„Ich wurde von einem türkischen Beamten vergewaltigt“ – Aktivistin macht Folter in Abschiebehaft öffentlich
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Die Aktivistin Paula Maier berichtet, dass sie während ihrer Inhaftierung in der Türkei im Januar von einem Polizeibeamten vergewaltigt wurde. Die Föderation Klassenkämpferischer Organisationen ruft nun bundesweit zu Solidaritätsaktionen auf. Die Vorwürfe reihen sich in eine wachsende Zahl von Berichten über sexualisierte Gewalt gegen Aktivist:innen in Gewahrsam ein.
Im Januar dieses Jahres reiste eine 16-köpfige Delegation, darunter 13 Frauen, auf Einladung der DEM-Partei nach Nordkurdistan (Bakur). Die Gruppe besuchte demokratische Initiativen, Vereine und Parteien in Diyarbakır, Nusaybin und Mardin. Am fünften Tag der Reise wurde sie auf dem Weg zu einer Pressekonferenz in Mardin von türkischer Militärpolizei und der Abschiebebehörde gestoppt und festgenommen. Von der Polizeiwache in Mardin brachten die Behörden die Delegation in das Abschiebezentrum am Flughafen Istanbul.
Anlass der Reise waren die Angriffe der HTS-geführten Kräfte und der syrischen Übergangsregierung unter Ahmed al-Scharaa auf die kurdische Selbstverwaltung in Nord- und Ostsyrien und kurdische Stadtteile in Aleppo. Mehrere Gebiete wurden militärisch belagert oder unter die Kontrolle des syrischen Regimes gebracht. Um auf diese Angriffe auf die Errungenschaften der Rojava-Revolution – demokratische Selbstverwaltung, Frauenbefreiung und die kulturellen Rechte von Minderheiten – aufmerksam zu machen, reiste die Delegation nach Nordkurdistan.
Aus dem türkischen Gefängnis berichten die Betroffenen von körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt. Den Frauen sei über lange Zeit Schlaf und Ruhe verweigert worden, sie seien geschlagen, teils bis zur Bewusstlosigkeit, beleidigt und bespuckt worden. Geflochtene Haare seien den Gefangenen ausgerissen worden. Zudem seien ihnen Videos misshandelter kurdischer Kämpfer:innen sowie Aufnahmen der Delegationsteilnehmer:innen gezeigt worden, verbunden mit der Drohung, dass die betreffenden Personen die türkische Haft nie mehr verlassen würden. Paula Maier, Teilnehmerin der Delegation und Mitglied der Föderation Klassenkämpferischer Organisationen (FKO), berichtet außerdem, in Einzelhaft von einem türkischen Beamten vergewaltigt worden zu sein.
Weitere Delegationen berichteten bereits im Februar von Misshandlungen
Bereits im Februar hatte eine 13-köpfige internationalistische Delegation, die vom 24. bis 28. Januar kurdische Genoss:innen bei Protesten in Amed (Diyarbakır) unterstützt hatte, von ähnlichen Misshandlungen berichtet: Festnahme ohne Angabe von Gründen, Isolationshaft, das gewaltsame Ausreißen von Zöpfen sowie physische und sexualisierte Gewalt.
Auch eine separate, deutlich größere Gruppe der „Friedenskarawane für Rojava“ – ursprünglich mit 150 Teilnehmenden aus Europa gestartet, von denen letztlich 29 Istanbul erreichten – schilderte damals stundenlange Schikanen während des Gefangenentransports sowie physische und sexualisierte Gewalt im Abschiebegefängnis. Mehrere Betroffene wurden demnach in Zwangsjacken gesteckt, eine Teilnehmerin wurde von mehreren Männern entblößt und in eine Zwangskutte gezwungen.
Sexualisierte Gewalt gegen politische Gefangene als Mittel der Repression
Die FKO ordnet die Vorfälle als politische Repressionen und Angriffe auf die demokratischen und frauenpolitischen Errungenschaften der Region ein: „Was im Januar in Rojava passiert ist, war der Versuch, die Errungenschaften der Revolution zu zerstören und die kurdische Befreiungsbewegung zu vernichten. Es ging um nichts weniger als um die Existenz und das Überleben dieses revolutionären Projekts“, erklärt Paula Meier.
Die sexualisierte Gewalt, die die Betroffenen erlebten, und auch die Vergewaltigung gegen Paula Maier sind dabei keine Einzelfälle: In den vergangenen Monaten seien wiederholt Berichte von Aktivistinnen eingegangen, die in türkischer Haft Gewalt oder Folter erlebt hätten. Auch Aktivistinnen der Global Sumud Flotilla, die versucht hatten, nach Palästina zu gelangen, hätten von systematischer Folter und Vergewaltigung durch das israelische Militär berichtet.
Erst im Dezember hatte die Aktivistin Anna Liedtke von der Frauenorganisation Zora bei einer Konferenz in Paris öffentlich gemacht, während einer Nacktdurchsuchung beim Transfer zwischen zwei israelischen Gefängnissen vergewaltigt worden zu sein – nachdem sie im Oktober als Besatzungsmitglied der Conscience bei dem Versuch, die israelische Seeblockade zu durchbrechen, festgenommen worden war.
Die FKO wertet diese Häufung nicht als Zufall, sondern als gezielte Strategie: Sexualisierte Gewalt gegen widerständige Frauen diene dazu, Solidarität zu verhindern und Menschenrechtsverletzungen vor der internationalen Öffentlichkeit zu verbergen.
Solidaritätsaktionen angekündigt
Paula Maier erklärt, sie teile diese Erfahrung mit vielen anderen Frauen: „Es ist nicht nur meine Geschichte, es ist die Geschichte vieler Frauen und vor allem ist der Kampf gegen sexualisierte Gewalt eine Geschichte, die uns als Frauen alle vereint. Es liegt an uns allen, diese Erfahrungen in eine Geschichte des Widerstandes zu entwickeln.“
Unter dem Motto „Eure Gewalt bricht uns nicht – unsere Körper, unser Kampf“ ruft die FKO in den kommenden Tagen zu Solidaritätsaktionen in zahlreichen Städten auf.




