• Food-Bloggerin Sissi Chen: „Diese wunderbare Küche sollte hierzulande unbedingt bekannter werden“
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    Ein Stück Taiwan in Berlin: die Food-Bloggerin Sissi Chen vor dem Café Mibap in Mitte © Benjamin Pritzkuleit/Berliner Zeitung

    16.10.2026 von Anne Vorbringer - Taiwans Kulinarik verdient mehr Aufmerksamkeit, findet die Autorin Sissi Chen. Vier Monate lang probierte sie sich durch Garküchen, Restaurants und Nachtmärkte. Jetzt ist ihr Buch dazu erschienen.

    Sissi Chen ist eine der bekanntesten Food-Bloggerinnen Berlins. Man trifft sie in Sternerestaurants genauso wie in ihren liebsten Kiezläden wie dem unprätentiösen Lao Xiang.

    Zuletzt hat sich die in Peking geborene Autorin einen langgehegten Traum erfüllt. Vier Monate lang reiste Sissi Chen durch Taiwan, besuchte Garküchen, Restaurants und die berühmten Nachtmärkte.

    Sie sprach mit Köchinnen und Imbissbetreibern, löffelte bei 40 Grad heiße Austernsuppe am Straßenrand, probierte frittierte Teigstangen und knusprige Sesamfladenbrote in den traditionellen Frühstückshäusern. Aus unzähligen Eindrücken entstand schließlich ihr neues Kochbuch „Eating in Taiwan“ mit 65 Rezepten für zu Hause.

    Warum ihr dieses Buch besonders am Herzen liegt und wie es mit ihrer eigenen Familiengeschichte zusammenhängt, hat uns Sissi Chen im taiwanischen Café Mibap in der Torstraße erzählt.

    Märkte voller Reichtum aus Bergen und Meer: Sissi Chen war 2019 das erste Mal in Taiwan und kehrte 2025 für längere Zeit zurück. © Sissi Chen

    Frau Chen, worauf gründet Ihr Interesse an Taiwans Kulinarik?

    Ich war 2019 das erste Mal dort und total beeindruckt von der multikulturellen Küche, die stark geprägt ist durch die Kolonialgeschichte und die chinesische Migration. Seither geistert die Idee eines Kochbuchs durch meinen Kopf. Aber erst 2025 hatte ich die Gelegenheit, länger vor Ort zu sein und meine Eindrücke zu vertiefen.

    Die Kulinarik Taiwans ist im deutschsprachigen Raum im Gegensatz zu anderen Regionen Asiens wenig repräsentiert. Dabei ist die Vielfalt der Küchen für so eine relativ kleine Insel gigantisch. Ich finde, dieser wunderschöne Ort verdient es, dass er medial auch mal anders auftaucht als ständig in diesen politischen Konfliktsituationen. Die natürlich existieren – aber es gibt eben so vieles mehr.

    Ich möchte die Menschen und ihr fantastisches Essen in den Mittelpunkt rücken, diesen Schmelztiegel an kulinarischen Einflüssen. Mir war es wichtig, den indigenen Menschen ein eigenes Kapitel zu widmen. Von diesen austronesischen Urvölkern weiß man hier nicht sehr viel, sie haben aber seit geraumer Zeit großen Einfluss auf die moderne taiwanische Küche.


    Die Rindfleischnudelsuppe gilt als inoffizielles Nationalgericht in Taiwan. © Sissi Chen

    Wie würden Sie diese Küche beschreiben?

    Mir ist wichtig zu sagen, dass es die taiwanische Küche nicht gibt – und ich sie nicht definieren möchte. Es gibt bei den Gerichten chinesische, japanische, europäische und indigene Einflüsse. Taiwan hat offiziell 16 anerkannte indigene Völker, deren kulturelle und kulinarische Einflüsse unglaublich spannend sind. Die Verbindungen reichen bis zu den Philippinen und nach Neuseeland, das schlägt sich auch in Kochtechniken und Zutaten nieder. Dann gibt es den Einfluss der niederländischen Kolonialisierung. Weil Taiwan damals eine wichtige Anbauregion für Zuckerrohr wurde, ist die Küche bis heute sehr süß, vor allem im Süden der Insel.

    Sie haben auch eine persönliche Anbindung dorthin. Wie sieht die aus?

    Meine Oma in Peking hatte fünf Schwestern. Eine von ihnen ist während des Bürgerkrieges 1949 nach Taiwan ausgewandert. Der private Kontakt war danach 38 Jahre lang strikt verboten. Es war unmöglich, überhaupt ein Lebenszeichen voneinander zu erhalten. Durch meinen längeren Aufenthalt in Taiwan konnte ich diesen Teil meiner Familie endlich persönlich treffen und es war für alle ein sehr emotionaler Moment.

    Meine Verwandten haben mich herzlich empfangen, sie haben mit mir ihren Alltag geteilt und mir ihre Lieblingsrestaurants in Taipeh gezeigt. Meine Oma hat ihre Schwester bis zu ihrem Tod nie wiedergesehen, aber sie hätte sich sicher riesig darüber gefreut, dass wir gemeinsam an einem Tisch zusammengekommen sind. Das ist auch etwas, was ich auf meinen Reisen festgestellt habe: Die Gastfreundschaft in Taiwan ist unglaublich groß. Und ich glaube, jede Person, die einmal nach Taiwan reist, ist vom Essen dort komplett umgehauen. Es gibt eigentlich kein Restaurant, keinen Marktstand, an dem das Essen schlecht ist.


    Ob exotisches Obst, frisches Gemüse, Kräuter oder Bergpfeffer: Die Auswahl an frischen Zutaten auf Taiwans Märkten ist riesig. © Sissi Chen

    Was hat Sie bei Ihren Recherchen besonders überrascht?

    Taiwan ist gerade auf dem Weg, sich kulinarisch selbst zu finden, eine Identität zu entwickeln. Die Rindfleischnudelsuppe zum Beispiel, das inoffizielle Nationalgericht, ist in den sogenannten Military Villages entstanden, nachdem im chinesischen Bürgerkrieg Chiang Kai-shek und seine Anhänger 1949 nach Taiwan gekommen waren.

    In diesen provisorischen Soldatenunterkünften trafen Menschen aus unterschiedlichen Regionen Chinas aufeinander. Jeder brachte eigene Techniken und Zutaten mit. Daraus entstand die Suppe, von der es heute allein in Taipeh unzählige Versionen gibt. Jeder Laden hat sein eigenes Geheimnis, wenn es um die Brühe und das Fleisch geht.

    Wenn Sie nur ein Gericht aus dem Buch empfehlen dürften – welches wäre es?

    Auf jeden Fall etwas aus dem Frühstückskapitel. In Taiwan gibt es eine enorme Frühstückskultur. Es gibt Häuser, die um 4.30 Uhr aufmachen und bis mittags geöffnet haben. Andere haben den ganzen Tag auf. Und manche öffnen erst ab 17 Uhr.

    Mein Lieblingsgericht ist Fan Tuan, eine Art Reisrolle, die standardmäßig mit Senfgemüse, dem frittierten Teigstreifen Youtiao und Schweineflocken gefüllt ist. Es gibt aber auch Varianten mit Thunfisch, gebratenem Hühnerfleisch oder eingelegten Eiern. Im Prinzip ist es wie ein Reis-Burrito, den man unterwegs isst. Es ist das Gericht, das ich am meisten vermisse, wenn ich an Taiwan denke.


    Erdnuss-Reismilch wird in so gut wie jedem Frühstücksladen serviert. © Sissi Chen

    Und die Zutaten für die Gerichte bekommt man alle auch hier?

    Ja, das war mir wichtig. Wenn es eine bestimmte Sache nicht genau so hier im Asialaden gab, habe ich zu Hause rumprobiert und so lang mit ähnlichen Zutaten experimentiert, bis es so schmeckte wie im Original.

    Ein eigenes Kapitel ist den berühmten Nachtmärkten gewidmet. Welches Gericht sollte man dort unbedingt probieren?

    Eines meiner Lieblinge ist das Schwarze-Pfeffer-Brötchen. Das ist quasi ein sehr blättriges Fladenbrot, das mit Hackfleisch, Frühlingszwiebeln und sehr, sehr viel Pfeffer gefüllt ist. Es wird in traditionellen Steinöfen an der Wand klebend gebacken und dann heiß serviert.

    Diese Brötchen wurden von den chinesischen Migranten aus Fuzhou nach Taiwan gebracht und haben ihren Ursprung wahrscheinlich in der Provinz Fujian. Sie sind so saftig, sehr, sehr pfeffrig – und das Fleisch ist unglaublich lecker. Jetzt bekomme ich schon wieder Sehnsucht!

    als diese Ananasküchlein. © Sissi Chen

    Dass Sie als gebürtige Chinesin ein Buch über die taiwanische Küche schreiben, provozierte sicher spannende Reaktionen, oder?

    Interessanterweise war das vor Ort in Taiwan gar kein Problem. Ich habe jedem, mit dem ich gesprochen habe, meinen Background erklärt – und es gab niemanden, der das hinterfragt hat. Alle haben sich wahnsinnig über mein Interesse an der taiwanischen Küche gefreut.

    In Deutschland gab es zwei Kommentare, die meinten, ich dürfe nicht über taiwanisches Essen schreiben, weil ich Festlandchinesin bin. Ich verstehe, wo dieser Gedanke herkommt, finde es aber unfair, weil die Leute so tun, als hätte ich irgendeine Agenda. Die habe ich aber nicht, sondern respektiere und interessiere mich für diese wunderbare Küche, die hierzulande unbedingt bekannter werden sollte.

    Zur Person

    Sissi Chen wurde in Peking geboren und verbrachte die ersten sieben Jahre ihres Lebens bei ihren Großeltern in China, bevor sie zu ihren ausgewanderten Eltern nach Österreich übersiedelte und viele Jahre in Wien lebte. Seit 2010 ist sie in Berlin und arbeitet hier als selbstständige Autorin, Content-Creatorin und Host für kulinarische Events. Bei Instagram folgen ihrem Kanal „Eating in Berlin“ mehr als 130.000 Menschen. Spezialisiert hat sich die 37-Jährige auf asiatische und besonders die chinesische Küche. Ihr neues Buch „Eating in Taiwan“ ist bei Dumont erschienen (208 Seiten, 32 Euro).

    #Berlin #Mitte #China #Taiwan #Essen #Küche #Spezialitäten

  • La réaffirmation de la subjectivité des Tatars de Crimée en période d’occupation et de guerre (conférence, 5 novembre 2026)

    Trop souvent, la Crimée est simplement considérée comme un lieu sur une carte, un emplacement stratégique au bord de la mer Noire. Lors de cet événement, vous découvrirez les réalités vécues par le peuple autochtone de Crimée, les Tatars de Crimée, leur travail en tant que militant·es, chercheurs/chercheuses et artistes, ainsi que leurs luttes sous et contre l’occupation russe. Vous entendrez des historien·nes et des chercheurs/chercheuses spécialisé·Ês dans l’histoire et le présent des Tatars de Crimée, et découvrirez comment l’identité ukrainienne moderne inclut la Crimée.

    ▻https://entreleslignesentrelesmots.wordpress.com/2026/06/16/le-mot-dordre-feu-histoire-du-mouvement-de-resistance-des-tatars-de-crimee-atesh/#comment-76203

    #crimée #tatar

  • Les États-Unis envisagent des sanctions contre l’Espagne pour avoir empêché l’entrée de navires américains dans ses ports | El Estrecho Digital
    ▻https://www.elestrechodigital.com/fr/2026/10/14/etats-unidos-plantea-sanciones-a-espana-por-impedir-la-entrada-de

    La Commission Maritime Fédérale des États-Unis (FMC) a proposé d’imposer une surtaxe de 200 000 dollars par escale aux navires sous pavillon espagnol entrant dans les ports américains, ainsi que des restrictions à l’importation de certains produits en provenance d’Espagne. Les mesures font suite aux conclusions d’une enquête ouverte en décembre 2024 sur le refus des autorités espagnoles de permettre l’entrée dans leurs ports de certains navires américains liés au transport de marchandises vers Israël.

    L’organisme de régulation américain a communiqué ce mercredi 14 octobre que son enquête avait trouvé des preuves qui, à son avis, montrent que l’Espagne a établi des conditions défavorables pour les navires sous pavillon américain dans le commerce maritime international. La FMC considère que les restrictions d’accès aux installations portuaires espagnoles ont affecté l’activité de ces embarcations et leur participation à certaines routes commerciales.

    La proposition prévoit deux types de mesures. La première consiste à établir une surtaxe de 200 000 dollars pour chaque entrée dans un port américain d’un navire enregistré sous pavillon espagnol. La seconde inclut des limitations aux importations de produits espagnols appartenant à cinq catégories commerciales : parfumerie et cosmétique, huiles et graisses, produits céramiques, articles en pierre et sucre et produits de confiserie.

    Dans le document publié par la FMC, il est indiqué que ces restrictions pourraient s’appliquer de manière générale aux catégories identifiées ou être limitées à certains produits. L’organisme maintient différentes possibilités ouvertes et déterminera l’étendue des mesures après avoir analysé les observations qu’il recevra lors de la procédure de consultation publique.

  • Pakistan: Marsch auf Islamabad
    ▻https://www.jungewelt.de/artikel/531020.pakistan-marsch-auf-islamabad.html

    Trotz drei Jahren Haft können Khans Unterstützer immer noch Massen mobilisieren (Lakki Marwat, 4.10.2026)

    6.10.2026 von Thomas Berger - Gespräche zwischen Regierung und Opposition in Pakistan um inhaftierten Expremier scheitern. PTI-Partei erhöht Druck mit Großdemonstrationen

    Seit August 2023 sitzt der ehemalige Premier Pakistans, Imran Khan, im Gefängnis. Gegen ihn laufen mehr als 100 Verfahren, darunter zu Korruptionsvorwürfen und Anklagen wegen Anstiftung zur Gewalt, die er und seine Partei, die Pakistan Tehreek-e-Insaf (PTI), als politische Verfolgung einstufen. Derzeit befindet er sich im Adiala-Gefängnis in Rawalpindi. Da der 73jährige in Isolation gehalten wird und er auf seinem rechten Auge zu erblinden droht, versucht die PTI mit einem Protestmarsch in die Hauptstadt Islamabad den Druck auf die seit Khans seinem Sturz im April 2022 regierende Pakistanische Muslim-League-Nawaz (PML-N) von Premier Shehbaz Sharif zu erhöhen. Kahns Ehefrau Bushra Bibi sitzt wie er eine langjährige Haftstrafe ab. Anfang der vergangenen Woche wurden auch drei Schwestern Khans als »Unruhestifterinnen« verhaftet – und teilen dieses Los mit Hunderten PTI-Mitgliedern und mehreren namhaften Parteikadern.

    Kurzzeitig sah es so aus, als könnten die beiden großen politischen Lager zu einer Einigung kommen. Regierungschef Sharif hatte in der vergangenen Woche die Einladung zu einem Gespräch mit Mahmood Khan Achakzai, dem Oppositionsführer im Unterhaus des Parlaments, ausgesprochen. Und tatsächlich fanden kurz darauf – für das südasiatische Land ein seltener Umstand – zwei Treffen zwischen Delegationen der Regierung um die PML-N und der mit ihr verbündeten Pakistanischen Volkspartei von Staatspräsident Asif Ali Zardari sowie der breiten Oppositionsallianz rund um die PTI statt. Gab es nach dem ersten Gespräch noch Hoffnung auf ein tragfähiges Ergebnis, so brachte Runde zwei dann die totale Ernüchterung. Im Anschluss gaben sich beide Seiten gegenseitig die Schuld am Scheitern. Ranghohe Vertreter der Regierungsseite unterstellten der PTI, gar nicht ernsthaft an einer Einigung interessiert gewesen zu sein. Von der Spitze der führenden Oppositionspartei hieß es, eine schon in anderen Punkten erzielte Vereinbarung sei deshalb geplatzt, weil es zur Kernforderung der PTI – gesicherter Zugang zum inhaftierten Expremier Khan – keinerlei Entgegenkommen gegeben habe.

    Ohnehin trieb die Opposition parallel zu den Gesprächen die Vorbereitungen für die Großdemonstration, dem »Langen Marsch«, voran. Dessen Start war eigentlich schon für den 27. September geplant. Die PTI-Spitze hatte ihn dann kurzfristig auf den 4. Oktober verschoben aufgrund bereits verschärfter Sicherheitsmaßnahmen der Regierung. Sie hatte bereits 35.000 zusätzliche Polizisten und paramilitärische Truppen zusammengezogen und wichtige Zufahrtsstraßen mit Schiffscontainern verbarrikadieren lassen. Ein der Führung genehmes Gerichtsurteil des Islamabad High Court von Mitte September untersagt in der Tat die Nutzung der Straßen für solche Protestaktionen. Ungeachtet dessen machten sich am Sonntag nachmittag Tausende Anhänger Khans aus Khyber-Pakhtunkhwa auf den Weg Richtung Hauptstadt. Die Provinz im Nordwesten des Landes ist die wichtigste Bastion der PTI, sie stellt dort die Regionalregierung.

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    Der Chefminister der Provinz, Sohail Afridi, gab für die Hauptdemonstration in Lakki Marwat das Startsignal, sein Vorgänger Ali Amin Gandapur für eine zweite Gruppe in Dera Ismail Khan. Diese und weitere vereinen sich in den nächsten Tagen mit dem Hauptkonvoi, der am 8. Oktober in Swabi, knapp 100 Kilometer vor Islamabad, die erste Etappe abschließen soll. Der Hardliner Rana Sanaullah, Berater des Premiers in politischen Fragen, Innenminister Mohsin Naqvi und andere haben die PTI davor gewarnt, die Grenzen der Hauptstadt zu überschreiten. Gedroht wird ebenso, die Region Khyber-Pakhtunkhwa unter Zentralverwaltung zu stellen und die Regionalregierung abzusetzen.

    Die Opposition lässt sich davon nicht einschüchtern. Zwar erging von Afridi und Gandapur die strikte Order, den Marsch unter allen Umständen friedlich zu halten. Am 9. Mai 2023, als Imran Khan erstmals aus seiner Residenz in Lahore verhaftet wurde, hatten dessen aufgebrachte Anhänger mehrere staatliche Stellen, darunter auch das Hauptquartier der Armee in der Garnisonstadt Rawalpindi, attackiert. Militärs, die in der pakistanischen Geschichte viele Jahre diktatorisch herrschten, werden noch immer als wichtige Strippenzieher hinter der aktuellen Regierung gesehen.

    #Pakistan #politique

    • Remarque que toutes les guerres sont des infanticides.
      Et que ce sont les industriels de l’armement qui en sont les commanditaires avec immanquablement leurs corollaires politiques pour l’esbroufe démocratique.
      Les humains ont décidément la mémoire courte.

      Je garde une image de Sarajevo, des cimetières qui descendent des montagnes comme des rivières de tombes blanches, de plus près, les dates gravées t’apprennent que la plupart des victimes étaient à peine majeurs.

  • #Lobby du #plastique : 2,5 millions d’euros par an pour continuer de polluer

    Les industriels ont consacré 2,5 millions d’euros pour inciter les pouvoirs publics à abandonner des textes visant à réduire la pollution, notamment plastique, selon un #rapport inédit de #Zero_Waste_France. Reporterre y a eu accès en amont et a enquêté sur les coulisses de ce #lobbying au Parlement.

    Toutes les marques utilisatrices, les producteurs, les géants du recyclage... On savait le lobby de l’emballage puissant, mais pas à quel point. Il a dépensé 2,5 millions d’euros en 2025 pour lutter contre la règlementation française visant à sortir du #tout-jetable, selon le rapport de Zero Waste France « Le lobbying décomplexé des industriels de l’emballage » à paraître le 8 octobre, auquel Reporterre a eu accès en amont en exclusivité.

    Couverts jetables, pailles, cotons-tiges… Alors que la loi #Antigaspillage_pour_une_économie_circulaire (#Agec) prévoyait une réduction de 20 % des emballages plastiques à usage unique entre 2021 et 2025, leur mise sur le marché a tendance à augmenter.

    Entre-temps, d’autres textes législatifs qui auraient aidé à baisser notre consommation de plastique, comme la #taxe_plastique, ont été torpillés l’an dernier. Derrière ce recul environnemental, le poids du lobbying des acteurs de l’emballage, donc, mesuré et documenté pour la première fois grâce aux données du registre des représentants d’intérêts de la Haute autorité de transparence pour la vie publique (HATVP) épluchées par Zero Waste France.

    Il comprend des marques fans de la matière plastique pour leur emballage, comme #L’Oréal, mais surtout des producteurs de plastique, représentés par #Plastalliance, #Polyvia ou #Elipso ; enfin, les mastodontes du recyclage comme #Paprec, #Suez ou #Veolia — Reporterre zoome sur ces trois derniers dans un prochain article.

    L’Oréal contre la taxe plastique

    Sur le front s’activent des marques très connues, pas prêtes à abandonner ce contenant léger, pratique, bon marché et support marketing rêvé comme L’Oréal, qui a mobilisé sa force de frappe. Le fleuron du groupe #LVMH détenu par le milliardaire Bernard Arnault a œuvré en sous-main pour que l’intérêt privé prime.

    « Limiter l’impact financier d’une nouvelle taxe plastique pour les entreprises », c’est écrit noir sur blanc comme action d’influence exercée auprès des décideurs publics par L’Oréal en 2025 et déclarée dans le registre de la HATVP.

    Pour se justifier, le leader des cosmétiques assure à Reporterre soutenir « une juste application du principe du pollueur-payeur et contribuer à ce titre à la #Responsabilité_élargie_du_producteur (#REP) des emballages ménagers. Nous nous sommes opposés à l’instauration d’une nouvelle taxe plastique qui ferait doublon avec ce dispositif ». La taxe a finalement été abandonnée, marquant une première victoire du lobby du plastique en 2025. Et elle n’a pas fait sa réapparition dans le projet de loi de finances pour 2027.

    Les fausses informations du lobby du plastique

    Comment le lobby du plastique s’y prend-il pour parvenir à ses fins ? D’abord, il réussit à minimiser le #danger que représente pour la planète ce matériau dérivé du #pétrole via les fédérations qui représentent ses producteurs, Plastalliance, Polyvia et Elipso.

    Si elles sont inconnues du grand public, elles sont très coutumières des arcanes du Parlement. Il s’agit du lobby de l’emballage le plus actif : ces trois organisations ont multiplié les déclarations d’actions d’#influence pour préserver le droit à polluer de leurs membres auprès de la HATVP.

    Elles trouvent ensuite des relais au sein du Parlement pour soutenir leurs propos, comme #Vincent_Louault, sénateur Les Indépendants-République et territoires d’Indre-et-Loire. « La France ne participe pas au fait que les océans soient dégueulasses. Le coup de la paille dans le nez des tortues, ça ne marche pas. Demandez à l’IA [intelligence artificielle], elle va vous dire que l’Europe est le continent qui pollue le moins », soutient à Reporterre l’élu, habituel porte-voix de l’industrie plasturgique.

    Zero Waste France rappelle pourtant que le pays produit deux fois plus d’ordures que la moyenne mondiale. Elle dénonce aussi le « #colonialisme_des_déchets » en rapportant que les nations riches engendrent bien plus de détritus et qu’en 2021, notre pays en exportait 800 000 tonnes en matière plastique.

    S’agissant des risques pour la #santé, « quand on nous dit qu’on a du plastique dans les testicules et le cerveau, c’est des fake news », lance Vincent Louault, agriculteur de profession qui s’est illustré en bataillant pour le retour des pesticides néonicotinoïdes. Or, les études existent.

    Devant la caméra de « Complément d’enquête », il a lui-même admis avoir usé de fausses informations pour défendre l’#acétamipride. Et il est également le conseiller agriculture choisi par Édouard Philippe (Horizons) pour l’élection présidentielle 2027 selon Contexte.

    En tout cas, « les #microplastiques sont présents dans tous les organes humains », selon un rapport de l’Office parlementaire d’évaluation des choix scientifiques et technologiques, qui s’émeut de « corrélations inquiétantes entre la présence de plastiques et l’altération de certains organes, voire l’apparition de pathologies ».

    Pour la droite, le plastique, c’est fantastique

    Malgré tout, en 2026, le slogan « Le plastique, c’est #fantastique » est toujours d’actualité pour Plastalliance : la fédération plasturgique l’a choisi pour souhaiter la bonne année en janvier sur le réseau social LinkedIn.

    Interrogé par Reporterre, #Joseph_Tayefeh, secrétaire général de Plastalliance, se réjouit des perspectives d’augmentation de la production plastique pourtant dénoncée par les ONG.

    Ses arguments résonnent fortement avec ceux répétés en boucle par le sénateur de droite Vincent Louault. Joseph Tayefeh joue sur la corde sensible en insistant sur « les risques de pertes d’#emplois si les industriels français sont soumis à davantage de règles », appuie le lobbyiste. « Je ne suis pas amoureux du plastique, mais je me bats contre tout ce qui porte atteinte aux intérêts de l’#industrie française », revendique Vincent Louault en écho.

    Le patron de Plastalliance avoue « échanger essentiellement avec des parlementaires centristes, de droite et d’extrême droite, les partis qui s’intéressent le plus aux questions industrielles ». « Les élus de droite sont les auteurs de l’immense majorité des amendements pro-emballage », assure d’ailleurs Marine Bonavita, responsable plaidoyer de Zero Waste France.

    Le deuxième lobby de la plasturgie, Elipso, remercie aussi Vincent Louault sur LinkedIn, ainsi qu’une autre parlementaire, #Manon_Bouquin, à l’époque députée devenue sénatrice le 27 septembre sous les couleurs du Rassemblement national.

    Et ce, pour « leur présence et leurs interventions sans langue de bois » à l’occasion de la convention annuelle Elipso 2026. Elle n’a pas répondu à Reporterre, de même qu’Elipso, pas plus que le député de la droite républicaine #Laurent_Wauquiez, qui a âprement lutté contre la taxe plastique.

    Des #amendements coécrits avec le lobby du plastique

    Quant à Polyvia, le principal syndicat professionnel de l’industrie française de la plasturgie, Zero Waste France n’a pas pu intégrer dans son addition le budget que cette organisation a consacré en 2025 au lobbying. Et pour cause, il n’apparaît pas dans le registre de la HATVP. Polyvia invoque auprès de Reporterre un « souci technique » et confesse un montant conséquent, de 545 000 euros… Qui s’ajoute encore à la somme révélée par l’ONG.

    #Xavier_Chastel, le directeur général de Polyvia, se défend dans un premier temps que son groupement d’entreprises soit un lobby. Il a pourtant déjà été épinglé pour avoir mené une campagne publicitaire polémique pro-plastique.

    Et Polyvia n’hésite pas à contacter directement les faiseurs de lois, comme le 16 octobre 2025 : dans un courriel auquel Reporterre a eu accès, la fédération « demande aux parlementaires de supprimer » la taxe plastique, tout simplement.

    Mis devant le fait accompli, le patron admet « échanger avec le cabinet du ministre de l’Écologie et les parlementaires », tout en se défendant de « passer des amendements ». Dans son courriel, Polyvia argumente toutefois ainsi : « La taxe envisagée risque de dégrader significativement la compétitivité des matériaux plastiques sans pour autant améliorer les performances en matière et de recyclage des emballages ».

    Entendu cinq sur cinq par le sénateur Vincent Louault, qui a repris l’argumentaire de Polyvia dans un de ses amendements. « Je travaille avec les fédérations de professionnels, notamment celles du plastique, qui me font remonter des alertes, consent le parlementaire. Quand elles me semblent justifiées, je les recontacte et nous coécrivons les amendements. »

    « L’industrie se dit : “Cool, on en a un acquis à notre cause” »

    En l’occurrence, il a déposé 14 amendements en commission et 10 en plénière sur le projet de loi portant sur diverses dispositions d’adaptation au droit de l’Union européenne (Ddadue), le deuxième texte récent clé dans la bataille de l’emballage. Il devrait revenir en discussion au Parlement prochainement.

    Et dans une publication LinkedIn, Plastalliance ne se cache pas d’une réelle coconstruction de la loi en rendant compte d’une rencontre avec Vincent Louault accompagnée du hashtag #ddadue. « Je suis un des seuls parlementaires à m’intéresser à l’#industrie_plastique alors forcément, elle se dit : “Cool, on en a un acquis à notre cause” », commente le législateur.

    Le lobby des industriels de l’emballage sait regrouper ses forces pour défendre ses intérêts dans les coulisses du Parlement. Il n’hésite pas non plus à verdir son image en utilisant celle d’élus, idéalement, à la fibre écologiste… C’est le cœur du second volet de cette enquête à paraître le 8 octobre.

    ▻https://reporterre.net/Lobby-du-plastique-2-5-millions-d-euros-par-an-pour-continuer-de-polluer
    #emballages #pollution

  • ### À Genève, des militant·es tamoul·es réclament une enquête sur le génocide alors que le Sri Lanka s’y oppose

    GENÈVE — Des militant·es tamoul·es ont exhorté mardi le Conseil des droits humains des Nations unies à ouvrir une enquête internationale indépendante visant à déterminer si le traitement réservé aux Tamoul·es par le Sri Lanka pendant et après la guerre civile constituait un génocide, et à nommer un·e expert·e chargé·e de suivre la situation dans ce pays.

    Ces appels ont été lancés lors du débat général sur le point 2 de la 63e session du Conseil, qui s’est ouverte à Genève le 7 septembre, et ont été formulés au cours de la même séance au cours de laquelle le Haut-Commissariat des Nations unies aux droits humains a présenté son dernier rapport écrit sur la réconciliation et la responsabilité au Sri Lanka.

    ▻https://entreleslignesentrelesmots.wordpress.com/2026/10/02/a-geneve-des-militant·es-tamoul·es-reclament-u

    #srilanka #tamoul

  • Bundesweites Bündnis mobilisiert am 3. Oktober gegen Aufrüstung und Wehrpflicht
    ▻https://www.berliner-zeitung.de/article/bundesweites-buendnis-mobilisiert-am-3-oktober-gegen-aufruestung-un

    Le jour de la fête nationale sera l’occasion pour de grandes manifestations contre l’armement et pour la paix. Il faudra s’y joindre même si’il n’y a que le petit parti communiste DKP pour rappeler la véritable raison des guerres de notre époque, le capitalisme dans sa forme impérialiste.

    29.9.2026 von Adrian Schintlmeister - Gegen Wehrpflicht und Rüstungsmilliarden. Über 270 Organisationen rufen am 3. Oktober zu Großkundgebungen in Berlin und Stuttgart auf.

    Mehr als 270 Organisationen und Friedensgruppen rufen für den 3. Oktober zu zentralen Kundgebungen in Berlin und Stuttgart auf. Zu den Trägern zählen die beiden bundesweiten Dachverbände der Friedensbewegung, der Bundesausschuss Friedensratschlag und die Kooperation für den Frieden, außerdem Organisationen wie pax christi, die Initiative Nie wieder Krieg – die Waffen nieder, die Kampagne Nein zur Wehrpflicht sowie gewerkschaftliche und politische Gruppen.

    Unter dem Motto „Nein zu Hochrüstung, Wehrpflicht und Krieg! – Für Frieden, demokratische Rechte und soziale Sicherheit!“ erwarten die Veranstalter Tausende Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Brandenburger Tor in Berlin und auf dem Schlossplatz in Stuttgart.

    Auch die frühere EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann hat sich angeschlossen. Vorab benannte sie vier Themen, die sich seit dem Vorjahr verschärft hätten. Die Eskalation im Nahen Osten – insbesondere die Angriffe der USA und Israels auf den Iran und dessen Reaktion – wirke sich bis zu den Tankstellenpreisen aus. Deutschland solle nicht, wie vom Bundeskanzler gefordert, die stärkste konventionelle Armee Europas aufbauen, sondern die stärkste diplomatische Kraft sein.

    Käßmann kritisierte, dass unbegrenzte Milliarden für Rüstung mit dem Abbau sozialer Leistungen einhergingen, etwa beim Wohngeld, dem Unterhaltsvorschuss, bei Pflege und Rente. Zur Debatte um die Wehrpflicht sagte sie, junge Männer müssten ihr Gewissen auf drei Seiten darlegen, während für die Bundeswehr mit dem Bild eines Abenteuers geworben werde. Auch wer Wehrdienst leisten wolle, müsse sein Gewissen prüfen. Kriegsdienstverweigerung sei ein Menschenrecht.

    Weiter beklagte Käßmann eine Diskreditierung der Friedensbewegung als angeblich Putin-nah, russlandfreundlich, AfD-nah oder antisemitisch. Sie forderte die Parteien der Mitte auf, Friedensbewegten in den eigenen Reihen mehr Raum zu geben.
    Programm in Berlin und Stuttgart

    In Berlin beginnt die Kundgebung um 13 Uhr am Brandenburger Tor auf dem Platz des 18. März. Als Rednerinnen und Redner sind unter anderem der Kabarettist Arnulf Rating, Monika Koops (Verdi Hamburg), Christian Neyer (BSW), der Politikwissenschaftler Johannes Varwick von der Universität Halle, Carla Wolf von der Schulstreikbewegung, Sören Pellmann (Linke), Maria Buchwitz (Pax Christi), Patrick Köbele (DKP) sowie Aleph Badir (Didev) und Mai Saidani Yufani angekündigt. Musikbeiträge kommen von der Fis Development Crew und von Pablo Miro. Die Abschlusskundgebung soll gegen 16:30 Uhr enden.

    In Stuttgart läuft das Programm parallel auf dem Schlossplatz, musikalisch eingeleitet vom Blues-Orchester Blistheim. Bei der Auftaktkundgebung sprechen laut Organisatoren unter anderem Ronja Fröhlich von der Kampagne Nein zur Wehrpflicht, Vertreter des Schulstreikkomitees Weinheim, die Linken-Politikerin und Europaabgeordnete Özlem Demirel sowie Paul Schobel von Pax Christi. Auf der Abschlusskundgebung treten zudem Sevim Dağdelen (BSW), Vertreter der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft und Gewerkschaftsvertreter auf. Grußworte kommen per Video von Margot Käßmann und von Sophie Bolt von der britischen Campaign for Nuclear Disarmament.

    #Allemagne #Berlin #Stuttgart #guerre #paix #manifestation #fête_nationale #Tag_der_deutschen_Einheit

  • Tappeto rosso per Xi a Washington
    ▻https://radioblackout.org/2026/09/115639

    L’atteso incontro tra il presidente statunitense Donald #Trump e il leader cinese #Xi_Jinping ha avuto luogo la scorsa settimana. Xi è arrivato a Washington DC mercoledì sera per i colloqui di giovedì, l’incontro ha rappresentato la prima visita di Stato di un leader cinese negli Stati Uniti negli ultimi 11 anni, ma è anche […]

    #L'informazione_di_Blackout #ai #cina #dazi #guerra #Taiwan #USA
    ▻https://radioblackout.org/wp-content/uploads/2026/09/trump-xi.mp3

  • TAXIFILMFEST Tag 2 - Freitag, 25.9.2026 -
    ▻http://taxifilmfest.de/article271.html

    Teil eins des Filmprogramms

    Ort: BALZ Beratungszentrum (Dachetage), Beusselstraße 35, 10553 Berlin
    Beginn 19:00 Uhr

    Begrüßung und ein paar Worte über die Welt der Taxifilme
    ¡TAXI!, USA, 00:02:35
    Una simple taxista, Panama, 00:05:00
    Taxi Warren, Elfenbeinküste, 01:46:00
    Filmprogramm ca. 2:30 Stunden

    #taxi #cinéma

  • Pakistan in der Taliban-Falle
    ▻https://www.telepolis.de/article/Pakistan-in-der-Taliban-Falle-11459233.html

    20.9.2026 von Mark Engeler - Das Militär half den Islamisten zurück an die Macht. Nun wachsen Terror, Grenzkonflikte und wirtschaftliche Not – und die Atommacht gerät ins Wanken.

    In Islamabads zivilen Machtzirkeln und noch stärker in den Offizierscasinos wird schon länger jener 15. August 2021 verflucht, an dem die Taliban Kabul stürmte und die abziehenden USA samt Nato buchstäblich aus dem Land warfen.

    Das hört sich zunächst widersprüchlich an, denn allen Beteiligten war bewusst, dass Pakistans Sicherheits- und Geheimapparat – aus was für Gründen auch immer – den Vormarsch der Taliban nach Kräften unterstützte und die Interessen seines wichtigsten Verbündeten, den USA, nach Möglichkeit boykottierte.

    Unvergessen ist der Auftritt vom Chef des Militärgeheimdiensts ISI (Interservice Intelligence), General Faiz Hameed, in Kabul drei Wochen nach dem Sieg der Taliban: „Don’t worry, everything will be OK!“ ("Keine Sorge, alles wird gut!")

    Fünf Jahre später würde nicht einmal er es wagen, das zu behaupten – denn die Generäle machen sich Sorgen, große sogar. Und nicht nur Hameed, niemand in der Armeeführung kann erklären, was an ihrer Taliban- und Afghanistanpolitik von 2001 bis 2021 zum Wohle Pakistans gewesen sein soll.
    Das Erbe der Briten

    Die Erfahrung der Briten macht Pakistans Verhängnis in seinem „afghanischem“ Landesteil westlich vom Indus verständlicher. Ihre Ära begann mit der Niederlage im Krieg gegen Afghanistan 1842, einem der härtsten Rückschläge der jüngeren britischen Geschichte.

    Das Land direkt zu regieren war danach vom Tisch, eine Lektion, die sich mancher hätte merken sollen. Als sie sich 1849 das, was heute KP (Khyber-Pakhtunkhwa) konstituiert, einverleibten, herrschte bis zum Abzug 1947, fast 100 Jahre, kein Tag Frieden.

    KP, damals noch NWFP (Northwest Frontier Province) war die unruhigste Region des ganzen Empire, fast die komplette British Indian Army, größer als die reguläre Armee der britischen Monarchen, war dort stationiert.

    Egal, welche Taktik, ob Luftbombardierung ziviler Ziele (ab den 1920ern!), Strafexpeditionen, drakonische Gesetze wie Sippenhaft oder Pensionen für Stammesfürsten, Peitsche oder Zuckerbrot, es gab keinen Frieden.

    Viel von dem, was die Briten aus dem Kronjuwel ihres Empire herausholten, rann ihnen in NWFP wieder durch die Finger. Alles wegen einer vagen russischen Bedrohung, die nie Realität wurde.
    Die Lage in Khyber-Pakhtunkhwa (KP) und Balochistan

    Seit der Machtübernahme der Taliban in Kabul nimmt die Zahl der Terroropfer in Pakistan von Jahr zu Jahr kontinuierlich zu.

    Die Attentate der TTP (Tehreek-e Taliban Pakistan), der „eigenen“ Taliban, treffen im Vergleich zur Zeit von 2006 bis 2014 zwar nur noch selten die Metropolen wie Karachi, Lahore und Islamabad, dafür sind sie in KP und Balochistan an der Grenze zu Afghanistan umso verheerender.

    Dort kämpfen die Sicherheitskräfte gleichzeitig an drei Fronten. Zu den Anschlägen von TTP und den diversen Milizen in Balochistan kommt der Grenzkonflikt mit Afghanistan. Seit März 2026 ist hat sich dieser von einzelnen Scharmützeln zu einem zeitweise vollen Konflikt entwickelt, in dem die Pakistan Air Force Ziele tief in Afghanistan angreift.
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    Drittens gibt es in KP eine zivile Opposition, die zwar nicht militärisch bekämpft werden muss, die aber mit der Armee im Konflikt gegen die TTP nicht kooperiert. Denn KP bleibt die Hochburg des inhaftierten ehemaligen Premierministers Imran Khan, Islamabad gelingt es nicht einmal, die Khan-treue Provinzregierung zu entlassen.

    Mit tiefem Misstrauen verfolgen die Bewohner KPs die Operationen der Sicherheitskräfte gegen ihre Stammesgenossen.
    Das zerschnittene Tischtuch

    Westlich des Indus hält sich das Hybrid Regime nur noch mit militärischen Mitteln. Doch gibt es zum harten Ansatz der Armee keine Alternative mehr, Verständnis oder Entgegenkommen braucht man von den Stämmen nicht erwarten.

    Die wiederum haben den Glauben daran verloren, dass sich nach fast 80 Jahren Kolonisierung durch die Punjabis, die Armee, Wirtschaft, Beamtenapparat, Justiz und Politik dominieren, etwas ändern wird oder überhaupt kann. Wie soll bei so verhärteten Fronten die Armee deeskalieren und auf soft power setzen?

    Das würde in erster Linie Geld bedeuten; doch das ist nicht vorhanden. Natürlich kostet auch Munition, doch die Armee rechnet anders. Und es ist äußerst fraglich, ob die Stämme, die schon lange keine Zukunft mehr in Pakistan sehen, noch käuflich wären. Es ist ein Teufelskreis, ein auswegloses Dilemma.
    Die Kosten des Krieges

    Pakistan gehört zu den ärmsten Ländern Asiens, hat aber als einzige muslimische Nation Atomwaffen und die siebtgrößte Armee weltweit. Nie wird das Regime offenlegen, wie viel vom BIP und den anderen Ressourcen beim Militär landen und was davon in die Aufstandsbekämpfung in Balochistan und KP fließt.

    Sicher ist, dass der Staat vor drei Jahren kurz vor dem Bankrott stand, die Wirtschaft stagniert, die Inflation zwar nicht mehr galoppiert, aber noch immer viel zu hoch ist, die Zahl der Armen wieder ansteigt, das Land im HDI (Human Development Index) immer weiter absinkt und im gesamtasiatischen Vergleich nun auf dem drittletzten Platz vor Afghanistan und Jemen liegt.

    Und das, obwohl es keine Wüstenei ist, die Briten hatten es nicht umsonst auf die fruchtbaren, wasserreichen Ebenen östlich des Indus in Punjab und Sindh abgesehen. Von den natürlichen Voraussetzungen her könnte man viel mehr aus dem Land machen und die ersten 20 Jahre, als das Militär noch nicht wie jetzt über alles verfügte, sah es auch danach aus.

    Seit Jahrzehnten kommt ein weit überdurchschnittlicher Teil der Landeserträge dem Militär zu Gute (nach dem alten Sprichwort: In der Regel besitzt ein Land eine Armee, in Pakistan ist es umgekehrt) und davon werden die kostenintensive inneren Konflikte bestritten.

    Dass dafür andere Investitionen gestrichen werden, ist quasi selbstevident. Die Frage ist, wie lange die Bevölkerung diesen wirklich großen Ressourcenabfluss noch toleriert.
    Gibt es eine Generation Z in Pakistan?

    Im Normalfall ist man in Pakistan guter Dinge, wenn der große Rivale Indien mal wieder ein Eigentor schießt. Wie im Fall der CJP (Kakerlaken Volkspartei), die Ende Juli Premier Modi solange unter Druck setzte, bis er den Bildungsminister entließ.

    Nun wird man bei solchen Fehltritten des Erzrivalen eher nervös in Islamabad. Noch mehr wenn Regierungen durch den Druck der Straße ins Wanken geraten, so wie durch die Gen Z Revolten 2024 in Bangladesch und 2025 in Nepal. Doch sind es nicht Proteste dieser Art, die den Sicherheitsstrategen den Schlaf rauben.
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    Die Bevölkerungsstruktur ist zwar in Südasien überall gleich und die wirtschaftliche Verzweiflung und Chancenlosigkeit vieler junger Menschen in Pakistan sogar noch größer wie anderenorts. Doch eine Revolte, in der man sich nach Klasse oder sozialem Status und nicht nach Stammes-und Clanzugehörigkeit solidarisiert, wird es im stockkonservativen Pakistan in absehbarer Zukunft nicht geben.

    Genauso wenig die Beteiligung junger Frauen, die zwar nicht in Nepal, dafür umso mehr in Indien und eben auch im muslimischen Bangladesch zahlreich zu den Demos gingen. Nein, für eine Gen Z Bewegung in Pakistan ist es Jahre oder Jahrzehnte zu früh.
    Die Furcht vor Imran Khan

    Am meisten fürchtet man einen charismatischen Populisten wie früher Zulfiqar Ali Bhutto oder jetzt Imran Khan. Solche Führerfiguren passen ins Stammesschema und fördern Solidarität. Als Khan am 9. Mai 2023 verhaftet wurde, kam es zu den ersten Angriffen der Zivilbevölkerung auf Einrichtungen der Armee in der Geschichte des Landes.

    Das war kein Gen Z Moment, trotzdem schockierten die Angriffe das Regime heftiger als die Anschläge der TTP. Den Generälen wurde bewusst, dass sie Aufruhr im ganzen Land nur schwer unterdrücken könnten.

    So bleibt Imran Khan in Haft und wird von dem, was von den „freien“ Medien übriggeblieben ist, totgeschwiegen. Seine Partei (u.a. an der Macht in KP) steht unter erheblichen Druck, doch wer in Pakistan Politik macht, hält das aus. Aktuell herrscht trügerische Ruhe, doch mit Sicherheit warten Khans Anhänger auf die richtige Gelegenheit.

    Die Frage ist, wann die wirtschaftliche Verzweiflung, die jetzt wieder durch die Golfkrise verschärft wird, die Menschen auf die Straßen treibt. Viele Pakistanis glauben nicht mehr an das Licht am Ende des Tunnels. Das Regime ist unterhöhlt und trotz allen verfügbaren Mittel im Endeffekt zu schwach, um fast 250 Millionen Menschen zu bändigen.

    #Pakistan #Aghanistan #Taliban #impasse

  • „Wo kommst du wirklich her?“ – eine Taxifahrt zwischen Iran und Litauen
    ▻https://www.berliner-zeitung.de/article/kolumne-pati-valpati-10380974

    16.9.2026 von Pati Valpati - Unzählige Taxifahrten, immer dieselbe Herkunftsfrage. Erzählen möchte unsere Kolumnistin am liebsten von Litauen. Hier tut sie es.

    Ich sitze mit leichtem Schwindel im Taxi auf dem Weg zum Geburtstagsdinner einer Freundin in Berlin-Mitte. Ich hasse es, Taxi zu fahren, und vermeide es die meiste Zeit, weil ich a) auf Rücksitzen von Autos fast immer reisekrank werde und b) versuche, die Wahrscheinlichkeit einer ganz bestimmten Situation zu reduzieren.

    Heute geht es nicht anders, denn Autofahren wäre bei meinem späteren, sicherlich ausgiebigen Alkoholkonsum unweise und illegal. Und ich habe zu schicke Schuhe an, als dass ich riskieren würde, dass sich heute noch jemand in der U-Bahn auf ihnen übergibt.

    Also sitze ich da, mit etwas Magensäure im Hals und leicht nervös, weil der Name des Taxifahrers, der mir beim Bestellen in der App sofort aufgefallen war, vermuten lässt, dass ich mich heute mal wieder dieser Konversation aussetzen müsste, die ich eigentlich so vehement vermeide.
    „Ich weiß, dass es gleich kommt“

    Der Taxifahrer schielt mich durch den Rückspiegel an und scannt, wie erwartet, erst einmal meine Nase, dann meine etwas nah zusammenstehenden Augen und schließlich den auffällig geringen Abstand zwischen meiner Nasenspitze und meiner Oberlippe. Auch mein Blick auf seine Nase, seinen säuberlich getrimmten Schnauzbart, wie er hörbar sanft seine Os ausspricht und wie er an jede Silbe ein E anhängt, sagt mir alles, was ich wissen muss.


    Unsere Kolumnistin fährt ungern Taxi. Aus zwei Gründen – und nur einer ist die Reisekrankheit. © Sabine Zoltnere für EST.

    Ich weiß, dass es gleich kommt. „Sag mal, wo kommst du her?“

    „Aus Hamburg!“, sage ich – mein kläglicher Versuch, der offensichtlichen Richtung des Gesprächs zu entfliehen.

    „Ah, okay.“ Der Taxifahrer blinzelt irritiert. „Und deine Eltern?“

    Ich kann jetzt nichts mehr machen, da muss ich jetzt durch.

    „Meine Mutter kommt aus Litauen und mein Vater aus dem Iran“, nuschle ich ergeben.

    „Iraaan! Ich komme auch aus dem Iran!“

    Ich weiß, denke ich mir. Denn obwohl ich dir gleich beichten muss, dass ich nicht mit der iranischen Kultur aufgewachsen bin, ist mir – wie auch dir – das Gen in die Wiege gelegt worden, eine iranischstämmige Person aus fünf Kilometern Entfernung erkennen zu können.

    Er fängt an, enthusiastisch auf Farsi zu sprechen – eine wunderschön klingende Sprache. Ich lasse ihn ein paar Sekunden weiterreden, denn er scheint Spaß zu haben, und lächle dann entschuldigend.

    „Sorry, ich spreche kein Farsi. Aber ich spreche Litau-“

    „Wieso sprichst du kein Farsi? Das ist soo schade!“, unterbricht er mich.

    Dass ich eine andere Fremdsprache, Litauisch, spreche, ist für ihn offenbar kein ausreichendes Argument, seine Enttäuschung über meine fehlenden Farsi-Kenntnisse herunterzuschrauben.

    „Na ja, aber ich spreche Litauisch, meine Mutter kommt aus Litauen!“, erwidere ich bittend.

    „Du musst wirklich Farsi lernen, das musst du als Iranerin können!“

    Genauso gut hätte ich ihm sagen können, dass ich Löffelsprache beherrsche.

    „Mein Vater hat es mir nicht beigebracht, weil –“

    „Dann soll er dir das doch beibringen, du musst doch deine Sprache sprechen können!“

    Mein Moment ist gekommen, und ich sehne mich nach der gleich auf mich zukommenden plötzlichen Stille.

    „Mein Vater ist tot.“
    „Ein bisschen schlecht fühle ich mich, aber vielleicht ist das auch nur die Reisekrankheit.“

    Der Taxifahrer, dessen Blick mich bis eben noch mit Enttäuschung durch den Rückspiegel durchbohrt hatte, scheint nun kurz entsetzt, dann beschämt. Er wendet den Blick von mir ab, nuschelt eine kleine Entschuldigung und umfährt in letzter Sekunde einen Kleintransporter, den er gerade fast gestreift hätte.

    Ein bisschen schlecht fühle ich mich, aber vielleicht ist das auch nur die Reisekrankheit. Jetzt, wo den Rest der Fahrt eine unangenehme Stille garantiert ist, kann ich mich meinen Gedanken hingeben.

    Pati Valpati erkennt Iraner auf fünf Kilometer Entfernung. Das beruht auf Gegenseitigkeit.

    Pati Valpati erkennt Iraner auf fünf Kilometer Entfernung. Das beruht auf Gegenseitigkeit.

    © Sabine Zoltnere für EST.

    Ich habe dieses Gespräch schon fast exakt so hunderte Male geführt, auch außerhalb von Taxis. Nur erhöht sich die Wahrscheinlichkeit dieses Gesprächs während einer Taxifahrt in Berlin enorm – durch den Umstand, dass viele Iraner in den 90er-Jahren aufgrund politischer Verfolgung nach Deutschland geflohen sind und auf Jobs wie das Taxifahren ausweichen mussten, weil ihre Abschlüsse – egal ob in Medizin, Jura oder etwas völlig anderem – in Deutschland nicht anerkannt wurden.

    Hinzu kommt, dass man während eines Arbeitsalltags auf den vollgestopften Straßen Berlins wohl auch nur eine begrenzte Anzahl interessanter Gespräche führt. Und ich finde ja auch: Der Versuch, durch potenziell gemeinsame Wurzeln zwischenmenschliche Verbindung zu schaffen, ist nicht nur naheliegend, sondern auch legitim. Auch ich mache das gerne. Oder zumindest versuche ich es, denn die Kultur und Sprache, mit denen ich Leuten gerne die Ohren vollquatsche, umfassen leider nur circa drei Millionen Teilnehmer.

    Ich bin jedenfalls in der Vergangenheit alle Optionen durchgegangen, wie ich das abrupte und für das Gegenüber meist unangenehme Ende dieser Konversation umschiffen könnte.

    Nicht, weil der Tod meines Vaters für mich ein zu sensibles Thema ist oder weil ich mich dafür schäme, kein Farsi sprechen zu können (die Schuld sehe ich nicht bei mir), sondern weil auch ich eigentlich sehr gerne mit Fremden plaudere und gerne mal abgleiche, was wir unwahrscheinlicherweise so gemeinsam haben könnten.

    Aber alle Alternativen scheitern daran, dass bisher niemand – wirklich niemand – während eines solchen Dialogs einmal die Abzweigung genommen hat, vielleicht doch zuzuhören oder nachzuhaken, wenn ich versuche, meine litauischen Wurzeln ins Gespräch einzubringen. Ich rede sehr gerne über Litauen! Ich kann zu diesem Teil meiner DNA sogar viel mehr sagen als zu der anderen Hälfte (ich sehe die Schuld immer noch nicht bei mir).

    Dadurch, dass Litauisch meine erste Sprache war und meine Mutter sichergestellt hat, mich durch meine Kindheit hindurch und auch bis heute noch pausenlos mit litauischen Traditionen und Kultur zu beschallen, ist meine litauische Hälfte mehr als DNA – sie ist Identität. Aber kann ich es Leuten wirklich zum Vorwurf machen, dass sie nichts mit dem Land Litauen anfangen können, geschweige denn mit der Kultur? Gut, meiner Grundschullehrerin, die im Stuhlkreis nach den Sommerferien entsetzt fragte, wo Litauen denn bitte liegen solle, weil sie noch nie von diesem Land gehört habe, vielleicht schon.

    Günstiger Wodka, gutes Bier, viele Autodiebe, schöne Frauen und große Männer

    Im Gegensatz zu ihr können die meisten Menschen Litauen zumindest in der Nähe von Polen verorten. Vor nicht allzu langer Zeit lernte ich bei einem Mittagessen die Mutter eines Freundes kennen, der ich auf Nachfrage von meinen litauischen Wurzeln erzählte und die darauf erwiderte, alles, was sie mit Litauen assoziiere, sei, dass der französische Rocksänger Bertrand Cantat 2003 seine damalige Freundin in einem Hotelzimmer in der Landeshauptstadt Vilnius umgebracht habe. Sie ließ sich den Rest des Mittagessens nicht davon abhalten, detailliert über den Mord zu plaudern, und zeigte keinerlei Interesse daran, irgendetwas darüber hinaus über Litauen zu erfahren.

    Ansonsten sind die einzigen Fakten, die im Allgemeinwissen von Europäern außerhalb Osteuropas über Litauen verankert sind, dass es dort günstigen Wodka, gutes Bier, viele Autodiebe, schöne Frauen und große Männer gibt, dass alles sehr günstig ist und dass dort Russisch gesprochen wird. Letzteres stimmt nicht einmal. Der Rest schon.

    Wenn jemand einmal die Gesprächsabzweigung in Richtung Litauen nehmen würde, würde ich dem gerne hinzufügen, dass Litauer erstaunlich großen Wert auf märchenhaftes Lebensmittel-Produktdesign legen und dass überraschend viele außergewöhnliche Chipssorten in Litauen produziert werden – nicht zuletzt Chips der Marke CHAZZ mit „Pussy-“ und „Dick-Flavour“.

    Manchmal ist litauisches Fluchen der eleganteste Abschied.

    Manchmal ist litauisches Fluchen der eleganteste Abschied.

    © Sabīne Zoltnere für EST.

    Ich würde erzählen, dass man hölzerne Kochlöffel, für die man im Berliner Skandi-Laden locker mal 25 Euro hinblättern müsste, in Litauen nicht nur für einen deutlich erschwinglicheren Preis nachgeschmissen bekommt, sondern dass man diese und weiteres Kunsthandwerk in endlosen, verschnörkelten Ausführungen findet. Ich würde stolz vom litauischen Nationalsport Basketball berichten und davon, wie viele internationale Spitzensportler das Land des hochprozentigen Honigweins und der kalten Rote-Bete-Suppe schon hervorgebracht hat.

    Ich würde betonen, dass man in litauischen Basketballstadien nicht wie andernorts Bockwurst und Nachos snackt, sondern in den Genuss kommt, frittierte Schwarzbrotsticks mit Knoblauch und Käse-Mayonnaise-Soße zu verdrücken, während man seine liebste lokale Basketballmannschaft mit Knoblauchatem und Krümeln auf dem gelb-grün-roten Trikot anfeuert (meine Oma war großer Žalgiris-Kaunas-Fan). Ich würde herumwitzeln, dass litauische Frauen entweder aussehen, als wären sie frisch vom Laufsteg gepflückt, oder als seien sie aus einer Pilzfabrik entlaufene Wichtel – und nichts dazwischen.

    Ich würde vom Bobturgis („Weiber-Markt“) am Frauenstrand in Palanga an der Küste Litauens schwärmen – einem sehr inoffiziellen Unterwäschebasar, der jedes Jahr während der Sommersaison von alten, nackten Omas organisiert wird und auf dem ich damals (auch nackt) meinen ersten Push-up-BH und den dazu passenden ersten Tanga gekauft habe.

    Ich würde damit angeben, dass Litauisch als die dem Sanskrit am nächsten liegende lebende Sprache gilt und dass man mit dem Füllwort „Nū“, das je nach Betonung und Kontext seine Bedeutung verändert, eine ganze Konversation führen kann (mögliche Bedeutungen: „Ja“, „Hallo“, „Ich höre zu“, „Trotzdem“, „Erst recht“, Betonung der Schwere des nachfolgenden Wortes, Zustimmung, Ablehnung, Einsicht einer Schuldzuweisung, Beenden eines Gesprächs).
    Dessertkäse mit Gelatinefenstern – nur eine der vielen Qualitäten Litauens

    Ich würde anmerken, dass Litauen nicht nur das Zuhause einer großen Auswahl extrem guter Suppen ist, sondern auch Ursprungsort einer beachtlichen Anzahl unkonventioneller Käsesorten: Der litauische Käsehorizont erstreckt sich von traditionellem Apfelkäse über dreieckigen Quarkkäse in allen Kräuter- und Gewürzvariationen und getrockneten Käse mit Kümmel und 38 Gramm Protein pro hundert Gramm bis hin zu süßem Dessertkäse mit kleinen Gelatinefenstern – eine genießerische Unendlichkeit.

    Ich würde etwas über litauischen 2000er-Bimbo-Pop lästern, für den ich mich früher irgendwie geschämt habe, von dem ich inzwischen aber glaube, dass er nur einen Börsencrash davon entfernt ist, wieder in zu sein.

    Ich würde hinzufügen, dass meine Mutter bestimmt mit mir meckern würde, weil ich alle wirklich kulturell und historisch relevanten Dinge weggelassen hätte, und dass ich doch bitte immer miterzählen solle, dass –

    „Ist die Ecke hier gut?“, reißt mich der Taxifahrer aus meinen Gedanken.

    Wir sind an meinem Ziel angekommen: einem französischen Bistro mit leckerer Zwiebelsuppe und koksenthusiastischen Kellnern in Berlin-Mitte.

    „Äh, ja, ist super. Ich zahl dann per App, ja?“, antworte ich ihm etwas zerstreut.

    „Alles klar“, entgegnet er mir. „Khodahafez!“

    Ich lächle – vor allem, weil meine Gedanken noch um den litauischen Käse kreisen.

    „Jūs vairuojate visiškai šūdinai!“, verabschiede ich mich, wohlwissend, dass gerade nur circa drei Millionen Menschen auf der Welt meine litauische Frechheit verraten könnten.

    Die Weltbühne

    #Taxi

  • Puntata del 15/09/2026@0
    ▻https://radioblackout.org/podcast/puntata-del-15-09-2026

    Il primo argomento della serata è stato quello della repressione sui posti di lavoro, infatti in collegamento con #Margherita_Napoletano abbiamo spiegato le ragioni che hanno portato #Cub_Milano ad indire un #corteo cittadino per sabato 19 settembre su questo tema.Oltre a ripercorre le vicende che hanno visto la storica rappresentante sindacale dell’ ospedale San […]

    #Assicurazione_integrativa_privata #ilva #licenziamenti #licenziamento #milano #scuola #Slai_Cobas #Taranto
    ▻https://radioblackout.org/wp-content/uploads/2026/09/F_m_15_09_Margherita-Napoletano-su-corteo-19-settembre.mp3

  • Mehr Taxis trotz Zulassungsstopp: In Berlin steigt die Zahl der Taxis weiter
    ▻https://www.tagesspiegel.de/berlin/mehr-taxis-trotz-zulassungsstopp-in-berlin-steigt-die-zahl-der-taxis-we

    Wer bitteschön investiert in ein Geschäft, das rentabel nicht zu betreiben ist? Wir wissen, dass bei Zahlung des gesetzlichen Mindestlohns bei den heutigen Umsätzen kein Taxi Geld einbringen würde. Selbst ohne illegale Mietwagen-Konkurrenz wäre es schwer bei 7000 Taxis und mehr auskömmliche Einnahmen zu erzielen. Die Antwort liegt auf der Hand: Bereits bei Gründung hat kein Unternehmer die Absicht, den MIndestlohn zu zahlen. Alle Insider wissen, wie Umsätze vor dem Finanzamt versteckt und Firmen zeitnah vor der ersten betribsprüfung „verschrottet“ werden.

    Die Fahrer leben von der Stütze und ihren schwarz ausgezahlten Provisionen. Im Endeffekt zahlen wir alle drauf.

    6.8.2026 - Seit Mitte Februar gilt in Berlin ein Genehmigungsstopp für neue Taxis. Trotzdem gibt es ein knappes halbes Jahr später mehr von ihnen. Über die Wirkung der Maßnahme sagt das allerdings nichts aus.

    Trotz eines Genehmigungsstopps für neue Taxis in Berlin hat sich die Zahl der Fahrzeuge in den vergangenen sechs Monaten aufgrund eines Nachholeffekts weiter erhöht. Mit Stand 3. August waren in der Hauptstadt etwas mehr als 7000 Taxis gemeldet, wie die Senatsverwaltung für Verkehr der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Das waren demnach 400 Fahrzeuge mehr als Mitte Februar, der Zeitpunkt, an dem der Konzessionsstopp in Kraft trat.

    Der Grund: Bei den hinzugekommenen Fahrzeugen handele es sich um Taxis, die vor dem Stopp genehmigt wurden, die aber erst später bei der Genehmigungsbehörde vorgeführt worden seien, teilte die Senatsverwaltung mit. „Da den Unternehmen hierfür nach den bundesgesetzlichen Vorschriften sechs Monate zur Verfügung stehen, erscheinen diese Fahrzeuge zeitversetzt in der Statistik.“
    Großes Überangebot an Taxis

    Dieser Effekt laufe Mitte August aus, hieß es weiter. Die Wirkung des Genehmigungsstopps werde sich erst dann in den Bestandszahlen bemerkbar machen.

    Mit der auf ein Jahr angelegten Maßnahme will die Berliner Landesregierung gegen ein Taxi-Überangebot vorgehen. Während die Nachfrage seit Jahren rückläufig sei, sei die Zahl der Taxis in Berlin immer weiter gestiegen, hieß es damals zur Begründung. Für viele Betriebe sei ein wirtschaftlich tragfähiger Betrieb angesichts dieses Überangebots nicht mehr möglich.

    Der Senat befürchtet eigenen Angaben zufolge deshalb, dass manche Unternehmen geltendes Recht brechen könnten, um überhaupt noch was zu verdienen, zum Nachteil der Fahrerinnen und Fahrer. Denkbar ist etwa, dass Unternehmen den Mindestlohn unterschreiten oder auf Schwarzarbeit setzen.
    Konflikt mit Mietwagenplattformen

    Die Lage im Berliner Taxigewerbe ist seit Jahren angespannt. Aus Sicht der Branche liegt das vor allem an zu hohen Preisen, die bei Taxi-Diensten stark durch die jeweilige Kommune reguliert werden. Mietwagenplattformen wie Uber oder Bolt unterliegen dieser sogenannten Tarifpflicht hingegen nicht.

    „Bei der Begrenzung der Konzessionen handelt es sich im Grundsatz um den richtigen Versuch, Ordnung in die Personenbeförderung zu bringen“, heißt es von der Taxi-Buchungsplattform Free Now. „Dieser wird aber dadurch konterkariert, dass weiterhin eine immense, steigende Anzahl an taxi-ähnlichen Mietwagen aus dem Berliner Umland in die Hauptstadt strömt.“
    Berliner Senat geht strenger vor

    Das hat damit zu tun, dass Berlin seit einigen Jahren strenger gegen illegal agierende Mietwagenfirmen vorgeht. Der Berliner Senat hatte in der Vergangenheit den gesamten Fahrzeugbestand auf den Mietwagenplattformen Uber, Bolt und Free Now überprüft und Hunderte Autos entfernt.

    Grund für die Sperrung der Fahrzeuge waren demnach fehlende, abgelaufene oder falsche Genehmigungen. Die Plattformen vermitteln die Fahrten lediglich. Ausgeführt werden sie von eigenständigen Unternehmen. Free Now hat sich von der Vermittlung von Mietwagenfahrten inzwischen ganz verabschiedet.

    In der Folge lassen diese Firmen ihre Fahrzeuge nun in Landkreisen wie Teltow-Fläming oder Dahme-Spreewald genehmigen, sind aber weiterhin in Berlin tätig. Die betroffenen Landkreise kritisieren anhaltende kriminelle Geschäftspraktiken. Es gibt immer wieder Kritik, dass gesetzliche Auflagen nicht erfüllt und auch gefälschte Unterlagen vorgelegt werden. Die Landkreise beklagen, dass die Zahl der Anträge auf Zulassung von Fahrzeugen spürbar gestiegen ist.
    Diskussion um Mindestpreise

    Die Taxibranche fordert schon lange auch für Berlin einen Mindestpreis für diese Plattformen. Die Preise bei Uber und Bolt dürften dann den Taxipreis nur bis zu einem festgelegten Prozentsatz unterschreiten.

    Städte wie München, Essen und Köln haben solche Mindestpreise bereits eingeführt. In Essen und in Köln wurden sie aber von den Gerichten jüngst gekippt.

    Der Senat prüft eigenen Angaben zufolge weiterhin die Einführung von Mindestpreisen. „Aktuelle gerichtliche Entscheidungen aus anderen Städten belegen die hohen Anforderungen an ein solches Vorgehen und fließen in die Prüfungen ein“, teilte die Senatsverwaltung mit. Die Marktstrukturen unterschieden sich in der Hauptstadt zudem stark von den anderen Metropolen. (dpa)

    #Berlin #Taxi #LABO #Regulierung #Beobachtungszeitraum #Mindestlohn #Betrug

  • Am Ende lag ein Auto auf der Seite: Acht Verletzte nach Unfall mit Taxi und Polizeiauto in Kreuzberg
    ▻https://www.tagesspiegel.de/berlin/am-ende-lag-ein-auto-auf-der-seite-acht-verletzte-nach-unfall-mit-taxi-

    Irgendwer hatte erwähnt, dass die Qualifikation der neuen Kutscher zu wünschen übrig ließe. Vielleicht arbeiten die aber einfach noch mehr Stunden als früher, weil kaum noch etwas verdient wird. So führt die Dumping-Konkurrent zum Verlust an Sicherheit.

    6.6.2026 Der Tagesspiegel - Einsatz am frühen Morgen in Berlin-Kreuzberg: Nach einem Unfall mit einem Taxi landet ein Polizeiwagen auf der Seite. Acht Menschen werden verletzt – darunter sieben Polizisten.

    Bei einem Unfall zwischen einem Taxi und einem Mannschaftswagen der Polizei in Berlin sind am Samstagmorgen acht Menschen verletzt worden – zwei davon schwer. Die übrigen sechs erlitten leichte Verletzungen, wie ein Sprecher der Feuerwehr mitteilte. Bei den Verletzten handle es sich um den 54-jährigen Taxifahrer und sieben Polizisten, teilte die Polizei mit. Sie wurden ambulant in Krankenhäusern behandelt.

    Der Polizeiwagen kippte bei dem Unfall auf die Seite und lag dann quer auf der Straße. Es handle sich dabei um ein „Gruppenfahrzeug unserer Brennpunkteinheit“. Das Taxi wurde im Frontbereich beschädigt. Bei der Rettung kam auch ein Hubschrauber zum Einsatz, wie es hieß.

    06.06.2026, Berlin: Ein umgekipptes Polizeiauto liegt auf der Straße. Bei einem Unfall zwischen einem Taxi und einem Polizeiwagen sind acht Menschen verletzt worden, zwei davon schwer.


    Das umgekippte Polizeiauto liegt auf der Straße. © dpa/Christophe Gateau

    Den Angaben zufolge ereignete sich der Unfall gegen 6.10 Uhr in Kreuzberg an der Kreuzung Wilhelmstraße, Ecke Hallesches Ufer. Der Polizeiwagen sei mit Blaulicht auf der Straße Hallesches Ufer aus Fahrtrichtung Gitschiner Straße über eine rote Ampel gefahren und dabei mit dem Taxi zusammengestoßen, das auf der Wilhelmstraße in Fahrtrichtung Mehringdamm unterwegs war.

    06.06.2026, Berlin: Ein umgekipptes Polizeiauto liegt auf der Straße. Bei einem Unfall zwischen einem Taxi und einem Polizeiwagen sind acht Menschen verletzt worden, zwei davon schwer.


    Bei einem Unfall zwischen dem Taxi und dem Mannschaftswagen wurden acht Menschen verletzt, zwei davon schwer. © dpa/Christophe Gateau

    Bei dem Unfall wurden zudem eine Fußgängerampel aus der Verankerung gerissen und eine Metallbrüstung beschädigt. Die Kreuzung war bis etwa 14.15 Uhr gesperrt. Davon war auch der Busverkehr der BVG betroffen. (Tsp, dpa)

    Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version stand in der Überschrift, der Unfall habe sich in Neukölln ereignet. Das ist nicht korrekt. Er ereignete sich in Kreuzberg. Wir haben das korrigiert.

    #Berlin #Kreuzberg #Wilhelmstraße #Hallesches_Ufer #Unfall #Taxi #Polizei

  • 50 Jahre „Taxi Driver“: Der berühmteste Incel der Filmgeschichte
    ▻https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/50-jahre-taxi-driver-der-beruhmteste-incel-der-filmgeschichte-15499982.

    20.4.2026 - Jubiläum: Vor 50 Jahren schockierte das Scorsese-Werk „Taxi Driver“ mit Robert De Niro und Jodie Foster. Warum dieser Höhepunkt des New-Hollywood-Kinos heute noch sehenswert ist.

    Ein psychisch labiler Vietnam-Veteran arbeitet nachts als Taxifahrer in New York. Er nimmt die Stadt voller „Abschaum“ wahr und würde sie gern „säubern“. So ließe sich der Film „Taxi Driver“ knapp zusammenfassen, der im Mai 1976 in Cannes die Goldene Palme gewann.

    Das legendäre Psychodrama wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Regie führte Martin Scorsese (damals 33 Jahre alt), die Hauptrolle spielte Robert De Niro (damals 32).

    Nach heute teils geltenden Maßstäben müsste der Film wohl gecancelt werden. Er bildet Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Schwulenfeindlichkeit ab. Das N-Wort wird benutzt, Kinderprostitution wird gezeigt, das ist alles recht gewagt.

    Doch der düstere Großstadtfilm kann trotz seiner Verankerung in den 1970er Jahren als zeitloses Meisterwerk gelten.
    Darum geht es in dem Film

    „Taxi Driver“ zeichnet das Porträt von Travis Bickle (De Niro). Aus heutiger Sicht ist das Werk Kulturkampf-Kino. Ein einsamer Wolf macht mobil gegen „die da oben“. Erzählt wird von destruktiver - heute würde man sagen: toxischer - Männlichkeit. Es ist eine Studie über Einsamkeit und die Suche nach Erlösung.
    Warum der Film noch heute aktuell erscheint

    Die im Film gezeigten gesellschaftlichen Gräben in den USA sind heute wohl noch größer und dürften für viele Länder gelten. Damals waren die Vereinigten Staaten durch den Vietnamkrieg und Richard Nixons Präsidentschaft polarisiert, heute scheinen sie es unter Donald Trump mehr denn je durch unterschiedliche Sichtweisen auf Themen wie Kriminalität und Sexualität. Menschen wie Bickle fühlen sich machtlos und entfremdet, verstehen die Welt nicht mehr.

    Ein passender Begriff für Bickle als Typus wäre heute „Incel“. Das Wort ist ein Mix aus „involuntary“ und „celibate“. Gemeint sind Männer, die unfreiwillig zölibatär, also sexuell enthaltsam, leben, sich nicht begehrt und ungeliebt fühlen. Sie sind frustriert und hadern damit, keine Frau abzubekommen. Bickle wäre heutzutage auch gut vorstellbar als hasserfüllter Troll in sozialen Medien.
    Spoiler-Alarm zur Handlung: optional vier Absätze überspringen

    Der Ex-Marine Travis Bickle in New York hat Schlafstörungen. Er sucht als Taxifahrer in Nachtfahrten Erleichterung. Er wird zum stillen Beobachter der aus seiner Sicht dekadenten Metropole. Er verguckt sich in die Wahlkampfhelferin Betsy. Deren anfängliche Faszination schlägt um in Verachtung, als Travis ungeschickt ein Date mit ihr ins Pornokino lenkt („Mir diesen Film anzubieten, ist genauso, als ob Sie mich fragen: „Wollen wir ficken?““).

    Nach der Abfuhr steigert sich Travis in die Rolle eines Kriegers hinein. Mit Irokesenschnitt und extrem bewaffnet unternimmt er einen Anschlagsversuch auf den von Betsy unterstützten Präsidentschaftskandidaten Charles Palantine.

    Schließlich entlädt sich sein Hass in einem Amoklauf gegen die Zuhälterbande um die minderjährige Prostituierte Iris, die ihm zuvor öfter über den Weg gelaufen ist. Das Blutbad im Stundenhotel überlebt Travis schwer verletzt. In Medien wird er danach als Held gefeiert, der ein Mädchen aus dem sexuellen Missbrauch gerettet hat.

    Die Anerkennung steht im krassen Gegensatz zum Leben vor dem Gewaltexzess. Travis fährt nach einiger Zeit wieder Taxi. Zuschauerinnen und Zuschauer bleiben mit dem mulmigen Gefühl zurück, nicht einschätzen zu können, inwiefern der undurchsichtige Travis noch eine tickende Zeitbombe ist.
    Regie und Drehbuch

    Regisseur Martin Scorsese, der in einer Szene einen (bärtigen) Fahrgast mimt, der am liebsten seine Frau abknallen würde, weil sie eine Affäre mit einem Schwarzen hat, gelingt es, eine intensive Atmosphäre zu schaffen. Gezeigt wird ein heruntergekommenes New York nahe am Bankrott: Manhattan vermaledeit.

    Die Bilder ziehen einen hinein in die isolierte und paranoide Welt von Travis. Berühmt ist die Szene zu Hause vor einem Spiegel mit Waffe, Travis im Selbstgespräch, De Niro improvisierend: „Redest du mit mir?“ (im Original: „You talking to me?“).

    Autor Paul Schrader ließ sich für sein Drehbuch von eigenen New-York-Erfahrungen und der Lektüre der Tagebücher von Arthur Bremer inspirieren, der 1972 den demokratischen Politiker George Wallace anschoss.
    Die Stars

    Neben Robert De Niro als Travis und Cybill Shepherd als Betsy ist Harvey Keitel als windiger Zuhälter zu sehen. Die bei den Dreharbeiten erst zwölf Jahre alte Jodie Foster spielt die Kinderprostituierte Iris. Das sorgte damals für Aufregung, auch wenn in expliziteren Szenen Fosters ältere Schwester als Double zum Einsatz kam. Heute würde das alles wahrscheinlich noch mehr empören.

    Foster („Angeklagt“, „Das Schweigen der Lämmer“) zeigte jedenfalls eine unglaublich reife Leistung. Sie wurde 1977 für einen Oscar als beste Nebendarstellerin nominiert. Ein psychisch gestörter Foster-Fan verübte 1981 ein Attentat auf US-Präsident Ronald Reagan. Er wollte - im „Taxi Driver“-Wahn - Fosters Aufmerksamkeit gewinnen und sie beeindrucken.
    Die Musik

    Die Sogwirkung von „Taxi Driver“ wird auch durch die Musik von Alfred Hitchcocks kongenialem Komponisten Bernard Herrmann verstärkt. Herrmann („Psycho“, „Vertigo“) starb kurz nach dem Ende der Aufnahmen (viel Saxofon-Sound) im Dezember 1975 mit 64 Jahren. Der Film ist ihm posthum gewidmet.

    #Taxi #Kino #Film

  • „Fortlaufend technisches Versagen“: Fahrer kritisieren Berlins mächtigste Taxizentrale und drohen mit Protest
    ▻https://www.tagesspiegel.de/berlin/berliner-wirtschaft/fortlaufend-technisches-versagen-fahrer-kritisieren-berlins-machtigste-

    22.2.2026 von Simon Schwarz - Berlins Taxifahrer proben den Aufstand – doch ihr Zorn richtet sich dieses Mal nicht gegen Uber oder Bolt, sondern gegen die eigene Zentrale. Eine wackelige App und verlorene Aufträge bringen die Branche in Alarmstimmung.

    Bei vielen Berliner Taxifahrern hat sich Frust angestaut. Seit längerer Zeit erlebten sie ein „fortlaufendes technisches Versagen“ bei der Fahrgast-Vermittlung „sowie einen inakzeptablen Umgang durch Service, Zentrale und Fahrer- und Unternehmerbetreuung“. Um die mit internationalem Kapital hochgerüsteten Konzerne Uber und Bolt, die ihnen die Kunden angeblich mit Kampfpreisen wegschnappen, geht es diesmal ausnahmsweise nicht. Ihr Ärger richtet sich gegen einen Akteur aus der Heimat: die mächtige Berliner Taxizentrale.

    In einer Facebook-Gruppe lassen sich die Fahrer über die aus ihrer Sicht schlecht laufende App aus und drohen mit einer Demo vor dem Firmensitz. Wie Uber, Bolt und Freenow bringt die Zentrale „Taxi Berlin“ Fahrgast und Fahrer zusammen, entweder per Anruf, wie es früher üblich war, oder über eine App. In einem offenen Brief greift ein anonymer Verfasser das System als unzuverlässig an.

    Der Tagesspiegel kennt die Identität des Verfassers. „Bei erhöhtem Auftragsaufkommen bricht Ihre App regelmäßig zusammen. Fahrer werden ausgeloggt, Aufträge gehen verloren, und es entstehen konkrete Einnahmeausfälle“, heißt es in dem Schreiben, das „eine bewusste und finale Eskalation“ darstelle. Die Kundenbetreuung von Taxi Berlin sei miserabel: „Hilfesuchende Fahrer werden mit Ausflüchten, widersprüchlichen Aussagen oder schlichtem Schweigen konfrontiert. Verantwortung wird nicht übernommen.“

    Konkret beschweren sich die Fahrer, „auffallend schnell“ den VIP-Status entzogen zu bekommen. Besitzt ein Fahrer diesen Status, vermittelt die Zentrale mehr Aufträge an ihn. Zudem darf er gut betuchte Fahrgäste chauffieren, die zum Beispiel von Nobelhotels aus anrufen. Mehrere Taxifahrer und -unternehmer bestätigen dem Tagesspiegel, dass die Probleme ihrer Meinung nach zutreffen.
    Keine Ortskundeprüfung mehr verlangt

    Allerdings räumen manche von ihnen ein, dass ihre Kollegen schnell meckerten. Wenn Fahrer rüpelhaft führen oder mit den Kunden über politische oder religiöse Angelegenheiten sprächen, müssten sie sich nicht wundern, den VIP-Status zu verlieren, heißt es.

    Hermann Waldner, der Mann, dem das Firmengeflecht hinter Taxi Berlin gehört, bestätigt: „Die Qualität der Taxifahrer ist teilweise unterirdisch. Wir wollen nicht, dass ein Premiumkunde von einem schlechten Fahrer befördert wird.“ Waldner meint, die Qualität gehe bergab, seitdem der Gesetzgeber 2021 die Ortskundeprüfung abgeschafft habe. Seither genügt der P-Schein, um Personen transportieren zu dürfen. Ein Dokument, so Waldner, das mittlerweile quasi jedem hinterhergeworfen werde. Waldner lässt Fahrer deshalb Schulungen absolvieren und eine Prüfung schreiben, bevor er sie vermittelt. „80 Prozent fallen durch die Prüfung durch.“

    Hermann Waldner, Geschäftsführer von Taxi Berlin, spricht bei der Jahres-Pressekonferenz der Innung des Berliner Taxigewerbes. +++ dpa-Bildfunk +++
    Hermann Waldner, Geschäftsführer von Taxi Berlin.

    © picture alliance/dpa/Christophe Gateau

    Zentralen-Chef Waldner gesteht ein: Die App ruckele ab und zu, nur könne ein Mittelständler gegen die technische Schlagkraft von Uber und Bolt kaum anprogrammieren. Der Vorwurf mangelnder Erreichbarkeit stößt bei ihm auf Widerspruch: Die Kundenbetreuer gäben sich größte Mühe bei Taxi Berlin. „Bei den Plattformen erreicht man wesentlich schwerer jemanden“, ist sich Waldner sicher.

    Die Qualität der Taxifahrer ist teilweise unterirdisch. Wir wollen nicht, dass ein Premiumkunde von einem schlechten Fahrer befördert wird.

    Hermann Waldner, Geschäftsführer von Taxi Berlin

    Der Taxiunternehmer Erkan Özmen soll zwischen der Zentrale und den Fahrern vermitteln. Kommende Woche ist eine Aussprache geplant. Waldner sagt, er störe sich nicht an Kritik. Aber gleich so öffentlich? Das könne kein Zufall sein, sagt er und vermutet eine Intrige. Anfang des Jahres hat er die Taxizentrale in Leipzig übernommen, weitere Zukäufe sind geplant. Während es bei den Plattformen momentan nicht rund läuft – Behörden gehen schärfer gegen Partnerflotten vor –, glaubt er, die Fahrer würden gezielt von Plattformen gegen ihn aufgebracht, um seinem Geschäft zu schaden.
    Oligopolartige Struktur im Gewerbe

    Denkbar ist auch ein profaner Grund: dass sein Firmengeflecht, das unter der Dachmarke Taxi One läuft, Wachstumsschmerzen verspürt. Waldner überführt die Zentralen nach und nach in die Digitalzeit. Zugleich rufen ältere Kunden weiter per Telefon an.

    In Deutschland liefern sich Uber, Bolt, Freenow und das Taxigewerbe einen harten Wettbewerb. Die Plattformen fluten den Markt mit Geld, während die Taxen mit niedrigen Umsätzen kämpfen. Ihren Trumpf aber haben sie noch: gute Kontakte zur Lokalpolitik.

    Die US-Firma Uber ist der mächtigste Player. Bolt stammt aus Estland und gilt als Nummer zwei unter den Vermittlern. Freenow, ein ursprünglich von Mercedes und BMW gegründetes Joint Venture unter dem Name MyTaxi, gehört inzwischen Lyft. Auch die Firma ist aus den USA. Uber und Bolt vermitteln „Mietwagen mit Fahrer“ sowie Taxen. Freenow ist auf die Taxivermittlung spezialisiert.

    Ein Leichtgewicht ist das Firmenimperium von Hermann Waldner allerdings auch nicht. Nach eigenen Angaben bedient Taxi Berlin in der Spitze mehr als 600.000 Funkaufträge pro Monat. Die Dachmarke Taxi One machte 2023 geschätzt 19 Millionen Euro Umsatz.

    #Berlin #Taxi #Auftragsvermittlung #Datenfunk

  • Trotz Taxi-Not in Potsdam: So bekommen Sie dennoch eine Fahrt nach Hause
    ▻https://www.tagesspiegel.de/potsdam/landeshauptstadt/trotz-taxi-not-in-potsdam-so-bekommen-sie-dennoch-eine-fahrt-nach-hause

    21.10.2025 von Konstanze Kobel-Höller - Wenn es regnet, wird es eng mit den Taxen in Potsdam, nachts sind kaum Fahrzeuge unterwegs. Wie Sie trotzdem an Fahrten kommen – und welche Alternativen es gibt.

    Kein freies Taxi: Zu Stoßzeiten, bei Regen und nachts wird es besonders eng, aber auch an einem ganz normalen sonnigen Montag um 17 Uhr kann es passieren, dass nach Alternativen gesucht werden muss.
    Taxizentralen

    Die meisten Bestellungen kommen bei der Taxigenossenschaft Potsdam per App an, so Frank Lüder, Taxiunternehmer aus Bornstedt, Aufsichtsratsmitglied der Taxigenossenschaft und Vorstandsmitglied des Taxiverbandes Berlin-Brandenburg. Das habe die Vergabe der Fahrten vereinfacht, sagt er. Auch telefonisch ist die Zentrale über (0331) 29 29 29 oder (0331) 70 70 70 erreichbar, doch seit bald zwei Jahren ist sie nachts wegen des geringen Aufkommens mit einer KI besetzt. „Das ist oft schwierig für Ältere oder bei Betrunkenen mit verwaschener Sprache“, räumt Lüder ein. Ansonsten habe sich das bewährt.

    Andere Potsdamer Taxidienste bieten darüber hinaus auch über eigene Nummern Taxen an, etwa Hallo Taxi unter (0331) 600 900 oder online, oder City Funk Potsdam unter (0331) 81 04 04, auch bestellbar über die App taxi.eu oder online.
    Taxiunternehmen

    Philipp Claus, Front-Office-Manager im Hotel Mercure, wendet sich für Bestellungen für seine Kunden vor allem bei frühen Abflügen vorab direkt an Taxi-Unternehmen seines Vertrauens statt über die Zentralen. Die entsprechenden Telefonnummern dafür gibt es am besten bei einer erfolgreichen vorigen Fahrt vom Fahrer oder per Suche im Internet. Da werde dann auch manchmal Unmögliches möglich gemacht, sagt er. Die Kommunikation mit den Betrieben habe sich dabei in den vergangenen Jahren verbessert.

    Berliner Taxen

    Im schlimmsten Fall greift er dabei auch auf Berliner Taxen zurück. Hier könne es dann aber sein, dass Anfahrtskosten nach Potsdam anfallen, so der Front-Office-Manager. Das sei allerdings noch nicht oft vorgekommen. Bei regelmäßigen Fahrten sind auch Festpreise möglich, diese gilt es aber im Vorfeld auszuhandeln. Insbesondere bei geplanten Fahrten von Potsdam nach Berlin empfehlen sich Anbieter aus der Bundeshauptstadt. Ein paar Nummern von Berliner Taxizentralen sind etwa: Taxi Berlin (030) 20 20 20, Würfelfunk (030) 21 01 01, TaxiFunk Berlin (030) 44 33 22, Quality Taxi (030) 26 30 00, City-Funk Berlin (030) 21 02 02 oder EcoTaxi (030) 21 01 020.

    ÖPNV

    Tagsüber gebe es mit der Bestellung von Taxen selten Probleme, sagt Claus. Aber wenn es regnet oder bei Veranstaltungen könne es manchmal schwierig werden. „Es gibt immer mal Situationen, wo es keine Taxen gibt“, so der Front-Office-Manager. Viele Gäste nutzten innerhalb Potsdams lieber den Nahverkehr.

    Der Tagesverkehr des Potsdamer Verkehrsbetriebs (ViP) wird von 4 bis 1 Uhr nachts angeboten, abhängig von der jeweiligen Linie. Insgesamt ist das Stadtgebiet mit laut ViP 625 Haltestellen für Bus und Tram abgedeckt, die über 348,5 Kilometer Linienlänge miteinander verbunden sind. Eine Einzelfahrt in Potsdam gilt 60 Minuten in eine Richtung und kostet im Regeltarif 2,80 Euro im gesamten Stadtgebiet, inklusive aller Ortsteile. Für das Umland in der Potsdamer Zone C wird ein Preis von 3,80 Euro aufgerufen.

    An den Flughafen BER ist Potsdam ohne Umstieg von Montag bis Freitag von Griebnitzsee im Stundentakt über die RB-Linie 22 in circa 50 Minuten sowie über den Airportshuttle-Bus BER 2 mit rund 65 Minuten Fahrzeit und Express-Aufschlag angebunden. Die Linie RB23 zwischen Potsdam, Berlin und dem Flughafen ist wegen Bauarbeiten nicht mehr im Einsatz. Alternativ können auch die Linien RE8 und S9 sowie ab Berlin Hauptbahnhof, Gesundbrunnen und Ostkreuz der FEX oder andere S-Bahn- und Buslinien genutzt werden.

    Uber, Bolt und weitere Fahrdienste

    Uber-Fahrer dürfen für einen Auftrag in die Landeshauptstadt fahren, um einen Kunden aufzunehmen oder abzusetzen, so Pressesprecher Oliver Fritz. Es gibt jedoch noch kaum Fahrer in Potsdam und da diese laut gesetzlicher Vorgaben nicht zum Beispiel am Bahnhof oder vor einem Konzertsaal auf Kunden warten dürfen, sondern ohne aktuellen Auftrag zum Betriebssitz des Unternehmens zurückkehren müssen, ist es derzeit noch eher ein mühsames und zeitaufwendiges Glücksspiel, in Potsdam an ein Uber zu kommen. Auch die Bestellung eines Bolt-Fahrers kann in Potsdam versucht werden. Darüber hinaus gibt es weitere Chauffeur-Dienste, die sich telefonisch und online buchen lassen.

    E-Scooter

    In der Landeshauptstadt sind mit Tier, Voi und Bolt mehrere E-Scooter-Anbieter vertreten. Tier, seit 2019 in der Landeshauptstadt, hatte im Frühsommer rund 500 E-Scooter in Potsdam. Voi, das im März an den Start gegangen ist, war zu diesem Zeitpunkt nach eigenen Angaben mit mehreren 100 Rollern im Rennen. Allein Tier gibt an, in den vergangenen zwölf Monaten rund 200.000 Fahrten in Potsdam verzeichnet zu haben. Die Roller können über App und mit einem Nutzerkonto gegen eine Gebühr geliehen werden.

    Die E-Roller sind dabei kein Teenie-Phänomen: Deutschlandweit sind nach der jüngsten Nutzerumfrage von Tier 31 Prozent der Fahrerinnen und Fahrer 25 bis 36 Jahre alt. 26 Prozent, also rund ein Viertel, ist älter als 46 Jahre, 23 Prozent sind 37 bis 45 Jahre alt. Nur 18 Prozent sind 18 bis 24 Jahre alt.
    Radverleih

    In Potsdam können nicht nur E-Scooter, sondern auch Fahrräder und E-Bikes geliehen werden. So gibt es etwa von Next Bike mehrere Radstationen, beispielsweise in der Schiffbauergasse, am Platz der Einheit, am Hauptbahnhof oder an der S-Bahn-Station Griebnitzsee. Hier fährt man im Basistarif, der 1,50 Euro beträgt, 15 Minuten lang.

    #Potsdam #Taxi #ÖPNV

  • Dooring-Unfall in Berlin: Freispruch für Taxi-Gast nach Tod von Radfahrer
    ▻https://www.tagesspiegel.de/berlin/dooring-unfall-in-berlin-freispruch-fur-taxi-gast-nach-tod-von-radfahre

    19.8.2025 von Kerstin Gehrke - Ein Radfahrer prallte gegen die Autotür, als ein 74-Jähriger aus einem Taxi aussteigen wollte. Der plötzlich geöffneten Tür eines Taxis konnte er nicht ausweichen.

    Der Radfahrer sei „gemütlich“ unterwegs gewesen, sagte ein Zeuge. Der 50-jährige Familienvater auf einem Klapprad konnte einer plötzlich geöffneten Tür eines Taxis nicht ausweichen. Ein „Dooring“-Unfall, der tödlich endete.

    War es die Schuld eines 74-jährigen Taxi-Fahrgastes? Das Amtsgericht Tiergarten verhandelte am Dienstag wegen fahrlässiger Tötung. Sichere Erkenntnisse fehlen.

    Es geschah am 20. Februar 2023. Der 74-Jährige war in Spandau in ein Taxi gestiegen. Die Fahrt sollte nach Charlottenburg gehen. An der Kantstraße Ecke Wielandstraße wollte der Gast aussteigen. Der Fahrer hielt auf der markierten Sperrfläche kurz vor Beginn des Parkstreifens zwischen Autofahrbahn und Fahrradstreifen.

    Auf Sperrfläche gehalten

    Eigentlich darf so ein Bereich nicht befahren werden. Gegen 14.25 Uhr bezahlte der 74-Jährige auf der Rückbank, öffnete dann die Tür. „Ich hörte ein dumpfes Geräusch“, so der Taxifahrer. Sie seien ausgestiegen. Bewusstlos habe der Radfahrer auf dem Radweg gelegen.

    Sven W. hatte so schwere Kopfverletzungen erlitten, dass er später im Krankenhaus starb. Sein Tod warf seine Tochter und seine Frau aus der Bahn.
    Gefährliche Unachtsamkeit

    Die Anklage ging von Unachtsamkeit aus. Der Fahrgast habe sich beim Aussteigen „nicht ausreichend versichert, dass eine Gefährdung anderer ausgeschlossen ist“. Der 74-Jährige habe die rechte hintere Tür geöffnet, „ohne auf den rückwärtigen Radverkehr zu achten“.

    Der Verteidiger sagte für den Senior, der Unfall mache ihn betroffen, er spreche den Hinterbliebenen sein tiefes Beileid aus. Doch er habe die Tür gerade mal 30 Grad geöffnet, dann über die Schulter nach hinten geschaut, einen Radfahrer aber nicht gesehen.

    Ein tragisches Unglück sei es, gewesen, so der Anwalt. „Es gibt Schicksalsschläge, unvermeidbare Ereignisse, die nicht strafbar sind.“ Laut Ermittlungen könnte der Radfahrer kurz nach links gezogen haben, um einem aus der Wielandstraße kommenden Fahrzeug auszuweichen.

    Es gibt für diesen Fall viele technische Möglichkeiten.

    Ein Unfallsachverständiger im Prozess gegen einen 74-Jährigen, der in einen sogenannten Dooring-Unfall verwickelt war.

    In dem Fall hätte sich W. für einen Augenblick hinter dem Taxi befunden und wäre nicht durch Schulterblick zu sehen gewesen, so ein Unfallsachverständiger. Doch wenig stehe fest – „es gibt für diesen Fall viele technische Möglichkeiten“.

    Richter Karsten Parpart entschied auf Freispruch: „Wir wissen eigentlich nichts.“ Er könne den Fall nicht aufklären. Es sei ein Unfall, „den auch der Sachverständige nicht richtig rekonstruieren konnte“. Die Staatsanwältin hatte 1500 Euro Strafe gefordert.

    Mit dem Freispruch auf Kosten der Landeskasse Berlin folgte das Gericht dem Antrag des Verteidigers. Die Staatsanwältin hatte auf eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 30 Euro (1500 Euro) wegen fahrlässiger Tötung plädiert. Der Angeklagte habe sich bei dem Geschehen an einer viel befahrenen Straße nicht ausreichend versichert, dass eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

    #Berlin #Charlottenburg #Kantstraße #Taxi #Fahrrad #Unfall #Justiz

  • Unfall: Frauenleiche gefunden: Zwei Tote bei Zusammenstoß in Venedig
    ▻https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/dpa-unfall-frauenleiche-gefunden-zwei-tote-bei-zusammenstoss-in-venedig

    Auf dem Wasser oder auf dem Land, wer schnell fährt verdient und riskiert viel. Oft endet das tragisch. Wat hamwa fürn Glück jehabt, jahreland mit auchtig durch die Satdt und nie wat jewesen. Heute unmöglich, sogar uffm Wasser in Venedig.

    15.9.2026 - Die Bilder von Wassertaxis vor der Kulisse von Venedig kennt jeder. Jetzt kamen bei einem Unfall zwei Menschen ums Leben. Die Polizei warnt vor Rasern.

    Beim Zusammenstoß eines Wassertaxis mit einem Motorboot in Venedig sind zwei Menschen ums Leben gekommen. Nach tagelanger Suche wurde in den Gewässern der italienischen Lagunenstadt nun die Leiche einer 26 Jahre alten Frau gefunden, wie die Behörden mitteilten. Zuvor war bereits ihr 25 Jahre alter Ehemann nach der Einlieferung in ein Krankenhaus gestorben. Die beiden - er Italiener, sie Brasilianerin - hatten erst vor drei Monaten geheiratet.

    Der Unfall ereignete sich am Samstagmorgen noch vor Sonnenaufgang in der Lagune zwischen Venedigs Flughafen und dem Markusplatz. Dabei erfasste ein Wassertaxi, das auf dem Weg ins historische Zentrum war, das kleine Boot, mit dem das Paar durch die Lagune unterwegs war. Das Taxi soll nach ersten Erkenntnissen mit einer Geschwindigkeit von mindestens 40 Kilometern pro Stunde gefahren sein. Der Fahrer des Wassertaxis sagte zunächst aus, er habe in der Dunkelheit von dem Unfall nichts bemerkt.
    Polizei warnt vor Rasern

    Nach Angaben der Polizei lassen die schweren Schäden an dem kleinen Boot jedoch auf einen heftigen Aufprall schließen. Die Ermittlungen zur Unfallursache dauern an. Die Behörden hatten zuvor schon mehrfach gewarnt, dass Fahrer von Wassertaxis häufig mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs sind. Der Kommandant der Stadtpolizei, Marco Agostini, sagte nach dem Unfall: „Je mehr Kunden sie transportieren, desto mehr verdienen sie. Und dementsprechend wird beschleunigt.“

    Bis zum Wochenende hatte in Venedig das alljährliche Filmfestival stattgefunden. Dabei machten auch wieder zahlreiche Kinostars von den Wassertaxis Gebrauch. Die Boote mit Platz für normalerweise sechs bis zehn Passagiere werden oft für die Anfahrt von Venedigs Flughafen Marco Polo in die Innenstadt genutzt. Die Preise dafür bewegen sich um die 150 Euro. Die Anreise ist aber auch deutlich günstiger über den Landweg oder mit den viel größeren Vaporetto-Booten möglich.

    #Italien #Vendig #Unfall #Taxi

  • The trollers v the scrollers: Edith Pritchett’s Bayeux tapestry for the modern age | Bayeux tapestry | The Guardian
    ▻https://www.theguardian.com/world/ng-interactive/2026/sep/05/alternative-bayeux-tapestry-2026-edith-pritchett
    ▻https://i.guim.co.uk/img/media/63058a2b56192d28705f798a0137e590d9ee9bb3/0_658_3712_2969/master/3712.jpg?width=1200&height=630&quality=85&auto=format&fit=crop&precrop=40:

    Une excellente version caricature moderne de la tapisserie de Bayeux. Super job.

    Didn’t manage to get tickets to the exhibition of the 11th-century artwork at the British Museum in London? Don’t worry, our cartoonist has got you covered, capturing the many battles of our times in her alternative version

    #Tapisserie_Bayeux #Caricature

  • On ne pourra pas maîtriser le #déficit_budgétaire sans hausses d’impôts

    Depuis plusieurs années, la France connaît un déficit budgétaire de l’ordre de cinq points de PIB ou plus. Ce sera encore le cas cette année, et le gouvernement ne vise pas mieux pour l’an prochain. C’est beaucoup ; c’est trop. Notre dette grimpe trop vite et les tensions sur les #taux_d’intérêt nous imposent une #charge_de_la_dette de plus en plus forte.

    Face à cette situation, le Premier ministre répète sur tous les tons qu’il ne saurait être question de mettre la fiscalité à contribution du #redressement_des_comptes_publics. Philippe Juvin, le rapporteur général du #budget, a tenu les mêmes propos le 2 septembre 2026 devant l’Association des journalistes économiques et financiers.

    C’est pourtant une triple erreur : économique, géographique et historique.

    60 milliards d’euros jetés par les fenêtres sous Macron

    Economique d’abord. Lorsqu’on souhaite réduire le #déficit_budgétaire, il n’y a que deux solutions : réduire les #dépenses ou augmenter les #recettes. Problème : lorsque l’Etat ou la Sécu dépensent moins, cela fait moins de revenus distribués dans l’économie, ce qui tire la #croissance vers le bas.

    Cela dit, lorsque les impôts augmentent, c’est pareil, on enlève des revenus, ce qui plombe aussi la croissance. Certes, mais les économistes estiment que réduire les dépenses a un impact négatif sur la croissance deux fois plus fort que si l’on augmente les impôts.

    Il existe un second argument économique. La Cour des comptes nous dit que, depuis son arrivée au pouvoir, Emmanuel Macron et ses Premiers ministres ont baissé structurellement les #recettes_budgétaires de 60 milliards d’euros par an. C’est énorme.

    Alors que le gouvernement se bat pour réduire les dépenses de 30 milliards, le « quoi qu’il en perde » fiscal du président Macron a jeté chaque année depuis dix ans 60 milliards d’euros par les fenêtres : l’économie française ne se porte en effet pas mieux que les autres.

    Côté géographie, la Cour des comptes – toujours elle −, a publié cet été une étude originale qui observe trois exemples réussis de redressement budgétaire en Allemagne, au Portugal et en Italie. A chaque fois, il y a eu des augmentations d’impôts. Cela a même représenté 80 % de l’effort au Portugal et les trois quarts en Italie.

    Indispensable contribution des plus #riches

    Petite précision : en Italie et au Portugal, ces hausses d’impôts ont été mises en œuvre par des gouvernements de droite. Ce qui amène à l’argument historique : lorsqu’il revient au pouvoir en 1958, #Charles_de_Gaulle met en place un plan d’ajustement budgétaire qui comporte des hausses d’impôt. Comme l’avait fait #Pierre_Laval en 1935.

    A toutes celles et ceux qui pensent qu’augmenter les impôts est le signe d’un gauchisme sans limite, il est donc conseillé de regarder chez nos voisins et notre propre histoire.

    Faut-il donc augmenter les impôts pour tout le monde ? Non. Parce que certains contribuables en paient moins que les autres. Les recherches universitaires montrent qu’en France, comme dans beaucoup d’autres pays, les #ultrariches sont moins taxés que les autres.

    On ne pourra donc pas échapper au débat sur la nécessaire solidarité des plus riches, sur leur #patrimoine et sur leurs #héritages, c’est-à-dire sur leur contribution au redressement des #comptes_publics.

    Côté entreprises, l’Insee nous dit que si le #taux_d’impôt officiel sur les bénéfices est de 25 %, le taux vraiment payé par les grandes entreprises est passé de 19,3 % en 2016 à 14,3 % en 2022 : une perte de recettes de 20 milliards d’euros, selon l’estimation de Gabriel Zucman.

    En fait, je me suis trompé. Il n’est pas besoin d’augmenter les impôts pour redresser nos comptes publics, juste de faire payer sa juste part à chacun.

    ▻https://www.alternatives-economiques.fr/on-ne-pourra-pas-maitriser-le-deficit-budgetaire-sans-hauss

    #impôts #fiscalité #dette_publique #dette #déficit #macronisme #économie