Les États Unis et l’Europe contribuent en Syrie à la création d’une base stable du terrorisme islamiste dans les décennies à venir. On est tenté d’y voir la tentative de garantir l’instabilité de la région et de l’Arabie et de garantir la survie des réseaux terroristes tchétchène souigours comme armes d’une guerre de basse intemsité permanente contre la Russie et la Chine.
18.6.2026 von Christoph Leonhardt - Unter Ahmed al-Sharaa werden ehemalige Foreign Fighters nicht entwaffnet, sondern Teil der syrischen Armee – mit Folgen für die internationale Sicherheit.
Ausländische Kämpfer sind im „neuen“ Syrien nicht mehr nur ein Relikt aus dem Bürgerkrieg, der einst Zehntausende Kämpfer, darunter Milizionäre und Söldner, aber auch Freiheitskämpfer und Gotteskrieger, aus der ganzen Welt anzog. Unter dem neuen Präsidenten Ahmed al-Sharaa, der im Krieg noch als Dschihadisten-Führer Abu Muhammad al-Julani gefürchtet wurde, sind besonders Letztere zum integralen Bestandteil der Sicherheitsarchitektur geworden.
So wurden die Foreign Fighters (ausländische Kämpfer, Anm. d. Red.) nach dem Machtwechsel weder entwaffnet noch wurde ihnen der Prozess gemacht. Stattdessen wurden sie geradewegs in die regulären Streitkräfte aufgenommen, die die Nachkriegsordnung in Syrien absichern sollen.
Libanon: Mit Kriegsverbrechen bringt Israel auch die Hisbollah-Gegner gegen sich auf
Libanon: Mit Kriegsverbrechen bringt Israel auch die Hisbollah-Gegner gegen sich auf
Foreign Fighters als Machtbasis
Unter den ausländischen Kämpfern befinden sich neben international gesuchten Terroristen auch Dschihadisten mit Bezug nach Deutschland, darunter auch Berlin. Einige von ihnen waren am Sturm der Hayat Tahrir al-Sham (HTS) auf Damaskus beteiligt, der letztendlich zum Sturz des Assad-Regimes Ende 2024 führte. Nach der Machtübernahme zollte die HTS-Führung ihrem harten Kern Tribut, indem sie sie in die staatlichen Strukturen integrierte.
Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung in Großverbänden wie der 84. Division, die unter dem turkmenischen Kommandeur Abdulaziz Dawud Khudabardi in Idlib, Damaskus und Homs operiert. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sind darin allein rund 3500 ausländische Kämpfer aktiv, die hauptsächlich aus zentralasiatischen und kaukasischen Staaten stammen.
Viele von ihnen stehen der Turkistan Islamic Party (TIP) nahe, die eng mit Al-Qaida (AQ) verbunden ist. Ferner befinden sich darunter tschetschenische Kämpfer, die Teil der Liwa al-Muhajirin wa-l-Ansar (LMA) gewesen sind, die einst dem Islamischen Staat (IS) die Treue schwor.
Entscheidender als ihre Herkunft ist jedoch ihre neue Rolle: Foreign Fighters, die im Bürgerkrieg teils schwerste Gewaltverbrechen an der syrischen Zivilbevölkerung verübt haben, sollen ihr nun staatlichen Schutz bieten. Dieser Trend wird vom – maßgeblich durch die USA rehabilitierten – neuen Staatsoberhaupt Ahmed al-Sharaa nicht nur toleriert, sondern systematisch vorangetrieben.
Dagegen stellt die Institutionalisierung radikal-religiöser Kräfte für die Zivilgesellschaft Syriens sowohl ein Vertrauens- als auch ein Sicherheitsproblem dar. So nährt sie deren Zweifel, ob der neue Staat tatsächlich inklusiv, rechtsstaatlich und protektiv ist. Gerade für Syriens Minderheiten wirft die Einbettung ausländischer Dschihadisten in den Sicherheitsapparat die berechtigte Frage auf, ob staatlicher Schutz künftig für alle Bürger gleichermaßen gilt.
Von der Miliz zur Nationalarmee
Nach Angaben des syrischen Verteidigungsministeriums wurden bis dato rund 130 Paramilitärs in die Streitkräfte aufgenommen. Tatsächlich wurden in diesem Institutionalisierungsprozess viele der Milizen lediglich umbenannt, in neue Divisionen überführt oder administrativ in die Armee eingegliedert, ohne dass die vorherigen Affilierungen ihrer Kämpfer aufgelöst, sie auf ihre Eignung hin überprüft oder eine Deradikalisierungsmaßnahme durchlaufen haben.
Dementsprechend entstammen auch Teile der neuen Kommandostruktur dschihadistisch geprägten Milieus, unter anderem der Ägypter Asim al-Hawari, der Jordanier Abdulrahman al-Khatib oder der Türke Umar Jafteshi. Auch vertreten gleich mehrere Armeeeinheiten offen ihre radikale Ideologie. Dazu zählen die 52., 54. und 60. Division, die von ehemaligen Kommandeuren von Jabhat al-Nusra, Ahrar al-Sham und Huras al-Din geführt werden. Gleichzeitig setzen sich ihre Soldaten überwiegend aus genau jenen extremistischen Gruppen zusammen.
Auch ist es kein Geheimnis, dass viele ihrer ausländischen Kämpfern den „moderaten“ Kurs der neuen Regierung in Damaskus ablehnen. Besonders Einheiten mit engen Bindungen zu sogenannten Tacticals, die als „Blackwater des Dschihads“ bekannt wurden und als private Militärberater die syrische Armee trainieren, verweigerten wiederholt Befehle und agierten eigenmächtig – obwohl sie bereits Teil des offiziellen Militärs waren.
Dazu zählen die Amshat- und Hamza-Brigaden, die an den Massakern an den Alawiten im März 2025 beteiligt gewesen sind, denen über 1200 Zivilisten zum Opfer fielen. Strukturelle Konsequenzen blieben jedoch weitgehend aus, weil ihre Armeeeinheiten danach lediglich umstrukturiert wurden. Der Hamza-Kommandeur Saif Abu Bakr stieg sogar zum Anführer der 76. Division auf. Einem Bericht von Reuters zufolge waren an den sektiererischen Übergriffen zahlreiche uigurische, usbekische und tschetschenische Dschihadisten aus den Streitkräften beteiligt.
Doppelte Logik der Integration
Dagegen mag aus Ahmed al-Sharaas Sicht der Prozess einer sicherheitspolitischen Rationalität folgen. Demzufolge gilt die staatliche Integration als Alternative zur anti-staatlichen Fragmentierung: Wer von den Foreign Fighters nicht eingebunden wird, könnte in parallele Gewaltstrukturen abgleiten, also sich zum Beispiel dem IS anschließen und dann gegen den Staat opponieren. Dagegen bietet ihre Institutionalisierung die Möglichkeit, sie an sich zu binden und so womöglich kontrollieren zu können. Dies dürfte auch der Grund dafür sein, warum die USA sogar die Etablierung der 84. Division genehmigte.
Allerdings verschiebt diese Strategie das Problem nur, anstatt es zu lösen. Statistisch gesehen legen ausländische Kämpfer einerseits selten ihre Ideologie ab, andererseits bleiben sie meist ihren transnationalen Milieus treu. Folglich führt ihre Institutionalisierung mitnichten zu einer ideologischen Abkehr, sondern lediglich zu ihrer Neuverortung.
Ihre Anbindung mag zwar kurzfristig zur Herrschaftskonsolidierung al-Sharaas beitragen, birgt aber erhebliche Risiken für die langfristige Staatsbildung. Indem ideologisch gefestigte und transnational vernetzte Akteure institutionell legitimiert werden, droht der Staat selbst zum Träger dschihadistischer Einflussstrukturen zu werden.
Foto
Ahmed al-Scharaa war im März zu Gast im Kanzleramt. © Chris Emil Janssen/imago
Westliche Duldung trotz Warnung
Bemerkenswert daran ist, dass diese Entwicklung von westlichen Staaten, allen voran den USA und der EU, akzeptiert wird. Im Gegensatz dazu bewerten andere Staaten sie als unmittelbares Risiko für ihre nationale Sicherheit. Peking beispielsweise betrachtet die uigurischen Dschihadisten innerhalb der syrischen Streitkräfte äußert kritisch und sieht darin sowohl ein Netzwerk- als auch Rückkehrrisiko. Chinas UN-Botschafter Fu Cong warnte im Sicherheitsrat bereits 2025 davor, dass „terroristische Kräfte das syrische Territorium nutzen können, um die Sicherheit anderer Staaten zu gefährden“.
Der Hintergrund war, dass Ahmed al-Sharaa zuvor Dutzenden uigurischen Kämpfern hochrangige Posten, unter anderem im Verteidigungsministerium, verschafft hatte. Selbst der TIP-Kommandeur Abdulaziz Davud Hudaverdi wurde zum Generalmajor erhoben, obwohl er als Chinas meistgesuchter Terrorist gilt. Wird berücksichtigt, dass der neue Präsident 2011 selbst von AQ-Chef Ayman al-Zawahiri mit dem Auftrag nach Syrien entsandt wurde, einen „sicheren Hafen für Al-Qaida aufzubauen“, erhält die chinesische Warnung an deutlichem Gewicht.
Demzufolge enthält die westliche Duldung sicherheitspolitischen Sprengstoff: Um die kurzfristige Stabilität in Syrien pragmatisch zu fördern und damit zum Beispiel auch Rückführungen zu ermöglichen, wird die staatliche Bindung radikaler Akteure bewusst in Kauf genommen. Doch damit wird letztendlich eine Nachkriegsordnung zementiert, die nicht auf die Entmachtung dschihadistischer Netzwerke setzt, sondern auf deren Transformation hin zu legitimierten Machtträgern. Schlussendlich überwiegt politische Zweckmäßigkeit gegenüber Sicherheitsinteresse.
Interner Destabilisierungsfaktor
Doch mit dieser Logik entsteht in Syrien ein System, in dem radikale Ansichten, persönliche Bindungen, geteilte Kampferfahrungen und transnationale Netzwerke weiter eine entscheidende Rolle spielen. Schon jetzt erweist sich die Einbindung der Foreign Figthers als Balanceakt: Jüngste Berichte deuten auf zunehmende Spannungen zwischen Armeeführung und ausländischen Dschihadisten, gescheiterte Disziplinierungsmaßnahmen und begrenzte Kontrolle durch die politische Führung hin. Das System scheint damit kaum auf institutionellen Bindungen zu beruhen.
Dabei dürften die Folgen weit über Syrien hinausreichen: Schließlich sind mit der Überführung dschihadistischer Akteure in staatliche Funktionen weder ihre radikale Ideologien noch ihre Bindungen an transnationale Netzwerke verschwunden. Damit droht Syrien erneut zu einem internationalen Drehkreuz zu werden, in dem nationale Sicherheits- und internationale Terrorstrukturen miteinander verwoben sind.
Transnationales Sicherheitsrisiko
Die staatliche Integration der Foreign Fighters in Syrien mag zwar kurzfristig eine Nachkriegsordnung schaffen. Allerdings verschiebt sie das Sicherheitsproblem nur in die ohnehin fragile Ordnungsmacht hinein. Damit baut der syrische Präsident eine institutionelle Stabilität auf einer radikalen Machtbasis auf, die zu seiner größten strukturellen Schwachstelle werden könnte. Denn wo ausländische Dschihadisten zum festen Bestand der Nationalarmee gehören, bildet ihre Bindung an transnationale Gewaltmilieus unweigerlich ein internes Machtrisiko.
Weiterführung begründet ihre Institutionalisierung aber auch ein externes Sicherheitsrisiko, weil ihre Netzwerke nicht einfach an Syriens Grenzen enden. Dies ist auch für die Sicherheitsarchitektur der Bundesrepublik relevant, insofern sich auch deutsche Dschihadisten in den Reihen syrischer Sicherheitskräfte befinden.
Mit ihrer bestehenden Vernetzung, können sie Milieus nicht nur radikalisieren und koordinieren, sondern darin auch rekrutieren – und dies womöglich ohne staatliche Verfolgung in Syrien befürchten zu müssen. Schon heute gibt es Online-Foren, die Syrien als Brückenkopf für neue Konfliktherde nutzen wollen.
Sollte die westliche Staatengemeinschaft diese Entwicklung weiter unterstützen, darf sie sich nicht wundern, wenn eines Tages aus Syrien wieder dschihadistischer Terrorismus in die Welt exportiert wird. Abschließend sollte die Fragestellung daher nicht lauten, wie Syrien kurzfristig stabilisiert, sondern wie seine Stabilität langfristig garantiert werden kann.
Christoph Leonhardt ist Leiter von Okzident-Orient und stellv. Geschäftsführer von Middle East Minds. Nach seinem Studium in Berlin und Beirut hat er an der Universität der Bundeswehr München über paramilitärische Gruppen im Syrien-Krieg promoviert.
Das ist ein Beitrag, der im Rahmen unserer Open-Source-Initiative eingereicht wurde. Mit Open Source geben wir allen Interessierten die Möglichkeit, Texte mit inhaltlicher Relevanz und professionellen Qualitätsstandards anzubieten. Ausgewählte Beiträge werden veröffentlicht und honoriert.