„Wie ein Tsunami aus Testosteron“ : Der Tag, an dem das Surfen seine Unschuld verlor
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Il y a 40 ans la commercialisation du surfing provoque ded affrontements violents entre des milliers de jeune hommes et la police.
31.8.2026 von Martin Einsiedler - Vor 40 Jahren enden die Surf-Meisterschaften in Kalifornien in einem Chaos aus sexuellen Übergriffen und Verletzten. Das Ereignis gilt als Wendepunkt des Surfens. Was genau ist an diesem Tag passiert?
Damian Fulton, ein ausgesprochen junggebliebener 69-jähriger Mann, erhebt sich von seinem Stuhl in seiner Wohnung in El Segundo im Los Angeles County und hält einen Comic in die Kamera. Er zeigt einen Surfer, der am Pier von Huntington Beach einen Turn macht. „Das Bild stammt aus dem Jahr 1982“, erzählt er. „Es ist das Cover des Programmhefts der OP Championships. Es stammt von mir.“
Es war eines der frühen Werke von Fulton, der später mit seinem künstlerischen Talent Karriere machen sollte. Fulton arbeitete für Konzerne wie Disney und Marvel. Seine Werke sind schlichtweg überwältigend.
Davon möchte er bei diesem Gespräch gar nicht so viel erzählen. Seine Augen beginnen erst dann zu funkeln, als er von seiner großen Leidenschaft spricht: dem Surfen.
Fulton wuchs in der Nähe von Huntington Beach auf, einer Küstenstadt im südkalifornischen Orange County mit knapp 200.000 Einwohnern. Das Meer, das Surfen, die damit verbundene Freiheit – das alles berührt ihn bis heute. „Surfen ist eine fantastische und wunderbare Möglichkeit, sich mit der Natur zu verbinden. Es kann das Leben verändern, erfüllt einen zutiefst und ist ein Geschenk Gottes“, sagt er. Fulton weiß, dass das pathetisch klingt. Aber was schert es ihn? Er denkt nun einmal so darüber.
Weil er das so sieht, hat ihn das, was sich 1986 bei den OP Pro Surfing Championships in seiner Heimatstadt Huntington Beach ereignete, nie richtig losgelassen. Fulton ist gleichzeitig fasziniert und abgestoßen von dem Ereignis, das als „Huntington Beach Riots“ in die Surfgeschichte eingehen sollte. Er machte sogar Kunst daraus, indem er die Ausschreitungen in Comicform auf einem Surfbrett verewigte. Aber Faszination des Schreckens hin oder her. „Am Ende“, sagt er, „ist es ein schwarzer Fleck in der Geschichte des Surfens.“
Surfen war lange eher Religion als Sport. Surfer galten als unangepasst, freiheitsliebend und – mehr als alles andere – cool. Die kalifornische Surflegende Greg Noll beschrieb es einmal so: „Da waren einfach nur gut aussehende Mädels und Jungs, die Wein tranken, Gras rauchten, Mist bauten, vögelten und gegen die Gesellschaft und alles, was sie von ihnen erwartete, rebellieren wollten. Das ist die ganze Geschichte.“
Am 31. August 1986 verändert sich die Geschichte: Es läuft alles aus dem Ruder. Autos brennen, Menschen schreien. Die Bilanz ist erschütternd: 40 Verletzte, sieben Festnahmen und erheblicher Sachschaden bei einem Event, das neben dem sportlichen Wettbewerb für Spaß, Freude und – ja – vor allem für Frieden stehen soll.
Frei nach dem US-amerikanischen Schriftsteller Hunter S. Thompson brach an jenem Tag die Welle, rollte zurück und begrub die Ideale der Surfgemeinde. So cool wie zuvor sollte Surfen nie wieder werden.
Wie konnte es so weit kommen?
Fulton erinnert sich genau an jene Tage in Huntington Beach. Von Jahr zu Jahr sei die Veranstaltung bekannter und größer geworden, erzählt er. „Das hat die Leute in Huntington stolz gemacht.“ 1986 sind aber erstmals die Sponsoren im großen Stil bei den OP Championships dabei. Zuvor, so erzählt Fulton, habe die Bevölkerung des Örtchens selbst die Organisation übernommen. Die Unterbringung der Surfer, die Verpflegung und die Sicherheit – all das lag in den Händen der Surfgemeinde von Huntington Beach. In jenem Jahr aber übernehmen externe Dienstleister diese Aufgaben.
Es hatte sich bereits abgezeichnet, dass die OP Championships 1986 ein großes Ding werden sollten und mehrere Zehntausend Besucher kommen würden. Die Sponsoren hätten ihre eigenen Kanäle genutzt, um für die Veranstaltung zu werben, erinnert sich Fulton. Das Publikum in ganz Kalifornien sei angesprochen worden.
Ein wichtiger Treiber, sagt Fulton, sei der Radiosender KROQ gewesen. „Die wichtigste Stimme der Jugendkultur in Los Angeles“, sagt Fulton. Der Sender war angesagt, pflegte ein rebellisches Image. Wenn er für ein Event wie die OP Championships warb, hatte das eine große Mobilisierungskraft. „Das alles sorgte dafür, dass nicht mehr nur Einheimische und Surfbegeisterte vor Ort waren“, erzählt Fulton.
Am 31. August wird Huntington Beach überrannt. Die Angaben zu den Besucherzahlen gehen auseinander, aber zwischen 50.000 und 70.000 Menschen finden sich rund um den Pier in Huntington Beach ein.
Die Wellen in Huntington Beach gelten unter Surfern als mit die weltweit besten.
Die Wellen in Huntington Beach gelten unter Surfern als eine der weltweit besten.
© IMAGO/USA TODAY Network/Peter Brouillet
Als der Ausnahmesurfer Mark Occhilupo zum Finale an diesem Tag hinauspaddelt, ist immer noch alles in bester Ordnung, obwohl laut mehreren Reportagen und Berichten das Chaos bereits in der alkohol- und testosterongetränkten Luft liegt.
Nicht nur der Surf-Wettbewerb wird an diesem Tag in Huntington Beach ausgetragen, sondern auch der Bikini- und Modelwettbewerb Miss-OP-Pro, für viele männliche Besucher das eigentliche Highlight.
Noch während Occhilupo auf den Wellen reitet, fällt eine Gruppe junger Männer auf. „Zeigt uns eure Titten!“, rufen sie laut dem Surfmagazin „The Inertia“ den jungen Frauen zu, die auf dem Balkon des Restaurants sitzen. Die Darstellung des Magazins wird später von mehreren Zeitzeugen bestätigt.
Einige Frauen kommen der Aufforderung nach, andere eher nicht. Laut dem Magazin wird einer Frau der Bikini vom Leib gerissen, als sie sich auf den Weg zur Toilette macht. Mehr Männer drängen in Richtung des Restaurants – und endlich kommen auch einige Polizisten hinzu. Sie werden mit Flaschen und Sandbomben beworfen. Die Lage eskaliert.
Die Polizei hatte keine Chance, diesen Ansturm aufzuhalten. Es war schrecklich.
Damian Fulton, Künstler
20 bemitleidenswerte Polizisten aus Huntington Beach sind völlig überfordert, ehe Unterstützung aus den umliegenden Gemeinden kommt.
Mehr als 150 Polizisten rücken mit Schutzausrüstung und Schlagstöcken an – immer noch viel zu wenige, um die vielen Tausend gewaltbereiten Menschen im Zaum zu halten. Der verschlafene Küstenort ist plötzlich ein Krisengebiet, und der Radiosender KROQ berichtet live darüber.
Die Randalierer plündern Geschäfte und liefern sich Kämpfe mit der Polizei, während alle anderen Besucher verzweifelt versuchen, sich in Sicherheit zu bringen.
Irgendwann ziehen ein paar Hundert Chaoten zum Hauptquartier der Rettungsschwimmer weiter und stürmen das Gebäude. Dort finden sie Signalraketen, mit denen sie eine Reihe von Fahrzeugen in Brand setzen: drei Polizeiautos, einen Jeep der Rettungsschwimmer, einen Krankenwagen und einige Geländefahrzeuge. Rauch steigt über Surf City auf.
„Die Polizei hatte keine Chance, diesen Ansturm aufzuhalten. Es war wie ein Tsunami aus Testosteron. Es war schrecklich“, sagt Damian Fulton.
Gerade einmal sieben Menschen werden später wegen Trunkenheit verhaftet. Die Randale und die sexuelle Gewalt gegen Frauen – all das bleibt ungesühnt, weil die Lage zu unübersichtlich ist und die Täter schnell im großen Pulk der Menschen verschwinden.
„Ich glaube, die Ereignisse von 1986 waren ein Beispiel für den Moment, in dem sich das Surfen verkauft hat“, sagt Fulton. „Es gab so viel Dynamik und so viele Unternehmen, die davon profitieren wollten.“
Fulton will nicht allein den Konzernen die Schuld an den „Huntington Beach Riots“ geben. Er sagt: „Es gab einfach sehr viele Akteure, die sich die Atmosphäre und den Lebensstil dieses Sports zunutze machten. Und sie unterschätzten, welche Auswirkungen es haben würde, Tausende und Abertausende Außenstehende in diese kleine Welt einzuladen.“
Die kleine Welt des Surfens ist wahnsinnig groß geworden. Für Nostalgiker ist es ein echter Jammer. Und für alle anderen wohl auch.














