Les grands intellectuels ont toujours constitué des pierres précieuses pour les puissants qui échangent encore de nos jours protection et alimentation contre réputation et plaisir intellectuel. Le Tasse, Voltaire et Chomsky brillent dans les vitrines des puissants et leur garantissent l’éternité que la science médicale ne leur a toujours pas rendue accessible.
Que les brillants esprits par contre au moment de la fin inévitable sombrent dans la folie ou jouissent de leur célébrité, peu importe. Nous leurs sommes reconnaissants de pouvoir monter sur leurs épaules d’où la vue sur le monde est dégagé des nuages aux étages inférieurs.
28.2.2026 von Florian Rötzer - Der Linguist, linke Intellektuelle und Medien-, Kapitalismus- und Machtkritiker Noam Chomsky hatte, wie jetzt bekannt wurde, auch mit Jeffery Epstein engere Kontakte, obgleich dieser 2008 wegen Anstiftung zur Prostitution von Minderjährigen verurteilt worden war. Er ließ sich nicht nur von Epstein einladen, bekannt wurde das Foto, das ihn mit Epstein in dessen Privatflugzeug zeigt, sondern stand im Email-Austausch mit ihm und stellte sich hinter Epstein und gegen die „hysterischen Anschuldigungen“, die gegen diesen vorgebracht wurden.
War auch der von vielen gefeierte Intellektuelle eine gespaltene Persönlichkeit, ein Dr. Jekyll and Mr. Hyde? Kann man niemanden mehr vertrauen? War Chomsky, das linke Idol von vielen, auch nur ein erbärmlicher Prominenter, der unbedingt in den Kreisen der Reichen und Mächtigen sein und von diesen anerkannt sein wollte, auch und gerade weil er vorgab, diese zu kritisieren?
Chomsky – von Jacobin 2024 als „moralischer Gigant“ gefeiert – ist jetzt 96 Jahre und seit 2023 nach einem schweren Herzinfarkt kann er nicht mehr laufen und kommunizieren. Alles, was jetzt über ihn gesagt und geschrieben wird, geht über ihn hinweg, weil er dazu nichts mehr sagen kann. Seine Frau Valerie Wasserman entschuldigte sich auch für ihn und gibt dabei vor, von Epsteins Machenschaften nichts gewusst zu haben: „Es war für uns beide zutiefst beunruhigend zu erkennen, dass wir uns auf jemanden eingelassen hatten, der sich als hilfsbereiter Freund präsentierte, aber ein geheimes Leben voller krimineller, unmenschlicher und perverser Handlungen führte.“
Das ist schon deshalb irritierend, weil Chomsky durchaus Kenntnis von den Anschuldigungen hatte und Epstein noch 2019 in einer Email riet: „Ich habe mit angesehen, wie schrecklich Sie in der Presse und in der Öffentlichkeit behandelt werden. Es tut mir weh, das zu sagen, aber ich glaube, das Beste ist, es zu ignorieren.“ Dabei verglich er die Vorwürfe gegen Epstein mit den Beschimpfungen, die er erhalten hatte. Epstein schrieb er: „Das ist ärgerlich, aber das ist der beste Weg.“ Die Email wurde wohl im Februar 2019 verschickt, einige Monate vor der Verhaftung von Epstein. Dem WSJ sagte Chomsky 2023, Epstein sei verurteilt worden, habe seine Strafe verbüßt und habe jetzt wieder eine „weiße Weste“.
Wahrscheinlich wollte er sich damit bei Epstein einschmeicheln, zumal über diesen auch Geld an ihn geflossen ist. Zudem scheint es eine Männerangelegenheit zu sein, das Thema Missbrauch an Frauen und Minderjährigen übertrieben zu finden. Es sind nur „Geier“, die nach Aufmerksamkeit suchen: „Das gilt insbesondere jetzt angesichts der Hysterie, die sich um den Missbrauch von Frauen entwickelt hat und die so weit gegangen ist, dass schon das Infragestellen einer Anschuldigung als ein Verbrechen gilt, das schlimmer ist als Mord.“
Jeffrey Epstein mit Begleitung. Bild: House Oversight
Nun kann man fragen, ob der kritische Intellektuelle von dem reichen und super vernetzten Investmentbanker und Lebemann (und Sexualstraftäter) so beeindruckt war, dass kritisches Denken bei ihm ausfiel? Waren er und seine Frau also so naiv, auch nicht die Möglichkeit zu sehen, dass der verurteilte Epstein tatsächlich Frauen und Mädchen missbrauchte und damit auch eine sexgetriebene und verschworene Gemeinschaft schuf? Angeblich hat sich Epstein als Philanthrop mit Interesse an Wissenschaft vor Chomsky ausgegeben, als diese sich 2015 erstmals getroffen haben.
Valerie Wasserman stellt nun Chomsky und sich selbst als naive Trottel hin, die sich von Epstein haben einseifen oder mit Geschenken, Geldüberweisungen und Aufmerksamkeit haben kaufen lassen: „Epstein begann, Noam zu umgarnen, schickte ihm Geschenke und schuf Gelegenheiten für interessante Gespräche über Themen, mit denen sich Noam intensiv beschäftigt hatte“, schrieb sie. „Wir bedauern, dass wir dies nicht als Strategie erkannt haben, uns zu verführen und die Anliegen, für die Noam eintritt, zu untergraben.“
So viel Naivität und Gutgläubigkeit kann man nicht wirklich glauben. Wenn dies zuträfe, könnte das auch Chomskys Werk beeinträchtigen, da auch hier dann die kritische Distanz in manchen Hinsichten fehlen könnte. Auffällig ist, was nicht nur unter Eliten herrscht, ein Schweigen über moralische Verfehlungen. Man will ja nicht Spielverderber sein und ausgestoßen werden.
Wir wissen trotz der Emails nicht, was Epstein und Chomsky besprochen und gemacht haben, wenn sie sich zu zweit, mit seiner Frau oder in Kreisen mit anderen Männern wie Woody Allen, Steve Bannon oder mit Ehud Barak, dessen Regierung Kriegsverbrechen begangen hat, getroffen haben. Er hat Epstein in seiner Wohnung in Manhattan besucht und wohl auch Epsteins Wohnungen in Manhattan und Paris benutzt. In einer Email schrieb er, er „träume von der Karibikinsel“ Epsteins. Einige Emails in den Epstein Files von Noam Chomsky an seine Frau und Kinder sind auch völlig eingeschwärzt. Die meisten behandeln die Hilfe, die Epstein den Chomskys bei Finanz- und Steuerangelegenheiten geleistet hat.
„Chomsky ist für uns als Autor nicht mehr tragbar“
Was aber macht man jetzt mit einem Mann, den man als kritischen Intellektuellen über Jahrzehnte geschätzt hat, und der nun in die Falle wie andere Männer ging oder wegen eigener Interessen über Kriminelles und sexuelle Gier und Gewalt hinwegsah? Der deutsche linke Unrast Verlag, der einige Bücher von Chomsky veröffentlicht hat, will nun diese nicht mehr vertreiben und hat sich mit der Ankündigung auf jeden Fall schon Medienöffentlichkeit erworben. Anlass sei, so der Verlag, „die Nähe Noam Chomskys zu Jeffrey Epstein“. Damit wäre man bei einer Kontaktschuld, die verstärkt wird durch die Versuche Chomskys in den Mails, Epstein zu schützen: „Als linker Verlag, der sich für eine gerechte Welt und gegen Frauenhass und patriarchale Gewalt einsetzt, ist Chomsky für uns als Autor nicht mehr tragbar“, schreibt die Verlagsleitung. Das ist billig, ein durchschaubarer Versuch, sich eine reine moralische Weste überzuziehen und den wirklichen, komplizierteren Fragen aus dem Weg zu gehen, die nicht nur aus Schwarz und Weiß, Verdammnis oder Preisung bestehen.
Der Kölner Stadt-Anzeiger mischt mit an der Verdammung, womit man auch die politischen Positionen Chomskys auf den Müll werfen kann: „Die Schere zwischen hochmoralischen Forderungen – ‚Die Verantwortung des Intellektuellen‘ hieß einer seiner frühen Artikel – und rücksichtsloser Vorteilsnahme ist zu groß. Seine Ideen sind farblos geworden, sinnentleert. Jetzt werden sie schlafen gelegt. Es bleibt die Wut.“ Von der rechten Seite wird die Verurteilung der Person und des politischen Autors gerne betrieben, um linke Kritik zu entsorgen.
„Die Enthüllungen über Epstein und Chomsky dürften das letzte Kapitel der Schande für den viel zu hochgelobten Linguisten und späteren politischen Kommentator bedeuten. Er hatte eindeutig eine Schwäche für Schmeicheleien und Gefälligkeiten. Und da diese von Epstein stammten, stellt dies sein Urteilsvermögen ernsthaft in Frage“, heißt es beispielsweise in Kennedys and King Home, wo man Chomsky auch klein machen will und vom „Todesstoß für seine stark überschätzte Position in der progressiven Gemeinschaft“ spricht.
Müssen Linke also nun die Bücher von Chomsky aus den Regalen räumen, in den Giftschrank stellen oder zum Altpapier bringen, weil die Inhalte Epstein-verseucht sind? Ist die Nähe zu Epstein ansteckend wie ein Virus? Gibt es bei Chomsky Frauenhass und patriarchale Gewalt? Sicher, Chomsky und seine Frau waren naiv oder haben weggesehen, sich vielleicht auch bestechen lassen. Aber sollten deswegen Chomskys Gedanken nicht mehr rezipiert werden, wie der Unrast Verlag es macht, der zwar zur eigenen Weißwaschung der Cancel Culture frönt, aber nicht erklärt, warum die Inhalte der von ihm verlegten Bücher, die weder mit Epstein noch mit Sexualität zu tun haben, verpönt sein sollen. Zudem soll Chomsky erst seit 2015 Epstein kennengelernt haben. Sollte die Verurteilung aufgrund von Kontaktschuld, so man sie denn machen will, schon auf alles auswirken, was Chomsky zuvor gesagt und geschrieben hat?
Man kann Chomsky verurteilen, mit Epstein über längere Zeit hinweg in Kontakt gestanden und sich nicht explizit von ihm distanziert zu haben, man darf skeptisch sein, ob die Chomskys tatsächlich nichts von den „kriminellen, unmenschlichen und perversen Handlungen“ Epsteins gewusst haben, aber wirkt sich das aus auf die Kritik am amerikanischen Imperialismus, am Vietnamkrieg und an anderen Kriegen, an den Strukturen der Massenmedien, an der Politik von Trump oder gar auf seine generative Transformationsgrammatik?
Es ist immer falsch, Menschen zu idealisieren und zu Heroen zu machen. Chomsky kann man als Person verurteilen, dennoch sind nicht alle seine Ideen kontaminiert. Welche es sein könnten, müsste man erst einmal herausarbeiten. Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, Autor und Werk nicht gänzlich zu verschmelzen. Das gilt auch für andere verfemte Menschen. Ich jedenfalls lasse Chomskys Bücher in meiner Bibliothek, auch wenn ich die Person skeptischer sehe, und hoffe auch, dass dem Beispiel des Unrast Verlags nicht weitere Verlage folgen werden.