• Carl von Clausewitz und die Auswirkungen seiner Theorie vom Kriege Gedanken zur 200. Wiederkehr seines Geburtstages am 1. Juni 1980 | APuZ 22/1980 | bpb.de
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    Bismarck n’a jamais lu Clausewitz (1780 - 1831), Schlieffen ne l’a pas compris et Hitler a systématiquement ignoré ses leçons .

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    31.5.1980 von Alois Friedel

    Zusammenfassung

    Das Leben des preußischen Generalmajors Carl von Clausewitz (1780— 1831) ist zeitlich eingerahmt vom napoleonischen Imperialismus und den Freiheitskriegen, den preußischen Reformen und der Restauration. Clausewitz stand zwar als Heerführer nie im Vordergrund, sein Einfluß hatte jedoch erhebliches Gewicht, so beispielsweise bei der Militärreorganisationskommission unter Schamhorst (ab 1808) und beim Zustandekommen der Konvention von Tauroggen, des preußisch-russischen Bündnisses von 1812. Wer Clausewitz sagt, meint im Regelfälle sein Buch „Vom Kriege", ein Standardwerk der Weltliteratur. In diesem Werk wird erstmals der „Krieg als Fortsetzung des politischen Verkehrs mit Einmischung anderer Mittel“ definiert. Nach Clausewitz hat der Krieg zwar eine „eigene Grammatik", aber keine „eigene Logik", er ist „Instrument", die Politik jedoch „Intelligenz" — nicht umgekehrt. Dies bedingt den Primat der Politik — auch im Kriege. Für die Geschichte Deutschlands wirkte es sich — vor allem nach Bismarck — nachteilig aus, daß maßgebende Militärs die militärischen Thesen von Clausewitz zwar bejahten, seine politischen Kernsätze aber nur bedingt anerkannten oder sogar ablehnten. Mit der Verkehrung der Clausewitz-Lehren in ihr Gegenteil begründete Ludendorff seine Theorie vom „totalen Krieg" schon im Ersten Weltkrieg. Hitler praktizierte dann den Zweiten Weltkrieg als „totalen Krieg" unter völliger Negierung der Politik als des beherrschenden Faktors und ohne durchdachten Kriegsplan. Damit war der Grundstein gelegt für die deutsche Katastrophe von 1945 und ihre weltweiten Auswirkungen. Der Primat der Politik gilt heute sowohl in den westlichen Demokratien wie in den kommunistischen Staaten des Ostens. Clausewitz’Wertschätzung im kommunistischen Machtbereich geht auf die positive Leninsche Interpretation des Buches „Vom Kriege" zurück. Die DDR sieht in „Tauroggen“ den Ursprung der deutsch-sowjetischen Waffenbrüderschaft. Im Westen zeichnet sich seit längerem eine Clausewitz-Renaissance in der Literatur und öffentlichen Diskussion ab. Weltpolitische Krisenlagen lassen verstärkt die Frage nach dem instrumentalen Charakter des Krieges auch in der Gegenwart aufkommen.

    Von den militärischen Persönlichkeiten der neueren Geschichte hat keiner weltweite Aufmerksamkeit in einem so zunehmendem Maße auf sich lenken können wie der preußische Generalmajor Carl von Clausewitz (1780— 183. Sein hinterlassenes Werk „Vom Kriege" nimmt mit mehr als tausend Seiten unter den militärischen Schriften einen einzigartigen Platz ein; es gehört zu den Standardwerken der Weltliteratur. Clausewitz wird mit Thukydides, Macchiavelli, Montesquieu oder Marx verglichen. Wenn je vom Verhältnis zwischen Politik und Kriegführung die Rede ist, wird sein Name genannt: sei es, um sich auf ihn zu berufen oder den Versuch zu machen, ihn zu widerlegen. Die westlich-demokratische und die kommunistische Staatenwelt ist an ihm gleichermaßen interessiert. Selbst unter den Bedingungen der nuklearen Strategie, der hochdifferenzierten industriellen Massengesellschaft und total veränderter politischer Strukturen ist Clausewitz auch heute noch unangefochten der Klassiker der Theorie und Philosophie des Krieges.

    Theorien über den Krieg und Theoretiker des Krieges sind keineswegs nur Erscheinungen des 19. oder 20. Jahrhunderts. Seit jeher sind die Gedanken über kriegerische Auseinandersetzungen ein Gegenstand besonders ernsthafter Überlegungen gewesen. Sie fanden deshalb literarisch einen vielfältigen Nieder-Carl von Clausewitz 1) — am l. Juni 1780 in Burg bei Magdeburg geboren — entstammte einer alten im schlesischen und mitteldeut-* schlag in Form von Beschreibungen oder als Anleitungen zum Handeln.

    Auf dem Gebiet der Strategie, der Taktik, Organisation und Versorgung erfuhr das Kriegs-wesen durch die Französische Revolution (1789) eine radikale Veränderung: Das erstmals unter Wallenstein die Hunderttausendergrenze übersteigende Heer wuchs unter Napoleon zum Millionenheer mit völlig neuen Forderungen an Proviant, Rüstungsproduktion und Finanzierung. Der Krieg nahm durch das Massenaufgebot aus allen Volksschichten (leve en mässe) Frankreichs den Charakter eines Volkskrieges an. Die nationale Idee der Revolution beflügelte das ganze Volk und unter Napoleons charismatischer Führung insbesondere die Armee. So wurden bis dahin unbekannte geistige und moralische Kräfte freigesetzt für die Kriegführung.

    Der vergrößerte Umfang der Heere, deren neuer nationaler Geist und der wachsende Einfluß der Technik auf das Kriegswesen erforderten eine elementare Umgestaltung der Lehren über den Krieg. Napoleon — Staatsmann und Feldherr zugleich — hat die neuen Lektionen in der Praxis vorgeführt; Carl von Clausewitz hat aus der Interpretation der napoleonischen Feldzüge und früherer Kriege zeitlos gültige Theorien über Krieg und Politik abgeleitet.
    Lebensweg

    sehen Raum beheimateten protestantischen Theologen-und Beamtenfamilie. Dem Beispiel des Vaters, des preußischen Leutnants a. D. und Steuereinnehmers Friedrich Gabriel von Clausewitz, folgend trat der junge Clausewitz 1792 bereits mit zwölf Jahren, dem damaligen Ausbildungsgang gemäß, in die preußische Armee ein. Er nahm 1793/94 am Feldzug gegen die französische Revolutionsarmee und an der Belagerung von Mainz teil. 1795 wurde er Leutnant bei der Infanterie in Neuruppin. Mit immensem Fleiß versuchte er nunmehr die Mängel seiner unvollkommenen Schulbildung zu überwinden. Auf der Allgemeinen Kriegs-schule in Berlin (1801— 1804) war er der begabteste Schüler von Scharnhorst. Dieser wies ihm die Richtung seines geistigen Schaffens und trug fortan wesentlich zu seiner Förderung bei. Von 1805 an war Clausewitz persönlicher Adjutant des Prinzen August von Preußen. Als dessen Bataillonsadjutant nahm er 1806 an der Schlacht von Jena teil und erlebte persönlich die schwere Niederlage, die Napoleon den Preußen beibrachte. Clausewitz geriet für fast ein Jahr in französische Kriegsgefangenschaft. Die bedrückenden Monate in der Gefangenschaft waren für ihn aber auch eine Zeit zur fruchtbaren Selbstbesinnung und zur kritischen Durchleuchtung des preußischen Versagens.

    Auf die Katastrophe von 1806 folgte der jähe staatliche Wiederaufstieg Preußens durch die großen gesellschaftlichen und militärischen Erneuerungen von Stein, Scharnhorst, Gneisenau und Clausewitz, der ab 1809 Adjutant und nächster Mitarbeiter Scharnhorsts bei der „Militär-Reorganisationskommission" war. Clausewitz’nach außen wenig sichtbarer Anteil an diesem Reformwerk kam in der engen Zusammenarbeit mit Scharnhorst und Gneisenau voll zur Geltung. Zeitgenossen hielten Clausewitz gelegentlich für „den Kopf der Partei“ und Gneisenau stellte die Begabung von Clausewitz, dessen „Rat ihm immer gefallen habe“, über seine eigene

    Die 1810 erfolgte Beförderung zum Major ermöglichte Clausewitz die Eheschließung mit Marie Gräfin Brühl. Nach dem überwechseln Preußens in das Bündnissystem Napoleons im Jahre 1812 entschied sich Clausewitz zum Übertritt in die Dienste Rußlands. Es war eine politische Mißtrauenserklärung gegenüber dem eigenen König und erforderte ebensoviel Mut wie Überlegung. Clausewitz, der am Zustandekommen der preußisch-russischen Konvention von Tauroggen (30. Dezember 1812) selbst entscheidend mitgewirkt hatte wurde 1813 russischer Verbindungsoffizier im Stabe Blüchers, später Chef des Stabes einer deutsch-russischen Heeresgruppe. Bald nach dem Sieg über Napoleon in Völkerschlacht bei Leipzig (Oktober 1813) kehrte Clausewitz als Generalstabsoberst wieder in preußische Dienste zurück. Er nahm an der Entscheidungsschlacht gegen Napoleon bei Waterloo (Juni 1815) teil und wurde anschließend Chef des Stabes des preußischen Armee-korps am Rhein in Koblenz unter Gneisenau. Von 1818 bis 1830 war Clausewitz als Generalmajor Verwaltungsdirektor der Allgemeinen Kriegsschule in Berlin. Diese auf Gneisenaus Vorschlag hin erfolgte Verwendung war zunächst keineswegs als . Kaltstellung’gedacht, denn mit Unterstützung Hardenbergs, Wilhelm von Humboldts und des neuen Außenministers Bernstorff sollte Clausewitz 1819 Botschafter Preußens in London werden. Maßgebende Kräfte der Berliner Restauration vereitelten jedoch 1820 seine Übernahme in die Diplomatie. Diese Kräfte sahen in den Reformern nach den Karlsbader Beschlüssen von 1819 eine Art von „Frondeuren", manche verdächtigten Clausewitz als „geheimen Radikalen". Auch der König zeigte eine unverkennbare Abneigung gegen ihn

    Clausewitz war in den Jahren seiner Verwaltungstätigkeit, von 1820 bis 1830, weniger über seine berufliche Laufbahn enttäuscht — seine Karriere lag, gemessen an den Anciennitätsund Dekorationsprinzipien jener Zeit, weit über dem Durchschnitt; es quälte den leidenschaftlichen Patrioten viel eher die — aus seiner Sicht — negative Entwicklung des durch Heeresreform, Selbstverwaltung und Bauern-befreiung erneuerten preußischen Staates. Clausewitz „räsonierte“ nicht. Er nutzte das Abstellgleis und widmete sich mit dem ihm eigenen Tatendrang der militärgeschichtlichen Forschung. Das Analysieren und Schreiben war schließlich schon seit seinem 23. Lebensjahr ein Teil seiner Existenz gewesen Ohne die relativ unbedeutende Dienststellung jener Jahre in Berlin wäre das wissenschaftliche Gesamtwerk von Clausewitz nie zustande gekommen: Muße und Ungnade des Königs trugen also in gleicher Weise zur Entstehung seines Werkes „Vom Kriege" und anderer Schriften bei.

    Im Jahre 1830 wurde Clausewitz, dem man zuvor immer ein Truppenkommando, die Chance zum weiteren Aufstieg, versagt hatte, Inspekteur der II. Artillerie-Inspektion in Breslau. Er ließ seine kriegswissenschaftlichen Ausarbeitungen, denen seine Umwelt kaum Kennt-nis hatte, wohlverschnürt in Berlin zurück. Als Opfer einer Cholera-Epidemie verstarb Carl von Clausewitz am 16. November 1831 in Breslau. Seine Beisetzung erfolgte auf dem dortigen Soldatenfriedhof. An seinem 140. Todestag, im Jahre 1971, wurden seine Gebeine von dem verwüsteten Breslauer Friedhof mit Ehrenwachen der Nationalen Volksarmee der DDR in eine schlichte Grabstätte in seinem Geburtsort Burg bei Magdeburg überführt

    Clausewitz’ Erkenntnisse über Krieg und Politik beruhen im wesentlichen auf eigenen Beobachtungen und Erfahrungen während der mehrere Jahre dauernden Konfrontation Preußens mit Napoleon, auf intensiver Lektüre und Selbststudium sowie auf fruchtbringenden Dialogen mit Gleichgesinnten seiner Zeit.

    Clausewitz unterscheidet sich von früheren Militärtheoretikern dadurch, daß er wie diese zwar ein äußerst systematisches historisches Studium von (130!) Schlachten betreibt, dann aber — als erster — undogmatisch eine Gesamtschau des Kriegswesens entwirft und dessen untergeordnetes Verhältnis zur Politik feststellt.

    Das Charakteristische an Clausewitz kennzeichnet deshalb weniger den vorzugsweise die napoleonischen Kriege analysierenden Schriftsteller als vielmehr den Philosophen, der eine Theorie des Krieges vorlegt in einer Zeit, in der die erste industrielle Revolution beginnt und Kant und Hegel von der Philosophie und Adam Smith — wenig später auch Karl Marx — von der Ökonomie her das geschichtliche Sein überdenken. Clausewitz zählt zu den bedeutendsten Militärschriftstellern der Geschichte, weil seine Gedanken über Taktik, Strategie, Politik und Geschichtsphilosophie eine zeitlos gültige Aussagekraft enthalten. Das Wesen seiner Methode ist: keine Anweisung für die Praxis, keine Rezepte für die Entscheidung auf dem Schlachtfeld, aber Hilfen für die Bildung eines kritisch abgewogenen Urteils im Rahmen einer Gesamtschau.

    Alle großen Reformer des preußischen Heeres — Scharnhorst, Gneisenau und Clausewitz — waren geprägt von der Philosophie des Idealismus. Sie vertraten humanistische Bildungsziele und forderten für die künftigen Offiziere eine breite und ausgewogene, an Geistes-und Naturwissenschaften orientierte Bildung, um sie geistig fundiert auf die Bewältigung der drängenden, sehr unterschiedlichen Aufgaben in der militärischen Führung vorzubereiten. Clausewitz wollte nicht den einseitigen militär-technischen Perfektionismus wie er später unter Schlieffen und Ludendorff im taktisch-operativen Führungsbereich typisch geworden ist.
    Lebenswerk

    Clausewitz’zehnbändige „hinterlassene Werke ... über Krieg und Kriegführung" sind erst nach seinem Tode von seiner Frau in den Jahren 1832— 34 veröffentlicht worden. Ein Grund für die späte Veröffentlichung ist, daß Clausewitz zu Lebzeiten als Militär-und Sozialreformer und als Verfechter „gefährlicher“ Ideen wie des „Volkaufgebots" und des „Kleinkrieges" eine umstrittene Stellung in der preußischen Armee hatte und seinem König, einer der Säulen der „Heiligen Allianz", höchst verdächtig erschien. Ein weiterer Grund ist, daß das Manuskript über den Krieg 1831 noch fragmentarischen Charakter hatte und erst von seiner Frau publikationsreif gemacht wurde.

    Das Buch „Vom Kriege“

    „Denn mein Ehrgeiz war, ein Buch zu schreiben, was nicht nach zwei oder drei Jahren vergessen wäre." — Diese nach Clausewitz’Tod aufgefundene Notiz kennzeichnet seine Absicht bei der Niederschrift des Werkes. Das Buch „Vom Kriege" stellt eine Theorie der Führung des (großen) Krieges dar. Der umfangreiche Stoff ist in sechs vollständige Bücher (I—VI) sowie Skizzen zum siebenten und achten Buch aufgegliedert. Die acht Bücher beschäftigen sich mit — der Natur und der Theorie des Krieges (I—II)

    — der Strategie (III)

    — dem Gefecht (IV)

    — den Streitkräften (V)

    — der Verteidigung (VI)

    — dem Angriff (VII)

    — dem Kriegsplan (VIII).

    In Clausewitz’unzähligen Detailuntersuchungen greifen Empirismus und Theorie eng ineinander. So wurde aus dem Werk „Vom Kriege" kein technischer Leitfaden für die Krieg-führung, sondern eine Abhandlung über das Wesen des Krieges. Dies ist das Urteil des bedeutenden zeitgenössischen Militärtheoretikers, Liddell Hart, der im übrigen nicht immer gerecht mit Clausewitz umgeht; er nennt ihn beispielsweise einen „Mahdi der Massen und des gegenseitigen Massakers" was der Clausewitz-Forscher Raymond Aron als „völlig absurd" bezeichnet Dies zu Recht, denn nachweisbar hat Clausewitz der Rolle der Verteidigung die stärkere und ökonomischere Form der Strategie zugewiesen.

    Der Nestor der internationalen Clausewitz-Forschung und Inhaber des einzigen Lehrstuhles für Militärgeschichte in der Bundesrepublik Deutschland, Prof. Werner Hahlweg, Münster, ist der Ansicht, daß Clausewitz’Werk „kein Lesebuch oder eine Instruktions -schrift (ist). Es ist aber die reifste und umfassendste Studie über den Krieg, die die abendländische Gesellschaft bis jetzt geschaffen Hahlweg hat." Werner legte im übrigen mit seiner „Vollständigen Ausgabe im Urtext mit historisch-kritischer Würdigung Werkes des Vorn Kriege’“ (16. Auflage) im Jahre 1952 die wissenschaftliche Grundlage für die neuere Beschäftigung mit Clausewitz

    Der Krieg ist ein Instrument der Politik“ (Clausewitz) 11)

    Das Verhältnis von Krieg und Politik ist Hauptthema und Kern des Werkes Während Clausewitz im Ersten Buch — etwas unscharf und nicht ganz unmißverständlich — sagt: „Der Krieg is Auflage) im Jahre 1952 die wissenschaftliche Grundlage für die neuere Beschäftigung mit Clausewitz 10).

    Der Krieg ist ein Instrument der Politik“ (Clausewitz) 11)

    Das Verhältnis von Krieg und Politik ist Hauptthema und Kern des Werkes 12). Während Clausewitz im Ersten Buch — etwas unscharf und nicht ganz unmißverständlich — sagt: „Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln" 13), wird die Definition im Achten Buch wegen des später eindeutig erkannten politischen Charakters des Krieges präziser: „Der Krieg ist nichts als eine Fortsetzung des politischen Verkehrs mit Einmischung anderer Mittel." 14)

    Der Krieg hat nach Clausewitz zwar eine „eigene Grammatik", aber keine „eigene Logik”. Der Krieg hat demzufolge Instrumentalcharakter für die politische Absicht — und ohne politische Absicht sei das Mittel des Krieges nicht denkbar. Ist Krieg aber bloß das „Instrument", so ist die Politik die „Intelligenz", nicht umgekehrt. Das Unterordnen des politischen Gesichtspunktes unter den militärischen wäre widersinnig; denn die Politik hat den Krieg erzeugt. „Daß Politik alle Interessen der inneren die auch die der Menschlichkeit... in Verwaltung, sich vereinigt und ausgleicht, wird vorausgesetzt; denn die Politik ist ja nichts an sich, sondern ein bloßer Sachverwalter aller dieser Interessen gegen andere Staaten." 15) Deswegen kann der niemals Krieg von dem politischen Verkehr getrennt werden, wenn in „und dies der Betrachtung irgendwo geschieht, werden gewissermaßen alle Fäden des Verhältnisses zerrissen, und es entsteht ein sinn-und zweckloses Ding" 16).

    Primat der Politik bedeutet aber nicht, daß der politische Zweck die Natur der Mittel unberücksichtigt läßt, er muß sich vielmehr der Natur der Mittel fügen. „Die Politik also wird den ganzen kriegerischen Akt durchziehen und einen fortwährenden Einfluß auf ihn ausüben, soweit es die Natur der in ihm explodierenden Kräfte zuläßt." Die entscheidende Rolle der Politik spiegelt sich wider beim Einwirken auf alle Phasen des Krieges und bei der Anwendung der Mittel

    Das Ergebnis der Aussage von Clausewitz ist, daß das Denken des Militärischen für die Führung des Staates nicht bestimmend sein kann und darf. Das überfachliche, gesamtstrategische Denken gehört in den Aufgabenbereich der politischen Führung.
    Unterschiedliche Interpretation und Anwendung der Lehren von Clausewitz

    In Deutschland 19)

    Bismarck und Moltke

    Bismarck, nach eigenen Angaben Clausewitz zwar „leider" nie gelesen hatte, dachte Poli über das Verhältnis zwischen Krieg und -tik nicht anders als Clausewitz. Er sagt in seinen „Gedanken und Erinnerungen“: „Die Aufgabe, ... auf welche das Friedensbedürfnis Völker berechtigten Anspruch hat, liegt den politischen, nicht den militärischen Spitzen des Staates ob." Bismarck stand damit im Gegensatz zu Moltke, der den Primat der Politik nur für die Auslösung des Krieges und den Friedensschluß gelten lassen wollte. Nach Ansicht Moltkes sollte sich während des Krieges die Politik nicht in den Gang der militärischen Operationen einmischen. Diese sollten unabhängig von den politisch Verantwortlichen laufen.

    Moltke beanspruchte deshalb Kriege 1870/im 71 die ausschließliche Beratung des obersten Kriegsherrn, des Königs, für sich allein. Er verhinderte zusammen mit seinem Stabe die Weitergabe entscheidender Lageerkenntnisse und operativ-strategischer Planungsvorhaben an den politisch verantwortlichen Kanzler, weil er im Kriege die volle Gleichberechtigung des Generalstabschefs neben dem Kanzler in Anspruch nahm. Erst nach wiederholten Auseinandersetzungen mit Bismarck und der Einschaltung des Königs, des späteren Kaisers, die zugunsten der Politik ausfiel, fand sich Moltke mit der beratenden Rolle des Militärs ab.

    Bismarck hatte auch ohne Kenntnis von Clausewitz’Schriften die Politik als Herrin der Kriegführung verstanden — und verteidigt Seine Nachfolger hielten diese Position nicht. Bald wirkte es sich aus, daß maßgebende Militärs die militärischen Thesen des Werkes „Vom Kriege“ zwar bejahten, die politischen Kernsätze von Clausewitz jedoch ablehnten, nur bedingt anerkannten — oder gar ins Gegenteil verkehrten.

    Schlieffen

    Die Erfolge der Kriege von 1866 und 1870/71 verleiteten dazu, daß unter Schlieffen, dem „Dogmatiker des Vernichtungskrieges", Verselbständigungsbestrebungen der militärischen Führung gegenüber der politischen Leitung Auftrieb Die - erhielten. Entwick lung zur Gleichrangigkeit von politischer und militärischer Führung kündigte sich an.

    In der Einführung zur fünften Auflage von Clausewitz’ „Vom Kriege" (1905) sprach Schlieffen von einem „überwiegen einer philosophischen Betrachtungsweise, die den heutigen Leser nicht immer anmutet", und der „dauernde Wert des Werkes . Vorn Kriege’ liegt... in der nachdrücklichen Betonung des Vernichtungsgedankens“. Die Einordnung des instrumentalen Charakters des Krieges in die Politik, die Kernformel von Clausewitz, wird von Schlieffen nicht erwähnt Auch in den Einführungen der anschließenden acht Clausewitz-Ausgaben bis 1918 bleibt sie ausgespart. Es ist jedoch viel die Rede vom „Sieg um jeden “ — ein eher un-clausewitzscher -Preis Gemein platz

    Die auf Bismarck folgenden Reichskanzler Caprivi, Hohenlohe, Bülow und Bethmann Hollweg haben sich eines wesentlichen Kompetenzrechtes entledigt, als sie die generalstabsmäßige Planung von Feldzügen als Kriegsplan (im Sinne von Clausewitz) akzeptierten, ohne die militärischen Maßnahmen mit der politischen Zielsetzung abzustimmen. Der Schlieffen-Plan mit der in Kauf genommenen Verletzung der Neutralität von Belgien und Luxemburg war beispielsweise nur ein militärischer Feldzugsplan. Die politische Führung wußte von seiner Existenz. Er wurde dennoch nicht eingefügt in einen umfassenden Kriegsplan. Ein einflußreicher Vertreter des Auswärtigen Amtes, Fritz von Holstein, meinte dazu, wenn der Chef des Großen Generalstabes — eine strategische Autorität wie Schlieffen — diese Maßnahmen für erforderlich halte, dann sei es die Pflicht der Diplomatie, sich auf sie einzustellen.

    Die politische Leitung fand sich mit dieser Sachlage ab. Sie forderte vom Generalstab keine Alternativpläne an. Dies hatte zur Folge, daß gleich zu Kriegsbeginn 1914 der von Schlieffen geplante Durchmarsch durch neu-trales Gebiet im Westen geschah, wodurch sich das Deutsche Reich einer Völkerrechtsverletzung schuldig machte, die international Schwierigkeiten heraufbeschwor.

    Ludendorff

    Der unter Schließen sich abzeichnende Trend verstärkte sich wesentlich unter Ludendorff, der den Primat der militärischen Führung vor der politischen Leitung vertrat und damit Clausewitz auf den Kopf stellte. Ludendorff war der Ansicht, durch den „totalen Krieg" sei der Grundsatz, die Politik habe die Kriegskunst zu lenken, überholt Die politische Führung beugte sich im Ersten Weltkrieg diesem Anspruch Ludendorffs. Reichskanzler Bethmann Hollweg stand von Kriegsbeginn an — und bestätigte dies auch in seinen Memoiren 1919 — auf dem Standpunkt, der Nichtsoldat könne sich nicht anmaßen, militärische Möglichkeiten, geschweige denn militärische Notwendigkeiten zu beurteilen Diese Unterordnung des politisch verantwortlichen Kanzlers unter die Oberste Heeresleitung bedeutete auch, daß Ludendorffs Maximalforderung nach einem „Siegfrieden" (mit Annexionen) akzeptiert und — Ende 1916/Anfang 1917 — die politischen Möglichkeiten eines „Verständigungsfriedens" zurückgestellt wurden. Ludendorff wollte keinen Mittelweg zwischen Sieg und Niederlage. Er forderte unmißverständlich, die Politik habe der Kriegführung zu dienen. Ludendorff wurde damit zum Gegenpol von Clausewitz und zum ersten Theoretiker des „totalen Krieges“.

    Clausewitz’ Werk „Vom Kriege“ erfuhr in der 1935 von Ludendorff herausgegebenen Broschüre „Der totale Krieg“ die schroffste Ablehnung. Ludendorff erklärte: „Das Wesen des Krieges hat sich geändert, das Wesen der Politik hat sich geändert, so muß sich auch das Verhältnis der Politik zur Kriegsführung ändern. Alle Theorien von Clausewitz sind über den Haufen zu werfen. Krieg und Politik dienen der Lebenserhaltung des Volkes, der Krieg aber ist die höchste Äußerung völkischen Lebenswillens. Darum hat die Politik der Kriegsführung zu dienen."

    Seeckt

    Seeckt, der „Visionär des Eliteheeres", der lange Jahre mit dem „Schlagwort“ Clausewitz nichts anzufangen wußte, fand erst in späteren Jahren einen Zugang zu Clausewitz Aufgrund seiner Erkenntnisse im Ersten Weltkrieg gelangte er 1923 zu folgender Auffassung über die Beziehungen zwischen Politik und Krieg: „Es ist einer der großen Irrtümer der politischen und militärpolitischen, aber auch der strategischen Lehre, daß sich die Kriegsführung im luftleeren oder besser gesagt politikleeren Raum abspielt und daß sie andererseits eines Tages unter Schloß und Riegel gelegt werden könne, um der reinen Politik das Feld zu überlassen.“

    In den „Gedanken eines Soldaten" (1929) und in der 1930 erschienen Clausewitz-Studie erkannte Seeckt — wie Clausewitz — den engen Zusammenhang von Krieg und Politik. Die Politik ist für ihn die Grundlage und die Voraussetzung für die Kriegführung. Die Ziele eines Krieges seien stets politische. Die Maßnahmen des Feldherren müßten sich mit den Zielen der Politik in Übereinstimmung befinden. „Freilich muß die Wahl des Weges zur Erreichung des Zieles dem Feldherrn überlassen bleiben, obwohl selbst bei dieser Wahl und bei der der Mittel sich politische Erwägungen einmischen werden.“ Wenn Staatsmann und Feldherr nicht in einer Persönlichkeit zusammengefaßt seien, „dann muß der Staatsbegriff die Einheit der Handlung sicherstellen". Clausewitz richte seine Lehre „Vom Kriege" ebenso an den Staatsmann wie an den Soldaten, er wolle den Feldherrn „politisches Denken", aber auch den Politiker „soldatischen Willen" lehren

    Beck und Halder

    Beck und Halder — in diesem Sinne „fortgeschrittene Schüler" von Seeckt — kehrten zu Clausewitz’Lehren zurück. Beck fühlte sich als Chef des Generalstabes des Heeres verpflichtet, der politischen Leitung die militärischen Möglichkeiten des Heeres ungeschminkt darzustellen und vor außenpolitischen Gewalt-maßnahmen zu warnen.

    Nach Clausewitz ist der politische Zweck „kein despotischer Gesetzgeber, er muß sich der Natur des Mittels fügen und wird dadurch oft ganz verändert, aber immer ist er das, was zuerst in Erwägung gezogen werden muß" Vor diesem Hintergrund verfaßte Beck seine Denkschriften von 1938 an Hitler. In Überein-stimmung mit Clausewitz ist Beck der Auffas-sung, daß Politik das Primäre, Krieg nur eines ihrer Instrumente ist. Nach Becks Überzeugung braucht das Schwert, „das jeder Staat grundsätzlich berechtigt ist“ bereitzuhalten, ... nicht nur zu dem Zweck seines sofortigen Gebrauchs scharf gehalten zu werden, sondern sein Vorhandensein allein wird oft genügen und sein Ziehen entbehrlich machen" Halder dachte ebenso, bloß erkannte er früher als Beck, daß man der Gewaltpolitik Hitlers nicht mit Worten, sondern nur durch die Tat begegnen konnte. Auf Halders Seite blieb es bei dem für Ende September 1938 geplanten, aber nicht ausgeführten Militärputsch, der die Verhaftung Hitlers zum Ziele haben sollte.

    Das Denken Becks und Halders in Clausewitz-sehen Kategorien war längst nicht mehr Gemeingut der deutschen militärischen Führung im Zweiten Weltkrieg. Feldmarschall von Kleist äußerte sich beispielsweise 1945 gegenüber Liddell Hart folgendermaßen: „Die Lehre von Clausewitz ist bei dieser Generation in Geringschätzung gefallen — schon in der Zeit, als ich auf der Kriegsakademie und im Generalstab war. Zwar zitierte man seine Sätze, aber seine Bücher wurden nicht mehr gründlich studiert Er wurde eher als militärischer Philosoph angesehen und nicht als Lehrmeister für die Praxis. Die Schriften Graf Schlieffens fanden größere Beachtung. Sie schienen von größerem praktischen Wert zu sein, weil sie sich mit dem Problem beschäftigten, wie ein an Stärke unterlegenes Heer — was immer Deutschlands Verhältnis zur Gesamtheit (seiner Gegner, d. Verf.) entsprach — mit feindlichen Armeen auf beiden Fronten fertig werden könnte, deren Kräfte zusammen überlegen waren."

    Hitler

    Hitler hatte Clausewitz zwar gelesen, während des Krieges Zitate aus Clausewitz’patriotischer Denkschrift von 1812 als Durchhalteparolen benutzt und ihn schließlich in seinem politischen Testament erwähnt; sein Handeln stand jedoch im Widerspruch zu Clausewitz’Lehren. Wenngleich in der Person Hitlers die Einheit von Staatsmann und Feldherr bestand, so zog er sich im Krieg de facto von der Politik zurück und dachte nur noch in den „apolitischen Alternativen von Sieg oder Vernichtung, Weltmacht oder Untergang"

    Die einseitige Betonung des Vernichtungsgedankens, d. h. die Proklamation der Waffen-entscheidung als „höchstes Gesetz“, führte schon zum Verlieren des Ersten Weltkrieges. Hitler übernahm Ludendorffs These vom „totalen Krieg“. Die im Gegensatz zu Clausewitz’Theorie einseitig betonte, nur am „Vernichtungskampf" und am „Endsieg" und nicht an der Herstellung des Friedens orientierte militärische Angriffskonzeption mußte folgerichtig auch zum Drama des Zweiten Weltkrieges — und zur Vernichtung des Gleichgewichts in Europa — führen.

    Beide, Ludendorff und Hitler, hatten verkannt, daß der Krieg keinen Selbstzweck darstellt, daß er grundsätzlich nur ein Instrument der Politik ist und ihm in dieser Eigenschaft Grenzen gesetzt sind.

    Im Ausland

    Außerhalb Deutschlands erregte das Buch „Vom Kriege" seit dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 in Belgien, Frankreich, Österreich-Ungarn, Schweiz, England, Italien, Japan, Schweden, in den Vereinigten Staaten von Amerika und in Rußland Aufmerksamkeit

    In Frankreich, England, in den Vereinigten Staaten von Amerika und in Rußland erfolgte eine sehr unterschiedliche Aufnahme.

    Frankreich

    In Frankreich erschien „Vom Kriege" bereits 1832, fand aber nur zögernde Verbreitung. Dann wurde Clausewitz nach 1871 wiederentdeckt, als man versuchte, in die überlegene deutsche Strategie einzudringen, als deren wichtigsten Lehrmeister man Clausewitz ent-’ deckt zu haben glaubte.

    Größere Breitenwirkung erfuhren die Lehren von Clausewitz, als der spätere Marschall Foch Lehrer an der Ecole de Guerre war.

    England

    Clausewitz hatte in der relativ kleinen britischen Armee immer nur einen begrenzten Leserkreis. Sein Werk „Vom Kriege" stand wegen seiner Abstraktheit und dialektischen Methode dem britischen Pragmatismus entgegen. Im übrigen mangelte es lange an geeigneten Übersetzungen. Dem britischen, weltweit orientierten Denken entsprach — auch angesichts der stets dominierenden Marine — eher das 1890 erschienene umfangreiche Werk des amerikanischen Kapitäns z. See Alfred Mahan („Clausewitz zur See") über Seestrategie und Seeherrschaft Ma-hans Werk übte auch nachhaltigen Einfluß auf Kaiser Wilhelm II, Präsident Roosevelt und den sowjetischen Admiral Gorschkow aus.

    Vereinigte Staaten von Amerika

    In den Vereinigten Staaten von Amerika erschien Clausewitz’Werk als Übersetzung erst während des Zweiten Weltkrieges (1943). Mahan hatte allerdings in seiner „Seestrategie" schon auf Clausewitz hingewiesen.

    Sowjetunion

    über Marx-und Engels-Studien ist Lenin auf Clausewitz’Werk aufmerksam geworden. Er beschäftigte sich während seines Schweizer Exils 1915 eingehend damit. Das Ergebnis war die Übertragung der Clausewitz’schen Lehre auf den politischen Machtkampf, d. h. auf die Durchführung des Klassenkampfes. Lenin legte sich seiner Gewohnheit entsprechend ein Heft mit Auszügen und eigenen Bemerkungen an. Dies ist die oft zitierte, aber wenig bekannte „Tetradka" (deutsch: Heft) Lenin empfahl später allen Parteifunktionären, das Werk von Clausewitz gründlich zu studieren.

    Von dem Clausewitz-Satz: „Der Eroberer ist immer friedliebend (wie Bonaparte auch stets behauptet hat), er zöge ganz gern ruhig in unseren Staat ein“, war Lenin fasziniert, wie aus seiner Randbemerkung (hahal geistreich!“) hervorgeht

    Lenin machte den Kerngehalt der Thesen von Clausewitz über das Verhältnis von Politik und Krieg zu feststehenden „Bauelementen“ des Marxismus-Leninismus. Dadurch hat das Werk „Vom Kriege" eine Gegenwartswirkung erhalten, wie sie kaum größer sein kann 33 a). Das Verständnis der Doktrin des revolutionären Marxismus ist ohne tiefgehende Kenntnis von Clausewitz nicht denkbar. Der imperialistische Krieg, so pflegte Lenin Clausewitz zu zitieren, ist die Fortsetzung der imperialistischen Politik der herrschenden Klassen „mit anderen (nämlich: gewaltsamen) Mitteln“

    Raymond Aron zieht aus seinen ausführlichen Untersuchungen über das Verhältnis Lenins zu Clausewitz das Fazit, daß die Gedanken von Clausewitz, ausgelegt durch einen Marxisten, seit 1915 bis zu unseren Tagen Marxisten/Leninisten als theoretischer Rahmen oder als für das Handeln rechtfertigende Ideologie dienten
    Clausewitz’Aktualität für Politik und Militärwesen in der Gegenwart

    Priorität der Politik

    Clausewitz’Lehre vom Vorrang der Politik fand in der politischen Praxis Preußens und Deutschlands lange keine Beachtung. Dies war wegen der unterschiedlichen politischen Zuordnung des Kriegsministers unter dem Kanzler und des Generalstabschefs unter dem König bzw. Kaiser von 1871 bis zum Ersten Weltkrieg auch gar nicht möglich. Clausewitz’Thesen wurden in der Reichswehrzeit wieder berücksichtigt, dann aber von Hitler mißachtet, der im Krieg letztlich einen Selbstzweck sah. Bei der Aufstellung der Bundeswehr standen Clausewitz’Lehren von der Priorität der Politik Pate. In der Gegenwart finden sie volle Anwendung.

    Primat der Politik setzt bei Politikern internationale Problemkenntnis und Sachverstand — wenn auch nicht unbedingt Erfahrung — in militärischen Dingen voraus. Es bedürfte einer eigenen Untersuchung, ob das gegenwärtige Erziehungs-und Bildungswesen diese Kenntnisse in ausreichendem Maße vermittelt und ob der von lokalen Mehrheitsverhältnissen abhängige politische Nachwuchs Zeit und Gelegenheit findet, ggf. vorhandene Lücken zu schließen.

    Clausewitz im Atomzeitalter?

    Die Frage nach der Gültigkeit von Clausewitz’Lehren im Atomzeitalter wird immer wieder gestellt. Sie kann vom Prinzip her bejaht werden. Allerdings muß man sich der Mühe unterziehen, die zeitlosen Elemente des Krieges aus dem zeitgebundenen Beiwerk des Buches „Vom Kriege“ herauszuschälen. Dazu gehören nach Werner Hahlweg die nach wie vor aktuellen Themen des Werkes:

    1. Natur und Begriff des Krieges als Element des sozialen Lebens, als existentielles Problem, in allen seinen nur denkbaren Erscheinungsformen in Vorstellung und Wirklichkeit;

    2. Verhältnis von Krieg und Politik;

    3. Beziehungen zwischen Theorie und Praxis auf grundsätzlicher Ebene;

    4. Grundfragen von Theorie und Praxis;

    5. Wechselverhältnis von Verteidigung und Angriff;

    6. Bedeutung der moralischen Größen;

    7. Rolle der Unwägbarkeiten (Imponderabilien, „Friktionen“);

    8. Problematik des Vernichtungsprinzips in Gedanken und Verwirklichung;

    9. Phänomen des Volkskrieges;

    10. Reflexionen über das rechte Verhältnis von Zweck, Ziel und Mitteln

    Die Priorität der Politik bleibt uneingeschränkt gültig. Schon die konventionellen Waffensysteme der Gegenwart — ob in Heer, Luftwaffe oder Marine — erlauben keine Kriegführung, erst recht keine Kriegführung im Rahmen eines Bündnisses, welche die politische Zielsetzung nicht berücksichtigt. Besonders deutlich wird die unabdingbare politische Entscheidung angesichts der nuklearen Potentiale und der NATO-Strategie der flexiblen Reaktion. Dieses auf die Verteidigung abgestellte Konzept macht es erforderlich, den vielzitierten Clausewitz-Satz „Verteidigung ist die stärkere Form der Kriegführung“ näher zu erläutern. Der häufig als Maxime seiner Kriegstheorie angeführte Satz erweckt — absolut gesetzt — nämlich falsche Vorstellungen.

    Clausewitz definierte die Verteidigung als die Abwehr eines Schlages und — als ihr charakteristisches Zeichen — das Erwarten dieses Schlages. Das Ziel der Verteidigung ist demnach Sicherung und Schutz, während das Ziel des Angriffs die Eroberung ist. „Die Verteidigung besteht also aus zwei heterogenen Teilen, dem Abwarten und dem Handeln.“ Damit ist klargestellt, daß sowohl Abwarten als auch Handeln in der Form des Gegenschlages wesentliche Teile der Verteidigung sind.

    Durch die Einführung der Präzisionswaffen wird dieses Prinzip von Clausewitz erneut aktuell. Für deren Wirksamkeit ist die technische Überlegenheit eine wesentliche Voraussetzung. Schließlich erhalten die von Clausewitz geforderten „moralischen Potenzen“ in der Gegenwart einen neuen Rang. Bekannt ist, daß die „Moral der Bevölkerung" bei Stalins fünf kriegsentscheidenden Faktoren die erste Rolle spielte. Dann erst folgten Qualität, Quantität und Ausrüstung der Truppen sowie das Können der Führung.

    Wenn auch innere Kräfte und ideelle Werte nicht in klaren Zahlen ausgedrückt werden können, so müssen sie dennoch ins Kalkül des Staatsmannes und militärischen Führers einbezogen werden. „Moralische Potenzen" sind letztlich ein nicht unwesentlicher Gradmesser für den Verteidigungswillen und die Glaubwürdigkeit der Abschreckung.

    „Krieg als Fortsetzung des politischen Verkehrs mit Einmischung anderer Mittel“

    Das katastrophale Ausmaß der beiden Weltkriege löste in Europa den Ruf „Nie wieder Krieg!" aus. Dennoch ist Tatsache, daß — allein nach 1945 mehr als hundert kriegerische Auseinandersetzungen in Regionen außerhalb der unmittelbaren Einflußzonen der beiden Supermächte stattfanden, — auch Europa und Amerika wiederholt vor dem Abgrund eines Dritten Weltkrieges standen (z. B. Berlin, Kuba).

    Die nachhaltige Ächtung des Krieges seit 1945 hat Krieg und Kriegsgefahr nicht verhindert. Krieg ist sogar als bewußtes politisches rfitel „vor der Haustür Europas" wieder in Erscheinung getreten. Als Beispiel mag der Yom-Kippur-Krieg (Oktober 1973) gelten, den Präsi-dent Sadat überraschend auslöste, um den politischen Immobilismus der Jahre 1967— 1973 zu überwinden und die Position der arabischen Seite gegenüber Israel für Verhandlungen zu verbessern. Dieser 4. Nahost-Krieg wurde als einer der „nützlichsten Kriege" bezeichnet, die in diesem Jahrhundert stattgefunden haben, weil dadurch politisches Handeln wieder möglich geworden ist

    Der gegenwärtige Zustand des Nichtkrieges in Europa beruht letztlich auf dem strategischen Gleichgewicht der beiden Supermächte.

    Das Aufkommen von überzeugenden Erst-schlags-Kapazitäten ggf. auch die Auflösung der Bündnissysteme könnten den Krieg als mögliche Form der Politik auch hier wieder denkbar und führbar erscheinen lassen.

    Bezüglich der „Wechselwirkung" zwischen der Staatengesellschaft und dem Phänomen des Krieges sind im Hinblick auf die Zeit von Clausewitz zwei Hauptveränderungen festzustellen: — die technischen Neueningen auf konventionellem, atomarem und elektronischem Gebiet; — die Erweiterung der Staatengesellschaft über die ganze Erde und die daraus resultierenden Interdependenzen auf politischem, wirtschaftlichem und sicherheitspolitischem Gebiet Für die „planetarische Gesellschaft" (Raymond Aron) von heute ergeben sich drei mögliche Arten des Krieges:

    — der konventionelle Krieg — der Atomkrieg in seinen verschiedenen Stufen — der Guerilla-oder Partisanenkrieg.

    Nach Clausewitz ist „die Taktik die Lehre vom Gebrauch der Streitkräfte im Gefecht, die Strategie die Lehre vom Gebrauch der Ge" fechte zum Zwecke des Krieges" Dieser militärisch definierte Strategie-Begriff erfuhr seit längerem eine wesentliche Ausweitung.

    Instrumente, die der gegenwärtigen Bedrohung in Form von unterschiedlichen Kriegsarten Rechnung tragen, sind:

    — Außen-, Sicherheits-und Militärpolitik — Zivile Verteidigung — Wirtschaftspolitik, Forschung und Technik — Finanzpolitik — Informationspolitik — Innere Sicherheit, soziale Sicherheit, Staatsschutz.

    Eine solche „multidimensionale Strategie" (de Maiziere) bedingt ein Feld geteilter Verantwortungen, d. h. die Aufgaben und Ziele der Politik sowie die Aufgaben der bewaffneten Macht bedürfen der Präzisierung. Ein erfolgreiches Zusammenwirken von politischer und militärischer Führung verlangt von beiden Seiten besondere Einsicht und Befähigung sowie fortlaufende Anpassung. Pauschal gesehen wird jedoch in Gegenwart und Zukunft eine glaubwürdige Abschreckungsstrategie nur noch Bündnissystemen möglich sein, die vom Führungs-und Verteidigungswillen einer Supermacht getragen sind. Hier stellt sich angesichts der beiderseits vorhandenen nuklearen Vernichtungspotentiale im Clausewitz’schen Sinne die Frage nach dem rechten Verhältnis von Zweck, Ziel und Mitteln des Krieges.

    „Politik als Fortsetzung des Krieges“ (Lenin)

    Die Ideen von Clausewitz haben einen starken Einfluß auf die sowjetische Kriegstheorie ausgeübt Seine gesellschaftspolitischen Aussagen wurden erweitert und mit marxistisch-leninistischem Gedankengut vermischt. Die Clausewitz-Definition von der Ungewißheit und Unmeßbarkeit im Wesen des Krieges wurde ins Gegenteil verkehrt. Durch „wissenschaftliche" Zweckauslegung wurde der Sieg des Sozialismus über den kapitalistischen Imperialismus zur absoluten Gewißheit umgedeutet. Zur Erreichung dieses Zieles ist jedoch nicht unbedingt ein Krieg nötig (Doppelbödigkeit der Formel „Friedliche Koexistenz").

    In der Gegenwart zeigen weltweite politische Praxis, Ideologie, Streitkräfte und strategisches Konzept der Sowjetunion einen offensiven Charakter. • Die Ausweitung des sowjetischen Einflusses mit Hilfe von Stellvertretern in Angola, Äthiopien, im Jemen und in Vietnam/Kambodscha sowie die Invasion sowjetischer Truppen in Afghanistan verändern einseitig das ohnehin labile Gleichgewicht und stellen eine Herausforderung an den Westen dar. Die über die reinen Verteidigungsbedürfnisse der Sowjetunion hinausgehenden Verstärkungen und Verbesserungen bei den strategischen Waffensystemen, bei der Heeresrüstung, bei der Ausrüstung der taktischen Luftflotten und der Luftabwehr, vor allem aber auf dem Gebiet der Hochseeflotte signalisieren das sowjetische Streben nach militärischem Übergewicht. Militärische Aktionen und einseitige Höchstrüstungen verletzen den Kodex der Dtente, der auf dem Prinzip des gegenseitigen Gleichgewichts und der Parität beruht

    „Kleinkrieg“ — „Nationaler Befreiungskampf

    Clausewitz’Gedanken über einen Volkskrieg — nicht Revolutionskrieg — sind durch die Ereignisse in seiner Zeit (Volkskrieg Napoleons, Erhebungen in Spanien und Tirol) zu verstehen Für Clausewitz ist die Bewaffnung des Volkes nur Mittel der nationalen Verteidigung und eng mit dem Partisanenkrieg verbunden. Aber auch hier sollte der Primat der Politik Geltung haben.

    Während Clausewitz als Theoretiker des Volkskrieges in der westlichen Welt lange vergessen war, hat ihn Lenin durch das Studium von Clausewitz, Marx und Engels wiederentdeckt — mit dem Erfolg, daß Stalin im Zweiten Weltkrieg auf diese Kriegsform zurückgriff und den „Vaterländischen Krieg" ausrief. (Partisanenkämpfe gab es auch in Jugoslawien, in Griechenland, Frankreich, Italien und Norwegen — mit unterschiedlicher Intensität und Zielrichtung). Hitler sah in der letzten Kriegsphase im „Werwolf" noch eine Rettung. Er stützte sich dabei allerdings — im Gegensatz zu Stalin — mehr auf die Partei als auf das Volk

    Clausewitz’Erkenntnisse über den Volkskrieg haben die moderne Partisanenkriegführung, insbesondere den „nationalen Befreiungskampf", wesentlich beeinflußt (Anwendung der Lehre vom Krieg als „Mittel der Politik"). Im Zuge der Entkolonialisierung tauchten nach 1945 in Asien, Afrika und bei revolutionären Wirren in Lateinamerika Partisanenarmeen respektabler Größe auf. Sie waren nicht zuletzt die Folge eines überwiegend von Moskau ideologisch propagierten und waffenmäßig unterstützten „nationalen Befreiungskampfes". Subversionskriege — weithin auch der internationale Terrorismus und die Stadtguerillas — greifen größtenteils auf die gleichen geistigen oder materiellen Hilfsquellen zurück. Der Kleinkrieg erscheint in der Gegenwart als eine militärische Alternative zum Atomkrieg, wenn die Voraussetzungen hierfür gegeben sind. In präventiver Form kann er in Ballungsräumen durch Terrorakte, Sabotage und Verunsicherung der Bevölkerung die atomare Bedrohung unterlaufen.

    Mao, Lin Piao, Ho Chi-Min, Giap und Che Guevara als Personen und PLO, IRA und die Befreiungsbewegungen im südlichen Afrika als Organisationen waren oder sind entschiedene Vertreter des Kleinkrieges und — zumindest vordergründig — Anhänger des Prinzips der „sozialen, und nationalen Befreiung". Mao gilt als Lehrmeister der „Strategie der Dritten Welt" Nach seiner Theorie kämpfen und siegen Guerilla-Armeen gegen einen übermächtigen, hochentwickelten, waffenstarken Feind; denn die alte — europäische — Strategie versagt, wenn nach seiner Taktik gekämpft wird, wo — Armee und Bevölkerung identisch sind, — „die Guerillas in der Volksmasse schwimmen wie die Fische im Wasser", — „die Mobilisierung des gemeinen Mannes im ganzen Lande ein riesiges Meer schafft, in dem der Feind ertrinkt".

    Clausewitz-Renaissance

    Die Clausewitz-Renaissance in der Gegenwart ist kein Zufall: Die große Militarismus-Diskussion der Nachkriegszeit, die unterschiedlichen Clausewitz-Interpretationen im (früheren) deutschen Generalstab und die ebenfalls divergierenden Meinungen des Auslands über Clausewitz’Lehren bedurften dringend einer Klärung aus zeitgenössischer Sicht. Clausewitz’hinterlassene Werke wurden deshalb ein Gegenstand intensiver Forschung. Vermehrt befassen sich Wissenschaftler — auch Friedensforscher — mit den Lehren von Clausewitz. Auch die Vertreter der Studentenbewegung griffen in der Mitte der sechziger Jahre im Nachvollzug von Engels, Lenin, Mao, Ho Chi-Min und Che Guevara auf Clausewitz-Ideen zurück. Niemals zuvor wurden übrigens auf dem Buchmarkt ähnlich viele Exemplare „Vom Kriege“ abgesetzt. { Zeitgeist, Aktualität und Interesse an Clausewitz’Theorie fanden literarisch einen bedeutenden Niederschlag in unzähligen nationalen und internationalen Publikationen. Das Zeitlose an Clausewitz’ Kriegsphilosophie wird durch diese Rezeption bestätigt.

    Die DDR, die seit den sechziger Jahren auf der Suche nach Tradition und Vorbildern ist, sieht in „Tauroggen“ die Wiege der deutsch-sowjetischen Waffenbrüderschaft Die NVA beansprucht die „hervorragenden bürgerlichen Militärs" wie Scharnhorst, Gneisenau und Clausewitz in gleicher Weise für die Pflege „fortschriftlicher deutscher militärischer Tradition“ wie den „genialen Militärtheoretiker der Arbeiterklasse, Friedrich Engels“.

    Die in der Bundesrepublik Deutschland bestehende Clausewitz-Gesellschaft hat die Wiederkehr des 200. Geburtstages des preußischen Generals zum Anlaß genommen, im März 1980 vor einem internationalen Forum in der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg die aktuellen Bezüge der Theorien von Clausewitz zur Gegenwart herzustellen. In der gleichzeitig erschienenen Publikation „Freiheit ohne Krieg?“ äußerten sich maßgebende Persönlichkeiten des In-und Auslandes über das Verhältnis von Politik und Krieg, die Dimensionen der Strategie unserer Zeit und die Clausewitz-Diskussion der Gegenwart Jedoch — und auch dies bestätigte das internationale Clausewitz-Forum — kein Philosoph, kein Politiker, kein Wissenschaftler kann sich zu Lebzeiten und erst recht nicht pothum vor vereinseitigenden Interpretierungen schützen.

    Literaturhinweise:

    Aron, Raymond: Clausewitz et la guerre populaire, in: Defense nationale, Jan. 1973, S. 3— 10.

    ders.: Penser la guerre, Clausewitz, 2 Bände, Paris 1976 Clausewitz, Carl v.: Vom Kriege. Hinterlassenes Werk. Vollständige Ausgabe im Urtext mit völlig überarbeiteter und erweiterter historisch-kritischer Würdigung von Prof. Dr. Werner Hahlweg, 18. Aufl. Bonn 1973 ders.: Vom Kriege. Hinterlassenes Werk. Einleitung von Prof. Dr. Ernst Engelberg und Generalmajor a. D. Dr. Otto Korfes, Berlin (Ost) 1957 Clausewitz-Gesellschaft (Hrsg.): Freiheit ohne Krieg? Strategie-Diskussion der Gegenwart im Spiegel der Theorie von Carl von Clausewitz. Vorwort von Ulrich de Maiziere, Bonn 1980 Eckert, Georg: Von Valmy bis Leipzig. Quellen und Dokumente zur Geschichte der preußischen Heeresreform, Hannover, Frankfurt/M. 1955 Hackl, Othmar: Carl von Clausewitz — Leben, Werk, Nachwirkung, in: Information für die Truppe, H. 5/1980, S. 43— 79 Hahlweg, Werner: Carl von Clausewitz. Soldat — Politiker — Denker, Göttingen 1957 ders.: Carl von Clausewitz, in: Wolfgang v. Groote (Hrsg.), Große Soldaten der europäischen Geschichte, Frankfurt/M., Bonn 1961, S. 299— 337 ders.: Das Clausewitzbild einst und jetzt. Mit textkritischen Anmerkungen, in: Carl von Clausewitz, Vom Kriege, 18. Aufl. Bonn 1973, S. 1— 172 ders.: Lenin und Clausewitz. Ein Beitrag zur politischen Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts, in: Archiv für Kulturgeschichte, 36. Band (1954), H. 1 u. 3 Liddell Hart, Basil H.: Strategie, Wiesbaden o. J. (1955)

    Höhn, Reinhard: Scharnhorsts Vermächtnis, 2. Aufl. Frankfurt/M., Bad Harzburg 1972 Lenin, W. L: Clausewitz’Werk „Vom Kriege“. Auszüge und Randglossen. Vorwort und Anmerkungen von Otto Braun, Berlin (Ost) 1957

    Mao Tse-tung: Theorie des Guerillakrieges oder Strategie der Dritten Welt Einleitendes Essay von Sebastian Haffner, Reinbek bei Hamburg 1966 Marwedel, Ulrich: Carl von Clausewitz. Persönlichkeit und Wirkungsgeschichte seines Werkes bis 1918. Militärgeschichtliche Studien, hrsg. vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt, Bd. 25, Boppard/Rh. 1978 Paret, Peter: Clausewitz and the State, Oxford 1976 ders.: Yorck and the Era of Prussian Reform 1807— 1815, Princeton 1966 Parkinson, Roger: Clausewitz. A Biography, London 1970 Rautenberg, Hans-Jürgen: „Der Krieg ist ein Teil. Das Ganze ist die Politik". Zur Nachwirkung von Clausewitz in marxistischen Kriegstheorien, in: Information für die Truppe, H. 5/1980, S. 80— 88 Ritter, Gerhard: Staatskunst und Kriegshandwerk. Das Problem des „Militarismus" in Deutschland, 4 Bände, München 1954— 68 Rothfels, Hans: Carl von Clausewitz. Politik und Krieg. Eine ideengeschichtliche Studie. Reprint der 1. Auflage (Berlin 1920) mit einem Nachwort von Joachim Niemeyer, Bonn 1980 Schmitt, Carl: Clausewitz als politischer Denker. Bemerkungen und Hinweise, in: Der Staat. Zeitschrift für Staatslehre, öffentliches Recht und Verfassungsgeschichte, 6. Bd., H. 4/1967, S. 479— 502. Schramm, Wilhelm v.: Clausewitz. Leben und Werk, Esslingen 1976 Schütte, Ehrenfried: Carl von Clausewitz. Denker des Krieges, in: Criticön H. 40 (März/April) 1977, S. 99— 103 Senghaas, Dieter: Rückblick auf Clausewitz, in: Atomzeitalter. Information und Meinung, Jan. 1966, S. 39— 46 Stamp, Gerd (Hrsg.): Clausewitz im Atomzeitalter, Wiesbaden 1962 Wallach, Jehuda: Das Dogma der Vernichtungsschlacht. Die Lehren von Clausewitz und Schlieffen und ihre Wirkungen in zwei Weltkriegen, Frankfurt/M. 1967.
    Fussnoten
    Fußnoten

    Im Zuge der Clausewitz-Renaissance entstanden während der siebziger Jahre mehrere umfangreiche Bibliographien über den Theoretiker des Krieges: Roger Parkinson, Clausewitz. A Biography, London 1970; Raymond Aron, Penser la guerre. Clausewitz, 2 Bde., Paris 1976; Peter Paret, Clausewitz and the State, Oxford 1976; Wilhelm von Schramm, Clausewitz. Leben und Werk, Esslingen 1976; Ulrich Marwedel, Carl von Clausewitz. Persönlichkeit und Wirkungsgeschichte seines Werkes bis 1918, Boppard 1978. Für den eiligen Leser empfiehlt sich als Einführungslektüre: Werner Hahlweg, Carl von Clausewitz. Soldat — Politiker — Denker, Göttingen 1957.

    Vgl. Peter Paret, Clausewitz, a. a. O„ S. 239 (Fn. 41).

    Näheres hierzu bei Werner Hahlweg. Das Clausewitzbild einst und jetzt, in: Carl von Clausewitz, Vom Kriege, 18. Aufl., Bonn 1973, S. 29.

    Vgl. P. Paret, Clausewitz, a. a. O., S. 319— 323; vgl. ferner Ehrenfried Schütte, Carl von Clausewitz. Denker des Krieges, in: Criticön, Nr. 40 (März/April) 1977, S. 100 f.

    So P. Paret, Clausewitz, a. a. O., S. 431— 437. Paret nimmt hier eine Revision des Persönlichkeitsbildes von Clausewitz vor, dem (fälschlicherweise) lange nachgesagt wurde, seine Flucht in die Gedankenwelt sei nur Ersatz für ungenügendes Avancement gewesen.

    Vgl. Artikel „Philosophen. Viel genannt", in: Der Spiegel, 30. Jg., Nr. 50/1976 (v. 6. 12. 1976). Dort Abbildung des Clausewitz-Grabes in Burg.

    Vgl. W. Hahlweg, Carl von Clausewitz, Soldat — Politiker Denker, a. a. O., S. 69 f.

    Basil H. Liddell Hart, The Ghost of Napoleon, New Haven 1934, S. 118 ff. („The Mahdi of Mass’); vgl.ders., Strategie, Wiesbaden o. J. (1955), S. 415—— 431; vgl. ferner W. Hahlweg, Das Clausewitzbild, a. a. O„ S. 144 ff.

    Raymond Aron, Penser la guerre, Clausewitz, 2. Bd., Lage planötaire, Paris 1976, S. 289.

    Unter Hahlwegs Gesamtredaktion erscheint noch 1980 im Dümmler-Verlag (Bonn) die 19. Aufl.

    Mit dem Inhalt dieses Kapitels hat sich Lenin eingehend befaßt. Seine Randbemerkung: „das allerwichtigste Kapitel".

    Ebda., S. 991.

    Ebda., S. 210.

    Vgl. Werner Hahlweg, Clausewitz und die Gegenwart, in: Schicksalsfragen der Gegenwart, 2. Bd., Tübingen 1957, S. 191 ff.

    Otto von Bismarck, Gedanken und Erinnerungen, Stuttgart u. Berlin 1928, S. 408.

    So E. Schütte, Carl von Clausewitz, a. a. O., S. 103 (Fn. 3).

    Vgl. Otto von Moser, Das militärisch und politisch Wichtigste vom Weltkriege, Stuttgart 1926, S. 28.

    General (Erich) Ludendorff, Der totale Krieg, München 1935, S. 10.

    Vgl. Hans Meier-Welcker, Seeckt, Frankfurt/M. 1967, S. 180 u. 592 f.

    Zit. bei Jehuda L. Wallach, Das Dogma der Vernichtungsschlacht, Frankfurt/M. 1967, S. 348. Vgl. Hans von Seeckt, Gedanken eines Soldaten, Berlin 1929, S. 16 f.

    übernommen von Werner Hahlweg, Das Clausewitzbild, a. a. O., S. 78.

    C. v. Clausewitz, a. a. O., S. 210.

    Ludwig Beck, Studien, hrsg. von Hans Speidel, Stuttgart 1955, S. 251 f.

    Basil H. Liddell Hart, Jetzt dürfen sie reden. Hitlers Generale berichten, Stuttgart u. Hamburg 1950, S. 358.

    Joachim C. Fest, Hitler. Eine Biographie, Stuttgart 1973, S. 835.

    Eine Aufstellung der deutschen Ausgaben und der Übersetzungen des Buches „Vom Kriege" von 1832— 1969 findet sich in der zitierten Ausgabe C. v. Clausewitz, Vom Kriege, a. a. O„ S. 1270— 1275.

    W. I. Lenin, Clausewitz’Werk „Vom Kriege". Auszüge und Randglossen, Berlin (Ost) 1957.

    W. I. Lenin, a. a. O., S. 23.

    Vgl. W. Hahlweg, Carl von Clausewitz. Soldat — Politiker — Denker, a. a. O„ S. 99, und ders., Das Clausewitzbild, a. a. O„ S. 87 f.

    Raymond Aron, Penser .... 2. Bd., a. a. O., S. 68.

    W. Hahlweg, Das Clausewitzbild, a. a. O„ S. 40 f. Dort auch nähere Einzelheiten „im Sinne einer ersten Einführung".

    C. v. Clausewitz, a. a. O„ S. 616, 626.

    Ebda., S. 648.

    Ebda., S. 356 ff.

    So Lothar Ruehl in einem Vortrag vor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik am 17. Januar 1974 in Bonn.

    C. v. Clausewitz, a. a. O., S. 271.

    Näheres hierzu bei Hans-Jürgen Rautenberg, Der Krieg ist ein Teil. Das Ganze ist die Politik. Zur Nachwirkung von Clausewitz in marxistischen Kriegstheorien, in: Information für die Truppe, H. 5/1980, S. 80— 88.

    Vgl. hierzu Alexander Fischer, Christoph Bertram, Ulrich de Maiziere u. a., Politik, Strategie und Rüstung in der Sowjetunion. Wehrforschung aktuell, 7. Bd., München 1977. Vgl. ferner Günter Poser, Militärmacht Sowjetunion 1980. Daten — Tendenzen — Analyse, München, Wien 1980.

    Vgl. hierzu Detailuntersuchung von Werner Hahlweg, Preußische Reformzeit und revolutionärer Krieg, Beiheft 18 der Wehrwissenschaftlichen Rundschau, Berlin, Frankfurt/M. 1962.

    Vgl. Raymond Aron, Clausewitz et la guerre populaire, in: Defense nationale, 29. Jg., H. 1/1973, S. 3— 10.

    Mao Tse-tung, Theorie des Guerillakrieges oder Strategie der Dritten Welt, Reinbek bei Hamburg 1966. In dem einleitenden Essay untersucht Sebastian Haffner das Gemeinsame und das Trennende der Kriegsauffassung von Mao und Clausewitz (S. 14— 22).

    Vgl. Thomas M. Forster, Die NVA Kernstück der Landesverteidigung der DDR, 5. Aufl. Köln 1979, S. 284— 296.

    #guerre #théorie

  • Zohran Mamdani and the Contradiction of Democratic Socialism
    https://jacobin.com/2026/04/mamdani-dsa-democratic-socialism-capitalism

    À propos de la vérité dans le discour et les décisions politiques des socialistes ocvupant des postes de dirigeant dams les sociétés capitalistes

    27.4.2026 by Peter Frase - What happens when a DSA politician takes charge of the largest city in the United States? Zohran Mamdani’s early record is filled with successes, but also evidence of the contradictions between socialist politics and governing the capitalist state.

    As Zohran Mamdani passes one hundred days as the mayor of New York City, we are being offered numerous retrospectives of his early returns. Some will seek to grade his policy work and evaluate his success in enacting his agenda. Others will assess the state of his political alliances within government and without. The more ideological balance sheets will seek to match up his actions to his own rhetoric and that of the socialist movement that put him in office.

    Another way to view all these aspects is from the vantage point of the contradiction that Mayor Mamdani represents. That is, a contradiction in the properly dialectical Marxist sense: an antagonism that cannot be resolved without overcoming the larger system that gives rise to it, such as that between capital and labor. In this case, the contradiction is between Mamdani as a product of the Democratic Socialists of America (DSA), an organization at least nominally aiming to overturn the capitalist mode of production, and Mamdani as a politician attempting to operate the machinery of the capitalist state apparatus.

    Even before his victory, an intra-left battle line had been drawn between two different views on how to relate to a Mamdani administration. This division can be seen as a reflection of the contradiction just described. On one side are those who see the task of DSA as defending Mamdani’s policy agenda and building the base of popular support for it. On the other are those more concerned with calling out compromises or betrayals that separate the new mayor’s actions in power from the principles of a democratic socialist organization.

    This tension appears wherever socialist parties manage to elect their members to bourgeois governments and has historically often led to conflict between the “parliamentary party” and the mass membership base. DSA itself has already wrestled with the contradiction with respect to its other officials in various councils and legislatures. But the magnitude of the disputes have heightened now that a socialist holds executive rather than just legislative office in the country’s largest city, tasked not merely with passing laws but with managing the bureaucracy of government itself.

    Moreover, Mamdani, unlike some other prominent elected officials like Alexandria Ocasio-Cortez, is a true “DSA elected.” That is, he developed politically in substantial part through his organizing with DSA, was brought into the state assembly on a slate backed by its political leadership and volunteer power, and became mayor through a campaign that, while it eventually assembled a broad progressive coalition, was initiated and led by DSA.

    Outsiders often fail to understand the raucous internal culture of DSA, which is quite unlike most other major political institutions in American life. It is intensely democratic, with leadership, endorsements, and campaigns subject to the votes of and consultations with the full membership, which now numbers over one hundred thousand nationwide. And because the organization is funded almost entirely by its members’ dues, this democracy is truly meaningful and not subject to the veto of rich funders or a nonprofit board of directors. Moreover, DSA’s stated principles are so open-ended and broad that they can sustain an organization that attracts everyone from social democrats to communists and even anarchists.

    Thus it is important, and indeed inevitable, that DSA’s membership will debate the right balance between criticizing the mayor and acting as his foot soldiers. The resulting dispute, however, often has a rigid, sterile quality, with each side caricaturing the other and reducing themselves to caricature in turn.

    From one side you get the argument that criticizing our own elected officials is simply a disorganizing sectarianism. As the New York City DSA leader Álvaro López puts it, “we need to get away from a ‘holding them accountable’ framework toward a ‘building power’ framework.” Seemingly, in this conception, “building power” is conceived as creating a base of organizers who can win elections for left candidates and then continue organizing in the service of the electeds’ policy agenda.

    Opposed to López’s perspective are those who are suspicious of the corruptions of power and of the ease with which individual politicians can be co-opted. Within DSA, this tendency has manifested in periodic campaigns to censure or even expel figures like Jamaal Bowman and Alexandria Ocasio-Cortez for public acts that directly contradict the stated positions of the organization.

    We need to break through this repetitive debate by treating it as a true contradiction and work through the ways that this contradiction has played out in the mayor’s early term. Doing so will allow us to develop ideas about how DSA and the Mamdani administration can maintain a contradictory unity, operating independently while avoiding direct opposition.

    My approach to the Zohran-DSA contradiction is to view it through the lens of revolutionary honesty. It is Karl Marx and Friedrich Engels in the Communist Manifesto who proclaim that “the Communists disdain to conceal their views and aims. They openly declare that their ends can be attained only by the forcible overthrow of all existing social conditions.” To obfuscate or soften our positions for immediate advantage would be, in this view, a betrayal of the revolution.

    In a similar vein, socialists love to quote the Guinean socialist leader Amílcar Cabral, who told his party members in 1965: “Tell no lies. Expose lies whenever they are told. Mask no difficulties, mistakes, failures. Claim no easy victories.” It’s a compelling call to revolutionary honesty, to trusting the masses rather than thinking the difficult realities of revolution need to be hidden or sugarcoated.

    Naturally, on some level there will always be competing views on what the truth of any political situation actually is, which is why serious political debate is necessary. But in politics, there is a particular pressure to say things that we know aren’t quite true or do things that we know contradict our stated vision and objective. This is the kind of political falsehood I refer to.

    In that sense, truth-telling is an appealing dictum, particularly in contrast to the disingenuous character of so much politics. And so we might apply it directly to the situation we face now. Can DSA be honest? Can Zohran Mamdani? What are the conditions in which this becomes possible?

    It might be tempting to deploy the above quotes in a “holding accountable” manner, taking every opportunity to call out DSA electeds for soft-pedaling the true aims of the revolution. The problem with this, however, is that Amílcar Cabral was confronting a rather different situation than Zohran Mamdani, one that faced very different contradictions.

    As the leader of a revolutionary army and government, he could view the totality of his politics through a lens of revolutionary honesty. Zohran, if he wants to succeed as mayor, will at times find it necessary to tell lies and claim easy victories. The question is whether we, as socialists who ultimately want him to succeed, can defend our own ability to be politically principled and clear-eyed about strategic realities.

    By stepping into bourgeois elected office, and into responsibility for managing the largest city in the United States, Mamdani finds himself caught between two projects: that of managing capitalism and that of overturning it. That contradiction is structural, and it is not a property of either his policy agenda or his personal beliefs. The question is whether the movement that elected him will manage the contradiction or be torn apart by it.

    The Mamdani project (and DSA’s electoral project more generally) is predicated on the idea that it is possible for an elected socialist not merely to serve as a tribune of the Left but to govern effectively and deliver tangible improvements to the life of the city’s working class. This entails working with various political and economic actors on their own conventionally capitalist terms. That means balancing the budget, navigating the bond market, and facing down an antagonistic federal government, a centrist governor, and a council speaker hostile to much of the mayor’s agenda, among other things.

    But another, perhaps even greater obstacle emanates from within the city government itself. New York, like virtually all major US cities, has in essence two governments: the civilian bureaucracy overseen by the mayor, and the New York Police Department. As Stuart Schrader explains in his recently released Blue Power, police, through their unions, have “built a political movement that made cops untouchable,” able to “strong-arm local leaders and nullify attempts at public oversight.” And these police departments are reliable allies of the forces of urban capital, especially finance and real estate, which prefer them to the more democratically accountable parts of the state. It is to this particular struggle that we now turn.

    Mamdani’s relationship with the New York Police Department was always bound to be a central obstacle to the objectives of his administration. His choice to retain Jessica Tisch, daughter of a billionaire family, as police commissioner was perceived by many as an attempt to reassure ruling-class forces in NYC, and it provoked criticism from much of his base. But it can also be seen as his attempt to deal strategically with something of an impossible situation.

    While the cops nominally answer to the mayor, the reality is quite a bit more complicated. As in many big cities, the NYPD — with its 33,000 officers and $6.4 billion budget — represents an independent base of power, one that is in some ways more powerful than the mayor’s office itself. The bloated nature of urban police departments, alongside the neoliberal hollowing out of the civilian state, means that armed agents of the state are woven into the operation of society in all kinds of ways — not only in high-profile situations like mental health crises, where Mamdani has argued for replacing them with unarmed specialists, but even in mundane things like assisting stranded motorists, administering parades, and filling out paperwork after a burglary.

    That this is no way to run a healthy society doesn’t mean you can just rip the cops out of these processes all at once without creating disorder, and as a result they have the ability to undermine the livability of the city and therefore the legitimacy of the mayor. This is what happened during the mayoralty of Bill de Blasio, who provoked open revolt from the police — to the point that they even publicly threatened his daughter — even while failing to meaningfully reform them, and this should stand as a cautionary example. It is what makes their power so difficult to challenge, as calls to defund the police are easy to spin as a deepening of austerity rather than a redirection of government toward human needs.

    In light of all this, the identity of the police commissioner becomes a fraught matter. You could appoint Angela Davis to the position, and all that would result is a complete loss of whatever control you might have over the department; the best scenario at the outset of Mamdani’s regime was probably someone who could command the loyalty of the department without doing too much to actively undermine the mayor.

    There may have been better options than Tisch — journalist Spencer Ackerman, for example, suggested reaching into the ranks of South Asian officers, one section of cops who do broadly support Mamdani. But breaking the structural power of the NYPD is a long-term project that can’t be resolved by picking the right figurehead.

    Mamdani is surely aware of this dynamic, and his proposal for a Department of Community Safety can be understood as another road to defunding, as it would reassign tasks such as mental health crisis response to unarmed civilian employees. But “defund the police” didn’t fail just because it chose the wrong slogan. Even if police will sometimes claim to be eager to shed some of their non-core duties, as Mamdani regularly cites for rhetorical effect, left unsaid is that the cops don’t intend this to accompany a commensurate reduction in their budget and head count.

    Progress on the Department of Community Safety has been slow in the early going. Rather than the original proposal for a department with a billion-dollar budget, which would require city council legislation, he has opted for a smaller Office of Community Safety operating within the mayor’s office. This did not come about until March, even after the January police shooting of a young man having a mental health emergency, the very situation Mamdani had pledged to prevent.

    While it’s impossible to know what has happened behind the scenes, the scale and timing of the office’s rollout suggests the delicate balance of power not just with the city council but with Tisch and the NYPD leadership. Tisch did not attend the launch press conference and has been evasive about her support for the larger department proposal.

    She has also stalled another Mamdani promise: the disbanding of the NYPD’s Strategic Response Group, notorious for its violent responses to political protest. It was only on April 9, as his first one hundred days in office ended, that the mayor first broached the possibility of overruling the commissioner if the two could not come to an agreement on the issue. This again suggests a complex power struggle unfolding behind the scenes.

    Under such conditions, what does revolutionary honesty demand of us? In the simplest terms, we can simply continue to demand Mamdani’s original platform. But we can also go beyond it, to a more capacious form of abolitionism that envisions the sort of broad dismantling of carceral institutions that briefly came to prominence after the George Floyd rebellion of 2020. This shouldn’t take the form of simply demanding a maximalist program from Mamdani, since he is structurally unable to achieve it even if he wants to. But neither should we make a virtue of necessity and pretend that the compromises that must be struck with the Blue Power are anything but that.

    A second theme of the Mamdani mayoralty is its relationship to other politicians and branches of government. Many feared that the far-right Trump administration would extend its string of attacks on big cities to New York, whether by denying federal funds or by sending in an invasion of immigration enforcement raids in the manner of Los Angeles, Chicago, and Minneapolis. This has mostly been forestalled for now, whether because of Mamdani’s apparent ability to personally charm the president, the defeat of the regime on the streets of Minneapolis, or the distraction of the numerous crises into which the White House has recklessly plunged the country.

    Attention has thus focused on Mamdani’s dealings with politicians on the city and state levels. Most significant is his, and DSA’s, relationship to Governor Kathy Hochul. Hochul is a pro-corporate centrist and has habitually blocked the Left’s agenda in the state. In particular, she has opposed one of the mayor’s central proposals: raising taxes on the wealthy to close a budget gap and preserve public services. And yet after barely a month in office, and despite having a primary opponent to her left (he would later drop out), Mamdani endorsed Hochul for reelection.

    Strategically, the move is understandable; Hochul is very likely to win, and Mamdani needs her cooperation to raise taxes on the rich and fund his agenda. In an article in the Nation, he defended his move by speaking of Hochul as “someone willing to engage in an honest dialogue that leads to results” and the Democratic Party as a “big tent” that “channels conflict toward progress.” He called Hochul, a creature of the Democratic establishment that blocked progressive change for years, someone who “believe[s] in transformation.” To whatever extent these phrases have any content, they certainly seem jarring. Revolutionary honesty, it is not.

    There are also strategic critiques, of course, though these are difficult to adjudicate from the outside. Was the endorsement necessary? What, concretely, did Mamdani get from it? Can this move be credited for the governor’s tentative recent move toward taxing the rich, in the form of a limited tax on high-value second homes? There was also the peculiarity of his timing — many months before the primary election and in the midst of a nurses’ strike that Mamdani ostensibly supported and Hochul was attempting to break. But all of this is secondary to the basic incompatibility between the principles of a socialist politics and the substance of what Mamdani decided he was compelled to say.

    Mamdani’s move immediately posed a challenge for his socialist base, both in the form of his fellow elected officials and the rank-and-file base of the Democratic Socialists of America. And indeed, the response they showed is encouraging, as an example of the possibility of remaining honest even when one component of your political project feels structurally compelled to dishonesty.

    In the immediate aftermath of the endorsement, socialist State Senator Jabari Brisport made a statement that, while not naming Mamdani, was unmistakable in its target: Hochul, he said, was “by billionaires, for billionaires,” and “no politician will ever wield enough leverage to change that.” To underscore his point, he went on to declare “our movement is bigger than any one decision by any individual” and endorsed Hochul’s primary opponent, Antonio Delgado.

    NYC-DSA, for its part, was a bit more circumspect, but demonstrated independence in its own way. Its statement, presented as a direct response to Mamdani’s endorsement, does not criticize Mamdani directly, to the chagrin of some members. But it does say that the organization “does not believe that Governor Kathy Hochul has risen to meet this moment” and goes on to underscore that “Mayor Mamdani has been clear that the Governor must tax the rich” and that DSA “will work to make sure she meets that demand.” Even if a bit evasive about the meaning of the endorsement itself, this rhetoric at least establishes that the organization has priorities that are separable from and not dependent on the mayor.

    This positions DSA as a force that will fight for the substantive platform Mamdani ran on, and not as an army that the mayor can call into whatever battle he chooses. This is important, and indeed the relationship it discloses may be the key to the success of the entire socialist electoral project. It recalls the moment when Hochul, having belatedly endorsed Mamdani before the election, faced a rally crowd chanting “Tax the rich” during her speech.

    The chanting was a fleeting, cathartic thing, but it stands in for something more profound, something that Mamdani and all socialist politicians should welcome. It represents the autonomous reality of masses in motion, existing prior to and apart from elected leaders. That autonomy is ultimately the source of strength of the politicians themselves. It allows Mamdani to say to Hochul, “You see, this is what brought me here, and not only can you not control it, but I can’t control it either.” Genuine mass politics tells the truth and demands what its wants, and it is not subject to the strategic considerations of a politician within the bourgeois state.

    Alongside all these bigger struggles, there has of course been the steady stream of news coverage and social media chatter, reacting to various statements made or positions taken by Mamdani and those around him. This is where the question of honesty comes up in the most obvious way. Sometimes it’s the tabloid press trying to tie Mamdani to DSA positions that they expect to be unpopular. Other times it’s DSA members and other leftists expressing alarm at Mamdani for what they perceive to be excessive concessions to those right-wing critics, whether it’s his disavowal of the phrase “Globalize the intifada” or his occasional posts in praise of the NYPD.

    This is also an area where the contradiction between the needs of the movement and the exigencies of governing can play out in the most straightforward way. Maybe Mamdani won’t say “Globalize the intifada” (which he says he never did anyway), but we can. He may not be able to call the cops racist or call for a radical restructuring of the NYPD, even if he might agree on some level. But we can, and we must. Leave the cheerleading to the mayor’s office; we can continue to tell the truth.

    Nevertheless, DSA organizers will inevitably pore over Mamdani’s public statements, scrutinizing them to determine whether they reflect a political compromise or an actual shift in political objectives. In this instance, managing the contradiction requires some way of communicating across the divide, some semi-reliable signal of what the mayor is really up to. And so here it is worthwhile to look more closely at the internal relations between Zohran and DSA, rather than simply contrasting them.

    Thus far, I have mostly portrayed DSA and the Zohran apparatus (e.g., the mayor’s office and Our Time) as disconnected entities operating at arm’s length from one another. But this is obviously not the case. In addition to the plethora of DSA members employed by the mayor’s office, there are also formal mechanisms for coordination with the organization as a whole, in the form of regular meetings with the NYC chapter’s elected cochairs. This mirrors the system of Socialists in Office committees, which are intended to be mechanisms for cogovernance between representatives of DSA’s membership and its elected state and local legislators.

    Here is where the “inside” and “outside” of the fabled inside-outside strategy meet. And it is also here that the principle of revolutionary honesty meets the exigencies of operating within the state. Invariably, the delicate business of legislating or governing means that elected officials cannot be fully open about all the behind-the-scenes realities of politics, even with DSA members themselves — the organization, after all, is a remarkably permeable one, that anyone can join simply by putting their credit card details into a website. Thus, the best elected officials can do at times is to convene, for a frank discussion, a smaller group of trusted leaders, who must then exercise their own judgment about enlightening the broader membership.

    For those who fear that socialist electeds will inevitably pull DSA in the direction of liberal co-optation, it is here, in the metaphorical and literal meeting of the politicians and the masses, that the greatest danger lies. And it is not a concern we should ignore but one we should attend to closely. At the same time, if we are indeed going to attempt the experiment of twenty-first-century American electoral socialism at all, it is inevitable and necessary for some such mechanisms to exist.

    Earlier this month, NYC-DSA convened a forum with Alexandria Ocasio-Cortez as the chapter debated whether to re-endorse her for election to the House of Representatives. AOC had been a flash point in the organization for years, and one particularly sore point was her vote to fund Israel’s Iron Dome missile defense system. In the last cycle, though the chapter endorsed her, DSA’s national leadership split, leading to no national endorsement.

    This year, it seemed, might be a breaking point. As public opinion continues to turn against Israel, how is it tenable to have an elected official taking votes like these, particularly as it becomes clear that there is no real political calculation that justifies shying away from the correct position? Whatever one thinks of the compromises the relationship with AOC entails, DSA has continued to tell an obvious truth: the distinction between “defensive” and “offensive” weapons is meaningless in a situation where Israel is the aggressor against occupied Palestinians and its neighboring countries, and defensive missile shields enable it to wage endless war while being shielded from the consequences.

    At the forum, to the surprise of many, AOC announced that she now opposed any military aid to Israel, of any kind. While for some this was too little, too late, most factions across the DSA spectrum rushed to take credit and declare victory, and in some sense they all deserved to. By whatever combination of backroom pressure and public outrage, socialists had continued to tell the truth, and eventually Representative Ocasio-Cortez decided she could too. She was held accountable. Or we built power. Or both. Or perhaps, as AOC’s ambitions continue to evolve, and the broader liberal position shifts against Israel, neither is true.

    This is not meant as a call for all factions of DSA, or of the Left more broadly, to simply get along. It’s not even really a call to abandon debates over building power or holding electeds accountable. After all, if the Zohran mayoralty represents an objective contradiction that we cannot currently transcend, then that contradiction will inevitably be represented within DSA itself. That is one way of looking at the importance and function of our big tent, multitendency nature.

    A plea for revolutionary honesty is a call for us to be honest about the things we agree on, among ourselves and with the public. But there are important disagreements and unknowns that should be debated, and some deeper, more substantive kinds of analysis that should get more emphasis. I’ll suggest just one that bears directly on Mamdani and the rest of DSA’s elected officials.

    Ultimately, the fate of DSA’s audacious, precarious project of electoral socialism depends on the truth of its basic premise: that it is possible, in the current phase of capitalism, to build up a new kind of institutionalized social democracy to replace the broken Fordist one that sustained the twentieth century’s heavily unionized welfare states. For no matter the stated range of ideologies within DSA’s big tent, even the most revolutionary and least gradualist tendencies wouldn’t really have a reason to be there if they didn’t believe, on some level, that the project of twenty-first-century social democracy was viable for at least a little while.

    If it is, it’s not a regime that would look just like the high tide of the postwar welfare states. And likely not one that would last indefinitely, or transition smoothly into postcapitalism. At some point, there will either be a revolutionary rupture that takes power from the capitalist class for good, or the new social democracy will suffer the same fate as the old, beaten back by ruling-class counterrevolution.

    We need serious analysis of that question, an understanding of the ways the project can be stymied and redirected by the forces of capital. Perhaps we need to start building new kinds of institutions that can point beyond the popular state, such as the popular assemblies proposed by Bhaskar Sunkara and Gabriel Hetland. But in the meantime, we can still organize, tell the truth, and try to use whatever levers of state power we get our hands on to keep our promises to the working class.

    #socialisme #théorie_politique #philosophie #vérité #révolution #USA #socialisme_démocratique

  • Capitalism Had a Beginning and Will Someday End - Interview with Sven Beckert
    https://jacobin.com/2026/04/capitalism-history-coercion-europe-beckert

    2.4.2026 by Loren Balhorn - Historian Sven Beckert on where the capitalist system came from, what keeps it alive, and what it would take to bring it down.

    The past several decades have been turbulent ones for the world system: the financial crisis, the rise of new middle powers in the Global South, and the wars in Ukraine and Gaza, to name a few, have placed greater strain on the postwar order than at any other time in its history. Yet despite growing apprehension that said order may be on the verge of collapse, its economic foundation — namely, capitalism — remains remarkably sound. For the first time in human history, a single mode of production dominates the world almost without exception. No political force, not even the remaining party-states that embrace the “communist” label, offers a plausible alternative to market-based economics.

    But how did capitalism come into being, and what makes it such a uniquely dynamic — and thus tenacious — form of social and economic organization? This question has occupied scholars for two centuries, beginning with thinkers like Adam Smith and Karl Marx. Some, such as the American Marxist historian Robert Brenner, point to the transformation of property relations in England in the middle of the last millennium, while others like Jairus Banaji see the beginning of capitalism much earlier in human history — namely, with the emergence of commercial trade networks hundreds of years prior.

    Historian and Harvard University professor Sven Beckert recently published his own contribution to the debate, Capitalism: A Global History, in which he weaves together various strands of historical scholarship across more than 1,200 pages to craft a comprehensive and sweeping yet detailed narrative of capitalism’s rise to global dominance over the past thousand years. He spoke with Jacobin about his intellectual formation, how his own work fits into debates on the history of capitalism, and how — if at all — this notorious mode of production might one day disappear from the stage of history.

    Loren Balhorn

    As a historian, you’ve studied the emergence of capitalism a long time. Your last book, Empire of Cotton: A Global History, was also a history of capitalism in some ways, or at least specific aspects of it. What did you seek to accomplish with this new history of capitalism?

    Sven Beckert

    The motivation to write the book came partly from the academic response to my book on cotton production. One of the criticisms was that capitalism is more than a history of cotton, which is obviously true. Empire of Cotton puts forward quite a few arguments about capitalism, but the book naturally only covers a small part of its history — temporally, spatially, but also in terms of what the industrialization of cotton represents in the history of capitalism. There was, naturally, a lot more I wanted to say about capitalism.

    Beyond that, however, I noticed two things about how we talk about capitalism today. First, capitalism plays a very, very important role in political debates. There are many very strong arguments about capitalism, but the understanding of capitalism itself is often not particularly well developed — both on the Right and on the Left. My aim, therefore, was to write a history of capitalism from a historical perspective in order to enrich contemporary debates by gaining a better understanding of capitalism itself.

    Second, the project developed out of a critique of existing attempts to understand capitalism. A very prominent school of thought about capitalism is an ahistorical one that views capitalism as the quasinatural state of the world. Changes happen, of course — we produce more than we used to; we produce differently — but in principle, the capitalist logic is universal and has existed in all societies throughout history. The book fundamentally challenges this argument.

    Moreover, the history of capitalism is also still very much shaped by Eurocentric perspectives. My study of the history of cotton already made it clear to me that capitalism cannot be explained from a purely European perspective. This is especially true in the twenty-first century, when even the most superficial observation would lead one to conclude that it is impossible to understand the modern global economy without also taking into account other parts of the world beyond the European continent. Thus, it seemed important to me to analyze this in greater depth. A central argument of the book is that capitalism was born global, so to speak, and can only be understood from a global perspective at every moment in its history — even in its most Eurocentric moments.

    Loren Balhorn

    As a scholar, which intellectual traditions or schools of thought do you draw on? You mention Fernand Braudel in the book’s introduction. Would you consider yourself a student of the Annales School?

    Sven Beckert

    I find it difficult to define myself as a student of one particular school. Fernand Braudel’s work on the history of capitalism has perhaps influenced me more than the works of other historians or thinkers. My emphasis on the importance of merchant capital, trade — including with the non-European world — and the radical transformation of economic life by the capitalist revolution, yes, these are all ideas that can also be found in Braudel, even though my book is completely different from Braudel’s. The emphasis on the importance of the state in the history of capitalism is definitely also something I share with Braudel.

    But that’s only one of many works that have influenced me. Reflections on the history of capitalism are at least 200 or even 250 years old. There are important traditions in a wide variety of disciplines, from Adam Smith to Karl Marx to Rosa Luxemburg, which are also important for the book. In that sense, I’m influenced by a wide variety of sources. Last but not least, there are libraries full of very specialized works that often attract very little attention — but without them I could not have written Capitalism.

    The book is not about showing that Smith or Marx was right or wrong but rather about telling and analyzing the history of capitalism over the last five hundred years in order to better understand it — and, of course, to give us an opportunity to think about the world we live in today in a new and perhaps more creative way.

    Loren Balhorn

    You just mentioned the last five hundred years of capitalism, but the book itself refers to a “thousand years” of history. While reading, I was a little surprised that you start centuries before what most historians would consider the birth of capitalism.

    Sven Beckert

    That may be a misunderstanding. The second chapter of the book is called “Capitalists Without Capitalism.” The first chapters are not about arguing that capitalism originated in the eleventh or twelfth century but about two other things. First, they are about showing that there were other forms of economic life and that these followed a fundamentally different logic than that of capitalism. That allows us to see the radicalism of the capitalist revolution.

    The second thing is that I see the emergence of capitalism as a fundamentally historical process that cannot be precisely dated or localized on the world map. Many scholars are searching, in a sense, for the seed from which capitalism sprang: some find it in Florence, others in southern English agriculture. I believe that this is doomed to failure. Capitalism emerges as a globally networked process that unfolds slowly. In a sense, it is also an ongoing process that we can still observe today in certain regions of the world or in certain spheres of our lives. The capitalist logic is still in the process of emerging.

    Nevertheless, the emergence of capitalism is a historical question that to some extent should and can be located in time and space. To this end, I felt it was important to identify the actors who introduce this new, so differently structured logic into economic life. Here I agree with Braudel or Jairus Banaji that they can initially be found among owners of capital. Until well into the nineteenth century, these were largely people who organized long-distance trade or banking.

    When I look at the world in the first half of the second millennium, I find that even at that time there were a number of places where merchant communities organized their economic life according to a different logic than tributary rulers or subsistence farmers. These groups can be found in many different parts of the world, but they are concentrated in urban “islands of capital.” They often enter into relationships with noncapitalist agriculture and tributary rulers, which give them opportunities to further spread the logic of capital.

    This logic has existed for a long time, even before the first half of the second millennium, but it was marginal to the economic life of the world. The answer to the question of the emergence of capitalism is therefore when this logic spread and had a stronger influence on economic life. For me, this ultimately happened — and perhaps that is very traditional — at the end of the fifteenth and beginning of the sixteenth centuries, with the European expansion.

    Loren Balhorn

    That’s the point at which capitalist logic moved from the periphery to the center?

    Sven Beckert

    Exactly. This happens first and foremost in agriculture. Robert Brenner is right: capitalism first emerges in the countryside. This process can be found in different forms in different regions. It is problematic to say that the place where this transformation really matters is exclusively southern England. It’s problematic for two reasons: For one, even in these rural transformations we can see the importance of merchant capital. And second, this merchant capital is, of course, also directly involved in the expansion of production in the Caribbean and the Americas more broadly. The development of capitalism can therefore only be understood as a networked global process that cannot be grasped from a local perspective.

    It’s crucial to look at the Atlantic world here: because European capital owners were able to radically and rapidly change the logic of production in the Caribbean or on the West African islands, they had considerable capital at their disposal, which in turn enabled them to transform the much more conservative social structure of European agriculture, often against significant resistance from both elites and the peasants themselves. Therefore, my argument is that Europe changed not only from within but also from the outside in.

    Loren Balhorn

    Capitalism can only be understood as a global process, but nevertheless one in which violent conquest by the West played a central role?

    Sven Beckert

    Absolutely. One of my central arguments is that capitalism is not only based on contractual regulation of social and economic relations, or merely a realization of human freedom, but also relies heavily on extraeconomic coercion. This observation was not very popular in the neoliberal era, but when we look at the world today, it unfortunately confirms some of the arguments I make about the history of capitalism.

    The history of capitalism, at least in one of its important phases, is a history of violent conquest. Europe was central to this history. The book argues against a Eurocentric reading of the history of capitalism, or one that virtually ignores the rest of the world. But on the other hand, I am similarly skeptical of arguments that Europe should be marginalized. On the contrary, as you say, Europe played a very central role, especially from the end of the eighteenth century to the middle of the twentieth century, and that must also be reflected in our thinking about capitalism.

    But even in capitalism’s most Eurocentric moments — say, the mid-nineteenth century, when a great deal of attention must be paid to Europe — European developments can only be understood by embedding them in a more global history. Here again, cotton is a good example: we cannot understand the Industrial Revolution in England without understanding the transformation of agriculture in the Southern United States. The two belong together and must be explained together.

    Loren Balhorn

    In the chapters on the mid-nineteenth century, you provide vivid descriptions of how the upper class emerged in the metropolises and publicly displayed its newfound wealth and power. In your view, when did a coherent, conscious capitalist class as such come into being?

    Sven Beckert

    I’m glad you noticed the chapters on the nineteenth century. Often people notice the chapters on early history and then those on neoliberalism, but not everything in between. But I think some of the more original arguments in the book can be found precisely in the chapters on the history of the nineteenth century.

    One of the results of the capitalist revolution is the emergence of a class society, and indeed a specific type of class society. I call it “capitalist civilization.” Of course, this also means a self-aware bourgeoisie that understands itself as a class emerges. These social classes are a complicated issue at every point in the history of capitalism, because they are never completely uniform, neither culturally nor politically, and of course they have competing economic interests. This cannot be overemphasized. The same is true among workers: we can observe the emergence of a working class in the nineteenth century, but there are still many differences and conflicts within this working class. It is never a homogeneous social formation.

    In the first half of the nineteenth century, a society emerges in some parts of the world that is very much subject to this capitalist logic, but in a sense it is still surrounded by precapitalist forms of political power, social life, and labor organization. Tensions arose between the very dynamic capitalist-organized economy and these older traditions of political and labor organization, tensions that exploded in the mid-nineteenth century. This is the moment when the older forms of political rule or the older forms of labor mobilization, such as slavery, are marginalized. I refer to this in the book as the age of rebellions.

    Loren Balhorn

    Similarly central to both the upper class of the nineteenth century and earlier capital owners in your book is the patriarchal family, both for the transfer of property and for the social structure of the class itself. At the same time, we can observe contradictory tendencies toward the dissolution of family structures in capitalism. Given these tensions, could there be capitalism without the family?

    Sven Beckert

    Whether it would be possible in the future for capitalist civilization to do without the bourgeois family is a good question, but one that is difficult to answer. I would say there are reasons to assume that the family will continue to play a very important role. First, because the bourgeois family is central to the production of bourgeois culture and the creation of social connections and networks, which in turn are central to the constitution of the bourgeoisie but also to the organization of the capitalist economy itself. Of course, the family is also central because it allows for the transfer of accumulated capital, which is difficult to imagine conceptually without the family.

    But beyond that, as we know, the family is not only central to the bourgeoisie but also to the reproduction of the workforce and thus to production. Therefore, there are no examples of capitalism that are not based on an ideologically and socially important idea of the family, and I don’t think that this is fundamentally different today. At the beginning of the interview, you asked which authors have influenced me. One author who has definitely influenced me is Nancy Fraser, who explains why the nonmarket is so important for the constitution of the market and for the constitution of capitalism. I would agree with that 100 percent.

    Loren Balhorn

    There is a long-running debate among Marxists on precisely this question of the external or outside that capitalism must constantly incorporate. In your book, you describe the era of European colonialism, for example, as a kind of “war capitalism.” Given the rapidly escalating geopolitical tensions today, are we heading back toward such a period?

    Sven Beckert

    The nonmarket and coercion have played an important role at every point in the history of capitalism. I am somewhat skeptical of an interpretation that says: yes, there is a violent early history of capitalism, but it ultimately gives way in the nineteenth or twentieth century to a peaceful history of contract and human freedom. I would question this narrative.

    Of course, the way in which this violence is exercised and the forms it takes change. There is sometimes a tendency to lump everything together and say: okay, slavery is not really that different from what textile workers in Cambodia have to endure today. I disagree with that. It is important to see how these forms of coercion have changed throughout the history of capitalism.

    Today many observers are shocked and disoriented because they adhered to a narrative that assumed that this early history of capitalism had been permanently overcome and we had entered a completely different moment of capitalism. In the age of neoliberalism, the idea that contracts and markets could and should best structure all human relationships became, so to speak, a law of nature. Now we see that what some observers regarded as natural over the past fifty years was in fact only a particular moment in the history of capitalism. And to the surprise of almost all of them, we are returning to a moment in which the rhetoric, the issues, and even the politics of the late nineteenth century are suddenly reappearing in the present.

    From the perspective of the ideology of the last fifty years, this is surprising, but from the perspective of the long history of capitalism, it’s not surprising at all. In a way, one of the core arguments of the book is that capitalism has taken very different political forms in the past — but also very different forms of labor regimes, very different forms of territorial organization — and that these differences have always combined and recombined in new ways. They were sometimes relatively stable for long historical periods but never permanently.

    Now we are witnessing another moment in which these things are being recombined. In a way, it reminds us of the late nineteenth century or the beginning of the twentieth century. But history does not repeat itself. Europe is no longer at the center of the global economy — today the most dynamic capitalist economies are found in Asia. Thus, it is not a return to the nineteenth century, but rather certain themes and strategies are being revived, albeit in a different global configuration.

    Loren Balhorn

    In the epilogue, you refer to Erik Olin Wright’s concept of “real utopias,” islands of noncapitalist relations, and link them to your image of the early “islands of capital” that gradually spread as a possible way in which capitalism could one day end. But if we accept your argument that the state was a central factor in establishing capitalism, wouldn’t any noncapitalist logic also need such a relationship with the state?

    Sven Beckert

    That’s not in the book, but it’s an excellent point, and exactly right. Social democracy embodied that as well; it pursued precisely this strategy. No one can predict the future. I have only tried to make two arguments: first, that capitalism is historical. Some years ago, Immanuel Wallerstein attempted to date the end of capitalism. I was even there when he did so. I don’t have that kind of confidence. That said, everything that has a beginning also has an end.

    When I reread Erik Olin Wright, I was amazed to see — I had completely forgotten — that there is a certain parallel between his arguments and my argument about the emergence of capitalism. This is purely speculation, but perhaps there is something in this history of “islands” that is useful for our thinking about the future.

    Loren Balhorn

    Perhaps one key difference between today’s capitalist civilization and historical capitalism is the absence of a powerful adversary in the form of the workers’ movement. The rise and fall of the movement that once contested capitalism in the heart of Europe also plays a major role in your book. Do you now view it as an inevitable historical phenomenon that emerged from a specific moment in history?

    Sven Beckert

    The workers’ movement that shaped the twentieth century in Western Europe and North America is, I believe — and perhaps this is a depressing lesson of history — also historical. It is very strongly tied to the moment of its emergence — a moment that not only rested on heavy industry and male industrial workers but also a moment in the history of capitalism when the nation-state played an extremely important role, and the trade unions and social democratic and socialist parties focused on that very nation-state.

    In a sense, capital freed itself from that nation-state in the late twentieth century, while trade unions and social democratic and socialist parties remained rooted in it. Of course, this was not only due to strategic miscalculation but also because it represented a source of real power. It is therefore not particularly surprising that these institutions continued to cling to the source of their power.

    A central theme of the book is to show that capitalism has changed significantly throughout its history. It has not only changed as a result of the logic of capital itself, or because entrepreneurs suddenly saw other preferences, interests, or profit opportunities, but also due to the collective and individual resistance of social movements that altered central aspects of capitalism. I discuss in detail the slave rebellions in the Caribbean, which brought an end to an essential component of eighteenth- and nineteenth-century capitalism, namely plantation slavery. The other example is the labor movement of the late nineteenth and twentieth centuries that we just discussed.

    Therefore, if I extrapolate this historical lesson into the future, I would assume that social movements of varied kinds will continue to play a crucial role. However, it is difficult to predict exactly what form they will take. Nevertheless, it is certainly a productive question worth thinking about.

    #capitalusme #économie #théorie_politique

  • Système monétaire, Etats-Unis, France. Une discussion avec le collectif Réalité. – Sortir du capitalisme
    https://sortirducapitalisme.fr/emissions/systeme-monetaire-etats-unis-france-une-discussion-avec-le-colle

    Pour cet épisode, nous avons reçu Andrée, Kolia et Luca du collectif Réalité pour une discussion sur le capitalisme contemporain, et notamment son architecture monétaire, la place occupée par les Etats-Unis et la Chine, et les spécificités du capitalisme français.

    En détails, l’épisode contient :

    une introduction qui revient sur le collectif et ses motivations initiales, notamment ses motifs d’insatisfaction face à une théorie critique qui se situe souvent à des niveaux élevés d’abstraction sans médiations intermédiaires avec la réalité concrète

    une discussion autour du système monétaire international (14′), qui aborde entre autres le rôle des monnaies nationales – fortes ou faibles – et leur relation avec la notion d’impérialisme (16′) ; la place particulière et évolutive des Etats Unis (22′) qui aboutit à l’heure actuelle à un « non système monétaire » (31′) remis en cause par des conseillers économiques de Donald Trump tels que Stephen Miran (34′)

    une discussion autour d’une formation sociale nationale spécifique (45′), la France, avec un résumé à grands traits de l’histoire du capitalisme français et ses caractéristiques principales (47′), et ses conséquences pour les luttes actuelles et leur traduction dans une forme particulière de réformisme politique (56′)

    en conclusion, une présentation des thématiques qui seront abordées par le collectif Réalité dans de futurs articles (1h05)

    #audio #marxisme #théorie_critique #impérialisme #monnaie #capitalisme_français

  • Théorie Communiste N° 28 est sur les rotatives
    https://dndf.org/theorie-communiste-n-28-est-sur-les-rotatives

    L’appréhension de la situation actuelle interroge fortement la nature et la validité de la production théorique. Une production théorique est d’autant plus rigoureuse qu’elle est ouverte, et soumise à des aléas et réfutable (ou, selon cet anglicisme, falsifiable). La théorie ne peut être une science de par l’identité entre son sujet et son objet, mais elle ne peut se contenter d’avoir pour base le subjectivisme d’un « point de vue de classe », en ce que la conscience de soi du prolétariat ne peut être immédiate, étant pour être conscience de soi, connaissance de la société par la médiation de la contradiction avec la classe antagonique. Dans la mesure où le capital subsume le rapport contradictoire et le fait sien, il n’en est pas de même pour la conscience de soi de la classe capitaliste qui demeure une conscience de soi, c’est-à-dire (sous réserves de nombreuses autres déterminations) une idéologie hégémonique définissant les termes dans lesquels sont formulées les oppositions à elle.

    #communisation #communisme #théorie

  • et puisqu’on est dans les rappels : un p’tit Fernandel de 1939, un peu oublié
    Faut pas Francine, ecouter des racontars - YouTube
    https://www.youtube.com/watch?v=LnkHmfPv3Lg

    à l’époque les médias, c’était la radio
    les #fake_news, c’étaient, au choix : potins, ragots, cancans, racontars, bobards, …

    Contrairement à ce que laisse entendre la jaquette du disque, la chanson (compositeurs : Albert Willemetz et Casimir Oberfield – oui, Paris sera toujours Paris, mais aussiFélicie) est plutôt de 1939, car Ferdonnet est toujours à Stuttgart et non pas à Radio Paris ( Radio Paris ment, Radio Paris est allemand )

    Ici, site pour les enseignants, il est indiqué diffusion : 15/09/1939 mais l’url dit création 1940.
    https://enseignants.lumni.fr/fiche-media/00000000279/faut-pas-francine-ecouter-les-racontars-creation-1940.html

    • les paroles, ici

      Méfie toi ma Francine
      De tous les potins du quartier
      Des ragots d’la voisine
      Des cancans du laitier
      Par dessus tout ma belle
      Ne va pas t’alarmer
      De chaque fausse nouvelle
      Des gens bien informés...

      Faut pas, faut pas Francine
      Écouter les racontars
      Des badauds par trop bavards
      Faut pas, faut pas Francine
      Te laisser embobiner par les bobards
      Ne crois pas qu’Hitler soit mal avec Staline
      Et qu’les boches aient bombardé Madagascar
      Faut pas, faut pas Francine
      Te laisser dégonfler par les âneries des canards

      Méfie toi j’t’l demande
      La TSF a des dangers de la sale propagande
      Des speakers étrangers
      Si parfois tu dégotes
      Stuttgart à la Radio
      Dis toi qu’tu s’rais idiote
      D’en croire un traître mot

      Faut pas, faut pas Francine
      Écouter les racontars
      Du salopard de Stuttgart
      Faut pas, faut pas Francine
      Te laisser embobiner par ces bobards
      Quand je pense qu’il veut faire croire
      Quand il jaspine
      Que c’est un bon français
      De Barbès-Rochechouard
      Faut pas, faut pas Francine
      Te laisser dégonfler par ces discours là !

      Le Führer d’une voix tendre
      Nous redit chaque samedi
      Je ne veux plus rien prendre
      Maintenant que j’ai tout r’pris
      J’adore l’Angleterre
      J’adore les Français
      Pourquoi me faire la guerre
      Quand j’veux qu’on m’fiche la paix !

      Faut pas, faut pas Francine
      Écouter les racontars
      Du plus barbant des barbares
      Faut pas, faut pas Francine
      Te laisser embobiner par ses bobards
      S’il prend pour nous désarmer sa voix câline
      C’est pour mieux nous tomber d’ssus un peu plus tard
      Faut pas, faut pas Francine
      Te laisser dégonfler par ces propos d’paix

      Faut pas, faut pas Francine
      Te laisser dégonfler par ces propos d’paix, Si ! Na !

      http://www.musiques-regenerees.fr/GhettosCamps/Camps/OberfeldCasimir/FautPasFrancine.html

      dans une partie non répertoriée dans la page d’accueil du site Mes musiques régénérées, consacré à la Jewish Music (y compris, musique des camps)
      http://www.musiques-regenerees.fr

    • #propagande #désinformation #théories_du_complot

      https://fr.wikipedia.org/wiki/Cinqui%C3%A8me_colonne

      Dès la déclaration de guerre et pendant la drôle de guerre, un climat d’« espionnite » existe en France, avec de nombreuses catégories de personnes considérées comme suspectes. C’est le cas des journalistes qu’on éloigne des implantations militaires, des étrangers, des membres de partis de gauche, des syndicalistes et des enseignants, qui sont systématiquement soupçonnés par les services du Contrôle et de surveillance du territoire du ministère de l’Intérieur (CGST) et par le Bureau de centralisation du renseignement (BCR) du ministère de la Défense et les 2e bureaux de l’Armée.

    • À manquer de destructivité la tiédeur de ces jours de novembre passe difficilement pour catastrophique (contrairement aux sécheresses et événements climatiques paroxystiques divers qui se multiplient). 29°5 ici mi-novembre, c’est fou, mais en effet ça reste doux. Un signe du désastre parmi les moins douloureux. Alors que la catastrophe est par essence brutale.

      En revanche, quelque temps qu’il fasse, on pourrait se risquer à réhabiliter non pas une théorie des climats mais une théorie du climat : sa crise et son réchauffement expliqueraient la brutalisation mondiale de l’ambiance. La catastrophe deux fois là.

      #climat #théorie_du_climat #catastrophe

    • Ce soir, 80km/h, le vent fuse, s’infiltre, s’insinue, tournoie et rend fou dit-on. Est-ce le vent ou bien la grille du château est mal fermée ?

    • Par contre, les moustiques tigres et les frelons asiatiques semblent carrément prendre leur pied grâce à cette « douceur catastrophique ». Sinon, côté végétation, je demande à voir quelle gueule feront les arbres au « printemps » prochain ...

  • De la #Pensée, de la #Théorie_critique, et de l’agir
    https://ecologiesocialeetcommunalisme.org/2025/11/05/de-la-pensee-de-la-theorie-critique-et-de-lagir

    Notre objet est ici, à travers les réflexions d’auteurs et de penseurs de toutes origines et de toutes époques, mais aussi de gens qui furent directement engagés dans l’action – ce furent parfois les mêmes, on l’oublie vite – d’apporter quelques éclaircissements au très ancien conflit consistant à envisager comme antinomiques la pensée, la théorie, […] L’article De la pensée, de la théorie critique, et de l’agir est apparu en premier sur Atelier d’Écologie Sociale et Communalisme.

    #Regards_sur_notre_monde #Agir #Praxis #Transgression

  • Critique de l’urbanisme et politiques de la domination
    https://ecologiesocialeetcommunalisme.org/2025/11/02/critique-de-lurbanisme-et-politiques-de-la-domination

    Depuis toujours, la cité fut terrain d’affrontement historique et stratégique entre dominants et ceux qui voulaient qu’elle soit espace de liberté et de rencontre, de dialogue et de démocratie directe. Ainsi, il fallut malgré tout près de 150 ans à la domination marchande pour, par exemple, assassiner Paris ; réduire cette splendide place forte de […] L’article Critique de l’urbanisme et politiques de la domination est apparu en premier sur Atelier d’Écologie Sociale et Communalisme.

    #Orientation_bibliographique #Dominations #Gentrification #Politiques_de_la_dolination #Théorie_critique_du_capitalisme #Ubanisme

  • Critique de l’urbanisme et politiques de la domination
    https://ecologiesocialeetcommunalisme.org/2025/10/30/critique-de-lurbanisme-et-politiques-de-la-domination

    Depuis toujours, la cité fut terrain d’affrontement historique et stratégique entre dominants et ceux qui voulaient qu’elle soit espace de liberté et de rencontre, de dialogue et de démocratie directe. Ainsi, il fallut malgré tout près de 150 ans à la domination marchande pour, par exemple, assassiner Paris ; réduire cette splendide place forte de […] L’article Critique de l’urbanisme et politiques de la domination est apparu en premier sur Atelier d’Écologie Sociale et Communalisme.

    #Orientation_bibliographique #Cité #Dominations #Gentrification #Surveillance #Théorie_critique_du_capitalisme #Ubanisation

    • Pierre-Félix Guattari ne se laisse guère occuper par les problèmes de l’unité d’un moi. Le moi fait plutôt partie de ces choses qu’il faut dissoudre, sous l’assaut conjugué des forces politiques et analytiques. Le mot de Guattari, « nous sommes tous des groupuscules », marque bien la recherche d’une nouvelle subjectivité, subjectivité de groupe, qui ne se laisse pas enfermer dans un tout forcément prompt à reconstituer un moi, ou pire encore un surmoi, mais s’étend sur plusieurs groupes à la fois, divisibles, multipliables, communicants et toujours révocables.

      https://www.persee.fr/doc/chime_0986-6035_1994_num_23_1_1169

      Pierre-Félix - Trois problèmes de groupe, Gille Deleuze, 1994.

      #moi #identité #subjectivité

  • De l’idéalisme allemand, Daniel Blanchard
    https://blog.tempscritiques.net/archives/5297

    Cet exposé me confirme dans l’idée que cette “critique de la valeur” constitue un avatar de la pensée idéaliste – allemande ? Écartez de votre réflexion l’histoire, les sociétés et les humains concrets qui les habitent et vous pouvez vous construire une théorie limpide et rigoureuse. L’histoire est remplacée par une contagion virale de la valeur qui atteint progressivement presque tous les aspects de la vie sociale ; presque, parce qu’il faut bien qu’elle laisse en dehors de son emprise un résidu d’activités et de relations qui assurent la survie du système : c’est à cela que se réduit ce qu’on peut appeler la société ; quant aux humains, ce sont des supports passifs et neutres sur lesquels vient se fixer la valeur.

    Mais il me semble qu’au principe de cette approche radicalement réductrice se trouve une distorsion d’un aspect du marxisme que ces théoriciens de la valeur jugent eux-mêmes central, la distinction entre travail concret et travail abstrait – distinction que Jappe définit très clairement dans son texte, je n’y reviens pas. Mais où est donc passé le travail concret ? Apparemment, il n’en est plus question. Or c’est dans le travail concret que se noue la relation dialectique entre le travailleur et la matière – fût-elle “immatérielle” -, c’est dans le rapport entre travail concret et travail abstrait que les participants au processus productif entrent en rapports de conflit, de solidarité, d’auto-organisation, etc, c’est dans le processus même d’abstraction du travail – c’est-à-dire de la détermination du contenu abstrait (durée, intensité, prix…) de la force concrète de travail que le capitaliste achète – que s’engendre la lutte de classe. Mais pour ces théoriciens, la lutte de classe n’est qu’un sous-produit “exotérique” du marxisme, qui a donné naissance à cette merde qu’est “le marxisme du mouvement ouvrier”, mouvement ouvrier qui s’est révélé n’être lui-même qu’un mécanisme de régulation interne au capital… Pas question, évidemment, que ce mouvement ouvrier ait créé à certains moments des idées, des formes d’organisation, des valeurs…, en rupture radicale avec le capital, la valeur, la “forme marchandise”, etc. Vous avez dit “création” ? Vous délirez : l’histoire se résume dans le déploiement d’une “forme”…

    Jappe ne fait qu’une brève allusion à l’atrophie du rôle du travail humain dans le processus de valorisation de la valeur – thème de tant de nos discussions avec J. W. Mais il est certain que cet aspect de la théorie critique de la valeur trahit une méconnaissance ‘critique’ des processus réels de travail. Quiconque les a observés de près a relevé l’écart séparant ce que S ou B appelait l’organisation formelle de la production de la réalité du travail, écart qu’il incombe à la base de combler. Dejours dans son bouquin “Souffrance en France” place lui aussi ce constat au centre de ses analyses sur la “souffrance” au travail. Autrement dit, automatisation ou pas, il y a toujours un moment du processus productif où l’intervention humaine est cruciale – sinon, ça s’arrête (c’est ce qui se passe dans la “grève du zèle”).

    Je souligne ce point parce qu’il est révélateur de la réduction par l’abstraction qui seule permet l’édification de cette théorie. Or cette abstraction est la démarche même par laquelle le capitalisme s’efforce d’imposer sa représentation mécaniste, automatique, donc irresponsable (sans sujets) de la société (le marché auto-régulateur) et des rapports entre ses “agents”. Jappe lui aussi, comme les théoriciens libéraux, et c’est curieux qu’il ne s’en aperçoive pas, écarte, dans une parenthèse, toute responsabilité d’un “méga-sujet” que serait la classe capitaliste. Evidemment, le terme auquel ne peut qu’aboutir cette corruption de toute, ou presque, la réalité par la valeur c’est l’inévitable catastrophe – mais hélas, le marxisme de la lutte de classe n’est même plus là pour la retourner – miraculeusement – en révolution.

    #histoire #École_critique_de_la_valeur #Anselm_Jappe #travail_concret #abstraction

    • Mais où est donc passé le travail concret ? Apparemment, il n’en est plus question.

      À la source :
      https://shs.cairn.info/revue-du-mauss-2009-2-page-96

      Le travail, au sens moderne, a une double nature : il est, en même temps, travail concret et travail abstrait (qui, chez Marx, n’a rien à voir avec un « travail immatériel »). Ce ne sont pas deux types différents de travail, mais deux côtés du même travail. Ce qui crée le lien social dans le capitalisme n’est pas la variété infinie des travaux concrets, mais le travail dans sa qualité d’être un travail abstrait, toujours égal et soumis au mécanisme fétichiste de son accroissement, qui est sa seule finalité. Dans ces conditions, la socialisation ne se crée que post festum, comme conséquence de l’échange d’unités de valeur, et non comme sa présupposition. Là où la production est organisée autour du travail abstrait, on peut donc dire que le lien social se constitue d’une manière déjà aliénée, dérobée au contrôle humain, tandis que dans les autres sociétés le travail est subordonné à un lien social établi d’une manière différente. La « synthèse sociale » existe donc sous deux formes principales et opposées : soit à travers l’échange de dons – où la production d’un lien entre personnes est le but – soit à travers l’échange d’équivalents, où la production d’un lien n’est que la conséquence presque accidentelle de la rencontre entre producteurs isolés sur un marché anonyme.

      […]

      La valeur décrite par Marx est loin d’être une simple catégorie « économique ». La rupture radicale de Marx par rapport aux fondateurs de l’économie bourgeoise, Smith et Ricardo, consistait dans le fait de ne plus considérer la représentation du travail dans une « valeur » comme quelque chose de neutre, de naturel et d’innocent. Ce n’est pas le côté concret d’un travail qui se représente dans la valeur, et donc dans une quantité d’argent, mais son côté abstrait – la simple durée de son exécution. C’est le travail abstrait qui détermine la valeur d’une marchandise. Ce n’est pas l’utilité ou la beauté de la table qui en constitue la valeur, mais le temps employé pour la produire, ainsi que ses composants. Le travail abstrait est par définition indifférent à tout contenu et ne connaît que la quantité et son augmentation. Subordonner la vie des individus et de l’humanité entière aux mécanismes de cette accumulation, sans même en avoir conscience : voilà le « fétichisme de la marchandise » dont parle Marx. Ce « fétichisme » est loin d’être une simple mystification, un voile, comme on le croit souvent. Il faut l’entendre vraiment dans sa dimension anthropologique, à laquelle renvoie l’origine du mot : la projection de la puissance collective dans des fétiches que l’homme a créés lui-même, mais dont il croit dépendre. La marchandise est dans un sens tout à fait objectif – et pas seulement psychologique – le totem autour duquel les habitants de la société moderne ont organisé leur vie.

      Cette autonomisation de la valeur, et donc de la raison économique, n’existe que dans la société capitaliste.

      Et aussi :
      https://www.palim-psao.fr/article-le-travail-est-une-categorie-capitaliste-114860222.html

      Le « travail » est lui-même un phénomène historique. Au sens strict, il n’existe que là où existent le travail abstrait et la valeur [dans la formation sociale capitaliste qui naît à partir du XIVème et XVème siècles]. Non seulement au niveau logique, mais aussi par rapport au travail, « concret » et « abstrait » sont des expressions qui renvoient l’une à l’autre et qui ne peuvent pas exister indépendamment l’une de l’autre. Il est donc très important de souligner que notre critique touche le concept de « travail » en tant que tel, pas seulement le « travail abstrait ». On ne peut pas simplement opposer entre eux le travail abstrait et le travail concret, et encore moins comme étant le « mal » et le « bien ». Le concept de travail concret est lui-même une abstraction, parce qu’on y sépare, dans l’espace et dans le temps, une certaine forme d’activité du champ entier des activités humaines : la consommation, le jeu et l’amusement, le rituel, la participation aux affaires communes, etc. Un homme de l’époque précapitaliste n’aurait jamais idée de placer au même niveau de l’être, en tant que « travail » humain, la fabrication d’un pain, l’exécution d’un morceau de musique, la direction d’une campagne militaire, la découverte d’une figure géométrique et la préparation d’un repas.

      […]

      l’idée de devoir « libérer » le travail de ses chaînes a comporté logiquement de considérer le travail « concret » comme le « pôle positif » qui dans la société capitaliste est violé par le travail abstrait. Mais le travail concret n’existe dans cette société que comme porteur, comme base du travail abstrait, et non comme son contraire. Le concept de « travail concret » est également une fiction : il n’existe réellement qu’une multitude d’activités concrètes. Le même discours est vrai en ce qui concerne la valeur d’usage : elle est liée à la valeur comme un pôle magnétique à l’autre. Elle ne pourrait pas subsister seule ; elle ne représente donc pas le côté « bon », ou « naturel », de la marchandise, qu’on pourrait opposer au côté « mauvais », abstrait, artificiel, extérieur. Ces deux côtés sont liés l’un à l’autre de la même manière que, par exemple, le sont le capital et le travail salarié, et ils ne peuvent disparaître qu’ensemble.

      #critique #critique_de_la_valeur #wertkritik #revue_du_MAUSS #théorie_du_don

  • Wladimir Iljitsch Lenin - Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus
    http://www.mlwerke.de/le/le22/le22_189.htm
    archivé sous
    https://web.archive.org/web/20231227010920/http://www.mlwerke.de/le/le22/le22_189.htm

    C’est toujours le texte qui sert de point de départ et de référence pour toute réflexion utile sur les relations internationales. L’utilisation du terme impérialisme est souvent dépourvu de précision et ne sert qu’à dénoncer un adversaire, par exemple quand il est appliqué à la Chine ou l’URSS.

    Gemeinverständlicher Abriß

    Geschrieben Januar-Juni 1916.
    Zuerst veröffentlicht Mitte 1917 als Broschüre in Petrograd vom Verlag „Shisn i Snanije“; das Vorwort zur französischen und deutschen Ausgabe 1921 in der Zeitschrift „Kommunistitscheski Internazional“ Nr. 18.
    Nach dem Manuskript, verglichen mit dem Text der Broschüre; das Vorwort zur französischen und deutschen Ausgabe nach der Zeitschrift.

    Vorwort
    Vorwort zur französischen und deutschen Ausgabe
    Vorbemerkung

    Konzentration der Produktion und Monopole
    Die Banken und ihre neue Rolle
    Finanzkapital und Finanzoligarchie
    Der Kapitalexport
    Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände
    Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte
    Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus
    Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus
    Kritik des Imperialismus
    Der Platz des Imperialismus in der Geschichte

    #impérialisme #léninisme #Lénine #théorie_politique

  • François d’Assise en inventeur du capitalisme
    (c’est un peu ancien, mais réactivé à l’occasion de sa fête en discutant avec quelqu’un qui me la souhaitait)
    https://www.lejdd.fr/Chroniques/Francois-d-Assise-en-inventeur-du-capitalisme-82683

    Le sujet Pauvreté, marginalité, richesse : tels sont les débats qui, dès la fin du XIIe siècle, agitent les cités italiennes et, bientôt, les grands centres urbains de la chrétienté.

    Au cœur du Moyen Age naissent en Occident la question sociale et les théories économiques. Giacomo Todeschini le rappelle dès le début de sa Richesse franciscaine, l’un des essais les plus originaux de cette fin 2008.

    Depuis le XIe siècle, l’Europe, massivement rurale, connaît un début d’exode vers les villes. Une nouvelle urbanisation se développe. Elle ne ressemble à rien de connu et suscite une réflexion intellectuelle et politique inédite dont témoigne l’apparition des premières Universités et d’un personnage nouveau : le marchand voyageur. Celui-ci devient banquier avec l’invention de la lettre de change. L’Occident se trouve alors face à ce que nul n’avait « pensé » : la naissance d’une société de marché où se développe un autre « impensé », la finance. Voici une richesse créée non par un travail visible mais par le jeu de l’espace, du temps et des écritures. Ce dont s’angoissent les marchands eux-mêmes : tout cela est-il moral ?

    Ainsi François d’Assise rompt-il en 1206 avec sa famille marchande. Il choisit la pauvreté radicale sur le modèle de Jésus. Dès 1209 (on fête les huit cents ans l’an prochain) des compagnons s’organisent autour de lui. C’est l’ordre franciscain. Celui-ci repose sur la pauvreté volontaire, refusant les « bénéfices » qui assuraient la vie des monastères. François vit de la mendicité tout en prêchant dans les villes un peuple déraciné. On doit aux franciscains, soit dit en passant, la crèche de Noël.

    Mais on leur doit aussi bien davantage. Giacomo Todeschini suit la genèse d’une de leurs inventions révolutionnaires : celle de la théorie économique. Pour moraliser la richesse, il faut la comprendre. L’historien raconte comment les franciscains décrivirent la circulation de l’argent, la formation des prix, le contrat et les règles du marché.

    L’intérêt
    Critiquant la thèse simpliste selon laquelle la révolution capitaliste aurait été le propre de l’Europe protestante face à une Europe catholique attardée, Giacomo Todeschini montre la vitalité du débat au XIIIe siècle. Les « intellectuels » que sont alors les universitaires franciscains se fondent sur leur expérience de la pauvreté choisie pour opposer l’accumulation « vaine », immobile, des propriétaires fonciers (châtelains, nobles) à la richesse « utile » du capital mobile des marchands. Ce capital, à condition qu’il soit redistribué, contribue à la croissance du « bonheur citadin ». Les conséquences artistiques, culturelles et matérielles de ce choix seront considérables.

    Richesse franciscaine, de Giacomo Todeschini. Traduit de l’italien par Nathalie Gailius et Roberto Nigro, Verdier poche, 281 p., 13,80

    • Giacomo Todeschini, Richesse franciscaine , De la pauvreté volontaire à la société de marché. Trad. de l’italien par N. Gailius et R. Nigro. Verdier, 2008, 280 pages, 13,80 € | Cairn.info
      https://shs.cairn.info/revue-etudes-2009-4-page-XXXVI

      Voici le récit, bien écrit et documenté, de la genèse paradoxale de l’économie de marché à partir de la pauvreté radicale voulue par saint François d’Assise. Le titre est donc faux qui ne parle de richesse franciscaine que par antiphrase. Le sous-titre prête au contre-sens puisqu’il s’agit non pas de la société de marché anonyme d’aujourd’hui, mais de la communauté de marché, cet espace social où tous les partenaires se connaissent, assument les responsabilités de leur état, inspirent confiance, et où les « infidèles » sont tout simplement ceux à qui on ne peut pas se fier (les marginaux, les avares, les prodigues, les adeptes d’une autre religion). L’histoire commence au xi e siècle par la critique cistercienne des dépenses somptuaires improductives des clunisiens. Elle se poursuit par la réhabilitation des marchands qui fournissent à la communauté ce qu’elle ne produit pas elle-même ; c’est sur cette première vague d’urbanisation occidentale que surfe le mouvement franciscain : la proscription de toute propriété, l’interdiction de toucher à l’argent permet aux économistes franciscains de comprendre, par expérience, que la valeur n’est pas liée à la propriété mais aux besoins singuliers. Ce qui conduira les théologiens franciscains à justifier non seulement le commerce productif, mais encore les rentes d’Etat, et de créer les premiers Monts de piété. Cet ouvrage peut cependant induire en erreur : loin de canoniser les prix erratiques qui s’établissent sur les marchés, la réflexion franciscaine pointe très classiquement vers « l’évaluation commune » des marchandises, c’est-à-dire l’estimation qui offre les conditions d’une vie honnête à chacun des membres de la communauté.

    • Sur un sujet très proche, je viens de lire le très intéressant ouvrage de Mathieu Arnoux, Un monde sans ressources. Besoin et société eu Europe (XIe-XIVe siècles) chez Albin Michel (2021). Du reste il parle essentiellement de Paris, de l’Ile de France et de la Bourgogne, notamment par une description assez fascinante du modèle économique cistercien. Sa thèse est que ce monde sans ressources des XI-XIVe s. a néanmoins permis un essor démographique et économique sans précédent, notamment avec la croissance de Paris qui atteint 250-300.000 habitants à la veille de la Guerre de Cent ans. Il montre que cela est permis par une rationalisation remarquable de l’exploitation des ressources naturelles (notamment la production de blé, mais aussi les eaux puis l’air avec le développement de moulins de plus en plus performants).
      Pour autant, il montre que l’époque ne connait pas la notion de ressources telles qu’elle a été pensée depuis les Physiocrates au XVIIIe s. On parle et on discute alors de « besoins » notamment chez les Franciscains justement et la pauvreté qui implique la sobriété est le revers de cette productivité impressionnante du milieu naturel du bassin parisien. Mais il est clair que chez les Cisterciens s’inventent des logiques de productivité, qui marque selon lui une première dynamique industrielle européenne, impliquant une accumulation productive des richesses et préfigurant aussi une logique industrielle capitaliste.
      Un autre aspect très intéressant, qui constitue selon lui comme un premier acte de la révolution industrielle, est l’advenue de l’architecture gothique, dont l’originalité consiste notamment dans l’accélération de l’utilisation du fer (et du plomb), non seulement pour les vitraux mais aussi pour des broches et agrafes permettant à cette architecture de l’instabilité de rester debout (ce n’est pas uniquement une histoire d’arcs boutants). La puissance calorique nécessaire pour forger ces pièces métalliques reste alors dépendante du bois et du charbon de bois mais augmente fortement l’empreinte écologique urbaine, poussant ce monde vers la limite. Les catastrophes politique (Guerre de cent ans) et épidémiologique (peste de 1348) vont ralentir cet élan et le rétablissement, lent et entrecoupé d’acoups, jusqu’au XVIIIe s. entravera l’essor de la consommation des ressources.

  • L’IA, une machine à dégrader le travail | Mediapart
    https://www.mediapart.fr/journal/economie-et-social/010925/l-ia-une-machine-degrader-le-travail

    « La perspective défendue ici est une invitation à repolitiser la technologie », résume d’emblée Juan Sebastián Carbonell. Si la technologie est politique, c’est parce qu’elle n’est pas que le simple produit d’un « progrès » irréductible de la science. Elle est le fruit de choix sociaux qui sont, eux-mêmes, le produit d’une organisation sociale. En conséquence, il y a des gagnants et des perdants dans toute révolution technologique.
    Comment les technologies s’imposent

    Et cette répartition reproduit la structure de domination de la société. Si une technologie est présentée comme un « progrès » pour la « société », c’est qu’elle est, d’abord et avant tout un progrès pour la « société » telle qu’elle est, c’est-à-dire pour ceux qui dominent ladite société. Tous les autres arguments servent à couvrir cette réalité.

    « Une technologie ne s’impose pas inéluctablement parce qu’elle est plus “efficiente”, mais parce que des acteurs qui contrôlent les ressources économiques, considérant qu’elle correspond mieux à leurs intérêts, décident de lui donner réalité », résume l’auteur. Autrement dit, le changement technologique est toujours construit et il est toujours construit à dessein. C’est précisément ici que l’aspect politique est central.

    La question n’est plus la « disparition du travail », mais bien davantage une « dégradation du travail entre les mains des entreprises ».

    Les technologies en général, et l’IA en particulier, sont donc des phénomènes socialement construits. « Les voies du changement technologique sont multiples », rappelle l’auteur, qui décrit de façon très précise le mécanisme médiatique, économique et politique qui conduit l’IA à devenir incontournable.

    Des « attentes technologiques » se mettent alors en place, lancées par l’industrie et relayées par des médias. Ces attentes forgent un « rêve » et permettent de diriger les financements et les recherches dans un sens très précis. « Les prédictions de l’IA se réalisent, non pas parce que les prédictions sont vraies, mais parce que les bons acteurs se saisissent des bonnes promesses au bon moment », résume Juan Sebastián Carbonell.

    • Pour mémoire (la mienne surtout), un peu de « théorie »

      https://www.marxists.org/francais/marx/works/1867/Capital-inedit/kmcapI-6-2C.htm

      Un chapitre inédit du Capital
      Karl MARX

      Ces particularités du procès capitaliste de valorisation ne sont pas sans entraîner, dans le procès de production, certains changements de la forme réelle du capital, de sa forme de valeur d’usage. Premièrement, les moyens de production doivent être disponibles en une quantité assez grande pour absorber, non seulement le travail nécessaire, mais encore le surtravail. Deuxièmement, l’intensité et l’extension du procès de travail réel s’en trouvent modifiées.

      Les moyens de production utilisés par l’ouvrier sont certes la propriété du capitaliste et, comme nous l’avons déjà montré, ils s’opposent, en tant que capital, au travail, qui est l’expression même de la vie de l’ouvrier. Mais, il n’en reste pas moins que c’est l’ouvrier qui les utilise dans son travail. Dans le procès réel, il use des moyens de travail comme d’un support de son travail, et de l’objet du travail comme d’une matière dans laquelle son travail se manifeste. Ce faisant, il transforme les moyens de production en la forme appropriée du produit.

      Mais, tout change, lorsqu’on examine le procès de valorisation. Ici, ce n’est pas l’ouvrier qui utilise les moyens de production, mais les moyens de production qui utilisent l’ouvrier. Ce n’est pas le travail vivant qui se réalise dans le travail matériel comme en son organe objectif, mais le travail matériel qui se conserve et s’accroît, en absorbant du travail vivant, si bien qu’il devient valeur créant de la valeur, capital en mouvement.

      https://fr.wikipedia.org/wiki/Th%C3%A9orie_de_la_valeur_(marxisme)

      La théorie de la valeur est un concept marxiste d’analyse et de critique de l’économie. Karl Marx reprend partiellement l’idée de la valeur-travail développée par David Ricardo, mais la complète par une critique radicale (en utilisant la notion de travail abstrait) : la valeur d’un bien dépend de la quantité de travail direct et indirect nécessaire à sa fabrication. Marx utilisera le terme de « quantité de travail socialement nécessaire », la quantité de travail moyenne, changeante au fil du temps et qui explique les fluctuations des prix, une distinction fondamentale avec les théories de la valeur précédentes. Mais alors que Ricardo considère le travail comme une marchandise ordinaire[1], Marx juge impropre l’expression « valeur du travail », puisque le travail est à l’origine de toute valeur d’échange. Pour autant, Marx précise que « Le travail n’est pas la source de toute richesse. La nature est tout autant la source des valeurs d’usage (qui sont bien, tout de même, la richesse réelle !) que le travail, qui n’est lui-même que l’expression d’une force naturelle, la force de travail de l’homme »[2].

      Pour Marx, les salaires ne représentent pas la valeur du travail mais la location de la force de travail du salarié (Arbeitskraft). Il propose d’expliquer l’origine du profit de la façon suivante : de la valeur nouvellement créée, le salaire du travailleur ne représente que la part nécessaire à sa propre survie, le reste constituant la plus-value qui est empochée par les capitalistes.

      Egalement, selon l’économiste marxiste Isaak Roubine, la théorie de la valeur selon Marx doit être comprise en lien avec le concept de fétichisme de la marchandise : la « théorie du fétichisme est, per se, la base de tout le système économique de Marx, et en particulier de sa théorie de la valeur »[3].

      #théories_de_la_valeur #travail_mort #capitalisme #libéralisme #plus-value

  • La #migration est un #fait_social_total

    Parti pris · Omniprésente dans le paysage audiovisuel et les discours politiques, la question de l’immigration est sans conteste l’#obsession du #complexe_politico-médiatique français. Mais les deux visions principales qui s’affrontent – à #droite et à #gauche – pêchent considérablement par #distorsion et #omissions et peinent à embrasser la #dimension_globale de ce fait social.

    Si l’entrée de l’immigration dans le #débat_public fut progressive, on peut considérer comme un premier tournant les #agressions_racistes de #1973 et leur #médiatisation. En effet, le sujet va gagner en #visibilité à partir de ces événements et de leurs conséquences politiques, bien avant, comme on peut le lire parfois, la percée du #Front_national, au milieu des années 1980, et son affrontement avec les mouvements antiracistes.

    L’occasion est alors donnée aux immigrés de se présenter à la société française et de raconter leurs #conditions_de_travail et de vie. C’est aussi une opportunité, pour la société française, de débattre d’un sujet qui ne quittera plus les champs médiatique et politique, au point d’éclipser toutes les autres préoccupations citoyennes et même de les absorber, puisque le traitement qui en est fait suggère insidieusement sa responsabilité dans tous les #problèmes_sociaux.

    Si l’on peut penser que la surreprésentation de la question de l’immigration est imputable aux exigences et aux intérêts propres au secteur des médias, au vu de l’appétence de ces derniers pour les polémiques, on est bien en peine de justifier son #omniprésence dans le #discours_politique qui en a fait un #enjeu_électoral majeur. Cette évolution du #débat, en ampleur et en intensité, s’est accompagnée d’une #polarisation de plus en plus marquée et de la résurgence d’un #racisme_décomplexé, qui dénonce l’immigration comme un #poids pour le pays d’accueil et n’est contré que par une #rhétorique utilitariste qui associe immigration et #bénéfices_économiques.

    « #Grand_remplacement », « #invasion_migratoire » et « #submersion_migratoire »

    Porté par la droite et l’#extrême_droite, mais pas seulement, ce discours raciste développe l’idée que l’immigration représente non seulement une #charge_sociale, mais aussi une #menace_identitaire et sécuritaire pour les Français. Les immigrés sont ici présentés comme des individus #indésirables et en surnombre – on parle de « grand remplacement », d’« invasion migratoire » et de « submersion migratoire » – qui menaceraient la #sécurité et l’#identité nationales. L’argumentaire principal mobilisé pour défendre cette thèse est l’#incompatibilité des caractéristiques culturelles et religieuses des populations immigrées avec les valeurs de la #République, avec une focalisation sur l’#islam. Ce discours prône ouvertement l’arrêt des flux migratoires et même la possibilité du retour dans le pays d’origine. Sauf que…

    Lorsqu’il s’agissait de répondre à un besoin de #main-d’œuvre et d’abaisser les #coûts_du_travail, la droite, de connivence avec le #patronat, était favorable à l’immigration, notamment dans les années 1960, lorsque les constructeurs automobiles et les patrons des mines recrutaient massivement dans les pays du Maghreb. Ou encore au début des années 2000, lorsque le discours gouvernemental a fait de « l’#immigration_choisie » un leitmotiv. Aujourd’hui encore, cette pratique est maintenue et « protégée » parce que voulue par les élites économiques, bien que décriée sur les plateaux télévisés.

    De l’autre côté du spectre politique, l’argument utilitaire est mobilisé pour défendre les populations immigrées. Il est de plus en plus porté par la gauche, qui aime à rappeler la contribution des étrangers pendant la Grande Guerre et la Seconde Guerre mondiale ainsi que dans les #mines, les #usines et sur les grands #chantiers portés par le développement de l’#industrialisation, et qui souligne aujourd’hui le rôle des #médecins_étrangers dans le maintien du système de #santé_publique. Discours utilitariste donc (qui s’appuie sur les résultats de recherches en sciences économiques et en démographie conduites notamment par l’OCDE, la Banque mondiale et le FMI) mais qui est présenté comme humaniste par ses tenants, qui mettent en avant la #solidarité avec les immigrés et défendent une politique de #régularisation des #sans-papiers.

    Justifier le jeu du #capitalisme

    Ce discours est apprécié par la population concernée et il est souvent et naïvement repris par elle, puisqu’elle y trouve une justification à sa présence, au point de faire son totem de cette phrase qu’on entend souvent dans les bouches d’immigrés : « On travaille. » Mais la gauche dénie ici le fait que l’importation de populations étrangères dévalue les #classes_populaires (son principal électorat), qui se sont d’ailleurs progressivement détournées d’elle. En effet, valoriser la #participation des immigrés revient à justifier le jeu du capitalisme, qui utilise la #concurrence entre travailleurs et l’importation de main-d’œuvre pour casser les grèves, baisser les #salaires et ne pas améliorer les conditions de travail.

    Autrement dit, lorsqu’une partie de la gauche renonce à sa position historique sur la #régulation de l’immigration, elle protège ce que #Karl_Marx qualifie de « secret grâce auquel la classe capitaliste maintient son #pouvoir ». Elle devient dès lors ce que le sociologue #Ramón_Grosfoguel appelle une #gauche_impérialiste, dans le sens où « elle construit un #projet_politique où elle ne demande qu’à améliorer sa situation à l’intérieur des murs [frontières], à l’intérieur des espaces impérialistes, sans les remettre en cause, sans problématiser la #domination que ce #système-monde exerce sur les habitants à l’extérieur des murs [frontières]… Elle ne remet pas en question les #structures_de_pouvoir qui produisent le #pillage et l’#appauvrissement de la grande majorité de la population mondiale, qui vit juste à l’extérieur des murs et est soumise aux formes les plus despotiques, les plus appauvries et les plus violentes de l’accumulation du capital ». Pire, dans une démarche paternaliste, elle appelle à renforcer l’#aide_publique_au_développement au lieu de militer pour la #désimpérialisation.

    Dans les deux discours présentés ci-dessus, il y a des omissions et des distorsions si considérables qu’elles altèrent complètement l’appréhension du sujet de l’immigration. Il s’agit également de discours prisonniers de leurs points de vue et de leurs antagonismes réciproques, jusqu’à donner parfois l’impression qu’ils se définissent non pas en fonction des besoins de la réalité et des idées qu’ils défendent mais bien en réaction l’un à l’autre. À cela s’ajoute le fait que l’immigré est systématiquement abordé comme #objet et non comme #sujet, ce qui contribue à normaliser une #pensée_impérialiste qui ne participe qu’à stigmatiser les populations immigrées et à les dépouiller de leur #agentivité.

    Les trois quarts des migrations africaines sont intracontinentales

    Il s’agit d’un double phénomène : émigration-immigration. Toute étude ou tout discours qui ferait l’économie de l’un se condamnerait à l’incompréhension de l’autre, car l’un et l’autre sont les deux faces d’une même pièce. On comprend donc qu’une réflexion sur les conséquences de l’#immigration dans les pays d’arrivée doit nécessairement et impérativement s’accompagner d’une réflexion sur les #causes de l’#émigration dans les pays de départ.

    Une mise en perspective plus large permettra donc de montrer que les migrations ne concernent pas seulement les pays occidentaux – il s’agit d’un phénomène mondial –, voire qu’ils ne sont concernés que dans une moindre mesure, puisque les trois quarts des migrations africaines, par exemple, sont intracontinentales. Cela permettra également de jeter la lumière sur les problèmes réels ou supposés qui poussent des personnes du Sud à affluer en masse vers le Nord (pauvreté, conflits armés, accroissement démographique…), ainsi que sur les problèmes réels ou supposés qui poussent l’Occident à recruter des étrangers (déclin démographique, pénurie de main-d’œuvre, déserts médicaux…).

    Cette approche, qu’on pourrait qualifier de globale, est cruciale, parce qu’elle permet de démontrer combien une réflexion intramuros est vouée à l’échec, la seule manière de comprendre et de gérer la question migratoire étant d’établir un dialogue bilatéral, qui implique non seulement les pays d’émigration et les pays d’immigration mais aussi les populations migrantes et les sociétés d’accueil.

    L’immigration en #France est liée à l’#histoire_coloniale

    Il est aussi nécessaire de prendre en considération le rôle de l’histoire coloniale (esclavage, mobilisation militaire forcée et recrutement de travailleurs dans les colonies) dans la création des schémas migratoires ainsi que les rapports de force qui existent entre pays anciennement colonisateurs et pays anciennement colonisés. En effet, l’histoire de l’immigration en France est fondamentalement liée à l’histoire coloniale qui l’a créée, ce qui implique que, pour comprendre les migrations aujourd’hui volontaires, il est essentiel de revenir sur les #migrations_forcées dans les anciennes colonies, puisqu’elles ont des trajectoires identiques mais surtout qu’elles obéissent d’abord et avant tout aux besoins des pays occidentaux.

    Qualifiée comme telle – parce que c’est ce qu’on veut voir en elle, ce qu’on aimerait qu’elle soit et qu’elle le demeure –, l’#immigration_de_travail est une expression qui porte en elle un refus : regarder l’immigré autrement que comme un agent au service du capital, un corps au service des possédants. Or l’immigré est une personne, qui vient avec son histoire, sa religion, sa langue, sa façon d’être au monde, ses représentations et ses croyances, bref sa #culture. Il vient également avec ses besoins et ses aspirations : se marier, se perpétuer et vivre auprès de sa famille. Pourtant, et alors que, comme l’écrit le sociologue et non moins émigré-immigré #Sayad_Abdelmalek, « la chose était prévisible dès le premier acte d’immigration », tout semble se réaliser, du moins dans un premier temps, dans une logique du #provisoire.

    Ce sont là les #illusions qui accompagnent le phénomène migratoire, très bien expliquées par Abdelmalek Sayad. « L’image de l’émigration comme “#rotation” continuelle exerce sur chacun un fort pouvoir de séduction : la société d’accueil a la conviction de pouvoir disposer éternellement de #travailleurs […] sans avoir pour autant à payer (ou fort peu) en problèmes sociaux ; la société d’origine croit pouvoir se procurer de la sorte et indéfiniment les ressources monétaires dont elle a besoin, sans qu’il résulte pour elle la moindre altération ; les émigrés sont persuadés de s’acquitter de leurs obligations à l’égard de leur groupe […] sans avoir pour cela le sentiment de se renier. »

    L’illusion du provisoire

    C’est cette triple fonction des illusions qui maintient la notion de provisoire et lui donne une place centrale dans les #imaginaires de chacun, malgré sa mise en défaut par la réalité. C’est-à-dire, même après que le turnover a été révolu, que les séjours de travail se sont allongés jusqu’à devenir quasi permanents (transformant radicalement les rapports aux groupes d’appartenance et au #pays_natal), que les profils et les trajectoires migratoires se sont complexifiés, et que l’immigration de travail s’est transformée en #immigration_familiale, puis en #immigration_de_peuplement. La notion de provisoire est une consolation pour l’émigré face à sa désertion, pour la société d’origine face à sa désintégration et pour la société d’accueil dans son rêve de purification.

    La #délocalisation d’une partie de la société vers un autre pays, comme l’entretien de relations sociales et affectives entre ceux qui partent vivre à l’étranger et ceux qui restent dans le pays natal, semble créer une route qui grandit en même temps que la communauté d’expatriés. L’existence d’une solidarité intracommunautaire semble également faciliter, quand elle ne l’encourage pas directement, le passage à l’acte. En effet, l’idée de trouver des compatriotes ou même des membres du cercle familial (qui peuvent aider financièrement et psychologiquement) rassure le candidat à l’émigration sur la faisabilité de son #projet_migratoire et elle atténue sa peur de la #solitude et de l’#isolement. C’est ce qui explique le fait qu’on retrouve dans des villes et des quartiers à fortes densités immigrantes toute une communauté d’immigrés souvent originaires d’une même région et ayant parfois des liens de parenté.

    Les coûts importants des procédures administratives pour les demandes de visa et le pourcentage très élevé de refus dans certains pays (plus de 50 % en Algérie) rendent la voie légale souvent inaccessible. Le recours à la #clandestinité devient une possibilité de dépasser ces #blocages. En effet, traverser la Méditerranée dans une embarcation et franchir la frontière illégalement est une option choisie par des milliers de personnes chaque année, malgré les #risques et malgré les actions de prévention et de lutte contre la migration illégale.

    Maintenir coûte que coûte une #hiérarchie_sociale

    Ce qu’on peut relever du débat tel qu’il se présente aujourd’hui autour de la migration, c’est qu’elle est posée comme problème pour certaines populations et pas pour d’autres. Par exemple, en France ou en Allemagne, les réfugiés syriens ou afghans ne sont pas perçus comme les réfugiés ukrainiens. Le #traitement_médiatique qui leur est réservé n’est pas le même, pas plus que les dispositions prises pour leur #accueil et leur #insertion.

    Cet exemple permet d’inscrire la question dans le tableau plus large de la migration des pays du Sud vers les pays du Nord. Cette migration a ses spécificités et ses problématiques propres et elle ne saurait être confondue avec les mobilités intra-européennes ou euro-australo-américaines, par exemple, qui ne sont pas source de tensions, les populations qui en sont issues étant considérées comme assimilables, sinon semblables. Il n’en a pas toujours été ainsi. On se souvient du racisme envers les Bretons à Paris, des Britanniques envers les Irlandais, des Français envers les Italiens, les Espagnols, les Portugais…

    Ainsi posée, c’est la question du #racisme qui émerge comme point nodal de la migration, considérée par les uns comme phénomène social et par les autres comme problème social. Cette discrimination, qui a longtemps trouvé sa justification dans la #théorie_des_races et l’#infériorité_biologique supposée des uns par rapport aux autres, est remplacée, depuis la Seconde Guerre mondiale, par un #racisme_culturel, c’est-à-dire par un ensemble de pratiques et de discours dans lesquels la culture de certains groupes sociaux (généralement racisés) est essentialisée et infériorisée, l’objectif étant toujours le même : maintenir coûte que coûte une hiérarchie sociale.

    Faire l’impasse sur le #système-monde

    Penser l’État-nation dans un contexte d’#interdépendance_internationale est une ineptie, tout comme l’est le fait de chercher à préserver les intérêts d’un État ou à établir un #ordre_national plus juste dans un monde ravagé par les injustices, où l’on assiste au pillage des richesses humaines et naturelles par des multinationales occidentales ; un monde où rien ne protège les plus démunis de la prédation des États les plus puissants, qui se maintiennent par une #force_de_travail bon marché et des #matières_premières bradées. En effet, dans ce marché international qu’est devenu le monde et qui est régi par les intérêts économiques du capital et ses injonctions, le racisme apparaît comme une condition essentielle pour conserver une main-d’œuvre privée de droits, une force de travail à bas coût, non seulement dans les périphéries mais aussi au cœur des puissances économiques.

    Le racisme fonctionne donc selon des besoins cycliques. D’une part, il permet d’offrir des compétences à la demande et une main-d’œuvre bon marché dans les périodes de croissance, et, d’autre part, il permet d’exclure certaines populations du marché du travail dans les périodes de crise. Pour que cette mécanique puisse se perpétuer, les discriminations doivent persister, les frontières se renforcer et les populations « déplaçables » se résigner à leur #instrumentalisation. C’est ainsi que la splendide forteresse (le #centre) se protège contre les populations issues des #périphéries. C’est à ces conditions que peut se maintenir indéfiniment cet #ordre inique à l’échelle mondiale et c’est à ce niveau que doit s’inscrire la lutte pour la #justice_sociale.

    Ainsi déployée, la question migratoire déborde complètement celle des attitudes individuelles ou collectives vis-à-vis des immigrés, tout comme elle ne saurait être attribuée aux seuls faits politique ou économique, puisqu’elle est un fait social total, et que toute tentative de la saisir par un seul bout est vouée à l’échec. Il faut donc réinventer le débat, lui donner l’ampleur qu’il mérite et mettre à jour le lien direct qui lie les migrations avec les #guerres menées en Afrique et au Moyen-Orient, avec l’#extractivisme effréné et l’#exploitation irresponsable des #ressources des pays du Sud. Ce faisant, la question migratoire reprendra la place qui est la sienne au cœur de la lutte anti-impérialiste.

    https://afriquexxi.info/Migration-fait-social-total
    #utilitarisme #humanitarisme #paternalisme #diaspora #approche_globale #voies_légales #Etat-nation #nationalisme #nationalisme_méthodologique #périphérie #anti-impérialisme
    ping @reka @karine4 @_kg_ @isskein

  • #Démarchandisation, c’est quoi encore ce truc ?
    Les acteurs qui portent ce sujet sont les « louches » de la gauche (Autain, Castets, Ruffin, Vallaud), les même qui voudraient une primaire.
    La théorie de la valeur, ça, je vois bien. Si ca s’inscrit là-dedans, je peux entendre. Mais si c’est encore un contre feu alors pas besoin.

    https://www.mediapart.fr/journal/politique/260525/demarchandisation-cette-idee-qui-federe-discretement-la-gauche

    #théorie_de_la_valeur
    #paywall

  • Rage against the racism. Prendre le temps de penser, s’armer avec les sciences sociales

    « It’s raining haine miskina » - Les moules s’en frittent

    Dans le contexte actuel d’attaques contre les personnels de l’université sur les questions de #discrimination ainsi que contre les militantes et militants qui luttent sur ces questions, nous souhaitons donner des éléments de compréhension de ce qui se joue dans notre université suite à la #censure par le président de l’UGA d’œuvres d’art sur notre campus.

    –-
    Signer la pétition intersyndicale : pour le rétablissement de l’intégrité de l’œuvre artistique réalisée par les étudiants et personnels de l’UGA pendant le « #Mois_de_l’égalité », exposée dans la galerie des amphithéâtres du bâtiment Pierre Mendès France :
    https://mobilisation-uga.ouvaton.org/2025/05/21/petition-pour-defendre-la-liberte-dexpression-a-luga
    –—

    Très récemment, l’#UNI, soutenue par des médias d’extrême droite (CNews) et de droite réactionnaire (Le Figaro), s’est offusqué de l’affichage (sous forme de stickers) de messages construits et produits lors d’activités organisées pour le mois de l’Égalité. L’UNI a aussi annoncé avoir porté #plainte contre l’Université. Le président a décidé suite à cela de faire retirer certains de ces stickers qui selon lui « sont incompatibles avec les #valeurs et les #principes républicains que l’université incarne ».


    Le communiqué du président, puis son message à tous les personnels, relayé à sa demande expresse dans certaines structures (notamment plusieurs laboratoires), soulève plusieurs questions de fond, notamment quant aux « valeurs » et aux « principes » mentionnés.

    Quelles sont ces « valeurs » et « principes » qui sont mentionnés, mais jamais définis explicitement par le président ?

    Qui décide, et comment, quelles sont ces « valeurs » ? Est-on sûr·es qu’elles soient largement partagées dans notre communauté universitaire ?

    Comment ces valeurs sont-elles censées être mises en œuvres, sans réponse à ces premières questions ?

    Les décisions prises, de communications, et de censures de certains messages, ont été prises sans consulter aucune instance représentative. Au vu du contenu des écrits du président, on peut aussi légitimement se demander si les personnels et services compétent·es ou expert·es de ces questions ont bien été impliqué·es ou au moins consulté·es pour ces décisions et communications.

    Dès les premiers articles parus dans les médias, et en prévention d’éventuelles réactions irréversibles, la CGT a pris contact avec le président avant que les messages ne soient enlevés, et s’est rendue disponible pour échanger avec lui sur ces questions que l’on sait sensibles. Cet échange n’a finalement pas pu avoir lieu. Les méthodes de communication du président, qui choisit lui-même, plutôt que le dialogue apaisé, de diffuser au maximum sa propre analyse, nous contraint à des modes d’échanges publics que nous regrettons, mais qui nous paraissent nécessaires pour rétablir un peu d’équilibre et de pluralisme dans l’analyse de la situation.

    Voici donc quelques clés pour vous faire une idée par vous même, loin des discours réducteurs et simplistes.

    Prenons par exemple l’accusation de « #racisme_anti-blanc », lancée sur CNews en particulier.

    Le #racisme kesako ?
    À part pour les personnes qui militent ou qui se forment sur ces questions-là, la question peut sembler absurde. Voyons, nous savons toutes et tous ce que c’est que le racisme ! Sauf que c’est un peu plus compliqué que ce qu’on peut penser au premier abord.

    Si on pense que le racisme c’est insulter une personne pour ce qu’elle est, alors oui tout le monde peut en être victime. Cela semble simple… sauf que. Nous y reviendrons plus bas.


    En revanche, si on considère le racisme par ses conséquences sociales ou par le biais de la statistique, alors tout d’un coup les choses changent. En effet, statistiquement, en France, les personnes qui sont discriminées dans l’accès au logement, l’accès au travail, l’accès aux stages, le droit à la santé, ou les personnes victimes d’agressions racistes ou des violences policières, ce sont les personnes identifiées comme noires, arabes, musulmanes, juives, roms ou asiatiques [1]. Pas les personnes perçues comme blanches.

    Cela ne veut pas dire que ces dernières ne vivent pas des situations sociales difficiles mais être non-blanc·he implique un risque largement accru de vivre des #discriminations et des #violences_sociales.

    Revenons sur la question des insultes et du fameux « racisme anti-blanc » si cher à l’extrême-droite.

    Statistiquement, ce racisme en direction des blancs est inexistant. Par exemple, il est socialement toujours avantageux d’être identifié comme blanc pour trouver un logement ou un emploi.

    Quelques repères pour comprendre certains concepts
    Personne racisée : il s’agit non pas de dire que ces personnes sont d’une race différente mais bien de dire qu’elle subissent une assignation à l’appartenance à un groupe supposé (« les noirs », « les arabes » par exemple) et aux #représentations_racistes qui y sont attachées.

    Blanc : utiliser les termes « noir » ou « asiatique », etc, qui renvoie à une caractéristique biologique floue (couleur de peau, forme du visage, …), ou à une origine supposée, peut sembler étrange pour des militants de l’#anti-racisme. Sauf que cela recouvre des réalités sociales de discrimination et de violence. L’utilisation du terme « blanc » est une façon de renvoyer les personnes non racisé·es à leurs caractéristiques pseudo-biologiques, comme pour les personnes racisées. Sauf que dans ce cas, cela ne recouvre pas des réalités de #discriminations.

    #Privilège_blanc : les avantages qu’ont les blancs dans les différentes sphères (accès au logement, à l’emploi etc) en comparaison des personnes non blanches, sans qu’ils ou elles s’en rendent compte. On peut de la même façon parler de #privilège_masculin pour parler de la question féministe, de #privilège_bourgeois pour parler de déterminisme social, de #privilège_valide pour parler du handicap, de privilège lié à l’âge, etc.

    #Intersectionnalité : l’idée ici est de dire que ce que subit une personne discriminée par plusieurs critères n’est pas la simple addition de chacun des effets associés. Par exemple, ce que subit comme violence sociale une femme noire n’est pas la simple addition des violences racistes et des violences sexistes. Le monde n’est pas linéaire, les représentations complexes.

    #Racisme_structurel : on utilise cette expression quand un effet raciste est fortement ancré dans la société. Il n’est pas forcément la conséquence d’une intention directe mais peut aussi l’être d’une façon d’organiser la société, un procédé administratif, etc. et de représentations racistes établies. On peut aussi parler de sexisme structurel, de validisme structurel, etc.

    #Woke : c’est aussi l’occasion de rappeler ici que le terme woke est utilisé depuis longtemps aux États-Unis, qu’il désigne simplement pour les personnes victimes de racisme le fait de rester éveillées sur ces questions et de ne rien laisser passer. Ce n’est en rien une théorie, juste un slogan pour la mobilisation et la vigilance.

    Murs blancs, peuple muet

    Revenons sur les #stickers, créés dans le cadre d’un #atelier organisé à l’occasion du mois de l’égalité, stickers qui ont été tant décriés par l’UNI et les médias de droite réactionnaire et d’extrême droite. Les réactions de ces médias servent le programme politique de l’#extrême_droite qui se présente aujourd’hui comme anti-raciste et premier rempart contre l’antisémitisme, alors que les liens des partis concernés ou des propriétaires de ces grands médias avec les mouvements néonazis ou ouvertement racistes, homophobes et sexistes sont parfaitement établis.

    Mais il n’est pas inutile, pour les personnes non spécialistes et honnêtes intellectuellement, de donner quelques clés de lecture de certains des stickers incriminé.

    Parmi les 32 messages initiaux, collés lors de l’atelier, et qui sont restés un mois et demi sur les vitres, seuls 16 restent intacts à l’heure actuelle. Les 16 autres ont donc été soit effacés à la demande du président, soit vandalisés. Le président n’ayant pas précisé quels messages étaient « incompatibles avec les valeurs », difficile de connaître le responsable réel de l’effacement de chaque message ; reste que nous faisons le lien entre la #censure_institutionnelle largement revendiquée, qui ouvre la porte au #vandalisme des messages restants.

    Voici les phrases qui ont été retirées :

    – « La Terre est monochrome comme un arc-en-ciel, le racisme est juste blanc »
    – « Le monde a mal, normal, il est dirigé par des blancs et des mâles. »
    – « Le bruit et l’odeur de la lacrymo et de la peur, dans les quartiers où les fachos sont passés. »
    – « Halal z’enfants de la patrie »
    – « J’aimerais grand remplacer le gouvernement français »
    – « Il était une fois des corps de mille couleurs illuminant le ciel d’un nuage iridescent les cœurs » (waaaa <3)
    – « Les fascistes c’est comme les enfants, c’est mieux chez les autres »
    – « Toutes les soirées en amphi mais pas de diplôme à la sortie. Qui suis-je ? » (à l’envers, en-dessous : « Le personnel de ménage »)
    – « Ce n’est pas du racisme, c’est une question de culture mais ce sont eux qui font votre couture »
    – « La pookie dans le faf »
    – « Aux échecs comme dans la vie, les blancs ont un coup d’avance »
    – « Racines emmêlées qui renvoient à une même forêt »
    – « Le bruit hait l’odeur »
    – « C’est le travail d’arabe qui a construit Versailles »
    – « L’amour est enfant de Bohème mais on les a mis dans des HLM »

    Sur ces 15 messages seuls 3 parlent explicitement des « blancs » ; les actions de censure ou de vandalisme visaient donc plus largement certains messages du fait de leur simple caractère politique.

    Ces messages nous inspirent ces quelques explications ou interprétations possibles, forcément partielles et partiales, comme le sera toute interprétation de messages à portée artistique.

    La notion de « #hiérarchie_des_races » a été inventée en Europe au moment où celle-ci a commencé à conquérir le monde. Nos plus grands penseurs de la Renaissance et des Lumières, que nous adorons citer, nos penseurs et scientifiques des 18ème, 19ème et 20ème siècles ont produit des textes d’un racisme incroyable, justifiant la domination coloniale et esclavagiste ainsi que l’antisémitisme par des #théories_racistes. C’est une production de notre civilisation européenne et il faut bien le reconnaître. Cela ne veut pas dire qu’il n’y a pas eu de violence ou d’#esclavage avant. Mais la théorisation de la #hiérarchisation_des_races comme justification à ces violences, c’est chez nous, européens. Cela appartient à notre civilisation. Et cela a permis de justifier les pires horreurs, de l’extermination quasi complète des peuples autochtones d’Amérique, l’esclavage des peuples noirs d’Afrique pour remplacer cette population, les massacres de la colonisation comme à Madagascar, en Algérie, en Indochine comme dans toutes les colonies qu’elles soient françaises ou pas, et bien évidemment la solution finale nazie contre les juifs et les roms. En ce sens, le racisme est blanc.

    Le racisme au sens de domination sociale est produit et maintenu par les dominants, les décideurs. Or dans nos sociétés européennes, très majoritairement, les dominants sont blancs. En ce sens, le racisme est (majoritairement) blanc.

    Même lecture sociale : en France comme dans de nombreux pays qui dominent économiquement, ceux qui dirigent font partie des catégories privilégiées : des blancs, des #hommes, CSP+ qui n’ont aucun intérêt objectif à voir les choses s’améliorer pour les autres. Et la lutte pour l’égalité passe bien évidemment par la question démocratique, la question de la légitimité de nos représentants (voir leurs catégories socio-professionnelles, leur genre, leur couleur, leur age, ...) ainsi que des ministres qui sont par exemple très nombreux à être millionnaires.

    Il s’agit de dénoncer le racisme comme phénomène social et structurel. Le privilège blanc.

    Pour en revenir au contexte


    Le racisme est bien du côté de l’UNI dont plusieurs de ses membres ont soutenu des candidats aux élections objectivement racistes et parfois multi-condamnés pour cela, ou qui sont aussi membres de partis d’extrême droite.

    Le racisme est dans le camp du RN et de Reconquête qui utilisent des signes distinctifs de ralliement appelés #dog_whistles (https://blogs.mediapart.fr/ilkor/blog/211222/les-dog-whistles-des-extremes-droites-liste-non-exhaustive) pour continuer à communiquer et militer avec les pires militants néonazis et racistes.

    Le racisme est du côté du #ministre_de_l’Intérieur qui désigne systématiquement les musulmans comme la source de tous les maux.

    Il est du côté du président de la République qui laisse depuis des mois les Palestiniens se faire massacrer sans réagir sérieusement, et laisse depuis des années les migrants crever en Méditerranée et dans l’Atlantique en laissant les ONG agir dans des conditions déplorables.

    Dans notre Université, le choix du Président de qualifier de non conforme à nos valeurs les stickers cités plus haut, les retirer, sans en faire l’analyse, sans discuter avec le groupe qui les a créés, est un cadeau fait à l’UNI et à l’extrême droite, ainsi qu’aux médias tenus par celle-ci. C’est un manque de respect et de solidarité avec les personnels et les étudiant.es qui ont passé du temps à travailler pour produire ces œuvres, et à qui nous apportons tout notre soutien. C’est une porte ouverte aux prochaines attaques racistes et réactionnaires qui ne manqueront pas de venir.

    –---

    [1] Pour creuser la question, de nombreux travaux et études sont disponibles : voir par exemple le dossier « Racisme et discrimination » de l’Ined (https://www.ined.fr/fr/ressources-methodes/etat-de-la-recherche/racisme-et-discrimination), les rapports de la Commission nationale consultative des droits de l’homme (CNCDH) (https://www.cncdh.fr/actualite/cncdh-publie-le-rapport-2023-lutte-contre-racisme-antisemitisme-xenophobie), le guide de ressources UGA « Lutter contre le racisme et l’antisémitisme » (https://www.univ-grenoble-alpes.fr/lutte-contre-le-racisme-et-l-antisemitisme/guide-de-ressources-de-lutte-contre-le-racisme-et-l-antisemitism), l’enquête « ACADISCRI : Inégalités de traitement, conditions d’étude et de travail dans l’enseignement supérieur et la recherche (https://acadiscri.hypotheses.org).

    https://cgt.fercsup.net/syndicats/auvergne-rhone-alpes/universite-de-grenoble/uga/article/rage-against-the-racism-prendre-le-temps-de-penser-s-armer-avec-les-sci

    #UGA #Université_grenoble_alpes #petite_poissonne #tags #graffitis #art #oeuvres_d'art #ESR #universités #France

    ping @karine4

  • Capitalism Is Changing, but Not Into “Neofeudalism”
    https://jacobin.com/2025/05/capitalism-neofeudalism-tech-medieval-history

    Le "néoféodalisme" n’est qu’une idée á la mode résultat et amplificateur de la confusion intellectuelle ambiante. En l’utilisant nous risquons de perdre de vue les véritables méchanismes du pouvoir.

    21.5.2025 by David Addison , Merle Eisenberg - Some left writers have argued that contemporary capitalism is mutating into a form of “neofeudalism” as tech barons run amok. But what we’re actually witnessing is an important shift within rather than a transition from capitalism

    The tech barons strategically placed around Donald Trump at his inauguration on January 20 this year were a who’s who of the oligarchic class. From Jeff Bezos to Mark Zuckerberg and everyone in between, the leaders of the US tech industry came to pay homage to their new ruler.

    Court intrigue was palpable. Journalists speculated about the choreography of the ceremony, examining how the placement of the barons offered insight into their status and favor to shape the new regime. The pyramid structure of American society had never appeared so stark.

    Trump’s inauguration was surely the most vivid manifestation of the growing political centrality of billionaire tech leaders. The last few years have seen commentators reach for ideas of “technofeudalism” or “neofeudalism” to explain what has been going on. However, those concepts ultimately bring more confusion than clarity to the debate about where capitalism is headed.

    Looking Backward

    Yanis Varoufakis’s 2023 book Technofeudalism: What Killed Capitalism was perhaps the most widely discussed foray into this field. But it has been joined this year by Jodi Dean’s Capital’s Grave: Neofeudalism and the New Class Struggle. Both works suggest that the world has left behind capitalism for an emergent feudal order.

    These theorizations of supposed new feudalisms look to the past to envisage the future. They do so, however, in contradictory ways, drawing on divergent medieval pasts. For some proponents of the idea of “neofeudalism,” such as Katherine V. W. Stone and Robert Kuttner, the central transformation is a legal one. Stone and Kuttner hark back to the moment when the Roman Empire’s structures of public justice gave way to more fragmented, privatized juridical orders.

    In contemporary society, they argue, we are witnessing a corruption of public justice by the interests of private capital, exemplified in forced private legal arbitration and the corporate capture of regulatory bodies. According to this perspective, we should see the ongoing privatization of today as the perversion of a legitimate and beneficial model of capitalism, which should be fortified by a strong public sphere. Their argument focuses on the changes to the legal sphere and the control of justice.

    By contrast, Dean’s understanding of “neofeudalism” is fundamentally economic. It argues for a shift in the mode of production in contemporary society. Like Varoufakis, Dean traces a move away from competition and profit-maximization on the part of corporate leaders like Zuckerberg and Bezos, and she argues that they are now more preoccupied with establishing monopolies and extracting rent.

    This, the analogy implies, mirrors the fate of the medieval rural peasantry, bound to pay rent to monopolistic lords above them. While Dean approvingly cites Stone and Kuttner, they actually diverge in both their notion of historic feudalism and their diagnosis for the present.

    Definitions of Feudalism

    As these examples make clear, the meaning and use of “feudalism” is ambiguous in this discourse. There are three main ways in which historians have defined feudalism that are incompatible for purposes of analysis with each other. Contemporary writers all too often merge these definitions.

    The first feudalism exists especially in the popular historical imagination. It is the world of rigid hierarchies encapsulated in the image of the “feudal pyramid.” This idea is the staple of school classrooms, a quick search on Google, or the slop that poses as information via artificial intelligence.

    The pyramidal view of feudalism describes a coherent social system in which kings granted land to nobility in exchange for loyalty and military service. Peasants at the bottom of the pyramid grew food and received “protection” in return.

    This definition has a certain timelessness, since it supposedly existed for more than a thousand years, and a sense of rigidity, since almost no one could escape its fixed, pyramidal order. It is the social system that most non-medievalists seem to have in mind when they are contrasting present and past.

    Medieval scholars generally hate this version of feudalism. For the last fifty years, academic historians have criticized this idea as overly broad and unreflective of a dynamic period in human history. Whatever else Game of Thrones and its prequel House of the Dragon might suggest, society does not stand still for centuries with few changes to class structure — unless we count dragons as a class.

    Moreover, the term feudalism itself was only coined after the end of the Middle Ages. In fact, since the 1970s, historians in the English-speaking world have even tended to move away from using the word “feudalism” or speaking of a “feudal system.” They sometimes jokingly refer to it as the “F word.”

    This leads to the second, much more specific, concept of feudalism. This is a legal idea expressing the mutual bonds between a ruler and their subordinate elites (sometimes called vassals). A ruler would provide land from which a subordinate could appropriate revenues. The ruler, in turn, received a legal pledge from the subordinate, which had to be renewed with each new generation.

    The pledge tended to entail military service, fees, or various other rights for the ruler. It was the glue that held elite society together. It was not about peasants. This version can be glimpsed in the medieval images of seated rulers with knights kneeling before them pledging such an exchange.

    This feudalism was restricted to a certain time (ca. 1100–1400 CE), a certain place (France and England, mostly), and certain specific individuals (elites only). Medieval historians still usefully employ this legal concept, but this is not the feudalism of today’s debates. It is too narrow, precise, and, well, medieval. Though its symbolic power remains in the metaphors of “vassal states” or “paying homage,” such phrases are figurative, not literal.

    The Feudal Mode

    A third understanding of feudalism is the feudal mode of production that, in its classic Marxist formulation, characterizes the economic framework of a society. Karl Marx laid out various modes of production, and more contemporary theorists have expanded on Marx’s ideas in useful ways.

    Marxist scholars held the feudal mode of production to have developed from the ancient slave mode of production. Instead of requiring enslaved labor, owned and directly dominated by a lord, feudal lords dominated a large mass of peasants in various states of semi-freedom and unfreedom. These peasants produced food from lands they leased on tenure from elites, who appropriated a certain amount of the surplus and, in some cases, demanded labor services.

    Under this regime, elite power was rooted in the ownership of land and the use of coercive force to seize goods and enforce the conditions of tenure. The specifics of how goods were appropriated could vary, deriving from taxes or rents, as could the legal ways in which the goods were taken. To differentiate the feudal mode of production from the two non-Marxist forms of feudalism, historians like John Haldon have relabeled the last type as the tributary mode of production.

    The problem here is apparent: while there are similarities between the three varieties of feudalism, unless we engage in careful delineation, it is easy to pick and choose a characteristic from any or all of the three to form a catch-all feudalism of an idealized medieval past.

    Dean, for example, quotes analysis from all three groups to define her idea: Marc Bloch and Joseph Strayer appear to discuss a feudal society (form 1), Susan Reynolds shows up to note that medievalists have debated whether to use the term (form 2), while Perry Anderson (among others) is used to discuss the feudal mode of production (form 3).

    If we combine all three understandings of the original feudalism to create a picture of neofeudalism, the idea becomes unmoored from such conceptual definitions. It ends up as a transhistorical (and indeed ahistorical) idea, fit for a new purpose in the present.

    Feudalism in Present Debates

    This generic concept of feudalism suggests a lack of progress and a return to a less advanced society with more inequality, fewer freedoms, less property ownership for non-elites, and less mobility into the elite class. These transformations appear both in Marxist ideologies — as a move backward from capitalism to feudalism — and in liberal critiques — as the failure of a progressive narrative that has stalled and gone into reverse. Our aspirational future, whether consisting of socialism or a looser form of progress, has receded from view.

    Yet few of these changes are necessarily linked to feudalism. Tech barons can offer fealty to President Trump or other rulers to advance their eminently capitalist goals, which may well involve privatization, but of a capitalist form. They aim to insert themselves and their businesses into state arenas to control lower classes and bend them to their will.

    Nowhere is this more obvious than with the case of Elon Musk and the Department of Government Efficiency (DOGE) as proponents of state control through a capitalist ideology: efficiency, market power, and privatization are their mantra, whatever outcomes they produce. Neither Musk’s ideological justifications nor his material goals resemble the feudalism of the modern imagination, with its rigid class structures, ceremonial expressions of order, and equivocal sense of private property.

    Trump himself is evidently less attached to market forces, as his single-minded pursuit of tariffs shows. Yet in this, he is at remarkable variance with much of the donor class whose members brought him to power.

    Elite figures such as Musk have long dominated political power by creating their own private jurisdictions. We could be speaking about Count Robert of Artois terrorizing peasants with a pet wolf in late thirteenth-century France, a robber baron of the 1890s, or the Disney Corporation today. However, the legal and economic framework for Count Robert was entirely different than for the other two cases.

    The way in which private jurisdictions function in the twenty-first century is specific to our current capitalist system, which has chosen to center economic efficiencies and profits over human flourishing and the enjoyment of life. Such choices and structures would appear grossly out of place in most regions of medieval Europe, including Count Robert’s.

    Part of the problem also rests in applying a singular notion of historical feudalism, whether we equate it with disordered private justice or a world in which plunder or monopoly power is the only avenue for the extraction of wealth. Even in the Middle Ages, we cannot speak of a single “feudalism.” Although the capitalist mode of production did not structure medieval Europe and the Middle East before modernity, capital, wage labor, and markets could nonetheless dominate in specific places and times.

    As Chris Wickham recently argued, capitalist relations of production played an important role in parts of the Eastern Mediterranean from ca. 950–1150 CE, even while the overarching economic system remained feudal. Orientalist-inflected perspectives on the Islamic world have resulted in its capitalist elements being downplayed. The Middle Ages have served as a blank slate for many possible ideas of feudalism, with supposedly “well-known” aspects, such as private justice and predation, combined as seems useful to serve present needs.

    2020s Capitalism

    Getting to grips with today’s version of capitalism does not require us to fall back on a caricature of medieval feudalism, even if certain elements do appear similar. Private jurisdictional power has certainly exploded over the last several decades as massive corporations have expanded their reach into new spheres of life. At the same time, we should remember that even the most neoliberal state remains vastly more powerful and far-reaching in its influence than its pre-modern forebears.

    Countries today may appear weak in comparison to the stronger states and public realms of the mid-twentieth century. Yet those cases represented a high point in public power, trade union mobilization, and redistributive policy, not the norm against which we should measure today’s capitalism.

    We are dealing with a transformation within capitalism rather than a transition from capitalism. As tech platforms have created ever more precise data, they have simultaneously required larger capital injections to become viable and, eventually, turn a profit. Some have become rent-seeking, like Google, while others have purchased vast swathes of real estate.

    Instead of creating new products, they destroy their competitors and existing markets to gain ever greater returns, encouraging investors to prop up loss-making ventures on the promise of supposedly secure future income. While Dean is correct about these changes in her work, none of this constitutes a new mode of production. It is, rather, a change in how capital works.

    If it was the norm half a century ago for people to go in person to a community hall where they could buy and sell used clothing once a month, Facebook’s Marketplace fulfills a similar role every day by capturing the used clothing market through efficiency. But Facebook simultaneously uses the collected data to sell new products, rendering the consumer and their attention a secondary product to be sold to advertisers and content producers.

    This practice owes much to modern psychological models developed by advertisers and tech companies and has nothing to do with feudal relations. Shoshana Zuboff’s The Age of Surveillance Capitalism has conceptualized this extractive, data-driven business model as representing ever greater capitalist colonization of the domain of private life and the private self. This is a much more stimulating idea than that of techno- or neofeudalism.

    We do not need the concept of feudalism, in any of its variants or forms, to explain the ongoing problems of our respective states and systems. The appeal to archaic models to explain contemporary changes is a morbid symptom of an age in which visions of a better future have been replaced with oppressive fears of backsliding and regression. Things do get worse as well as better, but it gives too much credit to capitalism, in its various forms, to imagine it as the antithesis of monopoly power, the private corruption of justice, and the political rule of corporate elites.

    Capitalists have often defined capitalism’s own ideal form against an image of “old world” feudalism, not least in the post-independence United States. We must not take these deeply ideological perspectives at face value. We are not regressing into the system from which capitalism once emerged: we are witnessing a new and dangerous transformation that is internal to capitalism itself.

    #capitalisme #idéologie #théorie_politique #GAFAM #trumpisme #impérialisme

  • Le grand accaparement | Revue Esprit
    https://esprit.presse.fr/article/sylvie-matelly-et-arnaud-orain/le-grand-accaparement-45927

    Les premières mesures économiques de l’administration #Trump, entre relèvement des #droits de #douane, #accaparement des #ressources et accès inégal au commerce #maritime, signalent que le vent de la #mondialisation_libérale a tourné. Sylvie Matelly, économiste, directrice de l’Institut Jacques Delors, autrice avec Bastien Nivet de L’Europe peut-elle faire face à la mondialisation ?1 et Arnaud Orain, économiste, directeur d’études à l’École des hautes études en sciences sociales, auteur du Monde confisqué2, interrogent les racines de ce basculement, et ses conséquences.

    (...)

    Nous entrons à nouveau dans un monde où les règles de la #mondialisation #libérale ne servent plus les gagnants d’hier (#Allemagne, #États-Unis). Ces derniers souhaitent donc remettre en cause les règles du jeu, c’est-à-dire refusent la #théorie des #avantages_comparatifs de #Ricardo

    (...)

    via https://mastodon.social/@Le_M_Poireau/114502113858092117

  • États-Unis : #Trump signe un décret pour retirer de certains musées toute « #idéologie_inappropriée »

    Donald Trump a signé jeudi 27 mars 2025 un décret exécutif visant à reprendre le #contrôle du contenu des musées #Smithsonian de Washington. Le président américain accuse ces institutions fréquentées de la capitale de mener un « #endoctrinement_idéologique » racial.

    Donald Trump a signé jeudi 27 mars un décret exécutif visant à reprendre le contrôle du contenu des musées Smithsonian de Washington, des institutions de la capitale accusées par le président américain de mener un « endoctrinement idéologique » racial.

    « Au cours de la dernière décennie, les Américains ont été témoins d’un vaste effort coordonné pour réécrire l’histoire de notre pays, remplaçant des faits objectifs par un récit déformé, inspiré par une #idéologie plus que la #vérité », écrit Donald Trump dans son décret.

    « Sous ce #révisionnisme_historique, l’héritage sans égal de notre pays dans la promotion de la liberté, des droits individuels, et du bonheur humain est reconstruit comme étant de manière inhérente raciste, sexiste, tyrannique, ou avec des défauts irrémédiables », ajoute-t-il, en ciblant particulièrement l’institution Smithsonian.

    Les musées et le zoo Smithsonian à Washington sont parmi les principales attractions touristiques de la capitale américaine, en raison notamment de leur caractère gratuit. Parmi les plus prisés, figurent notamment le musée d’histoire naturelle, la galerie nationale d’art, ou encore le musée national de l’histoire et de la culture afro-américaine, inauguré en 2016 par Barack Obama.

    « Retirer toute idéologie inappropriée »

    Le vice-président J. D. Vance sera ainsi chargé, grâce à son siège au conseil d’administration du Smithsonian, de « chercher à retirer toute idéologie inappropriée » de ces établissements. Il devra aussi travailler avec le Congrès pour empêcher que des #fonds_publics fédéraux financent des « #expositions ou programmes qui déshonorent les #valeurs américaines partagées, et divisent les Américains sur la base de la #race ».

    « Les musées dans la capitale de notre pays devraient être des endroits où les individus viennent pour apprendre, pas pour subir un endoctrinement idéologique », ajoute Donald Trump dans son décret.

    Pendant la campagne électorale, Donald Trump s’était engagé à supprimer tout #financement fédéral des écoles ayant adopté la « #théorie_critique_de_la_race ». Un concept qui désigne au départ un courant de recherche et est utilisé de manière péjorative par les conservateurs pour dénoncer les enseignements de sensibilisation au #racisme.

    Le président américain ordonne en outre à son gouvernement de déterminer si depuis 2020, des #monuments ou #statues sous juridiction fédérale ont été « retirés ou changés pour perpétuer une reconstruction erronée de l’histoire américaine », et si c’est le cas, de réinstaurer ceux-ci.

    En 2020, la mort de l’Afro-Américain George Floyd sous le genou d’un policier blanc avait déclenché des manifestations à travers les États-Unis sous la bannière « Black Lives Matter » (les vies noires comptent) et provoqué des débats véhéments sur le racisme et la présence dans l’espace public de symboles du passé esclavagiste du pays.

    Plusieurs monuments confédérés ont dans la foulée été démontés et de nombreux établissements (écoles et même bases militaires) ont changé de nom.

    https://www.la-croix.com/international/etats-unis-trump-signe-un-decret-pour-retirer-de-certains-musees-toute-ide
    #décret #musées #trumpisme

  • Le #nazisme, un #totalitarisme ?

    #Chapoutot, #Ingrao et #Patin suggèrent par conséquent d’« abandonner la notion de “totalitarisme”, pour comprendre que si le régime reposait sur des mesures coercitives d’une grande violence envers ses ennemis désignés – c’est un fait –, pour de nombreux Allemands, les ressorts de sa domination étaient tout autres ».

    Bien qu’en la matière Chapoutot, Ingrao et Patin visent Les origines du totalitarisme de Hannah #Arendt (1951), dont les vues doivent beaucoup au Béhémoth qu’elle a lu dès sa première version parue en 1942, c’est à Neumann que l’on doit, parmi les premiers, d’avoir montré la nature totalitaire du régime nazi, et cela sans besoin de le démontrer puisqu’il lui suffisait de citer l’un de ses idéologues, en l’occurrence Alfred Rosenberg, affirmant qu’en 1933 ce « n’est pas l’instauration de la totalité de l’État, mais de la totalité du mouvement national-socialiste » qui se produit. Ce que redisent peu ou prou les trois historiens lorsqu’ils écrivent qu’avec l’avènement du nazisme « l’État est donc réduit à un simple instrument neutre, technico-pratique, qui est mis au service des nouveaux maîtres du pays ».

    https://www.en-attendant-nadeau.fr/2025/03/18/recension-chapoutot-ingrao-patin-neumann

    #Franz_Neumann
    #histoire
    #antisémitisme
    #recension