass man den Verdacht nicht los wird, es eher mit einem der typischen Werbeversprechen des Co-Gründers Roger Hallam zu tun zu haben, der für seine PR-Tricks auch sonst nicht unbekannt ist.

    Über „2025“ hinausgehende inhaltliche Positionen findet man bei XR nicht. Alles Weitere soll von der in der 3. Forderung genannten Bürgerversammlung beschlossen werden, deren Ergebnissen XR bequemerweise nicht vorgreifen möchte. Diese Ergänzung der parlamentarischen Demokratie bei gleichzeitiger Abwesenheit jeglicher konkreter Position (nicht einmal die Nutzung von Atomenergie wird ausgeschlossen) lässt sich kaum als „radikal“ - also als „an die Wurzeln gehend“ verstehen.

    Die Bewegung tritt gern so auf, als hätte sie zivilen Ungehorsam als erste entdeckt, ja gleichsam erfunden.3 „Demonstrieren reicht nicht mehr!“, jetzt müssen andere Mittel her! - und so werden vor allem medienwirksame Aktionen durchgeführt, bei denen größter Wert darauf gelegt wird fotogen zu sein, damit es Journalisten, die man zu lenken hofft, auch bestmöglich radikal erscheint. Ohne die Dramaturgie ist es dennoch nicht mehr als bspw. die „Besetzung“ eines Büros der Linkspartei in Berlin, wo man tatsächlich auf Einladung der Partei gekommen war und mit Erlaubnis der Gastgeberin für ein paar Minuten ein Banner aus dem Fenster hängen durfte. Faktisch wurde nichts besetzt, aber es sah gut aus, als PR-Gag reichte es.

    Das grundsätzliche Problem ist aber ein anderes: Bei den Aktivisten ist ein erschreckender Mangel an politischer Bildung und politischem Bewusstsein zu verzeichnen - was zunächst keine Schuldzuweisung sein soll. Viele, wenn nicht die meisten, waren zuvor nie politisch tätig. Mit der Geschichte von Widerstand und sozialen Bewegungen sind sie wenig oder gar nicht vertraut. Inhaltliche Auseinandersetzungen fanden auf den von mir besuchten Plena so gut wie nicht statt. Wer Lust zum Diskutieren hat, macht dies in männlich dominierten Onlineforen oder in besonderen Arbeitsgruppen - die aber selten sind. Wer sich in politischen Debatten noch nicht zu Hause fühlt, bleibt diesen lieber fern und lernt das dazugehörige Handwerkszeug daher nicht.

    In Einzelfällen kam es bei Plena zwar zu kontroversen inhaltlichen Diskussionen - selbstverständlich zeitlich begrenzt. Beim „Check-out“ äußerten dann aber erschreckend viele „RebellInnen“, die Diskussion habe sie sehr „angestrengt“ und „erschöpft“. Grundsätzlich habe man aber überhaupt keine Zeit, sich mit Analysen oder theoretischen Fragen zu beschäftigen, gar zu diskutieren, weil man ja schnell die Welt retten muss. Man würde gern sagen, dies sei eine polemische Übertreibung. Es war aber so. Radikale oder überhaupt nur politische Positionen entwickelt man so nicht.

    Auch die Umsetzung der Forderungen ist von vornherein ausgeschlossen, da nicht darüber diskutiert werden kann, wie man sie umsetzen möchte - es wird nicht mal diskutiert, wer sie umsetzen könnte und sollte. Folgerichtig stehen die „Aktionen“ kaum einen Zusammenhang mit den Forderungen (und Prinzipien). Für viele scheint die Identitätsfrage eine große Rolle beim Engagement zu spielen. Während der „Berlin-Blockade“ war der Ruf „Extinction - Rebellion!“ die am häufigsten gerufene Parole - nicht anders, als Fußballfans den Namen ihres jeweiligen Vereins rufen.

    Das Konzept der Bürgerversammlungen hat nicht nur in Deutschland keine große Tradition. Die Tatsache, dass sich innerhalb weniger Monate weltweit zehntausende junger Menschen plötzlich die Forderung nach der Einrichtung von Bürgerversammlungen zu eigen machten, stimmt zumindest nachdenklich. Kennen sie dieses Konzept wirklich und sind sie wirklich so davon mitgerissen - oder steckt etwas Anderes hinter ihrer festen Überzeugung, XR könne damit die Welt retten?

    Wie bei XR insgesamt gilt auch hier: Das Programm wurde von einer kleinen Personengruppe vorgegeben, denen man die Kompetenz offenbar zutraut. Veränderungen sind in ihm nicht vorgesehen, mithin gibt es also auch keinen Diskussionsbedarf. Wer sich zu den drei Forderungen und zehn Prinzipien „bekennt“, kann als „XR“ öffentlich auftreten. Die Anlehnung an die „Heilige Dreifaltigkeit“ und zehn Gebote wird kein Zufall sein, sie ist - wie so vieles bei XR - Grundlage für ein geschicktes Marketing. Aber ja, es hat die Struktur einer Bekenntnisreligion.
    Rechts/Links - mittige Strategie

    Extinction Rebellion will „beyond politics“ sein und verortet sich außerhalb des „Links-Rechts-Spektrums“. Besonders die Abgrenzung nach links wird häufig betont. Als Argument hierfür führen AktivistInnen an, man wolle „die bürgerliche Mitte“ gewinnen - und die würde ohne diese Abgrenzung abgeschreckt.4 Dennoch ordnen sich die meisten XRlerInnen, mit denen ich zu tun hatte, selber als links ein, manche auch ausdrücklich als linksradikal.

    Im Leipziger Telegram-Kanal erscheinen täglich Beiträge, die in jedem linken Aktionskanal auftauchen könnten, wiederholt habe ich Leipziger XR-AktivistInnen auch auf Antifa-Demos getroffen. Ein Aktivist erklärte mir, „man“ sei links und auch die zehn Prinzipien seien, bei Lichte betrachtet, sehr links. Das wolle man aber aus strategischen Gründen nicht nach außen vermitteln.

    Möglicherweise funktioniert im „postfaktischen Zeitalter“ eine derartige Unaufrichtigkeit ja als politische Strategie. Im Ergebnis verliert XR aber potentielle linke BündnispartnerInnen, während das Ausbleiben einer klar antifaschistischen Positionierung eine „Immunisierung“ gegen rechts erschwert. Paradoxerweise stößt der Unwille mancher linker Organisationen, der Bewegung Infrastruktur wie Räume zur Verfügung zu stellen, bei den „RebellInnen“ auf Unverständnis. Man fühlt sich links und bemerkt nicht, dass die „taktische“ Abgrenzung nach links bei Linken nicht so gut ankommt.

    Außerhalb Leipzigs tummeln sich aber auch ganz andere Gestalten bei XR. Verschwörungsgläubige sind da ebenso zu finden wie Holocaust-Relativierer oder Leute, die eine Zusammenarbeit mit Nazis befürworten, solange diese nur das Klima retten wollen. Eine tatsächliche Verortung ist also jenseits der Befindlichkeit kaum möglich. Die starken Hierarchien deuten zumindest für die Leipziger Gruppen darauf hin, dass sich zwar Personen als „links“ verorten, aber nicht merken, dass sie nicht links, jedenfalls nicht links im Sinne von progressiv und aufgeklärt sind - dazu müsste man auch mal über Inhalte und Strategien reden und ein Verhältnis zu Kritik leben, das über Lippenbekenntnisse hinausgeht, mit denen man sich für Offenheit und Lernbereitschaft feiert.
    Umgang mit Kritik

    Nicht bloß bei XR Leipzig ist der Umgang mit Kritik problematisch. Kritik von außen perlt an der Bewegung ab wie an einer Teflonbeschichtung. Auf Kritik von innen reagieren die AktivistInnen dagegen unterschiedlich, in der Regel aber nicht inhaltlich. Stattdessen verweisen sie auf die vermeintlich falsche Form, die falsche Zeit oder den falschen Ort der Kritik. Die „Gewaltfreie Kommunikation“ nach Marshall B. Rosenberg instrumentalisierend, entgegnen XRlerInnen auch gerne, die Kritik sei „gewaltvoll“, enthalte „Zuschreibungen“ oder sei sonstwie „verletzend“. Dabei sind offensichtlich nur wenige AktivistInnen mit Rosenbergs Konzept „gewaltfreier Kommunikation“ wirklich vertraut - zumindest im Umgang mit KritikerInnen ist sie offensichtlich nicht mehr das Ideal.

    Nach meinen ersten Erfahrungen und Recherchen schickte ich eine Mail über den Verteiler der Leipziger Gruppe. Darin kritisierte ich den unzureichend und mit falschen historischen Parallelen begründeten Grundsatz der Gewaltfreiheit der Bewegung und wies auf den Widerspruch zwischen der Forderung nach sehr schnellem Erreichen von Klimaneutralität und dem Ziel der Einführung einer Bürgerversammlung hin. Außerdem drückte ich meine Zweifel an der Neugründung einer weiteren Klimabewegung aus, die wegen der mit dem Aushandeln von Strukturen und Inhalten verbundenen Reibungsverlusten ebenfalls im Widerspruch zur postulierten Dringlichkeit des Anliegens stehe.

    Daraufhin brach bei den Leipziger XR-ChefInnen hektische Betriebsamkeit aus. Wie echte PolitikerInnen agierend, wurde eine Antwort über den Verteiler geschickt, in der auch alle darüber informiert wurden, dass ich zu einem Gespräch eingeladen worden sei. Außerdem wurde - ohne Plenumsbeschluß - umgehend die Zensur der Mailingliste eingeführt: auf meine nächsten Mails erhielt ich nur automatisch generierte Mitteilungen, denen zufolge meine Nachricht von den AdministratorInnen freigegeben werden müssten, was nie geschah.

    Ein Aktivist mit dem vielsagenden Nickname „delay“ teilte mir mit, dass wir die Diskussion nunmehr zu zweit weiterführen würden. Obwohl ein Doodle zur Terminfindung für das angekündigte Gespräch eingerichtet wurde, fand ein solches nie statt.

    Als ich später begann, mich in Plena und Arbeitsgruppen einzubringen, entschieden offenbar manche schnell, dass ich vor allem verdächtig bin. Kritik und Zweifel an XR zu äußern, eine klarere Abgrenzung nach rechts zu fordern, Diskussionen über Inhalte, die über konkrete Klimafragen hinausgehen, all das löste besonders bei manchen XR-Oberen misstrauische Wachsamkeit aus. Von mir in der Bildungs-AG vorgeschlagene Themen wurden als „zu links geframt“ zurückgewiesen. Ebenso erging es meinem Vorschlag, eine Bildungsveranstaltung zur Frage von „System change statt climate change“ zu organisieren, damit wir diskutieren könnten, was eigentlich mit „system change“ (und dem System) gemeint ist. Rolf* meinte, das sei völlig unnötig, weil es in Ordnung wäre, wenn jeder etwas anderes unter dem zu verändernden System und der einzuschlagenden Richtung verstehe. Hauptsache, die Leute erschienen zu den Aktionen.
    Konflikt & Machtmissbrauch: Zuspitzung

    Noch am selben Abend forderte Ludwig*, einer der lokalen Führer, mich in einem Zwischen-Tür-und-Angel-Gespräch auf, XR zu verlassen, weil ich „zu links“ sei. Überrascht wies ich sein Anliegen zurück. Es war die Zeit, als die Holocaust-Relativierungen Roger Hallams auch bei XR hohe Wellen schlugen. Auf der Internetplattform Mattermost erklärte eine ganze Reihe von AktivistInnen einen Streik. Zu ihren Forderungen gehörte der Ausschluss von Roger Hallam aus XR.

    Hier postete Ludwig* am 3. Dezember 2019 eine Aufforderung an die Streikenden, XR zu verlassen. Er drückte seinen Wunsch aus, mit seinen Kindern „nicht auf der falschen Seite der Mauer“ leben zu wollen und führte etwas aus, was ich als „lieber Ökofaschismus als Weltuntergang“ las. Er forderte, den Aktivismus nicht durch Diskussionen zu stören. Meinen scharf formulierten Widerspruch interpretierte Ludwig* als Beleidigung: Ich hätte ihn „Nazi“ genannt - was ich selbstredend nicht getan hatte. Wer Jahrzehnte in der Zeitgeschichtsforschung unterwegs ist, schaut nun mal genauer hin.

    Schnell wurde die Auseinandersetzung durch einen gegen mich gerichteten Shitstorm abgelöst, an dem sich einige Leute aus der Leipziger XR-Führungsriege beteiligten. Um Inhalte ging es dabei nicht mehr, die Kampagne weitete sich auf weitere Mobbingversuche aus. Wenige tage später forderte Ludwig*, man müsse besprechen „wie wir mit menschen umgehen, die zwar zu unseren plena kommen, aber unsere forderungen/prinzipien/vision der veränderung nicht unterstützen“.

    Es wäre möglich gewesen, das Problem auf dem folgenden Plenum zu besprechen - mit dem offensichtlichen Nachteil, dass die inhaltlichen Fragen auf den Tisch gekommen wären. Statt dessen wurde mit einem Bericht vom „nationalen“ Treffen und einer „Dragons Dream“ genannten Methode die Zeit ohne Diskussionen herumgebracht - dadurch wurden auch der eigentlich fest vereinbarte inhaltliche Input und Möglichkeiten zur Diskussion vermieden.

    Innerhalb kürzester Zeit wurde noch im Dezember 2019 in einem intransparenten Verfahren ein „Gremium“ gebildet, das eine Konfliktvermittlung und ggf. ein Ausschlussverfahren gegen mich gestalten und moderieren sollte. An der Ausarbeitung des Verfahrens war neben Norman*, der als Heilpraktiker in Leipzig tätig ist, auch der als „Waldmensch“ bekannt gewordene Esoteriker Jürgen Wagner (Alias „Öff Öff“, XR Marburg) beteiligt. Beide bildeten mit wenigen anderen die bundesweite Projektarbeitsgruppe (PAG) „DNA Care“. Die Protokolle der Sitzungen des Leipziger „Gremiums“ wurden genauso geheim gehalten wie seine Zusammensetzung. Wem das jetzt wie ein schlechter Roman vorkommt, hat mein volles Verständnis.

    Statt einer Konfliktmoderation zwischen mir und Ludwig* kündigte das „Gremium“ die Durchführung eines „Restorative Empathy Circles“ (REC) zur Moderation eines Gruppenkonfliktes an. Der Grund dafür sei, dass ich „Unruhe in die Gruppe gebracht“ habe und eine unüberschaubare Anzahl von Beschwerden gegen mich vorläge. In diesem Zusammenhang wurde ich von Norman* mehrfach als „Täter“ bezeichnet. Was meine „Taten“ und wer meine „Opfer“ waren, wusste das „Gremium“ angeblich nicht - ebensowenig wie es die Zahl meiner „Opfer“ nennen wollte.

    Gedanken an die Heilige Inquisition sind schwer zu verdrängen, wenn man Gerüchte herrschen lässt. Ketzer in 21. Jahrhundert überleben immerhin und kommen manchmal auch zu überraschenden Einsichten: Wenige Wochen später erfuhr ich, dass mich Norman* und Steven*, der auch in Leipziger autonomen Awareness-Strukturen tätig ist, während der Prozessvorbereitung von A bis Z belogen hatten: Im „Gremium“ hatten sich tatsächlich im wesentlichen Leute gesammelt, die irgendwie geartete Probleme mit mir hatten. Ein Versuch, diverse Positionen einzubeziehen, wie es das XR-SOS-Handbuch vorsieht, wurde nicht unternommen.

    Dem „Gremium“ waren also Zahl und Inhalte der gegen mich erhobenen Vorwürfe nur zu gut bekannt. Hinter der gebetsmühlenartig wiederholten Formel, man führe das Verfahren „nach bestem Wissen und Gewissen“ durch, stand also nichts als systematische Unaufrichtigkeit. Genauso systematisch verschleierten die Mitglieder des „Gremiums“ den Charakter der AG auch gegenüber dem Rest der Ortsgruppe. Zu all dem passt, dass mir „freigestellt“ wurde, mich dem REC zu unterziehen: „Die Nichtteilnahme am REC führt automatisch zum Ausschluss.“

    Den „Restorative Empathy Circle“ hat man sich wie eine filmreife Sektensitzung vorzustellen: In der Mitte standen vier Stühle. Zwei für Heilpraktiker Norman*, der moderierte, und den Co-Moderator, einer für mich; der vierte Platz war Personen vorbehalten, die nacheinander ihre Anklagen gegen mich vorbringen sollten. Im äußeren Stuhlkreis hatten weitere ca. 20 Personen aus der Leipziger XR-Ortsgruppe Platz genommen, diese hatten sich aber nicht einzubringen, sie sollten, so nötig, am Ende ein Urteil sprechen.

    AktivistInnen, die noch nicht lange bei XR waren, waren ausdrücklich aufgefordert worden, der Veranstaltung fernzubleiben - die Führungsriege befürchtete offenbar diese noch „ungefestigten“ Köpfe mit so einem Verfahren abzustoßen; außerdem bestand die Gefahr, die „Neuen“ könnten das zuvor geschaffene dämonische Bild von mir nicht mit jenem zusammenbringen, das sie sich in den zurückliegenden Plena von mir hatten machen können. Schließlich ging es um einen Ausschluss, den man sich nicht durch unsichere Kantonisten verderben lassen wollte.

    Bis zum Beginn des REC wurde ich über die Inhalte der gegen mich erhobenen Vorwürfe, über Zahl und Identität der BeschwerdeführerInnen im Unklaren gelassen - eine klassische Methode zur Erhöhung des psychischen Drucks. So erwartete ich gespannt die Enthüllung, wer meine vielen „Opfer“ denn nun sein würden, die sich monatelang nicht getraut hatten, mich mal anzusprechen, um sich über mein Fehlverhalten zu beschweren.

    Als Norman* in den äußeren Kreis fragte, wer zu mir in den Circle steigen wolle, meldeten sich ausschließlich Leute aus der Führungsriege von XR-Leipzig. In meiner Einschätzung durchweg einigermaßen selbstbewußte und eloquente Leute, die bestimmt nicht zu schüchtern sind, jemanden anzusprechen oder um ein klärendes Gespräch zu bitten. Aus dem „emotionalen Ausgleich“ wurde nichts. Ludwig*, der mir als erstes gegenübersaß, erklärte, nach den fast drei Monaten, die seit unserem Streit vergangen waren, seien seine Emotionen nicht mehr aktuell. Stattdessen fragte er mich nun nach meiner Motivation, bei XR mitzuwirken - und ob ich hinter den 3 Forderungen und 10 Prinzipien stehe. Wie in einem Trivialroman versuchte Ludwig* sich in der Rolle des Gesinnungspolizisten in einem politischen Schauprozess. Und schon der gemeine Leser weiß: Wer da mitspielt, hat verloren. Also lässt man es besser.

    Den weiteren Ablauf - mit zwei weiteren Beschwerdeführerinnen - werde ich an dieser Stelle nicht ausführlich referieren, erwähnt sei aber das Ende der Veranstaltung: Ludwig* forderte eine Abstimmung über meinen Ausschluss. Da dies offenbar für viele trotz der Inszenierung zu überraschend kam, konnte er sich damit nicht durchsetzen. Ein Folgetreffen wurde anberaumt.

    Nach dem Verlassen des Gebäudes ließ Ludwig* seiner Frustration freien Lauf, indem er herumbrüllte, über die Nachteile der Demokratie schimpfte und Teile einer Baustellenabsperrung herumwarf. Soweit zur Gewaltfreiheit. Ich erklärte etwas später auf Mattermost, dass und warum ich XR verlasse. Es folgte ein Shitstorm streng nach Lehrbuch, neue, wenig phantasievolle Vorwürfe wurden in Umlauf gebracht. Von Mobbing könne gar keine Rede sein, ich sei der Lügner, ein Macker, der Inbegriff toxischer Männlichkeit, der jedes Paradies vergiftet, und im übrigen hätte ich zur Sachbeschädigung aufgerufen.

    Auch Bundespressesprecher Tino Pfaff schaltete sich wieder ein, bereit, allem beizupflichten, was man ihm zutrug. Die 1. Forderung von XR „Sagt die Wahrheit!“ und das XR-Prinzip „No shaming, no blaming“ gelten offenbar nicht im Umgang mit KritikerInnen.

    Das eigentlich Erschreckende jedoch ist das Fehlen von Reaktionen auf die Rituale der Unwürde. Weder der Machtmißbrauch, der zur Zensur der Mailingliste durch einen kleinen Führungszirkel am Plenum vorbei führte, noch das allen Prinzipien widersprechende Zustandekommen des Inquisitionsgremiums, noch der Ablauf des Verfahrens wurde von den Leipziger „RebellInnen“ als Problem angesehen. Großes Geschrei gibt es immer nur, wenn sich KritikerInnen vermeintlich nicht an die Regeln halten - Urteilskraft gilt nur als Verurteilungskraft.

    Wie wenig die „RebellInnen“ bereit waren, sich auf die inhaltliche Auseinandersetzung einzulassen, zeigt das Protokoll eines Plenums der Gruppe Leipzig-Ost vom 11. März 2020, bei dem über das Verfahren gesprochen wurde: Dieses sei „nicht optimal gelaufen, aber war nötig und gut, dass es stattgefunden hat“. Und: „wir müssen für die Zukunft auch daran denken, wie wir ’toxische Trolle’ aus Plena/OG ausschließen.“
    Fazit

    Ich habe mir XR einige Monate lang von außen und dann von innen angesehen. Dabei hatte ich zunächst die Hoffnung, eine Bewegung gefunden zu haben, in der ich mich politisch engagieren könnte. Schon bald änderte sich meine Motivation dahingehend, dass ich die Notwendigkeit sah, politische Bildung in die Bewegung zu tragen und mich einem Abdriften in Esoterik und Ökofaschismus entgegenzustemmen. Viele derer, die mit ähnlichen Motivationen bei XR aktiv waren, haben aufgegeben.

    Im Rückblick erscheint mir der Umgang mit kritischem Denken besonders problematisch: „Wir sind eine lernende Bewegung“, aber unsere Kritiker haben alle keine Ahnung, wollen uns nur Böses, hegen „irrationalen Haß“ oder wollen „sich über uns stellen“. Kritisches Denken als notwendige Zuwendung zu Problemen wird vor allem als Bedrohung und Verunsicherung verstanden und entsprechend abgewiesen. Eine Urteilskraft, die hauptsächlich als Waffe geübt wird, verliert aber ihre konstruktive Funktion als Werkzeug zur eigenen Weiterentwicklung.

    XR bleibt mit seinen unausgesprochenen und nicht legitimierten Hierarchien weit hinter dem Standard des Rests der Gesellschaft zurück. Verborgen wird dies unter einer dicken, flauschigen Decke aus demonstrativer Wohlfühlkultur, „Care“, „Awareness“, „Gewaltfreiheit“ etc. Die dahinter tobende Gewalt bricht ungebremst hervor, wenn jemand abweicht. „Bekenne Dich zu den 10 Geboten, pardon, Prinzipien!“ Zweifel? Kritik? Ketzer!

    Extinction Rebellion ist eine zentral gegründete, dezentrale Bewegung. Und dieser Ur-Widerspruch ist nicht der einzige in dieser Retortenbewegung. XR ist politische Bewegung und Familienersatz versprechende sektenartige Struktur in Einem. Ohne politische Forderungen, mit umso mehr Wohlfühlklimbim. Die Bewegung will „Hierarchien überwinden“, unterwirft sich aber dem von Hallam & Co. gestifteten, als sakrosankt geltenden Programm, und bildet durch nichts als durch erhöhtes Aktivitätslevel legitimierte informelle Hierarchien aus. Es gibt weder Wahlen, noch Rechenschaftspflicht. Folgerichtig wendet man sich auch mit Forderungen nicht an die Parlamente, sondern an die Regierungen.

    XR wurde „von SozialwissenschaftlerInnen entworfen“ , die aber nicht bemerkt haben, dass eine demokratische Bewegung auch über Mechanismen zur Veränderung des Programms verfügen muß, weil es mehr bieten muß als ein Katechismus.5 Das Ergebnis sind unerkannte Selbstwidersprüche.

    XR spricht sich gegen Biologismen wie Rassismus oder Sexismus aus, verwendet jedoch für die eigenen Strukturen biologistische Sprache: So ist von der „DNA von XR“ die Rede oder vom "Vertrauen als Blut der Bewegung"6. Es gibt eine Bundes-AG (im XR-Sprecsh: „nationale“ AG), „DNA Care“, zu Deutsch etwa „AG Erbgutpflege“. Die Verwendung des Ausdrucks DNA für eine soziale Bewegung lässt darauf schließen, dass Veränderungen der Programmatik als widernatürlich abgelehnt werden.

    Tatsächlich reagierten viele „RebellInnen“ mit angstmotivierter Ablehnung auf Überlegungen, die 10 Prinzipien zu verändern. XR möchte Menschen aus allen politischen Lagern sammeln UND sich einheitlich politisch nach außen positionieren. Man möchte „offen für alle“ sein, drängt linke KritikerInnen aber raus.

    XR will auf Grundlagen der Wissenschaft gestützt agieren, setzt aber gleichzeitig auf Emotionalisierung, ist offen für Esoterik und Verschwörungsgläubige und verweigert sich der Grundlage aller Wissenschaft: dem Diskurs, dem Streit - immer unter Hinweis auf die Dringlichkeit des Anliegens.

    XR trägt seine Gewaltfreiheit so sehr wie einen Bauchladen vor sich her, dass andere Gruppen und Bewegungen sich dadurch manchmal als gewalttätig gelabelt sehen; der zugrundeliegende Gewaltbegriff ignoriert jedoch staatliche und ökonomische Gewalt weitgehend und besteht auf „gewaltfreier Kommunikation“, während Mobbing und äußerst aggressives Auftreten gegen KritikerInnen zur Normalität gehören.

    Meine Erfahrungen in dieser Hinsicht stellen selbstverständlich keinen Einzelfall dar, wie mir aus verschiedenen Ecken der Bundesrepublik berichtet wurde. Man möchte gerne vielfältig sein, fühlt sich in der Einfalt aber wohler: man ist weiß, jung und verfügt über einen recht hohen Grad formaler Bildung. Wer sich nicht einer bestimmten, angelernten Kommunikationsweise bedient, riskiert gemaßregelt zu werden.

    Zu anderen Gruppen und Bewegungen pflegt XR ein eher instrumentelles Verhältnis. Man überlegt diese zu unterstützen, nicht in erster Linie, weil man deren Anliegen gut findet, sondern weil man sich dadurch Zulauf zur eigenen Bewegung erhofft.7

    Bedenklich ist das krude Verständnis mancher Führungsgestalten von einem Leben in „Selbstaufopferung“, dem kaum je widersprochen wird. XR-AktivistInnen wollen „Emotionen [...] zur Grundlage des Handelns machen“. Die Kombination aus nicht legitimierten Hierarchien, Sektenartigkeit und gegenaufklärerischen Tendenzen sowie Abgrenzung gegen alles, was „links“ wirken könnte, beinhaltet ein großes Potential für das künftige Abdriften in eine ökofaschistische Bewegung.

    XR wird nichts zum Verlangsamen des Klimawandels beitragen - eher im Gegenteil, denn XR bindet Kapazitäten und schwächt damit Bewegungen, die einem modernen Anspruch an transparente und demokratische Organisationen sehr viel besser gerecht werden.

    Alle Namen sind frei erfunden

    Fussnoten
    1

    Vortrag in Göttingen: https://www.youtube.com/watch?v=lnPAL4TIAzQ

    2

    „Ich fühle Angst. Angst vor drohenden Hungerkatastrophen, Angst vor Trinkwassermangel. Wenn nicht für mich, dann für mein Kind und dessen Generation. Angst vor dem Zusammenbruch der Banken, die meine Ersparnisse, Reserven, Zukunftspläne mit in den Abgrund nehmen.“ Andrea auf Mattermost, 6.12.2019.
    3

    „Die letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass mehr Klima- und Artenschutz mit Petitionen u.ä. nicht erreicht werden kann - deshalb gibt es ja die Extinction Rebellion. Aber in Zeiten, in denen wir unseren gewaltfreien zivilen Ungehorsam nicht auf die Plätze und Straßen bringen können und ohnehin viel Zeit online verbringen, halte ich das Unterzeichnen von Petitionen für ein sinnvolles Puzzleteilchen jener *Online Rebellion / Love Rebellion*, die wir als Alternative jetzt auf den Weg bringen müssen.“ Edith* auf Mattermost, 24.3.2020.
    4

    „klimarettung ist antifaschismus. aber es gibt einen grund, dass nicht so zu verkaufen, weil mit der antifa als erstes straßenschlachten assoziert werden, was die bürgerliche mitte, ohne die wir die klimarettung vergessen können, verständlicherweise abschreckt.“ Ludwig* auf Mattermost, 5.12.2020.
    5

    https://www.youtube.com/watch?v=lnPAL4TIAzQ

    00:10:00.
    6

    XR Deutschland (Hg.): Ein selbstorganisierendes System (SOS). Das Handbuch (work in progress, Stand: 01.08.2019), S. 29. https://extinctionrebellion.de/documents/170/SOS-Handbuch-20190801_4.pdf
    7

    „Auch eine Fragestellung für die Vernetzungs-AG. Lokale Bürgerinitiativen, die sich z.B. gegen den Bau neuer Straßen engagieren, könnten wir ggf. unterstützen (braucht von unserer Seite nicht so viel Organisation/Logistik, sorgt aber trotzdem dafür, dass XR in den Medien auftaucht und verbessert wahrscheinlich bei vielen Leuten unser Ansehen). Deshalb wäre es gut zu wissen, was es in der Nähe für welche gibt (ein Beispiel, was ich kenne, weil auch die Rote Beete dabei ist, ist http://www.alternative-b87.de).“ Protokoll der Leipziger Recherche-AG vom 23.1.2020.

    #crise #sectes #rechauffement_climatique

  • Podcast | Méta de Choc
    https://www.metadechoc.fr/podcast

    Un nouveau podcast sceptique, zététique, par Élisabeth Feytit, que j’avais déjà pu voir dans une longue interview conf par la Tronche en biais sur le sujet des sectes ici :
    https://www.youtube.com/watch?v=C3VybvzoSt8


    dont on avait parlé là :
    https://seenthis.net/messages/747164

    Déjà une douzaine de podcasts très fouillés, très longs, de plusieurs heures sur une même sujet !

    merci @mad_meg pour le signalement de ses podcasts (je ne te remercie pas pour ma concentration)

    #podcast #Élisabeth_Feytit #sceptique

  • La lutte contre les sectes dissoute dans celle contre la radicalisation
    https://www.lemonde.fr/societe/article/2019/10/01/la-mission-antisectes-absorbee-dans-l-organisme-de-lutte-contre-la-radicalis

    Selon le ministère de l’intérieur, qui a confirmé, mardi 1er octobre, une information de France Inter, la Miviludes, jusqu’ici directement gérée par Matignon, va en effet être absorbée par la Place Beauvau, d’ici au début de 2020. Un rapprochement qui marque un changement d’époque, et le primat accordé à la lutte contre la radicalisation djihadiste plutôt qu’à l’emprise sectaire dans un contexte budgétaire serré.

    Une erreur, estiment les associations qui travaillent avec cet organisme. Charline Delporte, présidente du Centre national d’accompagnement familial face à l’emprise sectaire (Cafes), fustige un recentrage qui laisse de côté la pluralité de la Miviludes : « On avait le volet éducation, le volet judiciaire, le volet formation, et là on n’aura plus que le volet policier, ce n’est pas possible. »

    Donc tant que les #sectes mettent les gens sous emprise sans en faire des terroristes, tout va bien ?

  • Chine : le poison jaune - ARTE Reportage | ARTE
    https://www.arte.tv/fr/videos/087017-000-A/chine-le-poison-jaune


    Personne ne sait qui paye pour les activités des adeptes du Falun Gong. Pourtant la secte poursuit des activités dont l’ampleur dépasse de loin ce qui serait faisable sur base de volontariat et de dons individuels. Le reportage apporte quelques éléments clé à la compréhension du géant du marché des religions asiatique sans tomber dans le piège des sujets de propagande préférés par les obscurantistes.

    Disponible du 17/05/2019 au 21/12/2021

    Fondée en 1992 par Li Honghzi, un fonctionnaire chinois formé, dans sa jeunesse, par des maîtres bouddhistes et taoïstes, la discipline combine gymnastique et méditation, spiritualité et rigueur morale, autour de trois principes cardinaux : vérité, compassion, tolérance. Les premières années, le Parti Communiste Chinois loue ses vertus et laisse le mouvement prospérer partout en Chine.

    Ouvriers, étudiants, membres de l’armée populaire de libération ou du parti communiste chinois, Falun Gong séduit toute la société chinoise. Ses adeptes se comptent par millions, au point de dépasser numériquement les membres du PCC... un concurrent idéologique perçu comme une menace par le président chinois Jiang, qui lance alors une vaste campagne de diabolisation. Sous le coup d’un mandat d’arrêt en 1998, son fondateur, Li Honghzi, trouve refuge aux Etats-Unis.

    Le 25 avril 1999, 10 000 pratiquants de Falun Gong demandent la reconnaissance de leur mouvement en se regroupant dans le quartier gouvernemental de Zhongnanhai, à Pékin. Les autorités chinoises décident alors « d’éliminer » Falun Gong, qualifiée de « secte maléfique ». Hors-la-loi depuis 20 ans, les millions d’adeptes de Falun Gong font désormais face à la puissante machine répressive chinoise.

    Réalisation : François Reinhardt

    #Chine #politique #religion #Falun_Gong

    • Qu’est-ce Falun Gong

      Palmer David. La doctrine de Li Hongzhi [Le Falun Gong, entre sectarisme et salut universel]. In : Perspectives chinoises,n°64, 2001. pp. 14-24 ;
      https://www.persee.fr/doc/perch_1021-9013_2001_num_64_1_2604

      Le monde selon Falun Gong

      Certaines sectes dites du « Lotus Blanc » sont liées à des rébellions contre le pouvoir impérial, telles que les révoltes de Xu Hongru (1622), de Wang Lun (fin du XVIIIe siècle) et des Huit Trigrammes (1813) ; de ce fait, les sectes populaires ont souvent été victimes d’une dure répression.

      L’eschatologie sectaire est reprise par Li Hongzhi qui annonce que nous sommes dans la « période de la fin du Dharma » prophétisée par le Bouddha Sakyamuni, période qui s’accompagne d’une corruption morale sans précédent dans l’histoire. « Actuellement, l’univers subit un grand changement. Chaque fois que ce changement se produit, toute la vie dans l’univers se trouve dans un état d’extinction. [...] Toutes les caractéristiques et matières qui existaient dans l’univers explosent, et la plupart sont exterminés. [...]

      Un nouvel univers est alors créé par des Grands Illuminés d’un niveau extrêmement, extrêmement élevé... ». Ces extinctions suivent un phénomène cyclique qui se produit à chaque fois que la civilisation atteint un niveau de développement scientifique dépassant son niveau moral.

      Selon Li Hongzhi, il y a des centaines de milliers, voire de millions d’années, des civilisations au niveau matériel, technologique et artistique extrêmement avancé existèrent. Ce sont elles qui ont fabriqué la lune, ainsi que les pyramides, qui n’ont rien à voir avec l’Egypte. La morale de ces civilisations s’étant perdue, les « Eveillés » décidèrent de les exterminer. « En fait, c’est une culture préhistorique qui s’est engloutie au fond de la mer. Par la suite, la terre a connu des changements, il y a eu plusieurs déplacements de plaques continentales, [et les pyramides] ont refait surface ». Lors de l’apocalypse, toutes les sciences et techniques disparaissent, et la poignée de survivants doivent recommencer l’histoire de l’humanité à l’âge de pierre. La terre aurait ainsi déjà connu 81 exterminations de ce type.

      Une partie des vivants, humains ou autres, sont épargnés de l’apocalypse et envoyés sur d’autres planètes. Ces extra-terrestres veulent maintenant revenir sur terre. Leur arme : la science moderne, à l’aide de laquelle ils s’infiltrent dans les esprits des hommes. « Je vous le dis, le développement de la société actuelle est entièrement produit et contrôlé par des extra-terrestres ». La science est une religion avec son clergé de licenciés, de maîtres, de docteurs, de post-docto- rants et de directeurs de recherche.

      Mais contrairement aux religions transmises par les dieux, c’est une religion transmise aux hommes par les extra-terrestres afin de les contrôler. Ces extra-terrestres veulent faire des expériences sur les hommes et les enlèvent pour en faire des animaux domestiques sur leur planète. Ils se sont aperçus que l’homme possède un corps parfait, et veulent donc se l’approprier. En s’infiltrant dans les corps des hommes à travers la science, ils veulent se substituer à eux. Ils injectent leurs ’choses’ dans les molécules et cellules des humains, afin qu’ils deviennent esclaves des ordinateurs et des machines, jusqu’à ce qu’ils soient remplacés par les extra-terrestres.

      « Pourquoi les ordinateurs se développent-ils si vite ? Comment se fait-il que le cerveau humain soit soudain si actif ? C’est l’effet de la manipulation de la pensée humaine par les extra-terrestres. Ces derniers ont assigné un numéro de série à chaque humain capable d’utiliser un ordinateur ».

      Ce que cette religion apporte à ses fidèles

      Le Falun Gong assimila non seulement les choses propres à Monsieur Li Hongzhi et l’essence d’une, deux, voire plusieurs écoles, mais en réalité, [Li Hongzhi] détient toutes sortes de pouvoirs prodigieux de l’univers ; autrement dit l’essence de ces écoles se cristallise toute entière chez Monsieur Li Hongzhi ».

      Et alors ?

      La Force de Li Hongzhi est transmise à travers son livre, le Zhuan Falun, un livre « omnipotent », dont chaque mot contient une multitude de bouddhas, de taos, de dieux et de corps dharmiques de Li Hongzhi, qui apportent l’illumination au lecteur. Chaque fois que l’adepte lit le livre, son niveau de compréhension progresse vers un niveau supérieur, et il trouve des vérités nouvelles qui lui avaient échappé la fois précédente — révélations qui, pourtant, ne représentent qu’une petite fraction des connaissances du Maître.

      « Le Zhuan Falun a fortement secoué les milieux scientifiques et technologiques du monde entier ! » : il dévoile et explique des mystères auparavant jamais révélés à l’humanité. Les dieux supérieurs disent : « Tu as donné aux hommes une échelle vers le Ciel — Zhuan Falun ».

      Cela me rappelle le modèle d’affaires d’un ex-collègue qui disait : tous les matins un imbécile se lève, il suffit de le trouver pour faire fortune . Bien sûr son idée impliquait de transformer cet exploit en exercice quotidien afin de créer une armée de niais à son service.

      J’ai du mal à croire que de telles fantasmes soient prises pour autre chose que l’inspiration d’un scénario de film ésothérique.

      Le cinquième élément / bande d’annonce
      https://www.youtube.com/watch?v=7rzmiE-pESk

      The Fifth Element / Official Trailer
      https://www.youtube.com/watch?v=N5vSg2DA3CI

      On note que l’élément ésothérique du film de Besson est mis en avant dans la bande d’annonce de langue anglaise alors que la publicité francaise montre uniquement le côté film d’action au décor futuriste.

      Pour le momement j’ai l’impression que le Falun Gong est la version chinoise de la Scientologie. Je comprend qu’à travers les dimensions typiquement chinoises du phénomène le danger qu’il constitue est nettement plus important que la menace de la Scientoogie pour nos sociétés.

      Après être arrivè à cette conclusion je me penche sur ce texte :

      Résolution du Parlement européen du 12 décembre 2013 sur le prélèvement d’organes en Chine (2013/2981(RSP))
      http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+TA+P7-TA-2013-0603+0+DOC+XML+V0//FR&language=FR

      #cinéma #idéologie #sciences_fiction #sectes #apocalypse

  • Karkariya, la confrérie (secte) soufie marocaine qui enflamme l’Algérie cet été
    http://geopolis.francetvinfo.fr/karkariya-la-confrerie-secte-soufie-marocaine-qui-enflamme-l-a

    Les réseaux sociaux algériens n’en finissent pas d’être étonnés, partagés entre un fou rire contagieux et une indignation « patriotique ». Motif : des adeptes de la tariqa karkariya, reconnaissables à leur tenue bariolée, parcourent les villes de l’Ouest algérien.

    Un mot est venu enrichir, ces jours-ci, le vocabulaire algérien : karkari. Avant de définir l’idéologie, d’abord l’aspect extérieur. Un karkari est facilement reconnaissable grâce à sa muraqa’a, vêtement rapiécé multicolore. Et depuis quelques jours, les réseaux sociaux algériens s’enflamment pour ce phénomène. « Invasion », « intrusion », « diversion », les médias conservateurs bruissent d’indignation. En cause : des adeptes de la tariqa karkariya qui sillonnent les villes de l’ouest d’Algérie « qui menaceraient l’unité du pays ».

    Mais qu’est donc la Tariqa (Voie) karkariya ?
    Confrérie au Maroc, secte en Algérie, la tariqa karkariya repose entièrement sur son fondateur, cheikh Mohamed Fawzi al Karkari, originaire du Rif (Maroc). Né en 1974, l’homme (voir vidéo) réunit de nombreux adeptes.

    http://geopolis.francetvinfo.fr/sites/default/files/styles/asset_image_full/public/assets/images/2017/08/Karkariya-Maroc.png?itok=xXVP81Ls

    Le thème du moment en Algérie.

    #islam #sectes #soufisme #karkariya

  • Berliner Aussteiger: Warum ein junger Vater die Zeugen Jehovas verließ - Tagesspiegel
    http://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/berliner-aussteiger-warum-ein-junger-vater-die-zeugen-jehovas-verliess/20111338-all.html

    Ausstieg bei den Zeugen Jehovas - Oliver Wolschke
    https://www.oliverwolschke.de

    Wenn du selbst kein Zeuge Jehovas bist und auch sonst nur wenige bis gar keine Berührungspunkte mit mir persönlich oder mit der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas hast, dann erwartet dich hier vielleicht nur wenig, das dich interessieren oder gar mitreißen wird. Vieles von dem, was ich niedergeschrieben habe, ist bereits öffentlich und kommt bei anderen religiösen Institutionen ebenfalls vor.

    Ich schreibe hier über meine Zeit bei den Zeugen Jehovas, wie ich ins Zweifeln kam und welche Informationen letztendlich dazu geführt haben, dass ich den Schritt raus wagte. Ich musste raus, es gab keine andere Option. Du wirst erfahren, dass es nicht leicht ist, die Zeugen Jehovas zu verlassen, auch wenn die Organisation selbst den Austritt als eine formelle Angelegenheit beschreibt. Doch dabei vergessen sie meiner Meinung nach den Menschen selbst, wie er fühlt, was er sich aufgebaut hat und wie viel im Leben eines Menschen dabei zerstört werden kann.

    Für wen schreibe ich hier? Ich glaube, dass ich in erster Linie für mich ganz persönlich geschrieben habe. Es ist eine Aufarbeitung der Dinge, die meine Familie und ich während und nach dem Ausstieg erlebten. Zum anderen schreibe ich für die Menschen, die uns kannten, die immer noch ein Teil der Organisation sind. Ich möchte diese Menschen, unabhängig von dem, was sie vielleicht per „Stille Post“-Prinzip erfahren haben, darüber informieren, warum wir als Familie ausgetreten sind. Außerdem möchte ich besonders unsere Freunde, die selbst Kinder haben, auf ein Problem hinweisen, das ihren Kindern zu einer Gefahr werden könnte. Besonders weil die Verantwortlichen, aus meiner Sicht, nicht genügend für Aufklärung sorgen.

    #religion #sectes #apostasie

  • Jim Jones, Jonestown, and People’s Temple : « Father Cares, » 1981 NPR radio documentary / Boing Boing
    http://boingboing.net/2008/11/19/jamestown-30-years-l.html


    Parfois on oublie à quel point les reortages radio peuvent être impressionnants. Voilà un exemple où ce format montre toute sa puissance.
    https://www.youtube.com/watch?v=6AkBaqnXlQw

    Radio documentary that utilized taped recordings found at the Jonestown settlement after the mass suicide of the followers of Jim Jones. This was put together by Noah Adams and James Reston Jr. to promote Mr. Reston’s newly released book; Our Father Who Art In Hell. Wikipedia says this aired in 1983 but I’m 90% certain this aired in ’81.

    While there is some strong language, this show was tastefully done and the tape recordings of actual suicides is not used. The narrator does recreate Jonestown’s final hours, however. If you must hear the actual tape, there’s several copies elsewhere on YouTube. The credits at the end of the program are missing. I ran out of tape. But, as far as I know, aside from the end credits, this is the show in its entirety.

    I apologize for the quality of the audio. Please understand that this was made using 35 year old cassette tapes. I maximized the volume and put them through an equalizer but the last half hour has a muffled sound to it that I was unable to make clearer.
    While this documentary is absorbing, I cannot recommend Mr. Reston’s book. I slogged my way through and found it very disappointing. Apparently James Reston Jr. is incapable of writing a book that does not go on and on about
    ...well, James Reston Jr.

    There are many books about Jim Jones but most are poorly written. Some were written by well meaning people who didn’t know how to write a book. Some were published to capitalize on the tragedy (one such book was written by a reporter while he was still in the hospital recovering from his bullet wounds). Some are outright hoaxes (don’t waste your time with any book that claims to have been written by the ’sole survivor’. There were many survivors). The only book on the subject that I can recommend is Raven by Tim Reiterman. It’s the only book that I’ve found so far that is by someone that knows how to write and bothered to do some in-depth research.

    #religion #sectes #USA #histoire #radio

  • « Marchands du temple. Et nous passons allègrement des religions aux sectes ! L’Église de Scientologie est réputée pour faire un usage très agressif de la marque déposée sur son nom, notamment pour faire taire les critiques dont elle est souvent l’objet. Mais en Russie, cette utilisation de la propriété intellectuelle s’est retournée contre elle. En effet, la justice russe a ordonné la dissolution de l’Église de Scientologie dans le pays : elle a en effet considéré que puisque cette organisation avait déposé une marque de commerce sur son nom, elle devait être considérée comme une société commerciale et non comme une organisation religieuse, pouvant se prévaloir de la liberté de culte. »- Copyright Madness.

    Moscow court bans Church of Scientology over ‘irreligious’ trademark restrictions — RT News
    https://www.rt.com/news/323206-russia-church-scientology-banned

    Moscow City Court has ordered the dissolution of the local branch of the Church of Scientology, ruling that religious freedom must not be restricted by trademarks. Scientologists vowed to appeal the alleged “anti-religious” abuse of their worshipers’ rights.

    The Russian Ministry has argued that the since the term Scientology is registered as a US trademark, the Church cannot be considered a religious organization, RIA Novosti news agency reported.

    “The representatives of the Church of Scientology themselves have created many legal conflicts by restricting the religious freedom through the use of trademarks,” the Ministry of Justice said. “So it turns out a commercial partnership was spreading the religion, while religion can only be spread by religions organizations,” the ministry said, adding that the organization should rather be regulated by consumer protection laws.

    Now the Moscow branch of the Church of Scientology has six months to officially cease activity in the Russian capital under the court’s ruling. However, the organization plans to appeal the Moscow court’s ruling in High Court as it, they claim, violates the rights of its parishioners in Russia.

  • « Solweig Ely a publié son témoignage, en 2011, dans un livre, Le silence et la honte, où elle raconte les dérives sectaires et les actes de pédophilie, dont elle a été victime au sein de la communauté des Béatitudes. Elle revient aujourd’hui sur le processus de manipulation qui s’opère dans ce genre d’embrigadement religieux. »

    http://journaleuse.com/2015/02/08/on-a-tous-une-faiblesse-solweig-ely-victime-de-secte

    #sectes #religion #Béatitudes

  • #Crétins_durs
    http://reflets.info/cretins-durs

    Il semble bien que les élections #Municipales fassent couler de l’encre. Beaucoup d’encre. Les analyses politiques fusent. Les plateaux télé se succèdent, avec leurs cortèges de politiciens. Et qu’en retire-t-on ? Pas grand chose. Une seule certitude : la population se sent de moins en moins concernée par les élections, quelles qu’elles soient. A l’heure […]

    #A_la_Une #Politique #Tribunes #droite #Gauche #Sectes

  • #Irak : la #sécurité dans le #jeu des #escrocs
    http://www.argotheme.com/organecyberpresse/spip.php?article1732

    Un #pays à la merci de toutes les dérives.

    Le #déchaînement de la #violence #islamiste sur fond #ethnique , des #sectes en plein déchirement, est le nouveau #régime et #climat que subissent les #irakiens . Mais aussi la #corruption et toutes les #crises imaginables pour détériorer un pays et un #peuple qui espèrent encore la #démocratie .
    La #chute de #SaddamHussein en Irak, sur de fausses #accusations , fut la première démonstration de remise en ordre de systèmes #républicains dans le #mondearabe. Ce retour précurseur à l’alternance au pouvoir, ouvre grande la (...)

  • Le juteux marché du #coaching
    http://www.charlatans.info/coaching.php

    C’est donc dans la plus prestigieuse école de commerce française que prospèrent ces formations au coaching ayant vu passer des centaines de participants. Disons-le clairement, plusieurs coachs certifiés par HEC, qui se présentent eux-mêmes comme des voyants ou des cartomanciens, sévissent aujourd’hui dans les plus grandes entreprises et au plus haut niveau dans les administrations. Il serait urgent qu’un assainissement du marché du coaching soit mené, car les budgets formations contribuent à financer ces étranges enseignements.

    Inutile de préciser que les coachs se lançant seuls dans la profession, tout comme ceux passés par d’obscurs organismes de formation, moins luxueux et visibles qu’HEC, n’offrent pas davantage de garanties. Non seulement les connaissances et les apports des coachs sont souvent fumeux, mais nombre d’entre eux versent dans l’ésotérisme. Et là, les dangers sont réels. Recourir à des coachs, c’est se retrouver confronté à quelqu’un qui a plus de chances qu’un autre d’être très sensible au message des gourous et des sectes. La présence du coach au plus près du dirigeant, et parfois de la femme du dirigeant (car on coache les « premières dames »), la pratique de stages en résidentiel (où les managers sont regroupés pour plusieurs jours) sont autant d’occasions propices au prosélytisme et à la manipulation.

    Les #sectes les plus diverses ont envahit le marché de la formation, du développement personnel et du coaching10. L’Eglise de Scientologie aurait en France une cinquantaine de sociétés, dont une majorité est positionnée dans le conseil, la formation, le recrutement, le coaching, l’informatique.

    Les coachs représentent un cout non négligeable pour les entreprises et les administrations, et leurs interventions font courir un risque à ceux qui les sollicitent. Les sectes ont trouvé dans le marché du coaching un excellent cheval de Troie pour infiltrer le monde du #travail. Les pouvoirs publics et la Société française de coaching elle-même ont tenu à alerter sur ces risques sectaires en février 2012. La MIVILUDES (Mission interministérielle de vigilance et de lutte contre les dérives sectaires) attire l’attention sur « un domaine de la vie professionnelle plus particulièrement ciblé par les organisations à caractère sectaire : c’est celui de la gestion des ressources humaines qui comprend le management des personnes et la formation professionnelle »

    • Ha, ce n’est pas comme si le marché de la formation continue n’était pas, comme celui des agendas21 et autres merdouilles normatives, un paradis à rétro-commissions et financements politiques occultes.

      Soyons clairs : si la formation continue fonctionnait correctement en France, ce serait un secteur industriel organisé avec ses géants, ses petites boîtes agressives, bref, du bon capitalisme idéal comme dans les jolies histoires à France Inter. Mais non. Guess why.

    • Par contre en ce qui concerne le « coaching », dans la petite boite où je bosse (je suis un des dirigeants), ça nous a bien aidé à diriger collégialement l’entreprise sans trop se taper dessus. Depuis on a ouvert la démarche aux collaborateurs, sur la base du volontariat et en garantissant le secret des échanges. En terme de management c’est vraiment un plus. On est content de notre coach, elle a des valeurs proches de notres et ne semble pas illuminée ni contaminée par des pensées sectaires.

      Bon sinon en France, le mot « management » est un peu gros mot, et coaching fait aussi un peu vulgaire. Il y a une sorte de consensus pour rester crispé sur sur une vision aride des structures hiérarchiques, élitistes et aliénantes datant des ministères d’après-guerre, qui permet à l’activité syndicale de faire bonne figure. Cela permet aux salariés de vendre ses services à son employeur, en restant dans une logique de résistance, et non de collaboration avec le méchant employeur. Cela donne l’impression de refuser toute compromission avec le capitalisme. Mais le maintien de cette culture conflictuelle, quasiment folklorique fait sans doute plus de dégâts qu’elle n’en évite. Et voilà pourquoi ma préoccupation actuelle consiste à dégager la logique capitaliste de l’entreprise.. (c’est pas que pour ça d’ailleurs, mais au moins j’ai un argument qui correspond bien à l’intérêt de l’entreprise et non pas à mes seules orientations idéologiques personnelles :-)

  • Salut à Toi ! (#Sectes politiques : the end…) | Yovan Menkevick
    http://reflets.info/salut-a-toi-sectes-politiques-the-end

    Comme les commentaires d’une certaine partie de la netosphère ont afflué pour s’indigner de ces pauvres et misérables écrits traitant de la politique française, écrits qui vilipandaient les figures de la rébellion politique en carton-pâte qui sévit sur la dite sphère du « ouaibe » (commentaires plus passionnants les uns que les autres, il faut bien l’avouer) [...]

  • Les sectes politiques et leurs gourous : Soral, Asselineau, Chouard | Yovan Menkevick
    http://reflets.info/les-sectes-politiques-et-leurs-gourous-soral-asselineau-chouard

     Ca commence à lasser sérieusement d’avoir, à chaque article qui traite de politique ou d’économie, les commentaires enflammés des soutiens de certains « courants politiques » plus ou moins obscurs. Comme à chaque fois que la situation est bloquée, la corruption à son plus haut niveau, des sauveurs se pointent, avec des analyses et des solutions [...]

    #France #Politique #featured #ni_droite_ni_gauche #opportunistes_politiques #politique_pour_les_bœufs #populisme #populistes #sectes_politiques #solutions_simplistes #sortie_de_l'euro #sortie_de_l'UE #souverainisme #souverainistes