• Berlins berühmteste DDR-Ruine verschwindet – hier sollen mehr als 1000 Wohnungen entstehen
    https://www.berliner-zeitung.de/article/berlins-beruehmteste-ddr-ruine-verschwindet-hier-sollen-mehr-als-10

    Wie alles anfing - die Völkerfreundschaft mit Vietnam wurde in der DDR gelebt auch von der Familie. Immer wieder wurde gesammelt, Päckchen und wertvolle Pakete gesnd. Nach einiger Zeit waren Freundschaften entstanden und es bedurfte keiner stastlichen oder politischen Intervention., um sie zu pflegen Nach 1989 folgten schwierige Zeiten, weil die BRD die nun unerwünschten Ausländer loswerden wollte.

    Dass sie blieben ist heute eine große Bereicherung für unsere Gesellschaft. Aus diesem Grund ist das Verschwinden der Vertragsarbeitersiefdung ein Verlust eigener Geschichte.

    13.7.2026 von Oliver Weinlein - An der Gehrenseestraße in Alt-Hohenschönhausen wird der bekannte Lost Place abgerissen – die DDR-Vertragsarbeitersiedlung. HOWOGE plant über 1.000 Wohnungen.

    An der Gehrenseestraße in Alt-Hohenschönhausen stehen die ersten Bagger. Nach mehr als zwei Jahrzehnten Leerstand hat der Abriss der bekannten DDR-Vertragsarbeitersiedlung begonnen.

    Auf dem Gelände in Lichtenberg soll ein neues Quartier mit mehr als 1.000 Wohnungen entstehen – dazu eine Schule, Kitas und Gewerbe. Das Projekt trägt den Namen „Gehrenseehöfe“.
    Der Verfall täuscht: Hinter dem Bauzaun geht es los

    Wer heute an der Gehrenseestraße vorbeikommt, sieht Ruinen. Fenster und Türen fehlen, Graffiti bedecken die Fassaden, Büsche und junge Bäume haben das Areal zurückerobert.

    Der sichtbare Verfall täuscht jedoch über die laufenden Arbeiten hinweg. Am östlichen Rand des Geländes werden bereits erste Gebäudeteile entfernt.

    Dort soll zuerst eine Schule entstehen. Geplant ist eine sogenannte 2-in-1-Schule mit Sporthalle auf dem Dach. Nach den bisherigen Planungen soll sie 2028 fertig werden und zum Schuljahr 2028/29 öffnen.

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    Blick über das Areal an der Gehrenseestraße: Neun leerstehende Plattenbauten prägen den Lost Place in Alt-Hohenschönhausen. Hier plant die HOWOGE ein neues Quartier. © Jörg Carstensen/Imago
    Mehr als 1.000 Wohnungen zwischen Gehrensee- und Wollenberger Straße

    Auf dem über 6,3 Hektar großen Areal planen die landeseigene HOWOGE und der private Partner Belle Époque ein Hof- und Hochhausquartier. 274 Wohnungen übernimmt die HOWOGE selbst, die Hälfte davon öffentlich gefördert.

    Vorgesehen sind Ein- bis Fünfzimmerwohnungen mit barrierefreien Zugängen. Hinzu kommen rund 4.900 Quadratmeter Gewerbefläche.

    Das städtebauliche Konzept stammt von MLA+ Architecture und Atelier Loidl. Es orientiert sich an klassischen Berliner Wohnhöfen mit geschützten Innenbereichen und einzelnen höheren Gebäuden.

    Neben den Wohnungen sollen zwei Kitas, Spielplätze, Läden und Angebote für Studierende, ältere und pflegebedürftige Menschen entstehen. Auch Flächen für soziale, kulturelle und medizinische Nutzungen sind eingeplant.
    Vom Vertragsarbeiterheim zum Lost Place

    Das Gelände ist mehr als eine Brache. Es ist ein Stück DDR-Geschichte, das lange dem Vergessen preisgegeben war.

    Der Komplex entstand zwischen 1977 und 1980, zunächst als Unterkunft für Bauarbeiter der großen Neubaugebiete im Berliner Osten. Ab 1982 zogen Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeiter aus Vietnam, Mosambik, Angola und Kuba ein.

    In neun sechsgeschossigen Blöcken lagen rund 1.000 kleine Wohneinheiten. Die Gehrenseestraße wurde zum größten Wohnstandort der vietnamesischen Gemeinschaft in der DDR. Grundlage war das Regierungsabkommen zwischen der DDR und Vietnam vom 11. April 1980.

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    Blick aus dem Wohnheim Gehrenseestraße, 1998: Ein vietnamesischer Vertragsarbeiter schaut über die damals noch bewohnten Plattenbauten in Alt-Hohenschönhausen. Er kam 1987 in die DDR – nach der Wende wurde die Existenz vieler Vertragsarbeiter prekär. © Imago / Christian Ditsch

    Die Bedingungen waren beengt. Häufig teilten sich drei bis vier Menschen ein Zimmer von rund 16 Quadratmetern, Küche und Sanitärräume wurden gemeinsam genutzt.

    Integration in die Stadtgesellschaft war nicht vorgesehen. Von rund 60.000 vietnamesischen Vertragsarbeitern in der DDR blieben etwa 16.000 nach der Wende – Lichtenberg gilt bis heute als Zentrum der vietnamesischen Community in Deutschland.

    Nach 1990 dienten die Häuser als Unterkunft für Geflüchtete aus dem ehemaligen Jugoslawien, für Spätaussiedler und Asylsuchende.

    2003 endeten die letzten Mietverhältnisse. Danach standen die Blöcke leer, wurden entkernt und verfielen. Mehrere Eigentümerwechsel und gescheiterte Planungen zogen die Entwicklung über Jahre hin.

    Warum der Wohnungsbau erst 2028 beginnt

    Der Teilabriss bedeutet noch nicht, dass die Wohnungen unmittelbar gebaut werden. Für den südlichen Bereich läuft weiterhin das Bebauungsplanverfahren 11-165.

    Nach Angaben des Berliner Senats stehen unter anderem eine erneute Behördenbeteiligung, städtebauliche Verträge, die öffentliche Auslegung und der politische Beschluss noch aus. Erst danach folgen die konkrete Gebäudeplanung und das Genehmigungsverfahren.

    Die HOWOGE nennt Oktober 2028 als Baubeginn und September 2032 als Fertigstellung ihres Bauabschnitts. Bis dahin sollen auch Teile der Wollenberger und der Gehrenseestraße umgebaut werden.

    Mit dem Abriss beginnt nun die schrittweise Neuordnung eines Areals, das über 20 Jahre ungenutzt blieb.

    #Berlin #Alt-Hohenschönhausen #Gehrenseestraße #Stadtentwicklung #DDR #Geschichte #Vietnam #Migration #Vertragsarbeiter

  • Kauperts Straßenverzeichnis von Berlin online bei archive.org, letzte Ausgabe 12/2025
    https://web.archive.org/web/20251204013557/https://m.kauperts.de/Strassenverzeichnis

    Leider unvollständig archiviert, nur zu Vergleichszwecken tauglich um andere Quellen zu überprüfen, Archivzugang zu umständlich für die tägliche Arbeit.

    Die Links aus Openstreetmap / OsmAnd zu Wikipedia sind u.U. hilfreicher.

    https://osmand.net

    #Berlin #Straßenumnenennung #Stadtführer #Kaupert #Geographie #Stadtentwicklung #Geschichte

  • Raketen an der Fassade: Was aus dieser DDR-Schule in Berlin jetzt wird
    https://www.berliner-zeitung.de/article/raketen-an-der-fassade-was-aus-dieser-ddr-schule-in-berlin-jetzt-wi

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    Physikunterricht an einer Polytechnischen Oberschule in der DDR (Archivbild). In der Sewanstraße 43 lernten Schüler bis 1996 an der POS „Artur Paczinsky“.

    3.7.2026 von Oliver Weinlein - Wo einst DDR-Schüler paukten, entsteht ein Treffpunkt für den Kiez: Die Kultschule in Lichtenberg wird für 15,6 Millionen Euro saniert.

    An der Fassade fliegen noch die Raketen. Sonne, Kosmos, Zukunftsoptimismus – das Wandbild an der Sewanstraße 43 stammt aus einer Zeit, in der Ost-Berlin den Weltraum eroberte, zumindest an Schulwänden. Jetzt wird das Haus dahinter für 15,6 Millionen Euro fit gemacht. Nicht für Kosmonauten, sondern für den Kiez.

    Die Kultschule in Lichtenberg geht in die nächste Bauphase. Ab Juli 2026 sind die Bauteile B und C dran: rund 1550 Quadratmeter, dazu ein Anbau und eine Aufstockung. Kostenpunkt laut Bezirksamt: etwa 6,4 Millionen Euro.

    Hans Loch, Sewansee und eine Schule namens Paczinsky

    Der Bau selbst ist ein Stück DDR-Geschichte in Serie. Zwischen 1962 und 1964 entstand die Anlage im damaligen Hans-Loch-Viertel – nach dem Schulbautyp SVB, wie ihn die Republik dutzendfach hochzog. Das Viertel war Ost-Berlins erste große Neubausiedlung nach dem Krieg, benannt nach dem ersten DDR-Finanzminister. Ein Finanzminister als Namenspatron für 15.000 Bewohner – so etwas leistete sich nur die DDR.

    1992 verschwand Hans Loch aus dem Stadtplan, die Straße heißt seither nach dem Sewansee in Armenien. Geblieben ist die Schule. Zu DDR-Zeiten lernten hier die Kinder des Viertels in der Polytechnischen Oberschule „Artur Paczinsky“. 1996 war Schluss, die Schülerzahlen waren eingebrochen.

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    Das Hans-Loch-Viertel auf einer DDR-Postkarte: Zwischen 1961 und 1966 entstand hier Ost-Berlins erste große Neubausiedlung – mittendrin der Schulbau in der heutigen Sewanstraße. © Imago

    Kita blieb offen – mitten auf der Baustelle

    Statt Leerstand kam Leben: Seit den 2000er-Jahren teilen sich Kita, Kinderchor, Jugendklub, Beratungsangebote und eine ehrenamtliche Fahrradwerkstatt das Haus. Genau diese Mischung wird jetzt neu sortiert.

    Bauteil A ist bereits fertig – rund 4200 Quadratmeter für 6,9 Millionen Euro, saniert in zwei Abschnitten. Bemerkenswert dabei: Die Kita blieb während der gesamten Bauzeit geöffnet. Wer je mit Kleinkind und Bohrhammer unter einem Dach gelebt hat, ahnt, was das bedeutet.
    Café, Bühne, Barrierefreiheit: So soll es 2029 aussehen

    Auch draußen tut sich was. Der erste Abschnitt der Freianlagen soll bis zum 7. Juli 2026 fertig sein, insgesamt fließen rund 2,3 Millionen Euro in die Außenflächen. Geplant sind ein Vorplatz mit Café und Terrasse, ein offener Durchgang zum Hof und eine Bühne für Veranstaltungen.

    Dazu kommen energetische Sanierung, Barrierefreiheit und komplett neue Gebäudetechnik. Ende 2028 oder Anfang 2029 soll alles fertig sein. 2,5 Millionen Euro steuert der Bund bei.

    Dann steht in Friedrichsfelde ein Haus, das drei Leben hinter sich hat: DDR-Oberschule, Übergangsort, Kieztreffpunkt. Die Raketen an der Fassade dürfen bleiben. Sie zeigen ohnehin längst nicht mehr in den Kosmos, sondern auf das, was aus solchen Orten werden kann.

    #Berlin #Lichtenberg #Sewanstraße #Hans-Loch-Straße #Straßenumbenennung #Stadtentwicklung #Schule

  • Erbe der DDR-Bautechnik: Warum im Berliner Osten jetzt die Brücken wackeln
    https://www.berliner-zeitung.de/article/erbe-der-ddr-bautechnik-warum-im-berliner-osten-jetzt-die-bruecken-

    Vergessen wir mal das DDR-Gequatsche. Brücken und Straßen in ganz Deutschland müssen erneuert werden. Wir brauchen nicht mehr davon sondern bessere für weniger Verkehrsteilnehmer. Allein deren Zahl kann nur reduziert werden, in dem die Bahn wieder eine Angelegenheit aller, also des Staates wird, preiswert für Reisende und massiv ausgebaut wird.

    Das wird so schnell nicht passieren, also sind weitere Katastropen und Verkehrseinschränkungen vorprogrammiert.

    2.7.2026 von Oliver Weinlein - Hennigsdorfer Spannstahl rostet unbemerkt im Beton: Warum vor allem Ost-Berlins Brücken bröckeln – und wo bis 2040 am meisten gebaut wird.

    Berlin steht vor einer gewaltigen Infrastrukturaufgabe. Innerhalb von 15 Jahren sollen 175 marode Brücken durch Neubauten ersetzt werden, weitere 125 werden in größerem Stil instand gesetzt. Das geht aus dem Masterplan Brücken 2025–2040 hervor, den der Senat beschlossen hat.

    Der Osten Berlins ist besonders betroffen. Und ein Bezirk sticht heraus.
    Marzahn-Hellersdorf liegt vorn – mit deutlichem Abstand

    29 Brückenbauwerke stehen in Marzahn-Hellersdorf auf der Liste, mehr als in jedem anderen Bezirk. Das liegt vor allem an den großen Verkehrsachsen: Entlang der Märkischen Allee, der Landsberger Allee und am Marzahner Knoten reiht sich Ingenieurbauwerk an Ingenieurbauwerk.

    Gerade der Marzahner Knoten gilt als Sorgenkind. Dort treffen Bahntrassen, Straßenbahnanlagen und Rampen aufeinander, einige Bauwerke sind in schlechtem Zustand. Die Senatsverwaltung will den gesamten Kreuzungsbereich neu ordnen.

    Auf Platz zwei folgt Treptow-Köpenick mit 24 Projekten. Dort sorgt vor allem die Lange Brücke für Diskussionen: Sie verbindet die Köpenicker Altstadt mit der Köllnischen Vorstadt und soll durch einen Neubau ersetzt werden. Die Erinnerung an die Wuhlheide-Brücke sitzt im Bezirk noch tief – sie wurde im vergangenen Jahr praktisch über Nacht ersatzlos abgerissen.

    Das Ranking der Bezirke im Überblick

    Hinter Marzahn-Hellersdorf (29 Projekte) und Treptow-Köpenick (24) folgen Mitte und Pankow mit jeweils 23 Brückenprojekten. In Pankow stehen unter anderem die Schönhauser-Allee-Brücke, die Kniprodestraßenbrücke, die Darßer Brücke und die Behmstraßenbrücke auf der Liste. Spandau komplettiert mit 18 Projekten die Top fünf.

    Im Mittelfeld liegen Charlottenburg-Wilmersdorf mit 14 sowie Friedrichshain-Kreuzberg mit 13 Brückenbauwerken. Reinickendorf kommt auf zwölf.

    Deutlich weniger Baustellen erwarten die Menschen im Süden und Südwesten der Stadt: Neukölln und Lichtenberg verzeichnen jeweils zehn Projekte, Tempelhof-Schöneberg neun. Schlusslicht ist Steglitz-Zehlendorf mit acht Brücken.

    Auffällig ist der Blick auf die Art der Maßnahmen. In Marzahn-Hellersdorf sind 25 der 29 Projekte komplette Ersatzneubauten, in Lichtenberg neun von zehn. In Neukölln dagegen handelt es sich fast ausschließlich um Erhaltungsmaßnahmen – nur eine einzige Brücke muss dort komplett neu gebaut werden.

    Mühlendammbrücke: Sensoren schlagen Alarm

    Das derzeit brisanteste Projekt liegt in Mitte. Die Mühlendammbrücke, eine der wichtigsten Spreequerungen im Zentrum, muss deutlich schneller ersetzt werden als geplant. Die Verkehrsverwaltung hat den Neubau in einem beschleunigten Verfahren ausgeschrieben, weil die Gefahr von Spannstahlbrüchen eine sofortige Sperrung auslösen könnte.

    Auch die Elsenbrücke zwischen Friedrichshain-Kreuzberg und Treptow-Köpenick bleibt eine Dauerbaustelle. Seit März läuft dort eine 2+2-Verkehrsführung, ab Mitte des Jahres sollen sechs Spuren zur Verfügung stehen.

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    Verkehr auf der Behelfsbrücke an der Elsenbrücke zwischen Friedrichshain und Treptow (Archivbild vom September 2025). Seit März 2026 rollt der Verkehr über vier Spuren, ab Mitte des Jahres sollen es sechs sein. © IMAGO/Joko

    Das schwere Erbe der DDR-Bautechnik

    Dass es den Osten besonders trifft, hat auch historische Gründe. Viele Brücken in den östlichen Bezirken entstanden in den 1960er- und 1970er-Jahren – oft mit Spannstahl aus dem VEB Stahl- und Walzwerk Wilhelm Florin in Hennigsdorf bei Berlin.

    Das Material gilt heute als tickende Zeitbombe. Der Hennigsdorfer Spannstahl ist stark anfällig für sogenannte wasserstoffinduzierte Spannungsrisskorrosion: Die Drähte im Inneren des Betons rosten unbemerkt, bis sie reißen. Von außen ist der Schaden lange nicht zu erkennen.

    Die Folgen zeigen sich längst im Stadtbild. An der Elsenbrücke entdeckten Prüfer 2018 einen 28 Meter langen Riss im östlichen Überbau, Experten sprachen von „Totalversagen". Die Mühlendammbrücke, Baujahr 1968, ist der zweite Vertreter dieses Typs – in ihr stecken jeweils 448 Spanndrähte aus Hennigsdorfer Stahl, die seit 2022 von 96 Sensoren rund um die Uhr akustisch überwacht werden.

    Wie gefährlich das Material ist, zeigte sich 2024 in Dresden: Die Carolabrücke, konstruiert wie die Mühlendammbrücke, stürzte teilweise in die Elbe.

    Die hohe Zahl an Projekten im Osten erklärt sich also aus zwei Faktoren: Dort stehen besonders viele Brücken in Landesverantwortung – und ein Teil davon stammt aus einer Bauepoche, deren Material heute Probleme macht. Ob im Osten auch der größte Sanierungsbedarf der ganzen Stadt besteht, lässt sich aus dem Ranking allein dennoch nicht ablesen.

    Der Handlungsdruck ist trotzdem stadtweit enorm. Nur 19 Prozent aller Berliner Brücken befinden sich nach Einschätzung der Verkehrsverwaltung in einem guten oder sehr guten Zustand. Für die Berliner bedeutet das auf Jahre: Lastbeschränkungen, Umleitungen, Baustellen.

    Der Senat setzt bei der Finanzierung neben dem Doppelhaushalt 2026/2027 auch auf Fördermittel von EU und Bund sowie auf Partnerschaften mit privaten Investoren. Insgesamt sind rund 1,84 Milliarden Euro veranschlagt.

    #Berlin #Verkehr #Stadtentwicklung

  • 60 neue Luxuswohnungen in Berlin-Dahlem: Zugleich sinken in der Hauptstadt die Kaufpreise für Top-Wohnungen
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/steglitz-zehlendorf/60-neue-luxuswohnungen-in-berlin-dahlem-zugleich-sinken-in-der-hauptsta

    #Dahlem, #Marschallstraße 1, bald zieht da neue Kundschaft ein. Jetzt nur noch den Menschen finden, der jeden Tag mit dem Taxi ins Ministerium fährt. Wo ist lie Liste der Käufer?

    1.7.2026 von Boris Buchholz - Jetzt wurde Richtfest gefeiert: In bester Wohnlage sollen „edle Natursteinflächen“ und eine „elegante Atmosphäre“ betuchte Käufer locken. Was genau geplant ist – und wie nachhaltig das ist.

    Die Wohlhabenden in Berlin haben bald eine mögliche Wohnadresse mehr: Gerade feierte der Berliner Immobilienentwickler Diamona & Harnisch Richtfest für sein Projekt „Marshall One“. In der Marshallstraße 1 in Steglitz-Zehlendorf, direkt neben der Schwimmhalle Hüttenweg, entstehen in zwei Gebäuden 60 Eigentumswohnungen. Die beiden freistehenden Häuser sind fünf Stockwerke hoch.

    Angeboten werden nach Fertigstellung Zwei- bis Vierzimmerwohnungen, sie sind zwischen 30 und 147 Quadratmeter groß. Wer es größer mag, kann Wohnungen auch zusammenlegen lassen. Etwa die Hälfte der Wohnungen wird barrierefrei gestaltet. Unter dem Ensemble im Rohbau ist eine Tiefgarage entstanden, in der 39 Stellplätze für Pkws zur Verfügung stehen. Im Lauf des Jahres 2027 soll „Marshall One“ bezugsbereit sein.

    Solarstrom und nachhaltiges Bauen in Dahlem

    Der Bauherr wirbt mit „eleganten Putz- und Backsteinfassaden“, mit „hochwertiger, zeitloser Ästhetik“, „Fußbodenheizung in allen Wohnungen und edle Natursteinflächen in den Eingangs- und Gemeinschaftsbereichen“. So entstehe eine „harmonische, elegante Atmosphäre“.

    Visualisierung des späteren Ensembles: Das Bauprojekt Marshall One in Berlin-Dahlem feiert Richtfest: Der Entwickler Diamona & Harnisch realisiert in der Marshallstraße 1 direkt neben dem Hallenbad Hüttenweg zwei Gebäude mit insgesamt 60 Wohnungen.

    Visualisierung des späteren Ensembles: Der Entwickler Diamona & Harnisch realisiert in der Marshallstraße 1 direkt neben dem Hallenbad Hüttenweg zwei Gebäude mit insgesamt 60 Wohnungen. © Diamona & Harnisch

    Zudem will Diamona & Harnisch mit Nachhaltigkeit überzeugen. Die Wohneinheiten im „Marshall One“ werden über Fernwärme versorgt, eine Photovoltaikanlage sorgt für hauseigenen Strom. Baulich strebt die Immobilienfirma eine Gold-Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) an. Bei der Zertifizierung werden die ökologische, die ökonomische, die soziokulturelle sowie die funktionale Qualität des Neubaus bewertet. Werden 65 Prozent oder mehr der DGNB-Kriterien erfüllt, wird die Gold-Zertifizierung verliehen. Nachhaltiger ist nur noch Platin bei mindestens 85 Prozent Gesamterfüllungsquote.

    Das Bauprojekt Marshall One in Berlin-Dahlem feiert Richtfest: Der Entwickler Diamona & Harnisch realisiert in der Marshallstraße 1 direkt neben dem Hallenbad Hüttenweg zwei Gebäude mit insgesamt 60 Wohnungen.

    Jetzt wurde die Richtkrone hochgezogen; im Jahr 2027 soll das Bauprojekt fertiggestellt sein. © Rüdiger Knobloch Photography

    „Mit Marshall One wollen wir ein klares Zeichen im Sinne einer nachhaltigen Quartiersentwicklung setzen“, sagt Alexander Harnisch, Geschäftsführer von Diamona & Harnisch. Die neuen Häuser sollen nicht nur ökologischen Standards gerecht werden, „sondern auch einen spürbaren Mehrwert für den jeweiligen Standort bieten“.

    Ob das gelingt, wird sich zeigen. Fest steht jedoch, dass die 39 Stellplätze in der Tiefgarage für die neuen Bewohnerinnen und Bewohner wohl nicht ausreichen werden. Zu befürchten ist, dass zum Parken nicht nur der Straßenrand, sondern auch der Parkplatz der Schwimmhalle Hüttenweg sowie des Cole-Sports-Center genutzt werden wird – die Nutzer beider Sporteinrichtungen hätten das Nachsehen.
    Sinkende Preise bei Top-Wohnungen in Berlin

    Das neue Projekt könnte für die Immobilienentwickler zu einem schwierigen Moment auf den Markt kommen. Laut einer aktuellen Marktanalyse des Premiumimmobilienmaklers Dahler sinken in Berlin die Preise für Luxuswohnungen. Die Maklerfirma beruft sich auf die Untersuchung von Inseraten auf der Plattform ImmoScout24; dabei wurden die teuersten zehn Prozent der Angebote ausgewertet.

    Demnach stieg zwar das Angebot an Luxuswohnungen im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum ersten Quartal 2025 um 19,8 Prozent; es sei der höchste Wert in einer deutschen Großstadt, so Dahler. Die Nachfrage nahm im gleichen Zeitraum um neun Prozent zu. Zugleich sei jedoch der Medianpreis pro Quadratmeter (je die Hälfte der Preise liegt über sowie unter dieser Marke) um 5,7 Prozent gefallen, so das Analyseergebnis. Kurz: Die Wohnungen für extrem gut Betuchte werden günstiger.

    Allerdings wurden bei der Untersuchung nur Wohnungsangebote ab einem Quadratmeterpreis von 8.076 Euro berücksichtigt. Wie teuer die 60 Wohnungen im Projekt Marshall One liegen, teilte Diamona & Harnisch auf Nachfrage des Tagesspiegel nicht mit.

    #Berlin #Steglitz-Zehlendorf #Stadtentwicklumg #Alliertensiedlung

  • Drogen, Strich, Einbrüche: An der Kurfürstenstraße eskaliert der Streit um den Kiez
    https://www.berliner-zeitung.de/article/drogen-strich-einbrueche-an-der-kurfuerstenstrasse-eskaliert-der-st

    ÜberJahrzehnte war das Prostitutions- und Drogengewerbe um den Block Kurfürsten-, Potsdamer, Bülow und Frobenstraße genau so problematisch wie der Umgang der Beteiligten miteinander.

    Seit den Zeiten von Christiane F. haben Sozialarbeit, fortschrittlichere Gesetze und Gewöhnung die Lage entspannt. Am schlimmsten waren die neunziger und der Beginn der zweitausender Jahre, als das Elend Osteuropas auf die Sparpolitik des SPD-Senators Sarrazin traf. Alle im Kiez kamen trotzdem irgendwie miteinander klar, und sogar die elfjährigen Schülerinnen des Französischen Gymnasiums durchquerten problemlos die Kurfürstenstraße auf dem Weg zu ihrer Eliteschule.

    Als ein protziger Neubau auf das bislang grün verwilderte Ruinengrundstück Else-Lasker-Schüler-Straße, bis 1998 Mackensenstraße, Ecke Kurfürstenstraße gesetzt wurde, war der Ärger vorprogrammiert. Auch auf dem zugebauten Möbel-Hübner-Parkplatz schräg gegenüber entwickelte sich ein wenn auch bescheideneres Spießerbiotop, dessen Bewohner sich mehr kleinstädtische Beschaulichkeit und ein Ende des sichtbaren Aufeinandertreffens von Wohlstand und Elend vor ihrer Haustür wünschen.

    Am Ende leiden die Ärmsten unter den Begehrlichkeiten der kleinbürgerlichen Gentrifizierungsgewinner. Die verlangen nach Aufwertung ihres Investments und führen Krieg gegen die störenden Unterklassen. Das ist alles so durchschaubar wie es abscheulich ist.

    Die Nutten und Zuhälter fuhren Taxi und sparten nicht am Trinkgeld. Die Spießer beuten gewissenlos Uber-Fahrer aus und haben kein Problem damit, dass ihr Wohlstand auf den Gebeinen der Gefallenen im Klassenkampf von oben errichtet wird.

    So it goes. Das Schlachthaus bietet keinen Schutz mehr. Die Wohlstandskrieger haben es 1989 übernommen.

    27.6.2026 von Oliver Weinlein - An der Kurfürstenstraße in Schöneberg gingen die Anwohner auf die Straße. Es geht um Drogen, offenen Strich und ein mögliches Sperrgebiet. Und um die Frage, wem der Kiez gehört.

    Erst protestieren die Anwohner, eine Straßenecke weiter formiert sich der Gegenprotest. Am Donnerstag haben Nachbarn vor der Zwölf-Apostel-Kirche für mehr Sicherheit im Kurfürstenkiez demonstriert – unter dem Motto „Unser Kiez, unser Zuhause“.

    Sie fordern ein Sperrgebiet gegen Straßenprostitution nahe Kitas, Schulen und Seniorenheimen, dazu ein hartes Vorgehen gegen den offenen Drogenhandel. „Keine Zuhälterei, keine Ausbeutung von Frauen“, heißt es im Aufruf.

    Wie aufgeladen das Thema ist, zeigt schon dieser eine Tag.

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    Anwohner vernetzen sich um gemeinsam für einen sicheren Kiez zu Kämpfen. © Markus Wächter/Berliner Zeitung
    Schlaflose Nächte und ein Mord im Treppenhaus

    Igor lebt seit über einem Vierteljahrhundert im Viertel. Was sich hinter der benachbarten Kirche abspielt, setzt dem Familienvater zu.

    „Jede zweite, dritte Nacht Schlägereien“, berichtet er. Abends sammeln sich die Gruppen an den Zäunen. Nachts um drei steht Igor oft im Hof und vertreibt bis zu ein Dutzend Personen.

    Ruft er die Polizei, bekommt er mitunter nur den Rat, Anzeige zu erstatten. „Welche Anzeige, wollen Sie mich auf den Arm nehmen?“, fragt er. Der Ausnahmezustand laufe nun „das siebte Jahr ganz genau“.

    Die Folgen treffen die ganze Hausgemeinschaft. „Alte Leute, die haben Angst rauszukommen“, erzählt Igor. Seine Tochter mache eine Ausbildung und müsse morgens um fünf Uhr los.

    „Die traut sich gar nicht, sie als 17-jähriges Mädchen, bis zum Auto zu kommen. Papa muss sie jeden Morgen bis zum Auto bringen.“ Er selbst sei Dachdeckermeister, habe sein Leben lang schwer gearbeitet – und warte seit Jahren auf eine durchgeschlafene Nacht.

    Auch die Kriminalität trifft ihn hart. Igor dokumentiert gestohlenes Werkzeug und Bettzeug aus den Kellern. Den Schaden für sich allein beziffert er auf „über 30.000 Euro in den letzten vier Jahren“. Wie die Täter ins Haus kommen, macht ihn fassungslos: „Wie kann es sein, dass Dealer und Idioten sich einen Generalschlüssel geholt haben?“

    Wie greifbar die Gewalt sei, habe sich vor fünf Jahren gezeigt. „Da ist jemand umgebracht worden, direkt auf der Treppe, Messerattacken“, erinnert sich Igor. Wer sich bei der Hausverwaltung beschwere, ernte oft nur ein Schulterzucken. „Und dann sagen sie: Probieren Sie, andere Wohnung zu finden. Welche andere Wohnung?“, fragt er. Seine Forderung ist simpel: „Wenn das die Politiker juckt, in fünf Minuten ist das alles erledigt.“

    Der Protest im Slum

    Die Gegend rund um die Kurfürstenstraße, viele Nachbarn fühlen sich seit Jahren im Stich gelassen. „Mittlerweile sieht die Frobenstraße aus wie in einem Slum“, schreibt ein Anwohner in einer Nachricht an die Redaktion. Der Alltag bestehe aus Beschaffungskriminalität und Verwahrlosung. Auf der Anwohnerversammlung entlädt sich an diesem Abend dann die aufgestaute Wut offen. Eltern beklagen, dass Kinder nicht mehr auf der Straße spielen könnten. Fremde campierten in Treppenhäusern, Garagen würden zweckentfremdet.

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    Schluss mit dem Wegschauen: An der Zwölf-Apostel-Kirche versammeln sich Anwohner und fordern mehr Sicherheit im Kiez. © Markus Wächter/Berliner Zeitung

    Der politische Streit um ein Sperrgebiet

    Das Thema ist längst Wahlkampf. Die Berliner CDU will die Straßenprostitution verbieten und zunächst im Kurfürstenkiez ein Sperrgebiet durchsetzen.

    SPD, Grüne und Linke halten dagegen. Ihr Argument: Ein Verbot vertreibe die Frauen nur in Nebenstraßen und ins Verborgene – weg von jeder Hilfe. Erlassen könnte ein Sperrgebiet die Innenverwaltung per Rechtsverordnung. Bisher aber zögert der Senat.

    Auch deshalb gingen am Donnerstag Sexarbeiter und Unterstützer auf die Straße. Ihre Sorge gilt vor allem dem Frauentreff Café Olga, einer niedrigschwelligen Anlaufstelle für drogenkranke Sexarbeiterinnen. Deren Mietvertrag ist gekündigt.
    Forderung nach dem nordischen Modell

    Einen anderen Ausweg sieht Gisela Widerschein. Sie hat lange im Kiez gearbeitet und beobachtet eine dramatische Verschlechterung. Ihre Organisation wirbt für das „nordische Modell“.

    „Wir fordern Ausstiegshilfen für die Frauen“, sagt Widerschein. Nicht die Prostituierten gehörten bestraft, sondern Freier und Zuhälter. Dazu brauche es Aufklärung, die die Nachfrage senkt. Drogensucht und Sexkauf seien im Schöneberger Norden eng verknüpft.

    Gelöst ist an der Kurfürstenstraße damit nichts. Nur die Fronten sind klarer denn je.

    #Berlin #Tiergarten #Schöneberg #Kurfürstensträße #Potsdamer_Straße #Bülowstraße #Frobenstraße #Else-Lasker-Schüler-Straße, #Mackensenstraße #An_der_Apostelkirche #Stadtentwicklung #Prostitution #Kleinbürgertum #Gentrifizierung #CDU

  • Das Bangen um die Torstraße: „Die aktuelle Planung erfüllt uns mit großer Angst“
    https://www.berliner-zeitung.de/article/das-bangen-um-die-torstrasse-die-aktuelle-planung-erfuellt-uns-mit-

    Gentrifizierung o.k. aber jetzt ist eine Mische bedroht, die sich Gewerbetreibende und Anwohner der Torstraße geschaffen haben. Politik kann im Kapitalismus immer nur einer Menderheit dienen, der mächtigsten, am bedten vernetzten oder der lautesten. Um die Mehrheit der einfachen Menschen geht es in Berlin-Mitte schon lange nicht mehr, denn die wurden nach dem Einbruch des Kapitalismus ab 1990 aus dem Stadtzentrum vertrieben.

    9.6.2026 von Enno Kramer - Umsatzeinbrüche und Dauerbaustelle: Aus Sorge vor den Folgen des Umbaus der Torstraße wenden sich Gastronomen und Gewerbetreibende nun direkt an die Politik.

    Straßenumbauten haben in Berlin einen schwierigen Stand. Sowohl die Neugestaltung der Bergmannstraße als auch die inzwischen geradezu chronischen Umbaumaßnahmen der Friedrichstraße haben bei vielen Berlinerinnen und Berlinern Spuren hinterlassen. Wo in Kreuzberg ursprünglich eine „Begegnungszone“ entstehen sollte, wurde eher ein Spießrutenlauf geschaffen, sobald man die Straße überqueren möchte. Und wo in Mitte die Verkehrswende sichtbar werden sollte, herrschte nach dem Umbau lange Stillstand.

    Nun bangen Gastronomen und Gewerbetreibende, dass es der sonst so lebendigen Torstraße ähnlich ergehen könnte. In einem Offenen Brief, der dieser Zeitung vorliegt, wenden diese sich angesichts der geplanten Umbaumaßnahmen mit „großer Sorge“ an die Politik und Verwaltung: „Die Torstraße darf nicht zum nächsten Berliner Baustellen-Opfer werden“, heißt es in der Überschrift.

    Vom Berliner Treffpunkt zur Dauerbaustelle?

    Was sich über Jahre hinweg organisch zu einer Ausgehmeile, Food-Meile und einem Treffpunkt für Berlinerinnen, Berliner und Gäste aus aller Welt entwickelt habe, stehe nun vor einer ungewissen Zukunft. „Uns erfüllt die aktuelle Planung mit großer Angst“, schreiben die Gastronomen und Gewerbetreibenden. Über 50 Betriebe zwischen Chausseestraße und Rosenthaler Platz haben sich der Initiative „Torstraße beleben“ angeschlossen – darunter die Brasserie Torbar, das Sanbuena, die Flatmakers und das Café St Oberholz.

    „Wir haben den Eindruck, dass über die Zukunft der Straße entschieden wird, ohne die Menschen einzubeziehen, die täglich hier arbeiten, investieren und Verantwortung tragen“, schreiben Simon Bühler von der Brasserie Torbar und Tom Wagner vom San Buena & Flatmakers im Namen der Unternehmerinnen und Unternehmer.

    Es habe weder eine Beteiligung des Gewerbes noch belastbare Gespräche über die Auswirkungen der Umbaumaßnahmen gegeben. Auch Antworten auf „existenzielle Fragen“ der betroffenen Betriebe seien ausgeblieben. Allein im Abschnitt zwischen Rosenthaler Platz und Chausseestraße stünden nun rund 250 Arbeitsplätze akut auf dem Spiel, schätzen die Gewerbetreibenden.

    Während viele Betriebe bereits jetzt darüber nachdenken müssten, Personaleinstellungen zu stoppen, Verträge zu befristen oder sogar Schließungen vorzubereiten, richte sich die Sorge weniger gegen die Veränderung an sich: „Unsere größte Sorge ist, dass die Torstraße zur nächsten Berliner Dauerbaustelle wird.“ Ohne konkrete Beispiele zu nennen, verweisen die Initiatoren auf „zahlreiche Berliner Straßen, die durch langjährige, schlecht koordinierte Baustellen und fehlende Kommunikation massiv an Attraktivität und Lebensqualität verloren haben“.

    Sorge vor Umsatzeinbrüchen und Schließungen

    Die konkrete Sorge der Gewerbetreibenden und Gastronomen: „Gäste bleiben weg, Umsätze brechen ein, Betriebe schließen.“ Selbst nach Fertigstellung würde es oft Jahre dauern, bis sich eine Straße wirtschaftlich wieder erholt – „wenn überhaupt“. Nach Corona, Inflation, Energiekrise und stetig steigenden Kosten könnten sich viele Betriebe eine weitere mehrjährige Belastung nicht mehr leisten.

    Geplant ist auf dem rund zwei Kilometer langen Abschnitt zwischen Karl-Liebknecht-Straße und Chausseestraße ein Großprojekt. In fünf Jahren Bauzeit – aufgeteilt in zwei Teilabschnitte – soll die Torstraße nicht einfach „modernisiert“ werden, sondern zu einer neu aufgeteilten Stadtstraße mit stärkerem Fokus auf Rad- und Fußverkehr werden. Durchgängige Radverkehrsanlagen, verbreiterte Gehwege sowie Lieferzonen und Haltebereiche für Gewerbe sind geplant. Parkplätze sollen reduziert werden und teilweise entfallen.

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    Auch der Rosenthaler Platz ist unmittelbar von den geplanten Umbaumaßnahmen betroffen. © Depositphotos/imago

    Für die Gewerbetreibenden und Gastronomen steht vor allem eine Frage im Raum: „Warum wird eine funktionierende, lebendige Straße ohne ausreichende Einbindung der Betroffenen umgebaut?“ Ein Blick auf Städte wie Paris, Wien, Kopenhagen oder Zürich zeige, dass es nicht nur auf „schöne Straßenräume“ ankomme. „Wir sehen Städte, die Lebensqualität ganzheitlich denken. Dort werden Aufenthaltsqualität, Wirtschaft, Gastronomie, Kultur, Mobilität und die Bedürfnisse der Anwohner gemeinsam betrachtet.“

    Den Initiatoren des Briefes geht es dabei nicht um die reine Blockade einer Weiterentwicklung der Torstraße: „Wir sind gegen eine Planung, die die Menschen ignoriert, die diese Straße und Stadt zu dem gemacht haben, was sie heute ist. Wir wünschen uns ein starkes, lebendiges und attraktives Berlin.“

    Um das zu erreichen, stellen die Gewerbetreibenden fünf Forderungen: „eine verlässliche Planungssicherheit, echte Beteiligung des Gewerbes, unbürokratische Ausweich- und Ersatzflächen, wirtschaftliche Absicherung und die Einrichtung eines Torstraßen-Round-Table, an dem sowohl die Gewerbetreibenden und Anwohner als auch Senatsverwaltung, Stadtplaner, Bezirksamt und der Bürgermeister teilnehmen sollen“.

    Für die Autoren des Briefes ist klar: „Die Politik muss verstehen: Eine lebenswerte Stadt entsteht nicht allein auf dem Reißbrett in einem schönen Büro mit Ausblick. Sie entsteht durch die Menschen, die sie jeden Tag mit Leben füllen.“

    #Berlin #Mitte #Torstraße #Stadtentwicklung

  • Bebauungspläne fürs Tempelhofer Feld: „Kleinstadt“-Denken mit anti-moderner Agenda
    https://www.berliner-zeitung.de/article/bebauungsplaene-fuers-tempelhofer-feld-kleinstadt-denken-mit-anti-m

    Eine Zusammenfassund des Status quo zentraler Fragen der Berliner Stadtentwicklung

    26.5.2026 von Ben Buschfeld - In seiner Replik auf einen Artikel zur angedachten Blockrand-Bebauung des Tempelhofer Feldes geht der Autor mit den Initiatoren und Politikern hart ins Gericht.

    Dies ist ein Open-Source-Beitrag. Die Berliner Zeitung und die Ostdeutsche Allgemeine geben allen Interessierten die Möglichkeit, Texte mit inhaltlicher Relevanz und professionellen Qualitätsstandards anzubieten.

    Die von der IHK und den Architekten Tobias Nöfer und Hans Kollhoff empfohlene Blockrand-Bebauung 2.0 als Lösung für den Wohnungsbau in Berlin? Die CDU unterstützt die Initiative, die SPD – in Person des forsch dem Neubau das Wort redende, dabei unglücklicherweise aber auch der Denkmalfachbehörde vorgeordneten Stadtentwicklungssenators Christian Gaebler – denkt darüber nach. Echt jetzt? Der Vorschlag, das Tempelhofer Feld an drei Seiten mit Höfen und Quartieren im Stil der Mietskasernen aus der Kaiserzeit zu umbauen und die ungenügend hinterfragten Behauptungen der Organisatoren können nicht ohne Widerspruch bleiben.

    Zunächst zum Tempelhofer Feld: Hier gilt es zunächst, den demokratisch herbeigeführten Volksentscheid von 2014 zu respektieren. Er drückt aus, wofür das einstige Flugfeld heute steht, nämlich den besonderen, aber mittlerweile vielerorts bereits mit dem Rücken zur steinernen Wand gedrängten Berliner Spirit. Das Feld ist nicht nur klimarelevante und beliebte Naherholungsfläche, sondern nach dem großen Club- und Ateliersterben auch ein umso wertvollerer Imageträger und Anziehungspunkt Berlins.

    Hier kumuliert vieles, was uns im Vergleich europäischer Großstädte so besonders macht: der Duktus kreativer zivilgesellschaftlicher Aneignung, der unverkrampfte Umgang mit der kontaminierten Geschichte sowie das liberal-tolerante Miteinander einer wahren, nicht provinziell gedachten oder gemachten Metropole.

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    Die Architekten Kollhoff und Nöfer haben aus Sicht unseres Autors dunkle Pläne für das Tempelhofer Feld. © Kollhoff/Nöfer/Astigmatic

    Die hinter dem Vorstoß steckenden Architekten und Immobilienentwickler verfolgen mit ihren Entwürfen eine ganz andere Agenda, nämlich die einer rückwärtsgewandten, bei Investoren beliebten Architektursprache mit allerlei neoklassizistischem Zierrat und Hang zur eklektizistisch historisierenden Architektur. Dabei bewegen sie sich in der Tradition Hans Stimmanns und seiner ab 1991 ausgegebenen Doktrin der kritischen Rekonstruktion, die uns einen Haufen langweiliger Architektur beschert hat – und auch im Rahmen der ästhetischen Vorlieben seiner derzeit amtierenden Nachfolgerin, Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt.

    Nöfer verfolgt sogar eine zutiefst antimoderne Agenda, was sich zuletzt etwa in seinem – ähnlich um Aufmerksamkeit heischenden – Vorschlag zur geschlossenen Umbauung des Hansaplatzes zeigte, die heute vom Netz genommen ist. Für alle Nicht-Baukundigen: Der Hansaplatz im Tiergarten mit den umliegenden Punkt- und Scheibenhochhäusern internationaler Baumeister wie Alvar Aalto, Walter Gropius, Pierre Vago oder Oscar Niemeyer war das bauliche Zentrum der IBA 1957. Er gilt damit als architektonische Top-Sehenswürdigkeit sowie als Paradebeispiel einer bewusst offen und mit viel Grün gestalteten Stadtlandschaft im Stil des International Style der Nachkriegsmoderne.

    War da was, liebe SPD?

    Bis heute scheint diese Antithese zur Blockrand-Bebauung wohl zu modern für manche: In den Kreisen der Initiatoren des Tempelhof-Vorstoßes schwärmt man gerne von dem Charme italienischer Gassen und Stadtplätze und preist auch die Dichte der gründerzeitlich gewucherten Quartiere, auf welche dann in den 1920er-Jahren der Siedlungsbau des Neuen Bauens reagierte. Letzterer genießt heute zu Recht den Status eines Unesco-Welterbes. Übrigens sind auch viele Bauten und Ensembles der Ostmoderne nicht sicher vor lobbyistisch gut organisierten Gruppen, die einer historisierenden Architektursprache das Wort reden – aber um SEZ, Ahornblatt, den Palast der Republik oder das Umfeld des Alexanderplatzes soll es hier gar nicht gehen.

    Allerdings ist zu konstatieren, dass Nöfer und Kollhoff wohl gute Beziehungen zu einigen Granden in SPD und CDU wie etwa Finanzsenator Stefan Evers pflegen. Weiter beschreibt der Artikel „Mega-Projekt Randbebauung: Fällt das absolute Bauverbot auf dem Tempelhofer Feld?“, wie der auch bei der Initiative mitwirkende Immobilienunternehmer Hamid Djadda vor Verhältnissen und sozialer Verdrängung wie in Paris warnt.

    Das ist durchaus berechtigt, aber zur korrekten Einordnung helfen ein paar Informationen, die stutzig machen, dabei aber kaum im öffentlichen Diskurs auftauchen: Richtig ist, dass die Immobilienpreise in Paris schon vor 20 Jahren ähnlich hoch waren wie in Berlin heute und dies dem kulturellen und gesellschaftlichen Leben der Innenstadtbezirke nicht gerade gutgetan hat. Wer aber über Wohnungsnot und Gentrifizierung klagt, sollte zunächst einen Blick in die jüngere deutsche und Berliner Geschichte werfen. Das Elend nahm seinen Lauf mit der Abschaffung der Wohnungsgemeinnützigkeit des städtischen Wohnungsbaus im Jahre 1990.

    Wenig später, ab 1998, wurden unter den Senatoren Peter Strieder und Annette Fugmann-Heesing (beide SPD) die überwiegend kommunalen Berliner Wohnungsbaugesellschaften GEHAG und GSW in einem für das Land angeblich vorteilhaften Bieterverfahren privatisiert. Erst kam der Verkauf des Berliner Tafelsilbers an die Rinteln-Stadthagener Eisenbahngesellschaft und deren RSE Grundbesitz- und Beteiligungs-AG. Kurz darauf folgte deren Börsenübernahme durch die WCM Immobilien-Holding. Es folgten Blackstone und Oaktree Capital als Mehrheitseigner der einstigen GEHAG-Bestände. Nach einer Reihe von Transfers am Börsenmarkt bilden diese beiden „Portfolios“ aus GEHAG und GSW heute den Berliner Grundstock der Deutschen Wohnen, einer 1998 gegründeten Tochter der Deutschen Bank, die 2021 mit der deutschlandweit noch größeren Vonovia zusammenging.

    Hier ist zwar festzuhalten, dass die Deutsche Wohnen seitdem sicher viel Profit gemacht, sich dabei jedoch auch durchaus gut um die Erhaltung und Instandsetzung der einstigen GEHAG-Bestände gekümmert hat – abzusehen war diese Entwicklung aber 1998 nicht. Das überwiegend aus hochkarätigen Denkmalen bestehende, maßgeblich von Bruno Taut gestaltete Portfolio wurde vielmehr sehenden Auges in eine ungewisse Zukunft entlassen. Und wie man diese Privatisierungspolitik sozial- und wohnungsmarktpolitisch heute einzuschätzen hat, dürfte eh klar sein. War da was, liebe SPD?

    Die nächsten Generationen tragen die Folgen

    Auch hier fehlt in dem Vorschlag nicht der leger eingestreute Hinweis, dass man Teile des Feldes ja privatisieren könnte. Ist das wirklich nur gedankenlos? Wer verstehen will, wie die Logiken des Finanzmarktes und innerstädtische Gentrifizierung zusammenhängen und welchen Flurschaden diese unselige Politik der späten Neunzigerjahre hinterließ, dem empfehle ich die Videos der EU-Initiative HouseEurope.eu, wo diese komplexen Sachverhalte durch Expertinnen wie etwa die Ökonomin Ann Pettifor oder die Architektur-Professorin Charlotte Malterre-Barthes sehr gut und anschaulich erklärt werden. Wer dann richtig schlechte Laune kriegen möchte, schaut außerdem noch die sehr empfehlenswerte fünfteilige Dokumentation „Capital B – Wem gehört Berlin?“, die sich etwa in der ARD-Mediathek abrufen lässt.

    Es kann einen nur wundern, wie weit die Fehleranalyse zwischen den etwas progressiver und ganzheitlicher denkenden Fachkreisen und der gängigen politischen Rhetorik „Hier brauchen wir jetzt Neubau“ bisweilen auseinanderklafft. Eine breite Allianz von Fachleuten verschiedener Disziplinen betont, dass die Wohnungsnot zwar auch Neubau erfordert, aber die Wohnungskrise in den Städten bei weitem nicht nur so gelöst werden kann und sollte.

    Hier sind die Hochschulen, zahlreiche NGOs – wie etwa Architects for Future – oder auch die berufsständige Vertretung in der Architektenkammer Berlin schon viel weiter als das, was uns Politik und Immobilienlobby immer wieder, hier jetzt auch in Tempelhof, als „alternativlos“ verkaufen wollen – und was in dem Artikel in der Berliner Zeitung leider auch unwidersprochen bleibt.

    Was wären nachhaltigere, klima- und generationengerechtere Alternativen? Die Experten von der „Anti-Abriss-Allianz für Umbaukultur“ etwa fordern, dass der Kreislauf von klimaschädlichem und die Gentrifizierung der Innenstädte treibendem Abriss und Neubau durchbrochen werden muss. Bei jedem Abriss werden nicht nur für den Bau bereits aufgewendete Energie und Ressourcen vernichtet, sondern auch erhebliche Emissionen freigesetzt. 50 Prozent des deutschen Abfallvolumens entfallen auf den Bausektor. Ebenso erzeugt dieser Sektor fast 40 Prozent der CO2-Emissionen – das ist weitaus mehr als etwa durch den Flugverkehr, wo der Wert „nur“ bei 3,5 Prozent liegt.

    Die Profite dieser Praxis werden meist privatwirtschaftlich verbucht, die ökologischen Folgekosten aber sozialisiert und an die nächste Generation weitergegeben. Ist das gerecht? Würden soziale und ökologische Folgeschäden realistisch eingepreist, wäre Neubau wirtschaftlich immer teurer als eine meist ebenfalls mögliche Um- und Nachnutzung von Bestandsgebäuden. Das erfordert zwar etwas mehr Denkleistung bei politisch Verantwortlichen, aber so ließe sich auch der Gentrifizierung der Innenstädte wirksam begegnen.

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    Vorstellung der CDU-Plakatkampagne zum Volksentscheid über die Zukunft des Tempelhofer Feld Anfang April 2014 mit Kai Wegner, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht als Regierender Bürgermeister, sondern als Generalsekretär der CDU im Einsatz war. © Berlinfoto/Imago

    Verantwortungslose Politik

    Die Schlagworte in progressiveren Fachkreisen lauten etwa: Bauen im Bestand, „adaptive reuse“ von nicht benötigten Büro- und Gewerbeflächen, Wohnflächensuffizienz durch Fokus auf neue Wohnmodelle mit mehr „shared spaces“ sowie mehr „tiny appartements“ und „micro appartments“, Aufstockungen innerstädtischer Bau- und Supermärkte, Leerstandsmobilisierung und Zweckentfremdungsprävention, Erhalt von „grauer“ und „goldener Energie“, Besteuerung von CO2-Emissionen, Denkmalpflege als Impulsgeber kontextsensitiver Nachnutzung, Förderung von Genossenschaften und Wohnungstauschbörsen und, und, und.

    Dazu ein Beispiel, bei dem Zahl gegen Zahl steht: Es heißt immer, Berlin braucht rund 30.000 Wohnungen pro Jahr. Okay, aber ungefähr genauso viele Wohnungen ließen sich laut Hochrechnungen auch durch Umnutzung nicht benötigter Büroflächen gewinnen. Und dass Menschen in Deutschland durchschnittlich 49 Quadratmeter pro Person zur Verfügung haben und man sich in Städten an seinen alten Mietvertrag quasi klammern muss, da auch der Umzug in eine kleinere Wohnung fast immer eine massive Verteuerung bedeuten würde, ist aberwitzig. Dieses gemeinhin als Lock-in-Effekt beschriebene Phänomen und die daraus resultierende Stagnation auf dem Wohnungsmarkt sind viel eher das Problem als zu wenig Wohnfläche in Gänze.

    Natürlich kommt man um Neubau manchmal nicht herum. Aber es ist wichtig festzuhalten, dass auf Umschichtung, kreative Um- und Nachnutzung zielende Ansätze ökologisch und sozial viel nachhaltiger wären als ein Neubau, noch mehr versiegelte Fläche und der damit oft einhergehende Verlust kulturell und gesellschaftlich bedeutender Freiräume.

    Aber natürlich ist es leichter, hemdsärmelig auf Neubau zu pochen und angesichts einer größeren Freifläche ein paar Zahlen, Vorschläge und Renderings in den Raum zu werfen, die vermeintlich einfach umzusetzen sind und bei den Wählern statistisch Punkte bringen können. Umso mehr gilt es, solche „Projektvorschläge“ in der Berichterstattung zu hinterfragen und festzuhalten, wie sie ebenso gut auch gelesen werden können: etwa als geschmacklich historisierende Agenda, gezielte Lobbyarbeit, populäre Stimmungsmache und zusätzlicher Gentrifizierungsimpuls.

    Auch ließe sich mutmaßen, dass es sich auch um persönliche Projektakquise handeln mag, aber das will und kann ich nicht unterstellen. Bestimmt aber verfolgt der Vorschlag eine gezielte und von Teilen der Politik begrüßte Strategie der kalkulierten Diskursverschiebung.

    Eine solche Politik des „Immer-mehr“ im Bausektor ist aber nicht alternativ-, sondern eher ideen- und langfristig verantwortungslos.

    Ben Buschfeld ist selbstständiger Grafik-Designer, der parallel als Autor, Aktivist, Publizist und Kurator im Bereich der Denkmalvermittlung aktiv ist. Zusammen mit seiner Frau, Katrin Lesser, betreibt er in der Hufeisensiedlung ein mietbares Museum zur Architektur der 1920er-Jahre. Er ist Gestalter, Mitgründer und Co-Organisator des Festivals Triennale der Moderne sowie Mitglied in verschiedenen Netzwerken und Berufsverbänden – wie etwa dem Deutschen Werkbund Berlin, Docomomo Germany, IconicHouses.org, der Anti-Abriss-Allianz und dem KulturerbeNetz.Berlin.

    #Berlin #Tempelhif #Innenstadt #Stadtentwicklung #Immobilien #Tempelhofer_Feld: #THF

  • „Für wen wird gebaut? Nur für Reiche?“: In einer Turnhalle eskaliert der Streit um Berlins höchstes Wohnhochhaus
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/friedrichshain-kreuzberg/fur-wen-wird-gebaut-nur-fur-reiche-in-einer-turnhalle-eskaliert-der-str

    So langsam.spricht sich rum, wo der Hase läuft. Die neuen Hochhäuser sind ja auch nucht mehr zu übersehen, und so langsm wirken sie sich auf das soziale und kulturelle Gefüge der Stadt aus. Man merkt es einfach und macht sich dann Sorgen.

    23.4.2026 von Emilio Nolte - 1000 neue Wohnungen in einem 167 Meter hohen Turm: Bausenator Gaebler und Stadtrat Schmidt zeigen Pläne für den Bau eines Wolkenkratzers in Friedrichshain. Nachbarn sind verärgert – sie stört vor allem ein Detail.

    Die Stimmung in der Turnhalle der Emanuel-Lasker-Schule in Friedrichshain war aufgeheizt. Am Mittwochabend stand nicht etwa der Sport im Mittelpunkt – sondern ein geplantes Hochhaus im Rudolfkiez an der Warschauer Straße. Etwa 1000 neue Wohnungen könnten in dem 167 Meter hohen Turm entstehen. Das spektakuläre Projekt gilt im Kiez als Streitthema – auch wegen seiner Dimension. Noch höher als der Friedrichshainer Wohnturm wäre in Berlin nur der Estrel-Tower in Neukölln.

    Derzeit steht die Planung in einer frühen Phase. Ziel der in der Turnhalle stattfindenden Einwohnerversammlung war es, dass sich Anwohner des Rudolfkiezes über das geplante Vorhaben informieren können. Fast jeder Stuhl war besetzt. Bereits im Vorfeld hatte es Beteiligungsmöglichkeiten gegeben. Doch davon wussten offenbar nicht alle. Die Informationen seien nicht bis zu ihnen durchgedrungen, beklagten sich Nachbarn.

    Auch Elias Deister, 23, saß im Publikum. Er ist für sein Masterstudium nach Berlin gezogen und wohnt erst seit Mitte März im Rudolfkiez. Auch er hatte von der jetzigen Versammlung erst durch einen Flyer in seinem Briefkasten erfahren, die vom Bezirk verteilt wurden.

    Ein Hinweis auf einen Aspekt des Streits. Die Senatsverwaltung hatte letztes Jahr dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg das Planungsverfahren für das Grundstück an der Rudolfstraße Ecke Ehrenbergstraße entzogen. Somit liegt die Planungshoheit jetzt bei Bausenator Christian Gaebler (SPD) – sehr zum Unmut von Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne). Beide waren an diesem Abend anwesend.
    Neues Hochhaus für Berlin-Friedrichshain: Senat und Bezirk im Clinch

    https://www.tagesspiegel.de/images/15516844/alternates/BASE_4_3_W1000/1776959570000/iWohnhochhaus

    Einwohnenden-Versammlung zur Hochhausplanung im Rudolfkiez in der Turnhalle der Emanuel-Lasker-Schule. © Emilio Nolte

    Den Grund für die Übernahme der Planungen durch die Senatsverwaltung bekräftigte Senator Gaebler in seinem Vortrag noch einmal. An diesem Ort gäbe es die Möglichkeit, viel Wohnraum zu schaffen, den Berlin so dringend brauche. Hingegen betonte Stadtrat Schmidt, dass die Planung des Bezirks Wohnungen vorhergesehen hatte. Aber gleichzeitig bereits ansässiges Gewerbe geschützt werden sollte. Schmidt bemängelte: „Das Konzept des Bezirks wurde einfach weggewischt.“

    Bausenator betont den Wert neuer Sozialwohnungen im Sockel des Turms

    Konkret geht es bei dem Streit zwischen Bezirk und Senat um das Rudolfband – ein altes Gewerbegebiet, welches entlang der Bahnschienen verläuft. Die Sorge vor Verteuerung und Verdrängung des hiesigen Gewerbes treibt auch die Nachbarn um. Ein langjähriger Anwohner berichtete, dass jetzt schon ein hoher Druck zu spüren sei. Von Gentrifizierung ist die Rede. Kürzlich hätten der letzte Arzt und die letzte Apotheke den Rudolfkiez verlassen müssen.

    Während die vom Hochhaus-Investor beauftragten Architekten in der Turnhalle das genaue Konzept vorstellten, häuften sich die Zwischenrufe. Einige aus dem Publikum machten deutlich, dass sie nichts gegen neuen Wohnraum haben würden. Aber dieser müsse sozialverträglich und bezahlbar sein. Wohnraum mit vergünstigten Mieten soll es bei dem Hochhaus-Projekt tatsächlich geben – allerdings nur im flachen Sockel des Turms.


    Entwurf des dänischen Architekturbüros Henning Larsen für das geplante Wohnhochhaus im Rudolfkiez.
    Ansicht des flachen Sockels mit Hof zur Straße. Hier sollen sich die Sozialwohnungen befinden. © Henning Larsen Architects

    Als eine Visualisierung an der Leinwand deutlich machte, dass sich die geplanten etwa 290 geförderten Wohnungen hier befinden sollen, war die Empörung in der Turnhalle groß. Es kam im Publikum zu Zwischenrufen: „Für wen wird gebaut? Nur für Reiche?“ Und: „Lassen Sie die guten Wohnungen weg!“ Senator Gaebler entgegnete: „Die neuen Sozialwohnungen sind so gut wie die jetzigen Wohnungen im Rudolfkiez.“

    „Im Flugzeug sind nicht 70 Prozent der Sitze Businessclass“

    Die Atrium Development Group GmbH ist Eigentümer des Baugrundstücks und zugleich der Projektentwickler. Ihr Geschäftsführer Amir Abadayev war bei der Versammlung vor Ort und versuchte, das Verhältnis von geförderten Wohnungen zu normalen Wohnungen mit einem Vergleich zu erklären. Auch im Flugzeug würden die teuren Businessclass-Sitze die Sitze der Economyclass mitfinanzieren. Aus dem Publikum gab es daraufhin Widerspruch: „Im Flugzeug sind nicht 70 Prozent der Sitze Businessclass“, hieß es.

    Solche Rufe zeigen: Die Anwohnenden fühlen sich übergangen und nicht gehört. Nur wenige sprachen sich für die Wohnungsbaupläne aus. Die Senatsverwaltung und die Vorhabenträger bemühten sich um Erklärungen. Dennoch blieben viele Fragen der Anwohnenden offen. Wie stark die Infrastruktur belastet und wie der Bedarf an Grünflächen gedeckt wird, blieb aus Sicht vieler Versammlungsbesucher offen.
    Senat prüft für das Projekt den Bauturbo

    Bislang liegt für das Vorhaben der Atrium Group aber kein Baurecht vor. Der weitere Zeitplan, den Bausenator Gaebler vorstellte, sieht vor, dass im Frühjahr 2027 das Abgeordnetenhaus über diesen Fall abstimmt. Gleichzeitig prüft die Senatsverwaltung, ob für die Planungen der sogenannte Bauturbo für Wohnungsbau angewendet werden kann.

    Sollte die Prüfung des Senats erfolgreich sein, kann er ohne die Zustimmung der Abgeordneten Baurecht erteilen. Dann wäre auch das laufende Bebauungsplanverfahren nicht mehr nötig. Eine solche Beschleunigung des Projekts wäre aber für viele im Publikum, die das Projekt ablehnen, ein Affront.

    Gegen Ende der Versammlung meldete sich noch ein Architekt – der gleichzeitig auch Anwohner ist – zu Wort. Vor allem die Höhe und die damit verbundene Baumasse sehe er als problematisch an. Sie sprenge den Maßstab und passe nicht in den Rudolfkiez.

    Dem Studenten Elias Deister ging es ähnlich. Er habe den Abend nutzen wollen, um sich eine tiefergehende Meinung zu bilden. Und empfinde das Projekt als überzogen. Deisters Meinung: „Es ist dreist, die ganze Zeit über Sozialwohnungsbau zu sprechen, während alle wissen, dass der Kern des Projekts der Turm in der Mitte ist.“

    Transparenzhinweis: In einer früheren Version der Geschichte war die Rede davon, dass der Bürgerdialog Teil des Bebauungsplanverfahrens ist. Das ist nicht der Fall. Der Textabschnitt wurde entsprechend angepasst.

    #Berlin #Friedrichshain #Rudolfstraße #Wohnen #Stadtentwicklung

  • Schock auf dem Alexanderplatz: Frau auf U-Bahn-Treppe von herabfallendem Gerüstteil getroffen
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/schock-auf-dem-alexanderplatz-frau-auf-u-bahntreppe-von-herabfallen

    Die Berliner Nausubstanz ist alt gewirden. Wo Neubauten hinzukommen, gerät sie in Bewegung.

    15.4.2026 von Peter Neumann - Die BVG sperrt den nördlichen Zugang zur U2. Erst jetzt wurde bekannt, was dort passiert ist. Zwei weitere U-Bahnhöfe sind ebenfalls nur eingeschränkt nutzbar.

    Es ist ein Albtraum: Auf der Treppe eines Berliner U-Bahnhofs wird ein Mensch plötzlich von einem schweren herabfallenden Gegenstand getroffen und verletzt. Genau dies ist kürzlich in Mitte passiert. Der Unfall, der erst jetzt bekannt wurde, ist der Grund, warum an einer weiteren Station der Linie U2 ein Zugang gesperrt werden musste.

    Es geschah am Vormittag des 26. März. Nach Informationen der Berliner Zeitung war eine Frau auf der Treppe unterwegs, die den nördlichen Eingangsbereich des U2-Bahnsteigs unterm Alexanderplatz darstellt. Sie wurde durch ein herabfallendes Gerüstteil verletzt, sagte Barbara Lipka, Sprecherin des Unternehmens Covivio, auf Anfrage.

    Der in Frankreich beheimatete Investor lässt neben dem Hotel Park Inn ein rund 130 Meter hohes Hochhaus bauen. Von dieser Baustelle stammt das Metallteil, das die Frau auf der Treppe traf. Die genauen Umstände des Vorfalls seien noch nicht vollständig geklärt, hieß es weiter.

    Geheimer U-Bahn-Tunnel der BVG: Berlin bekommt Großbaustelle mitten in der Spree

    Drei Milliarden Euro für die U-Bahn: Wo Fahrgäste der BVG mit Baustellen rechnen müssen
    Landesunternehmen nennt keinen Termin mehr

    „Wir fühlen mit der verletzten Person und hoffen auf vollständige Genesung“, erklärte Lipka. „Zwischenzeitlich hat das Bauunternehmen in Abstimmung mit dem Bauamt und der BVG vorsorglich verstärkte Sicherungsmaßnahmen am Baugerüst vorgenommen. Als Bauherrin beobachten wir die weiteren Maßnahmen genau.“

    Für die U-Bahn-Fahrgäste hat der Unfall die Folge, dass der U2-Bahnsteig von dieser Seite nicht mehr zugänglich ist. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben ihn noch am 26. März gesperrt. Auf Aushängen heißt es, dass die Treppe bis zum 17. April nicht nutzbar ist. Doch inzwischen nennt das Landesunternehmen keinen Termin mehr.

    Ebenfalls eine Baustelle: Der Bahnhof Rosa-Luxemburg-Platz wurde 1913 als Schönhauser Tor eröffnet. Ab 1934 hieß er Horst-Wessel-Platz, 1945 wieder Schönhauser Tor. Ab 1950 lautete der Name Luxemburgplatz, 1978 wurde er mit dem Vornamen Rosa ergänzt.

    Ebenfalls eine Baustelle: Der Bahnhof Rosa-Luxemburg-Platz wurde 1913 als Schönhauser Tor eröffnet. Ab 1934 hieß er Horst-Wessel-Platz, 1945 wieder Schönhauser Tor. Ab 1950 lautete der Name Luxemburgplatz, 1978 wurde er mit dem Vornamen Rosa ergänzt.Peter Neumann/Berliner Zeitung

    „Die BVG hat nach dem unvorhersehbaren Vorfall umgehend reagiert. Oberste Priorität hat die Sicherheit aller Fahrgäste“, sagte ein Sprecher. Bis zu einer endgültigen Absicherung der benachbarten Baustelle bleibt der Zugang in Richtung Park Inn deshalb vorsorglich geschlossen. Wir gehen davon aus, dass es in Kürze eine geeignete Absicherung geben wird und wir den Ausgang in einigen Wochen wieder öffnen können.“

    Berlin wartet weiter: Warum die U6 wohl erst 2027 wieder nach Tegel fährt
    Kein Halt in Richtung Ruhleben

    Mit dem U-Bahnhof Alexanderplatz ist nun die dritte U2-Station in einer Reihe von Einschränkungen betroffen. Der nächste U-Bahnhof ist Rosa-Luxemburg-Platz. Dort wurde Mitte März der Südzugang gesperrt. Außerdem halten die U-Bahnen derzeit nur noch in Richtung Pankow. Die Züge stadteinwärts fahren ohne Halt durch.

    Eine Wand teilt den Bahnsteig. „Der U-Bahnhof Rosa-Luxemburg-Platz wird derzeit umfassend erneuert und barrierefrei ausgebaut“, teilte die BVG mit. „Unter anderem werden die Bahnsteigkanten angepasst und ein Blindenleitsystem eingebaut. Aus diesem Grund können die Züge bis zum 31. Juli in Richtung Ruhleben nicht halten.“

    Fahrerlose U-Bahnen: Warum es sie bei der BVG in Berlin wohl niemals geben wird
    Arbeiten sollten ursprünglich 2024 enden

    Am folgenden Bahnhof Senefelderplatz ist die andere Richtung betroffen. U-Bahnen in Richtung Pankow passieren die Station in Prenzlauer Berg ohne Stopp. Diese unterirdische Anlage ist schon deutlich länger eine Baustelle: bereits seit dem 20. März 2023.

    Dort werden Risse repariert, Putz- und Malerarbeiten ausgeführt, die Hintergleiswände mit neuen Fliesen verkleidet sowie die Bahnsteigbeleuchtung erneuert. Zum Arbeitspensum gehört auch die Sanierung des U-Bahn-Tunnels von außen. Dabei geht es vor allem um die Außendichtung, die dafür sorgt, dass das Bauwerk gegen Nässe geschützt ist. „Im aktuellen Bauabschnitt findet eine Betonsanierung der Gleishinterwand und der Bahnsteigdecke statt“, erklärt die BVG.

    Ursprünglich sollten die Arbeiten bereits 2024 enden, doch es gab immer neue Verzögerungen. Momentan ist auf der BVG-Website noch davon die Rede, dass die Baustelle zum 13. März 2027 abgebaut wird. Mittlerweile nennt das Unternehmen aber auch hier auf Nachfrage keinen Termin mehr. Damit ist ungewiss, wann die Fahrgäste den U-Bahnhof Senefelderplatz wieder in beiden Richtungen nutzen können.

    Kiez im Ausnahmezustand: Senefelderplatz wird zum Dauerkrater
    Plötzlich drang Grundwasser ein

    Der Abschnitt der U2, an der die drei Stationen liegen, ist mittlerweile fast 113 Jahre alt. Die Centrumslinie wurde ab 1910 gebaut und am 1. Juli 1913 in Betrieb genommen. Mittlerweile zeigt sich überall Sanierungsbedarf – und auch hier ist die Chance, dass die Planer böse Überraschungen erleben, höher als anderswo.

    Das zeigt sich vor allem im U-Bahnhof Senefelderplatz. Dort erwiesen sich die Betonschäden, die zu sanieren waren, als großflächiger als gedacht. Die Folge war, dass Unterlagen überarbeitet werden mussten und sich das Auftragsvolumen vergrößerte. Weil die Baufirma aber dem Vernehmen nach eine Nachforderung stellte, die aus Sicht der BVG zu üppig war, musste der Auftrag zum Teil neu ausgeschrieben werden.

    Folge war ein Teilstillstand auf der Baustelle – was auch deshalb misslich war, weil die Arbeiten nicht nur die Fahrgäste, sondern auch die Nutzer der Schönhauser Allee betreffen. Wegen der Abdichtungsanlage mussten Bereiche des Straßenraums gesperrt werden. Für Kraft- und Radfahrer sowie Fußgänger steht weniger Platz zur Verfügung. Das Viertel leidet unter den Einschränkungen.

    Bauarbeiten im U2-Bahnhof Alexanderplatz 2023. Weil das Gleis absackte, musste das Tunnelbauwerk stabilisiert und das Gleis neu gebaut werden.

    Bauarbeiten im U2-Bahnhof Alexanderplatz 2023. Weil das Gleis absackte, musste das Tunnelbauwerk stabilisiert und das Gleis neu gebaut werden.Peter Neumann/Berliner Zeitung

    Eine böse Überraschung erlebte die BVG auch im Bahnhof der U2 unterm Alexanderplatz – und wieder ging es um die Covivio-Baustelle.

    Auf dem Baufeld D3 dellte sich die Baugrubenwand 2022 um über fünf Zentimeter nach innen ein. Der Boden gab nach, und der Tunnel geriet in Bewegung, was das 1913 fertiggestellte Bauwerk aus unbewehrtem Beton unter Stress setzte. Risse taten sich auf, Grundwasser drang ein. Der U2-Bahnhof sackte ab, zuletzt summierte sich die Setzung auf 3,8 Zentimeter. Am 7. Oktober 2022 wurde das Gleis nach Pankow gesperrt.

    Mit eingeleiteter Zementsuspension wurde das Tunnelbauwerk, das zwischen 80 Zentimeter und 2,50 Meter von der 17 Meter tiefen Baugrube entfernt ist, im darauffolgenden Jahr stabilisiert. Nach der zehn Millionen Euro teuren Anhebung konnte die Sperrung der Trasse, auf der ein Gleisabschnitt abgesackt war, aufgehoben werden. Seit dem 28. August 2023 ist dieser Bahnhof der U2 wieder zweigleisig befahrbar.

    #Berlin #Mitte #Alexanderplatz #Senefelderplatz #Rosa_Luxemburg_Platz #U-Bahn #Verkehr #Stadtentwicklung

  • Zu teuer zum Wohnen, zu teuer zum Fahren: Berlins Pendler-Kollaps
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/zu-teuer-zum-wohnen-zu-teuer-zum-fahren-berlins-pendler-kollaps-li.

    15.4.2026 von Oliver Weinlein - Rekordmieten in der Hauptstadt treiben Tausende nach Brandenburg. Doch bei historischen Spritpreisen und vollen Bahnen wird der Arbeitsweg zur Belastungsprobe.

    Jeden Morgen strömen fast 300.000 Menschen aus Brandenburg in die Hauptstadt. Sie pflegen die Alten, bauen die Wohnungen, unterrichten die Kinder. Mitbestimmen dürfen sie nicht. In Zeiten von historischen Spritpreisen und einem chronisch überlasteten Nahverkehr sind sie es, die das Nachsehen haben.

    Berlin ist eine Einpendelstadt. 477.448 Menschen pendeln täglich in die Hauptstadt ein – mehr als nach Frankfurt am Main oder Hamburg, weniger nur als nach München. Den größten Anteil daran trägt das direkte Nachbarland: 290.435 Menschen pendeln aus Brandenburg nach Berlin zur Arbeit. Sie kommen aus Oranienburg und Bernau, aus Königs Wusterhausen und Strausberg, aus Cottbus und Frankfurt an der Oder. Was sie eint: Sie gestalten Berlin, aber in der gegenwärtigen Infrastrukturkrise zahlen sie den höchsten Preis.

    Eine Metropole, die von außen am Laufen gehalten wird

    Von den knapp zwei Millionen Berliner Berufstätigen arbeiten 86,4 Prozent innerhalb der Stadtgrenzen. Die übrigen 13,6 Prozent pendeln selbst aus Berlin heraus. Doch die Richtung, die strukturell den Takt angibt, ist die entgegengesetzte: Fast 300.000 Menschen kommen täglich in die Stadt, halten Berlins Pflegeheime, Baustellen, Schulen und Büros am Laufen – und fahren abends wieder. Der stetige Zuwachs an Einpendlern verdeutlicht, dass die Abhängigkeit der Metropole von ihrem Umland wächst. Ohne diese Arbeitskräfte würde die Hauptstadt schlichtweg kollabieren.

    Verdrängt durch die Miete, bestraft an der Zapfsäule

    Der Entschluss, außerhalb Berlins zu wohnen, ist für die meisten längst keine Lifestyle-Entscheidung mehr, sondern ökonomische Notwendigkeit. Die durchschnittliche Kaltmiete in Berlin erreichte im ersten Quartal 2026 den Wert von 13,11 Euro pro Quadratmeter. In Lagen wie Friedrichshain-Kreuzberg oder Mitte werden im Schnitt 15,50 bis deutlich über 16 Euro fällig. Wer eine Familie ernährt, rechnet – und zieht nach Brandenburg.

    Doch wer ins Umland zieht, tauscht den Mietwahnsinn aktuell gegen die erdrückenden Kosten der Mobilität. Pendler, die aufgrund von Schichtdiensten oder mangelnden Alternativen auf das Auto angewiesen sind, erleben an den Tankstellen eine beispiellose finanzielle Belastung. Im April 2026 kletterten die Spritpreise in Deutschland auf neue historische Höchststände. Nach Erhebungen des ADAC lag der bundesweite Tagesdurchschnitt für einen Liter Diesel zuletzt bei rund 2,44 Euro, in der Spitze sogar darüber – ein trauriges Allzeithoch. Auch Super E10 nähert sich mit Werten zwischen 2,15 und 2,22 Euro rasant den Rekordmarken. Die finanzielle Entlastung durch die günstigere Brandenburger Miete schmilzt mit jedem Kilometer auf der A10 oder der B96 dahin. Der Weg zur Arbeit ist zur Kostenfalle geworden, in der die Pendler unweigerlich das Nachsehen haben.

    Gefangen im chronisch überfüllten Nahverkehr

    Wer das Auto aus Kostengründen stehen lässt, entkommt zwar der Zapfsäule, landet jedoch direkt im nächsten Engpass. S-Bahn und Regionalexpress sind die Lebensadern der Hauptstadtregion, doch sie arbeiten am Limit. Wer auf den Nahverkehr umsteigt, kämpft täglich mit der eklatanten Überfüllung zu den Stoßzeiten, knappen Taktungen und regelmäßigen Ausfällen. Alternde Fahrzeuge und massiver Personalmangel machen den Weg zur Arbeit zu einem nervenaufreibenden Geduldsspiel. Die strukturellen Schwächen des Netzes treffen diejenigen am härtesten, die sich den Luxus eines Innenstadt-Wohnsitzes nicht mehr leisten können und schlicht auf funktionierende Bahnen angewiesen sind.

    Kein Mitspracherecht

    Wer täglich Stunden im Berliner Verkehr verbringt, Berliner Infrastruktur nutzt und Berliner Betriebe mitträgt, hat keinerlei Mitspracherecht bei den politischen Entscheidungen, die diesen Alltag regeln. Das Wahlrecht richtet sich stur nach dem Wohnort. Wenn über den Ausbau der Regionalbahnstrecken, die Taktung der S-Bahn, teurere Parkraumbewirtschaftung oder Tarifverträge im öffentlichen Dienst verhandelt wird, betrifft das die Pendler existenziell.

    Abstimmen können sie nicht. Das politische Zuständigkeitsproblem – Berlin plant für Berliner, Brandenburg für Brandenburger – führt dazu, dass diese Lebensrealitäten schlichtweg durch das Raster fallen.

    Statistiken erfassen Pendler als bloße Bewegungsgröße – als Einheiten, die morgens in die Stadt hinein- und abends wieder herausströmen. Was keine Zahl abbildet: den Zeitverlust, die chronische Erschöpfung und die zermürbende Logistik, wenn der Zug mal wieder Verspätung hat, der Sprit unbezahlbar ist und die Kita im Heimatort pünktlich schließt.

    Fast 300.000 Menschen aus Brandenburg machen Berlin jeden Tag möglich. In der aktuellen Lage, zerrieben zwischen Rekordmieten, explodierenden Spritpreisen und einem überlasteten Nahverkehr, zahlen sie dafür einen enorm hohen Preis.

    Quellen: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Pendlerrechnung/Erwerbstätigkeit (Datenstand 2025/2026); ImmoScout24, Mietspiegel Berlin Q1 2026; ADAC, Kraftstoffpreise April 2026

    #Berlin #Stadtentwicklung #Wirtschaft #Wohnen #Verkehr #Mieten #Inflation

  • Kulturpolitik in Berlin: Der Rückzug der Debatte aus dem Stadtraum
    https://taz.de/Kulturpolitik-in-Berlin/!6167014


    Der Ernst-Reuter-Platz, leider ohne Kunst   Foto: Imago

    Tja, Kultur wäre ein Eisladen mit Liegestühlen neben den Springbrunnen. Und Verkehr wie heutzutage nur Somntag früh um sechs aber jeden Tag, den ganzen Tag. Man wird ja nioh träumen dürfen. Bunte Fifties-Postkarte.

    2.4.2026 von Susanne Messmer - Am Ernst-Reuter-Platz zeigt sich: Weniger Kunst im öffentlichen Raum bedeutet oft weniger unbequeme Fragen. Ist es politischer Wille?

    Nur über eine Art Geheimweg, den Ausgang „Mittelinsel“ der U-Bahn, ist der Ernst-Reuter-Platz in Charlottenburg überhaupt erreichbar. Kein Übergang, keine Ampel – die oder der Fuß­gän­ge­r*in taucht einfach auf, mitten im Verkehr. An diesem frühen Frühlingsnachmittag sind die Springbrunnen noch nicht in Betrieb, das Abstandsgrün liegt grau und erschöpft da, als habe der Winter es noch nicht freigegeben. „Gemütlich hier, was?“, schreit Martin Schönfeld gegen den Lärm an.

    Dass der Leiter des Büros für Kunst im öffentlichen Raum im Berufsverband Bildender Künst­le­r*in­nen und Künstler in Berlin ausgerechnet diesen Ort gewählt hat, um über die rigide Sparpolitik des schwarz-roten Senats zu sprechen, ist eine Setzung. Denn dies ist kein Platz, sondern ein überdimensionierter Kreisel. Autos schieben sich in endlosen Schleifen vorbei, mehrspurig, ununterbrochen. Es ist, als befände man sich im Nukleus einer Waschmaschine: alles in Bewegung, nichts, woran es sich festzuhalten lohnt.

    Und doch stehen um den Unort herum Gebäude der Nachkriegsmoderne, die vom Wiederaufbau der Stadt erzählen – plastischer, als es jedes Geschichtsbuch könnte: das Osram-Haus, entstanden im frühen Wiederaufbau, noch ein wenig schüchtern hoffnungsvoll. Das Telefunken-Hochhaus, wenige Jahre später, schon sehr viel selbstbewusster. Und schließlich – Thema Sanierungsstau bei den Berliner Hochschulen – das renovierungsbedürftige Architekturgebäude der Technischen Universität, das für eine eher abgespeckte Vorstellung von Planung und Ordnung steht. Heute wirken alle drei wie lose Fragmente eines Zusammenhangs, der sich längst aufgelöst hat.

    Hier, erklärt Martin Schönfeld, hätte man ansetzen können: nicht mit Verschönerung, sondern mit Irritation. Künstlerische Interventionen hätten den Platz lesbar machen können – als historisches Dokument, als offene Frage. Studierende hätten eingebunden werden müssen, An­woh­ne­r*in­nen den Ort bespielen können. Kunst hätte hier nicht dekoriert, sondern offengelegt: die Antiquiertheit des Raums, seine Dysfunktionalität, aber auch seine Möglichkeiten.
    Drastische Kürzungen im Etat

    Doch all das wird hier nicht stattfinden. Die drastischen Kürzungen im Etat für Kunst im öffentlichen Raum haben genau solche Projekte unmöglich gemacht. Ursprünglich betrug der jährliche Topf für Schönfelds Büro, das das Land Berlin seit fast 50 Jahren bei Kunst im öffentlichen Raum unterstützt, 750.000 Euro. Im Haushaltsplan 2026/27 wurde das Projekt Draußenstadt, bei dem es ebenfalls um künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum ging, beendet und der Haushaltstitel „Künstlerische Gestaltung im Stadtraum“ um zwei Drittel gekürzt. Bleiben 125.000 Euro. „Das bedeutet nicht nur das weitgehende Aus für Kunst im öffentlichen Raum in Berlin“, so Schönfeld. „Es ist auch das Ende von Gelegenheiten, Stadt öffentlich zu verhandeln. Es ist ein Rückzug des Nachdenkens aus dem Stadtraum selbst.“

    Denn Kunst im öffentlichen Raum ist längst nicht mehr das, womit viele Stadt­be­woh­ne­r*in­nen aufgewachsen sind: Mit schweren Bronzeplastiken auf Sockeln, die öde Orte oft eher schmallippig bebildern. Sie richtet sich nicht mehr an ein distinguiertes Publikum, das abstrakte Kunst zu deuten weiß, sondern an alle, die sich zufällig im Raum befinden – egal, wie alt, reich und gebildet sie sind: Sie ermöglicht Teilhabe ohne Zugangshürden, stößt Debatten an, die weit über die Kunst hinaus gehen. Viele andere Städte wie etwa Wien oder München haben das offenbar besser verstanden – sie gaben dafür allein im Jahr 2023 900.000 beziehungsweise 800.000 Euro aus.
    Das Bild zeigt den Gertraudenhain an der Leipziger Straße
    Der Gertraudenhain von Christof Zwiener an der Leipziger Straße im Sommer   Foto: Christof Zwiener

    Martin Schönfeld erklärt: Wenn diese Praxis verschwindet, wird sich die Kunst wieder mehr in Galerien und Institutionen zurückziehen, in „closed shops“, die für viele schwer zugänglich sind. Die Stadt verliert damit ein Instrument, das soziale, politische und ökologische Probleme sichtbar machen kann. Was verloren geht, lässt sich an Projekten ablesen, die noch möglich waren.

    Im Hansaviertel zum Beispiel. Dort entstand 2018 und 2019 mit „Nachbarn auf Zeit“ eine Intervention, die zunächst einfach verwirrte: Mitten in der Stadt wurde eine Schafsweide eingerichtet. Der Auftakt war eine Demonstration mit rund 200 Schafen, von anfänglich über 500 Menschen, denen sich immer mehr anschlossen, begleitet von Schäfer Knut Kucznik: vom Haus der Kulturen der Welt über Bellevue und den Großen Stern bis zum Hansaplatz.
    Ein Ort für Gespräche

    Im Anschluss blieben fünf Schafe für einen Monat im Hansaviertel. Die Wiese neben der Hansabibliothek wurde zur Weide mit Stall. Plötzlich entstand ein Ort, an dem Menschen stehen blieben, ins Gespräch kamen, Tiere fütterten, abends in den Stall trieben und morgens wieder ins Freie ließen, sich dafür absprechen und koordinieren mussten.

    Dabei knüpfte das Projekt auch an die Geschichte des Viertels an, das im Rahmen der Interbau 1957 als „Stadt von morgen“ konzipiert worden war. Plötzlich ging es darum, wie diese „Stadt von morgen“ von heute aus konzipiert werden könnte – unter den Bedingungen des Klimawandels. Die Schafe gaben einen Impuls, gemeinsam darüber zu verhandeln.

    Weitere Projekte des Büros für Kunst im öffentlichen Raum fanden in dezentralen, städtebaulich problematischen Bezirken wie Marzahn und Hellersdorf statt, aber auch in der Leipziger Straße, die streckenweise eher wie eine Autobahntrasse wirkt denn als innerstädtische Straße. Dass hier rund 6.500 Menschen leben, versinkt im Smog und Lärm.

    Die Kürzungen entziehen nicht nur einzelnen Projekten die Grundlage, sondern einer ganzen Arbeitsweise

    Gerade diese Widersprüchlichkeit machte die Leipziger zum Ausgangspunkt für mehrere künstlerische Projekte. Den Auftakt bildete 2024 der „Gertraudenhain“ des Künstlers Christof Zwiener am Spittelmarkt. Auf einer stark belasteten Fläche von 150 Quadratmetern entstand ein sogenannter Tiny Forest – ein dichter, schnell wachsender Miniwald aus über 450 Baum- und Strauchsetzlingen, angelegt nach den Methoden des Botanikers Akira Miyawaki, der auf diese Weise in Japan und anderswo Industriegebiete, Böden neben Fabriken und Häfen, entlang von Straßen, Deichen und sogar um Kernkraftwerke herum aufgeforstet hat.
    Mehr als ein schicker Aufkleber

    Doch auch in der Leipziger Straße ging es nicht nur um Begrünung. Der Prozess selbst war Teil der Arbeit: Bodenanalysen, Grabungen, die Freilegung von Schichten, die Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen und Werkstätten. Die Bäume wurden gemeinsam mit der Nachbarschaft gepflanzt. Ein Weg aus geborgenen Materialien durchzieht das kleine Wäldchen.

    Weitere Projekte entlang der Leipziger Straße – Installationen, Performances, Gesprächsformate – griffen diesen Ansatz auf. Sie verbanden künstlerische Praxis mit konkreten Orten und ihren Bewohnern – und machten klar, dass auch hier Kunst im öffentlichen Raum weit mehr sein kann als ein schicker Aufkleber.

    Plötzlich entstand ein Ort, an dem Menschen stehen blieben, ins Gespräch kamen

    Die aktuellen Kürzungen treffen genau diese Praxis. Sie entziehen nicht nur einzelnen Projekten die Grundlage, sondern einer ganzen Arbeitsweise. Was bleibt, ist Verengung: Kunst wird wieder stärker an institutionelle Räume gebunden, unsinniger öffentlicher Raum sich selbst überlassen.

    Der umtoste Ernst-Reuter-Platz steht exemplarisch für diese Entwicklung. Und vielleicht ist genau das der eigentliche Punkt: Wenn es immer weniger Orte für Auseinandersetzung im Alltag einer Stadt wie Berlin gibt, findet sie auch immer weniger statt. Insofern wirkt der Ernst-Reuter-Platz nicht mehr nur wie ein Planungsfehler aus der Vergangenheit, sondern wie ein gegenwärtiges politisches Signal.

    Die Umwandlung solcher Orte in dritte Räume, an denen unbequeme Fragen gestellt werden können: Sie ist derzeit offenbar nicht gewollt.

    #Berlin #Charlottenbutg #Ernst-Reuter-Platz #Kultur #Stadtentwicklung

  • Schauplatz Berliner Ring: Internationale Bauausstellung soll städtische Probleme lösen
    https://www.berliner-zeitung.de/news/bauprojekte-am-ring-berlin-veranstaltet-internationale-bauausstellu

    24.3.2026 von Maximilian Eichgrün - Berlin bekommt von 2034 bis 2037 eine Internationale Bauausstellung. Dies hat der Senat beschlossen. Ziel ist die bauliche Weiterentwicklung bestimmter Stadtteile.

    Der Berliner Senat hat am Dienstag beschlossen, eine Internationale Bauausstellung (IBA) in den Jahren 2034 bis 2037 auszurichten. Das Vorhaben war bereits im Koalitionsvertrag verankert. Der Senator für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Christian Gaebler (SPD), legte den entsprechenden Entwurf vor, der auch die Gründung einer landeseigenen IBA-Gesellschaft zur Organisation des Vorhabens vorsieht.

    Eine IBA ist keine herkömmliche Messe. Vielmehr handelt es sich um einen über viele Jahre angelegten Prozess, in dessen Verlauf Architekten und Stadtplaner aus aller Welt gemeinsam an konkreten baulichen Lösungen für städtische Probleme arbeiten. Die fertigen Projekte werden anschließend vor Ort zugänglich gemacht. Neben Architektur fließen dabei auch soziale, ökologische und wirtschaftliche Themen ein.

    Für Berlin wäre es die dritte Bauausstellung nach dem Zweiten Weltkrieg. Die „Interbau“ Mitte der 1950er Jahre hinterließ unter anderem das Hansaviertel und das heutige Haus der Kulturen der Welt. Die IBA 1984/87 prägte vor allem Kreuzberg: Heruntergekommene Altbauten wurden so instand gesetzt, dass die Bewohner dort wohnen bleiben konnten – ein damals neuartiger Ansatz. Dass der Senat nun 2034/37 anpeilt, ist kein Zufall – genau 50 Jahre nach der letzten Berliner IBA.

    Kritik vom Berliner Mieterverein: Sind die Ziele jetzt klar?

    Frühere Anläufe für Bauausstellungen in Berlin waren gescheitert: Sowohl ein Versuch Ende der 1990er Jahre als auch eine für 2020 geplante IBA wurden eingestellt. Der Berliner Mieterverein hatte im Januar kritisiert, dass greifbare Schwerpunkte für den neuen Anlauf bislang fehlten. „Statt sich zu überlegen, wie man die zahlreichen Stadtentwicklungsprobleme lösen könnte, zäumt der Senat das Pferd von hinten auf, beschließt erstmal das Format IBA und denkt dann darüber nach, was man damit erreichen will“, hieß es im Mietermagazin.

    Bausenator Christian Gaebler konkretisierte nun: „Die IBA 2034-37 hat das Ziel, globale Aufgaben der Stadtentwicklung im lokalen Kontext zu bearbeiten. Wir wollen Berlin national und international als Standort für zukunftsfähigen Städtebau positionieren.“ Statt auf großflächigen Neubau zu setzen, sollen vorhandene Quartiere weiterentwickelt und wenig genutzte Flächen umgestaltet werden. Klimaschutz und ein schonender Umgang mit dem Berliner Stadtboden stehen thematisch im Vordergrund.

    Als Schauplätze sind Gebiete rund um den S-Bahnring und entlang der Übergänge zwischen der inneren und äußeren Stadt vorgesehen – Stadträume, wo sich bauliche, soziale und infrastrukturelle Aufgaben überlagern.

    #Berlin #Stadtentwicklung

  • Aus kriegszerstörzen Gebäuden Berlins wird Trümmerschutt
    https://berlingeschichte.de/stadtentwicklung/index.html

    Infolge der gewaltigen K. in Berlin fielen 1945 (späteren Schätzungen zufolge) etwa 70 bis 90 Mill. m³ Schutt und Bruchsteine an, das entsprach etwa 15 Prozent der gesamten deutschen Trümmermenge. Mindestens 45 Mill. m³ t. lagerten in Berlin-West, mindestens 30 Mill. m³ in Berlin-Ost. Ihre Beseitigung Trümmerfrauen war die Vorbedingung für den Wiederaufbau der Stadt. Die Kosten der Enttrümmerung Enttrümmerung schätzte der Magistrat im Januar 1946 auf etwa 1,45 Mrd. RM. Es wurde eine „Trümmerbahn“ auf Schmalspurgleisen in einer Länge von 45 km angelegt. Zunächst deckte man mit dem Schutt Bombenkrater, Schützengräben, Luftschutzeinrichtungen und andere Kriegs- und Nazirelikte zu. Ein anderer Teil wurde zu Verladerampen an der Spree gefahren und per Kahn in die Provinz Brandenburg abtransportiert (Transportkosten für einen Kubikmeter auf 3 km: 2,20 DM). Vor allem aber wurden mit großen Mengen des t. künstliche Hügel aufgetürmt, begrünt und zu Erholungsparks umgestaltet.

    Der erste Berliner #Trümmerberg entstand hinter dem Ausstellungsgelände am Funkturm, zahlreiche weitere folgten. Der größte Berg aus dem t. der Stadt entstand zwischen 1950 und 1972 am Nordrand des Grunewalds nahe dem Teufelssee aus 26 Mill. m³ t. Dieser „#Teufelsberg“ ist mit 115 m über NN gemeinsam mit den Müggelbergen (Bezirk Köpenick) die höchste Erhebung Berlins. Ähnlich riesige Trümmeraufschüttungen entstanden im #Friedrichshain, wo etwa eine Million m³ t. zu zwei gewaltigen Hügeln über gesprengten ehemaligen Flakbunkern aufgehäuft wurden: dem 52 m hohen Kleinen Bunkerberg , der eine Rodelbahn erhielt und dem 78 m hohen „#Mont_Klamott“, dem Großen Bunkerberg mit Aussichtsplateau. Auch die sog. #Oderbruchkippe an der #Oderbruchstraße ziert ein 89 und 91 m hoher Doppelgipfel im heutigen #Volkspark_Prenzlauer_Berg. Weitere bekannte große Trümmerberge sind die 86 m hohe #Humboldthöhe im #Volkspark_Humboldthain, der 75 m hohe „#Insulaner“ im Bezirk #Schöneberg, die 73 m hohe #Marienhöhe im Bezirk #Tempelhof, die 70 m hohe #Rixdorfer_Höhe im #Volkspark_Hasenheide sowie die 60 m hohe #Rudower_Höhe an der Grenze zwischen #Neukölln und #Köpenick.
    Die gärtnerisch gestalteten und teilweise dicht bewaldeten Hügel ergänzen heute harmonisch die Naturlandschaft und lassen ihre Herkunft als Trümmerberge kaum noch erkennen. Sie dienen der Erholung und Freizeitbeschäftigung der Bevölkerung (u.a. als Rodelberge).

    #Berlin #Krieg #Nachkriegszeit #Geschichte #Stadtentwicklung

  • „Kulturpolitisches Verbrechen“: Warum Berlins beliebte DDR-Bauten weichen müssen
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/ddr-bauten-in-berlin-ein-nachruf-li.10019301

    Mir zerreißt es die Verbindung der materiellen Marketn mit denen der inneren Landkarte. Berlin wird abstrakter, weniger greifbar. Mal sehen, vielleicht hilft Alkohol. Der dämpft zumindest den Schmerz.

    21.2.2026 vin Valentin Wölflmaier - Anfang März verschwindet mit dem SEZ wohl Berlins nächste DDR-Ikone. Inmitten der Tilgung ostdeutscher Erinnerungsorte wird das FEZ zum gallischen Dorf der Wuhlheide.

    Berlin räumt auf – und reißt ab. Wo früher DDR-Geschichte stand, rollen seit Jahren die Bagger. Der Palast der Republik ist längst verschwunden, das Ahornblatt nahezu geräuschlos aus dem Stadtbild getilgt, und bald arbeiten sich die Maschinen durch das SEZ. Wer durch Berlin geht, erlebt, wie biografische Fixpunkte ganzer Generationen verschwinden: Markante DDR-Bauten, einst prägend für Identität und Alltag, werden nach und nach ausgelöscht.

    Das Gebäude des DDR-Außenministeriums am Berliner Schinkelplatz wurde abgerissen. Das Generals­hotel in Schönefeld ist weg – trotz Denkmalschutz. Im Jahn-Sportpark brechen die Tribünen ein. Abriss folgt auf Abriss, Erinnerung auf Leerstelle.

    Inmitten dieser Verluste wirkt das FEZ in der Wuhlheide wie ein letzter Zufluchtsort – ein Ort, an dem ein Stück gebaute Geschichte noch standhält.
    Viele DDR-Bauten sind Orte voller Erinnerungen

    Es ist ein kalter Tag. Der Schnee fällt leise auf die Kiefern, der Wald schluckt den Lärm der Großstadt. Hier steht das FEZ, 1979 als Pionierpalast „Ernst Thälmann“ fertiggestellt. Heute nennt es sich „Europas größtes gemeinnütziges Familienzentrum“. Vor dem Eingang stehen Gabriela und ihre beiden Kinder. Der Atem wölkt in der frostigen Luft, während sie Bananen essen. Sie kommen gerade aus einer Theateraufführung. Gabriela ist 62 Jahre alt, sie arbeitet als Betreuerin. „Wir waren früher ganz oft hier“, sagt sie und blickt auf den riesigen Flachbau mit den markanten braunen Fensterrahmen.

    Gabriela stammt aus Thüringen, zog 1987 nach Berlin. Für sie ist das Gebäude mehr als Architektur; es ist ihre Biografie. „Meine Tochter hat hier Geige gelernt“, erzählt sie. Dass das Haus mittlerweile unter Denkmalschutz steht, findet sie „total toll“. Es ist ein Satz, der Erleichterung verrät. Denn Gabriela weiß: Es ist im heutigen Berlin eine politische Entscheidung, ob ein Haus der DDR-Moderne stehenbleiben darf oder nicht.

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    Gabriela lebt seit 1987 in Berlin. Gebäude wie das FEZ sind Teil ihrer Biografie.Valentin Wölflmaier/BLZ

    „Hier wird abgerissen, was noch funktioniert“

    Ein paar Kilometer weiter westlich, an der Landsberger Allee, scheitert diese Anerkennung gerade. Das SEZ, einst der Stolz von Friedrichshain, wird abgerissen. Ein Investor, ein jahrelanger Rechtsstreit, nun das Ende. Das SEZ war das Spaßbad des Ostens, ein Ort mit Wellenbad und Kaskaden. Der Architekt Christoph Wagner sieht darin ein grundsätzliches Problem der Stadtentwicklung: „Das Problem ist, dass man hier etwas abreißt, was noch funktioniert – und das eine Bedeutung für viele Menschen hat“, sagt er. „Von der Umweltbelastung dieser Abrisse ganz zu schweigen.“

    Das Argument, dort dringend benötigten Wohnraum zu schaffen, lässt er nicht gelten: „Wohnen findet ja nicht nur in Wohnungen statt, sondern benötigt kulturelle, sportliche und Versorgungseinrichtungen in direkter Nachbarschaft. Sonst leben wir mitten in Berlin bald in einer Schlafstadt.“
    Die Liste der abgerissenen DDR-Bauten ist lang

    Der Abriss des SEZ ist Teil einer Entwicklung, die kurz nach der Wende einsetzte. Die sogenannte Ostmoderne hatte einen schweren Stand. Sie galt vielen als politisch belastet oder ökonomisch ineffizient. Dabei war diese Architektur oft experimentierfreudiger, als es das Klischee vom Plattenbau vermuten lässt. Das Ahornblatt auf der Fischerinsel etwa, eine kühne Betonschalenkonstruktion von Ulrich Müther, wurde im Jahr 2000 trotz Proteste für einen Hotelneubau geopfert. Es war das Signal dafür, wie die neue Berliner Republik mit dem Erbe des Ostens umzugehen gedachte.

    Dann kam der Palast der Republik. „Erichs Lampenladen“, wie der Volksmund sagte. Er war Ort der Volkskammer, aber auch Ort der Bowlingbahn, der Restaurants, der Diskotheken. Offiziell besiegelte der Asbest sein Ende. In der Tat hatten sich Mitarbeiterinnen des Palasts über die Asbestbelastung beschwert. Doch während das ebenfalls asbestbelastete ICC im Berliner Westend unter Denkmalschutz steht, verweist der Historiker Hanno Hochmuth beim Palast auch auf die politische Dimension: „In den 90er-Jahren und auch noch beim Palast der Republik schwang das Politische sehr stark mit.“

    Es ging darum, die städtebauliche Dokumentation der DDR im Herzen der Stadt zu brechen und die preußische Tradition des 18. Jahrhunderts zu rekonstruieren. Heute steht dort das Humboldt Forum mit seiner barocken Schlossfassade.
    Abriss des Palast der Republik – ein „kulturpolitisches Verbrechen“

    Ein „kulturpolitisches Verbrechen“ nennt das Rudolf Denner, Sprecher des Freundeskreises Palast der Republik. 100.000 Unterschriften habe man damals gesammelt, 800 Petitionen vorgetragen, eine Mehrheit der Bevölkerung sei für den Palast gewesen. Beim SEZ sieht Denner Parallelen: „Auch hier werden Fakten geschaffen gegen den Willen der Bevölkerung.“

    Hanno Hochmuth zufolge hat sich das Bewusstsein für den Wert der DDR-Architektur aber gewandelt, der Palast würde heute wohl nicht mehr abgerissen. „Beim SEZ geht es auch nicht vorrangig um eine Tilgung der DDR, sondern vielmehr um die Schaffung von neuem Wohnraum, und Wohnen ist in Berlin heute ein viel heißeres Thema als der Umgang mit der Vergangenheit“, sagt Hochmuth. Dennoch plädiert er in dieser hochsymbolischen Frage für mehr Sensibilität: „Es wäre sensibler, das SEZ zu erhalten, denn neue Wohnungen könnten auch noch woanders geschaffen werden.“

    Missachtung der DDR: „Unsere Geschichte wird plattgemacht“

    Für viele Menschen im Osten fühlt sich das Verschwinden der Ost-Bauten wie eine Entwertung ihrer eigenen Biografie an. „Das ist eine Missachtung der DDR“, sagt Ute. Sie ist 70 Jahre alt und mit ihrer Freundin Bettina auf dem Weg zum Schwimmen im FEZ. Ute hat eine klare Meinung zu dem, was mit den Orten ihrer Vergangenheit passiert: „Dass da einiges vielleicht marode war, okay. Aber das jetzt verfallen zu lassen, wie das SEZ, und dann zu sagen: Jetzt können wir es wegreißen – das finde ich den Ostbürgern gegenüber schuftig. Das war unsere Geschichte. Die wird plattgemacht.“

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    Ein „Ort unserer Geschichte“: Ute und Bettina gehen zweimal in der Woche zum Schwimmen ins FEZ.Valentin Wölflmaier/BLZ

    Bettina nickt. Sie ist gebürtige Berlinerin. „Auch wenn in der DDR nicht alles in Ordnung war“, sagt sie, „es ist unsere Geschichte. Und die existiert dann einfach nicht mehr.“ Die Debatte um die DDR-Architektur ist damit immer auch eine Debatte um Anerkennung. Wenn Gebäude wie das Kino International oder das Haus der Statistik gerettet werden, sind das Ausnahmen. Die Orte des täglichen Lebens, die Schwimmbäder und Gaststätten, verschwinden zuerst.

    Das FEZ hat überlebt. Vielleicht, weil es weit draußen im Wald liegt, überlegt Bettina. Sie sorgt sich dennoch um solche Orte, die in Berlin weniger werden. Nicht nur wegen ihrer Geschichte: „Wir wollen immer, dass die Kinder nicht so viel daddeln am Handy“, sagt sie. „Aber eigentlich tun wir gar nichts dafür, um diese Orte zu erhalten.“

    #Berlin #Friedrichshain #SEZ #Leninallee #Landsberger_Allee #Dimitroffstraße #Danziger_Straße #Sport #Freizeit #DDR #Architektur #Stadtentwicklung

  • Kündigungen in Novalisstraße: Antisemitismus-Debatte überschattet Kiezprotest
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/kuendigungen-in-novalisstrasse-antisemitismus-debatte-ueberschattet

    Skrupellise Geschäftsleute überbehmen ein Haus. Das hat die üblichen Folgen. Es geht dem Vernehmen nach um israelisches Kapital. Dumme Sache, denn damit wird jede öffentluche Gegenwehr zu Antisemitismus. Wie praktisch für die geldgeilen „Investoren“.

    Die Geschichte lenkt vom eigentlichen Problem ab: Wie sorgt man für bezahlbare Mieten und gute Infrastruktur im Kiez ? Beides ist mit liberaler Politik nicht zu machen. Das deutsche Grundgesetz postuliert eine soziale Verpflichtung für Eigentümer. Die muss endlich als wirksames Bundesgesetz für Immobilien beschlossen werden, solange das Privateigentum an Immobilien noch erlaubt ist.

    13.2.2025 von Valentin Wölflmaier, Jana Hermann - In Mitte stehen ein Kiosk und eine Ergotherapie-Praxis nach Kauf von einem Investor vor dem Aus. Im Raum stehen auch Antisemitismus-Vorwürfe.

    Im langen, schmalen Paketlager hinter dem Tresen stapeln sich die Kartons bis unter die Decke, selbst im Hausflur warten Pakete auf die Nachbarschaft. „Wir haben mehr als genug zu tun“, sagt Jana Bieselt, Betreiberin des Lotto-Shops in der Novalisstraße in Mitte.

    Heute steht ihr erwachsender Sohn Alexander mit hinter dem Tresen, sonst hilft auch Tochter Stephanie. Seit fast 25 Jahren ist der Kiosk ein Familienbetrieb. Er erstreckt sich über vier Räume: Im Eingangsbereich warten Gummibärchen und Lakritz, links gibt es Spielzeug, rechts Schreibwaren und einen kleinen Tresen für den schnellen Kaffee.

    Für die Anwohner ist der Laden in der Novalisstraße ein Herzstück ihres Kiezes, ein fester Anker und weit mehr als nur eine Verkaufsstelle. „Wir haben eine ganze Schublade mit Wohnungsschlüsseln“, erzählt Jana Bieselt. „Wenn Leute im Urlaub sind, gießen wir Blumen oder nehmen die Post raus.“ Wenn bei der älteren Dame von nebenan der Fernseher streikt, geht Sohn Alexander rüber und stellt die Sender neu ein.

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    Jana Bieselt: „Ich war völlig sprachlos. Ich habe geheult“

    Doch nach der Übernahme des Hauses im Dezember durch einen Investor, droht dieses nachbarschaftliche Biotop jetzt auf der Kippe zu stehen: Nach 25 Jahren harter Arbeit erhielt Jana Bieselt von einem auf dem anderen Tag ein Kündigungsschreiben. Ähnlich erging es Nadja Schünemann, die seit 1997 im Hinterhaus ihre Praxis für Ergotherapie betreibt.

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    Nicht nur mit Paketen hat Jana Bieselt mehr als genug zu tun.Jordis Antonia Schlösser/Ostkreuz

    Dabei gab es nach dem Kauf zunächst Entwarnung. Die Gewerberäume seien sicher, habe der neue Verwalter bei einer Begehung versichert. Doch nur eine Woche später klingelte bei Jana Bieselt das Telefon. „Der Fairness halber“, so erinnert sie sich an die Worte der Hausverwaltung, wolle man ihr mitteilen, dass sämtliche Gewerberäume gekündigt werden. „Ich war völlig sprachlos. Ich habe geheult“, sagt sie. „Dass sie mehr Miete wollen, stand für uns fest. Aber dass das nun so kommt, von jetzt auf gleich – ich war erledigt.“

    Auch Nadja Schünemann erhielt ein Kündigungsschreiben für Jahresende 2026. Auf die Bitte um Verhandlungen, meldete sich die Verwaltung zwei Wochen später erneut. Es gebe eine Möglichkeit, hieß es. Man könne über einen neuen Mietvertrag sprechen. Der Preis: 32 Euro pro Quadratmeter für den Kiosk, 23 Euro pro Quatratmeter für die Praxis.
    „Machen Sie doch eine Privatpraxis“

    Für Jana Bieselt wäre das eine Verdreifachung ihrer Miete. Für Nadja Schünemann, deren Praxisräume 120 Quadratmeter umfassen, sogar eine Vervierfachung. „32 Euro ist überhaupt kein Mitte-Preis für diese alte Substanz“, sagt Bieselt. „Überall sind Risse, wir haben Stoffkabel in der Decke, die Fliesen fallen von der Wand.“

    Beide Frauen sind sichtlich angefasst, den Tränen nahe, aber auch wütend über die Kälte und Rücksichtslosigkeit der Verwaltung. „Als ich gesagt habe, ich kann mir das nicht leisten“, erzählt Schünemann, habe ihr der Hausverwalter nahegelegt, eine Privatpraxis zu gründen.

    Sie betreut Schlaganfall- und Schmerzpatienten, viele seit über 15 Jahren. Würde sie gehen, fiele eine wichtige Anlaufstelle im Kiez weg. „Meine Patienten müssen im Grunde jetzt anfangen zu suchen. Die Wartezeiten liegen bei einem Jahr.“

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    Viermal so hoch soll die Miete für Nadja Schünemann werden. Das wäre das Ende ihrer Ergotherapie-Praxis in der Novalisstraße.Jordis Antonia Schlösser/Ostkreuz

    Auch andere Mieter stehen unter Druck

    Doch für menschliche Schicksale scheint in der Kalkulation der neuen Eigentümer kein Platz zu sein. „Mir wurde klipp und klar gesagt: Es geht hier eigentlich nur ums Geld“, sagt Schünemann. Aus ihrer Praxis sollen zwei Wohnungen werden. Der Wert des Hauses steigt mit den Mieteinnahmen.

    Die Nachricht von der drohenden Schließung hat sich im Viertel schnell verbreitet. Ein Mieter aus dem Haus, selbst Vater von drei Kindern, beschreibt die Sache so: „Der Laden unten ist ein sozialer Treffpunkt“, sagt er. „Meine Kinder kennen den Laden, seit sie auf der Welt sind. Früher haben sie da Kinderzeitungen gekauft, heute holen sie sich heimlich Cola.“

    Dabei stehen auch er und die anderen Mieter unter Druck. Seine Wohnung soll besichtigt werden, „zum Zwecke der Mieterhöhung“, wie er vermutet. Sein kleiner Lagerraum im Hinterhaus wurde bereits gekündigt. „Das ganze ist ein Ausdruck dessen, wie Dinge, die in den Stadtvierteln gewachsen sind, immer mehr weichen müssen“, sagt er.
    Die Politik schreibt „Briefchen“

    Die Unterstützung aus der Nachbarschaft beschreiben Bieselt und Schünemann als groß. „Man traut sich kaum noch auf die Straße, so viel Zuspruch erhalten wir“, sagt Bieselt lächelnd. „Das zeigt uns auch, was wir bedeuten für den Kiez.“

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    Jana Bieselts Kiosk ist ein Herzstück des Kiezes, die Anteilnahme der Anwohner groß.Jordis Antonia Schlösser/Ostkreuz

    Doch der Zuspruch allein rettet den Laden nicht. Um ihre Existenz zu sichern, sind Jana Bieselt und Nadja Schünemann in die Offensive gegangen. Sie haben Briefe geschrieben, an die Bezirksverwaltung, an Politiker, bis hin zum Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. Der Rücklauf war ernüchternd schleppend.

    „Erst wenn genug Druck entsteht, passiert etwas“, sagt Schünemann. Und wenn eine Antwort kommt, dann oft mit dem Tenor: Wir können nichts machen. Einzelne Politiker hätten angeboten, einen Brief an den Investor zu schreiben. „Ich frage mich, wie sie einen Brief schreiben wollen, wenn sie gar nicht wissen, wie es hier aussieht“, sagt Nadja Schünemann skeptisch.
    Die beiden wollen für ihr „zweites Zuhause“ kämpfen

    „Was ich schlimm finde“, räumt Jana Bieselt ein, „in der Coronazeit hieß es, wir sind systemrelevant. Ich habe 10 bis 12 Stunden mit Maske gearbeitet. Das interessiert jetzt keinen mehr. Wenn man Hilfe braucht, steht man alleine da.“

    Rechtlich stehen Bieselts und Schünemanns Chancen tatsächlich nicht gut. Es gibt keinen Gewerbemietspiegel, keinen Kündigungsschutz wie bei Wohnungen. Eine Grenze zieht nur der „Wucher“ oder die „Sittenwidrigkeit“ – doch bei 32 Euro, in einem Bezirk, wo Spitzenmieten bis zu 47 Euro erreichen, greift dieses Instrument wohl nicht.

    Trotz der aussichtslosen juristischen Lage haben die Frauen der Novalisstraße beschlossen, nicht leise zu gehen. „Wir haben Familienrat abgehalten und es steht fest: Wir werden nicht freiwillig ausziehen“, sagt Jana Bieselt. Ihre Kinder arbeiten im Laden für den Mindestlohn, für sie ist das hier mehr als ein Job. Es ist ihr Zuhause. „Wir würden es definitiv auf eine Räumungsklage ankommen lassen.“

    Für den kommenden Mittwoch ist ein Treffen im Grünen Salon der Volkssolidarität geplant. Der Kiez mobilisiert sich. Sie wollen erörtern, was noch getan werden kann, wie man sich wehren kann. Viele Nachbarn, auch aus anderen Häusern im Kiez, haben bereits ihr Kommen angekündigt.

    Bärendienst für die Sache: Antisemitischer Blogpost

    Doch der politische Zusammenschluss im Kiez droht derweil einen fragwürdigen Umweg zu nehmen. Vor Kurzem tauchte in Chat-Gruppen des Kiezes ein Link eines anonymen Autors auf, der auf die umstrittene Plattform Indymedia führt.

    Dort wird die Herkunft einzelner Investoren betont, Geburtsorte und Namen werden gelistet, geschäftliche Praktiken pauschal mit „israelischen“ Kapitalgebern verknüpft. Jene, die auch das Haus gekauft haben sollen. Der Artikel auf Indymedia endet mit dem Satz: „Wir wollen nicht vertrieben werden von Leuten, mit denen wir nichts am Hut haben.“

    Für Pavel Lyubarsky, dem Vorstandsvorsitzenden der Jüdischen Gemeinde im Kiez Kahal Adass Jisroel e.V., der vorher bereits angeboten hatte, zwischen Mietern und dem Investor zu vermitteln, um eine Einigung zu erzielen, ist damit eine Grenze überschritten.

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    Wenn es nach den Investoren geht, soll in diesem Haus künftig kein Platz mehr für den Familienbetrieb sein..Jordis Antonia Schlösser/Ostkreuz

    Lyubarsky, der als Privatperson, nicht im Namen der Gemeinde vermitteln wollte, sagt zur Berliner Zeitung: Er verstehe nicht, warum die Rolle der „ethnischen oder nationalen Zugehörigkeit eines Investors“ überhaupt thematisiert werde. „Ich halte es für wahrscheinlich, dass hier bewusst oder unbewusst anti-jüdische Ressentiments und Vorurteile mitschwingen“, so Lyubarsky.

    Bieselt, Schünemann und Bewohner distanzieren sich

    Eingeschüchtert fühlt sich Lyubarsky davon aber nicht. Sein Angebot, zu vermitteln bestehe nach wie vor. Und es dürfte auf offene Ohren treffen. Jana Bieselt, Nadja Schünemann und die Anwohner, mit denen die Berliner Zeitung vor Ort sprach, kennen den Artikel - und distanzieren sich ausdrücklich davon, wie sie sagen. Ihnen gehe es um den Erhalt ihres Kiezes, unabhängig von der Herkunft der Eigentümer.

    #Berlin #Mitte #Novalisstraße #Gentrifizierung #Stadtentwicklung

  • Kulturkampf um das Theater Ost: Wem gehört die DDR-Immobilie?
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/wem-gehoert-das-theater-ost-kultur-und-immobilieneigner-auf-kollisi

    10.2.2026 von Maritta Adam-Tkalec - Lösungsvorschläge für einen beiderseits günstigen Weg liegen auf dem Tisch – und werden demontiert. Jetzt muss sich der Senat positionieren.

    Es ist viel los in und um das Theater Ost in Adlershof: Noch im Dezember war der Schreck über eine Räumungsklage und ein zustimmendes Urteil des Landesgerichts groß gewesen. Eine Schockstarre trat aber nicht ein – eher das Gegenteil.

    Theaterdirektorin Kathrin Schülein hat gegen das noch nicht rechtskräftige Urteil, das sie zur Übergabe der gemieteten Räume an den Immobilienentwickler Stefan Klinkenberg verpflichtet, Berufung eingelegt. Sie erhofft von der nächsten Instanz, dem Kammergericht, eine gründlichere Prüfung, denn Zeugen wurden in der ersten Instanz nicht gehört. Stefan Klinkenberg, Architekt aus Kreuzberg, hatte die Räumungsklage mit der Begründung eingereicht, die Sanierung des Hauses und andere Bauarbeiten im Umfeld sollten beginnen.

    Die Marke „Theater Ost“ hat Kathrin Schülein vergangene Woche beim Patentamt eintragen lassen; jetzt ist der programmatische Name dem Kulturprojekt sicher, egal wie der Wind weht.
    Bezirk entscheidet: Nach wie vor förderungswürdig

    Obendrein startete im großen Saal des Hauses vor vollständig ausverkauftem Haus eine neue Gesprächsreihe zur Förderung der deutsch-deutschen Debattenkultur. Der Titel: Perspektivwechsel. Holger Friedrich, Verleger der Berliner Zeitung, hatte zum Auftakt als Gesprächspartner den Publizisten Jakob Augstein zu Gast. Demnächst wird die West-Mediengröße Mathias Döpfner zur Debatte erwartet.

    Eine nach dem Räumungsurteil aufgetauchte Sorge hat sich verflüchtigt: Der Bezirk Treptow-Köpenick zahlt nach wie vor monatlich einen Förderbeitrag von 2373,17 Euro. Ein Sprecher des Bezirks erläuterte auf Nachfrage, der für Kultur zuständige Bezirksstadtrat Marco Brauchmann (CDU) habe „die institutionelle Förderung 2026 u.a. für das Theater Ost beschlossen“.

    Das Theater Ost sei „nach wie vor förderungswürdig, der Zuwendungsvorgang war zu keinem Zeitpunkt gestoppt oder ausgesetzt“. Die Raten für Januar und Februar 2026 in Höhe von 4746,35 Euro seien ausgezahlt. Es handelt sich um die einzige öffentliche Förderung für die Kulturinstitution.

    Aber wie soll es weitergehen? Die Streitparteien haben in den vergangenen Wochen Vorstellungen entwickelt, aufbauend auf einem konstruktiven Vorschlag, den Stefan Klinkenberg bei einem Gespräch mit der Theaterdirektorin in Anwesenheit des für Treptow-Köpenick direkt gewählten Bundestagabgeordneten Gregor Gysi gemacht hatte: Demnach war Klinkenberg bereit, das historische Gebäude aus seiner in Erbbaurecht vom Land Berlin erworbenen Immobilie herauszulösen und für einen Euro an das Theater zu übergeben – abgestimmt mit dem Senat und verbunden mit den entsprechenden Pflichten zu Sanierung des denkmalgeschützten Baus, unter anderem der Einhaltung von Sicherheitsbestimmungen.

    Darauf aufbauend reagierte zu Jahresbeginn das Theater Ost, beraten von Holger Friedrich, mit folgendem Vorschlag: Eine von Kathrin Schülein und eventuell Kollegen zu gründende Gesellschaft übernähme von Klinkenberg das in Rede stehende Gebäude Studio 5 zum genannten Preis von 1 Euro. Diese Gesellschaft solle sich zur schrittweisen Sanierung innerhalb von zehn Jahren verpflichten und das Gebäude zur Nutzung an eine für diesen Zweck zu gründende Genossenschaft vermieten. Der Berliner Verlag und der neue Ostdeutsche Verlag würden für Veranstaltungen Miete zahlende Nutzer sein und so helfen, die Ertragslage zu verbessern.

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    Perspektivwechsel im Theater Ost: Jakob Augstein und Holger Friedrich, nicht immer einer Meinung, im GesprächMarkus Wächter/Berliner Zeitung

    Stefan Klinkenberg reagierte schnell – und zwar mit prinzipiellem Einverständnis hinsichtlich der Konstruktion, jedoch mit einer entscheidenden Einschränkung: „Mein Angebot zu einem Verkauf zum Preis von 1 Euro bezieht sich allerdings nicht auf das ganze Gebäude, sondern auf die derzeit von Frau Schülein gemieteten Räume, ca. 900 Quadratmeter, s. Mietvertrag – also die drei Etagen im Kopfbau, ca. 500 Quadratmeter, und den großen Studiosaal, ca. 400 Quadratmeter.“

    Kathrin Schülein schlussfolgert: Die für den Theaterbetrieb unverzichtbaren Aufzüge, Gänge, Flure, Treppen, selbst der Backstagebereich der Bühne kämen nicht an die Nutzer! Tatsächlich sollen nach Klinkenbergs Vorstellungen die übrigen Räume des Bestandsgebäudes (insgesamt 2500 Quadratmeter) sowie der daneben geplante Neubau im Eigentum seiner Studio 5 Adlershof KG verbleiben. Gemeinschaftsflächen sollten demnach gemeinsam erschlossen werden, Sondernutzungsrechte am Gemeinschaftseigentum geregelt werden.

    Wegen „geringen Bedarf an zusätzlichen Büroräumen in Adlershof“ (Klinkenberg) soll im Neubau, anders als ursprünglich vorgesehen, nun womöglich in der direkten Nachbarschaft des Theaters eine Unterkunft für Wohnungslose entstehen, als soziales Projekt mit Aussicht auf öffentliche Förderung. Zugleich solle der Neubau, so Klinkenberg, die Erschließung der Obergeschosse des Bestandsgebäudes möglich machen, ebenso wie Barrierefreiheit und – wichtig! – „die Finanzierung des Gesamtvorhabens“.

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    Das Streitobjekt: Das ehemalige Studio 5 des DDR-Fernsehens, heute Spielstätte des Theater Ost.Markus Wächter/Berliner Zeitung

    Klingt zunächst gut, doch Schülein riecht den Braten: „Wir würden dann für alles – Gänge, Aufzüge, Lager, Garderoben – extra Miete bezahlen. Da will er sich von uns alle Kosten wieder reinholen.“ Er sehe eben alles „aus Unternehmersicht“. Zudem sei die Variante unpraktikabel: „Wir müssten ständig neu bitten, hätten immer neue Kosten. Also permanente Abhängigkeit und ständige Ärgerquelle.“ Das Theater brauche aber für sein Handeln eine gewisse Autonomie. Die ursprüngliche Variante, also Überlassung des gesamten Gebäudes, hält sie für diskussionswürdig.

    Auf Nachfrage erklärt Stefan Klinkenberg: „Das Konzept Eigentumsteilung und Übergabe des ganzen Hauses, wie bei dem Termin mit Herrn Gysi besprochen, ist nicht für 1 Euro möglich.“ Es seien Gemeinschaftsflächen zu finanzieren, die teilweise im Neubau lägen; der Vorschlag müsse zumindest die anteiligen Vorlauf-, Planungs- und Sanierungskosten decken. Das wären nach seinen Berechnungen für Vorlauf und Planung 800.000 Euro brutto. Immer wieder betont der Immobilienentwickler die Komplexität des Projektes.

    Stefan Klinkenberg sieht sich als sozialer Unternehmer, als „Möglichmacher“, dem die Kultur, auch das Theater Ost, am Herzen liege, und verweist auf von ihm verantwortete Projekte wie das Bürgerprojekt Rathaus Friedrichshagen oder das Kulturhaus Palisadenstraße im ehemaligen Umspannwerk. Wegen dieser Referenzen habe ihn das Land Berlin angesprochen. Er schreibt, 20 Jahre lang habe der Senat nach einem Projektentwickler gesucht und schließlich ihn gebeten, ein tragfähiges und finanzierbares Konzept zu entwickeln. Das habe er getan.

    Klare Vorgaben im Erbbaupachtvertrag

    Der Mieterin Schülein wirft er unter anderem vor, nicht gesprächsbereit zu sein, den Spielbetrieb ohne notwendige Genehmigungen und amtlich bestätigte Brandschutzsicherheit fortzusetzen. Er warnt, die Nutzung stelle unter diesen Umständen ein hohes Risiko dar. Und er äußert subtil Zweifel an der Kompetenz der Theaterfrau in Immobilienfragen. Er klagt, der Unterhalt der Immobilie koste ihn ca. 100.000 Euro im Jahr, Frau Schülein zahle mit ihrer geringen Miete nur einen Teil davon. Gerade habe er 8000 Euro für die Reparatur des Daches ausgegeben.

    Und er stört sich an der laufenden Kampagne „Volkseigentum und Entschädigung“, unter anderem bei der vom Theater Ost am 1. November 2025 durchgeführten „Rettungskonferenz“. Seine Botschaft an die recherchierende Journalistin: „Die Sichtweise von Frau Schülein weicht teilweise sehr weit von der Realität ab und ist von einem bestimmten Glauben geprägt.“

    Das Theater Ost hatte den Investor anfangs als Glücksfall gesehen, doch, so Kathrin Schülein, durch die Erfahrung der jüngsten Vergangenheit sei man tief enttäuscht worden. Nun sieht man ihn als profitgierigen Investor aus dem Westen und verteidigt das Theaterprojekt im Interesse des Publikums.

    Sie wirft Klinkenberg unter anderem vor, durch die über Jahre verzögerte Sanierung (u.a. der Heizungsanlage) die Kosten für die ersatzweise genutzte Elektroheizung in enorme Höhen getrieben zu haben. Beide streiten, wer die Kosten tragen soll. Kathrin Schülein sagt dazu: „Wir haben uns durch unser zehnjähriges Engagement, das den Erhalt des denkmalgeschützten und maroden Gebäudes sicherte, das Recht der Mitbestimmung am ehemaligen Volkseigentum erarbeitet.“

    Am 11. Februar 2026 steht ein Treffen mit Alexander Slotty (SPD), Staatssekretär für Bauen und Amtschef der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, an. Das Land Berlin als Grundstückseigentümer hat Klinkenberg die Immobilie per Erbbaurechtsvertrag überlassen. In dem Vertrag ist festgelegt, dass das historische, 1952 als Sendesaal für den Fernsehfunk der DDR eröffnete und später als Studio 5 unter anderem als Produktionsort der „Aktuellen Kamera“ genutzte Gebäude, langfristig zu erhalten ist – und zwar als Kulturstandort. Das Theater Ost ist ausdrücklich – als heutiger wie künftiger Mieter nach einer Sanierung – aufgeführt. Kathrin Schülein weist darauf hin, dass der Senat allen vom Erbbaurechtsvertrag abweichenden Konzepten zustimmen muss.

    Klinkenberg hat darauf gedrängt, ein gemeinsames Konzept vorzulegen. Das liegt nicht vor. Kathrin Schülein lässt sich nicht zur Eile drängen und verweist auf Klinkenbergs veränderten Vorschlag. Dieser wiederum weist den Vorwurf zurück, Schlangenlinien zu fahren. Die Theaterdirektorin fragt sich: „Und was macht er morgen?“ Und wirft ihm zweifachen Wortbruch vor: „Zuerst war er bereit, den Erbbaupachtvertrag unter bestimmten Bedingungen abzugeben, schlug die Übergabe seiner GmbH & Co. KG an uns vor. Kurze Zeit später hat er das widerrufen. Dann äußerte er in Anwesenheit von Gregor Gysi Bereitschaft, das historische Gebäude für einen Euro an das Theater zu übergeben. Dann war alles nicht mehr so gemeint.“ Sie sagt: „Das Vertrauen ist weg.“

    Holger Friedrich: Hilfe ja, wirtschaftliches Interesse nein

    Holger Friedrich hat mehrfach öffentlich betont, er wolle alle seine Erfahrungen als Unternehmer und auch materielle Unterstützung einbringen, „damit dieses Theater gerettet werden kann“. Er stellt klar: „Ich will weder das Gebäude noch das Gelände, noch die Betriebsgesellschaft kaufen. Ich habe keine wirtschaftlichen Interessen.“ Seine Gäste treten, so wie er selbst, in der Gesprächsreihe Perspektivwechsel ohne Honorar auf; alle Einnahmen aus den gut verkauften Veranstaltungen fließen an das Theater Ost.

    Für den Immobilienentwickler läuft die Frist von drei Jahren für die im Februar 2025 (damals für Büros im Neubau) erteilte Baugenehmigung. Er weist darauf hin, dass er laut Erbbaurechtsvertrag verpflichtet ist, innerhalb von drei Jahren nach Erteilung der Baugenehmigung die Baumaßnahmen umzusetzen.

    Großes Programm trotzt Räumungsklage

    Über allem schwebt weiterhin die vom Kreuzberger Architekten Klinkenberg angestrengte Räumungsklage. Auf Nachfrage, ob er sie nicht im Sinne einer Deeskalation in weiteren Gesprächen zurückziehen wolle, antwortet Stefan Klinkenberg: „Es werden nach wie vor keine konstruktiven Gespräche geführt – ich werde die Klage nicht zurückziehen – die Frage ist, wann ich die Räumungsklage umsetze.“

    Das Theater Ost bietet derweil unbeirrt jede Menge Programm: Der Adlershofer Politsalon befasst sich mit dem Iran, zweimal kann man in Gundermann-Erinnerungen schwelgen (ausverkauft) oder seinen „Bock auf Ostrock“ ausleben. Der Perspektivwechsel zwei mit dem Gast Mathias Döpfner am 2. März ist seit langem ausverkauft.

    #Berlin #Adlershof #Theater #Privatisierung #Stadtentwicklung

  • S-Bahn in Berlin : Inbetriebnahme der Siemensbahn wird konkreter
    https://www.nd-aktuell.de/artikel/1197216.oeffentlicher-nahverkehr-s-bahn-in-berlin-inbetriebnahme-der-siem

    Formal nie stillgelegt ; Bahnhof Siemensstadt der Siemensbahn im Jahr 2019 Foto : dpa/Paul Zinken

    5.2.2026 von Nicolas Šustr - Eisenbahn-Bundesamt erlaubt vorab Herstellung von Ersatzlebensräumen für Eidechsen und Vögel

    Die Deutsche Bahn kann einen kleinen Erfolg beim Projekt Siemensbahn feiern. Mit Datum 21. Januar hat das zuständige Eisenbahn-Bundesamt die Herstellung von bauzeitlichen Ersatz-Lebensräumen für umzusiedelnde Zauneidechsen sowie von Nistkästen für Vögel und Schlafkästen für Fledermäuse genehmigt.

    Es handelt sich dabei um eine sogenannte vorläufige Anordnung, die das Bundesamt erteilen kann, da »eine positive Prognose zur Genehmigungsfähigkeit des Vorhabens« bestehe. Der Reaktivierung der Siemensbahn stünden laut Bescheid »keine unüberwindbaren Hindernisse entgegen«.

    Seit dem West-Berliner Reichsbahn-Streik 1980 ruht auf der 1929 eröffneten S-Bahn-Strecke der Siemensbahn der Verkehr. Ab Ende 2029 soll die neue Linie S6 vom Endbahnhof Gartenfeld über die Zwischenstationen Siemensstadt und Wernerwerk den Ringbahnhof Jungfernheide erreichen und am Bahnhof Westhafen auf den ersten Abschnitt der zweiten Nord-Süd-S-Bahn zum Hauptbahnhof wechseln. Alle zehn Minuten sollen Züge fahren.

    Der Berliner Senat hatte mit dem Siemens-Konzern das Projekt vereinbart, nachdem der sich entschlossen hatte, untergenutzte Werksflächen immobilienwirtschaftlich zu verwerten. Rund eine Million Quadratmeter Gebäudefläche für Gewerbe, Forschung und Lehre sollen dort entstehen, zudem knapp 2800 Wohnungen. Weitere 3700 Wohnungen sollen auf der Insel Gartenfeld gebaut werden.

    Die fast vergessene S-Bahn-Strecke soll die Anbindung an das Berliner Zentrum deutlich verbessern. Rund 47 Minuten dauere heute die Fahrt vom U-Bahnhof Rohrdamm mit U7 und S-Bahn zum Hauptbahnhof, bei Nutzung von Regionalzügen ab Jungfernheide seien es etwa 37 Minuten. Mit der neuen S6 könne der Hauptbahnhof ohne Umstieg in unter 20 Minuten erreicht werden, wird im Bescheid vorgerechnet.

    Wie diese angegebenen Fahrzeiten errechnet wurden, ist unklar. Denn laut aktuellen Online-Fahrplanauskünften ist die Verbindung über den Bahnhof Charlottenburg in unter einer halben Stunde zu schaffen. In Kombination von U7 und Regionalzügen sind auch heute schon Fahrzeiten unter 20 Minuten möglich.

    Formal ist die Wiederinbetriebnahme eines Großteils der Strecke eine schlichte Instandsetzung, für die keine Genehmigung nötig ist, da sie formal nie stillgelegt war. Das gilt aber unter anderem nicht für den Bereich vom Bahnhof Jungfernheide bis über die Spree, wo eine bei Wasserbaumaßnahmen abgerissene Eisenbahnbrücke neu gebaut werden muss.

    Das Baurecht erteilt das Eisenbahn-Bundesamt. Die nun genehmigten Naturschutz-Maßnahmen sind laut Bescheid »Voraussetzung für die rechtzeitige und damit fristgerechte Umsetzung des Bauvorhabens«. Könnten diese erst nach 2026 realisiert werden, würde sich die geplante Inbetriebnahme der Siemensbahn 2029 »aufgrund der Abhängigkeiten zu anderen Baumaßnahmen um mehrere Jahre verschieben«.

    Der Zeitplan für das 880-Millionen-Euro-Projekt (Kostenstand 2024) ist extrem sportlich. Denn es gibt zahlreiche Einwendungen und Abhängigkeiten nicht nur in Naturschutzfragen. So kreuzt sich der Baubereich mit dem von der Autobahn des Bundes geplanten Ersatzneubau der Rudolf-Wissell-Brücke im Zuge der A100.

    Am Bahnhof Jungfernheide soll ein zusätzlicher S-Bahnsteig entstehen. Der breitere Bahndamm und die dorthin geplante Straßenbahnverlängerung der M10 von der Turmstraße müssen koordiniert werden. Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf lehnt die Pläne generell ab, da städtebauliche Ziele »aufgrund der erheblichen Inanspruchnahme von privaten und bezirkseigenen Flächen nicht erfüllt« seien, wie im Bescheid zu lesen ist.

    Die Senatsverkehrsverwaltung hat wiederum zahlreiche Vorbehalte gegen die geplante Lärmschutzwand auf der an den Bahnhof Jungfernheide anschließenden Brücke über Tegeler Weg und Spree.

    #Berlin #Siemensstadt #Siemensdamm #Wohlrabedamm #S-Bahn #ÖPNV #Stadtentwicklung

  • Kurfürstendamm in Berlin: Ein ernüchternder Besuch auf dem ehemaligen Prachtboulevard
    https://www.berliner-zeitung.de/panorama/kudamm-in-berlin-ein-ernuechternder-besuch-auf-dem-ehemaligen-prach

    Kudamm hat nachgelassen? Kein Wunder wenn die Russen den Weg nicht mehr in fünfzehn Minuten schaffen.

    8.2.2026 von Dirk Engelhardt - Was ist eigentlich geworden aus dem Prachtboulevard? Ein Besuch zwischen Tauentzien und Bleibtreustraße jedenfalls war ernüchternd.

    „Ich hab’ so Heimweh nach dem Kurfürstendamm. Berliner Tempo, Betrieb und Tamtam“, sang die wahrlich unverbrüchliche Hildegard Knef 1963. Tatsächlich pulsierte der legendäre Boulevard in jener Zeit quasi rund um die Uhr, er war die Hauptschlagader der Insel West-Berlin.

    Meine älteste Erinnerung an den Kurfürstendamm ist der erste Kinobesuch meines Lebens, gemeinsam mit meiner Oma, die am Wittenbergplatz wohnte. Wir gingen in den Royal Palast, einen der vielen opulenten Lichtspielpaläste, die es im Jahr 1978 noch gab. Dann waren da noch der Gloria-Palast, das Marmorhaus, die Filmbühne Wien, das Astor und die Lupe, um nur die wichtigsten zu nennen.
    Zwei Karten für die Raucher-Lobby

    Genaugenommen war der Royal Palast nicht am Kudamm, sondern am Tauentzien. Den Kudamm legte 1542 Kurfürst Joachim II. an. Er führte vom Berliner Stadtschloss bis zum Jagdschloss Grunewald. Heute ist der berühmte Boulevard immerhin noch 3,5 Kilometer lang. Die Straßenbreite von 53 Metern legte Kanzler Bismarck im Jahr 1875 fest: Startpunkt zum Ausbau der Prachtmeile, die zur Villenkolonie Grunewald führte.

    Da meine Großmutter Kettenraucherin war, kaufte sie zwei Karten für die Raucher-Lobby, die abgeteilt im hinteren Bereich des Kinos lag, hinter einer riesigen Glasscheibe. Wir sahen entgeistert den „Krieg der Sterne“, Teil 1 natürlich, ich aufgeregt, meine Oma rauchend. Damals war das kein Thema. Danach spazierten wir an der Eislaufbahn vorbei, die sich damals im Erdgeschoss des Europa Centers befand. Weltstadtatmosphäre!

    Zwar glitzert der Kurfürstendamm heute nachts auch noch, doch glamouröses Nachtleben sucht man dort vergeblich. In die Kinos sind Modeketten oder Computerläden gezogen, die abends die Rollläden herunterlassen, ab 20 Uhr geht der Boulevard zu Bett, von den wenigen Restaurants einmal abgesehen.

    Und die edlen Geschäfte? Ich betrete eine der Luxusboutiquen mit ihren goldgerahmten Schaufenstern. Es ist ein Laden, in dem ich gewöhnlich nicht shoppe. Mit einer pantomimischen Geste bedeutet mir der anzugtragende Mann am Eingang, dass ich erst meine Mütze abnehmen müsse, bevor er mich einlässt. Dann öffnet er höflich die Tür und erklärt, dass das eine „Sicherheitsmaßnahme“ sei.

    Ob es Kunden gibt, die Sprengstoff unter ihrem Hut verstecken? Der Geschäftsführer erklärt unverblümt, dass er seine Meinung nicht in einer Zeitung lesen möchte, da er über die Lage am Kurfürstendamm wenig Positives zu berichten hätte. Unten, am Tauentzien, da ginge es ja noch, aber hier oben an der Bleibtreustraße, da sähe es mau aus. Tatsächlich ist der Laden menschenleer, die vier Verkäufer spielen gelangweilt auf ihren Handys herum.

    Ein Stück höher, neben der Schaubühne am Lehniner Platz, dem einzigen verbliebenen Theater am Kurfürstendamm, ging ich früher in die Bhagwan-Disco, das „Far Out“. Ich erinnere mich an einen hell beleuchteten Tanzsaal, das riesige Foto des „Meisters“ Bhagwan Shree Rajneesh, der sich später Osho nannte und dessen New-Age-Sekte bis heute Legende ist; fast jeder war damals gut gelaunt auf der Tanzfläche. Heute wird hier immer noch getanzt: nämlich in der Tanz- und Trainingsschule namens „agens pro am“, was immer das auch bedeuten mag.

    Lebt noch von der Legende: Das Café Kranzler

    Lebt noch von der Legende: Das Café KranzlerBritta Pedersen

    Die Nachkriegsarchitektur, die besonders den oberen Teil des Boulevards schmückt, wirkt belanglos, wenn man sie mit den mondänen Gründerzeitpalästen in der Höhe Bleibtreustraße vergleicht. Nur am Adenauerplatz wagten die Architekten von heute etwas Besonderes.

    Dort steht das schmalste Bürogebäude Berlins, das auf einer Grundstücksbreite von sage und schreibe nur 2,5 Metern 1992 vom Architekten Helmut Jahn geplant und errichtet wurde. Durch seine ausgeklügelte Architektur hat es dennoch Nutzflächen von rund 700 Quadratmetern. In Berlin wusste man schon immer, aus wenig Substanz viel zu erwirtschaften. Wieder ein Stückchen weiter ist das Hotel Kudamm 101, wenig fantasievoll benannt nach der Hausnummer. Längst geschlossen, erinnere ich mich noch an die Eröffnung, bei der in den Hotelzimmern in den Badewannen nackte Models im Schaumbad lagen – um das Ganze nicht langweilig wirken zu lassen und den Fotografen Futter zu bieten. Heutzutage undenkbar.

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    Auf der anderen Straßenseite residierte das „Big Eden“, eine der Discotheken des stadtbekannten Playboys Rolf Eden. Jedes Wochenende rammelvoll. Der Gang hinter der Eingangstür war zugeklebt mit Fotos der Promis, die dort waren. Und Rolf Eden sah ich manchmal, wie immer gekleidet in einem schneeweißen Anzug, in seinem offenen, weißen Rolls Royce langsam den Kudamm heraufcruisen, die Damenwelt fest im Blick. Tempi passati.

    Genau wie die Frauen, die sommers wie winters in der Nähe der Uhlandstraße abends an den beleuchteten Vitrinen warteten, und jedem halbwegs passablen Mann, der an ihnen vorbeiging, etwas mit „hundert Mark“ zuraunten. Biss ein Mann an, hakten sie sich bei ihm ein und führten ihn in den Eingang eines der Gründerzeithäuser.

    Preisgünstiger vergnügen konnte man sich in der „Sperlingsgasse“, einer Ladenpassage, die ein findiger Gastronom in den 70er-Jahren in eine Indoor-Kneipenmeile umwandelte. Ähnlich wie das Kudorf, ganz am Anfang des Kudamms an der Ecke Joachimsthaler Straße. 1975 gegründet, war das Kudorf mit einer Fläche von 2000 Quadratmetern und 18 integrierten Kneipen die größte Discothek Europas.
    Am Ende ist doch was los

    Die Umbenennung in Q-Dorf half nichts, 2015 schloss das Etablissement. Nicht mal das Café Kranzler, emblematisch mit seinen weiß-roten Markisen am Entree des Kurfürstendamms gelegen, hat überlebt. Bis vor kurzem saß man dort in einem Coffeeshop auf hölzernen Hockern, jetzt gibt es nicht mal mehr Kaffee.

    Doch auch für den gehobenen Geschmack bot der Kudamm etwas: Bei „Chez Alex“, der Pianobar in der Hausnummer 170, gingen Stars wie Hildegard Knef, Prinz Albert von Monaco und Sylvester Stallone ein und aus. Heute residiert hier das Hotel Louisa’s Place. Zwischen Olivaer Platz und Joachimsthaler Straße ist der Kudamm merklich belebter.

    Hier sind auch die Seitenstraßen für die Shopping-Addicts sehr ergiebig. Und einige der berühmt-berüchtigten Pensionen, die Wirtinnen meist in den riesigen Beletagen der Gründerzeithäuser einrichteten, gibt es immer noch. Eine der schönsten ist die Pension Funk in der Fasanenstraße 69, wo man durch ein überirdisch schönes Treppenhaus in die Pension wandelt, deren Zimmer allesamt im originalen Jugendstil eingerichtet sind. Das zu Preisen unter 100 Euro pro Nacht!

    Am Ende ist doch noch etwas los am totgesagten Kudamm: An der Ecke Joachimsthaler Straße staut sich eine Menschenschlange bis um den Block. Netflix macht es möglich: Zu sehen ist eine Ausstellung der Requisiten von „Stranger Things“. Der Eintritt ist kostenlos, und man kann über die nachgebaute Starcourt Mall flanieren oder sich auf Will Byers’ Couch setzen. Und dazu Demogorgon-Waffeln mampfen.

    #Berlin #Charlottenburg #Wilmersdorf #Kurfürstendamm #Geschichte #Wirtschaft #Stadtentwicklung

  • Streit um die Skyline: Der Berlinian erreicht 146 Meter und spaltet die Hauptstadt
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/zu-hoch-fuer-den-alexanderplatz-richtfest-des-berlinian-sorgt-fuer-

    Wer braucht neue Kirchtürme des Kapitalismus? Für die Wohnungsversorgung und das städtische Gewerbe sindvsie jedenfalls überflüssig.

    14.1.2026 von Oliver Weinlein - Der Berlinian erreicht seine 146 Meter. Trotz des Erfolgs bleibt die Kritik an der Bauhöhe und dem Zeitplan bis Mai 2027 bestehen.

    Am Berliner Alexanderplatz ist am heutigen Mittwochnachmittag ein städtebauliches Signal gesetzt worden, das gleichermaßen von baulichem Erfolg und politischem Zündstoff geprägt ist.

    Während über dem Skelett des neuen Hochhauses The Berlinian der Richtkranz schwebt, blicken Beobachter nicht nur mit Anerkennung auf den Fortschritt, sondern auch mit Skepsis auf die Begleitumstände dieses Mammutprojekts. Es ist ein markanter Meilenstein für das derzeit ambitionierteste Bauvorhaben im Herzen der Hauptstadt, das nach Jahren der Verzögerung und einem Eigentümerwechsel nun unübersehbar in den Himmel ragt.

    Vom Erbe Benkos zum Vorzeigeprojekt

    Die Geschichte des Berlinian ist untrennbar mit den Turbulenzen der Berliner Immobilienwelt verknüpft. Ursprünglich unter dem Namen Mynd vom inzwischen insolventen Signa-Konzern initiiert, drohte das Projekt zeitweise als nächste Bauruine am Alexanderplatz zu enden. Erst die Übernahme durch die Commerz Real im Jahr 2023 brachte die nötige Stabilität und das Tempo zurück auf die Baustelle. Mit einer Endhöhe von 146 Metern ist der Turm jetzt das am weitesten fortgeschrittene Hochhausprojekt auf dem Areal.

    Hinter der gläsernen Fassade entsteht ein Nutzungsmix, der über reine Büroflächen hinausgeht. Neben modernen Arbeitswelten sind Flächen für Einzelhandel, Kultur und Gastronomie vorgesehen. Besonders die öffentlich zugänglichen Bereiche wie die Lobby und eine geplante Skylounge sollen das Gebäude für die Stadtgesellschaft öffnen und das angrenzende Warenhaus Galeria ergänzen.

    Kai Wegners Vision einer Berliner Skyline

    Die politische Bedeutung des Projekts wurde durch den Auftritt des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner beim Richtfest unterstrichen. Der CDU-Politiker nutzte die Zeremonie für ein deutliches Bekenntnis zum Hochhausbau und forderte einen Mentalitätswechsel in der Stadtplanung. „Ich wünsche mir für Berlin, dass wir häufiger den Mut aufbringen, höher zu bauen“, so Wegner vor den geladenen Gästen. Das verdiene eine Metropole wie Berlin. Für Wegner ist der Turm ein Vorbote für die künftige Gestalt der Mitte: „Wir brauchen spannende Architektur. Wir brauchen auch hohe Häuser. Wir brauchen eine echte Skyline, und die wird hier am Alexanderplatz entstehen.“ Der Alexanderplatz habe großes Potenzial, betonte er weiter. Dass wir hier nun mit 146 Metern eines der höchsten Geschossbauten haben, zeige, was an diesem Ort möglich sei.

    Die Debatte um die wachsenden Meter

    Doch wo Licht ist, fällt am Alexanderplatz traditionell auch viel Schatten. Die Kontroverse um den Berlinian entzündet sich vor allem an seiner schieren Größe und deren Entwicklung. In den ursprünglichen Entwürfen war das Gebäude noch mit einer Höhe von 132 bis 134 Metern vorgesehen. Im Verlauf der Realisierung wuchs der Turm jedoch über 142 Meter bis auf die heutigen 146 Meter an.

    Diese Anpassung während der laufenden Entwicklung war laut Experten auf Basis des bestehenden Planungsrechts möglich, ohne eine völlig neue Genehmigungsschleife zu durchlaufen. Dennoch sorgt dieser Zuwachs für politischen Unmut. Kritiker und Teile der Opposition vermuten hinter der Erhöhung informelle Absprachen, um die Wirtschaftlichkeit des Projekts nach dem Ausstieg von Signa abzusichern. Es stehen Fragen im Raum, ob dem Investor hier ohne ausreichende Transparenz zusätzliche Geschossflächen zugestanden wurden.

    Besonders die Auswirkungen auf die Sichtachsen zum Berliner Fernsehturm sorgen für Diskussionen, da der Bau aus vielen Perspektiven die gewohnte Dominanz des Wahrzeichens einschränkt.
    Ein ungleiches Bild am Alexanderplatz

    Das Richtfest des Berlinian verdeutlicht zudem die tiefe Spaltung in der Berliner Stadtentwicklung. Während hier der Baufortschritt gefeiert wird, herrscht wenige hundert Meter weiter am Alexander Tower des russischen Investors Monarch weiterhin Stillstand. Dort blicken die Berliner seit Jahren auf eine verwaiste Baugrube, die durch Finanzierungsprobleme und Sanktionen zum Mahnmal für die Risiken großer Investorenprojekte geworden ist. Berlin macht dort inzwischen Vertragsstrafen in Millionenhöhe geltend. Der Erfolg des Berlinian wirkt in diesem Kontext wie ein mühsam erkaufter Sieg gegen den drohenden Stillstand im Zentrum, auch wenn die massive Architektur von vielen als wenig feingliedrig empfunden wird.

    Zukunftsaussichten

    Mit dem Abschluss des Rohbaus beginnt nun die Phase des Innenausbaus. Entgegen früherer Schätzungen wird die vollständige Fertigstellung des Ensembles für den Mai 2027 angestrebt. Es bleibt abzuwarten, ob die versprochene Belebung des Platzes durch die öffentliche Skylounge und die kulturellen Angebote tatsächlich eintritt oder ob The Berlinian primär ein Symbol für eine Stadtplanung bleibt, die in der Kritik steht, sich zu sehr an den Bedürfnissen großer Finanzinvestoren zu orientieren.

    Der Richtkranz über dem Alexanderplatz markiert jedenfalls das Ende einer Ära der Unsicherheit, lässt aber die Debatte über die richtige Gestaltung der Berliner Mitte lebendiger denn je zurück.

    #Berlin #Mitte #Alexanderplatz #Stadtentwicklung #Hochhaus

  • Weitere Umbenennung: Diesen Namen könnte die Dorotheenstraße bald tragen
    https://www.berliner-zeitung.de/news/dorotheenstrasse-soll-nach-holocaust-gedenkstaette-yad-vashem-benan

    Alles neu macht der Mai. Aus Kohlfurt wurde Regina Jonas, also warum nicht mal andersrum und aus der Frau ’nen Ort machen. Logik, Sinn und Verstand hat das Ganze aus Berlner Perspektive nicht, aber das ist den rechten Philosemiten im Bundestag egal. Die basteln weiter an der Verwandlung Berlins in ein kontextbefreites Symbol provinzieller Kleingeistigkeit.

    Macht nix, genau so wurde Berlin immer wieder bis auf die Grundmauern zerstört und eine Generation später unverdrossen wieder aufgebaut.

    Der Preis dafür, Hauptstadt ganz Deutschlands zu sein fällt höher aus, als es sich die meisten vorstellen konnten.

    18.12.2025 von Kai Kleinwächter - Eine Kommission des Bundestags spricht sich dafür aus, einen Teil der Dorotheenstraße umzubenennen. Die neue Yad-Vashem-Straße käme frühestens im Mai 2026.

    Die Baukommission des Bundestags hat sich für die Umbenennung eines Teilstücks der Dorotheenstraße in Berlin-Mitte ausgesprochen. Der Abschnitt soll einem Bericht von Table Media zufolge in Yad-Vashem-Straße umbenannt werden. Es handelt sich dabei um einen Abschnitt in unmittelbarer Nähe des Reichstagsgebäudes. Die Umbenennung kann demnach frühestens im Mai 2026 erfolgen.

    Die israelische Yad-Vashem-Gedenkstätte ist einer der wichtigsten Erinnerungsorte an den Holocaust. Aus Sicht der Baukommission wäre der neue Name ein Ausdruck des Bekenntnisses zu historischer Verantwortung und Erinnerungskultur in Deutschland.
    Von Dorothea zu Clara Zetkin zu Yad Vashem

    Die jetzige Umbenennung steht in einer langen Tradition politischer Namensgebungen dieser Straße. Im Jahr 1822, nach dem Ende der napoleonischen Kriege und dem Beginn des Aufstiegs Preußens, wurde diese nach Dorothea von Brandenburg benannt. Sie war die Ehefrau des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges.

    Für die DDR war die prominente Erinnerung an die brandenburgisch-preußische Geschichte nicht akzeptabel. Sie benannte die Straße nach der Frauenrechtlerin und dem Gründungsmitglied der KPD Clara Zetkin um. Nach der deutschen Einheit lehnten konservative Kreise bis hinauf zum damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) eine Kommunistin als Namensgeberin ab. 1995 erhielt die Straße ihren ursprünglichen Namen zurück. Die Grünen, PDS, linke SPD-Mitglieder und Frauenverbände sprachen sich damals vehement dagegen aus.

    Einflussreiche Kreise mit CDU-Verbindung setzten sich ein

    Für die jetzige Initiative setzten sich wohl politisch bestens vernetzte Prominente ein. So sprachen sich Medienberichten zufolge vor allem der Direktor von Yad Vashem, Dani Dayan, und der Vorsitzende des deutschen Vereins „Freundeskreis Yad Vashem“, Kai Diekmann, für den neuen Namen aus.

    Laut Politico trugen die prominenten und konservativen Befürworter ihren Wunsch nicht nur an Kai Wegner (CDU), Regierender Bürgermeister von Berlin, sondern auch an Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) heran. Letztere ist Mitglied des Ältestenrates, der die Umbenennung jetzt empfohlen hat.

    #Berlin #Mitte #Dorothernstraße #Straßenumbenennung #Philosemitismus #Politik #Stadtentwicklung #Geschichte

  • Streit um A100 spitzt sich zu: Autobahnchef fordert Schließung des Berliner Stadtrings
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/streit-um-a100-spitzt-sich-zu-autobahnchef-fordert-schliessung-des-

    Die Frage ist gestellt : Soll Berlin eine Autostadt bleiben oder aitofrei werden? Der Direktor der Niederlassung Nordost der Autobahn GmbH hält den Wunsch, mit dem.eigenen Auto zu fahren für ein Naturgesetz, dem Politik und Stadtentwicklhng folgen müssen. Das ist eine eigenartige Argumentation.

    8.12.2025 von Peter Neumann - Noch klafft im Osten und Norden eine Lücke. Würde sie geschlossen, könnte sich Berlin Probleme ersparen, so die Autobahn GmbH. Die Studie zur A100 nach Lichtenberg liegt Mitte 2026 vor.

    Eine Autobahn nach Lichtenberg, ein Doppelstocktunnel unter Friedrichshain: Für Kritiker ist es ein Wahnsinnsprojekt, für Befürworter eine notwendige Erweiterung der Berliner Infrastruktur. Jetzt hat Ronald Normann, Direktor der Niederlassung Nordost der Autobahn GmbH, im Streit um die weitere Verlängerung der A100 Stellung bezogen. Der 17. Bauabschnitt müsse kommen, sagte er im Gespräch mit der Berliner Zeitung. Damit nicht genug: Langfristig müsse die Lücke im innerstädtische Autobahnring geschlossen werden. Normann: „Das Berliner Autobahnnetz reicht für diese große Stadt nicht aus.“

    Bereits am 16. Bauabschnitt der A100, der Ende August zwischen Neukölln und Treptow eröffnet wurde, scheiden sich die Geister. Die Grünen kritisieren „Stau, Lärm und Lebensgefahr“. „Den Preis für die CDU-Verkehrspolitik zahlt der ganze Kiez rund um das Ende der A100 am Treptower Park“, so die Fraktion. Am Mittwoch will sie einen Acht-Punkte-Plan präsentieren, um die Lage rund um die Autobahn zu verbessern.

    Sechs Fahrstreifen neben der Ringbahn, darauf ein Deckel mit viel Grün, einer Bar und einem Club: So stellen sich die Berliner Christdemokraten die „Klimaautobahn“ A100 nördlich der Frankfurter Allee vor.

    Sechs Fahrstreifen neben der Ringbahn, darauf ein Deckel mit viel Grün, einer Bar und einem Club: So stellen sich die Berliner Christdemokraten die „Klimaautobahn“ A100 nördlich der Frankfurter Allee vor.Visualisierung: CDU Berlin

    „Die Staus zeigen, dass die Autobahn nach Treptow gebraucht wird“, entgegnete Ronald Normann. Der Bedarf werde tagtäglich durch hohe Nutzerzahlen nachgewiesen. „Es wäre absurd, den 16. Bauabschnitt wieder für Kraftfahrzeuge zu sperren“ – wie dies Politiker und der Mobilitätsforscher Andreas Knie verlangen. Derzeit seien dort pro Tag im Durchschnitt 10.000 bis 15.000 Kraftfahrzeuge unterwegs. Künftig werden es rund 40.000 sein, so der Berliner Autobahnchef. „Die Strecke ist noch aufnahmefähig.“

    Staus an der Elsenbrücke werden sich bald auflösen

    Der Stau sei bereits zurückgegangen. Anfang des nächsten Jahres werde sich die Lage weiter entspannen. „Wenn der erste neue Überbau der Elsenbrücke zwischen Treptow und Friedrichshain freigegeben worden ist und sich die Kapazität dieser Spreequerung verdreifacht hat, werden die Staus rund um die Ausfahrt Am Treptower Park in ihrer jetzigen Form Geschichte sein“, erwartet Normann. Derzeit gibt es in diesem Bereich nur einen Fahrstreifen pro Richtung. Nach der Freigabe der ersten neuen Brückenhälfte stehen zwei, nach Abschluss von Leitungsarbeiten drei Fahrstreifen pro Richtung bereit.

    Bald wird ein weiteres Berliner Autobahnthema ins Blickfeld rücken. Es geht um die nächste Verlängerung des Stadtrings: 4,1 Kilometer Bundesautobahn von der Straße Am Treptower Park zur Frankfurter Allee, an die sich 1,6 Kilometer Stadtstraße zur Storkower Straße anschließen. Kernstück ist ein Doppelstocktunnel unter dem Ostkreuz und der Neuen Bahnhofstraße. Eine „verkehrspolitische Irrfahrt“, warnen Initiativen. „Eine Chance für Berlin“, meint Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU).

    Studie zum 17. Bauabschnitt der A100 liegt erst Mitte 2026 vor

    Der Direktor der Niederlassung Nordost der bundeseigenen Autobahn GmbH bezieht eine klare Position: Der 17. Bauabschnitt sei notwendig, sagte Ronald Normann. Er verwies auf Umfrageergebnisse: Mehrheiten votierten dafür, die A100 weiter in den Osten Berlins zu verlängern. Auch der nächste Teil des Rings werde Verkehr bündeln, der sich heute noch auf Stadtstraßen drängt. „Die Menschen in den betroffenen Kiezen haben ein Recht darauf, vor Durchgangsverkehr geschützt zu werden“, so der Ingenieur.

    Wie berichtet hat die Autobahn GmbH eine Studie zu dem Projekt in Auftrag gegeben. Im Fokus steht auch die Frage, wie die A100 die Spree queren soll: auf einer Brücke oder in einem Tunnel, der entweder in offener Bauweise in einer Baugrube entsteht oder im Schildvortrieb gebohrt wird. Bislang hieß es, dass die Studie Ende 2025 vorliegt. Im Gespräch mit der Berliner Zeitung machte Normann nun deutlich, dass es länger dauert.

    „Die Machbarkeitsuntersuchung dauert an. Wir haben weitere Varianten entwickelt, die nun geprüft werden. Derzeit rechnen wir damit, dass die Ergebnisse der Untersuchung im Mai oder Juni 2026 vorliegen“, so der Autobahnchef. Ob das Ziel erreicht wird, hängt von den Kapazitäten der Ingenieurbüros ab. Zunächst werden Bund und Land benachrichtigt. Ebenfalls 2026 soll die Öffentlichkeit informiert und beteiligt werden.

    Stau an der A100 in Treptow: Warum der Stress noch Jahre weitergehen wird
    „Die Autobahn nach Friedrichshain und Lichtenberg ist tot“

    Immer wieder keimen Hoffnungen, dass der Bund auf das Vorhaben verzichtet. „Die Autobahn nach Friedrichshain und Lichtenberg ist tot“, sagte Andreas Knie, Mobilitätsforscher am Wissenschaftszentrum Berlin. Es gebe kein Geld mehr, um ein solches Milliardenvorhaben zu realisieren, das in Konkurrenz zu anderen Projekten steht. Sollte der Tunnel unter dem Ostkreuz bereits südlich der Spree beginnen, wie es die Autobahn GmbH gerade prüfen lässt, stiegen die Kosten in unglaubliche Höhen. Dann werde der 17. Bauabschnitt die Nutzen-Kosten-Untersuchung nicht bestehen.

    „Auf den Bau des 17. Bauabschnitts zu verzichten, wäre nicht wirtschaftlich“, konterte Ronald Normann. „Die Nullvariante scheidet aus“ – ein Verzicht wäre nicht sinnvoll.

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    Stau auf dem 16. Bauabschnitt der A100 vor der Ausfahrt Am Treptower Park. Für Kritiker ein Beleg dafür, wie dysfunktional die neue Autobahn ist – für Roland Normann ein Beweis, dass die Verbindung gebraucht wird.John MacDougall/AFP

    Der Ingenieur lenkte den Blick auf einen Abschnitt des Stadtrings in Charlottenburg. Nach dem Abriss der Ringbahn- und der Westendbrücke klafft in der A100 in Richtung Wedding eine Lücke. Staus sind die Folge, Lastwagen fahren durch Wohngebiete. Der Brückenneubau hat begonnen, er wird allerdings noch bis Sommer 2027 dauern.

    „Die Einschränkungen auf der A100 am ICC zeigen, wie sehr Berlin ein redundantes Autobahnnetz braucht, das solche Eingriffe besser als heute verkraftet. Die Hauptstadt-Region boomt, aber heute ist unser Autobahnsystem nicht ansatzweise in der Lage, auch dann zu funktionieren, wenn ein Teil beeinträchtigt ist“, analysierte Normann.

    Betroffen wären die Bezirke Lichtenberg, Pankow und Mitte

    Für ihn ist klar: An der Storkower Straße darf noch nicht Schluss sein. Der Stadtring müsse vervollständigt werden, forderte der Niederlassungschef. Aus einem Zwei-Drittel-Kreis muss ein 360-Grad-Kreis werden. Wenn es so wie derzeit in Charlottenburg an einem Abschnitt der A100 Probleme gäbe, könnten Autos und Lkw den Ring künftig einfach in die andere Richtung befahren. „Wenn der Stadtring geschlossen wäre, hätten wir die heutigen Probleme nicht“, sagte Normann. „Nennen Sie mir eine Hauptstadt von Relevanz, die keinen Autobahnring in der Innenstadt besitzt. Außer Berlin natürlich.“

    Ein 18. Bauabschnitt und folgende Teilprojekte wären eine Herkulesaufgabe. Bevor er an der Seestraße in Wedding an die heutige A100 anschließt, müsste der Stadtring durch weitere dicht besiedelte Gebiete am Rand der Berliner Innenstadt geführt werden. Betroffen wären Teile der Bezirke Lichtenberg, Pankow und Mitte. Heftige Kritik und Klagen vor Gericht wären zu erwarten. Es ist eine Idee, die immer wieder ventiliert wird, an die sich aber niemand ernsthaft herangewagt hat.

    Prognose sagt für Berlin leichten Rückgang des Verkehrs voraus

    Doch auch der Sprecher der Niederlassung Nordost der Autobahn GmbH hält es für notwendig, sich jetzt ernsthaft mit diesem Thema zu befassen. „Es ist tatsächlich so, dass Berlin die einzige Metropole in Europa ist, die kein geschlossenes Autobahnsystem hat“, so Ralph Brodel. „Solange sich unsere Mobilität, tief geprägt durch den Individualverkehr, der vom Wesen des Wunsches nach Individualität psychologisch tief in uns verankert ist, nicht verändert, werden die bekannten Verkehrsprobleme bleiben.“

    Daran ändere auch die neue Verkehrsprognose für Berlin nichts, die für Berlin eine Abnahme vorhersagt. „Jede Entlastung ist gut, auch wenn sie sich nur im Promillebereich bewegt“, so Normann. Doch die Analyse bleie dieselbe: „Berlin hat das stärkste Verkehrsaufkommen, aber das Berliner Autobahnnetz reicht für diese große Stadt nicht aus. Es hat keine Redundanz. Den Menschen in Wohnstraßen, die sich angesichts der Brückenabrisse am ICC mit erhöhtem Durchgangsverkehr konfrontiert sehen, können wir nicht helfen.“ Auch deshalb müsse die Lücke im Berliner Stadtring geschlossen werden.

    #Berlin #Verkehr #A100 #Autobahn #Stadtentwicklung

  • Dokumentierfaule Nazis und Brandmelder für 400.000 Euro: Das macht die Sanierung von Tempelhof so schwierig
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/berliner-wirtschaft/dokumentierfaule-nazis-und-brandmelder-fur-400000-euro-das-macht-die-sa

    Ideen hättick schon ...

    11.11.2025 von Jana Gäng - Der Flughafen Tempelhof verfällt – und mit jedem Jahr wird das Abwarten teurer. Eigentlich müsste das Land dringend sanieren. Warum ist das nur so schwierig?

    Im Herbst 2008 startet noch ein Flieger nach Mannheim, dann ist Schluss. Mit dem zivilen Flugbetrieb endet ein weiteres Kapitel am Flughafen Tempelhof in Berlin. Seitdem ringt das Land darum, ihm einen neuen Zweck zu geben. In Teilen ist das gelungen.

    Bis aber in alle 7000 Räume von Europas größtes Baudenkmal Leben hineinkommen kann, müssen Gebäudeteile saniert werden. Auch Tragwerk und Versorgungsleitungen verfallen aktuell. Tempelhof ist ein Milliardenprojekt – und „eine Generationsaufgabe“, schreibt der ehemalige Finanzsenator und SPD-Abgeordnete Matthias Kollatz.

    Das liegt vor allem an drei Gründen.

    1 Kaum Dokumente: Was Wände und Böden tragen, wusste lange keiner

    Als die Nationalsozialisten den Tempelhofer Flughafen bauen ließen, gingen ihnen neben der Zeit – gebaut wurde bis 1941 – auch die Materialien aus. Von Ost nach West nimmt entlang des 1,2 Kilometer langen Körpers die Qualität der Baustoffe ab. „Den jeweiligen Zustand rauszukriegen, ist eine große Aufgabe“, sagt Fabian Schmitz-Grethlein. Als Geschäftsführer der Tempelhof Projekt GmbH verantwortet er die Entwicklung des Gebäudes im Auftrag des Landes.

    Zudem fehlt die Baugenehmigung – wie auch spätere Dokumentationen von Maßnahmen und Nutzungen durch die Alliierten. „Die Nazis haben sich das selbst genehmigt. Die Amerikaner durften auch machen, was sie wollten. Wir wussten in weiten Teilen nichts über die Substanz“, sagt Schmitz-Grethlein.

    Das Wissen erarbeitet sich die Projektgesellschaft nach und nach. Aber das ehemalige Flughafengebäude ist groß. 293.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche misst es. Der Neubau des Bundesnachrichtendiensts in Berlin-Mitte hat nur 260.000 Quadratmeter.

    Lange war in Tempelhof die ehemalige Basketballhalle der US-Militärs gesperrt. „Klar kann man sagen: Da haben sich 50 Jahre lang GIs den Ball zugeworfen, die wird schon halten“, sagt Schmitz-Grethlein. „Aber wir wissen es nicht.“
    © Tagesspiegel/Lydia Hese

    Mal füllen Bohrungen die blinden Flecke, mal Belastungstests. „Herrlich sind die“, sagt Schmitz-Grethlein und berichtet über von Decken hängenden Wasserfässern, die dann mehr oder weniger nachgeben. „Kostet aber.“

    Heute hat etwa die Hälfte der genutzten Flächen eine Duldung, kaum etwas ist genehmigt. Jede Aktivierung leerer Teile ist ein Ringen mit der Bezirksaufsicht, sagt Schmitz-Grethlein: „Es muss ja sicher sein.“

    Sie arbeiten in der Gesellschaft daran, Genehmigungen für Typen von Gebäudeteilen auf andere zu übertragen. Dann ginge es schneller. Aber vieles am ehemaligen Flughafen Tempelhof lasse sich nicht nach Standard bewerten. „Bis wir zu einer komplett genehmigten Einrichtung kommen, wird es viele Jahre dauern“, sagt Schmitz-Grethlein. „Wenn es überhaupt gelingt.“

    2 Tempelhof ist einzigartig – Sanieren ein Experiment

    Historie und Größe machen den Flughafen Tempelhof einzigartig. Auch manche Bauteile sind es – sie zu sanieren, bedeutet Neuland zu betreten, sagt Schmitz-Grethlein. Beispiel Stahltragwerk: In den Hangars kragt es bis zu 40 Meter weit in den Raum, ohne von Stützen oder Wänden getragen zu werden. Das funktioniert über ein Gegengewicht: die Betondecke. Der Beton wird gerade saniert, in 20 Metern Höhe, über Kopf, mit 200 Bar Wasserdruck. „Da mussten sich die Kollegen erst die Methodik erarbeiten.“ Nun gibt ein Ersatzstahlträger das notwendige Gegengewicht.

    Halten das Gegengewicht, während die Betondecken saniert werden: Zusätzliche Stahlträger.
    © Tagesspiegel/Lydia Hese

    Auch das Tragwerk muss ertüchtigt werden. Abwägungssache: Wie viel im Sinne des Denkmalschutzes wahren – und wie funktioniert das? Ein Konsortium prüft Varianten. „Ein Trade-off zwischen dem, was 500-Prozent-Sicherheit verspricht, und experimentelleren Herangehensweisen.“ 100 Millionen Euro wird es kosten, schätzen sie, je nach Variante.

    Auch an anderer Stelle erschwert der Denkmalschutz Umnutzung. „Einen Flughafen zu etwas anderem zu gestalten, ist eine Herausforderung“, sagt Nina Mütze. Sie leitet die Kommunikation der Tempelhof Projekt GmbH. „Vor allem, wenn die Strukturen bewahrt werden sollen.“

    Ein Raum mit Blick in einen Hangar. Für Büros und Wohnen dürfte er nicht hell genug sein.
    © Tagesspiegel/Lydia Hese

    Was tun mit den Anbauten, deren Fenster ins Halbdunkel der Hangars blicken? Welche neue Logik ergibt sich aus dem Nebeneinander von Offizierszimmerchen, Betriebskantine und Flughalle? Theoretisch ist der Flughafen von Haupthalle bis Türklinke geschützt. „Praktisch ist Denkmalschutz Verhandlungssache“, sagt Mütze. Alle zwei Wochen steht ein Treffen mit den Behörden an.

    3 Lange passierte nichts, nun verfällt Tempelhof an allen Ecken

    Richtig investiert hat in 80 Jahren Tempelhof keiner. Heizung, Tragwerk, vieles ist auf Stand der Bauzeit – mit einigen Flickereien. Das macht Sanierungen umfassend und teuer. An immer mehr Stellen lecken Rohre, fallen Anlagen aus. Damit Veranstaltungen stattfinden, Büros vermietet werden können, fließt immer mehr Geld in Kompensation. Tempelhof zu sanieren ist teuer – es nicht zu tun, auch.

    Warum auch der Status Quo kostet, zeigt der Brandschutz: Wer heute ein öffentliches Gebäude baut, benötigt Schutztüren, spezielle Decken. Die hat Tempelhof nicht. Damit Veranstaltungen stattfinden dürfen, braucht es neben eigener Betriebsfeuerwehr die elf Brandmeldezentralen im Gebäude. Sie stehen laut Schmitz-Grethlein kurz vor Ende ihrer Lebenszeit.

    Kostenpunkt für eine: 350.000 bis 400.000 Euro, schätzt er. „Aber wenn die ausfallen, müssten wir überall Menschen als Brandwachen hinsetzen. Was das kostet, kann man sich denken.“

    #Berlin #Tempelhof #Platz_der_Luftbrücke #THF #Tempelhofer_Feld
    #Stadtentwicklung

  • Kofferhalle für den BER oder Gesundheitsklinik: Diese Ideen gab es schon für den Flughafen Tempelhof
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/berliner-wirtschaft/kofferhalle-fur-den-ber-oder-gesundheitsklinik-diese-ideen-gab-es-schon

    Eigentljch isses doch schön wie es ist. THF bebauen löst auch keine Probleme. Aber weil „Investoren“ nun mal gierig sind, und weil ihre Kumpel in der Politik so ticken wie kleinbürgerliche Häuslebauer nun mal sind, macht Tante Tagesspiegel wieder Welle.

    Wenns dann soweit ist mit dem.Bauen, kriege ich was ab vom Goldregen? Wohl eher nicht, also bleibt mir gestohlen mit Euren Bau- und Verhunzungsplänen, haut einfach alle ab in die Käffer, aus denen ihr angekrochen seid.

    11.11.2025 von Jana Gäng -Kofferhalle für den BER oder Gesundheitsklinik: Diese Ideen gab es schon für den Flughafen Tempelhof

    Seit Jahren stehen Teile des ehemaligen Flughafens leer. Dabei hat die Stadt Vorschläge zuhauf, was mit dem Denkmal passieren soll. Welche hätte Berlin umsetzen sollen? Stimmen Sie ab.

    Wer in den Archiven der Berliner Tageszeitungen Ideen der vergangenen Jahrzehnte für den Tempelhofer Flughafen zusammenträgt, findet einen Pförtner erwähnt – mit schlechter Laune und Weitblick. Mitte der 2000er, noch ist der letzte Flieger nicht gestartet, lädt die damalige Stadtentwicklungssenatorin zur Konferenz ein über die Zukunft des Flughafens. Als ein Reporter der „taz“ nach dem Weg fragt, raunzt ihn der Pförtner an: „Zur Traumtänzerveranstaltung? Hinten, erster Stock.“

    Kaum ein Ort in Berlin hat so viele Ideen gesehen wie der Flughafen Tempelhof – und weniger davon umgesetzt.
    Volksentscheid zerschlägt Pläne für Stadtquartier

    Bis heute lässt der Riegel – mehr als einen Kilometer lang – mit seiner Historie von Nationalsozialismus bis Luftbrücke Architekt:innen, Bürger:innen, Wirtschaft und Politik nicht los. „Wir können darüber reden, was alles zu tun ist und wie lange das versäumt wurde. Oder das Potenzial endlich in den Vordergrund stellen“, sagt der Architekt Christoph Langhof.

    Anfangs dachten viele Visionen Flughafen und Feld als Einheit, meist als Stadtquartier. Von 2014 an prägt der Volksentscheid alle Ideen: Die Berliner:innen wollen ihr Feld nicht bebauen. Seitdem entwickeln zwei landeseigene Organisationen, die Grün GmbH und die Tempelhof Projekt GmbH, Feld und Flughafen getrennt voneinander. Für Neu- und Umbauten bleibt nur das Flughafengebäude. Und das steht bis zur Türklinke unter Denkmalschutz.


    Die Entscheidung der Berliner:innen, das Feld nicht zu bebauen, stoppt Pläne des Senats für ein neues Stadtquartier.© IMAGO/Emmanuele Contini

    „Einen Flughafen zu etwas anderem gestalten, ist eine Herausforderung. Vor allem, wenn die Strukturen gewahrt werden sollen“, sagt Nina Mütze, Leiterin der Kommunikation der Tempelhof Projekt GmbH. Manche Ideen würden wenig auf das Gebäude eingehen, lediglich Neubauten nebenan oder darauf setzen, sagt der Geschäftsführer der Gesellschaft, Fabian Schmitz-Grethlein: „Es braucht aber ein Gesamtkonzept, auch für den Bestand.“
    Land will Kulturquartier aus Tempelhof machen

    Der Senat hat vor fünf Jahren die Vision 2030+ beschlossen. Sie sieht Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft im Flughafen, mit Veranstaltungen in den Hangars und zugänglichem Erdgeschoss. Doch angesichts einer ausstehenden Sanierung ist die Idee abstrakt geblieben.

    Inzwischen ist ein Drittel der Fläche im Flughafen langfristig vermietet, ein weiteres zwischengenutzt. Neben Büros der Tempelhof Projekt GmbH sitzen hier die Polizei, das Verkehrsmanagement, private Gewerbetreibende. Es gibt ein Café und ein Besucher:innenzentrum, in den Hangars leben Geflüchtete in .


    Noch immer fehlt es an einer konkreten Vision für das Gesamtgebäude des Flughafens. © Tagesspiegel/Lydia Hese

    Bereits 2016 entschied das Land, in Teilen des Flughafens ein Kulturquartier zu entwickeln, den „Berlin Creative District“. Seitdem wird geplant, pausiert, wenn das Geld fehlt, und ja, auch umgesetzt. Ein ehemaliger Lotsenturm wird 2023 als „THF-Tower“ und Ausstellungsort eröffnet. Künftig soll eine Geschichtsgalerie einen Teil des Laubengangs auf dem Dach öffnen. Einiges bewegt sich, aber langsam. Ein Drittel der 300.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche steht leer.

    Auch zwei Jahrzehnte nach der Konferenz sind viele Konzepte Träume geblieben. Hier sind einige davon. Stimmen Sie am Textende über Ihre Favoriten ab – oder erzählen Sie uns von Ihrer Idee.

    1 1994: Stadtquartier als Hufeisen

    In einem ersten Ideenwettbewerb setzen sich die Büros Hentrich-Petschnigg & Partner (HPP) und Seebauer, Wefers und Partner durch. Ihre Idee: Tempelhof in Form einer Ellipse bebauen, die an die Flügel des Hauptgebäudes anschließt. Das gesamte Flugfeld sollen die Bauten umspannen – doch der Plan fiel bei Experten durch.

    Eine Bebauung, argumentierten diese, solle die Herrschaftsgeste des Gebäudes brechen und nicht unterstreichen. An Plänen für ein Stadtquartier hielt der Senat fest – angesichts einer in den 2000ern komfortablen Wohnungslage wollte man aber nur den Rand des Felds bebauen.

    Im Jahr 2008 ist noch von der Tempelhofer Freiheit die Rede: Das Hauptgebäude des Flughafens soll zum Standort für Unternehmen und Museen werden, entlang des Damms ein Gewerbegebiet mit 2300 Wohnungen und S-Bahnhof entstehen. Zwei weitere Quartiere mit 3000 Wohnungen sind auf dem Feld geplant. Beim Volksentscheid im Jahr 2014 fällt ein entsprechender Masterplan des Senats durch.

    2 2004: Terminal für den neuen Flughafen

    Der Stuttgarter Architekt Hans-Georg Brunnert schlägt vor, aus dem Empfangsgebäude in Tempelhof den Eincheck-Terminal für den Flughafen in Schönefeld zu machen. Fluggäste geben in Tempelhof ihr Gepäck ab, erhalten den Boardingpass und setzen sich in eine U-Bahn, die sie in 15 Minuten zum Abflug-Gate in Schönefeld bringt. Die Trasse für die Bahnstrecke sei im Wesentlichen frei, argumentiert Brunnert. Es ließe sich kostengünstig ein Tunnel bauen.


    Im Jahr 2022 wird das Terminal 2 des Flughafens Berlin Brandenburg in Schönefeld eingeweiht. Der Stuttgarter Architekt Hans-Georg Brunnert findet: Viel zu schwierig zu erreichen. Besser wäre es, wenn Passagiere im innenstadtnahen Tempelhof einchecken. © dpa / Patrick Pleul

    Die Idee findet Anklang: Abgeordnete stellen im Bundestag einen Antrag, sie zu prüfen – immerhin hatte Brunnert zuvor den Leipziger Flughafen verbessert. In Berlin setzt er sich nicht durch. Heutige Abwehrreflexe gegenüber vermeintlich leicht umsetzbaren, unterirdischen Bahn-Plänen aus Stuttgart dürften keine Rolle gespielt haben.

    3 2005: Zentral- und Landesbibliothek in der Empfangshalle

    Gestritten wird über einen zentralen Standort schon, seit Amerika-Gedenkbibliothek und Berliner Stadtbibliothek zusammengelegt wurden, aber an zwei Standorten verblieben. Im Jahr 2018 entschied der Senat, ein neues Bibliotheksgebäude am Blücherplatz zu bauen – bis heute wurde damit nicht begonnen.


    Hier geht der Platz aus: Die Amerika-Gedenkbibliothek in Kreuzberg. © Vincent Mosch

    Zuvor hatten Studien auch Tempelhof als Standort geprüft, ein Neubau auf dem Feld fiel beim Volksentscheid allerdings durch. Im bestehenden Gebäude könnte die Empfangshalle zur Bibliothek werden. Einen Umzug in den Flughafen kann sich Bibliotheksleiterin Claudia Lux damals nicht vorstellen: Es fehle an Licht für Lese- und Arbeitsräume.

    Trotzdem setzen sich der ehemalige Bausenator Andreas Geisel (SPD) und der Stadtplaner und TU Berlin-Professor Harald Bodenschatz vor einigen Jahren erneut für die Bibliothek im Flughafen ein: Ein bestehendes Gebäude zu nutzen, sei nicht nur nachhaltiger als ein Neubau, sondern würde Kosten sparen – die Empfangshalle müsse ohnehin saniert werden.

    4 2006: Gesundheitszentrum mit eigener Landebahn

    Der deutsch-amerikanische Investor Fred Langhammer, Ex-Chef des Kosmetikkonzerns Estée Lauder, und der Konzernerbe Ronald S. Lauder wollen das Gebäude kaufen und zu einem Tagungs- und Gesundheitszentrum ausbauen. Keine Kleckerei: 350 Millionen Euro wollen sie investieren, 5000 Arbeitsplätze schaffen, bis zu 120.000 Kassenpatient:innen pro Jahr behandeln, aber auch Privatpatient:innen und VIPs.

    Die hätten mit ihren Privatjets und auf Geschäftsreisen vor der Klinik landen sollen. Der Flugbetrieb ist das Alleinstellungsmerkmal, argumentiert Langhammer.


    Findet Berlin nach den geplatzten Klinik-Plänen wirtschaftsfeindlich: Milliardär Ronald S. Lauder im Hotel Adlon in Mitte. © Thilo Rückeis TSP

    Angeschlossen hätte sich ein Patientenhotel und ein Schulungs- und Tagungszentrum. Für den Kauf stellen Langhammer und Lauder Bedingungen an die rot-rote Landesregierung: einen Bauzuschuss von 90 Millionen Euro und die Zusicherung, dass weiter Flugzeuge starten und landen können. Der Senat lehnt ab, die Investoren ziehen sich zurück. Später beklagt der Milliardär Lauder ein „wirtschaftsfeindliches Klima“ in Berlin.

    5 2015: Wohnen auf dem Flughafen

    Statt aufs Feld setzt der Architekt Arno Brandlhuber in einem Entwurf Wohnungen auf das Flughafengebäude. Um sechs bis acht Etagen will Brandlhuber aufstocken, 3500 Wohnungen soll das ergeben. „Das Schlimmste für ein Denkmal ist, wenn es nicht genutzt wird und Stück für Stück verfällt“, sagt er dem Tagesspiegel. Zur Demonstration montiert Brandlhuber in einem Modell das Bikini Berlin aufs Flughafendach.


    Das Bikinihaus auf dem Flughafen: Der Architekt Arno Brandlhuber macht einen dramatischen Fingerzeig in Richtung Nachnutzung des Denkmals gegen die Wohnungsnot. © Büro Brandlhuber/b+/Cornelia Müller

    Der Kniff: das „Bikini-Geschoss“, ein freies Geschoss, das lange beim Bikini Berlin den Durchblick zum Zoo bewahrte. Das würde den Abstand zum historischen Gebäude wahren, so könnte der Denkmalschutz den Umbau genehmigen, argumentiert der Architekt. In den Hangars könnten vom Kindergarten bis zum Supermarkt Versorgungseinrichtungen für das Quartier untergebracht werden.

    6 2016: Handwerkerhof und Experimentierlabor

    Tempelhof gehört den Menschen, findet die Initiative THF.Vision. Jede Nutzung soll von der Zivilgesellschaft entschieden und organisiert werden. „Aus der Nazi-Architektur wollen wir einen Ort des Miteinanders machen“, sagt Heike Aghte. 2016 hat sich die Initiative gegründet, heute besteht sie aus fünf Aktiven. Ihr Traum: Der Flughafen soll zum Kultur-, Experimentier- und Lernort werden, Expert:innen und Bürger:innen hier Lösungen für die Stadt rund um die 17 Ziele zur nachhaltigen Entwicklung der Vereinten Nationen entwickeln.

    Betriebe und Initiativen sollen Themenhöfe in den Innenhöfen führen, etwa zu Stadtplanung, Gesundheit, Generationengerechtigkeit. Auch Ateliers, Proben- und Ausstellungsräume für Theater und Bands stellen sie sich vor, eine Hochschule der Vielfalt, die Geflüchtete ausbildet, eine Volksuniversität mit Bibliothek für alle.


    Die Initiative THF.Vision setzt sich für einen Handwerkerhof mit Ausbildungsplätzen ein. Startgeld könnte aus der Ausbildungsumlage und aus Fördermitteln kommen. Im Flughafen gibt es bereits die Fliegerwerkstatt als Handwerksraum für Jugendliche, mit ihr ließe sich zusammenarbeiten, sagt Heike Aghte. © Thilo Rückeis TSP

    Klingt nach Utopie? Pilotprojekte gibt es: einen Workshop zu Ernährung in den ehemaligen Küchen der US-Amerikaner. Und das Torhaus, ein ehemaliges Pförtnerhaus. Darin hat die Initiative Events und Diskussionen abgehalten – entstanden ist daraus der Verein Torhaus e. V. Mit ihm gemeinsam wurde das Häuschen energetisch saniert, hier betreibt er den Communitysender THF Radio.

    Aktuell setzt sich die Initiative unter anderem mit der Berliner Architektenkammer, der Hochschule für Technik, der IG Metall und der Handwerkskammer für einen Handwerkerhof am Flughafen ein. Er soll Ausbildungen und Praktika verschiedener Gewerke anbieten, außerdem Reparaturwerkstätten. Einbeziehen will die Initiative auch die Geflüchteten, die in Tempelhof leben – sie könnten handwerkliche Erfahrungen einbringen. Im November treffen sie zum Gespräch über eine Förderung Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD).

    7 2024: Zwölf Messehallen und eine Open-Air-Arena

    Sechs Messehallen will der Architekt und Unternehmer Reinhard Müller, Entwickler des Euref-Campus, auf das Flughafenvorfeld bauen – Tempelhof als Deutschlands erster CO₂-neutraler Messestandort. „Große Konferenzveranstaltungen kommen ja nicht mehr nach Berlin, weil es keine Räume gibt“, sagt Müller.

    Hotels und Büros würden mit den Neubauten nötig, gut für die Tourismusbranche. Auch sie ließen sich am Standort Tempelhof bauen, empfiehlt Müller. Zwischen den Hallen soll eine Konzertarena entstehen.

    Damit würde die Messe vom Funkturm nach Tempelhof wandern: Der bisherige Standort sei defizitär, argumentiert Müller. 700 Millionen Euro würde eine Sanierung der maroden Messehallen kosten. Die meisten will er stattdessen abreißen – und Platz für ein Wohnquartier schaffen. Nur zwei sollen bleiben, als Stätten für den Berliner Profisport.

    „Das könnte für eine Olympiabewerbung interessant sein“, sagt Müller. Die Millionen, die damit in Westend gespart werden, soll das Land in die Sanierung von Tempelhof stecken.


    Sechs Messehallen will der Immobilienunternehmer Reinhard Müller zunächst auf dem Vorfeld des Flughafengebäudes bauen. © EUREF Consulting/Guenter Wicker

    Mit dem Verkauf der neuen Westend-Wohnflächen ließe sich das refinanzieren, sagt Müller. Auch die Pacht der Hotels und die Vermietung neuer Büroflächen würden Einnahmen bringen. Abgeordnete mehrerer Fraktionen nennen die Idee „interessant“, Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) erklärt, sie wolle sich das mit Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD) anschauen.

    Doch aufgeben will die Landesregierung den Messestandort am Funkturm nicht. Bei einem Termin in der Wirtschaftssenatsverwaltung sei er abgekanzelt worden, berichtet Müller – ob er nicht noch eine andere Idee habe? Auch die landeseigene Messegesellschaft stellt sich quer.


    Visualisierung der Kongresshalle am Flughafen Tempelhof © Euref-Consulting

    Der Unternhemer passt seine Idee an: Nun soll es nur eine Kongresshalle werden, teils im Boden versenkt. Erste Kostenschätzung: 100 Millionen Euro, tragen sollen sie private Investor:innen. 12.000 Besucher:innen sollen hineinpassen, mehr als in den Neubau, den die Messegesellschaft am alten Standort plant. „Ich verstehe nicht, warum man eine neue Halle für 5000 Menschen bauen will, wenn man eine für 10.000 braucht“, kritisiert Müller.

    Eine aus der Halle aufs Vorfeld auffahrbare Bühne soll Open-Air-Großkonzerte möglich machen. Wieder signalisieren Giffey und Gaebler Gesprächsbereitschaft. Gehört, sagt Müller, habe er nichts mehr. Laut Pressestelle der Wirtschaftssenatsverwaltung sei das Konzept nicht eingegangen: „Entsprechend fand bislang keine Bewertung oder vertiefte Prüfung statt.“

    8 2025: Zwölf Hochhäuser mit 5000 Wohnungen

    Zehn Jahre nach Brandlhuber greift der Berliner Architekt Professor Christoph Langhof die Idee von Wohnungen auf: Zwölf Hochhäuser zwischen 60 und 240 Metern Höhe lässt er das Halbrund des Flughafenbaus rahmen. 5000 Wohnungen sollen entstehen. In den Hangars sieht Langhof die sonstigen Einrichtungen, die ein Quartier bräuchte.

    © Langhof
    Das Feld unbebaut, dafür zwölf Wohntürme neben dem Flughafengebäude: So stellt sich der Architekt Christoph Langhof die Zukunft Tempelhofs vor.

    Denkmäler sollen nicht nur bewahren, argumentiert er: „Entscheidend ist doch, dass endlich Leben reinkommt.“

    Passiert ist seitdem nichts, sagt Langhof, von Bürger:innen sei das Interesse an der Berichterstattung „riesengroß“. Abgeordnete oder Landesregierung hätten sich nicht gemeldet. Das habe er auch nicht erwartet, sagt Langhof.

    „Es ist ein spektakulärer Vorschlag und Tempelhof ist ein dickes Brett.“ Auf Anfrage des Tagesspiegels gibt die Senatsverwaltung für Wirtschaft an, die Visualisierungen der Wohntürme seien „bekannt“.

    #Berlin #Tempelhof #Platz_der_Luftbrücke #THF #Tempelhofer_Feld
    #Stadtentwicklung

  • Unterlassungsklage gegen Aktivisten: Kritik darf sein
    https://taz.de/Unterlassungsklage-gegen-Aktivisten/!6124123

    26.10.2025 von Clara Dünkler - Die „Urbane Mitte“-Investorin verliert Unterlassungsklage: Das Gericht entscheidet für die Meinungsfreiheit von Aktivist Matthias Bauer.

    taz | Das Urteil ist gesprochen: Die Aussagen von Gleisdreieck-Aktivist Matthias Bauer auf seinem Blog sind aus Sicht des Landgerichts II Berlin von der Meinungsfreiheit gedeckt. Damit wies das Gericht die Unterlassungsklage der luxemburgischen Fondsgesellschaft Urbane Mitte Besitz zurück, die gegen das Mitglied der Bür­ge­r:in­nen­in­itia­ti­ve Gleisdreieck wegen eines Blogeintrages vorgegangen war.

    „Wir sind doch erleichtert und freuen uns, dass das Gericht für die Meinungsfreiheit entschieden hat – gegen die Angriffe der Investoren“, teilt Bauer nach dem Urteilsspruch in einer Pressemitteilung mit. Seit Jahren kritisiert die Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck das umstrittene Bauvorhaben „Urbane Mitte“, an dem das Unternehmen Urbane Mitte Besitz als Investorin beteiligt ist. Die Bebauungspläne sehen vor, sieben Hochhäuser von bis zu 90 Metern am Gleisdreieck Park zu errichten. Dabei sind hauptsächlich Büro- und Gewerbeflächen geplant.

    Hintergrund des Verfahrens ist ein Eintrag, den Bauer 2024 auf dem Blog der Bür­ge­r:in­nen­in­itia­ti­ve veröffentlichte. Das luxemburgische Unternehmen sah ihr Persönlichkeitsrecht angegriffen und ging gegen fünf der hier genannten Kritikpunkte vor. Für das Gericht überwog in allen angegangenen Aspekten das Recht Bauers auf Meinungsäußerung.

    Es ist nicht das einzige Verfahren, das die Urbane Mitte Besitz zurzeit führt. Auch gegen die Bür­ge­r:in­nen­in­itia­ti­ve selbst bemüht die Investorin eine Unterlassungsklage. Das Parallelverfahren ist bis auf einen Punkt identisch mit dem aktuellen Fall und findet voraussichtlich am 9. Dezember ebenfalls vor dem Landgericht Berlin statt.

    Einschüchterungstaktik

    Aus Perspektive der Ak­ti­vis­t:in­nen wolle das Unternehmen die Bü­ge­r:in­nen­in­itia­ti­ve einschüchtern, Kosten für sie verursachen und ihr Zeit und Energie stehlen, so Bauer in der Pressermittlung. Es handele sich bei dem Verfahren um sogenannte SLAPP-Klagen (englisch: „strategic lawsuit against public participation“). Der Ausdruck bezeichnet Klagen, deren Ziel es ist, Kri­ti­ke­r:in­nen zum Schweigen zu bringen. Hauptsächlich durch den Aufbau von finanziellem und zeitlichen Druck. Bereits bei der Verhandlung vor dem Landgericht Mitte Oktober wies der Anwalt des Unternehmens diesen Vorwurf zurück.

    Obwohl Bauer und die Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck erst einmal aufatmen können, überstanden ist es wohl noch nicht. Bereits im Vorfeld kündigte der Anwalt der Urbanen Mitte Besitz an, vor dem Kammergericht in Berufung zu gehen, falls die Klage abgewiesen werden sollte.

    #Berlin #Kreuzberg #Gleisdreieck #Stadtentwicklung