• Die Reichsbahn – eine realsozialistische Insel in West-Berlin
    https://www.nd-aktuell.de/artikel/1200825.kalter-krieg-die-reichsbahn-n-eine-realsozialistische-insel-in-we

    Die Reichsbahn kämpfte in West-Berlin mit niedrigen Fahrgastzahlen. Foto: Wikimedia/Lothar Weber

    2.7.2026 von Nicolas Šustr - Von der Poliklinik über Parteisekretäre bis zu Materialmangel: Tausende Menschen arbeiteten zu Mauerzeiten für Westmark in einem DDR-Betrieb.

    Marianne ist der heimliche Star. Sie, die nach ihrer Ausbildung 1972 einen Arbeitsvertrag als Elektrikerin unterschrieb. Sich in der Männerdomäne durchbiss, bis sie nicht nur auf Bahnhöfen und in Stellwerken Lampen reinigen, Leuchtmittel tauschen und Steckdosen kontrollieren durfte, sondern auch Starkstromanlagen oder medizinische Geräte in der Poliklinik reparieren. Die bis in die Betriebsgewerkschaftsleitung aufstieg, wo sie laut eigenen Worten als »Kontrahäschen« bekannt war und schließlich ihren Posten 1983 niederlegte.

    Marianne war Reichsbahnerin. Reichsbahnerin in West-Berlin. Eine dieser vielen Kuriosa der Zeit der Teilung Deutschlands und Berlins. Denn die Deutsche Reichsbahn war ein DDR-Betrieb, dem nach dem Zweiten Weltkrieg von den Alliierten auch die Zuständigkeit für den Eisenbahnbetrieb in den Westsektoren der Stadt übertragen worden war. Ein Status, an dem im Kalten Krieg nicht zu rütteln war, ohne dass man schwerste Turbulenzen im fragilen Verhältnis zwischen Ost und West ausgelöst hätte.

    Die Fotografin Ines de Nil hat zusammen mit dem Kameramann und Filmemacher Detlef Fluch den Reichsbahnern in West-Berlin ein filmisches Denkmal gesetzt. »Wer bei der Reichsbahn war, war ein roter Hund« lautet der Titel des einstündigen Dokumentarfilms, in dem sechs Beschäftigte über den Alltag und die Besonderheiten ihrer Tätigkeit und der äußeren Umstände berichten. 2004 entstanden die Interviews – zehn Jahre nach Verschwinden der Reichsbahn durch Fusion mit der westdeutschen Bundesbahn zur Deutschen Bahn AG und 20 Jahre nach Übernahme des S-Bahn-Betriebs in West-Berlin durch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Der Film wurde erst 2013 fertig.

    1991 hatte Ines de Nil die Beschäftigten des damals kurz vor der Abwicklung stehenden Reichsbahn-Ausbesserungswerks Tempelhof erstmals fotografisch porträtiert. Das war rund ein Jahrzehnt später für sie und Detlef Fluch der Anlass, strukturierte Interviews mit einigen der Protagonisten zu führen, um diese besondere Situation zu dokumentieren. Der Film kam nie in die Kinos, nie ins Fernsehen, deswegen ist er nahezu unbekannt.

    Ende Juni zeigte der Bildungsverein Helle Panke, der Berliner Ableger der linksparteinahen Rosa-Luxemburg-Stiftung, den Film in seinen Räumlichkeiten in Prenzlauer Berg. Noch bis 4. September sind dort Fotos von Ines de Nil zu sehen. Hauptsächlich Porträts aus der Berliner Queer-Szene, mit denen die Fotografin bekannt wurde – aber auch Bilder der Reichsbahner.

    »Das war eben wirklich ein DDR-Betrieb, der auch so geführt wurde wie in der DDR«, sagt einer der Protagonisten des Dokumentarfilms. Mit Parteisekretären, Betriebsgewerkschaftsleitung, Materialmangel, Mittagessen für 60 Pfennige, eigener Poliklinik am Schöneberger Ufer und für westliche Verhältnisse vergleichsweise niedrigem Arbeitsdruck. Zuletzt rund 2000 Menschen arbeiteten in dieser realsozialistischen Insel in der selbsternannten Frontstadt.

    »Das war eben wirklich ein DDR-Betrieb, der auch so geführt wurde wie in der DDR.« West-Berliner Reichsbahner

    Die Motive der West-Berliner, bei diesem Ostbetrieb zu arbeiten, waren sehr unterschiedlich. Für manche war es die einzige Möglichkeit, bei ihrer Liebe, der Eisenbahn zu arbeiten, andere taten es aus politischer Überzeugung, wollten in einem sozialistischen Betrieb arbeiten und waren auch Mitglieder des SED-Ablegers Sozialistische Einheitspartei Westberlins (SEW). Dies betraf jedoch laut Aussagen der Protagonisten vor allem die Führungsebene.

    »Es war auf den Dienststellen grundsätzlich immer nur so ein kleiner, harter Kern von SEW-Mitgliedern«, schildert ein Protagonist. »Wenn die ein Bier zu viel hatten, waren das auch nicht mehr so linientreue SEW-Mitglieder. Also da waren ein Haufen Leute dabei, die nur wegen gewisser Vorteile in diesem Verein drin gewesen sind.«

    Viel Sympathie ist den Reichsbahnern in West-Berlin nicht entgegengebracht worden. Seit dem Mauerbau 1961 gab es zahlreiche Boykottkampagnen gegen die S-Bahn, weil man damit den Stacheldraht finanziere, wie es unter anderem hieß. Waren besoffene Fußballfans unterwegs, flogen auch öfter mal Flaschen gegen die Beschäftigten.

    Und dann war da immer die politisch heikle Lage. Ein Stellwerker berichtet, dass ein Betriebsunfall an einem 17. Juni als gezielte Sabotage zum Jahrestag des Volksaufstands von 1953 angesehen worden ist. »Innerhalb von zehn Minuten war damals erst die Bahnpolizei und dann die Transportkriminalpolizei, da, und die haben das Stellwerk abgeschlossen und mir verboten, mit der West-Berliner Polizei die Umstände zu besprechen«, schildert er.

    Als dann die West-Berliner Staatsanwaltschaft ermittelte und ihm bei Aussageverweigerung, wie es seine Dienststelle von ihm verlangte, eine Strafe von 1500 DM androhte, brach er sein Schweigen. »Das hat die Reichsbahn mir ein bisschen übel genommen.« Wegen des Personalmangels war die Strafversetzung jedoch nach wenigen Monaten Geschichte und er war wieder auf seinem alten Posten.

    Bezahlt wurden die Beschäftigten in Westmark, aber sozialversichert waren sie in der DDR, was dank des Pauschalsatzes nur Abzüge von 60 DM zur Folge hatte. »Wir hatten fast brutto gleich netto.«

    Ein großer Einschnitt war der Reichsbahnerstreik von 1980. Bereits Anfang des Jahres wurden Dutzende Menschen entlassen, was für Aufruhr sorgte, denn Entlassungen passten nicht zu einem sozialistischen Betrieb. Später im Jahr kam es zu dem Streik. Warum genau es dazu kam, sorgte bei vielen für Rätselraten.

    »Da waren damals schon ganz viele Kollegen der Meinung, dass der Streik irgendwie von der DDR lanciert wurde. Auf jeden Fall haben die kräftig nachgeholfen«, weil seit Jahren versucht worden sei, den mangels Fahrgästen hochdefizitären S-Bahn-Betrieb in West-Berlin loszuwerden. »Dann konnten man Alliierten beweisen, dass man keine Leute mehr dafür hat.« Nach langen Verhandlungen zwischen Ost und West übernahm 1984 die BVG den Betrieb.

    Nach der Wende wurde das RAW Tempelhof bis 1994 abgewickelt. Marianne, gerade mal 40 Jahre alt, fand woanders keine Anstellung als Elektrikerin und machte eine Ausbildung zur Aerobic-Trainerin. Doch eine dauerhafte Anstellung bekam sie nicht. Den späteren Job als Altenpflegerin musste sie wegen einer »gebrochenen Hüfte« aufgeben. Was aus Marianne geworden ist, kann Ines de Nil nicht sagen, Kontaktversuche seien gescheitert.

    Andere blieben bei der Bahn und warteten ICEs in Rummelsburg. »Vergleichsweise langweilig« sei der Beruf geworden, wegen der vielen Elektronik drücke man fast nur noch Knöpfchen.

    Ines de Nil. Leben in Freiräumen – Fotoausstellung in den Räumen der Hellen Panke in Berlin-Prenzlauer Berg, Kopenhagener Straße 9. Die Galerie ist immer in der Stunde vor Beginn der Veranstaltungen oder nach persönlicher Terminvereinbarung geöffnet. www.helle-panke.de

    Der Dokumentarfilm »Wer bei der Reichsbahn war, war ein roter Hund« kann auf folgender Webseite auf DVD für 12 Euro bestellt werden: http://www.df-dok.de/html/raw.html

    #Berlin #Westberlin #Verkehr #Geschichte #S-Bahn #Reichsbahn

  • Erbe der DDR-Bautechnik: Warum im Berliner Osten jetzt die Brücken wackeln
    https://www.berliner-zeitung.de/article/erbe-der-ddr-bautechnik-warum-im-berliner-osten-jetzt-die-bruecken-

    Vergessen wir mal das DDR-Gequatsche. Brücken und Straßen in ganz Deutschland müssen erneuert werden. Wir brauchen nicht mehr davon sondern bessere für weniger Verkehrsteilnehmer. Allein deren Zahl kann nur reduziert werden, in dem die Bahn wieder eine Angelegenheit aller, also des Staates wird, preiswert für Reisende und massiv ausgebaut wird.

    Das wird so schnell nicht passieren, also sind weitere Katastropen und Verkehrseinschränkungen vorprogrammiert.

    2.7.2026 von Oliver Weinlein - Hennigsdorfer Spannstahl rostet unbemerkt im Beton: Warum vor allem Ost-Berlins Brücken bröckeln – und wo bis 2040 am meisten gebaut wird.

    Berlin steht vor einer gewaltigen Infrastrukturaufgabe. Innerhalb von 15 Jahren sollen 175 marode Brücken durch Neubauten ersetzt werden, weitere 125 werden in größerem Stil instand gesetzt. Das geht aus dem Masterplan Brücken 2025–2040 hervor, den der Senat beschlossen hat.

    Der Osten Berlins ist besonders betroffen. Und ein Bezirk sticht heraus.
    Marzahn-Hellersdorf liegt vorn – mit deutlichem Abstand

    29 Brückenbauwerke stehen in Marzahn-Hellersdorf auf der Liste, mehr als in jedem anderen Bezirk. Das liegt vor allem an den großen Verkehrsachsen: Entlang der Märkischen Allee, der Landsberger Allee und am Marzahner Knoten reiht sich Ingenieurbauwerk an Ingenieurbauwerk.

    Gerade der Marzahner Knoten gilt als Sorgenkind. Dort treffen Bahntrassen, Straßenbahnanlagen und Rampen aufeinander, einige Bauwerke sind in schlechtem Zustand. Die Senatsverwaltung will den gesamten Kreuzungsbereich neu ordnen.

    Auf Platz zwei folgt Treptow-Köpenick mit 24 Projekten. Dort sorgt vor allem die Lange Brücke für Diskussionen: Sie verbindet die Köpenicker Altstadt mit der Köllnischen Vorstadt und soll durch einen Neubau ersetzt werden. Die Erinnerung an die Wuhlheide-Brücke sitzt im Bezirk noch tief – sie wurde im vergangenen Jahr praktisch über Nacht ersatzlos abgerissen.

    Das Ranking der Bezirke im Überblick

    Hinter Marzahn-Hellersdorf (29 Projekte) und Treptow-Köpenick (24) folgen Mitte und Pankow mit jeweils 23 Brückenprojekten. In Pankow stehen unter anderem die Schönhauser-Allee-Brücke, die Kniprodestraßenbrücke, die Darßer Brücke und die Behmstraßenbrücke auf der Liste. Spandau komplettiert mit 18 Projekten die Top fünf.

    Im Mittelfeld liegen Charlottenburg-Wilmersdorf mit 14 sowie Friedrichshain-Kreuzberg mit 13 Brückenbauwerken. Reinickendorf kommt auf zwölf.

    Deutlich weniger Baustellen erwarten die Menschen im Süden und Südwesten der Stadt: Neukölln und Lichtenberg verzeichnen jeweils zehn Projekte, Tempelhof-Schöneberg neun. Schlusslicht ist Steglitz-Zehlendorf mit acht Brücken.

    Auffällig ist der Blick auf die Art der Maßnahmen. In Marzahn-Hellersdorf sind 25 der 29 Projekte komplette Ersatzneubauten, in Lichtenberg neun von zehn. In Neukölln dagegen handelt es sich fast ausschließlich um Erhaltungsmaßnahmen – nur eine einzige Brücke muss dort komplett neu gebaut werden.

    Mühlendammbrücke: Sensoren schlagen Alarm

    Das derzeit brisanteste Projekt liegt in Mitte. Die Mühlendammbrücke, eine der wichtigsten Spreequerungen im Zentrum, muss deutlich schneller ersetzt werden als geplant. Die Verkehrsverwaltung hat den Neubau in einem beschleunigten Verfahren ausgeschrieben, weil die Gefahr von Spannstahlbrüchen eine sofortige Sperrung auslösen könnte.

    Auch die Elsenbrücke zwischen Friedrichshain-Kreuzberg und Treptow-Köpenick bleibt eine Dauerbaustelle. Seit März läuft dort eine 2+2-Verkehrsführung, ab Mitte des Jahres sollen sechs Spuren zur Verfügung stehen.

    Foto
    Verkehr auf der Behelfsbrücke an der Elsenbrücke zwischen Friedrichshain und Treptow (Archivbild vom September 2025). Seit März 2026 rollt der Verkehr über vier Spuren, ab Mitte des Jahres sollen es sechs sein. © IMAGO/Joko

    Das schwere Erbe der DDR-Bautechnik

    Dass es den Osten besonders trifft, hat auch historische Gründe. Viele Brücken in den östlichen Bezirken entstanden in den 1960er- und 1970er-Jahren – oft mit Spannstahl aus dem VEB Stahl- und Walzwerk Wilhelm Florin in Hennigsdorf bei Berlin.

    Das Material gilt heute als tickende Zeitbombe. Der Hennigsdorfer Spannstahl ist stark anfällig für sogenannte wasserstoffinduzierte Spannungsrisskorrosion: Die Drähte im Inneren des Betons rosten unbemerkt, bis sie reißen. Von außen ist der Schaden lange nicht zu erkennen.

    Die Folgen zeigen sich längst im Stadtbild. An der Elsenbrücke entdeckten Prüfer 2018 einen 28 Meter langen Riss im östlichen Überbau, Experten sprachen von „Totalversagen". Die Mühlendammbrücke, Baujahr 1968, ist der zweite Vertreter dieses Typs – in ihr stecken jeweils 448 Spanndrähte aus Hennigsdorfer Stahl, die seit 2022 von 96 Sensoren rund um die Uhr akustisch überwacht werden.

    Wie gefährlich das Material ist, zeigte sich 2024 in Dresden: Die Carolabrücke, konstruiert wie die Mühlendammbrücke, stürzte teilweise in die Elbe.

    Die hohe Zahl an Projekten im Osten erklärt sich also aus zwei Faktoren: Dort stehen besonders viele Brücken in Landesverantwortung – und ein Teil davon stammt aus einer Bauepoche, deren Material heute Probleme macht. Ob im Osten auch der größte Sanierungsbedarf der ganzen Stadt besteht, lässt sich aus dem Ranking allein dennoch nicht ablesen.

    Der Handlungsdruck ist trotzdem stadtweit enorm. Nur 19 Prozent aller Berliner Brücken befinden sich nach Einschätzung der Verkehrsverwaltung in einem guten oder sehr guten Zustand. Für die Berliner bedeutet das auf Jahre: Lastbeschränkungen, Umleitungen, Baustellen.

    Der Senat setzt bei der Finanzierung neben dem Doppelhaushalt 2026/2027 auch auf Fördermittel von EU und Bund sowie auf Partnerschaften mit privaten Investoren. Insgesamt sind rund 1,84 Milliarden Euro veranschlagt.

    #Berlin #Verkehr #Stadtentwicklung

  • KI-Blitzer in Athen: Anwalt beklagt „Fehlerquote von 95 Prozent“
    https://www.telepolis.de/article/KI-Blitzer-in-Athen-Anwalt-beklagt-Fehlerquote-von-95-Prozent-11340029.htm

    25.6.2026 von Wassilis Aswestopoulos - Beim Feldversuch in Griechenland melden Anwälte massive KI-Fehler: Schatten wurden als Handys gewertet, Tausende Bußgelder sollen falsch sein.

    Der Einsatz von KI-gestützten Kameras zur Verkehrsüberwachung wurde als revolutionäre Maßnahme gefeiert. Die Ernüchterung ist, dass die „intelligenten“ Kameras in mehr als neun von zehn Fällen kläglich versagen sollen. Sie halluzinieren Verkehrssünden, wo keine sind. Statt Angst und Schrecken unter Verkehrssündern zu verbreiten, sorgen die KI-Kamerasysteme für eine andere Palette der Gefühle. Vom Frust bis zur Erheiterung ist alles dabei.

    Vor wenigen Monaten startete nach einer kurzen, vielversprechenden Testphase in Athen ein interessanter Feldversuch mit Kollege KI von der Straßenpolizei als Hauptdarsteller.

    Die ersten Probephasen waren vielversprechend. Allein schon die Ankündigung einer lückenlosen Verkehrsüberwachung sorgte für eine vorläufige, spürbare Disziplinierung der notorisch die Straßenverkehrsordnung missachtenden Hellenen. Die Freigabe für einen Feldversuch im Großraum Attika war nur noch Formsache.

    Video abspielen

    Back

    WiedergabegeschwindigkeitNormalQualität-

    Wiedergabegeschwindigkeit

    0.25

    0.5

    0.75

    Normal

    1.25

    1.5

    1.75

    2
    Polizeibericht aus Athen: Widersprüche bei den ersten KI-Bußgeldern

    Nun liegen erste belastbare Ergebnisse vor. Sie sind – diplomatisch ausgedrückt – durchwachsen. Zudem sind die Statistiken in der präsentierten Form widersprüchlich.

    Sicher ist nur, dass ein interessantes Detail der Digitalisierung perfekt gelungen ist. Alle, die im nationalen Kommunikationsregister eine verifizierte Mobiltelefonnummer eingetragen haben, erhalten direkt nach polizeilicher Bestätigung ihres Verkehrsverstoßes rechtssicher per SMS die Information über ihren Bußgeldbescheid.

    Die Widerspruchsfrist beginnt ab dem Zeitpunkt der Zustellung der SMS. Für die Übrigen beginnt es traditionell mit der postulierten Zustellung des Bußgeldbriefes. Und Widersprüche soll es zuhauf geben.

    Das bestätigt auch die für die KI positivste statistische Auswertung. Am 30. Mai veröffentlichte die griechische Polizei eine Pressemeldung, die von nahezu allen Medien zunächst unkommentiert übernommen wurde. In der Pressemeldung wird betont, dass nur wenige Einsprüche gegen KI-Bußgeldbescheide erfolgreich gewesen seien. Die polizeiliche Stellungnahme bezieht sich auf die Zeitperiode ab Ende März und auf zwei Datenquellen mit KI-Kameras:

    „Bislang wurden 2.453 digitale Bußgeldbescheide verifiziert und zugestellt. 420 Einsprüche gingen ein. Das sind 17,12 Prozent aller Bescheide. Von diesen wurden 52 stattgegeben, was 2,11 Prozent aller Bescheide entspricht.

    Ein geringer Anteil betraf technische oder verfahrenstechnische Probleme, wie z. B. Zeitabweichungen (17 Fälle), unklare Merkmale (zwölf Fälle) oder Fahrzeuge, für die Ausnahmeregelungen zur Gurtpflicht gelten (drei Fälle). Die übrigen Einsprüche wurden nach Prüfung der Sachlage, beispielsweise bei Vorfällen im Zusammenhang mit gesundheitlichen Problemen, akzeptiert.“

    Die geringe Menge der Bußgeldbescheide verblüfft. Denn bei der ersten Testphase im Dezember 2025 gab es innerhalb weniger Tage allein von einer KI-Kamera die Erfassung von 2.000 Verkehrsverstößen. Zumindest wurde dies so von den verantwortlichen Politikern und der Polizei kommuniziert.

    Die theoretisch mögliche Erklärung, dass die Griechen allein wegen der Präsenz von KI-Kameras kollektiv zu mustergültigen Autofahrern geworden sein könnten, hält keiner empirischen praktischen Überprüfung stand. Selbst, wenn viele Autofahrer die genauen Standorte der statischen Kameras kennen sollten, ließe sich die kleine Zahl von Bußgeldbescheiden nicht erklären.

    Statische, vielen Bürgern bekannte Kameras gibt es auch anderswo. Und trotzdem sorgen diese Verkehrsüberwachungssysteme für regelmäßig hohe kommunale oder staatliche Einnahmen. Überdies wurden im Feldversuch auch Busse mit Kameras für die Verkehrsüberwachung ausgestattet.
    Bilder-Chaos und Datenstau: Warum die Verkehrs-KI verspätet liefert

    Einige Anhaltspunkte für mögliche Erklärungen bietet die Polizeimeldung selbst. Von Problemen mit den Zeitangaben ist die Rede. Demnach liefert die KI nicht immer konsistente Daten. „Unklare Merkmale“, die der Polizeibericht erwähnt, lassen sich in schlechte Auflösung der Fotos übersetzen.

    Schließlich erwähnt die Polizei, dass noch rund 20.000 von der KI erfasste Verkehrsverstöße bearbeitet würden. Sollten sie sich als korrekt dokumentiert erweisen, würde das den Autofahrern zeitnah zusammen mit einem Bußgeldbescheid übermittelt. Wenn jedoch von mehr als 20.000 Verkehrsverstößen seit März bislang nur 2.453, dann ist bereits eines der ursprünglichen Ziele des massiven KI-Einsatzes verpasst worden.

    Die Vision war, dass die Verkehrssünder ihre Bußgeldbescheide möglichst noch während der Fahrt erhalten sollten. Dass also die Überprüfung durch einen Beamten in wenigen Minuten erledigt sein könnte.
    „Schatten als Handy gewertet“: Anwalt beklagt absurde KI-Fehlurteile

    Sollte sich auch das bewahrheiten, was Mitte Juni von Verkehrsrechtsanwälten gegenüber den Medien präsentiert wurde, dann kann mit Fug und Recht von einem unausgereiften System gesprochen werden.

    Gegenüber dem Sender Mega TV plauderte der Anwalt Tryfon Tsoumanis aus dem Nähkästchen. Es gäbe eine Fehlerquote von 90 bis 95 Prozent, behauptete er. Wenn seine Angaben stimmen, dann steht im Polizeibericht, gelinde formuliert, nur ein Teil der Wahrheit.

    Tsoumanis präsentierte Beispiele: So sei einem Fahrer das Telefonieren am Steuer vorgeworfen worden. Auf dem Beweisfoto sieht man dagegen, dass der Mann die Hand am Schaltknüppel, mutmaßlich für einen Gangwechsel hatte.

    In anderen Fällen sei ein Schatten von der KI als Mobiltelefon eingestuft worden. Laut Tsoumanis waren von 5.500 erfassten Verkehrsverstößen nur 400 korrekt. Unter den Fehlinterpretationen der KI waren 1.300 halluzinierte Mobiltelefone und 3.800 erfundene Tempoverstöße.

    Tsoumanis beklagt zudem, dass die KI gnadenlos und ohne Menschlichkeit vorgehen würde. Er sei dann gezwungen, auf der Polizeiwache zu beweisen, dass seine Klienten „keine Elefanten sind“. So würden mildernde Umstände, die bei einem Menschen als Verkehrsüberwacher keinen Strafzettel einbringen würden, vom KI-System nicht einmal bemerkt.

    Der Anwalt führte als Beispiel einen medizinischen Notfall einer Mutter mit ihrem Kind an. Wegen dieses Notfalls habe sie die Busspur befahren und dort gehalten, erläuterte er. Unter den „falschen“ Strafzetteln seiner Statistik befinden sich auch solche Fälle.
    Ausschreibung gestoppt: Griechenland sucht neue Kamera-Systeme

    Es hat den Anschein, als ob die offensichtliche Pannenserie bereits zu Konsequenzen geführt hätte. Es gibt eine neue Ausschreibung für 1.000 Verkehrskameras – das ursprüngliche Verfahren wurde nach Einsprüchen von Unternehmen aufgehoben. Vom alten System weiß die Öffentlichkeit recht wenig. Bekannt ist, dass es einem Tech-Unternehmen aus Silicon Valley gehört. Ferner gibt es keinerlei Angaben zur Version, zur KI-Engine oder zu weiteren technischen Details.

    Für die griechischen Verkehrssünder gibt es freilich keinen Grund zur Entwarnung. Die mit menschlicher Intelligenz ausgestattete Polizei ist weiterhin hinter ihnen her.

    #Griechenland #Verkehr #Überwachung #KI

  • Bis Mitte Juni in Berlin: Autobahn bei Tunnel Flughafen Tegel nachts gesperrt
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/bis-mitte-juni-in-berlin-autobahn-bei-tunnel-flughafen-tegel-nachts-ges


    Immer schön umfahren.

    31.5.2026 - Für knapp zwei Wochen müssen sich Autofahrer auf eine nächtliche Sperrung der Autobahn 111 um den Tunnel Flughafen Tegel einstellen. Die A111 wird von Montag (1. Juni) bis Freitag (12. Juni) zwischen den Anschlussstellen „Am Festplatz“ und „Seidelstraße“ gesperrt, wie die Verkehrsinformationszentrale mitteilte.

    Die Sperrung gilt demnach für beide Richtungen und jeweils von 21.00 bis 5.00 Uhr. Es werden in der Zeit Instandsetzungsarbeiten durchgeführt und die Fluchttüren im Tunnel Flughafen Tegel erneuert, wie es heißt. (dpa)

    #Berlin #Reinickendirf #Verkehr #A111 #Sperrung #Tunnel

  • Als Rollstühle den Ku’damm blockierten
    https://www.nd-aktuell.de/artikel/1199237.inklusion-als-rollstuehle-den-kurdamm-blockierten.html

    Rollstuhlfahrer blockieren 1987 den Kurfürstendamm, um für Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr zu demonstrieren. Foto: TIPP/Norbert Nischalke

    23.4.2026 Marten Brehmer - Protest von Menschen mit Behinderung hat viel erreicht. Doch jetzt stehen viele Errungenschaften wieder auf dem Spiel

    Minus 14 Grad Celsius zeigte das Thermometer am 23. Januar 1987. Einige ältere Demonstranten hätten sich Handtücher um die Beine gebunden und Wärmflaschen zwischen Rücken und Rollstuhl verkeilt, um die Kälte auszuhalten, erinnert sich Bärbel Reichelt. Dann rollten alle auf die Fahrbahn. Ein Dutzend Rollstühle blockierten auf einmal den Adenauerplatz in Charlottenburg, der Verkehr stand still.

    Für Rollstuhlfahrer und andere in ihrer Beweglichkeit eingeschränkte Menschen waren BVG-Busse und -Bahnen damals nicht nutzbar. Die Busse konnten sich nicht neigen und beim Einstieg musste eine Stufe überwunden werden. Behinderte erhielten daher Gutscheine für einen Mobilitätsdienst, den sogenannten Telebus. Doch dessen Umfang hatte der Senat zu Beginn des Jahres 1987 drastisch gekürzt: von 50 auf 24 Fahrten im Monat. »Jeder Hund wird häufiger ausgeführt«, sagt Reichelt rückblickend. »Da sind wir auf die Barrikaden gegangen.« Angst vor einer Festnahme hatten die Blockierer demnach nicht. »Wir wussten ja, dass die Polizeiautos keine Rollstuhlfahrer mitnehmen konnten«, erinnert sich Reichelt.

    Am Mittwochabend sitzt Reichelt mit anderen Aktivisten in der Amerika-Gedenk-Bibliothek in Kreuzberg auf der Bühne. Eingeladen haben die Fürst-Donnersmarck-Stiftung und die Landeszentrale für politische Bildung, um über Geschichte und Gegenwart der Behindertenbewegung zu diskutieren. Heutzutage gebe es Arbeitsgruppen in den Behörden, in denen Behindertenvertreter ihre Meinung äußern könnten, sagt Reichelt. In mancher Hinsicht, findet sie, sei das ein Rückschritt. »Das ist entstanden, um uns von der Straße zu bekommen.« Ihre Erfahrung sei, dass die Sitzungen selten produktiv seien. »Man quatscht und quatscht und am Ende wird es abgeheftet und nichts passiert.«

    Jenny Bießmann hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Sie ist Mitgründerin der unabhängigen Beratungsstelle »aktiv und selbstbestimmt«. »Wir kriegen oft den Vorwurf, dass wir brav geworden sind«, sagt die Behindertenaktivistin. Der Protest habe sich inzwischen verändert. »Wir machen einen Spagat – wir sind auf der Straße und sitzen am Verhandlungstisch«, sagt sie. Man setze auch vermehrt auf digitale Angebote, etwa in den sozialen Medien. Für Menschen, die aufgrund ihrer Einschränkungen die Wohnung nicht verlassen könnten oder Schwierigkeiten hätten, verbale Sprache zu nutzen, sei das oft die einzige Möglichkeit, sich politisch zu beteiligen, so Bießmann.

    An Baustellen – im übertragenen Sinne wie wortwörtlich – mangele es dabei nicht. Auch 39 Jahre nach dem Protest am Adenauerplatz sei Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr immer noch ein großes Thema, an vielen Bahnhöfen gebe es etwa keine Aufzüge. Dass es auch anders gehe, sehe sie bei Reisen ins Ausland. Neulich sei sie für eine Dienstreise in Japan gewesen. »Da musste ich mir keinerlei Gedanken machen«, sagt sie. Nicht nur Bus und Bahn, sondern auch so gut wie alle öffentlichen Gebäude seien ebenerdig gestaltet. Nur in kleineren Restaurants habe sie mit ihrem Rollstuhl Probleme gehabt. »Aber da hat man sich ganz selbstverständlich gekümmert«, berichtet Bießmann.

    Frieder Kurbjeweit beobachtet sogar, dass die Inklusion behinderter Menschen zurzeit Rückschritte macht. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Deutschen Instituts für Menschenrechte. »Lange war die Richtung: mehr Selbstbestimmung, mehr Barrierefreiheit«, sagt er. Aber das habe sich geändert. Teilhabe und Leistungen würden in Berlin und im Bund zurückgefahren. Zuletzt hatte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eine Kürzungsliste vorgelegt, die auch im Bereich der Inklusion eine drastische Reduzierung vorsieht. »Das wäre eine Katastrophe«, sagt Kurbjeweit.

    Er glaubt, dass Gremienarbeit nicht ausreicht. »Man braucht Chuzpe, um sich durchzusetzen«, sagt er. »Wir brauchen eine aktive Zivilgesellschaft.«

    Ganz ausgestorben ist der Behindertenprotest nicht. Im November vergangenen Jahres besetzten etwa 30 Menschen mit und ohne Behinderung das Foyer der Senatssozialverwaltung. Sie forderten eine Anpassung der Gehälter von Assistenzkräften, die im sogenannten Arbeitgebermodell arbeiten, an das Niveau bei freien Trägern. Im Arbeitgebermodell erhalten Menschen mit Behinderung ein persönliches Budget, aus dem sie selbstständig Assistenzen anstellen können. Die Besetzer blieben eine Nacht und erreichten, dass sich Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) und Finanzsenator Stefan Evers (CDU) mit ihnen zu einem Gespräch trafen. Am Ende stimmte das Abgeordnetenhaus der Refinanzierung der Tarifsteigerungen zu.

    Aziz Bozkurt war damals dabei – allerdings auf der anderen Seite. Der SPD-Politiker ist Staatssekretär in der Sozialverwaltung. »Das war eine lange Nacht«, sagt er. »Ohne den Protest hätte sich da nichts bewegt.« Die Besetzung habe öffentlichen Druck erzeugt und die Verhandlungen mit der Senatsfinanzverwaltung entscheidend beeinflusst.

    Er habe viel während der Besetzung gelernt. »Ich bin empathisch, aber ich kann nicht alles nachvollziehen«, sagt er. Darum sei es wichtig, dass Menschen mit Behinderung sich einbrächten. So könnten sie auf Probleme hinweisen, die Menschen ohne Behinderung nicht bewusst seien. »Es ist etwas anderes, wenn man es selbst lebt«, sagt Bozkurt. Für ihn selbst seien die Erfahrungen, die Rollstuhlfahrer machten, schlagartig nachvollziehbarer geworden, als er Vater geworden sei. »Man lernt die Stadt vollkommen neu kennen, wenn man mit dem Kinderwagen durch die Straßen geht«, sagt er.

    Mit der Blockade in Charlottenburg war der Protest 1987 nicht vorbei. Auf die Aktion seien im Wochentakt weitere gefolgt, erinnert sich Bärbel Reichelt. Man begleitete die 750-Jahr-Feier Berlins mit kleinen Versammlungen. »Wir haben Spalier gestanden, als Helmut Kohl eine Veranstaltung besuchen wollte«, sagt sie. Auch bei der Berlinale habe es Aktionen gegeben. »Nur wenn man persönlich da ist und Bambule macht, bewegt sich wirklich was«, ist sie überzeugt.

    Zumindest im öffentlichen Nahverkehr hat sich seit 1987 einiges getan. Der Zugang zu Bus und Bahn erfolgt heutzutage ebenerdig. U-Bahnhöfe sind größtenteils mit Fahrstühlen versehen – wenn auch mit prominenten Ausnahmen wie dem Übergang zwischen dem S- und dem U-Bahnhof Yorckstraße. In allen Fahrzeugen gibt es Rampen.

    Für Aktivistin Reichelt, die bei der Busblockade am Adenauerplatz dabei war, ist das eine tägliche Erinnerung daran, dass sich das Kämpfen lohnt. Immer, so sagt sie, wenn sich der Bus zur Seite neige und sie über die Rampe in das Fahrzeug rolle, denke sie sich: »Das war ich!«

    #Berlin #Westberlin #Verkehr #Behinderte #Inklusion #Geschichte

  • Berlin: Stau- und Unfallfalle Frankfurter Tor für Tram optimiert
    https://www.nd-aktuell.de/artikel/1199093.strassenbahn-berlin-stau-und-unfallfalle-frankfurter-tor-fuer-tra

    18.4.2026 von Nicolas Šustr - Am Frankfurter Tor ruckelt es für Berlins meistgenutzte Straßenbahn M10 der BVG häufig. Nach Bauarbeiten Am Frankfurter Tor ruckelt es für Berlins meistgenutzte Straßenbahn M10 der BVG häufig. Nach Bauarbeiten greifen die Verbesserungen nur langsam. die Verbesserungen nur langsam.

    »Das ist der neue Unfallschwerpunkt für die Straßenbahn«, sagt Tom Gerlich vom Berliner Fahrgastverband IGEB. Er spricht vom Frankfurter Tor, wo sich Frankfurter und Karl-Marx-Allee sowie Warschauer und Petersburger Straße kreuzen.

    Nach vielen Ankündigungen und jahrelangem Stillstand hat die Senatsverkehrsverwaltung nun endlich am vergangenen Dienstag und Mittwoch die Verkehrsführung geändert und die neu gebaute Ampelanlage in Betrieb genommen. Ziel ist die Entschärfung einer der gefährlichsten Kreuzungen Berlins.

    Allein 2024 registrierte die Polizei sechs Unfälle mit Schwerverletzten und 29 mit Leichtverletzten. Inklusive der Unfälle nur mit Sachschäden krachte es verlässlich Jahr für Jahr mehr als 100 Mal. Zeitweise war es die Berliner Kreuzung mit den meisten Unfällen überhaupt.

    »Ziel der Umbaumaßnahme ist, den Trams der Linien M10 und 21 längere Grünzeiten zu ermöglichen und die Verkehrssicherheit an diesem stark frequentierten Knotenpunkt deutlich zu erhöhen«, teilte die Senatsverkehrsverwaltung bei Ankündigung der Bauarbeiten mit.

    Am Donnerstagnachmittag ist keine Polizei zu beobachten, die die Einhaltung der Verkehrsregeln durchsetzt. Die Senatsverwaltung hatte sich das anders vorgestellt: »Wir haben die Polizei um verstärkte Kontrollen gebeten«, sagt Petra Nelken, Sprecherin der Senatsverkehrsverwaltung zu »nd«. »Experten haben uns gesagt, dass es sich bei solchen Neuregelungen nach rund einer Woche einpendelt«, so Nelken weiter.

    Die am meisten einschneidende Änderung für den Autoverkehr ist das nun geltende Linksabbiegeverbot von der Warschauer Straße in die Karl-Marx-Allee. Doch das wird weitgehend ignoriert. Ampelphase für Ampelphase biegen jeweils mehrere Autos nach links ab und kreuzen dabei die Richtung Norden führenden Straßenbahngleise.

    Das ist riskant, denn im Gegensatz zu früher hat die Straßenbahn in dieser Fahrtrichtung parallel zum Autoverkehr nun ebenfalls Grün. Bisher galt für die Tram nur eine kurze Grünphase vor der Freigabe für den Autoverkehr. Verbotswidrig abbiegende Autos schneiden nun den Fahrtweg der Straßenbahn. Das ist der Grund, warum Tom Gerlich vom Fahrgastverband befürchtet, dass hier ein neuer Unfallschwerpunkt geschaffen worden ist.

    »Experten haben uns gesagt, dass es sich bei solchen Neuregelungen nach rund einer Woche einpendelt.«
    Petra Nelken Sprecherin Senatsverkehrsverwaltung

    In Fahrtrichtung Süden hat sich an den Grünphasen für die Straßenbahn bisher nichts geändert. Nur einmal pro Ampelumlauf haben die Züge von M10 und 21 für wenige Sekunden freie Fahrt. Verpassen sie den Zeitpunkt knapp, stehen sie mit oft weit über Hundert Fahrgästen rund anderthalb Minuten vor der Kreuzung. Das geschieht sehr oft.

    »Das ist ein Fehler in der Ampelsteuerung«, sagt Petra Nelken von der Verkehrsverwaltung. Im Laufe der nächsten Woche soll eine Änderung eingespielt werden. »Dann gibt es noch eine zweite Grünphase für die Tram«, so Nelken weiter. Damit wäre in Fahrtrichtung Süden der Zustand wiederhergestellt, den es bereits bis 2006 gab.

    Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 waren zahlreiche Vorrangschaltungen für Straßenbahnen und Busse deaktiviert worden. Damals ist das als temporäre Maßnahme bezeichnet worden, um den Autoverkehrsfluss zu verbessern.

    Entgegen der Ankündigung in der Pressemitteilung laufen die Ampeln am Frankfurter Tor auch wie gehabt im Festzeitprogramm, wie Petra Nelken zudem einräumt. Eigentlich sollen Videokameras und Induktionsschleifen in der Fahrbahn den Autoverkehr erfassen und dementsprechend dynamisch die Ampelphasen verkürzen oder verlängern. Auch dies hänge mit Programmierfehlern zusammen, die behoben werden sollen, so Nelken weiter.

    Mit einem Durchschnittstempo von 14,2 Kilometern pro Stunde im Jahr 2024 ist die M10 die mit Abstand langsamste Berliner Straßenbahnlinie. Über die Jahre ist das Tempo immer weiter gesunken. Allein am Frankfurter Tor standen die Züge von M10 und 21 Tag für Tag zusammengenommen 7,9 Stunden wegen roter Ampeln. Mit knapp 95 000 werktäglichen Fahrgästen ist sie knapp vor der M4 die meistgenutzte Tramlinie der Hauptstadt.

    Die BVG hat bisher auf eine Anfrage von »nd« zur Situation am Frankfurter Tor nicht reagiert. Die Berliner Polizei stellt eine Beantwortungsfrist von mehreren Tagen in Aussicht. Beide Anfragen wurden Freitagvormittag gestellt.

    #Berlin #Friedrichshain #Verkehr #Frankfurter_Allee #Petersburger_Strße #Warschauer_Straße

  • Schock auf dem Alexanderplatz: Frau auf U-Bahn-Treppe von herabfallendem Gerüstteil getroffen
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/schock-auf-dem-alexanderplatz-frau-auf-u-bahntreppe-von-herabfallen

    Die Berliner Nausubstanz ist alt gewirden. Wo Neubauten hinzukommen, gerät sie in Bewegung.

    15.4.2026 von Peter Neumann - Die BVG sperrt den nördlichen Zugang zur U2. Erst jetzt wurde bekannt, was dort passiert ist. Zwei weitere U-Bahnhöfe sind ebenfalls nur eingeschränkt nutzbar.

    Es ist ein Albtraum: Auf der Treppe eines Berliner U-Bahnhofs wird ein Mensch plötzlich von einem schweren herabfallenden Gegenstand getroffen und verletzt. Genau dies ist kürzlich in Mitte passiert. Der Unfall, der erst jetzt bekannt wurde, ist der Grund, warum an einer weiteren Station der Linie U2 ein Zugang gesperrt werden musste.

    Es geschah am Vormittag des 26. März. Nach Informationen der Berliner Zeitung war eine Frau auf der Treppe unterwegs, die den nördlichen Eingangsbereich des U2-Bahnsteigs unterm Alexanderplatz darstellt. Sie wurde durch ein herabfallendes Gerüstteil verletzt, sagte Barbara Lipka, Sprecherin des Unternehmens Covivio, auf Anfrage.

    Der in Frankreich beheimatete Investor lässt neben dem Hotel Park Inn ein rund 130 Meter hohes Hochhaus bauen. Von dieser Baustelle stammt das Metallteil, das die Frau auf der Treppe traf. Die genauen Umstände des Vorfalls seien noch nicht vollständig geklärt, hieß es weiter.

    Geheimer U-Bahn-Tunnel der BVG: Berlin bekommt Großbaustelle mitten in der Spree

    Drei Milliarden Euro für die U-Bahn: Wo Fahrgäste der BVG mit Baustellen rechnen müssen
    Landesunternehmen nennt keinen Termin mehr

    „Wir fühlen mit der verletzten Person und hoffen auf vollständige Genesung“, erklärte Lipka. „Zwischenzeitlich hat das Bauunternehmen in Abstimmung mit dem Bauamt und der BVG vorsorglich verstärkte Sicherungsmaßnahmen am Baugerüst vorgenommen. Als Bauherrin beobachten wir die weiteren Maßnahmen genau.“

    Für die U-Bahn-Fahrgäste hat der Unfall die Folge, dass der U2-Bahnsteig von dieser Seite nicht mehr zugänglich ist. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben ihn noch am 26. März gesperrt. Auf Aushängen heißt es, dass die Treppe bis zum 17. April nicht nutzbar ist. Doch inzwischen nennt das Landesunternehmen keinen Termin mehr.

    Ebenfalls eine Baustelle: Der Bahnhof Rosa-Luxemburg-Platz wurde 1913 als Schönhauser Tor eröffnet. Ab 1934 hieß er Horst-Wessel-Platz, 1945 wieder Schönhauser Tor. Ab 1950 lautete der Name Luxemburgplatz, 1978 wurde er mit dem Vornamen Rosa ergänzt.

    Ebenfalls eine Baustelle: Der Bahnhof Rosa-Luxemburg-Platz wurde 1913 als Schönhauser Tor eröffnet. Ab 1934 hieß er Horst-Wessel-Platz, 1945 wieder Schönhauser Tor. Ab 1950 lautete der Name Luxemburgplatz, 1978 wurde er mit dem Vornamen Rosa ergänzt.Peter Neumann/Berliner Zeitung

    „Die BVG hat nach dem unvorhersehbaren Vorfall umgehend reagiert. Oberste Priorität hat die Sicherheit aller Fahrgäste“, sagte ein Sprecher. Bis zu einer endgültigen Absicherung der benachbarten Baustelle bleibt der Zugang in Richtung Park Inn deshalb vorsorglich geschlossen. Wir gehen davon aus, dass es in Kürze eine geeignete Absicherung geben wird und wir den Ausgang in einigen Wochen wieder öffnen können.“

    Berlin wartet weiter: Warum die U6 wohl erst 2027 wieder nach Tegel fährt
    Kein Halt in Richtung Ruhleben

    Mit dem U-Bahnhof Alexanderplatz ist nun die dritte U2-Station in einer Reihe von Einschränkungen betroffen. Der nächste U-Bahnhof ist Rosa-Luxemburg-Platz. Dort wurde Mitte März der Südzugang gesperrt. Außerdem halten die U-Bahnen derzeit nur noch in Richtung Pankow. Die Züge stadteinwärts fahren ohne Halt durch.

    Eine Wand teilt den Bahnsteig. „Der U-Bahnhof Rosa-Luxemburg-Platz wird derzeit umfassend erneuert und barrierefrei ausgebaut“, teilte die BVG mit. „Unter anderem werden die Bahnsteigkanten angepasst und ein Blindenleitsystem eingebaut. Aus diesem Grund können die Züge bis zum 31. Juli in Richtung Ruhleben nicht halten.“

    Fahrerlose U-Bahnen: Warum es sie bei der BVG in Berlin wohl niemals geben wird
    Arbeiten sollten ursprünglich 2024 enden

    Am folgenden Bahnhof Senefelderplatz ist die andere Richtung betroffen. U-Bahnen in Richtung Pankow passieren die Station in Prenzlauer Berg ohne Stopp. Diese unterirdische Anlage ist schon deutlich länger eine Baustelle: bereits seit dem 20. März 2023.

    Dort werden Risse repariert, Putz- und Malerarbeiten ausgeführt, die Hintergleiswände mit neuen Fliesen verkleidet sowie die Bahnsteigbeleuchtung erneuert. Zum Arbeitspensum gehört auch die Sanierung des U-Bahn-Tunnels von außen. Dabei geht es vor allem um die Außendichtung, die dafür sorgt, dass das Bauwerk gegen Nässe geschützt ist. „Im aktuellen Bauabschnitt findet eine Betonsanierung der Gleishinterwand und der Bahnsteigdecke statt“, erklärt die BVG.

    Ursprünglich sollten die Arbeiten bereits 2024 enden, doch es gab immer neue Verzögerungen. Momentan ist auf der BVG-Website noch davon die Rede, dass die Baustelle zum 13. März 2027 abgebaut wird. Mittlerweile nennt das Unternehmen aber auch hier auf Nachfrage keinen Termin mehr. Damit ist ungewiss, wann die Fahrgäste den U-Bahnhof Senefelderplatz wieder in beiden Richtungen nutzen können.

    Kiez im Ausnahmezustand: Senefelderplatz wird zum Dauerkrater
    Plötzlich drang Grundwasser ein

    Der Abschnitt der U2, an der die drei Stationen liegen, ist mittlerweile fast 113 Jahre alt. Die Centrumslinie wurde ab 1910 gebaut und am 1. Juli 1913 in Betrieb genommen. Mittlerweile zeigt sich überall Sanierungsbedarf – und auch hier ist die Chance, dass die Planer böse Überraschungen erleben, höher als anderswo.

    Das zeigt sich vor allem im U-Bahnhof Senefelderplatz. Dort erwiesen sich die Betonschäden, die zu sanieren waren, als großflächiger als gedacht. Die Folge war, dass Unterlagen überarbeitet werden mussten und sich das Auftragsvolumen vergrößerte. Weil die Baufirma aber dem Vernehmen nach eine Nachforderung stellte, die aus Sicht der BVG zu üppig war, musste der Auftrag zum Teil neu ausgeschrieben werden.

    Folge war ein Teilstillstand auf der Baustelle – was auch deshalb misslich war, weil die Arbeiten nicht nur die Fahrgäste, sondern auch die Nutzer der Schönhauser Allee betreffen. Wegen der Abdichtungsanlage mussten Bereiche des Straßenraums gesperrt werden. Für Kraft- und Radfahrer sowie Fußgänger steht weniger Platz zur Verfügung. Das Viertel leidet unter den Einschränkungen.

    Bauarbeiten im U2-Bahnhof Alexanderplatz 2023. Weil das Gleis absackte, musste das Tunnelbauwerk stabilisiert und das Gleis neu gebaut werden.

    Bauarbeiten im U2-Bahnhof Alexanderplatz 2023. Weil das Gleis absackte, musste das Tunnelbauwerk stabilisiert und das Gleis neu gebaut werden.Peter Neumann/Berliner Zeitung

    Eine böse Überraschung erlebte die BVG auch im Bahnhof der U2 unterm Alexanderplatz – und wieder ging es um die Covivio-Baustelle.

    Auf dem Baufeld D3 dellte sich die Baugrubenwand 2022 um über fünf Zentimeter nach innen ein. Der Boden gab nach, und der Tunnel geriet in Bewegung, was das 1913 fertiggestellte Bauwerk aus unbewehrtem Beton unter Stress setzte. Risse taten sich auf, Grundwasser drang ein. Der U2-Bahnhof sackte ab, zuletzt summierte sich die Setzung auf 3,8 Zentimeter. Am 7. Oktober 2022 wurde das Gleis nach Pankow gesperrt.

    Mit eingeleiteter Zementsuspension wurde das Tunnelbauwerk, das zwischen 80 Zentimeter und 2,50 Meter von der 17 Meter tiefen Baugrube entfernt ist, im darauffolgenden Jahr stabilisiert. Nach der zehn Millionen Euro teuren Anhebung konnte die Sperrung der Trasse, auf der ein Gleisabschnitt abgesackt war, aufgehoben werden. Seit dem 28. August 2023 ist dieser Bahnhof der U2 wieder zweigleisig befahrbar.

    #Berlin #Mitte #Alexanderplatz #Senefelderplatz #Rosa_Luxemburg_Platz #U-Bahn #Verkehr #Stadtentwicklung

  • Elsenbrücke entlastet Berlin: Doch an einer Stelle wird der Stau schlimmer
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/neuer-stau-trotz-entlastungen-das-ist-die-bilanz-fuer-die-elsenbrue

    Wer Straßen sät wid Verkehr ernten.

    15.4.2026 von Peter Neumann - Die Spreequerung zwischen Friedrichshain und Treptow hat für Autos jetzt die doppelte Kapazität. TomTom analysiert, wer profitiert und wer nicht.

    Erst die gute Nachricht: Viele Kraftfahrer profitieren davon, dass die Kapazität der Elsenbrücke verdoppelt wurde. Das zeigt eine umfangreiche Auswertung, die der Karten- und Verkehrsdatenanbieter TomTom für die Berliner Zeitung erstellt hat. Doch es gibt auch eine schlechte Nachricht: Für andere Autonutzer läuft es jetzt viel schlechter.

    „Die Öffnung der zweiten Fahrstreifen auf der Elsenbrücke hat den Verkehrsfluss auf wichtigen Zufahrtsstrecken spürbar verbessert – vor allem im Berufsverkehr“, sagt Tobias Kuderna, der für TomTom spricht. „Gleichzeitig zeigt die Analyse, dass die Entlastung nicht in alle Richtungen gleich wirkt: Während einige Relationen klar profitieren, verschlechtert sich der Verkehr in mindestens einer Richtung deutlich.“

    Mit der TomTom-Studie gibt es jetzt erstmals aktuelle Zahlen, wie sich eine weitreichende Änderung im Hauptstadt-Verkehr ausgewirkt hat.

    Autofahrer profitieren vor allem auf drei Straßen

    Nachdem vor rund viereinhalb Wochen die erste Hälfte der neuen Elsenbrücke fertiggestellt wurde, konnte die Leistungsfähigkeit der wichtigen Spreequerung zwischen Treptow und Friedrichshain erhöht werden. Seit dem 14. März gibt es sowohl stadteinwärts als auch stadtauswärts statt einem nun zwei Fahrstreifen pro Richtung.

    Auf Bitte der Berliner Zeitung hin haben die TomTom-Experten analysiert, wie sich der Verkehrsfluss seitdem entwickelt hat. Im Zentrum steht ein Vorher-Nachher-Vergleich. Dabei wurden Daten für die Werktage vom 2. bis zum 13. März sowie vom 16. bis 27. März 2026 gegenübergestellt. Es ist ein Schlaglicht auf die Situation vor Ort.

    Foto
    So sah es im September 2025 in der Elsenstraße vor der Elsenbrücke aus. Auch ein BVG-Bus steht im Stau. Danach wurde die Busspur in der Elsenstraße verlängert.Peter Neumann/Berliner Zeitung

    Tobias Kuderna hat die Ergebnisse zusammengestellt.

    Wer profitiert besonders von der Kapazitätsverdoppelung? „Die zweite Spur hat den Verkehr auf mehreren Zufahrten zur Elsenbrücke deutlich verbessert“, so die Bilanz. Am klarsten sei der Effekt in Treptow auf der Elsenstraße sowie in Friedrichshain auf der Stralauer Allee und dem Markgrafendamm. Auf allen drei Zufahrten zur Elsenbrücke sinken die Fahrzeiten teils massiv, während die Geschwindigkeit deutlich steigt.

    Verbesserungen am größten? „Sie zeigen sich vor allem dann, wenn sie verkehrlich wirklich zählen: im Berufsverkehr“, fasst Kuderna zusammen. „Besonders stark sind die Effekte morgens zwischen 7 und 10 Uhr sowie nachmittags zwischen 15 und 18 Uhr.“ Genau in diesen Stunden waren die bisherigen Engpässe am wirksamsten.

    Wo gibt es die größten Verbesserungen? Auf der Elsenstraße stadteinwärts zwischen Am Treptower Park und der Elsenbrücke. Die Bilanz für den Morgenverkehr zwischen 6 und 10 Uhr: Brauchten die Autofahrer für diesen Abschnitt vorher im Schnitt 205,8 Sekunden, sind es nachher nur noch 66,5 Sekunden – ein Rückgang um fast 68 Prozent. Die durchschnittliche Geschwindigkeit steigt von acht auf 20,7 Kilometer pro Stunde. Zwischen 15 und 19 Uhr sinkt die Fahrzeit von 362,8 auf 81,8 Sekunden – ein Rückgang um 77,5 Prozent. Das Durchschnittstempo steigt von 4,6 auf 15,9 Kilometer pro Stunde.

    Wie sieht es stadtauswärts aus? Auch in der Stralauer Allee von der Modersohnstraße zur Elsenbrücke gebe es eine große Verbesserung. Morgens sinkt die Median-Fahrtzeit um 53 Prozent um 90,8 Sekunden, im Abendverkehr um fast 40 Prozent auf 80 Sekunden. Am Morgen steigt die durchschnittliche Geschwindigkeit von 9,6 auf 19,5 Kilometer in der Stunde. Am Nachmittag und frühen Abend beobachten die Experten einen Anstieg von 7,6 auf 12,2 Kilometer pro Stunde.

    Wo kommen Autos nun ebenfalls schneller voran? Auch auf weiteren Routen zur Spreequerung rollt der Autoverkehr besser. Für den Markgrafendamm von der Hauptstraße in Richtung Elsenbrücke zeigen die Daten zum „Harmonic Average Speed“ ebenfalls einen Anstieg: im Morgenverkehr von 6,4 auf 11,4 Kilometer pro Stunde. Für die Gegenrichtung ist kein klarer Effekt belegbar. In der Puschkinallee von der Bulgarischen Straße in Richtung Elsenbrücke geht es zwischen 15 und 19 Uhr schneller voran: 37,7 statt 25,1 Kilometer pro Stunde.

    Welche weiteren Effekte gibt es? „Es geht nicht nur um Tempo, sondern auch um Verlässlichkeit“, sagt Tobias Kuderna. Auf den genannten und anderen Strecken werden Fahrten nach der Öffnung der zweiten Spur nicht nur kürzer, sondern auch planbarer, so die TomTom-Experten. Besonders extreme Stauphasen nehmen deutlich ab. Das spricht dafür, dass der frühere Flaschenhals tatsächlich entschärft wurde.

    Wo gibt es seit der Kapazitätsverdopplung mehr Stau? Stadtauswärts auf der Treptower Seite, berichtet Tobias Kuderna. „Auf der Elsenstraße von der Elsenbrücke in Richtung Am Treptower Park verschlechtert sich der Verkehrsfluss deutlich. Dort steigen die Fahrzeiten, die Geschwindigkeiten sinken, und auch die Verlässlichkeit nimmt ab.“

    Das sind die Daten für diesen Abschnitt: Im Morgenverkehr steigt die durchschnittliche Fahrzeit um 70,2 auf 149,3 Sekunden, fast eine Verdoppelung, am Nachmittag und frühen Abend um 75,5 auf 172,5 Sekunden. Morgens sinkt das Durchschnittstempo von 15,5 auf 9,7 Kilometer pro Stunde, am Nachmittag und frühen Abend sogar von 13,4 auf 8,6 Kilometer pro Stunde. Das sei ein „sehr klarer Hinweis auf eine Verschlechterung“, fasst Kuderna in seiner Analyse zusammen.

    Foto
    Stau auf der neuen Autobahn von Neukölln nach Treptow: In Richtung Am Treptower Park ist die A100 stark störanfällig, analysiert der Karten- und Verkehrsdatenanbieter TomTom.Silke Sullivan/dpa

    Wer öfter mal vor Ort in Treptow ist oder im Internet die Lagekarte der Verkehrsinformationszentrale Berlin nutzt, der stellt fest: Die Ampel an der Einmündung der Martin-Hoffmann-Straße scheint eine neue Staustelle zu sein. Der dort auflaufende Stau in der Elsenstraße reicht nicht selten weit auf die neue Elsenbrücke zurück. Immer wieder stockt stadtauswärts der Autoverkehr. Dann erscheint der Bereich auf der Lagekarte gelb (Verkehrsbehinderungen) oder sogar rot (Stau).

    Senat will Schaltung der Stauampel nicht verändern

    Am Mittwoch äußerte sich die Senatsverkehrsverwaltung. „Der Verkehr fließt seit Einrichtung der 2+2-Verkehrsführung grundsätzlich in allen Richtungen besser“, stellte Sprecherin Petra Nelken fest. „Gleichwohl kommt es auch nach der Umstellung insbesondere in den nachmittäglichen Verkehrsspitzenstunden infolge des insgesamt gestiegenen Verkehrsaufkommens zu vermehrt stockendem Verkehr.“

    Bei Verkehrssenatorin Ute Bonde hofft man, dass sich der Verkehr weiter einspielen wird. „Aktuell wird die Verkehrsführung weiterhin für eine belastbare Grundlage beobachtet und ausgewertet“, so Nelken.

    Was passiert am Knotenpunkt Elsen-/ Martin-Hoffmann-Straße? Derzeit wird dort der Mittelstreifen wiederhergestellt. Der Fahrstreifen, der deshalb gesperrt ist, kann Ende April wieder freigegeben werden. Das vergrößert den Stauraum, so dass künftig mehr Fahrzeuge aus Richtung Markgrafendamm den Knotenpunkt passieren können.

    An der Ampelanlage Ecke Martin-Hoffmann-Straße wird sich dagegen nichts ändern. Dort queren viele Fußgänger die Elsenstraße – meist sind sie vom und zum S-Bahnhof Treptower Park unterwegs, so Nelken. Bei nahezu jedem Umlauf fordern sie per Knopfdruck grünes Licht an. Das unterbricht zwar jedes Mal den Autoverkehr, doch die Steuerung soll nicht angepasst werden. Das wäre mit „erheblichen Nachteilen für die Sicherheit und Leistungsfähigkeit des Fußverkehrs verbunden“.

    Der Bereich zwischen der Elsenbrücke und dem Ende der A100 war seit dem Sommer immer wieder Schauplatz langer Staus. Die Freigabe der neuen Autobahn von Neukölln nach Treptow Ende August 2025 hat das Stauproblem, das aus der reduzierten Kapazität der Spreequerung mit damals nur einem Fahrstreifen pro Richtung resultierte, verschärft. Die Verwaltung versuchte, mit mehreren Maßnahmen gegenzusteuern.

    TomTom hat ebenfalls analysiert, wie sich die Verkehrslage auf dem neuen Autobahnabschnitt vom vergangenen September bis März 2026 entwickelt hat. In Richtung Treptow sei der Verkehr im Vergleich zur Gegenrichtung „deutlich störanfälliger und über die Monate hinweg volatil“. Im September dauerte eine Fahrt von Sonnenallee bis Am Treptower Park bis zu zwölfeinhalb Minuten, das Durchschnittstempo sank auf 9,1 Kilometer. Im Herbst und Winter habe sich die Lage etwas beruhigt, im März wieder verschärft.

    Foto
    Erzwungener Umweg: Für Fußgänger hat sich die Situation auf der Kreuzung nördlich der Elsenbrücke in Friedrichshain verschlechtert, so Aktionsbündnis „A100 stoppen“.Aktionsbündnis A100 stoppen

    Wie berichtet führten die Staus zwischen dem Autobahnende und der Elsenbrücke dazu, dass die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ihren Busverkehr unterbrechen oder Busse umleiten mussten. Betroffen waren vor allem die Fahrgäste der Linien 194 und M43.

    Nach der Kapazitätsverdopplung zieht das Landesunternehmen nun ein erstes, positives Fazit. „Die Situation im Bereich Elsenbrücke hat sich entspannt, einige Anpassungen werden aber derzeit noch abgestimmt. Zurückziehungen von Buslinien sind mit der neuen Verkehrssituation nicht mehr nötig. In Richtung Norden fließt der Verkehr flüssig“, teilt ein BVG-Sprecher auf Anfrage der Berliner Zeitung mit.

    BVG plant stadtauswärts längere Fahrzeiten ein

    Auch die BVG hat die Elsenstraße stadtauswärts als Problembereich identifiziert. „In Richtung Süden kommt es noch zu Staus, weil Bauampeln und reguläre Lichtsignalanlagen noch nicht optimal aufeinander abgestimmt sind“, so der Sprecher.

    Die BVG-Fachleute tauschen sich mit der Senatsverkehrsverwaltung aus, hieß es. „Bis das angepasst ist, planen wir in Fahrtrichtung Süden etwas mehr Fahrzeit ein, um die Verlässlichkeit für die Fahrgäste zu erhöhen. Außerhalb der Stoßzeiten läuft der Verkehr aus unserer Sicht gut“, fasst das Verkehrsunternehmen zusammen.

    Das Aktionsbündnis „A100 stoppen“ zieht eine negative Bilanz. „Die Hoffnung auf eine spürbare Verkehrsentlastung hat sich nicht erfüllt. Stattdessen zeigt sich ein vertrautes Bild: Stop-and-Go, Stau und eine dramatisch verschlechterte Situation für Fußgänger“, heißt es.

    Jeden Morgen Chaos auf den Straßen: Wir sind das Problem – nicht nur die Politiker!
    Studie zur A100 nach Lichtenberg soll Mitte 2026 vorliegen

    Während der Autoverkehr priorisiert wird, müssten Fußgänger Nachteile hinnehmen: „Die direkte Querung an der Kreuzung Stralauer Allee/Elsenbrücke/Alt-Stralau wurde gesperrt. Statt einer Ampelphase sind nun drei separate Ampeln nötig – eine Schikane, die das Bündnis als bewusste Benachteiligung der schwächsten Verkehrsteilnehmer bezeichnet. Die Wege werden länger, die Sicherheit sinkt.“

    Das Bündnis kritisiert die Verkehrspolitik des Senats als rückwärtsgewandt und fordert einen sofortigen Stopp des Autobahnausbaus. Doch der Bund setzt die Vorbereitungen für den geplanten 17. Bauabschnitt der A100 fort. Er soll zum Teil in einem Tunnel nach Friedrichshain und Lichtenberg führen. Die Autobahn GmbH arbeitet an einer Machbarkeitsuntersuchung, bei der es auch um die Spreequerung geht. Die Studie soll Mitte 2026 vorliegen.

    #Berlin #Treptow #Elsenbrücke #Verkehr

  • Zu teuer zum Wohnen, zu teuer zum Fahren: Berlins Pendler-Kollaps
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/zu-teuer-zum-wohnen-zu-teuer-zum-fahren-berlins-pendler-kollaps-li.

    15.4.2026 von Oliver Weinlein - Rekordmieten in der Hauptstadt treiben Tausende nach Brandenburg. Doch bei historischen Spritpreisen und vollen Bahnen wird der Arbeitsweg zur Belastungsprobe.

    Jeden Morgen strömen fast 300.000 Menschen aus Brandenburg in die Hauptstadt. Sie pflegen die Alten, bauen die Wohnungen, unterrichten die Kinder. Mitbestimmen dürfen sie nicht. In Zeiten von historischen Spritpreisen und einem chronisch überlasteten Nahverkehr sind sie es, die das Nachsehen haben.

    Berlin ist eine Einpendelstadt. 477.448 Menschen pendeln täglich in die Hauptstadt ein – mehr als nach Frankfurt am Main oder Hamburg, weniger nur als nach München. Den größten Anteil daran trägt das direkte Nachbarland: 290.435 Menschen pendeln aus Brandenburg nach Berlin zur Arbeit. Sie kommen aus Oranienburg und Bernau, aus Königs Wusterhausen und Strausberg, aus Cottbus und Frankfurt an der Oder. Was sie eint: Sie gestalten Berlin, aber in der gegenwärtigen Infrastrukturkrise zahlen sie den höchsten Preis.

    Eine Metropole, die von außen am Laufen gehalten wird

    Von den knapp zwei Millionen Berliner Berufstätigen arbeiten 86,4 Prozent innerhalb der Stadtgrenzen. Die übrigen 13,6 Prozent pendeln selbst aus Berlin heraus. Doch die Richtung, die strukturell den Takt angibt, ist die entgegengesetzte: Fast 300.000 Menschen kommen täglich in die Stadt, halten Berlins Pflegeheime, Baustellen, Schulen und Büros am Laufen – und fahren abends wieder. Der stetige Zuwachs an Einpendlern verdeutlicht, dass die Abhängigkeit der Metropole von ihrem Umland wächst. Ohne diese Arbeitskräfte würde die Hauptstadt schlichtweg kollabieren.

    Verdrängt durch die Miete, bestraft an der Zapfsäule

    Der Entschluss, außerhalb Berlins zu wohnen, ist für die meisten längst keine Lifestyle-Entscheidung mehr, sondern ökonomische Notwendigkeit. Die durchschnittliche Kaltmiete in Berlin erreichte im ersten Quartal 2026 den Wert von 13,11 Euro pro Quadratmeter. In Lagen wie Friedrichshain-Kreuzberg oder Mitte werden im Schnitt 15,50 bis deutlich über 16 Euro fällig. Wer eine Familie ernährt, rechnet – und zieht nach Brandenburg.

    Doch wer ins Umland zieht, tauscht den Mietwahnsinn aktuell gegen die erdrückenden Kosten der Mobilität. Pendler, die aufgrund von Schichtdiensten oder mangelnden Alternativen auf das Auto angewiesen sind, erleben an den Tankstellen eine beispiellose finanzielle Belastung. Im April 2026 kletterten die Spritpreise in Deutschland auf neue historische Höchststände. Nach Erhebungen des ADAC lag der bundesweite Tagesdurchschnitt für einen Liter Diesel zuletzt bei rund 2,44 Euro, in der Spitze sogar darüber – ein trauriges Allzeithoch. Auch Super E10 nähert sich mit Werten zwischen 2,15 und 2,22 Euro rasant den Rekordmarken. Die finanzielle Entlastung durch die günstigere Brandenburger Miete schmilzt mit jedem Kilometer auf der A10 oder der B96 dahin. Der Weg zur Arbeit ist zur Kostenfalle geworden, in der die Pendler unweigerlich das Nachsehen haben.

    Gefangen im chronisch überfüllten Nahverkehr

    Wer das Auto aus Kostengründen stehen lässt, entkommt zwar der Zapfsäule, landet jedoch direkt im nächsten Engpass. S-Bahn und Regionalexpress sind die Lebensadern der Hauptstadtregion, doch sie arbeiten am Limit. Wer auf den Nahverkehr umsteigt, kämpft täglich mit der eklatanten Überfüllung zu den Stoßzeiten, knappen Taktungen und regelmäßigen Ausfällen. Alternde Fahrzeuge und massiver Personalmangel machen den Weg zur Arbeit zu einem nervenaufreibenden Geduldsspiel. Die strukturellen Schwächen des Netzes treffen diejenigen am härtesten, die sich den Luxus eines Innenstadt-Wohnsitzes nicht mehr leisten können und schlicht auf funktionierende Bahnen angewiesen sind.

    Kein Mitspracherecht

    Wer täglich Stunden im Berliner Verkehr verbringt, Berliner Infrastruktur nutzt und Berliner Betriebe mitträgt, hat keinerlei Mitspracherecht bei den politischen Entscheidungen, die diesen Alltag regeln. Das Wahlrecht richtet sich stur nach dem Wohnort. Wenn über den Ausbau der Regionalbahnstrecken, die Taktung der S-Bahn, teurere Parkraumbewirtschaftung oder Tarifverträge im öffentlichen Dienst verhandelt wird, betrifft das die Pendler existenziell.

    Abstimmen können sie nicht. Das politische Zuständigkeitsproblem – Berlin plant für Berliner, Brandenburg für Brandenburger – führt dazu, dass diese Lebensrealitäten schlichtweg durch das Raster fallen.

    Statistiken erfassen Pendler als bloße Bewegungsgröße – als Einheiten, die morgens in die Stadt hinein- und abends wieder herausströmen. Was keine Zahl abbildet: den Zeitverlust, die chronische Erschöpfung und die zermürbende Logistik, wenn der Zug mal wieder Verspätung hat, der Sprit unbezahlbar ist und die Kita im Heimatort pünktlich schließt.

    Fast 300.000 Menschen aus Brandenburg machen Berlin jeden Tag möglich. In der aktuellen Lage, zerrieben zwischen Rekordmieten, explodierenden Spritpreisen und einem überlasteten Nahverkehr, zahlen sie dafür einen enorm hohen Preis.

    Quellen: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Pendlerrechnung/Erwerbstätigkeit (Datenstand 2025/2026); ImmoScout24, Mietspiegel Berlin Q1 2026; ADAC, Kraftstoffpreise April 2026

    #Berlin #Stadtentwicklung #Wirtschaft #Wohnen #Verkehr #Mieten #Inflation

  • 230 Tage Stillstand: Warum in Berlin immer häufiger Rolltreppen ausfallen
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/230-tage-stillstand-warum-in-berlin-immer-haeufiger-rolltreppen-aus

    Keine OK am Werk, keine komplizierte Gesetzeslage, was für ein schönes Thema. Rolltrepoen „braucht“ jeder.

    11.4.2026 von Peter Neumann - Neue Daten zeigen, dass die Zahl der Ausfalltage sich bei der Bahn in Berlin in den vergangenen fünf Jahren fast verdoppelt hat. Bei der BVG ging sie dagegen zurück.

    Treppen steigen statt gemütlich fahren: Als die Bahn Mitte Februar fast alle Rolltreppen im Hauptbahnhof abschalten musste, war das für viele Fahrgäste eine Katastrophe. Inzwischen sind von den 52 Anlagen bis auf ein halbes Dutzend alle wieder in Betrieb. Doch die überraschenden Stilllegungen warfen ein Schlaglicht darauf, dass hier unbemerkt ein Problembereich entstanden ist. Jetzt gibt es dazu neue offizielle Daten.

    Danach haben sich die Ausfallzeiten auf Berliner Bahnhöfen mit S-Bahnverkehr fast verdoppelt. Standen die Fahrtreppen - so die offizielle Bezeichnung - 2021 insgesamt 2212 Tage still, waren es im vergangenen Jahr insgesamt 4110 Tage. Das geht aus der Antwort des Senats auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Kristian Ronneburg hervor.

    Die mittlere Ausfalldauer pro Fahrtreppe und Jahr stieg von 8,5 auf 14,8 Tage, teilte Verkehrs-Staatssekretär Arne Herz (CDU) unter Bezug auf Angaben der Deutschen Bahn mit. Die Verfügbarkeit ging von 97,1 auf 93,9 Prozent zurück, berichtete der Senatspolitiker.

    Split im Getriebe: Im Winter legt Streugut Anlagen lahm

    Während der Jahre 2021 bis 2025 traten die meisten Störungen im Hauptbahnhof sowie in den Bahnhöfen Potsdamer Platz, Südkreuz, Ostkreuz, Berlin Friedrichstraße auf. Wenig überraschend, denn dort sind viele Reisende unterwegs. Laut Bahn wird allein der Hauptbahnhof in Berlin täglich im Schnitt von rund 329.000 Menschen frequentiert.

    Es gibt auch einen Negativ-Rekord für Berlin: „Die maximale Ausfallzeit einer Fahrtreppe zwischen 2021 und 2025 betrug 230 Tage“, heißt es. „Der betroffene Bahnsteig ist jedoch mit zwei Fahrtreppen ausgestattet, es gab also keine Einschränkungen für Reisende.“

    Foto
    Schock im Februar: Aus Sicherheitsgründen musste die Bahn 42 der 52 Fahrtreppen im Berliner Hauptbahnhof ausschalten. Auch in anderen Stationen standen Anlagen still.Jörg Carstensen/Funke Foto Services/imago

    Es seien immer mehr Fahrgäste unterwegs, das belaste die Technik, erklärte die Bahn. Meist gingen die Ausfälle auf Externe zurück. Anders formuliert: Sie werden fahrlässig oder vorsätzlich verursacht.

    Vandalismus, unsachgemäße Behandlung und Fremdkörper waren in Berlin an 20.129 Störungen schuld, heißt es in der parlamentarischen Drucksache dazu. Im Winter legte vor allem „DB-fremdes Streugut“ Fahrtreppen lahm - 16.984 Fälle wurden gezählt. Intern ist zu erfahren, dass das Ostkreuz zu den besonders betroffenen Stationen gehört.

    Foto
    Wichtiger Knotenpunkt mit steigenden Fahrgastzahlen: Der Bahnhof Ostkreuz gehört zu den Stationen, in denen besonders häufig Fahrtreppen ausfallen.Benjamin Pritzkuleit

    Wenn Rolltreppen für längere Zeit ausfallen, liegt das oft daran, dass Ersatzteile lange Lieferzeiten haben, so die Bahn weiter. So gelten für Getriebekomponenten, wie sie am Hauptbahnhof benötigt wurden, in der Regel mehrmonatige Bestellfristen. „Die Teile müssen weltweit geordert und nach Berlin gebracht werden“, so ein Bahnsprecher.

    „Dies betrifft besonders ältere, bisher eher störungsunauffällige Anlagen“, steht in der Antwort auf die Anfrage des Abgeordneten Ronneburg. Damit rückt ein weiteres Thema ins Blickfeld: die Alterung. Die Anlagen, die im Hauptbahnhof und am Südkreuz ausfielen, wurden nach Angaben des Herstellers Kone zwischen 2002 und 2006 geliefert. Die DB geht davon aus, dass einige komplett getauscht werden müssen.

    Die Bahn betreibt in Berlin an 41 Stationen insgesamt 262 Fahrtreppen. Noch mehr sind es bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG): Das Landesunternehmen verfügt über 399 Fahrtreppen an 99 Bahnhöfen.

    Diese U-Bahnhöfe waren bei der BVG besonders betroffen

    Bei der BVG hat sich die Situation allerdings in den vergangenen Jahren verbessert, geht aus der parlamentarischen Drucksache hervor.

    Summierte sich die Ausfalldauer 2021 noch auf 3485 Tage, so waren es im vergangenen Jahr noch 2546. Die mittlere Ausfalldauer pro Jahr und Fahrtreppe sank von neun auf sieben Tage. Die durchschnittliche Verfügbarkeit stieg von 97,21 auf 97,94 Prozent. Damit erfüllt das Unternehmen die Vorgabe. Der aktuelle Verkehrsvertrag fordert mindestens 97 Prozent. Anders als bei der Bahn hätten die meisten Störungen technische Ursachen, zum Beispiel Antriebsdefekte, hieß es.

    „Durch eine interne Anpassung des Entstörungsprozesses im Jahr 2024, insbesondere durch schnellere Abläufe zwischen Störungsmeldung und Reparatur, konnten Ausfallzeiten reduziert und die Verfügbarkeit der Anlagen spürbar verbessert werden“, erklärte die BVG. Um eine Überalterung zu vermeiden, werden kontinuierlich Anlagen erneuern.

    Foto
    Eine Fahrtreppe im U-Bahnhof Rotes Rathaus in Mitte. Auch die Station an der Linie U5 war von einer längeren Störung betroffen, berichtet die BVG.Benjamin Pritzkuleit

    Doch auch die BVG meldet einen Negativrekord: „Im Zeitraum von 2021 bis 2025 betrug die maximale Ausfallzeit einer Fahrtreppe rund 2.200 Stunden.“ Solch lange Ausfallzeiträume traten insbesondere bei schwerwiegenden technischen Defekten auf. Die längsten Stillstandszeiten gab es in den U-Bahnhöfen Lipschitzallee, Friedrich-Wilhelm-Platz, Rotes Rathaus sowie Franz-Neumann-Platz.

    „Aus den vorliegenden Zahlen und Stellungnahmen kann man zu dem Schluss kommen, dass die Verfügbarkeit von Fahrtreppen insgesamt ein größeres Problem bei der Bahn als bei der BVG zu sein scheint“, stellt Kristian Ronneburg fest.

    Linken-Politiker Ronneburg fordert neue Strategie

    Lange Ausfallzeiten wegen schwer verfügbarer Ersatzteile treten bei beiden Unternehmen auf, so der Linken-Politiker. Für dieses Probleme gebe es sicher „keine Wunderlösung, aber eine Kombination aus technischen, organisatorischen und strategischen Maßnahmen sollte die Situation deutlich verbessern.“

    Nötig sei mehr Standardisierung, strategisches Ersatzteilmanagement, langfristige Lieferverträge und eine stärkere Herstellerbindung – was allerdings andere Vereinbarungen erfordern und damit auch höhere Kosten mit sich bringen kann, kommentieren Experten.

    Viele Fahrtreppen haben herstellerspezifische Teile, so Ronneburg weiter. Seine Empfehlung lautet: BVG und Bahn sollten auf standardisierte Komponenten und modulare Aufbauten umstellen – und zentral Mindestbestände für diese Bauteile anzulegen.

    #Berlin #Verkehr #S-Bahn #U-Bahn #Politik

  • „Berlin autofrei“ – so positionieren sich Berlins Parteien zum Volksbegehren
    https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/berlin-autofrei-chance-der-parteien-sich-zur-mobilitaetsfreiheit-zu

    12.3.2026 von Harald Melzer - Bis zu zwölf Autofahrten pro Jahr, mehr sollen im Zentrum künftig nicht erlaubt sein. Der Plan sorgt für scharfe Kritik, aber auch vorsichtige Zustimmung.

    Seit einigen Wochen sind sie an vielen Straßenlaternen zu sehen: Plakate, mit denen die Initiative „Berlin autofrei“ für ihr Volksbegehren wirbt. Seit Januar sammelt sie Unterschriften für einen Gesetzentwurf, der den privaten Autoverkehr innerhalb des S-Bahn-Rings drastisch reduzieren soll. Mit Beginn der Sammelphase bringen sich nun auch die Parteien in Stellung.

    Auf eine Anfrage der Berliner Zeitung haben CDU, SPD, Grünen, AfD, FDP und Linke ihre Positionen zum Volksbegehren erläutert. Die Antworten zeigen: Während einige Parteien die Ziele zumindest teilweise teilen, lehnen andere den Ansatz grundsätzlich ab.

    „Berlin ist die Stadt der Freiheit“

    Besonders deutlich fällt die Ablehnung bei der CDU aus. Die Partei verweist auf einen Beschluss ihres Landesverbands, in dem das Volksbegehren als „radikales linksgrünes Verbotsprojekt“ bezeichnet wird. Der Gesetzentwurf sieht vor, den größten Teil der Straßen innerhalb der Umweltzone – also im Bereich des S-Bahn-Rings – zu sogenannten autoreduzierten Straßen umzuwidmen. Dort soll der reguläre Verkehr künftig vor allem Fußgängern, Radfahrern und dem öffentlichen Nahverkehr vorbehalten sein. Private Autofahrten wären nach einer Übergangsfrist nur noch mit Genehmigung möglich.

    Die CDU kritisiert vor allem die geplante Begrenzung privater Fahrten auf wenige Tage im Jahr. Das sei realitätsfern und treffe besonders Familien, ältere Menschen, Handwerker und Pendler. „Berlin ist die Stadt der Freiheit“, argumentiert die Partei – und dazu gehöre auch die Freiheit, das Verkehrsmittel selbst zu wählen.

    Auch die SPD zeigt sich skeptisch. Der designierte Landesvorsitzende und Spitzenkandidat Steffen Krach bringt die Haltung der Partei in einem Satz auf den Punkt: „Wir arbeiten für ein Berlin, in dem die Menschen verlässlich durch Tag und Nacht kommen – ob zu Fuß, auf dem Sattel, in Bus und Bahn oder hinterm Steuer. Unser Thema ist ein Berlin frei von AfD, nicht frei von Autos oder Werbung.“

    Damit macht die SPD deutlich, dass sie die Verkehrswende eher über bessere Angebote im öffentlichen Nahverkehr erreichen will als über direkte Einschränkungen für Autofahrer.
    „Berlin klimafreundlicher machen“

    Offener reagieren Bündnis 90/Die Grünen. Die Landesvorsitzenden Nina Stahr und Philmon Ghirmai erklären, sie teilten das grundlegende Ziel der Initiative. „Berlin autofrei“ greife eine wichtige Frage auf: Wie kann die Stadt lebenswerter, sicherer und klimafreundlicher werden, mit weniger Durchgangsverkehr und mehr Platz für Menschen? Gleichzeitig betonen die Grünen, dass sie vor allem auf eine konsequente Verkehrswende setzen – mit einem starken öffentlichen Nahverkehr, sicheren Radwegen und besseren Bedingungen für den Fußverkehr.

    Die Partei kündigt an, einen möglichen Volksentscheid zu respektieren und politisch zu begleiten. Volksbegehren seien aus ihrer Sicht ein wichtiges Instrument direkter Demokratie.

    Die FDP lehnt das Volksbegehren klar ab und begründet das ausführlich. Landesvorsitzender Christoph Meyer spricht von „Symbolpolitik auf Kosten der Realität“. Berlin sei eine Millionenmetropole mit Handwerkern, Lieferverkehren, Familien und Pendlern aus dem Umland.

    Ein faktisches Autoverbot im S-Bahn-Ring würde nach Ansicht der Liberalen erhebliche Folgen haben: Handwerk und Dienstleister könnten behindert werden, Pendler ausgeschlossen, viele Menschen in ihrer Mobilität eingeschränkt. Zugleich warnen die Liberalen vor einem großen bürokratischen Kontrollapparat, der nötig wäre, um die Regelungen umzusetzen.

    Auch die AfD lehnt das Volksbegehren ab. Die Fraktionssprecher Rolf Wiedenhaupt und Frank-Christian Hansel kritisieren, das Projekt setze auf „Spaltung und Verbote“. Aus Sicht der Partei würde ein solcher Volksentscheid erhebliche Nachteile für viele Berliner und massive wirtschaftliche Schäden verursachen. Zugleich betont die AfD grundsätzlich ihre Unterstützung für Volksbegehren als Instrument direkter Demokratie. Sollte ein solcher Entscheid erfolgreich sein, müsse er selbstverständlich umgesetzt werden.

    „ÖPNV muss ausgebaut werden“

    Die Linkspartei konnte die Fragen der Berliner Zeitung kurzfristig nicht ausführlich beantworten und verwies auf bereits veröffentlichte Positionen. Darin betont sie, dass eine Reduzierung des Autoverkehrs nur dann sozialverträglich umgesetzt werden könne, wenn gleichzeitig der öffentliche Nahverkehr deutlich ausgebaut und beschleunigt werde.

    Das BSW wurde ebenfalls um eine Stellungnahme gebeten, reagierte jedoch bis zur Veröffentlichung dieses Artikels nicht.

    Grundlage des Volksbegehrens ist der Entwurf eines „Berliner Gesetzes für gemeinwohlorientierte Straßennutzung“. Nach einer Übergangsfrist von vier Jahren wären private Autofahrten im Bereich des S-Bahn-Rings grundsätzlich nur noch mit Erlaubnis möglich.

    Vorgesehen ist zunächst ein Kontingent von zwölf Nutzungstagen pro Jahr, das später weiter reduziert werden soll. Ausnahmen soll es unter anderem für Rettungsdienste, Müllabfuhr, Polizei, Wirtschaftsverkehr oder Menschen mit Mobilitätseinschränkungen geben. Ziel des Gesetzes ist eine deutliche Verringerung des motorisierten Individualverkehrs, um Verkehrssicherheit, Gesundheit und Lebensqualität zu verbessern.
    Verkehrspolitik im Wahljahr

    Die Debatte über „Berlin autofrei“ fällt in ein politisch offenes Wahljahr. Am 20. September 2026 wird ein neues Abgeordnetenhaus gewählt. Aktuelle Umfragen sehen die CDU derzeit vorn, während mehrere Parteien dicht beieinander liegen. Damit könnte die Verkehrspolitik zu einem der Themen werden, an denen sich der Wahlkampf entscheidet. Sicher ist jedenfalls: Mit den Plakaten auf Berlins Straßen hat eine Debatte begonnen.

    #Berlin #Verkehr #Politik #Plebiszit

  • Sie biegt sich unter dem Verkehr: Neue Gertraudenbrücke für schwere Fahrzeuge und Busse gesperrt
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/sie-biegt-sich-unter-dem-verkehr-neue-gertraudenbrucke-fur-schwere-fahr

    19.12.2025 - Nach der Mühlendammbrücke ist ein weiteres Bauwerk ganz in der Nähe in Berlin-Mitte marode. Dort müssen jetzt sogar BVG-Busse umgeleitet werden. Gebaut wird ab sofort.

    Auf der Bundesstraße 1 in Berlin-Mitte entsteht zwischen Potsdamer Platz und Alexanderplatz ein neues Nadelöhr: Wegen Schäden am Bauwerk muss die Neue Gertraudenbrücke für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen gesperrt werden, wie die Senatsverkehrsverwaltung mitteilte.

    Die Lastbeschränkung gilt demnach auch für den Busverkehr der BVG, deren Linien 200 und 248 andere Wege nehmen müssen. Für Einsatz- und Rettungsfahrzeuge soll eine Überfahrt möglich sein. Ansonsten darf die Brücke nahe dem Spittelmarkt nur noch zum Beispiel von Pkw, bestimmten Kleintransportern oder Zweirädern befahren werden.

    Bei den jüngsten Prüfungen an dem 1977 errichteten Bauwerk seien Schäden festgestellt worden, hieß es. So biege sich die Brücke stark, wenn sie von schweren Fahrzeugen befahren wird. Zudem gebe es Hinweise auf Ermüdungsrisse von Schweißnähten der Längsträger an der unteren Seite des Bauwerks.
    Mühlendammbrücke auch marode

    Anfang des neuen Jahres werden an den Problemstellen eingehende Sonderprüfungen vorgenommen, wie die Verkehrsverwaltung weiter mitteilte. Bauwerksprüfern und Statikern legen dann die weiteren Schritte fest. „Die Arbeiten werden umgehend mit sofortiger Wirkung umgesetzt“, hieß es. „Mit Verkehrsbehinderungen muss gerechnet werden.“

    Die Neue Gertraudenbrücke überführt im Zuge der Leipziger Straße, der Gertraudenstraße und des Mühlendamms den Spreekanal. Sie liegt in der Nähe der Mühlendammbrücke über die Spree, die bereits zum Teil abgerissen ist und bis 2029 neu gebaut werden soll. Auch hier staut sich praktisch täglich der Verkehr. Die Probleme an der Neue Gertraudenbrücke können die Lage auf der wichtigen Ost-West-Verbindung weiter verschärfen. (dpa)

    #Berlin #Mitte #Neue_Gertraudenbrücke #Leipziger_Straße #Gertraudenstraße #Mühlendamm #Verkehr #Architektur

  • Nach 40 Jahren ein Aufzug: Neuer Fahrstuhl im U-Bahnhof Altstadt Spandau – aber keine Rolltreppen mehr
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/spandau/nach-40-jahren-ein-aufzug-neuer-fahrstuhl-im-u-bahnhof-altstadt-spandau

    17.12.2025 von André Görke - Fast drei Jahre wurde in Berlins größter Fußgängerzone gebuddelt. Anwohner und Unternehmer waren zunehmend genervt. Jetzt ist der Eingang zum U-Bahnhof in der Altstadt Spandau endlich wieder frei – mit einem Jahr Verspätung. Und zwei kleinen Wermutstropfen.

    Der U-Bahnhof liegt wegen der benachbarten Havel besonders tief (14 Meter), weshalb der Einbau der beiden Fahrstühle so kompliziert war. Für die Fahrt in die Tiefe muss man auf einer Zwischenetage erst umsteigen.

    Foto
    Der neue Aufzug im U-Bahnhof Altstadt Spandau. © BVG/Zahn

    Zweiter kleiner Wermutstropfen: Jetzt fehlen die Rolltreppen hoch zur Breite Straße. Dabei hatte die BVG entsprechende Tagesspiegel-Informationen anfangs noch dementiert. Ab der Zwischenetage muss man die Treppen nutzen oder den Fahrstuhl-Knopf drücken. Für viele waren die Rolltreppen eine Erleichterung, aber für beides fehlte der Platz. Rolltreppen gibt es aber am zweiten Ausgang in der Carl-Schurz-Straße.

    Die Kosten des Umbaus lagen am Ende über der ersten Kalkulation von 2022: War damals noch die Rede von 4,9 Millionen Euro, sind am Ende laut BVG 6,3 Millionen Euro investiert worden. Erneuert wurden auch das Blindenleitsystem, die Bahnsteigkante sowie das Außendach in der Fußgängerzone.

    Foto
    Das 2025 restaurierte Bodenmosaik im U-Bahnhof. © André Görke

    Ebenfalls neu im U-Bahnhof: Auch das Bodenmosaik „Havelnixe“ von 1984 wurde restauriert, so die BVG. Vor zwei Jahren fehlten unter anderem Teile des Frauengesichts. Der U-Bahnhof steht seit 2017 unter Denkmalschutz.

    Foto
    Der U-Bahnhof nach dem Umbau im Dezember 2025. Das Bäumchen hat überlebt. Die Rolltreppen sind entfernt.
    © André Görke

    Der U-Bahnhof vor dem Umbau. Rechts die beiden Rolltreppenanlagen. Durch den Einbau des Fahrstuhls fehlt auf der Zwischenetage Platz für beides.
    © André Görke

    Seit dem Frühjahr 2023 wurde in der Altstadt Spandau hinter Holzwänden gebaut; U-Bahnzüge fuhren teilweise monatelang ohne Halt durch. Fahrgäste und Altstadt-Kunden mussten den zweiten Ausgang in der Carl-Schurz-Straße nutzen, der aber nicht weit entfernt liegt.

    Eröffnet wurde die Station 1984 vom damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU). Damals wurden die U-Bahnröhren und Bahnhöfe von Siemensstadt bis zum Rathaus Spandau in Betrieb genommen. Dort ist bis heute Endstation.

    Foto
    Blick von der Restaurantterrasse auf die Langzeitbaustelle. Vorbei. © André Görke

    Irgendwann ist mal eine Verlängerung der U7 nach Westen geplant, um die Großsiedlung Heerstraße Nord anzuschließen – mit neuen U-Bahnhöfen am Ziegelhof, Pichelsdorfer Straße, Gatower Straße und Sandstraße.

    Aktuell sind in Spandau laut Berliner Senat noch zwei U-Bahnstationen ohne Fahrstuhl: Rohrdamm und Paulsternstraße. Beide werden im Zuge des Neubaus der riesigen Stadtviertel Siemens-Campus und Insel Gartenfeld noch wichtig. An beiden Stationen gibt es Pläne für den Einbau eines Fahrstuhls. Ein Bautermin ist allerdings nicht bekannt.

    #Berlin #Spamdau #Altstadt #Verkehr ÖPNV #U-Bahn

  • Nach Jahren des Stillstands: Berlin bekommt drei neue Busspuren
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/nach-jahren-des-stillstands-berlin-bekommt-drei-neue-busspuren-15045337

    Na geht doch. Jetzt fehlt nur noch die Freigabe aller Busspuren für Taxis.

    14.12.2025 von Jörn Hasselmann - In Mitte und Charlottenburg werden drei neue Busspuren eingerichtet. Das sagte BVG-Chef Henrik Falk dem Tagesspiegel. Vier weitere Busspuren werden vorbereitet.

    Berlin bekommt drei neue Busspuren, zusammen sind sie knapp einen Kilometer lang. BVG-Chef Henrik Falk sagte dem Tagesspiegel, dass die rechtliche Anordnung erfolgt sei. Die Markierungen würden aufgetragen, sobald das Wetter es zulässt, voraussichtlich im Frühjahr 2026. Alle drei Busspuren liegen im Westen der Stadt:

    Reichpietschufer zwischen Tiergartentunnel und Potsdamer Straße (etwa 250 Meter, Linie M29)
    Schillstraße zwischen Wichmannstraße und Kurfürstenstraße (150 Meter, M29, 100, 106, 187)
    Kurt-Schumacher-Damm zwischen Heckerdamm und Jakob-Kaiser-Platz (550 Meter, M21, X21, 109)

    Die Anordnungen gelten jeweils nur für eine Richtung. Am Kurt-Schumacher-Damm hat die Gegenrichtung bereits seit Jahren eine Busspur. An der Schillstraße wird gerade das neue Jahr-Hochhaus fertiggestellt. Jahrelang war die Straße wegen der Baustelle verengt, bald werden die Bauzäune abgebaut. Solange muss die BVG noch warten.

    Klage gegen die Busspur an der Clayallee

    Weitere vier Busspuren werden nach Falks Angaben „final vorbereitet“. Welche das sind, sagt die BVG nicht. Alle sieben Abschnitte sind zusammen zwei Kilometer lang. Zudem befinde sich eine Spur an der Clayallee in Zehlendorf derzeit in der Anhörung, heißt es.

    Die Clayallee hatte Schlagzeilen gemacht. Anwohner hatten gegen die Busspur geklagt und 2023 Recht bekommen. Begründung: Es seien nicht genügend Busse unterwegs. Seitdem können Anwohner zwischen Argentinischer Allee und Riemeisterstraße wieder gratis parken. Nun soll nur noch die zwischen Riemeisterstraße und Scharfestraße existierende (sehr kurze) Spur um 400 Meter verlängert werden bis Potsdamer Straße.

    Da sich mittlerweile die Rechtslage geändert hat, gibt es an der Clayallee jetzt den zweiten Versuch. Mitte 2024 war die Straßenverkehrsordnung geändert worden, Kommunen haben nun mehr Spielraum bei der Anordnung von Busspuren, Fahrradwegen und Tempo-30-Zonen.

    Zudem wurden in diesem Jahr 25 Ampeln mit Vorrangschaltungen für Busse ausgestattet. Teilweise sind es provisorische Anlagen, die bei längeren Bauarbeiten die bestehende Busbevorrechtigung aufrechterhalten sollen. Falk zufolge stehen weitere zehn Kreuzungen im kommenden Jahr auf dem Programm.

    Berlin hat gut 2000 Ampeln, von denen bislang 224 von Bussen und Straßenbahnen sowie 129 nur von Bahnen beeinflusst werden können. Die Fahrzeuge „melden“ sich automatisch an, wenn sie sich einer Ampel nähern. Die Ampel bleibt dann länger grün oder wird grün, damit der Bus möglichst ohne Halt passieren kann.

    An diesen 25 Ampeln haben Busse jetzt eine „Vorrangschaltung“

    Müllerstraße / Kameruner Straße
    Hohenzollerndamm / Seesener Straße / Rudolstädter Straße
    Schloßstraße, Höhe Hausnummer 96
    Leonorenstraße, Höhe Hausnummer 70, Rathaus
    Unter den Linden / Glinkastraße / Neustädtische Kirchstraße
    Machnower Straße / Schönower Straße
    Schorlemerallee / Englerallee / Spilstraße
    Alt-Biesdorf / Apollofalterallee
    Alt-Biesdorf / Am Brodersengarten
    Rosenthaler Straße / Gipsstraße / Weinmeisterstraße
    Sonnenallee / A100
    K.-Schumacher-Damm am U-Bahnhof Kurt-Schumacher-Platz
    Rudi-Dutschke-Straße / Markgrafenstraße
    Grabbeallee / Tschaikowskistraße [provisorisch]
    Siemensstraße / Leonorenstraße [prov.]
    Tempelhofer Damm / Albrechtstraße [prov.]
    Argentinische Allee / Fischerhüttenstraße [prov.]
    Kantstraße / Fasanenstraße [prov.]
    Seestraße / Müllerstraße [prov.]
    Seestraße / Indische Straße [prov.]
    Halskestraße / Siemensstraße / Albrechtstraße [prov.]
    Düppelstraße / Kieler Straße [prov.]
    Clayallee / Königin-Luise-Straße [prov.]
    Lindenstraße / Dammbrücke [prov.]
    Ruhlebener Straße / Grunewaldstraße [prov.]

    Wie berichtet, stehen auch zehn große Knotenpunkte an der Straßenbahn auf der Liste von Verkehrsverwaltung und BVG. Dies sind teilweise benachbarte Kreuzungen, auf denen mehrere Linien fahren oder besonders viel Verkehr ist. So zählen drei einzelne Ampeln im Straßenzug Berliner Straße/Potsdamer Straße zum Knoten „Zehlendorf Eiche“.

    Erst ein Projekt ist fertig: die Kreuzung Seestraße/Sylter Straße in Wedding. Hier ist die Wendeschleife der Straßenbahnlinien 50 und M13.

    Dies sind die Tram-Knoten auf der Vorrangliste

    Warschauer Straße / Rudolfstraße: M10
    Danziger Straße / Kniprodestraße: M10, 200
    Frankfurter Tor: M10
    Potsdamer Straße / Martin-Buber-Straße / Onkel-Tom-Straße: M48, X11, 101, 118
    Berliner Straße / Potsdamer Straße / Clayallee / Teltower Damm: M48, X11, 101, 118
    Berliner Straße / Seehofstraße: M48, X11, 101, 118
    Nettelbeckplatz / Reinickendorfer Straße / Gerichtstraße: M27
    Nettelbeckplatz / Pankstraße / Reinickendorfer Straße: M27
    Frankfurter Allee / Gürtelstraße / Möllendorffstraße: M13, 16
    Unter den Linden / Friedrichstraße: 100, 147, 300, N5, N6
    Unter den Linden / Glinkastraße / Neustädtische Kirchstraße: 100, 147, 300, N5, N6
    Seeburger Straße / Klosterstraße / Wilhelmstraße / Pichelsdorfer Straße: M36, M37, 134, 135, 137, 638, N34
    Wilhelmstraße / Pichelsdorfer Straße: M36, M37, 134, 135, 137, 638, N34

    BVG-Chef Falk lobte die Zusammenarbeit mit der Verkehrsverwaltung. Viermal pro Jahr sitzen die Verantwortlichen gemeinsam am Tisch. Vorrang haben Falks Angaben zufolge nun Projekte, die sich „wirklich schnell umsetzen“ lassen. In der Vergangenheit gab es immer lange Listen mit Wünschen, die überwiegend jedoch nie umgesetzt wurden.

    Das Durchschnittstempo von Bussen und Straßenbahnen ist in den vergangenen Jahren immer weiter gesunken. Seit 20 Jahren wird über neue Busspuren diskutiert, passiert ist fast nichts. Zuletzt wurden Spuren eher abgeschafft, zugunsten von Radspuren oder Parkplätzen.

    Die BVG kostet das Millionen. Im Unternehmen gibt es die Faustregel, dass ein um einen Kilometer pro Stunde verringertes Durchschnittstempo im Busnetz rund 100 und bei der Straßenbahn etwa 35 zusätzliche Fahrerinnen und Fahrer erfordert. Bekanntlich hat die BVG große Mühe, Fahrer zu finden. Wegen des Personalmangels sind bei Bus, Tram und U-Bahn in den vergangenen Jahren die Takte ausgedünnt worden.

    #Berlin #Verkehr #ÖPNV #BVG #Bus #Straßenbahn

  • Streit um A100 spitzt sich zu: Autobahnchef fordert Schließung des Berliner Stadtrings
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/streit-um-a100-spitzt-sich-zu-autobahnchef-fordert-schliessung-des-

    Die Frage ist gestellt : Soll Berlin eine Autostadt bleiben oder aitofrei werden? Der Direktor der Niederlassung Nordost der Autobahn GmbH hält den Wunsch, mit dem.eigenen Auto zu fahren für ein Naturgesetz, dem Politik und Stadtentwicklhng folgen müssen. Das ist eine eigenartige Argumentation.

    8.12.2025 von Peter Neumann - Noch klafft im Osten und Norden eine Lücke. Würde sie geschlossen, könnte sich Berlin Probleme ersparen, so die Autobahn GmbH. Die Studie zur A100 nach Lichtenberg liegt Mitte 2026 vor.

    Eine Autobahn nach Lichtenberg, ein Doppelstocktunnel unter Friedrichshain: Für Kritiker ist es ein Wahnsinnsprojekt, für Befürworter eine notwendige Erweiterung der Berliner Infrastruktur. Jetzt hat Ronald Normann, Direktor der Niederlassung Nordost der Autobahn GmbH, im Streit um die weitere Verlängerung der A100 Stellung bezogen. Der 17. Bauabschnitt müsse kommen, sagte er im Gespräch mit der Berliner Zeitung. Damit nicht genug: Langfristig müsse die Lücke im innerstädtische Autobahnring geschlossen werden. Normann: „Das Berliner Autobahnnetz reicht für diese große Stadt nicht aus.“

    Bereits am 16. Bauabschnitt der A100, der Ende August zwischen Neukölln und Treptow eröffnet wurde, scheiden sich die Geister. Die Grünen kritisieren „Stau, Lärm und Lebensgefahr“. „Den Preis für die CDU-Verkehrspolitik zahlt der ganze Kiez rund um das Ende der A100 am Treptower Park“, so die Fraktion. Am Mittwoch will sie einen Acht-Punkte-Plan präsentieren, um die Lage rund um die Autobahn zu verbessern.

    Sechs Fahrstreifen neben der Ringbahn, darauf ein Deckel mit viel Grün, einer Bar und einem Club: So stellen sich die Berliner Christdemokraten die „Klimaautobahn“ A100 nördlich der Frankfurter Allee vor.

    Sechs Fahrstreifen neben der Ringbahn, darauf ein Deckel mit viel Grün, einer Bar und einem Club: So stellen sich die Berliner Christdemokraten die „Klimaautobahn“ A100 nördlich der Frankfurter Allee vor.Visualisierung: CDU Berlin

    „Die Staus zeigen, dass die Autobahn nach Treptow gebraucht wird“, entgegnete Ronald Normann. Der Bedarf werde tagtäglich durch hohe Nutzerzahlen nachgewiesen. „Es wäre absurd, den 16. Bauabschnitt wieder für Kraftfahrzeuge zu sperren“ – wie dies Politiker und der Mobilitätsforscher Andreas Knie verlangen. Derzeit seien dort pro Tag im Durchschnitt 10.000 bis 15.000 Kraftfahrzeuge unterwegs. Künftig werden es rund 40.000 sein, so der Berliner Autobahnchef. „Die Strecke ist noch aufnahmefähig.“

    Staus an der Elsenbrücke werden sich bald auflösen

    Der Stau sei bereits zurückgegangen. Anfang des nächsten Jahres werde sich die Lage weiter entspannen. „Wenn der erste neue Überbau der Elsenbrücke zwischen Treptow und Friedrichshain freigegeben worden ist und sich die Kapazität dieser Spreequerung verdreifacht hat, werden die Staus rund um die Ausfahrt Am Treptower Park in ihrer jetzigen Form Geschichte sein“, erwartet Normann. Derzeit gibt es in diesem Bereich nur einen Fahrstreifen pro Richtung. Nach der Freigabe der ersten neuen Brückenhälfte stehen zwei, nach Abschluss von Leitungsarbeiten drei Fahrstreifen pro Richtung bereit.

    Bald wird ein weiteres Berliner Autobahnthema ins Blickfeld rücken. Es geht um die nächste Verlängerung des Stadtrings: 4,1 Kilometer Bundesautobahn von der Straße Am Treptower Park zur Frankfurter Allee, an die sich 1,6 Kilometer Stadtstraße zur Storkower Straße anschließen. Kernstück ist ein Doppelstocktunnel unter dem Ostkreuz und der Neuen Bahnhofstraße. Eine „verkehrspolitische Irrfahrt“, warnen Initiativen. „Eine Chance für Berlin“, meint Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU).

    Studie zum 17. Bauabschnitt der A100 liegt erst Mitte 2026 vor

    Der Direktor der Niederlassung Nordost der bundeseigenen Autobahn GmbH bezieht eine klare Position: Der 17. Bauabschnitt sei notwendig, sagte Ronald Normann. Er verwies auf Umfrageergebnisse: Mehrheiten votierten dafür, die A100 weiter in den Osten Berlins zu verlängern. Auch der nächste Teil des Rings werde Verkehr bündeln, der sich heute noch auf Stadtstraßen drängt. „Die Menschen in den betroffenen Kiezen haben ein Recht darauf, vor Durchgangsverkehr geschützt zu werden“, so der Ingenieur.

    Wie berichtet hat die Autobahn GmbH eine Studie zu dem Projekt in Auftrag gegeben. Im Fokus steht auch die Frage, wie die A100 die Spree queren soll: auf einer Brücke oder in einem Tunnel, der entweder in offener Bauweise in einer Baugrube entsteht oder im Schildvortrieb gebohrt wird. Bislang hieß es, dass die Studie Ende 2025 vorliegt. Im Gespräch mit der Berliner Zeitung machte Normann nun deutlich, dass es länger dauert.

    „Die Machbarkeitsuntersuchung dauert an. Wir haben weitere Varianten entwickelt, die nun geprüft werden. Derzeit rechnen wir damit, dass die Ergebnisse der Untersuchung im Mai oder Juni 2026 vorliegen“, so der Autobahnchef. Ob das Ziel erreicht wird, hängt von den Kapazitäten der Ingenieurbüros ab. Zunächst werden Bund und Land benachrichtigt. Ebenfalls 2026 soll die Öffentlichkeit informiert und beteiligt werden.

    Stau an der A100 in Treptow: Warum der Stress noch Jahre weitergehen wird
    „Die Autobahn nach Friedrichshain und Lichtenberg ist tot“

    Immer wieder keimen Hoffnungen, dass der Bund auf das Vorhaben verzichtet. „Die Autobahn nach Friedrichshain und Lichtenberg ist tot“, sagte Andreas Knie, Mobilitätsforscher am Wissenschaftszentrum Berlin. Es gebe kein Geld mehr, um ein solches Milliardenvorhaben zu realisieren, das in Konkurrenz zu anderen Projekten steht. Sollte der Tunnel unter dem Ostkreuz bereits südlich der Spree beginnen, wie es die Autobahn GmbH gerade prüfen lässt, stiegen die Kosten in unglaubliche Höhen. Dann werde der 17. Bauabschnitt die Nutzen-Kosten-Untersuchung nicht bestehen.

    „Auf den Bau des 17. Bauabschnitts zu verzichten, wäre nicht wirtschaftlich“, konterte Ronald Normann. „Die Nullvariante scheidet aus“ – ein Verzicht wäre nicht sinnvoll.

    Foto
    Stau auf dem 16. Bauabschnitt der A100 vor der Ausfahrt Am Treptower Park. Für Kritiker ein Beleg dafür, wie dysfunktional die neue Autobahn ist – für Roland Normann ein Beweis, dass die Verbindung gebraucht wird.John MacDougall/AFP

    Der Ingenieur lenkte den Blick auf einen Abschnitt des Stadtrings in Charlottenburg. Nach dem Abriss der Ringbahn- und der Westendbrücke klafft in der A100 in Richtung Wedding eine Lücke. Staus sind die Folge, Lastwagen fahren durch Wohngebiete. Der Brückenneubau hat begonnen, er wird allerdings noch bis Sommer 2027 dauern.

    „Die Einschränkungen auf der A100 am ICC zeigen, wie sehr Berlin ein redundantes Autobahnnetz braucht, das solche Eingriffe besser als heute verkraftet. Die Hauptstadt-Region boomt, aber heute ist unser Autobahnsystem nicht ansatzweise in der Lage, auch dann zu funktionieren, wenn ein Teil beeinträchtigt ist“, analysierte Normann.

    Betroffen wären die Bezirke Lichtenberg, Pankow und Mitte

    Für ihn ist klar: An der Storkower Straße darf noch nicht Schluss sein. Der Stadtring müsse vervollständigt werden, forderte der Niederlassungschef. Aus einem Zwei-Drittel-Kreis muss ein 360-Grad-Kreis werden. Wenn es so wie derzeit in Charlottenburg an einem Abschnitt der A100 Probleme gäbe, könnten Autos und Lkw den Ring künftig einfach in die andere Richtung befahren. „Wenn der Stadtring geschlossen wäre, hätten wir die heutigen Probleme nicht“, sagte Normann. „Nennen Sie mir eine Hauptstadt von Relevanz, die keinen Autobahnring in der Innenstadt besitzt. Außer Berlin natürlich.“

    Ein 18. Bauabschnitt und folgende Teilprojekte wären eine Herkulesaufgabe. Bevor er an der Seestraße in Wedding an die heutige A100 anschließt, müsste der Stadtring durch weitere dicht besiedelte Gebiete am Rand der Berliner Innenstadt geführt werden. Betroffen wären Teile der Bezirke Lichtenberg, Pankow und Mitte. Heftige Kritik und Klagen vor Gericht wären zu erwarten. Es ist eine Idee, die immer wieder ventiliert wird, an die sich aber niemand ernsthaft herangewagt hat.

    Prognose sagt für Berlin leichten Rückgang des Verkehrs voraus

    Doch auch der Sprecher der Niederlassung Nordost der Autobahn GmbH hält es für notwendig, sich jetzt ernsthaft mit diesem Thema zu befassen. „Es ist tatsächlich so, dass Berlin die einzige Metropole in Europa ist, die kein geschlossenes Autobahnsystem hat“, so Ralph Brodel. „Solange sich unsere Mobilität, tief geprägt durch den Individualverkehr, der vom Wesen des Wunsches nach Individualität psychologisch tief in uns verankert ist, nicht verändert, werden die bekannten Verkehrsprobleme bleiben.“

    Daran ändere auch die neue Verkehrsprognose für Berlin nichts, die für Berlin eine Abnahme vorhersagt. „Jede Entlastung ist gut, auch wenn sie sich nur im Promillebereich bewegt“, so Normann. Doch die Analyse bleie dieselbe: „Berlin hat das stärkste Verkehrsaufkommen, aber das Berliner Autobahnnetz reicht für diese große Stadt nicht aus. Es hat keine Redundanz. Den Menschen in Wohnstraßen, die sich angesichts der Brückenabrisse am ICC mit erhöhtem Durchgangsverkehr konfrontiert sehen, können wir nicht helfen.“ Auch deshalb müsse die Lücke im Berliner Stadtring geschlossen werden.

    #Berlin #Verkehr #A100 #Autobahn #Stadtentwicklung

  • Dauerthema Bahn: Im Geisterzug nach Feierabend
    https://taz.de/Dauerthema-Bahn/!6121482

    Arme Pender, jaja. Aber warum tun die das? Bin ich Stadtmensch oder Landei? Muss ich mich entscheiden. Es ist wie mit den Autofahrern, die sich im Stau über den Stau beschweren, obwohl sie selbst der Stau sind. Kopf hoch, kann man nur empfehlen, das Leben in vollen Zügen genießen !

    Kein Mensch muss „pendeln“. Zahlt die Zeitung wirklich so schlecht? Ich muss nicht bei der TAZ arbeiten, wenn ich mir vom Gehalt keine Wohnjng in der Nähe leisten kann. Alles selbst entschieden.

    Ergo : Schicksal selbst ausgesucht. Mein Problem. Muss ich niemand mit belatschern.

    Ganz anders sieht das für die Bahnknechte aus. Helden des Schienenstrangs, macht was mit Eurem starken Arm. Eure Kampfkraft entscheidet. Aber vielleicht seid Ihr einfach ohne Traute geboren. Falsche Rheinseite. Könnt Ihr nichts für. Eure Großväter haben die Züge an die Ostfront und nach Auschwitz gefahren. La bataille du rail gegen die Nazi-Besatzer war linksrheinisch. Mut muss man lernen, am besten von Opa. Keine Chance, ich weiß. Lassen wir Gnade wslten.

    2.11.2025 von Jan-Paul Koopmann - Alle reden vom Wetter? Nein, heute geht’s doch meistens um die Bahn. Unser Kolumnist kann es trotzdem nicht lassen. Es war aber auch wirklich schlimm.
    Nachtfoto von drei rot beleuchteten Regionalzügen
    Auf dem Weg nach Nirgendwo: Regionalzüge der Deutschen Bahn Foto: Nicolas Armer/dpa

    Schlimmer als regelmäßig mit der Bahn fahren zu müssen, ist eigentlich nur noch das pausenlose Gespräch darüber. Man kennt’s: Der Zug ist endlich da, man kommt sogar irgendwie noch rein und alles könnte sich entgegen aller Wahrscheinlichkeit doch noch zum Guten wenden – und dann dauert es keine drei Minuten, bis irgendwer losblökt von wegen „Deutsche Bahn dies – Deutsche Bahn das“.

    Sogar noch schlimmer ist es geworden, seit man sich nicht mal mehr drüber streiten kann. Es gibt ja kei­ne:n mehr, der oder die den Scheißladen verteidigen würde. Vor ein paar Jahren lief einem wenigstens hin und wieder noch so ein Gelegenheitsfahrer über den Weg, der ungefragt einwenden konnte, dass doch alles nicht so schlimm sei, dass man sich mal entspannen solle, dass es im Urlaub auf ein oder zwei Stunden nicht ankomme, dass Meckern typisch deutsch sei und so weiter und so fort.

    Es hätte mich ja eigentlich schon noch interessiert, wie solche Leute auf die Idee kommen, ihnen stünde ein Urteil zu über das alltägliche Pendler:innen-Elend da draußen. Aber wie gesagt: Es gibt sie ja gar nicht mehr, diese soziopathisch-privilegierten Bahn­freun­d:in­nen – und wenn der Irrsinn überhaupt weiter in Schutz genommen wird, dann ist das ganz sicher als Witz gemeint.

    Sie ahnen schon, dass eine Bahngeschichte folgen wird

    Wahrscheinlich ahnen Sie schon, dass auf diese Vorrede eine Bahngeschichte folgen wird. Und das tut mir auch wirklich leid. Es ist wie mit dem Wetter, das man ja auch hin und wieder mal verlegen anspricht, obwohl man das Klischee natürlich kennt. Außerdem ist die Geschichte auch wirklich sehr gut und hat sogar eine Art Happy End.

    Ein vergiftetes.40-minütige Bier-Zwangspause

    Also: Es ist Montag spät abends und ich hetze von einer Sitzung an den Bremer Hauptbahnhof, wo ich meinen Zug aufs Dorf um 25 Minuten verspätet angeschlagen sehe. Da auch der Alternativzug der nichtbundeseigenen NordWestBahn deutlich verspätet sein soll, muss es wohl an höherer Gewalt liegen. „Stellwerksfehler“ ist das Wording in der Durchsage, aber das muss ja nun auch wirklich nicht allzu viel heißen.

    Am nächtlichen Bahnsteig steht neben rund 100 Erschöpften von der nahen Kirmes eine kleine Gruppe Uniformierter beisammen. Augenscheinlich nach Dienstschluss und lustigerweise alle von verschiedenen Verkehrsunternehmen: DB, NWB, BSAG … Ich höre halb aufmerksam zu, wie sie darüber spekulieren, ob heute überhaupt noch was fährt. „Mutig“, quittiert einer die Durchsage, dass es in 40 Minuten weitergehe. Ich bin zu müde zum Ausrasten und hole mir ein Bier vom Jahrmarkt.

    Wieder oben am Bahnsteig sind wir inzwischen bei 50 Minuten angelangt und auch den Fachkräften ist das Lachen vergangen. Doch dann passiert’s: Das Wort „Stellwerkstörung“ ist noch nicht ganz verhallt, als am übernächsten Bahnsteig ein leerer Zug einrollt. Einer der Uniformierten runzelt die Stirn. „Ich glaub, das bin ich“, sagt er und rennt schlagartig los, vorbei an den ganzen entnervten Spät­schicht­le­r:in­nen und Freimarktsbesucher:innen. Angesagt wird nichts. Aber aus irgendeinem Grund stelle ich das recht volle Bier auf den Boden und renne ihm hinterher.

    Kein Name, keine Nummer, keine Richtung

    Auf dem unerwartet eingelaufenen Zug steht nichts drauf: kein Name, keine Nummer, keine Richtung. Aber der mir vorauseilende Fachmann haut ans Fenster der Lok und fragt. Es ist tatsächlich meine Richtung und seine auch. Wir springen rein und rollen direkt wieder los. Nicht 25, 40 oder 50 Minuten zu spät – sondern exakt nach Plan. Nur eben vom falschen Gleis und ohne Ansage.

    Dafür aber mit so richtig viel Beinfreiheit – denn die hundert anderen stehen ja noch nebenan und versuchen, sich nicht allzu sehr zu ärgern über den Zugausfall.

    Jan-Paul Koopmann, Redakteur und CvD

    Jahrgang 1982, schreibt aus dem Bremer Hinterland über Kultur und Gesellschaft mit Schwerpunkten auf Theater, Pop & schlechter Laune

    #Verkehr #Bahn #Glosse

    .

  • Sperrungen und Umleitungen: Was Autofahrer jetzt auf der A100 und A115 am Autobahndreieck Funkturm erwartet
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/sperrungen-und-umleitungen-was-autofahrer-jetzt-auf-der-a100-und-a1

    ... das Genie beherrscht das Chaos.

    30.10.2025 von Peter Neumann - Weil am ICC eine Brücke abgerissen wird, muss der Verkehr 79 Stunden lang eingeschränkt werden. Auch Fahrgäste der S-Bahn sind betroffen. So kann man den Stau umfahren.

    Die Empfehlung ist unmissverständlich, und die Kraftfahrer sollten den Rat berücksichtigen. „Wir bitten darum, das Autobahndreieck Funkturm weiträumig zu umfahren oder wenn möglich alternative Verkehrsmittel zu nutzen“, mahnt die Projektgesellschaft Deges. Weil sie neben dem ICC in Charlottenburg eine Brücke abbrechen lässt, muss der Verkehr auf der Stadtautobahn 79 Stunden eingeschränkt werden – noch mehr als derzeit schon. Heute (Donnerstag) geht es um 22 Uhr los.

    Worum geht es? Nachdem am Dreieck Funkturm die maroden Autobahnbrücken über die Ringbahn im April innerhalb von wenigen Tagen zu Schutt verarbeitet wurde, ist jetzt ein benachbartes Bauwerk an der Reihe. Die Brücke über die östliche Fahrbahn der Halenseestraße wird abgerissen. Das wirkt sich weiträumig aus – selbst auf Autofahrer, die aus Potsdam kommen. Die Verkehrseinschränkungen dauern bis Montag, 5 Uhr.

    Am Autobahndreieck Funkturm in Charlottenburg trifft die A115 (Avus), die auf dieser Visualisierung von links unten kommt, auf die A100 (Stadtring). Der Knoten am ICC soll umgebaut und verlegt werden. Doch auch nach fast vier Jahren gibt es noch keinen Planfeststellungsbeschluss für das Großprojekt.

    Am Autobahndreieck Funkturm in Charlottenburg trifft die A115 (Avus), die auf dieser Visualisierung von links unten kommt, auf die A100 (Stadtring). Der Knoten am ICC soll umgebaut und verlegt werden. Doch auch nach fast vier Jahren gibt es noch keinen Planfeststellungsbeschluss für das Großprojekt.Visualisierung: Deges

    Die gute Nachricht zuerst: Wer mit einem Auto auf dem Stadtring unterwegs ist und die Autobahn in diesem Bereich nicht verlässt, ist von dem Projekt nicht betroffen. „Pkw bis 3,5 Tonnen bleiben auf der A100“, so die Deges. Für sie bleibt die A100 befahrbar.

    Doch auf anderen Relationen müssen sich die Kraftfahrer andere Wege suchen.

    Verbindung Avus-Stadtring unterbrochen: Am Dreieck Funkturm ist es nicht mehr möglich, aus Richtung Norden von der A100 auf die A115 zu fahren. Deshalb wird der Verkehr von der Anschlussstelle Spandauer Damm über die Königin-Elisabeth-Straße und den Messedamm zum Dreieck Funkturm und zur Avus geleitet. Auch in der Gegenrichtung ist die Überleitung zwischen den beiden Autobahnen unterbrochen. Wer aus Potsdam kommt, verlässt die A115 bereits am Kreuz Zehlendorf. Von dort führt die Umleitung über die Bundesstraße B1 zum Kreuz Schöneberg und dort auf die A100.

    Ausfahrt am Avus-Rasthof bleibt offen: Eine weitere Alternative vor allem für den Verkehr in nordwestlicher Richtung ist eine Ausfahrt von der A115 über den Parkplatz des Avus-Rasthofs, Alte Jafféstraße und Jafféstraße zur Heerstraße, teilt die Deges mit.

    Messedamm in Richtung Norden gesperrt: Zwischen den Kreuzungen Halenseestraße und Neue Kantstraße ist diese Straße bis Montag, 5 Uhr, nicht befahrbar. Die Projektgesellschaft erklärt: „Von der A100 aus Süden kommend entfällt die Möglichkeit, über den Messedamm durch die Stadt zu fahren.“ In der Gegenrichtung (Richtung Avus) kann der Messedamm während der Bauarbeiten weiterhin genutzt werden.

    Halenseestraße Ost gesperrt: In Richtung Autobahndreieck Funkturm und Messedamm ist die Straße ab dem Rathenauplatz nach Norden nicht mehr befahrbar. Zwischen Rathenauplatz und S-Bahnhof Westkreuz ist Anliegerverkehr mit Autos möglich. Auf diesem Abschnitt wird die Halenseestraße Ost zur Sackgasse.

    Auffahrt von der Halenseestraße Ost ab Rathenauplatz auf die Autobahn entfällt: „Es besteht keine Möglichkeit, von der Avus kommend am Rathenauplatz zu wenden und auf die A100 Fahrtrichtung Hamburg aufzufahren“, erklärt die Deges.

    Umleitung für Lkw: Wer mit Fahrzeugen unterwegs ist, die mehr als 3,5 Tonnen wiegen, muss das Autobahndreieck Funkturm umfahren. Lkw dürfen den Knotenpunkt in Richtung Hamburg nicht mehr passieren. Wer mit schweren Fahrzeugen auf der A100 von Süden kommt, fährt in Schmargendorf ab. Anschließend geht es über die Konstanzer Straße, Brandenburgische Straße, Lewishamstraße, Kaiser-Friedrich-Straße und Spandauer Damm bis zur Anschlussstelle Spandauer Damm. Noch einmal: Pkw bis 3,5 Tonnen bleiben auf der A100. Das gilt aus Richtung Norden auch für Lastwagen.
    Schienenersatzverkehr für Fahrgäste auf der Ringbahn

    Auch der S-Bahn-Verkehr auf dem Ring ist betroffen. Von diesem Donnerstag, 22 Uhr, bis Freitag, 1.30 Uhr, verkehren zwischen Halensee und Westend barrierefreie Busse im Schienenersatzverkehr (SEV). Sie halten nicht in Westkreuz und Messe Nord/ZOB, aber dafür unter anderem am U-Bahnhof Adenauerplatz und Kaiser-Friedrich-/Kantstraße.

    Die Ringbahnbrücke im Verlauf der A100 am ICC war im März 2025 wegen Schäden im Beton gesperrt worden. Auch die benachbarte Westendbrücke wurde inzwischen abgerissen. Beide Bauwerke sollen bis Sommer 2027 neu entstehen, so die Deges.

    Foto
    Schon seit Jahren gesperrt: Jetzt wird die Autobahnbrücke über die Halenseestraße Ost in Charlottenburg abgebrochen.Peter Neumann/Berliner Zeitung

    Als Erstes haben vor kurzem die Bauarbeiten an der Ringbahnbrücke begonnen. Darüber will die Deges die Anwohner während einer Veranstaltung informieren. Termin: Donnerstag, 6. November, 18.30 bis 20 Uhr im Hauptgebäude der Technischen Universität (Straße des 17. Juni 135, Saal H1012). Der Einlass beginnt um 18 Uhr.

    Planerinnen und Planer stellen während der Infoveranstaltung Details des Bauprojekts vor – unter anderem die Maßnahmen zur Verbesserung des Lärmschutzes und der Verkehrssicherheit. Fragen können direkt vor Ort gestellt oder bereits vorab über das Kontaktformular auf der Projektwebseite www.deges.de/ringbahnbruecke.

    #Berlin #Charlottenburg #Grunewald #Witzleben #Westend #Verkehr #A100

  • Achtjähriger in Berlin angefahren: Autofahrer hält an, lacht und begeht Fahrerflucht
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/achtjahriger-in-berlin-angefahren-autofahrer-halt-an-lacht-und-begeht-f.

    Du willst diese ganzen rücksichtslosen Arschlöcher einfach nicht mehr.

    25.10.2025 - Ein Junge wird beim Überqueren der Straße in Berlin-Spandau von einem Autofahrer angefahren. Dieser hält an, schaut aus dem Fenster und lacht, ehe er unerkannt flüchtet.

    Ein Autofahrer hat am Freitag ein Kind im Spandauer Ortsteil Hakenfelde angefahren und ist geflüchtet. Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei überquerte der achtjährige Junge gegen 8.40 Uhr bei grüner Ampel die Neuendorfer Straße an der Kreuzung Askanierring/Havelschanze/Neuendorfer Straße. Dabei fuhr ihn ein bisher unbekannter Mann in einem Mercedes auf der Fahrbahn an.

    Der Autofahrer soll den Angaben zufolge im Bereich einer Haltestelle angehalten, aus dem Fenster herausgeschaut und gelacht haben, bevor er vom Unfallort flüchtete. Der Junge erlitt eine Verletzung der Nase und spürte laut Polizei Schmerzen in seiner linken Körperhälfte.

    Unter Schock ging er vom Unfallort in seinen Hort und berichtete dort einer Erzieherin von dem Unfall. Diese soll jedoch weder die Betreuerin noch medizinische Hilfe alarmiert haben.

    Der Achtjährige blieb trotz andauernder Schmerzen im Kinderhort, bis er schließlich gegen Mittag selbst seine Betreuerin anrief, die ihn sofort abholte. Die beiden fuhren zu einer Polizeiwache und erstatteten Anzeige.

    Dorthin wurden Rettungskräfte der Berliner Feuerwehr alarmiert, die den Jungen in Begleitung seiner Betreuerin zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus brachten. Die Ermittlungen laufen. (Tsp)

    #Berlin #Spandau #Hakenfelde #Askanierring #Havelschanze #Neuendorfer_Straße #Verkehr #Unfall #Kinder

  • Baustart auf der A100 in Berlin: Wenn die neue Ringbahnbrücke fertig ist, geht der Stress erst richtig los
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/baustart-auf-der-a100-in-berlin-wenn-die-neue-ringbahnbruecke-ferti

    20.10.2025 - Seitdem der Beton kollabierte, klafft in der Stadtautobahn eine Lücke. Nun wird sie geschlossen. Autofahrer sind kaum betroffen – das wird bei den nächsten Projekten anders sein.

    Na so was: Wenn alle Beteiligten wollen, können staatliche Bauvorhaben auch ganz schnell gehen. Sieben Monate nachdem die marode Ringbahnbrücke im Verlauf der Autobahn A100 gesperrt wurde, beginnt der Neubau. Vor der Kulisse des geschlossenen ICC, eines weiteren Failed Buildings, wurde am Montag der Spatenstich gefeiert. Bis Sommer 2027 soll die Brücke fertig sein und die Lücke in der Stadtautobahn geschlossen werden.

    „Das ist das neue Berliner Tempo“, hofft Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU). Doch Nachfragen ergeben, dass andere Projekte an der Stadtautobahn weiterhin nur gemächlich vorangehen. Sie werden die Kraftfahrer noch stark stressen.

    Foto
    Vor der Kulisse der Ringbahn in Charlottenburg wartet ein Baufahrzeug auf seinen Einsatz. Für den Brückenbau muss der Verkehr im Sommer 2026 drei Tage lang eingestellt werden.Benjamin Pritzkuleit/Berliner Zeitung

    Kai Wegner sagt, dass er sich an zwei Tage in diesem Jahr besonders gut erinnern kann. An den 19. März: Da wurde die Sperrung der Brücke, die am Autobahndreieck Funkturm in Charlottenburg über die fünf Ringbahngleise führt, vollzogen. Nach knapp 62 Jahren war das Spannbetonbauwerk am Ende. Die 240 Meter lange Brücke musste aus dem Verkehr gezogen werden. „Das Schadensbild und die Einschätzung der Gutachter ließen nichts anderes zu“, so Michael Güntner, Chef der Autobahn GmbH.

    Der 16. April ist der zweite Tag, den Kai Wegner bei der Spatenstich-Feier nennt. „Da fiel das letzte Segment der alten Ringbahnbrücke“, denkt der Senatschef zurück. Bereits am 3. April hatte der Abbruch dieses Teils des Stadtrings in Charlottenburg begonnen. Am 28. April war der Überbau, der in einer Kurve über die Gleise für den S-Bahn-, Fern- und Güterverkehr hinwegführte, weggemeißelt, weggeschnitten, weggehämmert. „Rund 11.000 Tonnen Bauschutt wurden bewegt“, berichtet Wegner.

    In den Herbstferien müssen Autofahrer mit Sperrungen rechnen

    Zu diesem Zeitpunkt hatte die Deges, eine Projektmanagementgesellschaft des Bundes und der Länder, bereits die Ausschreibung für den Neubau vorbereitet. In diesem Vergabeverfahren zählte der Baupreis nur zur Hälfte, die Bauzeit dagegen zu 40 Prozent und die Länge der Sperrungen der Ringbahn zu zehn Prozent. Im August wurde entschieden, wer das 80-Millionen-Euro-Projekt übernimmt: Die Arbeitsgemeinschaft Habau/MCE wird die Brücke mit wetterfestem Stahl errichten. Die Firma Habau aus Österreich baut auch die neue Talbrücke Rahmede an der A45 bei Lüdenscheid.

    Rund 4500 Brücken im Kernnetz der deutschen Autobahnen müssen saniert werden, ruft Michael Güntner in Erinnerung. Auch die alte Ringbahnbrücke an der A100 in Berlin lässt sich als Beispiel dafür heranziehen, wie es nach Jahrzehnten der Vernachlässigung um die Infrastruktur in Deutschland steht. Ziemlich schlecht.

    Feier auf der Baustelle an der A100: Die neue Ringbahnbrücke wird nicht aus Spannbeton, sondern aus Stahl bestehen. Im Sommer 2027 soll auch die benachbarte Westendbrücke fertig sein.

    Feier auf der Baustelle an der A100: Die neue Ringbahnbrücke wird nicht aus Spannbeton, sondern aus Stahl bestehen. Im Sommer 2027 soll auch die benachbarte Westendbrücke fertig sein.Benjamin Pritzkuleit/Berliner Zeitung

    „Doch nirgends wurde eine Brücke so schnell abgerissen wie in Berlin“, lobte Kai Wegner. Der Parlamentarische Staatssekretär Christian Hirte (CDU) lobte die „beeindruckende, bemerkenswerte Kürze“, in der Bund und das Land Berlin dieses Vorhaben angegangen seien. Alle Beteiligten hätten schnell reagiert, sagt er.

    Die neue Brücke wird 200 Meter lang und 24 Meter breit. Wenn Kräne voraussichtlich im Sommer 2026 den Brückenabschnitt über den Gleisen einheben, muss der Bahn- und S-Bahn-Verkehr drei Tage lang gesperrt werden, sagt Deges-Sprecher Lutz Günther. Es werden weitere Unterbrechungen geben, aber sie seien deutlich kürzer.

    Kraftfahrer werden dieses Brückenbauprojekt dagegen so gut wie nicht zu spüren bekommen, verspricht die Deges. Mit einer Ausnahme: Der Abbruch der benachbarten Brücke über die Halenseestraße Ost wird vom 30. Oktober (22 Uhr) bis zum 3. November (5 Uhr) den Verkehr beeinträchtigen. Solange ist es nicht möglich, von der A100 auf die Avus zu fahren – und umgekehrt. Während die A100 für Pkw und andere Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen befahrbar bleibt, werden Lkw auf noch längere Umleitungen geschickt. Tipp: Während der 79 Stunden sollte das Dreieck Funkturm umfahren werden.

    Blick über das künftige Autobahndreieck Funkturm, das neu gebaut und umgebaut wird. Die Visualisierung zeigt rechts die neue Brücke über die Ringbahn. Die neue Westendbrücke schließt sich an. Links das geschlossene ICC.

    Blick über das künftige Autobahndreieck Funkturm, das neu gebaut und umgebaut wird. Die Visualisierung zeigt rechts die neue Brücke über die Ringbahn. Die neue Westendbrücke schließt sich an. Links das geschlossene ICC.Visualisierung: Deges

    Die Deges bittet auch die schon seit langem lärmgeplagten Anwohner erneut um Verständnis. Es könne „derzeit zu erhöhter Geräuschbelastung kommen“, teilt die Projektgesellschaft mit. Demnächst beginnt der Abbruch der Stützwände im nördlichen Baubereich, hieß es. Diese Arbeiten werden etwa drei Wochen in Anspruch nehmen. Wenn in diesem Bereich wieder Autos fahren, werden sie die Anwohner aber weniger belasten als früher. Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf konnte erreichen, dass die neue Brücke Schallschutzwände bekommt – vor allem auf der Ostseite.

    Es war einmal: Am 20. Dezember 1963 wurde dieser Teil des Stadtrings für den Verkehr freigegeben. Für den Abschnitt im Charlottenburger Ringbahngraben, der damals noch nicht als Bundesautobahn galt, rechnete man mit rund 25.000 Kraftfahrzeugen pro Tag. Zuletzt waren es deutlich mehr. Nach jüngsten Angaben waren auf dieser Fahrbahn täglich mehr als 90.000 Autos, Lastwagen, Busse und Motorräder unterwegs.

    Schon 1992 wurde festgestellt: Die Westendbrücke schwächelt

    Immer mehr und immer schwerere Fahrzeuge: Das ging auch an der alten Brücke über die Ringbahn nicht vorüber. Das Bauwerk stand schon lange unter Beobachtung. 2015 entdeckten Brückenprüfer einen Riss im Beton, der schließlich immer größer wurde. Die Verantwortlichen zogen die Reißleine: Zum 6. März wurden zwei der drei Fahrstreifen gesperrt. Am 19. März wurde das gesamte Bauwerk vom Netz genommen.

    Vorsorglich wurde auch die benachbarte Westendbrücke, ein weiteres Spannbetonbauwerk von 1963, gesperrt. Sie hatte ebenfalls Gebrechen. Schon 1992 ließ der Senat, der damals noch zuständig war, Stahlbänder montieren, um die Spannglieder zu entlasten. 2014 stellten Ingenieure Tragfähigkeitsdefizite fest. 2017 begann man damit, die Brückenpfeiler mit Notunterstützungen zu verstärken. Die Deges will den Auftrag für den Neubau im Herbst erteilen. Deges-Chef Andreas Irngartinger hofft, dass die Arbeiten Anfang 2026 beginnen. Geplante Fertigstellung: Sommer 2027.

    Seitdem die Ringbahn- und die Westendbrücke gesperrt werden mussten, klafft eine Lücke in der A100, die zu den am stärksten befahrenen Autobahnen Deutschlands gehört. Der Verkehr nach Norden wird nun über die Gegenfahrbahn geleitet, die dafür einen Fahrstreifen abgeben musste. Lastwagen und andere schwere Fahrzeuge werden umgeleitet. Anwohner der Kaiserin-Elisabeth-Straße klagen über die vielen Lkw.

    Wenn voraussichtlich 2027 die Richtungsfahrbahn Nord der A100 zwischen Messedamm und Spandauer Damm wieder befahrbar ist, sind die Leiden für die Kraftfahrer noch nicht vorbei. Im Gegenteil: Sie gehen erst richtig los. Denn dann sollen auf benachbarten Abschnitten der Stadtautobahn andere, größere Projekte starten.

    Auf der A111 bleibt zeitweise nur ein Fahrstreifen pro Richtung

    Die Ringbahnbrücke ist nicht der einzige Teil des Dreiecks Funkturm, der neu entsteht. Der gesamte Knotenpunkt, an dem die A115 (Avus) auf die A100 trifft, wird neu gebaut. Nördlich davon wird die Rudolf-Wissell-Brücke, auf der die A100 das Spreetal überspannt, abgebrochen und neu errichtet. Damit nicht genug: Weiter nördlich plant die Deges die Grundsanierung der A111, die nach Tegel und weiter ins angrenzende Land Brandenburg führt. Auf dem Teilstück in Berlin geht es um 264 Ingenieurbauwerke – darunter 39 Brücken, 16 Tunnel- und Trogbauwerke, 95 Verkehrszeichenbrücken und Schranken, 105 Lärmschutz- und Stützwände sowie neun Bauwerke der Entwässerung.

    Doch am Montag wurde bekannt, dass die drei Vorhaben mit deutlich weniger Tempo vorangehen als der Neubau der Ringbahn- und Westendbrücke. Für den Um- und Neubau des Autobahndreiecks Funkturm, der acht Jahre dauern soll, hat das Planfeststellungsverfahren 2022 begonnen. Weil ständig neue Themen auftauchen, scheint ein Ende weiterhin nicht in Sicht zu sein, erfuhr die Berliner Zeitung.

    Foto
    Auch die Westendbrücke, ein weiterer Teil der A100 in Richtung Norden, wurde abgebrochen.Soeren Stache/dpa

    Auch für das Projekt Rudolf-Wissell-Brücke, dessen Bauzeit mit sechs Jahren veranschlagt wird, liegt bisher keine Genehmigung des Fernstraßen-Bundesamts vor. Die Planer hoffen, dass der Planfeststellungsbeschluss ebenfalls 2026 ergeht.

    Die Grundsanierung der A111 würde für viele Autofahrer die größten Beeinträchtigungen bedeuten. Weil die Autobahn im Nordwesten Berlins auf weiten Strecken in Geländeeinschnitten („Trögen“) verläuft, kann sich die Baustelle dort nicht ausdehnen. Es ist also damit zu rechnen, dass zeit- und abschnittsweise nur ein Fahrstreifen pro Richtung zur Verfügung steht, sagen Planer. Zuletzt hieß es, dass die Arbeiten frühestens 2026 beginnen können. Nun sind 2027 oder 2028 im Gespräch.

    „Wir haben einige Mitarbeiter von dem Projekt abgezogen“, erklärte Deges-Chef Irngartinger. „Die Ringbahn- und die Westendbrücke haben für uns absolute Priorität.“

    #Berlin #Charlottenburg #A100 #Verkehr

  • Wettbewerb für Stadtideen startet: Auf 100 Metern Berlins Zukunft testen
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/berliner-wirtschaft/wettbewerb-fur-stadtideen-startet-auf-100-metern-berlins-zukunft-testen

    20.10.2025 von Alix Faßmann - 200.000 Euro Preisgeld: Die IHK Berlin sucht Ideen für nachhaltige Stadtgestaltung. Ein Stück Fasanenstraße wird zum Reallabor.

    Mitten in Charlottenburg wird die Straße zum Zukunftslabor: Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin hat den Wettbewerb „100 m Zukunft“ gestartet, um neue Ideen für das Großstadtleben von morgen auf die Straße zu bringen. Auf einem rund hundert Meter langen Abschnitt der Fasanenstraße sollen ab 2026 innovative Konzepte zu Mobilität, Kreislaufwirtschaft, Stadtgesundheit und Ernährung unter realen Bedingungen erprobt werden.

    Für die Umsetzung der besten Ideen stellt die IHK gemeinsam mit dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf insgesamt 200.000 Euro bereit. Unternehmen, Start-ups, Vereine und Organisationen können bis zum 30. November 2025 ihre Vorschläge einreichen. Ziel ist es, praktische Lösungen zu entwickeln, die zeigen, wie sich der öffentliche Raum nachhaltiger, gesünder und lebenswerter gestalten lässt.

    „Wir wollen die Chancen sichtbar machen, die in der Transformation Berlins zur klimaneutralen Metropole liegen“, sagt Robert Rückel, Vizepräsident der IHK Berlin. „Das Experimentierfeld in der Fasanenstraße soll ein Ort werden, an dem Innovationen aus Berlin für Berlin entstehen.“

    Auch der Bezirk unterstützt die Idee: „Der öffentliche Raum ist Lebensraum“, so Bezirksstadtrat Oliver Schruoffeneger. „Wir brauchen Orte, an denen neue Lösungen ausprobiert und erlebbar werden.“

    Eine Fachjury wird bis zu drei Projekte pro Themenfeld auswählen. Im Anschluss werden die besten Konzepte auf der Teststrecke zwischen Hardenberg- und Kantstraße in die Tat umgesetzt – ein Experimentierfeld, das die Stadtentwicklung möglicherweise im Kleinen vorwegnimmt.

    #Berlin #Wirtschaft #Verkehr #Wettbewerb #Taxi #IHK

  • Eilentscheidung von Berliner Verwaltungsgericht: Nextbike muss Mieträder vorerst von den Straßen nehmen
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/eilentscheidung-von-berliner-verwaltungsgericht-nextbike-muss-mietrader

    20.10.2025 von Ken Münster - Weil der öffentlich-rechtliche Vertrag mit dem Land Berlin auslief, forderte der Senat das Unternehmen im Sommer auf, seine Mieträder zu entfernen. Ein Eilantrag dagegen scheiterte – es geht aber in die nächste Instanz.

    Das Unternehmen Nextbike muss seine Mietfahrräder vorerst von Berlins Straßen nehmen. Das entschied das Berliner Verwaltungsgericht in einer Eilentscheidung am Montag. Die Firma hat gegen die Eilentscheidung jedoch Beschwerde eingelegt.

    Das Leihradsystem betrieb das Unternehmen einst mit öffentlichen Fördermitteln im Auftrag des Senats. Zum Juli war der Vertrag zwischen Nextbike und dem Land ausgelaufen. Die Senatsverwaltung hat das Angebot infolge der Haushaltskürzungen eingestellt. Nextbike betreibt die Flotte seither auf eigene Rechnung weiter.

    Die Verkehrsverwaltung hatte im Juli 2025 das Unternehmen aufgefordert, binnen zwei Wochen alle 6500 im öffentlichen Straßenraum angebotenen Mietfahrräder zu entfernen. Wie das Gericht darlegte, erloschen mit dem Auslaufen des Vertrags auch die befristeten Sondernutzungserlaubnisse, auf deren Grundlage das Unternehmen sein Geschäft betrieb.

    Nexbike hatte gegen die Aufforderung des Senats einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht eingelegt, der nun abgelehnt wurde. Anders als das Unternehmen argumentiere, stelle das Verleihsystem eine straßenrechtliche Sondernutzung dar, erklärte das Gericht. Die Straßen, auf denen die Fahrräder stünden, würden vorwiegend zu gewerblichen Zwecken genutzt.

    Zwar zähle das Parken betriebsbereiter Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen grundsätzlich zum Gemeingebrauch. Die Mietfahrräder seien allerdings nicht jederzeit betriebsbereit, weil diese erst über einen QR-Code freigeschaltet werden müssten, argumentierte das Gericht.

    Zudem merkte es an, dass Nextbike mit der Aufstellung von Tausenden Mietfahrrädern die öffentlichen Straßen besonders intensiv in Anspruch nehme. Der Gemeingebrauch anderer Verkehrsteilnehmer werde zusätzlich dadurch erschwert, dass die Fahrräder häufig verkehrsbehindernd auf Gehwegen stünden oder lägen.

    Bis das Oberverwaltungsgericht darüber entschieden hat, bleiben die Räder aktiv: Ein Sprecher der Senatsverkehrsverwaltung kündigte im Gespräch mit dem Tagesspiegel an, dass die Behörde nichts unternehmen werde, bis eine Entscheidung rechtskräftig sei. Der Nachrichtenagentur dpa teilte die Behörde mit, Nextbike könne immer noch eine Sondernutzungserlaubnis beantragen.

    Wie ein Gerichtssprecher erklärte, betrifft die Entscheidung nur jene Fahrräder, die im sogenannten „Free-Floating-Modell“ betrieben werden – die also nicht an Stationen abgestellt und ausgeliehen werden. (mit dpa)

    #Berlin #Verkehr #Justiz

  • „Dieses Auto gehörte zum Kiez wie ein Baum“: Professor muss Protest-Oldtimer in Kreuzberg nach acht Jahren umparken
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/friedrichshain-kreuzberg/dieses-auto-gehorte-zum-kiez-wie-ein-baum-professor-muss-protest-oldtim

    Ein Monument gegen den Fortschrittswahn, egal ob grün oder schwarz oder rot, könnte man denken. Es ist aber nicht so. Diese Auto ist Wissenschaft.

    3.10.2025 von Robert Klages - Seit 50 Jahren ist er im Kiez, seit acht Jahren steht er auf demselben Parkplatz: Ein Kult-Opel ist zum Protestmobil gegen grüne Verkehrspolitik geworden. Er findet sich sogar in einer Stasi-Akte.

    „Dann wollen wir mal schauen, ob er noch anspringt“, lacht Hanns-Lüdecke Rodewald. Der ehemalige Professor für Fahrzeugtechnik muss seinen Wagen nach rund acht Jahren umparken. Seit 2017 steht er vor dem Café „Zazza“ in der Schönleinstraße, Berlin-Kreuzberg.

    Doch die Straße soll zur autofreien Zone und mit Pollern abgesperrt werden. Daher muss Rodewald seinen 1956er Opel Olympia entfernen, bevor es das Ordnungsamt tut.

    Der Wagen ist sein wissenschaftliches Langzeitprojekt. Der Professor untersucht, wie lange man ein Auto fahrtüchtig halten kann, wenn man nur die notwendigsten Reparaturen unternimmt. 1977 wurde es zuletzt gewaschen. „Aber Waschen war in Kreuzberg schon immer uncool“, ruft Rodewald aus dem Auto, steckt jetzt den Schlüssel ins Zündschloss.

    Dass immer mehr Parkplätze im Kiez wegfallen, findet Rodewald gar nicht gut. Seit über 50 Jahren parkt er im Kiez. Auf dem Stellplatz vor dem Café ist das Mobil kult geworden.

    So sah der Open kurz nach dem Kauf im Jahre 1976 aus. ©umparken

    Rodewald dreht den Schlüssel herum, der Motor stottert. Was sagen Anwohnende, der Besitzer des Cafés sowie der von den Grünen regierte Bezirk zu seinem Projekt? Das Auto jedenfalls soll den Kiez nicht verlassen und wieder dort stehen, wo es zum Fall der Berliner Mauer geparkt hat. Ob dieser Stellplatz noch frei ist?

    Stress mit den Behörden gab es oft. Doch der Opel ist fahrtüchtig und hat TÜV. Nur das zählt. Der Wagen darf auf dem kostenlosen öffentlichen Parkplatz stehen, solange er möchte und eine Plakette hat. Viele Passant:innen denken, das Auto gehöre zum Café direkt dahinter. Tourist:innen machen Fotos. In der Nachbarschaft ist bekannt, wem das Auto gehört.

    _Anwohnerin Helga Hartmann fordert, dass der Wagen bleiben kann. © Robert Klages

    „Der Wagen muss bleiben“, fordert Helga Hartmann. Die Anwohnerin kommt mit dem E-Rollstuhl vorbei. Sie habe schon einen Antrag beim Abgeordnetenhaus gestellt. Auch Selcuk Demir will den Wagen am liebsten an Ort und Stelle behalten. Seine Kund:innen würden das interessant finden, erzählt der Café-Inhaber und bringt Rodewald einen schwarzen Tee. Wie immer in den letzten Jahren mit Hafermilch und exakt 3,22 Minuten Ziehzeit.

    „Das Auto ist hier eingewurzelt wie ein Baum, ist eins mit dem Café geworden.“ Demir sei traurig und die Umbaumaßnahmen findet er sinnlos. Es habe immer gut geklappt hier im Kiez, man brauche keine Fahrradstraße.

    Selcuk Demir, Inhaber vom Café „Zaza“. © Robert Klages

    50 Meter der Straße sollen für den Durchgangsverkehr durch Poller mit Schranken abgesperrt werden. Parkplätze fallen weg, dafür kommen grüne Wiesen, eine Station für E-Gefährte und Fahrradbügel. „Wir verbessern die Verkehrssicherheit und das Radnetz“, verteidigt Verkehrsstadträtin Annika Gerold (Grüne) die Maßnahmen. „Es gibt mehr Lebensqualität für die Anwohnenden.“

    Ein Blick ins Innere des Autos.© Robert Klages

    Rodewald dreht den Schlüssel nochmal herum. Diesmal springt der Wagen an. „Ich habe nicht dran gezweifelt“, freut er sich. Ungefähr zweimal im Jahr hatte er sein Auto bewegt: zum TÜV und zu Oldtimer-Treffen. Wenn er wegfuhr, hielt seine Frau mit ihrem Auto den Parkplatz vor dem Café besetzt.

    Blick auf den Oldtimer vom Café „Zaza“ aus. © Robert Klages

    Nur noch 30 Exemplare dieser Sorte gibt es. 1977 wollte Rodewald seinen Liebling mal verkaufen, doch dem potenziellen Abnehmer waren die 500 Mark zu viel. In den 90er Jahren stufte ihn die Polizei als „Vollwrack“ ein, aber Rodewald konnte TÜV und Fahrbarkeit nachweisen. Ein Gesetz, das Auto zu putzen, gibt es nicht.

    Rodewalds Opel 1977 vor der Berliner Mauer am Potsdamer Platz. © privat

    Später wurde der Kiez zur Umweltzone. Eine Zeit lang fuhr Rodewald seinen Opel auf dem Anhänger weg und wieder her. Eine Umweltplakette hat er bis heute nicht, auch kein Oldtimer-Kennzeichen. Aber eine Sondergenehmigung vom Amt, da er sein Gefährt als Objekt für seine Studien und für die Universität benötige. Rodewald hat das Amt überzeugen können, das ist schon einige Jahre her, die Genehmigung gilt für zwei Jahre, wurde immer wieder verlängert und ist hinter der Windschutzscheibe platziert.

    Abfahrt für Rodewalds Opel. © Robert Klages

    Rodewald selbst hat Bachelorarbeiten zu seinem Wagen an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin betreut. 2012 fuhr mal ein Leihwagen in den parkenden Opel hinein. Der Unfallverursacher war der Meinung, es habe „keine Schadensvergrößerung“ gegeben, doch ein Gutachter schätzte den Wert auf 19.000 Euro, der dann bezahlt werden musste.

    Auch in Rodewalds Stasiakte hat der Opel einen Eintrag, als ein „Wagen mit geringem Zeitwert“. Rodewald lebte in West-Berlin, ein Freund von ihm wurde beschattet.

    Rodewald dreht eine Runde, wendet den Opel neben den laufenden Bauarbeiten für die neuen Grünflächen. Das Auto seiner Frau hält ihm einen Stellplatz frei im Kiez. Genau dort, wo er 1989 bei der Eröffnung der Mauer gestanden hat. Doch dann entdeckt Rodewald einen besseren Stellplatz, direkt gegenüber vom Café Zaza. Als ein Auto ausparkt, fährt er in die Lücke. Womöglich muss er auch dort bald den Platz räumen, der Bezirk will den Kiez weiter umgestalten.

    Nun parkt der Wagen direkt gegenüber vom Café Zaza

    „Verkehrsberuhigte Zonen finde ich öde“, sagt Rodewald aus dem Auto heraus. „Ich finde Kieze mit Autos lebendiger und spannender.“ Als er weg ist, kommt ein Arbeiter und sperrt den Parkplatz ab.

    #Berlin #Kreuzberg #Schönleimstraße #Verkehr

  • Wenn Trauer in Wut umschlägt: Vater soll an Gedenkstele für Fabien Martini randaliert haben
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/wenn-trauer-in-wut-umschlaegt-vater-soll-an-gedenkstele-fuer-fabien

    24.9.2025 von Katrin Bischoff - Die 21-Jährige wurde von einem Polizeifahrzeug totgefahren. Nun wird gegen ihren Vater ermittelt: Christian Martini soll Polizisten bedroht und beleidigt haben.

    Jeden Tag dasselbe Ritual. Seit mehr als sieben Jahren. Jeden Tag fährt Christian Martini zum Friedhof in Reinickendorf. Manchmal ist er nach der Arbeit dort, manchmal erst am Abend. Er will dem Menschen nahe sein, den er so sehr vermisst – seiner Tochter Fabien.

    Manchmal spricht er am Grab mit seinem Kind. Manchmal, wenn er nicht mit dem Auto unterwegs ist, trinkt er bei seiner Tochter etwas Bier. Gegen den Schmerz, der aber nicht geringer wird. Tag für Tag. Manchmal fährt er nach dem Friedhof auch noch zur Grunerstraße in Mitte, dorthin, wo das Glück seiner Familie an einem Januartag im Jahr 2018 zerbrach und nun eine Gedenkstele an den Tod seiner Tochter erinnert.

    So war es auch am 10. September dieses Jahres. Christian Martini besuchte das Grab seiner Tochter, er blieb zwei Stunden, trank dort etwas. Dann fuhr er mit der U-Bahn der Linie 8 zum Alexanderplatz, gegen 23 Uhr lief er die paar Minuten bis zu der Gedenkstele.

    Ein Holzzaun schirmt dort den Gehweg von einer Baustelle ab. Der 55-Jährige verharrte ein paar Minuten reglos am Ort, so schildert er es. Dann spürte er, wie diese Trauer in ihm in Wut umschlug. Er schlug gegen den Bauzaun aus Holz. Immer wieder.

    Ein Streifenwagen hielt. Eine Polizistin und ein Polizist forderten Martini auf, das Randalieren zu unterlassen. Was dann geschah, darüber gibt es unterschiedliche Aussagen. Die Angaben der Beamten – und die von Christian Martini. Am Ende des Tages hatte Fabiens Vater gegen die Polizisten Anzeige wegen Körperverletzung im Amt erstattet und er selbst ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, der Beleidigung und der Bedrohung am Hals.

    Rund zwei Wochen später steht Fabiens Vater wieder an der Gedenkstele. Für seine Tochter hat er eine langstielige Rose mitgebracht. Britta Martini, Fabiens Mutter, hat ihn begleitet. „Christian ist manchmal so wütend“, sagt sie und streicht ihm sanft über den rechten Arm. Aber so etwas wie Randalieren habe er noch nie gemacht. „Trotz seiner Wut ist er nie handgreiflich geworden.“

    Fabien Martini wollte auf Mittelinsel parken

    Es ist ein sonniger Vormittag, ein Streifenwagen mit Blaulicht fährt mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Potsdamer Platz. Christian Martini verfolgt den Wagen mit den Augen. „Ob sie im Dienst sind oder nicht, sie heizen hier immer lang“, sagt er. Dann steckt er die Rose zwischen die zwei Bänder, die an der Stele befestigt sind. Britta Martini legt den Kopf an seine Schulter. Sie sind Eltern, die um ihr Kind trauern.

    Der Tod der 21-jährigen Fabien Martini hatte deutschlandweit für Schlagzeilen gesorgt. Am 29. Januar 2018 war die junge Frau mit ihrem weißen Renault Clio auf der Grunerstraße unterwegs, wollte zur Bank in den Rathauspassagen, um ein Geschäftskonto zu eröffnen. Sie suchte einen Parkplatz, sah auf der Mittelinsel eine Lücke und bog mit ihrem Kleinwagen langsam von der mittleren Spur nach links ab.

    Foto
    Die Unfallstelle, an der Fabien Martini starb.Moriss Pudwell

    Den durch den Tunnel mit 132 Kilometer pro Stunde herannahenden Einsatzwagen 3203 nahm sie offenbar nicht wahr. Der Streifenwagen mit Blaulicht und Martinshorn schoss regelrecht aus dem Tunnel heraus. Er war zu einem Raubüberfall am Potsdamer Platz unterwegs – ein Fehlalarm, wie sich später herausstellen sollte.

    Auf der Grunerstraße kreuzte Fabien Martini mit ihrem Fahrzeug den Weg des rasant herannahenden Polizeiautos. Es krachte mit Tempo 91 in die linke Seite des Wagens der jungen Frau. Der wurde bis zur Mitte zusammengedrückt. Fabien Martini hatte keine Chance, sie verstarb noch am Unfallort.

    Vermutlich hätten ihre Eltern irgendwann ihren Frieden gefunden. Hätte es nicht diesen furchtbaren Verdacht gegen den Polizisten gegeben, der den Einsatzwagen gefahren war.

    Bei dem Beamten war nach dem tödlichen Crash kein Alkoholtest gemacht und auch keine Blutprobe richterlich angeordnet worden. Erst ein Jahr nach dem Unglück gab es einen anonymen Hinweis aus dem Umfeld der Charité, in der der Fahrer nach dem Unfall behandelt worden war. Demnach soll der Beamte alkoholisiert gewesen sein.

    Die Staatsanwaltschaft sicherte daraufhin die Patientenakte, die in dem Prozess wegen fahrlässiger Tötung gegen den Polizisten jedoch nicht verwendet werden durfte – denn laut Gerichtsentscheid war sie illegal beschlagnahmt worden. Und der Beamte gab die Akte, anders als sein Beifahrer, im Verfahren nicht frei.

    Letztlich wurde der Fahrer des Streifenwagens in zweiter Instanz zu einer Geldstrafe von 12.900 Euro verurteilt – Alkohol spielte in der Entscheidung keine Rolle. Eine Revision gegen das Urteil durch Fabiens Eltern, die bis heute darum kämpfen, dass die Patientenakte zugelassen wird, wies das Kammergericht zurück.

    Gegen den Bauzaun geschubst oder gestolpert?

    Seitdem zerreißt die Wut auf den Beamten das Leben von Christian Martini. Vielleicht ist so auch das Geschehen zu erklären, dass sich vor zwei Wochen an der Gedenkstele abgespielt hat.

    Was los sei, habe der Polizist in dem an der Stele haltenden Streifenwagen gefragt. So erinnert sich Christian Martini. Er gibt zu, nicht besonders fein geantwortet zu haben. „Ich habe ihm erklärt, dass es mir nicht gut geht. Dass meine Tochter hier von einem Polizisten im Suff totgefahren wurde. Ja, ich habe ihm auch dreimal gesagt, dass sie mich in Ruhe lassen und sich verpissen sollen.“

    Der Beamte habe ihn dann gegen den Bauzaun geschubst, sodass er das Gleichgewicht verloren habe und – mit dem Rucksack auf dem Rücken – auf den Gehweg gestürzt sei. Christian Martini erzählt, dem Beamten gedroht zu haben: Wenn er das noch einmal mache, würde er ihm den Schädel einschlagen. Ihm sei dann ein Platzverweis erteilt worden. „Die hätten mich niemals mitnehmen können“, sagt er nun. Mit sanfter Stimme widerspricht seine Frau: „Das hätten sie schon.“

    Foto
    „Jeder von uns trauert auf seine Weise“: Britta und Christian Martini verloren vor siebeneinhalb Jahren ihre Tochter.A.S./OSTKREUZ

    Dann stiegen die Beamten wieder in ihr Auto. Der Polizist, so sagt es Fabiens Vater, habe ihm noch zwei „Fuckfinger“ gezeigt, bevor der Streifenwagen davonfuhr. Christian Martini lief zur nächsten Wache und erstattete Anzeige. Dort pustete er auch. Freiwillig, wie er sagt. Laut Polizei ergab die Atemalkoholmessung einen Wert von „ungefähr 0,9 Promille“. Am nächsten Tag ging er zum Arzt, die Schulter war geprellt.

    Der mutmaßliche Randalierer habe sich nicht beruhigen lassen, die Besatzung des Funkstreifenwagens beleidigt und mit dem Tode bedroht, heißt es in einer Stellungnahme der Polizei zu dem Geschehen. Statt Abstand zu halten, soll der Mann seinen Rucksack abgesetzt und auf den Beamten zugegangen sein – mit der Bemerkung, den Polizisten angreifen und erheblich verletzen zu wollen.

    Daraufhin habe der Beamte den Mann zurückgestoßen, sodass dieser über seinen abgesetzten Rucksack gestolpert und gestürzt sei. Anschließend soll Christian Martini die Polizisten mit Gesten beleidigt haben. Weiter heißt es: Da der mutmaßliche Randalierer den Einsatzkräften bekannt gewesen sei, habe man auf eine Identitätsfeststellung verzichtet und ihn am Ort belassen – um zu deeskalieren.

    Christian Martini schaut mit ernstem Gesicht auf die Grunerstraße, die seit dem Tod seiner Tochter umgebaut wurde. Es gibt keinen Tunnel und keine Mittelinsel mehr. Er erzählt, dass er wegen seiner Trauer und Wut schon bei vielen Therapeuten gewesen sei. Aber sie hätten ihn nur mit Tabletten ruhigstellen wollen. Auch eine Trauergruppe habe er mal besucht. Aber auch das habe ihm nicht geholfen. „Da ging es nicht um Trauer“, sagt er. Deswegen gehe er jeden Tag auf den Friedhof.

    Auch bei Britta Martini ist die Trauer präsent. Sie ist eine ruhige, besonnene Frau, die nun mit gequältem Blick auf die Stele schaut. „Ich muss nicht jeden Tag zum Grab gehen, ich denke jeden Tag an Fabi, sie ist immer bei mir“, sagt sie dann. Man werde mit der Zeit etwas stabiler im Alltag – nicht glücklich und nicht froh, aber stabiler.

    Dann erzählt sie, dass sie oft in den Garten gehe, wo sie Fabi besonders nah sei. Sie schaue dort immer „Grey’s Anatomy“, die Lieblingsserie ihrer Tochter. „Da lache in dann an der Stelle, an der auch Fabi gelacht hätte“, sagt die 54-Jährige. Doch Gedenk- und Feiertage werfen auch sie jedes Mal zurück. Am Geburtstag ihrer Tochter, so erzählt sie, habe sie wieder tagelang geweint.

    „Wir haben einfach keine Reserven mehr“

    Mittlerweile versuche sie, ab und zu auszubrechen, sich mit Freundinnen zu treffen. Ihren Mann dazu zu bewegen, etwas zu unternehmen, sei schwer, erklärt sie. Aber sie respektierten gegenseitig, dass jeder von ihnen anders mit der Trauer umgehe.

    Christian Martini legt den Arm um die Schulter seiner Frau. Sie schüttelt den Kopf. Nach all den Gerichtsverfahren um den Tod ihrer Tochter, die noch immer nicht ganz abgeschlossen sind, will sie nicht noch einen Prozess gegen ihren Mann. Leise sagt sie, ihnen fehle die Kraft: „Wir haben einfach keine Reserven mehr.“

    #Berlin #Verkehr #Polizei #Unfall #Tod #Trauer

  • Eklat in Schöneberg: SPD fühlt sich als „rechtsextrem“ verunglimpft – weil sie einen Poller verhindern will
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/eklat-in-schoeneberg-spd-fuehlt-sich-als-rechtsextrem-verunglimpft-

    Die extreme Mitte ist extrem provinziell. Nun will eine „Bürgerinitiative“ nach der Torgauer noch einen Durchstieg in der Gegend dichtmachen. Alles, was das aus mehr als einem Blickwinkel verhandelt, ist für die nazi oder so.

    Hier die Botschaft an alle, die kommen wollen oder schon hier sind, um sich über nächtliche Partys und viel Verkehr zu beschweren.

    Verschwindet doch dahin, wo ihr herkommt, ihr NIMBYS. Ihr seid einfach nur Problembären. Wohnungsproblembären, Tante-Emma-Laden-Problembären, Verkehrsproblembären, Verwaltungsüberlsstungsproblembären, Privatschulproblembären, ihr seid die Leute, die Probleme machen.

    Drei Millionen Berliner waren voll ausreichend, wir müssen die Vier jetzt nicht vollmachen. Keiner braucht euch, keiner hat euch gerufen, euch Spießer. ihr seid einfach nur überflüssig, ihr Provinzonkel.

    Wir leben ohne euch mehr als mit euch in einer Weltstadt, und die braucht funktionierende, schnelle Verkehrsverbindungen, keine Dorfidylle.

    19.9.2025 von Carola Tunk - Im Bezirksparlament geht es hoch her. Die SPD regt sich über die Rede einer Bürgerinitiative auf. Der Ältestenrat greift zu einer drastischen Maßnahme.

    Es war ein Eklat, wie ihn viele Bezirksverordnete so noch nie erlebt haben. In der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Tempelhof-Schöneberg sollen Bürger die SPD als rechtsextrem bezeichnet haben –wegen eines Pollers. Daraufhin wurde der Ältestenrat einberufen. Es wurde verfügt, dass der Livestream neu gestartet wurde, so dass der Ausschnitt, in dem die Sozialdemokraten verunglimpft wurden, nicht mehr zu sehen war. Das hatte die SPD nach Angaben ihrer Fraktionsvorsitzenden Marijke Höppner gefordert, da sie dies aufgrund der antifaschistischen Vergangenheit der Partei nicht so stehen lassen wollte.

    Zwei Mitglieder der Anwohnerinitiative „Lebenswerte Linse“ hatten die umstrittene Rede gehalten. „Am Ende ging es um ein Konzept, das der Bezirk selbst in Auftrag gegeben hat“, meint Katharina Grave. Sie gehört zu den Sprecherinnen der Bürgerinitiative, die sich vor allem eine „schnelle und effektive“ Verkehrsberuhigung für die Rote Insel und die Schöneberger Linse am Südkreuz wünscht. „Es gibt eine sehr lange Vorgeschichte“, sagt Grave. Dazu gehöre ein Einwohnerantrag mit 1000 Unterschriften für das Verkehrskonzept, die SPD und CDU ignoriert hätten.
    Alles nicht so gemeint?

    Der Part in der Rede, um den es geht, sei jedoch definitiv „nicht so gesagt worden“, wie die SPD es verstanden hat, sagt Grave. Der strittige Part der Rede im Wortlaut: „Denn entgegen ihrer öffentlichen Rhetorik unterstützt die SPD auch in Tempelhof-Schöneberg das reaktionäre Bündnis gegen die Verkehrswende, dass von ganz rechts bis weit in die Mitte reicht. (...) Volle Zustimmung von den Rechtsextremisten, liebe SPD, den Vertretern des zivilisatorischen Rückschritts. Da könnte man vielleicht mal ins Nachdenken kommen.“ Andererseits, so die Sprecherin, habe man nichts mehr zu verlieren gehabt.

    BVV-Vorsteher Stefan Böltes wollte sich auf Anfrage zu dem Sachverhalt nicht äußern, da es sich bei dem Ältestenrat nicht um eine öffentliche Sitzung handelt.

    https://www.openstreetmap.org/node/7775729029

    #Berlin #Schönenerg #Rote_Insel #Stadtentwicklung #Verkehr #BVV #Politik

  • Transporter-Fahrer gegen Radfahrer - das geht heftig aus

    Ein Radler machte Fotos von einem riskanten Manövers des Transporters. Was danach geschah wurde zu einem brisanten Fall für den Richter.
    https://www.berliner-kurier.de/berlin/transporter-fahrer-gegen-radfahrer-das-geht-heftig-aus-li.2357631

    Leg dich nicht mit Transporterfahrer an. Euer Kutscher hat wegen solcher Mörder das Radfahren in der Berliner Innenstadt aufgegeben. Nach täglich etwa zwei ähnliche Begegnungen reichte es. Das war vor über zwanzig Jahren.

    Der Job macht die Leute kirre. Stress, keine Knete, Verachtung vom Chefausbeuter, wat willste. Verurteilt wurde der Falsche. Boss, Miethaie und Stadplaner müssten in den Knast.

    18.9.2025 vonBerliner KURIER
    Foto
    Der Angeklagte Maznun Azak sitzt in einer blauen Jacke vor dem Richter. Pressefoto Wagner

    Kurze Zündschnur: Ein Transporter-Fahrer ärgert sich über einen Radfahrer. Der liegt kurz darauf verletzt auf der Straße, und Autofahrer Maznun A. (53) steht nun vor Gericht. Der Lagerarbeiter war am 13. August 2024 mit einem Transporter in Kreuzberg unterwegs. Ein Wendemanöver dann auf der Köpenicker Straße – aus Sicht von Radfahrer Luke S. (44) war es riskant, behinderte mehrere Fahrradfahrer.

    S. zückte sein Handy – „ich machte ein Foto“. Dann stieg er wieder aufs Rad. An einer roten Ampel eine Begegnung: „Der Fahrer öffnete das Fenster und schrie mich an. Ich war schockiert.“ Mit Tempo 20 bis 25 sei er weitergefahren. Der Transporter habe ihn dann überholt – „der Fahrer hielt, stieg aus und warf mich vom Fahrrad“.
    Streit eskalierte auf offener Straße

    Der Radler rutschte über die Straße: „Ich hatte Glück, dass es keinen Gegenverkehr gab“. Die Folgen erheblich: „Kopf aufgeschlagen, Schulter ausgekugelt, Arm gebrochen, Lunge geschädigt.“ Zehn Monate habe er nicht arbeiten können, so der Massagetherapeut. „Rad fahre ich nicht mehr.“

    Der Angeklagte aber pocht auf Unschuld: „Ich wollte nur mit ihm reden und ihm sagen, dass er die Bilder löschen soll. Er kann mich doch nicht einfach auf der Straße fotografieren.“ An einer roten Ampel sei es der Radfahrer gewesen, der „komische Bewegungen gemacht, mit dem Handy gewedelt und gepöbelt“ habe.

    Transporter-Fahrer A.: „An einer Bushaltestelle fuhr ich dann rechts ran. Er war 30 bis 40 Meter hinter mir, fuhr auf mich zu.“ Er will ihm Zeichen gegeben haben: „Mit der Hand – ich wolle mit ihm reden“.

    Richter kontert die Darstellung des Angeklagten drastisch

    Doch S. sei schneller geworden. Fahrer A.: „Ich ging auf ihn zu, wollte ihn am Rucksack halten. Da ist er runtergefallen.“ Der Richter kontert: „Vom Rad gestürzt. Wenn man bei der Geschwindigkeit reingreift, muss man mit massiven Verletzungen rechnen.“

    Ein Augenzeuge (40): „Er hat ihn am Rucksack gepackt und zu Boden gerissen“. Der Radfahrer sei über den Lenker gestürzt. Der Autofahrer habe dann Zeugen wegschicken wollen: „Geht einfach weiter. Der Herr wird schon wieder aufstehen.“

    Der Angeklagte wollte Freispruch. Das Gericht sah es anders. Schuldig des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und der gefährlichen #Körperverletzung. Zwei Jahre #Haft auf #Bewährung und eine #Führerscheinsperre von 18 Monaten ergingen. Zudem soll A. ein Schmerzensgeld von 2000 Euro zahlen. (KE)

    #Berlin #Verkehr #Justiz #Arbeit