• Offener Brief von Natascha Wodin an die FAZ : „Aus den Glutnestern ein Flächenbrand“
    https://www.berliner-zeitung.de/article/offener-brief-von-natascha-wodin-an-die-faz-aus-den-glutnestern-ein

    Die Schriftstellerin Natascha Wodin hat einen russisch-ukrainischen Hintergrund, wurde aber 1945 in Deutschland geboren. © Julius Schrank//OSTKREUZ

    La haine du Russe existe toujours chez les enfants et petits enfants des assassins allemands qui ont massacré des millioms de femnes et enfants russes et on fait périr encore des millions de prisonniers de guerre soviétiques dans les camps.

    Il est vrai que les morts soviétiques quoique cinq fois plus que les les victimes juifs de nos aînés ne rendent pas mois horribles les chambres à gaz et la nouveauté historique du crime qui a annoncé la faisabilité de futures massacres génocidaires.

    L’objet du deuil hypocrite et la raison d’état allemande est un nombre de juifs assassinés relativement peu élevé en comparaison avec l’hécatombe soviétique.

    Du point de vue nazi on ne faisait pas de différence entre sous-hommes juifs et slaves. Il fallait les éliminer pour assurer l’avenir des Allemands et des autre ariens. Alors pourquoi aujourd’hui aimons nous les Juifs et détestons le Russe ? L’obligation envers les deux groupes est comparable et devrait être élargie à tous les peuples menacés par les génocidaires d’aujourd’hui et dans l’avenir.

    Après la guerre nos parents auraient dû tous rejoindre la Société pour l’amitié germano soviétique, mais ils ont préféré profiter des beaux voyages offerts par les organisations israéliennes et états-uniennes. Ce faisant ils ont ignoré l’interdiction de la la Société pour l’amitié germano soviétique et ajouté le tort causé aux communistes et amis des peuples de l’Union soviétique à celui infligé pendant le règne nazi.

    Nous sommes en train d’en ajouter encore à notre compte moral déjà en découvert. Il ne sert à rien de proclamer not in my name car cette fois nos gouvernants risquent notre propre anéantissement. Il nous imposent leur guerres criminelles avec ou contre ma volonté expresse. Nous risquons le sort des peuples qui choisissent le mauvais côté de l’histoire.

    24.8.2026 von Natascha Wodin - Die Schriftstellerin bezieht Stellung zur Aussage der „Tötung von Russen“. Wodin zeigt, dass die Russophobie nach 1945 weiter schwelte und nun neu aufbricht.

    Die Schriftstellerin Natascha Wodin hat einen Brief an die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) geschrieben. Wodin kam im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs als Kind einer Ukrainerin und eines Russen zur Welt. Ihre Eltern waren als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt worden. Was ihr in ihrer Kindheit „im besiegten Nachkriegsdeutschland an Russenhass, Gewalt und Verachtung entgegenschlug“, habe ihr „Leben empfindlich beschädigt“. Wodin schreibt, Deutschland habe ihr „ein Leben in Frieden, Freiheit, Pluralität und Wohlstand ermöglicht“. Aber jetzt habe „sich die Zeit zurückgespult, jetzt, als alte Frau, ist mir oft, als sei ich wieder im Deutschland meiner Kindheit“.

    Wodins erster Roman „Die gläserne Stadt“ erschien 1983. Es folgten zahlreiche weitere Veröffentlichungen, darunter die Romane „Nachtgeschwister“ und „Irgendwo in diesem Dunkel“. Ihr Werk wurde unter anderem mit dem Hermann-Hesse-Preis, dem Brüder-Grimm-Preis und dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet. Für „Sie kam aus Mariupol“ wurden ihr der Alfred-Döblin-Preis, der Preis der Leipziger Buchmesse und der Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil 2019 verliehen. 2022 wurde sie mit dem Joseph-Breitbach-Preis für ihr Gesamtwerk ausgezeichnet. Ihr Buch „Die späten Tage“ erschien im vergangenen Jahr bei Rowohlt.

    Anlass ihres bemerkenswerten Briefes ist die Frage des Korrespondenten der FAZ, was die Europäer tun könnten, um „mehr Russen zu töten, russische Soldaten natürlich“. Wodin sagt, sie habe Verständnis dafür, dass die FAZ den Abdruck des Briefes abgelehnt habe, da die russische Justiz den Korrespondenten zeitgleich zur Fahndung ausgeschrieben hatte.

    Quand je publie un appel au meurtre en Allemagne on me juge comme le complice du meurtrier. C’est ce que fait la justice russe.

    Die Redaktion verurteilt das Vorgehen der russischen Behörden auf das Schärfste. Meinungs- und Pressefreiheit müssen unbedingt geschützt werden, auch wenn man Aussagen inhaltlich vehement ablehnt. Das Wesen einer freiheitlichen Demokratie besteht darin, dass sie die freie Rede garantiert. In einer offenen Gesellschaft wird Meinung nicht mit dem Polizeistaat eingeschränkt. Das Mittel des Diskurses ist nicht die Repression, sondern der Widerspruch.

    https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__26.html

    Strafgesetzbuch (StGB)
    § 26 Anstiftung
    Als Anstifter wird gleich einem Täter bestraft, wer vorsätzlich einen anderen zu dessen vorsätzlich begangener rechtswidriger Tat bestimmt hat.
    ...
    § 111 Öffentliche Aufforderung zu Straftaten
    (1) Wer öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten eines Inhalts (§ 11 Absatz 3) zu einer rechtswidrigen Tat auffordert, wird wie ein Anstifter (§ 26) bestraft.
    (2) Bleibt die Aufforderung ohne Erfolg, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe. Die Strafe darf nicht schwerer sein als die, die für den Fall angedroht ist, daß die Aufforderung Erfolg hat (Absatz 1); § 49 Abs. 1 Nr. 2 ist anzuwenden.

    Dans le cas d’un meurtrier en série la peine prononcée est souvent la perpétuité suivie d’une détention de sûreté. C’est la peine prévue par la loi allemande pour le journaliste Martens. Il y échappe car tuer du Russe n’est apparemment plus un crime ein Allemagne.

    Natascha Wodin thematisiert in ihrem nunmehr offenen Brief die in Deutschland verbreitete Russophobie und beschreibt, welche Verheerungen diese anrichtet. Wir veröffentlichen den Brief, weil die Darstellungen der Schriftstellerin über den gegenwärtigen Anlass hinaus gültig sind. (mm.)

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    Sehr geehrter Herr Martens,

    Sie werden wissen, dass der israelische Polizeiminister Ben-Gvir dieser Tage dazu aufgefordert hat, pro Nacht 30 bis 40 in Gaza lebende Palästinenser zu töten. Vielleicht war er inspiriert von der Frage, die Sie am 8. August während einer Pressekonferenz in Belgrad dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj gestellt haben. Sie fragten, wie wir, die Europäer, der Ukraine konkret helfen könnten, mehr Russen zu töten. Russische Soldaten natürlich, fügten Sie hinzu.

    Abgesehen davon, dass die Frage falsch gestellt ist, weil ein Großteil von Russland zu Europa gehört und dort ebenfalls Europäer leben, verwirft sie alles, was ich bisher, offenbar naiv, für irreversible Errungenschaften unserer Zivilisation und Kultur hielt.

    Vielleicht folgten Sie auf dieser Pressekonferenz einer Aussage des vor kurzem entlassenen ukrainischen Verteidigungsministers Mychajlo Federow, der am 20. Januar dieses Jahres verlautbaren ließ, das strategische Ziel der ukrainischen Armee sei es, 50.000 Russen pro Monat zu töten. Ging es Ihnen mit Ihrer Frage vielleicht sogar um die Übererfüllung des ukrainischen Plansolls?

    Sie trafen mit Ihren Worten zweifellos ins Herz der nackten, unbeschönigten Wahrheit, um die es im Krieg geht. Um das Töten in größtmöglicher Zahl. Deutlicher, ehrlicher und entlarvender als Sie kann man es nicht ausdrücken. Ich würde mir gern einreden, Sie hätten mit Ihren Worten den Apologeten des Krieges den Spiegel vorhalten wollen, aber das war, wie ich fürchte, nicht Ihre Absicht.

    Ich kam im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs als Kind einer Ukrainerin und eines Russen zur Welt. Man hatte meine Eltern als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt, zwei von Millionen, die in Hitlers Kriegsindustrie verschlissen wurden. Ein völkerrechtswidriges Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das bis heute nur schwach ausgeleuchtet ist. Was mir in meiner Kindheit im besiegten Nachkriegsdeutschland an Russenhass, Gewalt und Verachtung entgegenschlug, hat mein Leben empfindlich beschädigt. Meine Mutter war Ukrainerin, aber damals hat noch niemand zwischen Russen und Ukrainern unterschieden. Sie hielt den Hass nicht aus und nahm sich mit 36 Jahren das Leben.

    Heute werden wieder Russen mit deutschen Waffen getötet, nach Ihrer Ansicht, Herr Martens, wohl viel zu wenige. Sie gelten erneut als Barbaren, als Weltfeind, als Monster, nah an jenen schauerlichen Wesen mit Schwanz und Hörnern, als die sie während des Zweiten Weltkriegs dargestellt wurden. Russland wird wieder als das Reich des Bösen gesehen, das Ronald Reagan schon im Jahr 1983 von der Erdoberfläche zu tilgen versprach.

    Ich lese immer wieder, dass der Putsch auf dem Maidan von den USA geplant, organisiert und bezahlt war. Ich weiß nicht, ob das stimmt, ich kann es nicht nachprüfen. Wer weiß heute überhaupt noch, was stimmt und was Propaganda, Fake, Manipulation, was Lüge und was Wahrheit ist?! Aber ich höre immer wieder mit meinen eigenen Ohren, wie Wladimir Putin in russischer Sprache wiederholt, dass er noch nie daran gedacht hat, Europa anzugreifen, dass derartige Behauptungen grober Unfug seien, dass er nicht wüsste, wozu er das tun sollte. Im letzten Jahr hat Moskau der EU und der Nato sogar einen Nichtangriffspakt angeboten, aber dieses Angebot wurde nicht angenommen. Die gebetsmühlenartige Antwort des Westens auf alle Versuche Russlands, die Lage zu deeskalieren, lautet: Putin lügt. Glauben Sie das auch, Herr Martens? Warum? Warum ist noch kein einziger deutscher Politiker seit Beginn des Krieges nach Moskau gereist, um Putin auf den Zahn zu fühlen? Weil wir über ihn schon alles wissen, immer gewusst haben und immer wissen werden, egal was er sagt? Werden wir ihm, während die Nato Russland immer dichter auf den Leib rückt, so lange suggerieren, dass er drauf und dran ist, uns zu überfallen, bis er es endlich tun wird? Sind wir um keinen Preis gewillt, die tödliche Kriegsspirale anzuhalten, sind wir bereit, unsere Zivilisation, unsere Existenz dafür zu opfern, dass wir am Ende Recht behalten? Wollen wir diesen Krieg? Wozu die drakonische Aufrüstung, die unsere Zukunft auffrisst, da doch bekannt ist, dass Russland der Nato militärisch hoffnungslos unterlegen ist?! Man kann einwenden, Russland besitze das größte Atomwaffenarsenal der Welt, aber das scheint mir ein etwas lächerliches Kettenrasseln zu sein. Mehr als einmal kann man unseren Planeten nicht zerstören. Und das kann die Nato allemal auch.

    Putins „militärische Spezialaktion“ hat mich zutiefst verstört und mir einen Teil der inneren Heimat genommen, die Russland mir war, aber die katastrophale Entwicklung dieses Krieges hat dazu geführt, dass ich mich inzwischen mehr als vor Putin vor Donald Trump und vor einigen deutschen Politikern fürchte. Und vor Journalisten wie Ihnen.

    Es gab eine Zeit, in der ich glaubte, dass der Abgrund zwischen Ost und West sich allmählich schließt, dass ein Strahl Vernunft und Versöhnung in das Dunkel zwischen diesen beiden Welten zu fallen beginnt, aber ich habe mich getäuscht. Russenhass und Russenangst sind in Deutschland nie vergangen, die Russen sind immer Feindbild und Projektionsfläche für alles Böse geblieben. Der Hass hat nur ein wenig geschlafen, er hat sich ausgeruht, um nach einer kurzen Pause, nach einer vorübergehenden Gorbimania, wieder umso heftiger aufzuflammen aus den Glutnestern unter der Asche, die ein paar Windstöße wieder in einen Flächenbrand verwandelt haben.

    Ich habe Deutschland viel zu verdanken, es hat mir nach einem schwierigen, traumatischen Anfang ein Leben in Frieden, Freiheit, Pluralität und Wohlstand ermöglicht, ich konnte meinen Weg gehen. Aber jetzt hat sich die Zeit zurückgespult, jetzt, als alte Frau, ist mir oft, als sei ich wieder im Deutschland meiner Kindheit.

    Natascha Wodin

    #Allemagne #Russie #URSS #guerre #génocide

  • Vernichtungskrieg (I) : „Der russische Magen ist dehnbar“ – Vor 85 Jahren überfiel Hitlers Wehrmacht die Sowjetunion
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=152331

    On dit que la première victime des guerrse serait la vérité. Soit, mais souvent le langage est victime avant elle. Leo Ensel discute l’emploi du terme "guerre d’extermination" comme expression de propagande.

    En Allemagne nous vivons avec deux mensonges qui constituent la raison d’état de la structure politique qui est le successeur de l’état allemand nazi.

    D’abord on nous fait croire en l’identite de l’état juif en Palestine avec tous les juifs du monde entier. C’est évidemment faux.

    Puis on nous élève dans le mensonge du génocide des juifs d’Europe comme le plus important génocide et du plus grand crime de l’histoire humaine. Pourtant ce crime de nos parents et grand parents est comme le train qui peut en cacher d’autres. On essaye de nous faire oublier les vingt sept millions de slaves, voire trente millions ou plus quand on compte aussi les victimes polonaises, assassinés afin de créer à l’Est de l’espace pour le peuple allemand.

    On a tué quatre fois et demi le nombre de personnes de race (définition nazie) slave que de personnes de race (toute aussi imaginaire) juive. Le crime crime raciste n’est qu’un seul et unique sur le sol européen, mais le pouvoir allemand d’aujourd’hui en fait disparaître dans un tour de magie les trois quarts des victimes.

    Notre raision d’état devrait se fonder sur la paix avec les descendants des victimes et la quête du pardon pour l’ensemble des crimes commis par les nazie et les sujets de l’empereur, la première et la deuxième guerre mondiale n’étant que deux épisodes de la même lutte impérialiste pour l’Europe orientale dont la troisième campagne vient de commencer il y a environ dix ans.

    En 1989 l’impérialisme occidental.a eu raison des régimes populaires défenseurs de la paix entre les peuples. Les tentatives de récupération des terres soviétiques par les méthodes commerciales ayant échouées les impérialistes retournent vers ce qui leur paraît le plus rentable et ce qu’ils savent faire le mieux.

    Les médias entre les mains des puissants nous servent la propagande qui doit nous convaincre de soutenir leurs sales affaires.

    20.6.2026 von Leo Ensel - 85 Jahre nach dem Überfall Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion nimmt die Orwell‘sche Sprachverdrehung hierzulande mittlerweile atemberaubende Züge an. Nach dem „Vernichtungskrieg“, den der „zweite Hitler“ im Kreml seit über vier Jahren angeblich gegen die Ukraine führt, wird nun auch noch größenwahnsinnig eine „bedingungslose Kapitulation Russlands“, eine „Stunde Null“ mit anschließendem Kriegsverbrecherprozess eingefordert. Höchste Zeit, die Maßstäbe wieder richtigzustellen: Ein veritabler Vernichtungskrieg war Hitlers Krieg gegen die Sowjetunion, der von Anfang an als solcher geplant war. Fast 27 Millionen Sowjetbürger fielen ihm zum Opfer.

    Je länger der russische Krieg gegen die Ukraine – bei westlicher Totalverweigerung in Sachen Diplomatie – andauert; je dramatischer die Gefahr wächst, dass dieser Krieg sich noch auf Mitteleuropa ausweiten und im Worst Case zu einem Flächenbrand, einem (am Ende nuklearen) dritten Weltkrieg eskalieren könnte, desto schriller überschlagen sich hierzulande Medien und Politik in Ton und Wortwahl.

    Es begann mit dem „Vernichtungskrieg“ Russlands gegen die Ukraine, mit dem bereits sechs Tage (!) nach Kriegsbeginn als Avantgardist eigner Art Norbert Röttgen glänzte. (Friedrich Merz und der damalige Kanzler Olaf Scholz zogen spätestens Ende März bzw. Anfang Mai 2022 nach.) „Hitler-Vergleiche“ werden – siehe Milošević und Saddam Hussein – hier eh gerne aus dem Zylinder gezaubert: Der russische Präsident verfügt da zwar über kein Alleinstellungsmerkmal, stellt jedoch die aktuelle Reinkarnation dar. Einer Marie-Agnes Strack-Zimmermann allerdings blieb es vorbehalten, im März 2025 unwidersprochen zu verkünden, der „Mörder und Killer“ im Kreml habe (wörtlich) „Hunderte von Millionen Menschen unter die Erde gebracht“. Eine vorläufige Klimax scheint nun mit Roderich Kiesewetters größenwahnsinniger Forderung nach einer „bedingungslosen Kapitulation Russlands“, einer „Stunde Null“, inclusive eines (subkutan eingeforderten) neuen „Nürnberger Prozesses“ erreicht.

    Immer unabweisbarer drängt sich der Eindruck auf, dass der Ukrainekrieg für eine zunehmende Zahl von Spitzenpolitikern und -journalisten einen willkommenen Anlass bietet, Deutschland nicht nur ein für alle Male zu exkulpieren, sondern sich bei dieser Gelegenheit auch noch für die Niederlage im Zweiten Weltkrieg zu rächen und dessen Ergebnisse endgültig zu revidieren. – Höchste Zeit, die Maßstäbe wieder zurechtzurücken und sich den brutalsten Krieg der Weltgeschichte in seinen Einzelheiten nochmals intensiv vor Augen zu führen!

    „Der russische Magen ist dehnbar“

    „Armut, Hunger und Genügsamkeit erträgt der russische Mensch schon seit Jahrhunderten. Sein Magen ist dehnbar, daher kein falsches Mitleid.“

    Dies schrieben nicht etwa Hitler, Himmler oder Goebbels. Der Satz stammt von Herbert Backe, Staatssekretär im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Er findet sich in einem als „Gelbe Mappe“ bezeichneten Papier, das Görings Ernährungsbeauftragter genau drei Wochen vor dem Überfall auf die Sowjetunion unter dem Rubrum „Geheime Kommandosache“ über 10.000 Landwirtschaftsführern im ‚Reich‘ zukommen ließ. Die gesamte künftige Besatzungspolitik des riesigen zu erobernden Raums im Osten solle unter dem obersten Prinzip „Was nützt es Deutschland?“ stehen. Bereits einen Monat zuvor, am 2. Mai 1941, hatte es in einer Sitzung von Staatssekretären und führenden Offizieren der Wehrmacht geheißen: „Der Krieg ist nur zu führen, wenn die gesamte Wehrmacht im dritten Kriegsjahr aus Russland ernährt wird. Hierbei werden zweifellos zig Millionen Menschen verhungern, wenn das für uns Notwendige aus dem Lande herausgeholt wird.“

    Der Überfall als ‚Kriegsnotwendigkeit‘

    Im zweiten Jahr des von ihnen entfesselten Krieges hatten die deutschen Aggressoren sich in eine Sackgasse manövriert. Trotz erfolgreicher Blitzkriege gegen Polen, Dänemark, Norwegen, die Niederlande, Belgien und Frankreich war es Hitlers Wehrmacht nicht gelungen, England in die Knie zu zwingen. Der kriegsentscheidende Sieg an der Westfront war damit in weite Ferne gerückt. Nach wie vor konnte die britische Schlachtflotte mittels Seeblockade Deutschland in existenzielle Bedrohung bringen.

    Schon zu Friedenszeiten war das Deutsche Reich nicht in der Lage gewesen, sich aus den Erträgen der eigenen Landwirtschaft zureichend zu ernähren. Wie der Historiker Götz Aly in seinem viel beachteten Band „Hitlers Volksstaat“ herausgearbeitet hat, „gelang es der NS-Führung auch mit äußerstem Kräfteaufwand allenfalls, 83 Prozent der eigenen notwendigen Lebensmittel im Inland produzieren zu lassen. In jedem Fall blieben Einfuhren – insbesondere von Pflanzenfett und Futtergetreide – notwendig, um die Bevölkerung ausreichend zu versorgen. Die Mobilisierung der Streitkräfte führte zwangsläufig zum Mangel an Kunstdünger, für den derselbe Stickstoff gebraucht wurde wie für die Pulverproduktion; ferner fehlte es bald an Männern, Pferden, Traktoren, neuen Maschinen und Treibstoff.“ All diese Importgüter, und nicht zuletzt das kriegsnotwendige Erdöl, waren unter den Bedingungen der britischen Seeblockade zu schwer erreichbarer Mangelware geworden.

    Was Hitler in „Mein Kampf“ unter dem Stichwort „Lebensraum im Osten“ noch eher vage als ideologisches Fernziel angedeutet hatte – die Eroberung der Sowjetunion bis zum Ural sowie die Vertreibung, Versklavung und Ermordung der dortigen Bevölkerung – und was er noch am 11. August 1939 gegenüber dem Schweizer Völkerbundkommissar Carl Jacob Burckhardt so formuliert hatte: „Alles was ich unternehme, ist gegen Russland gerichtet; wenn der Westen zu dumm und zu blind ist, um dies zu begreifen, werde ich gezwungen sein, mich mit den Russen zu verständigen, den Westen zu schlagen, und dann nach seiner Niederlage mich mit meinen versammelten Kräften gegen die Sowjetunion zu wenden. Ich brauche die Ukraine, damit man uns nicht wieder wie im letzten Krieg aushungern kann.“ – dies wurde nun im Frühjahr 1941 aus der Perspektive der Täter zur dringenden „Kriegsnotwendigkeit“.

    „Sie starben, damit Deutschland lebe“

    Hitlers letzter Satz bringt das Trauma der Nazis auf den Punkt: Eine aus Hunger, Mangelernährung und Kriegsmüdigkeit geborene Revolution der eigenen Bevölkerung gegen das Regime, wie im November 1918, sollte um jeden Preis – sprich: auf Kosten der sowjetischen Bevölkerung – verhindert werden. Oder mit den späteren Worten Görings vom 24. August 1942: „Bevor das deutsche Volk in eine Hungerkatastrophe kommt, sind die besetzten Gebiete und ihre Bevölkerung dem Hunger auszuliefern.“ Am 8. November des Vorjahres hatte er vom „größten Sterben seit dem Dreißigjährigen Kriege“ gesprochen. Sein Kollege, der Reichsführer SS Heinrich Himmler, gab bereits Mitte Juni 1941, eine Woche vor dem Überfall, bei einem Treffen mit hohen SS-Führern auf der Wewelsburg als Planziel eine „Dezimierung der sowjetischen Bevölkerung um 30 Millionen Menschen“ vor.

    Am 22. Juni 1941 fiel die Wehrmacht mit rund drei Millionen Soldaten und 625.000 Pferden in die Sowjetunion ein, wo sie anfangs gegen eine sich zäh verteidigende, aber schlecht organisierte Rote Armee – Stalin hatte sie zuvor der meisten ihrer führenden Köpfe beraubt – weite Geländegewinne verzeichnen konnte und bei den großen Kesselschlachten Hunderttausende sowjetische Soldaten in Gefangenschaft nahm. Um die Bevölkerung im ‚Reich‘ zu entlasten, hatte die Wehrmacht die Devise, sich „aus dem Lande“ zu ernähren. Hitlers allgemeine Anweisung „Es kommt darauf an, den riesenhaften Kuchen handgerecht zu zerlegen, damit wir ihn erstens beherrschen, zweitens verwalten, drittens ausbeuten können. Der Riesenraum im Osten muss zunächst schnellstmöglichst befriedet werden, am besten dadurch, daß man Jeden, der nur schief schaut, totschießt“, war von Verwaltung und Wehrmacht bereits in konkrete Pläne für die Besatzungspolitik operationalisiert worden.

    Die Bevölkerungs- und Ernährungsspezialisten aus der Verwaltung teilten den sowjetischen Raum westlich des Urals in sogenannte „Überschuss-“ und „Zuschussgebiete“ ein. Geplant war, die fruchtbaren „Überschussgebiete“, die sie im Schwarzerdegebiet, der Ukraine und im Kaukasus ausmachten, von den nördlich gelegenen „Zuschussgebieten“ hermetisch abzuriegeln und die Bevölkerung dem Hungertod preiszugeben. In den „Wirtschaftspolitischen Richtlinien für Wirtschaftsorganisation Ost, Gruppe Landwirtschaft“ vom 23. Mai 1941 las sich das so: „Die Bevölkerung dieser Gebiete, insbesondere die Bevölkerung der Städte, wird größter Hungersnot entgegensehen müssen. Viele 10 Millionen von Menschen werden in diesem Gebiet überflüssig und werden sterben oder nach Sibirien auswandern [ein Euphemismus für brutale Vertreibung; L.E.] müssen.“

    In der Realität erwies sich dieser Plan jedoch über weite Strecken als schwer praktikabel, da die deutsche Besatzungsmacht sich außerstande sah, die hungerbedingten Wanderungsbewegungen zu unterbinden. Punktuell konnte er allerdings durchaus – und im Sinne der deutschen Aggressoren infernalisch erfolgreich – umgesetzt werden: Dies gilt insbesondere, ein klarer Verstoß gegen das damals geltende Kriegsvölkerrecht, für die sowjetischen Kriegsgefangenen, von denen 3,3 Millionen (d.h. 57,9 Prozent) in deutschem Gewahrsam an Hunger, Entkräftung und Seuchen elendig verreckten. (Dass die auf diese Weise ermordeten sowjetischen Kriegsgefangenen – ihr Tod war von vorneherein „als Kriegsnotwendigkeit“ einkalkuliert – nach den europäischen Juden die zweitgrößte Opfergruppe der Nationalsozialisten darstellen, ist nach wie vor im deutschen Bewusstsein nicht angemessen präsent.)

    Durchsetzen ließ sich der Plan ebenfalls bei der um die 500 Tage dauernden hermetischen Einschließung von Leningrad – das später wie Moskau und die anderen großen Städte „dem Erdboden gleichgemacht“ werden sollte –, die 900.000 bis eine Million Opfer forderte. Andere Städte wie Charkow glichen aufgrund der rigiden Requirierungen durch die Besatzer und der Abriegelung der Stadt zeitweise einem Hungerghetto. In der Ukraine und auf der Krim wurden ganze Regionen zu „Kahlfraßzonen“, in denen keinerlei Lebensmittel oder andere verwertbare Güter mehr vorhanden waren.

    Kurz: Das zynische Epitaph des Völkischen Beobachters vom 4. Februar 1943 für die gefallenen deutschen Stalingradkämpfer „Sie starben, damit Deutschland lebe“ trifft zu hundert Prozent zu, wenn man es auf die Millionen Sowjetbürger bezieht, die zugunsten der Deutschen in Wehrmacht und ‚Reich‘ Hungers sterben mussten.

    Vernichtungskrieg (II) : „Jeden totschießen, der nur schief schaut“ – Vor 85 Jahren überfiel Hitler-Deutschland die Sowjetunion
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=152643

    22.6.2026 von Leo Ensel. - 85 Jahre nach dem Überfall Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion nimmt die Orwell‘sche Sprachverdrehung hierzulande mittlerweile atemberaubende Züge an. Nach dem „Vernichtungskrieg“, den der „zweite Hitler“ im Kreml seit über vier Jahren angeblich gegen die Ukraine führt, wird nun auch noch ungeniert eine „bedingungslose Kapitulation Russlands“, eine „Stunde Null“ mit anschließendem Kriegsverbrecherprozess eingefordert. Höchste Zeit, die Maßstäbe wieder richtigzustellen: Ein veritabler Vernichtungskrieg war Hitlers Krieg gegen die Sowjetunion, der von Anfang an als solcher geplant war. Fast 27 Millionen Sowjetbürger fielen ihm zum Opfer.

    Seit Beginn des russischen Kriegs gegen die Ukraine wurde in Kiew immer wieder erklärt – und von den deutschen Leitmedien bis heute begierig aufgegriffen –, Russland führe einen „Vernichtungskrieg“ gegen die Ukraine. In einem Land, in dem bei gefühlt jeder dritten öffentlichen Debatte ein unzulässiger „Hitler-Vergleich“ oder eine „Relativierung des Holocaust“ dingfest gemacht wird, überrascht die Gedankenlosigkeit, mit der dieser Begriff seitdem fast überall nachgeplappert wird. Den Vorwurf einer Relativierung der deutschen Verbrechen im Krieg gegen die Sowjetunion hat man in diesem Zusammenhang jedenfalls noch nirgends vernommen. Wenn aber jemals ein Krieg die Bezeichnung „Vernichtungskrieg“ verdient hat, dann der, den Wehrmacht und SS zwischen 1941 und 1944 auf dem Territorium der Sowjetunion führten.

    Verbrecherische Befehle und Massenmord

    Die Wehrmacht leistete hier keineswegs, wie später in der Nachkriegszeit suggeriert, höchstens widerwillig ‚Dienst nach Vorschrift‘. Bereits Hitlers Anweisung, jeden totzuschießen, „der nur schief schaue“, war von ihr schon vor dem Überfall auf die Sowjetunion ‚proaktiv‘ in verbrecherische Befehle gegossen worden.

    Mit dem am 13. Mai 1941 vom Oberkommando der Wehrmacht (OKW) verfügten „Kriegsgerichtsbarkeitserlass“ wurde u.a. der Verfolgungszwang für „Handlungen, die Angehörige der Wehrmacht gegen feindliche Zivilpersonen begehen“, aufgehoben. Dies sollte auch dann gelten, „wenn die Tat ein militärisches Verbrechen oder Vergehen ist“. Damit wurde den deutschen Soldaten de facto ein Freibrief erteilt und die sowjetische Zivilbevölkerung schutzlos der Willkür lokaler Befehlshaber ausgeliefert. Nur wenige Wochen später, am 6. Juni 1941, erließ das OKW den „Kommissarbefehl“. Die politischen Kommissare galten als die ideologischen Funktionäre innerhalb der Roten Armee und wurden nicht als Soldaten anerkannt. Sie sollten im Kampf oder sofort „nach durchgeführter Absonderung“ getötet werden.

    Mit beiden Befehlen setzte die Wehrmachtsführung – in voller Kenntnis der verbrecherischen Folgen ihrer Anordnungen – wesentliche Bestandteile des damals geltenden Kriegsvölkerrechts außer Kraft, das eine Reihe von international anerkannten Grundsätzen, vor allem zum Schutze der Zivilbevölkerung und Kriegsgefangenen, enthielt. Damit schuf die Führung der Wehrmacht die wesentlichen Voraussetzungen für einen bis dahin präzedenzlosen Rassen- und Vernichtungskrieg, vor allem gegen die jüdische Bevölkerung.

    Genozide und Wüstenzonen

    Der systematische Massenmord an den europäischen Juden begann auf dem Gebiet der Sowjetunion. Anfängliche punktuelle brutalste antijüdische Pogrome der lokalen Bevölkerung, vor allem in Litauen, Lettland und der Westukraine – von der SS „Selbstreinigungsaktionen“ genannt –, denen die als Besatzungsmacht verantwortliche Wehrmacht tatenlos zusah, wurden rasch abgelöst von systematischen Erschießungen durch die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD. Beschränkte man sich anfangs ‚nur‘ auf jüdische Männer im wehrfähigen Alter, so wurden spätestens ab August 1941 ganze jüdische Gemeinden durch Massenerschießungen ausgerottet. In jedem kleineren weißrussischen oder ukrainischen Ort war die Opferzahl mindestens vierstellig. Schätzungen zufolge ermordeten die deutschen Besatzer zwischen 2,5 und 2,6 Millionen sowjetische Juden. Die Wehrmacht leistete nicht selten logistische Unterstützung.

    Ähnlich gestaltete sich die mörderische Zusammenarbeit zwischen Wehrmacht, SS und Ordnungspolizei im Rahmen des Anti-Partisanenkampfes, wo zwischen 1942 und 1943, vor allem auf dem Gebiet Weißrusslands, ganze Landstriche in „Wüstenzonen“ verwandelt wurden. Tausende von Dörfern wurden niedergebrannt, Hunderte von ihnen samt der Bevölkerung, die man zuvor in die Dorfscheune oder Kirche gesperrt hatte. Allein für Belarus, das mit mehr als einem Viertel seiner Bevölkerung den prozentual größten Blutzoll zahlen musste, belaufen sich die Schätzungen auf 300.000 bis 350.000 getötete Menschen. (Wer sich von den Gräueltaten einen Eindruck verschaffen will, sollte die weißrussische Gedenkstätte Chatyn, den „Friedhof der Dörfer“, besuchen oder, wenn er es ertragen kann, sich den Film „Komm und sieh/ Иди и смотри“ von Elen Klimow aus dem Jahre 1985 ansehen.)

    Bei ihrem erzwungenen Rückzug hinterließen die deutschen Truppen eine Spur der Verwüstung. Ziel der deutschen Führung war es nun, nur „verbrannte Erde“ zurückzulassen. Alles, was irgendwie lebenswichtig war, sollte zerstört werden: Industrieanlagen, Bergwerke, Wasser- und Elektrizitätswerke, Brücken, Dämme, Schleusen, das Schienennetz, Landmaschinen, Mühlen, Molkereien, die Ernte auf den Feldern, ebenso Transportmittel und Vorräte aller Art, soweit man sie nicht abtransportieren konnte. Die arbeitsfähige Zivilbevölkerung wurde zwangsevakuiert, oft unter grauenhaften Bedingungen. Der schnelle sowjetische Vormarsch verhinderte, dass dies überall im angestrebten Umfang geschah.

    Zieht man eine Bilanz dieses barbarischsten aller Kriege und stellt man die Zahl der toten Sowjetbürger, fast 27 Millionen, den ursprünglich anvisierten 30 Millionen gegenüber, so muss man zynisch konstatieren, dass die Besatzer ihr national-sozialistisches Planziel annähernd erreicht haben.

    Umso größer das Wunder – jeder, der dort hinreist, wird das bestätigen –, dass in den Bevölkerungen der am schlimmsten betroffenen Länder Belarus, der Ukraine und Russland keinerlei Hass auf die Deutschen herrscht. (Jedenfalls war das bis vor Kurzem noch so …) Dies ist eine zivilisatorische Vorleistung ohnegleichen, die in Deutschland noch immer nicht zur Kenntnis genommen, geschweige denn angemessen gewürdigt wird!

    Nachkriegsamnesie …

    Auf dem Gebiet der alten Bundesrepublik, wo der Verfasser dieses Essays geboren wurde, verhinderte der aufkommende Kalte Krieg mit dem erneuerten Feindbild „Sowjetunion“ jahrzehntelang die Beschäftigung mit den beispiellosen Gräueltaten, die die deutschen Besatzer dort verübt hatten. Direkte menschliche Kontakte zwischen den Bevölkerungen beider Länder verhinderte auf Seiten des Westens der Eiserne Vorhang. (Und heute, anno 2026, sind wir, was Russland und Belarus angeht, wieder in derselben Situation.) Manche Kriegsgefangene brachten immerhin den Satz „Der Russe an sich ist gut!“ mit nach Hause. Die verantwortlichen Massenmörder, sofern sie überlebt hatten, zogen sich meist unauffällig in ein bürgerliches Leben zurück, die wenigsten von ihnen wurden juristisch belangt.

    In den Fünfzigerjahren erschien eine ganze Rechtfertigungsliteratur ehemaliger Wehrmachtsgeneräle unter dem Motto: „Ohne Hitlers idiotische Kriegsführung hätten wir den Krieg doch noch gewonnen!“ Als die Verbrechen der SS-Einsatzgruppen nicht mehr zu leugnen waren, hielt man umso hartnäckiger am Bild der „sauberen Wehrmacht“ fest. Dies war psychohygienisch umso erforderlicher, als die 18 Millionen Wehrmachtssoldaten ja einen repräsentativen Querschnitt der deutschen Bevölkerung darstellten. Grundsätzlich ins Wanken gebracht wurde diese Legende erst durch die beiden Wanderausstellungen des Hamburger Instituts für Sozialforschung „Verbrechen der Wehrmacht“ (1995-1999 sowie in überarbeiteter Form 2001-2004), die über einen langen Zeitraum massiven – nicht nur publizistischen – Gegenwind ernteten.

    Selbst, dass es sich beim Krieg gegen die Sowjetunion um keinen Krieg im herkömmlichen Sinne handelte, sondern um einen Vernichtungskrieg, in dem die Regeln des damals geltenden Kriegsvölkerrechts von Beginn an willkürlich außer Kraft gesetzt worden waren, war jahrzehntelang überhaupt nicht und ist heute bestenfalls rudimentär im Bewusstsein der Deutschen verankert. (Und genau dieser Begriff degeneriert nun durch zunehmend inflationären Gebrauch ausgerechnet in umgekehrter Richtung zur beliebig verwendbaren Floskel oder Kampfformel!) Entsprechend gering ausgeprägt ist nach wie vor die Empathie für das Leiden der Menschen in Russland und Belarus während der deutschen Besatzung. (Bezogen auf die Ukraine wird das nun anders – aus durchsichtigen Gründen, versteht sich!)

    Wirkliche Verständigungsversuche fanden in Westdeutschland bis zur Wiedervereinigung nur spärlich und eher ‚von unten‘ statt: Unter anderem in ersten interkonfessionellen Kontakten – die evangelischen Kirchen Deutschlands veröffentlichten ‚schon‘ Ende der Achtzigerjahre eine Denkschrift „Versöhnung und Frieden mit den Völkern der Sowjetunion“ –, später ab den Neunzigerjahren von Mensch zu Mensch in den deutsch-russischen Städtepartnerschaften, dem Deutsch-Russischen Forum oder einer Reihe von Einzelinitiativen wie zum Beispiel der deutsch-russischen Initiative „Musik für den Frieden – Mузыка ради Mира“.

    … und aktuelle Behinderungen

    All diese Kontakte – sollten sie überhaupt noch existieren – sind seit dem 24. Februar 2022 von deutscher Seite einer starken Belastungsprobe ausgesetzt. Reisen via Bahn, Bus oder Flugzeug direkt nach Russland oder Weißrussland sind durch das Sanktionsregime gecancelt und nur noch über zeitaufwändige und kostspielige Umwege (wie Belgrad, Istanbul, Baku) möglich. Westliche Kreditkarten funktionieren in Russland aus denselben Gründen ebenfalls nicht mehr. Die entsprechend großen Bargeldsummen, die nun mitgenommen werden müssen, sollte man vor dem Grenzübertritt alle in Dollar umtauschen, in Euro können sie sonst von den EU-Behörden konfisziert werden. Visa für russische Staatsbürger werden, wenn überhaupt, nur noch in seltenen Ausnahmefällen ausgestellt.

    Und über 80 Jahre nach Kriegsende wird auch das offizielle Gedenken (so es denn noch stattfindet) im politischen und Mediendiskurs durch eine neue geopolitische Instrumentalisierung überlagert, bei der nun die gefallenen Soldaten Russlands, Weißrusslands und der Ukraine gegeneinander in Stellung gebracht werden: Das noch von Annalena Baerbock geführte Auswärtige Amt riet zum 8./9. Mai vergangenen Jahres – angeblich aus Sorge vor „russischer und belarussischer Propaganda“ – in einer „Handreichung an Länder, Kommunen und Gedenkstätten des Bundes“ davon ab, die Teilnahme von Vertretern von Russland und Belarus bei Gedenkveranstaltungen zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges zuzulassen und empfahl, ihnen gegebenenfalls den Zugang zu den Mahnmalen zu verwehren. Der Bundestag schließlich schloss sie auch noch von der zentralen Gedenkfeier aus. (Im Grunde alles nicht weiter tragisch, schließlich sind Russen, laut einer Florence Gaub, ja eh „keine Europäer“!)

    … und neuer deutscher Größenwahn

    Aber das alles reicht noch lange nicht: Der aktuelle Kanzler verspricht vollmundig, das Land zur „größten konventionellen Militärmacht Europas“ hochzurüsten und der Chef der deutschen Luftwaffe, Generalleutnant Holger Neumann, der es offenbar schon gar nicht mehr erwarten kann, tönt just eine Woche vor dem 85. Jahrestag des Überfalls im vertrauten Sound: „Wir sind bereit, heute Nacht gegen Russland zu kämpfen!“ Konkrete Ziele für „verheerende Luftschläge auf russischem Territorium“: die Exklave Kaliningrad, die Militärflotte am Schwarzen Meer sowie die Atomwaffenstützpunkte auf der Kola-Halbinsel. (Alles natürlich nur im Falle eines „russischen Angriffs auf NATO-Gebiet“.)

    Vergangenheitsbewältigung im auf „Kriegstüchtigkeit“ gegen Russland getrimmten Deutschland dreieinhalb Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung.

    #URSS #Allemagne #guerre #nazis #histoire #génocide

  • Cotisations sociales des artistes : en plus de dix ans, 37 millions d’euros ont été encaissés… mais pas attribués
    https://www.liberation.fr/economie/cotisations-sociales-des-artistes-en-plus-de-dix-ans-37-millions-deuros-o

    C’est un nouveau scandale au sein des organismes de sécurité sociale des artistes : entre 2006 et 2019, des millions d’euros ont été dûment versés par les cotisants mais ne leur sont pas revenus. Certains ont même été prélevés deux fois et n’ont pas été remboursés.

    Si une personne peu franchir le pay wall je suis preneuse pour cet article svp.

    • Les organismes de #sécurité_sociale des #artistes ont décidément un mode de fonctionnement très bohème. Après le scandale des 190 000 auteurs – dont le prix Nobel de littérature Jean-Marie Gustave Le Clézio – privés de #retraite car leurs #cotisations n’avaient pas été correctement prélevées, c’est un autre dysfonctionnement, pour le moins déconcertant, qui vient d’être mis au jour. Cette fois-ci, près de 37 millions d’euros de cotisations dûment versés et encaissés entre 2006 et 2019 n’ont jamais été attribués aux artistes, dont on ne connaît d’ailleurs même pas l’identité.

      Le motif ? Ces sommes n’ont soit pas été affectées aux #cotisants concernés parce qu’ils n’étaient tout bonnement pas identifiés (pour un montant global de 31,2 millions), soit ont été prélevées deux fois, sans que les personnes concernées ne soient remboursées de ce trop-perçu (5,6 millions). « Les artistes sont souvent sous le statut des bénéfices non commerciaux (#BNC) et c’est à ce titre qu’ils cotisent personnellement. Le problème, c’est que lorsqu’ils effectuent des prestations, dans des communes par exemple, ces dernières les font également cotiser. C’est sans doute la raison pour laquelle il y a des doubles cotisations », explique Katerine Louineau, représentante du comité pluridisciplinaire des artistes, auteurs et autrices. Ces millions d’euros ne se sont toutefois pas volatilisés dans la nature : ils ont été intégralement reversés à l’#Acoss (l’Agence centrale des organismes de sécurité sociale).

      « Un dysfonctionnement à l’ampleur tragique »

      Le pot aux roses a été découvert le 19 mai, lors du dernier conseil d’administration de la Sécurité sociale des artistes auteurs (#SSAA), l’organisme né de la fusion en 2022 entre l’Association pour la gestion de la sécurité sociale des auteurs (#Agessa, qui regroupait les écrivains, le cinéma, la musique, la photo) et la Maison des artistes (#MdA spécialisée dans les arts visuels). Le président de la SSAA, Matthieu Baudeau, vient de se fendre d’une lettre ouverte pour tirer la sonnette d’alarme. Un texte qu’il s’apprête à envoyer à ses ministères de tutelle, les Affaires sociales et la Culture, où il évoque « un nouveau dysfonctionnement à l’ampleur tragique » et où il souligne la responsabilité de la MdA, qui est à l’origine de cette bourde à grande échelle : « La Maison des artistes s’est montrée défaillante, et des artistes-auteurs ont été spoliés, ils ont payé sans s’ouvrir de droits ou ils ont payé doublement (une fois de trop) », écrit-il. Et de proposer des solutions pour sortir de cette situation ubuesque : « Pourquoi, à partir des sommes considérables […] ne pas constituer un fonds qui viendrait aider les auteurs pour financer la régularisation de leurs cotisations arriérées, rembourser ceux d’entre eux ayant payé deux fois leurs cotisations et plus largement abonder l’action sociale de la SSAA ? »

      Des explications parfois très créatives

      Matthieu Baudeau a soumis ce mardi 16 juin cette lettre ouverte à l’approbation des associations représentatives du secteur ainsi qu’aux syndicats qui siègent à son conseil d’administration. Le sujet a beau soulever l’indignation de tous, la lettre ne fait toutefois pas l’unanimité. « Nous ne la signerons pas, notamment parce qu’elle passe sous silence le fait que le problème perdure actuellement avec l’#Urssaf_Limousin [qui gère depuis 2019 le recouvrement des cotisations des artistes, ndlr], coupe tout net Katerine Louineau. J’estime qu’on a encore 20 millions d’euros supplémentaires qui ont été non affectés aux cotisants. Il faut qu’on fasse en sorte que ce dysfonctionnement cesse. » A ses yeux, les esquisses d’explication fournies lors du conseil d’administration pour justifier ces erreurs comptables ont parfois été… très créatives. « On a été jusqu’à nous dire que c’était probablement parce que les cotisants étaient morts ou avaient déménagé. Peut-être, mais là, ça voudrait dire qu’il y a eu une hécatombe ou une migration massive », ironise-t-elle. L’approbation des comptes n’a finalement pas été votée par le conseil d’administration de la SSAA. Une nouvelle réunion est prévue en septembre.

      Certaines organisations et syndicats espèrent désormais qu’une commission d’enquête parlementaire se penche sur ce scandale. Le député LFI René Pilato a déposé une résolution à l’Assemblée nationale en ce sens. Mais pour y parvenir, il doit obtenir la signature d’au moins dix députés de la majorité. Et pour l’heure, le compte n’y est pas.

      #double_cotisation #cotisations_sociales

  • Die Revanche – Zum 85. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion
    https://overton-magazin.de/kolumnen/dagdelen-direkt/die-revanche-zum-85-jahrestag-des-deutschen-ueberfalls-auf-die-sowje

    Operation Barbarossa - Gefangenenlager
    Autor/-in unbekanntUnknown author, Public domain, via Wikimedia Commons

    ❝17.6.2026 von Sevim Dagdelen - Während deutsche Generäle mit Angriffen auf Russland drohen und die Bundeswehr zur größten Armee Europas aufgerüstet wird, mahnt der 85. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion an die gefährlichen historischen Kontinuitäten.

    Vor wenigen Tagen drohte der deutsche Luftwaffenchef Holger Neumann mit Angriffen der Bundeswehr auf Russland, sollte Moskau NATO-Territorium angreifen. Neumann sagte, Deutschland sei bereit „heute Nacht zu kämpfen“ und stellte verheerende deutsche Luftschläge gegen die Atommacht Russland in Aussicht, die insbesondere die Kola-Halbinsel, Kaliningrad und die Region des Schwarzen Meeres treffen sollten. Damit reiht sich der 57-jährige deutsche Luftwaffengeneral Neumann in eine ganze Kette deutscher Verantwortungsträger aus Politik und Armee ein, die einen neuen aggressiven Ton gegenüber Russland anschlagen. Deutschland wird, während es seine Armee zur größten Europas aufrüstet, als antirussische Schutzmacht begriffen.
    Revanche-Stimmung in Berlin und Brüssel

    Diese Herausforderung Russlands durch deutsche Politiker und Militärs stellt sich – sicherlich unfreiwillig – in den historischen Kontext des 85. Jahrestags des Überfalls des Dritten Reiches auf die Sowjetunion.

    Erinnern wir uns: Am 22. Juni 1941 fiel die deutsche Wehrmacht in die Sowjetunion ein. Ideologisch sah man sich als Speerspitze Europas zur Befreiung der Völker im Osten. In der NS-Legitimationsausstellung zur deutschen Invasion „Das Sowjetparadies“, die den Feldzug propagandistisch begleiten sollte, heißt es, dass sich zur Beseitigung der Sowjetunion „unter deutscher Führung an der Seite unserer Soldaten die besten Kräfte der Nationen Europas verbunden“ haben. Es sei auch daran erinnert, dass die mutigen Kämpfer der jüdisch-kommunistischen Herbert-Baum-Gruppe versuchten, das antisemitisch-antislawische Machtwerk mit Molotowcocktails zu zerstören.

    Die Zerschlagung der Sowjetunion jedenfalls war von Anfang an Programm des deutschen Angriffs. Mit zwei Völkermordprogrammen sollte Lebensraum für deutsche Siedler geschaffen werden, um den Raub als dauerhaftes koloniales Unternehmen absichern zu können. Das Zitat Adolf Hitlers: „Was für England Indien ist, wird für uns der Ostraum sein“, war Programm. Allerdings mit dem Unterschied, dass von Anfang an ein gezieltes Mordprogramm die dauerhafte Beherrschung des eroberten Gebiets sichern sollte.
    Völkermord und Ausplünderung als Programm

    Neben der systematischen Ermordung der europäischen Juden trat der Völkermord an den Völkern der Sowjetunion hinzu, der bis zum heutigen Tage von der Bundesregierung nicht anerkannt wurde. Dabei sind die Belege unstrittig. Der deutschen Invasion fielen 27 Millionen Sowjetbürger zum Opfer, der überwiegende Teil davon Zivilisten. Mit der Aushungerung von Leningrad mit über einer Million Opfern und dem NS-Hungerplan sollten dreißig Millionen Angehörige slawischer Völker in der Sowjetunion ausgelöscht werden, den Rest plante man nach Sibirien zu deportieren oder als Sklavenarbeiter zu nutzen. Die deutschen Kolonialpläne waren durch eine beispiellose Ausplünderungskampagne begleitet, die Boden, Menschen und Rohstoffe für die deutsche Wirtschaft vernutzen sollte. Geopolitisch ging es darum, Russland als Gegenpol eines imperialistischen Deutschlands mit dem Griff zur Weltmacht und zur Führung Europas ein für alle Mal zu beseitigen.

    Wenn wir heute der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas („Zerschlagung Russlands – Ich denke, wenn es mehr kleine Nationen gäbe… ist es keine schlechte Sache, wenn die große Macht tatsächlich viel kleiner wird“) oder dem CDU-Politiker Roderich Kiesewetter („Europa muss auf die Kapitulation Russlands hinarbeiten“) lauschen, ist unschwer das Echo der Vergangenheit zu hören. Es ist nichts anderes als der Traum von der Revanche für die deutsche Kapitulation 1945. Es ist der Ton für einen weiteren Griff nach der Weltmacht. Nur dass sich die Bedingungen fundamental geändert haben und selbst der einfältigste Mensch doch erkennen müsste, dass der Angriff auf eine Atommacht ein hohes Risiko in sich trägt und dass auch dieses Unternehmen mit einer noch gründlicheren Selbstzerstörung enden wird. Der Sound der Revanche wird begleitet von der Bereitschaft zur Apokalypse, auch hier eine beunruhigende Parallele zum NS-Überfall und der Heraufbeschwörung eines biblisch verbrämten Entscheidungskampfes, wie sie sich auch in der Ausstellung „Das Sowjet-Paradies“ findet.

    Ohne die Anerkennung der Vergangenheit und des Völkermords an den Völkern der Sowjetunion wird es keine Aussöhnung mit Russland geben, sondern nur das immer stärkere Bellen der Revanchisten und verträumten Kolonisatoren, die den NATO-Stellvertreterkrieg in der Ukraine zum deutschen Feldzug gegen Russland umwandeln möAlkemagne

    #histoire #Allemagne #URSS #Russie #guerre #revanchisme #impérialisme

    • oAnth :
      Cela montre comme quoi rien n’a changé : l’ anti #communisme n’était déjà, pendant la Guerre froide, qu’un prétexte, et aujourd’hui, nous sommes même confrontés à une guerre en Europe qui résulte de cette confrontation géopolitique, dont les racines remontent au début du XIXe siècle, à la fin des guerres napoléoniennes : À l’époque déjà, la Russie était considérée comme une proie coloniale potentielle d’un Occident insatiable, et l’Allemagne comme un partenaire de la Russie qu’il fallait, selon les Anglais, dissocier.

  • Einladung zum Gedenken an den 8. Mai 1945 in Schöneberg
    https://www.ag-taxi.de/8-mai-1945-gedenken-2026.html

    L’association des syndicats ouvriers allemands DGB organise une manifestation pour commémorer le 81ème anniversaire de la libération du nazisme. Les manifestations autour.des némoriaux de l’armée rouge étant interdites elle aura lieu sur le square Bayrischer Platz à Schöneberg.

    14.30 Uhr

    Im Vorfeld der Gedenkverantaltung bietet Helmuth Pohren-Hartmann von der Stolpersteininitiative eine Kleine Führung im Bayrischen Viertel mit gleichzeitigem Stolpersteinpuzen an. Treffpunkt am Bayrischen Platz vor der U-Bahn EIngang Grunewaldstraße.

    16:00 Uhr

    – Vortrag: Dr. Andreas Bräutigam „Die letzten Tage vor Kriegsende“
    – Rede: Benedikt Hopmann VVN/BDA - Berliner Rechtsanwalt
    – Rede: Helmuth Pohren-Hartmann, Stolpersteininitiative.

    Musikalische Umrahmung: Chor der Naturfreunde Berlin

    Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

    wir laden Sie/Euch hiermit anlässlich des Tages der Befreiung AM 8.MAI,
    der sich in diesem Jahr zum 81. Mal jährt, herzlich ein, an einer
    Gedenkveranstaltung des DGB Kreisverbands Tempelhof-Schöneberg, Arbeit und
    Leben Berlin-Brandenburg, der Seniorenvertretung Tempelhof-Schöneberg
    sowie der Stolpersteininitiative am 8. Mai am Bayerischen Platz (Höhe
    Westarpstraße) UM 16:00 UHR teilzunehmen. Gemeinsam mit Ihnen/Euch
    möchten wir ein Zeichen gegen antisemitische Haltungen, Propaganda und
    Gewalttaten allgemein und speziell in unserem Bezirk setzen.

    Wir freuen uns sehr, dass wir für die Gedenkveranstaltung den Historiker Dr. Andreas Bräutigam von der Geschichtswerkstatt Tempelhof-Schöneberg gewinnen konnten.

    Weitere Informationen über den Treffpunkt und Ablauf können im Flyer im
    Anhang nachgelesen werden. Im Anschluss an der Veranstaltung besteht die Möglichkeit für Teilnehmende, persönliche Gedanken oder Erinnerungen im Restaurant & Café
    Haberland auszutauschen .

    Wir würden uns sehr über Ihre/Eure Teilnahme und das gemeinsame Erinnern
    freuen. Gerne können die beigefügte der Flyer an Interessierte
    weitergeleitet werden.

    Mit kollegialen Grüßen
    Peter Witt
    Vorsitzender DGB Kreisverband Tempelhof-Schöneberg

    #Berlin #Bayrischer_Platz #8_mai #nazis #fascisme #URSS #Allemagne #guerre #paix

  • „Europa bereitet sich auf den Krieg gegen Russland vor“ – Botschafter Netschajew im Interview
    https://www.berliner-zeitung.de/article/einen-kurzen-waffenstillstand-brauchen-wir-nicht-russlands-botschaf

    Kapitulationserklärung der Deutschen Wehrmacht, 8. Mai 1945 - Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst

    Aujourd’hui il y a 81 ans à Karlshorst le successeur d’Adolf Hitler Maréchal Keitel signa la capitulation des armées allemandes. A cette occasion le Berliner Zeitung publie une interview émouvante avec l’ambassadeur russe en Allemagne.

    8.5.2026 von Alexander Dergay - Russlands Botschafter lehnt eine schnelle Waffenruhe ab, wirft Europa Kriegsvorbereitung vor und sagt, die Ukraine nutze zivile Schutzschilde. Ein Interview.

    Am 8. Mai, dem Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht 1945, ist die Atmosphäre zwischen Moskau und Berlin so frostig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. In Russland und vielen ehemaligen Sowjetrepubliken wird der Sieg über Nazideutschland am 9. Mai begangen und der mehr als 27 Millionen sowjetischen Toten gedacht.

    Gleichzeitig wütet im Osten Europas ein Krieg, der inzwischen länger dauert als der Vormarsch und Rückzug der Wehrmacht in der Sowjetunion zwischen Juni 1941 und Mai 1945. Die Opferzahlen schwanken erheblich. Die UN hat mehr als 15.000 getötete Zivilisten in der Ukraine bestätigt; auf russischem Gebiet meldet Moskau Tausende zivile Todesopfer durch ukrainische Angriffe. Die tatsächliche Zahl ziviler Opfer dürfte höher liegen. Bei den militärischen Verlusten gehen Schätzungen von bis zu zwei Millionen betroffenen Soldaten auf beiden Seiten aus, darunter mehrere Hunderttausend Tote.

    Auch in diesem Jahr gelten in Berlin rund um die sowjetischen Ehrenmale in Treptow, Tiergarten und der Schönholzer Heide besondere Auflagen. Untersagt sind unter anderem militärische Uniformen, Fahnen mit russischem Bezug sowie Symbole, die den Russland-Ukraine-Krieg verherrlichen. Die Berliner Polizei begründet die Maßnahmen mit dem Schutz eines würdevollen Gedenkens vor dem Hintergrund des andauernden Krieges.

    Russlands Botschafter in Berlin, Sergej Netschajew, empfängt zum Gespräch in der Botschaft Unter den Linden. Der Diplomat, seit 2018 der höchste Vertreter Russlands hierzulande, spricht von einer „Sonderoperation“ in der Ukraine, die längst hätte enden können, einer „Militarisierung“ Europas und von einer Bundesregierung, mit der es keine belastbaren Gesprächskanäle gibt. Während des Gesprächs kocht die Spannung so hoch, dass das Interview kurz vor dem Abbruch steht. Der Botschafter springt auf und sagt: „Wsjo chwatit“ („Fertig, es reicht“). Doch die Lage beruhigt sich wieder, und das Gespräch geht weiter.

    „Feiertag mit Tränen in den Augen“

    Herr Botschafter, der „Große Vaterländische Krieg“ dauerte für die Sowjetunion drei Jahre, zehn Monate und 17 Tage. Der von Russland begonnene Krieg gegen die Ukraine läuft seit dem 24. Februar 2022 – also bereits länger als der Kampf gegen Hitler-Deutschland. Wie erklären Sie diesen historischen Kontrast ausgerechnet vor dem 9. Mai, und welche Lehre aus dem Zweiten Weltkrieg sollten wir – und auch Russland – heute ziehen?

    Der Große Vaterländische Krieg 1941/1945 war die Folge einer Aggression Nazideutschlands gegen die Sowjetunion. Wir haben in dieser Tragödie 27 Millionen Menschen verloren. Das war der enorme Preis unseres Volkes für den Sieg über den Nazismus. Er hat eine entscheidende Rolle bei der Zerschlagung des grausamen Nazi-Regimes gespielt. Man hört heutzutage auch Meinungen, in denen die entscheidende Rolle der Roten Armee verfälscht oder vermindert wird. Das ist bedauernswert, und das wollen wir so nicht zulassen. In der ehemaligen Sowjetunion – einem multinationalen Staat mit einer multinationalen Armee – hat praktisch jede Familie Verluste, Opfer und persönliche Tragödien erlebt. Deswegen ist der 9. Mai für uns „ein Feiertag mit Tränen in den Augen“. Wir trennen diesen Sieg nicht nach Nationalitäten. Denn alle waren dabei – Russen, Belarussen, Ukrainer, Kasachen, Juden, alle Völker der Sowjetunion waren beteiligt, alle liegen zusammen in den Kriegsgräbern, auch hier in Deutschland.

    Die Lehren und Folgen des Krieges wurden völkerrechtlich vom Nürnberger Tribunal verankert, sie haben auch in der Seele jedes einzelnen Sowjetmenschen ihren Platz gefunden. Der Begriff Nazismus ist für unser Volk genetisch nicht akzeptabel – egal wo auch immer und in welcher Form neonazistische Erscheinungen auftauchen. In Deutschland gibt es mehr als 4000 Kriegsgräber, in denen 700.000 Sowjetmenschen liegen: Soldaten, Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge, Zivilisten. Das war ein Krieg mit dem klaren Ziel der Nazis, die Bevölkerung des Landes zu vernichten. Deswegen sagen wir, dass die Verbrechen des Dritten Reiches einem Genozid gleichkommen. Wir verlangen, dass dieser Genozid auch von der Bundesrepublik offiziell anerkannt wird.

    Positiv hervorheben möchte ich die Zusammenarbeit mit lokalen Stellen und dem Volksbund Kriegsgräberfürsorge – damit sind wir sehr zufrieden. Ich bedanke mich bei dieser Gelegenheit bei allen Stellen der Bundesrepublik und auch bei unseren Landsleuten, die sich um diese Kriegsgräber kümmern.

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    Das sowjetische Ehrenmal im Treptower Park in Berlin erinnert an die gefallenen Soldaten der Roten Armee und den Sieg über Nazideutschland. © Jürger Ritter/imago

    Medienberichten zufolge soll es auch in diesem Jahr Einschränkungen an den sowjetischen Ehrenmalen geben – etwa beim Zeigen nationaler Symbolik. Die Berliner Polizei hatte bereits 2024 russische und sowjetische Fahnen sowie Uniformen verboten. Sind Sie offiziell zu Gedenkfeiern eingeladen, und wie sehen Sie die aktuelle Erinnerungspolitik?

    Von offizieller Seite sind wir nicht eingeladen. Das bleibt auf dem Gewissen derjenigen, die das organisieren. Eine offizielle Bestätigung über neue Einschränkungen haben wir bis jetzt nicht – es wäre sehr bedauerlich, falls es wieder dazu kommt. Die Menschen, die zu den Denkmälern und Kriegsgräbern kommen, wollen nur das Andenken an die gefallenen sowjetischen Soldaten bekunden. Mehr nicht. Die Handreichungen im vergangenen Jahr waren aus unserer Sicht fehl am Platz und kontraproduktiv. Wir wollen nur entsprechende Zeichen unserer Verbeugung vor den Toten setzen.
    „Wir haben gegen keine völkerrechtlichen Vereinbarungen verstoßen“

    Russland äußert sich kritisch zur deutschen Erinnerungskultur und spricht von Geschichtsrevisionismus. Könnten Sie das an konkreten Beispielen erläutern?

    Wir sehen in der deutschen wie auch in der europäischen Geschichtsschreibung Erscheinungen, in denen die Rolle der Roten Armee bei der Zerschlagung des Nazi-Regimes und bei der Befreiung Europas nicht objektiv dargelegt wird. Das widerspricht der wahren Geschichte, und dagegen protestieren wir mit Nachdruck. Wir sind absolut überzeugt: Die entscheidende Rolle beim Sieg kommt der Sowjetunion zu. Zweitens gibt es Versuche, die Bedeutung und den Sinn der sowjetischen Denkmäler in Deutschland anders zu interpretieren. Bis heute gilt: Die sowjetischen Soldaten sind als Befreier nach Deutschland und Europa gekommen – als Befreier vom Nazismus. Wir haben ganz Europa von dieser schrecklichen Erscheinung erlöst. Nun gibt es Versuche, diesen Sinn umzudeuten – und dagegen wenden wir uns entschieden.

    Präsident Putin hat zu Beginn des Krieges in der Ukraine eine „Entnazifizierung“ als eines der zentralen Ziele ausgegeben. Wo verläuft die Grenze zwischen legitimer Erinnerungskultur und der Instrumentalisierung von Geschichte zur Rechtfertigung aktueller Machtpolitik?

    Zu den Gründen des Konflikts gehörten klare neonazistische Erscheinungen. Die Helfershelfer des Nazismus wie Schuchewytsch und Bandera sind nationale Helden der heutigen Ukraine. Hinzu kommt das praktische Verbot der russischen Sprache, der russischen Kultur, der russisch-orthodoxen Kirche, selbst unserer gemeinsamen Geschichte, einschließlich der Demontage von Denkmälern für die sowjetischen Befreier der Ukraine. Das gehört alles dazu. Diese Denkweise und dieses Vorgehen können wir nicht akzeptieren. Deswegen sprechen wir über die Entnazifizierung im Rahmen einer künftigen Regelung, die wir anstreben. Wir sind für einen langfristigen Frieden mit der Verankerung aller Sicherheitsgarantien in einem Papier, möglicherweise abgesegnet vom UN-Sicherheitsrat. Aber ich unterstreiche: Es geht um eine dauerhafte Friedensregelung, keine provisorische Waffenruhe. Diese hat sich nie rentiert. Wir wurden schon mehrmals betrogen.

    Kiew wirft dem Kreml ebenfalls Betrug vor: Im Budapester Memorandum von 1994 hat Moskau die territoriale Integrität der Ukraine garantiert, im Gegenzug für die Aufgabe des drittgrößten Atomwaffenarsenals der Welt. Wie könnten konkrete vertrauensbildende Maßnahmen aussehen, um diesen beidseitigen Vertrauensverlust zu überwinden?

    Vertrauensbildende Maßnahmen müssen auch in den Vereinbarungen über den langfristigen Frieden festgeschrieben werden. Russland hat gegen keine völkerrechtlichen Vereinbarungen verstoßen. Nicht wir haben den Staatsstreich in der Ukraine organisiert. Wir haben die Ukraine 1991 nach dem Zerfall der Sowjetunion als unabhängigen Staat anerkannt – allerdings als nuklearfreien, bündnisfreien und neutralen Staat, wie es 1990 in der Unabhängigkeitsdeklaration unmissverständlich festgehalten war.

    Mit der russischsprachigen Bevölkerung gab es damals keine Probleme, die russische Sprache stand nie infrage. Nach dem verfassungswidrigen Staatsstreich 2014, der klare russophobe Züge hatte, änderte sich das grundlegend. So kam es zur sogenannten Anti-Terror-Operation des ukrainischen Regimes gegen russischsprachige Regionen des Landes, die diesen Putsch nicht anerkannt hatten.

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    Putin-Porträt neben einem Buch über Zar Peter den Großen im Empfangsraum der russischen Botschaft: Der russische Präsident berief sich mehrfach auf ihn als außenpolitisches Vorbild. © Markus Wächter/Berliner Zeitung

    Über Ursachen haben wir viel gesprochen. Entscheidend ist heute, nach mehr als vier Jahren Krieg: Wie kommt Europa – und auch Russland als Teil Europas – aus diesem Konflikt heraus? Welchen konkreten Beitrag will Russland leisten, damit dieser Krieg endet? Wir waren immer für Dialog, auch mit den Europäern. Wir wollten nur, dass unsere Sicherheitsinteressen entsprechend berücksichtigt werden. Vor allem, was die Nato-Osterweiterung angeht. Wir haben den Europäern eigentlich nie etwas Böses angetan, ganz zu schweigen von Deutschland.

    Die einseitige Position der deutschen Bundesregierung in Bezug auf diesen Konflikt ist daher mehr als enttäuschend. Aus Europa haben wir keine Signale über Gesprächsbereitschaft gehört, keine Vorschläge zur Friedensregelung. Istanbuler Friedensvereinbarungen von 2022, die von der ukrainischen Delegation paraphiert wurden, wurden übrigens auch von den Europäern torpediert.

    Mehr noch: Wir hören aus verschiedenen Quellen, auch von führenden westlichen Politikern, Russland müsse eine strategische Niederlage erleiden, die russische Wirtschaft müsse zerfetzt werden. Man müsse die Ukraine aufrüsten, so lange wie nötig. Die militärisch-technische Unterstützung der Ukraine durch europäische Staaten ist enorm. Die Bundesrepublik spielt hier eine führende Rolle. Das macht uns natürlich nicht glücklich, auch unter Berücksichtigung bestimmter historischer Parallelen. Unsere Vorschläge zu einer dauerhaften Konfliktregelung sind bekannt und liegen weiterhin auf dem Tisch.

    „Krieg mit Russland unausweichlich“

    Sehen Sie Europa wirklich als militärische Bedrohung? US-Präsident Trump hat erklärt, er erwäge ernsthaft einen Austritt der USA aus der Nato und die transatlantische Sicherheitsarchitektur neu zu justieren – wie passt das zu Ihrer Bedrohungswahrnehmung?

    Stellen Sie sich einen Menschen auf der Straße vor, keinen Politiker. Was hört dieser Mensch, welche Signale bekommt er aus Europa? Russland sei ein ewiger Feind, eine ewige Bedrohung. Ein Krieg mit Russland sei unausweichlich. Russland müsse eine strategische Niederlage erleiden. Die Ukraine müsse militärisch aufgepumpt werden – mit Drohnen und weitreichenden Waffensystemen.

    Nato-Verbände müssten näher an die russische Grenze verlegt werden. Die Bundeswehr-Brigade in Litauen müsse so schnell wie möglich einsatzbereit sein. Das hört man jeden Tag. Dazu kommt die Diskussion über die nukleare Aufrüstung Europas, über nukleare Teilhabe und über Gespräche zwischen Paris und Berlin sowie Paris und Warschau zu möglichen Kooperationsformaten. Die nukleare Bedrohung ist eine besondere Gefahr, ein hohes strategisches Risiko mit unabsehbaren Folgen.

    Was muss dieser Mensch daraus schlussfolgern? Europa bereitet sich auf den Krieg gegen Russland vor, der nach deutschen Quellen 2029/2030 unbedingt beginnen soll. Wieso man hier auf diese Idee kommt, kann ich nicht begreifen. Präsident Putin hat mehrfach gesagt: Alle Spekulationen darüber, dass wir gegen die Nato oder einzelne Nato-Länder Krieg führen wollten, sind Quatsch. Aber diese Atmosphäre, diese Aufheizung, diese Militarisierung der Stimmung in der Gesellschaft beobachten wir – und das hinterlässt einen sehr negativen Eindruck in der Bevölkerung unseres Landes.

    Sie sagen also, dass sich Europa konkret und aktiv militärisch auf einen Krieg gegen Russland vorbereitet?

    Das ist nicht meine Erfindung, sondern was ich täglich deutschen Zeitungen und öffentlichen Äußerungen deutscher Politiker entnehme. Das bereitet uns begründete Sorgen. Wozu diese ganze Militarisierung? Wozu diese riesigen Ausgaben für die Aufrüstung? Gibt es dafür keine bessere Verwendung? Es wird nicht verheimlicht: Die Ukraine muss kämpfen, so lange, bis Europa endlich bereit ist, den Krieg gegen Russland selbst führen zu können.

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    Fähigkeitsdemonstration des Deutschen Heeres in in Munster. Soldaten mit dem Schützenpanzer Puma zeigen, „wie das Heer kämpfen wird“. © Maurizio Gambarini/FUNKE Foto Services/imago

    Ein Kernziel des Krieges war, die Nato-Mitgliedschaft der Ukraine zu verhindern. Heute stellt Trump das Bündnis selbst infrage. Ist Ihr wichtigstes Ziel damit nicht längst erreicht – wozu also noch dieses Blutvergießen? Die neue US-Administration und Präsident Trump haben eingeräumt, dass die Nato-Erweiterung und das Beitrittsangebot an die Ukraine Fehler waren – Fehler der früheren US-Administration.

    Im Zuge der deutschen Einheit wurde uns mehrfach zugesichert, die Nato werde sich nicht nach Osten ausdehnen. Wir haben das in Gesprächen mit amerikanischen wie deutschen Politikern auf höchster Ebene vernommen. Wir vertrauten unseren Partnern. Doch seitdem folgten fünf oder sechs Wellen der Nato-Osterweiterung, darunter auch Staaten der früheren Sowjetunion.

    Dabei ging es nicht um bloße Mitgliedschaft, sondern um die militärisch-technische Erschließung dieser Territorien. Das ist für uns gefährlich. Wir haben aus unserer Geschichte entsprechende Lehren gezogen. Eine Nato-Mitgliedschaft der Ukraine ist für uns daher völlig inakzeptabel. In den abschließenden Dokumenten einer Friedensregelung muss das festgeschrieben und völkerrechtlich verbindlich verankert werden.

    „Keine Ansprüche auf neue Territorien“

    Hat sich die russische Zielsetzung im Verlauf des Krieges von der Verhinderung einer Nato-Mitgliedschaft der Ukraine hin zu territorialen Forderungen oder einem „Regimewechsel“ verändert? Wir haben keine Ansprüche auf neue Territorien, wir haben genug davon. Die östlichen Regionen der Ukraine sind Russland beigetreten, weil dies dem Willen ihrer Bevölkerung entsprach, die den Staatsstreich in Kiew nicht akzeptiert hatte. Die Menschen dort wollten untrennbarer Teil Russlands werden – nicht nur, weil die Krim, der Donbass und andere Gebiete der Ukraine ursprünglich russische Regionen waren, sondern auch, weil sie nicht unter einem neonazistischen Regime leben wollten und sich in Gefahr sahen. Ihre Entscheidung stand voll im Einklang mit dem Selbstbestimmungsrecht der UN-Charta.

    Manchmal werden Parallelen zum Kosovo gezogen: Dort gab es gar kein Referendum, dennoch wurde der Kosovo vom Westen als souveräner Quasistaat akzeptiert. Es ist nicht nachvollziehbar, warum das Selbstbestimmungsrecht der ukrainischen Regionen, die heute neue russische Regionen sind, nicht anerkannt wird.

    Nach dem Treffen zwischen Putin und Trump in Alaska gab es aus den USA, Europa und der Ukraine deutliche Signale der Bereitschaft zu einem Waffenstillstand. Warum hat Russland diese Chance nicht ergriffen?

    Einen kurzfristigen Waffenstillstand brauchen wir nicht – das hat uns die Erfahrung gelehrt. Eine solche Atempause würde das ukrainische Regime nur dazu nutzen, seine Streitkräfte nachzufüllen, umzugruppieren und mit Waffen zu versorgen. Was wir anstreben, ist ein dauerhafter Frieden. Die Vermittlungsrolle befreundeter oder neutraler Staaten nehmen wir gerne an. Die amerikanischen Kollegen sind derzeit mit anderen Themen befasst, etwa mit der Lage im Nahen Osten. Sobald sie damit fertig sind, werden die Gespräche fortgesetzt. Unsererseits besteht volle Gesprächsbereitschaft.

    Nach ukrainischen Angaben startete Russland Ende April einen der größten Luftangriffe der vergangenen Woche – mindestens zehn Tote, 67 Verletzte, getroffen wurden Wohngebiete und zivile Infrastruktur in Dnipro und anderen Regionen. Wie erklären Sie diesen Widerspruch zur offiziellen Darstellung, dass Sie nur militärische Ziele angreifen?

    Wir führen keinen Krieg gegen die Zivilbevölkerung, daran halten wir uns fest. Zivile Opfer können wir nur bedauern. In der Regel geschieht das, weil die ukrainischen Streitkräfte zivile Objekte als Schutzschild für militärische Produktion oder Truppen missbrauchen. Oder wenn abgeschossene Drohnen und Raketenteile auf zivile Objekte stürzen. Anders als das Kiewer Regime unternehmen wir keine gezielten Terrorattacken zur Einschüchterung der Bevölkerung.

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    Kramatorsk, 8. Februar 2026: Anwohner stehen im Hof eines Wohnhauses, das bei einem russischen Luftangriff schwer beschädigt wurde. © Iryna Rybakova/dpa

    Im Iran-Krieg wurde ein temporärer Waffenstillstand vereinbart, um Verhandlungen zu ermöglichen. Sehen Sie nicht die Notwendigkeit einer Feuerpause als vertrauensbildende Maßnahme, um eine Verhandlungsbasis zu schaffen?

    Wir haben bereits mehrfach einen kurzfristigen Waffenstillstand vorgeschlagen. Doch allein während der Oster-Feuerpause haben die ukrainischen Streitkräfte diesen nach unseren Angaben mehr als 6000-mal verletzt. Nun hat Präsident Putin eine Waffenruhe für den 8. und 9. Mai angekündigt; die ukrainische Seite hat sie bereits abgelehnt. Grundsätzlich brauchen wir keinen provisorischen Waffenstillstand, sondern eine dauerhafte und verbindliche Regelung.

    Welche Bedingungen müssten erfüllt sein, damit es morgen zu einem Verhandlungsdurchbruch kommen könnte?Entscheidend ist die Bereitschaft des ukrainischen Regimes, eine Friedensregelung abzuschließen und unsere Sicherheitsbedenken anzuerkennen. Präsident Putin hat die notwendigen Voraussetzungen mehrfach klar benannt. Auch von einigen europäischen Politikern hören wir inzwischen, dass die Ukraine sich bewegen und territoriale Realitäten respektieren müsse. All das gehört in ein gemeinsames Paket.

    Sie beziehen sich auf Bundeskanzler Friedrich Merz, der in Marsberg erklärte, dass nach einem möglichen Friedensvertrag „ein Teil des ukrainischen Territoriums nicht mehr ukrainisch“ sein könnte?

    Wenn die Journalisten die Ausführungen des Bundeskanzlers richtig dargelegt haben, dann kann ich darauf eingehen.
    Wir kämpfen nicht gegen Zivilisten

    Warum besteht Russland auf Territorien im Donbass, die es militärisch seit Jahren nicht erobern kann – und fordert dennoch deren Anerkennung als russisches Staatsgebiet?

    Diese Gebiete sind bereits Bestandteil der Russischen Föderation, so ist es gesetzlich verankert. Die Bevölkerung – einschließlich jener der Krim – hat sich in Referenden eindeutig für den Beitritt ausgesprochen. Wir forcieren die Offensive nicht. Es geht uns dabei auch um die ukrainische Zivilbevölkerung. Wir kämpfen nicht gegen Zivilisten. Für uns ist das bis jetzt kein Krieg, sondern eine militärische Sonderoperation. Würde aber gegen uns ein Krieg entfesselt, von welchem Land auch immer, fiele unsere Reaktion diametral anders aus.

    Wäre Russland zu territorialen Kompromissen bereit, wenn dadurch der Krieg endet?

    Ich glaube nicht, dass die in der russischen Verfassung verankerten Gebiete der Russischen Föderation Gegenstand von Verhandlungen sein können. Aber welche konkreten Modalitäten am Ende ausgehandelt werden, das überlassen wir den Verhandlern, die sich mit den Details befassen werden. Das letzte Wort hat der Präsident der Russischen Föderation.

    Russland hat in Syrien mit dem Sturz Assads an Einfluss verloren und erlebt in Afrika, etwa in Mali, Rückschläge. Sinkt Moskaus internationale Autorität?

    Unsere Rolle in der Welt ist nach wie vor bedeutend. Wir haben viele Sympathisanten, Freunde und Verbündete. Wir engagieren uns aktiv im Rahmen von Brics, in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit sowie in den Formaten der GUS. Wir plädieren für eine multipolare Weltordnung. Unsere Rolle als Mitgründer und aktiver Teilnehmer dieser Strukturen wächst – nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich.

    Mit Syrien verbindet uns eine lange Geschichte. Der neue syrische Übergangspräsident war kürzlich in Moskau zu Gast. Wir unterstützen die territoriale Integrität Syriens und pflegen gute Kontakte zu politischen Kräften des Landes. Auch unsere Beziehungen zu afrikanischen, arabischen, asiatischen und lateinamerikanischen Staaten stehen ganz oben auf unserer außenpolitischen Prioritätenliste.

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    Botschafter Sergej Netschajew neben einem Modell der sowjetischen Ehrenmal-Statue mit Kind und zerbrochenem Hakenkreuz © Markus Wächter/Berliner Zeitung

    „Kontakte zu anderen Staaten dürfen Russland nicht schaden“

    Auch Staaten der ehemaligen Sowjetunion nähern sich anderen Akteuren an – die Präsidenten Armeniens und Aserbaidschans waren bei Trump zu Gesprächen über einen von den USA überwachten Transportkorridor, die fünf zentralasiatischen Staatsoberhäupter waren im Weißen Haus. Sehen Sie das als Bedrohung?

    Diese Staaten sind souverän und selbstständig, das ist klar. Aber unsere Bindungen sind historisch und traditionell sehr stark. Es geht nicht nur um Politik, sondern auch um Wirtschaft, um familiäre Bindungen, um humanitäre und kulturelle Bande. Alle sind Mitglieder der GUS. Wichtig ist, dass die Kontakte unserer Freunde in Zentralasien oder im Kaukasus mit anderen Staaten keinen Schaden für die traditionellen Bindungen mit Russland darstellen. In Russland leben sehr viele Armenier, Aserbaidschaner, Menschen aus mittelasiatischen Ländern. Das ist eine sehr wichtige Drehscheibe in unseren Beziehungen.

    Gibt es eine konkrete rote Linie, ab der Moskau eingreifen würde, falls postsowjetische Staaten ihre außenpolitische Ausrichtung zu stark Richtung Westen verschieben?

    Wir führen mit allen Partnern einen offenen Dialog. Geht ein Land jedoch engere Bindungen mit der EU ein, ist besondere Aufmerksamkeit geboten. Denn bestimmte Verpflichtungen aus der Zusammenarbeit mit der EU können mit Verpflichtungen im Rahmen der GUS oder der Eurasischen Wirtschaftsunion kollidieren. Hier gilt es, die richtige Balance zu finden, damit kein dauerhafter Schaden entsteht.

    Russland sieht sich mit Sanktionen, steigenden Kriegskosten und ausbleibendem militärischen Erfolg konfrontiert. Wie lange ist dieser Kurs tragfähig?

    Die russische Gesellschaft ist heute so stark konsolidiert wie nie zuvor. Gegen uns wurden, wenn ich mich nicht irre, mehr als 30.000 Sanktionen verhängt – und wir halten das aus. Wir haben uns angepasst; das war nicht einfach, aber wir sind in der Lage, vollkommen eigenständig zu funktionieren. Die Lage in Russland ist stabil. Der Staat kommt all seinen sozialen Verpflichtungen gegenüber der Bevölkerung nach – und das parallel zu den hohen Militärausgaben. Wir finden Mittel und Wege, Renten zu erhöhen sowie neue Kindergärten, Schulen und medizinische Einrichtungen mit russischer Technik und Ausrüstung zu eröffnen. Wir sind offen für Zusammenarbeit. Viele deutsche Unternehmen sind in Russland weiterhin erfolgreich tätig. Wir haben mit Deutschland praktisch kein einziges Abkommen gekündigt und keine einzige Vereinbarung gestrichen.

    „Gefährliche Informationen“ versus Meinungsfreiheit

    Warum ist das Verbot des beliebten Messengers Telegram aus Sicht der Regierung notwendig? Auch der Zugang zum Internet wird in Russland zunehmend eingeschränkt.

    Das ist hauptsächlich aus Sicherheitsgründen notwendig. Wir nutzen verschiedene Kommunikationskanäle, auch den russischen Messenger Max, der sehr gut funktioniert. Aber wir müssen Risiken berücksichtigen, die aus der heutigen geopolitischen Lage erwachsen. Es gibt Versuche, gefährliche Informationen zu verbreiten und Leute für Verbrechen anzuwerben, auch für Terrorakte. Das ukrainische Regime nutzt terroristische Methoden gegen Russland und verheimlicht das nicht.

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    Praktisch keine Kontakte: Botschafter Sergej Netschajew beklagt fehlende Gesprächskanäle zwischen Berlin und Moskau. © Markus Wächter/Berliner Zeitung

    Zivilgesellschaftliche Gruppen sehen darin eine Einschränkung der Meinungsfreiheit. Russische Meinungsforschungsinstitute behaupten, dass die Bevölkerung ohnehin geschlossen hinter der Regierung stehe. Warum braucht es dann diese Einschränkung?

    Die Zivilgesellschaft hat die Möglichkeit, ihre Meinung offen zu äußern. In den sozialen Netzwerken gibt es viele Meinungen, die unterschiedliche Reaktionen auslösen. Totale Verbote gibt es nicht. Einige Einschränkungen sind sicherheitsbedingt; damit müssen wir leider leben.

    Was sind Ihre konkreten Wünsche an die Bundesregierung – und gibt es zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt noch belastbare Ansprechpartner auf politischer Ebene?

    Wir haben praktisch keine Kontakte. Doch Gesprächsbereitschaft wurde zu allen Zeiten geschätzt. Der Verzicht auf Dialog bringt nichts – weder für das bilaterale Verhältnis noch für Perspektiven der Konfliktlösung. Weder Russland noch Deutschland werden aus Europa verschwinden. Wir haben eine tausendjährige gemeinsame Geschichte. Die erfolgreichen Perioden waren jene, in denen wir miteinander gesprochen und zum beiderseitigen Nutzen gearbeitet haben. Eine Isolierung Russlands wird sowieso nie erreicht werden. Der neue Konflikt zwischen Russland und Deutschland wäre ein Albtraum – und ich verstehe nicht, wem dieser Albtraum das Herz wärmt.

    INTERVIEWPARTNER

    Sergej Netschajew wurde 1953 in Moskau geboren. Nach seinem Germanistik-Studium begann seine diplomatische Laufbahn im Jahr 1977 in Ost-Berlin, gefolgt von Stationen in der Mongolei, Bonn und Wien. In der Zwischenzeit war er Leiter des 3. Europäischen Departments im russischen Außenministerium. Seit 2018 ist er Botschafter der Russischen Föderation in Deutschland.

    #gzerre #paix #anniversaire #capitulation #guerre #URSS #Allemagne #Berlin #Karlshorst #Zwieseler_Straße

  • Faux #indépendants : l’#Urssaf réclame 1,7 milliard d’euros à #Uber
    https://www.mediapart.fr/journal/economie-et-social/020226/faux-independants-l-urssaf-reclame-17-milliard-d-euros-uber

    L’organisme chargé de récolter les #cotisations sociales des #entreprises estime que les chauffeurs travaillant avec la #plateforme sont ses salariés, et non des travailleurs indépendants. Une position partagée depuis 2020 par la Cour de #cassation… qui vient d’opérer un revirement spectaculaire.

  • Soldat der Roten Armee, rette uns !
    https://www.dhm.de/archiv/magazine/agitprop/Ausstellung/Kat18.htm

    Viktor Korezki (geb.1909)

    Moskau/Leningrad 1942 (Verlag: >Iskusstwo<; Druck: Druckerei >Gudok< [Dampfpfeife], Moskau); Tiefdruck, H 44,5 B 31,5 (Auflage: 400000; Preis: 0,35 Rubel); Inv.-Nr.: GIM 2729 nv/139 (I lll chr. 1557).

    DHM Magazin Seite 16.

    #URSS #révolution #guerre_civile #propagande #art

  • Pjotr Nikolajewitsch Krasnow
    https://de.wikipedia.org/wiki/Pjotr_Nikolajewitsch_Krasnow


    Farouche anticommuniste pendant toute sa vie et collaborateur nazi, trahi par les vainquers britanniques le général Piotr Nikolaïevitch Krasnov ( Петр Николаевич Краснов ) a suivi ses idéaux du dix neuvième siècle jusqu’à sa mort pendu à Moscou avec d’autres chefs cosaques en 1947 à 77 ans .

    General Krasnow

    Pjotr Nikolajewitsch Krasnow (russisch Пётр Николаевич Краснов, wiss. Transliteration Pëtr Nikolaevič Krasnov; * 10. Septemberjul. / 22. September 1869greg. in Sankt Petersburg; † (erschossen) 16. Januar 1947 in Moskau) war ein General der zaristischen Armee, eine Führungsfigur der gegenrevolutionären Bewegung im Russischen Bürgerkrieg, sowie Schriftsteller.

    Krasnow schloss 1888 die Kadettenschule in Pawlowsk ab und diente nach seinem Abschluss im „Ataman-Regiment“ der Leibgarde des Zaren.

    Zu Beginn des Ersten Weltkriegs kommandierte er als Generalmajor in Galizien eine Kosaken-Kavalleriebrigade. Ab Juli 1915 übernahm er das Kommando über die 3. Don-Kosaken-Division, ab September 1915 führte er die 2. Kuban-Kosaken-Division. Ende Mai 1916 wurde er bei Wolka Galuzinskoy am Bein schwer verwundet. Ab Juni 1917 führte er die 1. Kuban-Kosaken-Division, von August bis Oktober 1917 war er Korpskommandeur des 3. Kavalleriekorps. Ende 1917 wurde Krasnow im Zuge des von General Lawr Kornilow initiierten Putschversuches gegen die provisorische Regierung unter Alexander Kerenski in der Stadt Pskow festgenommen, jedoch bald wieder freigelassen.[1]

    Während der Oktoberrevolution der Bolschewiki erhielt er vom damaligen Regierungschef Kerenski den Auftrag, die Revolte in der Hauptstadt Petrograd zu unterdrücken. Krasnow scheiterte allerdings mit einer improvisierten Kosakeneinheit an bewaffneten Arbeitern und ehemaligen Frontsoldaten, die für die Sache der Kommunisten gewonnen worden waren. Er wurde von den Sowjets gefangen genommen, allerdings auf ein Ehrenwort freigelassen, die Revolution nicht mehr weiter zu bekämpfen.

    Krasnow floh daraufhin in die Kosakenregion am Don und wurde im Mai 1918 unter dem Titel Ataman zum Anführer der dortigen Kosaken gewählt. Er bemühte sich, mit Hilfe der deutschen Besatzungsmacht eine Armee aus Kosaken zu formieren, um im nun entbrannten Bürgerkrieg weiterhin gegen das bolschewistische Regime vorzugehen. Krasnows Truppen belagerten 1918 Zarizyn, allerdings blieb diese Operation erfolglos. In einer Abnutzungskampagne wurde seine Kosakenarmee von 30.000 Mann bis zum Frühjahr 1919 von der Roten Armee aufgerieben. Angesichts der militärischen Niederlage musste er im Februar 1919 als Ataman zurücktreten und überließ den Oberbefehl General Denikin, der seine Freiwilligenarmee zuvor siegreich im Nordkaukasus ins Feld geführt hatte.
    Der endlose Hass (Erstausgabe 1938)

    Angesichts seiner politischen Differenzen mit Denikin und da er durch seine Annäherung an die Deutschen außenpolitisch zum Ballast wurde, emigrierte er noch im selben Monat nach Deutschland. Dort setzte er seine antikommunistische Tätigkeit fort[2] und war einer der Gründer der „Bruderschaft der russischen Wahrheit“. Diese Organisation plante ein Untergrundnetzwerk in Sowjetrussland aufzubauen, blieb jedoch erfolglos. Auch mehrere, meist pro-zaristische und antikommunistische Romane über den Bürgerkrieg stammen aus seiner Feder. Die beiden bekanntesten waren Der endlose Hass sowie Vom Zarenadler zur Roten Fahne.

    Während des Zweiten Weltkriegs stellte Krasnow sich auf die Seite des nationalsozialistischen Deutschlands. Er war in der Redaktion der russischsprachigen und antisowjetischen Zeitung „Fürs Vaterland“ tätig[3] und stellte sich beim Aufbau von Kosakeneinheiten aus Einheimischen, Kriegsgefangenen und russischen Emigranten zur Verfügung. Sein militärischer Beitrag war allerdings aufgrund seines hohen Alters gering, er diente eher als Integrationsfigur dieser Bewegung. Politische Initiative wurde ihm ebenso von den Deutschen nicht erlaubt. Er weigerte sich allerdings 1944, der unter dem General Wlassow hastig aufgestellten Russischen Befreiungsarmee beizutreten, die ebenso wie seine Einheiten unter der politischen Knute der Nazis standen. Zum Kriegsende ergab sich Krasnow mit den Überresten seiner Kosakentruppen in Österreich der britischen Armee. Ihnen wurde von Seiten der Alliierten zugesichert, dass sie als Emigranten nicht an die Sowjetunion ausgeliefert werden würden.[4]

    Im Mai 1945 wurden die Kosaken, insgesamt ca. 50.000 Mann mit 11.000 Frauen und Kindern bei Lienz an die Rote Armee ausgeliefert und zwangsrepatriiert. Krasnow wurde zusammen mit anderen Kosakengenerälen (u. a. Andrei Grigorjewitsch Schkuro), die ebenfalls mit den Deutschen kollaboriert hatten, sowie mit Helmuth von Pannwitz, der sich als Deutscher freiwillig entschied, das Los „seiner Kosaken“ bis zum bitteren Ende mitzuteilen, in Moskau durch den Militärrat des Höchsten Gerichts der UdSSR zum Tod durch Hängen verurteilt. Das Urteil gegen den 77-jährigen Krasnow wurde am 16. Januar 1947 vollstreckt. Er starb durch ein Erschießungskommando.

    1918: Der Achtzigste.
    1920: Fallende Blätter [Fortsetzung: Verstehen heisst Vergeben].
    1920: Der weiße Kittel.
    1922: Vom Zarenadler zur Roten Fahne.
    1923: Jenseits der Disteln.
    1923: Verstehen heißt vergeben [Fortsetzung von Fallende Blätter].
    1924: Die Amazone der Wildnis. An der Stufe zum Throne Gottes.
    1925: Einig – unteilbar.
    1926: In der Mandschurischen Einöde.
    1928: Eroica. Roman aus der Zeit der Napoleonischen Kriege.
    1928: Kostja der Kosak.
    1930: Largo.
    1933: Die Zesarewna.
    1935: Das Reich in Fesseln.
    1937: Katharina die Große.
    1938: Der endlose Hass.
    1938: Die Zaren-Mörder.
    1939: Nach Hause. Ein Don-Kosaken-Roman.
    1939: Russischer Soldaten-Geist.

    Claudio Magris, Mutmaßungen über einen Säbel, Hanser Verlag München, 1986. ISBN 3-446-14518-4

    ↑ Р. Г. Гагкуев, В. Ж. Цветков, С. С. Балмасов: Келлер в годы Великой войны и русской смуты // Граф Келлер. М.: НП «Посев», 2007, ISBN 5-85824-170-0, S. 1101.
    ↑ z. B. 25. Januar 1921 in Berlin: Treffen russischer (zaristischer) Generalstabsoffiziere auf Initiative von „General“ Krasnov
    ↑ Газета «Наша страна»: 60 ЛЕТ ИСТОРИИ “НАШЕЙ СТРАНЫ”. 2008, abgerufen am 14. Dezember 2017 (russisch).
    ↑ Karl-Peter Schwarz: Eine schändliche Operation. Stalin wollte Rache – und Churchill wollte das Einvernehmen mit ihm nicht gefährden: Wie die britische Armee in den Wochen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Zehntausende Kosaken, Kaukasier, Slowenen und Kroaten aus Österreich an die Sowjetunion und an Titos kommunistische Partisanen auslieferte. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1. Juni 2015, S. 6.

    Literatur von und über Pjotr Nikolajewitsch Krasnow im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
    Friedrich Paul Heller: „Mein ist die Rache.“ Eine Kosakenfamilie und die politischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts. Nürnberger Menschenrechtszentrum, 2004.
    Artikel Pjotr Nikolajewitsch Krasnow in der Großen Sowjetischen Enzyklopädie (BSE), 3. Auflage 1969–1978 (russisch)
    Biografien, Chronos (russisch)

    Personendaten
    NAME Krasnow, Pjotr Nikolajewitsch
    ALTERNATIVNAMEN Краснов, Пётр Николаевич (russisch); Krasnov, Pëtr Nikolaevič (wissenschaftliche Transliteration)
    KURZBESCHREIBUNG russischer Offizier, Kosakenataman und Generalleutnant der zaristischen Armee zur Zeit der Oktoberrevolution 1917
    GEBURTSDATUM 22. September 1869
    GEBURTSORT Sankt Petersburg
    STERBEDATUM 16. Januar 1947
    STERBEORT Moskau

    #URSS #Kosaques #nazis #anticommunisme

  • Une demande aux artistes/auteurices et aux féru.es d’usage du droit : je ne trouve pas de document exploitable à suggérer à une personne qui, étant au RSA, est embringuée dans le contrôle exercé par France travail.

    Sans emploi depuis un bail, cette personne n’a d’autre moyen de mettre à distance le contrôle qu’un premier contrat d’édition (d’éventuels droits d’auteur, à venir).
    Les critères de l’offre raisonnable d’emploi (disponibilité et recherche active d’emploi), l’imputation de travail bénévole, peuvent-ils lui être opposés jusqu’à motiver une radiation de la liste (et ainsi la perte du RSA) ?

    Dans un département qui revendique de purger activement son stock de RSAstes, quels arguments de fait mais aussi légaux et réglementaires faire valoir dans un tel cas lors d’une convocation à France travail ?

    #RSA #France_travail

  • „Sonjas Rapport“ unzensiert
    https://www.vorwaerts.de/kultur/sonjas-rapport-unzensiert

    Urdula Kuczynski alias Ruth Werner fut l’espionne au service de l’URSS qui a trasmis les informations essentielles sur la bombe atomique de la Grande Bretgne a l’Union Soviétique. Son autobiographie raconte la vie d’ume femme indépendsnte et libre qui vivait pour ses convictions.

    26.5.2006 von Dagmar Günther - Ihr Leben ist symptomatisch für die politischen Gegensätze ihrer Zeit. Bereits 1977 veröffentlichte die aus der jüdischen Gelehrtenfamilie Kuczynski stammende Ruth Werner in der DDR unter dem Titel „Sonjas Rapport“ ihre ungewöhnliche Geschichte. Sie handelt von Spionage und Emigration, Liebe und Verrat; spielt in Deutschland, China, der Sowjetunion, Polen, der Schweiz und England. „Sonjas Rapport“ wurde in der DDR in 13 Auflagen insgesamt 500 000 Mal gedruckt. Das Buch erschien darüber hinaus in Bulgarien, Ungarn, der CSSR und der Sowjetunion Und es machte die Top-Agentin des 20. Jahrhunderts Ruth Werner schon zu einer Zeit berühmt, als kaum jemand etwas von ihrer „Übermittlerrolle“ in Sachen Atombombe wusste.

    Zwei Jahre lang hatte „Sonja“ vom Kernphysiker und Atomspion Klaus Fuchs - wie sie Emigrant und Kommunist aus Überzeugung - in England „sehr wertvolle Informationen“ zum Bau der Atombombe erhalten. Ihr Bruder Jürgen Kuczynski hatte ihr Ende 1942 diesen Kontakt vermittelt. Die Informationen leitete sie per Funk oder über ihren Verbindungsmann „Sergej“ nach Moskau weiter. So half sie, das Atombomben-Monopol der USA zu brechen.

    Dieser Teil ihres Lebens und ihre Reflexionen über Stalins Verbrechen waren nachweislich schon in der von DDR-Spionagechef Markus Wolf Ende der 60er Jahre initiierten Ursprungsfassung enthalten. Sie wurden 1977 allerdings nicht zur Veröffentlichung freigegeben - möglicherweise von DDR-Staatschef Erich Honecker und Stasi-Chef Erich Mielke, sehr wahrscheinlich jedoch von sowjetischer Seite.

    Erst 1991 konnten die brisanten Fakten in einer in London herausgegebenen englischen Version gedruckt werden. Die kürzlich zum 60. Jubiläum des zur Eulenspiegel Verlagsgruppe gehörenden Verlags Neues Leben erschienene erste komplette deutsche Auflage von „Sonjas Rapport“ folgt der englischen Fassung. Der Leser erfährt nun, welche Rolle Ruth Werner bei der Atomspionage spielte. Mehr als einmal setze sie ihr Leben aufs Spiel. Bedeutsam sind auch ihre in den Grenzen ihres Selbstverständnisses geäußerten integren Gedanken über Stalins Verbrechen, denen ihr bekannte russische und deutsche Kommunisten zum Opfer fielen. Ruth Werner betonte ausdrücklich, sie habe nicht für Stalin sondern für die Sowjetunion gearbeitet.

    Zur Sprache kommt darüber hinaus ihr eigener „bitterer Anteil“ an Opportunismus und Dogmatismus, von dem in der DDR selbst Menschen von lauterer Gesinnung nicht frei waren. Ruth Werner: „Ich bekämpfte dieMissstände, die mir bekannt waren, aber eben nur insoweit, dass ich meine Parteizugehörigkeit behalten und weiter Bücher schreiben konnte. ... Ich arbeitete innerhalb der Möglichkeiten, die mir offen standen. Heute mag das opportunistisch erscheinen, und ich muss mich fragen, wie oft ich dogmatisch war? Wie oft glaubte ich an Dinge, von denen ich heute weiß, dass sie falsch waren? Wie oft glaubte ich, dass Genossen Verräter seien, von denen sich herausstellte, dass sie Opfer unseres deutschen Stalinismus waren? Die Erinnerung daran lässt mich erröten, und das Nachdenken über 40 Jahre DDR und mein eigenes Verständnis ist noch nicht komplett...“

    Eine wundervolle Ergänzung zu Ruth Werner Autobiografie stellt das sehr offene Gespräch dar, das der Berliner Journalist Rudolf Hempel mit ihren Kindern Michael P. Hamburger, Janina Blankenfeld und Peter John Beurton über ihre Mutter, die verschiedenen Väter und ihr eigenes Leben führte. Die Antworten zeigen drei Menschen auf der Suche nach ihrer eigenen Position, die in „Sonjas“ turbulenter Kundschafter-Zeit ihren Anfang nahm und noch immer nicht zu Ende ist.

    Ruth Werner: Sonjas Rapport, Erste vollständige Ausgabe, Verlag Neues Leben, Berlin 2006, 384 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 3-355-01721-3

    Filmdetails : Sonjas Rapport (1982)
    https://www.defa-stiftung.de/filme/filme-suchen/sonjas-rapport

    Regie: Bernhard Stephan, 119 Min., Farbe/Schwarz-Weiß, Spielfilm
    Deutsche Demokratische Republik (DDR)
    DEFA-Studio für Spielfilme, 1982

    Film-/Videoformat
    35 mm
    Länge in m
    3222
    Englischer Titel
    Sonya´s Report
    Premierendatum
    26.09.1982
    Anlaufdatum
    01.10.1982
    Literarische Vorlage
    Werner, Ruth: „Sonjas Rapport“, Autobiografie

    Filmplakat zu „Sonjas Rapport“

    (R: Bernhard Stephan, 1982) Grafiker: Otto Kummert
    Kurzinhalt (Deutsch)

    Eine junge Frau, aus fortschrittlichem bürgerlichen Hause stammend, geht Mitte der 1930er-Jahre mit ihrem Mann Rolf nach Shanghai. Obwohl sie ein Kind hat, ist sie nicht bereit, sich ins Privatleben zurückzuziehen. Sie lernt Dr. Richard Sorge kennen und beschließt, Kundschafterin zu werden. Nach einer Ausbildung in der Nähe von Moskau - sie bekommt den Tarnnamen Sonja -, wird sie mit dem Genossen Ernst in die Mandschurei zu ihrem ersten Auftrag geschickt. Sie hat ein Verhältnis mit Ernst, bekommt ein Kind von ihm. Durch einen neuen Auftrag, der sie nach Polen führt, wird sie von Ernst getrennt. Für ihre Arbeit erhält sie in Moskau den Rotbannerorden. Danach geht sie in die Schweiz, funkt Informationen über den bevorstehenden Krieg in die Sowjetunion. Sie begegnet Rolf und Ernst, die ein Auftrag in den fernen Osten führt. Sonja heiratet einen Engländer, um nicht an Deutschland ausgeliefert zu werden.

    (Quelle: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. DEFA-Spielfilme 1946-1992)
    Filmstill zu „Sonjas Rapport“

    (R: Bernhard Stephan, 1982) Fotograf: Dietram Kleist
    Filmstill zu „Sonjas Rapport“

    (R: Bernhard Stephan, 1982) Fotograf: Dietram Kleist
    Filmstab

    Drehbuch

    Bernhard Stephan

    Szenarium

    Manfred Freitag
    Joachim Nestler

    Darsteller

    Györgi Kinga Tarjan (Sonja)
    Olgierd Lukaszewicz (Rolf)
    Hartmut Puls (Ernst)
    Karla Runkehl (Ollo)
    Erwin Berner (Len)
    Rolf Hoppe (Von Schlewitz)
    Swetlana Schönfeld (Lisa)
    Henry Hübchen (Erwin)
    Thomas Neumann (Karl Hoffmann)
    Talgat Nigmatulin (Feng)
    Wladimir Din (Matsumoto)
    Tariel Kassumow (Andrej)
    Achim Wolff (Italienischer Schiffsoffizier)
    Ursula Christowa-Staack (geb. Staack) (Ehefrau des Nazifunktionärs)
    Paul Berndt (Nazifunktionär)
    René Schönenberger (Schweizer Polizist)
    Doris Thalmer (Ehefrau (Altes jüdisches Ehepaar))
    Willi Schwabe (Ehemann (Altes jüdisches Ehepaar))
    Tjo Den-Gu (Chinesischer Apotheker)
    Ruth Kommerell (Großmutter)
    Lars Rollberg (Micha)
    Franziska Rollberg (Nina)
    Birgit Frohriep (Gerda)
    Ralf-Günter Krolkiewicz (Fred)
    Anette Kralisch (Lisas Tochter)
    Mario Aßmann (Lisas Sohn)
    Petra Dobbertin (Erwins Frau)
    Galina Chan (Ludmilla)
    Wassili Pak (Diener / Japanischer Soldat)
    Harry Merkel (Matschke)
    Ilona Brömmer (auch: Brömmer-Weiß) (Blonde Dame)
    Wladislaw Ogai (Janpanischer Offizier)
    Juri Zoj (Japanischer Soldat)
    Alexander Chan (Chinesischer Grenzsoldat)
    Holger Eckert (Hausherr)
    Gerhard Petri (Friseur)
    Jürgen Hohmann (Artist)
    Barbara Müller (Funkerin)
    Renate Heymer (Blonde Dame)
    Marga Hofmann (Dame der Gesellschaft)
    Gabriela Stanek (Dame der Gesellschaft)
    Renate Stephan (Dame der Gesellschaft)
    Ria Fischer (Dame der Gesellschaft)
    Nil Lath (Dame der Gesellschaft)
    Christel Szcesny (Dame der Gesellschaft)
    Cosima Wujee (Dame der Gesellschaft)

    Regieassistenz

    Harald Fischer (Assistenz-Regie)

    Kameraassistenz

    Norbert Kuhröber
    Dietram Kleist

    Dramaturgie

    Anne Pfeuffer

    Ton

    Klaus Tolstorf
    Gerhard Ribbeck (Tonmischung)

    Maske

    Jürgen Holzapfel
    Christa Eifler

    Requisite

    Herbert Rother
    Klaus-Dieter Ernst

    Produktionsleitung

    Erich Albrecht

    Aufnahmeleitung

    Lutz Wittcke
    Karl-Heinz Rüsike

    DEFA-Fotograf

    Dietram Kleist

    Synchronisation (Sprecher)

    Ursula Werner (Sonja)
    Reinhard Kuhnert (Rolf)
    Zhaoming Pan (Matsumoto)
    Angel Stojanow (Andrej)
    Enbin Yang (Chinesischer Apotheker)

    Kurzinhalt (Weitere Sprachen)

    A metà degli anni ’30, una giovane donna della borghesia progressista, si trasferisce col marito Rolf a Shanghai. Nonostante abbia un figlio, non è disposta a ritirarsi a vita privata. Dopo aver conosciuto il Dr. Richard Sorge decide, così, di diventare esploratrice. Dopo una breve formazione nei pressi di Mosca, dove le assegnano il nome in codice Sonja, la donna viene mandata con il compagno Ernst in Manciuria per la sua prima missione. Dalla relazione con Ernst nasce un figlio. Per il suo lavoro Sonja viene insignita con un’onorificenza, dopodiché si trasferisce in Svizzera, dove radiotrasmette all’Unione Sovietica il pericolo dell’imminente guerra. Pur rincontrando Rolf e Ernst, sposerà un inglese, per non finire in mano ai tedeschi. (Italienisch)
    Filmstill zu „Sonjas Rapport“

    (R: Bernhard Stephan, 1982) Fotograf: Dietram Kleist
    Filmstill zu „Sonjas Rapport“

    (R: Bernhard Stephan, 1982) Fotograf: Dietram Kleist
    Filmstill zu „Sonjas Rapport“

    (R: Bernhard Stephan, 1982) Fotograf: Dietram Kleist
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    (R: Bernhard Stephan, 1982) Fotograf: Dietram Kleist
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    (R: Bernhard Stephan, 1982) Fotograf: Dietram Kleist

    #Allemagne #Royaume_Uni #URSS #espionnage #femmes #biographie #communisme #histoire #nucléaire #bombe_atomique #guerre_froide

  • Scandale Agessa : 300 000 € d’indemnités pour l’ex-directeur malgré 40 ans de défaillances
    https://actualitte.com/article/126679/economie/scandale-agessa-300-000-eur-d-indemnites-pour-l-ex-directeur-malgre-40-a

    Dans quel monde, lors de son licenciement, le directeur d’un organisme investi d’une mission de service public est-il gratifié d’un parachute doré – et ce, en ayant laissé courir de graves dysfonctionnements durant une quarantaine d’années ? Réponse : la SSAA, anciennement Agessa. Montant : 300.000 €, versés à Thierry Dumas, lors de son départ le 7 juin 2024.

    #CAAP #AGESSA #URSSAF #SSAA

  • “On nous a volé notre retraite !” : la colère noire des artistes-auteurs après 40 ans de mensonges
    https://actualitte.com/article/127579/humeurs/on-nous-a-vole-notre-retraite-la-colere-noire-des-artistes-auteurs-apres

    Le 5 novembre 2025, l’Assemblée nationale a mis des mots sur ce naufrage moral en votant pour clarifier la gouvernance et instaurer des élections professionnelles. Les députés ont « reconnu que le système avait floué les créateurs ». Plusieurs députés, dont Danielle Simonnet, ont rappelé en séance les principes universels de la Sécurité sociale, qui doivent s’appliquer aux artistes-auteurs comme à tout bénéficiaire.

    La députée Camille Galliard-Minier a évoqué sans détour « le scandale Agessa/SSAA, révélant les graves dysfonctionnements d’un système qui, pendant quarante ans, a omis de prélever les cotisations vieillesse de près de 190.000 auteurs ». Pour ce qui est des alertes de la Cour des comptes qui pointe opacité, déficits de gouvernance et absence de contrôle, on en reste là.

    Nous le savons tous, la Cour des comptes présente les éventuels dysfonctionnements constatés, mais elle n’émet que des recommandations pour améliorer la gestion !!! On nous a saignés, et pendant ce temps-là, certains se gavaient. Maintenant, ça suffit.

    #CAAP #AGESSA #URSSAF #SSAA

  • Communiqué intersyndical du 27 septembre 2025 - CAAP
    https://caap.asso.fr/spip.php?article1188

    la SSAA (la Sécurité sociale des artistes-auteurs est le nouveau nom de l’AGESSA)

    … dysfonctionne depuis sa création il y a plus de 50 ans. Aujourd’hui la SSAA, sous signature du président, poursuit en justice les artistes-auteurs qui lui demandent réparation des préjudices causés en matière de retraite.

    Il faut expliquer un peu l’affaire de celleux peu nombreux qui la subissent : les artistes-auteurs. Figure toi que l’agessa/ssaa a ’oublié’ durant plus de dix ans de calculer et prélever les cotisations retraites des artistes-auteurs. Exemple du résultat : des peintres, écrivaines, sculptrices, photographes, créatrices mulitmédias arrivent à la retraite et se retrouvent dans le calcul avec un ’trou’ de dix ans multipliés par 4 trimestres de non cotisation et donc avec une retraite de misère.
    Et désormais sont poursuivies en justice si elles demandent réparation.

    #CAAP #AGESSA #URSSAF #SSAA

  • Jeffery Sachs : Europa in der Falle - warum ist Russland eigentlich der Feind ?
    https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/jeffery-sachs-europa-in-der-falle-warum-ist-russland-eigentlich-der

    Jeffery Sachs nous rappelle l’histoire européenne que la propagande capitaliste occidentale a fait oublier à la plupart des citoyens européens. Je peux confirmer ce qu’il dit. Depuis 1975 je suis de près les événements décrits dans ce texte et je m’engage pour endre leurs conséquences supportable où je peux. Ma vie en dépandait et en dépend toujours.

    28.8.2025 von Jeffrey Sachs - Deutschland sollte sich nicht Russland und China zum Feind machen, während die USA Europa attackieren und sogar mit einem Krieg um Grönland drohen.

    Unter dem Titel „Eine neue Außenpolitik für Europa“ veröffentlichte der Ökonom und Diplomat Jeffrey Sachs im Horizons Magazine, Sommer 2025, Ausgabe 31, eine grundlegende Analyse des geopolitischen Dilemmas, in dem sich Deutschland und Europa befinden. Wir bringen die Analyse mit freundlicher Genehmigung von Professor Sachs auf Deutsch.

    Die Europäische Union braucht eine neue Außenpolitik, die auf den wahren Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen Europas basiert. Europa befindet sich derzeit in einer selbst geschaffenen Wirtschafts- und Sicherheitsfalle, die durch seine gefährliche Feindseligkeit gegenüber Russland, sein gegenseitiges Misstrauen gegenüber China und seine extreme Verwundbarkeit gegenüber den Vereinigten Staaten gekennzeichnet ist.

    Die europäische Außenpolitik wird fast vollständig von der Angst vor Russland und China bestimmt – was zu einer sicherheitspolitischen Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten geführt hat. Die Unterwürfigkeit Europas gegenüber den USA rührt fast ausschließlich von seiner übergeordneten Angst vor Russland her, einer Angst, die durch die russophoben Staaten Osteuropas und eine falsche Darstellung des Ukraine-Krieges noch verstärkt wurde.

    Ausgehend von der Überzeugung, dass Russland ihre größte Sicherheitsbedrohung darstellt, ordnet die EU alle anderen außenpolitischen Fragen – Wirtschaft, Handel, Umwelt, Technologie und Diplomatie – den Vereinigten Staaten unter.

    Ironischerweise hält sie eng an Washington fest, obwohl die Vereinigten Staaten in ihrer eigenen Außenpolitik gegenüber der EU schwächer, instabiler, unberechenbarer, irrationaler und gefährlicher geworden sind – sogar so weit gehend, die europäische Souveränität in Grönland offen zu bedrohen. Um eine neue Außenpolitik zu gestalten, muss Europa die falsche Annahme seiner extremen Verwundbarkeit gegenüber Russland überwinden.

    Das Narrativ von Brüssel, der NATO und Großbritannien besagt, dass Russland von Natur aus expansionistisch ist und Europa überrennen wird, wenn sich die Gelegenheit bietet. Die sowjetische Besetzung Osteuropas von 1945 bis 1991 soll diese Bedrohung heute verdeutlichen. Dieses falsche Narrativ missversteht das russische Verhalten in Vergangenheit und Gegenwart grundlegend.

    Der erste Teil dieses Essays zielt darauf ab, die falsche Annahme zu korrigieren, dass Russland eine ernste Bedrohung für Europa darstellt. Der zweite Teil blickt voraus auf eine neue europäische Außenpolitik, sobald Europa seine irrationale Russophobie überwunden hat.

    Die falsche Prämisse des russischen Westimperialismus

    Die europäische Außenpolitik basiert auf der angeblichen Sicherheitsbedrohung Europas durch Russland. Doch diese Prämisse ist falsch. Russland wurde in den letzten zwei Jahrhunderten wiederholt von den großen westlichen Mächten (insbesondere Großbritannien, Frankreich, Deutschland und den Vereinigten Staaten) angegriffen und strebt seit langem Sicherheit durch eine Pufferzone zwischen sich und den westlichen Mächten an. Die stark umkämpfte Pufferzone umfasst das heutige Polen, die Ukraine, Finnland und die baltischen Staaten.

    Diese Region zwischen den Westmächten und Russland ist für die größten Sicherheitsdilemmata Westeuropas und Russlands verantwortlich.

    Kriege des Westens gegen Russland

    Zu den wichtigsten westlichen Kriegen gegen Russland seit 1800 zählen: Die französische Invasion Russlands 1812 (Napoleonische Kriege); die britisch-französische Invasion Russlands 1853–1856 (Krimkrieg); die deutsche Kriegserklärung an Russland am 1. August 1914 (Erster Weltkrieg); die Intervention der Alliierten im Russischen Bürgerkrieg 1918–1922 (Russischer Bürgerkrieg); die deutsche Invasion Russlands 1941 (Zweiter Weltkrieg). Jeder dieser Kriege stellte eine existenzielle Bedrohung für Russlands Überleben dar.

    Aus russischer Sicht stellen die gescheiterte Entmilitarisierung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg, die Gründung der NATO, die Eingliederung Westdeutschlands in die NATO 1955, die NATO-Osterweiterung nach 1991 und der anhaltende Ausbau der US-Militärstützpunkte und Raketensysteme in Osteuropa nahe der russischen Grenze die größten Bedrohungen für Russlands nationale Sicherheit seit dem Zweiten Weltkrieg dar.

    Russland ist auch mehrfach nach Westen vorgedrungen: Russlands Angriff auf Ostpreußen 1914; der Ribbentrop-Molotow-Pakt 1939, der Polen zwischen Deutschland und der Sowjetunion aufteilte und 1940 die baltischen Staaten annektierte; die Invasion Finnlands im November 1939 (Winterkrieg); die sowjetische Besetzung Osteuropas von 1945 bis 1989; der russische Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022.

    Diese russischen Aktionen werden von Europa als objektiver Beweis für Russlands Expansionismus nach Westen gewertet, doch eine solche Sichtweise ist naiv, unhistorisch und propagandistisch. In allen fünf Fällen handelte Russland zum Schutz seiner nationalen Sicherheit – so sah es dies – und betrieb keine Westexpansion um seiner selbst willen.

    Diese grundlegende Wahrheit ist der Schlüssel zur Lösung des heutigen Konflikts zwischen Europa und Russland. Russland strebt keine Westexpansion an; Russland strebt seine nationale Sicherheit im Kern an. Doch der Westen erkennt Russlands zentrale nationale Sicherheitsinteressen seit langem nicht an, geschweige denn, sie zu respektieren.

    Russlands Kriege gegen den Westen

    Betrachten wir diese fünf Fälle von Russlands angeblicher Westexpansion. Der erste Fall, Russlands Angriff auf Ostpreußen 1914, kann sofort beiseite gelegt werden.

    Das Deutsche Reich hatte Russland am 1. August 1914 als erstes den Krieg erklärt. Russlands Invasion in Ostpreußen war eine direkte Reaktion auf die deutsche Kriegserklärung.

    Der zweite Fall, Sowjetrusslands Abkommen mit Hitlers Drittem Reich zur Teilung Polens im Jahr 1939 und die Annexion der baltischen Staaten 1940, wird im Westen als eindeutiger Beweis russischer Niedertracht angesehen. Auch dies ist eine vereinfachende und falsche Lesart der Geschichte. Wie Historiker wie E. H. Carr, Stephen Kotkin und Michael Jabara Carley sorgfältig dokumentiert haben, schloss Stalin 1939 Kontakt zu Großbritannien und Frankreich, um ein Verteidigungsbündnis gegen Hitler zu bilden, der erklärt hatte, im Osten Krieg gegen Russland führen zu wollen (um Lebensraum, slawische Sklavenarbeit und die Niederlage des Bolschewismus). Stalins Versuch, ein Bündnis mit den Westmächten zu schmieden, wurde entschieden zurückgewiesen. Polen weigerte sich, im Falle eines Krieges mit Deutschland sowjetische Truppen auf polnischem Boden zuzulassen. Der Hass der westlichen Elite auf den sowjetischen Kommunismus war mindestens ebenso groß wie ihre Angst vor Hitler. Tatsächlich lautete ein gängiger Satz unter den britischen rechten Eliten in den späten 1930er Jahren: „Besser Hitlerismus als Kommunismus.“

    Da es ihm nicht gelang, ein Verteidigungsbündnis zu schmieden, versuchte Stalin, eine Pufferzone gegen den bevorstehenden deutschen Einmarsch in Russland zu schaffen.

    Die Teilung Polens und die Annexion der baltischen Staaten erfolgten aus taktischen Gründen, um Zeit für die bevorstehende Schlacht von Armageddon mit Hitlers Armeen zu gewinnen, die am 22. Juni 1941 mit dem deutschen Einmarsch in die Sowjetunion im Rahmen des Unternehmens Barbarossa eintraf. Die vorangegangene Teilung Polens und die Annexion der baltischen Staaten könnten die Invasion durchaus verzögert und die Sowjetunion vor einer schnellen Niederlage gegen Hitler bewahrt haben.

    Finnland und Russland

    Der dritte Fall, Russlands Winterkrieg gegen Finnland, wird in Westeuropa (und insbesondere in Finnland) ebenfalls als Beweis für Russlands expansionistischen Charakter angesehen. Doch auch hier war die grundlegende Motivation Russlands defensiv, nicht offensiv. Russland befürchtete, dass die deutsche Invasion teilweise über Finnland erfolgen und Leningrad schnell von Hitler eingenommen werden könnte. Die Sowjetunion schlug Finnland daher einen Gebietstausch mit der Sowjetunion vor (insbesondere die Abtretung der Karelischen Landenge und einiger Inseln im Finnischen Meerbusen im Austausch gegen russische Gebiete), um Russland die Verteidigung Leningrads zu ermöglichen. Finnland lehnte diesen Vorschlag ab und die Sowjetunion marschierte am 30. November 1939 in Finnland ein. Anschließend schloss sich Finnland während des „Fortsetzungskrieges“ von 1941 bis 1944 Hitlers Armeen im Krieg gegen die Sowjetunion an.

    Besetzung Osteuropas durch die UdSSR

    Der vierte Fall, die sowjetische Besetzung Osteuropas (und die fortgesetzte Annexion der baltischen Staaten) während des Kalten Krieges, wird in Europa als ein weiterer bitterer Beweis für die grundlegende Bedrohung der europäischen Sicherheit durch Russland angesehen. Die sowjetische Besatzung war tatsächlich brutal, aber auch sie hatte defensive Motive, die in der westeuropäischen und amerikanischen Erzählung völlig übersehen werden. Die Sowjetunion trug die Hauptlast des Sieges über Hitler und verlor in dem Krieg unglaubliche 27 Millionen Bürger. Russland hatte nach Kriegsende eine vorrangige Forderung: seine Sicherheitsinteressen sollten durch einen Vertrag abgesichert werden, der es vor künftigen Bedrohungen durch Deutschland und den Westen im Allgemeinen schützte. Der Westen, heute angeführt von den USA, lehnte diese grundlegende Sicherheitsforderung ab. Der Kalte Krieg ist das Ergebnis der Weigerung des Westens, Russlands lebenswichtige Sicherheitsinteressen zu respektieren.

    Natürlich ist die Geschichte des Kalten Krieges, wie sie im Westen erzählt wird, genau das Gegenteil: Der Kalte Krieg sei ausschließlich das Ergebnis der kriegerischen Versuche Russlands gewesen, die Welt zu erobern!

    Hier ist die wahre Geschichte, die Historikern wohlbekannt, der Öffentlichkeit in den Vereinigten Staaten und Europa jedoch fast völlig unbekannt ist. Am Ende des Krieges strebte die Sowjetunion einen Friedensvertrag an, der ein vereintes, neutrales und entmilitarisiertes Deutschland schaffen sollte.

    Westen wollte Teilung Deutschlands, nicht die Entmilitarisierung

    Auf der Potsdamer Konferenz im Juli 1945, an der die Staats- und Regierungschefs der Sowjetunion, Großbritanniens und der Vereinigten Staaten teilnahmen, einigten sich die drei Alliierten auf „die vollständige Abrüstung und Entmilitarisierung Deutschlands und die Beseitigung oder Kontrolle der gesamten deutschen Industrie, die für die militärische Produktion genutzt werden könnte“. Deutschland sollte vereint, befriedet und entmilitarisiert werden. All dies sollte durch einen Vertrag zur Beendigung des Krieges abgesichert werden. Tatsächlich arbeiteten die USA und Großbritannien unermüdlich daran, dieses Kernprinzip zu untergraben. Bereits im Mai 1945 beauftragte Winston Churchill seinen militärischen Stabschef mit der Ausarbeitung eines Kriegsplans für einen Überraschungsangriff auf die Sowjetunion Mitte 1945 mit dem Codenamen Operation Unthinkable.

    Obwohl die britischen Militärplaner einen solchen Krieg für undurchführbar hielten, setzte sich schnell die Vorstellung durch, dass sich Amerikaner und Briten auf einen bevorstehenden Krieg mit der Sowjetunion vorbereiten sollten. Die Kriegsplaner hielten einen solchen Krieg für wahrscheinlich in den frühen 1950er Jahren. Churchills Ziel war offenbar, zu verhindern, dass Polen und andere osteuropäische Länder in eine sowjetische Einflusssphäre fielen. Auch in den Vereinigten Staaten betrachteten führende Militärplaner die Sowjetunion schon wenige Wochen nach der Kapitulation Deutschlands im Mai 1945 als Amerikas nächsten Feind. Die USA und Großbritannien rekrutierten rasch Nazi-Wissenschaftler und hochrangige Geheimdienstler (wie Reinhard Gehlen, einen Naziführer, der von Washington beim Aufbau des deutschen Nachkriegsgeheimdienstes unterstützt wurde), um mit der Planung des bevorstehenden Krieges gegen die Sowjetunion zu beginnen.

    Aufnahme Deutschlands in die Nato

    Der Kalte Krieg brach hauptsächlich deshalb aus, weil die Amerikaner und Briten die deutsche Wiedervereinigung und die in Potsdam vereinbarte Entmilitarisierung ablehnten. Stattdessen gaben die Westmächte die deutsche Wiedervereinigung auf und gründeten aus den drei Besatzungszonen der USA, des Vereinigten Königreichs und Frankreichs die Bundesrepublik Deutschland (BRD oder Westdeutschland). Unter amerikanischer Schirmherrschaft sollte die BRD reindustrialisiert und remilitarisiert werden. 1955 wurde Westdeutschland in die NATO aufgenommen.

    Während Historiker heftig darüber debattieren, wer die Potsdamer Abkommen eingehalten hat und wer nicht (wobei der Westen beispielsweise auf die Weigerung der Sowjetunion verweist, in Polen eine wirklich repräsentative Regierung zuzulassen, wie in Potsdam vereinbart), besteht kein Zweifel daran, dass die Remilitarisierung der Bundesrepublik Deutschland durch den Westen die Hauptursache des Kalten Krieges war. 1952 schlug Stalin eine Wiedervereinigung Deutschlands auf der Grundlage von Neutralität und Entmilitarisierung vor.

    Neutralität Österreichs seit 1955

    Dieser Vorschlag wurde von den USA abgelehnt. 1955 vereinbarten die Sowjetunion und Österreich, dass die Sowjetunion ihre Besatzungstruppen aus Österreich abziehen würde, wenn Österreich im Gegenzug dauerhafte Neutralität zusicherte. Der österreichische Staatsvertrag wurde am 15. Mai 1955 von der Sowjetunion, den Vereinigten Staaten, Frankreich und dem Vereinigten Königreich gemeinsam mit Österreich unterzeichnet und führte damit zum Ende der Besatzung. Das Ziel der Sowjetunion bestand nicht nur darin, die Spannungen wegen Österreich beizulegen, sondern den Vereinigten Staaten auch ein erfolgreiches Modell des sowjetischen Rückzugs aus Europa bei gleichzeitiger Neutralität zu zeigen.

    Wieder einmal wiesen die Vereinigten Staaten den sowjetischen Appell zurück, den Kalten Krieg auf der Grundlage der Neutralität und Entmilitarisierung Deutschlands zu beenden. Noch 1957 appellierte der amerikanische Doyen in sowjetischen Angelegenheiten, George Kennan, in seiner dritten Reith Lecture für die BBC öffentlich und leidenschaftlich an die Vereinigten Staaten, sich mit der Sowjetunion auf einen gegenseitigen Truppenabzug aus Europa zu einigen. Die Sowjetunion, betonte Kennan, strebe weder eine militärische Invasion Westeuropas an noch sei sie daran interessiert.

    Die US-amerikanischen Kalten Krieger unter der Führung von John Foster Dulles wollten davon nichts wissen. Bis zur deutschen Wiedervereinigung 1990 wurde kein Friedensvertrag mit Deutschland zur Beendigung des Zweiten Weltkriegs unterzeichnet.

    Es ist hervorzuheben, dass die Sowjetunion nach 1955 die Neutralität Österreichs und auch der anderen neutralen Länder Europas (einschließlich Schwedens, Finnlands, der Schweiz, Irlands, Spaniens und Portugals) respektiert hat. Der finnische Präsident Alexander Stubb erklärte kürzlich, die Ukraine solle aufgrund der negativen Erfahrungen Finnlands die Neutralität ablehnen (die finnische Neutralität endete 2024 mit dem NATO-Beitritt des Landes). Das ist ein bizarrer Gedanke. Finnland blieb unter neutraler Herrschaft friedlich, erreichte bemerkenswerten wirtschaftlichen Wohlstand und erreichte laut World Happiness Report die höchste Zufriedenheitsstufe der Welt.

    Ermordung Kennedys, Sturz Nixons

    Präsident John F. Kennedy zeigte einen möglichen Weg zur Beendigung des Kalten Krieges auf, der auf gegenseitigem Respekt für die Sicherheitsinteressen aller Seiten beruhte. Kennedy blockierte den Versuch des deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer, Atomwaffen von Frankreich zu erwerben, und beschwichtigte so die sowjetischen Bedenken hinsichtlich eines atomar bewaffneten Deutschlands. Auf dieser Grundlage handelte JFK erfolgreich den Vertrag über das teilweise Verbot von Atomtests mit seinem sowjetischen Amtskollegen Nikita Chruschtschow aus. Kennedy wurde einige Monate später höchstwahrscheinlich aufgrund seiner Friedensinitiative von einer Gruppe CIA-Agenten ermordet. 2025 veröffentlichte Dokumente bestätigen den seit langem bestehenden Verdacht, dass Lee Harvey Oswald direkt von James Angleton, einem hochrangigen CIA-Mitarbeiter, betreut wurde.

    Das nächste US-amerikanische Friedensangebot an die Sowjetunion wurde von Richard Nixon angeführt. Er wurde durch die Watergate-Affäre zu Fall gebracht, die ebenfalls Anzeichen einer nie aufgeklärten CIA-Operation aufweist.

    Michail Gorbatschow beendete schließlich den Kalten Krieg, indem er den Warschauer Pakt einseitig auflöste und die Demokratisierung Osteuropas aktiv vorantrieb. Ich war an einigen dieser Ereignisse beteiligt und wurde Zeuge von Gorbatschows Friedensstiftung. Im Sommer 1989 beispielsweise forderte Gorbatschow die kommunistische Führung Polens auf, eine Koalitionsregierung mit den von der Solidarność-Bewegung angeführten Oppositionskräften zu bilden.

    Wiedervereinigung und Nato-Osterweiterung

    Das Ende des Warschauer Pakts und die von Gorbatschow gesteuerte Demokratisierung Osteuropas führten rasch dazu, dass Bundeskanzler Helmut Kohl die deutsche Wiedervereinigung forderte. Dies führte zu den Wiedervereinigungsverträgen von 1990 zwischen der BRD und der DDR sowie zum sogenannten 2+4-Vertrag zwischen den beiden deutschen Staaten und den vier alliierten Mächten USA, Großbritannien, Frankreich und Sowjetunion.

    Die Vereinigten Staaten und Deutschland versprachen Gorbatschow im Februar 1990 klar, dass die NATO im Zusammenhang mit der deutschen Wiedervereinigung „keinen Zentimeter nach Osten“ rücken werde. Diese Tatsache wird heute von den Westmächten weitgehend bestritten, lässt sich aber leicht überprüfen. Dieses zentrale Versprechen, die NATO-Erweiterung nicht fortzusetzen, wurde zwar mehrfach abgegeben, fand aber keinen Eingang in den Text des 2+4-Abkommens, da dieses die deutsche Wiedervereinigung und nicht die NATO-Osterweiterung betraf.

    Russlands Invasion in der Ukraine

    Der fünfte Fall, Russlands Invasion in der Ukraine im Februar 2022, wird im Westen erneut als Beweis für Russlands unverbesserlichen Westimperialismus angesehen. Das Lieblingswort westlicher Medien, Experten und Propagandisten ist, dass Russlands Invasion „unprovoziert“ war und daher ein Beweis für Putins unerbittliches Streben ist, nicht nur das Russische Reich wiederherzustellen, sondern auch weiter nach Westen vorzudringen, was bedeutet, dass sich Europa auf einen Krieg mit Russland vorbereiten sollte. Dies ist eine absurde Lüge, die jedoch von den Mainstream-Medien so oft wiederholt wird, dass sie in Europa weithin geglaubt wird.

    Tatsächlich wurde die russische Invasion im Februar 2022 vom Westen so provoziert, dass man vermuten könnte, es handele sich tatsächlich um einen amerikanischen Plan, die Russen in einen Krieg zu locken, um Russland zu besiegen oder zu schwächen. Diese Behauptung ist glaubwürdig, wie zahlreiche Aussagen zahlreicher US-Beamter bestätigen. Nach der Invasion erklärte US-Verteidigungsminister Lloyd Austin, Washingtons Ziel sei es, „Russland so weit zu schwächen, dass es nicht mehr in der Lage ist, ähnliche Aktionen wie bei der Invasion der Ukraine durchzuführen. Die Ukraine kann gewinnen, wenn sie über die richtige Ausrüstung und die richtige Unterstützung verfügt.“

    Die wichtigste Provokation der USA gegenüber Russland bestand darin, entgegen den Versprechen von 1990 die NATO nach Osten zu erweitern.

    Russland und China verbündet? No way!

    Dabei ging es um ein wichtiges Ziel: Russland mit NATO-Staaten in der Schwarzmeerregion einzukreisen und es Russland so zu unterbinden, seine von der Krim aus stationierte Seemacht im östlichen Mittelmeer und im Nahen Osten einzusetzen. Im Wesentlichen war das Ziel der USA dasselbe wie das Ziel Palmerstons und Napoleons III. im Krimkrieg: die russische Flotte aus dem Schwarzen Meer zu vertreiben. Zu den NATO-Mitgliedern würden die Ukraine, Rumänien, Bulgarien, die Türkei und Georgien gehören, wodurch eine Schlinge gebildet würde, die Russlands Seemacht am Schwarzen Meer erwürgen würde.

    Zbigniew Brzezinski beschrieb diese Strategie in seinem 1997 erschienenen Buch „Das große Schachbrett“. Darin behauptete er, Russland werde sich dem Willen des Westens beugen, da es keine andere Wahl habe. Brzezinski wies ausdrücklich die Vorstellung zurück, Russland würde sich jemals mit China gegen Europa verbünden. Die gesamte Zeit nach dem Untergang der Sowjetunion 1991 ist von westlicher Hybris geprägt (so betitelte der Historiker Jonathan Haslam seinen hervorragenden Bericht). In dieser Zeit glaubten die Vereinigten Staaten und Europa, sie könnten NATO- und amerikanische Waffensysteme (wie Aegis-Raketen) ohne Rücksicht auf Russlands nationale Sicherheitsbedenken nach Osten drängen.

    Die Liste westlicher Provokationen ist zu lang, um sie hier im Detail wiederzugeben, hier aber eine Zusammenfassung:

    Zahlreiche westliche Provokationen

    Erstens begannen die Vereinigten Staaten entgegen ihren Versprechen aus dem Jahr 1990 mit der Osterweiterung der NATO, die 1994 mit den Ankündigungen des damaligen Präsidenten Bill Clinton begann. Damals erwog Clintons Verteidigungsminister William Perry angesichts der Rücksichtslosigkeit dieses US-Vorgehens entgegen früheren Versprechen seinen Rücktritt. Die erste Welle der NATO-Erweiterung fand 1999 statt und umfasste Polen, Ungarn und die Tschechische Republik. Im selben Jahr bombardierten NATO-Truppen 78 Tage lang den mit Russland verbündeten Serbien, um das Land zu spalten, und die NATO errichtete rasch einen neuen großen Militärstützpunkt in der abtrünnigen Provinz Kosovo.

    Die zweite Welle der NATO-Osterweiterung im Jahr 2004 umfasste sieben Länder, darunter Russlands direkte Nachbarn im Baltikum und zwei Schwarzmeerländer – Bulgarien und Rumänien. 2008 erkannte der Großteil der EU den Kosovo als unabhängigen Staat an, entgegen den europäischen Beteuerungen, die europäischen Grenzen seien unantastbar.

    Zweitens kündigten die USA 2002 einseitig den ABM-Vertrag und damit die nukleare Rüstungskontrolle. 2019 kündigten sie in ähnlicher Weise den INF-Vertrag. Trotz Russlands heftiger Einwände begannen die USA mit der Stationierung von ABM-Systemen in Polen und Rumänien und behielten sich im Januar 2022 das Recht vor, solche Systeme in der Ukraine zu stationieren.

    Maidan: Gewaltsamer Putsch

    Drittens infiltrierten die USA tief in die ukrainische Innenpolitik und gaben Milliarden von Dollar aus, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen, Medienkanäle aufzubauen und die ukrainische Innenpolitik zu steuern. Die Wahlen in der Ukraine von 2004–2005 gelten weithin als eine Art amerikanische Farbrevolution, bei der die USA ihren verdeckten und offenen Einfluss sowie ihre Finanzierung nutzten, um die Wahl zugunsten der von den USA unterstützten Kandidaten zu beeinflussen. In den Jahren 2013 und 2014 spielten die USA eine direkte Rolle bei der Finanzierung der Maidan-Proteste und des gewaltsamen Putsches, der den neutralitätsorientierten Präsidenten Viktor Janukowitsch stürzte. Damit ebneten sie den Weg für ein ukrainisches Regime, das die NATO-Mitgliedschaft unterstützt.

    Übrigens wurde ich kurz nach dem gewaltsamen Putsch vom 22. Februar 2014, der zu Janukowitschs Sturz führte, zu einem Besuch des Maidan eingeladen. Die Rolle der amerikanischen Finanzierung der Proteste wurde mir von einer US-amerikanischen NGO erklärt, die maßgeblich in die Maidan-Ereignisse involviert war.

    „Njet heißt Njet“

    Viertens drängten die USA ab 2008 trotz der Einwände mehrerer europäischer Staats- und Regierungschefs die NATO dazu, sich zur Erweiterung um die Ukraine und Georgien zu verpflichten. Der damalige US-Botschafter in Moskau, William J. Burns, telegrafierte ein inzwischen berüchtigtes Memo mit dem Titel „Njet heißt Njet: Russlands rote Linien bei der NATO-Erweiterung“ nach Washington. Darin erklärte er, die gesamte russische politische Klasse sei entschieden gegen eine NATO-Erweiterung um die Ukraine und befürchte, ein solches Vorhaben könne zu Bürgerkriegen in der Ukraine führen.

    Fünftens sagten sich nach dem Putsch auf dem Maidan die russischstämmigen Regionen der Ostukraine (Donbass) von der durch den Putsch eingesetzten neuen westukrainischen Regierung los. Russland und Deutschland einigten sich rasch auf die Minsker Abkommen, denen zufolge die beiden abtrünnigen Regionen (Donezk und Lugansk) Teil der Ukraine bleiben sollten, jedoch mit lokaler Autonomie nach dem Vorbild der deutschstämmigen Region Südtirol in Italien. Minsk II, das vom UN-Sicherheitsrat unterstützt wurde, hätte den Konflikt beenden können, doch die Regierung in Kiew entschied sich mit Unterstützung Washingtons gegen die Umsetzung der Autonomie.

    Die gescheiterte Umsetzung von Minsk II vergiftete die Diplomatie zwischen Russland und dem Westen.

    Sechstens bauten die Vereinigten Staaten die ukrainische Armee (aktive Armee plus Reserve) bis 2020 kontinuierlich auf rund eine Million Soldaten aus. Die Ukraine und ihre rechtsgerichteten paramilitärischen Bataillone (wie das Asow-Bataillon und der Rechte Sektor) führten wiederholt Angriffe auf die beiden abtrünnigen Regionen, wobei im Donbass Tausende Zivilisten durch ukrainischen Artilleriebeschuss starben.

    Siebtens legte Russland Ende 2021 den Entwurf eines russisch-amerikanischen Sicherheitsabkommens vor, das vor allem ein Ende der NATO-Osterweiterung forderte. Die USA lehnten Russlands Forderung nach einem Ende der NATO-Osterweiterung ab und bekräftigten ihre „Politik der offenen Tür“, wonach Drittstaaten wie Russland bei der NATO-Erweiterung kein Mitspracherecht haben. Die USA und europäische Länder bekräftigten wiederholt die mögliche NATO-Mitgliedschaft der Ukraine. Berichten zufolge teilte der US-Außenminister dem russischen Außenminister im Januar 2022 mit, dass die USA trotz russischer Einwände das Recht behielten, Mittelstreckenraketen in der Ukraine zu stationieren.

    Kein Friede in Istanbul

    Achtens stimmte die Ukraine nach der russischen Invasion am 24. Februar 2022 rasch Friedensverhandlungen auf der Grundlage einer Rückkehr zur Neutralität zu. Diese Verhandlungen fanden unter Vermittlung der Türkei in Istanbul statt. Ende März 2022 veröffentlichten Russland und die Ukraine ein gemeinsames Memorandum, in dem sie über die Fortschritte bei einem Friedensabkommen berichteten. Am 15. April wurde ein Dokument vorgelegt, das einer umfassenden Einigung nahe kam. Zu diesem Zeitpunkt griffen die USA ein und teilten den Ukrainern mit, dass sie das Friedensabkommen nicht unterstützen würden, sondern die Ukraine stattdessen bei der Fortsetzung der Kämpfe unterstützen würden.

    Die hohen Kosten einer gescheiterten Außenpolitik Russland hat weder irgendwelche Gebietsansprüche gegenüber westeuropäischen Ländern erhoben, noch hat Russland Westeuropa bedroht, abgesehen von seinem Recht auf Vergeltung für vom Westen unterstützte Raketenangriffe in Russland. Bis zum Maidan-Putsch 2014 erhob Russland keinerlei Gebietsansprüche gegenüber der Ukraine. Nach dem Putsch 2014 und bis Ende 2022 war Russlands einzige Gebietsforderung die Krim, um zu verhindern, dass der russische Marinestützpunkt in Sewastopol in westliche Hände fällt.

    Erst nach dem Scheitern des Istanbuler Friedensprozesses – torpediert von den USA – beanspruchte Russland die Annexion der vier ukrainischen Oblaste (Donezk, Lugansk, Cherson und Saporischschja). Russlands erklärte Kriegsziele sind heute nach wie vor begrenzt und umfassen die Neutralität der Ukraine, eine teilweise Entmilitarisierung, einen dauerhaften Austritt aus der NATO sowie die Übertragung der Krim und ihrer vier Oblaste an Russland, die rund 19 Prozent des ukrainischen Territoriums von 1991 ausmachen.

    Dies ist kein Beweis für russischen Westimperialismus.

    Es handelt sich auch nicht um grundlose Forderungen. Russlands Kriegsziele folgen auf über 30 Jahre russischer Einwände gegen die NATO-Osterweiterung, die Aufrüstung der Ukraine, den amerikanischen Ausstieg aus dem Atomwaffenabkommen und die tiefgreifende Einmischung des Westens in die ukrainische Innenpolitik, einschließlich der Unterstützung eines gewaltsamen Putsches im Jahr 2014, der die NATO und Russland auf direkten Kollisionskurs brachte. Europa interpretiert die Ereignisse der letzten 30 Jahre als Beweis für Russlands unerbittlichen und unverbesserlichen Expansionismus nach Westen – so wie der Westen darauf beharrte, die Sowjetunion sei allein für den Kalten Krieg verantwortlich, während die Sowjetunion in Wirklichkeit durch die Neutralität, die Wiedervereinigung und die Abrüstung Deutschlands wiederholt den Weg zum Frieden gewiesen hatte.

    Gegner reden aneinander vorbei

    Wie schon im Kalten Krieg provozierte der Westen Russland lieber, als dessen durchaus verständliche Sicherheitsbedenken anzuerkennen. Jede russische Aktion wurde als Zeichen russischer Niedertracht interpretiert, ohne Russlands Standpunkt in der Debatte zu berücksichtigen.

    Dies ist ein anschauliches Beispiel für das klassische Sicherheitsdilemma: Gegner reden aneinander vorbei, gehen vom Schlimmsten aus und handeln aggressiv auf der Grundlage ihrer falschen Annahmen. Europas Entscheidung, den Kalten Krieg und die Nachkriegszeit aus dieser stark voreingenommenen Perspektive zu interpretieren, hat Europa enorme Kosten verursacht, und diese Kosten steigen weiter. Vor allem aber sah sich Europa in seiner Sicherheit völlig von den USA abhängig.

    Wenn Russland tatsächlich unverbesserlich expansionistisch ist, dann sind die USA Europas notwendiger Retter. Wäre Russlands Verhalten hingegen tatsächlich Ausdruck seiner Sicherheitsbedenken gewesen, hätte der Kalte Krieg nach dem Vorbild der österreichischen Neutralität höchstwahrscheinlich Jahrzehnte früher enden können, und die Nachkriegszeit hätte eine Zeit des Friedens und wachsenden Vertrauens zwischen Russland und Europa sein können.

    Kampf um Rohstoffe

    Tatsächlich ergänzen sich die Volkswirtschaften Europas und Russlands: Russland ist reich an Rohstoffen (Landwirtschaft, Mineralien, Kohlenwasserstoffe) und Maschinenbau, während Europa energieintensive Industrien und wichtige Hochtechnologien beherbergt. Die USA lehnen die aus dieser natürlichen Komplementarität resultierenden wachsenden Handelsbeziehungen zwischen Europa und Russland seit langem ab. Sie betrachten die russische Energiewirtschaft als Konkurrenten des US-Energiesektors und sehen die engen deutsch-russischen Handels- und Investitionsbeziehungen generell als Bedrohung der politischen und wirtschaftlichen Vorherrschaft der USA in Westeuropa.

    Nord Stream Pipelines

    Aus diesen Gründen lehnten die USA die Pipelines Nord Stream 1 und 2 schon lange vor dem Ukraine-Konflikt ab. Biden versprach daher ausdrücklich, Nord Stream 2 im Falle einer russischen Invasion in der Ukraine zu stoppen – wie es auch geschah. Die US-amerikanische Opposition gegen Nord Stream und die Schließung der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen beruhte auf allgemeinen Grundsätzen: Die EU und Russland sollten auf Distanz gehalten werden, damit die USA ihren Einfluss in Europa nicht verlieren. Der Ukraine-Krieg und die Spaltung Europas mit Russland haben der europäischen Wirtschaft großen Schaden zugefügt. Europas Exporte nach Russland sind drastisch zurückgegangen, von rund 90 Milliarden Euro im Jahr 2021 auf nur noch 30 Milliarden Euro im Jahr 2024. Die Energiekosten sind in die Höhe geschossen, da Europa von billigem russischem Pipeline-Erdgas auf mehrfach teureres Flüssigerdgas aus den USA umgestiegen ist. Die deutsche Industrie ist seit 2020 um rund 10 Prozent geschrumpft und sowohl die deutsche Chemiebranche als auch die Automobilindustrie geraten ins Wanken.

    Der IWF prognostiziert für die EU ein Wirtschaftswachstum von lediglich einem Prozent im Jahr 2025 und von etwa 1,5 Prozent für den Rest des Jahrzehnts.

    Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz hat ein dauerhaftes Verbot der Wiederherstellung der Nord-Stream-Gaslieferungen gefordert, doch für Deutschland kommt dies beinahe einem wirtschaftlichen Selbstmordpakt gleich. Es basiert auf Merz’ Ansicht, Russland strebe einen Krieg mit Deutschland an, doch Tatsache ist, dass Deutschland durch Kriegstreiberei und massive Aufrüstung einen Krieg mit Russland provoziert.

    Was will Friedrich Merz?

    Merz zufolge ist „eine realistische Sicht auf Russlands imperialistische Bestrebungen erforderlich“. Er erklärt: „Ein Teil unserer Gesellschaft hat eine tief verwurzelte Angst vor Krieg. Ich teile diese nicht, kann sie aber verstehen.“ Besonders alarmierend ist Merz’ Erklärung, „die Mittel der Diplomatie seien erschöpft“, obwohl er seit seinem Machtantritt offenbar nicht einmal versucht hat, mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu sprechen. Darüber hinaus scheint er den Beinahe-Erfolg der Diplomatie im Istanbul-Prozess im Jahr 2022 – also bevor die USA der Diplomatie ein Ende setzten – bewusst zu ignorieren.

    Der westliche Umgang mit China spiegelt seinen Umgang mit Russland wider. Der Westen unterstellt China oft ruchlose Absichten, die in vielerlei Hinsicht nur Projektionen seiner eigenen feindseligen Absichten gegenüber der Volksrepublik sind. Chinas rasanter Aufstieg zur wirtschaftlichen Vormachtstellung zwischen 1980 und 2010 führte dazu, dass amerikanische Politiker und Strategen Chinas weiteren wirtschaftlichen Aufstieg als den US-Interessen zuwiderlaufend betrachteten.

    Im Jahr 2015 erklärten die US-Strategen Robert Blackwill und Ashley Tellis klar, dass die große Strategie der USA die amerikanische Hegemonie sei und dass China aufgrund seiner Größe und seines Erfolgs eine Bedrohung für diese Hegemonie darstelle.

    Blackwill und Tellis befürworteten eine Reihe von Maßnahmen der USA und ihrer Verbündeten, um Chinas zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg zu behindern, wie etwa den Ausschluss Chinas aus neuen Handelsblöcken im asiatisch-pazifischen Raum, die Beschränkung des Exports westlicher Hochtechnologiegüter nach China, die Verhängung von Zöllen und anderen Beschränkungen auf chinesische Exporte sowie weitere antichinesische Maßnahmen. Beachten Sie, dass diese Maßnahmen nicht aufgrund konkreter Verfehlungen Chinas empfohlen wurden, sondern weil Chinas anhaltendes Wirtschaftswachstum laut den Autoren der amerikanischen Vorherrschaft zuwiderlief.

    China verspotten

    Teil der Außenpolitik gegenüber Russland und China ist ein Medienkrieg, um diese vermeintlichen Feinde des Westens zu diskreditieren. Im Falle Chinas hat der Westen es so dargestellt, als würde es in der Provinz Xinjiang einen Völkermord an der uigurischen Bevölkerung begehen.

    Dieser absurde und übertriebene Vorwurf wurde ohne ernsthafte Beweise erhoben, während der Westen den tatsächlichen Völkermord an Zehntausenden Palästinensern im Gazastreifen durch seinen Verbündeten Israel generell ignoriert. Darüber hinaus enthält die westliche Propaganda eine Reihe absurder Behauptungen über die chinesische Wirtschaft. Chinas wertvolle Belt and Road Initiative, die Entwicklungsländern den Aufbau moderner Infrastruktur finanziert, wird als „Schuldenfalle“ verspottet.

    Chinas bemerkenswerte Fähigkeit, grüne Technologien wie die weltweit dringend benötigten Solarmodule zu produzieren, wird vom Westen als „Überkapazität“ verspottet, die reduziert oder stillgelegt werden sollte. Militärisch wird das Sicherheitsdilemma gegenüber China, genau wie gegenüber Russland, höchst bedrohlich interpretiert.

    Die USA proklamieren seit langem ihre Fähigkeit, Chinas lebenswichtige Seewege zu unterbrechen, bezeichnen China aber als militaristisch, wenn es als Reaktion darauf Schritte zum Aufbau eigener Marinekapazitäten unternimmt. Anstatt Chinas militärischen Aufmarsch als klassisches Sicherheitsdilemma zu betrachten, das diplomatisch gelöst werden sollte, erklärt die US-Marine, sie solle sich bis 2027 auf einen Krieg mit China vorbereiten. Die NATO fordert zunehmend ein aktives Engagement in Ostasien, das sich gegen China richtet. Die europäischen Verbündeten der USA unterstützen im Allgemeinen den aggressiven amerikanischen Ansatz gegenüber China, sowohl im Handel als auch militärisch.

    10 Punkte für eine neue Außenpolitik für Europa

    Europa hat sich selbst in die Enge getrieben, indem es sich den USA unterordnete, direkte diplomatische Beziehungen zu Russland verweigerte, seinen wirtschaftlichen Vorsprung durch Sanktionen und Krieg einbüßte, sich zu massiven und unfinanzierbaren Erhöhungen der Militärausgaben verpflichtete und langfristige Handels- und Investitionsbeziehungen sowohl zu Russland als auch zu China abbrach. Die Folge sind steigende Schulden, wirtschaftliche Stagnation und ein wachsendes Risiko eines großen Krieges, das Merz offenbar nicht schreckt, uns anderen aber Angst machen sollte.

    Der wahrscheinlichste Krieg ist vielleicht nicht mit Russland, sondern mit den USA, die unter Trump mit der Besetzung Grönlands drohten, sollte Dänemark Grönland nicht einfach verkaufen oder unter Washingtons Souveränität überführen. Es ist durchaus möglich, dass Europa irgendwann ohne echte Freunde dasteht: weder Russland noch China, aber auch nicht die USA, die arabischen Staaten (die Europas blindes Augensehen gegenüber dem Völkermord Israels übel nehmen), Afrika (das noch immer unter dem europäischen Kolonialismus und Postkolonialismus leidet) und andere. Es gibt natürlich einen anderen Weg – einen vielversprechenden, wenn europäische Politiker Europas wahre Sicherheitsinteressen und -risiken neu bewerten und die Diplomatie wieder in den Mittelpunkt ihrer Außenpolitik rücken. Ich schlage zehn praktische Schritte für eine Außenpolitik vor, die Europas wahren Bedürfnissen entspricht.

    Erstens: Die Aufnahme direkter diplomatischer Kontakte mit Moskau. Europas offensichtliches Versagen, direkte diplomatische Beziehungen zu Russland aufzubauen, ist verheerend. Europa glaubt vielleicht sogar seiner eigenen außenpolitischen Propaganda, da es die zentralen Fragen nicht direkt mit seinem russischen Gegenüber diskutiert.

    Zweitens: Vorbereitung eines Verhandlungsfriedens mit Russland in Bezug auf die Ukraine und die Zukunft der europäischen kollektiven Sicherheit. Vor allem sollte Europa mit Russland vereinbaren, dass der Krieg auf der Grundlage einer festen und unwiderruflichen Verpflichtung beendet werden sollte, die NATO nicht auf die Ukraine, Georgien oder andere östliche Gebiete auszuweiten. Darüber hinaus sollte Europa einige pragmatische territoriale Veränderungen in der Ukraine zugunsten Russlands akzeptieren.

    Drittens sollte Europa die Militarisierung seiner Beziehungen zu China ablehnen, beispielsweise indem es jede Rolle der NATO in Ostasien ablehnt. China stellt absolut keine Bedrohung für Europas Sicherheit dar, und Europa sollte aufhören, die amerikanischen Hegemonieansprüche in Asien blind zu unterstützen, die auch ohne Europas Unterstützung gefährlich und wahnhaft genug sind. Im Gegenteil, Europa sollte seine Handels-, Investitions- und Klimakooperation mit China verstärken.

    Viertens sollte sich Europa für einen vernünftigen institutionellen Diplomatiemodus entscheiden. Der derzeitige Modus ist unbrauchbar. Der Hohe Vertreter der EU für Außen- und Sicherheitspolitik fungiert hauptsächlich als Sprachrohr der Russophobie, während die tatsächliche hochrangige Diplomatie – sofern sie überhaupt existiert – verwirrend und abwechselnd von einzelnen europäischen Staats- und Regierungschefs, dem Hohen Vertreter der EU, dem Präsidenten der Europäischen Kommission, dem Präsidenten des Europäischen Rates oder einer Kombination dieser Personen geführt wird. Kurz gesagt: Niemand spricht klar für Europa, da es überhaupt keine klare EU-Außenpolitik gibt.

    Fünftens sollte Europa erkennen, dass die EU-Außenpolitik von der NATO getrennt werden muss. Tatsächlich braucht Europa die NATO nicht, da Russland nicht im Begriff ist, in die EU einzumarschieren. Europa sollte tatsächlich unabhängig von den USA seine eigenen militärischen Kapazitäten aufbauen, allerdings zu weitaus geringeren Kosten als fünf Prozent des BIP – ein absurdes Zahlenziel, das auf der völlig übertriebenen Einschätzung der russischen Bedrohung basiert. Zudem sollte die europäische Verteidigung nicht mit der europäischen Außenpolitik identisch sein, obwohl beide in der jüngeren Vergangenheit völlig miteinander verwechselt wurden.

    Sechstens sollten die EU, Russland, Indien und China bei der grünen, digitalen und verkehrstechnischen Modernisierung des eurasischen Raums zusammenarbeiten. Die nachhaltige Entwicklung Eurasiens ist eine Win-Win-Situation für die EU, Russland, Indien und China und kann nur durch friedliche Zusammenarbeit der vier großen eurasischen Mächte erreicht werden.

    Siebtens sollte Europas Global Gateway, der Finanzierungsarm für Infrastruktur in Nicht-EU-Ländern, mit Chinas Belt and Road Initiative (BRI) zusammenarbeiten. Derzeit wird das Global Gateway als Konkurrenz zur BRI dargestellt. Tatsächlich sollten beide ihre Kräfte bündeln, um die grüne Energie-, Digital- und Verkehrsinfrastruktur Eurasiens gemeinsam zu finanzieren.

    Achtens sollte die Europäische Union ihre Finanzierung des Europäischen Grünen Deals (EGD) aufstocken und so Europas Transformation in eine kohlenstoffarme Zukunft beschleunigen, anstatt fünf Prozent des BIP für Militärausgaben zu verschwenden, die für Europa weder notwendig noch nützlich sind. Höhere Ausgaben für den EGD haben zwei Vorteile: Erstens werden sie regionale und globale Vorteile im Bereich Klimasicherheit bringen. Zweitens wird dies Europas Wettbewerbsfähigkeit bei den grünen und digitalen Technologien der Zukunft stärken und so ein neues, tragfähiges Wachstumsmodell für Europa schaffen.

    Neuntens sollte die EU gemeinsam mit der Afrikanischen Union die Bildung und den Aufbau von Kompetenzen in den AU-Mitgliedsstaaten massiv ausbauen. Afrikas wirtschaftliche Zukunft wird tiefgreifende Auswirkungen auf die europäische Wirtschaft haben, da seine Bevölkerung von 1,4 Milliarden bis Mitte des Jahrhunderts auf rund 2,5 Milliarden ansteigen wird (im Vergleich zu rund 450 Millionen Einwohnern der EU). Die beste Hoffnung für afrikanischen Wohlstand liegt im raschen Aufbau höherer Bildung und Kompetenzen.

    Zehntens sollten die EU und die BRICS-Staaten den USA klar und deutlich vermitteln, dass die künftige Weltordnung nicht auf Hegemonie, sondern auf Rechtsstaatlichkeit im Rahmen der UN-Charta beruht. Nur so kann Europa und die Welt wirklich sicher sein. Die Abhängigkeit von den USA und der NATO ist eine grausame Illusion, insbesondere angesichts der Instabilität der USA selbst. Eine erneute Bestätigung der UN-Charta hingegen kann Kriege beenden (z. B. durch die Beendigung der Straflosigkeit Israels und die Durchsetzung der IGH-Urteile zur Zweistaatenlösung) und künftige Konflikte verhindern.

    Jeffrey D. Sachs ist Universitätsprofessor und Direktor des Center for Sustainable Development an der Columbia University sowie Präsident des Sustainable Development Solutions Network der UN.

    #histoire #impérialisme #USA #URSS #Russie #guerre_froide #rideau_de_fer

  • Der Kampf um die Hutou-Festung : Wo der Zweite Weltkrieg sein Ende fand
    https://www.berliner-zeitung.de/open-source/der-kampf-um-die-hutou-festung-wo-der-zweite-weltkrieg-sein-ende-fa

    La dernière bataille de la deuxième guerre mondial ne finit que le 26 août 1945 bien après la capitulation du Japon . 2000 soldats soviétiques et tous les combattants japonais tombèrent sur le sol chinois lors de la dernière tragédie de la guerre. Il ne faudra jamais oublier leur sacrifice.

    https://www.youtube.com/watch?v=2rINnJat-5k


    Quand passent les cigognes (Летят журавли, Letiat jouravli)

    25.8.2025 von Frank Schumacher - Erst am 26. August 1945 fielen die letzten Schüsse des Zweiten Weltkriegs. Obwohl Japan längst kapituliert hatte, kämpfte es in China noch gegen die Rote Armee.

    Da steht er auf einem Felsen, 16 Meter hoch und 25 Meter lang bis zur Schwanzspitze, in der tief stehenden Sonne glänzt die Bronze matt. Sein Hinterteil reckt er demonstrativ dem Ussuri entgegen. Das andere Ufer ist bereits Russland, aber dort ist kein Mensch zu sehen. Diesseits ist auch nicht viel los, was gewiss dem kalten Wind geschuldet ist, der hier unablässig von Nord bläst. Heute stürmt es besonders. Deshalb stoppt auch der Kahnverleih unten am Ufer, man darf nicht wie sonst bis zur Mitte des Flusses fahren, der auf unserer, also der chinesischen Seite, Muling He heißt.

    Das Wasser strömt mal dahin und mal dorthin, es mäandert durch die Wälder, es gibt Nebengewässer und Arme, die Inseln umfließen. Um die kleine dort, Zhenbao Dao genannt, keinen Quadratkilometer groß, führten die beiden Anrainer 1969 Krieg – als gäbe es nicht schon genug unbewohntes Land auf beiden Seiten des Grenzflusses.

    Krieg ist auch der Grund, weshalb wir hier sind. Allerdings jener Krieg, der im August 1945 an eben diesem Ort endete. 1987 war ich in Hiroshima gewesen, Jahrzehnte später studierte dort mein Jüngster, Fritz Schumann, und kletterte über die Ruinen auf Okunoshima, einer der Stadt vorgelagerten Insel. Das waren die Reste einer Fabrik, in der seit 1929 – mit deutschem Knowhow – produziert worden war: in anderthalb Jahrzehnten genau 6600 Tonnen Senfgas, Phosgen und Blausäure.

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    Entwicklung biologischer Waffen in ChinaXinhua/imago

    Das international geächtete Giftgas setzten die japanischen Faschisten in den von ihnen eroberten Ländern ein, vorzugsweise in China. Beim Rückzug verscharrten sie die Behälter in chinesischer Erde, ohne die Orte zu notieren. Später konnten sie sich nicht mehr daran erinnern, überhaupt in China gewesen zu sein, gar Kriegsverbrechen verübt zu haben. Noch heute sterben Menschen an den Giftstoffen, wenn etwa bei Tiefbauarbeiten Tonnen zutage gefördert werden oder aus den durchgerosteten Behältern das Gift ins Grundwasser gelangt.

    Auf den Spuren der Kwantung-Armee

    Fritz recherchierte seit Jahren zu dem Thema in Archiven, befragte Beteiligte und Zeugen (die inzwischen alle verstorben sind), konsultierte weltweit Experten und ist inzwischen selbst einer. Gelegentlich begleite ich ihn auf Forschungsreisen, weil wir irgendwann gemeinsam ein Buch zu eben diesem Thema herausbringen werden. Darum sind wir auch hier, nachdem wir in der Provinzhauptstadt Harbin die Spuren der berüchtigten Einheit 731 der Kwantung-Armee studiert haben, jener Verbrecherbande, die mit chemischen und biologischen Waffen experimentierte und mindestens eine Viertelmillion Menschen auf diese Weise ermordete.

    Der Tiger aus gediegenem Blech ist geschlechtslos, bemerken wir, als wir zwischen seinen mächtigen Hinterbeinen stehen. Er soll der größte der Welt sein. Das steht nirgends, nicht einmal im Internet. Wikipedia kennt zwar die weitläufige Siedlung Hulin und weiß, dass sie transkribiert so viel wie Tigerwald oder Tigerkopf heißt, aber viel mehr hat die größte Enzyklopädie der Welt über diesen abgelegenen Ort in der Provinz Heilongjiang auch nicht mitzuteilen. Die deutsche Umschreibung erklärt allerdings, warum hier dieser gewaltige Tiger thront – und ich amüsiere mich bei dem Gedanken, in Schweinfurt, Darmstadt oder Pforzheim käme eine Marketingabteilung auf eine ähnlich verwegene Idee.

    Die Katze auf dem Felsen überragt nicht nur den Grenzfluss, den die ganze Welt kennt, sondern auch ein Wiesendreieck, das gesäumt wird von den zwölf Tieren, die den chinesischen Jahreskreis bilden: Ratte, Schwein, Hase, Schlange und so weiter. Diese hocken, jedes Tier für sich, auf schwarzen Marmorsockeln und heben die Nasen keck in den Wind, der die umstehenden Lärchen in Schieflage bringt. Nirgendwo ist ein Baum zu sehen, der kerzengerade in den Himmel wächst. Die Vegetationsperiode dauere hier von Ende Mai bis September, sagen die Chinesen, die vor ihre winzigen Häuser Plastikplanen gespannt haben, damit der kalte Wind nicht durch die Ritzen zieht. Das Leben im nordöstlichsten Zipfel des Landes ist hart, die Einkommen sind mit die niedrigsten im ganzen Land.

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    Blick über den Fluss Hulin in der Provinz HeilongjiangXinhua/imago

    Japan und Nazideutschland waren auch Waffenbrüder

    In Hulin, und das ist der Anlass unserer weiten Reise, wurde die letzte Schlacht des Zweiten Weltkriegs in Asien geschlagen. Chinas Geschichtsschreibung addiert die 1931 begonnene japanische Okkupation der Mandschurei und nachfolgende Kriegsverbrechen, weshalb aus Sicht der Chinesen dieser Krieg 14 Jahre dauerte und antifaschistischer Widerstandskampf war.

    Japan und Nazideutschland waren sowohl ideologische Bundesgenossen als auch Waffenbrüder. In jenen knapp anderthalb Jahrzehnten verloren etwa 35 Millionen Chinesen ihr Leben, was in den Weltkriegsstatistiken kaum ausgewiesen wird. Auf den Mordstätten Asiens führte man nicht so genau Buch wie in den Konzentrationslagern und an den Fronten des christlichen Abendlandes.

    Der Bau der Festung Hutou war von den Japanern in den 30er-Jahren veranlasst worden. Hunderttausende Arbeitssklaven hauten unter mörderischen Bedingungen die größte Festungsanlage Asiens in den Fels, gedacht als Ausgangspunkt zur Eroberung Sibiriens. Das unterirdische Labyrinth der Festung erstreckte sich über zwölf Kilometer, die japanische Kwantung-Armee erklärte es zur „Maginot-Linie des Orients“. Die transsibirische Eisenbahn führte in nur 17 Kilometern Entfernung vorbei – die erreichte man damals von der Festung aus mit der 41-cm-Haubitze, welche 1000 Kilogramm schwere Granaten verschoss. Es war Japans größtes Geschütz. Damit traf man die einzige Bahnverbindung zwischen Chabarowsk und Wladiwostok.

    90 Tage nach dem Sieg der Anti-Hitler-Koalition in Europa eröffnete die Sowjetunion – den westlichen Verbündeten war’s versprochen – die „zweite Front“ gegen die Japaner. Am 8. August 1945. Zwei Tage zuvor hatten die USA Hiroshima atomisiert, am Tag darauf stieg über Nagasaki der Atompilz auf.

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    Eine sowjetische Motorkolonne überquert im August 1945 das Große Hinggan-Gebirge.Simon Raskin/imago
    Sturm auf die Hutou-Festung

    Eine Woche nach der sowjetischen Kriegserklärung an Tokio forderte der Tenno, der japanische Kaiser, in einer Rundfunkansprache seine Soldaten auf, die Waffen niederzulegen. „Jetzt hat der Krieg fast vier Jahre gedauert. Trotz des Besten, das von allen geleistet wurde – des tapferen Kampfes der Land- und Seestreitkräfte, des Fleißes und der Emsigkeit Unserer Staatsdiener und des hingebungsvollen Dienstes Unserer einhundert Millionen Menschen –, hat sich die Kriegssituation nicht unbedingt zum Vorteil Japans entwickelt, während die allgemeinen Entwicklungen der Welt sich gegen sein Interesse gewandt haben.“

    Auch in der Festung Hutou empfing man die Radio-Aufforderung zur Kapitulation – doch die Besatzung hielt die Forderung für eine Verschwörung und widersetzte sich. Die Emissäre, die die vor der Festung zusammengezogenen Sowjettruppen entsandten, wurden enthauptet. Nachdem alle Verständigungsangebote gescheitert waren, stürmten 20.000 Rotarmisten das Labyrinth mit Bombern und Kampfflugzeugen, Panzern und Pionieren. Die Russen kämpften sich tagelang durch die unterirdischen Gänge, attackiert von 1500 Japanern. Am Ende streckten noch 53 von ihnen die Waffen – mehr waren dazu nicht in der Lage, die anderen waren alle tot. Auch etwa 2000 Rotarmisten bezahlten den Irrsinn mit ihrem Leben.

    In dem Geflecht der tropfnassen Gänge, düster und kalt, kann man noch die Einschusslöcher an den Wänden sehen und mit den Händen spüren. Uns fröstelt. Die kleine Chinesin mit der großen Goldrandbrille im dünnen dunkelblauen Hosenanzug, die uns durch die unterirdischen Aufenthaltsräume und Munitionslager führt, bibbert, spricht jedoch warmherzig von maruta, die diese Tunnel in den Berg trieben. „Maruta“ nannten die japanischen Herrenmenschen die Chinesen: „Holz“, keine Subjekte, sondern Objekte, mit denen man nach Gutdünken verfuhr.

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    In den Tunneln der Hutou-Festung kam es zu heftigen Kämpfen zwischen der sowjetischen Armee und den japanischen Verteidigern.Imaginechina-Tuchong/imago

    Die Innenausstattung ist verrottet oder in der Hitze der Flammenwerfer verbrannt. Im modernen Museum, das vor einigen Jahren oberirdisch hinzugefügt wurde, ist die Geschichte der Festungsanlagen dokumentiert. Im Internet ist das Studium der Artefakte und dazugehöriger Erläuterungen (noch) nicht möglich. Die Chinesen, ansonsten technikaffin wie kaum ein anderes Volk, tun sich schwer damit, diesen Teil ihrer Geschichte ins Netz zu stellen.

    Kanonen, die weg sind, können nicht mehr schießen

    Auf den dreisprachigen Tafeln (Chinesisch, Russisch, Englisch) erfährt man auch, dass die Sowjetsoldaten alle Waffen und Geschütze mit sich führten, als sie wieder abzogen. Moskau wusste bei Kriegsende nicht, wie sich die Beziehungen zum Nachbarn künftig gestalten würden. Und Kanonen, die weg sind, können bekanntlich nicht mehr schießen. Die Russen ließen aber einen Obelisken auf dem höchsten Punkt der Festungsanlage zurück sowie eine Platte mit kyrillischen Lettern, die Stalin rühmt, den „Generalissimus der Sowjetunion“, und an die tapferen Kameraden der 1. Fernostfront erinnert, die die Stadt und die Festung Hutou von japanischer Besatzung befreiten.

    Vor dem Museum dehnt sich ein riesiger Parkplatz, der gesäumt wird von Darstellungen der Vergangenheit. Am Fuße eines meterhohen Denkmalsockels, darauf ein Rotarmist und ein chinesischer Soldat mit einem Gewehr, stehen acht Militärs (darunter sogar eine Frau), übermannsgroß und in Bronze. Im Museum waren auch ihre Köpfe zu sehen. Einer jedoch fehlte: Hauptmann Kim Il-sung. Zufall oder Absicht? Belegt ist, dass der Koreaner in der 88. Schützenbrigade der 2. Fernostfront der Roten Armee als Bataillonskommandeur kämpfte.

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    Die Säule auf dem Huxiao-Berg erinnert an das Ende des Zweiten Weltkriegs.Imaginechina-Tuchong/imago

    Wenige Autokilometer entfernt, auf dem höchsten Punkt des Huxiao-Berges, lag einst der Führungspunkt der Festung, das Headquarter. Davon ist nichts geblieben. Vor anderthalb Jahrzehnten wurde dort auf fast 30 Hektar ein Gedenkpark angelegt. „Memorial Park at The End of World War II“ ist in einen Findling gemeißelt. Er liegt am Fuße einer breiten Treppe, auf der wir über viele Stufen zu einer Säule emporsteigen, auf der eine allegorische Figur, umflattert von mehreren Vögeln, eine Taube gen Himmel reckt.

    Links und rechts der Stiegen finden sich Steine mit Texten und Kunstwerke unterschiedlicher Art, eine Chronik des Krieges. Mal martialisch, mal heroisch, mal metaphorisch, mal misslungen. An manchen Stellen bröckelt auch bereits der Beton, die Anlagen in Treptow und Tiergarten befinden sich in einem deutlich besseren Zustand. Nun ja, in Berlin ist nur das politische Klima rau, nicht auch das Wetter.

    So viele Menschen scheinen sich auch nicht nach Hutou zu verirren. Wir sind die einzigen Besucher. Die Blumen am Sockel der Siegessäule sind schon lange vertrocknet. Um 15.30 Uhr am 26. August 1945 endete die Schlacht um die Festung Hutou, steht dort zweisprachig. „Exactly 11 days after the Japanese Emperors’s announcement of surrender“ wurde „Hutou zum Endpunkt des Zweiten Weltkriegs“.

    Alles und alle unter einem Himmel, sagen die Chinesen. Wann wird man je verstehn, sang Marlene Dietrich.

    Frank Schumann ist Verleger des 1990 gegründeten Verlages Edition Ost.

    #Chine #Japon #URSS #histoire #guerre #Mandchoukouo #Mandchourie

  • L’étonnante histoire du linguiste Nicolas Marr en URSS, ou quand la science est instrumentalisée à des fins idéologiques
    https://theconversation.com/letonnante-histoire-du-linguiste-nicolas-marr-en-urss-ou-quand-la-s

    Comment un philologue géorgien est-il devenu le théoricien officiel de la linguistique soviétique avant d’être renié par Staline ? L’histoire de Nicolas Marr illustre les dangers de la science mise au service du pouvoir.

    Dans ce climat, les constructions linguistiques trop spéculatives ou trop liées à l’internationalisme révolutionnaire deviennent suspectes. En dénonçant Nicolas Marr, Staline entend réaffirmer l’autonomie relative de certaines disciplines scientifiques, mais aussi reprendre la main sur un champ où l’orthodoxie avait été laissée aux mains d’un petit cercle de partisans zélés.

    Ce n’est donc pas un retour à la science pour elle-même, mais une réaffirmation de l’autorité centrale dans l’arbitrage du vrai.
    Héritage et leçons

    Aujourd’hui, Nicolas Marr est largement oublié dans les manuels de linguistique. Son nom est parfois évoqué en histoire des sciences comme exemple extrême de science instrumentalisée, au même titre que Trofim Lyssenko en biologie. Ce dernier avait rejeté la génétique classique au nom du marxisme et imposé une théorie pseudoscientifique soutenue par le pouvoir soviétique.

    Si ses premiers travaux sur les langues du Caucase semblent avoir été plus sérieux sur le plan philologique, ses grandes constructions théoriques sont aujourd’hui considérées comme infondées.

    Mais l’histoire de Nicolas Marr mérite d’être relue. Elle rappelle que les sciences, surtout lorsqu’elles touchent au langage, à la culture et à l’identité, sont vulnérables aux pressions politiques.

    Nicolas Marr n’est pas seulement un excentrique promu par accident ; il est le produit d’un moment historique où la vérité scientifique pouvait être décidée au sommet du Parti. Loin de n’être qu’un épisode marginal, l’histoire de Nicolas Marr éclaire un dilemme toujours actuel : celui de la vérité scientifique confrontée à des intérêts politiques, économiques ou idéologiques. Ce n’est pas tant le passé qui importe ici, mais ce qu’il permet encore de voir du présent.

    #Science #Pouvoir #Linguistique #URSS

    • Interview mit der österreichischen Außenministerin Beate Meinl-Reisinger

      Welt.de - 2025-07-26

      https://www.welt.de/politik/ausland/article68834e7c0e680a76f4e95342/oesterreichs-aussenministerin-irgendwann-tuermen-sich-die-saerge-in-russland.ht

      […]

      Meinl-Reisinger: Klar ist: Neutralität allein schützt uns nicht. Was Österreich vor dem Hintergrund einer zunehmend unsicheren sicherheitspolitischen Lage in der Welt und eines zunehmend aggressiven Russland schützt, sind Investitionen in unsere eigene Verteidigungsfähigkeit, aber auch in Partnerschaften. Ich bin grundsätzlich sehr offen dafür, eine öffentliche Debatte über die sicherheits- und verteidigungspolitische Zukunft Österreichs zu führen. Für einen Beitritt zur Nato gibt es derzeit zwar keine Mehrheiten im Parlament und in der Bevölkerung, aber eine solche Debatte kann trotzdem sehr fruchtbar sein.

      […]

      #Österreich #Neutralität #NATO

    • Traité d’État autrichien / Österreichischer Staatsvertrag
      le 15 mai 1955

      https://fr.wikipedia.org/wiki/Trait%C3%A9_d%27%C3%89tat_autrichien

      [...]

      Généralités et structure

      L’objet de ce traité était le rétablissement d’un État autrichien libre, souverain, et démocratique. Ce traité était également une conséquence de la déclaration de #Moscou du 30 octobre 1943, où le Royaume-Uni, les États-Unis et l’URSS avaient déclaré l’ #Anschluss de l’Autriche au #Reich allemand nul.

      Les signataires du traité étaient, outre Julius Raab, chancelier fédéral autrichien, les ministres des Affaires étrangères des puissances respectives, Viatcheslav Mikhaïlovitch Molotov pour l’ #URSS, John Foster Dulles pour les #États-Unis, Harold Macmillan pour le #Royaume-Uni, Antoine Pinay pour la France, et Leopold Figl, ministre autrichien des Affaires étrangères, tout comme les quatre ambassadeurs des forces occupantes : Ivan Illitchev pour l’URSS, Llewellyn Thompson pour les États-Unis, Geoffrey Wallinger pour le Royaume-Uni, et Roger Lalouette pour la France[FN].

      [...]

      Pays neutres et rideau de fer.

      En plus de la réglementation générale et de la reconnaissance de l’État autrichien,

      les droits des minorités slovènes et croates sont réglés à l’article 7. L’article 4 interdit à l’Autriche l’Anschluß avec l’Allemagne. L’Autriche s’engage à l’article 9 à dissoudre toutes les organisations nationales-socialistes, et à n’autoriser plus aucune action de la part d’organisations nazies et fascistes.

      L’Autriche s’engageait de plus, après la conclusion du traité d’État, à manifester de son plein gré une constante #neutralité, qui de ce fait ne figurait pas dans le traité, mais qui était en étroite relation avec celui-ci.

      Pendant la guerre froide, l’interdiction d’Anschluss et la constante neutralité ont été interprétées comme une interdiction d’entrer dans la Communauté économique européenne (qui deviendra en 1993 la Communauté européenne, pilier de l’Union européenne). Cette interprétation a par la suite changé, et depuis son entrée en 1995, l’Autriche est membre de l’Union européenne.

      [...]

  • Kaja Kallas: the most dangerous woman in Europe?

    via https://diasp.eu/p/17743484

    #geopolitics #EU #NATO #war

    Technically, the High Representative’s role is to reflect the consensus of the member states as an extension of the Council, not to freelance as a supranational policymaker. Yet, Kallas interprets her role otherwise, repeatedly acting as though she speaks on behalf of all Europeans — a top-down, anti-democratic approach that is symptomatic of a broader authoritarian trend supercharged by von der Leyen.

    https://www.thomasfazi.com/p/kaja-kallas-the-most-dangerous-woman

    • https://unherd.com/2025/07/kaja-kallas-is-the-real-threat-to-europe

      July 11, 2025 6 mins

      While Ursula von der Leyen may have survived yesterday’s vote of no confidence, the result has laid bare growing cross-party discontent with her increasingly authoritarian leadership. Support for the European President is eroding.

      The most notable shift was from the right-wing #ECR group, which includes #Meloni’s Brothers of Italy. Previously, these MEPs had supported von der Leyen on several key proposals, but few voted against this motion, with most opting to desert it altogether. Also revealing was the support the motion received beyond its Right-populist sponsors: several MEPs from The Left group as well as non-affiliated Left-populist deputies from #Germany and elsewhere, also backed it.

      A key point of convergence between these otherwise divergent forces is their shared opposition to the Commission’s belligerent stance on the #Russia - #Ukraine conflict. Indeed, the no-confidence motion also referenced the Commission’s proposal of using an emergency clause in the EU treaty to shut MEPs out of approving a €150 billion loan scheme to boost the joint procurement of weapons by EU countries, mainly to increase military support for Ukraine.

      It’s important to note that the motion of #censure wasn’t just directed at von der Leyen but at her entire Commission — in particular, her second-in-command, Kaja Kallas, Commission Vice-President and High Representative for Foreign Affairs, the closest thing the EU has to a foreign minister.

      #Kallas, the former Prime Minister of #Estonia — a country of just 1.4 million people, fewer than reside in Paris — was confirmed as the #EU’s new High Representative for Foreign Affairs in December of last year. Since then, she has come to personify, more vividly than anyone else, the EU’s toxic blend of incompetence, irrelevance and outright stupidity.

      At a time when the war in Ukraine is unquestionably #Europe’s foremost foreign policy challenge, it is difficult to imagine anyone less suited to the role than Kallas, whose deep-seated hostility towards Russia borders on obsession. On her very first day in the job, during a trip to Kyiv, she tweeted: “The European Union wants Ukraine to win this war” — a statement that immediately caused unease in Brussels, where officials viewed it as out of step with settled EU language two years into the war. “She is still acting like a prime minister”, one diplomat commented.

      Just months before her appointment, she proposed breaking Russia into “small states” and, since then, has repeatedly demanded the full restoration of Ukraine’s 1991 borders, including #Crimea — a position that effectively rules out negotiations. While even Donald Trump has acknowledged that Ukrainian #Nato membership is a non-starter, Kallas insists it remain a goal — despite it having been a red line for #Russia for nearly two decades. Kallas has even declared that “if we don’t help Ukraine further, we should all start learning Russian”. Never mind that Russia has no strategic, military or economic reason to attack the EU. Earlier this year, she denounced Trump’s efforts to negotiate an end to the war, dismissing them as a “dirty deal”, which explains why US Secretary of State Marco Rubio abruptly cancelled a scheduled meeting with her in February.

      Kallas’s single-minded fixation on Russia has rendered her virtually silent on every other foreign policy issue. As former UK diplomat Ian Proud, who served at the British Embassy in Moscow from 2014 to 2019, observed, she comes across as a “single-issue High Representative” who is “intent only on sustaining the decade-long European policy on non-engagement with Russia, whatever the economic cost”.

      Her aggressive, unilateral rhetoric — often delivered without prior consultation with member states — has alienated not only openly Euro- and Nato-sceptic governments in Hungary and #Slovakia, but also countries like #Spain and #Italy, which, while broadly aligned with Nato’s Ukraine policy, don’t share Kallas’s assessment of #Moscow as an imminent threat to the EU. “If you listen to her it seems we are at war with Russia, which is not the EU line”, one EU official complained.

      Technically, the High Representative’s role is to reflect the consensus of the member states as an extension of the Council, not to freelance as a supranational policymaker. Yet, Kallas interprets her role otherwise, repeatedly acting as though she speaks on behalf of all Europeans — a top-down, anti-democratic approach that is symptomatic of a broader authoritarian trend supercharged by von der Leyen.

      Despite her proclamations about defending democracy, Kallas herself has no democratic mandate. Not only was she never elected to her current office, but her party — the Estonian Reform Party — received fewer than 70,000 votes in the last European Parliament elections, representing less than 0.02% of the European population. Von der Leyen, though, has packed her Commission with these like-minded Baltic officials — hailing from a region of just over six million people — to fill key defence and foreign policy posts. These appointments reflect a strategic alignment between von der Leyen’s centralising ambitions and the ultra-hawkish worldview of the #Baltic political class. Both share an unwavering commitment to the Nato line and a deep hostility to any diplomacy with Moscow.

      Kallas’s anti-Russian zeal made her a natural choice for the job. But rarely mentioned is the fact that Kallas’s own family, far from being the victim of Soviet oppression, actually lived a relatively comfortable life as part of the Soviet establishment — or what may very well be considered the Soviet middle class.

      In fact, Kaja Kallas was born into one of Estonia’s most powerful political families — a family whose rise was facilitated, in no small part, by the very Soviet system she now demonises. Her father, Siim Kallas, was an influential member of the Soviet nomenklatura and then a key figure in Estonian post-Soviet politics, eventually becoming Prime Minister before serving as a European Commissioner for over a decade. Few will be surprised to learn that immediately after completing her studies, in 2010, Kaja decided to enter politics and joined the Reform Party — her father’s own party — nor that she followed his footsteps in moving to Brussels after serving as Prime Minister from 2021 to 2024. It’s hard to shake the idea that elite continuity and inherited privilege had a helping hand. One is also left wondering, given her upbringing, whether her aggressive anti-Russian posture is a sincerely held conviction, or a cover for personal ambition.

      One story sheds particularly interesting light on her geopolitical attitude. In 2023, when Kallas was still Prime Minister, three major Estonian newspapers called for her resignation after it emerged that her husband’s transport company had continued to do business with Russia following its invasion of Ukraine. However, Kallas dismissed the scandal and refused to resign, claiming no wrongdoing, sparking accusations of hypocrisy: demanding the total economic isolation of Russia on one hand, while turning a blind eye to her own family’s business ties with the country.

      All things considered, Kallas is dramatically ill-suited for the job — stumbling from one blunder to the next. Only recently, she managed to offend nearly every Irish citizen by suggesting that Ireland’s neutrality stems from not having experienced atrocities such as “mass deportations” or “suppression of culture and language” — a bizarre statement, given Ireland’s long history of British colonial rule and the bloodshed of the Troubles.
      “Kallas’s anti-Russian zeal made her a natural choice for the job.”

      Some blunders are far more consequential. In a recent meeting with Chinese Foreign Minister Wang Yi, Kallas demanded that China condemn Russia’s actions in Ukraine and fall in line with the “rules-based international order”. Yi, usually soft-spoken, responded sharply, noting that China had not supported Russia militarily — but also had no intention of seeing Moscow defeated, since that would simply bring the West’s wrath upon China next. He may have been alluding to Kallas’s earlier remark: “If Europe cannot defeat Russia, how can it take on China?”. That a senior EU official would frame global affairs in such stark, confrontational terms reflects an astonishing lack of diplomatic nuance.

      The fact that Kallas felt comfortable lecturing China on international law and the “rules-based order” reveals not only a striking blindness to Europe’s diminished global standing, but also a profound lack of self-awareness about how the EU’s double standards are viewed in Beijing and across the Global South. While loudly condemning Russian attacks on civilians, Kallas has consistently whitewashed — or outright endorsed — Israel’s atrocities in Gaza. A recently leaked EU report confirmed that Brussels acknowledged a long time ago that Israel was committing war crimes in Gaza, including “starvation, torture, indiscriminate attacks and apartheid” — yet Kallas has neither condemned Israel nor questioned EU-Israel ties. Similarly, she said nothing about US threats to annex Greenland and supported the US-Israeli bombing of Iran — a clear violation of international law.

      This selective #moralism has done lasting damage to the EU’s credibility, particularly in the eyes of the Global South. But to lay the blame solely at Kallas’s feet would be a mistake. In the end, it’s not Kallas who should concern us most, but the system that made her possible — a system that rewards the loudest #hawks, holds scant regard for democracy, and replaces statesmanship with social media posturing. If Europe continues on this path, it won’t just lose its place in the world; it will become the most vivid expression of the West’s broader slide into kakistocracy — government by the worst, the least qualified and the most unscrupulous.

  • Faux indépendants : #Deliveroo fait face à une pluie de #condamnations

    Plusieurs dizaines de décisions rendues récemment par la cour d’appel et les prud’hommes confirment que la plateforme de livraison aurait dû faire travailler les #livreurs en tant que #salariés, et non comme #autoentrepreneurs. L’entreprise assure que son modèle actuel est désormais légal.

    Année après année, et quel que soit le type de juridiction, la justice française dresse le même constat : la plateforme de livraison de repas Deliveroo aurait dû traiter comme des salarié·es les livreurs et livreuses qui, pendant des années, ont apporté leurs repas et leurs courses aux consommateurs et consommatrices.

    En les obligeant à exercer en tant qu’autoentrepreneurs alors qu’elle les maintenait dans une situation de #subordination, l’entreprise leur a fait porter le coût des #cotisations_sociales qu’elle aurait dû verser à l’Urssaf et les a privé·es des avantages liés à un #contrat_de_travail : paiement des heures supplémentaires, congés payés, droit au chômage, meilleure couverture sociale.

    Le 28 mai, la cour d’appel de Paris a rendu vingt-deux décisions donnant tort à Deliveroo et requalifiant en contrats de #travail les contrats liant l’entreprise à autant de livreurs ou livreuses. En première instance, l’entreprise avait été victorieuse dans plusieurs de ces dossiers. Neuf autres décisions, qui iront sans doute dans le même sens, sont attendues pour le mois de juillet.

    Interrogée par Mediapart, la société Deliveroo n’a pas indiqué qu’elle se pourvoirait en cassation, ces condamnations sont donc définitives. Tout comme vingt-quatre jugements prud’homaux de première instance, rendus en janvier dernier : Deliveroo avait fait appel des décisions, mais a renoncé à rendre ses conclusions à temps, laissant la procédure s’éteindre d’elle-même. Dans l’un de ces derniers dossiers, un livreur avait été licencié pour avoir fait grève, un droit pourtant à valeur constitutionnelle.

    La situation est embarrassante pour l’entreprise, dont la revente à #DoorDash, géant américain de la #livraison de repas, est en passe d’être finalisée, pour 3,4 milliards d’euros. En parallèle, une autre chambre de la cour d’appel a donné raison à quatre livreurs ayant travaillé pour #Foodora, une autre entreprise de livraison qui a quitté la France en 2018 et qui sera jugée au pénal courant 2026.

    L’avocat Kevin Mention, à la manœuvre dans tous ces dossiers, savoure en revanche le moment. « Ces décisions nous permettent d’affirmer que 100 % de nos recours sont favorables aux #coursiers après correction des quelques jugements de première instance, rendus par des juges non professionnels », se réjouit celui qui est un opposant historique à l’ubérisation des livreurs et coursiers.

    Il y a trois ans, le 22 avril 2022, Deliveroo avait été condamnée au pénal à 375 000 euros d’#amende pour les même faits : « le détournement planifié et généralisé » du #statut_d’indépendant entre 2015 et 2017, à une époque où l’entreprise s’installait en France et faisait donc travailler peu de monde – un peu plus de 2 000 personnes, contre au moins 60 000 aujourd’hui.

    En septembre 2022, trois des anciens dirigeants de l’entreprise ont vu leur #condamnation à des amendes confirmées en deuxième instance, tandis que leurs peines de prison ont été annulées. Deliveroo avait, elle, renoncé à faire appel.

    Volonté d’échapper aux cotisations

    Les jugements d’appel rendus fin mai concernent cette fois des dossiers individuels. « La cour d’appel a fait un travail énorme, en citant explicitement dans chaque cas plusieurs pièces issues des dossiers, là où des affirmations plus générales auraient été suffisantes, souligne Kevin Mention. J’y vois une volonté de montrer qu’elle accorde une importance à ces dossiers et que tout a été analysé avec précision. »

    Au fil des décisions, les juges ont pointé un à un les nombreux critères montrant que les livreurs n’étaient pas de vrais #travailleurs_indépendants.

    « Le livreur ne fixe pas librement ses tarifs, ne se constitue aucune clientèle propre, n’organise pas son travail, est contrôlé et est sanctionné dans le choix de ses horaires. Il est en outre soumis à une régularité de travail, sans qu’aucun élément ne permette d’établir qu’il choisisse lui-même ses horaires de connexion », écrivent-ils par exemple.

    « Les éléments relevés dénotent la direction et le contrôle exercés sur les livreurs qui font de ces derniers des #salariés », soulignent-ils ailleurs. Et ils rappellent les conséquences financières de cette stratégie, maintenue année après année : « L’évolution des contrats de prestations au fil des années alors que le fonctionnement de la société est resté le même établit la volonté de la société Deliveroo d’échapper au paiement des cotisations pour les livreurs qui étaient sous la subordination juridique de l’entreprise. »

    L’entreprise est donc tenue de payer elle-même les dizaines de milliers d’euros de cotisations sociales qu’elle s’était épargné de régler jusque-là. Quant aux livreurs et livreuses, ils et elles obtiennent chacun·e des dizaines de milliers d’euros – avec un record à presque 130 000 euros – sous forme de rattrapage d’heures supplémentaires non payées, de congés payés, de préavis de licenciement et d’indemnités diverses.

    « C’est une forme de #reconnaissance. J’ai été victimisée pendant des années, et là, la justice reconnaît notre souffrance », souffle Marie*, une intermittente du spectacle qui, la soixantaine passée, a enfourché son vélo en région parisienne de 2017 à 2021 « pour gagner des clopinettes ». Pendant plusieurs mois, elle a travaillé plus de quatre-vingts heures par semaine, « juste pour gagner le Smic », pleinement consciente de vivre « un #cauchemar ». Un mot qui revient avec insistance dans son témoignage.

    « Vous devenez une #esclave pour 30 euros par jour, vous entrez dans un #engrenage où vous bossez tout le temps, la nuit, le week-end. Tout en sachant que la manière dont l’entreprise vous fait travailler est illégale, témoigne-t-elle. Ils voulaient que je sois autoentrepreneuse pour ne pas payer de charges, mais ils me maintenaient en même temps dans une forme de #dépendance vis-à-vis d’eux. Ils voulaient gagner sur tous les tableaux. »

    Marie avait été déboutée aux prud’hommes, mais a gagné en appel, « très contente qu’ils se fassent démolir par la justice ». Plus flegmatique, Marc* est dans la même situation. Lui travaillait à scooter dans le Sud-Ouest, entre 2017 et 2021. « Le soir où ils ont supprimé mon compte de livreur, soi-disant parce que j’avais fait des doubles courses pour Deliveroo et Uber en même temps, j’ai écrit à Me Mention, dont j’avais repéré les messages dans les groupes de messageries de livreurs, raconte-t-il. J’étais confiant, la condamnation de l’entreprise est amplement méritée. »

    L’administration a validé le modèle actuel de Deliveroo

    Si elle ne s’étend pas sur les décisions de justice, Deliveroo insiste sur le fait que « les livreurs concernés par cette décision opéraient, pour l’essentiel, via un contrat historique », ancien. Depuis, assure la société, « le modèle opérationnel de Deliveroo a profondément changé et a été reconnu par les pouvoirs publics comme reposant sur une collaboration avec de véritables prestataires indépendants ».

    Cette question est au cœur du débat. Pour la plateforme de livraison, les raisons pour lesquelles elle a été condamnée pour ses pratiques de 2016 et 2017 ont disparu, et il n’existe plus de lien de subordination, et donc de contrat de travail entre elle et les livreurs et livreuses. Depuis 2020, elle a notamment supprimé les plannings et les différentes catégories de livreurs et livreuses qui pouvaient s’y inscrire en priorité ou non.

    Les sanctions en cas de refus de course ou de retards ont aussi officiellement disparu, tout comme les instructions directes pendant une course. C’est d’ailleurs ce qu’attestent des constats d’huissiers, établis en 2023, qu’elle a présentés dans les dossiers jugés par la cour d’appel – ils n’ont pas été pris en compte puisqu’ils concernent une époque postérieure aux faits qui étaient jugés.

    Mais l’avocat Kevin Mention prend ces affirmations avec circonspection. « Les jugements que nous avons obtenus concernent des faits qui se sont déroulés bien après ceux qui ont été jugés au pénal, et qui concernaient les débuts de l’entreprise jusqu’en 2017, rappelle-t-il. Nous parlons de coursiers qui ont commencé à travailler en 2018 ou 2019, et ils disposent de nombreux éléments montrant qu’au fond, les pratiques de Deliveroo n’ont pas changé. Les contrôles sur la vitesse et le parcours perdurent, par exemple. »

    Sur ce point, Deliveroo est ferme et met en avant un soutien de poids : « L’administration a reconnu que le modèle actuel de Deliveroo proposait bien un véritable #travail_indépendant, ce dont nous nous réjouissons », déclare la plateforme. Selon nos informations, elle a en effet obtenu que l’#Urssaf donne officiellement son accord concernant son modèle actuel, comme elle l’a affirmé à plusieurs reprises lors de diverses audiences.

    Cette prise de position de l’Urssaf est un revirement spectaculaire. C’est en effet cette administration qui avait lancé la procédure ayant finalement abouti au procès pénal de 2022. Et comme Mediapart l’avait raconté, elle avait aussi adressé au parquet de Paris un signalement pour la période postérieure. Elle avait aussi envoyé à l’entreprise une très lourde demande de redressement d’au moins 100 millions d’euros, visant à lui faire payer les cotisations sociales pour les dizaines de milliers de livreurs et livreuses dont elle estimait à l’époque qu’ils et elles auraient dû être salarié·es.

    Une menace existentielle pour Deliveroo, qui avait entamé avec l’Urssaf des négociations sous haute tension, embauchant comme avocat le maire de Meaux et ancien ministre Jean-François Copé et nommant une administratrice judiciaire pour mener les discussions en toute confidentialité.

    L’entreprise a désormais clos ce chapitre et envisage l’avenir de manière bien plus sereine. Elle se prépare tout de même à affronter d’autres épisodes judiciaires : d’ici l’automne prochain, une centaine de décisions concernant des livreurs et livreuses auront été rendues par les prud’hommes et la cour d’appel. Et surtout, Kevin Mention prépare le dépôt d’une #plainte pénale sur les pratiques de Deliveroo pour la période post-2017. Il annonce avoir réuni plus de cent ex-forçats des livraisons, prêts à unir leurs forces contre la plateforme.

    https://www.mediapart.fr/journal/economie-et-social/090625/faux-independants-deliveroo-fait-face-une-pluie-de-condamnations
    #ubérisation #justice #droit_du_travail #exploitation

  • Streit um Tag des Sieges
    https://www.nd-aktuell.de/artikel/1191061.tag-der-befreiung-streit-um-tag-des-sieges.html

    »Siegeswalzer« vor dem Gorki-Park. Die Feierlichkeiten zum Tag des Sieges gehen über mehrere Tage. Foto: Alexander Zemlianichenko

    7.5.2025 von Daniel Säwert - Russland übt die Parade für den 9. Mai, die Ukraine versucht, das Gedenken zu stören

    Seit Tagen ist Moskau in ein rotes Meer aus Fahnen und Blumen gehüllt. Überall in der russischen Hauptstadt und im ganzen Land erinnern Banner und Plakate an den bevorstehenden Tag des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg, wie der deutsch-sowjetische Krieg in Russland heißt. Vor 80 Jahren befreiten sowjetische Soldaten Berlin und beendeten gemeinsam mit den Westalliierten die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten.

    Heute ist der 9. Mai der beliebteste Feiertag der Menschen in Russland. Eine aktuelle Umfrage des Lewada-Zentrums zeigt, dass 75 Prozent aller Befragten den 9. Mai als wichtigstes Datum im Feiertagskalender bezeichnen und damit 22 Prozent mehr als noch 2018.

    Der 9. Mai gehöre zu den Dingen, auf die sich in Russland alle einigen können, erklärt die Politikwissenschaftlerin Jekaterina Schulmann in einem Beitrag für »Tscherta« einen der Gründe für die Beliebtheit. In der Sowjetunion, so Schulmann, war der 9. Mai eine Art weltliches Ostern – der Tag, an dem die Nation ihren symbolischen Tod und die Wiederauferstehung, den Verlust und den Sieg, gefeiert hat.
    Militarisierung eines individuellen Festes

    Für die Anthropologin Alexandra Archipowa liegt ein weiterer Grund darin, dass die Menschen den 9. Mai mit ihrem eigenen Gedenken füllen können und so aus einem staatlichen Feiertag ein individuelles Fest machen.

    Unter Präsident Wladimir Putin erhielt der Tag seinen zunehmend militaristischen Charakter, das Motto »Wir können das wiederholen« setzte sich zunehmend durch. Mit den Jahren verstärkte sich auch die Militarisierung des Gedenkens bis hin zu den Jüngsten. In vielen Regionen gab es in den vergangenen Tagen Siegesparaden in Kindergärten, ganz im Stil des Moskauer Vorbilds. In Wladiwostok wurde eine Kinderparade abgehalten, samt Besuch einer Delegation aus Nordkorea.

    Und die Regierung schlägt einen Bogen zum aktuellen Krieg in der Ukraine. Die »Helden der militärischen Sonderoperation« werden auf dem Roten Platz marschieren, vermeldeten russische Medien. Auch beim Unsterblichen Regiment – einer Graswurzelbewegung zum Gedenken an Soldaten des Zweiten Weltkriegs, die später vom Staat vereinnahmt wurde – sollen Porträts gefallener russischer Soldaten in der Ukraine gezeigt werden.
    Parade kleiner, aber international

    Die diesjährige Siegesparade wird die größte seit Beginn des Ukraine-Krieges sein. Mehr Technik gab es zuletzt 2021, hat »Agenstwo« nachgezählt. Allerdings, so viel ist auch klar: Im Vergleich zu den letzten Jubiläen 2015 und 2020 fällt die Parade kleiner aus.

    Medienangaben sollen bis zu 10 000 Menschen über den Roten Platz marschieren, darunter Soldaten aus 13 Staaten. Aus Nordkorea, das seine Soldaten in das Gebiet Kursk entsandt hatte, werden keine militärischen Vertreter anwesend sein.

    Auch Kim Jong-un, seit vergangenem Jahr enger Partner Moskaus, lässt sich durch seinen Botschafter vertreten. Dennoch werden nach Aussage des Kremls 29 Staatschefs (nicht alle von international anerkannten Ländern) auf der Tribüne anwesend sein. Kirgistan und Kasachstan verlegten ihre eigenen Siegesparaden extra auf den 7. Mai, damit die Präsidenten Sadyr Schaparow und Kassym-Schomart Tokajew nach Moskau reisen können.

    EU will Beitrittskandidaten Teilnahme verbieten

    Diskussionen gab es im Vorfeld um ein Verbot aus Brüssel. Von dort ging an die Länder des Westbalkans, die in die EU wollen, der Befehl aus, nicht nach Moskau zu fahren, weil »das nicht den Werten der EU entspricht«, wie Lettlands Außenministern Baiba Braže sagte. Gemeint war damit Serbiens Präsident Aleksandar Vučić, der sich dennoch nach Moskau aufmachte und dabei im Baltikum auf Probleme stieß, als Lettland und Litauen ihm die Überflugrechte versagten. Gleiches gilt für den slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico.

    Auch in Armenien, das den EU-Betritt zuletzt in seiner Verfassung verankerte, reagiert man mit großem Unverständnis auf das Brüsseler Verbot. Der 9. Mai sei auch der Sieg Armeniens, für den 300 000 Armenier ihr Leben ließen. Der Tag des Sieges sei auch ein Tag des Stolzes für das Südkaukasusland, stellte der Sprecher der Nationalversammlung, Alen Simonjan, klar.
    Waffenstillstand und Drohnenangriffe

    Für weitere Aufregung sorgte Wladimir Putin, der für die Siegesfeierlichkeiten einen Waffenstillstand ausrief und damit die Ukraine unter Druck setzte. Das Angebot sei »zynisch«, kritisierte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Russland solle sich zu einer 30-tägigen Waffenruhe bereit erklären, wie sie die Trump-Administration vorgeschlagen hatte, hieß es aus Kiew.

    Der Absage an Putins Waffenruhe folgte die Ankündigung, Moskau am Tag der Parade angreifen zu wollen, mitsamt Drohung an die anwesenden Staatschefs, man könne nicht für deren Sicherheit garantieren. Für Selenskyj, in dessen Arbeitszimmer ein Bild des brennenden Kreml hängt, wäre solch ein Angriff eine diplomatische Niederlage, die vor allem vom wichtigsten Unterstützer USA harsch kritisiert wurde. Später versuchte Selenskyj sich herauszureden und mögliche Explosionen von vornherein den Russen in die Schuhe zu schieben.

    Einen kleinen Erfolg kann Selenskyj dennoch für sich verbuchen. Mit den massivsten Angriffen seit Kriegsbeginn – insgesamt 447 Drohnen und Raketen – legte die Ukraine am 7. Mai große Teile des westrussischen Flugverkehrs lahm. Und auch in Moskau gibt es Einschränkungen. Wegen des »aggressiven Nachbarn«, wie es Kreml-Sprecher Dmitri Peskow ausdrückte, wird in der Hauptstadt das mobile Internet abgeschaltet. Zugleich betonte Peskow, dass das Waffenstillstandsangebot weiter Bestand habe. Beobachter gingen bis zuletzt davon aus, dass Selenskyj im letzten Moment zustimmen wird.
    Selenskyjs Gegenveranstaltung scheitert

    Für die Ukraine sind der Tag des Sieges und die Parade in Moskau Teil eines Kampfes um die Deutungshoheit des Zweiten Weltkriegs. 2023 veranlasste Selenskyj per Dekret, den 8. Mai zu feiern. Dennoch wollte er Moskau den 9. Mai streitig machen, lud europäische Vertreter nach Kiew zu einer Art Antiparade ein. Doch aus der Gegenveranstaltung wird nichts, weil alle bedeutenden europäischen Staats- und Regierungschefs absagten, meldete das Portal Politico vor einigen Tagen. Ein herber Rückschlag für Selenskyj.

    Statt in Kiew wird die ukrainische Führung ausländische Gäste vom Europarat und einige Außenminister in Lwiw zur Einrichtung eines Tribunals für die russische Regierung empfangen, berichtet der US-amerikanische Staatssender Radio Swoboda.

    #Rusdie #URSS #histoire #nazis #libération

  • Report by the MFA of Russia « Eighty Years After the Great Victory : Europe has Once Again Fallen in the Shadow of Nazism »
    https://mid.ru/ru/foreign_policy/doklady/2011501/?lang=en

    Énumération intéressante des tendances fascistes en Europe qui omet toutefois les dévéloppements analogues en Russie depuis l’accaparement des richesses des peuples de l’URSS par les oligarques capitalistes.

    Unofficial translation

    In the memorable May of 1945, amidst the wave of universal jubilation, it seemed that Nazism had been eradicated forever. The world, Europe, and especially the Soviet people paid the highest possible price for the Victory over the “brown plague.” However, as life has shown, only the visible part of this sinister iceberg was destroyed in that war. The roots and the breeding ground remained, and today Nazism is once again rearing its head in Europe.

    Without delving too deep into the history of the issue, it is enough to state the main point. After the collapse of the Soviet Union, the United States and Western European countries were extremely interested in creating conditions that would make it impossible for the former Soviet republics to return to Russia’s sphere of influence. In this regard, they actively indulged revanchist sentiments in the newly formed States, especially in Lithuania, Latvia, and Estonia, where today the whitewashing of Nazism has been elevated to the rank of State ideology. The denigration of the Soviet Union and everything that connected Riga, Tallinn, and Vilnius with it worked extremely successfully towards this goal. One must not forget about the active use by Western countries of the Nazi emigrant “underground.” Indeed, after World War II, a significant portion of collaborators, SS soldiers, and punishers found refuge in West Germany, the United Kingdom, Canada, and the United States, where, despite all attempts by Soviet justice to achieve their extradition, they were under the protection of Western governments and intelligence services. It was precisely individuals from these circles who became the basis of the new political elite in the Baltic republics after 1991, many of whom remained citizens of Canada, the United States, or Germany.

    Thus, the oppression of the Russian-speaking population, the destruction of any memory of the feat of Soviet soldiers, and a complete revision of history, the rehabilitation of Nazism became the foundation of the modern “independent” Baltics. Annual marches of former SS men and neo-Nazis, starting from 1991, take place under the patronage of the authorities, while real war veterans (and not the “Forest Brothers” passed off as them), activists of the Russian-speaking community, and anti-fascists are subjected to persecution. The erection of monuments in honour of Nazi collaborators in the Baltic States has already become commonplace. Against this backdrop, the sacrilegious war against the Soviet military memorial heritage continues. Under the pretext of removing “symbols of aggression” from public space, the authorities are demolishing monuments honouring the liberator soldiers. And all this, again, with the tacit consent or even approval of the “civilized” European States.

    Poland has not lagged far behind. In this country, the task of falsifying the history of World War II to suit the political situation is being actively pursued. The decisive contribution of the Soviet Union and the Red Army to the Victory over Hitler’s Germany and the liberation of Europe from Nazism is denied. The memory of the salvation of the Polish people from physical extermination by the Hitlerites at the cost of the lives of 600,000 Soviet soldiers who died in battles on Polish soil is being erased. Narratives are being promoted about Poland as the main victim of “two totalitarianisms” and about the equal responsibility of Hitler’s Germany and the Soviet Union, “which was allied with it,” for unleashing World War II.

    Warsaw and the Baltic “troika” became the main driving forces behind all sorts of anti-Russian initiatives by the collective West, which became particularly noticeable as Russia’s role on the international arena strengthened.

    Historical revanchism is extremely important for the West, which is trying in every possible way to whitewash the dark spots in its own past. After all, practically all of Europe was complicit in the monstrous crimes of the Third Reich, and Hitler was greeted with enthusiasm and jubilation in many European capitals.

    In France, which was designated as one of the “victors” after the war, significantly more Frenchmen fought on the side of the German army than participated in the Resistance and fought on the side of the Allied forces. SS men from the French “Charlemagne” division were among those who stubbornly defended the Reichstag and the Reich Chancellery in May 1945. In the already mentioned Poland, considered the most affected country in Europe during World War II, more than 500,000 Poles fought on Hitler’s side.

    In total, the Wehrmacht and SS units included more than two million citizens of European States, mostly volunteers. Substantial military units that fought on the Eastern Front were formed in Denmark, Finland, Italy, Norway, Romania, Spain, the Netherlands, and in the territories of present-day Latvia, Lithuania, and Estonia.

    Finland’s participation in the Great Patriotic War on the side of Hitler’s Germany is presented in that country in very muted tones. Modern Helsinki rejects accusations of genocide and war crimes committed by Finnish troops and occupation authorities on the territory of Soviet Karelia in 1941‑1944. While acknowledging the extremely high mortality rate of Soviet citizens in Finnish concentration camps, the Finns nevertheless try to attribute such figures to the “military situation” and the “negligence” by the occupation administration.

    In Belgium, too, there is a tendency to hush up the fact that during the years of fascist occupation, Belgians actively joined the ranks of collaborators. The number of Belgian citizens who personally assisted the German armed forces reached 23,000 people by the time of Germany’s defeat.

    Despite the fact that Italy’s current 1947 Constitution prohibits the re‑establishment of the fascist party in any form, the ideas of anti-fascism were gradually eroded in the post-war period, and Italians’ attitude towards the period of Benito Mussolini’s dictatorship is far from unequivocally negative. Moreover, a whole host of modern Italian politicians emerged from the ranks of the post-war ideological heirs of the Italian Fascist Party, many of whom eventually occupied quite high positions in national and regional government bodies.

    In the United Kingdom, the practice of juggling the concepts of “Nazism” and “Fascism” for opportunistic interests has become established – to describe any “undesirable” phenomena in the country or on the international stage, or to characterize public and political figures.

    The desire to turn a blind eye to its Nazi past is already becoming commonplace in modern Germany as well. Active attempts are being made in various forms to blur this “burden.” The government of the FRG persistently avoids recognizing the siege of Leningrad and other crimes against humanity committed by German occupation forces and their collaborators against the peoples of the Soviet Union as genocide, viewing them merely as war crimes. Berlin does not shy away from double standards regarding compensation payments to Leningrad siege survivors, limiting the circle of recipients to Jewish survivors under contrived pretexts and refusing to extend them to the other surviving defenders and residents of the besieged city. At the same time, the German authorities have for decades been paying social benefits to former servicemen of the Third Reich, as well as to foreign collaborators of the Hitler regime who were directly involved in the siege of Leningrad.

    Under these conditions, the desire of the authorities in most European countries to whitewash themselves and, by blatantly distorting facts, rewrite history is understandable. And at the centre of this policy lies the desire to minimize the role of the Soviet Union as much as possible, and also to “strike” at modern Russia, which steadfastly defends the historical truth about the events of World War II.

    The strengthening of Russia’s position in international affairs served as a factor consolidating European countries around the idea of inflicting maximum damage on our country’s authority. And the Special Military Operation to denazify and demilitarize Ukraine and to protect the civilian population of Donbas became the trigger for a massive Russophobic information attack. Aggressive propaganda in European countries is based on fabricating or taking out of context episodes related to the special operation in order to draw contrived parallels between Russia’s actions today and those of Nazi Germany during World War II. A key role here is played by the increasingly totalitarian European superstructure – the European Union – which deliberately cultivates Russophobic regimes and provokes them into constantly entrenching the practice of glorifying SS criminals. Against this backdrop, the lack of progress on the issue of recognizing the genocide of the Soviet people by Euro-Atlanticists is also evidence of the manifestation of neo-Nazi tendencies in Europe.

    However, Europe itself, caught up in anti-Russian objectives, fails to consider the real threat stemming from flirting with radical ideas, which pose a genuine threat to the entire continent. The assertions of Western politicians that there are no manifestations of neo-Nazism in their countries, that these are all Russia’s “fabrications” – do not stand up to scrutiny. We have repeatedly pointed to evidence of extremely alarming trends in practically all European States. What do the “civilized democracies” persistently refuse or fear to see?

    The annual gathering of veterans of the 20th Waffen-SS division and their admirers in Estonia, the installation of monuments to Nazi collaborators – Harald Nugiseks, Georg Sooden, and Raul Yuriado, guilty of the deaths of thousands of civilians, their fellow citizens? Or the proclamation in Lithuania of the “Forest Brothers” (in the Lithuanian version – “partisans”) as “fighters against Soviet authorities” and “heroes of the national liberation movement?” Their armed detachments, operating from 1944 to 1956, killed more than 25,000 local residents, including thousands of children. Many of the bandits were collaborators who became part of the Third Reich’s occupation administration and direct participants in the Holocaust in Lithuania, when about 220,000 Jews were exterminated.

    Or, perhaps, it referrers to the events of a nationalist nature in Poland? Annually in Warsaw, the country’s Independence Day, Polish nationalists organize marches on 11 November. In 2024, about 90,000 people took part in such an event.

    And what about other European countries? In Germany, there are over 40,000 individuals holding right-wing extremist views. Several far-right political parties are active. In the armed forces of the FRG, about 40 barracks bear the names of former high-ranking Wehrmacht officers.

    Even now, 80 years later, the authorities of many German cities and municipalities refuse to formally strip Adolf Hitler and some other top leaders of the Third Reich of their honorary citizen status. Mass events of a right-wing extremist and xenophobic nature are regularly held in the FRG. In 2024, the German Ministry of the Interior recorded almost 34,000 right-wing extremist crimes (in 2023 – 28,900), more than 1,000 of which involved violence. Since October 2023, against the backdrop of events in the Middle East, a surge in anti-Semitism has been observed in the country. While 2,600 anti-Semitic offenses were registered in 2022, there were over 5,600 in 2023, and more than 5,100 in 2024.

    In Finland, more than 80 per cent of the country’s inhabitants have encountered racism. On Finland’s Independence Day, 6 December, mass nationalist rallies, including the “612” torchlight procession, have taken place in Helsinki in recent years. Members of right-wing radical groups using Nazi salutes have been noticed among the participants.

    In Spain, manifestations of various forms of neo-Nazism are not uncommon, and the activities of radical nationalist associations are noticeable. Spanish far-right groups, comprising more than 10,000 people, hold dozens of events annually, and about 1,000 websites promoting neo-Nazism are registered on the Internet.

    Since 2007, far-right organizations have annually staged marches through Madrid in February in memory of the soldiers of the Spanish volunteer “Blue Division” (which fought as part of the German forces on the territory of the Soviet Union in 1941-1943), usually accompanying them with anti-Semitic slogans and displays of fascist symbols. The authorities do not react to these actions in any way, although the law prohibits the glorification of military units that collaborated with the Franco regime and the Axis countries.

    In Italy, in many cities, including the capital, monuments and memorial plaques dedicated to Italian fascists, as well as participants in colonial wars, still remain. Most municipalities take no measures to combat this “architectural heritage.”

    Moreover, Italian legislation still retains elements of the fascist era’s legacy: around 250 legal acts mentioning the concept of “race” in its fascist interpretation continue to be in force in the country.

    Against this backdrop, it is not surprising that today in Italy, 14 per cent of its citizens deny the Holocaust, and almost 20 per cent consider Benito Mussolini a “great leader who made some mistakes.”

    In the United Kingdom, the local political establishment uses baseless accusations of fascism/Nazism against “undesirable” States, including Russia, to exert political pressure on them. Members of the British government and parliamentarians deliberately use the rhetoric and symbols of Ukrainian nationalists, pretending that this has nothing to do with radical ideas. Striking examples are the statements by Prime Minister Keir Starmer on 24 August 2024 and 24 February 2025, accompanied by the utterance of the nationalist slogan of the neo-Nazi regime ruling in Kiev, “Glory to Ukraine.”

    In May 2024, an event was held in London in honour of the neo-Nazi formation “Azov,” with the participation of Members of Parliament from the then-ruling Conservative Party, including former Prime Minister Boris Johnson and former Defence Secretary Ben Wallace. By showing solidarity with Kiev, British politicians and public figures are condoning neo-Nazism and ultra-nationalism in Ukraine and the “normalization” of such views, including their attributes, in the information space of the United Kingdom.

    In 2021, in Norway, the State broadcasting company “NRK” aired the docudrama film “Front Fighters” ("Frontkjempere"), the screening of which was timed to coincide with the anniversary of the start of the occupation of Norway during World War II (9 April 1940). The film tells the story of Norwegian SS legionnaires who “heroically” fought on the Eastern Front, including near Moscow, Leningrad, in the Caucasus, and in Northern Karelia. The Ministry of Culture and the Ministry of Defence of Norway participated in its creation. Norwegian Nazi collaborators are presented as “naive victims of Hitler’s propaganda” and “patriots resisting the expansion of Bolshevism.”

    In Sweden, which recently, like Finland, became a NATO member, the positions of neo-Nazi ideologues are traditionally strong. The main conduit for right-wing extremist attitudes is the far-right organization “Nordic Resistance Movement” (NRM), which extends its influence to neighbouring countries – Denmark, Finland, and Norway. It is known that the NRM has the potential to carry out terrorist activities. Neo-Nazis actively initiate campaigns to incite interethnic and interreligious hatred. They hold more than a thousand different activities per year (1,245 in 2024), which often take place concurrently with ceremonies commemorating Holocaust victims, pacifist, and anti-fascist rallies.

    Far-right radicals, with the support of the neo-Nazi organization “Hard Line” ("Stram Kurs"), have repeatedly staged Islamophobic provocative actions, including the burning of the Qur’an.

    Against the backdrop of all this, it is no longer surprising that European countries, even former members of the anti-Hitler coalition, vote against the annual United Nacion General Assembly resolution “Combating glorification of Nazism, neo-Nazism and other practices that contribute to fuelling contemporary forms of racism, racial discrimination, xenophobia and related intolerance.”

    Speaking of the rise of neo-Nazism in Europe, it is impossible to ignore the aggressive Russophobia that has unfolded, including at the State level (with rare exceptions), in practically all countries on the continent. Since the beginning of the Special Military Operation, a sharp increase in cases of discrimination, insults, threats, and direct violence against Russian-speaking citizens has been observed everywhere.

    In Greece, in March 2022, acts of vandalism and desecration of monuments associated with Russia and other countries that were part of the Soviet Union as republics and have not renounced their memorial heritage were recorded.

    For the first time in many years, a memorial site related to the anti-fascist struggle was desecrated: on 19 March 2022, unknown individuals spray-painted the name and symbols of the Ukrainian national regiment “Azov” on the Monument to Soviet Soldiers who fell for the freedom and independence of Greece in 1941‑1944, located in Athens.

    In Germany, since the end of February 2022, there have been many diverse incidents: the use of physical force, threats, insults, deliberate damage to the property of Russian-speaking citizens, denial of services to them, including medical and banking services, unlawful dismissals from work, coercion into public repentance and condemnation of the actions of the Russian authorities, etc. Cases of attacks on Orthodox churches of the Russian Orthodox Church in Düsseldorf, Essen, Krefeld, and the Russian Orthodox Church outside of Russia in Hanover, Berlin, and Bielefeld, as well as desecrations of churches, have been recorded. An increase in cases of desecration and vandalism at Russian (Soviet) military burial sites and memorials is observed.

    In Berlin on 8‑9 May 2024, the use of Russian and Soviet Union flags, the Victory Banner, elements of historical military uniforms, St. George ribbons, orders, and medals was not permitted near Soviet war memorials.

    A massive information campaign to demonize Russia has led to the formation of a negative attitude towards Russia in Finland: thanks to such “brainwashing,” 94 per cent of Finns view our country in a negative light. Organizations maintaining ties with Russia came under enormous pressure. Since 2022, postal, rail, and air traffic with Russia has been suspended, and strict visa restrictions are in place. In November 2023, the Finnish side closed, temporarily at first and then indefinitely, all operational passenger border crossing points with Russia.

    Those who disagree with the authorities’ anti-Russian course are subjected to harassment as “enemy collaborators.” For example, the Chairman of the Parliamentary Committee on Foreign Affairs, Kimmo Kiljunen, who allowed himself in November 2024 to call the border closure a “violation of human rights” and the draft law banning real estate acquisition by Russians “racist,” faced severe criticism from the press and other politicians. The MP was forced to resign from his post as committee chairman.

    Thus, a disturbing picture is emerging today – to suit the political situation, the elites of most European countries are condoning the development of neo-Nazism and hateful sentiments and ideologies. In addition to the groups traditionally hit hardest – migrants, Jews, Roma – Russians and Russian-speaking citizens are now under significant attack. The protection of human rights and fundamental freedoms, the fight against neo-Nazism – everything that Europe once championed – has today been “sacrificed.” The “new normality,” the “new ethics” flourishing in the EU, also includes tolerance towards Nazism. It stems from a conscious policy of rewriting history, revising the causes and outcomes of World War II. The principles of the Third Reich have not disappeared from the European space. The formula involving the division of people into “correct” and “incorrect” has been “reprogrammed” according to the ideas of the “beautiful garden” and the “wild jungle,” unworthy of the fruits of this very “garden.”

    The Eurobureaucracy nurtured the Nazi regime in Kiev in order to unite Europe under racist and Nazi banners for a war against Russia. The explicit ignoring of gross human rights violations in Ukraine is evidence of the European Union’s indulgence of neo-Nazi ideas.

    Meanwhile, international organizations are not responding adequately to this course of events. It is worth considering, before it is too late, what all this could ultimately lead to. The world has already once faced the tragic outcome of the promotion of misanthropic ideas.

    Russia, as the country that suffered most from the horrors of World War II and the Great Patriotic War and sustained so many losses for the sake of restoring peace on the continent, will never allow the lessons of the past to be forgotten. Our country, together with its allies and like-minded partners, will continue its focused work to counter any attempts to distort the historical truth and memory of the Great Patriotic War, including the liberation of Eastern and Central European countries from Nazism, which was the result of the joint decisions of the anti-Hitler coalition.

    A priority for Russia will remain the perpetuation of the memory of the genocide of the Soviet people during the Great Patriotic War. In 2022‑2025, Russian courts recognized the crimes committed by the Nazis and their collaborators against the peaceful Soviet population and Soviet prisoners of war as genocide in territories currently belonging to 33 subjects of the Russian Federation. 2025 has been declared the Year of Peace and Unity in the Fight Against Nazism in the CIS countries.

    For the sake of our common future, everything must be done to prevent the rehabilitation of Nazism and the glorification of Nazi criminals, so that people in European countries do not once again ask themselves: “For whom the bell tolls?”, understanding what the answer will be if this mission fails.

    #Rusdie #URSS #histoire #nazis #libération

  • Kurland
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Kurland

    Après la première guerre mondiale en Finlande et sur le territoire des actuels pays baltes ce sont essentiellement les troupes allemandes et leurs officiers réactionnaires qui rendent possible la création d’états sous contrôle des propriétaires des terres agricoles contre les unités révioutionnaires paysannes et ouvrières.

    L’attachement des baltes à l’Allemagne les fait combattre pour le projet génocidaire nazi dans les pays slaves.

    Après l’implosion de l’état soviétique les héritiers des forces réactionnaires locales russophobes concluent alors un pacte avec l’impérialisme européen et fondent des micro-états suivant le modèle libéral du Luxembourg qui font tout pour faire augmenter les tensions entre l’Europe et la russie.

    Im Ersten Weltkrieg wurde Kurland 1915 von der deutschen Armee besetzt. Im Friedensvertrag von Brest-Litowsk wurden Kurland und Litauen aus dem russischen Staatsverband gelöst. Wie die künftige staatliche Organisation dieser Regionen aussehen sollte, wollten die Mittelmächte im Benehmen mit der Bevölkerung bestimmen. Darüber hinaus musste Russland zugestehen, dass auch Estland und Livland von einer deutschen Polizeimacht besetzt bliebe, bis dort eine eigene staatliche Ordnung und eigene Landeseinrichtungen, die für Sicherheit sorgen könnten, aufgebaut sein würde.

    Als im November 1918 der Lettische Volksrat die unabhängige Republik Lettland ausrief, war auch Kurland gemeint. Nach Ausrufung einer Lettischen Räterepublik im Dezember 1918 stießen im Januar 1919 bolschewistisch-lettische Truppen und Einheiten der Roten Armee bis zum Fluss Venta in Kurland vor. Im März 1919 erfolgte eine Gegenoffensive von deutschen und national-lettischen Truppen. Bis 1940 existierte dann die erste Republik Lettland.

    Nach der bereits 1939 erfolgten Einrichtung mehrerer Stützpunkte in Kurland wurde ganz Lettland am 17. Juni 1940 nach Gewaltandrohung von der Roten Armee okkupiert. Gegen den Protest der Botschafter der Westmächte proklamierte die sowjetische Regierung am 21. Juli 1940 die Errichtung der Lettischen Sozialistischen Sowjetrepublik und ließ diese um Beitritt zur UdSSR bitten, der am 5. August 1940 erfolgte. Nach dem deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt und dem folgenden Umsiedelungsvertrag zwischen dem Deutschen Reich und Lettland waren die Deutsch-Balten bereits im November/Dezember 1939 in den sogenannten „Reichsgau Wartheland“ umgesiedelt worden, von wo sie nach Kriegsende 1945 wieder vertrieben wurden.

    Nach Beginn des Deutsch-Sowjetischen Krieges (1941) war das lettische Territorium bis zur schrittweisen Rückeroberung durch die Rote Armee ab Sommer 1944 von deutschen Truppen besetzt und dem Reichskommissariat Ostland zugeordnet. Der General d. R. Oskars Dankers bildete 1942 eine kollaborierende Marionettenverwaltung, während der Kommunist Arturs Sprogis lettische Partisaneneinheiten gegen lettische SS-Einheiten führte. Noch im Februar 1945 bildete die eingeschlossene frühere deutsche Heeresgruppe Nord, jetzt Heeresgruppe Kurland, eine Marionettenrepublik Kurland. In den sechs verlustreichen „Kurlandschlachten“ von Oktober 1944 bis März 1945 wehrten die im Kurland-Kessel eingeschlossenen Wehrmachtverbände, unterstützt von lettischen Einheiten, alle sowjetischen Offensiven ab. Über die Häfen Windau und Libau liefen bis zum 9. Mai 1945 Evakuierungen von Flüchtlingen, Verwundeten und Heereseinheiten. Etwa 200.000 Deutsche und Letten gingen am 10. Mai 1945 nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Krieg und Kriegsfolgen (Flucht und Deportationen) führten zu erheblichen Bevölkerungsverlusten auch in Kurland.

    Kurland gehörte bis 1991 zur Lettischen Sozialistischen Sowjetrepublik. Besonders eine forcierte Industrialisierung war mit der Ansiedlung vieler Angehöriger anderer Volksgruppen aus der UdSSR verbunden, unter denen die Russen dominierten. Am 4. Mai 1990 erklärte Lettland seine Unabhängigkeit, was seitens der Sowjetunion am 21. August 1991 und nach dem Ende der UdSSR auch von Russland anerkannt wurde

    #Courlande #histoire #nazis #URSS